Australian Art Orchestra

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9. / 10. Juni 2022

AUSTRALIAN ART ORCHESTRA

Pierre Boulez Saal Saison 2021/22



AUSTRALIAN ART ORCHESTRA

Donnerstag

9. Juni 2022 19.30 Uhr

HAND TO EARTH Sunny Kim Gesang, Elektronik, Percussion Daniel Wilfred Gesang, Bilma (Clapsticks) David Wilfred Didgeridoo Aviva Endean Klarinette, Obertonflöte Peter Knight Trompete, Elektronik

Freitag

10. Juni 2022 19.30 Uhr

BUNGUL Ingar Zach Percussion Judith Hamann Violoncello Sunny Kim Gesang, Elektronik, Percussion Daniel Wilfred Gesang, Bilma (Clapsticks) David Wilfred Didgeridoo Aviva Endean Klarinette, Obertonflöte Peter Knight Trompete, Elektronik


David und Daniel Wilfred, die aus dem entlegenen Arnhemland in Nordaustralien stammen, zählen zu den Bewahrern der vielleicht ältesten ­kontinuierlich praktizierten musikalische Tradition der Welt. Die Lieder, die sie singen, manikay genannt, bilden einen ununterbrochenen Zyklus von ­Geschichten, der Jahrtausende zurück reicht. Sie sind aber auch zeitgenössisch, denn die Liedzyklen werden kontinuierlich erweitert. Die Geschichten über die Zeit, die wir zusammen mit David und Daniel und den Menschen ihrer Gemeinschaft verbracht haben – unsere Reisen, unsere Freundschaften –, ­haben nun ihre eigenen Lieder. Als wir uns vor etwa neun Jahren zum ersten Mal begegnet sind, erklärte mir Daniel den kulturellen Begriff des raki, der eine wichtige Bedeutung hat; das Wort lässt sich in etwa mit „Band“ oder „Faden“ übersetzen. Wenn wir uns zu einem Konzert versammeln, so erzählte er mir, werden wir alle – ­Publikum, Musikerinnen und Musiker – durch das raki miteinander verbunden. Für ihn gleicht jedes Konzert einer Art Zeremonie; in seiner Sprache, Wagilak, nennt man das ein bungul. Die Vorstellung, dass wir uns als Musikerinnen, Musiker und Publikum versammeln, um gemeinsam an den manikay teilzuhaben, und dabei nicht nur eine Aufführung einer unglaublichen musikalischen Tradition erleben, sondern selbst Teil davon werden und diese Tradition bereichern, ist für mich sehr kraftvoll und bewegend. Diese Erfahrung hat uns alle verändert, ebenso wie die vielen Hörenden, die an unserer Musik teilhaben. Die Auftritte hier im Pierre Boulez Saal sind besonders außergewöhnlich. Das raki zieht uns an diesen Ort des konzentrierten Hörens und des musika­ lischen Erbes, und wir freuen uns darauf, Sie zu unseren bunguls willkommen zu heißen. Peter Knight

Die Songline und das raki haben Zugkraft. Zwei Dinge. Sie ziehen dich, sie können dich aber auch berühren. Man singt nicht mit dem Kopf, man singt mit dem Herzen. Wenn man in meine Heimat kommt, während wir unsere manikay singen, sind wir alle versammelt. Das raki bringt uns ­zusammen und man sieht eine große Familie. Wenn ich auf die Bühne gehe, passiert noch immer genau das Gleiche: Ich versuche, eine neue Welt zu schaffen, ich ver­suche das Publikum in eine gute Welt mitzunehmen, in der es hören und verstehen kann. Daniel Wilfred


David and Daniel Wilfred from remote Arnhem Land in northern ­ ustralia are the keepers of what is perhaps the oldest continuously practiced A musical tradition in the world. The songs they sing, called manikay, form an unbroken cycle of stories that stretch back for millennia. They are also ­contemporary, as the song cycles are constantly being added to. The stories we now share of times spent together with David and Daniel and their community —our travels and our friendships—have their own songs. When we first met about nine years ago, Daniel explained the important cultural concept of raki, which roughly translates as “string.” He told me that when we come together at a concert, we are all being pulled together by the raki—the musicians and the audience. For him, a concert is a kind of ceremony; in his language, Wagilak, it is called a bungul. The notion that, when we gather as musicians and audience to share the manikay, we are not only witnessing the performance of an incredible musical tradition but are also becoming part of it and adding to it, is very powerful and moving for me. The experience has been transformative for all of us musicians, along with the many listeners with whom we have shared our music. These performances at the Pierre Boulez Saal are particularly special. We are drawn by the raki to this place of deep listening and musical heritage, and we look forward to welcoming you to our bunguls. —Peter Knight

The songline and the raki, they pull. Two things. They pull you, or they can touch you. You’re not singing from your head, you’re singing from your heart. If you go to my place, when we sing our manikay, you’ll see everybody. The raki pulls everybody together and you can see one big family. It’s still the same when I come on stage: I’m trying to create a new world, trying to bring you into a good world where you can listen and understand. —Daniel Wilfred


Sunny Kim Die koreanische Sängerin Sunny Kim arbeitet seit 2015 regelmäßig mit dem Australian Art Orchestra zusammen und ist mit vielen international bekann­ ten Künstlerinnen und Künstlern wie Ben Monder, Roswell Rudd, Dave Douglas, Trevor Dunn und Pheeroan akLaff aufgetreten. Sie ist Dozentin an der Universität von ­Melbourne und hatte zuvor verschiedene akademische Positionen in Korea inne. Als Band­ leaderin hat sie vier Alben veröffent­ licht, darüber hinaus ist sie auf weiteren Aufnahmen mit unterschiedlichen Projekten zu hören. Korean vocalist Sunny Kim has been a frequent collaborator of the Australian Art Orchestra since 2015 and has ­performed and recorded with many internationally renowned musicians such as Ben Monder, Roswell Rudd, Dave Douglas, Trevor Dunn, and

Pheeroan akLaff. She is a music lecturer at the University of Melbourne and previously held various academic ­positions in Korea. She has released four records as a leader and a number of a­ lbums in collaborative projects.

David Wilfred David Yipininy Wilfred gehört zur australischen First Nation der ­Ritharrngu und ist der traditionelle djunggayi (Leiter) der manikay (Lieder) des Nyilipidgi-Landes. Er lebt in Ngukurr im Northern Territory und unterrichtet an der dortigen Schule Gesang und Tanz. Zusammen mit seinen Familienmitgliedern Daniel und ­Benjamin Wilfred tritt er seit fast 15 Jahren mit dem Australian Art Orchestra auf und lässt so Menschen auf der ­ganzen Welt an seinen Liedern und seiner Kultur teilhaben. Seit 2015 ist er leitendes Fakultätsmitglied beim


­ reative Music Intensive-Programm C des Ensembles. David Yipininy Wilfred is a Ritharrngu man and the traditional djunggayi (manager) of the manikay (songs) of the country of Nyilipidgi. He lives in Ngukurr, Northern Territory, and teaches song and dance to the children at the Ngukurr School. Together with his family members Daniel and Benjamin Wilfred, he has been playing with the Australian Art Orchestra for almost 15 years, sharing his songs and culture with people around the world. Since 2015, David has been a leading faculty member at the ensemble’s ­Creative Music Intensive program.

Daniel Wilfred Daniel Wilfred ist Yolngu-Musiker aus Ngukurr im australischen Northern Territory und ein zeremonieller Leiter

des Wagilak-Volkes, bei dessen Zere­ monien er manikay (Lieder) singt und Bilma spielt. Seine Zusammenarbeit mit dem Australian Art Orchestra reicht ein Jahrzehnt zurück: Er tourte international mit dem Projekt Crossing Roper Bar, wirkte bei den Projekten The Hearkening und Seoul Meets ­Arnhem Land mit und ist als Dozent des jährlichen Creative Music Intensive-­ Programms des Ensembles tätig. 2019 wurde er mit dem Northern Territory Arts Fellowship ausgezeichnet. Daniel Wilfred is a Yolngu song man from Ngukurr, Northern Territory, Australia, and a ceremonial leader for the Wagilak people, singing manikay and playing bilma at ceremonies. His collaboration with the Australian Art Orchestra goes back a decade, ­performing and touring internationally with the project Crossing Roper Bar, as a contributor to the projects The Hearkening and Seoul Meets Arnhem


Land, and as a faculty member of the ensemble’s annual Creative Music ­Intensive. In 2019, he was the recipient of the Northern Territory Arts ­Fellowship.

Aviva Endean Aviva Endean ist Klarinettist:in, Kom­ ponist:in, Improvisator:in, Kurator:in, sowie Klang- und Performance­ künstler:in. Aviva arbeitet in einem breiten Spektrum unterschiedlicher Kontexte, darunter experimentelle und improvisierte Musik, neue Kam­ mermusik, Musiktheater und interdis­ ziplinäre Kollaborationen. Aviva wirkt regelmäßig mit dem Australian Art Orchestra zusammen und war 2018/19 erste Associate Artist beim Programm Pathfinder – Leadership des Ensembles. Aviva Endean is a clarinetist, composer, improviser, curator, sound artist, ­performance-maker, and collaborator.

Aviva works across a range of contexts including experimental and improvised music, new chamber music, creating theater works designed to be listened to, and working on cross-disciplinary collaborations. Aviva is a frequent ­collaborator of the Australian Art ­Orchestra and was the inaugural Associ­ ate Artist of the ensemble’s Pathfinder – Leadership Music Program in 2018–19.

Peter Knight Der Komponist, Trompeter und Klangkünstler Peter Knight bewegt sich in seiner Arbeit zwischen den ­Kategorien, Genres und Kulturen. Als künstlerischer Leiter des Australian Art Orchestra hat er sich als wichtiger Protagonist der internationalen zeit­ genössischen Musik etabliert und eine Reihe von Kompositionsaufträgen, Kollaborationen und Aufführungen initiiert. Dabei arbeitete er in jüngerer Vergangenheit u.a. mit Anthony


­ raxton, Nicole Lizée, Amir ElSaffar, B Alvin Lucier und dem Quartett ­Baliphonics zusammen. Außerdem führte er seine Werke mit dem ­Australian Art Orchestra bei namhaften internationalen Festivals auf, darunter das Jazzfest Berlin, das London Jazz Festival, Mona Foma in Tasmanien, Jazztopad im polnischen Wrocław, das nordaustralische Barunga Festival und das Melbourne Festival. Neben seiner Rolle beim Australian Art Orchestra präsentiert er seine Musik regelmäßig als Interpret und Komponist in unter­ schiedlichen Formaten; er komponiert außerdem für zeitgenössisches Theater und Film und schafft Klang­ installationen. Composer, trumpeter, and sound artist Peter Knight works between categories, genres, and cultures. As artistic ­director of the Australian Art Orchestra, he has emerged as a significant international force in contemporary music, initiating commissions, collaborations, and

p­ erformances with a diverse range of artists, including most recently Anthony Braxton, Nicole Lizée, Amir ElSaffar, Alvin Lucier, and the Baliphonics quartet. He has also performed his works with the Orchestra at major ­international festivals including Berlin’s Jazzfest, the London Jazz Festival, Mona Foma in Tasmania, Jazztopad in Wrocław, Poland, the Barunga Festival in Australia, and the Melbourne Festival. In addition to his role with the ­Australian Art Orchestra, he regularly presents his music as both performer and composer in a wide range of ­settings; he also composes for contem­ porary theater and film and creates sound installations.

Ingar Zach Der Perkussionist Ingar Zach widmet sich der improvisierten zeitgenössischen Musik. Er ist regelmäßig weltweit auf Tournee und arbeitet sowohl mit


seinen festen Ensembles Dans les arbres und Huntsville als auch in einer Reihe von anderen Projekten mit internatio­ nalen Künstlerinnen wie Caroline Bergvall und Ensembles wie O3, ­Mural, Looper, Glück, Lab Field und SNØ zusammen. Als Komponist be­ schäftigt er sich mit der Entwicklung von Soloprojekten und sowie Werken für andere zeitgenössische Forma­ tionen. In den vergangenen Jahren kom­ponierte er u. a. für das Ensemble Musikfabrik, das Quatuor Bozzini, Speak Percussion und Ludus Gravis. Percussionist Ingar Zach is dedicated to improvised contemporary music. Touring worldwide, he works both with his permanent ensembles, Dans les arbres and Huntsville, and in ­various other projects with inter­ national artists such as Caroline Bergvall and ensembles including O3, Mural, Looper, Glück, Lab Field, and SNØ. As a composer, he is contin­ uously working on the development of his solo projects as well as for other contemporary formations. In recent years he has composed for groups such as Ensemble Musikfabrik, Quatuor Bozzini, Speak Percussion, and Ludus Gravis.

z­ eitgenössischen klassischen, experi­ mentellen und populären Musik ­umfassen. Judith hat u.a. mit dem Australian Art Orchestra, Oren ­Ambarchi, Dennis Cooper, dem ­Ensemble ELISION, Sarah Hennies, Graham Lambkin, Alvin Lucier, ­Toshimaru Nakamura, The Necks, Áine O’Dwyer, Stephen O’Malley, Éliane Radigue und Wadada Leo Smith zusammengearbeitet und ist auf Festivals in aller Welt aufgetreten. Judith Hamann is a cellist and performer /composer from Naarm/Birraranga (Melbourne), now based in Berlin. A former student of Charles Curtis and Séverine Ballon in contemporary classical repertoire, Judith’s perfor­ mance practice stretches across various genres encompassing elements of ­improvised, contemporary classical, experimental, and popular music. ­Judith has worked with artists and ­ensembles including Australian Art Orchestra, Oren Ambarchi, Dennis Cooper, ELISION, Sarah Hennies, Graham Lambkin, Alvin Lucier, Toshimaru Nakamura, The Necks, Áine O’Dwyer, Stephen O’Malley, Éliane Radigue, and Wadada Leo Smith and appeared at festivals throughout the world.

Judith Hamann Judith Hamann ist Cellist:in, Perfor­ mer:in und Komponist:in aus Naarm/ Birraranga (Melbourne) und lebt in Berlin. Judiths Aufführungspraxis er­ streckt sich über verschiedene Genres, die Elemente der improvisierten,

Redaktion: Pierre Boulez Saal, Dramaturgie Bildnachweise: Olle Holmberg (Hamann), ohne Urheberangabe (Zach), Sarah Walker (alle übrigen) Projektmanagement: Gosia Cnota Kurator für improvisierte Musik und Jazz: Piotr Turkiewicz


Beide Konzerte werden per Audio-Livestream auf Pierre Boulez Saal Online übertragen und dort später zum Nachhören veröffentlicht. Als Gast dieses Abends erhalten Sie zwei Wochen lang kostenlosen ­Zugang zu unserem neuen digitalen Angebot und können nicht nur die Auftritte des Australian Art Orchestra noch einmal erleben, sondern auch einen regelmäßig erweiterten Katalog von audiovisuellen Aufnahmen aus dem Pierre Boulez Saal sowie weitere Musikformate entdecken. Um Ihren kostenlosen Zugang zu aktivieren, besuchen Sie member.boulezsaal.de und loggen sich mit Ihren bestehenden ­Zugangsdaten ein. Fragen? Sie erreichen uns unter tickets@boulezsaal.de oder 030 / 4799 7411.

Both concerts are being audio-streamed live on Pierre Boulez Saal ­Online and will be released later for on-demand listening. As a ticket buyer, we offer you two weeks of free trial access to our new ­digital platform, where you can not only revisit the performances of the A ­ ustralian Art Orchestra but also explore an ever-expanding ­catalogue of audio-visual recordings from the Pierre Boulez Saal as well as other musical formats. To start your free trial, visit member.boulezsaal.de/en and log in with your existing customer ­account and password. Questions? You can reach us at tickets@boulezsaal.de or by calling +49-30-4799 7411