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018 2016

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Bezirk Affoltern

Freitag, 4. März 2016

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«Sicherheit kommt bei uns vor Wachstum» 200 Jahre Clientis Sparcassa 1816: Marcel Melliger, Vorsitzender der Bankleitung, zu den Geschäftsprinzipien

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Eine Stärke ist sicher die Nähe – die Nähe zu den Kunden. Und dass Sie und Ihre Mitarbeitenden die Region gut kennen, gut vernetzt sind. Das bringt ja wohl Vorteile. Ja, unsere gelebte Kundennähe ist sicher ein grosser Trumpf. Viele unserer insgesamt 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohnen in unseren Regionen, kennen sich gut aus und pflegen ein grosses Beziehungsnetz.

ie Clientis Sparcassa ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Und einmalig ist auch der Grund für die Gründung der Kleinbank vor exakt 200 Jahren: ein Vulkanausbruch in Indonesien. Im Jahr 1815 brach der Tambora mit grosser Wucht aus, was sogar zu einer globalen Klimaveränderung und zu Hungersnöten führte, weil Ernten ausblieben. Wegen dieses grossen Elends gründete der Wädenswiler Ortspfarrer Paul Philipp Bruch eine Sparcassa, die 1816 aus der kleinen Donnerstags-Gesellschaft entstand. Sie bot Gelegenheit für Bauern und Handwerker wie für die arme Magd, ihr Geld sicher anlegen zu können. Der Begriff «Sicherheit» spielt bei der Clientis Sparcassa auch 200 Jahre nach ihrer Gründung eine tragende Rolle. «Sicherheit vor Wachstum», lautet der Leitsatz. Kundennähe, treue Mitarbeitende, gut verständliche Produkte sind weitere Merkmale einer Bank, die auch keine Boni auszahlt, wie Marcel Melliger, Vorsitzender der Bankleitung, im nachfolgenden Interview ausführt. «Anzeiger»: 200 Jahre Sparcassa – eine sehr lange Zeit, in der es viele Stürme und Krisen gab. Wie kann eine vergleichsweise kleine Bank so lange überleben – und das so gut? Marcel Melliger: Wir sind in der Region stark verankert und streben eine kontinuierliche, nachhaltige Entwicklung an. Wir haben der Versuchung des schnellen Gewinns widerstanden. Unsere Politik war und ist ein überblickbares und risikobewusstes Wachstum. Die Strategie «Sicherheit vor Wachstum» verfolgt die Clientis Sparcassa 1816 schon seit Jahren. .................................................................

Vom schwindenden Vertrauen in die Grossbanken haben wir profitiert ................................................................. Vor wenigen Jahren mussten Grossbanken mit Steuergeldern gerettet werden. Die Finanzkrise 2007 schlug voll durch und brachte grosse Geldhäuser wegen ihrer Bonipolitik und zu wenig Eigenmitteln in die Bredouille. Hat Ihre Bank Auswirkungen dieser Krise auch gespürt? Ja, Clientis Sparcassa 1816 das auf verschiedenen Ebenen gespürt. Vom schwindenden Vertrauen in die Grossbanken haben wir profitiert und einen markanten Kundenzulauf verzeichnen können. Der Kunde hat bei uns, einer sehr eigenmittelstarken Bank, die Sicherheit auch gefunden. Das Vertrauen der Kundschaft hat uns natürlich sehr gefreut. Neben der Sicherheit, die der Kunde sucht, profitiert er auch von einem kundenfreundlichen Service, von fairen und vorteilhaften Konditionen. Andererseits macht uns die Regulierungsflut zu schaffen. Sie kam nach den Problemen der Grossbanken mit voller Wucht. Dadurch entstehen uns grosse Kosten, obwohl wir weder Auslöser noch Grund der Finanzkrise anzeige

Dann gehören die zum Teil langjährigen Mitarbeitenden auch zum wertvollen «Kapital» der Sparcassa. Ja. Und auf die grosse Kontinuität im Mitarbeiterstab sind wird stolz. Das durchschnittliche Dienstalter beträgt aktuell rund 13,5 Jahre. Das ist sehr hoch und für uns Unterscheidungsmerkmal wie Wettbewerbsvorteil.

Marcel Melliger, Vorsitzender der Bankleitung der Clientis Sparcassa 1816, in der Affoltemer Geschäftsstelle: «Wir haben die Boni vor sehr vielen Jahren aus Prinzip abgeschafft.» (Bild Werner Schneiter) waren. Leider unterscheidet da der Gesetzgeber zu wenig zwischen inlandorientierten und internationalen Banken. ...............................................................

Boni aus Prinzip abgeschafft ............................................................... Schütten Sie auch Boni aus? Wir haben die Boni vor sehr vielen Jahren aus Prinzip abgeschafft. Solche Zahlungen sind in der Regel an kurzfristige Erfolge geknüpft und setzen so falsche Anreize, wie beispielsweise höhere Risiken einzugehen. Oder in der Beratung wird versucht, dem Kunden möglichst viele Produkte zu verkaufen – ohne die Kundenbedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Natürlich sichert ein guter Kundenzulauf den Erfolg einer Bank – und damit auch die Arbeitsplätze. Dieser Wechselwirkung sind sich auch unsere Mitarbeitenden bewusst, ohne dass sie dafür einen Bonus erwarten. Können Sie uns etwas über das Wachstum Ihrer Bank in den vergangenen Jahren sagen? Wir sind moderat, aber stetig gewachsen. Wie gesagt: Der Sicherheitsgedanke steht im Vordergrund. Unser Wachstum betrug in den vergangenen Jahren rund zwei Prozent pro Jahr – damit bewegen wir uns natürlich nicht über der Marktentwicklung. Was ist das Kerngeschäft der Clientis Sparcassa 1816? Unser Kerngeschäft ist das Hypothekargeschäft, die Finanzierung von Liegenschaften. Die uns anvertrauten Kundengelder werden wieder in der Region investiert. Ihre Bank investiert auch in Immobilien.

Weshalb? In Affoltern ist derzeit eine Überbauung der Sparcassa im Gang. Wir haben uns mit dem Aufbau eines bankeigenen Immobilienportefeuilles ein weiteres Ertragsstandbein aufgebaut. Diese Erträge unterliegen weniger Schwankungen als beispielsweise Wertschriftenkommissionserträge. Bei Schweizer Obligationen resultiert eine Negativrendite. Zudem sind Immobilien für uns eine willkommene Anlagemöglichkeit unserer Mittel – im heutigen Umfeld erst recht. Im Vergleich werfen heute Schweizer Obligationen eine Negativrendite ab. Wo grenzen Sie sich von Grossbanken ab? Sind das auch Konkurrenten? Auch Grossbanken sind Konkurrenten. Sie bearbeiten den Heimmarkt Schweiz jetzt wieder intensiver, weil

sie gemerkt haben, dass die Erträge viel stabiler sind als in anderen Geschäftsfeldern. ...............................................................

Wir sind grossmehrheitlich in unseren Regionen tätig ............................................................... Ist die Sparcassa ausschliesslich in ihren Regionen tätig – oder «fischt» Sie auch Kunden aus der ganzen Schweiz oder gar im Ausland? Wir sind grossmehrheitlich in unseren Regionen tätig. Mit denen sind wir bestens vertraut. Es kann jedoch auch vorkommen, dass wir bei einem bestehenden Kunden im Sinne einer Ausnahme ausserhalb unserer Regionen eine Finanzierung ermöglichen. Auslandsgeschäfte tätigen wird jedoch nicht.

Offenbar sind die Mitarbeitenden auch zufrieden mit ihrem Chef ... Sie selber sind ja auch schon 18 Jahre bei der Bank. Die Frage, ob die Mitarbeitenden mit mir zufrieden sind, müssten Ihnen unsere Mitarbeitenden beantworten ... Ihre langjährige Treue deutet aber auf eine überdurchschnittliche Zufriedenheit hin. – Mit 18 Dienstjahren gehöre ich zu jenen, die über dem Dienstaltersdurchschnitt liegen. Mir gefällt die Vielseitigkeit der Aufgaben – sei es in der Beratung oder in meinen Aufgaben als Bankleiter. Die Herausforderungen im heutigen Umfeld sind gross, aber abwechslungsreich und spannend. Welche künftigen Ziele verfolgen Sie beziehungsweise der Verwaltungsrat mit der Sparcassa Clientis 1816? Nach 200 Jahren wollen wir die erfolgreiche Entwicklung weiterführen. Wir wollen weiterhin kontrolliert und risikoarm wachsen. Wir treiben unsere Diversifikation der Erträge weiter voran und bauen unter anderem unser Immobilienportefeuille aus. Der Kostenentwicklung muss weiterhin Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wir wollen für unsere Kunden auch inskünftig ein fairer, zuverlässiger und bodenständiger Partner sein. Interview: Werner Schneiter

Jubiläumsaktivitäten während des ganzen Jahres Die Clientis Sparcassa 1816 feiert ihr 200-Jahre-Jubiläum nicht mit einem zentralen Fest, sondern mit diversen, übers ganze Jahr verteilten Aktivitäten. Besonders hervorzuheben ist die Jubiläums-GV vom 1. April in Wädenswil, wo die Palliativ -Care am Spital Affoltern einen Check in der Höhe von 50 000 Franken entgegennehmen darf. Ebenfalls 50 000 Franken gehen an die Stiftung Bühl in Wädenswil. Diese Checkübergabe erfolgt am 19. Mai im Rahmen einer Spezialvorstellung des Zirkus Knie auf dem Sechseläutenplatz in Zürich. Dazu kom-

men weitere Vergabungen an diverse Institutionen. Gefeiert wird auch an den drei Standorten im Säuliamt: am Donnerstag, 26. Mai, auf dem Parkplatz vis-àvis der Sparcassa in Wettswil, am Freitag, 27. Mai, auf dem Märtplatz in Affoltern und am Samstag, 28. Mai, auf dem Rössliplatz in Mettmenstetten – mit Essen, Unterhaltung und Musik für die Öffentlichkeit.

Fünf Standorte Hauptsitz der Clientis Sparcassa 1816 ist Wädenswil. Geschäftsstellen gibt es

in Richterswil, Affoltern am Albis, Wettswil am Albis und Mettmenstetten. Die Bank ist als Genossenschaft organisiert, hat aber kein einbezahltes Genossenschaftskapital – eine nicht alltägliche Form. «Wir geben keine Genossenschaftsanteile heraus. Genossenschafter erhalten keine Ausschüttung und haben somit keinen Gewinnanspruch. Sie identifizieren sich mit der Bank, mit ihrer Politik und mit ihrer Tradition», sagt Marcel Melliger, Vorsitzender der Bankleitung. (-ter.)


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