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C : 100 M : 60 J:0 N:0 Médecins du monde - Identité visuelle ALLEMAGNE

08/07/2009

2012 Jahresbericht

DIE WELT VERGISST SCHNELL. WIR HELFEN WEITER.


C : 100 M : 60 J:0 N:0

Ärzte der Welt e.V. Augustenstraße 62 80333 München Médecins du monde - Identité visuelle ALLEMAGNE

08/07/2009

Ab 1. September 2013: Leopoldstraße 236 80807 München Telefon +49 (0)89 4 52 30 81-0 info@aerztederwelt.org www.aerztederwelt.org www.medecinsdumonde.org www.mdm-international.org

Impressum © Ärzte der Welt e.V. V. i. S. d. P.: Prof. Dr. H.- J. Zenker ( Vorstandsvorsitzender ) Redaktion Ute Zurmühl Stephanie Meyer-Steidl Mit Unterstützung von: Marion Chenevas, Rosa Gaube, Brigitte Geißinger, Gabriele Jüttner, Natascha Petersen, Bettina Rademacher, Katharina Radmüller Stand Juni 2013 Quellen World Health Organization (WHO): World Health Statistics 2012; Human Development Reports 2012; Weltbank: data.worldbank.org Titelbild © Sasha Petryszyn Rückseite © Shahzad Jamil Gestaltung Media Company – Agentur für ­Kommunikation GmbH Druck Mit freundlicher Unterstützung der Bosch-Druck GmbH

Ärzte der Welt e.V. ist als gemeinnützige ­Organisation anerkannt. Spenden sind s­ teuerlich abzugsfähig. Seit April 2006 erhält Ärzte der Welt jährlich das DZI-Spendensiegel als Zeichen für Vertrauens­ würdigkeit und erfüllt so die strengen Kriterien des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Sie können unsere Arbeit auch dauerhaft unter­ stützen. Mehr Infos unter www.aerztederwelt.org oder telefonisch: 089 4 52 30 81-0 Für Ihre einmalige Spende nutzen Sie bitte den Überweisungsträger, der dieser Broschüre beiliegt, oder folgendes Spendenkonto: Stichwort: Hilfe weltweit Deutsche Kreditbank (DKB) Kontonummer: 1004 333 660 BLZ: 120 300 00 IBAN: DE06 1203 0000 1004 3336 60 SWIFT BIC: BYLADEM1001 Mitgliedschaften VENRO, Nord-Süd-Forum München, Aktions­ bündnis gegen AIDS. Außerdem ist Ärzte der Welt Mitglied im Koordinierungsausschuss „Humanitäre Hilfe“ des Auswärtigen Amtes und beim Arbeitskreis Medizin in Entwicklungsländern (AKME).

www.bosch-druck.de

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir an einigen Stellen dieses ­Jahresberichts bei geschlechtsspezifischen Begriffen nur die maskuline Form verwendet. Selbstverständlich sind trotz der Vereinfachung ausdrücklich beide Geschlechter gemeint. © Foto: Natascha Petersen

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI)

Zeichen für Vertrauen


3 Vorwort

Vorwort

„Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen…“. So formuliert es die Allgemeine Er­ klärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Unser An­ liegen ist es, allen Menschen einen Zugang zur Gesundheits­ versorgung zu ermöglichen – ob im Ausland oder hier bei uns. Denn als eine der wenigen internationalen Hilfsorganisationen setzen wir uns auch für bedürftige und benachteiligte Menschen in Deutschland ein. 2012 war wieder ein Jahr voller Herausforderungen: Auf der ganzen Welt flohen Menschen vor Krieg und Hunger; Armut und Diskriminierung bestimmten den Alltag unzähliger Frauen, Männer und Kinder. Und wenn die Lebensumstände schwierig sind, wird Kranksein zu einer besonderen Belastung. Als humanitäre Hilfsorganisation haben uns im vergangenen Jahr vor allem die Krisen in Syrien, Pakistan und Mali beschäftigt; in Ländern wie Kenia, ­Somalia oder Haiti sind die Nachwirkungen der Hungerkatastrophe und des Erdbebens immer noch zu spüren. Ärzte der Welt war auch 2012 als starker Partner vor Ort – kurz- und langfristig. Unterstützungsbedarf gibt es auch hierzulande. Immer mehr Menschen können sich eine angemessene Gesundheitsversorgung nicht mehr leisten. Ärzte der Welt bietet Betroffenen ohne Krankenversicherung und Menschen, die aus dem sozialen Netz gefallen sind, kostenfreie medizinische Versorgung an. Dass der Bedarf groß ist, zeigen die Patientenzahlen aus unserer Anlaufstelle open.med in München: Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2006 ist die Zahl der Konsultationen dort um das Dreifache gestiegen.

© Ärzte der Welt

Liebe Freundinnen und Freunde von Ärzte der Welt,

quantitative und qualitative Zahlen aus unseren Projekten in Europa analysiert hat. Das besorgniserregende Ergebnis: Die Sparmaßnahmen der Staaten haben direkte Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen – Sparen macht krank.

Ausblick 2013 In Zukunft wollen wir die Hilfe weiter ausbauen und das Engagement verstärken. Der integrative Ansatz von Ärzte der Welt, im Ausland Not zu lindern und auch vor der eigenen Haustür für ­Menschen am Rande der Gesellschaft da zu sein, wird wertgeschätzt. Das beweist die wachsende Zahl von Spendern und Unterstützern: Im vergangenen Jahr konnten wir unsere Einnahmen durch Spenden und Zuschüsse mehr als verdoppeln. Die steigenden Projektbewilligungen seitens staatlicher Geldgeber und Stiftungen sowie die regelmäßigen Medien-Berichte über Ärzte der Welt machen ebenfalls deutlich, wie hoch das Vertrauen in unsere Arbeit ist. Erst durch Sie wird unsere Arbeit möglich. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Förderern, Spender/-innen und den vielen engagierten Ehrenamtlichen ganz besonders bedanken.

Herzlichst, Ihr Neben der direkten humanitären Hilfe ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit das politische Engagement. Auf europäischer Ebene setzen wir uns beispielsweise für ein solidarisches Gesundheitssystem ein. 2012 stellte das Netzwerk einen Bericht vor, der

Prof. Dr. med. Heinz-Jochen Zenker MPH Präsident Ärzte der Welt Deutschland


4 Ärzte der Welt

DAS INTERNATIONALE NETZWERK Ärzte der Welt Ziele und Aufgaben Ärzte der Welt ist die deutsche Sektion der internationalen humanitären Organisation Médecins du Monde / Doctors of the World. Das Netzwerk Ärzte der Welt arbeitet im Verbund und führte 2012 über 300 Gesundheitsprogramme in 79 Ländern (internationale und nationale Projekte) durch.

Mütter und Kinder medizinisch zu versorgen, ist ein Schwerpunkt in der Arbeit des Netzwerks – wie hier im somalischen Bossaso.

Weltweit leistet das Ärzte der Welt-Netzwerk medizinische Hilfe für benachteiligte Menschen, die von Krisen oder Verfolgung betroffen sind: unabhängig von ihrer ethnischen, sozialen, religiösen und politischen Herkunft. Auf europäischer und internationaler Ebene engagiert sich Ärzte der Welt für einen freien Zugang zur Gesundheitsversorgung als Menschenrecht für alle.

© Sophie Brändström

Internationale Projekte

Inlandsprojekte

Ärzte der Welt ist vor Ort, wenn bei Katastrophen schnell medizinische Hilfe benötigt wird. In der Folge von Krisen helfen die internationalen Teams, Krankenhäuser und Gesundheitsstationen wiederaufzubauen. Sie beraten Gesundheitsbehörden und zivilgesellschaftliche Gruppen der jeweiligen Länder und entwickeln gemeinsam Methoden, um für weitere Krisen besser gerüstet zu sein. Zudem fördert Ärzte der Welt langfristige Projekte der Entwicklungszusammenarbeit: Die Helfer/-innen unterstützen die Gesundheitsversorgung von Menschen, die unter besonders schwierigen Bedingungen leben. Das Ziel ist dabei immer, nachhaltige Lösungen zu finden: Einheimische Akteure führen die Maßnahmen weiter, wenn Ärzte der Welt die Arbeit beendet hat. Vertrauensvolle lokale Partnerschaften sind hierfür eine wichtige Voraussetzung.

Neben den internationalen Projekten setzen sich die Sektionen des Ärzte der Welt-Netzwerkes auch in Europa für den Zugang zu medizinischer Versorgung als humanitäres Grundrecht ein. Im Jahr 2012 führten 14 Netzwerk-Mitglieder 165 Gesundheitsprogramme in ihren jeweiligen Heimatländern durch.

VerstöSSe gegen Menschenrechte ­aufdecken Bei Verstößen gegen die Menschenrechte – wenn beispielsweise Kranken die Gesundheitsversorgung verwehrt wird oder Zivilisten in Kriegshandlungen hineingezogen werden –, engagiert sich Ä ­ rzte der Welt. Mitarbeiter/-innen veröffentlichen Augenzeugenberichte, mobilisieren die Medien oder intensivieren die Lobbyarbeit mit politischen Entscheidungsträgern.

Das internationale Netzwerk in Zahlen

312

79 147

Programme in

und

165 65

Ländern • Davon

internationale Programme in

14

Inlandsprojekte in

Ländern.

Ländern


5 JahresBERICHT 2012

Hier werden Die internationalen Programme durchgeführt: Maghreb / Naher Osten 17 Programme in 9 Ländern (12%)

Afrika 66 Programme in 25 Ländern (45%) 

Asien 24 Programme in 13 Ländern (16%) europa 6 Programme in 5 Ländern (4%)

Lateinamerika 34 Programme in 13 Ländern (23%)

Gesamtbudget:  2012 betrug das Gesamtbudget des Netzwerkes

110 Millionen Euro.


6 DAS INTERNATIONALE NETZWERK Ärzte der Welt

Ärzte der Welt

Schwerpunkte der Aufgaben 2012 Interview mit Dr. Andreas Schultz, Direktor von Ärzte der Welt Deutschland

Was hat die Arbeit von Ärzte der Welt im Jahr 2012 besonders geprägt?

Der Mediziner Andreas Schultz leitet seit 2011 die deutsche Sektion von Ärzte der Welt. © Ärzte der Welt

Nach wie vor war es die Not- und Krisenhilfe in Ländern, die in den letzten Jahren von großen Katastrophen heimgesucht worden sind: Somalia, Kenia und immer noch Haiti. Darüber hinaus lag ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit im Bürgerkriegsland Syrien. Was die längerfristige Entwicklungszusammenarbeit angeht, war Ärzte der Welt vor allem in Ostasien engagiert. Sehr wichtig war und ist die Projektarbeit in Deutschland – für Menschen ohne Zugang zum Gesundheitssystem.

Hat sich die europäische Wirtschaftskrise auf die Arbeit von Ärzte der Welt ausgewirkt? Ja, weil die Gesundheitssysteme ebenfalls immer mehr unter der Krise leiden. Das bekommen vor allem die Menschen am Rande der Gesellschaft, wie beispielsweise Migranten, zu spüren. Dramatisch verschlechtert hat sich die Situation in Griechenland, davon berichtet auch die dortige Ärzte der Welt-Sektion. Wir stehen in Kontakt mit den Kollegen und unterstützen ihre Arbeit finanziell.

Was war neben der konkreten Hilfe in 2012 außerdem bedeutsam? Grundsätzlich wollen wir Ärzte der Welt immer mehr zu einer Organisation weiterentwickeln, die ein breiteres Spektrum von Hilfsleistungen anbietet: von der Hilfe in Deutschland über die reine Not- und Krisenhilfe bis hin zu einer langfristigen

Entwicklungszusammenarbeit weltweit. 2012 haben wir zwei neue Projekte in Togo und in PapuaNeuguinea angestoßen, die verstärkt in diese Richtung gehen. Daneben ist und bleibt es ein Fokus unserer Arbeit, die Mutter-Kind-Gesundheit zu verbessern; sie ist der wirksamste Hebel in der Gesundheitsentwicklung. Und es hat sich gezeigt, dass man hier mit einfachen Mitteln unglaublich viel erreichen kann. Ein Beispiel: Wenn Mädchen und Frauen im Gesundheitsbereich aufgeklärt und weitergebildet werden, wäre es möglich, die Kindersterblichkeit um fast 50 Prozent zu reduzieren – und das ohne direkte Gesundheits­ leistungen!

Aufklärung und Bildung sind also ­ esentliche Bestandteile der Arbeit. w Richtig, aber eben nicht nur im Ausland, sondern auch bei uns. Daher setzen wir seit 2012 verstärkt auf entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Unser Ziel ist es, zu informieren, vor allem über die rasanten Fortschritte, die viele sogenannte Entwicklungsländer in den letzten Jahrzehnten vollzogen haben. Denn die öffentliche Meinung bei uns verharrt in weiten Teilen auf einem veralteten Stand. Die meisten Länder sind jedoch weiter, als wir denken. Was beispielsweise Bangladesch oder Ägypten im Bereich Gesundheit geschafft haben, ist enorm. Dafür wollen wir das Bewusstsein schärfen: weg vom teilweise noch kolonial geprägten Klischee, hin zu einem partnerschaftlichen Miteinander.

Weltweit ist Ärzte der Welt in 79 Ländern engagiert, zum Beispiel in ­Haiti, Syrien oder in Deutschland. © Sasha Petryszyn © Pierre-W. Henry © Thomas Einberger


Das Ärzte der Welt-Netzwerk hat Sektionen in folgenden ­Ländern:

Argentinien / Belgien / Kanada / Deutschland / England / Frankreich / Griechenland / Japan / Niederlande / Portugal / Schweden / Schweiz / ­Spanien / USA


8 Ärzte der Welt

Projekte International

Niederlande Belgien Vereinigtes Königreich Kanada

Spanien

Deutschland Frankreich

Griech

Portugal

Vereinigte Staaten von Amerika

Tunesien Algerien Haiti Mali

Dominikanische Republik

Mexiko Guatemala

Mauretanien Senegal

Honduras

El Salvador

Französisch Guinea-Bissau Guayana (FR) Guinea

Nicaragua Kolumbien

Sierra-Leone Liberia Elfenbeinküste Burkina Faso Togo Benin

Ecuador

Ärzte der WeltNetzwerk Projekte 2012 Peru

Bolivien Paraguay

Uruguay

Argentinien

Sao Tome und Principe

Angola

Niger


9 JahresBERICHT 2012

Projekte International

Schweden

Moldawien Schweiz

henland

Rumänien

Russland

Bulgarien Georgien Afghanistan

Türkei Palästin. Gebiete

Tschad

Japan

Libanon Syrien

Mongolei

Jordanien Ägypten Pakistan Jemen Nepal

Bangladesch Indien

Äthiopien

Somalia

Kenia Uganda Ruanda

Myanmar

Mayotte (FR) Mosambik Réunion (FR) Madagaskar Simbabwe

Die kräftigen Farben sind Projektländer des Ärzte der Welt-Netzwerkes.

Philippinen Kambodscha

Sri Lanka

Demokratische Republik Kongo Tansania

Laos

Indonesien Timor-Leste

Papua-Neuguinea


10 Ärzte der Welt

Syrien: „Es muss sich etwas ­ändern“ Zehntausenden von Menschen hat der Bürgerkrieg in Syrien bereits das Leben gekostet. Millionen sind auf der Flucht. Ärzte der Welt hat 2012 die medizinische Hilfe in der Region weiter ausgebaut.

Dr. Ababneh versorgt die Beinwunde eines kleinen Jungen im Flüchtlings­ lager von Za’atri. © Zoé Brabant

S

elma ist fünf Jahre alt. Sie versteckt sich in der Ecke, kann nur noch stockend sprechen. Jedes laute Geräusch erschreckt sie. In Syrien, kurz vor der Flucht nach Jordanien, hatte ein Soldat das kleine Mädchen zu Boden geworfen. Er stellte seinen Fuß auf ihren Rücken und schoss das Magazin seines Maschinengewehrs leer. Seitdem ist Selma schwer traumatisiert – wie viele andere Kinder, die in den Nachbarstaaten Schutz gefunden haben. „Diese Fälle sind auch für uns Ärzte schwer zu ertragen, da fühle ich mich manchmal

wirklich hilflos. Wir versuchen, den Flüchtlingen das Leben so gut wir können zu erleichtern. Aber wird dieses Mädchen so etwas jemals vergessen können?“, fragt Dr. Ahmed Ababneh, Arzt in der Krankenstation von Ärzte der Welt im Flüchtlingslager Za’atri. Hier, im Norden Jordaniens, leben vor allem Frauen und Kinder. Die medizinischen Teams kümmern sich um sie und sorgen für lebenswichtige Medikamente und für die medizinische Grundversorgung. Allein im Oktober konnten pro Tag 300 Patienten behandelt werden. In der na-


11 JahresBERICHT 2012

Projekte International: ASIEN

hegelegenen Stadt Ramtha unterhält das Ärzte der Welt-Team zusätzlich eine Krankenstation für die Familien, die nicht im Flüchtlingslager leben. Da auch viele Menschen in den Libanon fliehen, wird in der dortigen Bekaa-Ebene zudem eine lokale Organisation mit medizinischem Material und Logistik unterstützt.

Syrien Türkei

Reyhanlı

Syrien

Zypern

Irak

Libanon BekaaEbene Damaskus

© Sasha Petryszyn

Hilfe in Syrien selbst Als sich die Lage zuspitzte, beschloss Ärzte der Welt im Herbst 2012, seine Aktivitäten auszuweiten und auch in der Türkei und in Syrien selbst tätig zu werden. Hier kooperiert die Organisation mit der Syrischen Medizinischen Hilfsorganisation UOSSM. In der Türkei, im Distrikt Antakya, haben die Mediziner ein Zentrum eingerichtet, in dem sich die Flüchtlinge nach schweren Operationen erholen können. Die Flüchtlinge haben viele orthopädische Erkrankungen, die unversorgt zu beträchtlichen körperlichen Schäden führen würden. In der syrischen Region Atmeh (Qah) wurde im Oktober 2012 eine Gesundheitsstation eröffnet. 80 Prozent der im Camp lebenden Inlandsflüchtlinge sind Frauen und Kinder. In die vielumkämpften Regionen können die Teams al-

Qah

lerdings nicht vorstoßen. Stattdessen werden syrische Mediziner und ausgebildetes Pflege­ personal mit Medikamenten und chirurgischen Notfallkits ausgestattet, um die Menschen dort so gut sie können zu versorgen. Ärzte der Welt verurteilte zusammen mit anderen Organisationen in mehreren öffentlichen Erklärungen die anhaltende Gewalt gegen Zivilisten und forderte die Konfliktparteien auf, ihrer Verpflichtung gemäß dem international geltenden humanitären Völkerrecht nachzukommen und einen direkten Zugang zu den Menschen in den Krisengebieten zu ermöglichen.

„Unsere Klinik im Flüchtlingslager ist recht gut ausgestattet. Wir haben die wichtigsten Medikamente vorrätig, sodass wir ­vielen Menschen helfen können. Doch manches ist auch für uns schwer zu ertragen. Wir Jordanier fühlen uns doch mit den ­Syrern verbunden. Da kann man nicht nur zusehen – es muss sich etwas ändern an der Situation in Syrien!“ Dr. Ahmed Ababneh ist jordanischer Arzt und hat die Klinik von Ärzte der Welt in Za’atri mit aufgebaut.

Mittelmeer Ramtha / Zaatari Israel

Jordanien

Saudi-Arabien

Projektorte Za’atri / Jordanien Ramtha / Jordanien Bekaa-Ebene / Libanon Stadt Reyhanlı / Türkei Qah / Syrien Projektziele Verbesserung des Zugangs zur Basisgesundheitsversorgung für syrische Binnenvertriebene in ­Syrien und für syrische Flüchtlinge in der Türkei, im Libanon und in Jordanien Finanzierung Private Spenden, Auswärtiges Amt, Sternstunden e.V.

Statistik Syrien Die UN berichtet Ende 2012 von

60 000 Toten seit Beginn des Bürgerkrieges. Über

300 000

­ yrer sind Ende 2012 in den S ­Nachbarstaaten registriert. Der Großteil der Flüchtlinge sind

Frauen und Kinder.


12 Projekte International: AFRIKA

Statistik Pakistan Kindersterblichkeit:

270

von 1000 L ­ ebendgeburten Müttersterblichkeit:

260

von 100 000 ­Lebendgeburten Lebenserwartung:

65 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

2790 $

Pakistan: Die Unsichtbaren stärken Anfangs verlief sich nur hin und wieder eine Frau in die Gesundheitsstationen, die von den Ärzte der Welt-Teams in der Nord-West-Provinz nahe der afghanischen Grenze unterstützt werden. Zum Arzt gehen, sich untersuchen lassen, vor- und nachgeburtliche Vorsorge in Anspruch nehmen – traditionell ist das kaum möglich für Frauen in dieser Region. Mittlerweile hat sich das geändert.


13 Projekte International: ASIEN

„Am Anfang kamen nur vereinzelt Frauen und Mädchen zu uns. Heute sind wir stolz darauf, dass von 130 Menschen, die morgens vor der Klinik auf einen Termin warten, mehr als die Hälfte Frauen sind. Tief verschleiert sitzen sie getrennt von den Männern, aber sie sind da und wir können ihnen helfen. Auch ihre Kinder bringen sie immer häufiger mit.“ Salah Daraghmeh, Landeskoordinator von Ärzte der Welt in Pakistan

© Ärzte der Welt Pakistan

A

n der Grenze zu Afghanistan ist die Lage mehr als angespannt. Neben den politischen Auseinandersetzungen hatte 2010 auch eine Flutkatastrophe viele Menschen gezwungen, in das Landesinnere zu fliehen. Ärzte der Welt hat insgesamt elf Gesundheitsstationen für die intern Vertriebenen aufgebaut. Zusammen mit den lokalen Gesundheitsstrukturen führen die Teams Basis-Untersuchungen und Impfungen durch und kümmern sich vor allem um unterernährte Kinder.

Pakistan China ProvinzPunjab Afghanistan KPKProvinz

Pakistan

Iran

Karachi

Personen medizinisch versorgt. Der überwiegende Anteil war weiblich (69 Prozent). Dadurch, dass mittlerweile mehr Frauen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, können auch deren Kinder besser versorgt werden. Ein Impfprogramm wurde aufgelegt, und alle 6419 Kinder, die die Kliniken besuchten, wurden untersucht. 322 Kinder, die schwer mangelernährt waren, ­erhielten Nahrungsergänzungen. Ihre Eltern nahmen an Beratungen teil, und die Gesundheitshelferinnen begleiteten die Familien, bis die Kinder wieder gesund waren.

Indien

Arabisches Meer

Projektorte KPK Provinz (Nordwest-Provinz) Provinz Punjab Projektziele • Medizinische humanitäre Hilfe für Intern Vertriebene • Hilfe für Frauen mit ­Gewalterfahrung Finanzierung Auswärtiges Amt

Weibliche Teams Seit drei Jahren ist Ärzte der Welt in der Region aktiv. Neben den intern Vertriebenen versorgen sie auch die einheimische Bevölkerung und bilden Gesundheitshelfer/-innen aus, die direkt aus den Gemeinden kommen. Sie ermutigen die Menschen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, klären über Hygienemaßnahmen auf und geben Tipps zur Gesundheitsvorsorge. Und sie stellen die Verbindung dar, um besonders den Frauen die Möglichkeit zur medizinischen Versorgung zu bieten. Viele Frauen haben zuvor noch nie einen Arzt gesehen. Ärzte der Welt richtete deshalb nach Geschlechtern getrennte Gesundheitsstationen ein, damit auch Frauen motiviert werden konnten, die Sprechstunde wahrzunehmen. Da­rüber hinaus wurden systematisch Frauen in die Teams integriert: als Gemeindehelferinnen, als Krankenschwestern oder Ärztinnen. Im zweiten Halbjahr 2012 wurden in der Nord-West-Provinz 39 734

Häuser des Friedens Sehr jung sind sie, die Frauen in den Dar-ulAman, den Frauenhäusern in der Provinz Punjab. Sie kamen hierher, weil sie geschlagen, misshandelt oder mit Säure überschüttet wurden. Häusliche Gewalt ist ein großes Problem in Pakistan. Schätzungen gehen davon aus, dass die Hälfte der Pakistanerinnen daheim Gewalt in unterschiedlichen Ausprägungen erfährt. In den „Häusern des Friedens“ können sie Schutz suchen, wenn das Leid zu groß wird. Ärzte der Welt begleitet diese Frauenhäuser seit vielen Jahren. Der kontinuierlichen Lobbyarbeit des FrauenrechtsNetzwerkes Mumkin Alliance ist es zu verdanken, dass trotz des Widerstands radikaler Randgruppen der Senat von Punjab 2012 ein Gesetz verabschiedet hat, das häusliche Gewalt verurteilt. Ärzte der Welt hat dieses Netzwerk in seiner Arbeit unterstützt.

In den Dar-ul-Aman finden die Frauen Schutz vor häuslicher Gewalt. © Sara Farid


14 Projekte International: ASIEN

Papua-Neuguinea Nordpazifischer Ozean

Papua

Finschhafen Distrikt, Morobe Provinz

Papua ­Neuguinea Port Moresby

Solomon Meer Australien

Projektort Finschhafen Distrikt, Morobe Provinz

Ärzte der Welt

Papua-Neuguinea: Kleiner Pieks mit groSSer Wirkung Papua-Neuguinea hat eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten der Welt. Viele der Todesfälle ließen sich vermeiden – wenn die Kinder geimpft würden. 2012 hat Ärzte der Welt ein neues Projekt initiiert, um das lokale Impf­ programm zu unterstützen.

Projektziel Unterstützung und Erweiterung des vorhandenen Impfprogramms (Basisgesundheitsdienste)

© Natascha Petersen

Finanzierung L’Oréal Deutschland GmbH – ­Geschäftsbereich Vichy

Neben den Gesundheitsposten halten auch mobile Teams Medikamente bereit und impfen die Kinder. Papua-Neuguinea Kindersterblichkeit:

58

von 1000 K ­ indern unter fünf Jahren Müttersterblichkeit:

230

bei 100 000 L ­ ebendgeburten

Lebenserwartung:

62 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

1480 $

Ü

ber schlammige Straßen kämpft sich die Ambulanz langsam den Hügel hinauf. Nach einer endlos erscheinenden Fahrt ist das Ziel endlich erreicht, das Gesundheits­ zentrum Kito. Zusammen mit einigen kleinen Hilfsposten ist es für die medizinische Versorgung von bis zu 9000 weit verstreut lebenden Menschen verantwortlich. Doch Impfen kann das Team in Kito zurzeit nicht: Das Gas ist ausgegangen. Damit werden die Kühlschränke betrieben, die es für die sachgemäße Lagerung der Impfstoffe braucht. Zu Fuß können die Menschen die weiten Strecken bis zum nächsten Gesund-

heitszentrum nicht zurücklegen, öffentliche Verkehrsmittel fahren so gut wie nicht. Ärzte der Welt hat deshalb gemeinsam mit der lokalen Verwaltung ein neues Projekt ausgearbeitet: Künftig sollen mehr Hilfsposten zusätzlich als Impfstationen ausgestattet werden. Das bedeutet, dass sie vor allem Kühlschränke erhalten. Diese werden nach Möglichkeit mit Solarzellen betrieben, um von der Gasversorgung unabhängig zu sein. Die Mitarbeiter der beteiligten Gesundheitsdienste werden an Schulungen teilnehmen, die unter anderem über die internationalen Impfstandards informieren.


15 JahresBERICHT 2012

Projekte International: ASIEN

Myanmar: Von der Dunkelheit befreit Bereits in der Morgendämmerung warten die Patienten vor dem Behandlungsraum. Das Augenarzt-Team ist vor Ort – und zahlreich kommen die Menschen, um sich untersuchen zu lassen. Seit 2011 behandelt Ärzte der Welt in der Provinz Rakhine Patienten mit Grauem Star und anderen Augenkrankheiten. Mit Erfolg.

I

n Myanmar leiden überdurchschnittlich viele Menschen an Grauem Star und verlieren durch diese Krankheit oft sogar ihr Augenlicht. Das müsste nicht sein. Denn relativ einfach und gefahrlos lässt sich die getrübte Linse durch ein Linsenimplantat ersetzen – der Betroffene kann wieder klar sehen. Doch bei einer Einwohnerzahl von rund 59 Millionen Menschen hat Myanmar nur etwa 280 Augenärzte. Viel zu wenige, um die Betroffenen ausreichend versorgen zu können.

Nachhaltig unterstützen Um die Augenheilkunde nachhaltig zu unterstützen, arbeitet Ärzte der Welt mit dem Gesundheitsministerium, den einheimischen Medizinern und der Universitätsklinik Yangon zusammen. So

sollen beispielsweise Schulungen für Ärzte zu speziellen Themen der Augenheilkunde durchgeführt werden. Außerdem hat die Regierung im Jahr 2012 eine Augenärztin für das örtliche Krankenhaus in Thandwe abbestellt. Eine gute Voraussetzung dafür, dass in naher Zukunft eine entsprechende Abteilung am Krankenhaus und ein flächendeckendes Augenprogramm für den Distrikt aufgebaut werden können. Am Krankenhaus in Thandwe ist seit 2011 auch ein ehrenamtliches Team von Ärzte der Welt tätig. Während des zweiwöchigen Einsatzes 2012 konnte das Team 24 Operationen am Grauen Star durchführen. Mehr als 350 Menschen wurden darüber hinaus augenärztlich untersucht und behandelt.

Myanmar China

Bangladesh Indien

Myanmar Rakhine

Vietnam Laos

Naypyidaw Golf von Bengalen Thailand Kambodscha

Projektort Provinz Rakhine Projektziel Langfristige Verbesserung der Augenheilkunde Finanzierung Olympus Europa Stiftung ­Wissenschaft fürs Leben, private Spenden

Statistik Myanmar Kindersterblichkeit:

62

von 1000 ­Kindern unter fünf Jahren Müttersterblichkeit:

200

bei 100 000 ­Lebendgeburten © Tomas Schaal

Lebenserwartung:

65 Jahre Wird bei der Augenuntersuchung Grauer Star diagnostiziert, können die Betroffenen durch einen relativ kleinen Eingriff schnell geheilt werden.

Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

1950 $


16

Kambodscha: Das Leben neu ­schenken Auf 100 000 Einwohner kommen gerade einmal 23 Ärzte, die Mütterund Kindersterblichkeit ist hoch, nach jahrelangem Bürgerkrieg ist Kambodscha eines der ärmsten Länder der Erde. Ärzte der Welt kümmert sich um die Gesundheitsversorgung von Menschen am Rande der Gesellschaft – und bildet Kollegen an modernen medizinischen Geräten aus. Die „Aktion Lächeln“ verhilft besonders den Kindern wieder zu mehr Lebensfreude. © Fabian Fiechter

S

eit 1999 gibt es sie, die Aktion ­L ächeln von Ärzte der Welt Deutschland. Vor 13 Jahren flog zum ersten Mal ein Team von Chirurgen, Anästhesisten, Krankenschwestern und Pflegern nach Kambodscha, um Kindern mit angeborenen Fehlbildungen im Gesicht zu helfen. Schwerpunkt waren zunächst Operationen der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, eine der häufigsten Fehlbildungen weltweit. Mittlerweile behandeln die Teams auch andere Verletzungen, Verbrennungen oder Tumore im Gesicht und an den Händen. Mit Hilfe der rekonstruierenden Chirurgie können Funktionen und Formen der betroffenen Körperteile wiederhergestellt werden. Be-


17 Projekte International: ASIEN

„Die Häufigkeit von Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten ist in Kambodscha sehr hoch. Die meisten Kinder leben schon seit Jahren mit ihrer Entstellung und sind dadurch sehr gehandicapt. Durch die Operation können wir ihnen eine neue Chance im Leben geben.“

Kambodscha

Thailand

Laos

Dr. Dr. Steffen Müller, Mitglied im ehrenamtlichen Ärzte der Welt-Team für Kambodscha

Vietnam

Kambodscha Kampong Cham

sonders wichtig ist das für den Bereich des Gesichtes: Menschen, die anders aussehen, leiden oft unter sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung. Im Jahr 2012 konnten die ehrenamtlich arbeitenden Ärztinnen und Ärzte 248 Patienten operieren und ihnen so zu einer deutlich besseren Lebensqualität verhelfen.

Phnom Penh

sächlich in ländlichen Gebieten – kompliziertere Operationen nach und nach eigenständig durchführen können.

Sicherer mit Ultraschall

Im Jahr 2012 konnte das Spektrum der Untersuchungsmöglichkeiten noch einmal deutlich erweitert und verbessert werden: durch die Spende Wissen weitergeben von zwei Ultraschallgeräten der Firma Siemens. Von großer Bedeutung im Rahmen des Projekts Im Provinz-Krankenhaus von Kampong Cham ist die Weiterbildung von kambodschanischen kommen sie unter anderem in der Geburtshilfe, in Medizinern und Pflegekräften. Immer noch leidet der Kinderheilkunde, Chirurgie und Inneren Medas Land unter massivem Ärztemangel. Denn dizin zum Einsatz und können bei knapp 2000 während der Schreckensherrschaft der Roten Sonografien pro Jahr wertvolle Hilfe leisten. Khmer (1975 – 1978) wurde die akademische E ­ lite Mit den Geräten werden nun Patienten systematisch ermordet. Von der unzureichenden kostenlos untersucht, die eine solche Leistung Gesundheitsversorgung ist besonders die arme normalerweise nicht bezahlen könnten. 2012 Bevölkerung außerhalb der großen Städte betrof- wies ein Ärzte der Welt-Team Kollegen verschiefen. Die Ärzte der Welt-Teams schulen die kam- dener Fachrichtungen aus den Krankenhäusern bodschanischen Kollegen, damit sie – haupt- Kampong Chang, Oreang Ov und der weiteren Umgebung in den Umgang mit den Geräten ein. Teilnehmer, die bereits Vorkenntnisse hatten, konnten ihr Wissen durch die Schulung vertiefen. Um eine nachhaltige Wirkung der Fortbildungsmaßnahme zu gewährleisten, sind für die Zukunft weitere Trainings geplant. Langfristig sollen die im Projekt ausgebildeten Ärzte ihr Wissen als Multiplikatoren an ihre Kollegen weitergeben.

Neben der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte behandeln die Mediziner auch andere Verletzungen. © Fabian Fiechter

Golf von Thailand

Projektorte Kampong Cham, Oreang Ov Projektziele Rekonstruktive Chirurgie und Fortbildung des lokalen ­Gesundheitspersonals Finanzierung L’ Oréal Foundation, private Spenden

Statistik Kambodscha Kindersterblichkeit:

43

von 1000 ­Kindern unter 5 Jahren Müttersterblichkeit:

250

bei 100 000 ­Lebendgeburten Lebenserwartung:

63 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

2080 $


18 Ärzte der Welt

„In diesem grau­ samen Krieg sind wieder einmal die Kinder besonders betroffen, da ­können wir einfach nicht ­wegschauen.“ Gerhard Delling, Sportmoderator und Sternstunden-Pate für das Projekt

Der vierjährige El Amoun ist akut unterernährt. Von den ­Ärzte der Welt-Teams im Flüchtlingscamp bekommt er ein Aufbaumittel, mit dem er wieder zu Kräften kommen soll. © Ulrich Hagmann

Burkina Faso: Seit Monaten nicht genug zu essen Die Kämpfe im Norden Malis führten seit Januar 2012 zu massiven Vertreibungen der Bevölkerung – sowohl innerhalb des Landes als auch ins benachbarte Ausland. Ärzte der Welt leistet in zwei Flüchtlingslagern in Burkina Faso Soforthilfe.


19 JahresBERICHT 2012

Projekte International: AFRIKA

D

er kleine El Maoun ist vier Jahre alt und Burkiner, zwei Drittel Flüchtlinge. Kranke Kinder wiegt gerade einmal neun Kilo. Auf ei- unter fünf Jahren machten über 30 Prozent aus; nem Eselskarren ist er zusammen mit am häufigsten wurde bei ihnen Malaria diagnosseinem Großvater vor dem Krieg aus Mali in den tiziert. Den Kindern gilt bei den Untersuchungen Norden nach Burkina Faso geflohen. In der Pro- besonderes Augenmerk: Schätzungen gehen vinz Soum wird der Junge jetzt von Ärzte der Welt davon aus, dass in der gesamten Region über versorgt. 43 Prozent der unter Fünfjährigen an Malaria erEl Maoun und sein Großvater sind zwei kranken, manchmal lebensgefährlich. Patienten von knapp 50 000 malischen Flüchtlingen, die in wie El Maoun, bei denen eine akute UnterernähBurkina Faso aufgenommen wurden. Im Norden rung festgestellt wurde, bekommen spezielle des Landes, in den Camps Mentao und Damba, Aufbaumittel, die sie über Monate einnehmen zählten die Vereinten Nationen Ende 2012 über müssen. 10 000 Flüchtlinge. Ihre Ankunft in der Provinz Auch Vorsorge gegen Epidemien ist ein Soum erschwerte die problematische Gesund- wichtiger Bestandteil der Arbeit in den Camps. heitsversorgung zusätzlich. Denn seit fast zwei Kinder unter 15 Jahren werden systematisch geJahren hatte es dort nur selten geregnet, und die gen Masern geimpft. Und bei jedem potenziell Ernte war ausgefallen. Daher leiden nicht nur Kin- epidemischen Verdachtsfall – auch von Krankheider wie El Maoun an akuter Unterernährung, son- ten wie Cholera oder Meningitis – führen die dern auch die lokale Bevölkerung ist betroffen. Teams sofort großflächige Untersuchungen durch. Angebote von Ärzte der Welt in den Flüchtlingscamps richten sich folglich auch an die Einheimi- HIV-Test für Schwangere Schwangerschaften und Geburten gehören schen. ebenfalls zum Alltag in den Flüchtlingscamps. Kinder besonders gefährdet Frauen, die die Vorsorgeuntersuchung wahrneh2012 wurden fast 30 000 Konsultationen in den men, erhalten Moskitonetze, imprägniert mit eiKliniken der Flüchtlingslager Mentao und Damba nem langzeitwirksamen Insektizid. „Wie kann ich durchgeführt. Ein Drittel der Patient(inn)en waren mein Kind vor HIV schützen?“ – diese Frage beantwortet eine Schulungseinheit speziell für Schwangere. Alle Frauen, die an der Beratung 2012 teilnahmen, stimmten einem Test zu. Erfreulicherweise war keine der getesteten Schwangeren mit dem HI-Virus infiziert.

Burkina Faso Mali

Damba

Niger

Mèntaô

Ouagadougou

Burkina Faso Bénin Togo Elfenbeinküste

Golf von Guinea

Projektorte Mentao, Damba  /  Provinz Soum Projektziel Medizinische Basisgesundheitsversorgung für malische Flücht­ linge und Einheimische (speziell Mütter und ­Kinder) in der Provinz Soum Finanzierung Sternstunden e.V.

Statistik Burkina Faso Kindersterblichkeit:

146

von 1000 ­Lebendgeburten Müttersterblichkeit:

300

bei 100 000 ­Lebendgeburten Die Teams bieten speziell für Frauen Beratungen an und beantworten Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt. © Ärzte der Welt

Nigeria

Ghana

Lebenserwartung:

55 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

1250 $


20 Ärzte der Welt

Dieses Kind ist erst wenige Stunden alt – geboren in der ­Klinik von Dadaab. © Sophie Brändström

Ostafrika: Die vergessene Katastrophe Statistik Kenia Kindersterblichkeit:

73

von 1000 L ­ ebendgeburten Müttersterblichkeit:

360

bei 100 000 L ­ ebendgeburten Lebenserwartung:

57 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

1640 $

Obwohl die Vereinten Nationen Ende Februar 2012 die Hungers­not am Horn von Afrika für beendet erklärten, bleibt die Situation in einigen Regionen kritisch. Ärzte der Welt ist weiterhin vor Ort.

„I

nnerhalb Somalias suchen viele Menschen in der sicheren Region Puntland Unterschlupf. Andere fliehen auf Grund der Instabilität nach Kenia und besonders in die Region um Dadaab. Dort leben zur Zeit über 500 000 Flüchtlinge“, erklärt Pierre Salignon, Generaldirektor des Ärzte der Welt-Netzwerkes. Im August 2012 konnte das Krankenhaus in der Stadt Dadaab wieder eingeweiht werden. In neuem Glanz erscheinen die zusätzlichen

Operationssäle, eine Geburts- und eine Säuglingsstation, die frühgeborene Kinder aufnehmen kann. Gut mit medizinischen Geräten ausgestattet, kann das Krankenhaus heute mehr Patient(inn)en besser behandeln. In Partnerschaft mit der Nicht-Regierungs-Organisation Women and Health Alliance International (WAHA) ermöglicht das Projekt im Distrikt Dadaab medizinische Hilfe für etwa 152 000 Bewohner und nimmt vor allem Schwangere und Kinder auf, die


21 Projekte International: AFRIKA

„Ich bilde das Personal hier in Bossaso weiter. Um ein besseres Verständnis für die Situation unserer Patientinnen zu bekommen, haben wir auch eine junge Frau angestellt, die selbst aus dem Flüchtlingscamp kommt. Das erleichtert vieles.“

Somalia Dschibuti

Kenia Bossaso

Sudan

Äthiopien

Somalia Äthiopien

Uganda

Somalia

Kenia Dadaab Nairobi

Grace Omondi Akwira arbeitet als Krankenschwester

Mogadischu

von Ärzte der Welt in Bossaso / Somalia.

aus den naheliegenden Flüchtlingslagern hierher gebracht werden.

Hilfe in Somalia In der somalischen Stadt Bossaso unterstützt Ärzte der Welt bis heute fünf lokale Gesundheitsstationen. Medikamente, Impfungen und medizinisches Gerät wurden für diese Kliniken zur Verfügung gestellt. In Bossaso leben über 150 000 Menschen, dazu kommen noch 50 000 intern Vertriebene, die in der Region Schutz suchen. Die fünfte Klinik mit einer Mutter-Kind Abteilung ist Anfang des Jahres fertig gestellt worden; ein sechstes medizinisches Zentrum wird 2013 fertig

Kenia

saniert und ausgebaut sein, da der Bedarf weiter wächst. 2012 führten die Teams in Bossaso fast 20 000 medizinische Konsultationen durch. Mehr als die Hälfte der Patienten waren Kinder unter fünf Jahren. Über 2000 Kinder wurden geimpft und fast 800 Kinder wurden in den Kliniken unter Obhut von Hebammen und Geburtshelferinnen geboren. Im März 2012 entschieden sich die Teams von Ärzte der Welt, zusätzlich ein Ernährungsprogramm zusammen mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) aufzulegen. Ziel ist es, das Risiko von Mangel­ ernährung zu minimieren und schwangere Frauen dazu zu motivieren, Gesundheitsdienste in Anspruch zu nehmen. Monatlich werden 200 Essensrationen an schwangere und stillende Frauen verteilt. Trotz des hohen Sicherheitsrisikos in ­Somalia ist es Ärzte der Welt gelungen, für Mütter und Kinder eine stabile Versorgung zu etablieren und ihnen damit eine Überlebenschance zu sichern.

Indischer Ozean

Tansania

Indischer Ozean

Projektorte Bossaso / Somalia, Stadt Dadaab / Kenia Projektziele • Somalia: Reduzierung von ­Mütter- und Kindersterblichkeit durch Ernährungssicherung und verbesserte öffentliche Gesundheitsdienste in Bossaso • Kenia: Aufbau von leistungs­ fähigen Gesundheitsdiensten für Schwangere, Mütter und Kinder in Dadaab Finanzierung Sternstunden e.V., private Spenden

Statistik Somalia Kindersterblichkeit:

180

von 1000 ­Lebendgeburten Müttersterblichkeit:

1000

bei 100 000 ­Lebendgeburten Die Betten für das frisch sanierte Krankenhaus stehen schon bereit. © Sophie Brändström

Lebenserwartung:

51 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf: keine Angabe


22 Projekte International: AFRIKA

Ärzte der Welt

Togo: Hebammen retten Leben Täglich sterben in Togo Frauen und Kinder aufgrund von Komplikationen in der Schwangerschaft oder während der Geburt. Durch qualifizierte Hebammen könnte ein großer Teil dieser Todesfälle verhindert werden. Die Hebammenschülerinnen brauchen dringend neue Lehrmaterialien für ihre Ausbildung. © Ärzte der Welt

Statistik Togo Kindersterblichkeit:

110

von 1000 Kindern unter 5 Jahren Müttersterblichkeit:

300

bei 100 000 L ­ ebendgeburten

Lebenserwartung:

57 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

890 $

S

tickige Luft erfüllt den Raum, die tropische gen. Sie wollen Hebammen werden, an der StaatHitze lässt den Schweiß rinnen. Zwei bis lichen Hebammenschule in Lomé. drei Mal pro Stunde fällt der Strom aus, dann flackern die Lampen. Doch die Schülerinnen 65 Mal Zukunft und ihren Lehrer scheint das nicht zu stören. Ein dringend benötigter Beruf in Togo, denn einiEnergiegeladen referiert der Universitätsdozent ge Regionen des Landes – vor allem im Norden für Öffentliche Gesundheit den Stoff der Stunde, – sind hoffnungslos unterversorgt mit Geburtshelgestaltet Tafelbilder, regt die Schülerinnen zu Rol- ferinnen. So kommen beispielsweise in der Regilenspielen an. Aufmerksam verfolgen die 53 Frau- on Savanes auf eine Bevölkerung von 776 000 en seinen Unterricht und stellen kritische Rückfra- Menschen nur 17 Hebammen. Dort sterben auch


23 JahresBERICHT 2012

besonders viele Frauen wegen einer Komplikation während der Schwangerschaft, der Geburt oder im Wochenbett. Auch die Neugeborenen leiden: Mehr als ein Drittel der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren ereignet sich innerhalb der ersten 28 Tage ihres Lebens. Die meisten dieser Todesfälle ließen sich vermeiden. Deshalb hat Ärzte der Welt im Jahr 2012 mit der Staatlichen Hebammenschule in Lomé ein neues Projekt initiiert: Junge Frauen speziell aus dem Norden können sich zu Hebammen ausbilden lassen, um anschließend in ihren Dörfern die Geburtshilfe zu verbessern. Da die Schülerinnen für Unterkunft und Verpflegung normalerweise selbst aufkommen müssen, könnten sich die zumeist armen Frauen die Ausbildung nicht leisten. Ärzte der Welt wird daher fünf Bewerberinnen mit einem Stipendium unterstützen, der togolesische Staat finanziert weitere 60 Aus-

Projekte International: AFRIKA

bildungsplätze. Ein Studienplatz kostet insgesamt etwa 4500 Euro, die Ausbildung dauert drei Jahre. Für die Absolventinnen hat das Gesundheitsministerium Arbeitsplätze in den unterversorgten Regionen in Aussicht gestellt. Die Frauen verpflichten sich im Gegenzug dazu, mindestens zwei Jahre in den dortigen Gesundheitsstationen zu arbeiten.

Togo Burkina Faso

Bénin

Togo

Elfenbeinküste

Nigeria Ghana Lomé

Lehre und Lernen verbessern Die Schule ist ebenfalls Teil des Projekts: Da die Unterkünfte für die Auszubildenden dringend renoviert werden müssen, beteiligt sich Ärzte der Welt an der Finanzierung. Gemeinsam mit einheimischen Fachkräften wird der Lehrplan überarbeitet, und außerdem benötigen Schülerinnen und Lehrer neue Unterrichtsmaterialien: Tafeln, Bücher, anatomische Modelle. Auch hierfür hat Ärzte der Welt seine Unterstützung zugesagt.

Golf von Guinea

Projektort Lomé Projektziel Verbesserung der Mutter-KindGesundheit in ländlichen ­Gebieten durch ausgebildete Hebammen Finanzierung ­Sternstunden e.V.

„Viele Mütter und Kinder im Norden Togos sterben, weil es zu ­ wenige Hebammen gibt. Durch das Projekt mit Ärzte der Welt werden wir Leben retten können – darüber bin ich sehr froh!“ Dr. Bahoura Jean Balaka, Direktor der Hebammenschule in Lomé

Trotz Hitze und ständigem Stromausfall herrscht kon­ zentrierte Lernatmosphäre im Klassenzimmer der Hebammenschule. © Bettina Rademacher


24 Projekte International: ASIEN

Ärzte der Welt

Haiti: Hilfe beim Wiederaufbau Erst Isaac, dann Sandy. Zwei Stürme fegten im Sommer und Herbst 2012 über Haiti, verwüsteten die Küstengegenden und zerstörten einen großen Teil der Ernte. Über 50 Menschen starben, erneut brach die Cholera aus. Ärzte der Welt hat seine Arbeit in dem leidgeprüften Land intensiviert.

Der Arzt hört ein zu früh geborenes Baby ab. Auch in Haiti ist die Mutter-Kind-Gesundheit ein Schwerpunkt der Projektarbeit. © Pierre-W. Henry

K

napp die Hälfte der Bevölkerung Haitis ist arm und kann sich die teuren staatlichen Gesundheitsangebote nicht leisten. Die Folgen: Unverhältnismäßig viele Mütter und Kinder sterben – oft an vermeidbaren Krankheiten. Nach den Wirbelstürmen Isaac und Sandy verschärfte sich die Situation nochmals. Die ländliche Bevölkerung litt unter Mangel- und Unter­ ernährung, Krankheiten wie die Cholera traten wieder deutlich häufiger auf als noch zu Beginn des Jahres. Allein im Dezember wurden in Grand’Anse über 700 neue Fälle erfasst.


25 Projekte International: LATEINAMERIKA

„Seit fast 25 Jahren setzen sich unsere Teams dafür ein, dass möglichst viele Menschen in Haiti einen Zugang zur medizinischen Versorgung erhalten. Die gegenwärtige Situation zeigt erneut, wie wichtig der Aufbau eines gerechteren Gesundheitssystems für die ländliche Bevölkerung ist.“ Dr. Peter Schwick, Vorstandsmitglied von Ärzte der Welt

Republik Haiti Kuba

Nordatlantischer Ozean

Dom. Republik

Grand’Anse Port-ouPrince

Schwerpunkt der Projektarbeit im Jahr 2012 war Choleraprojekt die Unterstützung von fünf Gesundheitsstationen erfolgreich integriert im Bezirk Grand’­Anse. Die Teams von Ärzte der Nach der Erdbebenkatastrophe im Januar 2010 Welt halfen dabei, die medizinische Grundversor- brach zum ersten Mal seit 100 Jahren in Haiti gung sicherzustellen und betreuten vor allem wieder die Cholera aus. Ursache dafür war vor Schwangere, Mütter und Kinder. Zwischen Juli allem verseuchtes Trinkwasser und eine unzureiund Dezember führten sie knapp 11 000 kosten- chende Abwasserentsorgung in den Elendsvierteln und Auffangcamps. Unbehandelt kann ein lose ärztliche Konsultationen durch. Mithilfe des Projekts konnte der Zugang Cholerakranker im Extremfall innerhalb weniger zu Gesundheitsleistungen deutlich verbessert Stunden sterben. Gemeinsam mit den örtlichen werden: Während beispielsweise im Jahr 2011 Gesundheitsbehörden behandelten die Teams nur knapp vier Prozent der Geburten von qua­ von Ärzte der Welt bis Anfang 2012 knapp 10 000 lifiziertem Personal in den Gesundheitsstationen Kranke. Über 140 000 Menschen ließen sich über betreut wurden, waren es 2012 bereits über Vorsorgemaßnahmen und Therapiemöglichkeiten aufklären. Mittlerweile konnten die Strategien für 18 Prozent. Prävention und Behandlung von Cholera im haitianischen Gesundheitssystem als übergreifende Aufgabe integriert werden – das Projekt kam somit zu einem erfolgreichen Abschluss.

Karibisches Meer

Projektort Grand’Anse Projektziele • Verbesserung der Gesundheitsversorgung für schwangere ­Frauen, Mütter und für Kinder unter fünf Jahren • Prävention und Behandlung von Choleraerkrankungen Finanzierung Sternstunden e.V.

Statistik Republik Haiti Kindersterblichkeit:

70

von 1000 Kindern unter 5 Jahren Müttersterblichkeit:

Frauen warten mit ihren Kindern auf den Beginn der Sprechstunde in einer der fünf Gesundheitsstationen in Grand’Anse. © Pierre-W. Henry

350

bei 100 000 ­Lebendgeburten

Lebenserwartung:

62 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

1180 $


26 Projekte International: EUROPA

Bulgarien: Hoffnung im Elend Abwässer fließen die unbefestigten Gassen entlang, es gibt keinen Strom, in kleinen Häusern wohnen die Menschen dichtgedrängt – die meisten Roma leben in Bulgarien unter katastrophalen Bedingungen. Diskriminiert von der Mehrheitsgesellschaft, haben sie meist nur erschwerten Zugang zu Bildung, dem Arbeitsmarkt und zur Gesundheitsversorgung.

Die bulgarischen Roma sind arm und müssen unter schwierigsten ­Bedingungen leben – trotzdem sind die ­Kinder fröhlich. © Gaelle Girbes

Ärzte der Welt


27 JahresBERICHT 2012

S

eit 2009 ist Ärzte der Welt in Nadezhda, einem Stadtteil von Sliven, tätig. Nadezhda ist eines der größten Wohngebiete für Roma in Bulgarien, hier leben etwa 20 000 Angehörige der Gemeinschaft. Viele leiden unter infektiösen Krankheiten, ihr Gesundheitszustand ist schlecht. Ärzte der Welt versucht durch verschiedene Maßnahmen, den Menschen eine bessere Basisgesundheitsversorgung zu ermöglichen. So wurden beispielsweise Roma als Me­ dia­ tor(inn)en ausgebildet. Ihre Aufgabe ist es, in der Gemeinschaft über Themen wie Hygiene, Schwangerschaft und Kinderkrankheiten aufzuklären. In Kirchen, Schulen und an der Haustür suchen sie die Menschen direkt auf, informieren und verteilen Materialien wie Impfkalender oder Baumwolltaschen mit Slogans zur Gesundheitsvorsorge. Knapp 1000 Menschen konnten über diesen Weg erreicht werden. Mehrmals in der Woche bieten die Me­ diatoren – getrennt nach Männern und Frauen – auch medizinische Seminare an. Im ersten Halbjahr 2012 nahmen 114 Interessierte an insgesamt zwölf Trainings teil. Dabei lernten junge Roma-Männer zum Beispiel, Babys zu waschen, zu wickeln und zu füttern. Frauen erfuhren Wissenswertes über Geburt, Nachsorge, Hygiene und Kinderkrankheiten.

Projekte International: EUROPA

Bildung für die Kleinsten Doch häufig erschienen die Frauen nicht zu der sechsteiligen Kurseinheit. Der Grund dafür: Sie mussten sich um ihre Kinder kümmern, weil sie ansonsten in der Zeit ihrer Abwesenheit nicht versorgt waren. Bald hatten die Projektverantwortlichen eine Lösung für dieses Problem. Während die Mütter das Seminar besuchten, sollte es parallel dazu auch ein Gesundheitsprogramm für die Kleinen geben – kindgerecht, versteht sich. Um dieses Programm durchführen zu können, mussten sich die bereits ausgebildeten Mediatoren erst entsprechend fortbilden. Unterstützt wurden sie dabei von einer deutschen ­Kinderärztin. Im November 2012 erarbeiteten die Mediatoren und die Medizinerin gemeinsam mehrere pädagogische Einheiten zu Hygiene, gesunder Ernährung und Körperbewusstsein: Ein Film mit den beiden Kobolden Karius und Baktus wird den Kindern in Zukunft zeigen, wie wichtig Zähneputzen und Händewaschen sind; über ­gesunde und ungesunde Nahrungsmittel klärt ein Memory-Spiel auf. Mit allen fünf Sinnen sollen die Kinder ihren Körper kennenlernen und in der Gruppe auch viel Spaß haben. Von dem neu entwickelten Programm können Mütter und ­Kinder gleichermaßen profitieren. Und es kann Wege weisen in eine bessere und gesündere ­Zukunft.

Bulgarien Rumänien Serbien Mont.

Bulgarien Kos.

Sofia

Sliven

Schwarzes Meer

Mazed. Alb. Griechenland

Türkei

Projektort Sliven Projektziel Zugang zu medizinischer ­Grundversorgung speziell für die Roma-Gemeinschaft Finanzierung Renovabis, private Spenden

Bulgarien Kindersterblichkeit:

„In Nadezhda laufen die Kinder bei Temperaturen von acht Grad barfuß umher. Es ist wie in einem Slum. Trotzdem haben die meisten dort eine positive Lebenseinstellung, das ist sehr be­ eindruckend. Und während der Fortbildung waren die Mediatoren der Roma-Gemeinschaft hoch motiviert und wissensdurstig. Da gibt es großes Potential – und das macht Hoffnung.“ Sarah Mannfeld, Kinderärztin und Leiterin der Fortbildung in Nadezhda. In München arbeitet sie ehrenamtlich für das Inlandsprojekt open.med.

12

von 1000 ­Kindern unter 5 Jahren Müttersterblichkeit:

11

bei 100 000 ­Lebendgeburten

Lebenserwartung:

74 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

13 440 $


28 Ärzte der Welt

Die Kliniken von Ärzte der Welt können den Ansturm der Patienten und Hilfs­ bedürftigen kaum bewältigen. © Ärzte der Welt Griechenland

Griechenland: EIN Land am Abgrund Verzweifelt und nahezu ausweglos – so lässt sich die Lebenssituation vieler Griechen im Jahr 2012 beschreiben. Das Gesundheitssystem steht kurz vor dem Kollaps, und für zahlreiche Menschen sind die Anlaufstellen von Ärzte der Welt die einzige Möglichkeit, um sich medizinisch behandeln zu lassen.

2012

ist das fünfte Jahr der Rezession, immer mehr Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit wächst auf über 25 Prozent, unter den Jugendlichen ist mehr als jeder zweite ohne Arbeit. Folgenschwere Auswirkungen haben die drastischen Sparmaßnahmen auf das öffentliche Gesundheitssystem: Gehälter werden seit Monaten nicht mehr bezahlt, in manchen Krankenhäusern gibt es weder Bettwäsche noch Essen. Auch medizinische Instrumente und OP-Material sind mittlerweile Mangelware und müssen von den Kranken selbst mitgebracht werden. Wegen ihrer Arbeitslosigkeit oder drastischer Rentenkürzungen können sich etliche Griechen notwendige

medizinische Behandlungen nicht mehr leisten, Hunderttausende haben keine Krankenversicherung mehr.

Immer mehr griechische ­Patienten Die fünf Anlaufstellen von Ärzte der Welt in Athen, Patras, Thessaloniki, Perama und in Chania sind seit der Schuldenkrise für viele Griechen die einzige Möglichkeit, von ihrem Grundrecht auf medizinische Versorgung Gebrauch zu machen. Während sich vor der Krise das Angebot überwiegend an Migranten richtete, ist inzwischen die Hälfte der Patienten Griechen. Insgesamt suchen täglich über 350 Menschen die Ambulanzen auf.


29 JahresBERICHT 2012

Die 600 Ärzte, die hier abwechselnd tätig sind, arbeiten alle ehrenamtlich. Die Teams impfen Kinder und bieten Zahnbehandlungen für Grundschüler an. Sie untersuchen Schwangere und versorgen chronisch Kranke – vor allem Diabetiker – mit lebensnotwendigen Medikamenten. Außerdem gibt es mobile Krankenstationen, die in ländlichen Gebieten und auf den Inseln zum Einsatz kommen. An Wohnungslose und ältere,

Projekte International: EUROPA

arme Menschen werden Hilfsgüter verteilt und Notunterkünfte bereitgestellt. Darüber hinaus beteiligt sich Ärzte der Welt an einem Programm zur Förderung von Toleranz und Prävention rassistischer Gewalt. Die griechische Sektion ist Mitglied eines Netzwerks, dem neben dem UNFlüchtlingshochkommissariat und der nationalen Menschenrechtskommission 23 weitere Nichtregierungsorganisationen angehören.

Griechenland Kos.

Bulgarien

Schwarzes Meer

Mazed. Alb.

Thessaloniki

Griechenland Patras

Türkei

Athen Perama

Chania

Ohne Spenden geht gar nichts Eindrücke einer Reise nach Griechenland von Dr. Holger Bau, Mitglied im Berliner Forum Griechenlandhilfe

© Ärzte der Welt Griechenland

Die Zentrale der Griechischen Sektion von Ärzte der Welt liegt in einem Gewirr kleiner und enger Straßen, unweit des Athener Zentrums. Ärmlich ist das Stadtviertel und beinahe ghettoartig – hier leben fast nur Migranten. Wir sind mit Dr. Kanakis, dem Präsidenten der griechischen Sektion von Ärzte der Welt, zum Gespräch verabredet. Doch wegen eines Notfalls muss es verschoben werden: Mitglieder der neonazistischen Partei Chrysi Avgi haben einen jugend­ lichen Emigranten körperlich misshandelt und so schwer verletzt, dass er sofort behandelt werden muss. Klinik und Suppenküche Zusammen mit Angeliki Mavrikou, die für die Spendenwerbung zuständig ist, besichtigen wir das Haus. Neben Räumen für Erstuntersuchungen und Behandlungen befindet sich eine Suppenküche. Daneben lagern 15 000 Pakete mit Lebensmittelrationen für notleidende Familien. Im abgetrennten Teil einer Etage stehen Stockbetten für 72 Personen. Hier wohnen

90 Migrantinnen mit ihren Kindern auf engstem Raum, maximal ein Jahr lang. Angeliki Mavrikou beklagt die Raumnot – die Klinik platzt aus allen Nähten und kann den Anforderungen kaum mehr gerecht werden. Ohne Spenden geht gar nichts Seit drei Jahren erhält Ärzte der Welt keine finanzielle Unterstützung mehr vom griechischen Staat. Spenden, die vor allem aus der Schweiz, aus Kanada, den Niederlanden, Belgien, Skandinavien und aus Deutschland kommen, sind die einzige Einnahmequelle. Trotzdem haben Angeliki Mavrikou und ihr Team immer wieder mit Engpässen zu kämpfen, manchmal wissen sie nicht, wie es weitergehen soll. Doch irgendwie geht es dann doch: weil Mut und Entschlossenheit die Oberhand gewinnen und weil sie vom Sinn ihrer humanitären Arbeit zutiefst überzeugt sind. Das im September 2012 gegründete Berliner Forum Griechenlandhilfe engagiert sich für die notleidenden Menschen in Griechenland. ­Spenden, die im Rahmen von Aufrufen und Benefizaktionen gesammelt werden, stellt das Forum Ärzte der Welt zur Verfügung.

Speziell für Grundschüler bieten die Teams Zahnbehandlungen an. © Ärzte der Welt Griechenland

Statistik Griechenland Kindersterblichkeit:

4

von 1000 ­Kindern unter 5 Jahren Müttersterblichkeit:

3

bei 100 000 ­Lebendgeburten

Lebenserwartung:

80 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

27 630 $


30 Projekte national: DEUTSCHLAND

DEUTSCHLAND: Lobby für die Schwächsten

© Thomas Einberger

Nicht nur in der Ferne ist Ärzte der Welt engagiert, sondern auch im eigenen Land. In Stuttgart und in München behandeln und beraten die Teams Menschen, die von medizinischer Versorgung ganz oder teilweise ausgeschlossen sind – anonym und kostenlos.

Ärzte der Welt

Jahr 2007 in Deutschland die generelle Pflicht zur Krankenversicherung. Und doch gibt es sie, die Menschen ohne Versicherung: Zumeist sind es Selbständige mit geringem Einkommen, Existenzgründer oder Wohnungslose, die die Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung nicht aufbringen können oder denen die Versicherung wegen zu hoher Beitragsschulden die Mitgliedschaft aufgekündigt hat. Hinzu kommen noch etwa 150 000 privat Versicherte, die nicht in der Lage sind, ihre Beiträge zu bezahlen und aus diesem Grund zum Teil hoch verschuldet sind. Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus gehören ebenfalls zu den Nicht-Versicherten. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland insgesamt über eine Million betroffen sind. Im Rahmen der Inlandsprojekte open. med in München und MedMobil in Stuttgart ermöglicht Ärzte der Welt Menschen in solch schwierigen Lebenssituationen eine basismedizinische Gesundheitsversorgung und Beratung. Der Bedarf ist groß, und die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr: 2012 wurden über 2000 Patientinnen und Patienten durch die Angebote erreicht.

Europa-Krise: Die Schwächsten leiden am meisten

„S

o viele Menschen haben in Deutschland keine Krankenversicherung?“ Das Erstaunen war groß bei den Besucher/innen der Ärzte der Welt-Ausstellung „Gesundheit ist kein Luxus“ während des Winter-Tollwoodfestivals in München (s. dazu auch Seite 36). Dass hierzulande rund 137 000 Frauen und Männer ohne Krankenversicherungsschutz sind, war den meisten unbekannt, existiert doch seit dem

Deutlich verschärft hat sich die Situation seit der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise, denn durch die Sparauflagen leiden die Gesundheitssysteme. Zahlreiche arme und benachteiligte Menschen können sich den Gang zum Arzt oder ins Krankenhaus nicht mehr leisten. Auch das Team von open.med konnte diese Entwicklung beobachten: Im Jahr 2012 kamen mehr Patient(inn)en aus europäischen Ländern mit wirtschaftlich unsicherer Situation, wie beispielsweise Bulgarien und Rumänien.


31 JahresBERICHT 2012

Die Münchner Praxis open.med bietet zwei Mal pro Woche eine Allgemeine Sprechstunde an. © Ärzte der Welt

Die Netzwerk-Partner von Ärzte der Welt bekamen die Auswirkungen der Krise in ihren jeweiligen Ländern ebenfalls zu spüren. Ob in Athen, in Madrid oder Lissabon: Überall erfuhren die medizinischen Angebote von Ärzte der Welt im vergangenen Jahr großen Zulauf, ganz besonders im Süden Europas. Viele Kranke hatten zudem aus Kostengründen die Behandlung so weit wie möglich hinausgezögert – mit fatalen Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Betroffenen und letztlich auch auf den Kostenumfang der Therapien.

Gesundheit für Alle Neben der medizinischen Versorgung von bedürftigen Menschen in Übersee ist Ärzte der Welt als eine der wenigen internationalen Hilfsorganisationen auch für Kranke im eigenen Land ein verlässlicher Partner. Damit sich die Situation langfristig verbessert, setzt sich Ärzte der Welt auf deutscher wie auf europäischer Ebene politisch ein – mit dem Ziel, dass alle Menschen einen uneingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung erhalten, unabhängig von Herkunft und sozialem Status. Statistik Deutschland Kindersterblichkeit:

„Die Spätfolgen aufgeschobener Untersuchungen und unbe­han­ delter Krankheiten bedeuten höhere Kosten in der Akut- und Notfallmedizin. Mal ganz abgesehen vom humanitären Aspekt, ist das ein wichtiger Grund, alle Menschen uneingeschränkt am ­Gesundheitssystem teilhaben zu lassen.“ Dr. Christoph Steidle, ehrenamtlich tätiger Arzt in der Münchner open.med-Praxis

4

von 1000 ­Kindern unter 5 Jahren Müttersterblichkeit:

5

bei 100 000 ­Lebendgeburten

Lebenserwartung:

80 Jahre Brutto-Jahreseinkommen pro Kopf:

38 100 $


32 Projekte national: DEUTSCHLAND

Ärzte der Welt

Der ehrenamtlich tätige Arzt Dr. Christoph Steidle untersucht den verletzten Finger eines Patienten. © Thomas Einberger

DEUTSCHLAND: Not, ganz nah Nirgendwo in Deutschland sind die Mieten höher, ist das Leben teurer als in München. Doch unweit von Szene-Kneipen, schicken Restaurants und edlen Läden hat die Stadt auch andere Gesichter: In der Görresstraße liegt open.med, die Anlaufstelle von Ärzte der Welt für Menschen ohne Krankenversicherung.

on der Straße ist der Raum gut einsehbar, große Fenster lassen viel Licht in das ehemalige Ladenlokal. Neun Frauen und Männer sitzen auf zweckmäßigen Stühlen und auf einer breiten Ledercouch, schweigen oder unterhalten sich mit gedämpfter Stimme. Wartezimmeratmosphäre. Am Empfangstresen werden Aufnahmegespräche geführt, gleich beginnt die open.med-Sprechstunde. Zwei Mal in der Woche kann man sich hier allgemeinmedizinisch beraten und untersuchen lassen: anonym und kostenlos. Seit 2006 gibt es open.med, und die Patientenzahlen steigen von Jahr zu Jahr. 1430 Konsultationen waren es 2012. Ursprünglich richtete sich das Angebot an Menschen, die ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland leben und aus Angst vor einer drohenden Abschiebung den Arztbesuch vermeiden wollten. Mittlerweile kommt jedoch zwei Drittel der Patientinnen und Patienten aus Ländern der Europäischen Union, den größten Anteil bildeten im Jahr 2012 Bulgaren (32 %), Deutsche (12%) und Rumänen (9%). 76 Prozent hatten bei ihrem ersten Besuch keinen Krankenversicherungsschutz. Viele Patienten leiden unter chronifizierten Beschwerden – weil sie den Gang zum Arzt wegen schlechter Erfahrungen oder fehlender finanzieller Mittel hinausgezögert hatten.

Umfassend beraten und helfen Neben der allgemeinmedizinischen Sprechstunde bietet das Team zwei Mal im Monat eine spezielle für Kinder und Jugendliche an. Seit 2012


33 Projekte national: DEUTSCHLAND

„Erst durch open.med habe ich erfahren, dass mich mein Arbeit­ geber auch krankenversichern muss. Während meiner Schwangerschaft war ich dann das erste Mal in einer normalen gynäkologischen Praxis. open.med hat für mich außerdem ein Frauenhaus gefunden, wo ich nach der Entbindung mit meinem Baby leben kann.“

Deutschland

Belgien

© Thomas Einberger

Berlin

Deutschland Tschechische Republik

Lux. München Frankreich

Dr. Steidle und Suzanne Bruins, Projektreferentin für open.med, am Anmeldetresen der Praxis.

Polen

Niederlande

Eine Patientin aus Bulgarien

gibt es noch zusätzliche Beratungen für Frauen, ebenfalls zwei Mal monatlich. Außerhalb der Öffnungszeiten kann man sich telefonisch über eine Hotline an open.med wenden. Insgesamt 16 Ärztinnen und Ärzte führen die Sprechstunden durch. Alle sind ehrenamtlich tätig, genau wie die 70 Fachkolleg(inn)en, die bei komplexeren Krankheitsbildern weiterbehandeln. Zusätzlich beraten und helfen 35 Ehrenamtliche beim Empfang, in der Verwaltung, bei Übersetzungen und der Betreuung der Patienten. Außerdem arbeitet open.med eng mit einem Labor und drei Apotheken zusammen. Auch bei Anliegen, die über rein medizinische Probleme hinausgehen, finden die Betroffenen Rat und Unterstützung – open.med hilft in einem ganzheitlichen, umfassenden Sinne. Im Jahr 2012 gab es 480 Konsultationen zu Themen wie Krankenversicherung, Kostenübernahme bei Arztrechnungen oder zur Wohn- und Arbeitssituation. Oft vermitteln die Beraterinnen bei Bedarf an entsprechende Fachstellen, wie zum Beispiel die Migrationsberatung, weiter. Für Fragen zum Aufenthaltsstatus stehen die Mitarbeiterinnen des Café 104 zur Verfügung. Café 104 ist eine

Dänemark

Nordsee

Initiative des Bayerischen Flüchtlingsrates, die Räume in der Görresstraße werden gemeinsam genutzt.

Dran bleiben – medizinisch und politisch Da der Bedarf stetig zunimmt, wird open.med die basismedizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung weiter ausbauen. Außerdem plant das Team, die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren und sich verstärkt politisch für die Belange der Patienten und ihr Grundrecht auf Gesundheitsversorgung in Deutschland einzusetzen.

Österreich

Schweiz Italien

Projektort München Projektziel Medizinische Basisversorgung für Menschen ohne Kranken­ versicherung Finanzierung Stadt München, Sternstunden e.V., private Spenden


34 Projekte national: DEUTSCHLAND

Ärzte der Welt

Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, scheuen häufig den Gang in eine Arztpraxis – aus Angst vor Diskriminierung und vor den möglichen Kosten einer Behandlung. Deshalb kommt das MedMobil zu ihnen: eine rollende Praxis von Ärzte der Welt in Stuttgart, die kostenlose medizinische Hilfe und soziale Beratung anbietet.

DEUTSCHLAND: Hilfe auf vier Rädern

© Manfred Neumann

E

inen Sprechstundentermin vereinbaren, zum Arzt gehen, im Wartezimmer sitzen. Für sozial benachteiligte Menschen kann das zu einer unüberwindbaren Hürde werden, notwendige Behandlungen zögern sie oft so lange wie möglich hinaus. Die Folge: Sie sind medizinisch unterversorgt, leiden häufig an chronischen Erkrankungen. In Stuttgart gibt es daher seit 2009 das MedMobil – einen umgebauten Rettungswagen, der mit dem Notwendigsten für eine ärztliche Behandlung ausgestattet ist. Mehrmals wöchentlich ist das MedMobil im Einsatz und fährt zu verschiedenen Unterkünften und Plätzen, wo sich arme und wohnungslose Menschen aufhalten. Ein Arzt bzw. eine Ärztin bieten dort kostenlose Untersuchungen an, eine Sozialarbeiterin berät in Fragen zur allgemeinen Lebenssituation, aber auch bei akuten Notfällen. Indem MedMobil die Lebenswelten der Betroffenen aufsucht, fällt es diesen wesentlich leichter, medizinische Hilfe und Beratung in Anspruch zu nehmen.

Getragen durch freiwilliges Engagement Ärzte der Welt arbeitet im Rahmen des Projekts mit der Landeshauptstadt Stuttgart, der Ambulanten Hilfe und den Freien Trägern der Wohnungslosenhilfe zusammen. Eine enge Vernetzung besteht mit unterschiedlichen sozialen und medizinischen Einrichtungen der Stadt sowie mit ähnlichen Projekten in anderen Regionen. Finan-


35 JahresBERICHT 2012

Projekte national: DEUTSCHLAND

Oben: Der Arzt Dr. Hansmartin Killguss arbeitet ­ehrenamtlich bei MedMobil. © Manfred Neumann Unten: Das Team von MedMobil (von li. nach re.): ­Monika Wudi, Marion Chevenas, Manuela Haussmann, Sabine Wöhrwag, Iris Scherrenbacher, ­ Miriam Schiefelbein-Beck © Ärzte der Welt

Deutschland Dänemark

Nordsee

Polen

Niederlande Belgien

Berlin

Deutschland

Lux.

ziert wird das MedMobil durch den zweckgebundenen Nachlass eines Stuttgarter Ärzte-Ehepaares. Hauptamtliche Sozialarbeiterinnen koordinieren und begleiten, zwölf Ärztinnen und Ärzte sowie zehn Assistent(inn)en mit medizinischer Fachausbildung sind freiwillig engagiert. Um den Medikamentenbestand der rollenden Praxis kümmert sich eine Apothekerin – ebenfalls ehrenamtlich. Im Jahr 2012 hatte das Team über 300 Einsätze an öffentlichen Plätzen wie dem Hauptbahnhof oder der Paulinenbrücke; über 1000 Menschen nahmen Kontakt zu MedMobil auf. Der Anteil der Männer unter den Patienten war mit 70 Prozent sehr hoch. Gut 80 Prozent verfügten über eine Krankenversicherung in Deutschland, elf Prozent hatten keinen Versicherungsschutz. Schwerpunkte der ärztlichen Tätigkeit waren Beratungsgespräche, allgemeinmedizinische Untersuchungen und Wundversorgung. Am

häufigsten wurden Hautprobleme und Beschwerden im Bereich des Rückens, der Wirbelsäule und Gelenke diagnostiziert. Über die Hälfte der Patienten wurde anschließend an einen der 16 Fachärzte weitervermittelt, mit denen MedMobil zusammenarbeitet. Darüber hinaus gehörten präventive Maßnahmen zu den Aufgaben des Teams wie Spritzentausch bei Drogenkonsumenten, die Ausgabe von Kondomen oder Informationen zu Hygiene und Ernährung. Generell hat MedMobil das Anliegen, die Patienten wieder in das soziale und medizinische Regelsystem zu integrieren.

Ganz nah dran Die dreijährige Erfahrung hat gezeigt: Mit seinem niedrigschwelligen Ansatz, dem regelmäßigen, verbindlichen Angebot und dank vieler Kooperationspartner ist das MedMobil ein Erfolgsmodell. Bei den Menschen, die es erreichen will, hat es eine hohe Akzeptanz erreicht. Damit ist diese Hilfe auf vier Rädern eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden medizinischen und psychosozialen Gesundheitssystems in Stuttgart.

Stuttgart Frankreich

Österreich Schweiz Italien

Projektort Stuttgart Projektziele Abbau von Barrieren beim Zugang zur Gesundheitsversorgung für Menschen in schwierigen Lebenslagen und Re-Integration in das Gesundheitssystem Finanzierung Stadt Stuttgart (als Verwalterin eines Nachlasses), private Spenden

„Uns fällt es schwer, zu Ärzten zu gehen. Dort werden wir oft übel behandelt, manchmal wie Aussätzige. Deshalb ist es gut, wenn jemand auf uns zukommt.“ Ein wohnungsloser Patient

Tschechische Republik


36 AKTIONEN UND VERANSTALTUNGEN

Ärzte der Welt

Ausstellung „Gesundheit ist kein Luxus“

Auf eine riesige Welt­ kugel wurden immer wieder Ausstellungs­ texte und -bilder ­projiziert. © Ärzte der Welt

D

as Recht auf Gesundheit wird in Europa ­immer weiter eingeschränkt: In Zeiten der Krise haben Menschen am Rande der Gesellschaft erschwerten bis gar keinen Zugang zu ­medizinischer Grundversorgung. Im Weltsalon des Münchner Tollwood Winterfestivals infor­ mierte Ärzte der Welt über diese dramatische Situa­tion – mit einer „medizinischen Luxusstraße“.

„Ich bin so erschüttert! Nie habe ich mir vorstellen können, dass in Deutschland zwar alle Menschen ein Recht auf Zugang zur medizinischen Versorgung haben, viele es aber nicht oder nur mit großen Hürden bekommen! Ich wollte eigentlich hier ein bisschen bummeln, etwas Spaß haben. Aber nach dieser Ausstellung muss ich mir erst einmal einen ruhigen Platz suchen und versuchen, das alles zu begreifen und zu verarbeiten!“ Besucher des Tollwood Winterfestivals

Tabletten, ein Stethoskop, eine Versichertenkarte – alles in Gold, auf Samtkissen und in Glasvitrinen präsentiert. Im Rahmen der Ärzte der Welt-Ausstellung auf dem Tollwood Winterfestival wurden diese Gegenstände zu teuren und geschützten Raritäten. Als Kontrast dazu konfrontierte die Ausstellung die Besucher/-innen mit erschreckenden Zahlen, die Ärzte der Welt im vergangenen Jahr in seinen europäischen Anlaufstellen erhoben hat. Mit einer Online-Demonstration konnte man sich aktiv beteiligen und virtuell ein solidarisches Gesundheitssystem fordern (www. gesundheitkeinluxus.org).

Europaweite Untersuchung von Ärzte der Welt Ergebnisse:

Ärzte der Welt unterhält in elf europäischen Ländern über 150 Gesundheitsprogramme für Menschen ohne Zugang zur gesundheitlichen Versorgung. Die Zahl der Menschen, die sich in Europa nicht medizinisch behandeln lassen können, steigt kontinuierlich. 2011 erhob die Organisation in fünf EU-Ländern qualitative und quantitative Daten in ihren Projekten. Einige der Ergebnisse: 55 Prozent der medizinischen Probleme, die in den Kliniken von Ärzte der Welt 2011 europaweit behandelt wurden, schätzten die Mediziner als „dringend“ ein. Der Großteil der Patient(inn)en hatte keinen Zugang zum jeweils regulären Gesundheitssystem. 79 Prozent der Schwangeren, die 2011 in die Ambulanzen von Ärzte der Welt in Amsterdam, London, München und Nizza kamen, hatte zuvor noch keine Vor­ sorgeuntersuchung in Anspruch genommen.


37 AKTIONEN UND VERANSTALTUNGEN

JahresBERICHT 2012

„Ethische Herausforderungen in der Humanitären Hilfe“ Der Humanitäre Kongress in Berlin im Oktober 2012

A

uf dem Humanitären Kongress – u.a. organisiert von Ärzte der Welt, Ärzte ohne Grenzen und dem Deutschen Roten Kreuz – treffen jährlich Praktiker/-innen, Wissenschaftler/-innen und Studierende aus den Bereichen Medizin und humanitäre Hilfe zusammen. Die Veranstaltung gilt als wichtigste Tagung zu diesem Thema in Deutschland. Außerhalb des Plenums wurde auch an den Ständen der Organisationen in der Eingangshalle rege diskutiert, und die Besucher/-innen tauschten viele Informationen aus. Unter dem Titel „Finanzierung von Humanitärer Hilfe“ überzeugte Jean Saslawsky, Generalsekretär des internationalen Netzwerkes von Ärzte der Welt, als einer der Hauptredner. Unterhaltsam gab er einen Überblick über die verschiedenen Finanzierungsquellen des Netzwerkes und über Kriterien, mit denen Firmen als Spender ausgesucht werden.

Gilbert Portier, Leiter der Auslandsabteilung von Ärzte der Welt in Paris, berichtete über die schwierigen Bedingungen, unter denen eine humanitäre Organisation in autoritären Staaten wie beispielsweise in Myanmar, im Jemen oder in Simbabwe arbeitet. Beispielhaft führte er auf, welche Umstände auch dazu führen können, den Einsatz zu beenden. Rafik Bedui informierte als medizinischer Berater von Ärzte der Welt die Besucher/-innen, die sich einen ersten Überblick über humanitäre Hilfe verschaffen wollten.

Am Stand von Ärzte der Welt wurde während des Humanitären Kongresses angeregt diskutiert. © Ärzte der Welt


38 Ärzte der Welt

Finanzbericht 2012: unsere Arbeit IN ZAHLEN

Bilanz zum 31. Dezember 2012 Aktiva

Passiva 31.12.2012 €

31.12.2011 €

A. Anlagevermögen I. Sachanlagen Betriebs- und Geschäftsausstattung

A. Eigenkapital

28.795,00

30.971,00

31.12.2012 €

31.12.2011 €

650.088,20

848.258,56

1.351.492,52

611.274,62

B. Rückstellungen sonstige ­Rückstellungen

B. Umlaufvermögen C. Verbindlichkeiten

I. Vorräte

1. unfertige Leistungen

2. Waren

0,00

0,00

54.140,60

1. V  erbindlichkeiten gegenüber ­Kreditinstituten

6,00

0,74

67.362,96

2. V  erbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

22.642,98

39.639,54

3. sonstige ­Verbindlichkeiten

42.072,55

36.949,93

2.066.302,25

1.536.123,39

II. F  orderungen und sonstige Vermögensgegenstände sonstige ­Vermögensgegenstände III. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten C. Rechnungsabgrenzungsposten

435.238,66

209.816,27

1.599.204,59

1.171.835,56

3.064,00

1.997,00

2.066.302,25

1.536.123,39

Erläuterung der Bilanz: Die Bilanz stellt die Vermögens- und Finanzsituation des Vereins zum Stichtag 31.12.2012 dar. Das Anlagevermögen beinhaltet im Wesentlichen die EDV-Ausstattung und die Telefonanlagen. Das Umlaufvermögen umfasst insbesondere Zuschüsse des Ärzte der Welt-Netzwerks für Verwaltungsausgaben sowie Projektzuschüsse. Der Kassenbestand und die Guthaben bei Kreditinstituten spiegeln den Geldbestand des Vereins zum Bilanzstichtag wider.

Bei dem Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich um Versicherungs­ prämien für das Folgejahr. Das Eigenkapital entspricht dem Vereinskapital, das u.a. als Rücklage und Sicherheit dienen soll. Die Rückstellungen betreffen im Wesentlichen Verwendungsverpflichtungen für Projektausgaben. Die Verbindlichkeiten resultieren aus ausstehenden Zahlungsverpflichtungen.


39 JahresBERICHT 2012

Finanzbericht 2012: unsere Arbeit IN ZAHLEN

Erträge

2012 € 3.635.097,59

1. Spenden und Zuschüsse 1.1. Spenden von Privatpersonen, ­Unternehmen und Institutionen: Diverse Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen Daimler AG Olympus Europa Stiftung L’Oreal Foundation Geistlich Pharma AG SDK Stiftung

409.436,08 53.040,00 70.000,00 40.000,00 12.300,00 11.000,00

1.2. Spenden von ­Nichtregierungsorganisationen: Sternstunden e.V. für Kenia Sternstunden e.V. für Somalia Sternstunden e.V. für Haiti Sternstunden e.V. für Syrien Sternstunden e.V. für Burkina Faso Sternstunden e.V. für Togo Aktion Renovabis e.V. für Bulgarien Sternstunden e.V. für open.med

1.454.812,00 500.000,00 125.000,00 200.000,00 100.000,00 5.000,00 25.000,00 6.926,21

1.3. Öffentliche Zuschüsse: Auswärtiges Amt für Pakistan Auswärtiges Amt für Syrien Landeshauptstadt Stuttgart für MedMobil Landeshauptstadt München für open.med

595.776,08

2. Sonstige Erträge Ärzte der Welt Frankreich (Médecins du Monde) Mitgliedsbeiträge Auflösung von Rückstellungen Ausbuchung von Verbindlichkeiten Eingliederungszuschuss Vortragshonorar

15 % Spenden

2.416.738,21

306.044,18

61%

Stiftungen/ NRO

584.447,41

225.094,48 15 % Öffentliche Zuschüsse

1.950,00 33.936,29 2.249,60

2011 € 1.386.753,08 718.197,38

285.756,17 270.000,00 33.307,63 -4.616,39

1.4. Bußgelder: 1.5. Sachspenden: Siemens AG / Health Care Sector Sonstige Sachspenden

2012 in %

36.185,89

20.125,00 117.292,04

274.206,12 263.000,68 274.206,12 1.680,00 356,61 40,83 7.128,00 2.000,00

275.278,27 9% Sonstige Ertäge

3. Zins- und ähnliche Erträge

Gesamte Erträge

16.456,43

19.811,04

3.925.760,14

1.681.842,39


40 Ärzte der Welt

Finanzbericht 2012: unsere Arbeit IN ZAHLEN

Aufwendungen

1. Aufwendungen für Projekte / ­Hilfsaktionen Afrika Asien Europa Lateinamerika Diverse Projekte 2. Aufwendungen für satzungsgemäße Zwecke davon Personalkosten davon Abschreibungen davon Sach- und sonstige Aufwendungen

4. Aufwendungen für Verwaltung davon Personalkosten davon Abschreibungen davon Sach- und sonstige Aufwendungen

90.625,18 1.082,29 77.226,94

Gesamtaufwendungen

Die Verwaltungsaufwendungen resultieren aus den laufenden Kosten zum Unterhalt der Geschäftsstelle.

3.215.569,24

1.101.074,47

646.705,78

287.010,02

92.721,07

77.652,03

168.934,41

110.132,06

4.123.930,50

1.575.868,58

404.293,94 4.504,31 237.907,53

67.587,94 800,51 24.332,62

Aufwendungen: Die Gliederung der Aufwendungen orientiert sich an den Vorgaben der Spenden-Siegel-Leitlinien in der Fassung 2010 des DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen). Insoweit werden die Aufwendungen nach den o. a. Kategorien aufgeschlüsselt. Die Aufwendungen für satzungsgemäße Zwecke beinhalten Ausgaben für ­Projektförderung, für Projektbegleitung und für satzungsgemäße Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Die Aufwendungen für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit umfassen im Wesentlichen Ausgaben für die Selbstdarstellung und das Fundraising.

2011

2.055.592,97 901.358,35 41.521,88 132.663,46 84.432,58

3. Aufwendungen für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit davon Personalkosten davon Abschreibungen davon Sach- und sonstige Aufwendungen

Erläuterung der Erträge / Aufwendungen: Erträge: Die Spenden und Zuschüsse resultieren aus zweckgebundenen und freien Spenden, Spenden von Nichtregierungsorganisationen, Zuschüssen aus öffentlichen Mitteln, Bußgeldern sowie Sachspenden. Die sonstigen Erträge beinhalten insbesondere Zuschüsse des Ärzte der WeltNetzwerks für Verwaltungsausgaben sowie Projektzuschüsse.

2012

Der vom DZI ermittelte Anteil der Werbe- und Verwaltungs­ausgaben an den Gesamtaus­gaben beträgt im Geschäftsjahr 2011

9,35 %

.

Dieser wird vom DZI als „niedrig“ bewertet. Zur Drucklegung dieses Berichtes lag der Prüfbericht des DZI für das Geschäftsjahr 2012 noch nicht vor.

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI)

Zeichen für Vertrauen


41 JahresBERICHT 2012

Finanzbericht 2012: unsere Arbeit IN ZAHLEN

Verteilung der Ausgaben Medizinische Basisversorgung 27 % Mutter-Kind-Gesundheit, Flüchtlinge u. ­B innenvertriebene 62%

Gesundheitsversorgung Europa 5 % Chirurgische Projekte 6 %

Nothilfe 27 % Langzeithilfe 73 % Überblick

Aufteilung nach Arbeits­schwerpunkten ­innerhalb der Nothilfe und der Langzeithilfe

Ausgaben für Projekte Bulgarien 25.000 Griechenland 21.140 Stuttgart 34.630 München 48.927 Diverse 69.453

€ € € € €

Europa 199.151 €

Kambodscha 117.997 Pakistan 317.640 Papua-Neuguinea 7.226 Syrien 500.793 Myanmar 72.985 Diverse 14.321

Asien 1.030.962 €

Lateinamerika 132.663 € Haiti 127.104 € Diverse 5.559 €

Afrika 2.101.043 €

Kenia 1.454.812 Burkina Faso 100.350 Somalia 502.030 Togo 3.262 Diverse 40.590

€ € € € €

€ € € € € €


42 verein und Werte

Ärzte der Welt

Verein & Geschäftsstelle Ärzte der Welt Ärzte der Welt e.V. Deutschland ist eine gemeinnützige, politisch und konfessionell unabhängig arbeitende Nichtregierungs-Organisation. Finanzielle Ungebundenheit und Flexibilität bei der Projektfinanzierung sind wichtige Grundlagen der Arbeit und werden überwiegend durch Spenden ermöglicht. Notfallprojekte werden zunächst mit eigenen Mitteln finanziert. Zugleich ruft Ärzte der Welt zu Spenden auf und beantragt Förderungen bei staatlichen, internationalen und privaten Institutionen. Ende 2012 hatte der Verein 53 Mitglieder. Etwa 200 Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit regelmäßig.

Vorstand Der alle drei Jahre neu gewählte ­Vorstand – bestehend aus Präsidium und erweitertem Vorstand – leitet den Verein.

© Suzanne Bruins

Präsidium

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Wir sind Teil des internationalen Netzwerkes von ­ Ärzte der Welt. Als Geschäftsstelle verstehen wir uns als Herz der deutschen Mitgliedsorganisation. Wir ­initiieren, planen und setzen (humanitäre) Projekte um, damit benachteiligte Menschen im In- und A ­ usland ­einen Zugang zur Gesundheitsversorgung erhalten. Dabei unterstützen wir bürgerschaftliches Engagement und die Arbeit Ehrenamtlicher. Unsere Aufgabe ist es, die durch das internationale Netzwerk und den deutschen Verein definierten Ziele professionell und engagiert umzusetzen. Als Mitarbeiter/-innen der ­Geschäftsstelle leben wir die Werte von Ärzte der Welt.

Prof. Dr. med. Heinz-Jochen Zenker ­Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Schwick Stellvertretender Vorsitzender Thomas Bader Schatzmeister

Erweiterter Vorstand Dr. Claudia Blanchard Dr. med. Jan Brommundt Dr. Maria Heinzlmann Dr. med. Reinhard Klinkott Prof. Dr. Dr. Günter Lauer Otto Neuer Dr. Hilke Schneider PD Dr. Dr. Katja Schwenzer-Zimmerer (Stand: Dezember 2012)

Die Geschäftsstelle Dr. Andreas Schultz Direktor/Gesamtleitung Marc Gemeiner Finanzen/Organisation Ursula Grosshans Sekretariat Gabriele Jüttner Spendenmanagement Katharina Radmüller Referentin Fundraising Robert Schwayer Assistent Spendenverwaltung Marion Chenevas Leitung Projekte Deutschland Suzanne Bruins Referentin open.med München Iris Scherrenbacher Referentin MedMobil Stuttgart Ute Zurmühl Leitung Öffentlichkeitsarbeit Damien Perrot Referent Öffentlichkeitsarbeit/ Veranstaltungen Bettina Rademacher Leitung Internationale Projekte Natascha Petersen Referentin Internationale Projekte Marisa Pietzsch Referentin Netzwerk und Kooperationen Sabrina Schmitt Leitung Bürgerschaftliches Engagement (Stand: Dezember 2012)


43 JahresBERICHT 2012

Unsere Werte

Anwaltschaftlich-solidarisch Anwaltschaftlich-solidarisch: Wir treten für die Interessen der schwächsten Bevölkerungsgruppen ein.

Demokratisch-partizipativ Demokratisch legitimierte Entscheidungsprozesse sind die Grundlage unserer Arbeit.

Transparent Wir vermitteln unsere Aktivitäten transparent und anschaulich.

Unabhängig Unser Handeln ist unabhängig von politischen, sozialen, religiösen und militärischen Interessen Dritter.

Würde- und respektvoll Wir achten die Menschenrechte und behandeln alle Menschen respektvoll und gleich. © Cheryl Nemazie

Nachhaltig Fachübergreifend und mit Akteuren vor Ort helfen wir dabei, die Gesundheit der Menschen langfristig zu verbessern.

Kostas Papanastasiou während einer ­Benefizveranstaltung des Berliner Forum Griechenlandhilfe in Köln. © Jürgen Rompf

„Ich stehe voll und ganz hinter der Arbeit von Ärzte der Welt. ­Diese Organisation ist human und handelt ohne eigene Interessen. Gut finde ich auch, dass die Patienten nie gefragt werden, aus welchem Land sie kommen oder wieviel Geld sie haben – Ärzte der Welt macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“ Kostas Papanastasiou ist Architekt, Sänger, Autor, Gastwirt und Schauspieler, u.a. in der ARD-Serie „Lindenstraße“. 2012 hat er das Berliner Forum Griechenlandhilfe mit gegründet, das regelmäßig Benefizaktionen für notleidende Menschen in Griechenland durchführt.


44 Jahresbericht 2011

Ärzte der Welt

Dankeschön Ehrenamtliche Die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfer/-innen macht ­unsere Projekte erst erfolgreich. Fast 8000 Mitwirkende unterstützen die Arbeit des internatio­ nalen Netzwerkes. Jährlich entsendet Ärzte der Welt über 300 internationale Kräfte in Projekte weltweit, wo sie eng mit über 2000 nationalen Teammitgliedern zusammenarbeiten. Wir sind stolz darauf, dass auch Ärzte der Welt Deutschland auf ein großes Netzwerk von Freiwilligen zurückgreifen kann und dass das Interesse sowie der Wille zur Unterstützung immer ­weiter wachsen. An dieser Stelle möchten wir uns von ganzem Herzen bei allen Ehrenamtlichen bedanken, die sich 2012 für Ärzte der Welt ­engagiert haben.

Stanglmair, Dr. Christoph Steidle, Dr. Hans Stohrer, Dr. Barbara Theml, Andreja Tomic, Dr. Susanne Vogel, Dr. Joachim Werner, Klaus Westenthanner, Kathrin Weyh, Julia Zimmer, Dr. Ludwig Zwack. Ein besonderer Dank gilt auch dem „Medizinerorchester und Chor München“ sowie allen Facharztpraxen, die open.med 2012 unterstützt haben.

Im Projekt MedMobil/Stuttgart Dr. Peter Bansbach, Margot Dorn, Dr. Monika Doufrain, Dr. Ursula Endress-Wach, Suky-Diane Gentner, Dr. Thomas Geyer, Dr. Verena Geyer, Edeltraud Haug-Hiegemann, Dr. Barbara ­Holzbaur, Dr. Hansmartin Killguss, Dr. Rita Kren, Dr. Walther Kren, Dr. Hannes Macholz, Armin Packe, Dr. Peter Pahl, Inge Rist, Dr. Elisabeth Schmid, Carmen Schnurr, Heidi Seibold, Lilian Siebenlist, Dr. Verena Wilhelm, Monika Wudi, Renate Bühner, Elisabeth Wanner, Andreas Hutter. Ein besonderer Dank gilt auch allen Facharztpraxen, die MedMobil 2012 unterstützt haben.

Im Projekt open.med/München Meryem Altuntas, Lukas Arenz, Leonie von Bomhard, Eva ­Clemenz, Inge Dorn, Dr. Britta Dechamps, Elisabeth Fässler, Sören Frahm, Madlen Fröhlich, Erik Gaitzsch, Dr. Karl Groos, Dr. Helmut Grumbach, Dr. Evelyn Hauenstein, Dr. Maria Heinzlmann, Dr. Brigitte Herborg, Neva Ivanova, Cevat Kara, Marie Kahan, Filipa Kaymakanova, Jenny Keiser, Anna Karim-Baumm, Anna Kirchhofer, Jonas König, Agnes Kupka, Indra Lopez ­Velasco, Irmi Luhmann, Dr. Friedemann Maier, Sarah Mannfeld, Dr. Silvia Mara Corso, Kalina Milenkovska, Marlene Mohn, Maria Mutzel, Johanna Müller, Melanie Nordman, Lisa Nüßlein, ­Katharina Pawlak, Birgit Poppert, Anna Ritzinger, Claudia ­Rokkita, Laura Romberg, Dr. Stefanie Sammet, Antje Sanogo, Dr. Peter Schwick, Kai Schumacher, Dr. Florian Sepp, Andrea

In Myanmar/Burma Dr. Hans-Peter Buchmann, Karin Driessler, Prof. Volker Klauss, Dr. Claudia Klauss, Dr. Sven Tomas Schaal, PD Dr. Carl-Ludwig Schönfeld, Prof. Martin Grüterich.

In Kambodscha (Aktion Lächeln) Prof. Dr. József Barabás, Dr. Isabelle Berg-Börner, Peter ­Dekoleadenu, Hans Gross, Dr. Walter Heindl, Christine Hofer, Dr. Irina Jung, Denise Krattiger, Dr. Dr. Steffen Müller, Lyda ­Muroi-Lo, Dr. Jean Rapidel, Yolande Sandorfi, Dr. Miodrag Savic, Sabine Scharenberg, Dr. Florian Sigloch, Dr. Thomas Schuster, PD Dr. Dr. Katja Schwenzer-Zimmerer, Dr. Reinhold Stricker, PD Dr. Nikolaus Wachter, Dr. Stephan Zimmerer.


45

Dr. Jan Brommundt

In der Münchner Geschäftsstelle von Ärzte der Welt und bei der Ausstellung „Gesundheit ist kein Luxus“

© Ärzte der Welt

Lukas Arenz, Linda Avena, Claudia Becker, ­Theresia Bock, Eva Clemenz, Karin Driessler, Dr. Frank Driessler, Brigitte Fandrich, Alice Fertig, Johannes Fischer, Gabriele Franz, Elfriede Gaigl, Rosa Gaube, Brigitte Geißinger, Eva Gröne, Sarah Henn, Nora Koenemann, Sigrid Leiss, Oliver Maschek, Maximilian Müller, Raimund Novak, Dietmar Pfeiffer, Claudia Pichlmeier, Gisa Ressel, Marion Samesch, Kai Schumacher, Jennifer Seibel, Andrea Stanglmair, Dr. Peter Strache, Maren Uffenkamp, Barbara Uhl, Susie Wimmer, Tony Yang, Mariam Yousaf und das KiS-Team vom Fremdspracheninstitut der Landeshauptstadt München.

Möchten auch Sie in Zukunft Teil des ehrenamtlichen ­Netzwerkes von Ärzte der Welt ­werden  ? Sabrina Schmitt freut sich über Ihr Interesse: 089 45 23 081-17, recruitment@­ aerztederwelt.org

„Mit meinem medizinischen Hintergrund möchte ich später in einer internationalen Gesundheitsorganisation arbeiten. Gut finde ich, dass ich bei open.med interkulturelle Fähigkeiten erlerne, die mir später sehr hilfreich sein werden.“ Andrea Stanglmair ist pharmazeutisch-technische ­Assistentin, steht kurz vor ihrem Abschluss zum Bachelor in Internationale Beziehungen und unterstützt das open.med Team in der Beratung und am Empfang. „Die vielfältige Arbeit von Ärzte der Welt, die flachen Hierarchien, das Bemühen, in Krisen­ gebieten nachhaltig zu helfen und Menschenrechtsverletzungen anzuprangern, die medizinische Behandlung von ‚Menschen ohne Papiere‘, die wirkungsvollen Ausstellungen, der Kontakt mit sehr netten Mitarbeitern und Ehrenamtlichen und vieles mehr – das alles ­zusammen ­finde ich sinnvoll und unterstützenswert.“ Dr. Peter Strache ist Zahnarzt im Ruhestand, ehrenamtlich tätig im Büro und auf dem Tollwood Winterfestival.

© Ärzte der Welt

Togo

© privat

Dr. Scott Berg, Dr. Birgit Kaliner, Dr. Charles Schupet, Dr. Peter Schwick, Dr. Torsten Uhlig.

„Ich sehe den Beruf als Ärztin auch als eine ­soziale Aufgabe – Ärzte sollten einen sozialen Beitrag in unserer Gesellschaft leisten. Bei open.med kann ich mich ehrenamtlich engagieren und gleichzeitig Erfahrungen für meinen späteren Beruf sammeln.“ Marie Kahan engagiert sich ehrenamtlich bei open.med. Sie unterstützt als Medizinstudentin den Arzt/die Ärztin im Behandlungszimmer.

„Ich arbeite ehrenamtlich bei Ärzte der Welt, weil ich sehr gerne meinen kleinen Beitrag für diese große Sache leiste.“ Rosa Gaube, ausgebildete Journalistin und Ehren­ amtliche in der Öffentlichkeitsarbeit. Hier im Bild mit ­Susie Wimmer von den Clowns ohne Grenzen e.V.

© Ärzte der Welt

In Kambodscha ­(Ultraschallschulung)

© Ärzte der Welt

JahresBERICHT 2012


46 Ärzte der Welt

Dankeschön Partner & Förderer 1-Euro-Spende der Süddeutschen ­Krankenversicherung

Olympus Europa Stiftung ­unterstützt ­Augenprojekt in Myanmar

Ärzte der Welt ist Partner für die 1-Euro-Spende von REISEplus. Die SDK-Stiftung unterstützt so das internationale humanitäre Netzwerk finanziell bei seiner Arbeit. Reisende, die Erkrankungen im Ausland bei der SDK abgesichert haben, können den Hilfsprojekten unkompliziert mit einem Euro oder mehr helfen. Die dahinter stehende Idee: Die SDK sichert ihre Kunden weltweit bei Reisen ab. Ärzte der Welt hilft denjenigen, die nicht einmal im eigenen Land die nötige Absicherung haben – geschweige denn, ans Reisen denken können. Im Jahr 2012 sind über diese Kooperation mehr als 15 000 Euro gespendet worden. Dafür vielen herzlichen Dank!

Bereits im zweiten Jahr finanziert die „Olympus Europa Stiftung Wissenschaft fürs Leben“ die Projektkosten in Höhe von 70 000 Euro für das Augenheilkunde-Programm. Diese Finanzierung erlaubt es den augenärztlichen Teams, zweimal im Jahr nach Myanmar zu reisen und dort Menschen mit grauem Star und anderen Augenkrankheiten zu operieren und zu heilen. Bei allen Einsätzen sind immer lokale Kräfte involviert; Augenärzte und speziell ausgebildete Augen-Pfleger aus der Region arbeiten mit dem deutschen Team vor Ort zusammen. Für die nächsten Einsätze sind neben den Operationen auch Weiterbildungen an der Universität in Yangon zu verschiedenen Themen der Augenheilkunde geplant. Wir bedanken uns recht herzlich für die Unterstützung!

Musizieren für open.med

Marc Gemeiner von Ärzte der Welt und SDK-Vorsitzender Klaus Henkel bei der Scheckübergabe. © Ärzte der Welt

Im Jahr 2012 gab das „Medizinerorchester und Chor München“ wieder mehrere Benefizkonzerte zugunsten von Ärzte der Welt. Mit einem abwechslungsreichen Programm begeisterten die jungen Musiker die Zuhörer/-innen in den Münchner Kliniken Großhadern und rechts der Isar. Zwei Mal im Jahr stellen sie ein solches Konzertprogramm auf die Beine und widmen die gesammelten Spenden einem wohltätigen Zweck. Für Ärzte der Welt kamen dabei im vergangenen Jahr 3650 Euro zusammen. „Man darf nicht vergessen, dass es Menschen in München gibt, denen es nicht so gut geht wie uns. Sie können zum Beispiel nicht wie wir einfach zum Arzt gehen. Eine Anlaufstelle wie open.med, die sofort und unbürokratisch hilft, ist Gold wert. Deshalb haben wir uns entschieden,


47 JahresBERICHT 2012

Diese Unternehmen, Institutionen und ­Organisationen enga­ gieren sich zusammen mit Ärzte der Welt für einen verbesserten Zugang zu medizinischer Versorgung:

das Projekt zu unterstützen. Wenn man sich engagiert, kriegt man nur selten so direkt wie im Fall von open.med mit, dass das Geld tatsächlich ankommt“, begründet Chorleiter Johannes Kirchhofer das Engagement. Auch Anna Kirchhofer, als Ehrenamtliche bei open.med ­tätig und leidenschaftliche Musikerin, betont: „Die meisten von uns engagieren sich für open.med, weil das Projekt quasi vor der eigenen Haustür liegt. Natürlich ist es auch wichtig, anderswo auf der Welt Hilfsprojekte zu unterstützen. Aber hier kann man eben genau sehen, wofür das Geld verwendet wird. Und für uns als Medizinstudenten ist es besonders wichtig einen Beitrag dazu zu leisten, dass jeder Mensch Zugang zu einer medizinischen Versorgung erhalten kann.“ Für die großzügige Spende und das beispielhafte Engagement aller mitwirkenden Studierenden bedanken wir uns ganz herzlich!

Die Freude über die Spende war groß bei den Musiker(inne)n, bei Marion Chenevas und Sarah Mannfeld (li.) von Ärzte der Welt. © Ärzte der Welt

Aidshilfe Stuttgart e.V. Aktion Renovabis e.V. Ambulante Hilfe Stuttgart e.V. Augusta Technologie AG Café 104 Career Service der Ludwig-Maximilians-­ Universität München Caritasverband für Stuttgart e.V. ConSol GmbH Daimler AG Dr. Heinz-Horst Deichmann Stiftung Einhornapotheke Stuttgart Gaisburg Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V. Französisches Institut in München Fremdspracheninstitut der LHS München – Team KiS Geistlich Pharma AG Goethe-Apotheke München HelpDirect Job Scout24 L’Oréal Foundation Landwehr Apotheke München LX-Systems, Feltl, Computer Software Consulting München Medizinerorchester und Medizinerchor München M-Net Olympus Deutschland GmbH Olympus Europa Holding GmbH Olympus Europa Stiftung Olympus Soft Imaging Solutions GmbH P.M.R. – Precious Metal Recycling SAP AG SDK Stiftung Sozialberatung Stuttgart e.V. Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Sternstunden e.V. Süddeutsche Krankenversicherung a.G. synlab Labor München Zentrum GbR Tollwood GmbH Turbon Europe GmbH Umicore AG & Co. KG We care charity-label Winter & IBE GmbH Wölfel GmbH


C : 100 M : 60 J:0 N:0 Médecins du monde - Identité visuelle ALLEMAGNE

DIE WELT VERGISST SCHNELL. WIR HELFEN WEITER.

08/07/2009

Aerzte der welt jahresbericht 2012  

Annual report of Doctors of the World in German

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