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Inhaltsverzeichnis War das eine Kindheit?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Missbraucht – der Anfang vom Ende . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Die St.-Pauli-Akademie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Astrologie, Dämonen und der Sex . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Satan, mach was aus mir . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 24 Stunden Fremdenlegion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Ein Platz an der Sonne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 Die Vergangenheit holt mich ein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Kriegsgericht wegen Pommes frites . . . . . . . . . . . . . . . . 161 Himmel und Hölle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 Eine neue Schöpfung – und der Kampf gegen die alten Mächte . . . . . . . . . . . . . 195


War das eine Kindheit?

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lötzlich war unsere Mutter nicht mehr da. Ohne Auf Wiedersehen zu sagen, verschwand sie aus unserem Leben. Ich war damals ungefähr fünf, meine Schwester sieben und mein Bruder drei Jahre alt. Es gab keine Erklärungen. Als wir erfuhren, dass sie nie mehr zurückkommen würde, haben wir drei die Idee gehabt, zum „lieben Gott“ zu beten, ob er uns nicht die Mutter zurückbringen könnte. Wir hatten mal von einem lieben Gott gehört und dachten, dass er uns sicherlich lieb hätte, dass er uns sicherlich helfen würde! (Obwohl Religion in unserer Familie nie ein Thema war.) So knieten wir drei zusammen am Bett, wie wir das aus den Lassie-Filmen kannten, und beteten: „Lieber Gott, bring doch bitte unsere Mutter zurück! Wir haben solche Angst vor dem, was alles passieren könnte, wenn wir keine Mutter mehr haben. Vielleicht müssen wir dann ins Heim!“ Kindliche Tränen der Verzweiflung unterstrichen, wie ernst wir unser Gebet meinten. Wir hatten gehört, dass wir vielleicht gar keine Familie mehr sein würden und wir dann ins Heim müssten. Keinen Vater, keine Mutter mehr und im Heim vielleicht nicht mal mehr zusammen? Es war wie ein Albtraum für uns. Angst, Angst und noch mal Angst packte mich. Angst lähmte mich. Angst vor dem Leben. Angst vor dem Morgen. Angst vor dem Verlassenwerden.

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Zu Hause Wir wohnten damals in einem schönen Haus in einer guten Hamburger Gegend, hatten genug Platz zum Leben und einen großen Garten zum Spielen. Doch die Ordnung unserer kleinen Welt war nun zu Ende. Mutter war die letzten Monate nur noch selten zu Hause gewesen, und wenn, dann nur, um ein paar Sachen zu packen und mal kurz „Hallo“ zu sagen. Wie großzügig, dachte ich oft. Sie tat so, als wenn wir fremde Kinder wären. Mutter war mir nur als fröhliche, nette Person bekannt. Es tat mir sehr leid, dass sie offenbar großen Streit mit Vater hatte, der dann so ausartete, dass die beiden sich nicht mehr sehen wollten. Aber eigentlich haben wir nie viel Zeit miteinander verbracht. Sie lebte ihr eigenes Leben. Vater war ein Mann, der nie mehr sprach als unbedingt nötig. Es schien für ihn kein großes Problem zu sein, dass seine Frau bald nicht mehr in seinem und unserem Leben sein würde. Ich hatte den Eindruck, dass es ihn wirklich kalt ließ, ob sie nun da war oder nicht – und ob wir Kinder da waren oder nicht. Es hat ihn gar nicht wirklich interessiert. Seine Familie schien für ihn keinerlei Bedeutung zu haben. Er nahm sich auch keine Zeit, uns zu erklären, warum Mutter nicht mehr zu Hause sein wollte. Erst zwanzig Jahre später erfuhren wir, warum diese Ehe zerbrochen war: Mutter hatte Vater in flagranti mit einer anderen Frau erwischt! Sie schwor ihm Rache und betrog ihn mit seinem besten Freund. Angeblich liefen dann in unserem Partykeller laufend irgendwelche exzessiven Partys mit Gruppensex und so. Die 68er prägten damals den Slogan „Make – love – not – war!“ („Mach Liebe, nicht Krieg!“) – auch aus Protest gegen den Krieg, den Amerika in Vietnam führte. Mit Liebe meinten sie aber eigentlich Sex, und so lebten viele auch. Es war die große sexuelle Revolution im Gange, man probierte alles und jeden aus, und ausschwei8


fende Sexfeste mit wechselnden Partnern waren eine angesagte Form der Freizeitgestaltung. Das gab dem Riss in der Ehe meiner Eltern den Rest. Mich quälte die Frage, wer die Schuld am Scheitern der Ehe gehabt hatte. Warum musste das so kommen? Es war schließlich nichts mehr zu ändern, aber da war niemand, der mich in meiner Angst hätte trösten können. Scheidung Die Monate vergingen schnell, und wir mussten ja irgendwie versorgt werden, ohne Mutter. So holte Vater ein Kindermädchen ins Haus, und dann noch eins, und dann wieder ein anderes – er verschliss sie irgendwie ziemlich schnell. Vater arbeitete hart und viel, und wenn er abends nach Hause kam und sah, was für ein Chaos wir im Hause angerichtet hatten (wir wohnten auf immerhin 250 qm, also viel Platz zum Toben für drei Kinder), dann wurde er laut und schrie herum – und flüchtete in den Alkohol. Gelegentlich nahm er sich auch die Freiheit, eines der Kindermädchen, die alle viel jünger waren als er, zu beglücken. Wir fanden die beiden dann sonntagmorgens nackt im Schlafzimmer. Eine wollte er sogar heiraten. Irgendwie schien er Gefallen an jungen Mädchen zu haben, denn Mutter war auch dreizehn Jahre jünger als er. Die Kindermädchen hatten natürlich keinerlei pädagogische Ausbildung und auch sonst keine Erfahrung mit Kindern. So waren sie mit uns dreien regelmäßig überfordert. Kochen, Haushalt, Erziehung von fremden Kindern – das erfordert viel Kraft! Als wir das Wort „Scheidung“ zum ersten Mal hörten, war ein Jahr der Trennung schon vorbei, und ich bebte innerlich, weil ich nicht wusste, ob Mutter nun zu uns zurückkehren würde oder nicht. Langsam konnte man mir ansehen, dass ich litt. Ich wurde immer introvertierter, fing an leicht zu stottern und saß oft apathisch und in Tagträume 9


versunken auf der Treppe, weil die Angst so unerträglich war. Gefühlskälte war prägend für mich in einer Zeit, in der eigentlich das Vertrauen aufgebaut und nicht abgebaut werden sollte. Ich fing an, mich mit mir selbst zu unterhalten, um der Einsamkeit zu entfliehen, und fantasierte vor mich hin. Dann kam der Tag, an dem wir von der Scheidung erfuhren. Das war nun das Ende. Wir waren keine richtige Familie mehr. Mutter sollte für uns von nun an wie tot sein, so wollte es mein Vater. Die Nachricht, dass die Ehe meiner Eltern endgültig kaputt war, tötete in mir ein für alle Mal jede Hoffnung, obwohl wir es ja alle irgendwie geahnt hatten. Aber wenn es dann kommt, trifft es dich doch wie ein Hammer. Ich war verzweifelt, Hoffnungslosigkeit nahm von mir Besitz! Ich hob die Fäuste zum Himmel und schrie voller Wut, Trauer und Haß: „O. K. Mister Gott, ich weiß nicht, ob es dich gibt, aber wenn, dann musst du uns wohl hassen! Also gut, akzeptiert, aber dann werde ich es dir schon zeigen. Ich brauche dich nicht, ich werde meinen Weg gehen!“ Ich weiß nicht, ob ich wirklich an Gott glaubte, jedenfalls nicht so wie heute, aber in meiner Verzweiflung wandte ich mich instinktiv an eine höhere Person, um meinen Schmerz und meine Wut hinauszuschreien. Ich hatte einen unbändigen Zorn in mir, weil ich meine Mutter verloren hatte. Als Abschluss der Familiengeschichte trafen wir uns ein letztes Mal alle zusammen beim Familiengericht. Dort stellten wir Kinder fest, dass fremde Menschen entschieden hatten, dass wir beim Vater bleiben müssten. Wir verstanden das alles nicht. Wir konnten nicht begreifen, dass unsere Eltern sich so sehr hassten, dass sie sich nicht mehr sehen wollten. Eine tiefe Frustration wurde mein engster Begleiter. Ich war ein sensibles Kind, und ich spürte intuitiv, dass diese negativen Kräfte für mich zu schwer wurden. Es lag eine Art permanenter Druck auf meinem Verstand und meinen Gefühlen, sodass ich die meiste Zeit nicht klar denken konnte. Der Richter 10


entschied, dass Mutter alle paar Wochen mal auf Besuch vorbeischauen darf. Toll. Wie kommt der Staat dazu, über meine Zukunft zu entscheiden? Wie kommt dieser mir fremde Richter dazu, über meine Familie zu richten? Der hatte uns doch gar nicht gefragt, was wir wollten! Ich verstand die Welt nicht mehr. Wir verließen das Gerichtsgebäude, und in mir keimte eine Mordswut auf den Staat und seine Repräsentanten. Vater zahlte Mutter die Hälfte seines Vermögens aus und war sie so für alle Zeiten los. Er kaufte sich frei und ließ sich schriftlich geben, dass sie sich für immer aus der Erziehung heraushalten würde. Sie machte nach der Scheidung einen zufriedenen Eindruck. Ich denke, sie empfand es als Erleichterung, die Verant wortung für die Kinder los zu sein, und zudem hatte sie nun ein Vermögen, das ihr wohl das erste Mal in ihrem Leben eine fast grenzenlose Freiheit ermöglichte. Als Kind war meine Mutter lange Zeit mit ihrer Zwillingsschwester in einem strengen katholischen Mädchenpensionat gewesen. Dazu hatte sie superstrenge Eltern gehabt; ihr Vater war ein erfolgreicher Notar und Städteplaner. So war sie überglücklich, als schon bald der Traummann auftauchte, der sie aus ihrer tristen, engen Welt befreien sollte, und der sogar beruflich und gesellschaftlich etwas darstellte! Als sie meinen Vater kennenlernte, hatte sie gerade die Schule abgeschlossen, aber keinen eigenen Plan für ihr Leben entwickelt, der ihren Fähigkeiten entsprochen hätte, und so war es eben das Einfachste, sich in den „Prinzen“ zu verlieben. Der war immerhin 14 Jahre älter und musste ja wissen, was gut ist. So gab es ein kurzes Kennenlernen, verliebt, verlobt, verheiratet; und schon war alles vorbei, weil er sie meistens mit den Kindern alleine ließ und sich lieber nach Feierabend in seinem von ihm mitbegründeten Golfclub vergnügte, und dann waren da ja auch noch die anderen Frauen. Der große Traum war schneller geplatzt, als er entstanden war. Das Ende vom 11


Lied: Sie verschwand mit ihrer Abfindung und begann ihre zweite Karriere als Jetsetgirl. Eine Party nach der anderen, ein Mann nach dem anderen. Die Stiefmutter Einige Monate später brachte Vater dann eine wirklich nette Frau mit nach Hause. Die letzten zwei Jahre ohne Mutter und ohne richtige Bezugsperson waren sehr anstrengend gewesen, und wir waren deshalb seelisch richtig ausgehungert und sehnten uns nach einer Person, die wenigstens ein bisschen die Rolle der Mutter einnehmen könnte. Diesmal war es Vater wohl etwas ernster, und er war, ganz gegen seine Art, richtig aufgeregt, sie uns vorzustellen. Er wollte keine Beziehung, die über ein kurzes Vergnügen hinausging, mit ihr eingehen, ohne zu wissen, dass sie auch uns Kinder mögen würde und wir sie! So war das erste Treffen richtig inszeniert, wie eine Art Rendezvous: Mann mit Haus und drei Kindern und entsorgter Exfrau! Was für ein Sonderangebot! Sie hat sich spontan in uns Kinder verliebt, und das konnten wir gleich spüren. Sie war eine warmherzige Person. Der Alte musste aber trotzdem mächtig Honig fließen lassen, um sie an sich zu ziehen, und so führte er sie oft gut aus und mimte den charmanten Kavalier, bis er sie da hatte, wo er sie haben wollte – vor dem Traualtar. Diese Frau war von Beruf Kinderkrankenschwester, wie meine Mutter war auch sie über zehn Jahre jünger als Vater, und auch sie hatte ein superstrenges Elternhaus gehabt. Leider war sie nicht in der Lage, eigene Kinder zu bekommen, aber sie liebte Kinder über alles. In den Monaten nach der Hochzeit und nach ihrem Einzug in unser Haus erlebte ich zum ersten Mal, wie wohltuend Liebe ist. Die kam zwar nicht von der eigenen Mutter, die sich aus dem Staub gemacht hatte, oder vom Vater, der nicht in der Lage war, so etwas wie Zuneigung oder Sympathie für 12


seine Kinder zu zeigen, sondern von einer Fremden, die durch ihre Zuwendung das emotionale Vakuum ein wenig füllte und den Platz der Mutter und des Vaters zugleich übernommen hatte. Mit ihr kam auch wieder so etwas wie Perspektive in unser Leben. Wenn sie, Uschi, nicht so viel Verantwortung für uns übernommen hätte, dann wären wir wahrscheinlich früher oder später doch in irgendeinem Heim oder Waisenhaus gelandet. Uschi war eine ordnungsliebende Frau, und so kam Schritt für Schritt zuerst Ordnung ins Haus, dann Ordnung in den vernachlässigten Speiseplan, der lange Zeit nur aus Dosennahrung bestanden hatte, und zuletzt brachte sie sogar etwas Ordnung in unser Seelenleben. Langsam kehrte ein wenig Frieden in unsere Seelen zurück. Frieden ist nötig, um sich konzentrieren zu können. Die Sache hatte aber einen kleinen Haken: Uschi forderte von Vater und von uns als Bedingung dafür, dass sie die Rolle der Mutter übernahm, dass wir keinen Kontakt zu unserer leiblichen Mutter mehr haben sollten; nicht sehen, nicht hören, nicht schreiben, einfach vergessen, dass sie unsere Mutter war. Uschi sagte, dass eine Frau, die ihre Kinder so im Stich gelassen hatte, eine Rabenmutter sei und deshalb keinen Kontakt zu den Kindern verdient hätte, besonders, wo sie, Uschi, sich doch jetzt um uns Kinder kümmern würde. Sie hatte einfach Angst vor dem Einfluss der leiblichen Mutter, glaube ich, die nun ein zügelloses Partyleben führte und so ein schlechtes Vorbild für uns werden konnte. Ich glaube, es gab in den ersten beiden Jahren der Ehe zwischen Uschi und meinem Vater nur selten ein Telefonat, geschweige denn ein persönliches Treffen zwischen den beiden Müttern. Da war einfach zu viel Eifersucht, Neid und Missgunst zwischen den beiden. Wir alle mussten Uschis Bedingungen schließlich akzeptieren und überließen uns ihrer Erziehung. Die Monate vergingen. Uschi machte sich prächtig als Mutter, als Hausfrau, als Krankenschwester. Obwohl zu sehen war, 13


dass es sie sehr anstrengte, auf uns einzugehen und unseren vielfältigen Bedürfnissen gerecht zu werden. Aber sie gab sich mehr Mühe, als unser Vater und die leibliche Mutter sich je gemacht hatten. Respekt! Ich bewunderte sie, und bis heute scheint ihre Haltung mir in vielem vorbildlich. Verhaltensgestört?! Doch obwohl die äußeren Umstände wirklich besser wurden, mir fehlte die leibliche Mutter. Mit meinem Verstand konnte ich zwar begreifen, warum ich keinen Kontakt zu ihr haben sollte, aber gefühlsmäßig war ich nicht zu beruhigen. Ich rebellierte zutiefst dagegen, dass Uschi von uns quasi verlangte, so zu tun, als ob Mutter tot sei. Dabei war ich ja dankbar für ihre Hilfe; aber dass wir unsere leibliche Mutter nicht sehen sollten, fand ich übertrieben. So kam, was kommen musste: Die Spannung in mir stieg unaufhaltsam weiter, und bald war offensichtlich, dass ich verhaltensgestört war. Wegen Stottern und Apathie kam ich in psychiatrische Behandlung, wo der Psychiater mir in Einzelgesprächen zum Beispiel solche Fragen stellte: „Frank, du bist an Bord eines Schiffes, das in einen Sturm gerät, und deine Eltern sind über Bord gegangen. Jetzt hast du aber nur einen Rettungsring. Wem wirfst du den Ring zu, deiner Mutter oder deinem Vater?“ Der wollte wohl herausbekommen, wen ich mehr liebte. Dann musste ich noch solche blöden Rätsel lösen und Bilder malen, damit der Psychiater dann ein Gutachten über mich erstellen könnte. Seine Erkenntnis war dann, dass ich nicht verkraften konnte, dass Vater und Mutter nicht mehr zusammen waren. Tolle Erkenntnis! Das konnte jeder mit einem bisschen Menschenkenntnis auch fest14


stellen. Außerdem wäre meine Persönlichkeit der der Mutter sehr ähnlich, womit die Spannungen zum Vater zu erklären wären. Die dann folgende Gesprächstherapie brachte mir gar nichts, und ich wurde in den folgenden Monaten nur noch trauriger und verschlossener. Ich wollte meine Mutter endlich wiedersehen! Ich wurde so aufsässig und mein Verhalten einfach unerträglich, dass es zwischen Vater und Uschi nun meinetwegen den ersten Streit gab. Meine innere Isolation wurde nur noch verstärkt, weil meine Geschwister offensichtlich unter der Abwesenheit unserer Mutter nicht so litten, wie ich es tat. Ich bekam dann immer öfter mit, dass Sätze fielen wie: „Warum kann der Junge sich nicht einfach einordnen, wie seine Geschwister? Warum will er diese blöde Ziege (die meinten meine Mutter) bloß sehen? Kein bisschen dankbar ist er, wo wir es doch so gut mit ihm meinen? Kapiert der Junge nicht, dass eine Mutter, die einfach ihre Kinder verlässt, nichts wert ist?“ Nicht zum Aushalten So ähnlich ging es hin und her. Bald fing Vater wieder an, nach Feierabend seinen Frust mit Bier und Korn herunterzuspülen, und es dauerte nicht lang, bis er auch Uschi zum Saufen animiert hatte. Das war für sie wahrscheinlich immer noch besser, als nüchtern seine besoffenen Ausfälle ertragen zu müssen. Schritt für Schritt entzog er sich seiner Verantwortung als Vater, verfiel in Selbstmitleid und ließ Uschi mit der Erziehung der Kinder und den alltäglichen Konflikten nun völlig alleine. Schon im ersten Jahr der Ehe hatte Uschi nach durchsoffener Nacht irgendwann am frühen Morgen den ersten Nervenzusammenbruch. Sie konnte einfach nicht mehr. Und so kam der Notarzt. 15


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