CH Regionalmedien AG I Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern I Obere Bahnhofstrasse 5 I 8910 Affoltern am Albis I Telefon 058 200 5700 I www.affolteranzeiger.ch I Auflage 27 313 I AZ 8910 Affoltern a. A. I Post CH AG
AUS DEM BEZIRK AFFOLTERN I Nr. 68 I 177. Jahrgang I Freitag, 8. September 2023
Willkommene Finanzspritze
Gewiefter Netzwerker
EVP-Kantonsrat Daniel Sommer hatte mit einem dringlichen Postulat Erfolg. Für den Schreiner-Nachwuchs gibts 400 000 Franken. Seite 3
Pilze sind vor allem populär im Kochtopf. Dabei spielen sie in unserem Leben eine viel präsentere Rolle, als wir vielleicht denken. Seite 7
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Monate bedingte Haft und Geldstrafe: Diese Strafe erhielt ein Kosovare wegen eines Drogendelikts. Seite 5
Viel Bewegung im Unterholz Der Klimawandel sorgt auch in den Wäldern im Säuliamt für neue Strategien Luc MüLLer Ein Streifzug durch den Wald. Dem Blick von Förster Flurin Farrér entgeht nichts. Seine Augen schauen in Richtung Himmel. «Diese befallene Fichte habe ich erst jetzt entdeckt», sagt der gebürtige Bündner und macht sich auf, den Baum genauer zu untersuchen. Die Rinde blättert bereits ab, auf den Blättern der Farne, die unter dem Stamm wachsen, ist feiner Holzstaub zu sehen. Hier hat sich der Borkenkäfer unter die Rinde gebohrt. Die Käfer, die ausschliesslich Fichten befallen, entwickeln sich unter den Baumrinden. Dort fressen sie Gänge in den weichen Rindenbast. Dabei beschädigen sie die Saftstromleitungen der Bäume. Diese verdursten so, weil die Wasserzufuhr unterbrochen ist. Die Borkenkäfer bevorzugen heisses und trockenes Klima – so wie es im Juni und Juli der Fall war.
Borkenkäfer unterwegs Flurin Farrér ist seit rund 25 Jahren Förster für die Gemeinden Knonau, Maschwanden, Mettmenstetten, Obfelden und Ottenbach. Sein Revier ist rund 700 Hektaren gross und besteht aus reinem Privatwald. Die Hälfte davon gehört sechs Holzkorporationen, die anderen 350 Hektaren sind im Besitz von rund 450 privaten Waldbesitzern. Im Auftrag der Holzkorporationen und der Privaten kümmert er sich um deren Wälder. Rund 700 Kubikmeter Holz war aktuell in seinem Forstgebiet vom Borkenkäfer befallen – betroffen waren unter anderem Wälder in Obfelden, Mettmenstetten oder Maschwanden. «Dieser Befall liegt noch im Durchschnitt», erzählt der Förster. Nach dem Wintersturm Burglind, der 2018 viele Fichten fällte, waren es rund zehn Mal mehr an Borkenkäferholz. «Das befallene Holz muss so schnell als möglich aus dem Wald, damit die Borkenkäfer nicht noch andere Bäume befallen», erklärt Farrér. Dieses Holz kann trotzdem noch an die Holzwirtschaft verkauft werden – aber mit Verlust. Für gesundes Fichtenholz gibt es pro Kubikmeter rund 115 Franken, für Käferholz rund 80 Franken. Das befallene Holz wird beispielsweise zu Schalungselementen, die auf dem Bau zum Einsatz kommen, verarbeitet. Aus dem hochwertigen Fichtenholz entstehen Möbel. Nun steht der Förster mitten im Wald. Hier in Ottenbach im Isenberg musste er rund 150 Kubikmeter vom Borkenkäfer befallenes Holz fällen. Die Fichte gerät immer mehr unter Druck.
Seite 7 Susanne Schmidt, Geschäftsführerin Seleger Moor. (Bild Peter Meier)
Vielfältige Hof-Produkte Die Bauern im Säuliamt beweisen viel Kreativität. Auf den Höfen entstehen immer mehr Nischenprodukte. So etwa Gin in Kappel und Wolle in Mettmenstetten. Oder Pilze, die seit mehr als 40 Jahren auf dem Bio-Hof der Familie Schneebeli produziert werden. Der «Anzeiger» hat drei Betriebe besucht und stellt ihre Produkte vor. (red)
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Seit 25 Jahren in den Wäldern im Säuliamt unterwegs: Förster Flurin Farrér. (Bild Luc Müller) Sie verträgt die Hitze schlecht. Zudem wurzelt die Fichte, auch Rottanne genannt, nicht tief in der Erde. Sie findet so bei Trockenheit nicht genügend Wasser und hält grossen Stürmen weniger Stand.
Fichten brachten früher viel Geld Warum gibt es so viele Fichten hier? «Die Wälder, die ich hier betreue, sind im Besitz von Privaten. Für sie ist der Wald auch eine Fläche, die bewirtschaftet wird und Ertrag abwirft. Es gibt nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Interessen», führt Flurin Farrér aus. Der Wald als Einnahmequelle: Das war vor rund 150 Jahren noch ein wichtiges Standbein für die Waldbesitzer, die oft hauptberuflich Landwirte waren. Die Fichte brachte gutes Geld – deshalb pflanzte man diesen Baum besonders gern. Und zwar dicht an dicht. So entstanden dunkle Wälder voller Fichten. Der Effekt: Die Bäume streben zum Licht und wachsen so schneller in die Höhe, was für mehr Holzertrag sorgt. Ab einer Fläche von 50 Hektaren müssen die Waldbesitzer einen Bewirtschaftungsplan vorweisen. Grundsätzlich gilt: Es darf nur so viel gefällt werden, wie auch nachwächst. Nun sorgt der Klimawandel auch für ein Umdenken im Wald. «Wir haben lange von der Arbeit unserer Forst-Vorgänger profitiert. Nun müssen wir eine neue Strategie fahren. So ist die Natur»,
Schwieriges Überleben
Haselbach in Knonau erneut ausgefischt Der Haselbach, der unter anderem die Gemeinde Knonau durchfliesst, bietet einen Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren: So etwa für Bachforellen, Groppen oder Krebse. Im Jahr 2018, als es im Sommer während Wochen nicht mehr regnete, musste der Bach notfallmässig
«Ich bin begeistert vom Forschertag.»
ausgefischt werden, um die Tiere vor dem Tod zu retten. Seither häufen sich die Eingriffe. Auch in diesem Jahr ging es Anfang September nicht mehr ohne. Die Pächter sind besorgt. (lhä)
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sagt Flurin Farrér. Hitze und Trockenheit nehmen zu und der Regen fällt nicht mehr regelmässig. Dafür nehmen Starkregen zu. Laubmischwälder – das ist die neue Philosophie in den Schweizer Wäldern. «Vor allem seit dem Sturm Lothar, der 1999 grosse Verwüstungen im Wald hinterlassen hat und viele Fichten fällte, gab es eine neue Strategie», so Farrér. Zurück zur Waldfläche im Ottenbacher Isenberg-Gebiet: Auf rund neun Aren Wald, wo vorher die befallenen Fichten standen, werden nun 100 neue Bäume gepflanzt. «Zu rund 60 Prozent soll hier Laubwald entstehen, der Rest aus Nadelbäumen bestehen», erklärt der Förster. Gefragt sind Bäume, welche die Hitze gut vertragen und tiefe Wurzeln haben, um genügend Wasser zu finden und auch Stürmen zu trotzen. Heimische Laubbäume wie Eichen, deren Anbau der Bund in den vergangenen Jahren finanziell gefördert hat, Nussbaum oder Kastanien sind geeignet, dazu Nadelhölzer wie Föhren oder Douglasien aus Nordamerika. «Seit rund 15 Jahren habe ich hier im von mir betreuten Forstgebiet 30 neue Baumarten gepflanzt», verrät der Förster. Noch sei es zu früh für erste Erkenntnisse. «Stelle ich einen alten Menschen in die Wüste, wird er viele Probleme habe. Ein zehnjähriges Kind hingegen könnte sich noch besser an die Extremsituation anpassen – das auch im Laufe der Jahre.» Das sei ähnlich mit den Bäumen: «Vielleicht werden sich
die Bäume, die jetzt Mühe haben, nach Jahrzehnten anpassen», so Farrér. Mühe mit der Hitze und Trockenheit hat seit einigen Jahren die Buche mit ihren niedrigen Wurzeln: Stressbedingt verfärben sich die Blätter jetzt schon, viel zu früh, wie im Herbst.
Kastanienholz gefragt Die Durchmischung von Laub- und Nadelwäldern ist wichtig, weil das direkten Einfluss auf den Waldboden hat. Wo dieser von einer dichten Nadelschicht bedeckt ist, wird der Boden sauer. Das zeigt sich vor allem daran, dass hier viele Brombeerstauden wachsen. Die Insekten können diesen sauren Boden nicht gut verarbeiten. Ist dieser jedoch auch mit Laub bedeckt, wird die Feuchtigkeit im Boden besser gelagert und es gibt eine gute Humusschicht. «Kastanienholz ist derzeit gefragt und erzielt einen guten Preis», sagt Flurin Farrér. Der Baum hat auch den Vorteil, dass er schnell wächst und hitzeresistent ist. Ökologie und Ökonomie unter den Hut bringen – das ist auch für Förster Flurin Farrér eine dauerhafte Aufgabe. Zwar sind Fichten anfällig, aber dafür können sie schon nach rund 20 Jahren gefällt werden, was schneller Ertrag einbringt. Anders als die robusten Eichen, die jedoch erst viel später reif für die Holzernte sind. Und eigentlich wären Linden optimal, die aber ein zu weiches Holz haben und für die Industrie nicht interessant sind.
15. – 16. September 2023 Freitag ab 20 Uhr durchgehend bis Samstag, 12 Uhr Albis Beck, Albisstrasse 3, 8932 Mettmenstetten
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«Kristall Digital» – 20 Kinder machen Theater
Das Kindertheater ohoo! präsentiert am Samstag und Sonntag sein neues Stück. Es trägt den Titel «Kristall Digital». Dabei steht die Frage im Raum, was real oder digital ist. Theater ohoo! bietet seit gut fünf Jahren Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglich-
keit, Theater zu spielen, eigene Ideen einzubringen und auch vor Publikum aufzutreten. Auch dieses Jahr sind rund 20 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren mit viel Herzblut dabei. (red)
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