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Marc Pouyet

Landart Spiele in der Natur


Die Originalausgabe dieses Buches ist unter dem Titel »Joueurs de Nature« © 2010 bei Editions Plume de carotte, Toulouse, erschienen.

Aus dem Französischen übersetzt von Martin Rometsch

© 2011 AT Verlag, Aarau und München Text, Gestaltung der Spiele und Fotos: Marc Pouyet Modelle und Bildbearbeitung: LesZines, Sandrine Arribeux Buchgestaltung: Geneviève Démereau Druck und Bindearbeiten: APPL, aprinta druck, Wemding Printed in Germany ISBN 978-3-03800-555-1


Inhalt 9 13 15 19 21 23 27 33 37 41 45 49 53 57 61 67 71 77 81 85 89 95 99 103 105

Federflugobjekte Quirkat Awalé Hütchenspiel Ringwurfspiel Wurfspiel Zielscheiben Wettlauf auf dem Wasser Dame Sternhalma Würfelspiele Domino Schach Leiterspiel Türmchenbauen Fanorana Kugelbahn Hyäne Buchstabenspiel Sieben Familien Murmelspiel Gänsespiel Labyrinthe Glücksspiel Himmel und Hölle

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Memory Mikado Drei gewinnt Mühle Mu Torere Nim Farbparcours Rennbahn Boule oder Pétanque Mensch ärgere dich nicht Puluc Vier nebeneinander Kegeln Roulette Seega 8er-Puzzle Targui Kreisel Yote Zohn Ahl

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Kugeln und Murmeln Spielsteine und Jetons Über den Autor


Ein Herbstmorgen. Ein milder Frühlingstag. Ein Blatt am Kirschbaum raschelt. Leise und verstohlen ruft es mich. Es will mitspielen. Am Rande des Buchenwaldes haben sich Blätter zu einem goldgelben Teppich vereinigt. Ich zeichne Kreise auf den Boden. Nun wechselt sich das Grün des Mooses und des Grases mit dem Gelb des Buchenlaubs ab. Es entsteht eine große natürliche Zielscheibe. Ich spüre den Wind, ich höre ihn, ich erfahre ihn. Das Kirschbaumblatt liegt auf meinem Handteller. Ein sanfter Hauch … Sprünge, Drehungen, Arabesken. Es fliegt nicht fort, es tanzt … Dann lässt es sich genau vor der Zielscheibe nieder. Ich hole es zurück, ich beginne von vorne, ich spiele. Ich spiele mit der Natur, und die Natur spielt mit mir. Schlichte, kristallklare Momente des Glücks. Verspielte Augenblicke der Entdeckungen, des Lernens und der Kreativität. Minuten der Gemeinsamkeit und des Teilens. Ein flüchtiges Gefühl des Zusammenseins mit allem, was uns beruhigt und tröstet. Es gibt weder Gewinner noch Verlierer. So entstand die Idee zu diesem Buch, die Sehnsucht nach ihm.

Inspiriert von traditionellen Spielen wie dem Gänsespiel, Memory und Domino, aber auch von Himmel und Hölle und Labyrinthen, habe ich mir Spiele für jede Jahreszeit und für unterschiedliche natürliche Umgebungen ausgedacht, für die ganz nach den Ideen der Landart nur Material verwendet wurde, das die Natur uns anbietet. Einige meiner schnellen, einfachen Schöpfungen sind sicherlich mehr Spiel als Landart; andere sind ungewöhnlicher, komplexer, zerbrechlicher und wiederum mehr Landart als Spiel. Bei Workshops mit Erwachsenen und Kindern habe ich dies öfter als Thema vorgeschlagen, und das Ergebnis war immer faszinierend. Vergessen wir für eine Weile Computer und Videobildschirm, und entdecken wir von neuem das uralte, urmenschliche, kindliche Vergnügen, uns mit einigen Kieselsteinen, drei oder vier Zweigen und einem Kirschbaumblatt zu amüsieren – geschätzte Augenblicke, geteiltes, selbstvergessenes Glück, flüchtige Momente ein wenig länger festgehalten. Gelegentliche oder regelmäßige Helfer haben mir bei meinen Kreationen bisweilen ihre Aufmerksamkeit, ihren Rat, ihre Hände oder ihre Zeit geschenkt – danke. Jetzt sind Sie an der Reihe. Spielen Sie! Es gibt weder Gewinner noch Verlierer. Marc Pouyet

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Federflugobjekte Sammeln Sie Federn in der Natur oder in einem Hühnerhof. Um ein Federflugobjekt zu bauen, bilden Sie eine Kugel aus Flechten, Algen, Moos oder Ähnlichem und stecken Sie die Federn hinein.

Ziel des Spiels Möglichst schnell und möglichst weit kommen. Spielanleitung Sie können allein oder zu mehreren spielen – im Garten, auf einer Wiese oder am Strand. – Markieren Sie einen Parcours mit Start und Ziel. – Legen Sie die Federflugobjekte auf den Boden, und lassen Sie den Wind spielen.

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Tipps Die Kugel in der Mitte ist sehr wichtig für die Festigkeit und Haltbarkeit des Flugobjekts. Die Kugel sollte sehr kompakt und solide sein, damit sie nicht zerbricht oder auseinanderfällt, wenn Sie die Federn hineinstecken. Achtung: Bei starkem Wind am Strand oder auf gemähten Rasenflächen kann das Flugobjekt große Entfernungen zurücklegen.

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Quirkat Dieses Spiel ist im Nahen Osten mindestens seit dem Jahr 1000 vor Christus bekannt. Als die Araber im 8. Jahrhundert Spanien eroberten, gelangte es nach Europa. Das Damespiel ist eine moderne Version des Quirkat.

Ziel des Spiels Alle Spielsteine des Gegners schlagen. Spielanleitung Zwei Spieler bekommen jeweils 12 Spielsteine. – Der Spieler darf seine Steine in alle Richtungen bewegen, jedoch nicht rückwärts; dabei folgt er jeweils den Linien bis zu einem freien Kreuzungspunkt. – Ein Stein darf nicht auf denselben Platz zurückkehren, den er schon einmal besetzt hatte. – Einen gegnerischen Stein schlägt man, indem man ihn überspringt; dieser muss dann das Spiel verlassen. – Ein Stein kann nach denselben Regeln mehrere gegnerische Steine hintereinander schlagen. – Das Schlagen ist nicht Pflicht, aber wenn ein Spieler nicht so viele gegnerische Steine schlägt, wie er könnte, darf der Gegner den »verschmähten« Stein zurückziehen. 13


Awalé Dieses Spiel stammt aus Afrika. Seine ersten Spuren reichen bis ins 4. Jahrhundert vor Christus zurück. Es wurde schon zur Zeit der Pharaonen in Ägypten gespielt. Es verkörpert zwei Themen von universeller Bedeutung: Saat und Ernte.

Ziel des Spiels Möglichst viele Körner einsammeln. Spielanleitung Formen Sie ein »Mancala«: 2 parallele Reihen aus jeweils 6 Löchern (»Häusern«). In jedes Loch kommen 4 Körner (insgesamt 48). – Die Reihe mit 6 Löchern vor jedem Spieler stellt seinen Garten dar. – Der Spieler nimmt aus einem seiner 6 Löcher alle 4 Körner heraus und sät sie nacheinander in die folgenden Löcher, ohne eines zu überspringen; dabei bewegt er sich gegen den Uhrzeigersinn. – Wenn ein Spieler sein letztes Korn in ein Loch des gegnerischen Gartens gelegt hat und dieses Loch bereits Körner enthält, sammelt er den gesamten Inhalt ein. – Es ist verboten, den gegnerischen Garten mit einer einzigen Entnahme zu leeren.

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Landart ist eine vergängliche Kunst. Dem Spiel der Gezeiten hält ein in den Sand gesetztes Mancala nicht stand. Wenn die Sonne scheint, schmilzt der Schnee und lässt das Mancala im Schnee schmelzen.

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Hütchenspiel Dafür brauchen Sie Hütchen aus zusammengerollten Blättern oder drei Ackerwindenblüten, drei Muscheln oder ähnliche Hohlformen, unter die Sie kleinere Objekte legen können. Fertig ist das Hütchenspiel.

Ziel des Spiels Finden Sie den Gegenstand, der unter einem der drei Hütchen versteckt ist. Spielanleitung – Ein Spieler versteckt ein kleines Naturobjekt (Nuss, Kiesel usw.) unter einem der 3 Hütchen. – Der andere Spieler versucht herauszufinden, unter welchem Hütchen sich das Objekt befindet. Zum Verstecken des Objekts verbindet sich der andere Spieler die Augen oder hält sie bedeckt. Mit entsprechender Übung, Schnelligkeit und Geschick kann das Objekt auch unter den Augen des Mitspielers versteckt werden. Dieses Spiel hat bei manchen einen schlechten Ruf, weil es zuweilen als verbotenes Glücksspiel betrieben wird, um anderen Geld abzunehmen.

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Ringwurfspiel Die Ringe werden aus Efeulianen hergestellt. Zielstäbe oder -stangen sind leicht zu finden: ein spitzer Stein, gerade Äste oder Zweige …

Spielanleitung – Bestimmen Sie ein Ziel. – Bestimmen Sie die Entfernung zum Ziel. – Jeder Spieler bekommt gleich viele Ringe. – Wenn gewünscht, kann jedem Ring ein bestimmter Wert zugeordnet werden, je nach seinem Durchmesser, je kleiner, desto höher der Wert. Tipps Um aus Efeuranken Ringe herzustellen, dürfen diese weder zu dick noch zu dünn, weder zu trocken noch zu grün sein. Wie bei den meisten Landart-Aktivitäten lernt man auch hier tatsächlich die Eigenheiten, Feinheiten und Unterschiede von Pflanzen und anderen Naturmaterialien kennen und unterscheiden.

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Wurfspiel Die Zielobjekte hängen oder stehen. Ein Wurfgeschoss wird ausgewählt. Werfen Sie nun, bis das Ziel getroffen ist und herunterfällt. Landart ist vergänglich!

Ziel des Spiels Möglichst viele der Zielobjekte zu Fall bringen. Spielanleitung Legen Sie die Spielregeln fest: – die Wurfdistanz – und die Zahl der erlaubten Würfe.

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Wurfgeschosse zu finden, ist in der Natur nicht schwer.

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Zielscheiben Am Strand auf dem Sand, auf einem zugefrorenen Teich, auf dem Moos im Unterholz, auf einer Wiese ziehen oder legen Sie konzentrische Kreise. Diese bilden die Zielscheibe. Als Wurfgeschosse dienen zum Beispiel Kieselsteine, Blätter, Äste, Äpfel, Schneebälle, Kiefernzapfen.

Ziel des Spiels Zielen und die Wurfgeschosse möglichst in die Mitte der Zielscheibe werfen. Spielanleitung – Legen Sie die Wurfdistanz und die Zahl der erlaubten Würfe fest. – Sie können den einzelnen Ringen eine bestimmte Punktzahl zuordnen. Tipps Auf einem zugefrorenen Teich oder auf dem Boden können mehrere in einer Reihe angeordnete Zielscheiben aus Efeulianen gebildet werden. Man kann auch mit dem Wind und mit Blättern spielen.

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Tipps Betreten Sie einen zugefrorenen Teich nur, wenn das Eis dick genug ist. Die Kiefernzapfen als Wurfgeschosse werden mit einem langen Ast zurückgeholt. Für das Spiel auf Eis eignen sich auch sehr fest gepresste, harte Schneebälle (sonst zerplatzen sie).

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Wettlauf auf dem Wasser Zuerst brauchen Sie ein schwimmendes Objekt. Es muss auf dem Wasser treiben können, sollte aber auch schön und spektakulär aussehen. Am Ufer eines Baches oder eines Teichs finden Sie in jeder Jahreszeit viele pflanzliche Materialien, die sich dafür eignen.

Ziel des Spiels Möglichst schnell möglichst weit kommen. Oder: das eleganteste, lustigste, verrückteste »Floß« bauen. Spielanleitung Sie können allein oder zu mehreren spielen. Jeder baut sich sein eigenes Floß. – Bestimmen Sie auf dem Bach oder Fluss die zu absolvierende Strecke. – Legen Sie Start und Ziel fest. – Setzen Sie Ihr Floß aufs Wasser. Guten Wind! Tipps Überlegen Sie genau, wo Sie Ihr Floß ins Wasser setzen. Die Stelle sollte gut zugänglich und ungefährlich sein. Schonen Sie die Umwelt! Die Strömung sollte weder zu schwach noch zu stark sein, und das Wasser nicht zu viele Hindernisse enthalten, damit Sie Ihr Floß möglichst lange beobachten können. 33


9783038005551