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NR. 11 November 2013

November 2013

www.das-ideale-heim.ch CHF 9.50

WOHNKULTUR: Zwei Häuser von Alfred Altherr

PARIS UND LONDON Zwei Wohnungen mit Charme und Geschichte DESIGNPREIS SCHWEIZ Wir präsentieren die Gewinner

L SPEZIA Licht und r Tisch gedeckte

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HÄUSER MIT ATRIEN: Zürich, Berlin und Augsburg LICHT SPEZIAL /GEDECKTER TISCH: Wohnliche Stimmungen IH_11_13_AA_Titel.indd 1

WOHNKULTUR HÄUSER MIT ATRIEN UND ZWEI BAUTEN DES SCHWEIZER ARCHITEKTEN UND DESIGNERS ALFRED ALTHERR

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Kulturgut Aus wenigen Elementen Aussergewöhnliches gestalten. USM Möbelbausysteme – angewandte Kunst für Kultur im Alltag.

Fragen Sie nach detaillierten Unterlagen oder besuchen Sie unsere Showrooms. USM U. Schärer Söhne AG, CH-3110 Münsingen, Tel. +41 31 720 72 72 Showrooms: Berlin, Bern, Düsseldorf, Hamburg, München, New York, Paris, Stuttgart, Tokio info@usm.com, www.usm.com

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E D I T O R I A L

Wohnkultur Es gibt Modewörter, die ich, sobald sie dazu werden, kategorisch aus meinem Wortschatz streiche. Zumindest nehme ich mir das vor, ich muss oft nachträglich Streichübungen machen. Manchmal muss man auch Milde walten lassen. Zum Beispiel bei «Wohnkultur», ein Wort, das übrigens jeden Monat unseren Titel ziert. Und vielleicht gar kein Modewort ist. Item. Ich habe mir vorhin überlegt, was ich unter diesem Wort verstehe. Was hat Wohnen mit Kultur zu tun? Würde das gar heissen, dass es auch «kulturloses» Wohnen gibt? Bei Kultur denkt man ja gleich immer an Theater, Literatur und so. Bleiben wir bodennah (nicht bodentreu): Einen Garten zu kultivieren, bedeutet, ihn liebevoll zu pflegen, auf dass er gedeihe. Was aber nicht heisst, dass man die Natur beziehungsweise den Zufall nicht machen lässt (eigentlich kaum zu vermeiden ...). Beim Wohnen verhält es sich ähnlich. Viele Möbelstücke kommen zufällig in unser Leben, andere suchen wir minutiös aus, suchen gar, wie Sammler dies tun, über Jahre nach einem bestimmten Stück. So entsteht mit der Zeit ein gewachsenes Ganzes (Unkraut inklusive…). Zu diesem privaten Aspekt kommt eine kollektive Tragweite von Wohnkultur hinzu. In der Geschichte des Designs gibt es immer wieder Protagonisten, welche die Wohnkultur massgeblich prägen oder gar verändern. Ein solcher Protagonist war der Architekt und Designer Alfred Altherr junior (1911–1972), dem wir in dieser Ausgabe eine Reportage widmen. In seinen Tessiner Häusern stehen Natur und gebaute Umgebung in enger Beziehung zueinander. Diese Verknüpfung ist auch das Ziel von Atrien, wenn auch auf verstecktere Weise. Wir zeigen drei Bauten, bei denen das Atrium auch als Lichtfänger dient. Und weil Licht gerade in den Wintermonaten in unseren Breitengraden Mangelware ist, präsentieren wir ab Seite 78 die neusten Leuchtenentwürfe sowie Interviews zum Thema.

STATT WARE

Küchen Bäder Arbeitsräume Wohnräume

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Erhellende Lektüre wünscht herzlichst

Hauptstrasse 45 Foto: Marion Nitsch

CH-6260 Reiden 062 749 50 00 SUSANNA KOEBERLE Stv. Chefredakteurin susanna.koeberle@archithema.ch

Das Ideale Heim im November 2013 — Editorial

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Auslese NEWS ’ n’ FACTS Seite 18

I N H A LT November 2013

London FARBFEUER

Seite 112 Augsburg DURCHSCHAUBAR

Seite 60

17 Mein Ideales Heim –— Die Schauspielerin Heidi Maria Glössner über ihr Lieblingsbild. 18 Auslese –— Allerlei Neuigkeiten aus der Architektur- und Designwelt. 28 Design –— Pariser Designherbst: Maison & Objet und Paris Design Week. 32 Design –— Wir zeigen die Gewinner des Designpreis Schweiz. Berlin: Ein Atriumhaus aus der Zeit der späten Moderne erlebt einen Generationenwechsel. Titelfoto: Annette Kisling

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38 Kunst –— Die Werke des Formenforschers Mirko Baselgia. 42 Architektur –— Die Tchoban Foundation in Berlin und die Trienal de Lisboa.

Fokus Atrien 52 Gockhausen –— Ein Atriumhaus von Eduard Neuenschwander aus den 1970er-Jahren wird den Bedürfnissen einer Familie gerecht. 60 Augsburg –— Schmid Architekten haben ein Wohnhaus mit präzisen Durch- und Ausblicken geschaffen. 68 Berlin –— Ein schlichtes Atriumhaus erstrahlt in neuer Frische.

Fotos: Ray Main (1), Szabolcs SÓti (1)

Entree

Wohnen 94 Paris –— Verwandlung einer ehemaligen Silberschmied-Werkstatt durch Emil Humbert und Christophe Poyet.

44 Reisen –— Lissabon gleicht einem Kaleidoskop.

112 London –— Architektin Annabel Karim Kassar belebt ein viktorianisches Stadthaus mit Farben und Mustern.

50 Let’s Play –— Klötzchenspiel mit fries & zumbühl.

120 Porträt –— Die auratischen Räume von Studio Dimore.

Das Ideale Heim im November 2013 — Inhalt

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tobias-grau.com JOHN IH_11_13_AC_Inhalt.indd 7

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Bad HEISSE AUSSICHT

Seite 132

Licht HELLE IDEEN

Tessin

Seite 78

DIE 70ER

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Standards

Rundgang 126 Visite –— Bei Scavolini wird die Küche ganzheitlich gedacht.

80 Immerwährende Lichterfeste –— Leuchtenneuheiten von der Euroluce.

128 Küche –— Kissling erarbeitet und setzt individuelle Küchen um.

102 Dresden China –— Die Traditionsmarke Meissen geht neue Wege.

132 Bad –— Saunas mit freier Sicht sowie multifunktionale Produkte.

104 Augenschmaus –— Das schönste Geschirr und die aktuellsten Accessoires.

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138 Home Entertainment –— Die neue Klang- und Erlebniswelt des dänischen Herstellers Bang & Olufsen sowie weitere Neuheiten.

Serviceguide 46 Bücher 157 Profis 160 Service: Neues auf einen Blick 162 Die Experten 166 Designhotels 168 Adressen

144 Das Ideale Heim 1970 –— Alfred Altherr waren in der Aprilausgabe 1970 ganze 25 Seiten gewidmet. Wir zeigen die Tessiner Häuser. WE

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NOCH MEHR NEWS

78 Erhellende Gespräche –— Mit Carlotta de Bevilacqua und Michael J. Heusi.

Zu den Berichten und Produkten, an denen dieses Zeichen steht, finden Sie auf

www.das-ideale-heim.ch

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Titelthemen sind farbig markiert

Fotos: Andreas Zimmermann (1)

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Spezial «Licht» und «Gedeckter Tisch»

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Editorial Impressum Köpfe Prämien Wettbewerb Vorschau Dezember/Januar

unter Publikationen/Das Ideale Heim abwechslungsreichen Zusatzcontent.

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AUSLESE MUSEUM BELLERIVE

Im Reich der Falten Mode und Textilkunst aus Japan

Satoru Shoji, Space by white cloth, 1979; Installation, Textil/Metall.

Japanische Labels wie Issey Miyake, Yohji Yamamoto oder Rei Kawakubo nehmen in ihren Kollektionen deutlich Bezug auf die reiche handwerkliche Tradition Japans. Entsprechende Merkmale wie Falten, Schichten und Asymmetrien setzen sie in ihren Entwürfen und Schnitten um und verzichten dabei – zugunsten von Schlichtheit – generell auf Prunk. Die Ausstellung «Im Reich der Falten» versammelt eine Auswahl von rund hundert Modellen renommierter japanischer Modedesigner. Die Schau wird mit diversen Veranstaltungen ergänzt, wie zum Beispiel einem Workshop mit dem Titel «Böses Bügeln», in dem sich Teilnehmer ein persönliches Faltenwerk kreieren können. AH «Im Reich der Falten – Modedesign und Textilkunst aus Japan» bis 12. Januar 2014, Museum Bellerive www.museum-bellerive.ch

Issey Miyake, Jupe, 1991; Leinen und Seide.

Karusselli goes bigger Der legendäre «Karusselli Chair» (1964) – der in Finnland bei jedem Architekten im Büro steht – wird mit anderen Entwürfen des Designers Yrjö Kukkapuro in Zukunft von Artek vertreten. Damit soll das internationale Distributionsnetz des finnischen Unternehmens (das bald mit Vitra eine Partnerschaft eingeht, siehe S. 23) genutzt werden. Ob hiesige Architekten bald ein neues Möbel bestellen werden? www.artek.fi

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Transformation Der finnische Architekt Marco Casagrande von Casagrande Laboratory and WEAK! hat den «European Prize for Architecture» 2013 gewonnen. Der Preis wird jährlich vom Chicago Athenaeum in Galena, Illinois vergeben. Auf dem Bild ist seine Arbeit «Treasure Hill» in Taipeh zu sehen, die aus einer illegalen Siedlung zu einer ökologisch nachhaltigen städtischen Gemeinschaft gemacht wurde. www.europeanarch.eu

2 Trendforscherin Am 12. November hat man die Möglichkeit, die bekannte Trendforscherin Li Edelkoort live zu hören. Sie wird über «Fetishism in Fashion» sprechen. In ihrem Vortrag wird sie den Zusammenhang zwischen Mode und Fetischismus sowie die leidenschaftliche Verbundenheit des Besitzers zu seinem Kleidungsstil entschlüsseln. Anmeldungen und Infos über: 056 222 66 22. welcome@trendinformation.com

Fotos: FX.Jaggy / U. Romito © ZHdK (2)

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AUSLESE Urban: Das Wohnhaus Bläsiring in Basel sei von «anregender Radikalität», so die Jury.

BETON 13 PREIS: DIE GEWINNER

Zwei Häuser von Buchner Bründler Architekten

Texturen Das dänische Textilunternehmen Kvadrat präsentiert Produkte und Ethos in der Buchneuerscheinung «Interwoven – Kvadrat Textile and Design». Stoff des Buches ist, wie die Themen Natur, Manufaktur, Architektur, Design, Kunst und die Zusammenarbeit mit namhaften Gestaltern mit dem Erfolg des Unternehmens verwoben sind. Prestel Verlag, 208 Seiten, 200 Farbabbildungen, englische Sprache, CHF 64.30, Best.-Nr. 70, www.kvadrat.dk

No More Plastic Das Geschirr «8pandas» ist schlicht, leicht, für draussen, für drinnen und nicht aus Plastik. Beim Gebrauch von Tassen und Tellern aus Bambus und Reishüllen darf nicht erwartet werden, dass sie sich wie Porzellan anfühlen. «8pandas» hat dennoch eine angenehme Haptik, ist aus rein pflanzlichen Materialien, robust, langlebig, spülmaschinengeeignet und kompostierbar. www.kreavita.ch

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Neuer Kopf

Sebastian Wrong ist «blickfang Kurator des Jahres». Als Mitbegründer bzw. ehemaliger Kreativdirektor des renommierten britischen Möbellabels «Established & Sons» verfügt Wrong über beeindruckende gestalterische und unternehmerische Erfahrungen in der Designbranche. Sebastian Wrong wird im Februar 2014 die blickfang am neuen Standort München eröffnen. www.blickfang.com

Fotos: Aino Huovio © Vitra & Artek (1), Artek © Artek (1), Marc Eggimann © Vitra (3), Juha Nenonen © Artek (1), Giuseppe Micciché (2)

Rural: Die «Casa d’Estate» entstand aus einem 200-jährigen Steinbau. Nur der betonierte Kamin deutet von aussen auf das neue Innenleben.

Alle vier Jahre verleiht Betonsuisse den Architekturpreis Beton. Neu an der diesjährigen Ausgabe ist der Förderpreis, der jeweils an junge Architekten gehen soll. Der Zürcher Architekt Lukas Lenherr gewann diesen für seinen Erstling «Fünf Häuser». Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Annette Spiro musste aus 140 eingegebenen Projekten eine Auswahl treffen. Gewonnen haben zwei ganz unterschiedliche Häuser des Basler Architekturbüros Buchner Bründler. Auszeichnungen erhielten zudem ein Haus von Silvia und Reto Gmür Architekten sowie das Bundesverwaltungsgericht St. Gallen von Staufer & Hasler Architekten. SK Zum Preis ist eine Publikation im gta Verlag erschienen. Die Ausstellung wird an verschiedenen Standorten gezeigt. Infos über: www.betonsuisse.ch

Das Ideale Heim im November 2013 — Auslese

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VITRA ♥ARTEK «Pendant Lamp», Alvar Aalto, 1937; Tisch EM, Stühle Standard, Jean Prouvé, 1934/1950.

United by Design Artek ist neues Mitglied in der Vitra-Familie Vitra als eins der bekanntesten Designlabels bringt seit Jahrzehnten den kreativen Geist führender internationaler Designer zusammen. Das Unternehmen Artek, gegründet 1935 von Alvar Aalto (u. a.), hob in seiner Gründungserklärung ebenso eine «internationale Dimension» als klares Ziel hervor. Die im September beschlossene Partnerschaft zwischen Vitra und Artek beruht auf gemeinsamen Werten und dem gleichen Anspruch auf eine moderne Wohnkultur. Trotz neuer Eigentumsverhältnisse: Vitra bleibt Vitra, und Artek bleibt Artek. Synergien wird es vornehmlich in der Produktion, Distribution und Logistik geben. «Vitra hegt schon seit Jahrzehnten grosse Hochachtung für Aalto und Artek», erklärt Rolf Fehlbaum, Mitglied des Verwaltungsrats von Vitra. «Das finnische Design-Unternehmen ist mehr als nur eine Möbelsammlung: Wie auch Vitra ist es ein kommerziell-kulturelles Projekt, das in seinem Bereich eine Vorreiterrolle innehat. Für Vitra ist es wichtig, dass Artek diese Rolle fortführen und weiterentwickeln kann.» AH www.vitra.com, www.artek.fi

«Tea Trolley 901», Alvar Aalto, 1936; Sofa «Alcove Plume Three-Seater», Ronan & Erwan Bouroullec, 2013.

Führungsriege (v. l.): Daniel Sachs, Rolf Fehlbaum, Mirkku Kullberg, Robert Weil, Nora Fehlbaum.

Aus Liebe zum Holz sollten Sie das Echte wählen – Naturholzmöbel von diga in Schreinerqualität. 10 × in der Schweiz! Crissier/VD Dietikon/ZH Dübendorf/ZH Neu Emmen/LU Galgenen/SZ

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DESIGN HAUPTPREISE ‹ Market › Reportagen – Weltgeschehen im Kleinformat Moiré Grafik GmbH

Design Preis Schweiz, Edition 2013/14

On Thilo Alex Brunner Montreux Jazz Heritage Lab Dieter Dietz, EPFL + ECAL LAB U-Turn Michel Charlot, Belux AG

Cresta Chair Dadadum sarl, Jörg Boner WE

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Zum 12. Mal wurde der Design Preis Schweiz verliehen. Hier die Präsentation der prämierten Arbeiten. Redaktion & Text: Antje Herrmann

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prungbretter sind eine clevere Erfindung. Wer sich drauf wagt, darf erwarten, dass es federt und bestenfalls den abgegebenen Impuls verstärkt. Höher, weiter, schneller! Der Design Preis Schweiz wirkt wie ein ebensolches und zeichnet alle zwei Jahre Schweizer Kreativität aus. Schöner, innovativer, nachhaltiger! In diesem Jahr lagen dem NominationsGremium aus erfahrenen Fachpersonen rund 300 Projekte in erster Instanz vor. In den Sparten Furniture, Fashion, Communication, Interior, Textile, Product und Design Research wählten sie 37 Projekte aus – knapp 40 also, die auf das Sprungbrett treten durften. Veranstalter und alle Involvierten stellten eine bemerkenswerte Qualitätssteigerung der eingereichten Arbeiten fest. Eine unerwartet hohe Innovationskraft – die sich nicht allein in Produktneuheiten niederschlug, sondern auch in der Anwendung von revolutionären Verfahren und neuen Materialtechnologien – bewog die hochkarätige Jury, in diesem Jahr zwölf Preise zu verleihen. Das Sieb wurde schliesslich dünnmaschiger, als die Jury die Besten auf

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die Allerbesten reduzierte. Lisbeth in’t Hout, Ascan Mergenthaler, Jasper Morrison, Lars Müller und Robb Young wählten 12 Preisträger aus. Eine griffige Blackbox mit vielen technischen Details, eine grün leuchtende Grotte, die aussieht wie ein Ufo, abstrakte Bilder, die zeigen, was wir nicht beschreiben können, Möbel, die nicht immobil sind und, und, und. Geistreiche Ästheten kreierten Formen und Funktionen. Doch erst wer vor lauter Hier und Jetzt, auch Woher und Wohin – sprich Nachhaltigkeit – nicht vergisst, wird zu einem echten Evolutionisten und erhält eines der begehrten Design-Preis-Schweiz-Prädikate. Begehrt, weil die Prämierung inklusive anschliessender Wanderausstellung zu nationaler und internationaler Reputation und zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen kann. Und wessen Sprung noch nicht gelang, darf jetzt die Halle nicht verlassen! Bauch rein, Brust raus! Und nochmal!

Ausstellung: 2. Nov. 2013 bis 26. Jan. 2014 Mühleweg 14, Langenthal Viele weiterführende Infos finden Sie auf: www.designpreis.ch

Birth AW 13 Sandro Marzo ‹ Research › Dolorografie Sabine Affolter & Katja Rüfenacht

AWARDS TEXTILE DESIGN AWARD by Swiss Textiles & Zumsteg Foundation ‹ Market › Slow Light Jakob Schlaepfer Martin Leuthold & Team ‹ Young Talent › «Ich erzähle von der Masche» Anna-Kristina Ninck RADO PRODUCT DESIGN AWARD Alpa 12 Fps Alpa Capaul & Weber AG PFISTER INTERIOR DESIGN AWARD Etage Regal Moritz Schmid, Röthlisberger

Fotos: Sabine Affolter (1), Röthlisberger (2)

Die Gewinner

‹ Newcomer ›

MERIT Chantal Prod’Hom Direktorin mudac, Lausanne Das Ideale Heim im November 2013 — Design

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RADO PRODUCT DESIGN AWARD

HAUPTPREIS ‹ Newcomer ›

ETAGE REGAL

Moritz Schmid für Röthlisberger Die Beine und Tablare vom Regal, die hölzerne Hülle vom Sideboard. Dem komplett aus Holz gefertigten Möbelstück Etage ist sein Elternhaus anzusehen. Spannend die ovale Form, umspannend die nach oben oder unten bewegliche Sperrholzhülle – ein Musterbeispiel zeitgenössischer Schweizer Möbelkunst. Herausnehmbare Tablare und Buchstützen unterstützen die Funktionalität des vielseitig verwendbaren Staumöbels. www.moritzschmid.com, www.roethlisberger.ch

Von Etage zu Etage: Die Tablare können verschieden hoch eingehängt werden.

ALPA CAPAUL & WEBER AG Mit der ALPA12 FPS ist der Schritt von der modularen Kameraplattform zur offenen Toolbox gelungen. Das System bestätigt und bekräftigt den exzellenten Ruf, den die legendäre Schweizer Marke unter Profis und in einer kleinen Gruppe von Kennern und Liebhabern besitzt. www.alpa.ch

HAUPTPREIS ‹ Research › Moritz Schmid

SABINE AFFOLTER & KATJA RÜFENACHT Die abstrakten Bilder «Dolorografien» bieten sich als Projektionsfläche für Assoziationen an, mittels denen schwer beschreibbaren Schmerzempfindungen zu einem Ausdruck verholfen werden kann – ein völlig neuartiges Tool für Diagnose und Therapie. www.dolorografie.ch

K Deckeln mehr: Kein Die ovale Sperrholzhülle lässt ssich einfach nach oben oder od unten schieben.

HAUPTPREIS ‹ Newcomer ›

DIE JURY

«Dieser Entwurf reflektiert gleich drei grosse Trends im heutigen Möbeldesign: die Retro-Welle in seiner Anmutung, die Popularität des Holzes in der Materialwahl und die Wertschätzung handwerklichen Könnens in seiner Machart.»

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DADADUM, JÖRG BONER Des jungen Labels Mission ist es, das Erbe des Schweizer Designs weiterzuentwickeln und neue zeitgenössische Objekte zu kreieren. Der «Chresta Chair» überzeugt die Jury als zeitgemässe Neuinterpretation eines tradierten, im Alpenraum verbreiteten Stuhltypus. www.dadadum.com, www.joergboner.ch

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REISEN Seitenschiff: Über eine Brückenverbindung erreicht man den Konferenz- und Veranstaltungstrakt.

Portugiesische Seemacht: Die Architektur ehrt die Hochseeschifffahrer vergangener Zeiten.

Lissabon, Portugal Die Stadt an der Tejo-Mündung ist wie ein Kaleidoskop, in dem Geschichte und Moderne immer neue Muster werfen.

Weiterentwickelt: Zur Expo 98 errichtet ist der Vasco-da-Gama-Turm heute Hotel.

Redaktion: Romy Gutiérrez

Myriad by Sana, Olivais

Umgeben von Wasser: Alle Zimmer haben Flusssicht und Hansgrohe-Regenduschen.

Wie auf dem Achterdeck: Die Terrasse bietet Weitblick über den Tejo und die Ponte Vasco da Gama.

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Der nach den dort noch immer zu findenden, weitläufigen Olivenhainen benannte Stadtteil Olivais wurde im Flussufergebiet für die von Lissabon ausgerichtete Expo 98 neu gestaltet. Am Ende der zum Wahrzeichen gewordenen Gondelbahn entlang des Tejo-Ufers wurde der Vasco-da-Gama-Aussichtsturm errichtet. Das Hotel Myriad wurde an diesen wie ein Schiff zum Segel angebaut und bietet nun von jedem Zimmer unverbauten Weitblick über den Fluss und die diesen überquerende längste Brücke Europas. Sie ist wie der Turm nach Vasco da Gama benannt, dem berühmtesten portugiesischen Seefahrer. Das Hotel ist idea-

ler Ausgangspunkt, um die moderne Architektur des Expo-Viertels zu Fuss zu erkunden und um am Flussufer sowie im Parque das Nações durchzuatmen. Gleichzeitig ist es über die Gondeln und öffentlichen Verkehrsmittel gut erschlossen, um die alten Innenstadtviertel schnell zu erreichen. Vor dem seitlich über eine Brückenverbindung angegliederten gläsernen Konferenz- und Veranstaltungstrakt wurde ein zum Verweilen einladender, wilder Garten mit exotischen Pflanzen angelegt. In der Aussichtskuppel werden gerade eine Bar und ein Restaurant mit 360°-Sicht eingebaut. Neben der Aussicht verwöhnt auch das Spa im 23. Stock, in dem man nicht nur eine Vielzahl an Anwendungen, sondern auch Sauna, Pool und Dampfbad mit Blick über Stadt und Fluss geniesst. In einem exklusiv reservierbaren Spabereich gibt es einen Floating-Raum. Über allem schwebend fällt auch das Training im mit Technogym-Geräten ausgestatteten Gym leichter. Die konstant frische Brise mit Salzwassergeruch verlockt zum Laufen und Spazieren, vom «Myriad» aus gibt es dafür viele wunderbare Routen. www.myriad.pt Das Ideale Heim im November 2013 — Reisen

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Aqueduto das Águas Livres, Amoreiras Da in Lissabon immer wieder Trinkwassernot herrschte, liess König Johann V. ein Aquädukt bauen, um Quellen der Gemeinde Caneças der Hauptstadt zuzuführen. Nach 17-jähriger Bauzeit floss 1748 das erste Wasser durch das in der Folge mehrfach erweiterte imposante Bauwerk nach Lissabon. Das Aquädukt kann heute begangen werden. Sein Endstück, das vom im Quartier Amoreiras liegenden Reservoir Mãe d’Água gebildet wird, dient als Wassermuseum, dessen kühle Gewölbegrotte als Veranstaltungsort. www.museudaagua.epal.pt

Pastéis de Belém

A Vida Portuguesa, Chiado

Direkt am Tejo-Ufer, im Lissabonner Stadtteil Santa Maria de Belém, meist einfach Belém genannt, finden sich viele nationale Denkmäler, Parkanlagen und Plätze, die nicht nur von Touristen, sondern auch von vielen Lissabonnern frequentiert werden. Gleiches gilt für die historische Bäckerei, deren Name auch ihre markengeschützte Spezialität ist: Pastéis de Belém, mit Zimt und Zucker bestreute Vanillepuddingtörtchen. www.pasteisdebelem.pt

Im Einkaufs- und Intellektuellenviertel Chiado gibt es viele Traditionsgeschäfte mit erlesenem Angebot. Ganz portugiesischen Traditionsherstellern gewidmet, von Seifen über Sardinen, Wein und andere kulinarische Spezialitäten zu Sandalen, Schreibwaren oder Kochutensilien, ist das Geschäft von Catarina Portas. Als die Journalistin für ein Buch über den portugiesischen Alltag recherchierte, stiess sie auf viele der Kleinstproduzenten, die sie nun in Lissabon und im Zweitgeschäft in Porto vertritt. www.avidaportuguesa.com

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Gemütlich: Das Wohnzimmer befindet sich zwischen Küche und dem grösseren von zwei Atrien. (Bild: Massimo Giannoni; «Coffee Table»: Isamu Noguchi, Vitra)

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Ein Haus für alle Fälle Ein Atriumhaus des Architekten Eduard Neuenschwander aus den 1970er-Jahren ist heute das Zuhause einer sechsköpfigen Familie und wird den Bedürfnissen von allen Generationen spielend gerecht. Text: Mirko Beetschen, Fotos: Daniel Gerber

Blickbezüge: Vom Schlafzimmer blickt man über den Hof ins Wohnzimmer. (Landi-Stühle: Hans Coray)

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SPEZIAL LICHT

Immerwährende Lichterfeste

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Besondere Momente gibt es auch im Alltag. Diese mit dem richtigen Licht unterstreichen können diese Leuchtenneuheiten. Redaktion: Susanna Koeberle

1 Swarovski: Der niederländische Designer Tord Boontje (bis Juni Direktor der Designabteilung am RCA in London) ist ein Magier, wenn es darum geht, Natur in Design zu übersetzen. Sein Leuchtenentwurf «Stellar Doma» ist ein wunderbarer Beweis dafür. www.architecture. swarovski.com

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2 Fabbian Illuminazione: Die neue Leuchtenkollektion «Ray» des spanischen Studios Lagranja hat ihr Vorbild in den typisch mediterranen Jalousien, die Licht durch Lamellen «hindurchschlüpfen» lassen. www.fabbian.com 3 Atelier Pfister: Die Leuchte «Watt» von This Weber wird mittels Cocooning-Technologie hergestellt. Dabei wird über ein feines Gestell aus Draht der Leuchtenreflektor aus transluzentem Kunstharz hergestellt. www.atelierpfister.ch 4 Axo Light: «Spiry» von Giovanni Barbato gleicht einer Lichtspirale, die fast wie ein in der Luft freigesetzter Kreisel scheint. Der dünne, weiss lackierte Schirm aus Aluminium lässt das Licht elegant nach unten fliessen. www.axolight.it

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5 Nemo Cassina: Der «Projecteur 165» wurde 1954 von Le Corbusier für das Gerichtsgebäude in Chandigarh entworfen. 2012 wurden Zeichnungen der Leuchte im Archiv wiederentdeckt und daraufhin von Nemo Cassina rekonstruiert. www.nemo.cassina.it

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6 Martinelli: Das legendäre Modell «Pipistrello» (1965) von Gae Aulenti, der «Grande Dame» des italienischen Designs, gibt es nun auch in einer Miniversion mit LED. www.martinelliluce.it

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7 Fontana Arte: «Albedo» vom Duo Studio Drift (beide Design-Academy-EindhovenAbsolventen) besitzt einen Diffusor aus weissem Stoff, der die Leuchte wie ein sympathisches Gespenst oder eine Pusteblume erscheinen lässt. www.fontanaarte.com 8 Sé: Für seine dritte Kollektion hat das Londoner Label Sé die junge Designerin Nika Zupanc gewonnen. «The Full Moon Lamp» zeigt ihr Talent aufs Beste. www.se-london.com

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GEDECKT E R TISCH

Dresden China Seit 300 Jahren stehen die blauen Schwerter für edles Porzellan, seit einigen Jahren auch für Interiors. MEISSEN HOME auf ganz neuen Wegen. Redaktion & Text: Antje Herrmann

Heutig: Das Teeservice «Cosmopolitan» gibt es mit verschiedenen Dekors und ist goldrichtig für einen etwas zeitgenössischeren Geschmack.

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Markenzeichen: Seit 1722 ohne Unterbruch in Anwendung: die blauen Schwerter.

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nfang des 18. Jahrhunderts wurden königliche Tafeln mit Silber gedeckt, bescheidenere Tische mit irdenen Scherben. Porzellan kannte Europa nur aus Ostasien und Könige zahlten gigantische Summen für feines Porzellan, das aus China und Japan eingeführt wurde. Porzellan galt als ausserordentlich kostbar und wurde anfangs als reine Preziose und ausschliesslich zu Dekorationszwecken erworben. Vom profanen Gebrauchswert als Essgeschirr war das jungfräuliche Material damals noch weit entfernt. Nach der Entwicklung einer Rezeptur durch Johann Friedrich Böttger schlägt 1710 die Geburtsstunde für europäisches Porzellan und für die Meissner Porzellanmanufaktur.

Das barocke, kurfürstliche Sachsen war die Wiege des auf der ganzen Welt auch als «Dresden China» bekannten Porzellans. Kleinode vom Fingerhut bis zur mächtigen Löwenskulptur werden seitdem von Hand gefertigt und filigranst bemalt. Zu feudalen Zeiten waren üppige naturalistische Dekore hoch geschätzt. Und noch heute bleibt ein Kännchen, das andernorts im Bruchteil einer Sekunde vom Band läuft, mehrere Tage in den Händen eines talentierten Malers. Auch die Moderne streifte die Manufaktur und Reformer des Kunstgewerbes wie Henry van de Velde wurden engagiert, um zweckmässiges Geschirr zu entwickeln. In einem Brief an den Deutschen Werkbund schrieb die Manufakturleitung 1911 jedoch, «dass wir die Geschirre Modell van de Velde für nicht geeignet halten, die moderne Kunst Das Ideale Heim im November 2013 — Gedekter Tisch

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Schneeballdekor: Seit über 260 Jahren wird dieses Dekor hergestellt. Dabei wird jedes Blümchen einzeln und von Hand auf die Kanne gesetzt und bemalt.

der Königlichen Porzellanmanufaktur entsprechend […] einzuführen.» Und so verkümmerte Anfang des letzten Jahrhunderts die Entwicklung von Gebrauchsporzellan wieder. Bringen Scherben Glück? Zwar hat Manufaktur-Porzellan bis heute seine Exklusivität als «weisses Gold» nicht verloren, doch Porzellangeschirr ist kaum noch ein Statussymbol wie noch vor 100 Jahren. Eine exorbitante Fülle an Angeboten lassen nur sehr schmale Marktnischen für historisches Porzellan, das so wertvoll und teuer ist wie das Meissner. Wird Meissner Porzellan auch angesichts seiner atemberaubenden handwerklichen Qualität weltweit verehrt und gebührend geschätzt, muss es auch verkauft werden können, und Meissen ist gezwungen, nach neuen Wegen zu suchen – da führt keine Elbe dran vorbei. Starke, wertvolle Marken sind nach wie vor Statussymbole. Und so darf, wer heute an Meissen denkt, zuerst an Kleider und Accessoires denken, denn wie jeder weiss: Kleider machen Leute, nicht Teller und Tassen. «Konsum im Luxusbereich funktioniert über Fashion», so jedenfalls das Credo von Manufakturchef Christian Kurtzke, der im September eine Cocktail- und Brautkleiderkollektion in Mailand präsentiert

hat. Die stilvollen Roben hätten sicher auch dem Kurfürst August dem Starken gefallen. Denn der hatte nicht nur unbändige Freude an Porzellan, sondern an allem Zierrat, das gut und teuer war. Darum ist es nicht so weit hergeholt, dass die Marke Meissen längst auch für exklusive Wohnausstattungen vom Cheminée über Sofa, Schränkchen, Bett und Küchenkacheln bis zum WC steht. In Mailands, Londons und Shanghais Schaufenstern soll deshalb die Noblesse der blauen Schwerter Begehren wecken und sich als Marke in den Sinnen und den Portemonnaies einer betuchten Kenner- und Kundschaft implantieren. Nicht wenige sind von Kurtzkes Ideen irritiert, doch er fackelt nicht lange: «Eine Manufaktur ohne Gewinn wäre nicht mehr als ein Museum.» Seit 300 Jahren wuchsen Meissens Archive, und sie sind voll mit Tausenden Dekors, Tausenden Formen, Tausenden Farben. Es gilt sie zu beleben und zu zeigen, was Meissen noch alles in der Schatzkiste hat. So bleibt schliesslich zu hoffen, dass die blauen Schwerter – die irgendwie auch drei Kreuze sein könnten – ein Zeichen für ein gut zu Ende gebrachtes Werk bleiben und nicht zum Sinnbild eines Duells zwischen Tradition und Fortschritt, Handwerk und Marktwirtschaft werden. www.meissen.com

Royal: Das Dekor «Roter Drache» (1730) war ausschliesslich dem König vorbehalten. Heute findet sich das charaktervolle Wesen auf Seide, Holz und Leder wieder. Die Meissner Porzellanproduktion wurde in den letzten Jahren mit Produkten aus den Bereichen Home, Accessoires und Schmuck erweitert.

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Wie eine bunte Blumenwiese: Die Einrichtung des in den Garten führenden Soussols ist vielfarbig und strahlend.

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Das Ideale Heim im November 2013 — London

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Mit einem Feuerwerk an Farben und Mustern, das in dunkle und leise Töne übergeht, belebt die Architektin und Designerin Annabel Karim Kassar ihr viktorianisches Stadthaus im Londoner Westen. Text: Romy Gutiérrez, Fotos: Ray Main

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Das Ideale Heim 11/2013