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NR. 7+8 Juli/August 2014

Juli/August 2014

www.das-ideale-heim.ch CHF 9.50

AM WASSER: Bootshäuser, Hausboote und andere Architektur am Wasser

IBIZASTYLE Ein Sommerhaus, das nie erwachsen werden will

L SPEZIA » «Küchen

llsten e u t k a e i D eräte G d n u l e b Mö für alle e Ansprüch

NEUES ZÜRICH Das Wohnhaus an den Geleisen – von EM2N

IBIZASTYLE: Peter Pans Haus NEUES ZÜRICH: EM2N an den Geleisen SPEZIAL: Küchen

AM WASSER

EIN HAUS AM SEE, EINES IM SEE UND EINES AUF DEM FLUSS. IM TESSIN, IN KÄRNTEN UND IN HAMBURG.

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Badewanne Ottocento, 2009 Armatur Square, 2005 Zubehör Stairs, 1996 design Benedini Associati

Seit 40 Jahren konzipieren wir neue Möglichkeiten, den Raum und Moment des Badens zu leben. Zeit, Licht, Form und Materie, eine vollständige und innovative Vision des zeitgenössischen Wohnens seit 1973. www.agapedesign.it

styling Studiopepe / photography Andrea Ferrari / ad Designwork

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Blickfang Bad & Raum, 6370 Stans, + 41 619 18 00 / Arttesa SA, 3011 Bern, +41 31 310 51 00 / Bagno Sasso, 7302 Landquart, +41 81 300 38 68 / Badprojekt - Edil Design GmbH, 8050 Zürich, +41 43 834 55 55 / Bagno Sasso, 8044 Zürich, +41 44 268 44 90 Agentur für die Schweiz: Shape Design Distribution, 8045 Zürich, info@shapedesign.ch

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E D I T O R I A L

Foto: Bruno Helbling, Stuhl von Arne Jacobsen by Republic of Fritz Hansen über www.holmsweetholm.ch

Geschichten-Potpourri Wasser ist ein Lebenselixir und glaubt man den Wirtschaftspropheten, werden im nächsten Jahrhundert sogar Kriege um Wasserrechte geführt. Der Immobilienkrieg rund um stehende Gewässer hat hingegen bereits vor Jahrzehnten begonnen. Parzellen mit Seeanstoss, die auch bebaut werden dürfen, sind rar geworden und dementsprechend schnellen die Preise in die Höhe. Dabei hat Wohnen am Wasser auch seine Tücken. Pegelschwankungen können schon mal Überschwemmungen verursachen. Ein Lied davon singen kann die Bauherrin des in dieser Ausgabe ab Seite 40 porträtierten Baus am Lago Maggiore. Die ursprüngliche Anlage wurde immer wieder überschwemmt, sodass ein Neubau nötig wurde, der nun aber auf abgewinkelten Betonpfeilern ruht. Einfacher ist es, wenn das Haus schwimmt, wie etwa das Hausboot in Hamburg (ab Seite 56) oder das Bootshaus in Kärnten (ab Seite 48). So können die Bewegungen des Wassers aufgenommen werden. Wasser spielt auch in der Küche eine wesentliche Rolle. Wir zeigen Ihnen formschöne Armaturen, aber auch Kochfelder und allerlei andere kluge Neuheiten, mit denen die profane Küchenarbeit verfeinert und zur hohen Kunst erklärt werden kann. Unseren grossen Spezialteil finden Sie ab Seite 66. Sommerzeit ist ausserdem Ferienzeit. Eine nahe Destination, die sich in den Köpfen vieler Schweizer eingenistet hat, ist Ibiza. Der Architekt Andrés Jaque und sein Kollege, der Kunstveranstalter Enrique Polanco, liessen sich bei dem besonderen Bau im Tal Cala Vadella von James Matthew Barries Geschichte über den fliegenden Jungen Peter Pan und seine Abenteuer inspirieren. Daraus ist ein leichtes, farbiges Haus entstanden, das wie die Bewohner von Neverland niemals erwachsen zu werden scheint. Sehr erwachsen und doch auch noch ein bisschen verspielt ist das Mehrfamilienhaus an den Geleisen von EM2N in Zürich. Wir hoffen, dass wir in unserem Geschichten-Potpourri für jeden Architektur- und Wohngeschmack etwas dabei haben! Gute Lektüre wünscht herzlichst

ANITA SIMEON LUTZ Chefredakteurin anita.simeon@archithema.ch

WERK

statt

Hauptstrasse 45 CH – 6260 Reiden Tel 062 749 50 00

www.kissling-reiden.ch Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Editorial

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I N H A LT Juli/August 2014

Design REEDITION

Seite 24

Zürich ABGEFAHREN

Seite 96 Kärnten BOOTSHAUS

Seite 48

13 Mein Ideales Heim –— Anamaria & Stephan Heé leben mit ihren eigenen Prototypen.

40 Tessin –— Conradin Clavuot stellte in San Nazzaro ein Haus auf Stelzen, um es vor Hochwasser zu schützen.

14 Auslese –— Ausstellungen, ShopEröffnungen und vieles mehr.

48 Kärnten –— MHM Architekten haben ein Bootshaus aus Holz und Kupfer an den Millstätter See gebaut.

22 Design –— 3 Days of Design in Kopenhagen. 24 Design –— Nanna Ditzels «Basket Chair» ist wieder zu haben. Immer Ferien: Hausboot eines Architektenpaars auf der Eilbek. (Titelfoto: Hauke Dressler)

26 Architektur –— Tabanliog˘lu Architects präsentieren ihre Arbeit. 30 Kunst –— Zwei neue Kunst-am-BauWerke in Zürich. 32 Reisen –— Alte Gemäuer im Château de la Resle im Burgund. 34 Bücher –— Entspannende und anregende Bücher für den Urlaub. 38 Let’s Play –— Schweizer Architektur à la Luigi Snozzi.

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56 Hamburg –— Wind, Wasser und der wilde Traum eines Hausbootes verwirklichen sich auf der Eilbek in Hamburg.

Wohnen 86 Ibiza –— In einem Waldgebiet auf Ibiza steht das Haus Neverland zum Träumen bereit. 96 Zürich –— Urbanes Wohnen am Gleisfeld. Der Neubau von EM2N. 104 My Day With –— Nina und Jeroen van Rooijen leben in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Frauenfeld.

Fotos: Nanna Ditzel Design (2), Martin Guggisberg (1), Kettal (1) , Christoph Theurer (1)

Entree

Fokus Am Wasser

Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Inhalt

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Garten AM AABACH

Seite 120 Visite WOGG

Seite 112 Das Ideale Heim 1939 LANDI-STUHL

Seite 126

112 Visite –— Der Schweizer Möbelhersteller Wogg wird heuer 30 Jahre alt. Wir gratulieren bei einem Besuch.

66 Küchenmöbel –— Von funktional bis edel. Bei diesen Küchen ist für jeden was dabei.

114 Bad –— Die Badi Wollishofen wurde generalüberholt und erstrahlt in altem Glanz.

78 Zusammen kochen –— Kochen ist ein gesellschaftliches Event. Jetzt rücken Tisch und Herd enger zusammen.

118 Jubiläum –— Der Inhaber und Präsident von Kartell, Claudio Luti, im Gespräch.

80 Geräte & Armaturen –— Mit diesen Neuheiten wird das Kochen zur Haute Cuisine.

120 Garten –— Uster wurde für sein Projekt am Aabach mit dem Schulthess-Gartenpreis ausgezeichnet. 126 Das Ideale Heim 1939 –— Der Landi-Stuhl. Eine Geschichte über Entstehung und Neuauflage.

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Standards

Spezial Küche

Spezial

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Editorial Impressum Köpfe Prämien Wettbewerb Vorschau September

Serviceguide 133 136 139 142 144

Profis Service Die Experten Designhotels Adressen

KÜCHE

ab Seite 66

Titelthemen sind farbig markiert

Fotos: Sebastian Heeb (1), Vitra (1), Wogg (1)

Rundgang

Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Inhalt

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Der erste Schritt zur gesunden Ernährung: eine gesunde Küche. Korpusse und Laden sind zu 100 Prozent aus reinem Naturholz gefertigt. Frei von Schadstoffen und ohne chemische Zusätze sorgen unsere Küchen für ein gesundes Umfeld in Ihrem Zuhause. Mehr Informationen dazu finden Sie auf www.team7.at VD 1196 Gland, Gil Meuble, Route du Borgeaud; 1377 Oulens-sous-Echallens, Plum‘Art, Rue du centre 8; FR 1680 Romont, Dormez Kolly, Route de Billens 9; JU 2802 Develier, Batimat, Route de Delémont 150; BE 3766 Boltigen, Aegerter Küchen, Brüggmatte; 3800 Interlaken, Wohncenter von Allmen, Bahnhof Ost; BL 4153 Reinach, Möbel Roth, Kägenhofweg 8; SO 2540 Grenchen, Exquisina Küchen, Solothurnstr. 180; 4612 Wangen bei Olten, Exquisina Küchen, Dorfstrasse 122; AG 5107 SchinznachDorf, Liebi + Schmid AG, Degerfeldstrasse 9; 5070 Frick, Liebi + Schmid AG, Hauptstr. 94; LU 6012 Obernau, Baumgartner Schreinerei, Schützenrain 1; 8843 Oberiberg, Holdener Schreinerei AG, Kirchenstrasse 37; OW 6060 Sarnen, PK Küchen, Museumsstrasse 2; TI 6616 Losone, Idea Natura, Via Zandone 9; SH 8201 Schaffhausen, Häller Küchen, Mühlentalsträsschen 53; ZH 8047 Zürich, Kurt Keller AG, Lyrenweg 6; 8810 Horgen, Fierz Küchen, Einsiedlerstr. 535; 8955 Oetwil an der Limmat, RFD Rational Küchen AG, Bohnäckerstrasse 1; SG 9000 St. Gallen, Türmlihuus, Webergasse 21; 9230 Flawil, Türmlihuus, Glatthaldenstraße 19; 9469 Haag, Delta Möbel, Rütistrasse 5

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AUSLESE Multifunktional: Die zweifarbige reversible Hülle dient als Schlafsack oder dekorativer Überwurf.

Praktisch: Für nomadisch veranlagte Menschen das perfekte Stück. Spielerischer Wurf: Der Meister der Reduktion hüllt sich in sein Nest.

JEAN NOUVEL FÜR ARFLEX

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K. N. P. Das Sofa als Ur-Nest Was ist der Archetypus eines Sofas? Wie kann ich maximal reduzieren? Solche Fragen wird sich der französische Architekt gestellt haben. Das Resultat: Der Entwurf «KNP» für den italienischen Hersteller Arflex. Vielleicht spielt der etwas mysteriöse Name des Produkts auf seine drei Komponenten an: eine hölzerne Basisstrukur, flache Kissen und ein zweifarbiger, reversibler Überzug. Oder er kann als eine verkürzte Form des Wortes Canapé gelesen werden. Mit einer ironischen Geste hat Nouvel das Sofa in eine Urform zurückgedacht und ein Möbel kreiert, das jeder selbst neu erfinden kann. Brauchen wir noch traditionelle Sofas? SK www.arflex.it, www.jeannouveldesign.fr

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Unterwegs

Jubiläum Seledue feiert sein 20-Jahre-Jubiläum. Die Firma Seleform AG produziert funktionale  und qualitativ hochwertige Möbel. Heinz Ryffel, Inhaber und Geschäftsleiter, hatte immer auch schon ein Faible für Schweizer Design, was ihn dazu bewog, 1994 das eigene Label Seledue zu lancieren. Dieses umfasst eine kleine, jedoch auserlesene Möbelkollektion mit Modellen für den Innen- wie den Aussenbereich. www.seleform.ch

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Mit je einem Klappvelo und einem InterrailTicket sind der Fotograf Jörg Koopmann und der Journalist Michael Hugentobler für die Zürcher Taschenmanufaktur «Freitag» in Europa unterwegs, um von ihren Umwegen, Begegnungen und Entdeckungen zu berichten. Im Internet können alle «Zumzuhause-Bleiben-Verdammten» die Abenteuer der beiden verfolgen. grandtour.freitag.ch

3 Ein neues Stück Stadt In der neuen Überbauung Kalkbreite von Müller Siegrist Architekten wurde Anfang April eine neue Filiale von Möbel Zürich eröffnet. Das Möbelgeschäft für ausgesuchte Vintagemöbel besitzt bereits zwei Filialen in der Stadt Zürich. Die Umgebung um die beruhigte Weststrasse dürfte mit dem Zuwachs eines weiteren speziellen Geschäfts noch attraktiver werden. Und ab August soll im selben Neubau auch ein Kino mit fünf Sälen einziehen! www.moebel-zuerich.ch

Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Auslese

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AUSLESE «Meditierender Frosch»: Sengai veränderte das berühmte Haiku des Poeten Matsuo Bashô.

MUSEUM RIETBERG

Bilder des Zen-Meisters Sengai Die Weisheit des Froschs

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Bruno Rey

Das Museum Rietberg zeigt eine Auswahl bekannter Tuschebilder des Zen-Meisters und Maler-Mönchs Sengai Gibon (1750–1837). Typisch für seine Werke sind schlichte, unprätentiöse Darstellungen, bei denen Wort und Bild eine Einheit bilden. Mehr als um die perfekte Beherrschung der Pinseltechnik ging es Sengai um die Aussage des Bildes. Auf eine tiefsinnig humorvolle Art spricht Sengai die Unvollkommenheit des Menschen an und löst sich damit von einer priesterlichen Überheblichkeit. Die Bilder strahlen eine tief menschliche Weisheit aus, die für alle zugänglich ist. SK Museum Rietberg, bis 10. August 2014 www.rietberg.ch

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Schwellenpunkt

Rey Junior Es gibt Nachwuchs beim Rey-Holzstuhl: Neu präsentiert sich der Schweizer Holzstuhl-Klassiker in einer Mini-Version und in knallige Farbe getunkt. «Rey Junior» nennt er sich und eignet sich mit seinen abgerundeten Kanten ideal für jedes Kinder- und Spielzimmer. 1971 eroberte die erste Serie des «Rey-Holzstuhls» den Markt im Sturm und wurde zum erfolgreichsten Schweizer Stuhl aller Zeiten. Nun dürfen auch die Kleinsten ihre Freude an ihm haben. www.dietiker.com

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Zum 10-Jahre-Jubiläum präsentiert Tom Strala seinen neusten Wurf, die Wandleuchte «Animal Farm No. 1». Die Leuchte lotet die Grenze des Materials Messing aus und reflektiert damit auch die Arbeit des Designers: «Im analytischen Spiel mit Metall begreifen wir erst, ab welchem Punkt es sich biegt, bricht oder verflüssigt. Und genau dieser Punkt ist für mich interessant. Der Schwellenpunkt, an dem etwas von einer Seite zur anderen wechselt.» www.strala.ch

3 Neueröffnung Die schwedische Traditionsmarke Hästens eröffnete im März den dritten Concept Store. Neben München und Zürich befindet sich neu auch einer im Herzen von Luzern. Auf 120 Quadratmetern soll nicht das Produkt an sich, sondern die Qualität gesunden und erholsamen Schlafs im Vordergrund stehen. Bei der Herstellung der Betten werden ausschliesslich Naturmaterialien wie Rosshaar, Leinen, Baumwolle, Wolle und schwedisches Kiefernholz verwendet. www.hastens.ch

Fotos: Betty Fleck, ZHdK (1); U. Romito, ZHdK (3), Sengai: © Idemitsu Museum of Arts Tokyo (2)

Humorvoll und unprätentiös: «Hotei zeigt auf den Mond».

Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Auslese

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Buchstabensalat: Experiment Buch, Doppelseite, 1962, Holzdruck. Wolfgang Weingart: Das Enfant terrible der Schweizer Typografie.

// Der wichtigste Branchentreffpunkt in der zweiten Jahreshälfte. Unverzichtbare Orderplattform für das Winter- und Weihnachtsgeschäft. Ausblick auf die Trends des Frühjahrs. Internationale Produktvielfalt rund ums Wohnen und Schenken. Perfect date // Perfect time // Tel. +41 44 503 94 00 info@ch.messefrankfurt.com

Abbildung: Die Ausstellung «Weingart Typografie» im Museum für Gestaltung in Zürich.

WEINGART TYPOGRAFIE

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Wolfgang Weingart Revolutioniertes Schriftbild

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Wolfgang Weingart befreite die Buchstaben aus dem Korsett des rechten Winkels. Er sperrt, unterstreicht oder verformt sie und ordnet das Satzbild neu. An der Schule für Gestaltung Basel unterrichtete Weingart Gestalter aus der ganzen Welt, wodurch er internationales Renommee erlangt. Sein Lebenswerk wird erstmals in der Schweiz gezeigt und den Arbeiten aus seinem Unterricht gegenübergestellt. Vom Bundesamt für Kultur ist Wolfgang Weingart auch mit dem Schweizer Grand Prix Design 2014 ausgezeichnet worden. FQ Bis 28. September 2014, Museum für Gestaltung www.museum-gestaltung.ch

Pfeilschnell: Typografische Monatsblätter Nr. 11/1970, Doppelseite, 1970, Buchdruck.

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Liegestelle: Wie ein vor Anker gegangenes Schiff liegt der Holz-Beton-Bau neben dem öffentlichen Lido von San Nazzaro.

Austernfischen am Lago Maggiore Das Haus in San Nazzaro vom ARCHITEKTURBÜRO CLAVUOT vermittelt Sommergefühle und macht die Natur erlebbar. Text: Franziska Quandt, Fotos: Ralph Feiner

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Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Tessin

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ie Sonnenstube der Schweiz ist das Tessin. Mit seinen Lidos, Palmen und Natursteingebäuden bekommt man sofort ein Urlaubsgefühl. In San Nazzaro am Lago Maggiore steht ein etwas anderes Haus zwischen der traditionellen Bebauung am See. Das Haus Kuoni liegt direkt unterhalb einer viel befahrenen Strasse und neben dem öffentlichen Lido. Conradin Clavuot hat hier einen Wohnpavillon auf Stützen gebaut, der an ein vor Anker liegendes Boot erinnert. Glück im Unglück Mit dem Neubau endet eine lange Zeit des Kampfes gegen das Hochwasser. Das alte Haus auf dem Grundstück hatten die Eltern der Bauherrin in den Sechzigerjahren gekauft. Immer wieder wurde es überschwemmt. Durch einen Staudamm in Italien schwankt der Pegel des Lago Maggiore um bis zu sechs Meter. Durch die ständigen Strapazen wurde die Bausubstanz marode und das Erdgeschoss unbenutzbar. Zum Schluss verweigerte auch die Versicherung Zahlungen für Schäden, die durch die Überschwemmungen entstanden waren. Erst die Bausubstanz, die über eineinhalb Meter über dem Bodenlevel liegt, kann versichert werden. Da das alte Gebäude nicht

mehr zu sanieren war, entschied sich die Bauherrin für einen Ersatzneubau. Sie beauftragte den Architekten Conradin Clavuot, den sie aus ihrer Schulzeit in Chur und durch ihre Arbeit im Birkhäuser Verlag kannte, mit dem Entwurf, und es entstand die Idee, das Gebäude auf dem Grundstück aufzustelzen. Harte Schale, weicher Kern Der Neubau fällt auf – durch seine Materialität wie durch seine Form. Die ringsum angeordneten, raumhohen Holzfenster ermöglichen eine Aussicht in alle Richtungen. Die Fensterrahmen werden zur Strasse hin breiter, um die Fassade geschlossener zu gestalten und sich vor unerwünschten Blicken zu schützen. Das Innere ist mit astlosem Holz gestaltet. Um den Blick in die Umgebung und auf den See richtig geniessen zu können, sind die Bäder in der Mitte angelegt und die anderen Räume gruppieren sich darum herum und werden mit u-förmigen Wandschotten voneinander getrennt. Öffnet man die Fenster und Türen des Hauses, werden die Wohnräume zur Terrasse. Die Bodenplatte und das Dach sind in Beton ausgeführt, die sich schützend um das Innere legen. Das Haus balanciert auf zwei schlanken, abgewinkelten Betonträgern, die eine schattenspendende Pergola bilden. Der überdachte Aussenbereich birgt enorme Vorteile. So kann man auch bei Regen draus-

Bildausschnitt: Die abgewinkelten Betonpfeiler tragen das Haus und rahmen die Aussicht auf den Lago Maggiore.

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«Rivers & Tides» Ein junges Architektenpaar gewann mit dem Entwurf eines Hausbootes überraschend bei einem städtischen Wettbewerb. Der Preis war ein Liegeplatz. Wie Träume Wirklichkeit werden, erzählt diese Geschichte. Text: Antje Herrmann, Fotos: Hauke Dressler

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Begegnung der dritten Art: Erhaben und wie eine friedliche Wasserburg wirkt das Hausboot im Verhältnis zum schnittigen Kanu.

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er an Hamburg denkt, denkt ans Meer, an den Hafen und an raue Luft. Hamburg hat den grössten Seehafen Deutschlands, ist Sitz des Internationalen Seegerichtshofes, und die Souvenirläden sind voll mit Segelschiffen in Flaschen. Doch bis zur Küste braucht es immer noch reichlich zwei Stunden Zugfahrt. Kein Flossenschlag, und trotzdem lässt sich die See spüren, gerade so wie eine Kompassnadel weiss, wo Norden ist. Das norddeutsche Wort «Tiden» heisst «Zeiten» und bezeichnet Ebbe und Flut, das Auf und Ab oder Hin und Weg des Wassers. Hamburgs Anschlüsse zur grossen weiten See, wie die Alster mit ihren Seitenarmen und Fleeten, sowie die umgebende Elbmarsch waren einst «tideabhängig», dass heisst, dass die Gezeiten bis weit ins Landesinnere ihre Wirkung zeigten. Die Zeiten ändern sich noch immer, die Wasserstände nicht mehr, denn über die Jahrhunderte sind – im Zuge der Urbarmachung des Landstriches – die natürlichen Wasserläufe durch Staustufen, Schleusen und Deiche verschwunden oder sehr stark verändert worden. Kanäle wurden durch das stetig wachsende Stadtgebiet gezogen und waren wichtige Verkehrswege für Gütertransport und Linienverkehr. Heute werden die Wasserstrassen für Rundfahrten oder andere Freizeitvergnügungstouren genutzt, und immer mehr Zugezogene finden ihren persönlichen Hafen in der Hansestadt. So auch Amelie Rost und Jörg Niderehe – ein junges, wetterfestes Architektenpaar.

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SPEZIAL KÜCHE

Taufrisch & küchenfertig Die aktuellsten Küchenmöbel für Ansprüche von edel bis funktional. Redaktion: Antje Herrmann & Franziska Quandt

Piatti Fische direkt in der Küche, aber nicht zum Essen, sondern zum Anschauen – das bietet die neue Küche «Aqua» von Piatti, bei der ein Aquarium direkt unter dem Spülbecken integriert ist. Die versetzte Front aus gebürsteter Eiche bietet Ablagefläche und Stauraum zugleich und bildet einen natürlichen Kontrast zur Arbeitsfläche aus Chromstahl. Die Frontfarben sind wahlweise in Weiss, Orchidea oder Altholz Eiche gebürstet erhältlich. www.piatti.ch

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Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Spezial Küche

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Bulthaup Bulthaup lancierte in diesem Frühjahr die neue Linie «bulthaup Solitäre». Dem wachsenden Wunsch nach individuellen Wahlmöglichkeiten und weniger vordefinierten Anwendungsmöglichkeiten kommt bulthaup mit diesen eigenständigen Elementen entgegen. Ob als Vorbereitungs- oder Präsentationselement, einzeln oder als Kombination ist «Solitär» frei im Raum platzierbar und kann mit weiteren Komponenten ergänzt werden. www.bulthaup.ch

Elbau Eine Elbau-Küche wird nach Mass gefertigt und genau auf die Wünsche des Nutzers zugeschnitten. Formen, Farben und Materialien sind variabel. Die hier gezeigte Küche strahlt Ruhe und Eleganz aus, was durch hochwertige Materialien in edler Verarbeitung noch unterstützt wird. Bei den Fronten wurde weisses Kunstharz gewählt. Die Abdeckung der Kücheninsel und die Nische in der Schrankwand sind aus Chromstahl gefertigt. Auch der aufgesetzte Hochtisch und die passenden Hocker aus rustikaler Eiche wurden in der eigenen Manufaktur von Elbau gefertigt. www.elbau.ch

Varenna Poliform «Sharp» ist ein Küchenprojekt, das von Daniel Liebeskind designt wurde. Der Fokus liegt hierbei auf der Kombination des Koch- und Essbereiches, der durch einen angegliederten Garderobenschrank vervollständigt wird. Die Oberflächen sind wahlweise farbig lackiert oder aus offenporigem Holz gefertigt. Zur Auswahl stehen Nussbaum, Eiche in Siena, Braun, Grau, Spessart und Moro sowie Ulme. Die Arbeitsfläche ist in Stahl oder Corian gefertigt. www.poliform.it

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Urban: Der engen Situation zwischen Gleisfeld und Langstrasse haben EM2N Architekten ein kraftvolles Betongebäude gegenübergestellt. Die verschiedenen Fenstergrössen markieren die unterschiedlichen Wohnungen.

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Beobachtungsposten: Wetter, Züge, Hochhäuser – die Sicht aufs Gleisfeld ist in ständiger Veränderung.

Beton, Stahl & Fernweh Zwischen dem Gleisfeld und Zürichs berühmt-berüchtigtem Kreis 4 haben EM2N ARCHITEKTEN einen aussergewöhnlichen Betonbau platziert, der das Beste aus dieser nicht ganz einfachen städtebaulichen Situation holt. Durch riesige Fenster geniessen die Bewohner eine höchst urbane Weitsicht über Stadt und Gleise. Text: Mirko Beetschen / Bergdorf AG, Fotos: Martin Guggisberg, Redaktion: Susanna Koeberle

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BAD In alter Form zurück: Die Seebadi Wollishofen ist nach dem Umbau wieder fit für die nächsten 25 Jahre.

Eine Badi wie anno 1939 Nach der Gesamterneuerung zeigt sich die Badi Wollishofen in Zürich in einem schlichten, aber durchaus modernen Gewand. Redaktion: Carina Iten

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nderthalb Jahre dauerte der Umbau des Strandbads Wollishofen. Doch für die Badegäste hat sich das Warten gelohnt: Nach der Neueröffnung erstrahlt das Seebad in einem modernen Kleid, ohne den eleganten Stil von 1939 verloren zu haben. Das Büro Niedermann Sigg Schwendener Architekten hat sich für die Instandsetzung gezielt an den Originalplänen orientiert. Die Badi trägt somit wieder die unverwechselbare Handschrift des da-

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maligen Zürcher Stadtbaumeisters Hermann Herter. Typisch für seine Architektur ist unter anderem das unverkennbare und filigrane Pilzdach, das sich auch bei den Zürcher Tramhaltstellen Bellevue und Paradeplatz in ähnlicher Form wiederfindet. In Wollishofen wurde es im Zuge der Gesamterneuerung vom unschönen Plastik-Wetterschutz befreit. Für die Architekten bestand eine der grossen Herausforderungen darin, die veränderten Bedürfnisse der Badegäste und die Nutzungsanforderungen der Betreiber mit der ursprünglichen und heute denkmalgeschütz-

ten Architektur in Einklang zu bringen. Die Badeanlage wurde sorgfältig weiterentwickelt und ihrer ursprünglichen Bedeutung entsprechend aufgewertet. So blieb nicht nur der Eingangsbereich weitgehend unverändert. Auch die Fenster, Fassaden, Böden sowie die Geländer wurden zwar saniert und zum Teil rekonstruiert sowie den heutigen Sicherheitsstandards angepasst, dennoch haben sie ihre ursprüngliche Ästhetik beibehalten. Das Strandbad ist nach wie vor wesentlich von den beiden Komponenten Beton und Lärchenholz geprägt. Die auffälligste Modernisierung fand Das Ideale Heim im Juli/August 2014 — Bad

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Heute wie damals: Die Handschrift von Stadtbaumeister Hermann Herter ist wieder erkennbar.

Schöne Aussichten: Das Terrassendeck ziert neu eine einheitliche Bestuhlung sowie einzelne zusammenschiebbare Holzliegeflächen.

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2 Erdgeschoss

Fotos: Roger Frei (3) , historisches Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Unverändert: Der Eingangsbereich blieb grösstenteils unverändert, erhielt aber einen neuen Anstrich. Auch hier dominieren Beton und Holz.

im Erdgeschoss statt. Die anfänglich bediente Garderobenfläche erwies sich für den gegenwärtigen Gebrauch als zu gross und wurde deshalb um die Hälfte reduziert. Der gewonnene Raum dient fortan als Gast- und Mehrzweckraum, wobei die seeseitige Front je nach Witterung partiell geöffnet oder geschlossen gehalten werden kann. Auch der Raum des Bademeisters zeigt sich vollumfänglich neu gestaltet und ist mit der gewellten Sichtbetonwand und der Verkleidung aus runden Holzstäben als neu eingefügtes Element erkennbar. Die Terrasse unter dem Pilzdach auf der obe-

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ren Etage wird von einem neuen Office-Einbau aus bedient und hat eine einheitliche klassische Möblierung mit Tischen von Embru und Stühlen von Atelier Alinea erhalten. Eine grossflächige Holzliege auf dem Terrassendeck lässt sich in Einzelelemente auseinanderschieben und je nach gewünschter Privatsphäre zu unterschiedlich kleinen oder grossen Einheiten zusammenfassen. Einem vergnüglichen Badisommer steht so nichts mehr im Wege. www.badi-info.ch/wollishofen.html www.nusus.ch

Terrassendeck

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Umbau

Gastroraum Garderobe Bademeister Holzliegen Office-Einbau

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G A RT E N

Eine Stadt, ein Fluss, ein Garten Der vielbeachtete Schulthess-Gartenpreis wurde in diesem Jahr an die STADT USTER verliehen. Redaktion: Antje Herrmann, Fotos: Sebastian Heeb, Schweizer Heimatschutz

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Gemachtes Bett: Ein Betonbett zähmt die Natur des Flusses und lenkt seinen Verlauf.

Zwei Seelen: Der Aabach als Industriebach und plätscherndes Forellenbächli.

Nah am Wasser: Neubau von Morger + Dettli Architekten am Hertherweiher.

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anchmal geschehen Wandlungen von heute auf morgen, manchmal muss viel Wasser einen Fluss hinabfliessen. So geschehen am Aabach, dem kleinen Fluss im Zürcher Oberland mit Quelle in Itzikon, zehn Kilometern Länge und Endstation im Greifensee. Der Aabach verrichtete seit Beginn des 19. Jahrhunderts über knappe 100 Jahre seinen Frondienst als Industriebach am einst bedeutenden Spinnerei-Standort in Uster. Und heute? Heute ist der Aabach immer noch der Aabach – rein physisch jedenfalls. Seinen Habitus hat das Gewässer jedoch grundlegend verändert. Die Stadt Uster erhielt in diesem Jahr den Schulthess-Gartenpreis für ihr Engagement und ihre Leistungen, den Aabach in das gegenwärtige Stadtbild zu reintegrieren. In den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts gab es in Uster eine bedeutende Industriedichte von 30 Fabriken auf zehn Kilometer Flussufer. Handarbeit wurde durch die Industrie abgelöst und Effektivität auf ein nie da gewesenes Niveau getrieben. Die Energie, die dafür aufgewendet wurde, leisteten die visionären Fabrikanten, die Hände knapp 4000 Beschäftigter und der Aabach. Während des Quantensprunges ins 21. Jahrhundert wurden diese Standorte aufgegeben, der Gewinn einer Ortschaft von einem angrenzenden Gewässer trägt nun komplett andere Qualitäten. Mussten Menschen am Aabach einst bis zu 84 Wochenstunden arbeiten, haben sie heute Zeit für ein Blumen-

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Ehrung: Philippe Bieler, Präsident des Schweizer Heimatschutzes (rechts), überreicht dem Ustermer Stadtrat Thomas Kübler die Auszeichnung.

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Das ideale heim 07+08/2014