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Roadrunner, roadrunner … Der eisige Morgen ist wie ein Schlag ins Gesicht. ich warte auf die Sonne. ich könnte das Verdeck schliessen, aber nichts ist so albern wie ein Cabrio mit geschlossenem Verdeck.

Mist.

Lieber den Arsch abfrieren.

Mit jedem Kilometer wächst meine Angst. Bald wird ganz Fliegenstadt in Aufruhr sein, wenn man von der Flucht des Königs hört. ich höre den Hof schon aufheulen. Meine Mutter, Sal, Karine …

Davids mit Pfeil und Bogen säumen die Strasse, sie erstehen schneller wieder auf, als ich sie umnieten kann und meine Panik nimmt zu.

Rosa Himmelssirup verschlingt den Asphalt. ich tauche ab. Der Wagen holpert über den Strassenrand, Schmerz zuckt mir durch den Mund wie eine Entladung.

ich bekomme das Steuer gerade noch zu fassen. ehren Sie um!

Hilf mir!

Das Lenkrad schmilzt unter meinen Fingern.

Die Nacht durchgemacht. Seit dem Vortag nichts gegessen, ausser Pillen. Mir sind welche aus dem Wagen gekullert, ich halte an, um sie zu suchen. Die letzten beiden … Wo sind sie bloss …? Wo sind meine Babies?

ich sehe wieder, wie er bei Karine aufkreuzt. Mitten in der Nacht! Mit der Tasche!

Ein Gefühl, als würden mir die Handgelenke bersten.

Die Tasche hatte Ringo von Marie geholt, als sich die Schlampe gerade David geschnappt hatte. ich nahm sie ohne zu fragen - hatte die Hosen voll beim Gedanken daran, was mit ihnen passiert sein könnte. ich nahm sie und sagte cool, danke!

Und verlier sie diesmal nicht, Genie! He, bist ja ganz blass! Plötzlich kommt mir Ringo in den Sinn.

Ringo knallte die Tür zu, seitdem ist die Tasche bei mir. Kehren Sie um!

ich kotze. Orange. Galle und Blut … hab mir bös auf die Zunge gebissen. Und von David hab ich nichts mehr gehört.

3


Hab die Pillen nicht gefunden. Ohne die wird’s übel. ich gebe Gas … nichts zu machen, der See lässt mich nicht los. Jedes Mal wenn ich denke, ich bin vorbei, blitzt eine Lichtreflexion der Wasseroberfläche durch die Bäume - wie ein Ruf.

Als der Weg endet, stelle ich den Motor ab. Es ist wie unter einem Leichentuch aus rostigen Tannennadeln, die verdorrten Zweige wölben sich wie ein Nebel.

ich kneife die Augen zusammen, mache aus dem See ‘ne kleine Pfütze zu meinen Füssen. ich werde die Tasche reinwerfen. Sollte ich hinterher …? Die Gelegenheit nutzen, mich selbst loszuwerden.

Ein Schritt in diese stinkende Pfütze, und ich muss nie mehr Angst haben.

Kehren Sie u…!

Scheisse, wie das stinkt!

ich schalte das Navi aus und fahre in den Wald, ich folge dem Licht. Der Geruch kommt vom See, 20 Meter weiter unten.

Sie vielleicht? in vier Wochen ist sie zehn Jahre gealtert. Unförmig geworden. Schrecklich …! Dieses debile Grinsen in Richtung ihres Bauchs, als ob der nichts dafür könnte!

Was denkst du?

Hallo, Genie? Ringo! Die ganze Stadt sucht dich! Karine stirbt vor Sorge! Sie glaubt, du bist abgehauen … wo steckst du, verfickt nochmal?

Hilf mir, mich weniger hässlich zu fühlen … in ‘ner Bar. Kaffee trinken. Nichts … Lass mich, Karine. Mir ist grad nicht danach!

Seit du die Tasche hast, ist dir nach überhaupt nichts mehr … du bist nicht mehr derselbe!

Greif in die Tasche!

Du bist die fleischgewordene Mutterschaft. Hab ich doch schon gesagt, was willst du denn noch, verflucht?

Fernes Hundegebell.

ich bin schweissnass. Schauer laufen mir den Rücken hinunter. Das Gebell wird lauter. Jagdhörner und Geschrei füllen meinen Schädel.

Jemand, der mir ähnelt.

Du hast gesagt, das darf ich nicht. Ein gehetztes Tier.

Wenn’s dir schlecht geht, darfst du … Meine Hand gleitet in die Tasche, eifrig auf der Suche nach einem Mittel, einer Lösung für mich selbst. Was soll diese Nummer - schlimmer, als in einen Fleischwolf zu greifen? Was sollen meine Finger da finden?

Hinter mir ist jemand.

4


Die Angst in seinen Augen ist die meine.

Unerträgliches Geschrei. in durchdringenden Wellen - Halt’s Maul! Halt dein verdammtes Maul! - die meine Nerven zerfetzen, bis nichts anderes mehr existiert.

Hast du’s gefunden …? Karine sagt, dass du zur Zeit ständig breit bist. dass du aus der Rolle fällst … !luaM s’tlaH

Meine Rolle … Säuglingsgeschrei, das das Gebell übertönt.

Nur noch ein dumpfer Galopp.

ich warte. in den Boden gekrallt. Erwarte die Druckwelle, wenn Hirsch und See aufeinanderprallen. Aber nichts geschieht. Und wenn doch, bekomme ich nichts mit. … einzig der Galopp bleibt … in meiner Brust. Der Nadelteppich nimmt ihn auf, strahlt ihn ab in mein Herz, das in mir hämmert und mir plötzlich Lust auf Tanzen macht. Und die Jäger zwischen den Bäumen, ihre Hunde, die mich verbellen - all das, was mich ängstigt, wirkt wie ein Glücksgefühl. Ein Aufschub.

ich schalte das Handy aus. Stehe auf. Die Jäger sind noch widerlicher als die Hunde. ich besehe mir ihre Tracht und verscheuche die Vorstellung, dass sie meinetwegen hier sind. Königliche Jagd … Königsjagd.

Als habe der Hirsch mir die Kotze aus dem Hirn gesaugt und mit seinem Sprung davongetragen.

Wo kommt denn der irre her? Genie! Was ist da los? Was sind das für Köter …?

Jagd auf mich.

Doch keiner wagt es, mich anzufassen. instinktiv spüren sie, mir den Kopf abzunehmen, das hiesse, mich zu entfesseln, das zu wecken, was noch auf dem Grund des Sees schlummert.

Auch er ist hier und bevölkert meinen fürchterlichen Wachtraum. M. Généro. Wie eine besoffene Marionette. Er fällt über mich, als ob die letzte Schnur, die ihn hielt, gerissen wäre.

Er drückt stärker. Bis ich merke, dass ich etwas in den Fingern halte. etwas, das M. Généro mich nun zwingt, fest zu umfassen.

Lasst ihn!

Das ist ein guter Junge!

Seine Hand drückt die meine … wie aus Dankbarkeit …

5

Etwas aus der Tasche, ich erkenne es jetzt.


Die Augen fallen mir zu. Beim fernen Ruf eines Horns öffnen sie sich und ich sehe die neonroten Jäger zwischen den Bäumen verschwinden … M. Généro folgt ihnen, hält inne, wendet sich um zu einem Gruss …

Alles ist nun ruhig. ich öffne die Hand und hoffe, sie ist fort …

Aber Davids Brille ist immer noch da.

Hilf mir!

Sein Gesicht verschwimmt in den Wassern des Sees, wie meine Ängste, die der Hirsch mitnahm. Konserviert im Gestank, aus dem sie wieder hervorbrechen werden, wenn ich nichts tue … wenn ich die Erinnerung an David nicht auslösche.

Und Schluss.

Wörter purzeln durch meinen Kopf, fügen sich zusammen, spülen mir das Hirn durch. ich denke sie nicht einmal, bittere Wörter. Geflüstert von einer Stimme, die wie die von Ringo klingt. Eklige Litaneien, die meine eigene Stimme wiederholt und welche die letzten Reste meiner Erinnerung an David zerfetzen. Flüsternd … wie ein Gebet …, aus dem ich leer, geläutert, aber lebendig hervorgehe … Jetzt geschrien …

Roadrunner, roadrunner. Die Tannen ziehen vorbei. Der See entschwindet … ich berausche mich am harzigen Duft der Luft, und meine Jeans spannt schubweise im Schritt.

Die Windschutzscheibe wie von Mösen verschleiert, ich wische sie fort, behalte nur Sal und Coralies Mutter, zwinge sie, sich zu rubbeln …

… bis ich sie mir schnappe. Wie lange habe ich nicht gefickt?

Nfff!

ich knöpfe auf, nehme die Eichel in die Finger.

Ein schier unmenschlicher Schrei, etwas vom Anbeginn der Zeit, das mich, verstärkt vom Echo, von Kopf bis Fuss durchschauert. Und als ich es wieder wage, meine Hand anzusehen …

Gerade will ich in Sal kommen, als ich den Lastern begegne. Keine Zeit und kein Platz, ihn wegzustecken … ich quetsche mir den Schwanz unter die Hand, wo er schier explodiert und mir den Bauch überflutet.

Die Laster rauschen vorbei, aus ihrer Ladung tropft es ockerfarben, sauer auf den BMW und ätzt mir den Handrücken.

Ein Guss, der genauso riecht wie der See.

Scheisse!

… da ist sie leer.

6


ich wache auf.

… und den Rasierklingen, die sich darin tummeln. Und meinen Schenkeln, die auf der Keramik zittern, in die ich mich entleere. Flüssig, die Strafe dafür, dass ich nicht nachgelegt habe - mein Betstuhl ist das Scheisshauspapier.

ich ziehe die Spülung, wische die Reste weg, gehe raus, besprenge mich mit kaltem Wasser, bis der Spiegel mir wieder mein Gesicht zeigt. Verhärmt. Um zehn Jahre gealtert.

Was hat meine Fresse da hinten zu suchen?

Scheisse, wie das juckt!

Warum ist sie nicht hier? Bei meinem feuchten Bauch …

Als ich vom Klo komme, empfängt mich die Sonne. ich lasse mich einlullen, lächle ins Licht … Wortfetzen holen mich zurück. Sie stammen von den Jägern, welche sich um einen Kipplaster scharen, der seinen Dreck über die ganze Tanke verspritzt, wie ein Konzentrat dieses verschlammten Morgens. Allerdings nicht dieselben Jäger. Keiner sieht mich an… also haben sie mich alle im Auge. Die Büttel des Hofs, die gekommen sind, um sicherzugehen, dass der König auf dem Heimweg ist.

ihre Hüte müssen gespickt sein mit Kameras.

Der Laster startet durch. Die Jäger verschwinden hinter der Tanke. An den Tanksäulen vorbei holen meine Lungen sich eine Füllung - das besänftigt das Sirren unter meiner Haut.

Vruummm!

Vrumm! Vrumm!

im BMW hängt Batman ab.

Warst ja lange auf dem Klo! Der Laster hat ‘nen Hirsch überfahren! Die Jäger müssen ihn sofort zerlegen, sonst taugt er zu nichts mehr!

Kannst ja zuschauen, wenn du willst …

ich will nicht, aber ich gehe hin. Die Nase weit offen, fasziniert von den Trachten der Jäger, die bei jeder Bewegung die Luft in ein zittriges Rot tauchen.

Kann ich Musik machen und eine Runde drehen?

Die Stimmen der Vandellas dringen aus dem BMW. Samtweich. Sie sondern eine Lava von sound ab, in der ich versinke… wie Blütenblätter löst sich verschmorte Haut von meinen Händen, schenkt dem Sirren in mir die Freiheit.

There he is at my door …

Nein!

7


Tau, Sonnenstrahlen über dem Haus, cleaner Himmel. ich bin zurück in Karines Postkarte.

Karine hat mich nicht bemerkt, ganz versunken in ihr Oben-Ohne-Bügeln. ich beobachte sie … geblähter Bauch, schlappe Titten, verunziert von riesigen violetten Höfen. Dampfschwaden machen das Ganze seltsam sexy. Unter dem Hin und Her des Bügeleisens erkenne ich mein Surf-T-Shirt. Karines Finger verharren auf dem Logo, liebkosen es - da nistet sich Sal wieder in einem Winkel meines Kopfes ein. Karine fängt an zu flennen, kriegt sich aber wieder ein.

Die Tränen weggebügelt. Ringo ist mit meinem Pferd beschäftigt, hat nichts bemerkt.

Nur die Fliegen machen Aufruhr.

Er steht auf, geht auf sie zu. Sie sehen nicht in meine Richtung. Sie wissen, dass ich hier bin … sie wissen, dass ich spanne.

ich gehe ums Haus, ich skype mit Sal in der Galerie. Kannst du Speed besorgen, oder irgendwas … Ecstasy? Cool. Treffen um zwölf … vor Wald, genau!

ich winsle in der Gluthölle der Tanke. Und hier. Und in der ganzen Tripspirale. ich klammere mich an die Bude - die Müdigkeit zieht mir die Beine weg - gehe um die Ecke. Snff, Snff … Snnfff!

Plötzlich kommt alles zurück.

Éric

…?

Oh, du bist das! Als ob die Sonne auf mich stürzt.

Die Jäger sehen mich an. ihre Finger schnippen zu den Vandellas. Das Röcheln eines sterbenden Tiers kriecht durch die rote Luft … treibt Hunger in ihren Blick. Ein Röcheln, das meiner Kehle entsteigt.

ich geh rein.

Duft von Frühstück überfällt mich und lockt mich ins Zimmer. Heisser Kaffee … Baby, baby, baby, walk on in!

Snnfff … Oh ja! Du bist’s!

Golden geröstetes Brot springt aus dem Toaster. Perfektes timing. Wahnsinn.

8


Kein Hunger, aber ich futtere. Volle Kanne. Jeder Bissen soll mich von der Tanke wegbringen. Kommt Ringo zurück?

Deine Füsse! Wie sehen die aus … bist du barfuss los?

Tag um dieselbe Zeit”… “Wie jeden scheisse, ist ja wie die Stechuhr in der Fabrik! Und spuck das aus, du bist schwanger!

Éric …? Du bist zurück? Wo warst du?

Was ist das für ein Frühstück?

Auf der Jagd.

F… für dich. Wie jeden Tag um dieselbe Zeit …

Der Mann sagt, meine Haut löst sich besser ab als Tapeten … ich erkenne Ramos‘ Stimme und ersticke einen Schrei in einem Aufstossen von Brot und Kaffee - knapp vorm Kotzen. Der Abschleppwagen hebt mich an. Die Vandellas kauen stumm die Luft, wie erstickende Fische, wie hingepflanzt ins still schwankende rote Hinterland. Schallgedämpft.

Mein Gott, der ganze Babykram, den deine Mutter da anhäuft! Glaubst du, die Bekloppte halse ich mir auch noch auf…?

… und wisch dem Kind von dem Alten den Arsch? Hast du darüber mit Ringo gesprochen? Und jedes Mal, wenn ich Mist mache, plauderst du’s aus, damit er mich wieder in die Spur bringt? Du hast meine Anrufe nicht angenommen …! ich bin durchgedreht. ich dachte, dir wäre was passiert. Hör auf! Wenn er reinkommt …

Aua!

Soll er doch! Dann erklär ich ihm, wie niederschmetternd deine heile Welt ist! Dass du dabei bist, zur Hausfrau zu werden …! Vielleicht will er dir dann nicht mehr auf die Titten wichsen!

Er macht dir Angst, und das fasziniert dich! Wie ist das, wenn er dich ansieht, wie denn…? Sag’s, Baby, sag’s mir …

ich lasse sie noch rechtzeitig los. ich gehe aus dem Zimmer, greife mir ein paar Bier. Dann kommt wieder die Luft von draussen, wie ein warmes Bad.

Er hat mich immer respektiert.

ihr Speichel klebt mir an der Hand, ich wische ihn mir an den Lippen ab. Die Antwort liegt wie Schmutz in ihren Augen, wird von Tränen weggespült … macht mir Lust auf sie.

9


Noch eine Stunde bis zu Sal und dem Ecstasy. ich streife in Zeitlupe um die copy-and-pasteHütten herum, übervoll von Sonne und Langeweile. Das ist meine Welt. Hier muss ich leben.

Der gleiche Jäger, der mich im Wald am liebsten verprügelt hätte … auf einmal zuckersüss. Tut so, als streiche er einen Zaun… Hinter ihm eine Alte mit harten Zügen … zerfressen vom Wunsch, mich zu strafen. ihr Blick nagelt mich fest, und für einen Augenblick gehöre ich ihr … gleite in ihre Sonnenbrille - und Sportwagenumhülltes Fleisch. Erwärme ihr halbtotes Gerippe.

Gruss eurem trauten Heim, Arschlöcher!

Das Lächeln eines Jägers ist die Bestätigung.

Ja, ich gehöre ihnen. ihr. Ringo und seinen Jägern … ihrer ganzen Scheiss Stadt.

Alles erwartet den Tag, da ich so werde wie sie. Erfüllt von den gleichen ranzigen Begierden, dem gleichen Hass … in einem Bowlinghemd wäre ich dort würdig, ihr Zeremonienmeister zu sein.

Das verkohlte Schild beschriftet den Himmel in rauchenden Lettern. Nur das ‘D‘ hat überlebt … Zufall, oder Davids Unterschrift …? Verreck doch, habe ich gesagt …! ich habe Durst. Mehr Bier.

Wieder das Sirren.

ich beschleunige. Auf das Einkaufszentrum zu.

ich parke. Es ist noch Zeit. ich lehne mich in den Sitz, schliesse die Augen … Mein Handy sprengt einen schalen Traum. Sal, wütend. Zwanzig Minuten wartet sie schon, sagt sie … ich sehe sie.

ich warte. An der Schmerzgrenze … wenn die Schlampe glaubt, ich tanze nach ihrer Pfeife! ich rufe wieder an, fordere mehr Zeit … ich lasse sie schmoren. Da quatscht sie so ein Kerl an. ich starte.

Der Typ schiebt ab - schräg, wie ein räudiger Köter, und brabbelt vor sich hin. Fast wär ich weg gewesen, Mann! Glaubst du, ich habe nichts anderes zu tun …? Fang!

ich kann jetzt nicht länger! Hier ist ein Stau. ich mach so schnell ich kann …

Hast dir die Zeit ja vertrieben, wie ich sehe …

10


ich sage Sal, dass der BMW mir gehört, sofort ist sie ruhig. Sie will sich versöhnen, eiert rum, entschuldigt sich wegen ihrer Nerven … vor allem kämpft sie mit ihrem Stolz. ich lass ihr die Zeit, ihn runterzuschlucken.

Schweigen. ihre Schenkel reiben über die Tür … saugen die im Metall gefangene Sonne auf … hinter ihr kommt Lisa vorbei, Maries kleine Schwester. ich glaube, sie läuft mir nach … 14 Jahre!

Roadrunner, roadrunner. Der BMW fräst eine frische Furche in den Altweibersommer, bläst ein letztes Mal die Modern Lovers in die Welt, bevor er uns bei Sal absetzt …

Kann ich einsteigen?

Klasse Feuer, was?

Kann sein.

Und die Tasche da? Pflanz deinen Arsch hin, wo du willst. Als ob du’s nicht wüsstest …

Kurzes Blinzeln. Die wird mit der Zeit noch besser als Sal …

Und nun bietet sich mir alles dar. Klar, greifbar. Der Geruch welken Laubs. Vogelgesang, Fernsehlärm durch Heizungsrohre … Glanzlichter auf der Wand, während Sals Zähne an mir reissen …

So viele wesentliche Details, entscheidende Momente, die das beruhigte Sirren zu Wohlgefühl, zu roher Liebe gewandelt hat. Sal öffnet sich und schmilzt mir auf dem Mund.

Wir genehmigen uns einen Delphin und eine e-mail.

Und der Wald …

… der See …

… die Lastwagen, Die das Ende der Welt karren. All das ist nur noch ein fernes, müdes Murmeln, erstickt in der Überexistenz. Nur die Tankstelle kämpft noch …

in der flackernden, kalten Dämmerung sagt mir ein Jäger, dass mein Fleisch doch nichts wert ist. Eine Konvulsion meines Bauches befördert endlich mein Gedärm ins Freie. Es haftet mir an der Brust, es bebt … gleitet dahin mit dem Geräusch eines toten Kindes … Eine Welle von Lust durchfährt die Hunde. Sie schäumen und sabbern ins Benzin, bis ein Blitz wie roter Samt sie auf mich jagt.

Éric?

Was …?

Nicht mehr lange. Mach mir ein Baby!

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Der König der Fliegen Bd. 3 - Flüchtiges Lächeln