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Serie
Freitag, 19. Juli 2019
Vom Sorgenkind zum Vorzeigeobjekt Sommerserie «etwas bewegt» (2): Die Obfelder Badi ist ein Bijou, sorgte aber vor 20 Jahren für Negativschlagzeilen Ein Generalunternehmer in finanziellen Nöten, der sich über Nacht ins Ausland absetzte, und geprellte Handwerker: Die Badi in Obfelden, vor exakt 20 Jahren eingeweiht, lieferte nach ihrer Eröffnung negative Schlagzeilen. Das ist längst vergessen: Heute ist sie stark frequentiert und ein beliebter Treffpunkt.
Sauberkeit der Anlage zu schätzen wissen.
Geprellte Handwerker
................................................... von werner schneiter Bei heissem Sommerwetter, wie in den vergangenen Wochen, werden in der Obfelder Badi bis zu 1200 Gäste registriert. Ist dies an Wochenenden der Fall, so wird es im Becken und auf dem Grund rundherum tatsächlich eng. An Wochentagen kommen die Leute gestaffelt; während die einen ihre Längen in den früheren Morgenstunden drehen, räkeln sich die anderen nachmittags an der prallen Sonne oder ziehen die kühleren Abendstunden vor. «Die Badi ist während der Sommermonate zum zusätzlichen Treffpunkt im Dorf geworden. Aber um die 1000 Personen bilden schon eine Grenze», sagt Paul Höhener, Bademeister in der achten Saison. Eine zusätzliche Attraktion bildet natürlich das Restaurant, das bei Bedarf rund 100 Gästen Platz bietet. Als Paul Höhener den Job als Bademeister übernahm, wurden pro Saison rund 22 000 Gäste gezählt, heute sind es rund 30 000 – ein beträchtlicher Teil stammt nicht aus der Gemeinde, wie
Bange Frage auf der Titelseite in der Ausgabe vom 19. Mai 2000. Nun, der öffentlichen Hand entstanden letztlich keine Mehrkosten. Die Geprellten waren gegen 30 Handwerker, die insgesamt fast eine halbe Million abschreiben mussten.
«Geschichten, die bewegt haben» Zeitungsartikel bilden meist eine Momentaufnahme ab, allenfalls eine Entwicklung in der Vergangenheit. In der Sommerserie 2019 will der «Anzeiger» den Fokus darauf richten, was daraus wurde. So greifen die Journalisten ein Thema auf, über das sie einst geschrieben haben, und zeigen, was sich seither bewegt hat – vielleicht auch im Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung. (tst.) Bereits erschienen: Ein kurzer, aber berührender Brief aus Tschorny Bor, 16. Juli.
Badegäste aus Obfelden werden sich wohl kaum noch daran erinnern, von welchen Turbulenzen die Anfänge begleitet waren: Bei der Einweihung am 3. Juli 1999 spielte der Musikverein Obfelden unter sengender Sonne, nachdem die Gemeindeversammlung im Jahr zuvor für den Neubau 2,35 Millionen Franken bewilligt hatte. Aber bald zogen düstere Wolken auf. Zuerst machte der Generalunternehmer (GU) Mehrleistungen geltend, dann wurde sein Liquiditätsengpass bekannt. Mit Versprechungen hielt er die Handwerker bei Laune, liess aber die Frage im Raum, ob er alle Mittel zweckgebunden eingesetzt hat und der anspruchsvollen Aufgabe überhaupt gewachsen war. «Er konnte sich gut ‹verkaufen› und hat alle getäuscht», sagte ein Kleinunternehmer gegenüber dem «Anzeiger», der rund 20 000 Franken ans Bein streichen musste. Mehr noch: Der Scharlatan setzte sich bei «Nacht und Nebel» ins Ausland ab und liess gegen 30 Handwerker und Unternehmungen zurück, die ihre Forderungen von insgesamt knapp einer halben Million Franken abschreiben mussten. Sie löschten aufgrund von Zusagen des GU die Bauhandwerkerpfandrechte, während die Gemeinde damals all ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber ebendiesem GU nachkam und deshalb bezüglich der Haftungsfragen «aus dem Schneider» war. An der Mai-Gemeindeversammlung 2001 verkündete der Gemeinderat doch noch etwas Positives: Die Versicherung stand für Mängel bei der Wasseraufbereitung mit 110 000 Franken gerade.
Becken mit Edelstahlauskleidung
Gemeinderat Stephan Hinners (rechts) und Bademeister Paul Höhener freuen sich über eine sehr gut genutzte Badi in Obfelden, die vor just 20 Jahren eingeweiht wurde. (Bilder Werner Schneiter) die ausserkantonalen Autonummern auf dem Parkplatz andeuten. «Trotz der steigenden Besucherzahlen und laufender Optimierungen der Anlage und der Betriebsabläufe weist die Badi Ende Jahr ein Defizit auf. Wir haben dieses in den letzten Jahren stetig verringern und gegenüber den ersten Betriebsjahren halbieren können», sagt der für die Badi zu-
ständige Gemeinderat Stephan Hinners – unter dem Hinweis, dass solche Betriebe in der Regel keine Gewinne abwerfen können. In Obfelden auch dann nicht, wenn sich die Frequenzen aufgrund steigender Einwohnerzahlen weiter erhöhen sollten. Werbung, so betonen die beiden Protagonisten, muss die Badi Obfelden nicht betreiben. Die Mund-zu-
Mund-Propaganda wirkt, und selbst vom linken Zürichseeufer und aus der Stadt Zürich kommen Badifans nach Obfelden – auch wenn sie auf einen Sprungturm verzichten müssen. Unter ihnen viele Familien, die ihre im kleinen Becken badenden Kinder aufgrund der topografischen Lage der Badi gut im Auge behalten können – und darüber hinaus die
Auch andere Mängel blieben in den nächsten Jahren Thema, vor allem jene an der Betonbeckenkonstruktion. Wie stark die Stimmberechtigten eine funktionierende Badi gewichteten, offenbarte sich – einmal mehr – an der Urnenabstimmung von Ende Februar 2016: Mit einer Zweidrittelmehrheit sagten sie Ja zum Kredit von 2,1 Mio. Franken für eine Edelstahlauskleidung der Becken – eine Konstruktion, die für 30 bis 40 Jahre halten soll. Diese war schon bei der Neubauvorlage ein Thema, wurde aber damals aus Kostengründen abgelehnt.
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GlĂĽckliche Schwanenfamilie auf der Reuss. (Bild Monika Arnold)
Herzstein, TĂĽrlersee. (Bild Jacqueline Ott)