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hang ging das Risiko ein und verfolgte die Raketenaktion während der Arbeitszeit von seinem Schreibtisch aus. Über Kopfhörer hörte er sich die Kommentare an, aber immer wieder sah er sich vorsichtig um, damit er nicht überrascht wurde. Nicolai fluchte. „Was hat dieses kleine Projekt gekostet, Suhail?“ „Es war nicht billig, Exzellenz, aber wir sollten noch nicht von einem Fehlschlag ausgehen.“ „Ausgehen? Die Rakete, die wir nach Petra hineingeschickt hatten, hat sofort eine Fontäne hochspritzen lassen, die bis zum heutigen Tag sprudelt! Und was ist bei uns passiert? Das ist eine Katastrophe, wie jeder sehen kann!“ „Sie könnten Recht haben.“ „Ich habe immer Recht. Stellen Sie sich den Tatsachen. Sie werden diese Wasserader auf andere Weise anzapfen müssen.“ Chang hörte ein Klopfen und vernahm dann Krystalls Stimme. „Ich bitte um Verzeihung, Sir, aber wir bekommen höchst seltsame Berichte herein.“ „Was für Berichte?“ „Irgendetwas über eine Hitzewelle. Die Leute sind –“ Chang hörte Rufe und merkte, dass sie aus seinem Büro kamen und nicht über die Kopfhörer. Schnell schloss er sein Programm und nahm die Kopfhörer ab. Er folgte seinen Kollegen zu den Fenstern, um hinauszusehen. „Weg da!“, rief Mr. Figueroa, der aus seinem Büro gestürzt kam. „Weg von den Fenstern!“ Doch seine Mitarbeiter waren zu neugierig und nicht bereit, seinen Anweisungen zu folgen. Was war der Grund für all diese Explosionen, die außen zu hören waren? Zum Glück für die Menge vor dem Fenster, durch das Chang hinaussah, war es nicht das erste, das platzte. Aber zwei ihrer Kollegen wurden von Glasscherben verletzt, als ein anderes Fenster vor ihnen zerbarst. Während sie vor Schmerz zusammengekrümmt auf dem Boden lagen, blass und verängstigt, drang die heiße Wüstenluft herein. Die erste Frau, die niederkniete, um den Verletzten zu helfen, bekam
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einen roten Kopf, und als sie schließlich versuchte, dem Luftstrom zu entkommen, kringelte sich ihr Haar, spie Funken, stand plötzlich in Flammen und wurde versengt. Andere versuchten, die ersten beiden in Sicherheit zu ziehen, aber auch sie wurden ein Opfer der Hitze. „Was ist denn das nun wieder?“, schrie jemand. „Was passiert hier?“ Die Leute, die vor Chang standen, wichen sofort von dem Fenster zurück. Jetzt konnte er sehen, was draußen vorging. Autoreifen platzten. Leute sprangen aus ihren Wagen, dann versuchten sie, wieder einzusteigen, und verbrannten sich ihre Hände an den Türgriffen. Windschutzscheiben schmolzen, Pflanzen wurden braun, verwelkten und gingen schließlich in Flammen auf. Ein Hund riss sich von der Leine los, rannte im Kreis herum, sank hechelnd zu Boden, bevor er schließlich ebenfalls in Flammen aufging. „Los, in den Keller!“, rief Figueroa, und zu den Personen, die die beiden Verletzten nicht allein lassen wollten, sagte er: „Es ist zu spät, um ihnen zu helfen!“ Die Leute sahen über die Schulter zurück, und als sie die Tür erreichten, standen die ersten beiden Opfer bereits in Flammen. Chang gehörte zu den Letzten, die den Raum verließen, weil er so tat, als leide er ebenfalls unter der Hitze. Er sah die Folgen, aber abgesehen davon, dass er die ungewöhnlich hohen Temperaturen spürte, konnte ihm die Hitze nichts anhaben. Er war froh, dass sich die Aufzugtüren vor seiner Nase schlossen. „Ich nehme den nächsten“, rief er und rannte stattdessen in seine Wohnung.
Gegen Mitternacht wurde Rayford in San Diego von dem beharrlichen Piepen seines Computers geweckt. Er rappelte sich hoch und schaltete seinen Monitor ein. Tsion informierte seine internationale Internet-Leserschar darüber, dass das schreckliche vierte Schalengericht wie in der Bibel vorhergesagt über die Erde gekommen sei und bei Sonnenaufgang jede Zeitzone auf der Erde erreicht haben würde. „Hier in Petra“, schrieb er, „werden die Menschen, die sich ohne das Siegel Gottes ins Freie wagen, bei lebendigem Leibe verbrannt. Dies scheint mir eine noch nie da gewesene Gelegenheit zu sein, erneut die Seelen der Menschen zu erreichen, denn viele werden geliebte Menschen verlieren. Aber in der Bibel wird auch darauf hingewiesen,
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dass dies die Herzen der Unentschlossenen vielleicht zu spät erreicht. Sie könnten ihr Herz bereits verhärtet haben. In Offenbarung, Kapitel 16, Verse 8 bis 9 heißt es: ‚Der vierte Engel goss seine Schale über die Sonne. Da wurde ihr Macht gegeben, mit ihrem Feuer die Menschen zu verbrennen. Und die Menschen verbrannten in der großen Hitze. Dennoch verfluchten sie den Namen Gottes, der die Macht über diese Plagen hat. Sie bekehrten sich nicht dazu, ihm die Ehre zu geben.‘“ Rayford sandte eine E-Mail mit der Bitte, persönlich mit Chaim oder Tsion kommunizieren zu können. „Ich weiß, Sie beide werden jetzt unglaublich beschäftigt sein, aber vielleicht kann einer von Ihnen ein paar Minuten erübrigen. Ich wäre sehr dankbar dafür.“
Drei Hütten weiter war Ming Toy durch einen Anruf von Ree Woo geweckt worden. Ree hatte versprochen, ihre Mutter aufzusuchen. Vermutlich wollte er sie auf den neuesten Stand bringen, allerdings war Ming durch die späte Stunde beunruhigt. Sie glaubte an das Versprechen Christophers, dass ihre Mutter bis zur Wiederkunft Christi überleben würde, aber sie wusste auch, das war keine Garantie dafür, dass ihre Mutter nicht vielleicht in Gefangenschaft geriet. „Geht es allen gut?“, fragte sie. „Besser als gut“, erwiderte Ree. „Obwohl ich darüber bei meiner Ankunft nicht so sicher war. Ich wurde gewarnt, dass ich mich vom unterirdischen Versteck fern halten solle, weil das Gerücht kursierte, die Weltgemeinschaft hätte es entdeckt und plane einen Überfall. Die Christen waren schon dabei, ihre Sachen zu packen, und wollten sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion davonstehlen. Sie beteten dafür, dass die Leute von der Weltgemeinschaft später kommen würden. Aber als die Sonne aufging, wurde ihnen bewusst, dass von der Straße kaum Lärm zu hören war. Einige wagten sich heraus und sahen, welchen Schaden die Sonne angerichtet hatte. Alles ist verbrannt, ausgetrocknet, geschmolzen, zerstört. Niemand hält sich auf der Straße auf, obwohl überall verkohlte Überreste herumliegen. Die Christen sind völlig geschockt, aber die Angehörigen der Weltgemeinschaft und die Anhänger von Carpathia können die Sonne nicht aushalten. Die Gläubigen konnten am helllichten Tag ihr Versteck wechseln, und wenn die Weltgemeinschaft tatsächlich eine Razzia für die Nacht geplant hatte, wird sie enttäuscht sein. Die Gläubigen sind ganz in der Nähe untergekommen, in einem noch besseren Versteck.
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Bei ihrem Umzug sahen sie aber die ganze Bescherung: Wie es scheint, hat eine kleine Gruppe von Angestellten der Weltgemeinschaft feuerfeste Anzüge, Stiefel und Helme ausprobiert, um sich vor der unglaublichen Hitze zu schützen. Sie kamen nur etwa 100 Meter weit; dann stoben sie auseinander, weil ihre Anzüge Feuer fingen. Überall auf den Straßen blieb Asche zurück.“ „Kommst du schnell wieder nach Petra, Ree? Ich vermisse dich schrecklich.“ „Ich vermisse dich auch, Ming, und ich liebe dich. Wegen der Vorkommnisse werde ich jetzt tagsüber fliegen können. Ich denke, ich werde bald wieder da sein.“ „Ich wünsche dir einen sicheren Flug, Schatz“, sagte sie.
Rayford saß, den Kopf in die Hände gestützt, auf seinem Bett und war von der unvergleichlichen Dunkelheit umgeben, die nur in einem unterirdischen Versteck zu finden ist. Rayford war müde und hätte eigentlich dringend Schlaf gebraucht. Aber diesen Luxus würde er sich nicht gönnen. Diese Plage bot ihm und seiner Gruppe vielleicht noch nie da gewesene Möglichkeiten. Schließlich ertönte das ersehnte Signal. Tsion war bereit, sich mit ihm auszutauschen. „Verzeihen Sie mir, dass ich die Kamera nicht eingeschaltet habe“, entschuldigte sich Rayford, „aber hier ist es mitten in der Nacht.“ „Das ist schon in Ordnung, Captain. Wird dies eine private Unterredung werden? Ich halte mich nämlich gerade im Kommunikationszentrum auf und andere könnten unser Gespräch mitbekommen.“ „Kein Problem, Tsion. Geht es allen gut?“ „Uns geht es prima. Wir bekommen eine Extraportion Hitze ab, und einige fühlen sich müde, aber offensichtlich werden wir vor den eigentlichen Auswirkungen dieser Plage geschützt.“ „Ich weiß, dass Sie sehr beschäftigt sind, aber ich brauche eine Bestätigung. Denken Sie, dass alle, die das Zeichen Gottes tragen, gegen die Hitze immun sind?“ „Ja.“ „Wissen Sie, was dies für die ,Tribulation Force‘ bedeuten könnte? Wir könnten tagsüber tun, was immer wir wollen. Solange wir wieder verschwunden sind, wenn die Hitze des Tages nachlässt und die Leute von der Weltgemeinschaft sich wieder hinauswagen. Sie können uns nicht dazwischenfunken.“
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„Ich verstehe Ihre Begeisterung, aber ich möchte dennoch zu bedenken geben, dass Gott in diesen Dingen nicht berechenbar ist. Wir wissen, in welcher Reihenfolge die Gerichte kommen, und wir dachten immer, dass eine Plage vor der nächsten beendet ist. Aber der Fluch der Meere dauerte noch an, als die Seen und Flüsse betroffen wurden, und die Meere wurden erst kurz vor dieser neuen Plage wieder klar. Mir wäre es nicht lieb, wenn Sie bei Tageslicht unterwegs wären, wenn diese Plage zu Ende geht. Das könnte sehr gefährlich sein.“ „Das stimmt natürlich. Aber ich denke, dass dies eine Weile dauern und uns Luft verschaffen wird. Der Punkt ist, dass ich die Welt noch nie in schlimmerer Verfassung erlebt habe, nie gab es mehr Menschen, die Hilfe brauchten.“ „Oh Rayford, die Welt ist eine leere Patrone. Selbst bevor Gott diese Plage über die Erde kommen ließ, befand sich die Erde in einem überaus schlimmen Zustand. Ich frage mich, ob Gott wirklich bis zum Ende der sieben Jahre zögert. Was wird dann noch übrig sein? Überall herrscht Armut. Gesetz und Ordnung sind Relikte aus längst vergangener Zeit. Sogar die Anhänger der Weltgemeinschaft haben den Glauben an ihre Regierung und ihre Friedenstruppen verloren. Die Loyalitätsüberwacher sind regelrecht losgelassen. Niemand wagt sich mehr unbewaffnet auf die Straßen. Cameron hat mir erzählt, er würde nicht einen einzigen Bürger kennen, der nicht eine Waffe besitzt und immer bei sich trägt. In allen Ländern gibt es plündernde Banden von Dieben und Vergewaltigern, ganz zu schweigen von den Vandalierern und Terroristen. Das Beste, was dort draußen herumläuft, sind die 144 000 Evangelisten. Und natürlich das zunehmende Eingreifen der Engel. Sie wissen doch, Rayford, es gibt nur noch drei Sorten von Menschen: diejenigen mit dem Siegel Gottes, die mit dem Zeichen des Antichristen und die Unentschlossenen. Ihre Zahl nimmt immer mehr ab, aber das sind die Menschen, die wir erreichen müssen. Sie leiden jetzt, aber wie werden sie erst leiden, wenn die Sonne an jedem Tag aufgeht. Stellen Sie sich den Aufruhr, die Zerstörung vor. Stromknappheit, überlastete Klimaanlagen, Zusammenbrüche der Elektrizitätsversorgung. All dies, wo die Hälfte der Bevölkerung bereits tot ist. Wir sind nicht weit von einer Anarchie entfernt, mein Freund. Die Weltgemeinschaft bricht nur nicht zusammen, weil sie davon profitiert. Ich bin erstaunt, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die Carpathia treu ergeben sind. Sehen Sie nur, was er angerichtet hat.“
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„Dr. Ben-Judah, wie passt dies zu Ihrer Aussage, dass sich bei diesen Gerichten sowohl Gottes Erbarmen und Mitleid zeigen als auch sein Zorn? Der Engel, der das Gericht über die Seen und Flüsse gesprochen hat, sagte, es sei die Rache für das Blut der Propheten.“ „Gott ist gerecht und heilig, Rayford, aber ich glaube nicht, dass er weitere Gerichte über die Welt schicken würde, wenn er nicht immer noch wollte, dass einige umkehren. Zweifellos werden sich einige für ihn entscheiden. Ich weiß, die Mehrheit wird es nicht tun, weil in der Bibel davon gesprochen wird, dass sie den Namen Gottes lästern werden. Offensichtlich wissen jetzt alle, dass diese Gerichte von Gott kommen, doch viele weigern sich noch immer, ihre Sünden zu bereuen.“ „Ich stimme mit Ihnen überein, Tsion. Niemand kann noch behaupten, Gott würde nicht existieren. Es gibt überwältigende Beweise für seine Gegenwart und Macht – doch die meisten weisen ihn noch immer zurück. Warum?“ „Captain Steele, das ist die Frage aller Fragen. Erinnern Sie sich an die Geschichte aus dem Alten Testament von Mose, der als Erwachsener nicht mehr Sohn von Pharaos Tochter genannt werden wollte, obwohl er das Recht dazu gehabt hätte? In der Bibel heißt es, er hätte sich entschieden, lieber mit dem Volk Gottes zu leiden, als sich den Vergnügen der Sünde für eine Jahreszeit hinzugeben. Nun, diese Leute sind gewiss nicht Mose. Sie werden gequält werden und ihre Seelen verlieren, um die Vergnügungen der Sünde für eine Jahreszeit zu genießen – und was für eine kurze Jahreszeit. Ich finde Ihren Vorschlag gut. Dies ist wirklich eine gute Gelegenheit für die ,Tribulation Force‘, ihre Bemühungen zu verstärken, den Gläubigen zu helfen, noch unentschlossene Menschen aufzusuchen, und den Evangelisten und Engeln zu helfen, sie zu überzeugen, bevor es zu spät ist. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen zu allem, was Sie tun.“
Buck eilte zu George Sebastians unterirdischem Quartier, wo dessen Frau auf dem Boden mit ihrem Kind spielte. „Ich muss unbedingt raus und mir das ansehen“, sagte Buck. „Wir müssen uns vor dem Radar in Acht nehmen“, warnte Sebastian. „Die Leute von der Weltgemeinschaft wären bestimmt erstaunt, uns tagsüber in der Luft zu entdecken.“ „Was schlägst du vor?“ „Den Hubschrauber.“
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„Bist du bereit, George?“ „Da brauchst du nicht zweimal zu fragen.“ An einem kühlen Morgen hatte Buck durchaus schon Nebel über Flusstälern hängen sehen, aber noch nie hatte er erlebt, dass vom Pazifik, so weit das Auge sehen konnte, Dampf aufstieg. „Ist das zu glauben?“, fragte er. „Mittlerweile glaube ich alles“, erwiderte George. Buck fehlten die Worte, als er sah, wie überall in dem, was von San Diego noch übrig geblieben war, Feuer ausbrach. Je näher der Mittag rückte, desto heller wurde der Himmel. Häuser und Gebäude bebten, Fenster platzten, die Dächer rollten sich zusammen und schließlich explodierten ganze Gebäude. Flammen flogen überallhin und setzten Nachbargebäude in Brand. George flog wieder über den Ozean. Der Sand am Strand wechselte die Farbe, bevor kriechende Feuerteppiche zu tanzen begannen. Die Wellen spülten das kochende Wasser an Land, und es zischte und sprudelte, wenn es auf die glühend heiße Küste traf. Unvermittelt erreichte der gesamte Ozean den Siedepunkt und wurde zu einer blubbernden Zisterne. Dichter Dampf stieg auf, sodass Buck den Himmel und die Sonne nicht mehr sehen konnte. Der Hubschrauber wurde von weißem Dampf eingehüllt, sodass Buck Angst hatte, Sebastian könne die Kontrolle darüber verlieren. „Jetzt sind wir vollkommen auf die Instrumente angewiesen, mein Freund“, sagte George. Der Helikopter wurde in der nebligen Suppe hin- und hergeworfen, während sie eilig versuchten, wieder die Küste zu erreichen. Der Dampfwolke entkamen sie erst eine halbe Meile landeinwärts. Jetzt konnten sie wieder auf das brennende Gras und die brennenden Häuser herunterspähen. „Wo liegt der Siedepunkt von Blut?“, fragte Buck. „Keine Ahnung“, erwiderte George, aber er drehte sofort ab und flog zum San Diego River. „Wie hoch auch immer der ist, wir haben ihn erreicht“, bemerkte Buck. Fassungslos betrachtete er die großen blutroten Blasen, die sich bildeten und platzten. Ein feiner roter Sprühregen stieg zusammen mit dem Dampf hoch. „Ihh!“, rief er und verzog angeekelt das Gesicht. Schnell hielt er sich die Nase zu. „Lass uns hier verschwinden.“ Die Mitarbeiter der Tribulation Force konnten ungehindert kommen und gehen, solange sie sich in Zeitzonen bewegten, in denen
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es möglichst lange hell war. Die Angehörigen der Weltgemeinschaft und Bürger mit Loyalitätszeichen mussten sich möglichst unter der Erdoberfläche aufhalten und überlegten sich, wie sie sich die drückende Hitze erträglich machen konnten. Trotzdem starben zahlreiche Menschen in ihren brennenden Häusern. Man ließ die in Flammen stehenden Gebäude in der Regel ausbrennen, da sich die Feuerwehrleute auch nur nach Einbruch der Dunkelheit nach draußen wagen konnten. Pflanzen, Gräser, Weizen, alles starb ab. Die Polarkappen schmolzen schneller als je zuvor in der Geschichte und alle Küstenstädte wurden von Tsunamis bedroht. Die Küsten und Küstenstreifen wurden überflutet und die verwesenden Tierkadaver meilenweit ins Land gespült. Wenn die Menschen nicht weiter ins Landesinnere gezogen wären, um dem Gestank und den Bakterien zu entgehen, dann wären noch mehr ums Leben gekommen. In diesen Zeiten der Not und des Trauerns arbeiteten Rayford und Chloe noch härter, um ihre Waren über die internationale Handelsgesellschaft zu verteilen. Da sie wussten, dass ihre Zeit begrenzt war, nutzten sie die Tatsache, dass sich tagsüber niemand nach draußen traute, um Geräte und Flugzeuge hin und her zu bewegen. Sie schufen neue Lagerhäuser und Verteilungszentren und bereiteten sich auf das letzte Jahr auf einem zerstörten Planeten vor.
In Neu-Babylon behauptete Carpathia, die Hitze mache ihm nichts aus. Chang hörte, wie er immer wieder gefragt wurde, ob er Vorhänge über dem Glasdach seines Büros haben wolle. Die Sonne wurde durch das Glas noch verstärkt und brannte stundenlang auf seine Räume hernieder, sodass der Rest des Stockwerks unbewohnbar wurde. Krystall zog um in den Keller unter Gebäude D. Tagsüber verständigte sie sich über die Gegensprechanlage mit ihm. Sitzungen in seinem Konferenzraum oder seinem Büro waren unmöglich, doch er gab seine Anweisungen über Gegensprechanlage oder Telefon. Die Angestellten in den unteren Stockwerken ließen ihre Fenster zumauern, dann isolierten sie die Wände und strichen sie sogar schwarz an. Fast alle anderen Büros wurden in den Keller des riesigen Palastgebäudes verlegt. Changs Abteilung arbeitete nur noch nachts, und so konnte er immer wieder ungestört hören, wie Nicolai leise vor sich hin summte oder sang, während er den ganzen Tag über in seinem Büro arbeitete.
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„Ich werde im Hof ein Sonnenbad nehmen, während die Sterblichen essen“, erklärte er Krystall eines Tages gegen Mittag. Chang schlich sich zu einem Eckfenster und kratzte ein Loch in den Anstrich. Entsetzt beobachtete er, wie der Potentat seine Hose und sein Unterhemd auszog und sich auf eine Betonbank legte, die Hände hinter dem Kopf verschränkte und sich den tödlichen Strahlen aussetzte. Nach einer Stunde leckten Flammen am Beton. Carpathia schien eine Idee zu haben, denn er nahm sein Telefon aus der Tasche. Chang rannte in seine Wohnung zurück und hörte zu, wie Nicolai Leon ankündigte, er sei auf dem Weg zu seinem unterirdischen Büro. Später zeichnete Chang Leons Anruf bei Suhail auf. „Ich sage Ihnen, der Mann ist kein Mensch! Er war draußen, hat ein Sonnenbad genommen.“ „Leon …“ „Das stimmt! Er war so aufgeheizt, dass ich es noch sechs Meter von ihm entfernt kaum aushalten konnte! Die Sohlen seiner Schuhe rauchten! Ich entdeckte Funken in seinem Haar, das ganz weiß gebleicht ist. Sogar seine Augenbrauen. Sein Hemdkragen, die Manschetten und die Krawatte waren versengt, als seien sie zu heiß gebügelt worden, und die Knöpfe an seinem Hemd waren geschmolzen. Der Mann ist ein Gott und Schmerzen gegenüber unempfindlich. Es ist, als würde es ihm gefallen, bei einer solchen Hitze draußen zu sein!“ Eines Tages hörte Chang, wie Carpathia mit dem Technischen Dienst telefonierte. „Veranlassen Sie, dass ein Teleskop aufgestellt und am Mittag genau auf die Sonne ausgerichtet wird!“ „Wird erledigt, Euer Hoheit“, erwiderte ein Mann. „Aber natürlich müssen wir damit bis nach Einbruch der Dunkelheit warten.“ „Und es besteht die Möglichkeit, die Bilder aufzuzeichnen?“ „Natürlich, Sir. Was möchten Sie denn aufzeichnen?“ „Ob die Sonne gewachsen ist und ob auf ihrer Oberfläche Flammen sichtbar sind.“ Das Instrument wurde in der Nacht aufgebaut und ausgerichtet. Am folgenden Tag beobachtete Chang, wie Carpathia mittags nach draußen eilte. Mehrere Minuten lang betrachtete er durch die Linse die Sonne. Eine Stunde später war die Linse geschmolzen und das gesamte Teleskop sank langsam in sich zusammen. Am Abend rief der Techniker Carpathia an, um zu berichten, dass auch die Diskette geschmolzen sei. „Das ist in Ordnung. Ich habe gesehen, was ich sehen wollte.“
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„Sir?“ „Das war wirklich ein gutes Gerät. Es hat mir ein kristallklares Bild von der Mittagssonne geliefert und tatsächlich konnte ich die Flammen auf ihrer Oberfläche tanzen sehen.“ Der Techniker lachte. „Das finden Sie witzig?“, fragte Carpathia. „Nun, das war ja bestimmt nicht ernst gemeint.“ „Das war es wohl.“ „Sir, verzeihen Sie, aber Ihr Augapfel wäre nicht mehr da. Um ehrlich zu sein, Ihr Gehirn wäre bestimmt gebraten worden.“ „Wissen Sie, mit wem Sie reden?“ Sein Tonfall verursachte Chang eine Gänsehaut. „Ja, Sir, Potentat“, erwiderte der Techniker mit zitternder Stimme. „Die Sonne, der Mond und die Sterne verbeugen sich vor mir.“ „Ja, Sir.“ „Verstanden?“ „Ja, Sir.“ „Zweifeln Sie an meinem Bericht?“ „Nein, Sir. Verzeihen Sie.“
17 Wochen später Lustlos überprüfte Chang die unterschiedlichen Berichte über die Temperaturen, als ihm klar wurde, dass das dritte Schalengericht aufgehoben worden war. Er rief Figueroa an. „Das wollen Sie sich bestimmt ansehen“, sagte er. Aurelio kam aus seinem Büro geeilt und stellte sich hinter Chang. „Sehen Sie sich das an.“ „,Kochendes Wasser sprudelt aus dem Chicago River‘“, las sein Chef. „,Überhitzt und strahlenverseucht.‘ Das ist doch nichts Neues, oder?“ „Sie haben es überlesen, Chef.“ „Was meinen Sie?“ „Da steht nicht ,Blut‘. Da steht ,Wasser‘.“ Mit zitternden Fingern nahm Figueroa Changs Telefon zur Hand und rief Akbar an. „Raten Sie, was ich gerade entdeckt habe“, sagte er.
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