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Ursula & Arnd Kischkel

Ich habe dich berufen Wie wir mit Gott unsere Gaben entfalten kรถnnen


Copyright © 2004 by Asaph Verlag, D-Lüdenscheid 1. Auflage 2004 Umschlaggestaltung: JOUSSENKARLICZEK, D-Uhingen Satz: dms, D-Leverkusen Druck: Breklumer Druckerei M. Siegel, D-Breklum Printed in the EU ISBN 3-935703-42-2 Bestellnummer 147342 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH D-58478 Lüdenscheid E-Mail: asaph@asaph.net www.asaph.net


Inhalt

1. Einführung .......................................................... 7 2. Die Liebe des Vaters empfangen ..................... 13 3. Aufbrechen in der Kraft Gottes ........................ 25 4. Einsamkeit und Vorbereitung ............................ 33 5. Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist ............. 41 6. Dienen in Gemeinschaft ..................................... 49 7. Herzenswünsche und Herzensnöte ................... 55 8. Eine größere Vollmacht gewinnen ................... 61 9. Mit den Gaben dienen ....................................... 69 10. Nimm das Land deiner Berufung ein ............... 77 11. Du sollst ein Segen sein ..................................... 83


Einführung Wozu bin ich berufen? Viele Christen fragen nach ihrer persönlichen Berufung: Wozu hat mich Gott geschaffen? Wozu bin ich auf dieser Welt? Was hat Gott in mein Leben hineingelegt, das zur Entfaltung kommen möchte? Das sind berechtigte und wichtige Fragen, denn Gott hat wirklich für jeden von uns eine einzigartige Bestimmung. Doch die Frage nach unserer Berufung setzt noch tiefer an. Es geht um das wahre und erfüllte Leben, das Gott für uns bereit hat. Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Johannes 10,10). Gott sieht nie zuerst auf das, was wir tun, sondern er achtet auf unser Herz und möchte es mit allem Guten, das er für uns bereit hat, erfüllen. Es geht darum, dass wir aus unserem tiefsten Herzen leben — angeschlossen an die Liebe und Leidenschaft, die Gott für uns Menschen und unsere Welt hat.

Bei Gott ist Freiheit Manche Christen fragen sich ängstlich: „Herr, was ist dein Wille für mein Leben?", denn sie haben Angst, die Spur Gottes zu verlieren, wenn sie einmal eine falsche Entscheidung treffen. Sie fühlen sich wie Seiltänzer, bei denen ein falscher Schritt zum Absturz führt. Aber so ist Gott nicht! Wir sind keine Marionetten in seiner Hand, die nur zu reagieren und zu gehorchen haben. Gott ist ein Gott der Freiheit!


8 / Ich habe dich berufen Gerade in der Beziehung zu Gott bekommen wir wahre Freiheit. Es ist die vertrauensvolle Beziehung, die Kinder — Söhne und Töchter — zu ihrem Vater haben. Der Vater gibt ihnen Anteil an seinen Gedanken und Plänen und hilft ihnen behutsam, in ihr Potential hineinzuwachsen und zu reifen. Ihre Beziehung zueinander ist von Liebe bestimmt, und wo Liebe ist, ist immer Freiheit. Wer sich also neu mit der Frage nach seiner Berufung auseinander setzt, darf es unter dem liebevollen Blick des himmlischen Vaters tun. Er wirft uns nicht vor, wie viel wir versäumt haben, er erzählt uns nicht, was wir bisher falsch gemacht haben, und er übt keinen Druck auf uns aus. Nein, er schaut uns in die Augen und sagt: „Ich liebe dich, mein Kind! Von ganzem Herzen freue ich mich an dir!" In seinen Augen ist kein Vorwurf, sondern Barmherzigkeit und Vergebung.

Wir dürfen uns erfrischen Auch wenn manches in unserer Vergangenheit schief gelaufen ist und wir Fehler gemacht haben, sagt Gott zu uns: „Der Platz, an dem du jetzt bist, ist ein guter Platz für dich. Du darfst die Vergangenheit hinter dir lassen, denn du lebst aus meiner Vergebung. Bejahe diesen Platz, an dem du jetzt lebst, und gehe von hier aus weiter. Gott nimmt uns an seine Hand und führt uns immer mehr in das Land unserer Berufung. Unsere Berufung ist kein Seil, auf dem wir kunstvoll balancieren müssten, auf dem wir keinen falschen Schritt machen dürften. Sie ist vielmehr eine grüne Wiese, auf die Gott uns 44


Einführung / 9 führt: „Er weidet mich auf einer grünen Aue" (Psalm 23,2). Auf einer grünen Wiese wächst Leben in aller Vielfalt und Schönheit. Dort ist Weite und Freiheit. Auch dürfen wir uns an dem klaren Wasser, das dort fließt, erfrischen. Denn bei allem, was wir tun, ist es wichtig, dass wir den Anschluss an die Quelle nicht verlieren, sonst werden wir schnell ausbrennen. Wie sieht diese Quelle aus und wie können wir mitten im Alltag in der inneren Verbindung mit der Kraftquelle Gottes bleiben? Als viel beschäftigte Christen neigen wir leicht dazu, diese Frage schnell zu überspringen, dabei liegt hier ein wesentlicher Schlüssel für die praktische Gestaltung unseres Lebens. Unsere Berufung ist kein Wirken aus dem Mangel, wo wir uns das zu erarbeiten versuchen, wonach wir uns sehnen: Liebe, Anerkennung und Sinnerfüllung, ganz im Gegenteil: Unsere Berufung ist ein Wirken aus der Fülle, die Gott für uns hat. Als Beschenkte dürfen wir weiterschenken. Gott ermutigt uns dazu, in diese Haltung immer mehr hineinzuwachsen.

Geht zu den Menschen Gott möchte mit uns zusammen in dieser Welt wirken. Wir haben einen großen Auftrag anvertraut bekommen Jesus sagt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Matthäus 28,18-20). In diesem Auftrag


10 / Ich habe dich berufen ist alles enthalten: Evangelisation, Wachsen in der Jüngerschaft, die Menschen so lieben, wie Jesus sie liebt, und ihnen so dienen, wie er ihnen dient, mit Vollmacht und Hingabe. Die Sendung, die Jesus von seinem Vater bekommen hat, gilt auch uns als seinen Jüngern: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe" (Lukas 4,18-19).

Es geht nicht um uns Wenn wir davon ergriffen werden, dass Menschen in innerer oder äußerer Armut leben, dass sie gebunden sind in vielen Abhängigkeiten, dass sie blind sind, weil sie das wunderbare Licht Gottes nicht sehen können, dass sie zerschlagen sind an Leib und Seele und dringend Hilfe brauchen, dann merken wir, dass es in unserer Berufung letztlich gar nicht um uns selbst geht, sondern um das große Rettungswerk Gottes an seinen Menschen. Wer seine eigene Berufung gefunden hat und darin lebt, erfährt eine große Erfüllung. Aber letztlich nicht deshalb, weil er seine Begabungen einsetzen kann und dadurch persönlich zur Entfaltung kommt, sondern weil er von der Liebe Gottes erfasst wird und in sein Wirken hineingenommen wird. Wenn wir uns selbst loslassen und hingeben, werden wir uns finden. Wenn wir unser Leben an Jesus verlieren, werden wir es gewinnen (Matthäus 16,25). Das ist das Geheimnis unseres Lebens.


Einführung / 11

Auf Gottes Stimme hören Auf dem Weg in unsere Berufung dürfen wir mit Jesus im engen Gespräch sein und wie mit einem Freund mit ihm reden (Johannes 15,15). Jesus verspricht uns: „Meine Schafe hören meine Stimme" (Johannes 10,3). Gottes Stimme zu hören ist nicht schwierig, sondern im Gegenteil etwas Einfaches und Natürliches für uns als Christen. Durch den Heiligen Geist spricht Gott in unsere Gedanken hinein oder er benutzt unsere natürliche Vorstellungskraft, um durch ein inneres Bild zu uns zu reden. Es kommt vor allem auf unsere Erwartungshaltung an: Ja, ich glaube, dass Gott auch zu mir redet! In der Offenheit gegenüber dem Heiligen Geist, indem wir uns seiner Führung überlassen, werden wir immer mehr seine liebevolle Stimme erkennen und sie von anderen Stimmen unterscheiden lernen.

Wir können Gott fragen Dieses Buch, das wir im hörenden Gebet geschrieben haben, soll eine Ermutigung sein, selbst auf Gott zu hören und ihm voller Vertrauen alle Fragen zu stellen, die mit der eigenen Berufung zu tun haben. Nehmen Sie sich einmal Zeit und stellen Sie Gott in der Stille zum Beispiel folgende Fragen. Vielleicht schreiben Sie auf, was Ihnen als Antwort geschenkt wird und was der Heilige Geist in Ihre Gedanken fließen lässt: Herr, wie siehst du mich in meiner Situation? Herr, was ist meine besondere Charakterstärke? Wo liegen meine Schwächen, wo möchtest du, dass ich weiter wachse?


12 / Ich habe dich berufen Herr, welche meiner Gaben sollen besonders zum Einsatz kommen? Was hast du schon für mich vorbereitet? Wir haben das Buch in Du-Form geschrieben, so wie wir Gott zu uns haben reden hören. Es ist eine Art Liebesbrief Gottes an uns, denn er ist der ermutigende und liebevolle Vater, der seine Kinder stärken und weiterführen möchte. Gegenüber der Bibel ist dieses Reden Gottes keine neue Botschaft. Es geht darum, dass das Wort Gottes, das fest und verlässlich in der Bibel steht, immer wieder neu und persönlich in die Situation des Einzelnen gesprochen wird. Durch den Heiligen Geist wird Gottes Wort lebendig und entfaltet seine Kraft in unserem Leben. Wir empfehlen, das Buch in kleinen Abschnitten zu lesen und sich den Zuspruch Gottes ins Herz fallen zu lassen. Unser Gebet ist, dass jede Leserin und jeder Leser auf dem Weg der eigenen Berufung gestärkt wird.


Die Liebe des Vaters empfangen Du bist mein Kind Ich habe dich berufen, mein Kind zu sein. Es gibt nichts Kostbareres als diese Berufung: zu mir zu gehören für alle Zeit und Ewigkeit. Schon lange bevor du geboren wurdest, habe ich dich auserwählt, mein Kind zu sein. "Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen" (Epheser 1,5). In meinen Gedanken habe ich dich geformt und dich ins Leben gerufen. Ich habe mich auf dich gefreut, so wie sich Eltern voller Erwartung auf die Geburt ihres Kindes freuen. Ich kannte dich schon, bevor dich irgendein Mensch kannte. Alle deine Tage waren bei mir schon gezählt, noch bevor sie da waren (Psalm 139,16). Und ich freue mich auf jeden Tag, den ich mit dir zusammen erlebe.

Du bist einzigartig Du fragst dich, wie du für mich so einzigartig sein kannst, wo ich doch so viele Menschen geschaffen habe. Aber niemand ist so wie du! Meine Liebe macht dich einzigartig. Ich wende mich dir mit meiner ganzen Liebe zu, als ob du der Einzige wärst, den ich liebe. Auch den anderen gilt meine ganze Liebe. Das nimmt dir nichts weg, im Gegenteil, du bekommst Anteil an meiner großen Liebe zu allen Menschen. Meine Liebe ist nicht


14 / Ich habe dich berufen mit menschlicher Liebe zu vergleichen. Menschliche Liebe erwählt sich das Besondere, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Aber meine Liebe macht dich zu etwas Besonderem mit einzigartigem Wert. Du kannst sie mit der Liebe vergleichen, die Eltern für ihre Kinder empfinden. Denn ich habe ihnen etwas von meiner göttlichen Liebe ins Herz gelegt, damit sie ihre Kinder auf meine Vaterliebe vorbereiten. Auch sie sehen die Einzigartigkeit ihrer Kinder, weil sie sie lieben.

Empfange meine Vaterliebe Dein Herz liegt offen vor mir. Und ich sehe, wie schwer du dich oft tust, meine Vaterliebe zu empfangen. Du glaubst sie dir verdienen zu müssen. Aber ich verschenke meine Liebe bedingungslos. Du musst sie nur annehmen — sonst nichts. Nichts, was du tust, kann meine Liebe zu dir vergrößern. Und nichts, was du tust, kann sie verringern. Das fällt dir schwer zu glauben, nicht wahr? Im Umgang mit anderen Menschen erlebst du es ja oft anders. Du hast den Eindruck, geliebt und beachtet zu werden müsstest du dir verdienen — durch Fleiß, durch herausragende Leistungen, durch Freundlichkeit und Wohlverhalten. Aber im Innersten bleibt etwas leer in dir, denn eigentlich möchtest du einfach so geliebt werden, wie du bist, selbst dann, wenn du nichts mehr leisten kannst.

In meiner Liebe ist große Freiheit Je mehr ihr euch in den Strom meiner Liebe stellt, umso mehr kommt ihr aus dem hoffnungslosen Unterfangen heraus, euch die Liebe beim jeweils anderen verdienen


Die Liebe des Vaters empfangen / 15 zu wollen. Meine Liebe befreit euch zu einem ganz neuen Umgang untereinander. Ihr könnt euch fallen lassen in der Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, weil ihr wisst, dass ihr meine geliebten Kinder seid. Kostet noch viel mehr von dieser Freiheit, die ich euch schenken will!

Jede Berufung beginnt in meiner Liebe Alles beginnt in meiner Liebe. Jede Berufung hat ihren Ausgangspunkt in meiner Liebe. Bleibt in meiner Liebe, nur so könnt ihr Frucht hervorbringen (Johannes 15,4.9). Auch die größten Begabungen sind ohne Liebe nichts. Ihr seid in Gefahr, viel zu sehr auf die verschiedenen Begabungen zu schauen, die ich den Einzelnen anvertraue. Dabei sind sie gar nicht so wichtig im Vergleich zu meiner Liebe. Nur sie lässt Frucht aus eurem Leben entstehen. Etwas Geringes, das aus meiner Liebe getan wird, zählt bei mir mehr als großartige Leistungen, die nicht aus Liebe geschehen sind. „ Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts" (1. Korinther 13,1-3).


16 / Ich habe dich berufen

Lebe aus der Quelle meiner Liebe Nur der kann lieben, der sich geliebt weiß. So beginnt jede Berufung damit, sich einfach von mir lieben zu lassen. Viele meiner Kinder stürzen sich in Aktivitäten, weil sie meinen, mein Wohlgefallen dadurch zu bekommen. Aber sie versäumen dabei, Zeit in der Gemeinschaft mit mir zu genießen. Sie leben an der Quelle vorbei, die ihnen Kraft für ihren Dienst gibt. Ja, sie versuchen, durch ihre Arbeit Liebe zu bekommen, dabei ist es genau umgekehrt: Erst gestärkt und im Herzen gesättigt durch meine Liebe sind sie in der Lage, das zu tun, was ich ihnen auftrage. Auch Jesus lebte aus der Quelle meiner Liebe, aus meiner Zusage: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen" (Markus 1,11). Alles, was er tat, hatte seine Kraft in meiner Liebe. So soll es auch bei euch sein.

Führe andere ins Leben Gefüllt mit meiner Liebe wirst du nicht ausbrennen. Das Gefühl der inneren Leere und des Erschöpftseins kommt aus dem Mangel an meiner Liebe. Du sagst: „Ich kann nicht mehr. Es ist mir alles zu viel!" Dein Herz ist ausgebrannt und durstig. Nicht die Arbeit an sich hat dich erschöpft gemacht, sondern der Mangel an dem lebendigen Wasser meiner Liebe. Deshalb bist du schnell leergeschöpft, er-schöpft. Lass dich füllen und trinke dich satt! Ich will deine Quelle sein. Jesus sagt: „ Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt" (Johannes 4,14).


Die Liebe des Vaters empfangen / 17

Das heißt, du darfst zu einer Quelle werden, damit noch viele Menschen Anteil am ewigen Leben bekommen. Ich habe dich besonders dazu berufen, andere in das Leben, das ich ihnen schenken möchte, hineinzuführen. In diesem Sinne darfst du „Lebensspender" sein. Mein Geist, der in dir wohnt, lässt anderen Menschen das Leben aufleuchten, das ich ihnen geben will.

Du bist Kind — nicht Knecht oder Magd Deine Berufung lebst du als Kind — als Sohn und Tochter —, nicht als Knecht oder Magd! Ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut, er führt nur seine Bestimmungen aus. Es genügt, wenn er gehorcht. Aber ich möchte meinen Kindern Anteil an meinen Plänen geben. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe" (Johannes 15,15). „Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! " (Römer 8,15).

In deinem Dienst wirst du mich tiefer erkennen Ich will meinen Kindern mein Herz offenbaren. Sie sollen verstehen, was ich tun will. Auf dem Weg ihrer Berufung lernen sie mich immer tiefer kennen. Wenn sie Armen helfen, ihre äußere Not zu stillen — Hunger, Durst, Obdachlosigkeit —, begreifen sie, wie sehr mein


18 / Ich habe dich berufen Herz für die Armen schlägt und wie sehr mir daran liegt, ihre Not zu wenden und mich wie ein Vater um alle ihre Bedürfnisse zu kümmern. Wenn meine Kinder andere Menschen zur Umkehr rufen, damit sie den Weg zu mir zurückfinden, erfahren sie, wie sehr ich mich danach sehne, sie aus ihrer Verlorenheit zu retten. Wenn ihr Dienst darin besteht, andere in den Lobpreis und in die Anbetung zu führen, erfahren sie meine Heiligkeit und Gegenwart und lernen mein Wesen tiefer kennen. In jedem Dienst geht es darum, mein Herz tiefer zu verstehen. Mein Herz schlägt für dich. Es schlägt für jeden Menschen, dem du begegnest. Und es lohnt sich, für jeden stehen zu bleiben, den ich dir über den Weg schicke.

Ich habe dich zu mir gezogen Ich habe dich dazu berufen, heilig zu sein, so dass du mir ganz und gar gehörst (Römer 1,7). Ich habe dich erlöst und herausgekauft aus der Verlorenheit durch das teure Blut Jesu Christi (1. Petrus 1,18). Ich habe den Preis bezahlt und du gehörst mir. Nichts und niemand kann dich aus meiner Hand reißen (Johannes 10,29). Ich habe alles gegeben, damit du mein Kind sein kannst. Nimm es als ein kostbares Geschenk von mir an. Staune jeden Tag neu über diese kostbare Berufung. Ich habe dich gerufen: Komm zu mir, mein Sohn, meine Tochter! Ich habe dich aus lauter Liebe zu mir gezogen, so wie es in Jeremia 31,3 heißt: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." Ich wollte dich in meiner Nähe haben, ich habe mich nach dir gesehnt, mein Kind! Ich habe voller Verlangen


Die Liebe des Vaters empfangen / 19 nach dir Ausschau gehalten, so wie der Vater nach seinem verlorenen Sohn Ausschau hielt (Lukas 15,20). Ich habe dich mit Seilen der Liebe gezogen, bis du mein Rufen in deinem Herzen gehört hast und zu mir heimgekehrt bist.

Du hast einen heiligen Ruf bekommen Jesus ist gekommen, um die Menschen zu mir zu rufen. Niemand hat mich je gesehen als mein geliebter Sohn. „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht" (Johannes 1,18). Er kam, um euch mein Herz zu offenbaren und euch in meine Gemeinschaft zu führen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zu mir außer durch Jesus, meinen Sohn (Johannes 14,6). Ihr habt einen heiligen Ruf bekommen Achtet ihn nicht gering! „Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde" (2. Timotheus 1,9). Ihr seid mein auserwähltes, heiliges Volk, mein Eigentum. Ihr seid berufen von der Finsternis zu meinem wunderbaren Licht (1. Petrus 2,9). Dein Herz soll voller Jubel und Freude sein über diese wunderbare Berufung. Ich möchte neue Begeisterung in dir wachrufen, so dass du voller Freude sagen kannst: Eine heilige Berufung liegt auf meinem Leben. Gott hat mich berufen, sein Kind zu sein!


20 / Ich habe dich berufen

Freude als Antriebskraft Diese Freude ist die Quelle für jeden Dienst, den ich dir auftrage. Deshalb ist es so wichtig, dass die Freude in deinem Herzen neu freigelegt wird. Es gibt Dinge in deinem Leben, die diese kindliche Freude über deine Erlösung verschüttet haben. Vielleicht meinst du dir deinen Glauben selbst erarbeitet und unter Widerständen erhalten zu haben. Vielleicht siehst du die Opfer, die du in deinem Leben als Christ gebracht hast. Du kommst dir vor, als ob du auf einer mühsamen Bergwanderung emporgeklettert bist. Ja, du hast dir viel Mühe gemacht, auch unnötige Mühe. Glauben bedeutet nur, das zu empfangen, was ich für dich vorbereitet habe. Du brauchst dich nur voller Vertrauen zu öffnen und ich lasse meinen Segen auf dich fließen. Komm neu in die kindliche Beziehung zu mir, die aus dankbarem, fröhlichen Empfangen besteht. Alles in deinem Leben ist Geschenk, ganz besonders deine Errettung. Du hast nichts dazu beigetragen, alles ist Gnade. „Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft — Gott hat es geschenkt —, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann" (Epheser 2,8). Die Freude über deine Erlösung bringt eine große Antriebskraft in dein Leben. Ich möchte dir die Augen dafür öffnen, dass du von der Macht der Finsternis errettet und in das Reich meines lieben Sohnes versetzt bist. Mit Freude sage mir, dem Vater, Dank dafür! (Kolosser 1,12-13).


Die Liebe des Vaters empfangen / 21

Lebe aus der Fülle statt aus Mangel Dankbarkeit ist die Quelle für deine persönliche Berufung. Du möchtest mit vollen Händen weitergeben, was du von mir empfangen hast. Du willst aus Liebe und Dankbarkeit dein Leben für mich hingeben, weil ich dich errettet habe. Komm neu zu dieser Quelle deiner Berufung zurück! Du sollst aus der Fülle leben, nicht aus Mangel. Du lebst aus meinen Geschenken — das steht jedem Leistungsdenken entgegen. Viele Christen leben ihre Berufung als Leistung für mich, um sich das zu erwerben, was ich ihnen völlig umsonst schenke: Liebe, Annahme, Wertschätzung, erfülltes, sinnvolles Leben in der Liebesbeziehung zu mir. Nichts, was du tust, ersetzt, was meine Liebe dir gibt.

Kein Leistungsdenken Dienst als Leistung vor mir ist eine Form von Selbsterlösung. Wie jede Selbsterlösung bringt sie viel Unheil mit sich. Du schaust auf dich selbst anstatt auf mich. Es geht um dein Tun anstatt um mein Handeln durch dich. Du machst dich selbst groß, dabei will ich alles in dir sein. Andere Menschen sollen mein Licht in dir leuchten sehen. Ich möchte Raum in dir nehmen durch meinen Geist und dich in allen Dingen leiten. Diejenigen sind Kinder Gottes, die sich von meinem Geist leiten lassen (Römer 8,14). Die enge Verbindung zu mir wird gestört, wenn du versuchst, aus eigener Kraft deinen Dienst zu tun. Und weil die Verbindung gestört ist, kannst du auch meine Kraft nicht so erleben, wie du möchtest, und glaubst, es doch selbst tun zu müssen. So verstärkt sich der Kreis-


22 / Ich habe dich berufen lauf und du bist schließlich ganz entmutigt. Es gibt nur einen Weg heraus aus dieser Spirale: Lass alles los und komm in meine Vaterarme.

Ich gebe dir eine neue Leichtigkeit Wage den Sprung des Vertrauens, alles von mir zu erwarten. Ich lasse dich nicht leer ausgehen. Du brauchst keine Angst zu haben, dass ich dich hängen lasse. Dein Vertrauen lässt meinen Geist fließen zwischen dir und mir. Eine neue Leichtigkeit kommt in dein Leben. Das mühsame Ackern im Reich Gottes ist vorbei. Du bist hinterher nicht mehr ausgelaugt. Denn ich bin die Quelle deines Lebens und deiner Berufung. Du wirst einwenden: Ist es nicht manchmal auch richtig harte Arbeit im Reich Gottes? Arbeit, die müde macht? Ja, dein Körper und deine Seele können müde werden, aber dein Geist bleibt lebendig und frisch in meiner Gegenwart. Du kommst nicht an den Punkt, an dem du erschöpft sagst: Jetzt kann ich nicht mehr beten! Dein Geist brennt nicht aus, wenn mein Geist dich ganz durchdringt (Römer 12,11).

Dein Leben ist ein fröhlicher Lauf mit mir Fang wieder ganz neu an, als mein Kind zu leben. Du wirst erleben, welche Leichtigkeit in deine Aufgaben hineinkommt. Ich will dich tragen und in allen Dingen leiten. Dein Leben ist kein Kampf, sondern ein fröhlicher Lauf mit mir. Frage in allen Dingen: Vater, was ist dein Wille? Was willst du jetzt tun? In kindlichem Gehorsam kannst du mir folgen und tun, was ich dir auf-


Die Liebe des Vaters empfangen / 23 trage. Ein kurzer „Blickkontakt" mit mir genügt und du erkennst, was zu tun ist. Mein Geist will dich in alle Wahrheit leiten (Johannes 16,13). „ Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so schauen unsere Augen auf den Herrn, unseren Gott" (Psalm 123,2).

Du darfst meine Herrlichkeit widerspiegeln Je mehr die Einheit mit mir wächst, umso leichter kannst du meinen Willen tun. Ich möchte dir ein neues Herz geben, das meinen Willen erkennt (Hesekiel 36,26f). Meine Kinder sollen meine Herrlichkeit widerspiegeln. „Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn" (2. Korinther 3,18). Gibt es eine größere Berufung als diese?



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