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Ausstellung und Vernissage Bilder und Skulpturen

Renate Stendar-Feuerbaum Mit Bildern und Objekten der Stipendiatinnen

Katja Aufleger und Anna Steinert

in der Hauptkirche St. Jacobi Hamburg Januar/Februar 2012


Konzept und Zusammenstellung Renate Stendar-Feuerbaum Fotos Michaela Kuhn und Markus Tollhopf Hamburg, März 2012 Š Stiftung Stendar-Feuerbaum www.stiftung-stendar-feuerbaum.de

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Wie der Zwist der Liebenden, sind die Dissonanzen der Welt. Versöhnung ist mitten im Streit und Alles Getrennte findet sich wieder. Friedrich Hölderlin

Vorwort Die in dieser Broschüre dokumentierte Ausstellung in der Jakobikirche Hamburg im Januar 2012 stand unter den Themen im Zeitgeschehen und Symbole und Symbiosen. Alles ist der Zeit unterworfen, denn Menschenlos ist Zeitschicksal. In der Zeit liegt Geschick und Geschehen. Der Kunst obliegt es, das Geschehene und das noch nicht Geschehene zu thematisieren. In den beiden Begriffen Symbol und Symbiose ist beides Mal der Bestandteil sym, d. h. zusammen enthalten. Ein Symbol ist im Wortsinn, ein Zusammengesetztes, das auf das Ziel des Wiederzusammenfügens getrennt wurde. So haben etwa zwei Menschen jeweils die Hälfte eines Gegenstandes, an dem sie sich, wird dieser wieder zusammengefügt, erkennen können. In dieser Hinsicht verstehen sich die Werke als symbolisch. Was durch menschlichen Eingriff in die Natur getrennt wurde, was durch Streit zerrissen wurde, kann die Kunst symbolisch wieder vereinen. Zusammenleben ist die Grundbedeutung von Symbiose. Sie ist die Vereinigung von Selbständigen und Selbstständigem zum gegenseitigen Nutzen, nicht aber Ausnutzen, zur gegenseitigen Anerkennung und Achtung, nicht aber zu Unterwerfung und Neid. Das Geschehen in der Zeit kann uns leidend machen, nur im Zusammenleben wird es ertragbar. In der Ausstellung zu sehen waren auch Werke der jungen Künstlerinnen, Katja Aufleger und Anna Steinert. Sie erhalten das Förderstipendium der Stiftung Stendar-Feuerbaum. Die Künstlerin und ihr Mann freuen sich, dass sie diese beiden Künstlerinnen fördern können und wünschen ihnen auf ihrem künstlerischen Weg Erfolg und Erfüllung. Raimund Seigies

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Ăœberreichung der Urkunde

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Anna Steinert und Katja Aufleger

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Anna Steinert

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Katja Aufleger

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Ansprachen


Gesa Engelschall Begrüßung Geschäftsführerin Hamburgische Kulturstiftung Liebe Renate Stendar-Feuerbaum, lieber Wolfgang Stendar, lieber Herr Prof. Köttering, sehr geehrter Pastor Lohse, meine sehr verehrten Damen und Herren, Ich freue mich wirklich sehr über diese große Ausstellung von Renate Stendar-Feuerbaum hier in der St. Jakobi Kirche. Ich möchte mich an dieser Stelle zu allererst vor Ihnen, liebe Frau Stendar-Feuerbaum, verneigen - Vor Ihrer Kraft, Ihrer Energie, Ihrer Willensstärke, Ihrer Phantasie und Ihrer ganz genauen Vision, vor Ihrem Durchhaltevermögen und natürlich auch vor Ihrem künstlerischen Schaffen. Wir sehen hier Bilder und Skulpturen aus über 35 Jahren, die zu zwei Themenkreisen gehören: Einmal zum Zyklus ,,Im Zeitgeschehen", bei dem es sich um den ständigen Wandel und permanente Veränderungen dreht und einmal zu ,,Symbole und Symbiosen", ein Themenkreis, der für sich spricht. Dieser Ort hier, diese schöne Kirche, passt besonders gut zu dieser Ausstellung, weil Renate Stendar-Feuerbaum vor gut 22 Jahren, in 1989, wirklich kurz vor dem Mauerfall wie sie mir neulich erzählt hat, sodass auch ein Teil ihrer Verwandten nicht kommen konnte, schon mal eine große Show hier hatte und ihr die Kirche deshalb sehr am Herzen liegt.

Der langjährige Pastor P. Reinhard Petrick hat damals den Bezug von ihrem Werk und der Kirche auf den Punkt gebracht, ich möchte ihn kurz zitieren:

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,,Wir möchten bei uns Kunst zeigen, die nicht nur frommer Erbauung im traditionellen Sinne dienen mag, sondern Arbeiten, die den Betrachter auch herausfordern, zum Nachdenken und zum Widerspruch reizen. Diese Bedingungen erfüllt das Werk Renate Stendars in der Tat. Ihre Kunst erschöpft sich nicht in schönem Sein und Ja-Sagen, sondern stellt Probleme zur Diskussion, die zu allen Zeiten Menschen beschäftigt haben, ...." Ich habe Wolfgang Stendar und Renate Stendar-Feuerbaum vor ca. 3 Jahren durch Ulrich Schumacher und seine Frau Beate kennen gelernt. Ulrich Schumacher kam damals zu mir und erzählte von dem Künstlerehepaar (, das er berät) – sie, bildende Künstlerin und ursprünglich Bühnenbildnerin, er jahrzehntelang Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich und Burgtheater Wien. Gemeinsam haben wir dann die Ideen von Renate StendarFeuerbaum und Wolfgang Stendar ausgearbeitet und es entstand vor knapp 2 Jahren eine maßgeschneiderte Stiftung unter dem Dach der Hamburgischen Kulturstiftung: Die Stiftung Stendar-Feuerbaum, die zum Einen junge bildende Künstler in Hamburg fördert, was ganz wunderbar zu den Zielen der Hamburgischen Kulturstiftung passt und zum Anderen das künstlerische Werk von Renate Stendar-Feuerbaum öffentlich zugänglich macht und bewahrt. Diese Zweiteilung spiegelt sich auch in dieser Ausstellung wider. Es geht natürlich zum Einen um das Werk von Renate StendarFeuerbaum, gleichzeitig werden heute erstmals auch zwei Stipendien an talentierte Nachwuchskünstlerinnen vergeben, die hier mit jeweils 2 Arbeiten vertreten sind.

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Herr Prof. Martin Köttering wird uns gleich noch etwas mehr über die beiden Preisträgerinnen Katja Aufleger und Anna Steinert erzählen, soviel sei aber schon vorweg gesagt: Katja Aufleger arbeitet hauptsächlich skulptural und Anna Steinert malerisch, also sind sie in den beiden Bereichen tätig, mit denen sich auch Renate Stendar-Feuerbaum beschäftigt. Somit wird die Ausstellung durch eine ganz junge Perspektive ergänzt. Meine Damen und Herren, diese Ausstellung ist wirklich eine große Premiere: Sie ist die erste Veranstaltung der neu gegründeten Stiftung Stendar-Feuerbaum, sie ist eine große Ausstellung von und für Renate Stendar-Feuerbaum und sie ist der Anfang für eine regelmäßige Vergabe von Stipendien an junge Nachwuchstalente. Ich möchte dem Ehepaar Stendar wirklich ganz, ganz herzlich für ihr großartiges Engagement danken! Auch Tillmann Terbuyken möchte ich besonders danken, der mit einer Engelsgeduld und Ausdauer diese Ausstellung aufgebaut hat. Und auch Urs Ulbrich und Herrn Stallbaum danke ich für ihre Mithilfe. Zwischen Ihnen, liebe Frau Stendar-Feuerbaum und lieber Herrn Stendar, herrscht ein beeindruckendes Zusammenwirken. Es ist ein großer Spaß, wenn Sie, Herr Stendar, als großartiger Schauspieler Texte zu den Bildern und Skulpturen von ihrer Frau vorlesen. Deshalb möchte ich - und damit will ich jetzt auch schließen - Sie alle gerne auch zu einer Lessing-Lesung von Wolfgang Stendar einladen, die er im Rahmen dieser Ausstellung am 7. Februar um 17h hier im Südschiff halten wird. Und nun übergebe ich an Herrn Prof. Martin Köttering, den Präsidenten der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

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Professor Martin Köttering Präsident der Hochschule für bildende Künste Hamburg Vielen Dank an meine Vorrednerin Gesa Engelschall! Sehr geehrte Renate Stendar-Feuerbaum, sehr geehrter Wolfgang Stendar, liebe Katja Aufleger und liebe Anna Steinert, verehrte Damen und Herren, gleich zu Beginn muss ich Folgendes gestehen: Als im vergangenen Jahr Gesa Engelschall als Vermittlerin des nahezu ,,frisch gebackenen" Stifterpaares Stendar-Feuerbaum auf mich zukam, um ein neues Förderstipendium an der Hochschule für bildende Künste ins Leben zu rufen, war ich zunächst skeptisch. Angesichts einer Stifterin mit einem eigenen künstlerischen Werk beschlich mich der Verdacht oder, besser gesagt, die Befürchtung, hier ginge es darum, eine bestimmte künstlerische Tradition mittels einer Stipendienvergabe fortzuführen. Im Gespräch mit Renate Stendar-Feuerbaum überzeugte sie mich aber sogleich vom Gegenteil: Ihre Offenheit und insbesondere Ihre unverstellte Neugier auf junge künstlerische Positionen ließen die Grundidee des Stipendiums, junge Hamburger Künstlerinnen fördern zu wollen, absolut plausibel erscheinen. Und so nahm ich das Angebot für eine Kooperation dankend an. Denn als Präsident einer Kunsthochschule ist mir klar: junge Kunst lebt von dem Glauben an ihr Potential, von solch einem begeisterten Hang zur Verausgabung, man könnte auch sagen: von solch einem Verantwortungsbewusstsein für die nachwachsenden Künstlerinnen! Ich finde es wunderbar und anerkennenswürdig, dass sie, liebe Frau Stendar-Feuerbaum, den Staffelstab auf diese Weise weitergeben - ohne, und das möchte ich betonen, ohne sich selbst bereits ins Abseits zu stellen. Das zeigt auf das Schönste auch die heutige Ausstellung. 76


Sie sind aber auch in künstlerischer Hinsicht eine ideale Mäzenin für die HFBK. Denn die Kunsthochschule Hamburg verfolgt in ihrer Lehre und Forschung einen dezidiert interdisziplinären Ansatz - den damit oftmals verbundenen Spagat vereinen sie wiederum in ihrer eigenen Person: So haben sie als ausgebildete Bühnenbildnerin wie auch als freie Künstlerin gearbeitet, also zwischen ,,angewandt" und ,,frei" stets gewechselt; ihre Kunst umfasst überdies sowohl das Skulpturale als auch das Malerische. Dabei haben sie eine äußerst eigenwillige Bilderwelt geschaffen, die insbesondere im Verbund mit einem Vortrag oder einer Lesung ihres Mannes - dem an Häusern wie dem Burgtheater Wien und dem Schauspielhaus Zürich verpflichteten Schauspieler - eine starke Wirkung entfaltet. Mir haben es besonders einige skulpturale Arbeiten angetan, die ihre Nähe zu einer ironisch-humorvollen Sicht der Dinge und des Lebens nicht leugnen können. Es freut mich außerordentlich, dass wir heute in diesem Rahmen dank ihres Engagements erstmalig das mit 5.000 Euro dotierte Förderstipendium für junge Nachwuchskünstlerinnen der Stiftung Stendar-Feuerbaum vergeben können. Für das Stipendium ausgewählt wurden die beiden vielversprechenden Nachwuchskünstlerinnen Katja Aufleger und Anna Steinert. Die Zweiteilung will bewusst Bezug auf die beiden Aspekte im Werk von Renate Stendar-Feuerbaum nehmen, eben das Skulpturale und das Malerische. So steht Katja Aufleger, die ihr Master-Studium zunächst in der Bühnenraum-Klasse von Raimund Bauer begann und dann zu Matt Mullican und Andreas Slominski wechselte, für eine bildhauerischkonzeptionelle Position, die.mit verschiedenen Medien arbeitet. In

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ihren filmischen Versuchsreihen, ihren Objekten und Installationen untersucht sie Strukturen und Ordnungen von und im Raum, wobei ihr Forschungsgebiet - vom geometrischen Raum über den Denkraum bis hin zum Weltraum - weit gesteckt ist. Die Ergebnisse ihrer Forschung überzeugen durch formale Präzision und gedankliche Klarheit. In ihren jüngsten Arbeiten befasst sie sich mit Kriterien der Bildproduktion und die daraus immer wieder neu ableitbaren Kommunikationsformen zwischen Kunst und Betrachter. Anna Steinert aus der Klasse Werner Büttner vertritt hingegen eine primär malerische Position, was ein zeitweiliges Arbeiten in den Raum hinein jedoch nicht ausschließt. Ihre kleinformatigen Gemälde wollen den Betrachter in einen persönlichen Dialog mit dem Dargestellten ziehen. Offenheit und Nahbarkeit, aber auch Unbegreifliches und Unerwartetes werden darin zusammengeführt. Anna Steinert ist es wichtig Gefälliges zu durchbrechen. Sie versetzt das Motiv - wie sie selbst sagt - in einen eigenartigen drastischen Zustand. Die Motivfindung erfolgt assoziativ, wenngleich vor dem Hintergrund der Kunstgeschichte wie auch aktueller Kulturphänomene. Insbesondere die Literatur der Romantik ist ein wesentlicher Referenzpunkt für ihre Malerei. Vielen Dank ihnen beiden für ihren Beitrag zur Ausstellung! Ich denke, hier wird ein spannender Dialog eröffnet zwischen den jungen Positionen und der präsentierten Werkauswahl von Frau Stendar-Feuerbaum sowie natürlich uns, dem Publikum. Denn dies ist kein unwesentlicher Aspekt: Ausstellung bedeutet öffentliche Aufmerksamkeit und das heißt letztlich auch Würdigung und Anerkennung von künstlerischer Qualität - etwas, wonach sich jede Künstlerin und jeder Künstler sehnt.

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Ausdrücklich danken möchte ich an dieser Stelle dem Ehepaar Wolfgang Stendar und Renate Stendar-Feuerbaum für die Ermöglichung des Förderstipendiums sowie Gesa Engelschall von der Hamburgischen Kulturstiftung für die tolle Vermittlungsarbeit! Ein herzliches Dankeschön für das Gelingen der Ausstellung gilt zudem Tillman Terbyucken sowie den Mitarbeiterinnen von Frau Engelschall, namentlich Petra Grüber und Nina Cerezo. Ich kann Sie alle nur einladen, mit offenen Augen durch die Ausstellung zu gehen und das Gespräch mit den anwesenden Künstlerinnen zu suchen.

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Ansprache Wolfgang Stendar Lern im Leben die Kunst, Im Kunstwerk lerne das Leben, Siehst du das eine recht, Siehst du das andere auch. Friedrich Hölderlin Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde, seien Sie herzlich willkommen. Liebe Frau Engelschall, liebe Frau Grüber, liebes Damen-Team der Hamburgischen Kulturstiftung, lieber Herr Prof. Köttering, Sie alle haben Sich großartig eingesetzt für das Zustandekommen dieser Ausstellung. Dafür möchte ich Ihnen, auch im Namen der Künstlerin, meiner Frau, herzlich danken. Besonders Sie, liebe Frau Engelschall, haben die seltene Gabe, Menschen zusammen zu bringen, die sich für die Kultur unsrer Stadt mit großem Einsatz engagieren. Zu danken hat die Künstlerin auch den Verantwortlichen der St. Jacobikirche, die ihr nach nunmehr 22 Jahren zum 2. Mal Gastrecht geben. Die Hauptpastorin, Frau Fehrs – sie ist inzwischen zur Bischöfin gewählt worden – hat dies zusammen mit Frau Engelschall auf den Weg gebracht. Die besten Erinnerungen an damals sind gegenwärtig, besonders an Herrn Pastor Reinhard Petrick, der kürzlich in Pension gegangen ist und der seinerzeit in hervorragender Betreuung die Ausstellung initiierte, den Aufbau begleitete und dessen einfühlsame Vernissageansprache weiterhin im Stadtarchiv Zürich, das unsern schriftlichen Nachlass verwaltet, bewahrt ist.

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Herr Prof. Martin Köttering, der Präsident der Hochschule für bildende Künste in Hamburg hat dankenswerterweise einige wertvolle Hinweise auf das Werk und die heutige Ausstellung gegeben, die von der Künstlerin speziell auf diesen schönen Raum des Südschiffs der Jakobikirche konzipiert wurde. Zu danken ist auch dem Einsatz der unermüdlichen und umsichtigen Helfer für die technische Umsetzung dieses Konzeptes. Dazu gehören vor allem Tillmann Terbuyken, der selber Absolvent der Kunsthochschule war und der uns von Herrn Prof. Köttering empfohlen wurde und ebenso Urs Ulbrich, ein junger Künstler mit technisch profundem Können. Alle waren in ihrem Einsatz, sehr produktiv und hilfsbereit. Herr Martin Stallbaum hat mit handwerklichem Geschick besonders in der Lichtgestaltung tatkräftig zugepackt. Das Lichtproblem für Kunstwerke ist - zumal jetzt während der dunklen Wintermonate - in einer Kirche jeweils recht schwierig. Es ist gewiss angebracht, uns mit ein paar biografischen Stichworten näher vorzustellen: Nach einem intensiv gelebten Künstlerleben auf verschiedenen Gebieten sind meine Frau und ich vom Ausland nach Hamburg zu den Wurzeln zurückgekehrt. Mein Beruf als Schauspieler führte uns von Zürich aus - das Schauspielhaus Zürich war 43 Jahre meine künstlerische Heimat auch an das Burgtheater in Wien, dem ich in einem Doppelengagement mit Zürich während 10 Jahren angehörte. Es waren Jahre, die unser gemeinsames Blickfeld erweiterten, die jedem von uns in seinem eigenen Wirken reifen ließen. Dazu kamen die vielen Gastspiele, darunter nach Paris, Mailand, dem Schauspielhaus Hamburg, der Volksbühne Berlin, den Salzburger Festspielen, usw.

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Im Rahmen der Welttournee des Burgtheaters ging es nach Warschau und Moskau, wo wir noch die Welt der Sowjetunion zu spüren bekamen. Im Gegensatz dazu spielten wir in Israel, wo ich neben Ernst Deutsch in Jerusalem in Lessings „Nathan der Weise“ den Tempelherrn spielte. Und immer durfte meine Frau mich begleiten. Wieweit diese Vielfalt auf ihr Werk Einfluss hatte, ist unschwer zu erkennen, zumal sie in ihrem Beruf als Bühnenbildnerin noch über Jahre an verschiedenen Theatern Inszenierungen von Schauspielen, Opern ausstattete. Sie begann ihr Studium während des Krieges an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Professor Walter von Wecus, der im wahrsten Sinne ihr Mentor wurde. Wir lernten uns in unserm jeweils ersten Theaterjahr 1947 in Itzehoe kennen, in der Notzeit nach dem Krieg, in der alles zu improvisieren, in der aus einem „Nichts“ an Material ein Bühnenbild zu schaffen war und in der wir hungrig ein hungriges Publikum in eine Kunstwelt versetzen wollten. Interessant ist, dass es ausgerechnet der große Shakespeare mit seinem „Romeo und Julia“ war, der die junge Bühnenbildnerin und den jungen Schauspieler in seiner ersten Rolle, dem Romeo, zusammenführte, jedoch --- mit einem anderen Ausgang. Wir sind also nahezu 65 Jahre zusammen und davon 56 Jahre verheiratet und haben in diesen Jahren etliche Richtungen und Stürme des Zeitgeschehens erfahren, ohne dabei den Humor zu verlieren, der sich auch in manchen Werken der Künstlerin, wie Sie sehen, wiederfindet. Ihre letzte Arbeit, die vor einigen Wochen aus dem Bronzeguss kam, ist sowohl Symbol wie Symbiose: „Einer trage des anderen Last“ aus dem 6. Galaterbrief.

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Und in all dem Geschehen, das Schweres auch für uns nicht aussparte, hat das Schicksal mit dem Zeitgeschehen uns bei unsrer Rückkehr nach Hamburg zu wunderbaren Menschen geführt, die zu unsern Freunden wurden und mit deren Hilfe wir die eigene Stiftung gründen und sie unter das Dach der Hamburgischen Kulturstiftung geben konnten. So dürfen wir mit ihrer Hilfe das künstlerische Werk in guten Händen wissen und können vielleicht auch - im Rahmen unsrer Möglichkeiten - ein wenig dazu beitragen, dass junge Künstler einen guten Weg für ihr eigenes Schaffen finden. Damit ist nicht nur ein „Stipendium“ gemeint. Wichtig ist für jede künstlerische Entwicklung, sich vom Zeitgeschehen nicht beirren zu lassen, sich neuen Kenntnissen zu öffnen aber auch zugleich die Zweifel an sich selbst nicht auszuschließen und dann zu dem zu stehen, was man für sich als richtig empfindet. Der Künstler braucht für seine Arbeit den Mittler, den Vermittler, den Förderer, den Ermöglicher. Heute sind bei uns die beiden Stipendiatinnen Katja Aufleger und Anna Steinert. Meine Frau und ich wünschen Ihnen beiden, liebe Anna und liebe Katja, auf Ihrem künstlerischen Weg von ganzem Herzen Erfolg in Ihrem Schaffen. Die Künstlerin Renate Stendar-Feuerbaum hat verschiedentlich zu ihren Werken passende Texte geschrieben. So auch zu dem Thema IM ZEITGESCHEHEN. Den Text möchte ich Ihnen abschließend hier vorlesen.

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IM ZEITGESCHEHEN Alles ist dem Zeitgeschehen unterworfen, dem ständigen Wandel, vom Kosmos bis in unsere kleine Welt. Nichts kann dieses Geschehen aufhalten, nichts ihm entrinnen, nicht wir Menschen in ihm. Wir sind seine Gewinner wie seine Opfer, aber auch gleichzeitig seine Gestalter. Wir erfinden und schaffen Neues und Großes und zerstören auch vieles durch Missgunst und Gier. Wir nutzen die Gaben der Natur und vergewaltigen sie, bis sie sich grausam wehrt. Die Zeit hinterlässt ihre untilgbaren Spuren in allem Zerstörten und in allem Erhaltenen, das weiterwirkend uns bleibt. Renate Stendar-Feuerbaum

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Auswahl der Exponate unter den Themen

IM ZEITGESCHEHEN und SYMBOLE UND SYMBIOSEN

Titel der Bronze-Skulpturen EINER TRAGE DES ANDEREN LAST“ Galater 6/2 - KASSANDRA - YIN UND YANG JAHR DES KINDES `79 -

QUO VADIS ? - DER LETZTE MENSCH

DER VERRATENE PROMETHEUS

- GEBURT UND TOD, TOD UND GEBURT

SCHATTEN DER EWIGKEIT - „WOHIN?“ Flüchtlinge - CHRISTOPHORUS SCHICKSALSGÖTTINNEN DER ANTIKE (Die griechischen MOIREN) - AN DEN FRIEDEN „DER DU DIE MENSCHENLÄSSEST STERBEN UND SPRICHST, KOMMT WIEDER, MENSCHENKINDER“ Psalm 90/ 3 „FÜRCHTET EUCH NICHT, SIEHE, ICH VERKÜNDIGE EUCH GROSSE FREUDE“ Lukas 2/10 PIÉTÀ - DER RUFER IN DER WÜSTE - KARYATIDEN - IM ZEITGESCHEHEN ERZENGEL - DER ZAUBERLEHRLING (nach Goethe „…die ich rief, die Geister…“) RITTER, TOD UND TEUFEL -

VOLUTE „Schau in dich, schau um dich“

Titel der Ölbilder CHORAL - FUGE - YIN UND YANG - QUO VADIS? - DIES IRAE DER LETZTE TAG

- DER LETZTEB MENSCH - GEBURT UND TOD

„EHE DENN DIE BERGE WURDEN…“ Psalm 90, 2 - „AN DIE FREUDE“ TRIPTYCHON (Nach Goethes Faust I, Prolog im Himmel „DIE SONNE TÖNT…“) STERBENDER REGENWALD -

IM ZEITGESCHEHEN - SCHATTEN

PRÄELUDIUM - POSTLUDIUM - DIE GEBURT - DER TOD Aus dem heiteren Werk SOMMERNACHTSTRAUM (Bronze) - FABELTIERE (Terrakotta)


Im Zeitgeschehen

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Profile for Herbert Hochwald

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