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056_2019

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Bezirk Affoltern

Freitag, 19. Juli 2019

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Unter einem Baum die letzte Ruhe finden Im Friedwald bei Jonen-Hedingen lassen Menschen ihre Asche bestatten Seine Asche nach dem Tod bei einem Baum begraben lassen, dessen Wurzeln die Nährstoffe aufnehmen und so symbolisch das Leben weiter fortbestehen lassen. Diese Idee findet bei vielen Menschen Anklang. ................................................... Von stefan schneiter Dem Stück Wald in der Ismatt zwischen Jonen und Hedingen sieht man nichts Besonderes an. Ein friedlicher, idyllischer Mischwald aus Buchen, Eichen, Ahorn, Ulmen, Rottannen und einer Reihe weiterer Baumarten. Der Waldboden ist bedeckt mit Untergehölz oder herumliegenden Ästen und Laub. Warmes Sonnenlicht fällt durch die Baumkronen, ein leichtes Lüftchen weht, Vogelgezwitscher ist zu hören und in der Ferne Töne von Waldarbeiten. Doch ein völlig normaler Wald ist das nicht. Sondern ein Friedwald, ein Ort, wo Menschen ihre letzte Ruhestätte finden. So wie Michaela und Alexander Tobler (Namen von der Redaktion geändert), die vor einem Ahornbaum stehen. «Wir sind da, das ist unser Baum», sagt sie. Markiert ist der Baum mit einem einfachen Buchstabencode, den nur sieht, wer genau hinschaut. «Der Wald ist der richtige Ort für uns nach dem Tod», fügt sie hinzu und erzählt, wie sie seit jeher eine enge Bindung zum Wald und zur Natur gehabt hat, wie sie als Kind ihren Grosseltern bei Arbeiten im Wald mitgeholfen hat und heute häufig Waldspaziergänge mit Hund Aramis unternimmt. Auch ihr Mann fühlt sich im Wald geborgen, er, der in der Nähe eines Waldes aufgewachsen ist und als Kind oft im Wald war, mit Kameraden dort einen Bach gestaut und unter einem Wasserfall gespielt hatte. Das Ehepaar aus Affoltern, beide 66 Jahre alt und seit 43 Jahren miteinander verheiratet, ist sich einig, dass ein Grab auf dem Friedhof für sie nicht in Frage kommt «Ein Gemeinschaftsgrab, das ist nicht unser Ding», sagt er. Auch ein Einzelgrab nicht, da lägen alle wie Soldaten in Reih und Glied. Und überhaupt, Gräber auf Friedhöfen würden von gewissen Angehörigen kaum selbst gepflegt, und wenn deren Unterhalt von seiten der Gemeinde erfolge, sei dies sehr unpersönlich und stimme einen traurig. Vor allem traf es das Ehepaar, als sie in diesem Frühling von der Gemeinde Obfelden Bescheid erhielten, dass das Grab ihres Vaters bereits nach 21 Jahren aufge-

Michaela und Alexander Tobler vor dem Ahornbaum, an dem dereinst ihre Asche begraben wird. (Bilder Stefan Schneiter) hoben würde und ihre Mutter somit die letzte Ruhestätte des Ehemanns nicht mehr besuchen kann. «Und das, obwohl der Platz gar nicht anderweitig gebraucht wird», hinterfragt Michaela dieses Vorgehen.

London lebte, aber in der Schweiz bestattet werden wollte. Durch das Ver-

Um sich «ihren» Baum zu reservieren, haben die beiden vor sieben Jahren rund 5000 Franken bezahlt. Damit haben sie sich das Recht erworben, dass an den Wurzeln dieses Baumes dereinst ihre Asche begraben wird. Und die Gewissheit, dass der Baum bis ins Jahr 2093 nicht verschwinden wird. Somit könnten ihre Nachkommen, falls gewünscht, ihre letzte Ruhe ebenfalls unter diesem Ahornbaum finden. Die Idee des Friedwaldes und der Bestattung im Wald stammt von Ueli Sauter. Der heute 78-jährige Thurgauer, Initiant und Geschäftsführer der Friedwald GmbH in Mammern (TG), hatte diese Idee 1993, als ein langjähriger Freund von ihm starb, der in

Vorsicht in der Natur

Erste Fälle von Fuchsräude bekannt

Die Fuchsräude wird von der Grabmilbe «Sarcoptes scabiei» verursacht. Diese lebt in der obersten Hautschicht, wo sie sich von Zell- und Gewebeflüssigkeit ernährt. Wie durch diverse Medienberichte bekannt und durch den ortsverantwortlichen Wildhüter bestätigt, macht diese auch im Knonauer Amt die Runde. Es wird empfohlen, befallene Hunde nicht zu anderen Hunden zu lassen und die im selben Haushalt lebenden Hunde oder Katzen gleich mitzubehandeln. Wenn die Diagnose klar ist, wird der erkrankte Hund sofort entsprechend behandelt. Schlafplätze, Spielzeuge und

ziehen will oder ob man vorgängig in der Kirche eine Abdankungszeremonie vornehmen möchte. Stirbt eine Person, muss die Friedwald GmbH vor der Bestattung der Asche, die nicht in einer Urne beigesetzt werden darf, benachrichtigt werden. Dann hebt Friedwald ein Loch an dem Baum aus, macht eine sogenannte Wurzelöffnung. Ausserdem stellt sie ein Schäufelchen bereit, mit welcher die Angehörigen, Freunde oder Bekannten die Asche der verstorbenen Personen zudecken können.

Zusammen in den Tod Pro Baum können mehrere Personen bestattet werden. Wer, das können die Käufer des Baums bestimmen. Auch Haustiere sind zugelassen. Michaela und Alexander Tobler haben bereits einen ihrer Hunde an ihrem Ahornbaum beigesetzt. Zudem möchten sie auch einen Teil der Asche ihrer Eltern oder der Erde von dort, wo diese beigesetzt wurden, bei diesem Baum einbringen. Dem eigenen Tod sehen sie mit Gelassenheit entgegen. «Der Tod ist nichts Schlimmes. Für die Zurückbleibenden mag es traurig sein, doch wer geht, geht ja sozusagen zurück in den Kreislauf der Natur», sagt Michaela. Die beiden wünschen sich, miteinander sterben zu können. «Wir sind zusammen, seit wir 19 Jahre alt waren. Wir sagten immer, wir gehen dann mal miteinander in den Tod.» «Doch ob es klappt, wissen wir nicht», meint Alexander. www.friedwald.ch.

Ein Wald wie jeder andere

Nichts - ausser diskreten Buchstabencodierungen an einigen Bäumen – deutet darauf hin, dass dies ein Friedwald ist. anzeige

In Mettmenstetten, Knonau und Maschwanden macht die Fuchsräude die Runde. Die Milbenkrankheit ist für Hunde hochansteckend.

graben der Asche eines Verstorbenen an den Wurzeln eines Baumes würde aus den Nährstoffen neues Leben entstehen können. Der verstorbene Mensch lebe so symbolisch weiter, umschreibt Sauter den FriedwaldGrundgedanken. Über 70 Friedwälder gibt es schweizweit. Der Friedwald in JonenHedingen existiert seit 15 Jahren. Bislang wurden hier elf Menschen bestattet, unter Buchen, Eichen, Eiben und Ahornbäumen, je nach individuellen Wünschen. Die Bäume – sie sind noch nicht sehr mächtig, schliesslich müssen sie noch viele Jahre weiterbestehen – verteilen sich über ein rund 7000 Quadratmeter grosses Areal. Äusserlich ist, ausser den einfachen Buchstabencodes – AE, AK, BB usw. – kaum etwas zu erkennen. Neben einem Baum steht ein kleines Namensschild mit einem Namen und Todesdatum drauf. An einem Baum hängen zwei kleine Engelchen aus Gips. Es ist die Ausnahme, denn es ist nicht vorgesehen, ja sogar verboten, dass Angehörige irgendwelche Gedenkbeigaben wie Kerzen, Bilder, Blumen oder eben Engel an den Bäumen deponieren. Der Wald soll so natürlich wie möglich erhalten bleiben. Auch wird er nicht speziell sauber gehalten, Äste liegen wild herum, Untergehölz wächst und gedeiht wie überall sonst in andern Wäldern. Einzig noch zwei Schilder mit dem Baumlogo von Friedwald markieren die spezielle Waldpartie. Die Form der Abdankung bleibt den Einzelnen vorbehalten. Man kann frei wählen, ob man eine Pfarrperson oder irgendeinen Ritualbegleiter bei-

Futternäpfe müssen zwingend desinfiziert werden. Als Symptom zeigt sich insbesondere der Juckreiz. Die Haut wird schuppig, weist viele Kratzspuren auf und das Hautbild wird durch bakterielle Sekundärinfektionen massiv verschlimmert. Haarausfall und Krustenbildung auf der Haut die Folge. Wichtig ist es, bei stark juckenden Hautveränderungen, die Möglichkeit der Fuchsräude im Auge zu behalten und wenn nötig den Tierarzt auch darauf aufmerksam zu machen. Um der Fuchsräude vorzubeugen, sollten – insbesondere nachtsüber – keine Essgeschirre im Freien gelassen werden. Hunde sind beim Waldspaziergang besser an der Leine zu führen: Nicht zuletzt wegen des Jungwilds, aber auch, damit sie nicht unbeaufsichtigt stöbern und mit Fuchskot in Berührung kommen. (pd.)

Ein kleines Schild markiert den Ort der Waldbestattungen.


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