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100 Jahre St. Maternus Merbeck

D ER H IMMEL

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Eine der ersten Postkarten von Merbeck.

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JAHRE S T. M A T E R N U S MERBECK

Mit neuen Augen sehen.

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ie Pfarrkirche St. Maternus in Merbeck feiert im Jahr 2004 ihren 100. Geburtstag. Die letzten anderthalb Jahrzehnte standen im Zeichen gründlicher Renovierungen der gesamten Kirche und des Pfarrhauses. Sogar ein neues Pfarrheim wurde gebaut. Der Bildband „Der Himmel auf Erden“ erscheint zu diesem Jubiläum. Im Titel spiegelt sich die wunderschöne neugotische Ausmalung der Kirche wieder, die Sinnbild ist für einen Blick ins Paradies. Dieses Buch soll Dokumentation sein für die hervorragende Arbeit, die von den Geistlichen, von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat, den vielen Spendern, freiwilligen Helfern und ausführenden Firmen geleistet wurde.


Innenansicht mit neuem Altar aus dem Jahr 2004.

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JAHRE S T. M A T E R N U S MERBECK

Mit offenen Augen entdecken.

A

ls die Gestalter dieses Buches mit offenen Augen durch die renovierte Pfarrkirche St. Maternus Merbeck gingen und die vielen herrlichen Details in den Fenstern, an den Wänden und auf den Altären bewußt wahrnahmen, war bald klar: das vorliegende Werk soll entscheidende Anregung sein, die Kirche neu zu sehen, sich an den kunstvoll ausgearbeiteten Details der Darstellungen zu erfreuen, das Wissen um die religiösen Hintergründe wieder zu beleben. Das Buch zeigt eine Fülle von Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart der Pfarrgemeinde St. Maternus Merbeck, beschreibt das Gotteshaus in seiner vollen Schönheit. Eine Einladung, Kirche und Ort einmal ganz nah zu betrachten und dabei völlig Neues zu entdecken.


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JAHRE S T. M A T E R N U S MERBECK



Rechts:

2004

Das offizielle „Siegel der Pfarrgemeinde Merbeck“ seit November 1936. In der Mitte die beiden Schutzheiligen des Ortes: links die heilige Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria, rechts der heilige Maternus.

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Vorige Seite: Das noch erhaltene Wandgemälde links im Chorraum zeigt eine Szene aus dem Evangelium „Christus

ie letzten anderthalb Jahrzehnte standen in unserer Pfarrgemeinde St. Maternus Merbeck im Zeichen gründlicher Renovierungen der gesamten Kirche innen und außen sowie des Pfarrhauses. Sogar ein komplettes neues Pfarrheim wurde gebaut. Dieses Buch soll Dokumentation sein für die hervorragende Arbeit, die von den Geistlichen, dem Kirchenvorstand, dem Pfarrgemeinderat, den vielen Spendern und freiwilligen Helfern, den ausführenden Firmen geleistet wurde.

und die EmmausJünger“. Es ist 100 Jahre lang nicht übermalt und nur in kleineren Teilen restauriert.

Ein ganz besonderer Dank gilt Laurenz Orths, der über viele Jahre mit unermüdlicher Kraft die Arbeiten vorantrieb, Konflikte ausglich, immer wieder zu begeistern verstand.

Mit neuen Augen sehen.

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ls die Gestalter dieses Buches mit offenen Augen durch die renovierte Pfarrkirche St. Maternus gingen und die vielen herrlichen Details in den Fenstern, an den Wänden, auf den Altären und im Fußboden bewußt wahrnahmen, war bald klar: das vorliegende Werk soll sowohl dem schnellen Betrachter als auch dem gründlichen Leser entscheidende Anregung sein, die Kirche neu zu sehen, sich an den wunderbaren Einzelheiten der Darstellungen zu erfreuen, das Wissen um die religiösen Hintergründe neu zu entdecken. Die Seligpreisungen in den Fenstern, die Statuen der Apostel Petrus und Paulus noch aus der alten Merbecker Kirche, die Darstellung von Parallelen der Legenden und Wirklichkeiten aus dem Leben des heiligen Maternus im Hauptalter - das sind nur einige von vielen Beispielen im Buch, die dazu beitragen sollen, die Pfarrkirche in ihrer ganzen Schönheit wieder bewußt zu erleben.


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JAHRE S T. M A T E R N U S MERBECK Herausgegeben im März 2004 anläßlich des 100-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung der neuen Kirche am 13. März 1904.


Impressum Herausgegeben von der Katholischen Kirchengemeinde St. Maternus Merbeck ©Idee, Konzept, Design, DTP, Ausführung und Produktion: ArtKonzept Michael Körner, Diplom Designer Text: Hans Joliet und Michael Körner

Fotos: Hans-Peter Gerads und Michael Körner Rechts: Druck:

Das Firmament

drukkerij binderij

über dem Marien-

steyl b.v.

Altar im linken

März 2004

Seitenschiff: Die Sonne als

Danke!

Mittelpunkt des

Vielen Dank an alle

Himmels, von den

Firmen und Privat-

Rippen aus ragen

personen, die dieses

helle Ornamente

Projekt unterstützt

hinein. Darunter

und möglich

die Phantasiepflan-

gemacht haben!

zen des Paradieses.


100 Jahre St. Maternus Merbeck

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Links: Das Fenster über der Frauenpforte. Für uns bedeutet diese Weisung, daß wie vor Jahrtausenden der Ort, an dem Gott wohnt, ein besonderer ist. Die Menschen, die ihn in seinem Hause besuchen, haben Respekt und Ehrfurcht zu zeigen, sich der Heiligkeit des Ortes bewußt zu sein.


1985 Worte aus der Silvesteransprache am 31. Dezember 1985 von Pfarrer Innocenz Damhuis.

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an müßte wieder die Kirche als Mysterium, als geheimnisvollen Leib Christi sehen, und nicht als Apparat oder Institution.

Wenn wir sie wieder als göttliche Stiftung sehen, dann werden wir auch mit mehr Ehrfurcht und Liebe über sie sprechen. Man beklagt den Verlust von Ehrfurcht beim Gottesdienst, Verlust überhaupt für das Heilige, Verlust an Innerlichkeit und Stille, an persönlicher Anbetung. Man erlaubt sich im liturgischen Bereich zu große Freiheiten, so daß das Mysterium Christi überhört wird.


Ich möchte allen Pfarrangehörigen danken für ihr Gebet und dafür, daß sie der Pfarrgemeinde treu geblieben und nicht auf das Gerede der Gleichgültigen hereingefallen sind: „Kirche bringt mir nichts, Kirche sagt mir nichts." So können nur Christen reden, die den Glauben zwar am Rande miterleben, aber innerlich dabei leer sind. Vom Geheimnis Christi, Mysterium Christi aus kommt der Segen Gottes für Euch, für Eure Familien und für Eure Arbeit.

Innocenz Damhuis. Heute noch bei vielen Pfarrangehörigen unvergessen ist der vorläufig letzte eigene Pfarrer von St.Maternus Merbeck, Innocenz Damhuis OCarm. Er war von 1967 bis 1990 hier tätig. In dieser Zeit taufte er 365 Kinder, reichte 529 Kindern die Erste Heilige Kommunion, traute 178 Paare, war bei 338 Beerdigungen Trost und Beistand.

Unsere Kirche ist für alle offen.

In seiner wenigen freien Zeit hegte und pflegte er im Garten hinter dem Pfarrhaus seine Hühner und Gänse.


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Inhalt Oben: Das erste Postkartenfoto von Kirche und Pfarrhaus aus dem Jahre 1904. Auf der rechten Seite der Postkarte die Wirtschaft J.M.Clingen am Dorfausgang nach Niederkrüchten. Im Hintergrund rechts befindet sich heute noch die Bäckerei Zielinski.

Mit neuen Augen sehen : seite 02 Impressum : seite 04 Silvesteransprache 1985 von Pfarrer Damhuis : seite 08 Ein kurzer Blick weit zurück : seite 12 Vor 180 Jahren : seite 15 De Peäperdues : seite 19 Ein Orgelkasten für 12 Thaler : seite 22 Neue Kirche. Neuer Name : seite 24 Spiegelverkehrt? : seite 27 Der 1. Stein : seite 31 Neunzehnhundertvier : seite 37 Wo sich Männer verirren dürfen : seite 38 Drei Altäre müssen sein : seite 40 Vier mal drei Glocken : seite 43 Die Glocken locken : seite 44 Feierlicher Einzug : seite 48

Irdisches Paradies : seite 52 Von der Kanzel : seite 55 In Holz gestochen, und fein polychromiert : seite 56 Vierzehn Stationen : seite 58 Der Mann mit den Netzstrümpfen : seite 60 Die Ausmalung der Kirche : seite 62 Vier Väter : seite 66 12 Sternkreisbilder : seite 71 Unser Pfarrpatron : seite 72 Zwei Nebenaltäre : seite 76 Jesus dir lebe ich : seite 78 Anna! Steh’ auch uns Armen bei : seite 83 Das Rätsel der Anna-Grotte : seite 86 Mutter v.d. immerwährenden Hülfe : seite 87 Der neue Altar : seite 88 Die herrlichen Fenster : seite 93


I NHALT Künstlerisch. Dauerhaft. Vollendet : seite 94 Ziehe deine Schuhe aus… : seite 97 Selig die Armen im Geiste… : seite 98 Die Erstkommunion des Aloysius : seite 101 Maria auch unsere Mutter : seite 102 Das Weihnachtsfenster : seite 105 Anna Selbdritt : seite 106 Der Heilige Geist kommt herab : seite 109 Die Fratzen in den Fenstern : seite 111 Die Rückkehr des verlorenen Sohnes : seite 113 „Cantatibus organis“ : seite 114 Christus bei den Emmaus-Jüngern : seite 116 De Cruce Diu : seite 118 Krieg : seite 120 Kriegerdenkmal : seite 123 Das historische Kreuz : seite 124 Alles bleibt wie es war : seite 127 Von St. Joseph und der Bücherei : seite 132 Dorfpartie mit Pastorat : seite 134

Vom Heim der Pfarre : seite 136 Afrikanische Nacht in Merbeck : seite 137 Herz Jesu, Herz Mariä : seite 139 Wegekreuz und Hagelkreuz : seite 140 Hoch über allem : seite 142 Richtfest 1996 : seite 143 Kevelaer und wie’s mal war : seite 144 Fronleichnam : seite 146 Primizen und Hochzeiten : seite 148 Erstkommunion : seite 150 100 Jahre Maternus. 130 Jahre Cäcilia : seite 153 Weihnachten : seite 154 3-Königs-Graffiti : seite 157 Die Buch-Macher : seite 158 Zu guter Letzt : seite 159 Die Sponsoren. Danke! : seite 160

Oben: Ausschnitt aus dem noch im Original erhaltenen Wandgemälde im Altarraum. Links: Kirche und Pfarrhaus aus Richtung Sportplatz im heissen Jahrhundertsommer 2003. Morgens um 6.

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1295

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Ein kurzer Blick weit zurück. Von den alten Römern. Von Marbach. Von den Anfängen der Merbecker Kirche im Mittelalter.

Unten rechts: Alte Ansicht von Niederkrüchten mit weißgekälkten Häusern und einer Mauer um die Kirche.

Unten: Das Herzogtum Geldern im Jahre 1696.

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ir Merbecker können stolz sein auf unser Dorf. Wobei wir Schwaam, Tetelrath, Venn und Venheyde natürlich mit einschließen. Schon immer gefiel es den Menschen in unserer Gegend. Die Lage des Ortes am Gewässer spricht für frühe vorgeschichtliche Besiedelung. Keramikbruchstücke und Dachziegelbrocken lassen auf Bauten aus der Römerzeit schließen. Auch die ursprüngliche Aufteilung des Dorfes könnte dem römischen Vermessungssystem entsprechen. Und wir alle haben während unserer Merbecker Schulzeit gelernt, die Kahrbahn nahe dem Ort sei ursprünglich eine römische Heerstraße gewesen. Wie oft sind wir darüber gerannt oder mit dem Rad gefahren und haben uns vorgestellt, mit den Legionen des Kaisers zu marschieren. Immerhin ist unsere schöne Landschaft von etwa 50 v. Chr. bis etwa 400 n. Chr. römisches Besatzungs- und Siedlungsgebiet.

Die Anna-Kapelle im Mittelalter.

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rstmals dokumentiert wird Merbeck im Jahre 1295, damals noch als „Marbach“. Und das Schrifttum des 15. Jahrhunderts erwähnt eine Kapelle im Ort. Sie ist Anna, der Mutter Mariens, geweiht. Aber bis zur eigenständigen Pfarrei dauert es noch. Allen Gläubigen ist auferlegt, in Niederkrüchten ihr Heil zu suchen. Dort gibt es seit etwa 1150 eine Kirche. Und Jahrhunderte lang müssen die Merbecker und die Anwohner aus den umliegenden Weilern im Sommer wie Winter, bei jedem Wind und Wetter durch Heide und Moorbrüche nach Niederkrüchten und zurück wandern, um ihrer Sonntags- und Feiertagspflicht zu genügen. Zwar werden ab 1806 auch in der kleinen Merbecker Kapelle Messen gelesen. Aber die Gläubigen erstreben die eigenständige Pfarrei.


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Links: Der Altar der heiligen Mutter Anna steht im rechten Seitenschiff. Die heilige Anna gilt seit dem Mittelalter als Ortspatronin von Merbeck. Im Ausschnitt dargestellt sind Anna und ihre Tochter Maria.



D ER B EGINN

DER

Vor 180 Jahren erhielt das Dorf die eigene Pfarrei.

P FARREI M ERBECK

1817

Merbecker wollten nicht mehr durchs Moor zur Kirche. Von Folkmar Pietsch

Linke Seite: Aus einer alten Handschrift über Genehmigung, Planung und Bau

WEGBERG. Also, das wollten die Merbecker nicht länger mitmachen: Bei den schwierigen Wegeverhältnissen - vor allem im Winter - durch Heide und Moorbrüche nach Niederkrüchten wandern, um in der dortigen Kirche den Meßfeiern beizuwohnen. Sie wollten ihre eigene Pfarrei - denn bis dahin waren die Merbecker, die ihre Kapelle bereits zur Kirche umgebaut hatten, der Pfarre Niederkrüchten unterstellt. Das war vor 180 Jahren. Und der Wunsch wurde in der Diözese Lüttich, bei der Bezirksregierung Aachen und im preußischen Finanzministerium erhört: Von dort kam im Juni 1818 die Genehmigung und im November des Jahres von der Diözese Lüttich die Urkunde für eine eigene Pfarrkirche. Bis dahin war`s allerdings ein weiter Weg. Die erste Eingabe der Merbecker an die Bezirksregierung Aachen stammt vom 26. Mai 1817, und darin wurde der Wunsch, eine eigene Pfarrei zu genehmigen, in erster

Linie mit der weiten Entfernung nach Niederkrüchten begründet. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, daß man die bisherige kleine Kapelle zu einer „ordentlichen Kirche umgebaut, eine anständige Wohnung - in Stein - für einen Geistlichen gebaut und einen Garten dazu erworben“ habe. Auch sei ein Kapitalfonds von 1500 clevischen Reichstalern vorhanden. Ermuntert durch Königs Willen. Ihrer Eingabe fügten die Merbecker hinzu: „Ermuntert durch die laut ausgesprochene Willens Meinung unseres allergnädigsten Königs für die Erleichterung und Vermehrung des christlichen Gottesdienstes ohne Unterschied der Konfessionen, und veranlaßt durch ein Rundschreiben des Lütticher Vikariates, wegen der Einsassen von Merbeck und der derselben zunächst gelegenen Ort-

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der eigenen Merbecker Kirche.

Die Rheinische Post Erkelenzer Zeitung vom 29. Juli 1998.


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1817 Rechte Seite: Der Originalplan zur Vergrösserung der katholischen Pfarrkirche in Merbeck. Gezeichnet am 15.

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schaften, ihre Wünsche und Bedürfnisse der hochlöblichen Regierung vertrauensvoll vorzutragen…“ Und dann folgte der Hinweis auf den „sehnlichsten Wunsch nach einer eigenen Pfarrei, damit für den Pfarrgottesdienst und zur Unterweisung im Christentum für Jugend und Erwachsene - dessen sie bei der großen Entfernung von dem Hauptpfarrort Niederkrüchten jetzt häufig entbehrten - diesen öfter genießen möchten“. Unterschrieben war die Eingabe von Leonardus Ryx und Johannes Wilhelmus Paulsen, Kirchmeister, Wilhelmus Geerkens und Matthias Poolen, Gemeinderat, Matthias Boeds, Gemeinderat von Blonderath, Michael Michiels, Merbeck, Matthias Stypertz, Tetelrath, Peter Vosdellen, Venheyde, und Jakobus Michiels, Schwaam.

April zu Linnich im Jahre 1822.

Unterschrift zurückgezogen. Nach der Eingabe, welche die Orte Merbeck (377 Einwohner), Tetelrath (126), Blonderath (25), Venn (72), Venheyde (80) und Schwaam (110) betraf, gab es mehrere Versammlungen, die offenbar recht turbulent waren. So zog Matthias Boeds seine

Unterschrift zurück - er sei überredet worden. Der Pastor von Niederkrüchten meinte, Schwaam wolle nicht zu Merbeck, sondern nach Rickelrath. Der Gemeinderat von Niederkrüchten hatte nichts gegen die Pfarrerhebung in Merbeck, und der Friedensrichter von Niederkrüchten bestätigte, daß die Kirche zu klein sei. Der Niederkrüchtener Kirchenvorstand wandte sich jedoch gegen eine Pfarrerhebung, und die Regierung in Aachen beauftragte den Landrat, die Bürger von Merbeck und den benachbarten Orten zu befragen. Das geschah am 29. August 1817. Eine Versammlung wurde einberufen, in der die Kirchmeister Leonhard Ryx und Johann Wilhelmus Paulsen sich bereit erklärten, das Pfarrer-Gehalt zu zahlen, sofern es nicht durch Staatszuschuß gedeckt werde. Das wurde nicht erforderlich, denn das Finanzministerium in Berlin bewilligte 1818 das Gehalt von 500 Francs. Somit erhielt Merbeck vor 180 Jahren eine eigene Pfarrei und einen Pfarrer.


Aus dem Grundriss der ersten Merbecker Kirche ist deutlich zu erkennen: die alte Kapelle aus dem 18. Jahrhundert (graue Linien) mit drei Stichbogenfenstern an einer Langseite wird der Chorraum der ersten Merbecker Kirche. Diese entsteht durch ein 1824 an die Kapelle angebautes Langhaus (rote Linien). Die Abmessungen der alten Kapelle betragen 8,40m Länge und 6,30m Breite. Das neue Gotteshaus einschlieĂ&#x;lich der zum Chorraum umgewandelten Kapelle ist dann insgesamt ca. 19,50m lang und 8,50m breit.



D IE E RSTE M ERBECKER K IRCHE

De Peäperdues. Alte Kapelle mit neuem Langhaus. Historischer Standort beim heutigen Ehrenmal. 30. November 1818: eigene Kirche genehmigt.

D

ie Merbecker, Schwaamer, Tetelrather, Venner und Venheyder feiern ihren großen Erfolg. Franziskus Arnoldus Barrett, zuständiger Generalvikar in Lüttich - zu dieser Diözese gehörten wir damals - sendet datiert auf den 30. November 1818 das offizielle Schreiben mit dem Siegel seiner Kathedrale: eigene Sukkursal-Pfarrkirche genehmigt. Für uns Merbecker ist dieser Tag das Gründungsdatum unserer Pfarrei. Erwähnt werden muß auch die vorhergehende Urkunde vom 23. Juni 1818 aus Berlin, mit der S. Königliche Majestät nicht nur die staatliche Genehmigung erteilt, sondern auch dem anzustellenden Pfarrer ein Gehalt von 500 Francs aus der Staatskasse zubilligt.

1818

Alte Kapelle mit neuem Langhaus.

Ü

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brigens bedeutet „Sukkursal-Pfarrkirche“ tatsächlich „Hilfs-Pfarrkirche“. Also ist noch viel zu tun, damit das „Sukkursal“ verschwindet. Soviel Ehrgeiz hatten wir Merbecker schon damals. Die alte rechteckige Kapelle aus dem 18. Jahrhundert, 8,40 m lang und 6,30 m breit, mit drei Stichbogenfenstern an der Langseite, wird der Chorraum der neuen Kirche, die 1824 durch ein angebautes Langhaus entsteht. Das Gotteshaus ist dann insgesamt ca. 19,50 m lang und 8,50 m breit. Das kleine sechseckige Türmchen ist mit einer gewölbten runden Metallkuppel gedeckt und sieht aus wie ein überdimensionaler Pfefferstreuer. Deshalb nennen es die Merbecker so liebevoll wie leicht ironisch „Peäperdues“. Wackelig soll es auch gewesen sein.

Linke Seite: Die vordere Ansicht der alten Kirche. Unten: Bildkarte mit Andenken an das hunderjährige Jubiläum der Pfarrerhebung von Merbeck 1818-1918. In trauriger Zeit gefeiert durch Abhaltung der Mission vom 20.-27.Juli 1919.


Links: Das Äußere und das Innere der alten Kirche. Aufnahmen aus einer alten Merbecker Pfarrchronik.

Historischer Standort beim heutigen Ehrenmal.

Ü

ber den Standort dieser ersten Merbecker Kirche sind wir sicher. Im Bereich des Ehrenmals für unsere Gefallenen beider Weltkriege muß die Kapelle gestanden haben. Die Fundamente aus rotem Sandstein liegen heute noch unter dem Gehsteig bis etwa zur Mitte der Arsbecker Straße. Auch über die Ausstattung der Kirche wissen wir noch einiges. So gibt es einen einfachen Rokokoaltar vom Ende des 18. Jahrhunderts. Muttergottes aus dem 15. Jahrhundert. Die Barockkanzel aus dem 18. Jahrhundert hat einen Schalldeckel und ein ornamentiertes, durchbrochenes Treppengeländer. Auch zwei wertvolle etwa 60 cm hohe, leider nicht mehr vorhandene Holzfiguren schmücken den Innenraum: eine Muttergottes aus der Mitte des 15. Jahrhunderts sowie Anna Selbdritt (Mutter Anna, Maria und das Jesuskind) vom Ende des 15. Jahrhunderts. Auch von zwei Glöckchen aus dem Jahre 1720 ist die Rede.


D IE E RSTE M ERBECKER K IRCHE

Der Rokokoaltar vom Ende des 18. Jahrhunderts. Die beiden Statuen von Petrus und Paulus sind in die neue Kirche 端bernommen worden.

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1829 Rechts: Disposition und Kostenanschlag für die neue Orgel im Jahre 1905.

Unten: Das Grabkreuz von Pfarrer Johann Norbert Breuer.

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Ein Orgelkasten für 12 Thaler. Anno 1834: die erste Orgel in Merbeck: 1905 kommt die zweite. Die heutige Orgel spielt seit 1972.

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ir heutigen Besucher der Merbecker Kirche, verwöhnt von harmonischen Orgelklängen, dem wohltönenden Gesang des Kantors und der Gemeinde, von einem weit über die Dorfgrenzen geschätzten Kirchenchor, können uns unser Gotteshaus ohne eigene Orgel gar nicht mehr vorstellen. Und doch fehlt sie über ein Jahrzehnt lang in der ersten Merbecker Kirche. Anno 1829 stellt der erste Merbecker Pfarrer Johann Norbert Breuer den Antrag, eine Orgel für St. Maternus anschaffen zu dürfen. Drei Jahre später wird er genehmigt. Der Eifeler Orgelbauer Paulus Müller in Reifferscheid erhält am 8. Oktober 1833 den Auftrag. Seine erste Orgel soll er schon 30 Jahre vorher gebaut haben; neue Instrumente hat er schon für andere Kirchen in der Region geliefert. Der Vertrag wird am 23. Dezember 1833 durch den Kölner Generalvikar Hüsgen genehmigt - vorbehaltlich der Zustimmung der Königlichen Regierung. Wer sagt da noch, erst unsere Zeit stelle hohe bürokratische Hürden.

Orgelspiel zum Maternus-Fest. Der Vertrag enthält unter anderem die Bedingung eines Liefertermins: die Orgel soll am Fest des heiligen Maternus im September 1834 in der Kirche gespielt werden können; das Ziel wird erreicht.

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nd der Orgelbauer Paulus Müller verpflichtet sich, beim Abholen des Geldes in Merbeck in den Jahren 1835 und 1836 das Instrument zu warten und falls erforderlich kostenlos zu reparieren. Das wird geschehen sein - Nachteiliges ist uns nicht bekannt. Diese erste Merbecker Orgel ist sicherlich nur ein kleines Instrument. Aber sie erklingt zur Freude des Herrn und seiner kleinen Dorfgemeinde sieben Jahrzehnte lang. Erst 1905 wird eine neue Orgel mit 12 Registern angeschafft. Diese spielt 67 lange Jahre, bis auch ihre Zeit abläuft.


Orgel

346 Thlr.

die Hälfte zu zahlen beim Abholen des Instrumentes,

Die dritte Merbecker Orgel.

A

vom Rest die Hälfte im September 1835, die andere im September 1836 Zwei Karren Orgelkasten ganz herrlich verziert und aufgestellt

Bild oben: Die

12 Thlr. 12 Thlr.

b 1965 wird fleißig gesammelt und gespendet. 1970 errichtet man eine neue Orgelbühne unter der alten. Und am 3. September 1972 findet die feierliche Einweihung der dritten Merbecker Orgel statt. Sie ist mit 17 Registern und 1160 Pfeifen aus Holz, Zinn und Kupfer ausgestattet. Gebaut hat sie Orgelbaumeister Heinz Wilbrand aus Übach-Palenberg. Sie wird vom Orgelbaumeister Wolfgang Böttner aus Frankenberg/Eder intoniert. Die Firma Willi Weyers in Merbeck fertigt das Eichenholzgehäuse. Und seit über 30 Jahren spielt nun Ulrich Kebeck zur Freude der Gemeinde diese Orgel.

Orgel im Jahr 2004. Links: Der Entwurf für die Orgel aus dem Jahre 1905. Links unten: Die alte Orgel wird am 22. Juli 1834 mit zwei Karren von Merbeck aus abgeholt - Reifferscheid ist immerhin 19 Stunden entfernt. Die Kosten interessieren uns heute noch.


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1901

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Neue Kirche. Neuer Name. Pfarrer Josef Heyden widmet sich dem Neubau. Kleinbauern und arme Weber gehen sammeln. Startkapital rund 30.000 Mark. Ein Name wird schnell gefunden.

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Unten: Der Grabstein von Pfarrer Josef Heyden auf dem Merbecker Friedhof nahe der Kirche.

ie erste Merbecker Kirche - die alte Kapelle mit 1824 angebautem Langhaus - wird im Laufe der Jahrzehnte viel zu klein. Immer mehr Menschen leben in dem schönen Dorf mit den Weilern Schwaam, Tetelrath, Venn und Venheyde. Die Gemeinde wächst auf 1000 Seelen. Aber schon die 178 Kinder allein könnten 1893 das Kirchlein füllen. Also müssen viele Gläubige vor der Tür draußen im Freien den Gottesdienst mitfeiern. Josef Heyden, am 24. August 1901 zum neuen Pfarrer in Merbeck ernannt, widmet sich sofort energisch dem schon lange erforderlichen Neubau einer größeren Kirche. Schon am 6. Oktober 1901 versammelt sich die ganze Gemeinde, um darüber zu beraten. Obwohl vor allem aus Kleinbauern und armen Webern bestehend findet sie Wege, um an das e r f o rd e r l i c h e Startkapital zu kommen. Der Kirchenvorstand

beschließt am 24. Januar 1902, den Kölner Architekten Rüdell und Odenthal gegen ein Honorar von 1800,Mark die Bauleitung zu übertragen. Eine dreischiffige Backsteinkirche mit Querschiff in neugotischen Formen für tausend Pfarrangehörige soll es werden.

Der Kirchenname aus Köln.

U

nd woher kommt die Namensgebung von „St. Maternus" für unsere Pfarre? Man nimmt an, der oft zitierte, längst verschwundene Houbenhof in Merbeck, der seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar war, sei Mittelpunkt des Dorfes gewesen. Noch heute heißt ja eine Straße „Am Houbenhof“. Etwa dort soll der große Hof gelegen haben, der Eigentum des Kölner Domkapitels war. Und da der heilige Maternus im 4. Jahrhundert als der erste Bischof von Köln gilt, könnte diese Verbindung hinter der Namensgebung unserer Pfarre stehen.


Links: Urkarte aus dem Jahre 1842: In der Wegkreuzung links die Lage der alten Kirche, nachtr채glich hinein skizziert ein Plan zur Lage der neuen Kirche.


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D ER E RSTE L AGEPLAN

Spiegelverkehrt? 100 Mark als Geschenk, weil die Kirche gegenüber gebaut wird.

1903

Der ursprüngliche Lageplan. In den Lageplan eingezeichnet ist der ursprünglich vorgesehne Bauplatz für die neue Kirche - schräg gegenüber der Stelle, wo sie heute steht. Die alte Pfarrchronik beschreibt, wie es dazu kommt:

Zuerst wollte man die neue Kirche neben die alte Kirche an der Straße, die nach Arsbeck führt, der Wirtschaft H. Heinrichs gegenüber, bauen. Der z. Pfarrer hielt dies aus mehreren Gründen für unausführbar und gab seine Einwilligung nicht. Dann sollte die Kirche dem Pastorat gegenüber auf dem Platz gebaut werden, wo jetzt das neue Haus des H. Joh. Birx steht. Die Kirche hatte zu dem Zwecke das Kirchenland neben dem früheren Pastoratspark vertauscht mit dem genannten Platz, der dem H. Joh. Birx gehörte. Dabei hatte man nicht beachtet - der Pfarrer war noch neu - daß ein Teil dieses vertauschten Kirchenlandes zum neuen

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Linke Seite:

Kirchhofe gehörte, der nur zur Hälfte angelegt war. Als der Pfarrer dies dem H. Joh. Birx mitteilte, erklärte dieser, dann könne er den Tausch nicht eingehen, und bot zugleich 100 Mark als Geschenk, wenn die Kirche nicht auf seinem Acker gebaut würde. Um der Gemeinde entgegenzukommen, bot nun der Pfarrer seinen Park als Bauplatz an unter der Bedingung, daß der durch den Abbruch des alten Pastorat, der Nebengebäude und der Kirche entstehende freie Platz in Anlagen umgewandelt würde. Die Gemeinde gab dazu gerne ihre Einwilligung.

Der erste Plan mit dem scheinbar spiegelverkehrten Grundriss der Kirche auf dem Acker von Birx. Doch es kam alles ganz anders…


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1903 A

Rechts: Am 2. September 1903 schreibt Pfarrer Josef Heyden die Arbeiten im Erkelenzer Kreisblatt aus.

m 13. März 1903 gibt das Generalvikariat die Erlaubnis, bei den katholischen Einwohnern der Regierungsbezirke Aachen, Köln und Düsseldorf für die neue Kirche eine Haussammlung abzuhalten. Also machen sich die Merbecker persönlich mutig auf die weiten Wege, um ihr neues Gotteshaus zu finanzieren. Bare eigene Auslagen werden ihnen vergütet. Und wo sie nicht hinkommen, finden Kirchenkollekten statt. Die Sammlung lohnt sich das Startkapital kommt zusammen: Haussammlung 20.327,91 Mark (die eigenen Barauslagen sind bereits abgezogen) und Kirchenkollekten 8.203,44 Mark.

10. September 1903: Bauauftrag erteilt.

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m 10. September 1903 erhält die Firma Pegels & Fervers, Kempen, den Bauauftrag über 52.000 Mark. Eingeschlossen ist alles Material, ausgenommen Ziegelsteine, Sand, Belag und Fenster. Die notwendigen Fuhren machen natürlich die Merbecker selbst. Ein Sockel aus Kyllburger Sandstein, der zunächst nicht geplant ist, wird nachträglich vereinbart. Zusätzlich soll die Sakristei unterkellert werden. Auch eine Heizungsanlage mit Kanälen parallel zur Kommunionbank und zu den Wänden der Seitenschiffe wird vorgesehen.


Links: Vorder- und R체ckansicht im ersten Bauplan. Hier noch ohne die beiden zus채tzlichen Pforten.


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Rechts: 19. März 1904. Josef Heyden lädt Wohltäter und Verehrer per Zeitungsanzeige ein. Damals war das wohl so gebräuchlich. Die neue Kirche hatte auch schon einen Arbeitsnamen: Zu Ehren der heiligen Anna. Später wird sie St. Maternus Kirche genannt.


D ER G RUNDSTEIN

Der 1. Stein. Feierliche Prozession zum Bauplatz. Mehr als 1.900 Mark Ertrag.

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m 1. Oktober 1903 setzt man den ersten Stein der neuen Pfarrkirche. Noch vor dem Winter wird bis auf Sockelhöhe gemauert.

1903 Links: Die Baugenehmigung, erteilt

Die Grundsteinlegung.

am 3. Oktober 1903 in Niederkrüchten.

Am 13. März 1904, dem Sonntag Laetare, erfolgt die feierliche Grundsteinlegung. Und hier zitieren wir aus der handgeschriebenen Pfarrchronik desselben Jahres:

Aus dem Inhalt handgeschrieben

„Niemals hat Merbeck so viele Menschen gesehen. Wie üblich wurde der schön geschmückte Grundstein von Mädchen in einer Prozession durch das Dorf getragen. Als die Prozession an der Stelle, wo das Denkmal errichtet ist, angekommen war, nahm der Pfarrer im Namen der Gemeinde in einer Ansprache Abschied von der alten Kirche und segnete das zu Ehren der Schmerzhaften Mutter errichtete Standbild in der Grotte ein; darauf zog man zum Bauplatz, wo die vorgeschriebenen Zeremonien vorgenommen wurden, nachdem ein Ordenspriester die Bedeutung der Feier in einer Festpredigt gezeigt hatte. Das mit dem Klopfen auf den Grundstein verbundene Opfer hatte den reichen Ertrag von über 1900 Mark (1978,29). Gott vergelt`s!“

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eingetragen: „Die Kirche…ist sicher zu fundamentieren, vollfugig zu mauern und unter Verwendung der besten Materialien herzustellen, auch ist auf eine wirksame Ventilation Bedacht zu nehmen.“


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Oben: Der Grundstein bei der Öffnung im Frühjahr 1998. Rechts: Die darin enthaltene Zinkrolle mit Dokumenten.

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1904 Links: So schreibt die Erkelenzer Zeitung 체ber die Grundsteinlegung am 13. M채rz 1904.


Die Unterschriften der Urkunde in der Zinkrolle des Grundsteins von Pfarrer, Schulrektor, Architekt, Bauunternehmer und Polier.


D IE G RUNDSTEINLEGUNG

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1904 Links und unten:

scher Sprache, je

Eine Zinkrolle mit

eine „Kölnische

einem Durchmesser

Volkszeitung“ von

von 7,5cm und einer

Donnerstag, dem

Höhe von 40cm wird

10.3.1904 und von

im Grundstein ein-

Freitag, dem

gemauert.

11.3.1904 sowie ein

Ihr Inhalt: eine

„Erkelenzer Kreis-

handgeschriebene

blatt“ von Samstag,

Urkunde in lateini-

dem 12.3.1904.


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D ER H IMMEL

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Der alte Grundstein.

Und ihnen gelingt schon gleich zu Anfang

Dieser steckt relativ locker unten in der

Vier gestandene Merbecker Gemeindemit-

im Frühjahr 1998 ein Volltreffer: beim Zu-

Mauer direkt über dem Fußboden. Enthalten

glieder wirken jahrelang ehrenamtlich und

sammenfegen des Schuttes nach Schlitze-

ist die Zinkrolle mit der Urkunde und den vor

oft unter großem Kräfteeinsatz bei den

schlagen für neue Elektrokabel hinter dem

einem Jahrhundert druckfrischen Zeitungen.

Restaurierungsarbeiten in der Kirche mit:

Sankt-Maternus-Altar, dem großen Haupt-

„Anno Domini“ bedeutet „Im Jahre des

Gerd Bonsels, Laurenz Orths, Hans Schoen-

altar im Chor, entdeckt Josef Theißen den am

Herrn“.

makers und Josef Theißen.

13. März 1904 gelegten Grundstein wieder.


W AS

IST AUF DER

W ELT

LOS

Neunzehnhundertvier 1904

Hülsmeier meldet ein Radargerät zum Patent für die Verkehrsüberwachung an

1904

Der russische Pathologe I.P.

Pawlow schafft mit seinen Versuchen an Hunden die Grundlagen der Theorie der bedingten Reflexe

1904

kristalle werden entdeckt, mit der man heute am Taschenrechner das Ergebnis von 1+1 ablesen kann Weltausstellung und Olympische Spiele finden in St. Louis in den USA statt uraufgeführt

1904

Man beginnt mit dem Bau des Panamakanals

Nürnberg telegraphiert

1904

1904

1904

1904

1904

England droht Deutschland wegen

Der deutsche Reichstag verteidigt die deutsche Neutralität

Rußland wird ein 10-jähriger Handelsvertrag geschlossen

(Baubeginn 1240)

Puccinis Oper Madame Butterfly wird

Die Transsibirische Eisenbahn wird fertiggestellt

Aufständen der Herero und Hottentotten

1904

1904

Die erste Photographie wird von München nach

Der russisch-japanische Krieg bricht aus

Versorgungslieferung von Kohle und Waffen mit Krieg im russisch-japanischen Krieg

1904

1904

Die Flüssig-

1904

1904

Zwischen Deutschland und

In den deutschen Afrikakolonien kommt es zu

Der Dom in Meißen wird mit dem Turmpaar der Westseite vollendet

Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. bespricht am 3. März ein automatisches Aufnahmegerät. Eine

Edison-Walze zeichnet eine Rede des Kaisers mit seinen Ansichten zum vorbildlichen Verhalten eines Deutschen und schafft das erste bis heute erhaltene politische Tondokument der Welt 1904

In Merbeck wird für die neue Sankt-Maternus-Kirche der Grundstein gelegt

1904

37


38

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1904

Wo sich Männer verirren dürfen. Die Kirche wird zwei Meter breiter als geplant. Die Statik geht verloren. Die Taufkapelle auch.

Rechts: Die Frauenpforte an der linken Kirchenseite. Früher der Eingang für die Frauen. Heute offen für alle.

D

er Pfarrer wünscht, daß die Kreuzarme durch Verbreiterung der beiden Seitenschiffe um je 50cm verkürzt werden. Das hat ungeahnte Folgen. Der Planer im Baubüro macht die ganze Kirche um einen Meter breiter. Der Pfarrer trägt seinen Wunsch nochmals vor. Nun werden die beiden Seitenschiffe nochmals je 50 cm verbreitert, so daß die ganze Kirche heute zwei Meter breiter ist als ursprünglich beabsichtigt. Die Statik geht verloren. Natürlich bleibt die Verbreiterung der Seitenschiffe nicht folgenlos für die Statik der Kirche. Eine ausreichende Streckung der Gewölbe ist aufgrund der gotischen Grundformen nicht möglich. Der Baumeister will Innenpfeiler setzen. Der Pfarrer will das nicht. Also werden oben zusätzliche Konsolen aus Sandstein angebracht.

Nicht ohne eine Frauenpforte.

U

rsprünglich ist auch in der Kirche eine eigene Taufkapelle vorgesehen. Dann aber müßte die „Frauenpforte“ entfallen - also die dritte Kirchentür, von außen gesehen die linke. Es ist in der Kirche die Seite, auf der traditionsgemäß die Frauen zu sitzen haben. Heute verirren sich auch Männer dorthin. Und auf diese eigene Frauenpforte verzichten will der Pfarrer auf keinen Fall. Dann schon lieber auf die eigene Taufkapelle. Deshalb haben wir keine.


D ER

FERTIGE

P LAN

Oben: Der schliesslich verwirklichte heutige Plan der Kirche. Links: Der alte Plan mit den handschriftlichen Anmerkungen und den vielen Ă„nderungswĂźnschen.

39


40

D ER H IMMEL

AUF

1904

E RDEN

Drei Altäre müssen sein. Heftiger Streit zwischen den Interessengruppen. Dem Pfarrer gelingt die Schlichtung.

Unten und rechts: Entwürfe der Außenansicht des Chorraums, vom Friedhof aus gesehen, Schnittzeichnungen für Seitenkapelle.

I

n den beiden Seitenschiffen sind die Chorräume ganz eng geworden, die Bögen vom Hauptschiff aus sehr niedrig. Wenn das so bleibt, können dort keine Nebenaltäre gesetzt werden, falls vom Hauptchor aus ein Durchgang bleiben soll. Als der Pfarrer dem Baumeister das vorhält, sagt der nur: „Ich hätte auch nicht gedacht, daß Sie drei Altäre brauchen.“ Neue Bögen werden gebrochen, die Vorsprünge der Pfeiler abgeschlagen - allerdings nicht ohne heftigen Streit zwischen den Interessengruppen. Dem Pfarrer gelingt die Schlichtung ohne Überschreitung der Bausumme.

Die Sakristei ist viel zu klein.

A

uch ist die Sakristei nicht nur viel zu klein geraten - zusätzlich verhindert ein gewaltiger Pfeiler am Eingang ihre praktische Nutzung. Schon plant man, eine zweite Sakristei anzubauen und den störenden Pfeiler durch Einfügen von Eisenpfeilern zu ersetzen.


„Ich hätte auch nicht gedacht, daß Sie drei Altäre brauchen.“

Worte des Baumeisters zum Pfarrer bei der Diskussion um den Innenausbau der Kirche 1904.


42

Rechts: So steht’s im Erkelenzer Kreisblatt am 17. September 1904. Pfarrer Heyden lädt wieder einmal ein. Sonntags um 5.


D IE G LOCKEN

VON

Vier mal drei Glocken.

N

icht alles ist in der nunmehr hundertjährigen Merbecker Kirche so beständig wie z.B. die Altäre, die Fenster oder der Taufstein: Alles das hat ebenfalls ein volles Jahrhundert überdauert. Die Glocken nicht. Sie müssen in dieser Zeit viemal neu angeschafft werden. Aber der Reihe nach: Die beiden Glöckchen von 1720, die wohl noch in der „Peäperdues“ gehangen haben, werden verkauft: Materialwert 1,20 Mark je Kilogramm. Da kommen glatte 1890 Mark zusammen. Dieser Betrag fliesst 1904 ein in den Kauf von drei neuen Glocken mit den Tönen f, g und a. Die Kosten: 3575,79 Mark. Hinzu kommen 678,89 Mark für Armatur und Glockenstuhl.

S T.M ATERNUS

43

1904

Die Inschriften auf den Glocken sind fehlerhaft.

D

ie Glocken tragen Inschriften in lateinischer Sprache. Die Pfarrchronik vermerkt dazu: „Die Inschriften auf den Glocken sind fehlerhaft.“ Die größte Glocke wiegt 930 kg, ist dem heiligen Maternus geweiht und trägt übersetzt die Inschrift: „Heiliger Maternus, Du bist Fürsprecher und Beschützer der Pfarre.“ Die zweite Glocke wiegt 658 kg, ist der heiligen Mutter Anna geweiht und trägt übersetzt die Inschrift: „Ihr Heiligen, Mutter und Tochter, stehet diesem Orte bei.“ Die dritte Glocke wiegt 450 kg, ist dem heiligen Joseph geweiht und trägt übersetzt die Inschrift: „Heiliger Joseph öffne gnädigst in der Todesangst den Himmel.“

Oben: Zeichnung des Glockenturmes der ersten Merbecker Kirche, der „Peäperdues“.


44

D ER H IMMEL

AUF

1922

E RDEN

Die Glocken locken…

Links: Die Elias-Glocke.

U

nd am 18. September 1904 weiht Pfarrer Josef Heyden kraft bischöflicher Vollmacht die neuen Glocken.

Rechte Seite: Bericht des Pfarrers Josef Heyden über die Glocken, vermutlich vor dem Einschmelzen als Kriegsmaterial

Die beiden großen Glocken müssen im ersten Weltkrieg als Kriegsmaterial abgeliefert werden. Schon wenige Jahre später ist es der Gemeinde unter vielen Opfern gelungen, zwei neue Glocken anzuschaffen. Sie läuten zum ersten Mal am Vorabend des Weihnachtsfestes 1922.

1917.

Der zweite Weltkrieg fordert wieder die Ablieferung von zwei der Glocken, die dritte wird durch Granaten zerstört. 1949 kommt die nächste Glocken-Generation in den Merbecker Kirchturm, diesmal aus Stahl statt Bronze. Leider mit begrenzter Lebensdauer.



46

D ER H IMMEL

AUF

1979 Wer die Gelegenheit hat, einmal in den Turm von St.-Maternus-Merbeck zu steigen, sieht die kleine übriggebliebene Stahlglocke von 1949 hinten links in der Ecke.

Vor allem aber fällt sein Blick auf die drei Bronzeglocken, die seit Allerheiligen 1979 täglich um 7, 12 und 18 Uhr sowie zu den Gottesdiensten läuten. Bei Sterbefällen in der Gemeinde tragen sie um 11 Uhr die Botschaft weiter.

E RDEN


Links: Die neuen Glocken aus Nimwegen. In der Kirche aufgestellt geschmückt mit Blumen zum Ansehen für alle.

Rechts: Fabelwesen und Jagdhunde, Glockenblumen und Girlanden schmücken das Geläut. Die Glockengewichte und ihre Inschriften: Kleine Glocke (268kg): „Augustinus: Aus dem

E

s müssen wieder einmal neue Glocken her. Und es gibt einen Glücksfall. Drei Bronzeglocken aus der Karmeliterkirche in Nimwegen, erst 1951 bzw. 1955 gegossen, stehen zum Verkauf. Pfarrer Damhuis, der dem Orden angehört, kann sie günstig erwerben. Die Glocken tragen die Namen Augustinus, Maria und Elias. Am 30. September 1979, dem Erntedankfest, werden sie geweiht. Die alte kleine Stahlglocke – 200 kg – bleibt im Turm hängen.

Oben: Das Datum

Krieg komme ich und

des Gusses und

rufe zum Frieden auf“

Siegel der Glockengiesserei mit der

Mittlere Glocke (345kg):

Inschrift: „ANNO

„Maria, unsere Mutter

1955 BEIJSBOUTS CV

und Königin, ruft uns“

ASTEN HOLLAND ME FECIT.

OPUS 1959“.

Große Glocke (620kg): „Elias: Der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe“.


48

D ER H IMMEL

AUF

1904

E RDEN

Feierlicher Einzug. Die Notkirche hat ausgedient. Der 31. Oktober 1904. Und das erste Kirchweihfest.

Rechts: Blick vom alten Teil des Merbecker Friedhofes auf die Pfarrkirche St. Maternus nach der Renovierung. Ein idyllisches Bild des Friedens: über den gepflegten letzten Ruhestätten der Merbecker Ge-

S

chon sieben Monate nach der Grundsteinlegung kann der feierliche Einzug am 31. Oktober 1904 in die neue Kirche erfolgen. Die zwischenzeitlich aus dem Abbruchmaterial der alten Kirche errichtete Notkirche, die der neuen Kirche auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber liegt und ab dem 9. November 1903 der Gemeinde für ihre Gottesdienste zur Verfügung steht, hat ausgedient.

meindemitglieder erhebt sich das Gotteshaus in den Himmel.

Und am 26. Juli 1905, dem Fest der heiligen Mutter Anna, seit dem Mittelalter Ortspatronin der Merbecker, wird durch Weihbischof Müller die neue Kirche eingeweiht.


D IE

NEUE

D ORFMITTE

Links: Diese his-

Oben: Das älteste

torische Postkarte

Bild der Kirche aus

dokumentiert, daß

der Pfarrchronik von

Kirche und Pfarr-

1905. Auffallend der

haus mit Umgren-

Giebel, welcher sei-

zungsmauer und

nerzeit noch das

Gitter früher wie

Pfarrhaus schmück-

heute eine klar ge-

te. Vorn rechts am

staltete Einheit

Denkmal hat sich

bilden. Stark ge-

eine Familie einge-

ändert hat sich nur

funden. Ein Foto

die unmittelbare

war damals vor 100

Umgebung.

Jahren schon eine Sensation.

49


50

2004 Mächtig ragt der

Kirchturm in den

blauen Merbecker Himmel. Deutlich zu erkennen sind Details der Renovierung, z.B. die Schutzabdeckungen der zurückspringenden Mauerteile.

Rechte Seite: Die volle Schönheit der Merbecker Kirche mit dem Pfarrhaus in ländlicher Umgebung, mit Wiese, vielen Bäumen, traditionellem Telefonhäuschen und halb verdecktem Haltestellen-Unterstand. Über allem ein farbenprächtiger Wolkenhimmel.



52

Irdisches Paradies. Die vier Flüsse des Paradieses. Wandrelief mit Taufe Jesu im Jordan. Sinnbilder der Grundtugenden. Heute leider nur noch Historie.

Oben: Das Wandrelief hinter dem Taufbecken aus Savoniere-Stein: Jesus mit Johannes dem Täufer im biblischen Jordantal. Rechts: Sinnbild-

B

ildhauer Paul Kernchen aus Neuß – Atelier für kirchliche Kunst – gestaltet den achteckigen Taufstein und das dazugehörende Wandrelief mit der Taufe Jesu im Jordan. Der hölzerne Deckel des Taufsteins zeigt die vier Flüsse des Paradieses. Sie werden in der frühchristlichen Kunst als Bäche dargestellt, im Mittelalter als Männer mit Gefäßen, denen Wasser entströmt. Die Namen der Flüsse und ihre Zuordnung als Sinnbilder der Grundtugenden:

liche Darstellung eines der vier Paradiesflüsse im

Euphrat - Gerechtigkeit Geon - Mäßigung

Tigris - Starkmut Physon - Klugheit

hölzernen Taufsteindeckel.

Leider wird dieser historische Taufort in der Kirche zur Aufnahme der neuen Christen in die Glaubensgemeinschaft zur Zeit nicht genutzt.


53

1905 Links: Der hundertjährige Taufstein aus dem Atelier von Paul Kernchen in Neuß. Acht Säulen mit farbigem Mittelteil stützen das Taufbecken. Auf dem hölzernen Deckel zu erkennen zwei der Sinnbilder für die Paradiesflüsse. Hinter dem Taufstein an der Wand das Relief mit der Taufe Jesu im Jordan.


Viele Merbecker wer-

Die Wände sind

den sich noch erin-

schlicht weiß über-

nern: So sah das alte

malt.

Innere der Kirche viele Mit der alten Kanzel Jahrzehnte lang aus.

im neugotischen Stil

Mit Kanzel, Kommu-

der vorletzten Jahr-

nionbank, großen

hundertwende.

leuchtertragenden

Mit reich verziertem

Engeln links und

Schalldeckel und

rechts im Chor.

hohem Türmchen.

Die Herz-Jesu-Statue

Nur das Kernstück

an der linken vor-

der hundertjährigen

deren Säule, noch

Kanzel mit den

ohne die historischen

wunderbaren Reliefs

Statuen von Petrus

biblischer Motive

und Paulus an den

ist noch erhalten ge-

Säulen davor.

blieben.


W ORTE

Von der Kanzel. Eine weitere Zierde der Kirche. Gedenken an die Krönung Mariens. Ansicht aus den Nachkriegsjahren.

A

uch die Kanzel stammt von Bildhauer Paul Kernchen aus Neuß. Er gestaltet sie im Gedenken an die Krönung der unbefleckten Jungfrau Maria in Rom im Jahre 1904, an der Pfarrer Joseph Heyden selbst teilnimmt. In der Rechnung des Bildhauers vom 18. September 1905 heißt es: „Kanzel in Savonniéres-Stein belge – rouge – marbre und Eichenholz“. Die Kanzel steht in den ersten Jahren links auf der Epistelseite. Dort aber stört sie die Sicht auf den Hochaltar. Daher wird sie 1913 nach rechts auf die Evangelienseite gesetzt. Dort dient sie viele Jahrzehnte lang zur Verkündigung. Schließlich fällt sie in den siebziger Jahren wie so vieles andere der angeordneten kirchlichen Erneuerung zum Opfer.

VON

O BEN

55

1905 Links: Relief in der Kanzel mit der Darstellung des Knaben Jesus im Tempel und der Inschrift mit der Weisung, das Wort Gottes in der Welt zu verkünden.


56

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1906

In Holz gestochen, und fein polychromiert.

Unten: Historisches Foto

Jedes einzelne

der St.-Maternus-

Kreuz steht für den

Kirche in Merbeck.

persönlichen

Die vielen weißen

Kreuzweg eines

Kreuze auf dem

Menschen.

Einladung zu einem neuen Höhepunkt. Um halb 3 Sonntag Nachmittag. Einweihung durch Franziskanerpater.

Friedhof deuten auf die Kriegszeit.

U

nd wieder lädt Pfarrer Heyden zum festlichen Höhepunkt das Dorf und Gäste aus dem gesamten Erkelenzer Land nach Merbeck ein. Am 20. Mai 1906 soll der neue Kreuzweg von einem Pater aus dem Orden der Franziskaner geweiht werden. Bildhauer Kernchen hat wieder einmal erfolgreich gearbeitet. In den 60er Jahren werden alle vierzehn Stationen auf Veranlassung von Pfarrer Roman Skrzypek in die Wände eingelassen, die Holzrahmen werden hellgrau gestrichen. Und alt eingesessene Merbecker erzählen auch heute noch, dass der Maternus-Hochaltar ganz verschwinden soll. Doch ein Dorfbewohner, Mitglied im Kirchenvorstand, haut kräftig auf den Tisch. Erfolg: Der Altar steht immer noch unverrückt am alten Platz!


D ER M ERBECKER K REUZWEG

Links: Einladung zur feierlichen Einweihung der neuen Kreuzweg-Stationen. So schreibt die Erkelenzer Zeitung am 19. Mai 1906.

57


58

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1906

Vierzehn Stationen. Hundertjähriges Kunsthandwerk. Lebendiger Leidensweg Christi. Bildhafte Details in den einzelnen Szenen.

Die Stationen 5-9

leisten aber trotz

rechten Seiten-

des Kreuzweges.

ihrer Ohnmacht

schiff, Station 8 ist

Diese Szenenfolge

kleine Hilfen. Und

an der Rückwand

ist beispielhaft für

Jesus wendet sich

der Kirche zwischen

das Leiden Christi.

ihnen auf seinem

rechter Pforte und

Seine Getreuen

letzten Leidensweg

dem Haupteingang,

stehen gepanzer-

noch in Liebe zu.

die Station 9 als

ten Soldaten ge-

Die abgebildeten

erste links neben

genüber, drücken

Stationen 5 bis 7

der Frauenpforte.

ihre Trauer aus,

befinden sich im

Z

u den schönsten Beispielen für hundertjähriges Kunsthandwerk in St. Maternus Merbeck zählen die vierzehn Stationen des Kreuzweges, die ebenfalls aus dem Atelier für kirchliche Kunst des Bildhauers Paul Kernchen, Neuß kommen. Am 20. Mai 1906 werden sie durch Franziskanerpater Gerhard Orth feierlich geweiht. Mit vielen Einzelheiten in Holz gearbeitet und in ansprechenden Farben gemalt fesselt jede der Szenen den Betrachter. Oft erscheinen die gleichen Personen in mehreren Darstellungen, so z.B. Simon von Cyrene in den Folgen 7 bis 11.


D ER M ERBECKER K REUZWEG

Links: Dieser kleine Ausschnitt der 12. Kreuzweg-Station zeugt von der Sorgfalt und Liebe des Künstlers zum Detail.

Zu sehen sind ein Balken des Kreuzes, an dem Jesus hängt, und seine rechte Hand, die vom Nagel durchbohrt ist. Genau darüber platziert der Künstler die Sonne - als Zeichen des Triumphes über das Leiden.

59


60

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

Der Mann mit den Netzstrümpfen.

Oben und rechts: Im Ausschnitt der vermeintlich Gesetzestreue, mit dem Beweisbuch in der Hand. Mit dem Zeigefinger auf der entscheidenden Textstelle, den gnadenlosen Ausdruck im Gesicht, das Bein mit dem Netzstrumpf vorgeschoben.

L

enken wir einmal den Blick auf ein modisches Detail, das sich der Künstler bei der Bemalung einer Kreuzweg-Figur in der 1. Station hat einfallen lassen. Ausgerechnet der Schriftgelehrte, der mit dem Gesetzbuch in der Hand darauf hinweist, daß Christus Unrecht getan haben soll, hat Netzstrümpfe an. Dieser kleine Ausschnitt der 1. Merbecker KreuzwegStation im rechten Seitenschiff vorn dokumentiert die Unbarmherzigkeit der Peiniger Christi, die mit Berufung auf das Gesetz den Leidensweg legalisieren und unausweichlich machen.


D ER M ERBECKER K REUZWEG

Geschichte und Sinn des Kreuzweges.

V

or zwei Jahrtausenden gingen die vier Evangelisten in Jerusalem den Leidensweg Jesus von der Verurteilung bis zum Grab nach. Seit langem pilgern dort viele Gläubige diesen Weg betend und meditierend. Im 15. Jahrhundert bringen sie diese Tradition nach Europa. Heute gibt es die vierzehn Stationen des Kreuzweges als Reliefs oder Gemälde an den Wänden vieler Kirchen, auch im Freien als einzelne Häuschen. Uns Menschen heute zu Beginn des 3. Jahrtausends nach Christus sagt der Kreuzweg, daß Not und Leid unausweichlich zum Leben eines jeden gehören. Und es ist immer schwer, das auf sich zu nehmen, wie Christus es getan hat. Im Kreuzweg zeigt er uns: es hilft, wenn man sich auch unter großen Belastungen einander zuwendet. Nach allem Leid wartet die Erlösung. Das Evangelium des Matthäus weist die Richtung, Jesus sagt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Bilder oben: Als

Maria und der

seine Mutter hält

erste links die

Apostel Johannes

ihn in ihren Armen.

Kreuzweg-Station

schauen fassungs-

Station 14: Jesu

10, in der Kirche

los. Station 12:

Leichnam wird ins

platziert als zweite

Christus stirbt am

Grab gelegt, Maria

im linken Seiten-

Kreuz, seine An-

beugt sich trauernd

schiff: Jesus wird

hänger sind voller

über ihn, die An-

seiner Kleider

Trauer; die linke

hänger beten. Die

beraubt, ein ge-

obere Ecke dieser

Stationen 11 bis 14

panzerter Soldat

Station ist der stark

befinden sich im

weist den Weg zum

vergrößerte Aus-

linken Seitenschiff

Kreuz. In der Folge-

schnitt auf Seite 59.

hinter dem Tauf-

szene wird Christus

Station 13: Jesu

stein.

ans Kreuz genagelt,

Leichnam wird vom

links seine Mutter

Kreuz genommen,

61


62

D ER H IMMEL

AUF

1906

E RDEN

Die Ausmalung der Kirche.

I

m Herbst 1906 beginnt die Ausmalung der Kirche. Beauftragt ist der Maler Caspers aus Wanlo. Dem damals vom Generalvikariat des Erzbistums Köln vorgeschriebenen spätgotischen Stil entsprechend entstehen in den Gewölben und an den Wänden herrliche Ranken, Blumen, Blätter und Phantasiepflanzen. Sie verkörpern den unermeßlichen Reichtum der Natur, der gesamten Schöpfung, geben ein Sinnbild ewiger Schönheit. Jeder Blick in diese Kirche gibt eine Hinstimmung ins Paradies.

Rechts: Über dem Anna-Altar. Die flammende Sonne als Mittelpunkt des Himmels, ausgehend vom Schlußstein. Zentrale Rundung und Rippen farblich unterstrichen und mit Verzierungen hervorgehoben. Rechte Seite: Der Chor-Himmel über dem MaternusAltar: Symmetrie in Rippen, Bögen, Malerei und Fenstern.




Rechts: Wandgestaltung mit Weinranken in den Bögen über der Sakristeitüre und genau gegenüber. Die Inschriften: Deo gratias - Dank sei Gott und Soli Deo honor et gloria - Nur Gott allein gebührt Ehre und Ruhm.

Linke Seite: Das helle Licht der Morgensonne im Gewölbe des MarienAltars. Links: Über der Türe zur Sakristei unter dem kleinen Ornamentfenster: geflügelter Engel als Symbol für den Evangelisten Matthäus.


66

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1906

Vier Väter. Ambrosius, Augustinus, Gregorius und Hieronymus. Die Kirche erkennt 1295 ihren Beitrag zum Verständnis des Glaubens an.

A

Rechts: Ambrosius, einer der beliebtesten und bedeutendsten Bischöfe aller Zeiten.

mbrosius ist der älteste unter den vier großen abendländischen Kirchenvätern. Er hinterläßt viele Schriften und zwölf herrliche Hymnen, kann blendend predigen, tauft unter vielen anderen auch den heiligen Augustinus. Er kommt in einer christlichen Familie als Sohn des römischen Präfekten von Gallien um 340 in Trier zur Welt, studiert Rhetorik und Rechte, wird Konsul zweier norditalienischer Provinzen mit Amtssitz in Mailand, dann Bischof in dieser Stadt. Ambrosius stiftet seine weltlichen Besitztümer der Kirche, unterstützt die Armen, kämpft für den Glauben, wird einer der beliebtesten und bedeutendsten Bischöfe aller Zeiten. Er stirbt am Ostersamstag 397.


Links: Das Gemälde mit den Kirchenvätern über dem neuen Altar: Im Uhrzeigersinn dargestellt die vier traditionellen Kirchenväter:

Ambrosius, Augustinus, Gregorius und Hieronymus. Sie zeichnen sich durch hohe theologische Gelehrsamkeit aus. Mit der Verleihung des Titels im Jahre 1295 erkennt die Kirche ihren Beitrag zur Lehre und zum Verständnis des Glaubens an.


68

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1906

G

Oben: Augustinus, größter Prediger der abendländischen Kirche in seiner Zeit.

A

ugustinus wird am 13. November 354 in Tagaste, Nordafrika als Römer geboren. Mit Familiennamen heißt er Aurelius. Er erhält eine aufs Literarische ausgerichtete lateinische Bildung, wird um 375 in Karthago Lehrer der Rhetorik, führt ein ausschweifendes Leben, zieht 384 mit seiner Mutter nach Mailand, denn dorthin ist er aufgrund seiner Begabung und Gelehrsamkeit empfohlen.

Dort liest Agustinus philosophische und christliche Schriften, trifft auf den Bischof Ambrosius - und wendet sein Leben hin zu innerer Einkehr, Gebet und Studium, baut in Tagaste eine Art Klostergemeinschaft auf. Er wird Priester, Bischof von Hippo westlich des antiken Karthago, wirkt als der größte Prediger der abendländischen Kirche, als Kämpfer für den Glauben, beeinflußt auch mit seinen Hunderten von Schriften Philosophie, Dogmatik, Moraltheologie, Mystik, Sozialleben, Kirchenpolitik und Staatsrecht. Augustinus stirbt am 28. August 430.

regorius wird in Rom in einer vornehmen, reichen Familie geboren, studiert Jura, ist 572/73 Stadtpräfekt von Rom. Nach dem Tod des Vaters schenkt er sein Vermögen den Armen, verwandelt den elterlichen Palast in ein Kloster, führt hier mit zwölf Mönchen ein streng asketisches Leben nach benediktinischen Regeln. Papst Pelagius II. schickt ihn als seinen Gesandten nach Konstantinopel. Dort erwirbt Gregorius von 579 bis 585 große Gewandtheit im Verhandeln. Nach Rom zurückgekehrt wird er selbst zum Papst gewählt. Gregorius läßt für die Armen und Schwachen ein soziales Netz aufbauen, das der Zeit weit voraus ist. Er verfaßt viele einflußreiche Schriften. Sein diplomatisches Geschick erhöht die politische Stellung des Papstes und trägt entscheidend dazu bei, die Völker für das Christentum zu gewinnen. Durch Festlegung des Meßkanons regelt er die Liturgie. Der liturgische Gesang erhält seine Form: der Gregorianische Choral ist geboren. Die Kirchenmusik des Mittelalters baut auf dieser Grundlage. Papst Gregor I. stirbt am 12. März 604. Seine Grabstätte befindet sich in Sankt Peter in Rom.


D IE

VIER

K IRCHENVÄTER

Oben links: Nach ihm wird der Gregorianische Choral benannt. Die Kirchenmusik des Mittelaltars baut auf dieser Grundlage.

H

ieronymus, der dritte der vier großen abendländischen Kirchenväter, wird um 347 als Sohn wohlhabender römischer Christen in Dalmatien geboren. Albrecht Dürers berühmter Stich „Der hl. Hieronymus im Gehäus“ mit der Abbildung eines Greises, der abgekehrt von der Welt in behaglicher Gelehrtenstube versunken an einem Buch schreibt, zu seinen Füßen Löwe und Hündchen, spiegelt keinesfalls die Wirklichkeit. Hieronymus studiert in Rom Grammatik, Rhetorik und Philosophie.

Hier wird er auch getauft, führt jedoch ein sehr weltliches Jugendleben. 367 führt ihn eine Reise nach Trier. Dort kommt es zur Bekehrung. Ab jetzt dient er als christlicher Gelehrter allein der Kirche. 372 pilgert er nach Kleinasien, wird Mönch bei den Eremiten in der syrischen Wüste. Nach wenigen Jahren aber geht er zurück in die Welt, erhält in Antiochien die Priesterweihe, wird in Rom von 382 bis 385 Sekretär und Vertrauter des Papstes Damasus I. Dieser betraut ihn vor allem mit der Neuübersetzung und Überarbeitung der lateinischen Bibelausgabe auf-

grund der griechischen und hebräischen Urtexte. Diese Arbeit dauert 9 Jahrzehnte, macht den Namen des Hieronymus in der ganzen abendländischen Kirche unsterblich. Nach dem Tod des Papstes läßt er sich in Betlehem nieder, steht einem kleineren Männerkloster vor, an das sich Pilgerherberge und Schule anschließen. 34 Jahre lebt er hier bis zu seinem Tod in strenger Askese nur mit seinen Wissenschaften, verfaßt richtungsweisende theologische Schriften und steht mit führenden Persönlichkeiten überall in der Welt in Verbindung.

Oben rechts: Die Neuübersetzung der lateinischen Bibel macht Hieronymus in der abendländischen Kirche unsterblich.

69


Auch an den Kapitellen der Säulen wird die Gestaltung der Kirche mit Ranken, Blättern und Früchten aufgegriffen. Die Vergoldung trägt entscheidend dazu bei, daß diese oberen Säulenabschlüsse ebenfalls dominant ins Auge fallen.

Oben: Kapitell mit Weinlaub und Trauben nach hochgotischem Vorbild. Rechts: Goldene Blätter und Früchte umrunden das Kapitell.


12 Sternkreisbilder.

A

uf den ersten Blick am ungewöhnlichen Ort erscheinen die zwölf Tierkreiszeichen, die groß in drei vorderen Wölbungen der Merbecker Pfarrkirche dargestellt sind. Passen sie doch für den flüchtigen Betrachter heute in erster Linie zu esoterischen Betrachtungen. Tatsächlich aber stecken in ihnen viele Jahrtausende alte Fakten der Menschheitsgeschichte. Die alten Ägypter geben den zwölf Tierkreiszeichen ihre Namen nach wichtigen Naturereignissen, die in den Jahresverläufen immer wieder zur gleichen Zeit auftreten. Zum Beispiel steht eine bestimmte Sternenkonstellation immer dann am Himmel, wenn sich nach der Nilschwemme in den Seitenarmen die

Fische sammeln. Diese Sternengruppe nennen die Ägypter sinnvollerweise „Fische“, wobei sie keineswegs wie Fische aussieht - die Phantasie hilft heute kraftvoll nach. So teilt sich das Jahr mit den zwölf Sternkreisbildern in zwölf Monate. Einer Überlieferung nach trägt jeder der zwölf Stämme Israels bei der langjährigen, beschwerlichen Wanderung aus Ägypten ins Gelobte Land das ihm entsprechende Sternbildzeichen auf seiner Stammesfahne. Diese Zeichen der zwölf Stämme Israels in St. Maternus Merbeck weisen hin auf die Prophetien im Alten Testament, die sich in der Kirche Christi erfüllen.

Linke Wölbung: Zwillinge > Benjamin Krebs > Issaschar Löwe > Juda Jungfrau > Sebulon Mittlere Wölbung: Wassermann > Ruben Fische > Simeon Widder > Gad Stier > Joseph Rechte Wölbung: Waage > Levi Skorpion > Dan Schütze > Asser Steinbock > Naphtali


72

D ER H IMMEL

AUF

1907

E RDEN

Unser Pfarrpatron. Der Hochaltar ist unserem Pfarrpatron, dem heiligen Maternus geweiht.

Rechts: Unser Pfarrpatron St.Maternus. Oben rechts: In einer Legende wird Maternus auf einer Reise durch seine Begleiter Eucharius und Valerius mit dem Petrus-Stab von den Toten auferweckt. Oben Mitte: Maternus nimmt das Missionskreuz entgegen.

M

aternus lebt im 4. Jahrhundert n. Chr. in Köln. Er ist erster Bischof und Vertrauter des Kaisers Konstantin des Großen. Im Jahr 313 nimmt er an einer Synode in Rom teil, 314 am Konzil von Arles. Maternus erscheint noch in den Bischofslisten von Trier und Tongern. Soweit die gesicherten Fakten. In Köln ist sein Grab aber nicht bekannt. Um das Jahr 760 werden in Trier Reliquien des Maternus verehrt. Einer Legende nach soll Maternus ein Schüler des Heiligen Petrus und der Jüngling von Naim gewesen sein. Daher nimmt er in der zentralen Darstellung des Hochaltares von Petrus das Missionskreuz entgegen, wobei Christus als Zeuge zugegen ist.


Oben: Markus-Löwe und Lukas-Stier. Zwei der vergoldeten Darstellungen Links: Im Zentrum

der Evangelisten-

des Chorraums:

Symbole am Hoch-

Der Hochaltar mit

altar.

vergoldeten Reliefs, Kreuz und Tabernakel. Im unteren Bereich die Szene mit der Auferweckung des Jünglings von Naim durch Christus. Oben links die Statue der Maria

Unten: In die Vor-

Magdalena mit den

derseite des Altar-

Kreuzigungs-Insig-

tischs ist ein Relief

nien, oben rechts

eingelassen. Es zeigt

Veronica mit dem

die Auferweckung

Schweißtuch.

des Jünglings von Naim durch Jesus die Parallele zu einer der MaternusLegenden.


74

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

Unten: Die Köpfe

Oben: Im Entwurf des rechten Altar-Reliefs noch der Kölner Dom.

der Heiligen

In der fertigen Darstellung Maternus auf dem Thron als Bischof von

Eucharius und

Köln und zugleich als Pfarrpatron von Merbeck. Die beiden knie-

Valerius im linken

enden Jünglinge halten als Hinweise auf die beiden anderen Mater-

Altar-Relief.

nus-Diözesen Trier und Tongeren je eine Kathedrale in den Händen.

Oben: Der gekreuzigte Christus am Hauptaltar - durch Schattenwurf entsteht die Szene auf Golgatha mit drei Kreuzen. Rechts: Die Türflügel des Tabernakels mit Emaille-Einfassungen und der Darstellung Mariä Verkündigung, umrahmt von 22 farbigen Steinen.


1907 Die Statuen oben

auf dem Hochaltar. Links: Maria Magdalena mit Insignien der Kreuzigung Schrifttafel I.N.R.I. (JesusNazarenusRex Judaorum), Speer, Stock mit Schwamm.

Rechts: Veronica mit dem Schweißtuch. Es ist ihr Kopftuch, das sie Jesus während seines Ganges zur Kreuzigung gereicht hat, um sein Gesicht zu trocknen. Und der Abdruck seines Antlitzes bleibt im Schweißtuch erhalten.


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D ER H IMMEL

AUF

1907

E RDEN

Zwei Nebenaltäre.

Unten: Engel am Marienaltar.

D

er Bildhauer Paul Kernchen aus Neuss liefert am 22. Februar 1907 auch die beiden Nebenaltäre. Er verwendet Eichenholz, für die Reliefs und für die Figuren Linde. Fürs linke Seitenschiff vorgesehen ist der Altar der Unbefleckten Jungfrau, zugleich Altar des Heiligen Joseph und des Heiligen Antonius von Padua. Ins rechte Seitenschiff kommt der Altar der Heiligen Mutter Anna, der Merbecker Ortspatronin. Sie steht in der Mittelnische mit ihrem Kind Maria als Vorbild der Mütter.


M ARIEN -

UND

A NNA - ALTAR

Oben: Details aus dem Marien-Altar: links der heilige Antonius von Padua, rechts der heilige Josef. Sie stehen an den äußeren Seiten des Altars. Mitte: Zum Vergleichen die bis auf die Figuren im Aufbau weitgehend identischen Altäre. Links: Marien-Altar. Rechts: Anna-Altar.

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D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1907 Oben: Im Mai eines jeden Jahres wird der Marienaltar festlich geschmückt. Rechts: Der Kopf

Jesus dir lebe ich. Die Gottesmutter als Königin des Himmels, ein Herz-Jesu-Relief und eine Szene aus dem Alten Testament.

Der Marienaltar im linken Seitenschiff.

A

uf der linken Kirchenseite steht der Altar der Unbefleckten Jungfrau.

der Marienstatue in der Mitte. Sie zeigt die Gottesmutter als Königin des Himmels und der Erde.

Die Marienstatue in der Mitte zeigt die Gottesmutter als Königin des Himmels und der Erde, unter ihren Füßen das Firmament mit der Mondsichel, außerdem als Sinnbild des Bösen die Schlange, die von Maria zertreten wird.


D ER M ARIENALTAR

Links: Unter den Füßen von Maria als Sinnbild des Bösen die Schlange, die von ihr zertreten wird.

Unten: Die heilige Maria als Beschützerin der ganzen Erde steht auf dem Firmament mit der Mondsichel.

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Die Seitenflügel des Marien-Altars. Oben links: Die

Oben rechts: Der

Gottesmutter reicht

Tod Josephs, bei ihm

das Jesuskind dem

Maria und Jesus.

heiligen Antonius

Der Text darunter

von Padua.

„Hilf uns gut sterben“.

Der Text unter der linken Szene lautet „Jesus dir lebe ich“.

Der heilige Antonius von Padua.

A

ntonius wird um 1195 in Lissabon geboren, tritt mit 15 Jahren in den Orden der Augustiner-Chorherren ein. Dann wird er Franziskaner und faszinierender Prediger, der in Armut lebt, das Wort Gottes überzeugend verkündet. Er stirbt im Jahr 1231. Über Antonius von Padua gibt es auch viele Legenden, eine davon liegt dem Relief zugrunde.


D ER M ARIEN -A LTAR

Unten: Auf dem Tabernakel befindet sich ein Herz-JesuRelief.

Links: Der untere Teil des MarienAltares zeigt Ester vor dem König, eine Szene aus dem Alten Testament.

Der untere Teil des Marien-Altares zeigt eine Szene aus dem Alten Testament. Die Erzählung spielt im 5. Jahrhundert vor Christus in Persien, das die Juden in seinem Land

unterdrückt. Ester, ein jüdisches Mädchen, wird unerwartet Königin am persischen Hof und rettet ihr Volk vor der Vernichtung: sie erscheint mutig unangemeldet vor

dem König, was bei Todesstrafe verboten ist, und überzeugt ihn. Die Inschrift lautet: „Dies Gesetz ist für alle Andere, aber nicht für Dich gemacht.“

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D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

Die Seitenfl端gel des Anna-Altars. Oben links: Die drei

Oben rechts: Die

Jahre alte Maria

heilige Anna als

wird zum Tempel in

Schutzpatronin der

Jerusalem gebracht,

Landleute und

damit sie dort zum

Armen. Sie reicht

Dienste Gottes

ihnen Brot.

erzogen wird.


D ER A NNA -A LTAR

Anna! Steh`auch uns Armen bei.

1907

Die heilige Anna gilt seit dem Mittelalter als Ortspatronin von Merbeck.

Der Altar der heiligen Mutter Anna im rechten Seitenschiff.

I

m Mittelpunkt des Altares steht Anna mit ihrer Tochter Maria, die ein Buch in Händen hält und später Muttergottes wird. Die heilige Anna gilt seit dem Mittelalter als Ortspatronin von Merbeck. Daher wird sie nicht nur im zentralen Fenster des Chorraumes der Pfarrkirche dargestellt. Ihr ist auch der Altar im rechten Seitenschiff gewidmet. Anna und Joachim sind der Überlieferung nach die Eltern Mariens,

83

somit die Großeltern von Jesus. Erst nach Jahrzehnten Ehe bekommen sie ihr lange gewünschtes Kind. Drei Jahre später bringen sie die kleine Maria zum Tempel nach Jerusalem, damit das Kind dort zum Dienste Gottes erzogen wird. So hatten sie es versprochen, wenn ihr Kinderwunsch in Erfüllung geht.

Oben: Verzierung auf dem Gewand der heiligen Anna. Links: Die heilige Anna mit ihrer Tochter Maria.


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D ER H IMMEL

AUF

Rechts: Im unteren Teil des Anna-Altares eine Begebenheit aus dem Alten Testament, die als Vorbild f체r das Leben der heiligen Mutter Anna gilt.

Diese Anna aus dem Alten Testament, sp채tere Mutter Samuels, bittet im j체dischen Tempel - hier dargestellt mit siebenarmigem Leuchter und Gesetzestafeln - um ein Kind. Als sie es nach langen Ehejahren bekommt, weiht sie es zum Dank wie versprochen Gott. Rechts: Unter dem Relief die Worte des Priesters.

E RDEN


D ER A NNA -A LTAR

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1907 Die Statuen außen am Anna-Altar. Rechts: Die heilige Agnes mit einem Lamm - Märtyrerin in früher Jugend, Schutzpatronin der Mädchen.

Links: Die heilige Monica - ihr Sohn ist Augustinus, sie die Schutzpatronin der Mütter. Die Texte unter den Figuren - hier nicht abgebildet - lauten „Anna! Steh’ auch uns Armen bei“ und links „M’opfere für immer dich selbst“.


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D ER H IMMEL

AUF

1924

E RDEN

Das Rätsel der Anna-Grotte. Über eine Grotte, die ehemals an der Kirche stand.

Die Anna-Grotte.

N

Oben: Dorfpartie in

Rechts: Die ehe-

Merbeck. Krefelder

malige Anna-Grotte

Strasse, Kaufladen,

steht jetzt von Efeu

Schule mit Kaiser-

überwachsen, im

eiche, Pastorat,

Garten von Kätchen

Kirche und die Res-

Jans an der Krefel-

tauration Kaumanns

der Strasse. Und

bildeten um das Jahr

dient den Ziegen

1924 den Dorfmittel-

als Unterstand bei

punkt.

Regenwetter.

eben der Kirche soll vor vielen Jahren eine Grotte gestanden haben. Sie diente dem Vorübergehenden zur Verehrung unserer Dorfpatronin Anna. Im Jahre 1924, so erzählt Jans Käthchen, hatte man beschlossen, wegen der Erweiterung des Friedhofes diese Grotte abzureißen. Der Vater von Käthchen, sie war damals 4 Jahre alt, brachte es wohl nicht übers Herz, das Baumaterial der Grotte einfach so wegzuwerfen. Es bestand vornehmlich aus Lavasteinen. Er beschloß also, alles zu seinem Haus zu transportieren und die Grotte im Garten hinter seinem Haues wieder aufzubauen. Er verzierte sie mit Kieselsteinen, unter anderem mit christlichen Symbolen wie dem des Kreuzes über den Fensteröffnungen. Käthchen Jans weiß noch genau, die Grotte war so stabil gebaut, daß darin eine Schaukel hängen konnte.


D ER M ARIA -H ILF -A LTAR

Mutter v.d. immerwährenden Hülfe.

1908

Der Maria-Hilf-Altar neben der Frauenpforte.

D

ie Ikone „Muttergottes der Passion“ ist der Mittelpunkt des Maria-Hilf-Altares von 1908 in der Merbecker Pfarrkirche. Er steht links neben der Frauenpforte. Dargestellt sind Maria und das Kind, jeweils mit königlicher Krone und Heiligenschein, dazu Engel und sakrale Textzeichen. Der Text unter dem Bild lautet „O Maria Mutter v.d. immerwährenden Hülfe bitte für uns!“ Links und rechts der Ikone stehen Engel-Statuen. Vorn befinden sich hölzerne Stufen, auf denen man knien und zur Gottesmutter aufschauen kann.

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Früher wurden an diesem Altar viele Kerzen entzündet, der Gottesmutter ungezählte Bitten vorgetragen. Heute ist den Gläubigen am Marienaltar im linken Seitenschiff die Möglichkeit zu dieser Form der Verehrung und des Betens um Gnadenhilfe gegeben. In vielen Kirchen kann man das Bild der „Muttergottes der Passion“ sehen und zu ihm beten. Eine solche Ikone zählt beispielsweise auch zum Aachener Domschatz. Andreas Ritzos Candia hat sie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gemalt.

Ikonen sind Kultbilder des orthodoxen Christentums. Weil die Darstellung jeweils als theologisch abgesichert gilt, dürfen nur originalgetreue Kopien davon gemalt werden.


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D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

2004 Oben: Die Aufstellung des neuen Altares am 8. Januar 2004. Die Volker Lindholm GmbH Erkelenz hat während der Renovierung alle Steinmetzarbeiten übernommen.

Der neue Altar. Die Renovierung ist fast vollendet. Die detailgetreue Wiederherstellung des Gotteshauses von 1904 in neugotischer Gestaltung ist weitgehend gelungen.

A

m 8. Januar 2004 erhält die hundertjährige St.Maternus Kirche in Merbeck ihren neuen Altar. Damit ist die umfassende Renovierung nahezu vollendet. Das betreuende Architektenbüro Lennartz & Lennartz aus Erkelenz, die Volker Lindholm GmbH Erkelenz, die alle Steinmetzarbeiten während der Renovierung übernommen hat, sowie Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand in Merbeck haben im Einvernehmen mit der Kunstkommission des Generalvikariates Aachen die Ideen aufeinander abgestimmt, die zur nunmehr endgültigen Gestaltung des Altares führten.

E

r besteht aus grauem Belgisch Granit wie die neuen Bodenplatten des gesamten Chorraumes. Der kubische Altar wächst optisch wie ein Felsen aus dem Boden heraus. Er ist jeweils 0,95m hoch, breit und tief. Damit fügt sich sein Format genau in die Abmessungen der Bodenplatten, die 0,47m im Quadrat betragen. Der untere Teil des Altares besteht aus vier einzelnen Kuben, der obere Teil ist aus einem Stück darüber gelegt. Die Außenflächen beginnen unten glatt und werden nach oben hin immer rauer. Zur Belebung der Aufsicht wurde in der Mitte rundum verlaufend eine 2 cm breite glatte Schattenfuge eingebracht. Die obere Fläche für die Zelebration der Gottesdienste wurde glatt poliert.


In die Oberfläche des Altares wurde an den vier Ecken und in der Mitte jeweils ein Kreuz eingemeißelt. Damit ist auch sein Entstehen im 21. Jahrhundert dokumentiert - Altäre aus dem 20. Jahrhundert z.B. tragen vier Kreuze.

Die schlichte Gestaltung des neuen Altares geht zurück auf die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils. Danach soll heute nicht eine ablenkende prunkvolle Gestaltung, sondern vielmehr die Konzentration der Gläubigen auf des wesentliche Geschehen im Mittelpunkt stehen.



2004 Die Reliquien von Candidus und Amantia mit dokumentier-

Z

iel der Renovierung von St. Maternus Merbeck war die detailgetreue Wiederherstellung des Gotteshauses von 1904 in neugotischer Gestaltung. Das ist weitgehend gelungen. Nicht möglich war es, im unteren Bereich des Chorraumes. Bauarbeiten beschädigten die Böden stark und die Original-Bodenbeläge konnten nicht mehr beschafft werden. Das führte zur Idee, bewußt

tem Tragealtar aus

den Bereich für die Zelebration der Gottesdienste zum neugotischen Umfeld stark kontrastieren zu lassen. So sind Boden und Altar in Naturstein gehalten. Links und rechts des Altares in den Seitenschiffen stehen neue moderne Stühle. Als bewegliche Elemente kommen der Ambo – das Lesepult - sowie Sitze in Edelstahl für Priester, Lektor und Meßdiener hinzu.

dem ehemaligen Holzaltar werden in den neuen wieder eingemauert.


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D ER H IMMEL

AUF

Oben. Detail aus dem mittleren Chorfenster: Engel-Motiv als Symbol f체r den Evangelisten Matth채us. Rechts: Die drei zentralen Fenster im Chor. Von links nach rechts Weihnachtsmotiv, Anna Selbdritt und Pfingstmotiv.

E RDEN


ES

Die herrlichen Fenster. Geburt Christi, Sendung des Heiligen Geistes, acht Seligpreisungen der Bergpredigt und Moses im brennenden Dornbusch…

WERDE

L ICHT

1904 Links: Ausschnitt des Fensters der

D

er neugotische Baustil Anfang des 20. Jahrhunderts lebt auch aus der Gestaltungskraft hoher farbiger Fenster. Jeder Besucher von St. Maternus Merbeck erlebt es beim Eintritt in die Kirche. Das Mittelfenster im Chorraum zeigt die Szene Anna Selbdritt. Im linken Fenster ist die Geburt Christi dargestellt, im rechten die Sendung des Heiligen Geistes. Die beiden Ornamentfenster links und rechts im Chor tragen Inschriften mit Worten Jesu. Im Fenster links neben dem Marienalter ist - wie auf den Türen des Tabernakels - die Verkündigung dargestellt. Die Fenster im Kreuzschiff zeigen die Szenen „Der verlorene Sohn“ und „Kommunion des heiligen Aloysius“. Die acht Seitenfenster verkündigen die acht Seligpreisungen der Bergpredigt.

Ortspatronin Anna

Deinem Hause geziemet Heiligkeit.

im Chorraum.

V

or dem Taufbecken über dem Nebenportal, beim Bau als „Frauenpforte“ gedacht trägt das Fenster eine entscheidende Szene aus dem Alten Testament: Moses im brennenden Dornbusch. Dazu den Aufruf: „Ziehe Deine Schuhe aus, denn der Ort, wo Du stehst, ist heilig.“ Das Fenster über dem anderen Nebenportal zeigt die Jünger von Emmaus mit dem bekannten Wort: „Herr bleibe bei uns, denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt.“ Und das Fenster über dem Hauptportal mahnt: „Deinem Hause geziemet Heiligkeit o Herr."

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Oben: Auf der Orgelbühne ist das Fenster der heiligen Cäcilia geweiht, der Patronin der Kirchenmusik.


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AUF

1904

E RDEN

Künstlerisch. Vollendet. Dauerhaft. In voller Schönheit, in ganzer Farbenpracht, und fast im Originalzustand.

6. April 1904: Vertrag für die Kirchenfenster. „Zwischen dem Kirchenvorstande der Kath. Kirche zu Merbeck, vertreten durch Herrn Pfarrer Heyden einerseits, und dem Glasmaler Herrn W. Derix zu Goch andererseits, ist heute folgender Vertrag geschlossen.“

Rechts: Detail aus einem der Kirchenfenster in OriginalGröße. Ein Beispiel

So beginnt die schriftliche Übereinkunft vom 6. April 1904. Mit ihr regeln die Pfarre einerseits und die „Niederrheinische Glasmalerei Wilh. Derix Goch und Kevelaer gegründet 1866“ andererseits die Herstellung der Fenster für die neue Kirche.

für die präzise Feinarbeit in allen Einzelheiten.

Der Vertrag enthält 11 Einzelpositionen und endet mit der Summe von insgesamt 5.767 Mark. Weiter heißt es:

„Die Preise verstehen sich einschließlich Einsetzen und Mitlieferung der nötigen Windeisen. Lieferung franco Station Wegberg. Für künstlerisch vollendete, dauerhafte Ausführung, für Wasserdichtigkeit der Fenster und wetterfestes Einbrennen der Farben leistet der p. Derix jede Garantie. Für Gerüste beim Einsetzen der Fenster entstehen kirchenseitig keine Unkosten und hat dieselben der Unternehmer p. Derix zu tragen. Die Lieferung hat bis zum 10. September dieses Jahres zu erfolgen.“ Heute nach einem vollen Jahrhundert stellen wir fest, dass die Fenster nach wie vor in voller Schönheit wirken und in ganzer Farbenpracht strahlen. Sie sind weitgehend im Originalzustand erhalten.


Oben: Maßwerkskizze des Architekten für ein Fenster. Ganz links: Originalentwurf von Friedrich Stummel für das Aloysiusfenster. Der Künstler aus Kevelaer hat alle Fenster entworfen, die Motive sind handgemalt. Links: Das heutige Fenster „Die Erstkommunion des heiligen Aloysius“.


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D ER H IMMEL

Rechts: Ausschnitt des kleineren Fensters 체ber der M채nnerpforte, der Text wiederholt die Bitte der EmmausJ체nger.

AUF

E RDEN


ES

WERDE

L ICHT

Ziehe deine Schuhe aus… Das Fenster über der Frauenpforte. Klartext zum heiligen Ort. Über Moses im Alten Testament. Unten: Ursprünglich war hier eine Taufkapelle geplant. Statt ihrer wurde eine eigene Eingangspforte für die Frauen des Dorfes gebaut.

D

ie Darstellung zeigt eine Schlüsselszene aus den Erzählungen über Moses im Alten Testament: seine Berufung zum Führer des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten vor etwa dreieinhalbtausend Jahren. Am Berg Horeb im Gebiet des Sinai spricht Gott zu dem Schafe hütenden Moses aus einem brennenden Busch, der von den Flammen nicht verzehrt wird. Gott sagt zu ihm: „Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heilig.“ Für uns bedeutet diese Weisung über der Kirchenpforte, daß wie vor Jahrtausenden der Ort, an dem Gott wohnt, ein besonderer ist. Die Menschen, die ihn in seinem Hause besuchen, haben Respekt und Ehrfurcht zu zeigen, sich der Heiligkeit des Ortes bewußt zu sein.

Später erhält Moses nach den Erzählungen des Alten Testamentes von Gott hier auf dem Sinai die steinernen Gesetzestafeln mit den zehn Geboten, auch Vorschriften zum Bau der Kultgegenstände für den jüdischen Glauben, aus dem vor zwei Jahrtausenden das Christentum hervorgeht. Die Inschrift im kleineren Fenster seitlich der Orgelempore über der Frauenpforte bekräftigt die Aussage der Szene aus dem Leben des Moses darunter: „Dieser Ort ist heilig.“

Das Fenster zeigt Moses als Schäfer vor einem Dornbusch.

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D ER H IMMEL

* Die meist zitierte, aber auch mißverstandene Seligprei-

AUF

E RDEN

Selig die Armen im Geiste…*

sung. Gemeint sind vielmehr diejenigen,

Fundamentale religiöse Thematik. Acht zentrale Versprechen mit höchster Bedeutung für das persönliche Verhalten.

denen irdischer Besitz nicht wichtig ist, sondern ein Leben nach den Weisungen Christi. Unten und rechte Seite: aus den acht Seligpreisungen. Rechts: Symbol des Evangelisten Lucas.

D

as Evangelium des Matthäus berichtet von der Bergpredigt Jesu, die acht zentrale Versprechen seiner Botschaft enthält und daher für das persönliche Verhalten eines jeden Menschen höchste Bedeutung hat. Die acht großen Seitenfenster des Kirchenschiffes - zwei davon mit bildlicher Darstellung, sechs mit Ornamenten - sind mit dieser fundamentalen religiösen Thematik gestaltet. Überwiegend ist nur der erste Teil der acht Seligkeiten textlich wiedergegeben. Im vollen Wortlaut heißen sie - beginnend mit dem ersten Fenster rechts vorn:

Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Selig sind die Barmherzigen, sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind die Friedfertigen, sie werden Kinder Gottes heißen. Selig sind die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, ihrer ist das Himmelreich. Selig sind die Armen im Geiste, ihrer ist das Himmelreich. Selig sind die Sanftmütigen, sie werden das Land besitzen. Selig sind die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, sie werden gesättigt werden. Selig sind, die ein reines Herz haben, sie werden Gott anschauen.



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Oben: Im Vierpaß des Maßwerks die Darstellung des Schutzengels Michael mit dem Kind. Rechts: Fensterausschnitt mit dem Kopf des heiligen Aloysius, der seine Erstkommunion empfängt.


H EILIGE E RZÄHLUNGEN

Die Erstkommunion des Aloysius. Vom Leben des Aloysius von Gonzaga und des Kardinals Karl Borromäus.

Links und unten: Erstkommunion des Aloysius aus der Hand von Karl Borromäus.

Linkes Seitenschiff, hinteres Fenster.

D

er heilige Aloysius wird am 1. März 1568 geboren. Er ist der älteste Sohn des Markgrafen Ferdinand von Gonzaga und wächst in Schloß Castiglione bei Mantua auf. Aloysius wendet sich schon früh vom höfischen Leben ab und dem Glauben zu. Aus der Hand von Karl Borromäus empfängt er die Erstkommunion, wird davon tief beeindruckt und bestärkt in seiner Hinwendung zur Religion. Aloysius tritt nach jahrelanger Auseinandersetzung mit seinem Vater 1585 in das Jesuitenkolleg in Rom ein. Im Pestjahr 1591 pflegt er Schwerkranke mit seiner ganzen Kraft. Schließlich ergreift ihn selbst die Seuche, er stirbt am 21. Juni 1591. Aloysius wird 1726 heiliggesprochen.

K

arl Borromäus, der Aloysius die Hostie reicht, ist am 2. Oktober 1538 in Castel Arona am Lago Maggiore geboren, wird Kardinal, Freund des heiligen Philippus Neri, gründet viele Priesterseminare, Schulen, Spitale, setzt sich für die Armen ein, kämpft 1576 mit Erfolg gegen die Pest in Mailand, stirbt am 3. November 1584, wird 1610 heiliggesprochen. Die Inschrift der Seligpreisung am Fenster „Selig, die ein reines Herz haben“ unterstreicht die heiligmäßigen Leben des Aloysius von Gonzaga und des Karl Borromäus.

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AUF

E RDEN

Maria wird vom Engel Gabriel besucht. Er verkündet ihr, sie werde den Gottessohn gebären.

Unten: Das Fenster links vom Marien-Altar: die Verkündigung.

D

as Lukas-Evangelium im Neuen Testament berichtet, wie die Jungfrau Maria in Nazareth, verlobt mit Joseph aus dem Hause Davids, vom Engel Gabriel besucht wird. Gott hat ihn geschickt, und der Engel spricht zu ihr: „Gegrüßet seist du, voll der Gnade; der Herr ist mit dir.“ Maria erschrickt natürlich, aber der Engel beruhigt sie und verkündet ihr, sie werde einen Sohn gebären. Dem solle sie den Namen Jesus geben. Er werde groß sein und in Ewigkeit herrschen, seines Reiches werde kein Ende sein. Auf die Frage der Jungfrau, wie das geschehen solle, da sie keinen Mann habe, antwortet der Engel: „Der Heilige

Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten.“ Maria erklärt sich demütig als Magd des Herrn, der Engel entschwindet. Ave Gratia Plena.

D

ie Taube oben in der Darstellung ist Symbol für den Heiligen Geist. Der Engel Gabriel hält das Spruchband mit seinem Gruß „Ave Gratia Plena“. Der Text unter der Szene unterstreicht die Bedeutung der Gottesmutter für unser aller Leben: „Maria auch unsere Mutter“.


D IE V ERKÜNDIGUNG

Links: Ein Ausschnitt von der Verkündigungsszene mit Maria und dem Erzengel Gabriel. Unten: Symbolik des Reiches Gottes auf Erden mit Kreuz, Säulen, Türmen und Tempeln. Mit Krone für die Gottesmutter über dem Anfangsbuchstaben ihres Namens.

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Oben: Originalentwurf von Friedrich Stummel. Rechts: In unserem Chor ist das ganze Jahr 端ber Weihnachten: die Geburt Christi im Stall zu Bethlehem erstrahlt, sooft die aufgehende Sonne durch die Chorfenster scheint.


H EILIGE N ACHT

Das Weihnachtsfenster. Maria und Josef, das Kind, jubelnde Engel und die anbetenden Hirten.

Das linke Chorfenster: die Geburt Jesu.

A

uf Befehl des Kaisers Augustus findet eine Volkszählung statt. Jeder muß sich in seinem Heimatort registrieren lassen. Josef zieht mit Maria von Nazareth nach Bethlehem, der Stadt Davids, zu dessen Stamm er zählt. Dort wird Christus in einem Stall geboren, weil in den Herbergen kein Platz mehr ist. Im Chorfenster dargestellt sind Maria und Josef, das Kind in der Futterkrippe, jubelnde Engel mit dem Spruchband „Gloria in Excelsis Deo“, die anbetenden Hirten. Die Inschrift unter der Szene lautet: „Den Du, o Jungfrau, geboren“.

Unten: Das Fenster mit dem Weihnachtsmotiv.

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D ER H IMMEL

AUF

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Anna Selbdritt. Anna Selbdritt, Bezeichnung für die gemeinsame Darstellung der heiligen Anna mit der im allgemeinen als Mädchen wiedergegebenen Maria und dem Jesuskind.

Rechts: Anna Selbdritt. Das Fenster in der Mitte des Chores. In der Mitte des Maßwerks die SymbolDarstellung des Evangelisten Matthäus.

„Das Mittelfenster ist der heiligen Mutter Anna geweiht, der Ortspatronin von Merbeck. Wie sie aus den Händen der Gottesmutter Maria, ihrer Tochter, das Jesuskind empfängt, so sollen wir durch die Fürbitte der heiligen Anna zu Jesus und Maria gelangen.“

M

it diesen Worten beschreibt die Pfarrchronik am Anfang des letzten Jahrhunderts das zentrale Fenster über dem Hauptaltar, das die Inschrift trägt: „Mutter Anna, bitte für uns“. Im 14. Jahrhundert beginnt die große Verehrung der heiligen Anna. Sie ist die Mutter Mariens, also die Großmutter Jesu. Alle drei zusammen werden in der kirchlichen Kunst über die Jahrhunderte von vielen Malern und Bildhauern dargestellt. Diese Komposition heißt „Anna Selbdritt“.


A NNA , M ARIA , J ESUS

Oben: Aus dem Fenster in der Mitte des Chores, Maßwerk mit Fünfpaß. Links: Ausschnitt des zentralen Fensters im Chorraum. Maria zeigt ihrer Mutter Anna ihren Sohn Jesus. Um die Köpfe der drei Personen Heiligenscheine als Zeichen ihrer besonderen Gnade.

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Rechts: Feuerzungen bringen sinnbildlich den Geist Gottes zu den versammelten Aposteln. Unten: Das beeindruckende Fenster rechts im Chor mit der Pfingstszene des Neuen Testamentes.

Rechts: Die Gottesmutter Maria empf채ngt mit den Aposteln zusammen den Heiligen Geist.


D AS P FINGSTWUNDER

Der Heilige Geist kommt herab.

Links: Die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes und die

Ein Brausen wie ein Sturmwind, Feuerzungen lassen sich auf jeden nieder. Und alle reden in fremden Sprachen.

Feuerzungen des Pfingstwunders. Unten: Nach der Sendung des Heiligen Geistes wächst die Kirche Christi wie eine Blume.

Das rechte Chorfenster.

A

m Pfingstfest nach Jesu Tod versammeln sich die Apostel und die Gottesmutter Maria zum Gebet. Die Bibel erzählt, daß plötzlich ein Brausen wie ein Sturmwind das ganze Haus erfüllt. Feuerzungen erscheinen, zerteilen sich und lassen sich auf jeden einzelnen nieder. Alle werden mit dem Heiligen Geist erfüllt und beginnen in fremden Sprachen zu reden. In Jerusalem befinden sich zu einem Fest Menschen aus vielen verschiedenen Völkern mit jeweils anderen Sprachen. Aber alle verstehen, was die Apostel sagen.

Das Staunen ist groß, denn eigentlich kann jeder sich nur in einer einzigen Sprache verständlich machen. Petrus hält seine erste überzeugende Pfingstansprache. Viele Tausende bekehren sich daraufhin zum Christentum.

D

as Chorfenster hat die Inschrift: „Der Du den Heiligen Geist gesandt hast“. Es stellt sinnbildlich die Geburt der Kirche und die Erlösung durch Vermittlung des Heiligen Geistes dar.

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Rechts: Der Ab-

Neben den drei zen-

Fleisch ißt und

druck vom Kopf des

tralen Fenstern im

mein Blut trinkt,

gemarterten Jesus

Chorraum sind zwei

der bleibt in mir

im Schweißtuch der

Ornamentfenster

und ich in ihm.“

heiligen Veronika.

gestaltet mit Aus-

Oben rechts: Der

Unten: Der Text im

sagen Jesu, die un-

Pelikan im Orna-

rechten Fenster:

mittelbar mit der

mentfenster. Nach

„Kommet alle zu mir,

Kirche verbunden

alten Erzählungen

die ihr mühselig und

bleiben.

öffnet er sich mit

beladen seid, ich will

Die erste lädt ein

dem Schnabel die

euch erquicken.“

zum Empfang der

Brust, um mit

Kommunion, die

seinem Blut seine

zweite zum Besuch

Jungen zu ernähren.

des Gotteshauses.

Das Gleichnis

Der Text im linken

für den Opfertod

Fenster: „Wer mein

Christi.

Das Fenster über der Männerpforte.

D

ie Szene im Fenster oberhalb der rechten Seitenpforte: Nach Christi Tod gehen zwei seiner Anhänger den Weg von Jerusalem nach Emmaus, unterhalten sich über die schmerzlichen Ereignisse der vergangenen Tage. Da stößt Jesus zu ihnen, bleibt aber unerkannt, fragt sie nach dem Grund ihrer Traurigkeit. Sie berichten vom Tod und der Auferstehung Christi, von der sie selbst aber noch nicht recht

überzeugt sind. Als es später wird auf der Wanderung, wollen die beiden Jünger einkehren, Jesus aber tut, als wolle er weitergehen.

D

a sagen sie: „Bleibe bei uns, denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt.“ Er bleibt. Beim Essen nimmt er das Brot, segnet es, bricht es und reicht es ihnen. Da erkennen sie ihn, er aber verschwindet vor ihren Augen.


Die Statue der Gottesmutter außen über dem Hauptportal wird im „Marianischen Jahr“ angeschafft, 50 Jahre nach Verkündigung des Dogmas 1854 von der „Unbefleckten Empfängnis“: nach dem Glauben der Kirche bleibt Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an vor jedem Makel der Erb-

Unten: Fenster über dem Hauptportal.

E

in kleineres Ornamentfenster befindet sich über dem Hauptportal. Wer in die Kirche geht und kurz nach oben zurückschaut, liest die eindeutige Botschaft „Deinem Hause geziemet Heiligkeit, o Herr.“ Ein Wort der Psalmen, das nach wie vor gilt und Maßstab sein muß für das Benehmen aller, die eine Kirche betreten. Es wird unterstrichen von der Aussage im Fenster über der Frauenpforte rechts: „Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heilig.“

Oben: Die Fratzen in den Fenstern.

B

etrachtet man die Fenster einmal von ganz nah, so entdeckt man in einigen Ornamenten lustige Gesichter wie von Meerestieren und furchterregende abschreckende Fratzen, wie sie auch auf Flügeln von Faltern zu finden sind. Was hat sich der Gestalter Friedrich Stummel wohl dabei gedacht? Ist es ein Schabernack, den er sich erlauben wollte? Oder sind es die Fratzen des Teufels, ähnlich den Wasserspeiern an den gotischen Domen des Mittelalters?

sünde bewahrt, weil sie zur Mutter Gottes erwählt ist. Auch hier wird Maria dargestellt auf der Mondsichel stehend, der Schlange den Kopf zertretend – die Gottesmutter besiegt das Böse. Die Inschrift am Sockel der Statue: „Unbefleckte Jungfrau Maria. Im Jubiläumsjahr 1904“.



D AS F REUDENMAHL

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Das Gleichnis aus dem Evangelium und seine bildliche Darstellung. Linke Seite: Im Fensterausschnitt begrüßt der Vater liebevoll seinen reumütig zurückgekehrten Sohn.

Rechtes Seitenschiff, hinteres Fenster:

D

as Fenster zeigt die Darstellung eines Gleichnisses Jesu aus dem Evangelium nach Lukas: Ein Vater gibt seinen beiden Söhnen ihre Anteile am Vermögen. Der jüngere von beiden zieht damit in die Ferne, verschwendet alles, gerät in Not, kehrt voll Reue nach Hause zurück. Der Vater nimmt ihn wieder auf, richtet ein Freudenfest aus. Der ältere Sohn aber, der zuhause geblieben war und dort die ganze Zeit über fleißig gearbeitet hatte, ist vom Verhalten seines Vaters enttäuscht.

Der entgegnet ihm: „Du bist immer bei mir, und all das Meinige ist dein. Aber ein Freudenmahl mußte gehalten werden; denn dein Bruder war da tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“ In der Darstellung kniet der zurückgekehrte Sohn vor dem Vater, der ihn mit offenen Armen willkommen heißt. Über dem Sohn steht der Text seiner reuevollen Aussage „Vater, ich habe gesündigt“. Die Verheißung aus der Bergpredigt unter der Darstellung lautet „Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“.

113


114

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

„Cantatibus organis“ Farbenprächtige musizierende Engel mit Instrumenten vergangener Jahrhunderte.

Über der Orgelbühne: das Fenster der heiligen Cäcilia.

W

o die Orgel erklingt, wo der Kirchenchor singt, da ist auch der richtige Ort für die

heilige Cäcilia. Sie stirbt um 230 als römische Märtyrerin und wird im 15. Jahrhundert Schutzpatronin der Kirchenmusik. Übrigens aufgrund eines Übersetzungsfehlers. Bei ihrer Hochzeit wird gesungen und musiziert. „Cantatibus organis“, wie der lateinische Text besagt. Auf Deutsch: „Während die Musikinstrumente erklingen“. Der Übersetzer macht „Orgel“ daraus - in phonetischer Anlehnung an das lateinische Wort. So bildet man seit Jahrhunderten die Heilige mit einer Orgel ab. Dieses Instrument gibt es aber zu Lebzeiten der Cäcilia noch nicht, sondern erst ab dem Mittelalter.

Farbenprächtig dargestellt sind auch die musizierenden Engel links und rechts der Cäcilia im Fenster über der Orgelbühne mit den Instrumenten vergangener Jahrhunderte. Die Inschrift unter der Szene veranschaulicht ein Motto der Kirchenmusik: „Lobet den Herrn alle Völker“.


C ÄCILIA

AUF DER

O RGELEMPORE

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D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1906

Christus bei den Emmaus-Jüngern.

Rechts: Das Wandgemälde „Christus bei den EmmausJüngern“ ist nahezu im Originalzustand seit seiner Entstehung im Jahre 1906 bis heute erhalten. Rechte Seite: Engel über dem EmmausWeg. Detail aus dem Wandgemälde.

D

er Maler Caspers aus Wanlo hat bei der ersten Ausmalung der Kirche auch dieses Kunstwerk geschaffen. Lediglich kleine Restaurierungen wurden bei der Neuausmalung im ursprünglichen Stil 1997/98 vorgenommen.

Die Szene zeigt die beiden Jünger am Tisch mit Jesus, der segnend die Hand hebt. In diesem Moment erkennen sie den Auferstandenen. Engel schweben am Himmel. Deutlich ist im Hintergrund die Landschaft Palästinas zu erkennen, wie man sie sich vor einem Jahrhundert üblicherweise vorstellte.

Die Begegnung der beiden Emmaus-Jünger mit Jesus ist im Neuen Testament beschrieben. Der Inhalt wird im Text zum Fenster über der Männerpforte erläutert.



118

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1875

De Cruce Diu.

B

Bild oben: Die Dornenkrönung auf der Vorderseite rechts. Bild rechts: Das Reliquienkreuz. Chronogramm: Inschrift, in der hervorgehobene Großbuchstaben als Zahlzeichen die Jahreszahl eines geschichtlichen Ereignisses ergeben, auf das sich der Satz bezieht.

ei der Reinigung des Reliquienkreuzes im November 2003 wurde auf der Kapsel der Reliquie eine Inschrift mit folgendem Wortlaut entdeckt: eCCe sanCtae CrVCIs partICVLa petrI sChIffers paroChI MVnVs! Dieser lateinische Text lautet übersetzt: „Siehe ein Teil des hl. Kreuzes Geschenk des Pfarrers Peter Schiffers!“ Aus den unterschiedlich klein und gross geschriebenen Buchstaben ergibt sich ein Chronogramm in römischen Buchstaben. Das Ergebnis: 1875. Zu dieser Zeit war Pastor Peter Schiffers Pfarrer in Merbeck. Er wurde am 29.1.1852 in Köln zum Priester geweiht. Danach war er 16 Jahre in Eupen Rektor des Waisenhauses und Gesellenpräses. Am 28. August 1868 wurde er zum Pfarrer in Merbeck ernannt. Er starb am 23.10.1887 in Merbeck. Diese Daten sind dem Totenzettel entnommen.

Man kann also davon ausgehen, daß dieses Kreuz ein Geschenk an die Pfarre Merbeck ist. Es stellt damit ein sehr wertvolles Stück in unserem Kirchenschatz dar. Die bildlichen Darstellungen auf dem Kreuz. Auf dem Fuß des Kreuzes sind vier Abschnitte aus der Leidensgeschichte Christi eingraviert: Vorderseite links: Christus am Ölberg, Vorderseite rechts: die Dornenkrönung, Rückseite links: Christus fällt unter dem Kreuz, Rückseite rechts: Grablegung Christi. An den Enden der Kreuzbalken sind die 4 Tiersymbole der Evangelisten Matthäus, Markus, Lucas und Johannes dargestellt. Entdeckt und entschlüsselt von Familie Hans Gehlen sowie Dechant Winfried Müller.


D E C RUCE D IU

Links: Das silberne Medallion mit Reliquien des heiligen Kreuzes und der Inschrift DE CRUCE DIU = VOM KREUZE GOTTES. Mitte: Rückseite des Medallions mit Kreuzigungsszene. Rechts: Innenliegendes Siegel mit feinen Fäden, das die Echtheit der Reliquie garantiert.

Unten: Eingraviertes Chronogramm in römischen Buchstaben (stark vergrößert). M

= 1000

8 x C = 800 L

=

50

4xV =

20

5xI =

5

= 1875 (M = 1000, C = 100, L = 50, V = 5, I = 1)

119


Krieg. Merbeck ist Kampfgebiet im zweiten Weltkrieg. Am Dienstag, dem 27. Februar 1945, rücken die ersten Amerikaner über Wegberg und Harbeck in das Dorf ein. Heinrich Fothen, der vom 28. Juni 1942 bis 31. Mai 1957 Pfarrer in Merbeck ist, beschreibt in der Pfarrchronik, die sich aus gegebenem Anlaß streckenweise wie ein Kriegstagebuch liest, den Tag nach der Eroberung Merbecks durch amerikanische Panzer: "... Das Dorf war fast völlig leer von Menschen. Sie waren ... nach Harbeck geführt worden. Das Pastorat war bis auf einen Artillerieschuß ins Dach und einer Reihe zerstörter Fensterscheiben unversehrt geblieben. Es war vor der amerikanischen Artillerie durch die Kirche geschützt. Vor dem Pastorat war ... ein Pfeiler der Eisentore von den Panzern umgefahren. Im Pfarrhause wimmelte es geradezu von amerikanischen Soldaten, und zwar deshalb, weil dort die Fronttruppen verpflegt wurden. Zuerst ging ich in die Küche, wo das Fleisch in Stapeln lag. Der Herd war schwer in Tätigkeit. Sodann in das Zimmer links der Küche. Dort lag noch auf einem Stuhl der schwarze Chormantel von der versuchten Beerdigung am Dienstag. (Sie mußte wegen PanzerLinks: Seite aus der Pfarrchronik von 1945 mit den handschriftlichen Eintragungen von Pfarrer Heinrich Fothen und der eingeklebten Erklärung des blinden Gottfried Breidt.


beschuß abgebrochen werden.) Die Leichen hatten die Angehörigen inzwischen begraben. Ein Fingerzeig meinerseits auf den Chormantel. Verständnisvolles Nicken der Soldaten. Im Saal bat ich die Soldaten, die Kirchensachen zu schonen, was sie mit der Bemerkung beantworteten, sie gingen mit Ausnahme einer kleinen Wache noch am selben Tage weg. Sie machten aber noch darauf aufmerksam, daß im Saal, in dem Stroh lag, wohl deutsche Soldaten gelegen hätten. Eine Wache von 4 Mann blieb die Nacht über im Sprechzimmer. Sie hatten aber, wie ich durch einen Versuch feststellte, die Türe abgeschlossen. Gegen 6 - 7 Uhr abends verließen die anderen das Pastorat, nachdem sie mir noch 3 Koteletts gegeben hatten "for you". Schlimmer als im Pfarrhaus sah es mit der Kirche aus. Sie hatte unter amerikanischem und deutschem Artilleriefeuer gelegen. Auf der Wegberger Seite zum Friedhof waren sicher 12 Artillerieeinschläge in der Mauer und im Turm. Dabei war die einzige uns noch verbliebene Bronceglocke in Stücke gegangen. Der Turm hatte auch im Inneren schwer gelitten. Glücklicherweise war die Uhr ziemlich unbeschädigt, so daß sie bald wieder in Gang gesetzt werden konnte. Ein

Bild der Zerstörung bot die Kirche im Inneren. Kein einziges der schönen Fenster war ganz geblieben. 2 waren vollständig zerstört. Der ganze Fußboden lag voll von Steinen, trockenem Mörtel, Holzteilen etc. Zahlreiche Beschädigungen der Säulen und Mauern durch die explodierenden Granaten. Die Orgel, der Taufstein und die Beichtstühle waren schwer beschädigt. Die schöne Polychromierung der Wände war wie verschwunden, so daß die alten Bemalungen wieder sichtbar wurden. Die Bänke hatten zahlreiche Splittertreffer erhalten. Das schöne Maria-Hilf-Altärchen war vollständig zusammengestürzt. Die einzelnen Teile lagen wild durcheinander. Beim Zusammenstellen aber ergab sich, daß kaum ein Teilchen beschädigt war. Die 3 Altäre hatten den Krieg ziemlich gut überstanden. Am Hauptaltar war die Fußbodenplatte durch herabfallendes Gestein in mehrere Stücke gegangen, so daß das Celebrieren mit Schwierigkeiten verbunden war... Der Friedhof hatte auch sehr gelitten. Viele Kreuze waren zerstört und die überall umherliegende Munition zeigte den Kampf..." Pfarrer Heinrich Fothen gibt weiterhin in der Pfarrchronik zu Protokoll:

Kirche und Pfarrhaus sollten gesprengt werden. „Hier noch zwei Augen- und Ohrenzeugen über die Vernichtungsabsicht des deutschen Militärs an Kirche und Pfarrhaus. Zunächst sollte Kirche und Pfarrhaus von einem Sprengkommando in die Luft gesprengt werden. Der Sprengplan sah vor, den Turm so umzulegen, daß er auf die Straße fiel. Hier die Aussage von Herrn Breidt, der blind ist, und seinen Namen nicht mehr schreiben kann. Er hat deshalb drei Kreuze gemacht. (s. Bild links) Sodann hat Herr Heiartz, ein ehemaliger Artillerist, der während der Anordnung und Durchführung des Beschusses der Pfarrkirche durch deutsche Artillerie, die hinter Amern stand, neben dem befehlgebenden Oberleutnant stand, bei einem Bunker in Tetelrath folgendes ausgesagt. „Der Oberleutnant gab zur Artillerie hinter Amern den Befehl, die Kirche von Merbeck niederzulegen. Daraufhin hätten sich die Kanoniere einzuschießen versucht. Noch 100m, noch 50m wurde der Artillerie tel. mitgeteilt. Als sie sich aber eingeschossen hatten und 2 - 3 Treffer am Turm und am Dach erzielt hatten, mußten sie sich zurückziehen.“ So wurde die Kirche von Merbeck vor der sicheren Zerstörung gerettet...

11.3.45. Die Kirche ist wieder dank der Arbeit besonders der Schwaamer Jungfrauen in einem einigermaßen sauberen Zustande. Es bedarf aber noch des gründlichen Putzens mehrerer Wochen, um den Kalk vom Boden und von den Möbeln zu entfernen. In dieser Woche wollen wir die zerstörten Fenster verschalen."


122

D ER H IMMEL

AUF

1944 Rechts: Soldaten an Gesch端tzen halten im zweiten Weltkrieg Wache am Kriegerdenkmal in Merbeck. Das Giebelbild St. Michael im Kampf mit dem Drachen erinnert an den Weltkrieg, in dem die Gefallenen, wie auch die 端berlebenden Soldaten, mitgestritten und gelitten haben.

E RDEN


K RIEGERDENKMAL

Kriegerdenkmal. Am 29. Juni 1921 feierlich eingeweiht. 29. Juni 1952: weitere Gedenktafeln. 1. November 1984: neuer Standort.

S

chon kurz nach dem ersten Weltkrieg existiert die Absicht, bei der neuen Kirche auch ein Kriegerdenkmal zu errichten. 1921 ist es soweit. Die Pfarrchronik: „Am 29. Juni 1921, am Feste Peter und Paul, wurde die Kriegergedächtniskapelle in würdiger Weise feierlich eingeweiht... Das Denkmal ist wirklich weit mehr als Durchschnittsware. Der Plan, für die Gefallenen aus der Pfarrgemeinde ein Denkmal zu errichten, war schon unter Pfarrer Josef Heyden gefaßt worden. Ein junger Künstler, Heinz Minkenberg aus Rheindalen, erhielt den Auftrag und hat seine Aufgabe glänzend gelöst. In rotem Mainsandstein erhebt sich das Denkmal nach Art einer Kapelle. Das Bild im Inneren der Kapelle, ein fein stilisierter Kruzifixus, von dem Ruhe und Friede in die Seele des andächtigen Zuschauers ausströmt, spricht vom Frieden nach dem Kampfe; vom Frieden, in dem die Gefallenen nun ruhen bei Christus; vom Frieden, den auch die Überlebenden nur finden in und mit Christus.“

123

1921

Am 29. Juni 1952 werden die zusätzlichen Tafeln mit den im zweiten Weltkrieg gefallenen und vermißten Soldaten eingeweiht.

Links: Kriegerdenkmal aus einer alten Ansichtskarte.

E

in historischer Tag für die nahe Umgebung der Merbecker Kirche ist Aschermittwoch, der 15. März 1984: die großen Straßenbauarbeiten mit Rückversetzen und Renovieren des Kriegerdenkmals und der Mauer um das Pfarrhaus beginnen. Denn die Maternusstraße und die Arsbecker Straße sollen um Geh- und Radweg verbreitert werden. Beim Ausschachten der Fundamente für den neuen Standort des Kriegerdenkmals finden die Bauarbeiter riesige Steine - die Fundamente des Altars der ersten Merbecker Pfarrkirche. Termingerecht am 1. November segnet Pfarrer Innocenz Damhuis die Kriegergedächtniskapelle neu ein.

Oben: Kranzniederlegung am Volkstrauertag 2003.


124

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AUF

E RDEN

Das historische Kreuz.

Oben: Kirche und Friedhof. Rechts: Das Hochkreuz auf dem Friedhof. Rechte Seite: Auf dem alten Teil des Friedhofs nahe der Kirche befinden sich die Grabstätten mit Gedenksteinen für einige der Seelsorger von Merbeck.

M

it dem Bau der Pfarrkirche St. Maternus muß auch der Merbecker Friedhof neu angelegt werden. Das beginnt im Herbst 1906 mit der Errichtung einer kleinen Kapelle. Am 1. November 1909 findet die Einweihung des zweiten Kirchhofteils statt. Im Herbst 1930 beginnt die Erweiterung des Friedhofs mit Umfassungsmauern, Gittern und Toren. Sie wird 1931 mit den Wegeanlagen vollendet. Im gleichen Jahr findet das historische Friedhofskreuz aus dem Jahre 1871 seinen neuen Platz zentral dort, wo es heute noch steht. Der Transport ist schwierig, die

Kreuzbalken werden beim Umstellen beschädigt und müssen erneuert werden. Heute noch gedenkt die Pfarrgemeinde alljährlich am Nachmittag des 1. Novembers an dieser Stelle in der Mitte ihres Kirchhofs mit einer kleinen Feier ihrer Verstorbenen. Der Kirchenchor Cäcilia Merbeck trägt Lieder vor, die Gläubigen beten gemeinsam, die Gräber werden gesegnet.


M ERBECK

UND SEINE

P FARRER

125

Pfarrer unseres Dorfes: Johannes Norbert Breuer 1816 bis 1850. Josef Venth 1851 bis 1857. Johann Hubert Arnold Becker 1858 bis 1867. Peter Schiffers 1868 bis 1887. August Baum 1888 bis 1901. Josef Heyden 1901 bis 1920. Josef Bernard Seitz 1921 bis 1942. Heinrich Fothen 1942 bis 1957. Roman Skrzypek 1957 bis 1967. Innocenz Damhuis OCarm 1967 bis 1990. Franz-Josef Semrau 1991 bis 1993. Klaus Buyel seit 1993. Heinrich Pesch (Subsidiar) 1992 bis 1998. Frater Rolf Schilken OCarm (Pastoraler Dienst) 1993 bis 2000. AbbĂŠ George Rukundo (Subsidiar) seit 2000.


126

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AUF

E RDEN

III. Bauabschnitt.

Den schlechten äußeren Zustand der Kirche zeigen

1995 konzentrierte

tigkeit starke Frost-

der Dachstuhl

die folgenden

man sich auf die

schäden aufwies.

gesichert und die

Bilder. Sanierung

Instandsetzung des

Die Naturstein-

Schiefereindeckung

und Restaurierung

Kirchturmes, dessen

Abdeckungen und

erneuert.

erfolgten in

Mauerwerk durch

Gesimse wurden

Kosten 390.000 €.

mehreren

aufgestaute Feuch-

ausgetauscht,

Bauabschnitten.

I. Bauabschnitt.

II. Bauabschnitt.

Vor der Restaurie-

Schiefereindeckung

1992 erfolgte die

Putzarbeiten und

Restaurierung der

Bleiglasfenster aus-

Witterungseinflüsse

rung im Inneren der

des Kirchendaches

Sanierung des

die Erneuerung der

Bleiverglasung.

gebaut, teilweise

wurden alle Fenster

Kirche wurden 1991

vorgenommen und

Mauerwerks, die

Luftheizungsanlage.

Parallel dazu restau-

zerlegt und neu

mit einer Schutzver-

die zwingend not-

damit die Ursache

teilweise Erneue-

Kosten ca.305.000 €.

rierte man in den

verbleit und nach

glasung versehen.

wendigen Siche-

für die Feuchtig-

rung der Maßwerke

Jahren 1993 bis

Reinigung und Res-

Die Überarbeitung

rungungs- und

keitsschäden im

an den Fenstern,

1998 die gesamte

taurierung wieder

der Bleiglasfenster

Reparaturarbeiten,

Chorraum beseitigt.

Bleiverglasung.

eingebaut werden.

verursachte Kosten

insbesondere an der

Kosten ca.58.000 €.

Dazu mussten die

Zum Schutz gegen

von weit mehr als 100.000 €.


R ENOVIERUNG

Alles bleibt wie es war. Die Sanierung der Pfarrkirche. Durch Spendenfreudigkeit und großen persönlichen Einsatz mit Bravour bewältigt.

1989 Unten: Foto in der Rheinischen Post 1996. Eine originelle Idee, um Spenden für die Renovierung der Pfarrkirche St.Maternus zu erhalten, hatten die Merbecker Peter Bonsels, Hans Schoenmakers und Herbert Jülicher.

U

nsere Pfarrkirche zum Hl. Bischof Maternus wurde 1903 bis 1906 als dreischiffige Backsteinkirche mit Querschiff in neugotischen Formen errichtet. Durch die jetzige Sanierung ist sie mit der Innenausmalung wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt worden. Im Jahre 1989 hat man im Vorfeld der Sanierung mit einer Bestands- und Schadensaufnahme begonnen. Nach der ersten groben Schadensbilanz sind die notwendigen Sanierungsarbeiten ihrer Dringlichkeit nach eingestuft worden. Daher hatte die äußere Sanierung der Kirche (Chor, Querschiff, Langschiff, Turmausseninstandsetzung, Dächer der Seitenschiffe, Kirchenfenster) höchste Priorität.

Sie bauten ein Modell

Die Kosten.

D

127

en Merbeckern ist ihre Kirche immer schon viel wert gewesen. Die relativ kleine Kirchengemeinde Merbeck hat durch ihre Spendenfreudigkeit und auch großen persönlichen und handwerklichen Einsatz das Projekt mit Bravour bewältigt. Insgesamt sind für die Sanierung und Renovierung Kosten von über 1,2 Mio. € entstanden. Davon hat die Gemeinde nahezu 190.000 € über Spenden und rd. 32.000 € in Form von Eigenleistungen aufgebracht.

der Kirche, das nun als riesige Sparkasse die Spenden der Ortsbewohner aufnimmt.


128

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AUF

E RDEN

1952 Rechts oben: Die Kirche wurde 1952 renoviert. Weiß übertüncht war der Stil der Zeit. Das sah neu aus und machte eine Renovierung, wie wir sie heute vollbracht haben, unnötig.

P

arallel zur Außensanierung suchten die Restauratoren nach Hinweisen zur ursprünglichen Innengestaltung der Kirche. Bei ihrer Bestandsaufnahme stellten sie fest, dass der Kirchenraum bis auf einen ca. 1,50 m hohen Plattensockel in den Seitenschiffen weiß getüncht und lediglich die Kapitelle der Säulen sowie die Rippen der Gewölbe farblich gefaßt worden waren. Bei Freilegung eines Pfeilers stieß man auf Reste der alten Ausmalung. Auch konnten an den Wänden und Gewölben der übrigen Kirche Befunde dieser Ausmalung freigelegt werden.

E

ine Begutachtung der Kirche durch den Architekten Lennartz zusammen mit Herrn Dr. Meyer vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege und Herrn Dipl.-Ing. Röls vom Bistum Aachen, kam zum Ergebnis, daß die neue Ausmalung an der ursprünglichen malerischen Gestaltung der Kirche bei ihrer Erbauung ausgerichtet werden sollte. Zur Überprüfung dieses Farbkonzeptes wurde zunächst die Marienkapelle im Jahre 1993 durch den Kirchenmaler Severich aus Aachen restauriert. Im Anschluß an die Probeausmalung des Marienaltars erfolgte nach und nach die Innenausmalung der gesamten Kirche. Alle deckenden Farbschichten wurden entfernt und die Ursprungsausmalung in liebevoller Kleinarbeit freigelegt und restauriert. Die Kosten beliefen sich auf weit mehr als 340.000 €.


S PURENSUCHE

Spurensuche im

Die Restauratoren

Bei der Freilegung

Das Ausmaß der

Bei der Entfernung

Chorraum.

gingen zunächst

von weiteren plat-

Schäden war so groß,

einzelner Platten

davon aus, daß der

tierten Flächen

daß eine

zeigte sich zum Er-

gesamte Chor

zeigte sich jedoch,

Rekonstruktion kaum

staunen aller unter

ursprünglich mit

daß die Ausbesserung

möglich erschien.

dem Plattenbelag

bildnerisch und or-

von Kriegschäden mit

eine beachtlich gut

namental gestalteten

einfachen Platten

erhaltene Ausma-

Platten einheitlich

erfolgte.

lung im Stil der

gestaltet worden war.

Erbauerzeit.

Die Restauratoren

An verschiedenen

Die Beteiligten be-

Renovierung wieder

fanden einen Chor

Stellen wurden vor-

schlossen daraufhin,

in ihren Ursprungs-

vor, der bis zum An-

sichtig Farbschichten

den Plattenbelag im

zustand versetzt

satz der Scheinbö-

entfernt und dabei

Chorraum gänzlich

wurden.

gen plattiert und in

Plattenbeläge mit

zu entfernen und die

mehreren Farb-

Bildmotiven entdeckt.

Ursprungsausmalung

schichten weiß über-

freizulegen. Bei die-

Solche Überraschun-

malt war.

ser Aktion wurden

gen machen das

auch Mauernischen

Leben eines Restau-

entdeckt, die mit der

rators interessant.

129


130

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

Ranken und

Pflanzen ist offen-

Unten:

Links: Die von

Pflanzen

sichtlich nur ein

Eine für die Kirche typische Pflanzendar-

Restauratoren frei-

bestimmen die

vordergründiges Ziel

stellung in den Gewölbezwickeln im Chor-

gelegte Ursprungs-

Ausmalung der

der dekorativen Aus-

raum.

ausmalung.

Kirche.

malung. Die Pflanze steht

Eine wirklichkeits-

stellvertretend für

getreue, realistische

die Natur im allge-

Darstellung der

meinen.

In ihrer urtümlichen märchenhaften Pracht, ihrer vielgestaltigen Üppigkeit, ihrem unbegrenzten Variationsreichtum und ihrem sprießenden Wachstum verkörpern sie den unermeßlichen Reichtum der Natur und der gesamten Schöpfung und versinnbildlichen durch ihren Zustand von ewiger Schönheit und unvergänglicher Lebendigkeit das Paradies schlechthin. Marion Feld, Dissertation über „Heilige Ranken“


H EILIGE R ANKEN

Links: Die historischen Kirchenbänke sind mit individuellen Schnitzereien verziert - jede mit einem anderen Motiv. Der Ausschnitt zeigt wie Ausmalung und

H

eute sehen wir eine an gotische Vorbilder ausgerichtete Innengestaltung der Kirche. Charakteristisch für spätgotische ornamentale Wand- und Gewölbemalerei sind Ranken und Pflanzenformen. Wir sehen botanisch bestimmbare und teilweise phantastische Pflanzen. Die „Naturalisierung“ der Phantasiepflanzen nimmt dabei derart realistische Züge an, daß sie aufgrund ihrer überzeugenden Nachbildung optisch als Wirklichkeit erfaßt werden und die Pflanzendarstellungen sich erst bei einer bewußten Betrachtung der Details als „unrealistisch“, eben als Phantasiegebilde erweisen.

Fenster die Schön-

N

ahezu alle Bauglieder und alle Einrichtungsgegenstände werden mit pflanzlichen Ornamenten überrankt. Die Kirche wird durch die zahllosen in sie verpflanzten Gewächse selbst zum fruchtbaren Garten. „Es handelt sich also um eine Darstellung des himmlischen Paradieses im wirklichen Raum“. Sozusagen dem „Himmel auf Erden“. In diesem Kontext ist auch die Kirche St. Maternus zu sehen. Erst die Ausmalung machte zur Erbauungszeit wie im Mittelalter das Bauwerk komplett. Margarete Müller

heit der Natur.

Ausschnitt eines Kirchenfensters. Beispiel für die Gestaltungsvielfalt mit Ranken, Blättern und Blumen.

131


132

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E RDEN

Von St. Joseph und der Bücherei. Borromäus-Bücherei seit 1869. Erste Nachkriegs-Ausleihe am 24. Februar 1946. Heute 4.000 Bücher und 300 Kassetten.

A

uch die BorromäusBücherei der Pfarrgemeinde St. Maternus hat ihre lange, wechselvolle Geschichte. Sie legt ihren Anfang in das Jahr 1869. Im Laufe der Jahrzehnte wird in

Oben: Das Pfarrhaus - geschmückt für den Schützenkönig 1995 Frater Rolf Schilken OCarm. Rechts: Blick durch das historische Schmiedewerk zur Tür des Pfarrhauses.

Merbeck viel gelesen. Im Dezember 1940 muß die Bibliothek neu geordnet werden: eine Anordnung der Nationalsozialisten. Eine große Anzahl der Bücher darf nicht mehr ausgegeben werden. Schließlich wird der gesamte Buchbestand beschlagnahmt und nach Niederkrüchten gebracht.

Nach Kriegsende kommen Reste des Bestandes zurück. Die erste Ausleihe erfolgt am 24. Februar 1946. Im Jahre 1970 gibt es wieder 801 Bücher für 80 lesehungrige Merbecker. Am 27./ 28. Oktober 1994 wird das 125jährige Jubiläum der Pfarrbücherei mit einem festlichen Empfang und viel Lob für die Leiterin und ihre Helferinnen gefeiert. Vier Jahre später allerdings muß Brigitte Krempf die Büchereiführung aus gesundheitlichen Gründen aufgeben - nach insgesamt 15 Jahren. Sie wird am „Tag der offenen Tür“, dem 21. Juni 1998 verdient mit Dankesreden verabschiedet. Nachfolgerin ist ab 1. Juli 1998 Hella Heinrichs. Vera Sander und Leonie Fuchs stehen ihr als kenntnisreiche Assistentinnen zur Seite. Heute hält die Pfarrbücherei rund 4.000 Bände und 300 Kassetten bereit. Sie zählt 2003 insgesamt mehr als 3.000 Ausleihen.


S T. J OSEPH

AM

P ASTORAT

Links: Schaut man vor der Kirche stehend - an der Ecke des Pfarrhauses nach oben, ist die Statue von Joseph, dem Ziehvater Jesu und Zimmermann in Nazareth, nicht zu übersehen. Sie erhält 1978 ihren hellen Anstrich.

Der Sockel sowie

Joseph trägt an

das symbolische

seiner rechten Seite

Himmelsdach über

eine Lilie - eine

der Figur sind farb-

häufig gewählte

lich abgesetzt. Im

Darstellung als Sym-

linken Arm hält

bol seiner Reinheit.

Joseph das

Leider fehlen ein Teil

Jesuskind.

des rechten Armes

Es stützt die Welt-

und die Hand -

kugel auf die Knie

möglicherweise eine

und weist zum

Beschädigung aus

Himmel.

dem zweiten Weltkrieg.

133


Dorfpartie mit Pastorat. Das Pfarrhaus aus dem 19. Jahrhundert. Heute grundlegend renoviert. Postkarten vom alten Merbeck und der Grotte.

Oben: Das alte Pastorat. Unten rechts das 1904 zu Ehren der Schmerzhaften Mutter errichtete Standbild in der Grotte. Als 1921 das Kriegerdenkmal gebaut wurde, benutzte der Vater von Jans Käthchen diese Lavasteine für seine Grotte?

D

as erste Pfarrhaus stößt direkt an die alte Merbecker Kirche an, die Sakristei liegt mit dem Haus unter einem Dach. Die Pfarrer klagen über ihre primitive Wohnung. Der Wegberger Kaplan August Baum soll nach dem Ableben von Pfarrer Peter Schiffers von 1888 an die Gemeinde übernehmen. Er wird wohl die Bedingung gestellt haben, erst müsse ein neues Pfarrhaus gebaut werden. Das geschieht in den Jahren 1888/89. Es steht heute noch.

Das Pfarrhaus aus dem 19. Jahrhundert wird mehrmals renoviert, u.a. 1970. Es ist am 8.9.1971 wieder bezugsfertig. Ab dem 2. Februar 1991 setzt man es einschließlich Ölheizung erneut instand. Und ab 15. Juli 1992 wird das Pastorat wieder bewohnt. Heute ist der obere Teil des Pfarrhauses vermietet. In den unteren Räumen finden Versammlungen statt, Subsidiar und Pfarramtssekretärin haben hier ihre Büros. Außerdem präsentiert und verleiht die Pfarrbibliothek hier ihre Bücher.



136

D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

1932

Vom Heim der Pfarre. Grundstein für ein eigenes Pfarrheim 1932. Gründliche Renovierung 1958. Ein neues Pfarrheim für Merbeck 1993.

Rechts: Das neue Pfarrheim von St. Maternus Merbeck, Richtfest

M

und Grundsteinlegung 1992, Einweihung 1993.

Unten: Das alte Merbecker Pfarrheim von 1933.

J

osef Heyden - 1901 bis 1920 Pfarrer von Merbeck und Initiator der heutigen dreischiffigen neugotischen Hallenkirche hatte auch bereits testamentarisch den Grundstein für den Bau eines Pfarrheims gelegt. Damit wird Mitte Oktober 1932 begonnen. Schon Mitte Dezember steht der Rohbau. Und im Frühjahr 1933 besitzt die Pfarrgemeinde ihr eigenes Gemeinschaftsheim. Allerdings

wird es in den folgenden Jahren von der nationalsozialistischen Regierung als Schulungsstätte verwendet. Im zweiten Weltkrieg dient es auch als Unterkunft für Fremdarbeiter in der Landwirtschaft des Dorfes. Schließlich wird das Heim durch Artilleriebeschuß schwer beschädigt. 1958 renoviert die Gemeinde ihr Pfarrheim gründlich. Wenige Jahrzehnte später allerdings genügt es nicht mehr den gewachsenen Anforderungen nach einer vielfältigeren Nutzung zu komfortableren Bedingungen.

it Beschluß vom 12. Februar 1992 vergibt der Kirchenvorstand die Aufträge für die Erd-, Beton- und Maurerarbeiten, Dachdecker- und Klempnerarbeiten für ein neues Pfarrheim. Richtfest und zugleich Grundsteinlegung erfolgen bereits am 23. August 1992 unter Teilnahme der Pfarrgemeinde und vieler geladener Gäste. Am 31. Januar 1993 findet nach einer Eucharistiefeier in der Kirche die Einweihung statt. Anwesend sind Vertreter des Rates der Stadt Wegberg sowie vieler Gruppen und Vereine aus Merbeck und Umgebung. Und die Frauengemeinschaft des Dorfes stiftet eine geschnitzte Marienfigur für den großen Saal des neuen Pfarrheimes.


137

Afrikanische Nacht in Merbeck. 21. März 2003: Die erfolgreiche afrikanische Freitagnacht.

U

m die Kirchen mit ihrem großen kulturellen Angebot deutlich auch für Menschen zu öffnen, die sonst kaum einmal hineingehen, findet im Kreis Heinsberg am 21. März 2003 von 20 bis 24 Uhr die erste „Nacht der offenen Kirchen" statt. St. Maternus Merbeck beteiligt sich an der Aktion. Und es wird ein Riesenerfolg. Aus der großen traditionellen Verbundenheit mit Burundi liegt das Thema nahe: afrikanische Nacht. Die Frauen des Pfarrgemeinderates kochen eine ägyptische Linsensuppe, die um 20 Uhr vor dem Seitenaltar aus dampfenden Töpfen in die Nase steigt und Appetit macht. Der Eine-

Welt-Laden aus Waldniel bietet fair gehandelte Produkte aus Entwicklungsländern. Eine Ausstellung afrikanischer Gebrauchsgegenstände wie bedruckte Gewänder, Musikinstrumente, Körbe und Schnitzereien findet besonders bei den jungen Besuchern großen Anklang. Und mit der geflochtenen Krankentrage läßt man sich gern mal durch die Kirche transportieren.

Abbé George Rukundo zelebriert um 21 Uhr eine Messe. Der Kirchenchor Merbeck wiederholt unter der Leitung von Karl Hütz auf Grund des großen Erfolges im vergangenen Jahr die afrikanischen Melodien, die Diözesanpriester Ciza Gaspard 1985 in Burundi vertont hat. Der Chor trägt den Original-Text in kirundischer Sprache vor. Und sogar die Besucher der voll besetzten Kirche werden aufgefordert, einige afrikanische Zeilen mitzusingen.

G

egen 22.30 Uhr bringt "Der kleine Chor" aus Mönchengladbach-Waldhausen unter der Leitung von Karl Hütz mit einer Fülle von Gospels das immer noch volle Gotteshaus zum begeisterten Applaus. Und zum Abschluß der afrikanischen Nacht in St. Maternus Merbeck finden sich vor allem Jugendliche zum rhythmischen Trommeln auf Original-Instrumenten.

Oben: Kirchenchor Cäcilia Merbeck singt afrikanische Melodien in kirundischer Sprache.

Unten: Abbé George Rukundo aus Burundi, Zentralafrika, zelebriert die Messe.


138

Die Marienfigur steht auf einem Podest, das ein Engel auf seinen Schultern trägt. Die Inschrift „Herz Mariä, rette uns!” Dieses Gebet zählt heute vielleicht weniger in einer Pfarrkirche, um so mehr dafür aber in vielen Marienwallfahrtsorten mit Hunderttausenden von Pilgern.

Maria thront als Himmelskönigin auf der Mondsichel und zertritt die Schlange, die aus der Beschreibung des Paradieses im alten Testament als Sinnbild des Bösen, Satans gilt.

Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullamcorper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo consequat. Duis autem vel eum iriure


Herz Jesu, Herz Mariä. Statuen an den vorderen Säulen rechts und links.

D

ie lebensgroße Statue zur Verehrung des Herzens Jesu steht für eine 500 Jahre alte christliche Tradition, die sein Leiden und den Kreuzestod in den Mittelpunkt stellt. Das von der Lanze des römischen Soldaten durchbohrte offene Erlöserherz wird zur Quelle allen Heils, hier entspringt die Kirche. Vielleicht haben unsere Vorfahren, denen wir uns so oft überlegen fühlen, nicht immer falsch gelegen mit ihrem Beten „Jesus, sanftmütig und

demütig, bilde unser Herz nach deinem Herzen”. Das offene Herz in der Statue trägt eine Dornenkrone als Sinnbild des Opfertodes Christi und ist mit einem Strahlenkranz umgeben, der die Herrlichkeit Gottes verdeutlicht. Die Hände tragen die Wunden durch das brutale Annageln bei der Kreuzigung. Die Inschrift unter der Statue: „Kommet alle zu Mir“.

P

arallel zur Herz-Jesu-Verehrung entwickelt sich die Verehrung des Herzens Mariä, der Gottesmutter. Ihr von der Erbsünde und allen Sünden des täglichen Lebens absolut freies, unbeflecktes Herz bildet hier den Mittelpunkt. In der lebensgroßen Statue hält sie es gleichsam in ihren Händen.

Links und oben: Die Jesus-Figur steht auf einem Podest, das auf den Schultern eines Engels ruht. Die linke Hand Jesu weist auf sein Herz, die rechte reicht einladend nach vorn.


140

D ER H IMMEL

AUF

1728

E RDEN

Wegekreuz und Hagelkreuz. Zwei Zeugnisse früherer Frömmigkeit. Mit heiligen Zeichen und Inschriften. Von Dorfgemeinschaften liebevoll gepflegt.

A

Rechts: Altes Foto des Hagelkreuzes Schwaam. Noch ohne Hecke, die später von der Dorfgemeinschaft gepflanzt wurde.

m Dorfausgang Tetelrath in Richtung Niederkrüchten steht ein 3,45 m hohes, von der Dorfgemeinschaft gepflegtes Wegekreuz aus dem Jahr 1884. Es trägt die Inschrift „Im Kreuz allein ist Heil“. Über der Schrift befindet sich das Christus-Monogramm X und P; diese beiden griechischen Buchstaben bedeuten „Gesalbter, Messias“ und dienen seit dem 2. Jahrhundert als Erkennungszeichen der Christen. Sie werden oft wie im Tetelrather Wegekreuz zwischen ein Alpha und Omega gesetzt. Dieser erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabetes ergeben die Bedeutung „Von Anfang bis Ende – Christus in alle Ewigkeit“. Das weiße Steinkreuz trägt einen Korpus. Im schwarz gestrichenen Sockel unten rechts wird der Steinmetz angegeben: J. Ollendorff Crefeld Markt.

D

as Hagelkreuz von Schwaam läßt Quirinus Dresen 1728 zum Andenken an sich und seine Frau Henrica de Mertz aufstellen. Er ist Vogt im Rheydter Schloß gewesen und nach Schwaam gezogen. Das Kreuz ragt 3,40 m hoch aus dem Feld, besteht aus Sockel und Sockelblock, dem Mittelblock mit Rundbogennische und Marienfigur sowie dem Kreuz mit Korpus. Auf der dem Feld zugewandten Seite stehen Wappen

und lateinische Inschrift, eine Widmung des Stifter-Ehepaares zu Ehren des Leiden und Todes Christi. Die Dorfseite des Wegekreuzes trägt seit 1804 ein ovales Relief mit dem heiligen Joseph und dem Jesuskind, dazu als Inschrift eine Bitte an den Pflegevater. Eine Schrifttafel informiert ausführlich über die Geschichte dieses Kulturdenkmals. Die Dorfgemeinschaft Schwaam hat mit rustikaler Natursteinpflasterung und Hainbuchenhecke für eine idyllische Anlage dieses historischen Ortes gesorgt, der 1996 unter reger Beteiligung der Bürger in seiner heutigen Gestaltung neu gesegnet wurde.


W EGEKREUZE

Links: Das Wegekreuz von Tetelrath steht in einer Sockel-Ummauerung mit gepflegter kleiner Gartenanlage. Die Frauen beteten hier in den trockenen Sommern früherer Jahre um Regen. Auch diente es als Station bei den FronleichnamsProzessionen von St.MaternusMerbeck.

Ganz links: Heute noch wird bei Sterbefällen in Schwaam am Hagelkreuz der Rosenkranz gebetet, wenn das Wetter es zuläßt.

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D ER H IMMEL

AUF

E RDEN

Das Kreuz des

Die Kreuze auf dem

Bei der Renovierung

Kirchendaches vom

Turm und auf dem

von St.Maternus

Turm aus gesehen -

Chor von

werden auch die drei

ein beeindruck-

St.Maternus sehen

Portalbauten, die im

ender Blick auf

gleich aus.

neugotischen Stil vor

Mittelschiff,

Und spitz sticht das

die Kircheneingänge

Kreuzarme und

Türmchen über

gesetzt sind, gründ-

Chor von oben.

dem Ausguck in

lich erneuert.

den Himmel.

Geht der Blick über

mit romantischen

Hoch über allem

Auch vier verschie-

Wieder sichtbar sind

das Kirchendach,

Türmchen, soliden

ragt der leicht

dene Wappenschilde

die christlichen Insig-

so glaubt man auf

Holzverkleidungen,

geneigte Turm,

sind zu sehen.

nien über den Türen:

einen mächtigen

liebevoll gesetzten

dessen Spitze

Doppelschlüssel als

mittelalterlichen

Winkeln,

Kugel, Kreuz und

Zeichen für den Ein-

Bau zu blicken:

metallenen Spitzen

Hahn bilden.

gang zum Paradies –

gedeckt mit

und kunstvoll ge-

Der Kelch als Symbol

schwarzen Schie-

arbeitetem Schmie-

für das Heil.

fertafeln, verziert

dewerk.


R ICHTFEST

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1996

Die Pfarre feiert am

Im Mittelpunkt der

6. Juni 1996 nach

Feier unter großer

der Fronleichnams-

Beteiligung der Ge-

prozession das große

meinde steht die

St.-Maternus-Richt-

Enthüllung des

fest, denn die

Originals der Turm-

Außenarbeiten der

spitze, die in den

Sanierung der Pfarr-

nächsten Tagen auf-

kirche sind abge-

gesetzt wird.

schlossen.


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AUF

2003

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Kevelaer und wie’s mal war. Der 12. und 13. Juli 2003: Mit der Marien-Bruderschaft Merbeck nach Kevelaer wallfahrten.

Ü

ber 100 Fuß-, Rad- und Buspilger treffen sich am Sonntagmorgen zur Messe in der Kirche des Klarissenklosters. Abbé George zelebriert. Der Kirchenchor singt Ausschnitte der Messe brève no.7 in C-Dur von Charles Gounod sowie Marien-Motetten. Mit allen Pilgern gemeinsam erklingt das „Magnificat“. Ulrich Kebeck begleitet an der Orgel. Im Anschluß geht es bei strahlendem Sonnenschein mit den beiden Fuß- und Radpilger-Kreuzen auf den Großen Kreuzweg. Jeder hat das perfekt vorbereitete Textbüch-

lein der Marien-Bruderschaft Merbeck in der Hand. Voran geht eine Abordnung der St.-Maternus-Schützenbruderschaft. An den 14 Kreuzweg-Stationen ist jeweils Halt, immer ein anderer Jugendlicher oder Erwachsener betet vor, die Pilger antworten und singen gemeinsam. Anschließend zieht die Merbecker Pilgerprozession durch Kevelaer zum Parkhotel. Bei der nachmittäglichen Abschlußandacht mit Chorgesang und Dankgebet am Kleinen Kreuzweg erhält die große Pilgerkerze für den Marienalter in St. Maternus Merbeck ihren Segen.


M ARIENWALLFAHRT K EVELAER

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1920 Links: KevelaerWallfahrt in den f체nfziger Jahren mit Pfarrer Heinrich Fothen.

Unten: Um 1920. Die Merbecker Frauen und M채nner pilgern getrennt.


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2003 Die vier Kapellchen werden im Stil der jeweiligen Zeit geschmückt. Und sind zu Fronleichnam ein beliebtes Fotomotiv - nicht nur für die Erstkommunionkinder.

Fronleichnam. Der 19. Juni 2003: die Merbecker Fronleichnams-Prozession zu den vier historischen Kapellchen.

Z

war sind die öffentlichen Bekenntnisse zum christlichen Glauben seltener geworden. Das gilt keinesfalls für die Fronleichnams-Prozessionen in unserem Heimatdorf. Auch in diesem Jahr ziehen wieder einige hundert Gläubige aus Merbeck, Schwaam, Tetelrath, Venn und Venheyde von der Kirche aus – die Vereinsmitglieder hinter ihren Fahnen - singend und betend durch den Ort, über die Landstraße und den Friedhof zurück in die Kirche. Dort wird anschließend die Heilige Messe gefeiert. Dem Prozessionsweg entlang sind viele Türen und Fenster mit Glaubenssymbolen und Blumen geschmückt. An vier Kapellchen macht die Prozession Halt, der Kirchenchor singt, die Gläubigen beten, der Priester erteilt mit der Monstranz den Segen.

U

nd diese vier Kapellchen haben ihre Tradition. Auch sie sind alle rund ein Jahrhundert alt. Im Herbst 1906 beginnt die Anlage des neuen Friedhofs mit dem Bau des Kapellchens, das heute noch dort steht. Im Frühjahr 1908 werden zwei weitere Kapellchen errichtet, das eine auf dem Weg nach Tetelrath, das andere am Weg von Merbeck nach Arsbeck. Und das vierte Kapellchen wird im Frühjahr 1909 an der Hallerstraße gebaut. Die Pfarrchronik berichtet von der Zerstörung des Kruzifixes im Kapellchen auf dem Weg nach Tetelrath in der Silvesternacht 1927/1928. Der Täter erhält sechs Monate Gefängnis. Ohne Bewährung.



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Vier Primizen in Merbeck: Heinrich Stypertz feiert seine Primiz am 12.August 1923, Pater Gerhard Birx OCarm am 4.August 1929, Johannes Michiels am 12.März 1939 und Winfried Müller am 26.Februar 1967.

E

in großer Festtag für Familie und Gemeinde ist die erste Messe eines katholischen Priesters nach der Weihe in seiner Heimatpfarre. Vier Mal findet in Merbeck dieses Ereignis statt. Die Bilder zeigen die große Freude der Merbecker bei den Festen für die neuen Priester, die aus ihrer Mitte berufen sind.


H

underte von Ehepaaren sind in der Kirche getraut worden oder haben ihre Goldhochzeit gefeiert. Ihr Gotteshaus bestimmt das Leben vieler Ortsbewohner entscheidend mit.

Oben: MATRICULAE PAROCHIALIS ECCLESIAE AD ST. MATERNUM IN MERBECK - Das über 100 Jahre alte „Hochzeitsbuch“ mit Eintragung der ersten Eheschliessung in der neuen Kirche von 1904 ist noch immer in Gebrauch.


Links: In Schwaam trug man 1910 schwarze Kleider zur Kommunion.

Unten links: Ostern 1942. Pfarrer Bernard Seitz, der die Kinder auf die Erstkommunion vorbereitet, wird von den Nationalsozialisten wegen unerlaubtem Hören des

Oben: Kommunion-

Feindsenders ins

kinder 1942 mit ihren

Gefängnis gebracht.

Führerinnen und

Ein Pater betreut die

Müttern. Die Dame mit

Kinder, und macht

Hut im Hintergrund ist

sogar Schneeball-

die Lehrerin Fräulein

schlachten mit

Weber.

ihnen. Zum Fest bekommt Pfarrer Bernard Seitz Urlaub vom Gefängnis, um an der Messfeier teilzunehmen. So entsteht dieses Foto. Im Hintergrund Pfarrer Bernard Seitz.


Die Erste Heilige Kommunion in Merbeck.

Oben: Links 1955 mit Pfarrer Heinrich Fothen, rechts 1969 mit Pfarrer Innocenz Damhuis. Mitte: Links 1996 mit Pfarrer Klaus Buyel und Frater Rolf Schilken OCarm. Rechts 2003 mit Pfarrer Klaus Buyel Unten: Karwoche 2003, Palmweihe, FuĂ&#x;waschung und Osterfeuer mit Pfarrer Klaus Buyel und AbbĂŠ George Rukundo.


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AUF

1999 Rechts: Der Kirchenchor C채cilia Merbeck bei seinem 125j채hrigen Jubil채um im Jahre 1999. In der Stuhlreihe vorn rechts Karl H체tz, Chorleiter seit 1982. Links neben ihm Maria Bonsels, Vorsitzende seit 1993.

E RDEN


DE R K IRCHENCHOR

100 Jahre Maternus. 130 Jahre Cäcilia. Seit 1874 Cäcilia und der Kirchenchor. 40 Sängerinnen und Sänger. Viele davon seit Jahrzehnten dabei. Jeden Mittwoch 20 Uhr Probe.

Rechts oben: Festhochamt zum 100jährigen Jubiläum des Kirchenchores am 3. November 1974. Mitte: Der Kinderchor Merbeck mit Leiter Ernst Symes in den 70er Jahren.

W

eiter zurück in die Vergangenheit als die Geschichte der Kirche St.Maternus Merbeck reicht die Chronik ihres Kirchenchores. 1874 gilt als sein Gründungsjahr. Somit haben die ersten Mitglieder des Chores bereits in der „Peäperdues“ zum Lobe Gottes und zur Freude der Gemeinde gesungen. Heute treffen sich die rund 40 Sängerinnen und Sänger mit ihrem langjährigen Dirigenten Karl Hütz wöchentlich mittwochs um 20 Uhr im Pfarrheim zur Probe. Es geht dabei um Neueinstudierung oder Auffrischung von festlichen Messen, Motetten und Chorälen, aber auch von fröhlichen weltlichen Liedern, wenn im Chor oder außerhalb gefeiert werden will. Viele Mitglieder sind schon seit Jahrzehnten dabei, neue jederzeit willkommen.

Unten: Der Kirchenchor 1974. Links Pfarrer Innocenz Damhuis, Chorpräses von1967 bis 1990. Rechts Ernst Symes, Chorleiter von1963 bis 1982. Links: Die heilige Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik, im Fenster über der Orgelbühne.

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1912 Rechts: Einst wurde der Hochaltar mit der Krippe umbaut. Rechte Seite: Das Christkind in der Krippe von St.Maternus.

Weihnachten 1912 werden neue Krippenfiguren angeschafft: Holz polychromiert. Aus Luxemburg, Kosten 700 Mark. Zeitgleich gibt es elektrisches Licht in der Kirche. Allein am Hochaltar 179 L채mpchen.



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Rechts: Dreikönigssingen 1996 im Schnee. Vor einem Reetdachhaus in Schwaam die Sternenträgerin, Melchior, Caspar mit dem schwarzen Gesicht - und König Balthasar.

Sternsingen gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert. In Deutschland koordiniert seit 1959 das Kindermissionswerk in Aachen die Sternsinger-Aktion.

AUF

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DIE

S TERNSINGER

3-Königs-Graffiti. Die Sternsinger von St. Maternus. Singen, beten, bitten. Sammelergebnis beträchtlich. Christus segne dieses Haus.

D

rei Könige mit Sternträger unterwegs – und sogar Schnee liegt. Jahr für Jahr findet Anfang Januar die Sammelaktion zugunsten des Kindermissionswerkes statt. Der erzielte Betrag in der Pfarre St. Maternus Merbeck ist beträchtlich. Eine kleine Schar zieht von Haus zu Haus, singt, betet, bittet. Und schreibt dann an die Seite der Haustür mit weißer Kreide die aktuelle Jahreszahl, dazu die Buchstaben C + M + B. Die drei Großbuchstaben werden volkstümlich interpretiert als Wortanfänge der Namen „Caspar Melchior Balthasar“, jener heiligen drei Könige oder Weisen, die mit den Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe einem leuchtenden Stern aus dem Morgenland nach Bethlehem folgen, um den neu geborenen Heiland in der Krippe zu besuchen. Ihr Festtag ist der 6. Januar. Ihre Reliquien liegen in einem prachtvollen Schrein im Kölner Dom.

C + M + B sind die Anfangsbuchstaben der lateinischen Wörter „Christus Mansionem Benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“. Gibt es einen sinnvolleren Spruch zum Jahresbeginn?

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Die Buch-Macher.

Quellen:

Das große Buch der Heiligen,

Pfarrchroniken der Katholischen Kirchen-

Südwest Verlag München, 1978.

gemeinde St. Maternus Merbeck.

Reclams Lexikon der Heiligen und der bib-

Jubiläums-Chroniken des Kirchenchores

lischen Gestalten,

Cäcilia Merbeck 1974 und 1999.

Philipp Reclam jun. Stuttgart, 1996.

Bongartz, Christine: Merbeck zwischen

Meyer, Dr. Lutz-Henning: Ausführung zur Ausmalung, Rh. Amt für Denkmalpflege,

Hans Joliet,

Michael Körner,

Hans Peter Gerads,

Kahrbahn Landwehr Schwalm, 1996.

kommt aus

Diplom Designer,

wohnt in Merbeck.

Evertz, Gerhard: Orts- und

Düsseldorf, wohnt

wohnt und arbeitet

War Finanzbuch-

Kirchengeschichte von Merbeck, 1962.

Weitere Textbeiträge: Innocenz Damhuis

in Tetelrath.

in Tetelrath. War

halter bei Schlaf-

Koch, Wilfried: Baustilkunde – Europäische

OCarm., Heinrich Fothen, Folkmar Pietsch.

War Werbefachmann

creative director in

horst. Seine Passion

Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart,

und Dozent für

internationalen Wer-

ist Fotografieren

Mosaik Verlag GmbH München, 1982.

Weitere Fotos und Dokumente:

Öffentlichkeitsarbeit.

beagenturen. Ist seit

und Filmen.

Pietsch, Folkmar:

Hans Peter Jans, Peter Kerkhoff, Rita Körner,

Ist Autor und

5 Jahren selbst-

Rheinische Post, 29. Juli 1998.

Heinrich H. Lennartz, Josef Theißen, Franz

Herausgeber von

ständig als Werbede-

Schmidt, Paul: Kirchenführer der Kirche

Weide, Hein Derix KG Kevelaer, Fotostudio

Fachbüchern.

signer und Dozent

St.Maternus, Merbeck, 1986.

Wegberg, Kreisarchiv Heinsberg, Pfarrarchiv

für Konzeption,

Altes und Neues Testament, Lizenzausgabe

Merbeck, Sammlungen der Merbecker

Creation und Design.

Verlag des Borromäusvereins Bonn, 1966.

Bürger, Stadtarchiv Wegberg.


ZU Liebe Leser,

W

enn Sie diese Seite aufschlagen, haben Sie Ihren Spaziergang durch unsere Merbecker Kirche beendet und einen kleinen Einblick in ein durch über 100-jähriges kirchliches Geschehen geprägtes Dorfleben erhalten. Die St. Maternus Kirche ist, auf einer Anhöhe liegend, eindeutig der Mittelpunkt der Ortsteile Merbeck, Schwaam, Venn, Venheyde und Tetelrath. Sie ist schon von weitem zu sehen und zeigt uns deutlich nach der Arbeit bzw. Schule oder auf der Heimreise nach den Ferien, dass wir nach Hause kommen. Viele aus unserem Dorf sind in dieser Kirche getauft, haben ihre Erstkommunion und Firmung gefeiert, geheiratet und haben auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Kirche spielt eine große Rolle in unserem Leben. Das Buch zeigt aber auch, dass Menschen und Ereignisse einen Ort prägen. Die bei den Recherchen geführten vielen Gespräche brachten eine spannende Dorfgeschichte zutage. Allen, die alte Fotos zur Verfügung stellten und ihre Erinnerungen erzählten, gilt unser Dank.

Ein großes Dankeschön geht an Hans-Peter Gerads, an Hans Joliet und an Michael Körner. Hans-Peter Gerads rückte nach oft stundenlangem geduldigen Suchen durch die Fotolinse unsere Kirche ins rechte Licht. Durch den Kontrast zwischen den in Bildern festgehaltenen Details und dem Ganzen erleben wir die künstlerische Gestaltung unserer Kirche ganz neu. Hans Joliet hat nach intensiven Recherchen in alten Dokumenten, Chroniken und Fachbüchern die Geschichte der Kirche und des Dorfes in Worte gefasst und uns so die Vergangenheit näher gebracht. Michael Körner hat mit Liebe das gesamte Buch konzipiert und künstlerisch gestaltet, so dass der Leser den Bildband immer wieder gerne zur Hand nehmen wird. Danke an alle Merbecker, die mitgeholfen haben, die erste umfassende Foto-Dokumentation über die Kirchen-und Dorf-Historie von Merbeck zu schaffen. Kirchenvorstand und Pfarrgemeindrat der St. Maternus Kirche Merbeck im Februar 2004

GUTER

L ETZT

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160

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E RDEN

Sponsoren. Architekten Lennartz & Lennartz, Ziegelgasse 12, 41812 Erkelenz. ari Lichtdesign, Frank Rips, Rickelrather Str. 42, 41844 Wegberg-Schwaam. Bäckerei Gerads, Wienenweg 7, 41844 Wegberg-Merbeck. Bäckerei-Konditorei Franz Zielinski u. Söhne, Inh. Peter und Johannes Zielinski, Hallerstr. 64, 41844 Wegberg-Merbeck. baues-dental GmbH, Hermannstr. 17, 41061 Mönchengladbach. Baumschule Paulsen, Arsbecker Str. 96, 41844 Wegberg-Merbeck. Bestattungen H.L. Gerhards, Bahnhofstr. 62, 41844 Wegberg. Bestattungen Joerißen GmbH, Tüschenbroicher Str. 5, 41844 Wegberg. BHW Bausparkasse AG, Dieter Noack, Kölner Str. 51, 41812 Erkelenz. Breuer Stefan, Dachdecker, Arnold-Sommerfeld-Ring 34, 52499 Baesweiler. Buschen – Land-und Gartentechnik, Industriestr. 45, 41844 Wegberg. Clingen Günter, In Tetelrath 121, 41844 Wegberg-Tetelrath. Creusen H. GmbH & Co., Hallerstr. 68, 41844 Wegberg-Merbeck. Dreßen Hans, Rickelrather Str. 23, 41844 Wegberg-Schwaam. Eifeler Glockengießerei, Hans August Mark, Glockenstr. 51, 54552 Brockscheid /Eifel. Feger Manfred, Kfz-Werkstatt, In Tetelrath 94, 41844 Wegberg-Tetelrath. Funken Heinz, Hallerstr. 7, 41844 Wegberg-Merbeck. Gartengestaltung Jürgen Raven, Eichenstr. 9, 41844 Wegberg-Merbeck. Gasthof und Pension „Timmermans“, Zum Thomeshof 4, 41844 Wegberg-Schwaam. Gaststätte „Alt Merbeck“, Arsbecker Str. 18, 41844 Wegberg-Merbeck. Gaststätte Moll, In Tetelrath 46, 41844 Wegberg-Tetelrath. Gehlen Hans, Portejansweg 1, 41844 Wegberg-Merbeck. Gehlen Norbert, Portejanshof, 41844 Wegberg-Merbeck. Goßmann-Rademakers Norbert, Die Katholische

Rickelrather Str. 50, 41844 Wegberg-Schwaam. Grillstübchen Arsbeck, Erni Rips, Heiderstr. 138, 41844 Wegberg-Arsbeck. Haus Möwenland, Greetsiel.

Kirchengemeinde

Hermanns Christine, Rickelrather Str. 36, 41844 Wegberg-Schwaam. Hofverkauf Fleisch- und Wurstwaren van de Flierdt, Krefelder Str. 13, 41844

St. Maternus

Wegberg-Merbeck. Hotel „Haus Schüppen“, Zum Thomeshof 1, 41844 Wegberg-Schwaam. Huber Christian, Am Senteshof 3, 41844 Wegberg-Merbeck.

Merbeck dankt

Joerißen Franz, Halfesweg 3, 41844 Wegberg-Schwaam. Königs Klaus, Fliesenlegermeister, St.-Maternus-Str. 19, 41844 Wegberg-Merbeck. Kowarsch

herzlich allen

W. und Scheerers S., Gewerbering 6, 41372 Niederkrüchten-Dam. Lindholm GmbH, Steinmetz– u. Steinbildhauermeisterbetrieb, Spartastr. 37, 41812

Sponsoren, die es

Erkelenz-Gerderath. Lindholm, Mauerwerkssanierung, Grabenstr. 14, 41812 Erkelenz. Malerbetrieb Herbert Jülicher, Harbecker Str. 101, 41844 Weg-

ermöglicht haben,

berg-Merbeck. Mertens-Elektronik, Neuhauser Str. 38-40, 52146 Würselen. Michiels Franz, Rickelrather Str. 30, 41844 Wegberg-Schwaam. Mielcarek

den Bildband „Der

Herbert, Krefelder Str. 29, 41844 Wegberg-Merbeck. Müller Leo, Ringstr. 2a, 41844 Wegberg-Merbeck. Naturlandhof Heinz Birx, St.-Maternus-Str. 4,

Himmel auf Erden“

41844 Wegberg-Merbeck. Orgelbau Wilbrand, Klosterstr. 12, 52531 Übach-Palenberg. Orths Laurenz, Krefelder Str. 26, 41844 Wegberg-Merbeck. Orts-

zu verwirklichen.

bauernschaft Merbeck. Putenfarm Peter Ritte, Dülkener Str. 26, 41844 Wegberg-Rickelrath. Rustikagrill Karin Clever, Arsbecker Str. 78, 41844 Wegberg-Merbeck. Severich W., Keltenstr. 6, 52074 Aachen. Seyn GmbH Fußbodenbeläge und Verlegung, Wand- und Deckenbekleidung, Krefelder Str. 9-11, 41844 Wegberg-Merbeck. Strauchen, Metzgerei und Partyservice, Alte Landstr. 36, 41844 Wegberg-Klinkum. Syskom Werbeagentur GmbH, Viktor Willenberg, Berliner Platz 19, 41061 Mönchengladbach. Terporten Willi, In Tetelrath 26, 41844 Wegberg-Tetelrath. Thissen Getränke GmbH & Co. KG, Heinsberger Str. 4, 41844 Wegberg-Wildenrath. Veranstaltungs-Agentur – Künstler-Direktion, Breuer-Eickels, Ebelshof 40, 41063 Mönchengladbach. Verglasungen Oidtmann, Rurdorfer Str. 9-11, 52441 Linnich. Volksbank Wegberg eG. W & B Stahlbau, Harbecker Str. 66, 41844 Wegberg. Weyers Innenausbau, Krefelder Str. 1, 41844 Wegberg-Merbeck. Wolfs Metallbau GmbH, Hallerstr. 48, 41844 Wegberg-Merbeck.


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JAHRE S T. M A T E R N U S MERBECK

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JAHRE S T. M A T E R N U S MERBECK 100 Jahre St. Maternus Merbeck.

E

ine Dokumentation in Bild und Text für Jung und Alt. Eine Fülle von Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart. Eine Einladung, Kirche und Ort ganz nah zu betrachten und völlig Neues zu entdecken. Von Merbeckern nicht nur für Merbecker.

Titelbild: Das Firmament über dem Marien-Altar im linken Seitenschiff.

100 Jahre St. Maternus Merbeck

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