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viennasian Deine Stadt. Deine Geschichte. Deine Fotos. Ausstellungskatalog und Projekthintergrund


Impressum Ein Projekt der Gesellschaft für Südostasienwissenschaften SEAS Vereinsstiege 4/14, 1090 Wien www.seas.at / www.viennasian.at publics@seas.at / viennasian@seas.at Projektteam: Christian Bothe & Bettina Wilk (Koordination), Agnes Handler, Vera Santner, Eva Weidinger, Caroyn Nadlinger, Nuria Vallaster, Su-Tian Wu, Karen Suil Ilave, Johanna Strahlhofer Finanziell gefördert durch: Europäische Kommission - Programm Jugend in Aktion, Stadt Wien MA7 - Interkulturelle Aktivitäten, Stadt Wien MA17 - Integrations- und Diversitätsangelegenheiten, Kulturkommission Ottakring.


Inhalt 01

Das Projekt viennasian

04

Der Wettbewerb

04

> Das Wettbewerbsthema

04

> Auswahlkriterien

06

Die Workshops

06

> Workshop mit Georg Eckmayr - Kรถrperlichtkleid

08

> Workshop mit Kramar - Sich sehend verhalten

10

> Workshop mit Evatronica - Phantasy Photography

11

Die Ausstellung

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Zu den Ergebnissen

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Hintergrund: Asien in Wien

43

Danksagungen


Gütern und Gepflogenheiten gefestigt. Im Gegensatz zum

Das Projekt viennasian

gesamtösterreichischen Durchschnitt erlebt Wien durch seine große Anzahl an hier vertretenen Nationalitäten ein kulturelles El Dorado, das es zu zeigen wert ist.

Das Konzept für das vorliegende mehrstufige Fotoprojekt entstand im Rahmen der Arbeit der Gesellschaft für Südostasienwissenschaften (SEAS). Thematischer Ausgangspunkt war die Feststellung der öffentlichen und kulturellen Unterrepräsentation der etwa 102.000 in Österreich lebenden, jedoch in Asien geborenen Menschen. Zu dieser Zahl kommt zudem noch eine weitaus größere Anzahl Personen hinzu, welche über ihren Familienhintergrund auch in einem kulturellen Näheverhältnis mit der Region Asien stehen. >> Mehr dazu unter Asien in Wien

Genauso wie Personengruppen mit bspw. südosteuropäischem oder afrikanischem Familienhintergrund hinterlässt die asiatische Community ihre kulturellen Spuren in Wien, verschmelzen Lebensweisen, -bilder, -konzepte und –philosophien und werden im Spannungsfeld zwischen Asien und Wien neu geschaffen und in materiellen als auch sozialen 01

Wir meinen, dass es besonders an der jungen Generation, die maßgebend die Zukunft der Stadt interpretiert, mitprägt und –gestaltet, liegt, diese kulturellen Tendenzen aufzugreifen und in kreativer, authentischer aber auch künstlerischer Weise darzustellen und widerzuspiegeln. Daher haben wir uns entschlossen, deren Perspektive in einer repräsentativen Fotoausstellung einen Raum und eine Plattform zu bieten. Vorrangiges Projektziel ist es, durch eine gezielte Einsichtnahme in die Selbst- und Fremdwahrnehmung in Wien lebender Menschen mit asiatischem Familienhintergrund auch innerhalb der österreichischen Bevölkerung ein Interesse an einer Auseinandersetzung mit dieser Gruppe zu schaffen, auf kulturelle Austausch- und Symbioseprozesse hinzuweisen und beides mit künstlerischen bzw. journalistisch-dokumentarischen Mitteln zu präsentieren. Stellen-


wert, persönliche Positionierung und kulturelle Einflüsse

Ergebnisse erwarten, die sich entlang Kontrast oder Synthe-

im öffentlichen Leben werden damit beleuchtet. Durch die

se bewegen.

Einsichtnahme in unterschiedliche Lebens- und Identitätskonzepte, die zwischen verschiedenen kulturellen Kontexten verortet sind, kann gleichzeitig Toleranz gegenüber, sowie Interesse an kultureller Andersartigkeit gefördert werden. Anstatt eines bspw. politischen wurde der kulturelle Zugangspunkt des Projekts gewählt, weil wir davon überzeugt sind, dass sich dieses Themenfeld vor allem durch seine eigene inhaltliche und kulturelle Dimension am besten verkörpern und kommunizieren lässt. Sowohl Wiener als auch asiatische Kultur sind stark stigmatisierte Begriffe, die schnell zu weiten Assoziationen

SEAS - Gesellschaft für Südostasienwissenschaften / South-East Asian Studies Ein gemeinnütziger Verein mit der Zielsetzung der Aktivierung und Förderung eines interkulturellen und interdisziplinären wissenschaftlichen Austausches zu Südostasien in Österreich. Neben Wissenstransfer und Bildungsarbeit liegt der Schwerpunkt auf der Förderung eines interkulturellen Dialogs zwischen ÖsterreicherInnen und in Wien lebenden AsiatInnen sowie der Schaffung eines öffentlichen Bewusstseins für Asien. Ergänzend zur Konzentration des Vereins auf die Region Südostasien, wurde beim Projekt viennasian der thematische Fokus auf ganz Asien erweitert. >> Mehr Informationen: http://www.seas.at

Gemäß dem Titel viennasian steht die Thematik Asien in Wien im Mittelpunkt des Projekts. Gleichzeitig lädt der Titel zur freien und kreativen Interpretation ein. Projekteilnehmer und –teilnehmerinnen bearbeiten in Beiträgen zum Projekt die Fragestellung, was sie unter dem Titel verstehen bzw. wie sich das Themengebiet für sie als jugendliche Bewohner Wiens erschließt. Das Projekt besteht dabei aus zwei Phasen: einem (1) Fotografiewettbewerb für Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, der unter genanntem Motto einge-

führen. Das schließt damit nicht nur einen breiten interes-

leitet und zu einer öffentlich zugänglichen Präsentation

sierten Rezipientenkreis ein sondern lässt auch spannende

ausgewählter Wettbewerbseinsendungen in Form einer 02


(2) Fotografieausstellung im Ragnarhof im 16.Bezirk führt.

Damit kommt Wien auch einer Repräsentationsver-

Während der Phase (1) fanden zudem drei Fotografiework-

pflichtung nach, welche sich aus einem, mit über 35

shops für 14- bis 25-Jährige statt.

Prozent, äußert hohem Anteil von Personen mit Migrationshintergrund ergibt und weit über dem öster-

Die Ergebnisse des Projekts, die eingereichten fotografischen Arbeiten, aus welchen sich die Ausstellung zusam-

reichischem Durchschnitt von rund 17 Prozent liegt. >> Mehr dazu unter Asien in Wien

mensetzt, sollen kulturelle Wechselwirkungen, Einflüsse und Austauschprozesse ans Licht bringen und können so-

Am Projekt ständig und abschnittsweise mitwirkende

wohl öffentlichen als auch privaten Kontexten entspringen.

Personen: Christian Bothe, Bettina Wilk, Agnes Handler, Vera Santner, Eva Weidinger, Caroyn Nadlinger, Nuria Val-

Speziell für Wien sind diese Prozesse relevant. Sie prägen nicht nur das Stadtbild nach außen, sondern mit ihnen eröffnet sich auch eine Bestandsaufnahme, wer in welcher Weise diese Stadt mitgestaltet. Der Terminus viennasian steht dabei sinnbildlich für diese Prozesse. Damit konzentriert sich das Projekt auf den asiatischen Faktor Wiens. Mit Besuch der Ausstellung begeben sich die BesucherInnen damit auf eine zeitgenössische und auf Wien ausgerichtete kulturelle Spurensuche, die ihnen nicht von außenstehenden Beobachtern, sondern direkt Involvierten ermöglicht wird und über persönliche Geschichten und Konzepte einen besonderen Zugang gewährt. 03

laster, Su-Tian Wu, Karen Suil Ilave, Johanna Strahlhofer.


Der Wettbewerb Einreichphase 10.Juni bis 10.August 2009.

wie ein Begleittext im Umfang von maximal 1200 Zeichen

zugelassen.

Nicht

die

fotografisch-techni-

sche Qualität sollte entscheidend sein, sondern ob eine Idee kreativ und überzeugend umgesetzt wurde.

> Das Wettbewerbsthema viennasian. Deine Stadt. Deine Geschichte. Deine Fotos. Die Aufgabenstellung des Wettbewerbs lag in der Interpretation des Kunstbegriffes viennasian. Bewaffnet mit einer Kamera lag es an den TeilnehmerInnen, auf eine kulturelle Spurensuche in Wien aufzubrechen und dem Projektteam ihre Interpretation, persönliche Sichtweise und Vorstellung des Begriffs viennasian zu präsentieren – abseits von Klischees und gängigen Schubladen. Dabei war nicht nur nach

>> Mehr dazu unter Auswahlkriterien

Einsenden konnte man sowohl unbearbeitete Digitalfotos, als auch Scans von Analogfotos oder Fotomontagen. Um die TeilnehmerInnen des Wettbewerbs

hinsichtlich

fotografischem

Know-how

und

künstlerischer Herangehensweise zu unterstützen, wurden drei Workshops angeboten, die kostenfrei während der Wettbewerbsphase besucht werden konnten. >> Mehr dazu unter Workshops

fotografischer Beobachtung gefragt sondern auch nach der dazugehörenden Geschichte, die aufzeigt, was Asiatisches in Wien steckt oder umgekehrt; wo sich kulturelle Wege überschneiden. Sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Themen, dokumentarisch oder künstlerisch umgesetzt, wurden als Einsendungen zugelassen. Pro Person wurde nur eine Fotoeinsendung so-

> Auswahlkriterien Wie wurden die Fotos bewertet? Eine Bewertung der eingesendeten Beiträge fand einerseits durch eine Fotojury statt, in welcher sich ProjektmitarbeiterInnen und die Leiter der Fotoworkshops befanden, 04


andererseits wurde in Form einer Onlineabstimmung durch die Besucher der Website www.viennasian.at, auf welcher

Die von der Jury ausgesuchten 25 Plätze sowie der Onlinesieger wurden mit Preisen ausgezeichnet.

alle Einsendungen sichtbar gemacht wurden, ein Publikumsvoting organisiert. Während die Fotojury nach Ende

An

dieser

Stelle

vielen

Dank

an

unsere

der Einreichfrist zusammen kam, konnten Online-Stimmen

Preissponsoren, allen voran der Fluglinie KLM, welche den

während der gesamten Einreichphase sowie ein paar Tage

Hauptpreis, eine Flugreise für zwei Personen nach Asien,

darüber hinaus – bis zum 25.August – abgegeben werden.

stellte. Weitere Preise kamen von MAATartio, Cyberlab, Urban Tool, Gartenbaukino, Hollywood Megaplex, FotoTV,

Die Entscheidung der Jury orientierten sich entlang der

Photopresse und Digit!, Fotocommunity.net, sowie den

vorab auf der Website ausgewiesenen Entscheidungskrite-

Restaurants Sichuan, Ramien, ShanghaiTan und Banyan in

rien:

Wien.

Die Interpretation und Darstellung des Wettbewerbsthemas

ausgewählt wurden, gehen zudem nach Ende der Ausstel-

Kreativität und Originalität des Bildes

lung in den Besitz der FotografInnen über.

Die Fotokomposition, der Aufbau des Fotos und die Klarheit der Botschaft

Die Wirkung auf den Betrachter

Die Zugänglichkeit und Allgemeingültigkeit der Aussage der Fotoarbeit

05

Alle Fotoarbeiten, die für die Ausstellung im Ragnarhof


Die Workshops

Workshop mit Georg Eckmayr Körperlichtkleid

Während der Wettbewerbsphase wurden für 14 bis

18.Juli 2009

Abstraktion: Das Wesen von Ausschnitt und Licht

25-Jährige drei kostenfreie Workshops mit ProfifotografInnen angeboten, die sowohl fotopraktische/technische

Workshopbeschreibung: Die Fähigkeit zur Abstrakti-

Grundlagen und Gestaltungsmöglichkeiten, als auch journa-

on, also das Allgemeine in einer Inszenierung zu erfassen,

listische und dokumentarische Arbeitsweisen und letztlich

wurde in diesem Workshop verdeutlicht. Für Fotografie, die

künstlerische Ausdrucksformen, Zugangsweisen und Prak-

nicht nur für Eingeweihte (Familien & Fotoalben) sondern

tiken vermittelten.

für die Allgemeinheit (Presse & Kunst) kommunizieren soll, ist es wichtig, persönliche Vorlieben und kleine Details, die für größere Aussagen stehen, so zu arrangieren, dass sie von vielen verstanden werden. Die TeilnehmerInnen sollten sich für den Workshop überlegen, wen sie gerne darstellen würden, ein Bild dieser Person suchen und es genau betrachten. Mitgebracht werden sollten Gewand, Accessoires,

Make-up,

Spielzeug 06


oder andere Dinge, die benötigt wurden, um diese Person

den, bedienen sich der

darzustellen. Dabei ging es nicht darum möglichst realis-

Figuren, die gemeinsam

tisch und somit finanziell aufwendig zu arbeiten, sondern mit

erarbeitet wurden und die

möglichst wenig, aber persönlichen Mitteln die Anmutung

mit ihren jeweiligen be-

dieser Person - einen Charakter – zu schaffen. Ein äußerst

stimmten Eigenschaften

wichtiger Aspekt dabei sind Gestik und Körpersprache. Wie

gefüllt wurden.

hält eine bestimmte Person ein Glas und was sagt das über die Person. Im zweiten Schritt wurden Szenen erstellt, die

Website:

einen emotionalen Moment im Leben dieser fiktiven Person

http://georgeckmayr.net/

darstellen. Hier ging es weniger darum, ein präzises Portrait zu zeichnen, als ein bestimmtes Gefühl zu erfassen. Szene bedeutet in diesem Rahmen eine nahe Einstellung, die jedoch um jedes Detail im Bild weiß. Ablauf des Workshops: Zuerst wurden gemeinsam mit den TeilnehmerInnen ein bis zwei Bilder, wie oben dargestellt, erstellt. Ein Beispiel: Eine uniformierte Hand hält auf verkrampfte Art und Weise ein Stück Kuchen. Der Soldat, der heimlich während dem Wache-Stehen ein Stück Kuchen verzehrt liegt nahe. Die Art und Weise wie er es hält, ist Zentrum dieser Arbeit: Ein heimliches Verlangen, das er durch diese Haltung ausstrahlt. Die Bilder die erstellt wur07

Fotos (c) S.Kiparski, S.Jungmayr, D.Grandits, L.Großkopf


Workshop mit Kramar Sich sehend verhalten 19. & 20.Juli 2009 Workshopbeschreibung: Journalistische und ReportageFotografie sind ein bewusstes Vorgehen zu einem gewählten oder vorgegebenen Thema in einem bestimmten Umfeld. Die Rolle des Fotografen/der Fotografin ist wesentlich. Beobachtung, Respekt und Interesse sind Elemente für eine gute Reportage. Schliesslich erzählt ein gutes Reportagebild auch die Geschichte vor und nach dem kurzen Moment der Belichtung. Dieser Workshop ging nach kurzer Theorie und fotografischen Übungen am Vortag direkt ins Feld, konfrontiert die TeilnehmerInnen mit der vorgegebenen Aufgabenstellung und letztlich mit sich selbst.

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Kramar. Lebt und arbeitet als Freier und Werbe-Fotograf in Wien und Pridnestrowien. Studium von Kommunikationswissenschaften, Geschichte, Politik. Zahlreiche Bildreportagen und -dokumentationen zu Gegenwart und Zeitgeschichte seit 1992 in Österreich und Ost- und Südosteuropa, internationale Werbefotografie und Bildpropaganda seit 2004, und seit 2006 mit Kollektiv Fischka – Bilder für viele Menschen. Website: http://www.fischka.com; http://www.fabrik.co.at Fotos (c) Vera Santner, Kramar, Christian Bothe

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Workshop mit Evatronica Phantasy Photography 23. & 24.Juli 2009

Evatronica: Arbeitet derzeit an der Fertigstellung von Buchprojekten mit den Schwerpunkten globale Jungendkulturen, Wien, Fans von Comics und Manga, SCIFI und Fanta-

Workshopbeschreibung: Die Inszenierung einer “phan-

sy, ökonomische und soziologische Langzeitentwicklungen.

tastischen Welt” mittels Einsatz einfacher Methoden: Wie

Sie versucht mit unterschiedlichen Bildsprachen und Tech-

kann ich Personen, Gegenstände auf Photos in Szene set-

niken individuell auf die abgebildeten Personen und Projekte

zen, um ihnen einen ‘magischen’ Touch zu geben? Bildspra-

einzugehen. Ihre Fotografien dienen ihr als Ausgangspunkt

che – was ist das überhaupt und warum ist sie so wichtig?

für Ihre Multimedia-Arbeiten. Im Zuge der Aktion „Photo-

Tolle Effekte erzielen – auch ohne teures Equipment! Nutze

graphy for the masses“ werden Bilder, Bildteile aus ihrem

den Ort! Licht – Do it yourself! Übungen aus der Praxis.

ursprünglichen Zusammenhang herausgerissen und neu im Rhythmus der Musik arrangiert. Eine Weiterentwicklung aus herkommlichen Slideshows und VJ-Techniken. Website: http://www.evatronica.com Fotos (c) Evatronica

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Die Ausstellung Von den Fotobeiträgen der Plätze 1 bis 25 wurden Fotoprints auf einer Grundfläche von 50x70cm erstellt, die dazugehörigen Texte auf transparente Folie gedruckt und gemeinsam im den Räumlichkeiten des Ragnarhofs ausgestellt. Im Folgenden finden sich alle Fotografien inklusive ihrer Textbeiträge und Platzierungen.

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Nikolaus FrĂśhlich 20 Jahre Treffen der Traditionen

Der AusfĂźhrende einer alten japanischen Kampfkunst fragt ausgerechnet einen Altwiener Fiakerfahrer nach dem Weg. Oder ist es doch nur ein Trick um seinen Wagen zu erobern...? Platz 1

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Hanae Miura 14 Jahre Im Setagaya Park

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19.Bezirk, Wien. Im Park herrscht japanische Kultur, doch wird er auch von Wienern und Wienerinnen gerne besucht. Hier finden manchmal auch Teezeremonien statt, und jede/r ist willkommen. Das nenne ich Kultur端berschnitt. Platz 2


Kevin Partl 18 Jahre Certificate of Recognition

Dieses Bild zeigt meine Mutter vor ihrer Abreise von den Philippinen nach Österreich vor mehr als 30 Jahren. Sie hat ihre Ausbildung zur Krankenschwester dort absolviert und arbeitet seitdem im AKH Wien. 2006 wurde ihr schließlich ein Diplom verliehen für ihre professionelle und liebevolle Arbeit. Ich finde es gut, dass Österreich und Asien so gut miteinander arbeiten und umgehen können und es trotzdem zu schätzen wissen. Platz 3

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Sarah Kiparski 20 Jahre Lesezeit Ein Julimorgen auf den Stufen der Karlskirche. In ihre Lektüre vertiefte Zeitungsleser. Ein für Wien nicht unübliches Bild. Die Überschriften sind jedoch nicht auf Deutsch, Englisch oder Französisch verfasst, sondern auf Japanisch. Sprachkenntnisse sind wahrscheinlich eines der besten Mittel, einer Kultur näher zu kommen. Das gilt für Personen, die Deutsch lernen wollen, aber mindestens genauso für jeden, der sich für ein asiatisches Land begeistert. WienerInnen, die auf Chinesisch, Japanisch oder einer anderen asiatischen Sprache kommunizieren können, sind glücklicherweise sogar verbreiteter, als viele auf den ersten Blick meinen würden. Platz 4

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Jakob Synek 20 Jahre W체rstelstand der Zukunft?! 5

Stellen Sie sich vor, Sie stolpern nach einem ereignisreichen Abend an einem W체rstelstand vorbei, an dem es kalorienarmes Sushi statt deftige K채sekrainer gibt... Platz 5

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Marcus Rischka 16 Jahre Wir sind Wien!

Wie heißt du? Ich heiße Nelly. Woher kommst du? Aus Wien!

Wie heißt du? Ich heiße Cocoline. Woher kommst du? Aus Wien!

Wie heißt du? Ich heiße Marcus. Woher kommst du? Aus Wien!

Wie heißt du? Ich heiße Ümit. Woher kommst du? Aus Wien!

Und wie heißt du? Und woher kommst du? Lass mich raten...

Wie heißt du? Ich heiße Dandan. Woher kommst du? Aus Wien!

Wie heißt du? Ich heiße Zheng Chang! Woher kommst du? Aus Wien!

Wie heißt du? Ich heiße Chacko. Woher kommst du? Aus Wien!

Wie heißt du? Ich heiße Wladimir. Woher kommst du? Aus Wien!

Platz 6 & Onlinepreis

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Ausschnitt


Natalia Turczynska 18 Jahre Made in Asia

Auf der Suche nach Asien kam mir plötzlich der Gedanke: wozu Asien suchen, wo man es doch anhat? Ich wage zu behaupten, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Kleidungsstück in unserem Schrank zu finden, das in Asien produziert wurde, ziemlich hoch ist. In Wirklichkeit fängt es bei der Kleidung aber erst an. Allein die Fotoapparate, die wir verwenden um Fotos für diesen Wettbewerb zu machen... kommen die nicht auch aus Asien?. Platz 7

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Nora GrĂźnbauer 20 Jahre Kulinarisch-asiatisches Mosaik

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An jeder Ecke in Wien gibt es die MÜglichkeit ein asiatisches Restaurant zu besuchen oder sich in einem Lebensmittelgeschäft die Zutaten zu besorgen um selbst ein asiatisches Gericht zu zaubern. Diese vier Beispiele im Mosaik sind nur einige von vielen. Dass sich dabei die Fassaden der Stadt in den Fotos spiegeln, hat eine symbolische Bedeutung: Es verdeutlicht wie eng die asiatische mit der wienerischen Lebenskultur verschmolzen ist. Es herrscht ein friedliches Zusammenleben, wobei die eigenen kulturellen Wurzeln bestehen bleiben und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Platz 8


Danielle Ayo 15 Jahre Friends

Dieses Bild ist eigentlich aus Zufall entstanden. Es soll zwei Jugendliche zeigen, die trotz verschiedener Kultur und Religion befreundet sind. Eine Freundschaft, die nicht in allen Teilen der Erde erlaubt ist. Platz 9

20


Stefan Carda 16 Jahre Pinoy 1 Mein Vater ist 端ber seine philippinische Autonummer sehr gl端cklich! Platz 10

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Lisa Großkopf 19 Jahre Fusion

Es mag klischeehaft klingen, entspricht aber der Realität: Asiatische Gerichte sind längst zum fixen Bestandteil der Ernährung von uns Wienerinnen und Wienern geworden. Während diese vor einigen Jahren noch Ausnahmeerscheinungen waren, findet man heute in der Bundeshauptstadt über 200 Restaurants, die sich auf die chinesische Küche spezialisiert haben – darüber hinaus gibt es unzählige Möglichkeiten Sushi, Maki und Co. zu konsumieren. Aber auch indische, thailändische und vietnamesische Lokale prägen das Wiener Stadtbild. Bestand bis vor Kurzen noch eine harte Grenze zwischen der exotischen und unserer durchaus bodenständigen Kost, so findet man heute nicht selten fernöstliche wie auch typische Wiener Speisen auf derselben Speisekarte. Köchinnen und Köche mit asiatischen Wurzeln haben die Wiener Gastronomie belebt, inspirieren aber auch heimische Köche zu neuen Kreationen. Und der Erfolg gibt ihnen Recht - die Wiener Bevölkerung nimmt nicht nur das Angebot in den Restaurants begeistert an, sondern setzt auch am eigenen Herd die neu gewonnenen Eindrücke der asiatischen Küche um. Die Fusion ist somit gelungen. Platz 11

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Catherine Asengua 16 Jahre Vienna‘s Secret Asian Life Wien hält eine Menge Überraschungen bereit, vor allem im kulturellen Bereich. Deshalb habe ich mich ohne Ziel in Wien umgesehen, und so einiges gefunden. Zum Beispiel in Schönbrunn, dort gibt es einen wunderschönen japanischen Garten, der einen sofort in die Welt Asiens eintauchen lässt. Auch was die Kulinarik betrifft, ist Asien in Wien sehr gut vertreten. Als Kontrast, habe ich auf dem Bild den Stephansdom gewählt. Die Begeisterung für die asiatische Kultur nimmt auf jeden Fall immer mehr zu. Platz 12

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Angelika Lux 19 Jahre Kulturbrücke Freundschaft Freundschaft ist für mich die schönste Art verschiedene Kulturen zu teilen. Es ist schön, voneinander auf diesem Wege von Bräuchen, Religionen, Kulinarischem und Lebensstilen zu erfahren. Auf diesem Bild sind zwei Freunde von mir abgebildet. Sie kennen und akzeptieren einander. Nichts an dem Anderen wirkt fremd. Dieses Gefühl von Freiheit möchte ich übermitteln und widme hiermit dieses Bild an meine Freunde aus aller Welt, die ich bei einer internationalen Woche an meiner Partnerhochschule in Paris kennenlernen durfte. Platz 13

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Kevin Staudacher 20 Jahre So fern und doch so nah Der Wiener Naschmarkt, von manchen auch als die „China Town“ von Wien bezeichnet, bietet eine Vielzahl an asiatischen und heimischen Lebensmitteln. Auf diesem Bild sieht man eine Traditionsbäckerei aus Wien und einen asiatischen Orient-Shop nur einige Meter von einander getrennt... Ein kleines Stück Asien nur einen Katzensprung entfernt! Platz 14

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Sophie Hiller 18 Jahre Kleinasian Asien? Was macht dieses Land aus? Bunte Farben… viel Leben…wildes Treiben… Wo findet man ein solches Vergleichbares in Wien? In dieser Stadt ist alles geregelt und strukturiert. Asiatische Gewürzläden und Geschäfte erinnern an ein andere Kultur und Lebensweise. Wenn man jedoch ganz genau hinschaut, entdeckt man vergleichbar buntes Leben vielleicht dort, wo man es nicht erwartet. Platz 15

26


Laura Kiparski 20 Jahre Citytrip Egal, ob Regen oder Sonnenschein - ein Schirm gehรถrt bei den meisten chinesischen Touristinnen auf einem Spaziergang durch Wiens Innenstadt einfach dazu. Platz 16

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Francesca Fernandez 20 Jahre Revers-Geisha

Als es zur EM kam, fieberte ich genau wie jede/r andere/r WienerIn mit. Ich fand‘s lustig, dass manche Leute so entzückt waren von diesem „Chinagirl in rot-weiß-rot“ (obwohl ich eigentlich aus den Philippinen stamme), doch für mich war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich das Land der Berge anfeuerte. Ich bin stolz auf meine asiatische Herkunft, und genauso stolz auf meine neue Heimat, die mich mit offenen Armen empfangen hat. Wenn‘s um Boxing geht, dann jubel’ ich eben für Manny Pacquiao, und beim Fußball heißt‘s natürlich „Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich!“ Platz 17

28


Isabelle Hörbe 18 Jahre Horvath

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Bewaffnet mit einem abgelaufenen Diafilm in der Kamera habe ich einen Tag in Wien damit verbracht, unbeobachtet asiatische TouristInnen beim Fotografieren zu fotografieren. Ihre Kameraverliebtheit und ihren Hang dazu, die Stadt irgendwann nur noch durch die Kamera zu sehen, finde ich interessant. Ich habe für einen Tag Touristin gespielt und dabei Wien aus einer ganz anderen Perspektive gesehen und dann wieder aus einer anderen, wenn ich so getan habe, als würde ich beim Fotografieren dasselbe Motiv wie mein „Opfer“ wählen, nur um mich dann blitzschnell herumzudrehen, wenn es sein Bild macht. Gleichzeitig drückten wir dann auf den Auslöser - aber unsere Bilder sind einander entgegengesetzt. Das ist mein Lieblingsbild aus der Serie. Die meisten meiner „Opfer“ haben mich spätestens beim Fotografieren entdeckt, aber diese junge Frau war so versunken in ihre Motive, dass sie mich selbst dann nicht bemerkt hat. Ich bin gerade erst aus NÖ nach Wien gezogen, um zu studieren. Trotz dem Stress und der Aufregung, die damit verbunden sind, hoffe ich, dass ich alle neuen Eindrücke in meiner neuen Stadt mit derselben offenen Begeisterung aufsaugen kann, wie die junge Frau auf meinem Foto. Platz 18


Ying Siu Liang 19 Jahre Wiens Große Mauer Das Wiener Riesenrad - eines der Wahrzeichen von Wien. Sieht man mich vor diesem posieren, denkt man automatisch an eine Touristin, die sich in Wien nur mit Hilfe eines Stadtführers auskennt. Doch eigentlich bin ich in Wien geboren und aufgewachsen, kenne mich so gut aus wie jeder andere ‚Eingeborene‘. Ich kann zuversichtlich behaupten, dass ich wie auch die meisten anderen Asiaten, was die Sprache, die Denkweise und das Verhalten betrifft, mindestens zur Hälfte Wienerin bin. Platz 19

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David Freund 19 Jahre Ludwig Ludwig, der Hund meiner Schwester. Ich weiß nicht, welche Rasse er ist aber er schaut ein bisschen aus wie ein Tibet-Spaniel und ein bisschen wie ein Pekinese. Er schaut stolz in die Kamera (oder auch nicht?). Der Tibet-Spaniel scheint auf Hunde zurückzugehen, die schon um 1000 v. Chr. im zentralasiatischen Gebiet gelebt haben. Die ersten Erwähnungen datieren aus der Zeit der Chin-Dynastie 225 bis 206 v. Chr. Oft dienten die Tibet-Spaniel in buddhistischen Klöstern als „Gebetshunde“, die zum Drehen der Gebetsmühlen abgerichtet wurden. Bronzen und Keramiken von 1100 bis 1644 zeigen diesen Hundetyp, der auch Ähnlichkeit mit den heutigen Pekinesen hat, allerdings mit deutlich längerer Schnauze und längerem Rücken. Es scheint, dass ab dem späteren 17. Jahrhundert damit begonnen wurde, einen flachnasigen Hund zu züchten, den wir heute als Pekinesen bezeichnen. Was der Ludwig genau ist, weiß ich nicht aber er hat offensichtlich Vorfahren in Asien.. Platz 20

31


Lucia Lechner 20 Jahre Ottakring SentĹ?

Dieses Bild entstand zusammen mit Freunden, darunter eine japanische AustauschschĂźlerin, die ein halbes Jahr bei mir wohnte. In diesem halben Jahr hatten wir sehr viel Zeit unsere Kulturen gegenseitig kennen zu lernen. Unsere Absicht bei diesem Bild war es, die Wiener Badekultur mit der japanischen zu vergleichen und dabei, als diese beiden sehr unterschiedlichen Kulturen verbindendes Element, auf die Jugendkultur zu verweisen. Denn in der Wanne sind alle Katzen nass. Platz 21

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Lisa Hammer 20 Jahre Ayurveda Coast Wo findet man in Wien mehr asiatisches Flair als am Wiener Naschmarkt? Dort, wo Menschen verschiedenster Herkunft ihre multikulturellen Waren anpreisen, dürfen natürlich die AsiaShops mit ihrem fernöstlichen Sortiment nicht fehlen. Da kann ein Einkauf zum Erlebnis besonderer Art werden: man bekommt leckere Kostproben angeboten, entdeckt interessante Dinge und freut sich einfach über die charmante Bedienung. Asien liegt doch tatsächlich näher als man denkt... Platz 22

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Chuanyi Huang 20 Jahre Agent Wienentdecker Junior Agent Wienentdecker Junior: Agent Fotografin, hier habe ich einige Spuren von Wien entdeckt! Bitte sofort hierherkommen! Over. Agent Fotografin: Nachricht empfangen. Bitte lokalisieren Sie sich. Over. Agent Wienentdecker Junior: Ich befinde mich gerade vor Wiener Schnitzel, Sachertorte, Apfelstrudel, Marillenknödel, Gugelhupf, Karlskirche, Prater. Alles andere unbekannt. Over.

Agent Fotografin: Herr Agent, wie bitte??? Agent Wienentdecker Junior: Ich befinde mich gerade vor einem Postkartenständer am Stehpansplatz. Over. Agent Fotografin: Wien ist mehr als das... (Danke der Unterstützung an JI Huang Xiang, kleiner Österreicher chinesischer Stamm, 7 Jahre alt)

Platz 23

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Netnatha Nkalahom 19 Jahre Kruj jetzt auch bei Hofer Ich komme aus Thailand und lebe seit drei Jahren in Spillern/NÖ. Ich arbeite momentan in einer Chemiefabrik. Bis vor kurzem habe ich in einem Eissalon gearbeitet. Meine Hobbies sind zeichnen, tanzen, Musik machen (ich spiele kruj, eine thailändische Flöte) und ich repariere gerne Computer. Durch einen Deutschkurs habe ich in Wien Menschen aus verschiedenen Kulturen kennengelernt. Mit einigen von ihnen bin ich auch befreundet. Momentan trainiere ich in einer Tanzgruppe mit nigerianischen Mädchen. Ich lebe gerne in Wien, aber manchmal vermisse ich meine Heimat. Platz 24

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Stella Veneziano 15 Jahre „Meersfrüchte“ aus dem Lilimarkt

Ich hätte diesen chinesischen Supermarkt, an dem ich jeden Tag mit dem Bus vorbeifuhr, wohl nie bemerkt, wenn ich „Meersfrüchte“ nicht gesehen hätte! Daneben steht noch „Frische Obst“ und andere Fehler geschrieben, die mich amüsierten. Obwohl die Worte mich zum Schmunzeln bringen, muss ich doch jedes Mal denken, wie schwer es die immigrierten Asiaten haben, sich in einer völlig fremden Stadt zu integrieren... Platz 25

36


Zu den Ergebnissen Der Inhalt der Ausstellung Rund 25 Beiträge machen den Inhalt der Ausstellung aus, zeigen in welcher Breite der Begriff viennasian ausgelegt werden kann und welche Fülle an unterschiedlichen Zugängen mögliche Wege der Interpretation bieten. Durchwegs auffallend dabei ist die Vielzahl der versammelten Werke, die eine persönliche Geschichte erzählen. Sie zeigen Freundschaften, in welchen sich Asien und Wien verbindet. Beziehungen, in denen kulturelle Differenzen nicht zu Tage treten oder sich schlicht durch ein Interesse am gegenseitigen Kulturschatz äußern. Ob schon im Rahmen einer freundschaftlichen Beziehung oder von einer neukennenlernenden Warte aus: das was erkannt und zu entdecken ist, dreht sich oft ums Essen. Kulinarische Eindrücke, sowohl Asiens als auch Wiens sind ein ständig wiederkehrendes Thema in der Ausstellung. Asiatische Gerichte in all ihrer Vielzahl machen oft das Erste und Sicherste aus, was im kulturellen Vorstellungsvermögen oder Erfahrungsschatz über eine andere Kultur vorhanden ist. Doch während 37

für viele österreichische Beiträge fernöstliche Gerichte und Speisezutaten die sichtbarsten, in Wien zu findenden, asiatischen Kulturgüter sind, geht Chuanyi Huang mit seinem Beitrag Agent Wienentdecker Junior darüber noch einmal hinaus. Sein Fotomodel entdeckt erst einige, der mit Wien in Verbindung gebrachten, Speisen - vom Schnitzel bis zur Sachertorte - bevor er schließlich unbefriedigt festhält: „Wien ist mehr als das“. Die auf Postkarten abgebildeten Menüs mögen damit also nur ein erster und bescheidener Schritt auf dem Weg der kulturellen Spurensuche sein. Neben dem Kulinarischen finden sich auch weitere Motive in der Ausstellung, darunter der Sport, die durch ihre Mehrfachbearbeitung aufschlussreiche Erkenntnisse liefern. Während Nikolaus Fröhlich in seinem bildstarken Beitrag Treffen der Traditionen eine Person in japanischer Kendorüstung auf einen Wiener Fiakerfahrer treffen lässt und damit zwei weit zurückreichende und lang etablierte Kulturgüter - beide einer eher aristokratischen Vergangenheit entstammend - spannungsreich kontrastiert, zeigt Francesca Fernandez mit Revers-Geisha wie spielend sie ihren philippinische Hintergrund mit dem österreichischen Zuhause verbindet, die beiden Nationalitäten problemlos in einem Identitäts-


konzept vereint und Freude und Begeisterung aus beiden

Certificate of Recognition das Schicksal seiner Mutter, die

gleichzeitig ziehen kann.

vor mehr als 30 Jahren wie viele andere Philippinas aufgrund

Selbstportraits wie diese lassen auch erkennen, wie di-

eines Mangels an Spital- und Pflegekräften nach Österreich

vers die Lebenssituationen und –erfahrungen in Wien an-

angeworben wurde und die ähnliche Herausforderungen

sässiger Personen mit asiatischem Familienhintergrund sein

schon überstanden und gemeistert hat. Wer sich die Frage

können. Fühlen und bezeichnen sich manche wie die 20-jäh-

nach der eigenen Heimat dagegen sicherlich nicht so stellt,

rige Francesca Fernandez oder die 19-jährige Ying Siu Liang

scheint Ludwig, der kleine Tibet-Spaniel zu sein, statt wel-

schon genauso gut österreichisch wie philippinisch bzw. re-

chem selbst sein Herrchen sich über den eigentlichen Ur-

spektive chinesisch, erzählt manch anderer Beitrag wie Kruj

sprung der Hunderasse wundert und diesen schließlich in

jetzt auch bei Hofer der 19-jährigen Netnatha Nkalahom von

Asien festmacht.

Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung und dem Aufbau ei-

Genauso wie der 19-jährige David Freund, findet auch die

ner eigenen Existenz im neuen Umfeld Wien. Oft begleitet

18-jährige Sophie Hiller asiatische Einflüsse im Wiener All-

von einer Sehnsucht und einem schmerzhaften Erinnern an

tag. Ausgehend von ihrem, mit Essstäbchen durchsetztem,

Zurückgelassenes, welches noch stärker als Heimat be-

Kochgeschirr schneidet sie mit Kleinasien das Thema gesell-

zeichnet wird, als der neue Wohnort Wien. Offensichtlich

schaftlichen Pluralismus an und äußert gleichzeitig ein we-

zeigen sich dadurch auch die unterschiedlichen Lebenssi-

nig Unmut über allzuviel Geregeltheit in Wien, dem sie die

tuationen und Identitätskonzepte der Ersten und Zweiten

vermeintliche Offenheit und Vielfalt Asiens entgegenstellt.

Generation der hier lebenden Personen mit asiatischem Fa-

Ob asiatische TouristInnen in Wien die Stadt auch so

milienhintergrund. Gleichzeitig werfen einige Beiträge Licht

wahrnehmen, bleibt vorerst unbeantwortet. Äußert kon-

auf das Thema Arbeitsmigration. Während Netnatha Nkala-

zeptionell verarbeitet die 18-jährige Isabelle Hörbe in ihrem

hom nämlich eine keineswegs einfache Lebenssituationen

Beitrag Horvath jedoch den Fotografierrausch, den sie bei

noch zu meistern hat, zeigt der 18-jährige Kevin Partl mit

ebenselben ausmacht. Als Neubewohnerin der beliebten 38


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Touristendestination Wien, und damit fast selbst zum oft

dung eines in voller Blüte stehenden Kirschbaumes, welchen

fotografierten Fotoobjekt verurteilt, setzt sie sich geschickt

der Betrachter überraschenderweise in Österreich und nicht

über dieses Schicksal hinweg indem sie umgekehrt die Fo-

in Japan finden kann.

tografierenden vor die Linse nimmt und damit, dokumenta-

Dass bei der Vielzahl der Beiträge Wiens vermeintliche

risch verpackt, auch einen Kommentar zum Thema kulturel-

Chinatown rund um den Naschmarkt nicht zu kurz kommen

le Wahrnehmung und Tourismus abgibt. Ein gutes Beispiel

darf, scheint unausweichlich. Doch während Beiträge wie

für Beiträge, die dagegen inszenierte Szenen zeigen ist unter

Ayurveda Coast der 20-jährigen Lisa Hammer oder So fern

anderem Jakob Synek mit seinem Würstelstand der Zukunft,

und doch so nah des gleichaltrigen Kevin Staudacher den

an welchem statt, den Cholesterinspiegel hochtreibende

asiatischen Einzelhandel am Naschmarkt dokumentieren

Käsekrainer frische Sushi verkauft werden. Eine Vorstellung

und auf die Verfügbarkeit vieler asiatischen Lebensmit-

welche - wie kaum anders zu erwarten - schnell zu Diskus-

teln verweisen, erzählt die 15-jährige Stella Veneziano mit

sionen um die Relevanz der Wiener Würstelstände und den

„Meersfrüchte“ aus dem Lilimarkt von ihren Entdeckungen

kulturellen Stellenwert einer mitternächtlichen „Eitrigen“

einiger auf Schaufenstern aufgeklebter sprachlicher Miss-

im Kommentarbereich unserer Website heraufbeschwor.

geschicke, die sie zur Frage nach vorhandenen Sprachbar-

Dass, um ein Stück mehr Asien in Wien zu finden aller-

rieren führen. Ein Gedanke, den auch die 20-jährige Sarah

dings nicht unbedingt gleich ganze Imbissbuden ihr Angebot

Kiparski mit Lesezeit aufgreift, dabei allerdings die sprach-

umstellen müssen, zeigen einige weitere dokumentarische

liche Vielfalt in Wien betont und über das Vorhandensein

Beiträge wie beispielsweise Im Setagaya Park der 14-jähri-

von Publikationen in verschiedensten asiatischen Sprachen

gen Hanae Miura oder Vienna‘s Secret Asian Life der 16-jäh-

eine Lanze für Mehrsprachigkeit zugunsten gemeinsamer

rigen Catherine Asengua, die beide den Betrachtern vor-

Verständigungsmöglichkeit und kultureller Annäherung

führen, welche asiatischen Refugien sich mitten in Wiens

bricht. Ob solch städtische Bezüge, die auf Gegebenheiten

Stadtlandschaft finden lassen. Hanae dabei mit der Abbil-

und Eigenschaften einer gelungenen Metropole anspielen


oder Beiträge mit einer hintergründigen Globalisierungsdimension, wie Made in Asia der 18-jährigen Natalia Turczynska - zusammenfassend zeigen die versammelten Arbeiten Offenheit und Sensibilität der jungen TeilnehmerInnen. Den breiten Kunstbegriff viennasian zur Interpretation zu stellen und dadurch ein hohes Maß an gestalterischer und thematischer Freiheit zuzulassen, wurde vollends ausgenutzt.

Hintergrund: Asien in Wien Was die Statistik sagt Seit der Volkszählung 2001 wird in Österreich erstmals nicht nur nach Staatsbürgerschaft sondern auch nach Geburtsland gefragt. Menschen mit Migrationshintergrund werden damit erstmals „erkennbar“. Als Herkunftsgebiete spielen zwar vor allem die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien eine große Rolle (113.458 Personen im Jahr 2001 in Wien), gleich darauf folgen allerdings die afrikanischen und asiatischen Länder, darunter vor allem China (2.600 Personen), Indien (3.600 Personen) und die Philippinen (2.162 Personen – alles im Jahr 2001). Auch die Gruppe der Nachkommen von MigrantInnen, die so genannte Zwei40


41

te Generation wird erfasst: in Österreich geborene Perso-

Bevölkerungsgruppe ist damit überwiegend in Wien ange-

nen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Weiter geht die

siedelt. Im Vergleich: in Gesamt-Österreich beträgt die Zahl

Erfassung jedoch nicht. Kinder von MigrantInnen, die die ös-

58.361 Personen. Das zweithöchste Ergebnis erzielt Ober-

terreichische Staatsbürgerschaft annehmen, werden nicht

österreich mit rund 6.030 Personen, also weit ab von der

erfasst, genauso wenig wie eine mögliche Dritte Generation

Zahl in Wien. Nicht berücksichtigt sind dabei die Personen,

etc. Die Gruppe der Personen, die eine starke kulturelle Prä-

die schon eine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen,

gung oder Identität aufweisen kann damit um einiges höher

aber deren Geburtstort in Asien liegt. Die Staatsangehörig-

geschätzt werden, als die verfügbaren Daten kundtun.

keit genauer unter die Lupe genommen findet man bei ei-

Nach den Daten aus dem 1.Quartal 2008 zählt die Wie-

nem Blick auf die Region Ost & Südostasien Personen aus

ner Bevölkerung derzeit 1.653.000 Personen. 35,6% da-

China (5.837) als größte Bevölkerungsgruppe, gefolgt von

von haben einen Migrationshintergrund, das sind 588.000

jenen aus den Philippinen (3.166), aus Japan (1.593), Korea

und liegt gut über dem österreichischem Durchschnitt von

(Süd) (1.297) und Thailand (1.073). Nimmt man die Zahl der

17,4%. Migrationshintergrund meint hier Zuwanderer der

Personen mit asiatischem Geburtsort heran findet man für

Ersten und Zweiten Generation. Die Zweite Generation be-

Österreich im Jahr 2008, 101.873 Personen mit Geburtsort

zieht sich dabei auf Kinder von zugewanderten Personen, die

in Asien, in Wien 61.737, also gut die doppelte Zahl. Auf die

in Österreich zur Welt gekommen sind.

einzelnen Länder aufgeteilt ergibt sich für Wien folgendes

Der Anteil der Personen mit nicht-österreichischer

Ergebnis: China (8.350), Philippinen (8.337). Japan (1.727)

Staatsangehörigkeit ist zudem ansteigend, von 7,4% im Jahr

und Südkorea (1.523), Thailand (1.443). Genauso wie die Ge-

2001 auf 8,8% im Jahr 2008. Wien ist dabei das Bundesland

samtzahl der statistischen „Ausländer“ in Österreich, steigt

mit den meisten im Ausland geborenen EinwohnerInnen. In

auch der Anteil der Bevölkerung, die in Asien geboren wurde

Wien lebten 2008 rund 33.533 Personen mit einer asiati-

und in Österreich lebt: 2007 waren es noch 97.948 Perso-

schen Staatsbürgerschaft (Erste Generation); die asiatische

nen, im Jahr 2008 dann 101.873 Personen.


Altersgruppe 15 bis 29 verfügbar: 2010 sind das geschätzte Jugend Festzustellen ist: Die ausländische Wohnbevölkerung

296.000, das sind anteilig an der Gesamtbevölkerung 18%. Räumliche Verteilung in Wien

Wiens ist deutlich jünger als die inländische. Mehr als 40% der ausländischen Wohnbevölkerung sind jünger als 30 Jahre

In absoluten Zahlen leben in Favoriten die meisten aus-

(inländische Wohnbevölkerung rund 30% gemäß Volkszäh-

ländischen StaatsbürgerInnen mit 24.820 (2001), an zwei-

lung 2001). Insgesamt spielt das v.a. im Hinblick auf die de-

ter Stelle kommt Leopoldstadt (2.Bez.) mit 22.492 (2001)

mographische Alterung Wiens eine Rolle, so hat sich die Zahl

und Ottakring (16.Bez.) mit 20.508 (2001). Anteilsmäßig

der Über-60-Jährigen im letzten Jahrzehnt mehr als verdop-

divergieren diese Zahlen. Mit 29,2% hat Rudolfsheim-Fünf-

pelt. Ingesamt sind rund 701.700 Personen in Österreich

haus (15.Bez.) den größten Anteil an ausländischer Wohn-

wohnhaft, die in einem Nicht-EU Land geboren wurden, also

bevölkerung, danach Leopoldstadt (2.Bez.) mit 24,7%, Bri-

Zuwanderer der Ersten Generation (Statistik Austria 2008).

gittenau (20.Bez.) mit 24,1%, Hernals (17.Bez.) mit 22,4%.

In der Altersgruppe bis 29 Jahre sind 556.000 Personen in

Insgesamt liegt in 7 Bezirken Wiens der Ausländeranteil über

Österreich wohnhaft, die eine andere Staatsangehörigkeit

20%. Bezirke mit geringer ausländischer Wohnbevölkerung

oder ein anderes Geburtsland haben (Erste und Zweite Ge-

sind der 21., 22., 23. und 13.Bezirk (alle Daten 2001). Nach

neration). Konzentriert man sich nur auf die Staatsangehö-

dem ISR Forschungsbericht wohnen die meisten Wiener Ju-

rigkeit (damit fallen schon einige Personen der 2.Generation

gendlichen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren weiterhin bei

hinaus), sind genauere Daten verfügbar. In Österreich woh-

den Eltern. Über die besser verfügbaren Daten zu den Eltern

nen danach bspw. 14.595 Personen zwischen 6 und 24 Jah-

kann daher gut auf die Kinder extrapoliert werden, was die

ren (StAu 2008) mit asiatischer Staatsangehörigkeit.

Wohnsituation betrifft.

Generell Jugend: Für Wien sind hier leider nur Daten der 42


Soziologische Aspekte Nach einer Arbeit von Katharina Hatwanger (Österreichisches Institut für Jugendforschung) und Karin Bischof lassen aktuelle Trends und Studienergebnisse ein Ansteigen von negativen Einstellungen gegenüber Menschen anderer

Danksagung

Nationalität / Kultur beobachten, während Werte, die auf das Solidarverhalten schließen lassen, weitgehend unver-

Dank sind wir Vielen verpflichtet und möchten dieser

ändert bleiben. Der Schluss liegt daher nahe, dass Nationa-

großen Menge an Mitwirkenden und Unterstützenden die-

lismen und Fremdenfeindlichkeit am besten durch die Her-

sen auch schon einmal herzlich aussprechen. Ganz beson-

ausarbeitung von Gemeinsamkeiten, dem Kennenlernen des

ders gilt dies jedoch den folgenden Personen:

„Anderen“ und von kultureller Differenz überwunden werden

Melanie Pichler, Dr. Hayard Sari, Jasna Karagic, Ingrid

können und kultureller Austausch und Syntheseprozesse,

Beranek-König, Brigitte Weber, Ritchy P., Emanuel Popa,

die erfolgsversprechendste Strategie ist, Jugendliche mit

Tanyo Dietz, Sabine Putzgruber, Maria Seebauer, Claudia

Migrationshintergrund in eine Solidargemeinschaft aufzu-

Bothe, Katrin Heim, Lydia Lueger, Priska Lueger, Antoinette

nehmen.

Zwirchmayr, Georg Eckmayr, Kramar, Evatronica, Pia Bach, Ron Sandoval, unseren weiteren Förderern und Sponsoren

Quellen: Statistik Austria, Stadt Wien MA05 - Referat Statistik und Analyse, Migranten.at, ISR Forschungsbericht, Studie: Solidarverhalten versus soziale Ausgrenzung von Katharina Hatwanger (ÖIJF) und Karin Bischof, Studie: Grenzen der Freiheit: Von Lust und Last, ein junger Mensch zu sein von Regina Polak.

43

und vielen mehr.


Unterstützt durch

S

上 海 灘 ShanghaiTan

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viennasian Ausstellungskatalog  

Ausstellungskatalog und Projekthintergrund zum Jugend/Fotoprojekt viennasian von SEAS (Gesellschaft für Südostasienwissenschaften / Society...

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