Das Ideale Heim 05/2019

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NR. 05 Mai 2019

Mai 2019 www.metermagazin.com CHF 10.– BAUHAUS: Neue Denkansätze für eine neue Zeit

FLORENZ Wiege der Renaissance & Biotop der Gegenwart

OPPULENZ Besuch am Münchner Stoff Frühling

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FLORENZ: Wiege der Renaissance & Biotop der Gegenwart TEXTILIEN: Zu Besuch am Münchner Stoff Frühling SPEZIAL: Wohn- und Esszimmer IH_05_19_AA_Titel.indd 1

BAUHAUS NEUE DENKANSÄTZE FÜR DIE BEDÜRFNISSE EINER NEUEN ZEIT

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INDIGO DESIGNER EJ DESIGN TEAM Boutique Danoise AG: www.boutiquedanoise.ch Intraform: www.intraform.ch Nordic & Friends GmbH - Inneneinrichtung: www.nordicandfriends.ch Zona AG: www.zonabern.ch Brig: Ricci Architekten AG: www.ricciarchitekten.ch Genève: Blonde Design: www.the-bda.com la boutique danoise: www.laboutiquedanoise.com Basel: Bern:

Kontakt: Alain Venzin, tel. +41 79 635 62 89

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Lausanne: Luzern: Visp: Winterthur: Zürich:

la boutique danoise: www.laboutiquedanoise.com Wohnidee Luzern AG: www.wohnidee.ch Wohnu Raumgestaltung: www.wohnu.ch hans späti ag: www.spaetiwohnkultur.ch Holm AG: www.holmsweetholm.com Neumarkt 17 AG: www.neumarkt17.ch

WWW. E R I K- J O E R G E N S E N . C O M

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E D I T O R I A L

Foto: Bruno Helbling, Stuhl von Arne Jacobsen by Republik of Fritz Hansen über www.holmsweetholm.ch

Aufbruchstimmung «Das Revolutionäre am Bauhaus waren nicht die Bauten, Formen und Produkte, welche die Schule hervorbrachte, sondern die neuen Denkansätze für ein neues Zeitalter», beschrieb unlängst Wolfgang Sattler, aktuell Professor an der Bauhaus-Universität Weimar, die wahre Bedeutung des Bauhauses. Dass dieses vor 100 Jahren gegründet wurde, hat wohl jeder mitbekommen, und auch wir wollen in die Feierlichkeiten einstimmen, denn schliesslich ist die Geschichte unserer Zeitschrift sehr stark mit der Geschichte der Aufbruchstimmung jener Zeit verbunden. In einer dreiteiligen Hinterleuchtungs-Serie befassen wir uns eingehender mit der Geschichte des Bauhauses. Sie finden einen historischen Rückblick (ab Seite 50), vier Interviews mit vier Frauen zur Frage «Wie lebt das Bauhaus im Heute?» (ab Seite 82) und einen eigenwilligen Report über das Haus Tugendhat, eine der wohl wichtigsten Wohn-Ikonen jener Zeit (ab Seite 104). Dazwischen erzählen wir Ihnen Geschichten von Menschen, die in solchen Bauhaus-Ikonen leben und über ihre Erfahrungen mit der revolutionären Architektur des letzten Jahrhunderts erzählen. Auch in unseren Einrichtungstipps für das Wohn- und Esszimmer dürfen die Möbelentwürfe von Marcel Breuer, Werner Karl Moser oder Le Corbusier nicht fehlen. Die erste Adresse, wenn es um solche Klassiker geht, ist die Firma wohnbedarf, die bereits in den 30er-Jahren mit den Grössen des Bauhauses verbandelt war. Das Sortiment des Einrichtungshauses geht aber weit über die Klassiker hinaus, und es punktet vor allem mit einer fundierten Innenarchitektur- und Einrichtungsberatung. Wir haben Astrid Pfenniger, langjährige Einrichtungsberaterin bei wohnbedarf ­Basel um Tipps beim Gestalten der Hauptwohnräume gefragt und ein Fotoshooting vor Ort gemacht (ab Seite 88). Wie zur Zeit des Bauhauses stecken wir heute in einer Umbruchphase. War damals die Industrialisierung das Thema, ist es heute die Digitalisierung – aber darüber berichten wir in einer unserer nächsten Ausgaben. Im Umbruch war die Gesellschaft jedoch auch in Zeiten der Renaissance. Florenz kann als Wiege jener Aufbruchstimmung bezeichnet werden, ist aber auch heute ein Biotop für neue Ideen (ab Seite 116). Gute Lektüre wünscht herzlichst

«Der Wohntraum wird zum Wohnraum»

ANITA SIMEON LUTZ Chefredakteurin anita.simeon@archithema.ch Das Ideale Heim im Mai 2019 — Editorial

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I N H A LT

Bauhaus

GESPRÄCHIG

Seite 82

Brüssel

MAISON BERTEAUX

Seite 56

Design

TEXTILIEN

Seite 26

Entree 17 Mein Ideales Heim –— Tomas Rabara ist profunder Kenner der Plakatkunst. 18 Auslese –— Neues aus Architektur, Design und Kunst. 24 Agenda –— Events und Veranstaltungen im Mai. 26 Design –— Mareike Lienau kreiert mit Lyk Carpets textile Poster und Poufs. Bauhaus: Die Maison Berteaux steht exemplarisch für die innovative Architektur der Moderne. (Titelbild: Christoph Theurer)

28 Event –— Unsere Textil-Highlights vom Münchner Stoff Frühling. 32 Handwerk –— Ein Besuch beim italienischen Traditionshaus Rubelli. 36 Maestri –— Der Ausnahmedesigner Antonio Citterio entwarf den Sofa­ klassiker «Magister» für Flexform. 38 Reisen –— Hinter den Hotelmauern des The Jaffa Hotels prallen zwei Welten aufeinander.

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42 Bücher –— Inspirierende Lektüre. 44 Atelier –— Ein Blick hinter die Kulissen des Design Studios Neo/Craft in Berlin.

Fokus Bauhaus 50 Das Jubiläum –— Was war das Einzigartige der Bauhausschule? Gedanken von Frank Peter Jäger. 56 Brüssel –— Louis Herman De Koninck hat 1936 mit der Villa Berteaux einen wichtigen Zeitzeugen geschaffen. Ein Wohnreport. 66 Kunst am Bau –— Ein Architekt, ein Künstler und ein Schreiner haben ein apartes Studierzimmer kreiert. 72 Kroatische Unité –— Der Architekt Vladimir Mikic verhalf seiner Wohnung aus den 1950er-Jahren zu ihrem ursprünglichen Glanz zurück.

Fotos: Erich Consemüller (1), Christoph Theurer (1)

12 Metermagazin –— Bunte Neuigkeiten aus dem Designkosmos.

Das Ideale Heim im Mai 2019 — Inhalt

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Ideals


#MolteniGroup 3280 MURTEN REGULA AEBERSOLD 3930 VISP WOHNDESIGN ALBRECHT 6330 CHAM WOHNIDEE STADELMANN 6512 GIUBIASCO ABITARE ARREDAMENTI 8006 ZÜRICH ZINGG-LAMPRECHT 9500 WIL MÖBEL GAMMA

SOFA ALBERT— VINCENT VAN DUYSEN SESSEL D.151.4— GIO PONTI ABSTELLTISCHE ATTICO— NICOLA GALLIZIA TEPPICH ATALANTE— NICOLA GALLIZIA ARTWORK— SANTO TOLONE

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I N H A LT Stadtporträt

Villa Tugendhat

Seite 116

Seite 104

FLORENZ

IKONE

Spezial

ESSZIMMER

Seite 88

80 Zagreb –— Vorzeigestadt für die Architektur der Moderne. 82 Vier Interviews, vier Meinungen –— Wie lebt das Bauhaus heute? Vier Frauen stellen sich dieser Frage. 104 Villa Tugendhat –— Ein Architekturstudent entdeckt mit seiner Rolleiflex den geschichtsträchtigen Bau neu. 112 Porträt –— Knoll International hat das Gedankengut des Bauhauses in die Welt hinausgetragen.

88 Esszimmer –— Einrichtungsberaterin Astrid Pfenniger von wohnbedarf gibt Ratschläge zur Gestaltung. 96 Wohnzimmer –— Keine Briefmarkenteppiche, stimmiges Farbkonzept und gute Beleuchtung – die Tipps.

Standards 3 Editorial 15 Impressum 132 Prämien 137 Wettbewerb 146 Vorschau Juni

Serviceguide 134 Profis 138 Service: Neues auf einen Blick 140 Die Experten 143 Designhotels 144 Adressen

Stadtporträt 116 Florenz –— Wiege der Renaissance & Biotop der Gegenwart – ein Streifzug durch die italienische Metropole. 128 Zürich –— Am Rennweg werden zwei Häuser aus dem 14. Jahrhundert zu einem zeitgenössischen Ensemble umgebaut – Etappe 4.

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Spezial

WOHNZIMMER

Seite 96

Fotos: Lea Anouchinsky (1), Gervasoni (1), Erik Joergensen (1), Occhio (1), Mark Seelen (1)

Spezial

Das Ideale Heim im Mai 2019 — Inhalt

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A U S L E S E

Mikasso: Die Neuinterpretation des bekannten Geschicklichkeitspiels Mikado kommt in blauer und rosa Farbgebung daher.

FONDATION BEYELER

Junges Design für Picasso Blaue und Rosa Entwürfe

Selbstversorger Pflanzen steigern unsere Kreativität und mindern Stress. Doch die grünen Helfer bei Laune zu halten, ist gar nicht so einfach. Wie gut, dass es das «Pikaplant Tableau» gibt, ein Tablett mit integrierten Pflanzentöpfen und einem Bewässerungssystem, das immer genau die richtige Menge Wasser an die Pflanzen abgibt. www.pikaplant.com

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Platzschaffer Der «Able Table» unterstützt die verschiedenen Aktivitäten, die im Alltag auf einem Tisch zusammenlaufen, mit der Flexibilität, die im heutigen Leben benötigt wird. Ein von beiden Enden ausziehbarer Rattanrahmen bietet zusätzliche Ablagefläche, wann immer diese gebraucht wird. www.kluskens.nl

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3 Zeitlos schön Nach seiner 40-jährigen Tätigkeit im Produktdesign ist Dieter Rams noch immer in aller Munde. 1963 entwarf er für seine Frau eine Handtasche aus Leder. Basierend auf dem Originalentwurf Rams’ haben nun ­Esther und Dimitrios Tsatsas das Taschenmodell «0931» auf den Markt gebracht und es mit Details ergänzt. www.tsatsas.com

Fotos: Gerhardt Kellermann, Franziska Krieck, Mark Niedermann, Jean-Jacques Nobs

Kleine Matrosen: Auf Grundlage der von Picasso geliebten bretonischen Shirts entstand das Kinder T-Shirt mit nach vorne versetzter Seitennaht.

Der Harlequin aus dem Metropolitan in New York, die Madeleine aus der Tate Gallery in London und das Selbstporträt aus dem Musée Picasso in Paris – Meisterwerke aus der sogenannten Blauen und Rosa Periode, die Picasso später zum berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts machten, versammeln sich momentan in der Fondation Beyeler. Ein wahres Kulturhighlight also. Aber nicht nur die Ausstellung ist einen Besuch wert. Im Rahmen der Ausstellung haben junge Designer des Instituts Integrative Gestaltung der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst Produktideen für den Picasso-Shop konzipiert. Sechs Produkte wurden schliesslich ausgewählt, die nun im Museumsshop verkauft werden. STS Die Ausstellung läuft bis zum 26. Mai 2019, www.fondationbeyeler.ch

Das Ideale Heim im Mai 2019 — Auslese

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Feiern Sie 80 Jahre ikonenhaftes Design, von einer bahnbrechenden modernen Vision bis hin zum gewagten zeitgenössischen Möbel für Home und Office. Immer zeitlos. Immer echt.

1958 Florence Knoll und Eero Saarinen 2017 Eero Saarinen Pedestal Kollek tion

www.knolleurope.com

Photo: Gionata Xerra

D+A design&architecture, Magasin Goumaz — 1003 Lausanne, Rue Saint-Martin 11 / Objets et Lumières — 1026 Denges, Route de Genève 105C / Batiplus — 1070 Puidoux Route de Verney 7 / Moyard — 1110 Morges, Grand-Rue 83-87 / Détail — 1204 Genève, Rue Etienne-Dumont 16 / Arcadia Sadim — 1207 Genève, Rue des Eaux-Vives 20bis Teo Jakob — 1227 Carouge, Place de l’Octroi 8 / Brechbühl Interieur — 2560 Nidau, Hauptstrasse 54 / Teo Jakob — 3000 Bern 8, Gerechtigkeitsgasse 25 / Intraform — 3011 Bern Rathausgasse 76 / Probst + Eggimann — 3123 Belp, Dorfstrasse 52 / Wohnbedarf AG Basel — 4010 Basel, Aeschenvorstadt 48 / Alinea AG — 4051 Basel Kirschgartenstrasse 5 Ueli Frauchiger Design — 4800 Zofingen, Luzernerstrasse 7 / Buchwalder-Linder — 6004 Luzern, Im Zöpfli 2 / Waldis Art of Living — 6004 Luzern, Schweizerhofquai 5 Amrein Wohnen — 6010 Kriens, Schlundstrasse 80 / Wohncenter Räber — 6285 Hitzkirch, Bahnhofstrasse 21 / Bruno Wickart — 6300 Zug, Baarermattstrasse 10 Knecht Arredamenti — 6600 Locarno, Via Vallemaggia 55 / Il Piccolo Sagl — 6900 Lugano, Via Besso 57/ Abitare M. Hürlimann — 7000 Chur, Reichsgasse 71 Rezzoli Designer Furniture — 7504 Pontresina, Via Maistra 105a / Neumarkt 17 — 8001 Zürich, Neumarkt 17 / Hugo Peters — 8001 Zürich, Schifflände 32 / Wohnbedarf WB 8001 Zürich, Talstrasse 11 / Teo Jakob — 8005 Zürich, Limmatstrasse 266 / Zingg-Lamprecht — 8006 Zürich, am Stampfenbachplatz / Teo Jakob — 8008 Zürich, Seefeldstrasse 231 Pure Living — 8280 Kreuzlingen, Bachstrasse 10 / Ambiente Einrichtungskonzepte — 8640 Rapperswil, Marktgasse 6 / Zingg-Lamprecht — 8703 Erlenbach, Seestrasse 76 Domus Leuchten und Möbel — 9000 St. Gallen, Davidstrasse 24 / Thöny Möbel-Center — 9494 Schaan, Bahnhofstrasse 16 / Brenner Inneneinrichtungen — 9500 Wil Bronschhoferstrasse 20 Für die Schweiz: Agentur Einrichter - Marco Lutz, T +41 44 970 25 10, marco.lutz@einrichter.ch

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A U S L E S E

Bauhaus-Stil: Auch das Haus Huber aus dem Jahr 1929 ist an der diesjährigen Ausgabe des Open House dabei.

OPEN HOUSE

Basel öffnet seine Türen Architektur sehen und erleben Mitte Mai öffnet Basel zum zweiten Mal seine Türen und macht herausragende Architektur aus verschiedensten Zeitepochen erlebbar. Ziel des Events ist es, Architektur an ein breites Publikum zu bringen und verständlich zu machen, um deren Bedeutung für die Entwicklung der Stadt in der Öffentlichkeit zu verankern. Einmal die Stadt vom höchsten Gebäude Basels, dem Roche Turm, betrachten, einen Blick in das Architekturbüro von «Burckardt + Partner» werfen oder im Unternehmen Mitte für einmal mehr als bloss einen Kaffee trinken – die Führungen finden in rund 80 Gebäuden und Aussenräumen statt und sind kostenlos. STS Das Open House Basel findet am 18. und 19. Mai an verschiedenen Standorten in und um Basel statt. www.openhouse-basel.org

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Atmosphärisch Die horizontalen und vertikalen Pendelleuchten der Kollektion «Guise» werden aus robustem Borositglas hergestellt und stehen in hohem Kontrast zu den zarten Gravuren und Einkerbungen, die das Licht auf sonderbare Weise brechen. Das Glas wird in Deutschland in Handarbeit hergestellt und macht damit jede Leuchte zum Unikat. www.vibia.com

Feingesteck Cos war auch dieses Jahr wieder am Salone del Mobile vertreten und präsentierte dort «Conifera», eine im 3D-Druck erstellte, architektonische Installation aus erneuerbaren Materialien. Entworfen und gebaut wurde sie vom Architekten Arthur Mamou-Mani. Zu bestaunen war die Gitterstruktur-Installation im Palazzo Isimbardi. www.cosstores.com

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Naturnah Der Verein «mobiglias» hat einen öffentlichen Design-Wettbewerb ausgeschrieben. Gesucht werden Entwürfe für Einrichtungsgegenstände und Möbel, die aus vorwiegend einheimischen Bündner Werkstoffen hergestellt sein sollen. Ausgewählte Prototypen werden an der Schau «neue räume 19» in Zürich gezeigt. www.mobiglias.ch

Fotos: Duplex Architekten, Sebastien Erome, Gerhardt Kellermann, Klaus Kunkel

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Das Ideale Heim im Mai 2019 — Auslese

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Klassisch Die von Charles Hoch und Alfred Altherr für die Schweizer Landesausstellung entworfene Landi Bank feiert dieses Jahr ihr 80-jähriges Jubiläum. Anlässlich dieses Ereignisses bringt Burri die Urform der Design-Ikone wieder auf den Markt. Die «Landi Classic 1939» entspricht in Geometrie und Ausstattung dem Original von 1939. www.burri.world

MEISTERSTÜCK CLASSIC DUO OVAL

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Zukunftsweisend

Der Architekturwettbewerb «Wohnen für alle» rief zu bezahlbaren und qualitätsvollen Wohnbauprojekten auf. Vier der Vorschläge sollen nun im Frankfurter Baugebiet Hilgenfeld Form annehmen. Zu den Siegern zählt auch der Entwurf «Gestapelte Lauben» der Duplex Architekten AG aus Zürich. www.dam-online.de

Verspielt Scheinbar schwebend scheinen die filigranen Tischplatten auf den flachen Beinen zu liegen. In drei Formen (rund, quadratisch und rechteckig), unterschiedlichen Grössen und allerlei Farben erhältlich, erfüllt «Bebop» alle erdenklichen Funktionen – vom Beistell-, über den Nachttisch bis hin zum Stehtisch und mehr. www.fermob.com

kaldewei.ch

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A T E L I E R

Designer Sebastian Scherer grĂźndete 2014 das Studio NEO/CRAFT. Zuvor arbeitete er als Innendekorateur und freiberuflich fĂźr Architekten.

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NEO/CRAFT Geometrische Formen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Produktpalette von NEO/CRAFT. Im Bild zu sehen sind die Leuchten «Diamond».

«Entwerfen ist auch ein bisschen Selbstenter­ tainment» Mit NEO/CRAFT kreiert Sebastian Scherer zeitlose Produkte mit einzigartiger Präsenz und Wiedererkennungswert. Interview: Carina Iten, Fotos: Mirjam Kluka

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ie besten Ideen kommen meist dann, wenn man am wenigsten nach ihnen sucht. Im Alltag etwa beim Abwaschen oder im Supermarkt, wenn man gedankenverloren durch die Gänge streift. Manchmal reicht auch eine Momentaufnahme – so wie bei der Leuchte «Iris». Die Inspira­ tion kam Sebastian Scherer, Designer und Geschäftsführer von NEO/CRAFT, am Sa­ lone del Mobile in Milano. In einem Meer von Menschen sah er ein Kind, das Seifenblasen in die Luft pustete. Knapp ein Jahr später, 2015, präsentierte NEO/CRAFT die Leuch­ te an der imm cologne – eine gläserne Kugel, die dank einer speziellen Beschichtung den

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Glanz und das Farbspektrum einer Seifen­ blase imitiert. Fünf Jahre später hat sich das Portfolio des Design Studios um weitere Leuchten und andere Produkte wie Beistell­ tische und Uhren erweitert. Das Atelier befindet sich im Dachstock eines alten Industriegebäudes aus Backsteinen am Stadtrand von Berlin. Die Decke ist aus un­ verputzem Sichtbeton und die hohe, breite Fensterfront lässt den loftartigen Raum mit Tageslicht durchfluten. Der grosszügige Raum bietet Platz, um Produkte aufzubauen und auszustellen, gleichzeitig dient der Raum auch als improvisiertes Fotostudio und Büro. Auf den Tischen finden sich Glasmuster und Pro­ totypen von neuen Produkten wie der Röhren­ leuchte, die in Kürze lanciert wird.

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J A H R E

KUNST UND ALLTAGSWELT IM EINKLANG 2019 wird das Bauhaus, die legendäre, in der thüringischen Provinz ins Leben gerufene Design- und Architekturschule, 100 Jahre alt. Was war das Einzigartige an diesem nur 14 Jahre währenden Lehr- und Lebensexperiment?

Fotos: Stiftung Bauhaus Dessau (schwarzweiss), Hans Engels (farbig)

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BAUHAUS-SCHÜLER IN DESSAU, UM 1931

Text: Frank Peter Jäger

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enn man das kleine, weiss verputzte Haus auf einer Anhöhe über dem Flusstal der Ilm erblickt, weiss man zunächst nicht recht, ob es nur ein oder aber zwei Geschosse hat. Aus der Mitte des quadratischen Gebäudes schiebt sich ein Kubus mit Oberlichtern in die Höhe. Das im Jahr 1922 in nur vier Monaten Bauzeit nach einem Entwurf des Malers Georg Muche von zwei Architekten aus dem Büro von Walter Gropius errichtete quadratische Wohnhaus ist das erste Gebäude des Bauhauses – und das einzige in Weimar. Das sogenannte Haus am Horn war Teil einer grossen Bauhaus-Ausstellung im Jahr 1923, mit der die vor einhundert Jahren, 1919, gegründete Schule ihr Wirken der Öffentlichkeit präsentierte. Das geschah vor allem auf Drängen des thüringischen Landesparlaments. Bauhaus-Gründer Walter Gropius und seinen Kollegen schien der Zeitpunkt für eine «Leistungsschau» verfrüht, war man doch erst im Begriff, das Profil der Schule zu finden. Doch dann nutzen die Lehrenden die Gelegenheit, im Rahmen einer Festwoche die Vielfalt ihrer gestalterischen Sparten zu zeigen – Möbel, Teppiche, Einbauten, Leuchten, unter anderem von Marcel Breuer und László Moholy-Nagy; aber schon in diesen ersten Bauhaus-Jahren wirkten auffallend viele weibliche Gestalter mit, etwa Gunta Stölzl, die später die Textilklasse leitete. Das kleine Haus am Horn nahm den grundlegenden Wandel des bürgerlichen Wohnens vorweg. Die relativ kleinen Zimmer gruppieren sich gleichberechtigt um die atriumartige Halle in der Mitte. In den ersten Weimarer Jahren, geboren aus der Fusion der Grossherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst und Kunstgewerbeschule Weimar, zeigt das Bauhaus noch Züge einer traditionellen Kunstgewerbeschule. Doch nach und nach konnte Direktor Gropius Lehrer gewinnen, die nicht nur experimentierfreudige Neuerer, sondern auch willens waren, traditionelle Disziplingrenzen hinter sich zu lassen. Neben der Architektur, den Bildhauer-, Textil- und Designklassen waren auf einmal auch Typografie und Fotografie Gestaltungsfelder, hinzu traten szenische Aufführungen, wie das «Triadische Ballett», ein Tanzstück des BauhausMeisters Oscar Schlemmer. Mit dem Bauhaus wurde aus Kunstgewerbe «Design» und, wich­tiger noch, die Grenze zwischen «angewandter» und bildender Kunst löste sich auf. Man wollte alles radikal anders machen und «einen neuen Typ Künstler ausbilden» so Annemarie Jaeggi vom Berliner Bauhaus-Archiv. «Dieser Künstler sollte ein Alleskönner sein und auch reformierend in die ­Gesellschaft

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HAUS AM HORN: Das 1923 nach einem Entwurf von Georg Muche errichtete Haus am Horn nahm den grundlegenden Wandel des bürgerlichen Wohnens vorweg: Ein Dienstmädchenzimmer war nicht mehr vorgesehen, gleichberechtigt gruppieren sich die Zimmer um den zentralen Raum. 1999 wurde seine ursprüngliche Gestalt sensibel wiederhergestellt.

UNI WEIMAR: Das rekonstruierte Direktorenzimmer von Walter Gropius im Van-derVelde-Bau der heutigen Bauhaus-Uni Weimar.

hineinwirken.» Im umwälzend neuen Verständnis von Gestaltung liegt ein Hauptgrund für den langen Nachruhm der nur 14 Jahre bestehenden Hochschule. Eine Mehrzahl der Bauhäusler begriff die Schule als ­ideelle Gemeinschaft, einem Konvent nicht unähnlich. Vielen Bürgerlichen und Rechten galt das Bauhaus dagegen als links oder gar «kulturbolschewistisch». In der Tat vertrat unter anderem der zeitweilige Bauhaus-Direktor Hannes Meyer klar linke Standpunkte. Nach einem Rechtsruck im thüringischen Landtag wurde der Etat der Schule kurzerhand um 50 Prozent gekürzt, was 1925 den Umzug in die Industriestadt Dessau zur Konsequenz hatte.

Hier entstand mit dem neu errichteten Bauhausgebäude endlich ein den eigenen Maximen entsprechender Ort, an dem man gemeinsam lernen, arbeiten und Feste feiern konnte. Das Bauhaus fand vollends zu sich selbst, begünstigt vor allem durch die Nähe zur Industrie. Das mitteldeutsche Industrierevier rund um Dessau und Bitterfeld war in den 1920er-Jahren eine Art deutsches Silicon Valley: Mit Chemiewerken, Raffine­rien, Düngemittelindustrie und Flugzeugbau bestimmten Industrien der Zukunft die ­ ­aufstrebende Region. Und die technikaffine Bauhaus-Leitung sah industriell produzierte Güter nicht länger als Gegensatz zu guter

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Dampfer der Moderne In Brüssel erschuf der Architekt Louis Herman De Koninck 1937 ein einzigartiges Haus für eine einzigartige Bauherrschaft. Auch die neuen Besitzer sind von der Maison Berteaux absolut fasziniert. Text: Anita Simeon Lutz, Fotos: Christoph Theurer

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Das Ideale Heim im Mai 2019 — Brüssel

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Aussen- und Innenbereich verschmelzen bei der Maison Berteaux. (Sofa: «Kenedee» von Jean-Marie Massaud für Poltrona Frau, Sessel: «Skaala» von Yrjö Kukkapuro für Avarte, Couchtisch: Isamu Noguchi über Vitra, Aussenstühle: Butterfly-Chair von Hardoy für Airborne)

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Der Künstler Karim Noureldin arbeitete für dieses Projekt mit dem Architekten Raphael Nussbaumer und dem Schreiner Jules Desarzens ­zusammen.

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Raumkörper Der Künstler Karim Noureldin hat in Zusammenarbeit mit dem Architekten Raphael Nussbaumer und dem Schreiner Jules Desarzens ein apartes Studierzimmer geschaffen. Text: Susanna Koeberle, Fotos: Ariel Huber

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er Begriff «Studiolo» stammt aus der Renaissance. Allerdings hat das Konzept dieses Raumes auch heutzutage seine Gültigkeit. Denn ob man sich nun zum Studium der Künste zurückziehen oder mal den eigenen vier Wänden entfliehen und bei ruhiger Lektüre den Kopf leeren möchte, macht keinen grossen Unterschied. Denkräume brauchen manchmal auch reale Räume. Und ein solcher physischer Rückzugsort schwebte dem Künstler Karim Noureldin vor, als er die Gelegenheit bekam, eine ursprünglich als Abstellraum konzipierte Kammer zu erwerben. ­Noureldin lebt mit seiner Familie in einer loftartigen Wohnung, die sich im selben Haus befindet. In seiner Arbeit spielen Räume eine zentrale Rolle, wenngleich erst auf den zweiten Blick. Seine zum Teil grossformatigen geometrischen Zeichnungen entstehen jeweils in längeren Prozessen, in denen sich die Bildräume durch wiederholende Gesten herauskristallisieren. Mit dem Farbstift kommt man nur langsam voran, doch genau das erlaubt dem Künstler eine körperliche Annäherung an die räumliche Dimension. Dieses Gespür kommt ihm gerade bei seinen Kunst-am-Bau-Werken zugute, die er regelmässig realisiert. Inspiration Le Corbusier Das moderne Haus befindet sich in einem ruhigen Quartier von Lausanne. Noureldin konnte die als Abstellraum gedachte Kammer erwerben und machte daraus einen Rückzugsort.

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Die Affinität zum Räumlichen widerspiegelt sich auch in seinem ausgeprägten Interesse für Gestaltung und Architektur. Nach einem Be-

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Die Ausrichtung des Gebäudes und dessen Konzept ermöglichen den Wohnungen die Aussicht auf Grünflächen inmitten der Stadt Zagreb.

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Das Ideale Heim im Mai 2019 — Zagreb

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Design im Baudenkmal

Das Wandregal von Poul Cadovius aus dem Jahr 1948 beherbergt sorgfältig inszenierte Vintageobjekte, Designikonen und hochwertige Bücher.

Die Unité von Drago Galic im Zentrum Zagrebs wartet seit langem auf eine umfassende Sanierung. Der schlechte Zustand des Gebäudes hat jedoch den kroatischen Architekten Vladimir Mikic und seine Familie nicht davon abgehalten, seiner eigenen Wohnung wieder zu ihrem ursprünglichen Glanz zu verhelfen. Text: Judith Raeber, Bilder: Marko Mihaljevic, Ino Zeljak, Styling: Hannah Vranko

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J A H R E

B A U H A U S

Wie lebt das Bauhaus im Heute?

VIER FRAUEN

Foto: Erich Consemüller

FRAU MIT SCHLEMMERMASKE IN STAHLROHRSESSEL VON MARCEL BREUER

VIER INTERVIEWS VIER MEINUNGEN

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Interviews: Frank Peter Jäger

Das Ideale Heim im Mai 2019 — 100 Jahre Bauhaus

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mit Fragen der globalen Legacy der Moderne in Architektur und Design befassen. Ausgangspunkt dafür bieten immer Ereignisse, Objekte und Fragestellungen des historischen Bauhauses. Ein Master-Programm zum Design-Research bietet die Akademie in Kooperation mit der FH Anhalt seit fünf Jahren an.

INTERVIEW MIT DR. REGINA BITTNER

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ebt das Bauhaus in unserer Gegenwart, oder ist es heute in erster Linie museale Erinnerung? RB: Dazu kommt mir ein Vorfall aus dem Jahre 1968 in den Sinn: Die Hochschule für Gestaltung in Ulm, die seit 1953 bestanden hatte, war geschlossen worden. Die Schule mit einigen Bauhaus-Absolventen und früheren Bauhaus-Meistern wie Josef Albers und Johannes Itten als Professoren darf als Nachfolge­ institution des Bauhauses gelten. Nun fuhren die gegen die Schliessung protestierenden Studenten nach Stuttgart, zur Baden-Württembergischen Landesregierung – aber auch, weil Walter Gropius dort gerade die erste Ausstellung über das Bauhaus eröffnete, zu dessen bevorstehendem 50-jährigem Gründungsjubiläum. Die Studierenden platzten also in diese Ausstellungseröffnung, trafen auf Gropius und empörten sich: Wie kann es sein, dass die lebendige Vermittlung des Bauhaus-Erbes ohne Not zerstört wird, während ihr hier im gleichen Moment das Bauhaus feiert? Die Proteste halfen nichts, die Schule blieb geschlossen. Und wie lebt das Bauhaus in Dessau fort? RB: Die Stiftung wurde 1994 gegründet und ist Nachfolgeeinrichtung des vom DDRBauministerium gegründeten «Wissenschaftlich-Kulturellen Zentrums», WKZ, das mit der Wiedereröffnung des Bauhaus-Gebäudes 1976 ins Leben gerufen wurde. Damit begann auch die Sammlungstätigkeit. Die Bühne wurde für Theater- und Jazzveranstaltungen genutzt und war in den späten 1980er-Jahren auch ein Treffpunkt alternativer Kulturszenen. Von Beginn an steht die Stiftung auf drei Säulen: Neben der Sammlung sind das die Werkstatt und die Akademie. Es geht uns darum, mit dem Erbe in Kontakt zu treten vor dem Hintergrund von Gegenwartsfragen. Während in den ersten Jahren mit dem Projekt «Industrielles Gartenreich» die Deindustrialisierung der Region nach 1990 im Zentrum stand, waren es bis 2010 Fragen der internationalen Stadtentwicklung und z. B. die IBA Sachsen Anhalt. Die Akademie bietet seit vielen Jahren international ausgerichtete postgraduale Studiengänge an, die sich

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«Innerhalb der progressiven Strömungen der Zeit besteht die Besonderheit des Bauhauses in der Synthese, das heisst der Fähigkeit, sehr heterogene Themen wie in einem Brennglas zusammenzuführen.»

Gibt es eine Person aus der Bauhausgeschichte, die Ihnen besonders nahesteht? RB: Für mich gehört zu den spannendsten Künstlern, Lehrern und Medientheoretikern Laslo Moholy-Nagy. Ich sehe ihn als Ausnahmeerscheinung, eine sperrige Figur. Moholy-Nagy gelang es, die mit den damals neuen Medien veränderten Wahrnehmungsweisen unmittelbar in seine Kunst und Lehre zu übertragen; er arbeitete sehr aktiv an den Schnittstellen zwischen Fotografie, Film, Szenographie. Wenn wir die Studierenden an unserem Masterstudiengang mit seinen Texten aus dieser Zeit konfrontieren, ist es jedes Mal wie ein Augenöffnen. Sie können kaum glauben, dass die Texte fast 100 Jahre alt sind. Was ist das grösste Missverständnis in der Wahrnehmung des Bauhauses? RB: Zweifellos seine formale Rezeption als Stil. Das Bauhaus ist ebenso eine Haltung. Zweitens denke ich, dass das Bauhaus sehr wohl ins Museum gehört, das ist kein Anachronismus. Denn Museen sind heute keine blossen Sarkophage des Vergangenen, sie verstehen sich als Orte der Debatte über die in den Objekten materialisierten Diskurse. Worin lag die besondere Stärke des Bauhauses? RB: Innerhalb der progressiven Strömungen der Zeit besteht seine Besonderheit in der Synthese, das heisst der Fähigkeit, sehr heterogene Strömungen und Themen aufzu­ nehmen und wie in einem Brennglas zusammenzuführen. Die «Wchutemas», eine Gestaltungsschule in Moskau, war viel progressiver als das Bauhaus; aber das Bauhaus wirkte durch seine Persönlichkeiten und seine Kontakte stärker nach aussen.

DR. REGINA BITTNER: Kulturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin – Stellv. Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Leiterin der Akademie – kuratierte zahlreiche Ausstellungen zum Bauhaus und zur Kulturgeschichte der Moderne.

Ist ein unpolitisches Bauhaus denkbar? RB: Als Kind der Weimarer Republik war die Institution Zeit ihrer Existenz mit politischen Anfeindungen konfrontiert. Auch, weil sie Kunst als soziales Projekt mit gesellschaftlichem Auftrag verstand. Schliesslich wurde sie dreimal geschlossen. Auch deshalb fand ich die im Herbst 2018 zur Begründung der Konzertabsage von «Feine Sahne Fischfilet» in der Pressemitteilung der Stiftung gemachten Äusserungen untragbar. Das hat nichts mit unserem Selbstverständnis hier in der Stiftung zu tun und war ganz klar ein grosser Fehler.

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Wohnparade Ess- und Wohnzimmer sind die wichtigsten Räume im Haus. Astrid Pfenniger von wohnbedarf gibt Tipps zu deren Einrichtung. Bilder wohnbedarf: Marion Nitsch, Redaktion: Anita Simeon Lutz, Stefanie Solèr

Tipp 1: Arbeiten Sie mit Kontrasten, und manchmal darf es auch ein bisschen opulenter sein. (Tisch: «Slim» von Arco, Stühle: «Beetle Chair» von Gubi, Spiegel: «Cipris Mirror» von Classicon, Schrank: «Mida» von Maxalto, Vase: «Ikebana» von Fritz Hansen) www.wohnbedarf.ch

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Draenert: Die massive Tischplatte aus Naturstein thront auf einem Unterbau aus Doppel-T-Trägern. www.draenert.de

KONTRASTE :

Gegensäzte ziehen sich an. Gerade Linien können gerne mit opulenteren Formen kombiniert werden – das schafft Spannung.

Vitra: Die Sitzschale des «Eames Plastic Chair» ist in ursprünglichem Fiberglas zurück. www.vitra.ch

Giorgetti: Japanische Raumtrenner galten als Inspiration für die Tischbeine des «Break». www.giorgettimeda.com

Minotti: Ein skulpturartiges Gestell trägt den «Van Deyck». www.minotti.com

Flexform: Sessel «Hera» wird durch sein leichtes Untergestell zum perfekten Tischbegleiter. www.flexform.it

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Tipp 3: Farbakzente setzen und Grössenordnungen beachten. (Sofa: «Cestone» von Flexform, Sessel: «Womb Chair» von Knoll International, Salontisch: exkl. Wohnbedarf, Bücherturm: «Ptolomeo» von Opinion Giatti, Stehleuchte links: «Fez» von Baltensweiler, Stehleuchte rechts: «Pied de Salon» von Santa & Cole, Tablett: Schönbuch) www.wohnbedarf.ch

GRÖSSENORDNUNG : Der Teppich sollte sich dem

Raum und der Sofagrösse anpassen, er darf nicht wie eine Briefmarke wirken.

Leolux: Die organischen Formen von Sitzflächen und Armlehnen verleihen «Flint» ein einladendes Erscheinungsbild. Die grosszügigen Kissen sorgen für Kontraste. www.leolux.de

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Das Ideale Heim im Mai 2019 — Wohnzimmer

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Brühl: In das weiche Sitzpolster des «attitude» wollen wir sofort einsinken. Absenkbare Rücken- sowie vorschwenkbare Armlehnen bieten zusätzlich Komfort. www.bruehl.com

Eric Joergesen: Designer Patrick Norguet hat eine Schwäche für die dänische Insel Askø. Aber nicht nur der Name, auch das Design des Stuhls sind vom dänischen Stil beeinflusst. www.erik-joergensen.com Woud: Durch das Drehen der einen Hälfte der runden Tischplatte, kann das Erscheinungsbild des «Arc» immer wieder verändert werden. www.woud.dk

Bretz: Bei «La Collina» treffen sanft geschwungene Linien auf grosszügige Weite. Das Ergebnis ist ein Samtsofa im VintageLook, das zum Träumen einlädt. www.bretz.de

De Sede: Die Idee hinter dem Couchtisch «DS-3011» ist bestechend einfach: Leder umrahmt die dunklen Glasplatten und sorgt für ausgefallenes Flair. www.desede.ch

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Tipp 4: Raum und Einrichtung sollen Hand in Hand gehen. Das Licht ist dabei massgebend. (Sofa: Alvar Alto, wb form, Sessel: Werner Max Moser, Embru, Liege: Le Corbusier, Cassina, Couchtisch: Marcel Breuer, Thonet, Leuchte: Eileen Gray, Classicon, Teppich: Mischioff) www.wohnbedarf.ch

KLASSIKER : Sogennante «Ikonen»

haben sich über Jahrzehnte hin bewährt und werden mit dem Alter immer schöner.

Cassina: Die mattierten Schiebetüren beim japanisch anmutenden Sideboard «Riflesso» sorgen für Leichtigkeit und erzeugen ein Spiel mit Lichtreflexen. www.cassina.com

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Classicon: Marmor verändert den ersten Eindruck des inzwischen berühmten «Bell Table» von Designer Sebastian Herkner. www.classicon.com

Das Ideale Heim im Mai 2019 — Wohnzimmer

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Fritz Hansen: 1959 kreierte Arne Jacobsen den «Pot» – die schlanke Version eines Loungesessels. Der neu lancierte Sessel ist in einer Vielfalt an Stoffen und Ledern erhältlich. www.fritzhansen.de

RAUM : Oft haben wir

zu viele Ansprüche an einen Raum. Setzen Sie Prioritäten und unterstützen Sie die Innenarchitektur mit einer passenden Einrichtung.

Ligne Roset: Bücherregal, ­ Serviertisch oder Kommode – «Stack» ist ein drehbares Möbel mit versetzt angeordneten Nischen sowie einer Auflageplatte. www.ligne-roset.ch

MDF Italia: Wie Linien scheinen die Regalböden des «Super Position» durch den Raum zu fliegen. Nach eigenen Wünschen zusammenstellbar. www.mdfitalia.com

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J A H R E

DURCH DIE VILLA FÜHRTE UNS DER STUDENT RASTISLAV BOŠKO ZUSAMMEN MIT SEINER ALTEN ROLLEIFLEX-KAMERA.

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B A U H A U S

Das Ideale Heim im Mai 2019 — 100 Jahre Bauhaus

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DER BARCELONA CHAIR WURDE FÜR DIESE VILLA IN SMARAGDGRÜNEM LEDER ANGEFERTIGT. (KNOLL INTERNATIONAL)

Eine Ikone der Moderne Die VILLA TUGENDHAT von Ludwig Mies van der Rohe gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Vor sechs Jahren wurde sie restauriert und ist nun der Öffentlichkeit zugänglich. Wir haben die Villa mit dem Studenten Rastislav Boško besucht. Produktion & Text: Marc Heldens, Fotos: Mark Seelen, Redaktion & Übersetzung: Anita Simeon Lutz

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Stadt der Meister

Florenz Die Wiege der Renaissance verharrt nicht in der Vergangenheit. Neben alter Grandezza entwickeln Künstler, Designerinnen und Öko-Philosophen die Stadt zu einem lebendigen Biotop der Neuzeit. Produktion & Text: Benedetta Rossi Albini, Fotos: Lea Anouchinsky, Redaktion & Übersetzung: Mirjam Rombach

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underschön sei sie, voller Charme, gar eine der schönsten Städte der Welt. Überreich an Kulturschätzen wird Florenz auch als das «italienische Athen» bezeichnet. Für ihr Erbe ist die Stadt wohlbekannt. Dass Florenz aber auch sehr lebendig, zeitgenössisch, jung und grün ist, ist weniger geläufig. Die Stadt am Arno hat den Charakter einer Frau von heute: schnell, aufnahmefähig, grosszügig, verknüpft. Es gelingt ihr, vieles gleichzeitig zu sein, unkonventionell und aristokratisch, zerzaust und luxuriös, voller Leidenschaft und doch metaphysisch. Von den Kunstausstellungen im Palazzo Strozzi über das von Peter Greeneway gegründete Filmfestival Lo Schermo dell’Arte bis hin zu der Konzertreihe Strings City, wo während eines Wochenendes 70 Gratiskonzerte in ebenso vielen Museen und Stadträumen gespielt werden, repräsentiert Florenz durch seine Verflechtung von Geschichte und Gegenwart das Potenzial Italiens auf einzigartige Weise. Und wenn sich die Touristen weiterhin für die Uffizien und die zahlreichen Kuppeln begeistern, deren Magie auch nach Jahrhunderten ungebrochen ist, gibt es hier eine ganze Geschichte zu entdecken. Etwa die Gegend um Oltrarno zwischen San Frediano und Santo Spirito; aber auch Adressen in der

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PALAZZO STROZZI

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