Issuu on Google+

GUTE NACHRICHT BIBEL


GUTE NACHRICHT BIBEL Altes und Neues Testament Ohne die Sp채tschriften des Alten Testaments (Deuterokanonische Schriften/Apokryphen)

Deutsche Bibelgesellschaft


Gute Nachricht Bibel Revidierte Fassung 1997 der »Bibel in heutigem Deutsch« Gemeinsame Bibelübersetzung im Auftrag und in Verantwortung von: Deutsche Bibelgesellschaft (Evangelisches Bibelwerk) Katholisches Bibelwerk e.V. Stuttgart Österreichische Bibelgesellschaft Österreichisches Katholisches Bibelwerk Schweizerische Bibelgesellschaft Schweizerisches Katholisches Bibelwerk

Standardausgabe ohne Spätschriften ISBN 3-438-01622-2 Farbeinband Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung  2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Skizze Seite 803  Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen Satz: Stürtz GmbH, Würzburg Einband: Birgit Coconcelli, Leinfelden-Echterdingen Gesamtherstellung: Clausen & Bosse, Leck Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany 2.2006


5*

GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR DIESE BIBEL Der Bibeltext Die »Gute Nachricht Bibel« ist eine Übersetzung der Heiligen Schrift aus den Ursprachen in ein modernes, einfaches Deutsch. Über den besonderen Charakter der Übersetzung und ihr Entstehen informiert das Nachwort im Anhang (Seite 345). Die Abschnittsüberschriften sind von den Übersetzern hinzugefügt worden. Wörter in Klammern sind erläuternde Zusätze. Die Schreibung der Personen- und Ortsnamen folgt den Loccumer Richtlinien für die einheitliche Schreibung biblischer Namen, die in evangelischkatholischer Zusammenarbeit aufgestellt worden sind. Wörter mit Stern (*) im Bibeltext Begriffe und Namen, die am Ende einen Stern tragen, sind in den Sacherklärungen des Anhangs (ab Seite 349) erklärt. Grundsätzlich tragen alle erklärten Wörter beim ersten Vorkommen nach einer Zwischenüberschrift dieses Hinweiszeichen (ebenso die erklärten Wörter in den Anmerkungen zum Bibeltext). Der Gottesname im Bibeltext (HERR) Der hebräische Gottesname JHWH (früher als »Jehova« gedeutet) wird nach altem Brauch durch das Ersatzwort »Herr« wiedergegeben. Dieses wird in einer besonderen Schriftart gedruckt (HERR), zur Unterscheidung von den Fällen, in denen im hebräischen Text selbst das Wort »Herr« (im Sinn von Gebieter, Herrscher oder als Höflichkeitsanrede) steht. Näheres siehe in der Sacherklärung »HERR«. Anmerkungen zum Bibeltext Kleine hochgestellte Buchstaben im Bibeltext verweisen auf die Anmerkungen am Fuû der Seiten (Fuûnoten). Die Fuûnoten bilden keinen fortlaufenden Kommentar, sondern geben punktuell Begründungen und Ergänzungen zum Bibeltext. Sie enthalten je nach Fall: wörtliche Übersetzungen, wo die Wiedergabe sich der Verständlich-

keit wegen besonders weit von der Wörtlichkeit entfernt ± Hinweise auf Anspielungen sowie Informationen über im Text vorausgesetzte Sachverhalte ± besonders im Alten Testament Angaben über die der Übersetzung zugrunde liegende Textform (»Lesart«). Zum Verständnis der letzteren Art von Fuûnoten vgl. den Anhang Seite 346±348; die Verwendung der Kürzel H und G sowie die Abkürzungen der biblischen Bücher sind auf den Seiten 7* und 8* erklärt. Vergleichsstellen zum Bibeltext Ganz unten auf den Seiten finden sich zu einzelnen Versen oder Versgruppen Querverweise auf andere Stellen der Bibel. Sie sind ein Angebot für das Bibelstudium und dienen der Verdeutlichung des Sinnes oder der Vertiefung des Verständnisses. Die verwendeten Abkürzungen sind auf den Seiten 7* und 8* erklärt; weitere Erläuterungen dazu auf Seite 12*. Wenn ganze Abschnitte in anderen biblischen Büchern gleich oder ähnlich überliefert sind, wird darauf in kleinem Druck unter der Abschnittsüberschrift hingewiesen. Wo finde ich was? Das Inhaltsverzeichnis auf den folgenden Seiten folgt der Anordnung der biblischen Bücher. Wer rasch ein bestimmtes Buch finden will, kann das Abkürzungsverzeichnis auf Seite 8* benutzen, das jeweils in der 2. Spalte die einzelnen Bücher in alphabetischer Reihenfolge aufführt. Ein Überblick über bekannte und wichtige Bibeltexte findet sich nach dem Abkürzungsverzeichnis. Zentrale Themen der Bibel sind im Stichwortverzeichnis des Anhangs erfasst, ebenso die wichtigsten Personen (ab Seite 423). Die farbigen Landkarten werden durch das Ortsregister im Anhang erschlossen (ab Seite 441). Es enthält in alphabetischer Reihenfolge sämtliche in den Farbkarten verzeichnete Orte. Eine rasche Orientierung über den Inhalt der einzelnen biblischen Bücher gibt die Inhaltsübersicht jeweils vor Beginn des Buches.


6*

INHALT

Geschichtliche Bücher Das 1. Buch Mose (Genesis) . . . Das 2. Buch Mose (Exodus) . . . Das 3. Buch Mose (Levitikus) . . Das 4. Buch Mose (Numeri) . . . Das 5. Buch Mose (Deuteronomium) Das Buch Josua . . . . . . Das Buch von den Richtern . . . Das Buch Rut . . . . . . . Das 1. Buch Samuel . . . . . Das 2. Buch Samuel . . . . . Das 1. Buch von den Königen . . Das 2. Buch von den Königen . . Das 1. Buch der Chronik . . . . Das 2. Buch der Chronik . . . . Das Buch Esra . . . . . . . Das Buch Nehemia . . . . . Das Buch Ester . . . . . . Bücher in dichterischer Form Das Buch Ijob (Hiob, Job) . . . Die Psalmen . . . . . . .

Das Alte Testament Das Buch der Sprichwörter . Das Buch Kohelet (Prediger) . . . 3 Das Hohelied . . . . . . . 55 . . 98 Bücher der Propheten . . 126 Der Prophet Jesaja . . . . . . 162 Der Prophet Jeremia . . . . . 199 Die Klagelieder . . . . . . . 224 Der Prophet Ezechil (Hesekil) . . 249 Das Buch Daniel. . . . . . . 252 Der Prophet Hosea . . . . . . 285 Der Prophet Jol. . . . . . . 314 Der Prophet Amos . . . . . . 347 Der Prophet Obadja. . . . . . 379 Der Prophet Jona . . . . . . 409 Der Prophet Micha . . . . . . 445 Der Prophet Nahum . . . . . 456 Der Prophet Habakuk . . . . . 473 Der Prophet Zefanja . . . Der Prophet Haggai . . . . Der Prophet Sacharja . . . . . 481 Der Prophet Maleachi . . . . . 511

. . . . . . . . .

597 622 631

. . . . . . . . . . . . . . . . .

638 696 757 763 814 829 839 842 849 851 853 858 860 863 865 867 877

. . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . .


7*

INHALT Das Neue Testament Der 1. Brief an Timotheus . Der 2. Brief an Timotheus . . . 3 Der Brief an Titus. . . . . . 46 Der Brief an Philemon . . . . 73 . . 119 Die übrigen Briefe . . 151 Der Brief an die Hebräer . Der Brief von Jakobus . . Der 1. Brief von Petrus . . . . 194 Der 2. Brief von Petrus . . . . 214 Der 1. Brief von Johannes . . . 233 Der 2. Brief von Johannes . . . 245 Der 3. Brief von Johannes . . . 252 Der Brief von Judas . . . . . 259 . . 264 Das prophetische Buch . . 268 Die Offenbarung an Johannes . . 272

. . . .

. . . .

. . . .

. . . .

274 280 284 286

. . . . . . . .

. . . . . . . .

. . . . . . . .

. . . . . . . .

287 302 306 312 315 320 321 322

. . . .

324

Anhang Nachwort zur Übersetzung . . . . . 345 Stichwortverzeichnis . . . . . . Sacherklärungen . . . . . . . . 349 Register zu den Landkarten in Farbe . . Zeittafel . . . . . . . . . . . 415 Kartenskizzen . . . . . . . .

423 441 444

Geschichtliche Bücher Die Gute Nachricht nach Matthäus . Die Gute Nachricht nach Markus . Die Gute Nachricht nach Lukas . . Die Gute Nachricht nach Johannes . Die Geschichte der Apostel . . . Die Briefe des Apostels Paulus Der Brief an die Römer . . . Der 1. Brief an die Korinther . . Der 2. Brief an die Korinther . . Der Brief an die Galater . . . Der Brief an die Epheser . . . Der Brief an die Philipper. . . Der Brief an die Kolosser . . . Der 1. Brief an die Thessalonicher Der 2. Brief an die Thessalonicher

. . . . . . . . .

ABKÜRZUNGEN IN DEN ANMERKUNGEN UND VERGLEICHSSTELLEN A, B, C (usw.) bei Verweisen auf die Spätschriften anstelle von Kapitelziffern E Einheitsübersetzung der Bibel G Griechischer Text des Alten Testaments (Septuaginta) H Hebräischer Text des Alten Testaments, offizielle Fassung der jüdischen Schriftgelehrten (Masoretischer Text) Kap Kapitel L Lutherbibel, revidierte Fassung 1984

nach par S zit

Zitat aus dem Alten Testament mit teilweise abweichendem Wortlaut Hinweis auf parallele Aussage(n) bei Mehrfachüberlieferung; siehe dazu Seite 13* Hinweis auf »Sammelstellen«; siehe dazu Seite 12* zitiert wird . . . (im Neuen Testament aus dem Alten)


8*

ABKÜRZUNGEN DER BIBLISCHEN BÜCHER UND ALPHABETISCHES INHALTSVERZEICHNIS (N = Neues Testament, eigene Seitenzählung!)

Am Apg Bar BrJer 1 Chr 2 Chr Dan DanZ Dtn Eph Esra Est EstG Ex Ez Gal Gen Hab Hag Hebr Hld Hos Ijob Jak Jdt Jer Jes Jol Joh 1 Joh 2 Joh 3 Joh Jona Jos Jud Klgl Koh Kol 1 Kön

Amos 842 Apostelgeschichte N 151 Baruch Brief Jeremias 1 Chronik 379 2 Chronik 409 Daniel 814 Zusätze zu Daniel 5 Mose/Deuteronomium 162 Epheser N 252 Esra 445 Ester 473 Ester, griechisch 2 Mose/Exodus 55 Ezechil 763 Galater N 245 1 Mose/Genesis 3 Habakuk 860 Haggai 865 Hebräer N 287 Hoheslied 630 Hosea 829 Ijob 481 Jakobus N 302 Judit Jeremia 696 Jesaja 638 Jol 839 Johannes N 119 1 Johannes N 315 2 Johannes N 320 3 Johannes N 321 Jona 851 Josua 199 Judas N 322 Klagelieder 757 Kohelet 622 Kolosser N 264 1 Könige 314

2 Kön 1 Kor 2 Kor Lev Lk 1 Makk 2 Makk Mal Mi Mk Mt

2 Könige 347 1 Korinther N 214 2 Korinther N 233 3 Mose/Levitikus 98 Lukas N 73 1 Makkabäer 2 Makkabäer Maleachi 877 Micha 853 Markus N 46 Matthäus N 3 Micha 853 Mose s. unter Gen, Ex, Lev, Num, Dtn Nah Nahum 858 Neh Nehemia 456 Num 4 Mose/Numeri 126 Obd Obadja 849 Offb Offenbarung N 324 1 Petr 1 Petrus N 306 2 Petr 2 Petrus N 312 Phil Philipper N 259 Phlm Philemon N 286 Ps Psalm(en) 511 Ri Richter 224 Röm Römer N 194 Rut Rut 249 Sach Sacharja 867 1 Sam 1 Samuel 252 2 Sam 2 Samuel 285 Sir Sirach Spr Sprichwörter 597 1 Thess 1 Thessalonicher N 268 2 Thess 2 Thessalonicher N 272 1 Tim 1 Timotheus N 274 2 Tim 2 Timotheus N 280 Tit Titus N 284 Tob Tobit Weish Weisheit Zef Zefanja 863


9*

WO FINDE ICH WAS? (N = Neues Testament, eigene Seitenzählung!) Biblische Quellen des christlichen Lebens Soziale Gerechtigkeit Lev 19,9-18.33-36 115 Feste im Kirchenjahr Jak 5,1-6 N 305 Weihnachten Lk 2,1-20 N 76 Hoffnung auf das Mt 2,1-12 N 4 Friedensreich Jes 65,16b-25 694 Karwoche Mk 14±15 N 67 Sach 9,9-10 873 Lk 22±23 N 111 Gottes Liebe Joh 18±19 N 144 in Christus Röm 8,28-39 N 203 Ostern Lk 24 N 116 1 Joh 4,7-21 N 318 Joh 20±21 N 148 Frieden mit Gott Röm 3,21-26 N 197 Himmelfahrt Apg 1,6-11 N 151 Röm 5,1-11 N 199 Pfingsten Apg 2 N 152 2 Kor 5,14-21 N 237 Das ewige Wort Joh 1 N 119 Gebete und Lieder Der gute Hirt Joh 10,1-30 N 134 (Gebete für bestimmte Anlässe siehe Seite 511) Weg und Wahrheit Joh 14,6 N 140 Vaterunser Mt 6,9-13 N 9 Christus, das Leben Joh 11,25 N 136 Segen Num 6,22-27 132 Das tat er für uns Jes 52,13±53,12 684 Lobgesang Marias Phil 2,5-11 N 260 (Magnificat) Lk 1,46-55 N 74 Taufe Mt 28,16-20 N 45 Der Herr ist mein Hirt Ps 23 522 Röm 6,1-14 N 200 Groûer Dankpsalm Ps 103 570 Abendmahl Gottes Hoheit und die (Eucharistie) Mt 26,26-29 N 40 Würde des Menschen Ps 8 514 1 Kor 11,17-34 N 225 Vergebung der Schuld Ps 51 540 Hoffnung über den Tod hinaus Fundamente des Glaubens und Lebens Auferstehung der Die Zehn Gebote Ex 20,1-17 75 Toten Lk 20,27-38 N 109 Das wichtigste Gebot Mt 22,34-40 N 34 1 Kor 15 N 229 Bergpredigt Christus kommt mit Seligpreisungen Mt 5±7 N 7 wieder Mk 13,24-37 N 66 Christus begegnet uns 1 Thess 4,13-18 N 271 im Mitmenschen Mt 25,31-46 N 39 2 Petr 3 N 314 Schwerter Gottes neue Welt Offb 21,1±22,5 N 340 zu Pflugscharen Jes 2,1-4 639 Bekannte Geschichten der Bibel Weitere Hinweise im Stichwortverzeichnis ab Seite 423 des Anhangs sowie in den Inhaltsübersichten zu Beginn jedes biblischen Buches. Kains Brudermord Gen 4,1-16 7 Altes Testament Sintflut und Aus der Urgeschichte Arche Noah (Noach) Gen 6±9 8 Schöpfung Gen 1,1±2,4a 3 Turmbau in Babel Gen 11,1-9 12 Paradies Väter und Mütter Israels (Adam und Eva) Gen 2,4b-25 5 Sündenfall Gen 3 5 Abraham und Sara Gen 12,1-9 13


10* Gott verspricht Sara einen Sohn: Isaak Sodom und Gomorra Isaaks Opferung Rebekka und Isaak Esau und Jakob Jakob erschleicht den Segen Die Himmelsleiter Jakobs Frauen und Söhne Josef und seine Brüder

Gen 18,1-15 Gen 19,1-29 Gen 22,1-19 Gen 24 23 Gen 25,19-34

17 18 21 26

Gen 27 27 Gen 28,10-22 29 Gen 29±30; 35,16-20 30 Gen 37±50 39

Von ¾gypten nach Kanaan Moses Geburt Ex 2,1-10 56 Moses Berufung am Dornbusch Ex 3,1± 4,17 57 Plagen über ¾gypten Ex 7,8±11,10; 12,29-30 61 Auszug aus ¾gypten (Passafest) Ex 12 65 Der Bund am Sinai (Zehn Gebote) Ex 19,1±20,21 74 Ex 24,1-11 80 Das Goldene Kalb Ex 32 88 Wanderung durch die Wüste Num 10±14; 20±21 135 Das versprochene Land Die Kundschafter Num 13±14 137 Die Mauern Jerichos Jos 6 203 Josua ruft das Volk zur Entscheidung Jos 24 222 Aus der Zeit der Richter Deboras Sieg Ri 4±5 228 Gideon Ri 6±8 230 Simson (und Delila) Ri 13±16 239 Die Ausländerin Rut Rut 1±4 249 Samuels Geburt und Berufung 1 Sam 1±3 252 Aus der Zeit der Könige Saul 1 Sam 9±15 260 David ± siegt über Goliat 1 Sam 17 269 ± erobert Jerusalem 2 Sam 5,6-12 290 ± nimmt sich Batseba 2 Sam 11,1±12,25 295 Gottes Zusage für seine Nachkommen 2 Sam 7 292 Salomo ± Bitte um Weisheit 1 Kön 3,4-15 318 ± Salomonisches Urteil 1 Kön 3,16-28 319 ± Bau und Einweihung des Tempels 2 Chr 3,1-14; 6 411

± Königin von Saba Der Prophet Elija ± Gottesurteil auf dem Berg Karmel ± Elija begegnet Gott ± Nabots Weinberg ± Himmelfahrt Elischa erweckt den Sohn einer Witwe vom Tod

1 Kön 10,1-13 328 1 Kön 18 339 1 Kön 19,11-18 340 1 Kön 21 343 2 Kön 2,1-12 348 2 Kön 4,17-36 351

Aus den Büchern der Dichter und Propheten Ijob (Hiob) ± Die Versuchungen Ijob 1±2 481 ± Die Klage Ijob 3; 9±10 482 ± Gottes Antwort Ijob 38±41 507 Der Prophet Jesaja ± Berufung Jes 6 642 ± Immanuel Jes 7,1-17 643 ± Licht für das Volk im Dunkel Jes 8,21±9,6 645 ± Der Friedenskönig Jes 11,1-10 647 ± Trost für die Verbannten in Babylon Jes 40,1-8 670 ± Gottes Bevollmächtigter (Der »Gottesknecht«) Jes 42,1-4 673 Jes 49,1-6 680 Jes 50,4-9 682 Jes 52,13±53,12 684 Der Prophet Jeremia ± Berufung Jer 1,4-19 696 ± Das falsche Vertrauen auf den Tempel Jer 7,1-15 704 ± Gottes neuer Bund Jer 31,31-34 731 ± In tiefster Not Klgl 3 760 Ezechil (Hesekil) ± Die groûe Vision Ez 1 763 ± Die Berufung Ez 2±3 764 ± Der gute Hirt Ez 34 796 ± Die Auferstehung des Volkes Israel Ez 37,1-14 799 Der Seher Daniel ± Die Schrift an der Wand (das »Menetekel«) Dan 5 819 ± In der Löwengrube Dan 6 821 Jona, der widerspenstige Prophet Jona 1±4 851 Die Sonne der Gerechtigkeit Mal 3,13-21 879


11* Spätschriften des Alten Testaments Tobias und der Engel Tobit 1±12 883 Judit und Holofernes Judit 1±16 897 Judas Makkabäus 1 Makk 2,49±9,22 928 Susanna und Daniel DanZ B 1058 Neues Testament (siehe auch: Feste im Kirchenjahr) Jesus: der Beginn seines Weges Ankündigung der Geburt an Maria Lk 1,26-38 N 74 Geburt in Betlehem Lk 2,1-20 N 76 Die Sterndeuter (»Heilige Drei Könige«) Mt 2,1-12 N 4 Taufe im Jordan Mk 1,9-11 N 46 Versuchung Mt 4,1-11 N 6 Heilungen und Wunder Der Hauptmann von Kafarnaum Mt 8,5-13 N 12 Der Gelähmte Mk 2,1-12 N 48 Stillung des Sturms Mk 4,35-41 N 52 Die Tochter von Jaïrus Mk 5,21-43 N 52 Speisung der 5000 Mk 6,30-44 N 54 Heilung einer Frau am Sabbat Lk 13,10-17 N 98 Hochzeit in Kana Joh 2,1-11 N 121 Lazarus vom Tod auferweckt Joh 11,1-44 N 135 Begegnungen Jesus und der Reiche Mk 10,17-27 N 61 Salbung durch die Sünderin Lk 7,36-50 N 86 Maria und Marta Lk 10,38-42 N 93

Zachäus Die Samariterin am Brunnen

Lk 19,1-10 N 106 Joh 4,1-42 N 123

Gleichnisse und Beispiele Viererlei Ackerboden Mk 4,1-20 N 50 Barmherziger Samariter Lk 10,29-37 N 92 Verlorenes Schaf und verlorene Münze Lk 15,1-10 N 101 Verlorener Sohn Lk 15,11-32 N 101 Arbeiter im Weinberg Mt 20,1-16 N 30 Kluge und törichte Brautjungfern Mt 25,1-13 N 38 Urgemeinde und Mission Pfingsten ± die Sendung des Heiligen Geistes Apg 2,1-12 N 152 Die Urgemeinde Apg 2,42-47 N 154 Apg 4,32-35 N 156 Stephanus, der erste Märtyrer Apg 6,8±8,1 N 159 Philippus und der ¾thiopier Apg 8,26-40 N 162 Petrus bei Kornelius Apg 10 N 165 Paulus: Bekehrung Apg 9,1-25 N 163 Paulus: Missionsreisen Apg 12,25±20,38 N 169 Das Apostelkonzil Apg 15 N 172 Paulus in Athen Apg 17,16-34 N 177 Paulus: Reise nach Rom Apg 27±28 N 190 Aus der Offenbarung an Johannes Das Buch mit den sieben Siegeln Offb 5 N 328 Die apokalyptischen Reiter Offb 6,1-8 N 328 Das neue Jerusalem Offb 21,1±22,5 N 340


13* Eine eigene Kategorie bilden die Parallelen, die sich auf gröûere Texteinheiten beziehen (sog. Abschnitts- oder Überlieferungsparallelen). Sie stehen jeweils eingeklammert und in kleinerem Druck unter den fetten Abschnittsüberschriften (z. B. Ex 20; Seite 75). Gehäuft sind sie dort zu finden, wo ganze biblische Bücher denselben Stoff parallel, aber mit unterschiedlicher Akzentsetzung und zum Teil nach selbständigen Überlieferungen darbieten. Dies betrifft das Deuteronomistische und Chronistische Geschichtswerk, also die Bücher Samuel und Könige gegenüber den Büchern der Chronik, sowie die vier Evangelien, insbesondere die ersten drei (Die Gute Nachricht nach Matthäus, Markus, Lukas). Wird in den Vergleichsstellen am Fuû der Seite auf Texte aus diesem Zusammenhang verwiesen, dann wird nur eine Fassung angeführt, in der

Regel Samuel/Könige und bei den Evangelien Markus oder Matthäus (in dieser Reihenfolge). Ein »par« hinter der Stellenangabe verweist auf das Vorliegen von solchen Parallelen. Sie können mit Hilfe der »Abschnittsparallelen« unter den Überschriften aufgefunden werden. Ein Beispiel aus 1 Mose/Genesis: 1,27 Mk 10,6 par Zu dem Abschnitt Mk 10,2-12 ist als Abschnittsparallele angegeben Mt 19,3-12; in Betracht kommt daraus Vers 4. Ein Beispiel aus Matthäus: 6,16-17 9,14-15par Zu dem Abschnitt 9,14-17 finden sich die beiden Abschnittsparallelen Mk 2,18-22 und Lk 5,3-39; in Betracht kommen daraus die Verse 18-20 bzw 33-35.


14*


1

DAS ALTE TESTAMENT


2


1 MOSE/GENESIS 1

3

DAS ERSTE BUCH MOSE (GENESIS) Inhaltsübersicht Die Urgeschichte von Welt und Mensch Kap 1±11 Die Erschaffung der Welt 1±2 Paradies und Verlust des Paradieses 3±4 Von Adam bis Noach 4±5 Noach und die Sintflut 6±9 Ausbreitung der Menschheit 10 Der babylonische Turm. Sem bis Abraham 11 Die Väter und Mütter Israels 12±36 Abrahams Berufung und Segnung 12±18 Untergang von Sodom und Gomorra 19 Geburt Isaaks und Prüfung Abrahams 21±22 Isaak und Rebekka 24±26 Jakob erlangt den Erstgeburtssegen 27 Jakob bei Laban, seine Frauen und Söhne 28±31 Jakobs Rückkehr 32±35 Die Nachkommen von Esau 36 Josef und seine Brüder 37±50 Josefs wunderbarer Aufstieg 37±41 Die Erprobung der Brüder 42±45 Die Nachkommen Jakobs in ¾gypten 46±50

DIE URGESCHICHTE VON WELT UND MENSCH (Kapitel 1±11)

1

Die Erschaffung der Welt Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde a.

2 Die Erde war noch leer

und öde, Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser, und über den Fluten schwebte Gottes Geist*.

3 Da sprach Gott: »Licht entstehe!«,

und das Licht strahlte auf. 4 Und Gott sah das Licht an: Es war gut. Dann trennte Gott das Licht von der Dunkelheit 5 und nannte das Licht Tag, die Dunkelheit Nacht. Es wurde Abend und wieder Morgen: der erste Tag.

6 Dann sprach Gott: »Im Wasser soll ein Gewölbe b entstehen, eine Scheidewand zwischen den Wassermassen!« 7 So geschah es: Gott machte ein Gewölbe und trennte so das Wasser unter dem Gewölbe von dem Wasser, das darüber war. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und wieder Morgen: der zweite Tag. 9 Dann sprach Gott: »Das Wasser unter dem Himmelsgewölbe soll sich alles an einer Stelle sammeln, damit das Land hervortritt.« So geschah es. 10 Und Gott nannte das Land Erde, die Sammlung des Wassers nannte er Meer. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 11 Dann sprach Gott:

»Die Erde lasse frisches Grün aufsprieûen, Pflanzen und Bäume von jeder Art, die Samen und samenhaltige Früchte tragen!« So geschah es: 12 Die Erde brachte frisches Grün hervor, Pflanzen jeder Art mit ihren Samen und alle Arten von Bäumen mit samenhaltigen Früchten. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 13 Es wurde Abend und wieder Morgen: der dritte Tag. 14 Dann sprach Gott:

»Am Himmel sollen Lichter entstehen, die Tag und Nacht voneinander scheiden, leuchtende Zeichen, um die Zeiten zu bestimmen: Tage und Feste und Jahre. 15 Sie sollen am Himmelsgewölbe leuchten, damit sie der Erde Licht geben.« So geschah es: 16 Gott machte zwei groûe Lichter,

a Das Begriffspaar Himmel und Erde bezeichnet die Welt in ihrer Gesamtheit. Vers 1 ist als Überschrift zur folgenden Schöpfungsgeschichte zu verstehen. b Vgl. Sacherklärung »Himmelsgewölbe« im Anhang. 1,1±2,4 a Ps 8; 104; Ijob 38,1±39,30; Joh 1,1-4; Sir 16,26±17,10; 42,15±43,33


4

1 MOSE/GENESIS 1.2

ein gröûeres, das den Tag beherrscht, und ein kleineres für die Nacht, a dazu auch das ganze Heer der Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie der Erde Licht geben, 18 den Tag und die Nacht regieren und Licht und Dunkelheit voneinander scheiden. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 19 Es wurde Abend und wieder Morgen: der vierte Tag. 20 Dann sprach Gott: »Das Wasser soll von Leben wimmeln, und in der Luft b sollen Vögel fliegen!« 21 So schuf Gott die Seeungeheuer und alle Arten von Wassertieren, ebenso jede Art von Vögeln und geflügelten Tieren. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 22 Und Gott segnete seine Geschöpfe und sagte: »Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die Meere, und ihr Vögel, vermehrt euch auf der Erde!« 23 Es wurde Abend und wieder Morgen: der fünfte Tag. 24 Dann sprach Gott: »Die Erde soll Leben hervorbringen: alle Arten von Vieh und wilden Tieren und alles, was auf der Erde kriecht.« So geschah es. 25 Gott machte die wilden Tiere und das Vieh und alles, was auf dem Boden kriecht, alle die verschiedenen Arten. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 26 Dann sprach Gott:

»Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist! Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde c und über alles, was auf dem Boden kriecht.«

27 So schuf Gott die Menschen nach

seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau. d 28 Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! e Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.« 29 Weiter sagte Gott zu den Menschen:

»Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen und die Früchte, die an den Bäumen wachsen, überall auf der ganzen Erde. 30 Den Landtieren aber und den Vögeln und allem, was auf dem Boden kriecht, allen Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich tragen, weise ich Gräser und Blätter zur Nahrung zu.« So geschah es. 31 Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war alles sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen: der sechste Tag.

2

So entstanden Himmel und Erde mit allem, was lebt. 2 Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von aller seiner Arbeit aus. 3 Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen* Tag, der ihm gehört, denn an diesem Tag ruhte Gott, nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte. 4a Dies ist die Geschichte der Entstehung

von Himmel und Erde; so hat Gott sie geschaffen.

a Die Namen »Sonne« und »Mond« werden vermieden, weil sie bei manchen Nachbarn Israels als Namen für Götter verwendet wurden. Sie werden als Lichter (Lampen) bezeichnet, um klarzustellen, dass sie keine schicksalsbestimmende Macht haben ± und natürlich erst recht nicht die anschlieûend genannten Sterne. b in der Luft: wörtlich über die Erde, am Himmelsgewölbe; entsprechend in den Versen 26 und 28 am Himmelsgewölbe. c und alle Tiere ...: mit einer alten Übersetzung; H und die ganze Erde. d Wörtlich männlich und weiblich schuf er sie. e nehmt sie in Besitz: Die herkömmliche Übersetzung macht sie euch untertan hat oft Anlass gegeben zu dem Missverständnis, die Schöpfung sei der Willkür des Menschen ausgeliefert. Nach hebräischem Verständnis gehören Herrschaft und Fürsorge zusammen; die Könige und Fürsten im Alten Orient galten als »Hirten« des Volkes. Deshalb wird die Fortsetzung, die wörtlich lautet Herrscht über (die Fische usw.), wiedergegeben durch Ich setze euch über ... und vertraue sie eurer Fürsorge an. 1,27 Mk 10,6 par; Kol 3,10; Weish 2,23 1,28 Weish 9,2 1,29 9,3 1,31 1 Tim 4,4 2,2-3 Ex 20,8-10 S; Hebr 4,9-10


1 MOSE/GENESIS 2.3

Der Mensch im Garten Eden (Das Paradies) 4b Als Gott, der HERR, a Erde und Himmel machte, 5 gab es zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bearbeiten konnte. 6 Nur aus der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden. 7 Da nahm Gott, der HERR, Staub von der Erde, formte daraus den Menschen b und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen. c 8±9 Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden*, einen Garten an. Er lieû aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte. In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit schenken, und der Baum der Erkenntnis, dessen Früchte das Wissen verleihen, was für den Menschen gut und was für ihn schlecht ist. d 10 In Eden entspringt ein Strom. Er bewässert den Garten und teilt sich dann in vier Ströme. 11 Der erste heiût Pischon; er flieût rund um das Land Hawila, wo es Gold gibt. 12 Das Gold dieses Landes ist ganz rein, auûerdem gibt es dort kostbares Harz und den Edelstein Karneol. 13 Der zweite Strom heiût Gihon; er flieût rund um das Land Kusch*. 14 Der dritte Strom, der Tigris, flieût östlich von Assur. e Der vierte Strom ist der Eufrat. 15 Gott, der HERR, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.

5

16 Weiter

sagte er zu ihm: »Du darfst von allen Bäumen des Gartens essen, 17 nur nicht vom Baum der Erkenntnis. f Sonst musst du sterben.«

Die Erschaffung der Frau der HERR, dachte: »Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ein Wesen schaffen, das ihm hilft und das zu ihm passt.« 19 So formte Gott aus Erde die Tiere des Feldes und die Vögel. Dann brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er jedes Einzelne nennen würde; denn so sollten sie heiûen. 20 Der Mensch gab dem Vieh, den wilden Tieren und den Vögeln ihre Namen, doch unter allen Tieren fand sich keins, das ihm helfen konnte und zu ihm passte. 21 Da versetzte Gott, der HERR, den Menschen in einen tiefen Schlaf, nahm eine seiner Rippen heraus und füllte die Stelle mit Fleisch. 22 Aus der Rippe machte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen. 23 Der freute sich und rief: 18 Gott,

»Endlich! Sie ists! Eine wie ich! g Sie gehört zu mir, denn von mir ist sie genommen.« h 24 Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele. i 25 Die beiden waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.

Die Menschen müssen den Garten Eden verlassen Die Schlange* war das klügste von allen Tieren des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte. Sie fragte die Frau: »Hat Gott wirklich gesagt: ­Ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen¬?«

3

a Eigentlich der HERR Gott; ebenso in der Fortsetzung bis 3,24. »Der HERR« in dieser Schreibweise steht in der Übersetzung stets für den Gottesnamen; siehe dazu die Sacherklärung »HERR«. b Im Hebräischen gehören Mensch (adam) und Erde (adama) auch sprachlich zusammen. Später wird Adam zum Eigennamen des ersten Menschen (siehe Anmerkung zu 3,17). Staub ist ein Hinweis auf die Hinfälligkeit des Menschen; vgl. 3,19. c Wörtlich eine lebende nefesch. Das hebräische Wort nefesch wird herkömmlich mit »Seele« übersetzt. Gemeint ist damit ein Lebewesen wie Mensch oder Tier im Unterschied zu den Pflanzen (vgl. auch Sacherklärung »Seele«). d Wörtlich der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Schlechten (siehe dazu Anmerkung zu Vers 17). e Gemeint ist die Stadt dieses Namens; siehe Sacherklärung. f Erkenntnis: wörtlich Erkenntnis des Guten und Schlechten. Gemeint ist nicht die Fähigkeit, zu unterscheiden, was sittlich gut oder böse ist, sondern ein umfassendes Wissen von allem, was für das menschliche Leben nützlich oder schädlich ist. Ein solches Wissen kann den Menschen zu der Meinung verführen, sein Leben in eigener Regie führen zu können. Das würde ihn überfordern und die ihm anvertraute Schöpfung zerstören, weil er der Versuchung zum Missbrauch der damit gegebenen Möglichkeiten nicht gewachsen ist (vgl. 4,1-8.23; 6,5; 11,1-9 sowie Ez 28,1-19). g Endlich ...: wörtlich Gebein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch. h Sie gehört ...: Die Zugehörigkeit ist im Hebräischen in der Namengebung ausgedrückt. Diese enthält ein Wortspiel, das sich im Deutschen nicht nachahmen lässt: »Sie wird ischa (= Frau) genannt werden, denn vom isch (= Mann) ist sie genommen.« i sind dann eins ...: wörtlich sind dann ein Fleisch, womit die volle leiblich-seelische Einheit bezeichnet wird. 2,7 Ijob 33,4; Ps 104,29-30; Koh 12,7; 1 Kor 15,45-49 2,8-9 Offb 22,14 2,24 Mk 10,7 par; Eph 5,31 3,1-5 Weish 2,24


6

1 MOSE/GENESIS 3

2 »Natürlich dürfen wir sie essen«, erwiderte die Frau, 3 »nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt: ­Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben!¬« 4 »Nein, nein«, sagte die Schlange, »ihr werdet bestimmt nicht sterben! 5 Aber Gott weiû: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.« a 6 Die Frau sah den Baum an: Seine Früchte mussten köstlich schmecken, sie anzusehen war eine Augenweide und es war verlockend, dass man davon klug werden sollte! Sie nahm von den Früchten und aû. Dann gab sie auch ihrem Mann davon und er aû ebenso. 7 Da gingen den beiden die Augen auf und sie merkten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze. 8 Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie, wie Gott, der HERR, durch den Garten ging. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott zwischen den Bäumen. 9 Aber Gott rief nach dem Menschen: »Wo bist du?« 10 Der antwortete: »Ich hörte dich kommen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Da habe ich mich versteckt!« 11 »Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?«, fragte Gott. »Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?« 12 Der Mensch erwiderte: »Die Frau, die du mir an die Seite gestellt hast, gab mir davon; da habe ich gegessen.« 13 Gott, der HERR, sagte zur Frau: »Was hast du da getan?« Sie antwortete: »Die Schlange ist schuld, sie hat mich zum Essen verführt!« 14 Da sagte Gott, der HERR, zu der Schlange:

»Verflucht sollst du sein wegen dieser Tat! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang ±

du allein von allen Tieren. 15 Und Feindschaft soll herrschen zwischen dir und der Frau, zwischen deinen Nachkommen und den ihren. b Sie werden euch den Kopf zertreten, und ihr werdet sie in die Ferse beiûen.« 16 Zur Frau aber sagte Gott:

»Ich verhänge über dich, dass du Mühsal und Beschwerden hast, jedes Mal wenn du schwanger bist; und unter Schmerzen bringst du Kinder zur Welt. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird über dich herrschen.« zum Mann c sagte Gott: »Weil du auf deine Frau gehört und mein Verbot übertreten hast, gilt von nun an:

17 Und

Deinetwegen ist der Acker verflucht. Mit Mühsal wirst du dich davon ernähren, dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln werden dort wachsen, und du wirst die Pflanzen des Feldes essen. 19 Viel Schweiû musst du vergieûen, um dein tägliches Brot zu bekommen, bis du zurückkehrst zur Erde, von der du genommen bist. Ja, Staub bist du, und zu Staub musst du wieder werden!« Mensch nannte seine Frau Eva, d denn sie sollte die Mutter aller Menschen werden. 21 Und Gott, der HERR, machte für den Menschen und seine Frau Kleider aus Fellen. 22 Dann sagte Gott: »Nun ist der Mensch wie einer von uns e geworden und weiû, was gut und was schlecht ist. f Es darf nicht sein, dass er auch noch vom Baum des Lebens isst. Sonst wird er ewig leben!« 23 Und er schickte den Menschen aus dem Garten Eden* weg, damit er den Ackerboden bearbeite, aus dem er gemacht war. 20 Der

a Dann werdet ihr ...: verdeutlichender Zusatz; vgl. Anmerkung zu 2,17. b Das hebräische Wort für Nachkommen ist der grammatischen Form nach Einzahl: Same, d.h. Nachkommenschaft. In der Alten Kirche wurde die Einzahl auf eine Einzelperson bezogen und auf Christus oder Maria gedeutet, die Schlange entsprechend auf den Teufel. c Wörtlich zum Menschen. In H wird das Wort durch die zugesetzten Vokale schon hier (nicht erst ab 4,1) als Eigenname gedeutet (ebenso in Vers 21; die Vorkommen in den Versen 20, 22, 23 und auch 24, wo wörtlich die Einzahl steht, lassen beide Deutungen zu). Ursprünglich ist Adam kein Name, sondern das hebräische Wort für »Mensch« (vgl. Anmerkung zu 2,7). d Der Name Eva klingt im Hebräischen wie das Wort für »Leben«. e uns ist wahrscheinlich ein Hinweis auf den himmlischen Hofstaat; vgl. Sacherklärung »Gottessöhne«. f Vgl. Anmerkung zu 2,17. 3,4 Joh 8,44; Offb 20,2 3,5 Jes 14,14; Ez 28,2; 2 Thess 2,4 3,19 2,7; Ps 90,3; Koh 3,20-21 S


1 MOSE/GENESIS 3.4 24 So trieb Gott, der HERR, die Menschen hinaus und stellte östlich von Eden die Keruben* und das flammende Schwert als Wächter auf. Niemand sollte zum Baum des Lebens gelangen können.

Der Bruder erhebt sich gegen den Bruder Adam schlief mit seiner Frau Eva, a und sie wurde schwanger. Sie brachte einen Sohn zur Welt und sagte: »Mit Hilfe des HERRN habe ich einen Mann hervorgebracht.« b Darum nannte sie ihn Kain. 2 Später bekam sie einen zweiten Sohn, den nannte sie Abel. Abel wurde ein Hirt, Kain ein Bauer. 3 Einmal brachte Kain von seinem Ernteertrag dem HERRN ein Opfer. 4 Auch Abel brachte ihm ein Opfer; er nahm dafür die besten von den erstgeborenen Lämmern seiner Herde. c Der HERR blickte freundlich auf Abel und sein Opfer, 5 aber Kain und sein Opfer schaute er nicht an. Da stieg der Zorn in Kain hoch und er blickte finster zu Boden. 6 Der HERR fragte ihn: »Warum bist du so zornig? Warum starrst du auf den Boden? 7 Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben; aber wenn du Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will dich verschlingen. Du musst Herr über sie sein!« 8 Kain aber sagte zu seinem Bruder Abel: »Komm und sieh dir einmal meine Felder an!« d Und als sie drauûen waren, fiel er über seinen Bruder her und schlug ihn tot. 9 Der HERR fragte Kain: »Wo ist dein Bruder Abel?« »Was weiû ich?«, antwortete Kain. »Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders?« e 10 »Weh, was hast du getan?«, sagte der HERR. »Hörst du nicht, wie das Blut deines Bruders von der Erde zu mir schreit? 11 Du hast den Acker mit dem Blut deines Bruders getränkt, deshalb stehst du unter einem Fluch und musst das fruchtbare Ackerland verlassen. 12 Wenn du künftig den Acker bearbeitest, wird er dir den Ertrag verweigern. Als heimatloser Flüchtling musst du auf der Erde umherirren.« 13 Kain sagte zum HERRN: »Die Strafe ist zu hart, das überlebe ich nicht! 14 Du vertreibst

4

7

mich vom fruchtbaren Land und aus deiner schützenden Nähe. Als heimatloser Flüchtling muss ich umherirren. Ich bin vogelfrei, jeder kann mich ungestraft töten.« 15 Der HERR antwortete: »Nein, sondern ich bestimme: Wenn dich einer tötet, müssen dafür sieben Menschen aus seiner Familie sterben.« Und er machte an Kain ein Zeichen, damit jeder wusste: Kain steht unter dem Schutz des HERRN. 16 Dann musste Kain aus der Nähe des HERRN weggehen. Er wohnte östlich von Eden* im Land Nod. f Kulturentwicklung und menschliche Überheblichkeit 17 Kain schlief mit seiner Frau, da wurde sie schwanger und gebar einen Sohn: Henoch. Danach gründete Kain eine Stadt und nannte sie Henoch nach dem Namen seines Sohnes. 18 Henochs Frau gebar ihm einen Sohn: Irad. Dieser Irad zeugte Mehujal, Mehujal zeugte Metuschal, und Metuschal zeugte Lamech. 19 Lamech nahm sich zwei Frauen: Ada und Zilla. 20 Ada gebar ihm Jabal; von dem stammen alle ab, die mit Herden umherziehen und in Zelten wohnen. 21 Sein jüngerer Bruder war Jubal, von dem kommen die Zither- und Flötenspieler her. 22 Auch Zilla gebar einen Sohn: Tubal-Kain. Er wurde Schmied und machte alle Arten von Waffen und Werkzeugen aus Bronze und Eisen. Seine Schwester war Naama. 23 Lamech sagte zu seinen Frauen: »Ihr meine Frauen, Ada, Zilla, hört! Passt auf, wie Lamech sich sein Recht verschafft: g Ich töte einen Mann für meine Wunde und einen Jungen, wenn mich jemand schlägt! 24 Ein Mord an Kain ± so hat es Gott bestimmt ± verlangt als Rache sieben Menschenleben; für Lamech müssen siebenundsiebzig sterben!« Ersatz für Abel schlief wieder mit Eva, und sie gebar noch einmal einen Sohn. Sie nannte ihn Set, denn sie sagte: »Gott hat mir wieder einen Sohn

25 Adam

a schlief mit ...: wörtlich erkannte Eva, seine Frau; ebenso in den Versen 17 und 25. Das hebräische Wort bedeutet »erkennen/kennen lernen« in der persönlichen Begegnung. Zu Adam siehe Anmerkung zu 3,17. b hervorgebracht: oder erworben. Im Hebräischen ein Wortspiel mit dem Namen Kain. Abel (Vers 2) bedeutet »Windhauch, Flüchtigkeit«. Mit Hilfe des HERRN: Deutung unsicher. c Oder er nahm die fetten Stücke von den erstgeborenen ... d »Komm und sieh ...«: mit alten Übersetzungen; in H fehlt der Satz. e Hüter: Anspielung auf den Hirtenberuf des Bruders. f Nod klingt wie das hebräische Wort für »ruhelos«. g wie Lamech ...: verdeutlichender Zusatz; H (Passt auf) auf meine Rede. 4,4 Hebr 11,4 4,10 Ijob 16,18 S; Hebr 12,24 4,23 Ex 21,23-25 4,24 Mt 18,22


8

1 MOSE/GENESIS 4.5.6

geschenkt! a Der wird mir Abel ersetzen, den Kain erschlagen hat.« 26 Auch Set wurde ein Sohn geboren, den nannte er Enosch. Damals fingen die Menschen an, im Gebet den Namen* des HERRN anzurufen.

halb gab er ihm den Namen Noach. c 30 Danach lebte er noch 595 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter. 31 Er starb im Alter von 777 Jahren. 32 Als Noach 500 Jahre alt war, zeugte er Sem, Ham und Jafet.

Die Nachkommen Adams durch Set

Gott entschlieût sich zum Eingreifen Die Menschen begannen sich zu vermehren und sich über die Erde auszubreiten. Es wurden ihnen auch viele Töchter geboren. 2 Da sahen die Gottessöhne*, dass die Töchter der Menschen sehr schön waren. Sie nahmen die von ihnen als Frauen, die ihnen am besten gefielen, und zeugten mit ihnen Kinder. 3 Der HERR aber sagte: »Ich lasse meinen Lebensgeist nicht für unbegrenzte Zeit im Menschen wohnen, denn der Mensch ist schwach und anfällig für das Böse. d Ich begrenze seine Lebenszeit auf 120 Jahre.« 4 Damals und auch noch später lebte auf der Erde das Geschlecht der Riesen. Sie waren aus der Verbindung der Gottessöhne mit den Menschentöchtern hervorgegangen und sind als die groûen Helden der Vorzeit bekannt. 5 Der HERR sah, dass die Menschen auf der Erde völlig verdorben waren. Alles, was aus ihrem Herzen kam, ihr ganzes Denken und Planen, war durch und durch böse. 6 Das tat ihm weh, und er bereute, dass er sie erschaffen hatte. 7 Er sagte: »Ich will die Menschen wieder von der Erde ausrotten ± und nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere auf der Erde, von den gröûten bis zu den kleinsten, und auch die Vögel in der Luft. Es wäre besser gewesen, wenn ich sie gar nicht erst erschaffen hätte.« 8 Noach war der Einzige, der vor den Augen des HERRN bestehen konnte.

5

(1 Chr 1,1-4)

Hier ist die Liste der Nachkommen von Adam. b Als Gott die Menschen erschuf, machte er sie nach seinem Bild; 2 und er erschuf sie als Mann und als Frau. Er segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch«. 3 Als Adam 130 Jahre alt war, zeugte er einen Sohn nach seinem Bild, als sein Ebenbild, und gab ihm den Namen Set. 4±5 Danach zeugte er noch weitere Söhne und Töchter und starb im Alter von 930 Jahren. 6±8 Als Set 105 Jahre alt war, zeugte er Enosch. Danach zeugte er noch weitere Söhne und Töchter und starb im Alter von 912 Jahren. 9±11 Als Enosch 90 Jahre alt war, zeugte er Kenan. Danach zeugte er noch weitere Söhne und Töchter und starb im Alter von 905 Jahren. 12±14 Als Kenan 70 Jahre alt war, zeugte er Mahalalel. Danach zeugte er noch weitere Söhne und Töchter und starb im Alter von 910 Jahren. 15±17 Als Mahalalel 65 Jahre alt war, zeugte er Jered. Danach zeugte er noch weitere Söhne und Töchter und starb im Alter von 895 Jahren. 18±20 Als Jered 162 Jahre alt war, zeugte er Henoch. Danach zeugte er noch weitere Söhne und Töchter und starb im Alter von 962 Jahren. 21 Als Henoch 65 Jahre alt war, zeugte er Metuschelach. 22 Danach lebte er noch 300 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter. 23 Er wurde 365 Jahre alt. 24 Henoch hatte in enger Verbindung mit Gott gelebt. Dann war er plötzlich nicht mehr da; denn Gott hatte ihn von der Erde weggenommen. 25 Als Metuschelach 187 Jahre alt war, zeugte er Lamech. 26 Danach lebte er noch 782 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter. 27 Er starb im Alter von 969 Jahren. 28 Als Lamech 182 Jahre alt war, zeugte er einen Sohn. 29 Er sagte: »Der wird uns Trost verschaffen bei der harten Arbeit, die uns auferlegt ist, weil der HERR den Acker verflucht hat.« Des-

6

Gott gibt Noach den Befehl zum Bau der Arche 9 Dies ist die Geschichte Noachs und seiner Nachkommen: Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen war Noach ein rechtschaffener, durch und durch redlicher Mann; er lebte in enger Verbindung mit Gott. 10 Er hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. 11 Alle anderen Menschen konnten vor Gott nicht bestehen; die Erde war voll von Unrecht und Gewalt. 12 Wohin Gott auch

a geschenkt: wörtlich gesetzt. Im Hebräischen ein Wortspiel mit dem Namen Set. b Wörtlich Dies ist das Buch der Geschichte Adams. Das hebräische Wort, das hier mit Geschichte wiedergegeben ist, steht auch in 2,4a; 6,9; 10,1; 11,10.27; 25,12; 36,1.9; 37,2. c Noach erinnert an das hebräische Wort für »ausruhen«. d schwach und ...: wörtlich Fleisch*. 5,22-24 Hebr 11,5 6,4 Bar 3,26-28 6,5-14 Weish 10,4; Mt 24,37-39; Hebr 11,7; 1 Petr 3,20-21


1 MOSE/GENESIS 6.7

sah: überall nichts als Verdorbenheit. Denn die Menschen waren alle vom rechten Weg abgekommen. 13 Da sagte Gott zu Noach: »Mit den Menschen a mache ich ein Ende. Ich will sie vernichten samt der Erde; denn die Erde ist voll von dem Unrecht, das sie tun. 14 Bau dir ein Schiff, eine Arche*. Mach sie aus festem Holz und dichte sie innen und auûen mit Pech ab. Im Innern soll sie viele Räume haben. 15 Sie muss 150 Meter lang sein, 25 Meter breit und 15 Meter hoch. b 16 Mach oben ein Dach darüber, c zieh zwei Zwischendecken ein, sodass es dreistöckig wird, und bring an der Seite eine Tür an. 17 Ich werde eine Flut über die Erde hereinbrechen lassen, in der alles Lebendige umkommen soll. Weder Mensch noch Tier wird mit dem Leben davonkommen. 18 Mit dir aber schlieûe ich meinen Bund*. Ich verspreche dir: Du sollst gerettet werden. d Geh mit deiner Frau, deinen Söhnen und deinen Schwiegertöchtern in die Arche! 19 Nimm von allen Tieren ein Männchen und ein Weibchen mit, damit sie mit dir gerettet werden. 20 Von jeder Tierart sollst du ein Paar in die Arche bringen, damit sie am Leben bleiben, alle Arten von Landtieren und Vögeln. 21 Nimm jedem Tier sein Futter mit, und auch genug zu essen für dich und deine Familie.« 22 Noach tat alles genau so, wie Gott es ihm befohlen hatte. Noach, seine Familie und die Tiere gehen in die Arche Dann sagte der HERR zu Noach: »Geh mit deiner Familie in die Arche*! Du bist der Einzige unter den Menschen, der vor mir als gerecht* bestehen kann. 2 Nimm von allen reinen* Tieren je sieben Paare mit, aber von den unreinen Tieren nur jeweils ein Männchen und ein Weibchen. 3 Auch von den verschiedenen Vögeln nimm je sieben Paare mit. Ich möchte, dass jede Art erhalten bleibt und sich wieder auf der Erde fortpflanzen kann. 4 Noch sieben Tage, dann werde ich es vierzig Tage und Nächte lang ununterbrochen regnen lassen. Alles Leben auf der Erde, das ich geschaffen habe, wird dann ausgelöscht.«

7

9

5 Noach machte alles genau so, wie der HERR es befohlen hatte. 6 Er war damals 600 Jahre alt, als die groûe Flut über die Erde hereinbrach.

Die Sintflut* kommt auf die Erde 7 Noach ging also mit seiner Frau, seinen Söhnen

und seinen Schwiegertöchtern in die Arche*. 8 Von allen reinen* und unreinen Landtieren sowie von allen Vögeln und den am Boden kriechenden Tieren 9 lieû er je ein Paar mit sich in die Arche gehen, ein Männchen und ein Weibchen, wie Gott es befohlen hatte. 10 Sieben Tage später kam die groûe Flut über die Erde. 11 Im 600. Lebensjahr Noachs, am 17. Tag des 2. Monats, öffneten sich die Schleusen des Himmels und die Quellen der Tiefe brachen von unten aus der Erde hervor. 12 Vierzig Tage und vierzig Nächte lang regnete es von da an in Strömen auf die Erde. 13 An jenem Tag ging Noach mit seiner Frau, mit seinen Söhnen Sem, Ham und Jafet und mit den Frauen seiner Söhne in die Arche, 14 dazu je ein Paar von allen Tierarten: den wilden und den zahmen Tieren, den Tieren, die am Boden kriechen, und allen geflügelten Tieren. 15 Von allen Tierarten, allem, was auf der Erde lebt, gingen je zwei zu Noach in die Arche, 16 immer ein Männchen und ein Weibchen, so wie Gott es befohlen hatte. Und der HERR schloss hinter Noach die Tür zu. 17 Vierzig Tage lang regnete es ununterbrochen. Das Wasser stieg an und hob die Arche vom Boden ab. 18 Es stieg immer weiter, und die Arche schwamm jetzt frei auf dem Wasser. 19 Es stieg höher und höher, und schlieûlich waren auf der Erde sogar die Berge bedeckt; 20 das Wasser stand sieben Meter e über den höchsten Gipfeln. 21 Da starb alles, was auf der Erde lebte und sich regte: Vögel, zahme und wilde Tiere, all die kleinen Tiere, von denen es auf der Erde wimmelte, und alle Menschen. 22 Alles, was Lebensgeist in sich trug f und auf dem Land lebte, fand den Tod. 23 So vernichtete der HERR alles Leben auf der Erde, vom Menschen bis zum kriechenden Getier, vom Vieh bis zu den Vögeln. Nur Noach und alle, die bei ihm in der Arche waren, blieben übrig.

a Wörtlich Mit allem Fleisch*. b Hebräische Maûangaben 300, 50, 30 Ellen*. c Möglich auch ein Fenster. Es folgt, nicht sicher zu deuten: eine Elle* hoch sollst du es machen von oben her. d Ich verspreche ...: verdeutlichender Zusatz. e Hebräische Maûangabe 15 Ellen*. f Wörtlich was den Atem des Lebensgeistes in der Nase hatte. 7,2-3 Lev 11,1-47 7,11 Ez 31,4


1

DAS NEUE TESTAMENT


2


MATTH¾ U S 1

3

DIE GUTE NACHRICHT NACH MATTH¾US (Matthäus-Evangelium) Inhaltsübersicht Herkunft, Geburt und Vorgeschichte des Auftretens von Jesus Kap 1±4 Jesus lehrt: Die Bergpredigt 5±7 Jesus vollbringt Wunder 8±9 Die Aussendung der Jünger 9±12 Jesus spricht in Gleichnissen 13 Machttaten und Mahnworte 13±16 Jesus auf dem Weg nach Jerusalem 16±20 Auseinandersetzungen in Jerusalem 21±23 Rede über Endzeit und Weltgericht 24±25 Leiden, Tod und Auferstehung von Jesus 26±28 HERKUNFT, GEBURT UND VORGESCHICHTE DES AUFTRETENS VON JESUS (1,1±4,22) Jesus ± Ziel und Erfüllung der Geschichte Israels

1

(Lk 3,23-38)

Obed zeugte Isai. 6 Isai zeugte den König David. David zeugte Salomo; die Mutter war die Frau Urijas. 7 Salomo zeugte Rehabeam. Rehabeam zeugte Abija. Abija zeugte Asa. 8 Asa zeugte Joschafat. Joschafat zeugte Joram. Joram zeugte Usija. 9 Usija zeugte Jotam. Jotam zeugte Ahas. Ahas zeugte Hiskija. 10 Hiskija zeugte Manasse. Manasse zeugte Amon. Amon zeugte Joschija. 11 Joschija zeugte Jojachin und seine Brüder. Das war zu der Zeit, als die Bevölkerung von Jerusalem und Juda nach Babylonien in die Verbannung* weggeführt wurde.

Dieses Buch berichtet über die Herkunft 12 Nach der Wegführung zeugte Jojachin und Geschichte von Jesus Christus, dem Schealtil. Nachkommen Davids und Nachkommen Abra- Schealtil zeugte Serubbabel. 13 Serubbabel zeugte Abihud. hams. a Abihud zeugte Eljakim. 2 Abraham zeugte Isaak. Eljakim zeugte Azor. 14 Azor zeugte Zadok. Isaak zeugte Jakob. Zadok zeugte Achim. Jakob zeugte Juda und seine Brüder. 3 Juda zeugte Perez und Serach; Achim zeugte Eliud. 15 Eliud zeugte Eleasar. die Mutter war Tamar. Eleasar zeugte Mattan. Perez zeugte Hezron. Mattan zeugte Jakob. Hezron zeugte Ram. 4 Ram zeugte Amminadab. 16 Jakob zeugte Josef, den Mann von Maria. Amminadab zeugte Nachschon. Sie wurde die Mutter von Jesus, der Christus* Nachschon zeugte Salmon. genannt wird. 5 Salmon zeugte Boas; 17 Zusammengerechnet sind es vierzehn Generadie Mutter war Rahab. Boas zeugte Obed; tionen von Abraham bis David, vierzehn weitere die Mutter war Rut. von David bis zur Wegführung nach Babylonien a Wörtlich Buch der Entstehung/Abstammung von Jesus Christus, dem Sohn Davids*, dem Sohn Abrahams*. Vers 1 bezieht sich zunächst auf den Abschnitt 1,2-25, dient aber zugleich als Überschrift für das ganze Buch »Die Gute Nachricht nach Matthäus«. 1,1 Apg 13,23; Röm 1,3-4; 2 Tim 2,8; Mt 20,30-31 S 1,2 Gen 21,2-3; 25,26; 29,32±30,24 1,3-6 a Rut 4,18-22 1,3 Gen 38,29-30 1,6 b 2 Sam 12,24 1,7-12 1 Chr 3,10-19 1,11 2 Kön 24,8-16 1,12 Hag 1,1 S 1,16 Lk 1,27


4

MATTH¾US 1.2

und noch einmal vierzehn von dieser Zeit bis zu tes zu sich kommen und fragte sie: »Wo soll der Christus. a versprochene Retter f geboren werden?« 5 Sie antworteten: »In Betlehem in Judäa. Jesus ± Gottessohn und Davidssohn Denn so hat der Prophet* geschrieben: 6 ­Du 18 Mit der Zeugung von Jesus Christus verhielt es Betlehem im Land Juda! Du bist keineswegs sich so: Seine Mutter Maria war mit Josef schon die unbedeutendste unter den führenden Städten rechtsgültig verheiratet, b aber sie hatten die Ehe in Juda, denn aus dir wird der Herrscher noch nicht vollzogen. Da stellte sich heraus, dass kommen, der mein Volk Israel schützen und Maria ein Kind erwartete ± durch die Wirkung leiten soll.¬« 7 Daraufhin rief Herodes die Sterndeuter des Heiligen Geistes*. 19 Josef, ihr Mann, war groûmütig c und wollte sie nicht vor Gericht brin- heimlich zu sich und fragte sie aus, wann sie den gen. Deshalb hatte er vor, sich stillschweigend Stern zum ersten Mal gesehen hätten. 8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: »Geht von ihr zu trennen. 20 Während er noch hin und her überlegte, er- und erkundigt euch genau nach dem Kind, und schien ihm im Traum der Engel* des Herrn und wenn ihr es gefunden habt, gebt mir Nachricht! sagte zu ihm: »Josef, du Nachkomme Davids*, Dann will ich auch hingehen und mich vor ihm scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu niederwerfen.« 9 Nachdem sie vom König diesen Bescheid ernehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, kommt vom Geist Gottes. 21 Sie wird einen Sohn halten hatten, machten sich die Sterndeuter auf zur Welt bringen; den sollst du Jesus nennen. den Weg. Und der Stern, den sie schon bei Denn er wird sein Volk von aller Schuld be- seinem Aufgehen beobachtet hatten, ging ihnen freien.« d voraus. Genau über der Stelle, wo das Kind war, 22 Dies alles geschah, damit in Erfüllung ging, blieb er stehen. 10 Als sie den Stern sahen, kam eine groûe was der Herr durch den Propheten* angekündigt hatte: 23 »Die Jungfrau wird schwanger werden Freude über sie. 11 Sie gingen in das Haus und und einen Sohn zur Welt bringen, den werden fanden das Kind mit seiner Mutter Maria. Da sie Immanul nennen.« Der Name bedeutet: warfen sie sich vor ihm zu Boden und ehrten es »Gott steht uns bei«. als König. Dann holten sie die Schätze hervor, 24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des die sie mitgebracht hatten, und legten sie vor Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau ihm nieder: Gold, Weihrauch* und Myrrhe*. 12 In einem Traum befahl ihnen Gott, nicht zu sich. 25 Er hatte aber keinen ehelichen Verkehr mit ihr, bis sie ihren Sohn geboren hatte. wieder zu Herodes zu gehen. So zogen sie auf Und er gab ihm den Namen Jesus. einem anderen Weg in ihr Land zurück. Jesus ± von den Völkern erwartet und als König begrüût Jesus wurde in Betlehem in Judäa* geboren, zur Zeit, als König Herodes e das Land regierte. Bald nach seiner Geburt kamen Sterndeuter* aus dem Osten nach Jerusalem 2 und fragten: »Wo finden wir den neugeborenen König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um uns vor ihm niederzuwerfen.« 3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 4 Er lieû alle führenden Priester* und Gesetzeslehrer* im Volk Got-

2

Jesus ± wie einst das Volk Israel Flüchtling in ¾gypten 13 Nachdem die Sterndeuter* wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum der Engel* des Herrn und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach ¾gypten! Bleib dort, bis ich dir sage, dass du wieder zurückkommen kannst. Herodes wird nämlich das Kind suchen, weil er es umbringen will.« 14 Da stand Josef auf, mitten in der Nacht, nahm das Kind und seine Mutter und floh mit ihnen nach ¾gypten. 15 Dort lebten sie bis zum Tod von Herodes.

a Dem Aufbau der Abstammungsliste liegt eine Zahlensymbolik zugrunde: Im Hebräischen hat jeder Buchstabe einen Zahlenwert. Zählt man die Zahlenwerte der Buchstaben zusammen, die den Namen David ausmachen, so erhält man die Zahl 14. Abmessung und Gliederung der Abstammungsliste (dreimal 14) sollen verkünden: In Jesus ist der verheiûene Nachkomme Davids, der versprochene Retter Israels, erschienen. b rechtsgültig verheiratet: wörtlich verlobt*. c Wörtlich gerecht. Der Begriff schlieût Verantwortung für den Mitmenschen, Liebe und Barmherzigkeit ein; siehe Sacherklärung »Gerechtigkeit«. d Zur Bedeutung des Namens Jesus siehe die Sacherklärung. e Siehe Sacherklärung »Herodes (1)«. f Wörtlich der Christus *. 1,18 Lk 1,35 1,21 Lk 1,31 S; Apg 4,12; Ps 130,8 1,23 nach Jes 7,14 2,1 Lk 2,4-7 2,2 27,11 S 2,6 nach Mi 5,1 und 2 Sam 5,2; Joh 7,42 2,11 Ps 72,10.15; Jes 60,6 2,13 Ex 2,15 2,15 nach Hos 11,1


MATTH¾US 2.3

5

So sollte in Erfüllung gehen, was der Herr auf dem der Herr kommt! Ebnet ihm die durch den Propheten* angekündigt hatte: »Aus Straûen!¬« 4 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren ¾gypten habe ich meinen Sohn gerufen.« und um die Hüften einen Ledergurt. Seine NahJesus ± wie Mose dem Kindermord rung bestand aus Heuschrecken und Honig von entkommen a wilden Bienen. 5 Die Leute aus Jerusalem, aus 16 Als Herodes merkte, dass die Sterndeuter* ihn ganz Judäa und der ganzen Jordangegend kamen hintergangen hatten, wurde er sehr zornig. Er zu ihm, 6 bekannten öffentlich ihre Sünden und befahl, in Betlehem und Umgebung alle kleinen lieûen sich von ihm im Jordan taufen. Jungen bis zu zwei Jahren zu töten. Das entDer Täufer fordert zur Umkehr auf sprach der Zeitspanne, die er aus den Angaben (Lk 3,7-9) der Sterndeuter entnommen hatte. 17 So sollte in Erfüllung gehen, was Gott durch 7 Auch viele Pharisäer* und Sadduzäer* kamen, den Propheten Jeremia angekündigt hatte: 18 »In um sich von Johannes taufen zu lassen. Zu ihnen Rama hört man Klagerufe und bitteres Weinen: sagte er: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch Rahel weint um ihre Kinder und will sich nicht gesagt, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht? 8 Zeigt durch euer Leben, dass trösten lassen; denn sie sind nicht mehr da.« b ihr euch wirklich ändern wollt! g Jesus ± der Nazoräer* 9 Ihr bildet euch ein, dass euch nichts gesche19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef hen kann, weil Abraham* euer Stammvater ist. in ¾gypten der Engel* des Herrn im Traum Aber das sage ich euch: Gott kann Abraham aus 20 und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine diesen Steinen hier neue Nachkommen Mutter und kehre in das Land Israel zurück; schaffen! 10 Die Axt ist schon angelegt, um die Bäume denn alle, die das Kind umbringen wollten, sind an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der gestorben.« 21 Da stand Josef auf, nahm das Kind und keine guten Früchte bringt, wird umgehauen seine Mutter und kehrte nach Israel zurück. und ins Feuer geworfen.« 22 Unterwegs erfuhr Josef, dass in Judäa* Der Täufer weist auf Christus hin Archelaus als Nachfolger seines Vaters Herodes (Mk 1,7-8; Lk 3,15-18; Joh 1,24-28) König geworden war. c Da bekam er Angst, dorthin zu ziehen. Im Traum erhielt er eine neue Wei- 11 Johannes sagte auch: »Ich taufe euch mit Wassung und zog daraufhin nach Galiläa*. 23 Er kam ser, damit ihr euer Leben ändert. h Aber der, der in die Stadt Nazaret und lieû sich dort nieder. nach mir kommt, ist mächtiger als ich. Ich bin So sollte in Erfüllung gehen, was Gott durch nicht einmal gut genug, ihm die Schuhe auszudie Propheten angekündigt hatte: Der verspro- ziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist* chene Retter wird Nazoräer genannt werden. d und mit dem Feuer des Gerichts taufen. 12 Er hat die Worfschaufel* in seiner Hand. Er Johannes der Täufer tritt auf wird die Spreu vom Weizen scheiden und seinen (Mk 1,2-6; Lk 3,1-6; Joh 1,19-23) Weizen in die Scheune bringen. Die Spreu wird Damals trat der Täufer* Johannes in der Wüs- er in einem Feuer verbrennen, das nie mehr auste von Judäa* auf und verkündete: 2 »¾ndert geht.« euer Leben! e Gott wird jetzt seine Herrschaft Jesus lässt sich von Johannes taufen aufrichten und sein Werk vollenden!« f (Mk 1,9-11; Lk 3,21-22; Joh 1,32-34) 3 Diesen Johannes hatte Gott schon durch den Propheten Jesaja angekündigt, der gesagt hat: 13 Um diese Zeit kam Jesus von Galiläa* her an »In der Wüste ruft einer: ­Macht den Weg bereit, den Jordan, um sich von Johannes taufen zu

3

a Vgl. Ex 1,22±2,10. b Siehe Sacherklärung »Rahelgrab«. c Archelaus führte nicht den Königstitel; das Reich von Herodes war unter seine Söhne aufgeteilt worden; siehe Sacherklärung »Herodes (2) bis (4)«. d Ein Prophetenwort mit diesem Wortlaut ist nicht bekannt, siehe jedoch Sacherklärung »Nazoräer«. e Siehe Sacherklärung »Umkehr«. f Gott wird jetzt ...: wörtlich Die Königsherrschaft* der Himmel ist nahe herbeigekommen. g ändern: siehe Sacherklärung »Umkehr«. h euer Leben ändert: siehe Sacherklärung »Umkehr«. 2,16 Ex 1,15-22 2,18 zit Jer 31,15-16 2,20 Ex 4,19 3,2 4,17 S; Lk 3,3 3,3 nach Jes 40,3 3,4 2 Kön 1,8 3,7 12,34; 23,33 3,9 (Abraham) Lk 1,54-55 S; Joh 8,33.39; Röm 2,28-29 S; 4,12; 9,7 3,10 7,19 3,11-12 11,3; Dan 7,13-14 3,11 Lk 3,16 S; Ps 51,9.12-14 S


6

MATTH¾US 3.4

lassen. 14 Johannes versuchte, ihn davon abzubringen, und sagte: »Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?« 15 Aber Jesus antwortete: »Zögere nicht, mich zu taufen! Das ist es, was wir jetzt tun müssen. So eröffnen wir den Weg, auf dem der Wille Gottes ohne Abstriche erfüllt wird.« a Da gab Johannes nach. 16 Sobald Jesus getauft war, stieg er aus dem Wasser. Da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist* Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. 17 Und eine Stimme aus dem Himmel sagte: »Dies ist mein Sohn*, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt.« Jesus wird auf die Probe gestellt

4

(Mk 1,12-13; Lk 4,1-13)

Danach führte der Geist* Gottes Jesus in die Wüste, wo er vom Teufel auf die Probe gestellt werden sollte. 2 Nachdem er vierzig Tage und Nächte gefastet* hatte, war er hungrig. 3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: »Wenn du Gottes Sohn* bist, dann befiehl doch, dass die Steine hier zu Brot werden!« 4 Jesus antwortete: »In den Heiligen Schriften* steht: ­Der Mensch lebt nicht nur von Brot; er lebt von jedem Wort, das Gott spricht.¬« 5 Darauf führte der Teufel ihn in die Heilige Stadt*, stellte ihn auf den höchsten Punkt des Tempels* 6 und sagte: »Wenn du Gottes Sohn bist, dann spring doch hinunter; denn in den Heiligen Schriften steht: ­Deinetwegen wird Gott seine Engel* schicken und sie werden dich auf Händen tragen, damit du dich an keinem Stein stöût.¬« 7 Jesus antwortete: »In den Heiligen Schriften heiût es auch: ­Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht herausfordern.¬« 8 Zuletzt führte der Teufel Jesus auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt in ihrer Gröûe und Pracht 9 und sagte: »Dies alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.«

10 Da sagte Jesus: »Weg mit dir, Satan*! In den Heiligen Schriften heiût es: ­Vor dem Herrn, deinem Gott, wirf dich nieder, ihn sollst du anbeten und niemand sonst.¬« 11 Darauf lieû der Teufel von Jesus ab, und Engel kamen und versorgten ihn.

Jesus beginnt sein Wirken in Galiläa (Mk 1,14-15; Lk 4,14-15)

12 Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefäng-

nis geworfen hatte, b zog er sich nach Galiläa* zurück. 13 Er blieb aber nicht in Nazaret, sondern nahm seinen Wohnsitz in Kafarnaum, einer Stadt am See Gennesaret*, im Gebiet der Stämme Sebulon und Naftali. 14 Das geschah, damit in Erfüllung ging, was Gott durch den Propheten Jesaja angekündigt hatte: 15 »Du Land von Sebulon und Naftali, am See gelegen und jenseits des Jordans, Galiläa der gottfernen Völker! 16 Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein groûes Licht. Und für alle, die im finsteren Land des Todes wohnen, leuchtet ein Licht auf!« 17 Von da an verkündete Jesus seine Botschaft: »¾ndert euer Leben! c Gott wird jetzt seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden!« d Jesus beruft vier Fischer zu Jüngern (Mk 1,16-20; Lk 5,1-11)

18 Als

Jesus am See von Galiläa* entlangging, sah er zwei Brüder: Simon ± bekannt unter dem Namen Petrus* ± und Andreas. Sie warfen gerade ihr Netz aus, denn sie waren Fischer. 19 Jesus sagte zu ihnen: »Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern.« 20 Sofort lieûen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. 21 Als Jesus von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder: Jakobus, den Sohn von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Sie waren mit ihrem Vater im Boot und richteten die Netze her. Jesus rief sie, 22 und sofort verlieûen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm.

a Zögere nicht ...: wörtlich Lass es sofort geschehen; denn so ist es geziemend für uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Vgl. Sacherklärung »Taufe (2)«. b Wörtlich dass Johannes ausgeliefert worden war. Durch das Wort ausliefern will Matthäus andeuten: Auch in dem Geschick, das der Täufer erleidet, ist er der Vorläufer von Jesus (vgl. 17,22; 20,18; 26,45 und 1Kor 11,23) und von dessen Jüngern (vgl. 10,17.19.21; 24,9). c Siehe Sacherklärung »Umkehr«. d Gott wird jetzt ...: wörtlich Die Königsherrschaft* der Himmel ist nahe herbeigekommen. 3,15 5,17 S; 28,19 S 3,16 (Himmel geöffnet) Jes 63,19; Ez 1,1-3; Joh 1,51; Apg 7,56; 10,11; Offb 4,1; 19,11 3,17 Jes 42,1; Ps 2,7; Mt 12,18; 17,5 par; 21,37 par 4,1 Hebr 2,18; 4,15 4,2 Ex 34,28; 1 Kön 19,8; Mt 6,16-17 S 4,4 nach Dtn 8,3; Joh 4,34 4,6 nach Ps 91,11-12 4,7 nach Dtn 6,16 4,10 nach Dtn 6,13; 5,9 4,12 14,3 4,13 Joh 2,12 4,15-16 nach Jes 8,23±9,1 4,16 Lk 1,79 4,17 3,2; 4,23; 6,10; 10,7 4,20.22 8,21-22S


7

MATTH¾US 4.5

JESUS LEHRT: DIE BERGPREDIGT (4,23±7,29) Jesus lehrt und heilt, um ihn sammelt sich das Volk (Mk 3,7-12; Lk 6,17-19)

23 Jesus

zog durch ganz Galiläa*. Er lehrte in den Synagogen* und verkündete die Gute Nachricht*, dass Gott jetzt seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden wird. a Er heilte alle Krankheiten und Leiden im Volk. 24 Die Kunde von ihm verbreitete sich sogar in ganz Syrien. Die Leute brachten alle zu Jesus, die an irgendwelchen Krankheiten oder Beschwerden litten, auch Besessene*, Epileptiker* und Gelähmte, und er machte sie gesund. 25 Groûe Menschenmengen aus Galiläa*, aus dem Gebiet der Zehn Städte*, aus Jerusalem und Judäa* und von der anderen Seite des Jordans zogen mit ihm. Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg b und setzte sich. Seine Jünger* traten zu ihm. 2a Dann begann er zu reden und lehrte sie, was Gott jetzt von seinem Volk verlangt. c

5

Wer sich freuen darf ... (Die Seligpreisungen) (Lk 6,20-23)

2b Er sagte: 3 »Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten d ± mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt. e 4 Freuen dürfen sich alle,

die unter dieser heillosen Welt leiden f ± Gott wird ihrem Leid ein Ende machen. 5 Freuen dürfen sich alle,

die unterdrückt sind und auf Gewalt verzichten ± Gott wird ihnen die Erde zum Besitz geben. 6 Freuen dürfen sich alle,

die danach hungern und dürsten,

dass sich auf der Erde Gottes gerechter Wille durchsetzt ± Gott wird ihren Hunger stillen. 7 Freuen dürfen sich alle, die barmherzig sind ± Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein. 8 Freuen dürfen sich alle, die im Herzen rein* sind ± sie werden Gott sehen. 9 Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften ± Gott wird sie als seine Söhne und Töchter g annehmen. 10 Freuen dürfen sich alle,

die verfolgt werden, weil sie tun, was Gott will h ± mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt. 11 Freuen

dürft ihr euch, wenn sie euch beschimpfen und verfolgen und verleumden, weil ihr zu mir gehört. 12 Freut euch und jubelt, denn bei Gott erwartet euch reicher Lohn. So haben sie die Propheten* vor euch auch schon behandelt.« Die Aufgabe der Jünger (Lk 14,34-35; 11,33)

13 »Ihr

seid das Salz für die Welt. Wenn aber das Salz seine Kraft verliert, wodurch kann es sie wiederbekommen? Es ist zu nichts mehr zu gebrauchen. Es wird weggeworfen und die Menschen zertreten es. 14 Ihr seid das Licht für die Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15 Auch zündet niemand eine Lampe* an, um sie dann unter einen Topf zu stellen. Im Gegenteil, man stellt sie auf den Lampenständer, damit sie allen im Haus Licht gibt. 16 Genauso muss auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.« Den Willen Gottes im Gesetz ganz ernst nehmen ... (Lk 16,17)

17 »Denkt

nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz* und die Weisungen der Propheten* auûer

a die Gute Nachricht, dass Gott ...: wörtlich die Gute Nachricht von der Königsherrschaft*. b Wörtlich auf den Berg; siehe Sacherklärung »Berg«. c was Gott jetzt ...: verdeutlichender Zusatz. d die nur noch ...: wörtlich die Armen in Bezug auf den Geist; siehe Sacherklärung »Seligpreisungen«. e Mit Gott ...: wörtlich Ihrer ist die Herrschaft* der Himmel; ebenso in Vers 10. f die unter ...: wörtlich die Trauernden; siehe Sacherklärung »Seligpreisungen«. g Wörtlich Söhne; siehe die Sacherklärung. h weil sie tun ...: wörtlich um der Gerechtigkeit* willen. 4,23 9,35; 4,17 S 5,1 14,23; 15,29; 17,1; 28,16 5,3 Jes 57,15; 61,1 5,4 Ps 126,5 5,5 Mt 21,5; Ps 37,8-11 5,7 18,33; 25,35-46; Jak 2,13 5,8 Ps 24,3-5 5,9 Hebr 12,14 5,10 1 Petr 3,14 5,11 Lk 6,22 S 5,12 2 Chr 36,16; Mt 23,30-31; Lk 11,47-49; 13,34; Apg 7,52; 1 Thess 2,15; Jak 5,10 5,13 Mk 9,50 5,14 Joh 8,12S 5,15 Mk 4,21 par 5,16 Eph 5,8-9; Phil 2,15; 1 Petr 2,12 5,17 3,15; 7,12; 22,40; Röm 3,31


8

MATTH¾US 5

Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um sie auûer Kraft zu setzen, sondern um sie zu erfüllen und ihnen volle Geltung zu verschaffen. 18 Ich versichere euch: Solange Himmel und Erde bestehen, wird kein i-Punkt und kein Komma im Gesetz gestrichen. Das ganze Gesetz muss erfüllt werden. 19 Wer also ein noch so unbedeutendes Gebot für ungültig erklärt und die Menschen in diesem Sinne lehrt, wird in der neuen Welt Gottes a den letzten Platz einnehmen. Wer es aber befolgt und andere dazu anhält, wird in der neuen Welt Gottes hoch geachtet sein. 20 Ich sage euch: Ihr werdet niemals in Gottes neue Welt kommen, wenn ihr seinen Willen nicht besser erfüllt als die Gesetzeslehrer* und Pharisäer*.« ... beim Gebot, nicht zu morden wisst, dass unseren Vorfahren gesagt worden ist: ­Du sollst nicht morden! Wer einen Mord begeht, soll vor Gericht gestellt werden.¬ 22 Ich aber sage euch: Schon wer auf seinen Bruder oder seine Schwester b zornig ist, gehört vor Gericht. Wer zu seinem Bruder oder seiner Schwester sagt: ­Du Idiot¬, gehört vor das oberste Gericht. Und wer zu seinem Bruder oder seiner Schwester sagt: ­Geh zum Teufel¬, gehört ins Feuer der Hölle*. 23 Wenn du zum Altar gehst, um Gott deine Gabe zu bringen, und dort fällt dir ein, dass dein Bruder oder deine Schwester etwas gegen dich hat, 24 dann lass deine Gabe vor dem Altar liegen, geh zuerst hin und söhne dich aus. Danach komm und bring Gott dein Opfer*. 25 Einige dich mit deinem Gläubiger rechtzeitig, solange du noch mit ihm auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird er dich dem Richter ausliefern und der wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, damit er dich ins Gefängnis steckt. 26 Ich versichere dir: Dort kommst du erst wieder heraus, wenn du deine Schuld bis auf den letzten Pfennig bezahlt hast.« 21 »Ihr

Frau eines anderen begehrlich ansieht, hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen. 29 Wenn dich dein rechtes Auge zur Sünde verführt, dann reiû es aus und wirf es weg! Es ist besser für dich, du verlierst eines deiner Glieder, als dass du ganz in die Hölle* geworfen wirst. 30 Und wenn dich deine rechte Hand zur Sünde verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Es ist besser für dich, du verlierst eines deiner Glieder, als dass du ganz in die Hölle kommst. 31 Bisher hieû es: ­Wer sich von seiner Frau trennen will, muss ihr eine Scheidungsurkunde* ausstellen.¬ 32 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau trennt, auûer sie hat ihrerseits die Ehe gebrochen, d der treibt sie in den Ehebruch. Und wer eine Geschiedene heiratet, wird zum Ehebrecher.« ... beim Gebot, keinen Meineid zu schwören 33 »Ihr wisst auch, dass unseren Vorfahren gesagt worden ist: ­Ihr sollt keinen Meineid schwören und sollt halten, was ihr Gott mit einem Eid versprochen habt.¬ 34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören! Nehmt weder den Himmel zum Zeugen, denn er ist Gottes Thron, 35 noch die Erde, denn sie ist sein Fuûschemel, und auch nicht Jerusalem, denn es ist die Stadt des himmlischen Königs. 36 Nicht einmal mit eurem eigenen Kopf sollt ihr euch für etwas verbürgen; denn es steht nicht in eurer Macht, dass auch nur ein einziges Haar darauf schwarz oder weiû wächst. 37 Sagt einfach Ja oder Nein; jedes weitere Wort stammt vom Teufel.« ... beim Gebot, nur maûvoll zu vergelten (Lk 6,29-30)

38 »Ihr

wisst, dass es heiût: ­Auge um Auge, Zahn um Zahn.¬ 39 Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut! ... beim Gebot, die Ehe nicht zu brechen Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte (Lk 16,18) Backe schlägt, dann halte auch die linke hin. 27 »Ihr wisst, dass es heiût: ­Du sollst nicht die 40 Wenn jemand mit dir um dein Hemd prozesEhe brechen!¬ c 28 Ich aber sage euch: Wer die sieren will, dann gib ihm den Mantel* dazu.

a Wörtlich in der Königsherrschaft* der Himmel; entsprechend in Vers 20. b seinen Bruder oder seine Schwester: In diesem und im folgenden Vers ist wörtlich jeweils nur von Bruder die Rede; siehe Sacherklärung »Bruder«. c Siehe Sacherklärung »Ehebruch«. d auûer sie hat ...: wörtlich abgesehen von einer Unzuchtssache; siehe Sacherklärung »Unzuchtsklausel«. 5,18-19 Jak 2,10 5,21 zit Ex 20,13; nach Lev 24,17 5,22 1 Joh 3,15 5,24 6,14-15 S 5,25-26 Lk 12,58-59 5,26 18,34 5,27 zit Ex 20,14 5,28 Ijob 31,1; 2 Petr 2,14 5,29-30 Mk 9,43-47 par 5,31 nach Dtn 24,1; Jes 50,1; Mt 19,7 par 5,32 19,9 par; 1 Kor 7,10-11 5,33-37 23,16-22; Jak 5,12 5,33 nach Lev 9,12 und Num 30,3 5,34-35 Jes 66,1; Apg 7,49 5,35 Ps 76,3 S 5,37 2 Kor 1,17-19 5,38 zit Ex 21,24 5,39 a Röm 12,17 S 5,40 1 Kor 6,7; Hebr 10,34


9

MATTH¾US 5.6 41 Und

wenn jemand dich zwingt, eine Meile* mit ihm zu gehen, dann geh mit ihm zwei. 42 Wenn jemand dich um etwas bittet, gib es ihm; wenn jemand etwas von dir borgen möchte, sag nicht nein.«

3 Wenn du also etwas spendest, dann tu es so unauffällig, dass deine linke Hand nicht weiû, was die rechte tut. 4 Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.«

... beim Gebot, den Mitmenschen zu lieben

(Lk 11,2-4; Mk 11,25-26)

(Lk 6,27-28.32-36)

43 »Ihr

wisst, dass es heiût: ­Liebe deinen Mitmenschen; hasse deinen Feind.¬ a 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen. 45 So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne scheinen auf böse Menschen wie auf gute, und er lässt es regnen auf alle, ob sie ihn ehren oder verachten. 46 Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch ebenfalls lieben? Das tun auch die Betrüger! b 47 Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr nur zu euresgleichen freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen! c 48 Nein, wie die Liebe eures Vaters im Himmel, so soll auch eure Liebe sein: vollkommen und ungeteilt.« d Falsche und wahre Frömmigkeit ... »Hütet euch, eure Frömmigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen! Denn dann habt ihr keinen Lohn mehr von eurem Vater im Himmel zu erwarten.«

6

... beim Beten

5 »Wenn

ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen* und an den Straûenecken, damit sie von allen gesehen werden. Ich versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon kassiert. 6 Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer, schlieû die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. 7 Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebetsworte herunter wie die Heiden*. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen. 8 Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiû, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet. 9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel! Mach deinen Namen* groû in der Welt. 10 Komm und richte deine Herrschaft* auf. Verschaff deinem Willen Geltung, auf der Erde genauso wie im Himmel. 11 Gib uns, was wir heute zum Leben brauchen. 12 Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir allen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind. 13 Lass uns nicht in die Gefahr kommen, dir untreu zu werden, sondern rette uns aus der Gewalt des Bösen. e

... beim Spenden für Bedürftige du also einem Bedürftigen etwas spendest, dann häng es nicht an die groûe Glocke! Benimm dich nicht wie die Scheinheiligen in den Synagogen* und auf den Straûen. Sie wollen nur von den Menschen geehrt werden. 14 Wenn ihr den andern vergebt, was sie euch anIch versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon getan haben, dann wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den ankassiert.

2 »Wenn

a Nur die erste Hälfte des Zitats findet sich im Alten Testament (Lev 19,18). Zur zweiten Hälfte siehe Sacherklärung »Bergpredigt (2)«. b Wörtlich die Zolleinnehmer*. c Wörtlich die Menschen der nichtjüdischen Völker; siehe Sacherklärung »Heiden«. d Nein, wie die Liebe ...: wörtlich Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist; siehe Sacherklärung »Bergpredigt (3)«. e Spätere Handschriften fügen noch einen abschlieûenden Lobspruch hinzu, der in Anlehnung an 1 Chr 29,10-11 gestaltet ist: Dir gehört die Herrschaft und Macht und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Im Gottesdienst ist heute für das Gebet des Herrn folgende ökumenische Fassung gebräuchlich: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. (Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.) 5,43 nach Lev 19,18; Mk 12,31 S 5,44 Ex 23,4-5; Röm 12,20; 1 Petr 2,20-23; (betet) Apg 7,60S 5,45 Eph 5,1 5,48 Lev 19,2b 6,1 23,5 S 6,8 6,32par 6,9 Ez 36,23 6,10 (Herrschaft) 4,17 S; (Wille) 7,21 S; 12,50 par; 18,14; 21,31; 26,39.42; Joh 6,38 S; Apg 21,14 6,11 6,24-34 par 6,12 Sir 28,2 6,13 (Gefahr) 10,16-25; 24,3-28 par; (retten) Joh 17,15S; 2 Tim 4,18; 2 Petr 2,9 6,14-15 5,24; Mk 11,25; Lk 6,37 6,14 Sir 28,2; Eph 4,32 S 6,15 18,35S


10

MATTH¾US 6.7

dern nicht vergebt, dann wird euer Vater euch ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte ± aber euer Vater im Himmel sorgt für sie. Und ihr seid eure Verfehlungen auch nicht vergeben.« ihm doch viel mehr wert als Vögel! ... beim Fasten 27 Wer von euch kann durch Sorgen sein 16 »Wenn ihr fastet,* dann setzt keine Leidens- Leben auch nur um einen Tag verlängern? 28 Und warum macht ihr euch Sorgen um miene auf wie die Scheinheiligen. Sie machen ein saures Gesicht, damit alle Welt merkt, dass das, was ihr anziehen sollt? Seht, wie die sie fasten. Ich versichere euch: Sie haben ihren Blumen auf den Feldern wachsen! Sie arbeiten Lohn schon kassiert. nicht und machen sich keine Kleider, 29 doch ich 17 Wenn du fasten willst, dann wasche dein sage euch: Nicht einmal Salomo bei all seinem Gesicht und kämme dich, 18 damit niemand es Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendmerkt als nur dein Vater, der im Verborgenen ist. eine von ihnen. 30 Wenn Gott sogar die FeldDein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird blumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann dich dafür belohnen.« nicht erst recht um euch kümmern? Habt ihr so Das Verhältnis zum Besitz wenig Vertrauen? (Lk 12,33-34; 11,34-36) 31 Also macht euch keine Sorgen! Fragt nicht: 19 »Sammelt keine Schätze hier auf der Erde! ­Was sollen wir essen?¬ ­Was sollen wir trinken?¬ Denn ihr müsst damit rechnen, dass Motten und ­Was sollen wir anziehen?¬ 32 Mit all dem plagen Rost sie zerfressen oder Einbrecher sie stehlen. sich Menschen, die Gott nicht kennen. c Euer 20 Sammelt lieber Schätze bei Gott. Dort werden Vater im Himmel weiû, dass ihr all das braucht. sie nicht von Motten und Rost zerfressen und 33 Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner können auch nicht von Einbrechern gestohlen Herrschaft* unterstellt und tut, was er verlangt, werden. 21 Denn euer Herz wird immer dort dann wird er euch schon mit all dem anderen sein, wo ihr eure Schätze habt. versorgen. 22 Aus dem Auge leuchtet das Innere des Men34 Quält euch also nicht mit Gedanken an schen: Wenn dein Auge klar blickt, ist deine gan- morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorze Erscheinung hell; 23 wenn dein Auge durch gen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last Neid oder Habgier getrübt ist, a ist deine ganze hat.« Erscheinung finster. ± Wie groû muss diese Nicht verurteilen Finsternis sein, wenn statt des Lichtes in dir nur (Lk 6,37-38.41-42) Dunkelheit ist!« »Verurteilt nicht andere, damit Gott nicht Ungeteilter Dienst euch verurteilt! 2 Denn euer Urteil wird auf (Lk 16,13; 12,22-31) euch zurückfallen, und ihr werdet mit demsel24 »Niemand kann zwei Herren zugleich dienen. ben Maû gemessen werden, das ihr bei anderen Er wird den einen vernachlässigen und den anlegt. 3 Warum kümmerst du dich um den Splitter andern bevorzugen. Er wird dem einen treu sein und den andern hintergehen. Ihr könnt im Auge deines Bruders oder deiner Schwester d nicht beiden zugleich dienen: Gott und dem und bemerkst nicht den Balken in deinem eigenen? 4 Wie kannst du zu deinem Bruder oder Geld. b 25 Darum sage ich euch: Macht euch keine deiner Schwester sagen: ­Komm her, ich will dir Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen den Splitter aus dem Auge ziehen¬, wenn du oder zu trinken habt, und um euren Leib, ob ihr selbst einen ganzen Balken im Auge hast? etwas anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als 5 Scheinheilig bist du! Zieh doch erst den Balken Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die aus deinem eigenen Auge, dann kannst du dich um den Splitter in einem anderen Auge kümKleidung! 26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie mern!«

7

a Wörtlich wenn aber dein Auge böse ist; siehe Sacherklärung »Bergpredigt (4)«. b Geld: Im griechischen Text steht Mamon; siehe Sacherklärung »Mam(m)on«. c Menschen, die ...: wörtlich die Menschen der nichtjüdischen Völker; herkömmliche Übersetzung Heiden*. d Wörtlich deines Bruders; ebenso in Vers 4. Siehe Sacherklärung »Bruder«. 6,16-17 (fasten) 4,2 par; 9,14-15par; 17,21; Lk 2,37; 18,12; Apg 13,2-3; 14,23; 2 Kor 6,5; Jes 58,5 S 6,19 Jak 5,2-3 6,20 Lk 12,33S 6,24-34 6,11 6,25 Phil 4,6 S 6,26 10,29-31 par 6,29 1 Kön 10,1-25 6,30 14,31 S 6,32 6,8 6,33 1 Kön 3,11-14 6,34 Ex 16,4.19-20 7,1 Jak 4,11-12; 1 Kor 4,5 7,2 Mk 4,24; Röm 2,1; 14,10-12


11

MATTH¾US 7

Vorsicht ist erlaubt und geboten 6 »Gebt das Heilige, das euch anvertraut ist, nicht den Hunden! Und eure Perlen werft nicht den Schweinen vor! Die trampeln doch nur darauf herum, und dann wenden sie sich gegen euch und reiûen euch in Stücke.« Voll Vertrauen zu Gott beten

pflücken und von Disteln keine Feigen. 17 Ein gesunder Baum trägt gute Früchte und ein kranker Baum schlechte. 18 Unmöglich kann ein gesunder Baum schlechte Früchte tragen und ein kranker gute. 19 Jeder Baum, der keine guten Früchte trägt, wird umgehauen und verbrannt werden. 20 An ihren Taten also könnt ihr die falschen Propheten erkennen.« Warnung vor Selbsttäuschung

(Lk 11,9-13)

7 »Bittet

und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet! 8 Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. 9 Wer von euch würde seinem Kind einen Stein geben, wenn es um Brot bittet? 10 Oder eine Schlange, wenn es um Fisch bittet? 11 So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten.« Eine einfache Grundregel (Lk 6,31)

die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt ± das ist es, was das Gesetz* und die Propheten* fordern.«

(Lk 6,46; 13,26-27)

21 »Nicht alle,

die zu mir sagen ­Herr, Herr¬, werden in Gottes neue Welt b kommen, sondern nur die, die auch tun, was mein Vater im Himmel will. 22 Am Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: ­Herr, Herr! In deinem Namen haben wir prophetische Weisungen* verkündet, in deinem Namen haben wir böse Geister* ausgetrieben und viele Wunder getan.¬ 23 Und trotzdem werde ich das Urteil sprechen: ­Ich habe euch nie gekannt. Ihr habt versäumt, nach Gottes Willen zu leben; geht mir aus den Augen!¬« Das Gleichnis vom Hausbau

12 »Behandelt

Abschlieûende Mahnung (Lk 13,24)

13 »Geht

durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso die Straûe, die dorthin führt. Viele sind auf ihr unterwegs. 14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal. Nur wenige finden ihn.« Warnung vor falschen Propheten (Lk 6,43-44)

(Lk 6,47-49)

24 »Wer

diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute. 25 Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, stürzte es nicht ein, weil es auf Fels gebaut war. 26 Wer dagegen diese meine Worte hört und sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten, der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, fiel es in sich zusammen und alles lag in Trümmern.«

euch vor den falschen Propheten! a Sie Die Wirkung der Bergpredigt sehen zwar aus wie Schafe, die zur Herde gehören, in Wirklichkeit sind sie Wölfe, die auf Raub 28 Als Jesus seine Rede beendet hatte, waren alle von seinen Worten tief beeindruckt. 29 Denn er aus sind. 16 An ihren Taten sind sie zu erkennen. Von lehrte wie einer, der Vollmacht von Gott hat ± Dornengestrüpp lassen sich keine Weintrauben ganz anders als ihre Gesetzeslehrer*. 15 »Hütet

a Ihr Auftreten wird für die Zukunft angekündigt (siehe die Vergleichsstellen). In den frühen christlichen Gemeinden hat der Prophet eine wichtige Aufgabe; siehe Sacherklärung »Prophet (3)«. b Wörtlich in die Königsherrschaft* der Himmel. 7,7 Jer 29,13-14 S; Mt 18,19; 21,22 par; Jak 1,5; Joh 15,16 S 7,11 Jak 1,17 7,12 5,17 S; Röm 13,8-10; Gal 5,14 7,13-14 Lk 13,24 S 7,14 Apg 14,22 7,15 (falsche Propheten) Dtn 13,2-4; Jer 14,13-15S; Mt 24,11.24 par; Apg 20,29; 2 Kor 11,13-15; 2 Petr 2,1; 1 Joh 4,1 7,16-18 12,33 par 7,16 Jak 3,12 7,17 Gal 5,19-23 7,19 3,10 par; Joh 15,2.6 7,21 6,10 S; (nur die) 7,24-27 par; 21,28-31; Röm 2,13; Jak 1,22-25; 2,14-26 7,23 25,12; 2 Tim 2,19 7,24-27 7,21 S 7,28-29 Mk 1,22 par


343

ANHANG


344

INHALT Nachwort zur Ăœbersetzung . . . Sacherklärungen . . . . . . Zeittafel . . . . . . . . . Stichwortverzeichnis . . . . . Register zu den Landkarten in Farbe Kartenskizzen . . . . . . .

. . . . . .

. . . . . .

. . . . . .

. . . . . .

. . . . . .

. . . . . .

345 349 415 423 441 444


NACHWORT

345

NACHWORT

Zum Charakter dieser Übersetzung Von einer Übersetzung wird erwartet, dass sie die Aussagen ihrer Vorlage unverfälscht, genau und verständlich wiedergibt. Bei der Verschiedenheit der Sprachen ist dieses Ziel nicht einfach dadurch zu erreichen, dass die fremdsprachige Vorlage Wort für Wort in die eigene Sprache umgesetzt wird. Auch die Forderung, einen Begriff der fremden Sprache jeweils mit ein und demselben Begriff der eigenen Sprache wiederzugeben, geht an der Sprachwirklichkeit vorbei. Sowenig der Satzbau in den verschiedenen Sprachen übereinstimmt, sowenig decken sich die oftmals breit gefächerten Bedeutungen eines Begriffs in der einen Sprache völlig mit denen eines entsprechenden Begriffs in der anderen. Wie beim Satzbau, so muss der Übersetzer daher auch bei der Wortwahl den Gesetzen der eigenen Sprache Rechnung tragen und aus den möglichen Bedeutungen eines fremdsprachigen Begriffs diejenige zum Ausdruck bringen, die im jeweiligen Zusammenhang des Originals beabsichtigt ist. Das gilt in besonderem Maû für eine Übersetzung, die ± soweit irgend möglich ± für Leserinnen und Leser ohne besondere Vorkenntnisse und zusätzliche Erklärungen verständlich sein möchte. Ihr oberster Grundsatz heiût: Der Sinngehalt des fremdsprachigen Textes muss einen der eigenen Sprache angemessenen Ausdruck finden. Eine sklavische Bindung an formale Eigentümlichkeiten des fremdsprachigen Textes ist hier nicht am Platz (z. B. die Voranstellung der Negation »Nicht sollst du stehlen« in 2 Mose/ Exodus 20,15 oder Genitivkonstruktionen wie »Straûen der Rechtheit« statt »sichere Wege« in Psalm 23,3). Die sprachliche Form des Originaltextes muss notfalls preisgegeben werden, damit sein Inhalt in unserer Sprache angemessen und unmittelbar verständlich wiedergegeben werden kann. Ein solcher Übersetzungstyp wird »kommunikativ« genannt, weil er auf Kommunikation angelegt ist, d.h. sich an den Verstehensmöglichkeiten einer breitgestreuten Zielgruppe orientiert. Eine Übersetzung, die nach diesem Grundsatz verfährt, vereint die selbstverständliche

Treue zum Original mit dem Bemühen um gröûtmögliche Verständlichkeit. Sie kann genauer als eine »wörtliche« Übersetzung angeben, was die Aussage des Textes an einer bestimmten Stelle ist. Sie entfaltet den originalen Sinn einer Aussage und schöpft ihn aus, so gut das beim heutigen Stand unserer Erkenntnis möglich ist; aber sie fügt ihm keine willkürlichen, textfremden Deutungen hinzu. Wo die Wiedergabe sich, um den Text verständlich zu machen, sehr weit von einer wörtlichen Übersetzung entfernen muss, wird diese in einer Fuûnote angeführt, so dass die Lesenden den Umsetzungsvorgang nachvollziehen können. Ein Beispiel für die Entfaltung eines Begriffs bietet die Wiedergabe von »Himmelreich« oder »Reich Gottes«. Die wörtliche Übersetzung wird heute von den meisten missverstanden ± als ginge es um ein Reich, das im Himmel ist; gemeint ist aber in der Bibel: das Herrsein Gottes, der Bereich, in dem dieses Herrsein sich verwirklicht, und alles, was der Mensch aufgrund dieses Herrseins erwarten darf. Je nach dem Textzusammenhang sind deshalb in der vorliegenden Bibelübersetzung verschiedene Entsprechungen gewählt worden: im Blick auf die Gegenwärtigkeit des Gottesreiches »Gott richtet seine Herrschaft auf«; im Blick auf seine Zukunftsdynamik »Wenn Gott sein Werk vollendet ...«; im Blick auf das Vollendungsziel: »Gottes neue Welt« (vgl. die Sacherklärung »Königsherrschaft Gottes«). Es gibt allerdings Fälle, in denen die Form des Textes ein wesentliches Moment der Aussage, des Inhalts, darstellt. Das gilt vor allem für die biblische Bildersprache und die dichterisch geformten Stücke des Alten Testaments. Hier gilt es, nicht nur den Inhalt wiederzugeben, sondern zugleich ein passendes Gegenstück für die Form zu finden: das entsprechende Bild, den angemessenen Rhythmus. Wo die Übersetzung Texte in Versform wiedergibt, ahmt sie nicht einfach die metrische Form des Originals nach, sondern bedient sich entsprechender Formen aus unserem eigenen Kulturkreis, weil unsere Reaktion auf sprachliche Formen durch eben diese Kultur bedingt ist. Aus diesem Grund wurde bei der Über-


346

NACHWORT

setzung der Prophetenbücher auf die Versform sogar weitgehend verzichtet, obwohl im Original die meisten Prophetensprüche metrisch geformt sind. Im altisraelitischen Kulturkreis verlieh die poetische Form einer Aussage erhöhten Nachdruck, während sie ihr für unser Sprachgefühl den Charakter des Subjektiven oder gar Erdichteten aufprägt. Und das würde dem Anspruch der prophetischen Botschaft genau widersprechen. Die gründliche Überarbeitung der »Guten Nachricht« 1997 war von der Absicht geleitet, den Textsinn noch genauer und treffender wiederzugeben, aber auch die in Bildwahl und Sprachform der Originaltexte beschlossene Information noch besser zu berücksichtigen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Es macht eben auch einen Unterschied im Informationsgehalt, ob ich in den Prophetenbüchern einfach formuliere »Der Herr sagt« oder dem Original entsprechend »Das Wort des Herrn erging« und »So spricht der Herr«. Durchgängig wurde die straffende Wiedergabe breit und wiederholungsreich formulierter Texte auf ihre Angemessenheit geprüft und in vielen Fällen eine ausführlichere Fassung gewählt. Auch auf zahlreiche Umstellungen in der Informationsabfolge konnte verzichtet werden. Als Nebenergebnis dieser veränderten Übersetzungsstrategie hat sich die Anzahl der in der Zählung zusammengefassten Verse um mehr als ein Drittel verringert. Ganz bewusst wurde bei der Überarbeitung auch wieder die Brücke zu vertrauten Begriffen geschlagen. So werden die Grundwörter der Theologie des Apostels Paulus, Glaube und Gerechtigkeit, jetzt beibehalten und zugleich in entfaltender Wiedergabe verdeutlicht (vgl. Römer 1,16-17; 3,21-31; siehe die Seiten 194 und 197 im Neuen Testament). Nicht zuletzt ist es ein Anliegen der neubearbeiteten »Guten Nachricht«, eine Sprachform zu finden, die Frauen nicht diskriminiert oder ausgrenzt. Dabei geht es nicht um die kurzsichtige Anpassung an einen Modetrend, sondern um einen Akt der Gerechtigkeit. Dass die Bibel aus einer patriarchalisch bestimmten Welt kommt, ist eine Tatsache, die sich in Sprache und Inhalt vielfältig niederschlägt. Die Übersetzung darf und will dies in keiner Weise vertuschen. Aber daneben gibt es den oft verkannten Anteil von Frauen an Werden und Geschichte des Volkes Israel, und es gibt unübersehbare Impulse zu einer Neuorientierung im Sinne der Gleichwertigkeit von Mann und Frau im Kreis der Menschen, die sich Jesus anschlossen, sowie in den frühen

christlichen Gemeinden. Diese Impulse sind durch männerzentrierte Auslegungs- und Übersetzungstraditionen verschüttet worden, wie sich beispielhaft an der Anrede »Brüder« in den Paulusbriefen erkennen lässt (siehe dazu die Sacherklärung »Bruder«). In Anknüpfung an diese Impulse sucht die Übersetzung eine Sprache zu finden, die Männer und Frauen in gleicher Weise anspricht. Es werden Anstöûe aus dem Weg geräumt wie das gedankenlos viel zu häufig gebrauchte Wörtlein »man«; es wird aber zugleich darauf bestanden, dass der nach der grammatischen Form »männliche« Plural für Personengruppen (Griechen, Juden usw.) nach allgemeinem deutschem Sprachgebrauch Frauen prinzipiell einschlieût und nicht der disjunktiven Ausfaltung (in »Griechen und Griechinnen« usw.) bedarf. Die Textgrundlage der Übersetzung Übersetzt wurde aus den hebräischen, aramäischen und griechischen Grundtexten nach den jeweils neuesten wissenschaftlichen Ausgaben. Für das Alte Testament liegt zugrunde die älteste vollständig erhaltene hebräisch-aramäische Handschrift, der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008 n. Chr., der in der Biblia Hebraica Stuttgartensia abgedruckt ist. Er bietet die Textform, die von den jüdischen Überlieferern, den sog. Masoreten, zwischen 750 und 1000 n. Chr. einheitlich festgelegt worden ist. Da der Zeitpunkt dieser Festlegung von der Abfassungszeit der betreffenden Schriften viele Jahrhunderte entfernt ist, können Übermittlungsfehler nicht ausgeschlossen werden. Tatsächlich ist es immer wieder möglich, unverständliche oder schwer verständliche Stellen mit Hilfe älterer Handschriften (z. B. aus Qumran) sowie der alten Übersetzungen zu erhellen. Die alten Übersetzungen (vor allem die griechische, syrische und altlateinische) können als Zeugen für einen ursprünglicheren Text herangezogen werden, weil sie zum Teil lange vor der Festlegung des Textes durch die Masoreten angefertigt worden sind, auf der Grundlage von älteren hebräischen Handschriften, die uns nicht erhalten blieben. Die Übersetzung geht jedoch nur in gut begründeten Fällen vom Text der Masoreten ab und verzeichnet solche Abweichungen regelmäûig in einer Fuûnote. In der Beurteilung der Textüberlieferung schlieûen sich die Übersetzer weitgehend dem Urteil einer Gruppe von Fachleuten der alttestamentlichen Wissenschaft an, die im Auftrag des


NACHWORT

Weltbundes der Bibelgesellschaften Entscheidungshilfen für Bibelübersetzer erarbeitet haben (Preliminary and Interim Report on the Hebrew Old Testament Text Project, Band 1 bis 5, United Bible Societies, Stuttgart 1976±1980 und Dominique BarthØlemy, Critique textuelle de lAncien Testament, Band 1 bis 3 [Orbis Biblicus et Orientalis 50/1 bis 50/4], Fribourg/Schweiz und Göttingen 1982, 1986, 1992, 2005). Für das Neue Testament wurde der griechische Text zugrunde gelegt, wie er in der 27. Auflage des Novum Testamentum Graece von Nestle-Aland und der 4. Auflage des Greek New Testament der United Bible Societies gleichlautend vorliegt. Diese Textfassung wurde von einem internationalen und interkonfessionellen Team von Fachleuten im Auftrag der Bibelgesellschaften erarbeitet. Wenn die Übersetzung gelegentlich einmal eine andere überlieferte Lesart bevorzugt, geben auch hier die Fuûnoten darüber Rechenschaft. Für die »Spätschriften des Alten Testaments«, die nicht in allen Ausgaben dieser Bibelübersetzung enthalten sind, wurde die Septuaginta-Ausgabe von Alfred Rahlfs und, soweit sie vorliegt, die groûe Göttinger Septuaginta-Ausgabe zugrunde gelegt. Diese Spätschriften, die vollständig nur in griechischer Sprache überliefert sind, zählten zur Zeit der Entstehung des Neuen Testaments zu den Heiligen Schriften des Judentums in der griechisch sprechenden Welt und wurden von der Urchristenheit zusammen mit allen Schriften des Alten Testaments als ihre Heilige Schrift übernommen. Am Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. haben die jüdischen Schriftgelehrten ± auch in Abgrenzung gegen die Christen ± den »Kanon« ihrer Heiligen Schriften auf die Bücher beschränkt, die seither als »Hebräische Bücher« (Biblia Hebraica, hebräisches Altes Testament) überliefert werden. Die Kirche hat jedoch die vom Judentum ausgeschiedenen Schriften bis zur Reformationszeit weiterhin ihrer Heiligen Schrift zugezählt. Erst Martin Luther, der als Erster das Alte Testament aus dem hebräischen Grundtext ins Deutsche übersetzte, hat die nur griechisch überlieferten Schriften des Alten Testaments herausgezogen und ihnen einen Platz direkt vor dem Neuen Testament gegeben als Schriften, die nach seiner Auffassung »der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind«. In der katholischen und den orthodoxen Kirchen sind sie bis heute vollwertiger Bestand-

347

teil des Alten Testaments. Sie werden auch in evangelischen Kreisen zunehmend beachtet als wichtiges Bindeglied zwischen Altem und Neuem Testament und als Voraussetzung für ein besseres Verständnis der neutestamentlichen Schriften. Aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Weltbund der Bibelgesellschaften und dem vatikanischen Sekretariat für die Einheit der Christen über die Erarbeitung und Herausgabe interkonfessioneller Bibelübersetzungen (1968) werden sie in dieser Bibelübersetzung nach Luthers Vorbild vor dem Neuen Testament eingeordnet. In der katholischen Kirche werden diese Schriften als »Deuterokanonische Schriften«, in den evangelischen Kirchen als »Apokryphen« bezeichnet. Für diese Bibelausgabe wurde aufgrund einer Vereinbarung zwischen den evangelischen und katholischen Bibelgesellschaften bzw. Bibelwerken des deutschsprachigen Raums die leichter verständliche Bezeichnung »Spätschriften des Alten Testaments« eingeführt, auch wenn es darunter Schriften gibt, die in etwa gleichzeitig mit den spätesten Teilen des hebräischen Schriftenkanons entstanden sind. Mit der besonderen Geschichte dieser Spätschriften hängt es auch zusammen, dass sie in den verschiedenen Bibelausgaben nach unterschiedlichen Textgrundlagen und mit gelegentlich abweichender Kapitel- und Verszählung wiedergegeben werden. Insbesondere geht die Fassung Luthers aufgrund einer unzulänglichen Textvorlage eigene Wege. Die Kapitel- und Verszählung richtet sich in der Gute Nachricht Bibel nach den erwähnten griechischen Textausgaben, bei Abweichungen nach der Göttinger Ausgabe. Die Reihenfolge der betreffenden Schriften orientiert sich in dieser Bibel an der Abfolge der Schriftengruppen im Alten Testament: geschichtliche Bücher ± Bücher in dichterischer Form (speziell Weisheitsschriften) ± prophetische Bücher. Innerhalb der geschichtlichen Bücher wird die historische Abfolge (der dargestellten Ereignisse, nicht der Abfassung) gewählt. Eine tabellarische Übersicht der Abfolge und Zählung in den verschiedenen deutschen Bibelausgaben findet sich in dem Taschenbuch »Bibelkunde im Überblick«, das 1997 bei der Deutschen Bibelgesellschaft erschienen ist. Von manchen Spätschriften gibt es in der griechischen Überlieferung verschiedene Textfassungen. Das Buch Tobit wird in dieser Bibelübersetzung (anders als in den meisten deutschen Bibelübersetzungen bisher) nach der ausführlicheren Fassung des Codex Sinaiticus wiedergegeben,


348

NACHWORT

die Zusätze zum Buch Daniel nach der Fassung von Theodotion. Vom Buch Sirach sind auûer der griechischen Fassung auch hebräische Fragmente bekannt, die jedoch nur in den Fuûnoten berücksichtigt werden. Dieses Verfahren wurde gewählt, da das griechische Buch Sirach, das allein vollständig vorliegt, nicht eine einfache Übersetzung, sondern eine bewusste Bearbeitung darstellt und in dieser Form in die Heilige Schrift der Alten Kirche aufgenommen wurde. Entstehung der Übersetzung und an der Übersetzung Beteiligte Die Übersetzung ist ein Gemeinschaftswerk von Theologen aus der evangelischen und aus der katholischen Kirche sowie aus dem Raum der evangelischen Freikirchen. Sie wurde erarbeitet im Auftrag der Bibelgesellschaften und Bibelwerke aller deutschsprachigen Länder Europas. Nach einer Vorstufe unter dem Titel Gute Nachricht für Sie ± NT 68, die sich stark an der amerikanischen Übersetzung Good News for Modern Man (Todays English Version) orientierte, erschien 1971 das Neue Testament Die Gute Nachricht in einer stark überarbeiteten, selbständigen Fassung, dann 1977 eine umfangreiche Auswahl aus dem Alten Testament. Die vollständige Bibel mit abermals verbessertem Neuem Testament erschien 1982 unter dem Titel Die Bibel in heutigem Deutsch ± Die Gute Nachricht des Alten und Neuen Testaments. An diesen Textfassungen waren zahlreiche Übersetzer, auch aus der damaligen DDR, beteiligt. Die Endfassung des Textes von 1982 wurde durch einen Redaktionskreis verantwortet, dem als Übersetzer Hellmut Haug, Rudolf Kassühlke und Joachim Lange angehörten, dazu als Vorsitzender Siegfried Meurer (Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart), als Übersetzungsberater des Weltbundes der Bibelgesellschaften Jan de Waard, als Vertreter des Bibelwerks in der DDR für das Alte Testament Jürgen Reich und für das Neue Testament Ekkehard Runge. Die Übersetzer wurden beraten durch Fachleute der alttestamentlichen Wissenschaft, deren Namen im Nachwort der Ausgabe von 1982 aufgeführt sind. Die Revision von 1997 lag in den Händen der drei Hauptübersetzer von 1982, dazu trat für das Alte Testament Rolf Schäfer. Beraten wurden die Übersetzer durch Vertreter der Bibelgesellschaften und Bibelwerke sowie durch namhafte Fachleute der Bibelwissenschaft, die kritische Gutachten zu einzelnen Büchern beisteuerten: Al-

fons Deissler (Freiburg), Hubert Frankemölle (Paderborn), Heinz Giesen (Hennef), Walter Groû (Tübingen), Klaus Haacker (Wuppertal), Wilhelm Hemecker (Graz), Hans-Joachim Kittel (Erfurt), Hans-Josef Klauck (Würzburg), Friedrich Lang (Tübingen), Jürgen Roloff (Erlangen), Rudolf Schnackenburg (Würzburg), Heinz Schwantes (Gera), Harald Schweizer (Tübingen), Michael Theobald (Tübingen), Erich Zenger (Münster). Die biblischen Vergleichsstellen wurden von Klaus D. Fricke neu durchgeprüft und ergänzt. Neu ins Blickfeld trat bei der Revision von 1997 der Gesichtspunkt einer frauengerechten Wiedergabe. Es ging dabei nicht um ein Zugeständnis an den »Zeitgeist«, sondern um das berechtigte Anliegen heutiger Frauen, sich durch die Sprachform der Übersetzung nicht ausgegrenzt zu sehen; auûerdem waren traditionelle Fehlübersetzungen aufgrund der früher vorherrschenden männerzentrierten Sichtweise auf den Prüfstand zu stellen (herausragende Beispiele dafür werden in den Sacherklärungen zu »Bruder«, »geweiht (2)« und »Junia« erläutert). Um die Übersetzer in dieser Frage zu sensibilisieren, wurden im Rahmen der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland sieben Frauengruppen gebildet, die 1988/89 fast den gesamten Text der Bibelausgabe von 1982 durcharbeiteten, Anstöûe notierten und Verbesserungsvorschläge machten. Kritik und Vorschläge wurden zusammengefasst von der Initiatorin dieser Aktion, Hildburg Wegener, in Band 1 der Reihe »Bibel im Gespräch«: Die vergessenen Schwestern. Frauengerechte Sprache in der Bibelübersetzung, Stuttgart 1993; dort sind auch die Namen der beteiligten Frauen verzeichnet. Während der Revisionsarbeit wurden die Übersetzer beraten durch Susanne Gillmayr-Bucher, Monika Fander, Hannelore Jahr, Renate Jost und Beate Stemmer. (Der Niederschlag im Text von 1997 wird erörtert in Band 5 der erwähnten Reihe: Die neue Gute Nachricht Bibel, Stuttgart 1998, S. 41 ff., 62 ff.) Die Gedichtfassung des »Weinbergliedes« in Jesaja 5 wurde im Rahmen einer Ausschreibung in der Zeitschrift Bibelreport (1974, Heft 4, Seite 13) von Almuth Mayer geschaffen. An der Erfassung und wiederholten Korrektur der Texte haben mitgewirkt Christine Hertel, Thea Hertlein und Brigitte Reichel; um die Korrektur der Fassung 2000 in neuer Rechtschreibung hat sich insbesondere Claus Keller verdient gemacht.


SACHERKL ¾RUNGEN

349

SACHERKL¾RUNGEN Erklärt werden die Wörter, die im Bibeltext einen Stern (*) tragen. Zu den Abkürzungen der biblischen Bücher siehe in den blauen Farbseiten von Seite 4 sowie die Seiten 12-13, zu den Kürzeln für die farbigen Landkarten siehe Seite 441 des Anhangs. Ein Pfeil (!) vor einem Wort verweist auf die entsprechende Sacherklärung. (Lk 13,16; 19,9; Mt 3,9 par). Erwartet wurde, A dass die Nachkommen Abrahams bzw. die unAaron Der Bruder von ! Mose (Ex 4,14; 6,20). ter ihnen, die im letzten Gericht als ! gerecht Er steht beim Auszug aus ¾gypten als Helfer anerkannt werden, mit ihm am Festmahl in und während der Wüstenwanderung als Pries- Gottes neuer Welt teilnehmen dürfen (Mt ter neben der prophetischen Führergestalt 8,11 par; Lk 16,22). Im Neuen Testament ist AbMose und ist in späterer Sicht der erste ! raham Vorbild des Glaubens (Röm 4; Hebr 11,8Oberste Priester und Ahnherr der legitimen Je- 19; vgl. Gen 15,6) und Vater des neuen Gottesrusalemer Priesterschaft. Im Neuen Testament volkes, der Glaubenden aus allen Völkern (Röm wird er zum Vor- und Gegenbild des wahren 4,11-12). Obersten Priesters Christus (Hebr 5,4; 7,11). Achaia Römische Provinz im südlichen Teil des Abba Aramäisch »(lieber) Vater«, als Anrede im heutigen Griechenland mit der Hauptstadt Familienkreis gebraucht. Jesus verwendete das Korinth. An sie und die Hafenstadt Kenchreä Wort in der Gebetsanrede an Gott (Mk 14,36) (Röm 16,1) ist gedacht, wenn Paulus von den und brachte damit die innige Verbundenheit Christen »in Achaia« spricht. mit seinem himmlischen Vater zum Ausdruck. Achortal Der Name bedeutet Unglückstal. Die Der ! Geist, den Jesus den Seinen schenkt, Lage ist umstritten, entweder am Nordwestengibt ihnen Anteil an dieser vertrauten Gottes- de des Toten Meeres (Karte LA, C6) oder im nähe, wenn er sie ermächtigt und ermutigt, im Nordwesten von Jericho in der Nähe der Stadt geistgetragenen Gebet Gott genau wie Jesus als Ai (Karte LA, B1). Das Tal spielt im Zusammen»Abba« anzurufen (Röm 8,15; Gal 4,6). Auch im hang der Inbesitznahme des Landes ! Kanaan damaligen Judentum ist die vertraute Anrede eine Rolle: Hier wurde Achan, der sich an gegelegentlich bezeugt, gebräuchlich war jedoch banntem Gut (! Bann) vergriffen hatte, mit das feierliche »Ab«. seiner gesamten Familie gesteinigt und damit Abel ! Kain. vom Besitz des Landes ausgeschlossen (Jos 7,24Abendmahl ! Mahl des Herrn. 26). Bei Hosea (Hos 2,17) wandelt sich das »UnAbendopfer Im ! Tempel in Jerusalem wurde glückstal« zum Hoffnungszeichen, wenn Israel täglich am Morgen und am Abend ein ! durch eben dieses Tal zum zweiten Mal von Brandopfer dargebracht (Ex 29,38-42; Num Gott in sein Land geführt wird. 28,3-8), wobei laut jüdischer Überlieferung der Adam Nach Gen 2±3 der erste von Gott geschafAbend um 15 Uhr begann. fene Mensch (ursprünglich kein Eigenname, Abgrund Der unterirdisch gedachte Aufenthalts- sondern einfach das hebräische Wort für ort dämonischer Mächte (Lk 8,31; Offb 9,1.11) »Mensch«; vgl. die Anmerkungen zu Gen 2,7 und des ! Antichrist vor seinem Auftreten (Offb und 3,17). Er übertrat Gottes Verbot, aû von der 11,7; 17,8), aber auch das Verlies, in dem der ! Frucht, die ihm ein Gott vorbehaltenes Wissen Satan gefangen gehalten wird (Offb 20,1-3). vermitteln würde, und wurde zur Strafe aus Abib (»¾hrenmonat«) Althebräischer Monat, dem ! Paradies vertrieben. Nach Paulus hat später ! Nisan; etwa Mitte März bis Mitte Adam mit seinem Ungehorsam das Schicksal April. der ganzen Menschheit geprägt. Seither ist das Abraham Stammvater Israels (zum Namen vgl. menschliche Leben durch Sünde und Tod beGen 17,4-5). Wer zum erwählten Volk Israel ge- stimmt, ein Verhängnis, in das jeder Mensch hört, ist »Sohn« oder »Tochter« Abrahams hineingeboren wird; doch trägt er zugleich die


350

SACHERKL ¾RUNGEN

volle Verantwortung, denn jeder Mensch will rer und im Frieden durch Rechtsprechung. Sie sein eigener Herr sein, sich selbst behaupten ± bildeten eine Art Adel. auch und gerade Gott gegenüber. Christus hat Aus Vertretern dieser Stammesältesten bildete dieser Verstrickung von Verhängnis und Schuld sich vermutlich das gesamtisraelitische Greein Ende gesetzt. Er ist der »zweite Adam«, der mium der »¾ltesten Israels« (2 Sam 5,3; 1 Kön eine neue Menschheit eingeleitet hat. Er holt 8,1). In den Städten entwickelte sich aus der die Menschen aus ihrer Gottferne in die Ge- ¾ltestenverfassung eine Art Stadtaristokratie, meinschaft mit Gott zurück, sodass sie Gott ge- die als lokale Behörde die Ortschaft verwaltete horsam sein und das wahre Leben gewinnen und Recht sprach. Unter dem Königtum verlokönnen (Röm 5,12-21; 1 Kor 15,21-22). ren die ¾ltesten an Einfluss, gewannen ihn Adar Der 12. Monat nach dem babylonischen ! aber neu im babylonischen ! Exil (Jer 29,1) Kalender, etwa Mitte Februar bis Mitte März. und nach der Rückkehr (! ¾ltestenrat). In den Agrippa ! Herodes (5, 6). jüdischen Gemeinden auûerhalb Palästinas war Alarmhorn ! Widderhorn. die Verwaltung zumindest der ! Synagoge Allerheiligstes Der innerste Raum des ! Heili- einem ¾ltestenrat unterstellt. gen Zeltes und des Jerusalemer ! Tempels, der Nach jüdischem Vorbild wurde auch ein Teil als Gottes »Wohnung«, der Ort seiner unsicht- der christlichen Gemeinden ursprünglich von baren Gegenwart, ihm allein vorbehalten war. einer Gruppe von ¾ltesten geleitet (Apg 14,23; Der dunkle, fensterlose Raum ± im Jerusalemer 20,17; 1 Tim 5,17-22; Tit 1,5). Diese Leitungsform Tempel ein Kubus von 5 m Seitenlänge ± ent- scheint in der Jerusalemer Urgemeinde ihre hielt die ! Bundeslade mit den Gesetzestafeln Wurzeln zu haben (Apg 11,30; 15,4.6; 21,18). Zur und der Deckplatte, an der einmal im Jahr am weiteren Entwicklung ! Gemeindeleiter. ! Versöhnungstag vom ! Obersten Priester In der Offenbarung (Offb 4±5) sind die 24 ¾ltesdie Sühnehandlung vollzogen wurde (Lev ten eine Art himmlischer Thronrat mit zu16,11-17); sonst durfte dieser Raum nicht betre- gleich königlichen und priesterlichen Funkten werden. tionen. Alo (1) Kostbares Parfüm, das aus dem indi- ¾ltestenrat Das leitende Gremium der jüdischen Adlerholzbaum gewonnen wurde (Ps schen Gemeinde nach der Rückkehr aus dem 45,9; Hld 4,14; Spr 7,17). babylonischen ! Exil (vgl. Esra 5,9; 10,8). In (2) Wohlriechendes Öl, das aus den fleischigen der Makkabäerzeit wird es mehrfach neben Blättern der Aloe-Pflanze gewonnen und unter den führenden Männern aus der Makkabäeranderem beim Einbalsamieren von Toten ver- familie erwähnt. In der römischen Zeit ist es als wendet wurde (Joh 19,39). Synedrium (in dieser Übersetzung »Jüdischer Alraunfrucht Die Frucht der Alraune ist klein, ! Rat«) bekannt. scharf riechend und ähnelt einem Apfel. Sie galt Amalek(iter) Nomadenstamm auf der nördals Mittel zur Förderung der Fruchtbarkeit. lichen Sinaihalbinsel, in der Frühzeit gefährAltar Opfertisch im Freien aus Erde oder Stein licher Feind Israels (Ex 17,8-16; Ri 3,13; 6,3.33; (Ex 20,22-26), auf dem Opfertiere verbrannt 1 Sam 15; 27,8; 30,1-20; 1 Chr 4,43). wurden (! Opfer). Kleinere Altäre dienten der Amen Das (hebräische) Wort hat den Sinn von Verbrennung von Weihrauch (! Räucheropfer »So ist es/So sei es!«, wenn es von der Gemein!Räucheraltar, ! Räuchersäule). Wenn im de zur Bestätigung von Segen oder Fluch ausgeZusammenhang mit dem ! Heiligen Zelt oder rufen wird (Dtn 27,15-26) oder die Gemeinde dem Jerusalemer ! Tempel vom Altar ohne sich mit diesem Wort hinter das Gebet eines nähere Kennzeichnung gesprochen wird, ist Einzelnen stellt (1 Kor 14,16). Im Neuen Testader ! Brandopferaltar gemeint. ± Am Altar ment gewinnt das Gebet wie auch das abschlieeines Heiligtums konnten Verfolgte Schutz ûende Amen seine besondere Zuversicht und finden (»Asyl«; Ex 21,13-14; 1 Kön 1,50-51; Festigkeit aus der in Christus erfahrbar gewor2,28-30). denen Treue Gottes und aus der Tatsache, dass ¾lteste Die Stellung der ¾ltesten gründete ur- Christus selbst das Gebet seiner Gemeinde mitsprünglich in der Würde des Alters: In Familie trägt (2 Kor 1,20; an dieser Stelle wird darauf anund Sippe gilt die Autorität der Alten. Obwohl gespielt, dass das Gemeindegebet schlieût mit im Grundsatz alle Familienoberhäupter den den Worten »durch Jesus Christus, unseren gleichen Rang hatten, übten im gröûeren Ver- Herrn, Amen«). band des Stammes die Häupter der mächtigsten Die Einleitung von Jesusworten mit »Amen« Familien die Autorität aus, im Krieg als Anfüh- drückt aus, dass Jesus selbst die Wahrheit seines


SACHERKL ¾RUNGEN

Wortes verbürgt. In dieser Übersetzung wird das Wort nur beibehalten, wo es im Grundtext verdoppelt steht (Amen, Amen = »Amen, ich versichere euch«), sonst wird es durch die Formel »Ich versichere euch« wiedergegeben. Ammon(iter) Nachbarvolk Israels im südlichen Ostjordanland mit der Hauptstadt Rabba bzw. Rabbat-Ammon (Karte LA, D5/D6). Von David unterworfen, später wieder selbstständig, dann unter der Herrschaft der ! Babylonier und ihrer Nachfolgereiche. Amoriter »Amoriterland« (Amurru) ist die frühbabylonische Bezeichnung für Palästina und Syrien. In der Bibel Bezeichnung für die vorisraelitische Bevölkerung Gesamtpalästinas, aber auch für einen Einzelstamm in Mittelpalästina (neben anderen kleinen Volksgruppen wie u. a. den Girgaschitern, Hiwitern, Perisitern und den in Jerusalem ansässigen Jebusitern; vgl. Dtn 7,1). Amtsschurz Wichtiges Stück der Amtskleidung des ! Obersten Priesters: ein schurzähnliches Kleidungsstück mit breiten Schulterbändern, das vermutlich über dem Priesterhemd und dem Obergewand getragen wurde (Ex 28,6-14; vgl. 28,31.39). Anakiter, Anakssöhne Als riesenhaft geltende Sippen in Hebron und Umgebung, die den israelitischen Kundschaftern Angst einjagten (Num 13,33) und von Josua und Kaleb vernichtet wurden (Jos 11,21-22; 15,13-14). ändern ! Umkehr. Angriffsrampe ! Rammbock. Antichrist Eine Gestalt, in der die Macht des Bösen und der Gottfeindlichkeit in der Endzeit, vor dem endgültigen Sieg Gottes und seines gesalbten Königs (! Christus), persönlich auftritt und die Menschen zu verführen sucht (2 Thess 2,3; das »Tier aus dem Abgrund« von Offb 11,7; 13,1). Der Begriff »Antichrist« kommt nur in 1 Joh 2,18; 4,3 und 2 Joh 7 vor, wo gesagt wird, dass in den Irrlehrern bereits viele kleine »Antichristen« erschienen sind. Apostel Der Titel »Apostel« (= Ausgesandter) ist von der jüdischen Einrichtung des »Gesandten« herzuleiten, der für bestimmte Aufträge mit der Vollmacht des Sendenden ausgestattet wurde (vgl. Mt 10,40; Joh 13,20). (1) Im Urchristentum ist der Titel zunächst auf die Männer angewandt worden, die vom auferstandenen Herrn dazu berufen wurden, die ! Gute Nachricht zu verkünden. Hierzu zählen Petrus und die ! Zwölf (1 Kor 15,5) sowie ein weiterer Personenkreis (1 Kor 15,7; vgl. Röm 16,7), zu dem ± als Letzter und doch die ande-

351

ren weit überragend ± auch Paulus gehört (1 Kor 15,8-10; 9,1). (2) Im Lukas-Evangelium und in der Apostelgeschichte wird der Titel auf den Kreis der Zwölf eingegrenzt (Lk 6,13). Die Zeugen der Auferstehung sollen zugleich Zeugen des Erdenlebens von Jesus sein und die Verlässlichkeit der JesusÜberlieferung von ihrem ersten Anfang an garantieren können (Apg 1,21-26). (3) In Apg 14,4.14 folgt Lukas einem weiter gefassten Sprachgebrauch, der offenbar in der Gemeinde von Antiochia ausgebildet worden war und nach dem der Aposteltitel die vom ! Geist Gottes Berufenen und von der Gemeinde ausgesandten Missionare bezeichnet (vgl. Apg 13,1-3; hierher gehören auch 1 Kor 12,28; Eph 4,11). (4) Der Titel des »Apostels«, vor allem in der unter (3) skizzierten Form, konnte leicht missbraucht werden von Leuten, deren geistliche Qualifikation und gemeindliche Herkunft und Legitimation fragwürdig waren. Mit solchen falschen »Aposteln« hatte Paulus sich in Korinth auseinander zu setzen (2 Kor 11±12; siehe v. a. 11,5.13; 12,11; vgl. auch Offb 2,2). In der Alten Kirche hat sich recht bald der Apostelbegriff von Lukas (2) durchgesetzt (siehe schon Offb 21,14). Doch wurde auch Paulus stets als Apostel anerkannt und wegen seiner überragenden Bedeutung an die Seite von Petrus gestellt. Aram (Aramäer, -land) (1) Bezeichnung für das Aramäerreich von Damaskus (! Syrer). (2) Aram-Naharajim (Aramäerland; eigentlich »Aram zwischen den beiden Strömen«). Im Hebräischen Bezeichnung für das obere Mesopotamien (so die Übersetzung) als Heimat der Aramäer, semitischer Volksgruppen, zu denen auch Abraham und seine Nachkommen zählten (vgl. Gen 25,20; Dtn 26,5). Aramäisch Diplomaten- und Schriftsprache im Babylonischen und Persischen Reich, dialektverwandt mit dem ! Hebräischen, das als Volkssprache im Land Israels nach dem ! Exil zunehmend vom Aramäischen abgelöst wurde. Arche Lehnwort vom lateinischen arca, das wie das entsprechende hebräische Wort (Gen 6,14 usw.) »Kasten« bedeutet. Bezeichnung für das kastenartige Schiff, in dem die Familie Noachs und die Tiere vor der ! Sintflut gerettet wurden. Archelaus Sohn von Herodes dem Groûen; ! Herodes (2). Areopag Das Wort bedeutet »Areshügel«. Dort tagte in alten Zeiten der Oberste athenische Gerichtshof. In der römischen Zeit hatte er seine


081674