Bezirk Affoltern
Dienstag, 5. Februar 2019
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Als in Zwillikon das Feuer erlosch Serie einst und jetzt (6): 1985 wurde die Kehrichtverbrennung stillgelegt Nicht ausbaufähig, zu kleines Einzugsgebiet, wegfallende Subventionen des Kantons: 1985 wurde die Kehrichtverbrennungsanlage in Zwillikon ausser Betrieb gesetzt – nach 17 Jahren. Längst wird der Ämtler Güsel in Dietikon verbrannt. Auf dem Areal ist heute die Kamu AG, Recycling und Metallhandel, tätig. ................................................... von werner schneiter Was in den 50er- und selbst noch 60er-Jahren zur Tagesordnung gehörte, ist heute nicht mehr vorstellbar: Da sammelte der Bauer mit Ross und Wagen den in allerlei Behältnissen bereitgestellten Hauskehricht ein, fuhr damit in den Wald und kippte den Güsel in eine Deponie. Was da alles entsorgt wurde? Das interessierte kaum jemanden. Als Ablagerungsstätten dienten nicht nur Löcher in Wäldern und auf Wiesen, sondern auch Bachläufe. Für Kinder ein Eldorado: Da fanden sich rostige Velos, Altpneus, Batterien und andere problembeladene Stoffe. Auf Ablagerungsplätzen herrschten angesichts steigender Mengen zunehmend unhaltbare Zustände. Wegen der damit verbundenen Probleme und Gefahren sahen sich die Behörden zum Handeln gezwungen – auch im Bezirk Affoltern, wo im Jahr 1966 der Zweckverband für die Kehrichtverwertung (Keva) gegründet wurde. In den 60er-Jahren entstanden die ersten Kehrichtverbrennungsanlagen, zuerst in Winterthur, Zürich-Hagenholz und Genf. 1967/68 wurde die Verbrennungsanlage in Zwillikon realisiert, erst die dritte im Kanton Zürich und die erste mit einem zweistufigen Verfahren. «Sehr modern da-
Seit ein paar Jahren befindet sich der Geschäftssitz der Kamu AG auf dem Areal der ehmaligen Kehrichtverbrennungsanlage in Zwillikon. (Bild Werner Schneiter) mals, wir waren richtiggehend stolz», erinnert sich Arthur Ebnöther, ehemals langjähriger Zweckverbandspräsident. Die Inbetriebnahme erfolgte 1968. Im Auftrag der Keva sammelte damals die Zingg AG aus Hedingen den Kehricht im Säuliamt ein: jährlich ein paar tausend Tonnen, die in Zwillikon den Flammen übergeben wurden – und das unter der Regie von Walter Althaus, «der Seele der Anlage», wie Arthur Ebnöther beifügt.
Keine Alternativen 1978 zählte die Schweiz 50 Verbrennungsanlagen, gut die Hälfte davon Kleinanlagen für kommunale Abfälle und meist ohne Wärmenutzung. Mit der Revision des kantonalen Gesamtplans Ende der 70er-Jahre ereilte die Zwilliker Anlage das Schicksal. Weil zu klein (auch in Bezug auf das Einzugsgebiet) und nicht ausbaufähig, wurde sie aus dem Versorgungsplan
gestrichen – und damit auch eine 40prozentige Subvention des Kanton. «Wir prüften damals zahlreiche Alternativen», erinnert sich Arthur Ebnöther. Geprüft wurde unter anderem auch eine Zusammenarbeit mit dem aargauischen Freiamt und mit dem Kanton Zug. Aber diese Pläne, zum Teil von Walter Althaus ins Spiel gebracht, zerschlugen sich: Nach 17 Jahren, im Jahr 1985, war der Ofen aus in Zwillikon. Beim Abbruch des Kamins kreuzte sogar das Schweizer Fernsehen auf. 2004 wurde die Anlage zurückgebaut, was etwa zwei Jahre in Anspruch nahm – ein äusserst aufwändiger Prozess. Die Keva veräusserte das von der Zone für öffentliche Bauten in eine Industriezone umgewandelte Grundstück im Jahr 2007. Seit ein paar Jahren befindet sich dort die Kamu AG, Recycling und Metallhandel (www.kamuag.ch). In Erinnerung geblieben ist auch das: Unmittelbar nach der KVA-
So präsentierte sich das Gebäude der Kehrichtverbrennungsanlage an der Weidstrasse 33 nach der Schliessung im Jahr 1985. (Archivbild «Anzeiger») Schliessung übertraf man sich in gewissen Kreisen mit Vorschlägen, wie die Anlage genutzt werden könnte. Ins Spiel gebracht wurden unter anderem die Umwandlung in ein Dancing (eher ein Jux), in eine Eventhalle oder einen neuen Werkhof für die Gemeinde; weil dezentral gelegen, wurde letztere Idee jedoch schnell begraben.
Verbrennung in Dietikon In einer ersten Phase rund um die Schliessung in Zwillikon streckte der Keva die Fühler nach Horgen aus, nutzte dort die Verbrennung als Übergangslösung und entsorgte die anfallende Schlacke (pro Tonne Kehricht fallen 200 kg Schlacke an) in der Deponie Tambrig in Obfelden. Und heute? Längst wird der Hauskehricht aus dem Säuliamt – rund 6000 Tonnen pro Jahr – in der Kehrichtverbrennungsanlage in Dietikon den Flammen übergeben; die Schlacke wird bei der DHZ AG
in Lufingen entsorgt. Hier spielt der Zusammenarbeitsvertrag der Dileca mit der Limeco, beides seit 2010 interkommunale Anstalten. Die Dileca (Dienstleistungscenter Amt) ist die Nachfolgeorganisation des Ämtler Kehrichtzweckverbandes Keva. Eine bewegte Geschichte hat auch der Kehrichttransport im Säuliamt: Von 1968 bis 2003 besorgte das die Zingg AG, Hedingen, bis 2017 die K. Müller AG, Wallisellen, und seither die Obrist Transport+Recycling AG, Neuenhof AG. Bisher erschienen: Vom Mehrgenerationenhaus zur modernsten Alterssiedlung – Wandel der Wohnformen («Anzeiger» vom 6. April 2018). Affolterns «Einkaufsmeile» ist belebt, aber nur tagsüber («Anzeiger» vom 25. Mai 2018). Maschwanden – seit acht Jahren ohne Restaurant («Anzeiger» vom 3. Juli 2018). OVA: Vom Untergang eines Traditionsbetriebes («Anzeiger» vom 9. November 2018). Als sich noch 800 Stimmberechtigte in den Affoltemer Kasinosaal drängten («Anzeiger» vom 11. Januar 2019).
Die Jünger des heiligen Florian besitzen die Blutgruppe F 95. Generalversammlung des Feuerwehr-Verbandes Bezirk Affoltern in Stallikon Gastgeber der 95. Generalversammlung des FeuerwehrVerbandes Bezirk Affoltern war dieses Jahr die Feuerwehr Unteramt. Im Schulhaus Loomatt trafen sich neben 52 Mitgliedern auch Vertreter der politischen Gemeinden, geladene Gäste sowie einige Ehrenmitglieder.
orientierte anschliessend über einige Anschaffungen und Neuerungen.
Nachbarschaftshilfe
................................................... von martin mullis Als Gastgeber hiess Gemeinderat Robert Sidler am letzten Freitagabend die Feuerwehrgäste aus dem Bezirk mit einigen kurzen Worten in Stallikon herzlich willkommen. Er hielt fest, dass sich in den letzten Jahren bei den Feuerwehren einiges geändert habe. Das Wesentliche jedoch, so Sicherheitsvorstand Sidler, nämlich der Zusammenhalt und die Kameradschaft, sei nach wie vor bestens vorhanden und dies sei auch der Grund warum die Feuerwehren derart ausgezeichnet funktionieren. Sinngemäss unterstrich diese Feststellung auch Beat Schmid, Präsident des Feuerwehrverbandes Bezirk Affoltern. Er durfte neben dem Statthalter Claude Schmidt, eine eindrucksvolle Reihe von Vertretern der politischen Gemeinden, des Stützpunktes Affoltern, der Stadtpolizei Affoltern, des kantonalen Verbandes sowie des benachbarten Verbandes Bezirk Horgen herzlich willkommen heissen. Die Traktandenliste der ordentlichen 95.
Keine Einwände bei den Traktanden: Zufriedene Mitglieder des Feuerwehrverbandes Bezirk Affoltern. (Bild Martin Mullis) Generalversammlung zeigte sich wenig spektakulär. Kein Wunder, dass die Geschäfte speditiv behandelt und auch ausnahmslos einstimmig genehmigt wurden. Der Jahresbericht des Präsidenten listete eine beachtliche Anzahl Versammlungen, Sitzungen und Veranstaltungen auf.
2018 war ein ruhiges Feuerwehrjahr Unter den wichtigsten Schwerpunkten erwähnte Präsident Schmid die Aktio-
nen der Jugendfeuerwehr sowie die Offiziersveranstaltungen. Trotz der durch den Sturm Burglinde verursachten Schäden und des ungewöhnlichen Hitzesommers, dürfe das Jahr 2018 als ruhiges Feuerwehrjahr bezeichnet werden, hielt er fest. Er lobte dabei ganz besonders das mustergültige Verhalten der Bevölkerung betreffend des Feuerwerk-Verbotes am 1. August. Sowohl die Jahresrechnung, welche mit einem Vermögenszuwachs von rund 2000 Franken abgeschlossen werden darf, als auch das Budget und
die Beibehaltung des Mitgliederbeitrages erhielten ohne jegliche Einwände die Zustimmung der Versammlung. Als neues Vorstandsmitglied wurde Daniel Jens und als neue RechnungsRevisorin Amalia Margadant gewählt. Mit grossem Applaus bestätigten die Mitglieder Beat Schmid als Präsident für ein weiteres Amtsjahr. Schliesslich wurde Urs Weber für seine Verdienste zugunsten der Jugendfeuerwehr als Ehrenmitglied ernannt. Der Kommandant des Stützpunktes Affoltern, Marcel Büchner,
Angeschafft wurde ein neues Einsatzfahrzeug, die Autodrehleiter erhielt einen neuen Originalkorb sowie eine stapelbare und 450 Liter fassende mobile Dieseltankstelle, welche sowohl mit einem Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) als auch mit einem Helikopter verschoben werden kann. Der Stützpunkt leistete in Aeugst und Ottenbach Nachbarschaftshilfe und bewältigte 89 Einsätze im Laufe des vergangenen Jahres. Für die ausgezeichnete Zusammenarbeit dankte er den Feuerwehren im Bezirk sowie den übrigen Partnern des Bevölkerungsschutzes wie der Polizei und den Zivilschutzorganisationen. Als Vertreter des kantonalen Feuerwehrverbandes grüsste Bruno Ruh die Verbandsmitglieder an der GV in Stallikon. Er lobte die Anstrengungen zugunsten der Jugendfeuerwehr und bezeichnete den finanziellen Aufwand dafür als ausgezeichnete Investition. Er erwähnte auch die Tatsache, dass der Grossaufmarsch der zuständigen Gemeindebehörden an dieser Generalversammlung als ein eindrückliches Zeichen der Wertschätzung für die Feuerwehren verstanden werden darf. Mit der Feststellung, dass im Saal des Schulhauses Loomatt an diesem Abend die Blutgruppe F (für Feuerwehr) prominent vertreten sei, schloss Bruno Ruh sein kurzes Grusswort.