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Leiden aus biblischer Sicht

Ulf Ekman


Originally published in Sweden under the title: Bibelns syn på lidande (The Biblical View of Suffering) copyright © 1995 Ulf Ekman. All rights reserved. Published by Word of Life Publications, Box 17, S-751 03 Upsala, Sweden. www.ulfekman.org German translation, copyright © (2007):

Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn Tel: 089/468801 www.adullam.de ISBN 978-3-931484-69-9 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.


1 Der Schlüssel zum Buch Hiob Wenn man über Leiden im Zusammenhang mit der Bibel spricht, wird häufig das Buch Hiob erwähnt. Viele Menschen scheinen jedoch die Hauptaussage dieses Buches nicht erkannt zu haben. Sie lesen das Buch Hiob vor dem Hintergrund dessen, was andere darüber gesagt haben, und nehmen nicht wahr, was wirklich darin geschrieben steht. Viele Menschen haben daher eine falsche Vorstellung davon, was im Buch Hiob eigentlich ausgesagt wird. Um das Buch Hiob verstehen zu können, sollten wir mit einem Vers aus dem Jakobusbrief beginnen. Dieser Vers ist der Schlüssel zum ganzen Buch Hiob und zeigt, dass der Bericht über Hiob mehr ist als eine Leidensgeschichte. Siehe, wir preisen die glückselig, die ausgeharrt haben. Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört, und das Ende des Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist. Jakobus 5, 11

Jakobus spricht hier über Hiob und fasst alle 42 Kapitel des Buches in einem einzigen Satz zusammen. Er spricht über das Ausharren Hiobs, nicht über sein Leiden. Er spricht nicht über die Not, die Hiob durchlebte, sondern über das wunderbare Ende, das der Herr geschenkt hat. Im Buch Hiob geht es nämlich um genau diese beiden Dinge: 3


1. Was mit Hiob geschah, als Gott ihn erlöste, das heißt, was Gott tut. 2. Wie das Wesen Gottes ist, das heißt, wer Gott ist. Wenn du nicht weißt, was Gott tun kann und wer er ist, kannst du in dieselbe Gefangenschaft geraten wie Hiob. Falls dies geschieht, kannst du jedoch ebenso wie Hiob wieder daraus befreit werden. Das Buch Hiob behandelt nämlich in erster Linie das Thema der Befreiung, nicht das Thema des Leidens. Wir ignorieren nicht, dass Leiden existiert und bagatellisieren auch nicht die Dinge, die Hiob erdulden musste. Uns ist bewusst, dass es im Psalm 34, 20 heißt: „Der Gerechte muss viel Böses erleiden …“, aber wir wissen auch, dass die Fortsetzung des Verses folgendermaßen lautet: „… aber aus allem rettet ihn der Herr“ (Schlachter). Wenn du das ganze Buch Hiob liest, siehst du, was darin sowohl über Leiden als auch über Befreiung steht.

Das Recht zu herrschen Es war ein Mann im Lande Uz, sein Name war Hiob. Und dieser Mann war rechtschaffen und redlich und gottesfürchtig und mied das Böse. Ihm wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren. Und sein Besitz bestand aus siebentausend Schafen und dreitausend Kamelen und fünfhundert Gespannen Rinder und fünfhundert Eselinnen, und seine Dienerschaft war sehr zahlreich, so dass dieser Mann größer war als alle Söhne des Ostens. Hiob 1, 1–3

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Hiob war ein gerechter Mann, der Gott liebte. Gott hatte sein Leben, seine Familie und seinen Besitz reich gesegnet und ihn beschützt. In der Bibel heißt es ja, dass wir auf Schlangen und Skorpione treten werden, die Macht des Feindes überwinden und nichts und niemand uns Schaden zufügen kann (s. Lk. 10, 19). Im 1. Johannesbrief 5, 18 steht, dass der aus Gott Geborene bewahrt wird und der Böse ihn nicht antastet. Diese beiden Bibelstellen sind Verheißungen vollkommenen Schutzes. Trotzdem musste Hiob Angriffe und Leid ertragen. Hier erhebt sich ein Fragezeichen, mit dem wir uns jetzt beschäftigen wollen. Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor dem Herrn einzufinden. Und auch der Satan kam in ihrer Mitte. Und der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Und der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandern auf ihr. Hiob 1, 6–7

Hiob führte ein wunderbares Leben bis der Satan auf den Plan trat. Wir lesen hier über das Gespräch Satans mit Gott und erkennen, mit welcher Haltung er es führte. In einem Kommentar zum hebräischen Urtext heißt es, dass der Satan, der auch als Ankläger bezeichnet wird, völlig anders antwortete, als man es unseren modernen Übersetzungen entnehmen kann. Sein Tonfall war weder vorsichtig noch nachgiebig, sondern ihn umgab die Aura eines selbstgefälligen Großgrundbesitzers: „Ich bin auf der Erde umhergegangen und habe inspiziert, was sich dort auf meinen Ländereien alles befindet.“

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Wir wissen, dass die Welt dem Teufel in die Hände fiel, als der Mensch fiel (siehe 1. Jo. 5, 19). Es ist wichtig, dass wir dies in Erinnerung behalten, damit wir das Buch Hiob richtig verstehen können. Aufgrund des Sündenfalls erhielt der Teufel das Recht, auf der Erde zu regieren und über den gefallenen Menschen zu herrschen. Als der Teufel mit Gott sprach, war er sich seiner Position durchaus bewusst und ging rücksichtslos zu Werke.

Die richtigen Worte, aber die falsche Aussage Gott antwortete ihm: „Hast du Acht gehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es gibt keinen wie ihn auf Erden – ein Mann, so rechtschaffen und redlich, der Gott fürchtet und das Böse meidet!“ (Vers 8). Gott betonte, dass Hiob rechtschaffen und redlich war, Hiob war also gerecht. Der Teufel war erbost über Gottes Frage und sagte: „Ist Hiob etwa umsonst so gottesfürchtig? Hast du selbst nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, rings umhegt? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet und sein Besitz hat sich im Land ausgebreitet“ (Verse 9–10). Wir hatten bereits festgestellt, dass eine Schutzmauer um Hiob existierte. Der Teufel wollte einen Spalt in dieser Mauer finden. Er stellte daher zunächst Hiobs Motive in Frage. Dann sagte er: „Natürlich fürchtet Hiob dich, Gott. Es dient ihm ja auch zum Vorteil. Strecke jedoch nur einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat, ob er dir nicht ins Angesicht flucht!“ (vgl. Vers 11).

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