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Claudia Weiand Schlamasselbach Ein abgefahrenes Ferienabenteuer


Über die Autorin Claudia Weiand ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen. Eigentlich ist sie gelernte Erzieherin. Inzwischen hat sie aber eine kleine Firma gegründet und entwirft und verkauft Kinderzimmerbilder oder bemalt auch schon mal eine ganze Krankenhausstation. Nebenbei schreibt sie auch Kinderbücher.


Claudia Weiand

Schlamasselbach Ein abgefahrenes Ferienabenteuer


Für meine Kinder. Ihr seid die größten Kleinen!

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Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100 Das FSC-zertifizierte Papier München Super für dieses Buch liefert Mochenwangen.

© 2010 Gerth Medien GmbH, Asslar, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München 1. Auflage 2010 Bestell-Nr. 816 498 ISBN 978-3-86591-498-9 Umschlaggestaltung und -illustration: Daniel Arendt Illustrationen im Innenteil: Daniel Arendt Satz: Mirjam Kocherscheidt; Gerth Medien GmbH Druck und Verarbeitung: CPI Moravia


Inhalt 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

H체hnertanz . . . . . . . . . . . Beerdigungsgeburtstag . . . . Jesus im Schnelldurchlauf . . . Gerupftes Huhn mit Milchreis Geburtstagsbesuch . . . . . . Stadttour . . . . . . . . . . . . Geburtstag mit Kreuz . . . . . Der Rettungsplan . . . . . . . Ungeheuerlichkeiten . . . . . . K체chenpicknick . . . . . . . . Vergangenheit . . . . . . . . . Erste Hilfe . . . . . . . . . . . Zweite Hilfe . . . . . . . . . . Gef채ngniswaggons . . . . . . Crossen und Gurken . . . . . . Suchtrupp . . . . . . . . . . . .

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. 7 . 14 . 20 . 26 . 34 . 39 . 45 . 54 . 62 . 67 . 72 . 80 . 87 . 93 . 100 . 108


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Berliner R체cklicht Heckmeck . . . . . F채hrtensucher . . Schl체sselfragen . Notfallplan . . . . Telefonkette . . . Osterfeuer . . . . Abschied . . . . .

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Jesus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175


1 Hühnertanz „LUUUUULUUUU! TEEELEEEFOOON!“ Lulu hatte das Telefon bereits seit Minuten sorgsam überhört. Das Rufen ihrer Mutter konnte sie allerdings nicht ausblenden, zumal diese inzwischen mitten in ihrem Zimmer stand. „Mensch, Lulu!“, schimpfte die jetzt und streckte ihr den Hörer entgegen. „Hmmmm ... Danke“, sagte Lulu und nahm ihrer Mutter das schnurlose Mobilteil aus der Hand. Sie presste das Telefon gegen das Ohr und ließ sich aufs Bett plumpsen. „Lulu Welker hier. Was gibt’s?“ „Hi, Lulu, hier ist Sybille.“ Lulu verdrehte die Augen. „Wenn du schon wieder wegen dieser Kostümsache anrufst ... keine Chance! Ich mach mich da einfach nicht 7


zum Kasper“, meckerte Lulu, während ihre Mutter kopfschüttelnd das Zimmer verließ. „Oh Mann, Lulu! Da machen doch alle mit! Das ist einfach ein Riesenspaß“, flötete Sybille. „Wir brauchen unbedingt noch ein Mädchen in der Tanzgruppe. Biiitte!“ Lulu sah vor ihrem geistigen Auge, wie Sybille mit ihren großen Augen flehend plinkerte. „Nie im Leben, Sybille! Ich hasse Fasching!“, blaffte Lulu ins Telefon und drückte den roten Knopf, um die Verbindung zu unterbrechen. Als es bald darauf erneut klingelte, wollte sie das Telefon am liebsten gegen die Wand pfeffern. „Das war jetzt schon der vierte Sybille-Anruf für heute“, zischte sie durch die zusammengebissenen Zähne. Das Telefon klingelte munter weiter. Lulu atmete tief durch und starrte auf den Apparat. Dann ging sie damit raus in den Flur und stopfte ihn tief nach unten in die Wäschetonne, die dort stand. Das Klingeln klang nun leise und dumpf, und als Lulu ein paar Handtücher aus dem Badezimmer brachte und die Wäschetonne damit großzügig auspolsterte, war das Klingeln nur noch ganz leise zu hören. „So! So viel zum Fasching.“ Zufrieden lächelnd schloss Lulu ihre Zimmertür. *

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„Ich hab gestern ewig versucht, dich anzurufen“, sagte Benni am nächsten Morgen in der großen Pause. Sie saßen gemeinsam unter dem Treppenaufgang des Schulhauses. Dieser Ort war ihr geheimer Platz. Zugegeben – er war nicht mehr so ganz geheim, denn Remo und seine Bande kannten das Versteck inzwischen ebenfalls. Trotzdem trafen sie sich regelmäßig hier, denn meistens wurden sie von Remo und seinen Jungs nicht gestört. Obwohl Lulu erst seit ein paar Monaten in Billersbach wohnte, hatte sie sich schon recht gut eingewöhnt. Der Umzug von Berlin in das winzige Städtchen war ihr anfangs sehr schwer gefallen. Sie hatte ihre Freundinnen aus Berlin schrecklich vermisst. Doch schon am ersten Schultag in Billersbach war sie in ein kleines Abenteuer gestolpert, und dabei hatte sie Benni kennengelernt. Inzwischen war Benni ihr allerbester Freund. Und das, obwohl er ein Junge war. Benni war klein, hatte Wuschellocken, die eigentlich immer so zerzaust aussahen, als sei er gerade erst aus dem Bett gefallen, und er war ein wenig schüchtern. Lulu war das genaue Gegenteil: Sie war groß für ihre elf Jahre, hatte lange glatte Haare und ein ziemlich schnelles Mundwerk. 10


Vielleicht verstanden sie sich deshalb so gut – weil sie so verschieden waren. Lulu fand Benni aber noch aus einem anderen Grund genial: Benni hatte einen guten Freund. Und den fand Lulu einfach obercool. Dieser Freund hieß Jesus und war unsichtbar. Und wenn Lulu auch noch nicht alles verstanden hatte, was es mit ihm so auf sich hatte, hatte sie schon selbst erlebt, dass Jesus verrückte Sachen tat. Obercool eben. „Wart ihr weg oder ist euer Telefon kaputt?“, wollte Benni wissen. „Wieso?“, fragte Lulu. „Ich hab gestern bestimmt viermal bei dir angerufen, aber nie ist jemand rangegangen.“ „Oha ... Mist! Das hatte ich ja ganz vergessen! Ich hatte ein kleines Faschingsproblem, und das habe ich mit Handtüchern gelöst.“ „Hä?“, machte Benni und starrte Lulu mit zusammengezogenen Augenbrauen an. „Das muss ich jetzt nicht verstehen, oder?“ „Ääääh ... nö! Ist nicht so wichtig.“ Benni biss in seinen Apfel. „Was denn für ein Faschingsproblem?“ „Ach, diese Sybille aus der Parallelklasse ... Die ruft ständig bei mir an und fragt, ob ich nicht bei ihrer Faschingstruppe mitmachen will. Die verkleiden sich als Hühner und tanzen auf irgend so ’nem Ball.“ Lulu tippte sich mit 11


dem Zeigefinger gegen die Stirn. „Hühner! Das musste dir mal reinziehen! Die sind doch nicht ganz dicht!“ „Ist halt Fasching. Da machen alle so einen Unsinn.“ „Ja, hier in Billersbockmist vielleicht! In Berlin bleibt man davon verschont.“ Benni grinste. „Ach komm, Lulu, in Berlin wird sicher auch Fasching gefeiert.“ Lulu starrte mit gerunzelter Stirn auf den Boden. „Mag sein ... aber da wurde ich nicht dauernd von ’ner Hühnertruppe angerufen. Echt, du, die machen mich noch ganz fertig.“ „Ach, in wenigen Tagen ist alles rum. Dann fegen sie noch das Konfetti zusammen und das Leben ist wieder normal.“ „Na hoffentlich ... Wieso macht man sich eigentlich ’ne Woche lang zum Deppen, und dann ist plötzlich alles vorbei und alle tun so, als wär nix gewesen?“ Benni biss erneut in seinen Apfel und kaute gemächlich. „Vielleicht wegen der Faschtenscheit“, schmatzte er fröhlich. „Faschtenscheit?“ Lulu schüttelte den Kopf. „Faschingszeit, meinste wohl, oder?“ Benni schluckte und wischte sich den Mund an seinem Ärmel ab. „Nee, Fastenzeit! Die Zeit vor Ostern!“ 12


„Von ’ner Fastenzeit hab ich ja nu noch nie was gehört. So was gibt’s wieder mal nur in Billersbach ...“ „Mensch, Lulu, du bist ja wirklich mies drauf heute ...“, stöhnte Benni. Seinen Apfel hatte er bis auf den Stiel verputzt. Diesen drehte er jetzt zwischen Daumen und Zeigefinger. Da klingelte die Schulglocke. Benni schnickte den Apfelstiel in die Luft und fing ihn mit der anderen Hand wieder auf. Dann stupste er die Kiste, auf der Lulu saß, mit dem Fuß an und rief fröhlich: „Los, Lulu! Die nächsten zwei Stunden haben wir Mathe.“ „Billersbockmist!“, schimpfte Lulu. „Meckerhühnchen!“, konterte Benni lächelnd.

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