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DEUTSCHE MANUFAKTUREN DEUTSCHE MANUFAKTUREN FÜR WOHNKULTUR

FÜR

WOHNKULTUR ISBN 978-3-9522994-7-0 DMM_2013_AA_Titel.indd 1

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WK 110 ANOUK

ENTSPANNTE MOMENTE GENIESSEN.

WWW.WK-WOHNEN.DE

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Bett: WK 110 ANOUK Design: Kurt Beier und Kati Quinger Kommode: WK 450 TUNE NIGHT Design: Dietmar Joester

KULTUR LEBEN. WK WOHNEN.

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E D I T O R I A L

Geschichten über Möbel Hinter jedem Möbel, hinter jeder Leuchte steckt eine Geschichte. Geschichten über Designer, über Materialien und die Produktion, über Manufakturen und über Erfinder, über Visionen und bahnbrechende technische Neuerungen. Aber bei allen stehen hauptsächlich Liebe und Leidenschaft zum Produkt im Vordergrund. Und das Ergebnis davon ist beste Qualität. Wir erzählen Ihnen in dieser Ausgabe 57 Geschichten über Manufakturen im Bereich Möbel, Licht, Küchen und Bad. Viele Firmennamen sind Ihnen sicher bekannt, jetzt lernen Sie aber auch die Menschen, die Produkte und die Entstehungsgeschichten dieser Firmen kennen. Für alle Manufakturen sind Objekte wie Hotels und Geschäftshäuser ein wichtiger Umsatzträger. Unsere Redakteurin Silvia Steidinger hat ein Gespräch mit dem Designer Till Grosch geführt, der als Projektleiter bei Studio Aisslinger für die Gestaltung des Berliner Trendhotels Michelsbergerhotel verantwortlich zeichnete. Und mit dem Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, Dirk-Uwe Klaas, beleuchten wir die wirtschaftlichen Aspekte der Möbelbranche in Deutschland. Auf die Anfänge der deutschen Möbelmanufakturen und auf die Geschichte des deutschen Möbeldesigns blicken wir gemeinsam mit Bernd Polster zurück. Bernd Polster ist Verfasser zahlreicher kulturgeschichtlicher Sachbücher und Bücher sowie Abhandlungen über Design. Einige seiner Designbücher wie «Möbeldesign Deutschland – Die Klassiker», erschienen im DuMont Verlag, gelten inzwischen als Standardwerke. Doch wir blicken nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft. Dass man als Designer Talent braucht, steht ausser Frage. Aber das meiste Wissen holt man sich mit einer Ausbildung an den Kunsthochschulen und Universitäten. Professor Axel Kufus, der viele Jahre an der Bauhaus-Universität in Weimar tätig war und seit 2004 die Professur für Entwerfen und Entwickeln im Design an der Universität der Künste Berlin inne hat, ist uns für ein spannendes Gespräch zur Verfügung gestanden. Als grosse Premiere für unseren Verlag haben wir für diese Ausgabe eine Zusammenarbeit mit Architonic gefunden. Alle Manufakturgeschichten werden während der nächsten Jahre auf www.architonic.com in englischer Sprache publiziert und werden so den jährlich 70 Millionen Nutzern über ein weltweites Netzwerk von Websites, Partnerportalen, Social-Media und Mobile Apps zugänglich sein.

Foto: Marion Nitsch

Gute Lektüre wünscht herzlichst

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EMIL M. BISIG Verleger emil.bisig@archithema.com

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Geschichte des Designs EIN RÜCKBLICK

I N H A LT

Seite 6

Möbel im Objektbereich TILL GROSCH Seite 12

Aus Kölner Sicht IMM COLOGNE

Entree 3

Editorial –— Geleitwort von Verleger Emil M. Bisig.

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Design-Geschichte –— Deutsches Möbeldesign gestern und heute.

12 Angedockt –— Ein Interview mit Till Grosch. 16 Aus Kölner Sicht –— Eine Standortbestimmung zur imm cologne von Gerald Böse. 18 Die Multiplikatoren –— Ein Porträt der Zürcher Firma Architonic. 20 Authentizität –— Ein Interview mit den Designern Läufer+Keichel. 88 Die zeitgemässe Küche –— Ein Interview mit Frank A. Reinhardt. 98 Lebensraum Bad –— Ein Interview mit dem Badplaner Roland Liegl. 106 «Licht lässt uns sehen» –— Ein Interview mit Gerd Pfarré.

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Manufakturen 22 Bielefelder Werkstätten –— Handmade with Passion 24 Brühl –— Internationales Design aus Oberfranken 26 Bullfrog –— Im Zeichen des Wassertiers 28 Cabinet –— Ordnung ohne Grenzen 31 ClassiCon –— Tradition trifft Trend 32 Conmoto –— Design aus Leidenschaft 34 COR –— Wahre Schönheit innen und aussen 36 Draenert –— Wandelbar 38 Ege exquisit –— Träume aus Stoff 39 Hain –— Natürlich geölt 40 Hülsta –— Wir können auch unmögliche Ideen 42 Interlübke –— Seit Generationen mit Leidenschaft 44 Ipdesign –— Am liebsten in Leder 46 Kettnaker –— Systematik und Poesie

48 KFF Design –— Sinnlich, modern und immer handmade 50 Koinor –— Entspannt elegant 52 Lizzy Heinen Design –— Edles aus Edelstahl 53 Manufakturplus –— Lederkunststücke zum Vererben 54 Nils Holger Moormann –— Der Querdenker 57 Noodles –— Good Old Feelings 58 Notte –— Zentrale Bedeutung 59 Nuss Möbelwerkstatt –— Schwerelose Eleganz 60 Object Carpet –— Facettenreich 62 Performa –— Mit Präzision und Liebe 64 Piure –— Flair und Feingefühl 66 Rehau –— Glänzende Flächen und edle Kanten 68 Richard Lampert –— Der Schatzsucher 70 Ronald Schmitt Design –— So intelligent kann Ästhetik sein 72 Rosenthal –— Tischkultur trifft Wohnkultur

Fotos: imm cologne (1), Jan Kopetzky (1), Miriam Lehnart (1), Leicht Küchen (1), Ophelis (1), Bernd Polster/zVg (2), Markus Tollhopf (1)

Seite 16

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Inhalt

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Frank A. Reinhardt HEUTIGE KÜCHEN

Prof. Axel Kufus im Interview D E S I G N VON V O N MORGEN MOR DESIGN Seite S Se Sei eit ite 112 126 26

Seite 88

«Licht lässt uns sehen» PFARRÉ LIGHTING Seite 106

74 Sanktjohanser –— Die Kunst der Quintessenz 76 Scholtissek –— Individualität an erster Stelle 78 Schotten + Hansen –— Der Holzalchemist 79 S+ Systemmöbel –— Start-up mit Hintergrund 80 Schramm Werkstätten –— Taschenfederkernkomfort 83 Village Wohnkultur –— Möbel für Stilisten 84 Walter Knoll –— Es lebe die Handwerkskunst 86 Zeitraum –— Ethik und Ästhetik 90 Bulthaup –— Materialkundig 92 Leicht Küchen –— Küchen nach Mass 94 Poggenpohl –— Individuelle Perfektion 95 Wiedemann Werkstätten –— Weitblick und Wertigkeit 96 SieMatic –— Küchen zum Leben

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pe –— Waschplätze mit 100 Alape arakter Charakter rnbracht –— Culturing Life 101 Dornbracht 102 Bette –— Individualität statt Kompromisse 105 Keuco –— Im Bad zu Hause 108 Anta –— Wenn gutes Licht im Blut liegt 110 Domus Licht –— Licht aus Leidenschaft 111 Ingo Maurer –— Helle Freude 112 K.B.Form –— Gekonnt dezent beleuchten 113 Komar Licht –— Das Lichtwunder 114 LDM –— Zauberstäbe 116 Licht im Raum –— Herr der Ringe 117 Serien Raumleuchten –— Living the Light 118 Lucelab –— Der schöne Schein 120 Nimbus –— Gegen den Strom 121 Ridi Raumleuchten –— Immer vorne dran

Ausblick 122 «Made in Germany» –— Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, blickt optimistisch in die Zukunft. 126 «Stärken statt schulen» –— Prof. Axel Kufus über Gestaltungslehre und das Design von morgen.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur überzeugen mit Tradition, Klassikern, zeitlosem Design und Innovationen.

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Design-Geschichte Der erste im Bauhaus entworfene Stahlrohrsessel gilt als Wendepunkt der Designgeschichte. Doch dieser ist längst nicht der einzige Klassiker «made in Germany». Eine Reise durch die Geschichte des deutschen Möbeldesigns. Text: Bernd Polster

«Nr. 14»: Der Stuhl, entworfen von Michael Thonet, war eines der ersten Industriemöbel und begründete den Aufstieg der Firma Thonet. Er gilt als Archetyp des modernen Möbeldesigns.

1920

1925 «Clubsessel B3»: Der Clubsessel von Marcel Breuer wurde schon kurz nach seiner Einführung als«Meisterwerk» gefeiert. Heute ist er als Reedition unter dem Namen «D4» bei Tecta erhältlich.

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S Schloss Neuschwanstein und das Bauhaus sind deutsche Mythen und zu Stein gewordene Fantasien. Wofür die Deutschen einen unübersetzbaren Begriff erfunden haben: Gesamtkunstwerk. Und damit sind die beiden weltberühmten Gebäude zugleich auch Visionen des Wohnens, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Zwischen ihnen liegt eine Revolution, eine politische, aber vor allem auch eine der Kultur. In ihr wurde das angestaubte romantische Inventar, das sich über das 19. Jahrhundert hinweg angesammelt hatte, gnadenlos beiseitegefegt. So entstand schockierende Leere und ein grandioser Freiraum für Gestaltung. Der damals angeworfene Innovationsmotor treibt das deutsche Design bis heute. Ob Schwingsessel, Stahlrohrmöbel, Schrankwände, Funktionslampen, Kombinationsservice oder flexible «Wohnlandschaften», es geht seitdem um nichts weniger als um ein rundweg neues System der Dinge. Als 1927 in Stuttgart-Weissenhof erstmals eine Zwischenbilanz des Grossreinemachens gezogen wurde, kam es zum Skandälchen. Der Architekt Josef Frank hatte es gewagt, seine Musterwohnung mit einer Kuschelecke auszustatten und darauf Kissen auszubreiten. Das war ein offenbar unverzeihlicher Verstoss gegen das nun gültige Gemütlichkeitstabu. Puristen witterten den Ungeist des «altdeutschen» Wohnzimmers, das als abschreckendes

Fotos: zVg

1859

«F51»: Der Architekt Walter Gropius hat diesen Sessel mit dazugehörigem Sofa für sein eigenes Direktorenzimmer entworfen. Eine Reedition ist bei Tecta erhältlich.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Design-Geschichte

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1930 «MR 50 Brno»: Die formale Spannung zwischen dem annähernd rechten Winkel des eingehängten Sitzes und der Bogenlinie des Metalls ist eine Besonderheit dieses Entwurfs von Ludwig Mies van der Rohe. Reedition: Knoll International.

1935

«S 285»: Die einzelnen Elemente des Schreibtisches, der von Marcel Breuer entworfen worden ist, sind Teil einer Gesamtkonstruktion. Hersteller: Thonet

1950

Beispiel auf dem Ausstellungsplakat abgebildet war – ausgekreuzt mit dicken, natürlich roten Pinselstrichen. Wohnen war in Deutschland stets auch Kulturkampf. Der Anfang von allem Das deutsche Möbeldesign hat einen Geburtsort und eine Geburtsstunde. Man schrieb das Jahr 1835, als der Tischler Michael Thonet in seiner Werkstatt in Boppard am Rhein die von ihm entwickelte Holzbiegetechnik erstmals auf einen ganzen Stuhl anwendete. Dass der Experimentator seine zerlegbaren und deshalb leicht transportierbaren Möbel zu einem Massenartikel machte, als Deutschlands Industrie noch in den Kinderschuhen steckte, ist gar nicht so untypisch für ein innovatives Metier, Me das auf Aussenseiter und Querde Querdenker angewiesen ist. Doch gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als sich im nun me mehr geeinten und wirterstarkten Deutschen Kaiserschaftlich erstarkte reich ein protziger, neureicher Lebensstil durchgesetzt hatte, waren selbst Thonetverschnörkelt. Möbel verschnörke Tatsächlich gelang die Befreiung vom verschrobenen Sp Spiessermilieu jedoch des vor Widersprüchen bereits während de berstenden Kaise Kaiserreiches, als Kräfte koalierten, die alle allesamt neu waren: der Künstlertyp des Formerfinders, eine Industrie auf Hoch Hochtouren und die erste Alternativszene, zu der nun auch Jugendliche gehörten, die «Wandervögel». Als damals ein Grüpp Grüppchen deutscher Sommerfrischler im Schweizer S Tessin den Berg, auf dem sie si wohnten, «Monte weil sie dort das wahre Verità» nannten, w wollten, nahm sie natürLeben vorleben wo lich wie immer zzuerst kaum jemand ernst. Doch nach der d Jahrhundertwende bildeten überall iin Deutschland solch esoterische Häufch Häufchen ihre Inseln des Authentischen und hatten auch eine Parole für das Ausscheren aus dem kulturellen Stechschritt: «Lebensreform».

«M 125»: Bei dem Elementmöbelsystem von Hans Gugelot werden Bretter als kleinste Einheit zu festen Kuben verbunden. Hersteller: Bofinger

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«SE 68»: Der Stuhl mit Stahlrohrgestell von Egon Eiermann ist ein wahrer Mehrzweckstuhl. Dank seiner Stapelbarkeit wird er auch gerne in Vortragssälen oder Schulen eingesetzt. Hersteller: Wilde + Spieth

Es war die Reformzeit vor dem Ersten Weltkrieg, in der noble Schlichtheit erstmals zum Wohncredo breiter bürgerlicher Schichten wurde und in der Neuerungen wie etwa die moderne Funktionsküche sich bereits herausschälten. Sogar schlichte Bierkrüge machten die Runde. Ohne die mit dieser Subkultur verbundene Werkstättenbewegung und ihrem Arkadien, der Gartenstadt Dresden-Hellerau – zu der auch die erste moderne Möbelfabrik gehörte –, ist das Bauhaus nicht denkbar.

1950

1953

«Tisch m mit Kreuzverstrebu verstrebung»: Die charakte charakteristische Konstruktio Konstruktionsidee von Egon Eierm Eiermann ist das Gestell aaus zwei seitlichen SStahlrohrrahmen, die durch ein Rohrkreuz diagonal mitein miteinander verbund verbunden sind. Hersteller Hersteller: Richard Lam Lampert

1954 «Ulmer Hocker»: Max Bill, Hans Gugelot und Paul Hilbinger entwarfen diesen multifunktionalen Hocker. Das Konzept galt als Manifest. Reedition: Zanotta, Italien; Wohnbedarf, Zürich; Vitra

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Zum gestalterischen Urknall kam es jedoch erst nach der Apokalypse des Ersten Weltkriegs. Es roch nach Revolution. Zensur wurde abgeschafft. Dadaisten feierten den Tod der Kunst. Der Architekt Walter Gropius nutzte die Gunst des Umbruchs und gründete das Bauhaus, eine Kunsthochschule, die zum Anziehungspunkt der Avantgarde und zur Formschmiede wurde. Nach anfänglichen Richtungskämpfen definierte man sich als Denkfabrik für die Industrie, in der «Typen» destilliert werden sollten. Durch «Beseitigung des Unnötigen», so Gropius. In der Tischlerwerkstatt konstruierte deren Leiter Marcel Breuer Möbel aus Rohrgerüsten, die man damals noch «Metallmöbel» nannte. Sie wurden zum Inbegriff des «Neuen Wohnens», waren für viele Jahre Dreh- und Angelpunkt im gestalterischen Denken der modernen Bewegung und lösten weltweit eine Lawine der Epigonen aus. Das Bauhaus war das einflussreichste Projekt der klassischen Moderne, aber keineswegs das einzige. Die Stuttgarter Weissenhofsiedlung wurde schon erwähnt. Aber auch in zahlreichen anderen deutschen Städten, ob Hamburg, Karlsruhe oder Celle, entstanden Projekte des «Neuen Bauens», bei denen – ganz im Sinne des Gesamtkunstwerks – meist auch die Einrichtung radikal neu war. In Frankfurt am Main wollte sich gleich eine Stadt als Ganzes um-

Fotos: zVg

Vom Bauhaus zum Design während des Nationalsozialismus

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Design-Geschichte

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1958 «HM 1»: Herbert Hirche hat für Braun diesen Musikschrank entworfen.

bilden, zum «Neuen Frankfurt». Junge Architekten entwarfen dort die «Wohnung für das Existenzminimum». Dass sie durchweg Sozialisten waren, genau wie der Stadtbaurat Ernst May, hat die Moderne und ihren Wohnstil weiter politisiert. Was sich im Nationalsozialismus nochmals zuspitzte. Doch selbst in den zwölf schwarzen Jahren, in denen die sogenannte «entartete» Moderne ins Visier geriet, hatten Stahlrohrmöbel Konjunktur. Prinzipien wie praktische Schlichtheit fanden Eingang in offizielle Propaganda, und mancher frühere Modernist fand auch ein Pöstchen. Eine neue Wohnrevolution

1968 «Garten-Ei»: Im geschlossenen Zustand ist dieser Gartensessel von Peter Ghyczy nicht als Sitzmöbel zu erkennen. Ghyczy Novo hat eine Reedition herausgegeben.

1976

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«Sinus»: Der Sessel mit Fussbank von Reinhold Adolf und Hans-Jürgen Schröpfer überzeugt durch seine schwungvolle Silhouette. Hersteller: COR

Dass sich dann nach 1945 das Regiment der reinen Form – die nun als die «gute» galt – so rigoros durchsetzte, war eine nahezu zwangsläufige Gegenreaktion. In Deutschland wirkten abstrakte Kunst und moderne Möbel als kulturelle Katharsis. Wenn auch schwere Stilmöbel im «Gelsenkirchener Barock» in Adenauers restaurierter Republik manch gute Stuben verstellte, reichte die Vorliebe für modernes Mobiliar doch bis in kleinbürgerliche Schichten. Wenn auch Amerika und die USA nun scheinbar den Stil angaben, lag das Labor für die nächste Wohnrevolution doch wieder in der Bundesrepublik. Es war die Hochschule für Gestaltung in Ulm, deren erster Direktor, der Schweizer Max Bill, selbst am Bauhaus studiert hatte und die neue Universität als dessen Fortsetzung sah. Aus Zürich brachte er noch einen Kollegen mit: Hans Gugelot, ein polyglottes Multitalent, das nun erster Professor für Produktgestaltung wurde und nebenbei mit dem sachlichen Stil der Elektrofirma Braun noch eine Revolution lancierte. Gugelot war auch Schöpfer des Montageschrankes «M 125», eines analytischen Möbelstücks, dessen Raster zur Urform aller späteren Schrankwände wurde. Ulm war ursprünglich eine Einrichtung der «re-education» der von der Diktatur verblendeten Deutschen. Die Besinnung auf von allem Pathos gereinigte «gute

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1983 «Consumer’s Rest»: Der Name ist Programm. Frank Schreiner, Stiletto, lässt aus einem Einkaufswagen ein Sitzmöbel werden. Reedition: Gebrüder Siegel, Leipheim

1991 «Stitz»: Hans Roericht hat für Wilkhahn diesen Stehsitz entworfen, der ergonomisches Sitzen ermöglicht.

Formen» erschien da als adäquate Therapie. Ulm war ein Zentrum der bundesdeutschen Neomoderne. Stuttgart, unter anderem Standort der Firmen Bofinger und Wilde & Spieht, ein anderes. Dort wirkte auch der Ex-Bauhäusler Herbert Hirche, der Anbau- und Phonokommoden wie Ziegelquader aneinandersetzte. Der in Saarbrücken und später ebenfalls in Ulm tätige Peter Raacke – später Erfinder des Pappmöbels – übertrug den systematischen Ansatz als einer der ersten zurück ins Büro. Sein aus Tischen und Schränken kombiniertes «ZeitgewinnSystem» enthielt bereits das Grundmuster kommender Modulmöbel. Ähnlich wie Bilder an der Wand bis dahin ihren festen Platz gehabt hatten, waren auch die Möbel «unverrückbar» gewesen. Nun löste sich diese Ordnung auf. In den noch wilderen Sechzigerjahren kamen Stile aus dem «Underground». Und der lag manchmal auch auf dem flachen Lande, zum Beispiel im südniedersächsischen Lemförde. Dort eröffnete nicht nur eine Chemiefabrik, sondern auch das erste «Design-Center». Dafür entwarf der junge Architekt Peter Ghyczy die erste komplette industriell gefertigte Möbelkollektion aus Polyurethan. Dass sich der Freiheitsdrang auch in den neuen Kunststoffen manifestierte, liess den Chemiestandort Köln und die dortige Möbelmesse in den Mittelpunkt des Wohndesigns rücken. Dass solche Tendenzen auch unter die Leute kamen, dafür sorgten inzwischen verschiedene Wohn-Zeitschriften. Sie waren die wahre Designschule der Nachkriegsdeutschen.

1996 «Backenzahn»: Philipp Mainzer lässt aus vier gleichen, sich nach unten verjüngenden Beinen für e15 einen Hocker entstehen.

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Die letzte Wohnrebellion der Achtzigerjahre hatte zwei Stossrichtungen. Sie zielte sowohl auf die Ulmer Prinzipienreiterei der Väter als auch auf Uropas Hirsch, der immer noch hie und da über dem Sofa röhrte. Deshalb trieb die Postmoderne in Deutschland, die sich auch noch mit dem Postpunk verbündete, besonders krasse Blüten. Die wurden letzt-

Fotos: zVg

Die Deutschen und ihre Wohnungen

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Design-Geschichte

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1997 «S 20»: Herbert H. Schultes hat mit «S 20» für bulthaup eine Küche mit Werkbankcharakter entworfen.

2002 «Diana»: Die Metalltischserie von Konstantin Grcic für ClassiCon ist für viele Interpretationen und Nutzungen offen – Couchtisch, Stehpult, Hocker, Handbibliothek, Zeitungsablage, TV- oder Notebook-Ständer.

2008

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«screen»: Das Regal besteht aus 30 Grad Kreissegmenten und sorgt so für geschwungene Linien im Raum. «screen» ist mit Edelstahlseilen verspannt. Hersteller: Performa

lich nicht als wohn-, aber durchaus als museumstauglich empfunden. Kein anderes Volk gibt mehr Geld für eine schöne Wohnung aus. Kein vergleichbares Land erlebte eine derart dichte Abfolge von Umbrüchen und Einschnitten, die auch zu geistigen Neuanfängen zwangen. Vielleicht liegt in der historischen Achterbahnfahrt ein Grund für das innige Verhältnis der Deutschen zu ihren vier Wänden. In der chipgesteuerten Revolution der Gegenwart kommen alte Designtugenden Mobilität, Flexibilität und Leichtigkeit jenseits aller Kulturkämpfe mehr denn je zum Tragen, wie etwa bei der erstaunlichen Renaissance des Verwandlungssofas. Längst hat eine Garde junger Möbelfirmen die neuen Materialien entdeckt oder verwendet alte neu, wie etwa bei den Linoleum-Möbeln von Performa. Selbst einstige Tabuthemen wie der deutsche Eichenschrank erlebten schliesslich ihre zeitgemässe Metamorphose. Da ist das endgültige Ableben des «Gelsenkirchener Barocks» nur mehr eine Randnotiz. ——

BERND POLSTER ist deutscher Publizist im Bereich Kunst, Design und Kultur. Ab 2001 war er mehrere Jahre lang verantwortlich für die «Designseite» der «Financial Times Deutschland», für die er Rubriken entwickelte wie Streitobjekte, eine Gegenüberstellung gegensätzlicher Designlösungen. Die von ihm – zusammen mit Mandy Howard und dem Grafiker Olaf Meyer – entwickelte Reihe «Designlexika», in der in fünf Bänden jeweils die Designkultur eines Landes vorgestellt wird (Deutschland, Grossbritannien, Italien, Skandinavien und USA), ist in vier Sprachen übersetzt worden. 2009 erschien die chinesische Ausgabe. Die Bände «Bauhaus Design» und «Autodesign international» gelten als Standardwerke. In «Kann man darauf auch sitzen?», einer satirischen Designgeschichte, attackiert er die Gewissheiten der Branche. www.berndpolster.de

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Ungewöhnlich selbstverständlich Design ohne Funktion ist für TILL GROSCH unmöglich. Der Industriedesigner verrät uns, wieso. Interview: Silvia Steidinger

W Wie bunte Bausteine eines Kinderbaukastens lassen sich die flexiblen Elemente des modularen Bürosystems «docks» zusammenstellen. Dabei zeichnen das Produkt ein hohes Mass an Funktionalität und ein ausgeprägter Sinn für zeitgemässe Bedürfnisse aus. Neben Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität weiss «docks» in puncto Ästhetik aber ebenso zu überzeugen, was das Möbelsystem zu einem gelungenen Wurf in der Welt des Designs macht. Doch was braucht es, bis ein Produkt ein Maximum an Kriterien erfüllt und als Serienmodell realisiert wird? Wie wird aus einem Bedürfnis heraus erst ein Entwurf, dann ein Prototyp und schliesslich ein kaufbares Möbel kreiert? Oder existieren erst die clevere Idee und deren Entwicklung, bevor diese eine Nachfrage wecken? Der Industriedesigner Till Grosch kennt verschiedene Vorund Herangehensweisen, um Projekte umzusetzen. Für die Realisation des Büromöbelsystems «docks» konnten er und Co-Designer Björn Meier den Hersteller Ophelis begeistern. Herr Grosch, als Projektleiter bei Studio Aisslinger waren Sie für die Gestaltung des Berliner Trendhotels Michelbergerhotel verantwortlich. Was sind die Herausforderungen bei so einem Projekt? TILL GROSCH: Man braucht ein gewisses Durchhaltevermögen und darf sich nicht vom eigenen Kurs abbringen lassen. Viele Menschen haben ein schlech-

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Fotos: Ophelis (1), Michelbergerhotel © James Pfaff (2), Studio Aisslinger © Steffen Jänicke (1)

Laufbahn eines Designobjektes: Das modulare Büromöbelsystem «docks» von Ophelis wurde vom Experiment zum Serienprodukt.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Till Grosch

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Das besondere Etwas: Im Michelbergerhotel sorgen Hochetagen für neue Wohnlichkeit im Hotelzimmer.

Michelbergerhotel zeigt: Auch im öffentlichen Raum ist Individualität möglich.

tes räumliches Vorstellungsvermögen und können sich einen Raum erst dann vorstellen, wenn sie sich darin aufhalten und bewegen. Möchte man also Neuland betreten und ungewöhnliche Wege einschlagen, ist sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Das kostet Energie. Was ist anders als beim Einrichten einer Privatwohnung? TG: Im Wesentlichen ist es der besondere Umstand, dass sich viele verschiedene Gäste innerhalb von kurzer Zeit in ein und demselben Bett und Raum wohlfühlen sollen. Man bewegt sich im Spannungsfeld von vertrauter Privatheit und dem Besonderen – dem aufregend Neuen. Die Dinge müssen selbstverständlich wirken und gleichzeitig aber ungewöhnlich sein. Ungewöhnlich selbstverständlich, sozusagen. Darüber hinaus gibt es natürlich besondere Anforderungen an das Mobiliar und die Einrichtung. Die Nutzung eines Hotelzimmers ist um ein Vielfaches intensiver als die in der Privatwohnung. Behutsamkeit kann man auch nicht von jedem Hotelgast erwarten, so dass die Einrichtung sehr viel aushalten muss.

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Lichtobjekt: Für Bombay Sapphire entwickelten Till Grosch und Studio Aisslinger die Installation «Lightwave».

Die Einrichtung des Hotels ist sehr individuell und weckt die Vermutung, dass gewisse Elemente eigens für das Hotel gestaltet wurden. Wie überzeugt man den Auftraggeber, dass es keine bestehenden Produkte sein dürfen, sondern neu entwickelte? TG: Unser Konzept für das Michelbergerhotel sah vor, es so wirken zu lassen, als stünde es schon immer dort. Die Verwendung von gebrauchtem Mobiliar, das unverkennbar seine eigene Geschichte mitbringt, war wichtiger Bestandteil davon. Die Verwendung von ausschliesslich modernen Möbeln hätte sich mit diesem Gestaltungsansatz nicht vertragen. Ausserdem wollten wir dem eigenwilligen Charakter des Ortes gerecht werden und dem Gebäude nicht einfach ein x-beliebiges Hotelkonzept überstülpen. Man sollte herkommen, um zu bleiben. Dieses Gefühl wollten wir auch mit architektonischen Elementen, wie etwa den Hochetagen, die wir in den meisten Zimmern einfügten, bewirken. Wir haben uns intensiv mit dem Gebäude auseinandergesetzt, es uns zu eigen gemacht und dabei einbezogen, was vorhanden war. Wir hatten aber auch grosses Glück, dass der Auf-

traggeber die Begeisterung für diesen neuartigen Typus Hotel mit uns teilte. Ebenfalls für Studio Aisslinger waren Sie für den Messeauftritt von Marc O’Polo an der Messe Pitti Uomo in Florenz zuständig. Was ist das Besondere an so einem Auftrag? TG: Der Vorteil bei diesem Projekt war, dass die Messe bereits an einem besonderen Ort lokalisiert war: der Fortezza da Basso, einer Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert. Allerdings hatten wir in diesem Ambiente die Sommerkollektion eines damals schwedischen Modelabels zu präsentieren. Die Herausforderung bestand also darin, den schwedischen Sommer in ein Umfeld einer mittelalterlichen, italienischen Kulisse zu zaubern. Unter diesen Umständen entschieden wir uns dazu, das historische Gemäuer im zentralen Ausstellungsraum weitgehend auszublenden, um dort die begehbare Inszenierung eines schwedischen Sommertages installieren zu können. War bei der Ideenfindung und Umsetzung der Faktor «temporär» positiv, oder stört die Kurzlebigkeit eines solchen Projektes?

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Sie haben gemeinsam mit Björn Meier Ihr aktuellstes Produkt, das modulare Büromöbelsystem «docks» entworfen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? TG: Björn und ich sind alte Freunde. Er ist Produktdesigner, so wie ich. Es war also eine Frage der Zeit, bis wir etwas gemeinsam erarbeiten würden. Diese Kooperation war sehr spannend, und ich kann mir gut vorstellen, weitere Projekte mit ihm oder auch anderen Designern anzugehen. Tendenziell verfolge ich momentan aber eher eigene Projekte. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Hersteller Ophelis? TG: Ophelis veranstaltete einen Workshop, an dem Björn Meier und ich gemeinsam teilnahmen. Daraufhin hat man uns eine Zusammenarbeit angeboten, bei der zu Beginn noch nicht ersichtlich war, was für einen Ausgang dieses gemeinsame Wirken haben würde. Ophelis rechnete zwar damit, dass sie an der Büromöbelmesse Orgatec ein von uns entworfenes Möbel präsentieren können, jedoch nicht, dass wir eine so umfängliche Kollektion entwickeln würden. Wir haben aber die Möglichkeit genutzt und sind das Thema «richtig» angegangen. Wie muss man sich eine solche Kooperation von Designer und Hersteller grundsätzlich vorstellen? Wie gestalten sich die Abläufe? TG: Im Prinzip ist der gesamte Prozess ein Dialog zwischen dem Entwerfer und dem Produzenten. Für jedes Projekt gelten eigene Anforderungen, die sich aus verschiedenen Faktoren zusammensetzen. Dazu gehören sowohl technische

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Auflagen und Richtlinien als auch Material- und Gestaltungsvorgaben. In der Regel müssen auch die spezifischen Produktionsbedingungen und -möglichkeiten des Kunden einbezogen werden. Darüber hinaus hängt viel von der Menge der Auflage ab und davon, in welchem Segment man sich mit einem Produkt bewegt. Im Premiumbereich hat man tendenziell mehr Spielraum. Meiner Erfahrung nach lässt sich das jedoch nicht pauschalisieren. Entweder die Parameter sind am Anfang eines Projektes definiert, oder man steckt sie im Laufe des Prozesses gemeinsam mit dem Kunden ab. Üblicherweise folgt dann während der Entwicklung ein Tauziehen zwischen Kostenstelle und Gestalter. Oft wird sehr schnell die Goldwaage

«Funktionalität ist untrennbar mit einem Objekt verbunden.» gezückt und ein ständiges Abwägen von Kosten und Nutzen beginnt. Das kann anstrengend sein, ist jedoch meist ein spannender Prozess. Wie wichtig ist Ihnen als Designer die Funktionalität eines Objektes? TG: Funktionalität ist für mich untrennbar mit einem Objekt verbunden. Es lässt sich jedoch darüber streiten, welche Funktionen ein Gegenstand zu erfüllen hat. Meiner Meinung nach geht es dabei in den seltensten Fällen ausschliesslich um Effektivität, Effizienz und Handhabbarkeit. Unser Büromöbelsystem «docks» ist dafür kein schlechtes Beispiel: Die Gebrauchstauglichkeit hat beim Entwurf natürlich eine wichtige Rolle gespielt. Dennoch konnten wir den Hersteller davon überzeugen, das System auf einer Bank als Basiskonstruktion aufzubauen. Man verliert zwar wertvollen Stauraum im Fussbereich, und die Statik des Möbels wurde zu einer gewissen Herausforderung. Auf der anderen Seite haben wir dem System so zu seiner Leichtigkeit verholfen wobei die aufgesetzten Module zu schweben scheinen.

Gibt es in Ihren Augen gutes Design ohne Funktion? TG: Nein. Was soll daran gut sein? Allerdings kann etwas auch eine Funktion erfüllen, indem es einfach nur schön ist. Und was ist gutes Design, wenn nicht nur ein gelungener Strich? Oder anders gefragt: Wie definieren Sie Design? TG: Ohne eine umfassende Definition abliefern zu wollen, kann ich Folgendes sagen: Gestaltung ist für mich eine Sprache – keine universelle, sondern eine durch Kultur geprägte Sprache. Es stellt sich daher immer die Frage, in welchem Zusammenhang ein Produkt gesehen wird. Aus meiner Sicht kann es eine hervorragende Gestaltungsleistung sein, ein Objekt in einen bestimmten Kontext zu stellen. Losgelöst aus diesem Zusammenhang, mag es vollkommen wertlos erscheinen. Am meisten freue ich mich über Entwürfe, die ich zu verstehen glaube und die ich als «Konzentration auf etwas Wesentliches» empfinde. Das vermeintliche Erkennen klarer Aussagen und Entscheidungen schafft eine Verbindung, die mich berührt. Fördert das Design die Wirtschaft, oder fördert die Wirtschaft das Design? TG: Der Begriff Design wird heute völlig inflationär verwendet, und oft wird nicht deutlich, was damit gemeint ist. Von meinem Standpunkt als Industriedesigner aus dient Design jedenfalls nicht dem reinen Selbstzweck. In der Regel ist die Gestaltung industriell gefertigter Gebrauchsgüter ein komplexer Vorgang, bei dem wir als Produktdesigner eng mit dem Entwicklungsteam eines Herstellers zusammenarbeiten. Als freies Studio, mit neutralem Blick von aussen, können wir Produkte neu und anders denken. Da jedes Produkt auf die eine oder andere Weise gestaltet wird, bedingen und fördern sich Wirtschaft und Design also gegenseitig. ——

Studio Grosch Paul-Lincke-Ufer 44a Hof 2, Aufgang B, 10999 Berlin T 0049 (0) 30 2000 5588 hello@studiogrosch.net www.studiogrosch.net

Fotos: Studio Aisslinger © Steffen Jänicke (1), Jan Kopetzki (1), Ophelis (3)

TG: Sie stört keineswegs. Wir haben keinen Hehl aus der Kurzlebigkeit der Inszenierung gemacht, und es war ausserordentlich spannend, szenisch arbeiten zu können. Dabei geht es weniger um den Entwurf eines Raumes, als um die Gestaltung eines Erlebnisses. Die Geschichte muss bereits bei der ersten Begehung funktionieren. Bei solchen Messen hat man allerdings nie viel Vorlaufzeit. Ob das Ganze exakt so funktioniert, wie geplant, kann man meist erst im letzten Moment überprüfen – hier war es am Abend vor der Öffnung der Messe. Sich dann in der eigenen Inszenierung wiederzufinden, ist beinahe unwirklich. Aber schön.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Till Grosch

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Erlebniswelt: Der für Marc O’Polo kreierte Messestand inszenierte den schwedischen Frühling.

Im Detail liegt die Kunst: Dank des durchdachten Konzepts, können bei Bedarf Elemente, wie etwa Leuchten und Beistelltische, einfach «angedockt» werden.

TILL GROSCH: Till Grosch studierte an der Berliner Universität der Künste Industriedesign. Als Designer und Art Director war er anschliessend einige Jahre bei Studio Aisslinger tätig, bevor er 2010 in Berlin Kreuzberg sein eigenes Büro gründete. Hier teilt er Räumlichkeiten und – im Falle von «docks» – Projekte mit dem Designer Björn Meier.

Rückzug und Kommunikation: Die Vielfältigkeit der Module widerspiegelt unterschiedlichen Anforderungen.

Wandelbare Arbeitswelt: Das Design deckt mit seiner Flexibilität die Bedürfnisse einer zeitgemässen Arbeitskultur.

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Nicht nur Komplettanbieter bevorzugen oft Standkonzepte, in denen ihre Produkte in sorgfältig arrangierten Wohnsituationen präsentiert werden. Besonders an den Publikumstagen erweist sich das als sehr wirkungsvoll.

Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung Koelnmesse GmbH.

Aus Kölner Sicht K Kreativität lässt sich nicht gut planen. Das Einzige, was man tun kann, ist, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass Freiräume für Neues und für Interpretationen des Vorangegangenen entstehen. In diesem Spannungsbogen bewegt sich kreativer Ausdruck – in der Setzung origineller Zeichen und in der Referenz auf den Status quo. Und so erklärt sich auch die nicht zu übersehende Welle an Redesigns und Pastiches aus der Rückbesinnung auf klassische Vorbilder und Benchmarks der Designgeschichte. Futuristische, provokativ neue oder gar exaltierte Formensuche wurde auf der imm cologne 2013 weitgehend zugunsten einer reflektierten Auseinandersetzung mit den Lösungen alter Meister aufgegeben – mit überzeugenden Ergebnissen

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und innovativen Produktlösungen. Im Unterschied zur Kunst sucht Design aber noch etwas anderes: die Herausforderung, sich in der Realität zu behaupten. Die Schwierigkeit besteht darin, nicht nur zahlreiche technische Parameter, sondern auch ökonomische, ökologische und sogar soziale Interessen zu berücksichtigen und dabei trotzdem eine eigenständige Form zu finden. Tatsächlich bewegen sich Design und Designmarkt immer irgendwo zwischen Banalität und Kunst, zwischen Industrie und Handwerk, zwischen ökonomischer Rationalisierung und individueller Expressivität. Mit Blick auf die Metaebene steht eine Messe wie die imm cologne vor ähnlichen Problemen, wenn sie den Spagat zwischen Marktanforderungen und dem von Öffentlichkeit und kreativer Szene eingeforderten Designanspruch bewältigen will. Dabei Kontur zu bewahren, ist fast unmöglich. Gleichwohl

scheint ihr dies zunehmend zu gelingen, wie das Ergebnis der imm cologne 2013, die erfüllten Ausstellererwartungen und die vielen Präsentationen einflussreicher Unternehmen der internationalen Designszene zeigten. Der Spagat scheint zu glücken: In Köln findet nicht nur das Geschäft, sondern auch das Design statt. Der Weg dorthin war nicht nur von der guten Marktentwicklung der Wirtschaftsregion Deutschland begünstigt, sondern auch von strukturellen Weichenstellungen seitens der Messe. Der Masterplan der imm cologne sah eine Profilierung der Designkompetenz durch Schaffung neuer Formate für spezifische Ausstellerinteressen, durch neue Rahmenprogramme und ein neues Leuchtturm-Event vor. Durch das «demokratische» Einstiegsformat Pure Village erhielt das Designsegment einen Kontext und eine Sortimentserweiterung. Als Nachfolgeformat für die «ideal houses» wurde

Fotos: Guido Schiefer, imm cologne

Eine Standortbestimmung zur IMM COLOGNE von Gerald Böse.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — imm cologne

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Dem gewohnt starken Andrang der Fachbesucher begegnen vor allem namhafte Hersteller mit grosszügig und aufwendig gestalteten Messeständen. Hier ist es noch früh am Morgen; später werden viele Fachgespräche gleichzeitig geführt.

Die imm cologne ist ein wichtiger Treffpunkt der Möbel- und Designbranche in Deutschland.

Das Haus 2014, die dänische Designerin Louise Campbell mit ihrem Modell.

Pure Village ist ein innovativer Sortiments-Mix aus dem gesamten Spektrum des Interior Designs.

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das anwendungs- und besucherorientierte Event «Das Haus» konzipiert, während die Puristen und Avantgardisten unter den Designmarken mit Pure Editions eine zusätzliche Bühne für den von ihnen vorangetriebenen Design-Diskurs erhielten. All diese Massnahmen führten zu einer sukzessiven Erweiterung des PureSegments mit dem Ziel, innerhalb der imm cologne einen inhaltlich wie räumlich wiedererkennbaren Riegel aus Designformaten zu bilden. Letztlich wird sich nicht belegen lassen, welchen Anteil welcher Faktor an der Entwicklung der imm cologne hat. Bei aller Kunst aber ist und bleibt Tatsache, dass Design kein unabhängig vom Markt existenzfähiges System ist. Die Zukunft wird zeigen, wie sehr die Designwelt zu einem Teil des mit virtuellen Werten jonglierenden Finanzmarkts wird. Doch noch, man könnte sagen, zum Glück, misst sich das Design daran, wie es sich in

der Realität behauptet, indem es dem Nutzer zum Gefallen und zu Diensten ist. Eine heikle, sich ständig verändernde Mischung also, der sich eine Messe anpassen muss. Veränderung ist demnach Programm: nicht nur bei den Designprodukten, sondern auch bei den Plattformen für Design. ——

Koelnmesse GmbH Messeplatz 1 50679 Köln Telefon 0049 (0) 221 821 3998 Fax 0049 (0) 221 821 3999 kms@koelnmesse.de www.imm-cologne.de

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imm cologne 2009: «Architonic Concept Space II», entworfen von Gramazio & Kohler Architekten, produziert von einem Forschungs-Roboter der Architekturabteilung an der ETH Zürich.

Die Multiplikatoren

A Alles begann mit einem kleinen Skandal. Der Launch der Architonic-Website im Jahr 2003 während einer der führenden Messen des Möbelhandels ging Hand in Hand mit der Publikation des ersten von Architonic kuratierten Messeguides. Die Tatsache, dass – gleich wie auf der Website – in dem Faltplan nur die von den Machern als für Architekten relevant befundenen Hersteller präsentiert wurden, sorgte bei den nicht aufgeführten Ausstellern für Empörung. Die alarmierte Messeleitung untersagte dem Team von Architonic die weitere Verbreitung des

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Guides. Doch die ausgewählten Hersteller waren begeistert von den selektiven Hallenplänen und begannen kurzerhand, sie an ihren Ständen selbst zu verteilen. «Heute kommen internationale Messen von sich aus auf uns zu, um unsere Guides für ihre Veranstaltungen zu gewinnen», erzählt Mitbegründer Nils Becker. Denn diese sind bei den so wichtigen Opinion Leaders wie Architekten, Innenarchitekten und Fachjournalisten äusserst beliebt. Zur Community von Architonic gehören ausserdem Fachplaner, Händler, Designer und die Hersteller selbst. Es ist kein Zufall, dass Architonic seinen ersten Auftritt auf einer Fachmesse inszenierte, denn die Grundidee lässt sich als virtuelle Zusammenfassung aller Fach-

messen umschreiben, eine Internetplattform, auf der Architekten vom Möbel bis zur Fassade schnell und übersichtlich alle wichtigen Informationen finden. «Vor zehn Jahren waren die Websites der Hersteller noch sehr rudimentär», erinnert sich Mitinhaber Tobias Lutz. «Als Architekt musste man sich durch unzählige Kataloge kämpfen, um an die nötigen Infos zu kommen. Mit Architonic begannen wir zusammenzufassen, was zusammengehört, und die Produktinformationen in den richtigen Kontext zu stellen.» Von Anfang an wurde die Auswahl der Hersteller und Produkte streng kuratiert. «Wir gehen bis heute ganz klar von der Perspektive des anspruchsvollen Architekten aus», so der Gründer weiter. «Zu

Fotos: Marion Nitsch (1), Gerry Amstutz (2), Architonic (1)

Die Entwicklung der Zürcher Firma ARCHITONIC ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Auf die digitale Datenbank für architekturrelevante Produkte und Lösungen greifen inzwischen jährlich 70 Millionen Nutzer über ein weltweites Netzwerk aus eigenen Websites, Partnerportalen, Social-Media- und Mobile Apps zu.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Architonic

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imm cologne 2010: «Architonic Concept Space IV», entworfen und hergestellt von Oskar Zieta Prozessdesign.

Stockholm Furniture Fair 2012: «Architonic Concept Space III», entworfen und hergestellt von Beat Karrer, aus 100% rezyklierbarem Biopolymer der FluidSolids AG. Die Ideengeber: Nils Becker (links) und Tobias Lutz sind die Inhaber und Mitbegründer von Architonic. Beginn war das intuitiv, heute wissen wir, dass dies den Erfolg unseres Unternehmens ausmacht.» Architonic ist zum unerlässlichen Werkzeug für Planer, Produzenten und Fachhändler im Premiumsegment geworden. 150 000 Produkte sind derzeit online, jedes einzelne gleich aufbereitet und übersichtlich dargestellt. Die so strukturierten Daten sind längst nicht mehr nur auf www.architonic.com präsent – über 400 Händler weltweit nutzen lizenzierte Datenbanken. Auch über Partnerportale wie den in den USA und Asien starken Designboom-Blog, soziale Netzwerke mit fast einer halben Million Fans und Followern oder über diverse Apps werden die Daten verfügbar gemacht.

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Angefangen hat Architonic als Küchentischidee. Das Gründungsteam besteht neben den ETH-Architekten Nils Becker und Tobias Lutz aus den Software-Ingenieuren Dieter Schumann und Thomas Navello, unter deren Leitung das komplexe Netzwerk ständig weiterentwickelt wird. Das Unternehmen beschäftigt heute über 80 Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Ländern. Jeder Kunde von Architonic hat seinen eigenen Berater, der seine Sprache spricht. «Wir wollen keine unfassbare Internetfirma sein», erklärt Becker. «Der direkte Kontakt mit unseren Kunden ist uns sehr wichtig. Deshalb pflegen wir bis heute eine starke Messepräsenz.» Was 2003 mit einer exemplarischen Auswahl von 500 Möbeln und

Leuchten startete, umfasst heute den ganzen Architektur-Bereich. Wer mit seinen Produkten bei Architonic vertreten sein will, zahlt und wählt die Informationskanäle, die zu seiner Kommunikationsstrategie passen. Für den Nutzer sind alle Services gratis. MB

Architonic AG Müllerstrasse 71 CH-8004 Zürich Telefon 0041 (0) 44 297 20 20 Fax 0041 (0) 44 297 20 21 www.architonic.com

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Gute Mischung: Das in Berlin ansässige Duo ergänzt sich hervorragend.

Inspirierend: Alltägliche Apfelsinenkisten lieferten die Idee für den formschönen und leichten «Satsuma».

Authentizität Ideen drängen sich LÄUFER+KEICHEL buchstäblich auf. Weil sie die Welt mit offenen Augen betrachten.

L Läufer + Keichel ist ein Industrial Design Studio mit verschiedensten Kompetenzen. Julia Läufer bringt Erfahrungen aus der Mode- und Filmwelt mit, während Marcus Keichel Faktoren wie Funktionalität und Wirtschaftlichkeit einbringt. Erworben haben sie diese Kenntnisse unter anderem während ihrer Tätigkeiten bei Christian Dior und Stanley Kubrick und als Gastprofessor an der Universität der Künste in Berlin und der Hochschule Hannover. Die Früchte dieser Arbeit findet man nun in Produkten internationaler Hersteller wie etwa Avarte, Martela, La Palma, Thonet, Schneiderschram und Wilkhahn.

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Für den Holzstuhl «Satsuma» von Schneiderschram sind alte Apfelsinenkisten als Inspirationsquelle Pate gestanden. Was für einen Stellenwert hat Nachhaltigkeit und Wiederverwertung in Ihrer Arbeit? LÄUFER+KEICHEL: «Satsuma» ist in zweifacher Weise von der Apfelsinenkiste inspiriert. Zum einen von ihrer konstruktiven Intelligenz: Die vier Eckholme mit dem dreieckigen Querschnitt haben das halbe Gewicht von Vierkantholmen, leisten aber statisch dasselbe. Da haben wir uns gefragt, warum es keine Holzstuhlbeine mit dreieckigem Querschnitt gibt? Die andere Inspirationsebene speist sich aus der Haltung, die wir mit Apfelsinenkisten-Regalen verbinden. Diese Readymade-Möbel waren in den späten Sechziger- und Siebzigerjahren verbreitet und Ausdruck einer

nachhaltigen Lebenseinstellung. Nach dem Motto: Das Kistenregal reicht aus, und alles andere ist Verschwendung. Hier stellen sich also zwei wesentliche Fragen, die mit Sustainable Design zu tun haben: Was brauchen wir? Wie können wir es optimieren? Diese Fragen interessieren uns, und manchmal, wie im Fall des «Satsuma», gelingt ein Statement in Form eines Produkts. Wie sucht und findet man als Designer einen Hersteller, der den Entwurf ins Programm nimmt? Und gibt es umgekehrt auch Hersteller, die sich gezielt Designer suchen? L+K: Grundsätzlich gibt es beide Varianten. Am Anfang haben wir uns und unsere Arbeiten bei Herstellern vorgestellt, die wir interessant fanden. Manche haben wir öfter besucht, sodass allmählich ein

Fotos: Läufer + Keichel

Interview: Silvia Steidinger

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Läufer+Keichel

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Schlicht und schön: Das für Thonet entwickelte Stuhl- und Tischprogramm «330» besticht durch zeitlose Eleganz.

Handarbeit: Julia Läufer bei der Entwicklung des mehrschichtigen Polsterstuhls «Layer» für Offecct.

Vertrauensverhältnis entstanden ist. Später dann kamen auch Anrufe oder E-Mails mit konkreten Anfragen. Der «Satsuma» war ein Initiativprojekt, das wir in einer Berliner Galerie ausgestellt hatten. Der Hersteller hat den Prototyp gesehen und Interesse bekundet, den Entwurf zu realisieren.

Spielt Handwerk eine Rolle für Ihre Arbeit? L+K: Wir denken vorwiegend in den Kategorien des Industrial Designs. Die Frage ist immer, wie können wir einen Entwurf mithilfe industrieller Verfahren in ein marktfähiges Serienprodukt überführen. Mit den Händen arbeiten, sei es in Form von Modellbau oder Zeichnung, gehört dagegen zur täglichen Praxis, und insofern haben handwerkliche Fertigkeiten im Entwurfsprozess durchaus eine Bedeutung. Ausserdem stellt Handwerk als Haltung, also als Bedürfnis, eine Sache um ihrer selbst willen gut zu machen, einen zentralen Wert für uns dar.

In welchem Mass trägt der Designer das Risiko des (Miss-)Erfolgs mit? L+K: In einem hohen Mass. Wenn ein Produkt keinen Erfolg hat, sind die Lizenzeinnahmen gering oder im Extremfall gar nicht vorhanden. Das ist noch verkraftbar, wenn der Misserfolg tatsächlich etwas mit der Designleistung zu tun hat. Das muss aber nicht zwingend der Fall sein. Ein Produkt kann auch an Faktoren scheitern, die ausserhalb des Einflussbereichs der Designer liegen. Umgekehrt kann die Risikobeteiligung per Lizenzvergütung auch dazu führen, dass ein überdurchschnittlich erfolgreiches Produkt für den Designer sehr rentabel ist. Wir haben beide Varianten erlebt. Sie wurden mit internationalen Preisen wie dem iF Design Award, dem Red Dot Design Award und dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Wie wichtig sind solche Anerkennungen? L+K: Es ist schwer zu beurteilen, wie die Auszeichnungen nach aussen wirken. Wir freuen uns aber immer über einen Design Award, weil darin eine Form von Anerkennung zum Ausdruck kommt, die eher kultureller Natur ist und nicht unmittelbar an den wirtschaftlichen Erfolg eines Produkts gekoppelt ist.

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Kühl und schön: Das für den Hersteller Amana UK entwickelte Kühlschranksystem «Reflection».

Sehen Sie Unterschiede bei der Zusammenarbeit mit deutschen und mit internationalen Möbelherstellern? L+K: Da gibt es tatsächlich grosse Unterschiede – vor allem atmosphärische. Wir haben zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass in Finnland und Schweden sehr professionell gearbeitet wird und dass die Menschen, mit denen wir dort zu tun haben, dies mit Freude, Humor und bisweilen auch mit einer Portion Selbstironie tun. Das ist sehr angenehm. In Deutschland und Italien geht es da sachlicher zu.

Wo finden Sie Inspiration? L+K: Eigentlich müssen wir da gar nicht so sehr nachhelfen. Es ist eher so, dass sich Ideen oder Themen beinahe aufdrängen, wenn man die Welt mit wachen Augen betrachtet. Inspirierend ist es jedoch immer, wenn man etwas vom Menschen Erschaffenes sieht, das aus Hingabe und Leidenschaft, aber auch aus einer gewissen Haltung heraus entstanden ist. Man erhält das Gefühl, mit diesem Menschen, den man ja in der Regel nicht persönlich kennt, etwas zu teilen – den Wunsch nach Authentizität und Intensität zum Beispiel.

Gibt es etwas Besonderes am Möbelangebot in Deutschland, das sonst nicht zu finden ist? L+K: Wir Deutsche pflegen in erster Linie eine Ingenieurskultur. Technische Erfindungen, Präzision und Qualität, das sind unsere Stärken. Im Automobilbau sowieso, aber auch im Bereich der Möbel, vor allem der Büromöbel.

LÄUFER + KEICHEL Industrial Design Anklamer Strasse 10 10115 Berlin Telefon 0049 (0) 30 69 50 85 85 mail@laeuferkeichel.de www.laeuferkeichel.de

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Handmade with Passion Weil gute Qualität viel Sorgfalt braucht, fertigen die BIELEFELDER WERKSTÄTTEN jedes Stück ihrer erlesenen Polsterkollektion in klassischer Manufakturarbeit.

Familienbande: Ralph, Claus und Stephan Anstoetz leiten gemeinsam die Geschicke der JAB Anstoetz Group, zu der die Polstermarke BW Bielefelder Werkstätten gehört.

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Das geschulte Auge des Fachmanns kann die versteckten Qualitäten erkennen, aber für den normalen Betrachter bleiben viele der ausgezeichneten Qualitätsmerkmale verborgen. Sehen dagegen kann man die klassische Formensprache, die zeitlose Eleganz und die Stilsicherheit, die alle Modelle aus den Bielefelder Werkstätten, kurz BW, auszeichnet. Seit 1956 werden am Standort in Bielefeld Polstermöbel der Extraklasse gefertigt. Das Unternehmen versteht sich von jeher als eine Manufaktur im besten klassischen Sinne. «Denn die Genauigkeit, mit der hier gearbeitet werden muss, kann keine Maschine, das lässt sich nur mit der Hand machen», erzählt Betriebsleiter Meinolf Helmig mit grossem Stolz. Neben dem ausgeprägt stilsicheren Design zeichnet die Bielefelder Werkstätten vor allem auch die Vielfalt an exklusiven Stoffen und hochwertigen Ledern aus. Was eigentlich kein Wunder ist. Denn schliesslich ist BW Teil der JAB-AnstoetzGruppe, zu der Marken wie Chivasso, Soleil bleu par Wellmann und natürlich JAB Anstoetz gehören. Ein Textilimperium, das mit 1300 Mitarbeitern zu den Global Playern in der Einrichtungs- und Möbelbranche zählt. Diese Herkunft sieht und fühlt man den wunderschönen Polstermöbeln, Sesseln und Relaxern natürlich an. Sie werden ausschliesslich von hochqualifizierten Handwerkern nach überliefertem Wissen und mit viel Liebe zum Detail hergestellt. Bis «Hudson» oder «Bella Vista» ihre vielen Vorzüge zur Schau tragen können, sind eine Vielzahl von Arbeitsschritten nötig. Die Stoffexperten sorgen dafür, dass das Dessin gerecht passgenau zuge-

Fotos: Heiner Köpcke, Bielefelder Werkstätten

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Bielefelder Werkstätten

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Passend: Mit diesem Dreamteam wird die Zeit am Esstisch nie lang. Die schwungvollen Stühle «Saloni» und die elegante Polsterbank «Polo» versprechen Sitzkomfort vom Feinsten.

Anmutig: Ausladende Armlehnen und schlank geformte Holzbeine betonen die Leichtigkeit bei «Saloni». Das Polstermöbel ist die richtige Wahl für Wohn- oder Herrenzimmer.

schnitten, der Fadenverlauf perfekt abgestimmt und das auf Mass genähte Gewebe mit Hunderten von winzigen Nägeln präzise fixiert wird. In dieser alten Handwerkskunst entstehen faszinierende Produkte, die beim Kunden eine hohe Wertschätzung geniessen. Die leidenschaftliche Sorgfalt, mit der in Bielefeld gearbeitet wird, führt zu sinnlich erlebbaren Resultaten: fein modellierte Formen und wohl austarierte Proportionen, Präzision bis ins kleinste Detail. Geprägt ist der Stil, der zusammen mit renommierten Designern entwickelt wurde, stets von einer zeitlosen Ästhetik. Und auch wenn die kreativen Köpfe wie Andreas Weber, Bernd Münzebrock oder Edgar Reuter ganz unterschiedliche gestalterische Ansätze verfolgen – bei allen Entwürfen steht die aktuelle Interpretation tradierter Formen im Vordergrund. Da zu exquisit gestalteten Lebensbereichen nicht nur hochwertige Polstermöbel gehören, bieten die Bielefelder Werkstätten mittlerweile ausgefeilte Einrichtungskonzepte mit passend zu den BW-Sofas und Sesseln gestalteten Tischen, Leuchten und Essgruppen an. So entstehen differenzierte, harmonisch abgestimmte Wohnwelten, die langlebig und wertbeständig sind. EB BW Bielefelder Werkstätten Heinz Anstoetz Polstermöbelfabrik KG Potsdamer Strasse 180 33719 Bielefeld Telefon 0049 (0) 521 924 27 0 Fax 0049 (0) 521 924 27 80 bw-kontakt@jab.de www.bielefelder-werkstaetten.de

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Lässig: Von Designer Andreas Weber stammt der mittlerweile preisgekrönte Entwurf für Hochlehner «Kent». Der formschöne Sessel überzeugt mit edlen Details und einer bequemen Neigungsfunktion.

Modern: Die Sofagruppe «Inspiration» strahlt Grosszügigkeit, Komfort und Internationalität aus. Die abnehmbaren Bezüge sind ebenso praktisch wie das lässige Longchair-Element.

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Internationales Design aus Oberfranken BRÜHL in Bad Steben – preisgekrönte,

avantgardistische Sofas.

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Fotos: Christoph von Haussen, Brühl

Erfolgreich und fantasievoll: Kati Meyer-Brühl, Creative Director von Brühl, lebt in Berlin und Bad Steben.

Kati Meyer-Brühl: Dieser Namen steht für international anerkanntes Design. Seit sie damit begonnen hat, als Creative Director Polstermöbel für Brühl in Bad Steben zu gestalten, mehren sich die Preise, die Kati Meyer-Brühl für ihre Entwürfe erhält: Über vierzig Auszeichnungen, vom Designpreis der Bundesrepublik Deutschland bis hin zum Good Design Award und zum Green Good Design Award des Chicago Athenaeum, konnte die Designerin in ihrer relativ jungen Karriere entgegennehmen. Ihre Möbel sind nicht nur formal innovativ, sie ermöglichen auch neue Formen des Wohnens. Die zweite kreative Triebfeder des Unternehmens ist Roland Meyer-Brühl, der Vater von Kati Meyer-Brühl. Er hat selbst Sofaklassiker entworfen, die vorbildliche Beispiele modernen Designs

wurden, darüber hinaus ist er Geschäftsführer des 1948 gegründeten Unternehmens. Der Name Brühl verweist auf Sitzkonzepte, die in einer vielseitigen, lebendigen und verständlichen Designsprache gestaltet sind. Sie zeichnen sich unter anderem durch eine ungewöhnliche Nutzungsvielfalt oder auch besondere Entspannungsfunktionen aus. Hergestellt werden die mal poetischen, mal minimalistisch klaren Polstermöbel in taghellen, energieeffizienten Produktionsräumen in einer idyllischen Landschaft in Bad Steben. In dem ortsbekannten Unternehmen legt man nicht nur Wert auf ganzheitliche Arbeitsschritte, sondern auch auf maximale Umweltverträglichkeit. Bereits vor über zwanzig Jahren hat Brühl die Produktion auf Sofas mit abziehbaren Bezügen umgestellt. Alle anderen Fertigungsschritte und -materialien werden ebenfalls stets an neueste ökologische Entwicklungen angepasst. Wo immer möglich, kommen

Individualisten: Das mehrfach prämierte Sofa «blanche» mit den Sesseln «lemon», «morning dew» und «dive».

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Brühl

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Sitzkomfort für den Esstisch: Sessel «belami smooth» und der dazu passende Tisch «belami».

Ausgesprochen bequem: Geschäftsführer Roland Meyer-Brühl nimmt Platz auf dem Sofa «morning dew» von Kati Meyer-Brühl, im Hintergrund das preisgekrönte, nachhaltig gefertigte Sofa «mosspink».

Zulieferprodukte aus der Region zum Einsatz. Über das hochaktuelle Umweltthema hinaus will Brühl auch neue, zeitgemässe Antworten auf sich verändernde Lebensgewohnheiten finden. Kati Meyer-Brühl, eine vielseitig interessierte Persönlichkeit, hat dafür ein ausgeprägtes Gespür. Fundiert durch ein Studium am Central Saint Martins College in London sowie an der Parsons School in New York, ist ihre Arbeit nicht nur ausgesprochen international geprägt, sondern zeigt auch das klare Vermögen, jenseits traditioneller Grenzen fantasievoll und weltumspannend zu denken. Ihre lebensfrohen Entwürfe stellen unter Beweis, dass Polstermöbel auch heute noch neu erfunden werden können. KH

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Harmonische Proportionen: «chess» von Kati Meyer-Brühl lässt sich einfach gestalten und umstellen.

Moderner, preisgekrönter Klassiker: «roro» von Roland Meyer-Brühl, auf Wunsch mit Rollen, lässt sich in vielfältige Sitzund Relaxinseln verwandeln.

Brühl & Sippold GmbH Alter Bad Stebener Weg 1 95138 Bad Steben Telefon 0049 (0) 9288 955 0 Fax 0049 (0) 9288 955 99 info@bruehl.com www.bruehl.com

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Botschafter der Sofa-Poesie: Assistent der Geschäftsleitung Hannes Beuerle, Designerin Kati Quinger, Geschäftsleitung Jan Beier, Designer & Firmengründer Kurt Beier.

Zwei Disziplinen: Bullfrog beherrscht Stoff, hier Sessel «Chief», und Leder, hier Sofa «Camp».

BULLFROG aus dem

oberfränkischen Michelau schickt Polsterkomfort direkt aus Designerhand in aller Herren Länder. 26

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U Ursprünglich kommt der Gestalter und Firmengründer Kurt Beier aus der Welt des weissen Goldes: Bevor er Polstermöbel gestaltete, studierte er an der Porzellanhochschule in Selb. Einen Hauch davon spürt man auch heute noch in den Sofas und Sesseln von Bullfrog. Sie haben etwas Skulpturales, Poetisches, manchmal auch Spielerisches. Genau darum ging es Kurt Beier, als er 1997 das Unternehmen Bullfrog gründete. Nachdem er als Designleiter einer grossen oberfränkischen Polstermanufaktur gewirkt hatte, wünschte er sich ein eigenes Label. «Ich

Fotos: Christoph von Haussen, Bullfrog

Im Zeichen des Wassertiers

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Bullfrog

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Internationaler Stil: «Escape» von Bullfrog für WK Wohnen.

Bodenhaftung: «Cayman» für die jüngeren Generationen.

wollte einfach mal ganz frei im Design sein», erklärt der Kreative. Bullfrog hat sich prächtig entfaltet und wurde mittlerweile um mehrere Fertigungsstätten und einen luftigen Glasbau für den Service ergänzt. Alle Firmen sind eigenständig, alle stehen im Dienst einer modernen, emotionalen und international geschätzten Kollektion. Mehr als hundert Arbeiter umfasst der Firmenverbund mittlerweile in Europa. «Kruetn» ( Kröte), mit diesem Wort beschrieb Kurt Beier einem Kunden einst den Spitznamen der Michelauer. Der amerikanische Geschäftspartner übersetzte mit «Bullfrog», und der Name des wahrhaft ungewöhnlichen Unternehmens war unter Lachen geboren. Ungewöhnlich ist nicht nur, dass die Firma Bullfrog weit mehr als die Hälfte ihrer Polstermöbel bis nach Arabien, Indien und vielfach in die Schweiz verschickt. Schliesslich liegt die Exportquote der Branche bei nicht mal zwanzig Prozent. Auch die Art und Weise, wie Kurt Beier die junge Generation als Mitgesellschafter einbezieht, ist besonders. Schon seit ihrer Studienzeit bereichert die Designerin Kati Quinger das Unternehmen mit ihrem Blick fürs grosse Ganze. Forstwirtschaftler Jan Beier stiess in den 2000ern dazu und leitet inzwischen Designstudio und Service-Firma. Er weiss um die Kostbarkeit gewachsener Werte. Die raffiniertesten der Sofas im Zeichen des «Ochsenfrosches» – so die wörtliche Übersetzung von «Bullfrog» – werden direkt neben dem neuen Glasbau in Michelau gefertigt. Hier verarbeiten erfahrene Polsterer Lederhäute und Stoffe aus Deutschland und Italien, kleiden Loungesofas ein, positionieren Ziernähte,

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Südländische Anmutung: Mit Modell «Paloma» werden organische Formen zitiert. Französisch leicht: eicht: «Cloé» mit filigraigranem Untergestell. tell.

gsfunktionen und integrieren Entspannungsfunktionen h soften Sitzkomerschaffen einen herrlich ven Polsterkunst fort. Mit ihrer intuitiven haben sich die Schöpferr von Bullfrog bis in die Gremien der T Traditionsmarke d k WK Wohnen hinein einen Namen gemacht. Für die WK-Einrichtungshäuser gestalten sie Sofas, die dem Lebensgenuss einer weltgewandten Generation entsprechen. Weltoffenheit ist auch darüber hinaus das Credo von Bullfrog: Das Team bekennt sich aus ganzem Herzen zu Freundschaft, Partnerschaft und Toleranz. KH

Bullfrog Marketing und Design GmbH Landwehrstrasse 32 96247 Michelau/Ofr. Telefon 0049 (0) 9571 947 960 mail@bullfrog-design.de www.bullfrog-design.de

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Tolles Trio: Julia Greven leitet gemeinsam mit Jens Leyrer (links) und Frank Nowicki das Familienunternehmen.

Absolut akkurat: Die Ausstattung lässt keinen Wunsch offen. Mit so konsequent genutztem Stauraum bereitet Ordnung Freude.

Ordnung ohne Grenzen Raffinesse mit System, individuell angepasst und immer in Topqualität: Die Vielfalt beim Gleittüren-Experten CABINET lässt keinen Wunsch unerfüllt.

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Unverkennbar: Ob in Deutschland, BeNeLux, Österreich, der Schweiz oder in der Türkei, ein Cabinet Fachgeschäft fällt auf.

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Fotos: Heiner Köpcke, Cabinet

I Ihre Möbel sind ein Versprechen. Ein Versprechen an das Besondere. Seit über 30 Jahren fertigt Cabinet Wohnraumlösungen in Manufakturqualität nach Mass. «Und dabei sind die individuellen Wünsche und der Bedarf der Kunden unsere Richtschnur», bringt es Julia Greven, Tochter von Cabinet-Gründer Michael Greven, auf den Punkt. Zusammen mit Jens Leyrer und Frank Nowicki leitet sie das Unternehmen, das auf eine lange Tradition zurückblicken kann. «Schon 1838 hat sich unsere Familie väterlicherseits in Köln mit einer Holzhandlung selbstständig gemacht», berichtet Julia Greven. Die Liebe zum Handwerk liegt ihr also im Blut. Ihr Vater legte dann den Grundstein für Cabinet. Auf seinen Geschäftsreisen als Holzhändler durch Nordamerika entdeckte er eine für Deutschland ganz neue Art von Stauraumlösung. Die Gleittüren liefen dort an Schienen zwischen Boden und Decke. Michael Greven erkannte schnell, welche unglaubliche Gestaltungsvielfalt dieses System ermöglichte. Konnte man doch so jede kleine Nische in nützlichen Stauraum umwandeln. Heute – mehr als 30 Jahre später – hat Cabinet das Gleittürensystem so weiterentwickelt und perfektioniert, dass wirklich alles möglich ist. Ob als Einbauschrank im Wohnzimmer, als Stauraumwunder in der Küche, Raumteiler zwischen beidem oder als Ordnungshüter im Schlafzimmer – Cabinet vollbringt überall kleine und grosse Raumwunder. Egal für welchen Raum der Schrank gefertigt wird, stets wird exakt nach Kundenwunsch gearbeitet – und zwar auf den Millimeter. Dafür sorgt ein hochmotiviertes, erfahrenes Team in der hauseigenen Manufaktur in KerpenBuir. Die meisten Mitarbeiter und Fachhändler gehören schon seit vielen Jahren zum Cabinet-Team und sind somit absolute Spezialisten auf ihrem Gebiet. In der Produktion werden sowohl traditionelle als auch moderne Hightech-Verfahren eingesetzt, um bei den von Hand gefertigten Möbeln einen stets gleich hohen Qualitätsstandard zu garantieren.

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Eine anspruchsvolle Herausforderung! Denn mittlerweile ist das Cabinet-Angebot riesig. Angefangen bei den funktionalen Rahmen – acht Systeme stehen zur Wahl – können die Gleittüren mit den unterschiedlichsten Materialien bestückt werden. Je nach Gusto lassen sich Holz, Tapeten, Stoff, Dekore, Bambus, Furniere, Geflecht oder vieles mehr als Gleittüren-Oberfläche auswählen. Darüber hinaus fertigt Cabinet Glastüren in jeder Lieblingsfarbe oder bedruckt sie nach Wunsch mit einem kundeneigenen Motiv. Das sind unendlich viele brillante Möglichkeiten. Das Innensystem bietet von der Schublade mit Selbsteinzug über den Fachboden mit Glaskantenabschluss bis zum Kleiderlift und Schuhauszug mehr als das Herz begehrt.

Bei so viel Detailverliebtheit ist es nur konsequent, dass Cabinet immer wieder Vorreiter für neue Ideen ist. Der (vorläufige) Gipfel der technischen Raffinesse ist mit «CABImedia» erreicht. Per Knopfdruck wird dabei die Gleittür zum Fernseher oder World-Wide-Web-Zugang! Die Technik verschwindet im Schrank, die Lautsprecher im Seitenanschlag. Von diesem Unternehmen darf man sicher noch mit so manch anderer Pionierleistung rechnen. Versprochen! EB

Nützlich: Für exakte Holzverbindungen kommen unter anderem traditionelle Stecheisen zum Einsatz.

Individuell: Dank des innovativen «CABIprint®»-Verfahrens lassen sich Glas- und einige Dekoroberflächen nach Wunsch bedrucken.

CABINET Schranksysteme AG Zum Schlicksacker 13 50170 Kerpen-Buir Telefon 0049 (0) 2275 92 03 0 Fax 0049 (0) 2275 92 03 65 info@cabinet.de www.cabinet.de

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Oliver Holy: Der CEO von ClassiCon, neben ihm entspannt Trüffelhund Louis auf dem Sofa Odin von Konstantin Grcic. Side Table siehe unten.

Swinging: Schaukelsessel Euvira von Jader Almeida. Beistell- und Couchtisch Bell mit Hängeleuchten Bell Light von Sebastian Herkner.

Stylish: Munich Lounge Chair, supersoftes Leder mit Kontrastnaht, von Sauerbruch Hutton entworfen für das Münchner Museum Brandhorst.

Tradition trifft Trend B Bewahrer und Entdecker, Traditionalist und Trendsetter, zurückblickend und vorausschauend zugleich: ClassiCon (Classic Contemporary Design) versteht sich als Brücke über die Stilepochen und präsentiert neben internationalen Möbelsolitären des 20. Jahrhunderts herausragende kontemporäre Entwürfe, die das Potenzial zum Klassiker von morgen haben. Was sie eint, ist deren stilsichere Ästhetik, die sich über modische Kurzlebigkeit erhebt und somit eine Aura eleganter Wertigkeit vermittelt. Ausserdem produziert und vertreibt ClassiCon als weltweit einziger Lizenznehmer die Kollektion von Eileen Gray (1878-1976), originalgetreu und unter Einhaltung höchster handwerklicher und ökologischer Ansprüche. Oliver Holy, seit 2002 Geschäftsführer von ClassiCon, ist Anhänger des nachhaltigen Konzepts: «Etwa

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70% unserer Produkte werden hier in Bayern von traditionellen Familienunternehmen hergestellt, zu denen wir enge Beziehungen pflegen. Diese direkten Herstellerkontakte sind uns sehr wichtig, wir schätzen die kurzen Wege, die langjährig ausgebildeten Spezialisten, es gibt keine Sprachprobleme, und vor allem ist die Qualität hervorragend. Die junge Generation entdeckt gerade das Handwerk

Sophisticated: Eileen-GrayKlassiker Bibendum in Weiss, Tube Light und Adjustable Table vereint zur eleganten Sitzecke.

neu, für sie ist der ökologische Gedanke ganz selbstverständlich. Der charakteristische Glassockel für den Bell Table wird beispielsweise in einer Glasmanufaktur im Bayerischen Wald gefertigt, und die Messingtrichter werden am Tegernsee geschmiedet. Auch unsere Holzmöbel stammen von einheimischen Tischlereien, und das aussergewöhnlich weiche, schadstofffreie Leder für den Munich Lounge Chair beziehen wir von einem Kleinbetrieb im Allgäu, der mit pflanzlichen Gerbstoffen arbeitet. Unsere Erfolgsphilosophie: erstklassige handwerkliche Verarbeitung und die Devise think global, act local – so bleiben wir unseren Werten treu.» PT

Fotos: Mark Seelen, Felix Holzer, Elias Hassos / ClassiCon

CLASSICON kultiviert den Charme der Zeitlosigkeit.

ClassiCon GmbH Sigmund-Riefler-Bogen 3 81829 München Telefon 0049 (0) 89 74 81 33 19 Fax 0049 (0) 89 74 81 33 99 info@classicon.com www.classicon.com

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — ClassiCon

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Š www.brightcutekeen.ch

Jetzt auch fĂźr alle, die im Internet zuhause sind.

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Design aus Leidenschaft

Fotos: conmoto/Nela König

Nur mit dem Feuer zu spielen, war Johannes Wagner zu wenig. Mit CONMOTO schuf er Lieblingsplätze für drinnen und draussen. Unübersehbar ist der Einfluss international bekannter Designer.

Inspirierend: Johannes Wagner (links) fand mit dem Musikproduzenten und DJ Mousse T. einen charismatischen Markenbotschafter für conmoto.

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — conmoto

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Grossartig: Die erfolgreiche «RIVA»-Linie wurde kontinuierlich ausgebaut und reicht vom Loungemöbel bis zum Schreibtisch. Bank und Tisch bilden ein harmonisches Ganzes und bieten bis zu 10 Personen ausreichend Platz.

Vielseitig: Die besondere Kombination von Massivholz und HPL zeichnen die Tische «X-MAN» (Foto) und «Y-WOMAN» aus. Einsetzbar als Ess-, Schreib- oder Arbeitstisch.

W Wer Ende der 1990er-Jahre ein Faible für aussergewöhnlich schöne Kaminaccessoires hatte, kannte bald nur einen Namen: conmoto. Seither ist viel passiert! Mit frischen Ideen und Gespür für Trends hat sich conmoto als Markenzeichen für hochwertige Möbel mit anspruchsvollem Design etabliert. Wir treffen Johannes Wagner, Erfinder und Motor der Marke, in Münster. Direkt am Aasee liegt die noble Zentrale, in der Kunst, Können und Weitsicht eine fantastische Symbiose eingehen. «Hier befindet sich unsere kreative Zelle, die aus Designern, Konstrukteuren, Tischlern und Grafikern besteht. Hier werden Trends vorgedacht», erzählt der Unternehmer stolz. Doch der Reihe nach: Nach dem Spiel mit dem Feuer folgte ein Ausflug in den Garten. Mit Stardesigner Peter Maly entwickelte das conmoto-Team wetterbeständiges Gartenmobiliar aus wertigem Holz und edlem Aluminium. Wieder die Geburtsstunde einer neuen Idee. Darauf folgte – natürlich ein Novum – der Kamin

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ohne Schornstein. Mit Sieger Design schuf die Manufaktur die ersten Ethanolkamine. «TRAVELMATE» und «ROLL FIRE» heissen die beiden Klassiker unter den frei stehenden Kaminen. Kontinuierlich und klug wird seitdem das Sortiment ergänzt und am ganzheitlichen Konzept gefeilt. Zu den Outdoormöbeln gesellten sich intelligente Möbel für den Innenraum. Mit Werner Aisslinger wird momentan an einer ausgefallenen Designlinie gearbeitet. Spannende Formen und interessanter Materialmix, wie sie das preisgekrönte Programm «TENSION» vereint, sind ebenso Kennzeichen der neuen Entwicklung wie die puristische «RIVA»-Linie. Die spielt mit bemerkenswerter Leichtigkeit die Vorzüge von HPL aus. Schon früh hatte Wagner die Chancen der robusten Schichtstoffplatte erkannt und nutzte sie geschickt für sein Sortiment und seine Projekte. Denn auch als Partner von Architekten und Planern hat sich das Label, das gerade in Berlin einen Showroom eröffnet, einen Namen gemacht. Die jahrelange Erfahrung im Möbelbau und das Know-how der kreativen conmoto-Köpfe wird auch im anspruchsvollen Objektbereich geschätzt. So gehören Marken wie BMW, Red Bull, Mercedes-Benz Rennsport zu den Stammkunden auf der langen Referenzliste. EB

conmoto Lions at Work GmbH Annette-Allee 41a 48149 Münster Telefon 0049 (0) 251 28 46 85 0 Fax 0049 (0) 251 28 46 85 11 info@conmoto.com www.conmoto.com

Durchsichtig: Bei «ROLL FIRE» kann die lodernde Pracht von gleich zwei Seiten bestaunt werden. Mit einer optional erhältlichen Wandhalterung lässt sich der Ethanol-Kamin sogar aufhängen.

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Wahre Schönheit innen und aussen Reine Herzenssache: Seit 60 Jahren kombiniert COR handwerkliche Qualität und innovatives Design zu höchst komfortablen Polstermöbeln. Innere Werte eingebaut!

C Jung geblieben: Bereits Anfang der 1960er-Jahre entwarf Friedrich Wilhelm Möller das zukunftsweisende Polstermöbelsystem «Conseta».

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COR ist sozusagen die jüngere Schwester von interlübke; gegründet 1954 ebenfalls von Leo Lübke und zusammen mit dem damaligen Fürsten zu BentheimTecklenburg. Seine Durchlaucht führte im Wappen drei Herzen. Und da hervorragende Polstermöbel zu produzieren eine Herzensangelegenheit beider Firmengründer war, wurde die neue Unternehmung COR, lateinisch Herz, genannt. Seit 1994 leitet Leo Lübke jr. das Familienunternehmen in dritter Generation und hält es in Sachen Qualität, Zuverlässigkeit und Innovationsfreude wie sein Grossvater. In regelmässigen Abständen erhält COR wichtige Auszeichnungen und Designpreise. «Denn neben einer durchgehend beeindruckenden Material- und

Fertigungsqualität entstanden schon in der frühen Firmengeschichte Produktlinien, die von sich reden machten», erklärt Berthold Strüve, verantwortlich für das Marketing im Hause COR und interlübke. Aus der intensiven Zusammenarbeit mit kreativen Köpfen wie einst Luigi Colani oder später Peter Maly sowie zahlreichen jungen Designbüros wie dem Studio Vertijet und Jehs + Laub gingen und gehen oft Entwürfe hervor, die über viele Jahre erfolgreich sind und den Status von Klassikern erlangen. Auch das hat Tradition bei COR. Anfang der 1960er-Jahre entwarf F. W. Möller das Polstermöbelsystem «Conseta», das seitdem produziert wird. Der Baukasten aus diversen Polstermodulen und frei wählbaren Armlehnen und Füssen für bodenfreie und bodennahe Varianten revolutionierte die Möbelwelt.

Fotos: Heiner Köpcke, COR

Wertig: Marketingleiter Berthold Strüve versteht es, die Vorteile der Marke COR transparent zu machen.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — COR

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Gewachsen: Tische, Sessel sowie Liegen und Schlafsofas – «Conseta» hat sich über die vier Jahrzehnte zur grossen Produktfamilie entwickelt. Anschmiegsam: Für entspannte Momente ist «Bahir» von Jörg Boner die richtige Wahl. Sitz und Lehne gehen scheinbar nahtlos ineinander über.

Spannungsvoll: Mit «Mell Lounge» schuf das Designerduo Jehs + Laub ein Polstermöbel, das lässigen Sitzkomfort und minimalistische Eleganz verbindet. Diese Gestaltungsfreiheit garantiert bis heute zusammen mit den «inneren Werten», der wahren Schönheit eines CORMöbels, eine Kundenzufriedenheit, die sich im Topsegment zum grössten Teil aus einer weitreichenden Individualisierung herleitet. Diese «inneren Werte» sind versteckte Qualitäten; solche nämlich, die sich nicht auf den ersten Blick erschliessen bzw. schlicht unsichtbar bleiben. So garan-

Flexibel: «Jalis» von Jehs + Laub ist Vielfalt aus einer Form. Kissen werden zum Sitzmöbel erhoben, lagern auf Podesten und spenden Geborgenheit.

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tiert eine hohe Fertigungstiefe, angefangen bei den Gestellen aus massiver Buche über die Kombination der unterschiedlichen Polsterschäume bis hin zum perfekt genähten Bezug aus Stoff oder Leder, einen perfekten Sitzkomfort. Die Qualitätskontrolle gibt man bei COR nicht aus der Hand, und mit den Lieferanten von Ledern und Stoffen verbindet das Unternehmen eine lange und erprobte Zusam-

menarbeit, sodass die offensichtlichen mit den verborgenen Eigenschaften über viele Jahre zusammenwirken. Und bei allen Modellen, ganz gleich ob Einzelsessel oder grosszügige Polstergruppe, spielt Handarbeit die wesentliche Rolle. Sie gibt den nach Kundenwunsch ausgestatteten Möbeln die durch und durch wertige Anmutung und realisiert das Design und die Produktidee in jedem Stück neu. EB COR Sitzmöbel Helmut Lübke GmbH & Co. KG Nonenstrasse 12 33378 Rheda-Wiedenbrück Telefon 0049 (0) 5242 4102 0 Fax 0049 (0) 5242 4102 134 info@cor.de, www.cor.de

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Dr. Patric Draenert: «Jedes Möbel ist Ausdruck der Persönlichkeit seines Besitzers.»

Wandelbar

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Umfassendes Programm: Stühle, die in der werkseigenen Polsterei hergestellt werden, runden das exklusive Angebot ab.

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Scheinbar schwerelos bewegen sich die drei massiven Steinplatten mit der aussergewöhnlichen Zeichnung auseinander, um sich dann zu einer grossen Esstischplatte zusammenzufügen. Sowohl die raffinierte Technik des Ausziehmechanismus als auch die einzigartigen Natursteinplatten sind prägnante Merkmale der Möbelmanufaktur Draenert, die sich auf die Herstellung von Ess- und Couchtischen sowie dazu passenden Sitzmöbeln spezialisiert hat. Mit einem Stein fand die Manufaktur denn auch ihren Anfang. Dr. Peter Draenert, damals Student der Germanistik, Philosophie und Kunsthistorik, kreierte 1968, um Geld zu sparen, seinen ersten eigenen Tisch – mit einer 180 Millionen Jahre alten schwäbischen Ölschieferplatte, die er in einer Scheune aufgestöbert hatte. Heute hat der Kunde die Wahl aus über 200 Natursteinen, die in dem werkseigenen Steinpark neben dem Showroom und den Produktionshallen ausgestellt sind. So kann man von der Wahl des Modells über die Auswahl der Platte bis zur Besichtigung der Arbeitsabläufe alles vor Ort erfahren. Auch dem Wunsch nach anderen Materialien wird das Unternehmen gerecht: So findet man in der Kollektion auch Tische aus Massivholz und Glas. Die Materialien werden grösstenteils von Hand zu Objekten verarbeitet, die in der Formgebung die Handschrift

der internationalen klassischen Moderne aufweisen. Einige dieser Modelle erhielten anerkannte Auszeichnungen wie etwa den Red Dot: Best of the Best oder den iF Product Design Award. Grund dafür ist unter anderem die bereits erwähnte ausgeklügelte Mechanik, die den Tischen ihre Flexibilität verleiht. Laut Firmengründer fertigt Draenert «eigentlich weniger Möbel als elegante Maschinen für den Hausgebrauch». Sohn und Nachfolger Dr. Patric Draenert, dem die Firmenluft von Kindesbeinen an vertraut ist, pflegt diese Philosophie und führt sie unter seinem persönlichen Einfluss weiter. Die Konzentration auf die offensichtlichen Stärken des Unternehmens – eine bewusste Auswahl an Möbeln und Materialien sowie den Einbezug von Funktionalität – ermöglicht ein konkurrenzfähiges Unternehmerdasein, das nebst der weitgehend vollständigen In-House-Produktion den notwendigen Erkennungsfaktor mit sich bringt. So ist Draenert beispielsweise mit einer ausgesuchten Kunstmöbelkollektion in namhaften Museen wie dem Victoria & Albert Museum in London oder dem Metropolitan Museum of Art in New York vertreten. SS Draenert Studio GmbH Steigwiesen 3 88090 Immenstaad/Bodensee Telefon 0049 (0) 7545 2080 Fax 0049 (0) 7545 20810 info@draenert.de www.draenert.de

Fotos: Markus Leser, Draenert

Innovative Technik und ein nachhaltiger Bezug zum Material zeichnen den schwäbischen Möbelhersteller DRAENERT aus.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Draenert

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Fleissarbeit: Die Auswahl der Lederausschnitte für die Herstellung der Stühle erfolgt manuell.

Materialwahl: Auf eindrückliche Art zeigt «Twist» mit seinen mundgeblasenen Glaskegeln, was für Möglichkeiten das Material birgt.

Hand und Fuss: In Handarbeit werden die Tischsockel mit den patentierten Mechanismen verbunden.

Variabel: Viele der Tische verfügen über ein oder mehrere bewegliche Elemente, die Komfort versprechen. Hier das Modell «Adler» mit dem Stuhl «Nobile Soft».

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Zukunftsweisend: Neben den Klassikern bietet Draenert auch frische Formen und Designs. Beistelltische «Figura».

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Christoph Ege, Geschäftsführer und Inhaber von Ege exquisit.

Tischdecke «Purist» aus anthrazitfarbenem Reinleinen 193, mit 10 cm breitem Schmucksaum; St. Galler Stegspitze «Nizza».

EGE EXQUISIT fertigt Tisch- und

Bettwäsche von höchster Qualität.

I In den grossen hohen, lichtdurchfluteten Räumen herrscht aufmerksame Stille. Jede der Mitarbeiterinnen von Ege exquisit ist eine Könnerin auf ihrem Gebiet, und manch eine der Damen bringt ihre Erfahrungen seit Jahrzehnten ein. Voller Konzentration widmen sie sich ihrer Aufgabe, denn sie verarbeiten traumhaft schöne und edelste Materialien zu Tisch- und Bettwäsche, fertigen Masshemden, Bettwäsche aus feinem Schweizer Baumwollsatin, Nackenkissen bestickt mit Krönchen.

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besticken liebevoll hauchzarte Taufkleidchen oder applizieren Hunderte eigens in St. Gallen gestickte feinste OrganzaBlüten auf weissen Baumwollsatin, der einen Hochzeitstisch schmücken wird. Haute Couture – für ein anspruchsvolles Ambiente – so formulieren es die anspruchsvollen Kunden. Qualität, Perfektion und Handwerkskunst – nennt es Christoph Ege, der in dritter Generation das Familienunternehmen Ege exquisit führt. Ursprünglich entstanden aus der Tradition der Leinenweberei auf der Schwäbischen Alb hat sich Ege exquisit in den letzten Jahrzehnten zu einem feinen, exklusiven – oft als Geheimtipp gehandelten – Unternehmen entwickelt. Für Menschen, die das Besondere lieben, das Individuelle schätzen und Einzelanfertigungen dem überall Verfügbaren vorziehen, ist diese Manufaktur eine Schatzkammer. Exklusiv angefertigte Spitzen aus St. Gallen, nach eigenem Entwurf gefertigter Brokat-Damast aus dem Piemont, schweres Reinleinen, gewoben in einer kleinen Manufaktur in Irland,

Tischdecke «Feenzauber», gefertigt aus feinem Baumwollsatin, bestickt mit in St. Gallen gefertigten Blüten aus Organza, mit Swarovski-Steinen fixiert.

traumhafte Paisleystoffe, feinste ägyptische Giza-Baumwolle, seltener mongolischer Kaschmir, ausgefallene JacquardDoppelgewebe – die Fülle der Farben und der Stoffballen in den Regalen in den Ateliers verführen nach dem Staunen zum Berühren und Anfassen. Entscheiden und prüfen, ob Materialien und Farben in das eigene Ambiente passen, können alle Ege-exquisit-Kunden, noch ehe sie sich zum Kauf entschliessen. Denn Ege exquisit wird ausschliesslich über speziell ausgebildete Kundenberater vertrieben. So kann, fernab jeglicher Einkaufshektik, zu Hause in der vertrauten Umgebung in aller Ruhe ausgewählt werden. SB Ege exquisit GmbH König-Wilhelm-Strasse 10/3 89073 Ulm Telefon 0049 (0) 731 922800 Fax 0049 (0) 731 9228026 atelier@ege-exquisit.de www.ege-exquisit.de

Fotos: Daniel Roché, Mark Seelen, Martina Strilic

Träume aus Stoff

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Ege exquisit

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Natürliche Schönheit: Der Spiegel bestätigt, die Oberflächenbehandlung ist perfekt.

Persönlich: Die Geschäftsführerin Susanne Hain kontrolliert die bis zu 7 m langen Dielen.

Artenvielfalt: Parkett in über 100 Oberflächenvarianten und verschiedenen Holzarten.

Natürlich geölt Fotos: Christoph Theurer

Bei HAIN erfolgt die Verarbeitung vom Stamm bis zur Landhausdiele im Haus.

M Mit viel Freude und Hingabe werden bei Hain im bayerischen Rott am Inn nach selbst entwickeltem, schonendem Verfahren naturbelassene Holzböden hergestellt. Jede einzelne der bis zu 7 Meter langen und 34 Zentimeter breiten Landhausdielen wird auf hochmodernen Produktionsanlagen und von Hand bearbeitet. Die Produktionsmenge der Holzmanufaktur wird überschaubar gehalten, damit die Möglichkeit erhalten bleibt, mit Sonderanfertigungen auf spezifische Kunden-

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Hain

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wünsche eingehen zu können. So sind z. B. Sonderlängen von bis zu 7 Metern möglich. Diese individuelle Herangehensweise entspricht der Philosophie, der in zweiter Generation von Susanne Hain inhabergeführten Firma, die sich klar von industrieller Massenanfertigung distanziert und auf Exklusivität setzt. Hain-Parkett ist europaweit derzeit in über 100 Oberflächenvarianten und verschiedenen Holzarten erhältlich. Das Sortiment umfasst Dielen im 3- und 2-Schicht-Aufbau. Die verschiedenen Aufbaustärken (11, 15 und 20 mm) können multifunktional eingesetzt werden. Die Verarbeitung vom Stamm bis zur

Feinstarbeit: Astlöcher und Narben werden von Hand passend aufgefüllt.

fertigen Diele erfolgt komplett im Haus. Natürliche Holztrocknung, Sägeschnittoptiken und sauerstoffgehärtete Öloberflächen sind Beweis für die Innovationskraft des Unternehmens, das bei allen Produktionsschritten auf ökologische Fertigung setzt. RG Hain Parkett Am Eckfeld 4, 83543 Rott am Inn Telefon 0049 (0) 80 39 404 0 Fax 0049 (0) 80 39 404 199 info@hain.de, www.hain.de Showroom München: Ottostrasse 1, 80333 München Telefon 0049 (0) 89 20 181 428

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Kompetent: Heiner Goossens, Vorsitzender der hülstaGeschäftsführung. Auch in den Werkstätten kennt er sich bestens aus.

Verlockend: Nussbaum-Massivholz und Raffinesse vereint «ELEA II» formvollendet. Die Empfehlung für Wohn- und Speisezimmer.

Wir können auch unmögliche Ideen Die Fertigung durch Spitzenkräfte im Handwerk ist auf Perfektion und Effektivität ausgerichtet. So kann HÜLSTA individuelle Wohnlösungen bis zur Stückzahl 1 garantieren.

Vielseitig: Stellen, hängen oder stapeln – das Wohnkonzept «NEO» spielt seine Vorzüge stets gekonnt aus. Alle Elemente sind frei kombinierbar.

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Für unsere Kunden ist das Beste gerade gut genug. Dieser Qualitätsgedanke zählte schon 1940, als die Erfolgsgeschichte von hülsta mit nur zehn Mitarbeitern als klassische Schreinerei begann. Bis heute konnte sich das Unternehmen aus dem Münsterland zu einer international agierenden Marke mit rund 1200 Mitarbeitern entwickeln. Im Jahr 1960 übernimmt Karl Hüls, Sohn von Gründer Alois Hüls, das Unternehmen. Mit viel Ehrgeiz, Innovationsfreude und hohem Qualitätsbewusstsein bildete er daraus die bekannte deutsche Herstellermöbelmarke. Heute wird hülsta von Heiner Goossens, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, geleitet und gehört einer der grössten Unternehmensgruppen der Möbelindustrie an, die in dritter Generation von der Familie Hüls verantwortet wird. «Heute tragen 50 Möbelprogramme dazu bei, einer internationalen Kundschaft das sichere Gefühl zu vermitteln, bei aller

Fotos: Heiner Köpcke, hülsta

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — hülsta

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Flexibel: Freiräume bei der Gestaltung bietet das Regalsystem «MEGA-DESIGN». Dank Sonderanfertigungen können Bücher bis an die Decke wandern. industriell perfekten Produktion dennoch eine individuelle und inspirierende Wohnoder Schlaflösung zu erhalten», betont Heiner Goossens. Möbel von hülsta tragen die Gene der Individualisierung in sich. Zahllose Oberflächen, Furniere, Lackfarben und Massivhölzer sowie innovative Beschlagtechniken und der fortschrittlichste Systemmöbelbau weltweit stützen den Anspruch der Marke, jedem Kunden mit seinen Vorlieben und Wünschen entgegenzukommen. Bei hülsta gibt es im Vorfeld einer Kaufentscheidung die Möglichkeit, den kostenlosen Planungsservice beziehungsweise gegen Gebühr eine Wohnberatung von professionellen Innenarchitekten in Anspruch zu nehmen. Beide Angebote unterstreichen das Verantwortungsgefühl des Unternehmens darin, nicht allein perfekte Möbel auszuliefern, sondern für einen Mehrwert und damit für eine überdurchschnittliche Kundenzufriedenheit zu sorgen. Sollten Wohnsituation oder bauliche Gegebenheiten keine Standardmöbel zulassen, so setzen sich die hülsta-Fachleute

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gern mit ihren Kunden zusammen; und wenn selbst unter den mehr als 500 Sonderanfertigungen, die man per Typenliste bestellen kann, nichts Passendes zu finden ist, so bleibt immer noch die individuelle Einzelanfertigung als passende Alternative für «eine unmögliche Idee» – und zwar für alle Programme des Hauses. Die erwähnte Vielfalt des Angebotes ist nicht nur eine Grundvoraussetzung grosser Individualität, sondern schliesst auch zwei wirklich identische Lösungen nahezu aus. Da wird der Sonderwunsch zur fantasiebeflügelten Herausforderung, die von den hülsta-Fachleuten in Stadtlohn oder Ottenstein gern angenommen und mit industrieller Präzision umgesetzt wird. Rund 50 verschiedene Programme, in denen mehr als 200 Patente aus den unterschiedlichen Segmenten stecken, sind aktuell im Sortiment. Alle, um den Vorstellungen einer möbelaffinen Kundschaft zu entsprechen, für die funktionale, qualitativ und gestalterisch hochwertige Möbel in erster Linie Mittel zum Zweck ihres persönlichen Lebensstils sind. EB

Traumhaft: Natureiche und Lackweiss gemixt mit einem wenig Taupe – so beeindruckt «MIOLETTO II» alle, die auf Wohlgefühl setzen.

hülsta-werke Hüls GmbH & Co. KG Karl-Hüls-Strasse 1 48703 Stadtlohn Telefon 0049 (0) 2563 860 Fax 0049 (0) 2563 1417 info@huelsta.de www.huelsta.de

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Firmenerbe: Leo Lübke leitet das Familienunternehmen in der dritten Generation.

Seit Generationen mit Leidenschaft Willkommen Zuhause! Der Slogan von INTERLÜBKE ist eindeutig. Seit über 75 Jahren bereichert die Marke mit innovativen Ideen und guten Grundsätzen die Möbelkultur.

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Fotos: Heiner Köpcke, interlübke

Kombiniert: «cube play» für die Wand und mit der Option zum Gestalten, von minimalistisch bis expressiv. Die Kommode «cube fine» ist wie ein Kunstwerk, mit feinen Linien, schönen Flächen und einem Rahmen, der Kontraste setzen kann. Design: Werner Aisslinger.

Die Geschichte der Topmarke der deutschen Möbelbranche ist eigentlich eine Familiensaga. Heute leitet Leo Lübke in dritter Generation das auf das Jahr 1937 zurückreichende Familienunternehmen: «Wir bauen in unsere Möbel jene Dinge ein, die uns wichtig sind: Qualität, Einzigartigkeit und eine grosse Leidenschaft für Ideen.» Unsere Qualität begründet den Ruf der Marke, lautet dann auch die klare Ansage des Chefs, der auf ein gestrafftes Produktportfolio und schlanke Produktionsabläufe setzt. Modernste Technik in Kombination mit sorgfältiger Handarbeit bilden bei allen Möbeln und Möbelsystemen des Hauses interlübke die erstklassige Basis. Aber der Erfolg hängt von

«S07/40S»: Kleider- und Garderobenschrank der unendlichen Möglichkeiten! Design: Rolf Heide und Peter Kräling.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — interlübke

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Bett «jalis»: Ein Boxspringbett, das sich aus Kissen entfaltet. Design: Jehs + Laub.

«cube gap»: offen zu vier Seiten. Mit markanten Fugen und extrem variabel. Design: Werner Aisslinger.

«studimo»: Als hochflexibles Regalsystem passt «studimo» sich nahezu jedem Raumzuschnitt und jedem persönlichen Stil an. Design: team form ag.

noch anderen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Beratungskompetenz des ausgesuchten Fachhandels. Interlübke-Möbel sind zum grössten Teil Systemmöbel, die sich nicht einfach nach Katalog verkaufen lassen. Die wichtigen Aspekte der Individualisierung bei den Schrank-, Regalund Kommodensystemen sowie bei Raumteilern und Betten lassen sich am besten in persönlichen Gesprächen erläutern. Es geht schliesslich nicht nur um die Farben der Oberflächen oder die Abstände von Fachböden. Das Wohninterieur will geplant sein – wie die Architektur, in der es zur Wirkung kommen wird. «Jedes Möbel ist eine Individuallösung. Das gilt für Solitäre wie für ein umfassendes Möblierungskonzept», erläutert Leo Lübke und weist zugleich darauf hin, dass «junge Top-Programme wie ‹base› ähnlich zukunftweisend weiterentwickelt werden wie Systeme mit Klassikerstatus

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wie zum Beispiel ‹studimo›.» Wie wichtig dem Unternehmen die Produktpflege ist, zeigt allein schon das Kommodenprogramm «cube» von Werner Aisslinger. Daraus wurde bis heute eine Modellfamilie mit vier veritablen Linien entwickelt; selbstverständlich untereinander kompatibel. Alles zum Nutzen der Kunden, denen immer eine perfekt an ihren Wünschen orientierte Lösung geboten wird. Individualität und Flexibilität sind dabei die ständigen Begleiter von Qualität und Funktionalität. In diesem komplexen Mix geht es letzten Endes natürlich auch um Emotionen, um Begeisterung und grosse Zufriedenheit. Mit diesen Gemütszuständen kennt man sich bei interlübke aus, denn sie tragen seit über 75 Jahren den Ruf des Unternehmens aus Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen in die Welt. Die grosse Klammer für das, was interlübke in den Köpfen einer an-

spruchsvollen Kundschaft bedeutet, schafft jedoch das Design, die Gestaltungsleistung der herausragenden Designer, die teilweise bereits seit Jahrzehnten die Konzepte und Details erarbeiten und dabei die sprichwörtliche Zeitlosigkeit und kompromisslose Modernität befördern. Leo Lübke zitiert nicht von ungefähr die Schweizer Designer team form ag: «Gutes Design zeichnet sich durch die Qualität der Gesamtlösung aus.» EB

interlübke Lübke GmbH & Co. KG Ringstrasse 145 33378 Rheda-Wiedenbrück Telefon 0049 (0) 5242 12 1 Fax 0049 (0) 5242 12 206 info@interluebke.de www.interluebke.com

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Handwerk: Betriebsleiter Meinolf Helmig (links) und Andreas Seufferle, kaufmännischer Leiter, wissen, wie gepolsterte Meisterstücke entstehen.

Diese Marke steht für moderne Möbel mit intelligenten Funktionen zum Sitzen, Liegen, Relaxen:

Massarbeit: Bis das individuell verstellbare Loungemöbel «Campus de luxe» perfekt ist, sind viele gekonnte Handgriffe nötig.

IPDESIGN.

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Fotos: Heiner Köpcke, ipdesign

Am liebsten in Leder

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Tradition: Enge Kooperationen mit international renommierten Designern und Architekten sind bei ipdesign an der Tagesordnung. Mit Graft realisierte das Label Loungemöbel «Drift». Lieblingsplätze: Das modulare, preisgekrönte Sitzsystem «Fat Tony» ist ein Möbel für Individualisten, denn es bietet viele KombiMöglichkeiten.

D Die Geschichte der 1977 als Interprofil GmbH gegründeten Firma ist gekennzeichnet von einer Reihe Designauszeichnungen, die auch mit der Integration 2006 in die JAB Anstoetz Group als Interprofil KG erfolgreich fortgesetzt werden konnte. Im vergangenen Jahr wurde die Kollektion in ipdesign umbenannt und steht nun auch mit ihrem Namen für exklusive designorientierte Solitärmöbel, die neben den Kollektionen der Bielefelder Werkstätten das Engagement des Herstellers im Topsegment anzeigen. «Unser Anspruch an die eigenen Produkte spiegelt dabei in erster Linie die Ansprüche unserer Kunden wider», sagt Claus Anstoetz und verortet die in Handarbeit gefertigten Funktionssessel und Sofas in der Lebenswelt von Menschen, die modernes Design, Exklusivität und kompromisslose Qualität schätzen. «Bei uns kommt es dabei auf akzentuierte und intelligente Lösungen an, die zum Beispiel die mechanischen Funktionen

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eines Relaxsessels nicht in den Vordergrund rücken und die Bedienbarkeit sehr leicht machen», betont der Firmenchef nicht ohne Begeisterung. Im Zusammenhang mit dem vorzugsweise minimalistischen Design spielt Leder bei den Modellen der ipdesign-Kollektion eine entscheidende Rolle. Es garantiert nicht nur den unverwechselbaren Charakter und eine lange Lebensdauer, sondern eben auch jene Anmutung, die Wohnund Lebensqualität nicht mit voluminösen Fauteuils gleichsetzt. Klar, dass nur bestes Leder Verwendung findet – Anilinoder Semi-Anilin-gefärbt, denn gedeckte Leder verlieren ihre Natürlichkeit unter einer alles vereinheitlichenden Farbschicht. Das kommt für Lederpolster von ipdesign nicht infrage. Sie können Patina bilden, bieten den besten Sitzkomfort, optimales Sitzklima, eine attraktive Haptik mit weichem Griff, und altern, wo anderes sich nur abnutzt. Aber der Lederbezug ist nur der krönende Abschluss einer Handfertigung, bei der ein Polsterer für ein komplettes Modell verantwortlich zeichnet. Die metallenen Unterkonstruktionen mit ihren edlen Oberflächen sowie die

verwendeten Polsterschäume, deren unterschiedliche Raumgewichte und Stauchhärten sorgfältig bestimmt und ausgesucht werden, und nicht zuletzt die zuverlässigen Mechaniken und Beschläge – all dies sind Bestandteile, die angefangen bei dem «Jon Edwards»-Programm bis hin zu «Drift» und «Cliff» den hervorragenden Ruf der ipdesign-Kollektion begründen. Am Anfang jeden Erfolges stehen natürlich immer die Idee eines Designers sowie die stimulierende Zusammenarbeit von Designer und Hersteller. Und wenn beide, wie es bei ipdesign der Fall ist, auf die Wünsche und Erwartungen der Kunden fokussieren, rechtfertigt der Erfolg den Aufwand. EB ipdesign ist eine Marke der BW Bielefelder Werkstätten Heinz Anstoetz Polstermöbelfabrik KG Potsdamer Strasse 180 33719 Bielefeld Telefon 0049 (0) 521 988 343 30 Fax 0049 (0) 521 988 343 39 ip-kontakt@jab.de www.ipdesign.de

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Schwäbischer Erfindergeist: Wolfgang Kettnaker führt das Familienunternehmen seit 1990.

Systematik und Poesie

M Mitten im schwäbischen Oberland, wo handwerkliche Qualität und Leidenschaft für Präzision eine lange Tradition haben, produziert auch die Möbelmanufaktur Kettnaker – nun schon seit 1870. Bei Wolfgang Kettnaker, der das Unternehmen in Dürmentingen heute in fünfter Generation leitet, finden Liebhaber klarer Formen die perfekte Lösung für ästhetisch hochwertigsten und ausserdem individualisierbaren Stauraum. Neu im Portfolio sind zudem Tische und Betten, die die Schrank- und Aufbewahrungssysteme zu ganzen Interieurs aus einem Guss vervollständigen. Das Konzept des modularen Möbelprogramms, das Kettnaker bietet, hat Tradition: In den

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1970er-Jahren hatte das Unternehmen bereits Baukastensysteme entwickelt und damit Alternativen zum kompakten Einzelschrank geboten. Inzwischen wurde dieses flexible Konzept absolut perfektioniert: Beim Möbelprogramm «ALEA» hat der Kunde die Möglichkeit, die vielseitigen zur Verfügung stehenden Korpuselemente beliebig miteinander zu kombinieren, sie zu stapeln oder aneinanderzureihen, sie frei im Raum oder an der Wand anzubringen. «Das tatsächliche Möbel entsteht erst durch die Kreativität des Kunden», erklärt Wolfgang Kettnaker. Beim System «SOMA» treibt er die Individualisierung auf die Spitze, indem die Hülle völlig unabhängig vom inneren funktionalen Kern mit unterschiedlichsten Abdeckplatten, Front- und Seitenblenden frei nach Wunsch und Ge-

Starkes Raster: Die einzelnen Korpuselemente lassen sich beliebig stapeln oder aneinanderreihen.

schmack gestaltet werden kann. Zur Auswahl stehen Holzausführungen, Lackfarben, hinterlackiertes Glas und eloxiertes Aluminium. Da alle Platten die gleiche filigrane Materialstärke von sechs Millimetern aufweisen, bleibt die gesamte Oberfläche bei jeder beliebigen Materialkombination stets flächenbündig. Und das Beste: Bei «SOMA» hört die Gestaltungsfreiheit nie auf. Magnetkontakte statt Schrauben erlauben jederzeit das Austauschen der Paneele. Ein einfarbiges Möbel kann bei Bedarf im Handumdrehen in ein lebhaft buntes verwandelt werden. Bei solcher Wandelbarkeit entscheiden sich Kunden auch eher einmal für gewagtere Töne oder Kombinationen: «Wer Lust auf ein neonfarbenes Sideboard hat, kann sich diesen Traum erfüllen – ohne sich den Kopf zu zerbrechen ob der Farbton morgen noch gefällt», sagt

Fotos: Projekttriangle Design Studio / Tom Ziora, Kettnaker

Eine klare, minimalistische Ästhetik, aber auch Ausdruck von Persönlichkeit und Lebensstil prägen die Schranksysteme von KETTNAKER.

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Überraschendes Innenleben: Die Schubkästen eines weissen Schrankes können durchaus farbenfroh sein. Unabhängiges Fugenbild: Was sich hinter der Oberfläche verbirgt, ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Wolfgang Kettnaker, «denn die Optik kann jederzeit angepasst werden.» Mit seinem innovativen Konzept und den unverwechselbaren Möbeln, die exklusiv in Dürmentingen gefertigt werden, begeistert Wolfgang Kettnaker nicht nur Kunden in ganz Europa – seit kurzem sogar verstärkt in Russland –, sondern überzeugt darüber hinaus auch in Fachkreisen: die noble Möbelmanufaktur gewann bereits einige Designpreise. UN

Alles ist möglich: Nach individuellen Wünschen lassen sich ganz persönliche Einzelstücke zusammensetzen.

Aus einem Guss: Bett und Schrank spielen optisch perfekt zusammen.

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Kettnaker GmbH & Co. KG Bussenstrasse 30 88525 Dürmentingen Telefon 0049 (0) 7371 9593 0 Fax 0049 (0) 7371 9593 20 info@kettnaker.com www.kettnaker.com

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Sinnlich, modern und immer handmade.

Upcyling: Aus alten Fachwerkhäusern stammen die Balken für Tisch «Barbarossa». Zur historischen Eichenplatte passt das Gestell aus Stahl.

Wer gut sitzen möchte, schöne Tische liebt und das Besondere schätzt, sollte auf diese drei Buchstaben achten: KFF – das Designlabel aus Lemgo.

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Kenner: Geschäftsführer Jens Lewe hatte ein eigenes Planungsbüro und eine Professur für Designmanagement, bevor er zu KFF kam. aus baufälligen Fachwerkhäusern. Entdeckt hatte Förster die geschichtsträchtigen Balken bei der Lemgoer Firma Blöcher. Ihr Leitspruch «Handeln gegen das Verschwinden der Dinge» deckt sich mit der Philosophie und Denkweise des Firmengründers, und schnell landeten die ersten Zeitzeugen, die rund 250 Jahre auf dem Buckel haben, auf den KFFWerkbänken. Das Recyclingmöbel ergänzt die feine Tischkollektion perfekt und hat seither schon viele Liebhaber gefunden. Dass beim Kauf auch ein verbrieftes Zertifikat ausgehändigt wird, ist bei KFF so selbstverständlich wie die Unternehmenshaltung zum Thema Nachhaltigkeit und Ökologie. «Wir arbeiten mit vielen Zulieferbetrieben aus der näheren Umgebung zusammen – teilweise schon seit Jahrzehnten», so Jens Lewe. «Das garantiert kurze

Einladung: Besonders bequem wird es bei Tisch, wenn sich «Maverick»in der schwungvollen Armlehnvariante dazu gesellt.

Fotos: Heiner Köpcke, KFF Design

«Eigentlich sind wir eine grosse Familie, die einfach alles über schöne, bequeme und anspruchsvolle Möbel weiss. Dass wir dabei auch noch Spass am Gestalten haben, erleichtert uns die Sache natürlich ungemein.» Bei KFF unterschreibt jeder Mitarbeiter das Statement des Gründers und Inhabers Karl-Friedrich Förster. Er gab der Designmanufaktur mit seinen Initialen ihren Namen und wacht seit fast 30 Jahren darüber, dass der Zeitgeist in Lemgo ein Zuhause hat. Denn alles, was in der ostwestfälischen Kleinstadt an attraktiven Stühlen, Tischen und Kleinmöbeln unter dem Markennamen KFF produziert wird, strahlt souveräne Modernität aus. «Karl schärft heute noch unser Gespür für das Besondere und verblüfft mich, obwohl wir uns schon sehr lange kennen, immer wieder mit überraschenden Ideen», so KFF-Geschäftsführer Jens Lewe über seinen guten Freund und Chef. So geschehen auch bei «Barbarossa», einem Tisch, dessen Platte aus uraltem Eichenholz gefertigt ist. Dieses stammt

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Wege, schnelle Entscheidungen und ist Beweis für das Vertrauensverhältnis, das wir untereinander pflegen.» Das gilt auch für die Designer, die mit dem Label – meist über Jahre – eng verbunden sind. Neben Formmodul mit Detlef Fischer und Guido Franzke stehen unter anderem Steven Schilte, Mika Tolvanen und das Duo Murken/Hansen auf der Liste. Viele preisgekrönte Modelle entstanden so für die Manufaktur. Nicht nur für diese, sondern für die gesamte Kollektion interessieren sich die Einrichtungsexperten aus dem Objektbereich. Viele Hotels, Restaurants, aber auch Kirchen und VIP-Räume in Sportstadien sind mit langlebigen KFFMöbeln prominent ausgestattet.

Besonders stolz ist das ambitionierte KFF-Team aktuell auf die fantastische Zusammenarbeit mit der Hamburger Designerin Birgit Hoffmann. Sie entwarf 2011 mit dem Stuhl «Maverick» einen echten Bestseller. Ein alter Schulstuhl inspirierte sie zu diesem Entwurf. Eine Idee, die sich durchgesetzt hat. Mittlerweile gibt es eine ganze Produktfamilie mit dem Namen «Maverick»: Die reicht vom bequemen Armlehnstuhl über den eleganten Hocker bis zum charmanten Tisch. Mit «Maverick» knüpft KFF übrigens an den erfolgreichen Stuhl «Sinus» an, der mit seinem markanten Eisengestell und der schwungvollen Linienführung viele Fans gefunden hat.

Die sinnliche Auseinandersetzung mit besten Materialien und die Freude am Bemühen, Gefühle und Eindrücke in Form und Farbe umzusetzen, war schon bei der Firmengründung das Erfolgsrezept. Oder wie Karl-Friedrich Förster es auf den Punkt bringen würde: «Wir haben eben Spass am Gestalten!» EB

Könner: Eine schlichte elegante Doppelziernaht markiert das schwungvolle Design von «Youma» und macht gleichzeitig die hohe handwerkliche Fertigungsqualität sichtbar.

Leichtgewicht: «D-Light» ist so komfortabel wie ein Sessel und dabei so zierlich wie ein Stuhl. Da er ausserdem extrem wenig wiegt, lässt er sich am Tisch gut bewegen.

Label: Der Gründer und Inhaber KarlFriedrich Förster, steht mit seinen Initialen KFF für beste Qualität und grösste Sorgfalt bei der handwerklichen Fertigung.

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KFF Design Bahnhofstrasse 27 32657 Lemgo Telefon 0049 (0) 5261 98 590 Fax 0049 (0) 5261 89 281 info@kff.de www.kff.de

Cocooning: Hineinsetzen und wohlfühlen – dafür steht der neue Tischsessel «Youma». Der in Österreich lebende Designer Sven Dogs entwarf den äusserst bequemen Tischsessel. Favoriten: Stühle mit Charakter und erstklassigem Sitzkomfort bietet das Designlabel KFF seit fast 30 Jahren an. «Maverick» und «Alec» gehören zu den Favoriten.

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Vordenker: Gesellschafter Gerd Bissinger und Architektin Tamara Härty ersinnen neue Sofas made in Germany.

Entspannt elegant D

Dynamische Neuentwicklung: Der schwingende Stuhl «Jingle» von Jan Armgardt.

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Die Sofas von Koinor sind anders. Sie haben Rundungen, wo andere Ecken haben. Sie muten leger an und dennoch elegant. Sie bewegen ihre Besitzer mit Entspannungsfunktionen, und das völlig unsichtbar. Sie verkörpern das, was Firmeninhaber Gerd Bissinger den «neuen Koinor» nennt. Gegründet vor 60 Jahren von Horst Müller, ging das Sofaunternehmen 1992 an leitende Mitarbeiter. Auch Michael Schulz und Gerd Bissinger wurden Gesellschafter. Sie organisierten das Unternehmen neu, bauten eine hochmoderne Fertigung und veredelten ihre immer zeitgenössischeren

Sofas mit Entspannungsfunktionen. Gestalterisch wurde diese Erneuerungsphase massgeblich von Kurt Beier, Wolfgang Gebert und ausgewählten internen wie externen Designern begleitet. 400 Menschen in vier Werken in und um Michelau nähen, polstern und vermarkten heute die sinnlichen Ledersofas von Koinor. Anspruchsvolle Stoffpolster stehen ebenfalls auf dem Programm der grossen Manufaktur, die ausschliesslich in der Region fertigt. Die emotionalen Unikate werden in aller Welt geschätzt: Rund 30 Prozent der Koinor-Sitze gehen in 50 Länder. Das soziale Ethos, das Firmengründer Müller einst in sein Unternehmen einschrieb, wird von Gerd Bissinger und Michael Schulz fortgeführt. Um weiterhin hochwertig in Deutschland produzieren zu können, entwickelt die Koinor-

Fotos: Christoph von Haussen, Koinor

Die oberfränkische Polstermöbelmanufaktur KOINOR fertigt in der Region und kreiert bewegenden Komfort.

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Gut geschult: Die Polsterer von Koinor beherrschen es, komplexe Funktionen zu verarbeiten.

Grossstadttauglich: Mit «Vogue» von Tamara Härty kommt Leichtigkeit in die Kollektion (Interior Innovation Award 2013).

Loungen de luxe: «Jonas» hat separat verstellbare Kopf- und Fussteile und kann auch massieren.

Überflieger: Sofa «Volare» verkörpert perfekt die entspannte Eleganz der Koinor-Sofas. Design: Cynthia Starnes.

Fertigung vor Ort: Auch genäht wird in der Region.

Familie immer raffiniertere Sofas, Liegen, Sessel, Fernsehsessel und Dinner-Sofas. Und das ganz ökonomisch, just in time. «Das Design muss zum Preis passen», sagt Gerd Bissinger. Umso mehr freut er sich, dass sein kosteneffizientes Zuliefernetz funktioniert. Und dass er die feinsinnige Architektin Tamara Härty unter anderem als Chefdesignerin gewinnen konnte. Tamara Härty wiederum freut sich über die optische Weichheit der Koinor-Sofas und über das haptische Leder-Erlebnis. Sie scheut sich nicht, auch naturbelassene, anspruchsvolle Häute für die Kollektion

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vorzuschlagen – sei es ein ausdrucksstarkes Wasserbüffelleder oder ein luxuriöses, bis zu fünf Millimeter dickes Leder. Ihr Team weiss um die subtile Ausstrahlung von Käntchennähten, Zierstichen oder Kellerfalten. Und es arbeitet mit Hingabe an der optischen Leichtigkeit der neuesten Koinor-Garnituren. Ein tiefes Anliegen ist den Kreativen ausserdem die psychologische Ausstrahlung der Polster und deren gestalterische Nachhaltigkeit. «Invisible Technology» nennt sich die neueste Generation von Funktionen, mit der Koinor die Sofaliebhaber verführt. Polster lassen sich durch Fingerberüh-

rung verstellen, massieren sanft oder umschliessen Soundtische. Sie werden zu einfühlsamen Gefährten für den Alltag. Was mehr kann man sich von einem Sofa wünschen? KH

Koinor Polstermöbel GmbH & Co. KG Landwehrstrasse 14 96247 Michelau Telefon 0049 (0) 9571 892 0 Fax 0049 (0) 9571 837 03 www.koinor.com

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Edles aus Edelstahl LIZZY HEINEN DESIGN setzt seit über 15 Jahren

Massstäbe im Outdoormöbel-Bereich. Beschützt: Den Schutzengel «GM-959» gibt es in zwei Grössen, als 11 cm oder 50 cm hohes Stecksystem.

Zeitloses Design: Die Loungegruppe ist, wie alles aus dem Hause Heinen, wertbeständig und langlebig.

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Weiss, was sie will: Lizzy Heinen ist Namensgeberin und kreativer Kopf der Manufaktur L. Heinen – Edles aus Edelstahl. Umfangreich: Brunnen, Teiche, Wasserspiele gehören zum grossen Repertoire. Der Brunnen «GM-982» ist In- und Outdoor eine Augenweide. tion wächst ständig und hat mittlerweile weltweit ihre Fans. Ob der 11 Kilo leichte Stuhlklassiker «GM-202», das breite Loungesofa «GM-215» oder die vielen Tische, Liegen oder Wasserspiele – die Unikate gehen per Direktvertrieb von Waltrop aus auf den Weg zum Kunden. In ihrer Heimatstadt hat Lizzy Heinen auch eine Verkaufsausstellung. Auf dem Zechengelände Waltrop können sich Interessierte von der erstklassigen Qualität persönlich überzeugen. Die merken sofort: Beratung und Service werden hier gross geschrieben. Denn Wunschmasse und Sonderanfertigungen gehören zum

Dienstleistungsangebot selbstverständlich dazu. Mittlerweile sind auch Möbel für drinnen dazu gekommen. Der rührigen Designerin fällt eben immer wieder Neues ein, um ihr Konzept «Edles aus Edelstahl» gekonnt zu ergänzen. EB L. Heinen Design Schörlinger Strasse 17 45731 Waltrop Telefon 0049 (0) 2309 76890 Fax 0049 (0) 2309 73926 Mobil 0049 (0) 172 9198222 info@lizzy-heinen.de www.lizzy-heinen.de

Fotos: Heiner Köpcke, Lizzy Heinen

«Hier habe ich gestanden», weiss Lizzy Heinen noch wie heute, «und habe überlegt, welche Gartenmöbel für uns infrage kommen.» Sie sollten das ganze Jahr über draussen stehen können, natürlich bequem sein und edel aussehen. Aber so etwas gab es (noch) nicht. Also krempelte die Kunstlehrerin die Ärmel hoch und baute ihre eigenen Möbel – aus hochwertigem Edelstahl! In klassisch, klarer Form, die heute zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Denn nicht nur die Familie war von ihren Prototypen begeistert, auch Freunde und Bekannte waren fasziniert von den präzise gefertigten Möbeln und bestellten fleissig. So wurde aus dem Hobby Ernst und aus der Pädagogin eine Designerin, die Perfektionismus lebt. Sogar das Schweissen hat sie sich beibringen lassen. Denn die feinen Nähte ihrer handgefertigten Möbel aus Edelstahl von ThyssenKrupp werden von speziell geschulten Handwerkern in Präzisionsarbeit geschweisst. «Da musste ich doch wissen, wie das funktioniert.» Für Lizzy Heinen sind Genauigkeit und Exklusivität immer oberstes Gebot. Seit über 15 Jahren ist das Label am Markt erfolgreich. Der Manufaktur arbeiten 70 Handwerker zu, die auf ihrem Gebiet Experten sind. Die Gartenmöbelkollek-

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Lizzy Heinen Design

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Hüter des «Hardoy Chairs»: Mirko Endter mit der Königsklasse in Sattelleder. Manufakturplus fokussiert naturbelassene Leder.

Lederkunststücke zum Vererben Klassisch-modern: Freischwinger «Classico».

Minimalistisch: Stuhl «Slim» entspricht der Brandschutznorm 1.

MANUFAKTURPLUS fertigt den «Hardoy Butterfly Chair»,

klassisch moderne Möbel und spezielle Nischenlösungen für den gehobenen Einrichtungs- und Objektbereich.

Fotos: Christoph von Haussen, Manufakturplus

W Wenn es jemanden gibt, der den «Hardoy Butterfly Chair» von Grund auf kennt, dann ist es Mirko Endter. Er weiss genau, wie der Rand des Klassikers genäht sein muss. Er weiss, wie anspruchsvoll es ist, den Sessel in einem 4,5 mm dicken Sattelleder zu fertigen. Und er kennt alle verarbeiteten Leder mit ihren Eigenheiten genau. Seit zehn Jahren stellt er den «Hardoy Chair» mit seiner Manufakturplus in Weidhausen in Oberfranken her. Nachdem ihm damals ein Kunde einen alten Original-Chair zur Reparatur anvertraut hatte, hielt Mirko Endter der Möbellegende die Treue. Entworfen 1938 als «Loungesessel BKF» vom argentinischen Architektentrio

Bonet, Kurchan und Ferrari-Hardoy, wurde der Schmetterlingssessel bis 1952 von Knoll Associates in den USA produziert. Manufakturplus hat einen Neuanfang in höchster Qualität ermöglicht. Mirko Endter ist diesbezüglich sehr dankbar für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Verband der Creativen Inneneinrichter und dessen CairoKatalog. Gemeinsam liessen die Partner den Klassiker zu Beginn des neuen Jahrtausends wieder aufleben – eine Kooperation, die bis heute von gemeinsamen Wertvorstellungen in Bezug auf Qualität und Langlebigkeit geprägt ist. Ausserdem entwirft und produziert Manufakturplus klassisch-zeitlose Möbel, ganz nach Kundenwunsch. Selbst spezielle Anforderungen, z. B. an den Brandschutz B1, werden erfüllt. In jedem einzelnen Fall wählt Mirko Endter die

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Manufakturplus

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optimalen Materialien und Fertigungsmöglichkeiten. «An einer kostenbewussten Kalkulation kommt heute niemand vorbei», sagt er. «Ein Einzelauftrag erfordert eine andere Vorgehensweise als die Bestellung von fünfhundert Sitzen. Meinem obersten Grundsatz bleibe ich dennoch immer treu: Über ein gutes, werthaltiges Produkt freut man sich länger als über einen kleinen Preis.» KH

Manufakturplus GmbH Werkstrasse 1 96279 Weidhausen Telefon 0049 (0) 9562 57 91 71 Fax 0049 (0) 9562 57 91 72 mailme@manufakturplus.de www.manufakturplus.de

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Aluwunder: «Zoll D» kann jederzeit mit Zusatzmodulen ganz ohne Schrauben und Werkzeug erweitert werden.

Der Querdenker NILS HOLGER MOORMANN produziert nicht nur

aussergewöhnliche Möbel – er weiss sie auch zu präsentieren und pflegt eine originelle Kundenansprache.

Variantenreich: Das filigrane Regal «FNP» passt sich den Raumgegebenheiten an.

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Wer Nils Holger Moormann in seiner Aschauer Firmenzentrale nahe des Chiemsees am Fusse der Kampenwand besucht, taucht gleich tief ein in seine Welt. Drei Fahnen am Eingang, mit den abwegigsten Falschschreibungen seines Namens bedruckt (zum Beispiel «Motorman»), verweisen auf eine grosse Portion Humor und Selbstironie. Seit über 30 Jahren produziert Moormann nun Möbel – erst mit Ende 20 hatte er nach einem abgebrochenen Jurastudium in der Möbelherstellung ein Ventil für seine Kreativität gefunden. Über die Jahre hat er eine wunderbare Kollektion geschaffen, mit Möbeln, die von einer unkonventionellen Herangehensweise zeugen. Tisch «Last Minute» etwa lässt sich mit einem Griff zusammenklappen, Regal «Magnetique» passt sich den Bedürfnissen seiner Nutzer immer wieder neu an und «Pressed Chair» überzeugt mit der Fertigung aus nur einem einzigen Stück Aluminiumblech. Oft präsentiert Moormann einen ganz neuen Typus Möbel, der mit einem Au-

genzwinkern unsere Vorstellung von Gestaltung hinterfragt. Bei Moormann wird um die Ecke gedacht, etwas gewagt, Verrücktheiten zugelassen. Etliche Möbel richten sich an Buchliebhaber wie etwa der mobile Lesesessel «Bookinist», der dem Prinzip einer Schiebkarre nachempfunden wurde. Seine Produkte kommen oftmals ohne Schrauben aus, sind zum Zusammenstecken oder zum Zusammenfalten konzipiert. Die Möbel werden lokal im Umkreis von etwa 30 Kilometern aus Materialien wie MDF oder Schichtholz gefertigt. Die ursprüngliche Begrenzung hat sich als Vorteil herausgestellt. Über die Jahrzehnte hat sich so etwas wie eine Moormann-Handschrift entwickelt, die die Möbel ganz unverkennbar prägt. Realisiert werden die Entwürfe meist ganz junger Designer, so wie das Regal «Es», das stabil ist und doch dabei wackelt, 1998 vom jungen Konstantin Grcic entworfen. «Selten gehe ich bei der Wahl meiner Kollektionszugänge strategisch vor», so Moormann. «Ich lasse mich lieber von Intuition und Leidenschaft lei-

Fotos: Markus Leser, Jäger & Jäger, Nils Holger Moormann

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Nils Holger Moormann

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Geschäftssinn trifft auf Humor: Nils Holger Moormann mit mobilem Lesesessel «Bookinist» im Aschauer Büro.

ten.» Die Pflege der bestehenden Kollektion ist Moormann ebenso wichtig. Regal «FNP», von Axel Kufus und seit 28 Jahren auf dem Markt, wirkt auch heute noch taufrisch. Ohne Werkzeug aufzubauen, stellt es mehr eine Struktur als ein Regal dar. Wer Lust bekommen hat, die Möbel aus der Nähe zu betrachten, sollte sich auf den Weg nach Aschau machen. Dort gibt es nicht nur einen Showroom in den ehemaligen Stallungen des Schlosses Hohenaschau, sondern auch ein Gästehaus namens «berge» – das von Moormann charmant renovierte und detailverliebt eingerichtete alte Haus lädt dazu ein, seine Möbel «probezuwohnen» und «ganz nebenbei» die schöne Landschaft des Chiemgaus zu entdecken. BR Nils Holger Moormann GmbH An der Festhalle 2 83229 Aschau im Chiemgau Telefon 0049 (0) 8052 90 450 Fax 0049 (0) 8052 90 45 45 info@moormann.de www.moormann.de

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Ein Tisch für alle Lagen: «Klopstock» bietet durch ein Klickschnappsystem zwölf unterschiedliche Beinpositionen.

Nur gesteckt: Die Konstruktion des Betts «Siebenschläfer» ist komplett metallfrei.

Für Leseratten: «Liesmichl» dient als Buchablage auch für aufgeschlagene Bücher.

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WWW.ARCHITONIC .COM www.architonic.com/PRODUCT CODE 1166414 

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N Notice! Es geht nicht um Pasta! Ein Film spielt eine wichtige Rolle, um das Konzept des erfolgreichen Männer-Triumvirats von Noodles Noodles & Noodles Corp. zu verstehen, denn der Name und das Retro-Industriedesign rufen Flashbacks an das New York Anfang des 20. Jahrhunderts hervor: Stahlmöbel mit Nietenbeschlägen, Maschendrahtfronten – inspiriert von alten Vorratsschränken, lange Holztische und Arbeitshocker im Vintage-Look. Ein nostalgisches Feeling wie in «Once Upon a Time in America», dem Kinoklassiker mit seinem Protagonisten Robert de Niro, genannt Noodles, ein Film für Generationen. Diesen Zeitlosigkeitsanspruch haben die Möbelbauer auch an ihre Produkte: Möbel für morgen mit dem Know-how von gestern, «built to last».

Men at Work: Das Kollektiv in der Noodles Factory.

Good Old Feelings NOODLES NOODLES & NOODLES CORP.

baut Stahlmöbel im Vintage-Style. Das Authentic-Furniture-Programm ist inspiriert von Originalen, wie sie in früheren Zeiten in Werkstätten oder Haushalten zu finden waren, auch die neue White Line mit solider Einbrennlackierung kombiniert Tradition mit Zeitgeist. Noodles-Fans schätzen den vielseitigen Einsatzbereich der markanten Regale, Sideboards, Schränke, Betten und Hocker, denn die Möbel fügen sich so selbstverständlich in die unterschiedlichsten Umgebungen ein, als hätten sie schon immer dort gestanden. Übrigens: Im Gegensatz zu der Story in dem erwähnten Filmepos nimmt die Geschichte der drei Berliner Companions Wolfgang Ahlers, Christian Geyr und André Reitemeyer weiterhin eine sehr erfreuliche Entwicklung. PT

Lack und Nieten: Sideboard aus der «White Line».

Fotos: David Aaronson

Markenzeichen: Maschendrahtschränke.

Wachstumspotenzial: Höhenverstellbare Hocker.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Noodles Noodles & Noodles Corp.

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Noodles Noodles & Noodles Corp. Store and Office: Schönhauser Allee 156 10435 Berlin Telefon 0049 (0) 30 44045493 info@noodles.de www.noodles.de

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Zentrale Bedeutung

Herr der Tische: Willi Notte führt das Unternehmen in zweiter Generation.

Spitzentanz: Der filigrane Auszugstisch «Vivian» in Kirsche, mit elegant dünner Platte und spielerisch leichtem Gestell.

M Mehr Manufaktur geht nicht. Die Schreinerei Notte aus Bitburg/Eifel realisiert mit 14 hochmotivierten Mitarbeitern exklusive Möbel und gehobenen Innenausbau, deren Anmutung und Qualität die Kundschaft aus ganz Deutschland seit Jahrzehnten beeindruckt. Willi Notte führt das 1956 gegründete Unternehmen heute in zweiter Generation, der älteste Sohn ist ebenfalls schon im Betrieb aktiv. Kontinuität zeigt sich auch an anderer Stelle: Das angestammte Werkstattgebäude wurde vor kurzem in ein lichtdurchflutetes Wohnhaus umgebaut, das auch als Showroom dient. Dem Besucher oder Kunden wird dort die konzeptionelle Leistungsfähigkeit des Unternehmens ganz beiläufig und sehr überzeugend vor Augen geführt. Das stille Zentrum darin bildet ein grosser Tisch. Mit dem Entwurf und der Produktion seiner neuen Tischkollektion «Belfakto» folgt Willi Notte seiner Leidenschaft als Möbeltischler und hat zugleich das Unternehmen auf ein zweites Standbein gestellt. Sechs Massivholztische zählt die Kollektion, deren Abmessungen bei acht

Plattenformen frei wählbar sind (Länge: 180 bis 350, Breite: 90 bis 130 cm). Modell «Xenia» gewann prompt den Interior Innovation Award 2013 und liegt in seiner Maximalgrösse auch in der Kundengunst ganz vorn. Die «Belfakto»-Tische eignen sich für den Privat- wie den Objektbereich gleichermassen. Auch Hölzer und Oberflächen lassen sich individuell wählen. In vielen Jahren des Nachdenkens über Wahrnehmung und Identität, über Gestaltung, Funktionalität, Sinnlichkeit und Sinnhaftigkeit von Möbeln sind die mehr als anspruchsvollen Konstruktionen der expressiven Untergestelle, und bei «Xenia» vor allem die Kombination mit der asymmetrischen Platte, entstanden. Willi Notte legte den Grundstein für seine aktuellen Entwürfe bereits mit seinem Meisterstück aus dem Jahr 1988. Handwerk, Gestaltung und Kontinuität: Die Worte klingen hier wie ein Wahlspruch. UB Schreinerei Notte GmbH & Co. KG BELFAKTO Südring 33 54634 Bitburg/Eifel Telefon 0049 (0) 6561 32 59 Fax 0049 (0) 6561 47 17 info@belfakto.com www.notte-interior.de, www.belfakto.com

«Xenia» in Eiche Rohholzeffekt: Ausgezeichnet mit dem Interior Innovation Award 2013 und nominiert für den German Design Award 2014.

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Fotos: Christoph Theurer, Belfakto/Notte

«Xaver»: Ein zeitlos schönes Objekt mit hohem handwerklichem Anspruch und patentierter Kreuzkonstruktion in Massivholz.

Die Massivholztische der BELFAKTO Kollektion von NOTTE markieren Lebens-Mittelpunkte nicht nur im privaten Wohnumfeld.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Schreinerei Notte

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Geschützt: Sowohl auf den hier abgebildeten Tisch «LI.» als auch auf alle anderen Modelle besteht ein europaweiter Geschmacksmusterschutz.

E Es begann vor etwa fünfzehn Jahren, als die beiden Brüder Gerhard und Dieter Nuss die elterliche Möbelwerkstatt im südpfälzischen Pleisweiler übernahmen. Im Rahmen eines Kundenauftrages hatten sie unter anderem einen Wohn- und Essbereich neu zu gestalten – wozu auch ein grosser Esstisch gehören sollte. Die Platzverhältnisse waren knapp, und der Tisch musste trotz der beachtlichen Grösse besonders leicht wirken. Zusammen mit dem verantwortlichen Designer André Steverding wurde die Idee entwickelt, einen L-förmigen Tisch an einer Seite mit einem Edelstahlseil an der Decke aufzuhängen und ihn dadurch im Raum «schweben» zu lassen.

In greifbarer Nähe: Das Modell «Vinum» erspart durch eine Betonsäule mit integrierten Flaschenöffnungen den Gang in den Weinkeller.

Schwerelose Eleganz Jeder Esstisch der Marke 3.1 DESIGN ist ein einzigartiges, auf individuelle Kundenwünsche zugeschnittenes Unikat.

Fotos: Christoph von Haussen, Nuss

Schafft für jeden Raum den perfekten Tisch: Geschäftsführer Gerhard Nuss – hier mit Modell «LIV.». Nuss Möbelwerkstatt GbR 3.1 Design Weinstrasse 80 76889 Pleisweiler Telefon 0049 (0) 6343 93 54 19 Fax 0049 (0) 6343 78 82 gn@nuss-moebelwerkstatt.de www.3punkt1.com

Feurig: Tischmodelle mit Beton oder Steinwinkel können mit Feuerstellen und/oder Sektkühler ausgestattet werden.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Nuss Möbelwerkstatt

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Heute gehören dieses Modell «LI.» und einige Variationen davon fest ins EsstischProgramm von 3.1 Design. Ist beispielsweise eine Aufhängung des Tisches konstruktiv nicht möglich, kann bei «LIV.» die Tischplatte über eine Wange aus Glas nach unten abgestützt werden. Die L-Form bleibt in diesem Fall durch die Transparenz des Glases optisch erhalten. Einen 3.1-Tisch zu erwerben, kann aber weit mehr bedeuten, als nur eines der unterschiedlichen Modelle auszuwählen. Denn auf Wunsch wird dieses exakt auf das abgestimmt, was die räumlich-architektonische Situation beim Kunden vorgibt: «Es gibt keine festen Tischgrössen und Materialkombinationen», erklärt Gerhard Nuss. «Der bisher grösste Tisch war 4,80 Meter lang und 1,20 Meter breit.» Während nicht nur die Masse, sondern auch die Materialwahl individuell ausfallen – selbst Oberflächen in Blattsilber und Blattgold wurden schon verwendet –, bleibt beim Design stets die L-Form und die damit gegebene Leichtigkeit des Konzepts erhalten. Konsequent ist man bei 3.1 Design auch bei der Produktion der Tische: sie sind exklusiv made in Germany. In der Schreinerei vor Ort werden sie überwiegend in Handarbeit als einzelne Unikate gefertigt. UN

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Facettenreich Wenn wie bei OBJECT CARPET Technik und Design perfekt zusammenspielen, werden selbst hoch strapazierbare Teppiche zu wahren Augenweiden.

Individuell: Durch die Wahl der Qualitäten, Farben und Einfassungen entstehen persönliche Unikate.

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The Glory of Grey: Nuancen von Warmgrey und Coolgrey prägen die von Matteo Thun entworfene Kollektion «Hotel Palazzi».

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Manche sind zeitlos klassisch, manche modisch und manche spektakulär ungewöhnlich – aber eines haben alle Teppichkreationen von OBJECT CARPET gemeinsam: sie haben dem angestaubten Ruf des Teppichbodens zu einem komplett neuen Image verholfen. Bestes Beispiel: Die neue Qualität, die den vielversprechenden Namen «Pure Silk» trägt, ist an Extravaganz und Luxuriösität wohl kaum zu übertreffen: Auf jedem Quadratmeter Flor werden 2,5 Kilogramm reine Seide verarbeitet. Jeder «Pure Silk» ist ein handgewebtes Unikat, das an ganz besonders

auserlesenen Orten zum Einsatz kommt. Kein Wunder, dass der Hersteller dieses glamourösen Teppichs in die Hitliste des Luxury Business Reports 2013 aufgenommen wurde und damit nun zu den Top 50 deutschen Luxusunternehmen zählt. Für aussergewöhnliches Teppichdesign und höchste Qualität bezüglich Material und technischer Verarbeitung ist das 1972 gegründete Familienunternehmen mit Sitz in Denkendorf bei Stuttgart und Produktionsstätte in Krefeld von jeher bekannt. Mit 1300 verschiedenen Qualitäten und Dekoren hat OBJECT CARPET eine der grössten Kollektionen weltweit – und alles auf Lager. «So können wir sehr flexibel und kurzfristig auf Bestellungen reagieren und individuelle Kundenwünsche

Fotos: Object Carpet

Vater & Sohn: Firmengründer Roland Butz und Sohn Daniel Butz sind heute die Geschäftsführer von OBJECT CARPET.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Object Carpet

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Präsentation: OBJECT CARPET führt Showrooms in vielen deutschen Grossstädten und seit 2012 auch in Wien und Zürich.

Auffallend kuschelig: «Madra» aus Kräuselvelours mit besonders hoher Stichdichte.

Reine Seide: Der luxuriöse «Pure Silk» ist als Bahnenware und als eingefasster Teppich erhältlich.

umsetzen, sagt Geschäftsführer Daniel Butz, der das Unternehmen heute zusammen mit seinem Vater leitet. OBJECT CARPET ist in erster Linie auf die Anforderungen im Grossobjektbereich und die Zusammenarbeit mit Architekten spezialisiert. Der italienische Architekt und Designer Matteo Thun kreierte jüngst die Kollektion «Hotel Palazzi». Dank einer neu entwickelten Herstellungstechnik weisen die speziell für Hotel innenarchitektur entworfenen Teppiche dreidimensionale Strukturen auf, die der Betrachter «mit den Augen greifen und mit den Fingern sehen» kann, wie Matteo Thun es formulierte. Im Gegensatz dazu strahlt das dazugehörende Farbkonzept von sechs verschiedenen Grautönen nobles

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Understatement aus: «Ziel war es, Nachhaltigkeit zu schaffen», sagt der Designer rückblickend. Nicht nur technisch, sondern auch optisch sollen die Teppiche möglichst langlebig gestaltet sein. Neben dem Objektbereich werden bei OBJECT CARPET auch Teppichlösungen für den privaten Wohnbereich umgesetzt. Bei den eingefassten, frei liegenden Teppichen der neuen Marke «RUGX» ist mit ebenso ästhetischen wie aussergewöhnlichen Oberflächenstrukturen der haptische und optische Hochgenuss garantiert. «Der Stellenwert der Homekollektion wird immer grösser», sagt Daniel Butz. «Schliesslich erlebt Teppich auch im Wohnbereich derzeit ein grosses Comeback.» UN

Geprüft: Vom TÜV als schadstofffrei zertifiziert und damit für Allergiker geeignet.

OBJECT CARPET GmbH Rechbergstrasse 19 73770 Denkendorf Telefon 0049 (0) 711 3402 0 Fax 0049 (0) 711 3402 155 info@object-carpet.com www.object-carpet.com

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Von der Stange: Aufbewahrung «swing» passt sich – zwischen Boden und Decke verspannt – jeder Raumhöhe an. Nur ein Hauch von Regal: «screen» aus gefrostetem Plexiglas ist ein Raumteiler, der höchstmögliche Transparenz bietet.

Mit Präzision und Liebe Berührung erwünscht: PERFORMA gestaltet Möbel mit wunderbar sanften, farbigen Oberflächen aus Kautschuk und Linoleum.

Der Slogan «Mit Präzision und Liebe» beschreibt das Profil des Heilbronner Unternehmens haargenau. Performa steht für eine Möbelkollektion, deren Produkte von bestechend einfacher Klarheit, mit genialen Detaillösungen versehen, auf höchstem technischem Niveau glänzen. Spezialgebiet der kleinen, 10-köpfigen schwäbischen Firma sind perfekt gestaltete Oberflächen aus Linoleum oder Kautschuk. Angenehm warm und elastisch in der Haptik geben diese Materialien den Möbelstücken das besondere Etwas. Sie Visionäre Praktiker: Präzision bis ins letzte Detail ist die Stärke von Matthias Eckert (links) und Martin Ric.

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Fotos: Markus Leser, Performa

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Individualisierbar: Sämtliche Performa-Möbel sind mit Kautschuk-, Linoleum- oder Holzoberfläche erhältlich.

Klare Linienführung: Das Bett auf Rollen möchte Ruhe und Mobilität vereinen.

Raffiniert: Slideboard «performanuf» setzt sich aus übereinander gestapelten und jeweils frei verschiebbaren Korpussen zusammen.

Flexibel: Die Haken der Garderobe lassen sich in der Höhe variieren. «hock!» kann Sitz, Skulptur oder Tisch sein.

sind nicht einfach zu verarbeiten – schliesslich ist das Finish von Anfang an im Arbeitsprozess dabei – aber dieser Umstand macht deutlich, welche Sorgfalt im Unternehmen an den Tag gelegt wird. Alle Produkte werden vor Ort, in den eigenen Werkstätten mit einer CNCMaschine als Herzstück, gefertigt. «Aber bei aller technischen Raffinesse, wir verkaufen nicht ein Teil, an dem nicht irgendjemand von Hand eine Kante geschliffen hat», betont Geschäftsführer Martin Ric und verweist damit auf die menschliche Komponente. Zusammen mit seinem Partner und Produktionsleiter Matthias Eckert, den er in der Meisterklasse kennenlernte, gründete er Performa Ende der 1990er-Jahre. Der Standort Heilbronn ist da durchaus von Vorteil, denn hier kann auf die Zulieferer der Autoindustrie zurückgegriffen werden: Alle benötigten Metallteile werden im Umkreis von 20 Kilometern gefertigt.

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Sich selbst bezeichnen die beiden Macher als gestaltende Produzenten – damit wird deutlich, welchen Stellenwert die Umsetzung einer Designidee einnimmt. «Das Design entsteht vor allem im Prozess des Ringens um die Machbarkeit», erläutert Ric. So recherchierte er beispielsweise so lange nach einer sauberen Lösung für die Klappfronten des Slideboards «performanuf» bis er im Umfeld der Autoindustrie fündig wurde: Mittels einer HightechFolie, die in Gaspedalen zum Einsatz kommt, wurde ein beschlagloses Folienscharnier konzipiert, das die Klarheit des Entwurfs auf beeindruckende Weise unterstreicht. Den Wunsch nach einer Kindergarderobe erfüllte das Performa-Team ebenfalls auf elegante Weise: In Schlitzen auf unterschiedlichen Höhen können Haken immer wieder neu adaptiert werden. Technisches Detail: Eine Stellschraube auf der Rückseite gewährleistet Anpassung an die Luftfeuchtigkeit. In Fach-

kreisen ist die Kompetenz von Performa längst kein Geheimtipp mehr: Namhafte Architekten wie Jürgen Mayer H., Graft oder Patricia Urquiola lassen ganze Interiors von Performa realisieren. Grössere Hersteller wie Wilkhahn oder Team by Wellis vertrauen bei der Fertigung einzelner Kollektionsteile ebenfalls auf das Heilbronner Unternehmen. Jetzt gibt es ein erklärtes Ziel für die Zukunft: Performa will die eigene, exquisite Kollektion noch mehr in den Mittelpunkt rücken und sie Liebhabern besonderer Möbel näherbringen. BR Performa Möbel und Design GmbH Dieselstrasse 9 74076 Heilbronn Telefon 0049 (0) 7131 390 34 35 Fax 0049 (0) 7131 390 34 36 welcome@performa.de www.performa.de

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Kreativ und kompetent: Simone Spang und Ludger Köhler stehen hinter Piure.

Flair und Feingefühl PIURE verbindet

deutsche Bodenständigkeit mit mediterraner Leichtigkeit.

Grafisch und grifflos: Schranktüren aus der Serie «XLine» reagieren auf leichtes Antippen.

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Mix and match: Sideboard-Boxen aus der Serie «Nex» sind Kombi-Kunst, die maximale Individualität ermöglicht. Front Mitte in acqua Hochglanz.

Fotos: Mierswa-Kluska

A Am perfekten Zusammenspiel von detailbewusstem Entwurf, harmonischen Proportionen, präziser Fertigungstechnik und leisen Farben erkennt man die modularen Systemmöbel von Piure: Möbel made in Germany mit italienischen Impressionen, modern – aber keinesfalls modisch –, clean und clever. Dahinter verbirgt sich eine Erfolgsgeschichte, die 2006 begann, als Simone Spang und Ludger Köhler ihre langjährigen Erfahrungen in Kreativität und Management zusammenlegten, um ihre subtilen Wohnvisionen mit Leidenschaft umzusetzen.

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Internationale Inspirationen, innovatives Denken, klare Definitionen der Produkte, strenges Stilkonzept, Preistransparenz, kreative Einbindung der Kunden, High-End-Onlineservice und persönliche Beratung bilden das Fundament der Unternehmensphilosophie. Die Website lädt den Kunden dazu ein, sich mit den eigenen Wohnbedürfnissen auseinanderzusetzen und sein individuelles Möbelstück aus den Serien und der dezenten Farbpalette mit wohlklingenden Bezeichnungen wie dune, desert, pearl, silk, acqua oder olive zu konfigurieren. Aber der coole Chic von Piure bietet noch viel mehr als Ästhetik, nämlich das Flair des Feingefühls. Ein ganzes Wohnleben lang. PT

Piure GmbH Thierschstrasse 20 80538 München Telefon 0049 (0) 89 30 90 66 0 Fax 0049 (0) 89 30 90 66 20 info@piure.de www.piure.de

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Innovativ: Andreas Albig und Matthias Haasler präsentieren hochwertige Lösungen von Rehau.

Glänzende Flächen und edle Kanten REHAU aus Hochfranken kreiert

Kanten, Oberflächen und andere Komponenten für Küchen, Büros und Wohnräume.

Das Kunststoffunternehmen Rehau ist eng mit der Stadt Rehau verwoben. Überall in dem hochfränkischen Ort gibt es Gebäude des Polymerspezialisten, geistreich benannt nach den chemischen Elementen. Zehntausend Menschen leben hier, zweitausend arbeiten für das Familienunternehmen. Auf einer Anhöhe am Rande des Ortes liegt die Hauptverwaltung von Rehau: das Rheniumhaus, dessen grosszügiges Interieur von dem Licht-Schatten-Spiel orientalischer Basare inspiriert wurde. Hier laufen die Fäden eines 65-jährigen Unternehmens zusammen, das weltweit in den Bereichen Bau, Industrie und Automotive wirkt und 17 000 Personen beschäftigt. An dieser Schaltstelle internationaler Aktivitäten agieren auch Andreas Albig, Bereichsleiter für Möbel, und Matthias Haasler, Business Unit Leiter Surface. Insgesamt zwei Drittel des Industriesegments von Rehau entfallen, so berichten die Manager, auf das globale Geschäftsfeld Möbel. Im Rehau Möbelforum sind die Ergebnisse der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich zu sehen: intelligente und innovative Lösungen von Rehau für stilvolle Wohn- und Arbeitswelten im 21. Jahrhundert. Begonnen hat alles mit Kanten für die Spanplatten der Küchen-, Büro- und Wohnmöbelhersteller. Mehr als 15 000 Kantendesigns bietet das Unternehmen heute der Möbelwelt. Neuerdings können diese sogar fugenlos aufgebracht werden. «Wir haben einen voll polymeren Kantenwerkstoff speziell für die Laserverschweissung entwickelt.», sagt Matthias Haasler. «Damit gehören Schmutzfugen

Fotos: Christoph von Haussen, Rehau

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Grosse Vielfalt: Mehr als 15 000 Kanten-Designs bietet Rehau der Möbelwelt.

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Edel: Die polymere Glaslösung «Rauvisio crystal» brilliert in der Küche als makellose, stossfeste Oberfläche. Mit freundlicher Unterstützung von «nobilia»-Küchen.

Feinsinnig: «Rauvisio crystal» ermöglicht ein harmonisches Zusammenspiel der Kanten.

Spiegeleffekt: «Rauvisio crystal» bezaubert mit dreidimensionaler Tiefenwirkung und Transparenz. Mit freundlicher Unterstützung von «nobilia»Küchen.

der Vergangenheit an und es ergibt sich eine Optik wie aus einem Guss.» Mittlerweile ist das Möbelteam längst über die Kanten hinausgewachsen. Vor allem für Büros und Küchen haben die Experten raffinierte Lösungen entwickelt, von flächigen Schrankrollläden bis zur elektronisch verstellbaren Akustiktrennwand und von Sockelblenden bis zur puristischen Oberfläche. Gefertigt werden die intelligenten Möbelelemente in den Hightech-Werken des Unternehmens. In den Fabriken und Manufakturen der Möbelhersteller avancieren sie anschliessend zum Bestandteil hochwertiger Einrichtungsstücke. So wie die neuen polymeren Oberflächen «Rauvisio crystal» und «Rauvisio brillant». «Mit Rauvisio eröffnen wir eine neue Dimension in der Gestaltung von Möbeln und Oberflächen», sagt Andreas

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Albig. «Rehau bietet diese ästhetische Neuheit als Oberflächenwerkstoff oder als fertig verpresste Platte an.» Besonders interessant ist die Oberfläche «Rauvisio crystal», weil sie in der Front- und Seitenansicht anmutet wie ein edler Glasaufsatz. Sie lässt sich aber wesentlich einfacher bearbeiten. Und sie ist stossfest. Eine Eigenschaft, die nicht nur Küchenmonteure, sondern auch schönheitsliebende Küchenbesitzer freuen wird. KH REHAU AG + Co. Rheniumhaus Otto-Hahn-Strasse 2 95111 Rehau Telefon 0049 (0) 9283 77 0 Fax 0049 (0) 9283 1016 info@rehau.com www.rehau.com

Glänzende Neuheiten: Die Oberflächen «Rauvisio brilliant» und «Rauvisio crystal».

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Der Schatzsucher Mit Entdeckergeist und Gespür für gute Gestaltung hat RICHARD LAMPERT ein eindrucksvolles Möbelportfolio geschaffen.

R Richard Lampert empfängt an seinem Firmensitz, einem liebevoll restaurierten Büro gleich hinter der Museumsmeile und dem Schloss in Stuttgart Mitte. Anhand der zahlreichen Möbel-Prototypen, die in den Räumen verstreut sind, erspürt man sofort den hier herrschenden kreativen Geist. Seit 20 Jahren produziert Richard Lampert mit seinem Unternehmen erfolgreich Designklassiker von Egon Eiermann oder Herbert Hirche und entwickelt zeitgenössisches, innovatives Design. In seinem Portfolio, das mittlerweile mehr als 30 Produkte umfasst, befinden sich ganz besondere Schätze, allen voran das Original Eiermann Tischgestell, für das er die ausschliesslichen Herstellrechte besitzt, oder etwa der Lounge Chair von Herbert Hirche. Ebenso wichtig ist Lampert die Realisie-

Erfindungsreich: Richard Lampert, mit Arbeitsstuhl «Seesaw», hat Klassiker und neues Design im Programm.

Fotos: Markus Leser, Richard Lampert

Geadelt: Seit 2012 gehört Schaukelpferd «Rocker» zur permanenten Ausstellung des MoMA New York.

Unkonventionell: «Stijl» ist eine Hommage an die Urform von Tisch, Bank und Eckbank.

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rung neuer Ideen. In Zusammenarbeit mit jungen Designern gelingen Produkte, die sich durch eine unkonventionelle Herangehensweise, hohe Qualität und zeitlose Gestaltung auszeichnen. «Ich suche das Besondere», so Lampert, «eigenständige Möbel, die trotzdem zu anderen Dingen passen.» Wie etwa der Sessel und die Couch «Cup», ein gefaltetes Polstermöbel vom Kölner Designer Eric Degenhardt, das eine deutlich architektonische Handschrift trägt. Nach Jahren als leitender Angestellter in Möbelunternehmen verspürt Lampert 1993 den Reiz, seinen eigenen Ideen zu folgen. Er gründet eine Firma, geprägt durch das Unternehmertum in seiner Familie, die in vier Generationen eine Möbelfabrik führte. Der Durchbruch gelingt ihm Ende der 90er-Jahre mit dem Rattanstuhl «Santa Lucia». Von dem ehemaligen Bauhausschüler Herbert Hirche in den 50er-Jahren entworfen und Ende der 60er für das italienische Restaurant Santa Lucia in Stuttgart gefertigt, entdeckt Lampert den Stuhl nach einer durchzechten Nacht in eben diesem Restaurant. Heute wird der Stuhl von ihm in Serie produziert und hat nichts an Eleganz eingebüsst. Eine weitere Kostbarkeit fand Lampert auf dem Speicher des 2002 verstorbenen Hirche: Der Prototyp eines Sessels für die berühmte Ausstellung Interbau 1956 in Berlin ist heute als Sessel «H 57» ein tragender Teil seiner Kollektion. Neugierde und das Streben nach gelungenem Design lassen Richard Lampert in immer neue Bereiche vorstossen: 2011 präsentiert er auf der imm cologne die «Richard Lampert Kids Collection», die mit Witz und liebevollen Details brilliert. Das Schaukelpferd «Rocker» vom Londoner Designduo Doshi Levien schafft sogar den Weg in die permanente Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Doch damit nicht genug. Unzählige Ideen in Richard Lamperts Kopf warten noch auf Umsetzung. Lamperts jüngster Streich: Die Kollektion «Living Outdoor», die ein ganzes Ensemble Gartenmöbel für Individualisten bietet. BR

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Vielseitig einsetzbar: Das Original Eiermann Tischgestell mit den schräg liegenden Kreuzstreben. Allroundtalent: Nicht nur der Hund schläft gut auf Stapelbett «Lönneberga».

Passend zum «H 57»: 2012 wurde eine PolsterhockerSerie mit Tisch von Alexander Seifried entworfen, die an geschichtete Donuts erinnert. Wiederentdeckt: 1957 von Hirche entworfen, 2010 von Lampert in Serie gebracht, Sessel «H 57».

Richard Lampert GmbH & Co. KG Gaisburgstrasse 12b 70182 Stuttgart Telefon 0049 (0) 711 860 20 70 Fax 0049 (0) 711 860 20 720 mail@richard-lampert.de www.richard-lampert.de

Skulptur im Garten: Outdoorsessel «Tie Break» bietet ein Tennisnetz als Sitzfläche.

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Designaffin: Geschäftsführender Gesellschafter Claus Lenzmann (links) und Geschäftsführer Dr. Andreas Wiese im Showroom von Ronald Schmitt Design.

Überraschend: Dank der klug konstruierten Mechanik lässt sich die Glasplatte von «Pluto» nicht nur mühelos hochschwenken, sondern in der Endposition auch sanft einrasten. Von Jens Reinwarth stammt die Idee zu Stauraum und Esstischoption am Sofa.

So intelligent kann Ästhetik sein RONALD SCHMITT DESIGN bietet Couchtische

W «Wir haben mutig unsere Chancen wahrgenommen und bauen unsere Kollektionen mit neuen Entwürfen und Funktionen aus», berichtet Claus Lenzmann. Der geschäftsführende Gesellschafter der Ronald Schmitt Design GmbH blickt dabei zu Geschäftsführer Dr. Andreas Wiese, der zustimmend nickt. Lenzmann und Wiese sind Anfang 2013 angetreten, die Potenziale der bereits 1958 gegründeten Firma neu zu entfalten. Aus Ronald Schmitt Tische machten sie Ronald Schmitt Design. Der Namenswechsel: ein klares Bekenntnis zu überzeugenden Formen neben der perfekten Funktion. Renommierte Designergrössen wie Peter Maly, Rolf Heide und Martin Ballendat

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gestalten für Ronald Schmitt Ess- und Couchtische sowie Stühle. «Wir glauben aber auch an das Potenzial junger Designer», betont Lenzmann. Ronald Schmitt steht für eine massgebende Kompetenz bei Funktionstischen sowie Polsterstühlen, die über ausgesuchte Fachhändler vertrieben werden. Die Produkte bestechen durch ihre intelligente Funktionalität: Couchtische von Ronald Schmitt Design verwandeln sich per Knopfdruck in einen Esstisch, Stauraum im Couchtisch wird durch das Schwenken von Platten zugänglich, die dazu nicht abgeräumt werden müssen, Esstische sind mühelos ausziehbar. Eigenschaften, die für sich betrachtet schon ein Alleinstellungsmerkmal sind. Gemeinsam mit dem klaren Design stehen sie für die Klasse von Ronald Schmitt. «Der hohe Anspruch an Qualität und Lebens-

dauer hat Tradition und ist zugleich Anspruch für die Zukunft», verspricht Geschäftsführer Wiese. In Eberbach am Neckar werden alle Möbelstücke handwerklich gefertigt und oberflächenbehandelt – jeder Arbeitsgang geprägt von routinierter Präzision. Ein erfahrenes Team von rund 70 Mitarbeitern bildet das Rückgrat der Firma. Etwa 50 verschiedene Tische und Stühle stehen im Angebot. Jedes Modell wird mit Material- und Farbalternativen vielfältig individualisierbar. Kunden wählen ihren persönlichen Stil aus Glas- und Steinsorten, edlen Hölzern, Metall- oder HPL-Oberflächen in dezenten bis knalligen Lackierungen und einer umfangreichen Leder- und Textilkollektion. Die aktuellste Produktentwicklung, ein neues Klappscharnier, ist bereits patentiert und setzt neue Massstäbe für Ausziehtische

Fotos: Christoph von Haussen, Ronald Schmitt Design

und Esszimmereinrichtungen mit prägenden Linien und ausgeklügelten Zusatzfunktionen.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Ronald Schmitt Design

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Leichtfüssig: Der von Kressel & Schelle gestaltete Esstisch «Aja» verfügt über eine Ausziehfunktion und bietet gute Beinfreiheit auch an den Stirnseiten.

Klassisch: Will man beide Hauptplatten des von Matthias Fischer entworfenen Couchtisches «K500» in ihrer Lage zueinander verschwenken, so genügt die händische Bewegung einer Platte; eine verborgene Synchronmechanik steuert die zweite.

Perfektioniert: Dank der Scharnier-Neuentwicklung sind bei «Access» Falt- und Hauptplatte nun gleich stark. Den Esstisch von Martin Ballendat gibt es in 150, 170, 190 und 210 cm Länge mit einer Vergrösserung um 70 cm.

aus Glas: Durch die besondere Mechanik kann die Faltplatte gleich dünn wie die Hauptplatte sein. «Ohne Trägerplatte gewinnt der Tisch an Leichtigkeit und Anmut», begeistert sich der technikaffine Geschäftsführer Wiese. Ein weiterer Funktionsbeschlag gibt Ausziehtischen mit Mittelfuss eine neue Qualität. Der Tiefgang der Faltbewegung wird reduziert. Perfekte Mechanik für eine vollkommene Ästhetik. UB

Ronald Schmitt Design GmbH Gretengrund 3 69412 Eberbach Telefon 0049 (0) 6271 949 0 Fax 0049 (0) 6271 949 199 info@ronald-schmitt.com www.ronald-schmitt.de

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Ganzheitlich: Der Massivholztisch «Ponte» von Peter Maly misst 240 × 90 cm, ist aus Nussbaum oder Eiche und wird durch die gleichnamige Stuhlfamilie ergänzt. Sehr markant: die abgerundete Kante der Stirnseiten.

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Dynamisch: Andreas Gerecke, Marketing Director, mit Vasen, die anlässlich des 50. Geburtstags der Rosenthal studio-line 2011 neu aufgelegt wurden.

Tischkultur trifft Wohnkultur

W Wenn etwas eine Rose im Namen trägt, ist es zu Edlem berufen. Das wusste Philipp Rosenthal vielleicht, als er 1879 in Selb eine Porzellanmalerei gründete. Aber ob er auch ahnte, dass er im Begriff war, eine Weltmarke zu schaffen? Eine, die im dritten Jahrtausend immer noch gestalterisch massgeblich sein würde? Die in Shanghai genauso begehrt ist wie in Chicago oder Paris?

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Müsste man eine Geschirrserie wählen, die heute für Rosenthal steht, hat man die Qual der Wahl. Vielleicht «Landscape» von der Stardesignerin Patricia Urquiola, «Nendoo» von Metz & Kindler oder die vielfach preisgekrönte Serie «Format» von Christophe de la Fontaine? Bei aller Internationalität produziert Rosenthal nach wie vor mit 550 Mitarbeitern in den oberfränkischen Gemeinden Selb und Speichersdorf. Dort wird kunstfertig gemahlen, gemischt, geformt, gebrannt, getrocknet, geputzt, lasiert, gespritzt, gedruckt und poliert. Bis zu fünf-

Bauhaus: B uh Ba uhau au us: «TAC», «TAC «T TAC AC»», 1969, 1196 9 99, vonn Walter 96 Wal alte lter ter Gropius. Gro Gr rop opius. opi ius

zehn Stationen kann ein Teller durchlaufen, bis er vollendet ist. Dabei umfasst die Porzellanpalette weit mehr als nur Teller und Tassen. Sie reicht von extravaganten Vasen und formschönen Porzellangeschenken bis hin zu limitierten Kunstreihen, Sammelobjekten und Skulpturen aus dem Rosenthal Archiv. Das Porzellan verführt in makellosem Weiss oder wird im aufwendigen Siebdruckverfahren dessiniert. Seine hochwertigen Dekore bestehen aus bis zu 56 Farben. So haben die Farbspezialisten in der Fertigung zum Beispiel gleich meh-

Fotos: Christoph von Haussen, Rosenthal al

Der Porzellanhersteller ROSENTHAL erweitert seine modernen, avantgardistischen Kollektionen um sinnliche Möbelstücke.

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Ausgezeichnet: «Format», 2011, von Christophe de la Fontaine.

Anschmiegsam: Daybed «s359 c» von Sönke Martensen, hier mit Hängeleuchte «I1p» und Vase «Pollo».

Praktisch: Hocker «SuperSputnik».

lich: Sinnlich: Tischplatte aus geräuchertem Eichefurnier auf Stahlböcken von Sönke Martensen und Stuhl «S43» von Mart Stam bei Rosenthal chen. München.

rere Goldtöne in der Palette. Insgesamt 14 Mio. Einzelteile erschafft Rosenthal im Jahr. Dass im Umfeld der Marke darüber hinaus schon seit vielen Jahren Möbel gestaltet werden, wissen die wenigsten. So lebte Philip Rosenthal, Sohn des Firmengründers, seine Liebe zur Wohnkultur in einer eigenen Manufaktur aus. «Diesen Gedanken haben wir jetzt wieder aufgegriffen», sagt Andreas Gerecke, Marketing Director von Rosenthal. «Wir fügen unseren kühlen Produkten warme, sinnliche Wohnmöbel und Accessoires hinzu. Alles handgefertigt und hoch-

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Extravagan Ex Extravagant: Porzellanse Po o Porzellanserie 20 von «Landscape», 2008, Urqu Patricia Urquiola.

wertig produziert in Kleinserien, vielfach Sondereditionen von Klassikern. Der Thonet-Stuhl ‹S43› beispielsweise, entworfen 1931 von Mart Stam, wird in puristischem Weiss exklusiv produziert.» Die Möbel stehen, perfekt komponiert, in den Rosenthal Flagship Stores in Berlin und München sowie bei ausgewählten Händlern. Am besten, man erlebt sie selbst – und lässt sich auch von Rosenthals Gläsern, Geschenkserien und der neuen Bone-China-Serie «Brilliance Fleurs Sauvages» von der Schweizer Designerin Regula Stüdli faszinieren. KH

Rosenthal GmbH Philip-Rosenthal-Platz 1 95100 Selb mail@rosenthal.de www.rosenthal.de

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Die Kunst der Quintessenz SANKTJOHANSER s Möbel folgen dem

Prinzip der raffinierten Reduktion.

Hubert Matthias Sanktjohanser hatte das Glück, schon vor mehr als drei Jahrzehnten zwei Lebenspartner zu finden: den Werkstoff Holz, der ihn zum Meister des Schreinerhandwerks und zum leidenschaftlichen Möbeldesigner inspirierte, und seine Ehefrau, die als kongeniale Architektin seine Visionen mit ihm vollendet. Sanktjohanser konzentriert sich bei seinen Entwürfen auf das Wesentliche: seine Tische, Sideboards, Regalsysteme sind diskret, ästhetisch, in sich schlüssig,

Spiel mit Platz: Modulares Regalsystem «Digital» mit verschiebbaren Trennwänden, die im Handumdrehen individuelle Fächerformate erzeugen.

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undogmatisch und wandelbar und zeigen auf einer tieferen Ebene jene künstlerischen und funktional raffinierten Merkmale, die seinen Möbeln ihre spezifische Identität geben. So erfolgt beispielsweise die Stangenposition der Regalserie Linux nach dem Zufallsprinzip und adelt jedes Teil zum Unikat. Ausgeklügelte Materialveredelungen bilden die Oberflächen der Objekte, Schiebetüren ermöglichen maximale Variationen im Spiel mit geschlossenen und offenen Formen

und beweisen mit Kontrastflächen und -kanten grafische Präzision. Das Farbspektrum: Schwarz, Weiss, Natur. Im Mittelpunkt der Planung steht bei Sanktjohanser immer der Mensch mit seinen persönlichen Bedürfnissen und der architektonische Kontext, in welchem das Möbelstück seinen Platz findet. Eine reduzierte Material- und Formensprache sind dabei die Mittel seiner Wahl: «Ich liebe es, Ästhetik und Klarheit zu verbinden, bin aber ein Gegner von inflationärer Designüberladung. Mein Credo ist Zurückhaltung, um Dinge auf ein sinnvolles Mass zurückzuführen, um Kraft zu bündeln.» Möbel sollen aber auch Spass machen, wie bei dem «Social Cube», dessen Module sich je nach Bedarf zu Tisch, Stuhl oder Sitzelementen entfalten lassen. Oder sie stellen eine Herausforderung dar, wie die Regalsysteme mit beweglichen Trennwänden und her-

Fotos: Markus Leser, Matthias Sanktjohanser

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Sanktjohanser

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Ein Herz und eine Vision: Hubert Matthias Sanktjohanser und seine Ehefrau Anda Grotins.

ausnehmbaren Schiebetüren: vom Prinzip ein Konzept gegen die Festlegung, das die Flexibilität im Wechselspiel der einzelnen Elemente und die kreative Interaktion des Benutzers mit dem Möbelstück fördert. Sanktjohansers Möbel sind lebenslange Begleiter, die in Würde altern, angepasst und umgewandelt werden können, bei denen Gebrauchsspuren zu Lebenslinien werden, was durch die Hochwertigkeit der verwendeten Materialien wie geseiftes Massivholz oder gebürstetes Aluminium erreicht wird. Möbel mit IQ als Quintessenz von Funktion und Form, vereint mit der Moral der Nachhaltigkeit. Mit ihrer konzeptionellen Zeitlosigkeit bereichern seine durchdachten Objekte die Sammlungen einiger Museen und überzeugten schon 2004 die Jury des Bayerischen Staatspreises für Gestaltung und Handwerk, dem Möbelkünstler diese Auszeichnung zu verleihen. PT

Freier Fall: Die Anordnung der Stangen des Regals «Linux» folgt dem Prinzip der Zufälligkeit und macht aus jedem Objekt ein Unikat.

Frontenwechsel: Maximale Flexibilität bietet das Regalsystem «Analog» mit den herausnehmbaren Schiebetüren. Kleiner Handgriff, grosse Wirkung. So soll er sein: Essenzieller Arbeits- und Esstisch «Dinanull» aus Massivholz oder Stahl, klare Kanten, authentische Oberflächen.

Hubert Matthias Sanktjohanser An der Ach 15 82449 Uffing Telefon 0049 (0) 8846 914211 Fax 0049 (0) 8846 1785 moebel@sanktjohanser.net www.sanktjohanser.net

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Teamarbeit: Eduard Schleich, Betriebsleiter, Reinhard Scholtissek und Renate Möller, Geschäftsführung, und Alexander Haas, Vertriebsleiter (von links), stehen mit ihrem Team für kreative, handgemachte Möbel. Für die massiven Tischplatten werden rund zehn verschiedene Hölzer verwendet.

Individualität an erster Stelle V «Von 100 Kunden, die sich hier beraten lassen, bestellen 98», bilanziert Renate Möller, Mitbegründerin und mit ihrem Mann Reinhard Scholtissek Geschäftsführerin der Firma Scholtissek, das Umgebungserlebnis ihres Showrooms im Wamhof in Schledehausen/Bissendorf bei Osnabrück. Reinhard Scholtissek weiss, warum: «Woanders kaufen Menschen

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Möbel. Bei uns etwas, das Teil ihres Lebens wird.» Das einzigartige 200 Jahre alte Fachwerkensemble, nur 6 km vom Produktionsstandort Ostercappeln gelegen, spiegelt den Firmenkern wider: Bei Scholtissek wird aus Natur Design – und das spürt man auf dem Wamhof, der auch die Ideenschmiede der Manufaktur ist. Im Innern wird es puristisch mit der aktuellen Scholtissek-Kollektion von Tischen und auch Korpusmöbeln. Minimalistisch reduziert sind die Tische von Scholtissek Ausdruck einer über 40-jäh-

rigen Faszination von edlem Holz: europäische Laubhölzer, aber auch Hölzer aus den USA etwa, ausgefallene Hölzer wie Apfelholz und karelische Birke – nur kein Holz aus dem Regenwald. Mit dem Satz: «Wir arbeiten nur mit Massivholz, und Tische sind unsere besondere Kompetenz» formuliert der Chef die Firmenphilosophie. Jede massive Tischplatte wird mit einem einzigartigen Maserbild komponiert. Das ist das Exzellenzversprechen, das Scholtissek einlöst. «Jeder Tisch ist ganz unverwechselbar», sagt

Fotos: Maria Otte, Heiner Köpcke

Ein funkelnder Solitär – die Design-Möbelmanufaktur SCHOLTISSEK im Osnabrücker Land.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Scholtissek

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Ausgefallen: Der «Stammsitz» aus Kirschbaumholz lädt zu einem etwas anderen Sitzerlebnis ein.

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Massives Edelholz: Die Tischplatte aus europäischem Nussbaum mit natürlicher Baumkante ist mit einem minimalistischen Edelstahlgestell kombiniert. 3

Handarbeit: Nach der Auswahl aus dem Lager (1) wird das Holz zugeschnitten (2) und die Astlöcher bearbeitet (3).

Renate Möller, «wie unsere Kunden. Viele Kunden kommen deshalb extra hierher und suchen sich individuell ihre Tischplatte aus.» Das Kommen lohnt. Was präsentiert wird, gehört zur besten Qualität, die in Europa in diesem Segment hergestellt wird. Die Ästhetik des ausgefeilten, puristischen Designs in Verbindung mit reiner Manufakturarbeit – das unterscheidet Scholtissek von vielen anderen. Oft stimmt die handwerkliche Qualität – aber das Design bleibt dahinter zurück. Ge-

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nauso oft begeistert das Design – aber die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig. Bei Scholtissek stimmt beides. Heute spielen neben dem Katalogangebot auch Sonder- und Massanfertigungen eine grosse Rolle sowie ausgefallene Accessoires für den Bereich Home and Garden. Der exklusive Innen- und Objektausbau prägt die Arbeit von Scholtissek mit. Auch die Stahlrohrstühle werden in eigener Werkstatt mit Leder bezogen und gepolstert. Eingefahrenen Bahnen des Denkens neue

Impulse geben und so leben und arbeiten, dass das Leben nicht ohne Träume vorübergeht – es sind die Menschen, die zusammen mit der Geschäftsführung Scholtissek einzigartig machen. Ein funkelnder Solitär im Osnabrücker Land. SG Scholtissek GmbH & Co. KG Bremer Strasse 40 49179 Ostercappeln Telefon 0049 (0) 5402 9858 0 Fax 0049 (0) 5402 9858 31 info@scholtissek.de, www.scholtissek.de

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Torben Hansen: Holz ist seine Leidenschaft.

Der Holzalchemist SCHOTTEN & HANSEN zeigt Holz

H Holz sichtbar zu machen, seine Strukturen hervorzuheben, expressive Ästhetik mit sinnlicher Haptik zu verbinden, mit erlesenen Inhaltsstoffen wie Pigmenten, Harzen, Wachsen und Ölen die Oberflächen zu veredeln, das sind nur einige der alchemistischen Geheimnisse von Torben Hansen: «Holz hat Persönlichkeit und ein

Gesicht. Unsere Handarbeit holt beides heraus.» Der gebürtige Däne, seit 2009 alleiniger geschäftsführender Gesellschafter, gründete 1984 mit seinem zweiten Namensgeber das Unternehmen Schotten & Hansen, das sich von der Schreinerei zur Manufaktur für Dielen, Parkett und Innenausbau entwickelte. Luxusjachten, Designhotels, Schlösser, Privatvillen: der Name steht für langjährige internationale Zusammenarbeit mit führenden Architekten und Designern. Crosby Street Hotel New York: Eichenboden naturgetrocknet, Farbe Auster.

Luxusjacht von Royal Huisman: Eichenfurniere für Innenausbau und Boden in der Farbe Muschel.

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Jedes Detail ist wichtig: perfekt gestaltete Materialübergänge, ideal proportionierte Fugen und exakte Flächenbündigkeit bewirken ein harmonisches Gesamtbild, das wie aus einem Guss durch die Abstimmung der Böden mit den Wänden, mit Türkonstruktionen, Treppen und Wandleisten höchsten qualitativen Anforderungen entspricht. Die patentierten naturgetrockneten Holzdielen von Schotten & Hansen, die mit ihrer edlen Patina einem Raum Wärme und Geborgenheit geben, sind das Ergebnis langjähriger Entwicklung und stehen in unterschiedlichen Holzarten und Farbtönen zur Verfügung. «Ein Holzdielenboden muss so einzigartig sein, wie der Mensch, der ihn bewohnt», sagt Torben Hansen. «Ein Boden ist eine emotionale Entscheidung und ein emotionales Erlebnis, und wer sich das Vergnügen gönnt, ihn ohne Schuhe zu betreten, wird feststellen: Nie war das Barfussgehen sinnlicher.» PT

Fotos: Schotten & Hansen

von seiner besten Seite.

Schotten & Hansen GmbH August-Moralt-Strasse 1–3 86971 Peiting Telefon 0049 (0) 8861 90804 100 Fax 0049 (0) 8861 90804 101 kontakt@schotten-hansen.com www.schotten-hansen.com

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Schotten & Hansen

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Das Tischprogramm «M04» ist zurückhaltend in der Form und in Materialstärken. Der Designer Thomas Merkel schuf so ein optisches Leichtgewicht, das für viele Einsatzbereiche geeignet ist.

Ein Tisch – viele Möglichkeiten. Den «M05» gibt es in vier Systemkomponenten: Quadratisch, rund, oval und rechteckig.

An der Wand, frei auf Rollen oder Standfüssen – das System «M» Sideboard ist flexibel einsetzbar.

Hinter S+ steht der Designer Thomas Merkel, hier mit dem System «M» Regal.

Start-up mit Hintergrund S+ bietet Möbel, die sich anpassen: an Mass, an Farben,

an Wünsche. Neben einer bekannten Kollektion verblüfft vor allem ihr von Grund auf neu gedachtes System.

Fotos: Heiner Köpcke, S+

A Auch junge Unternehmen können eine Geschichte haben. S+ Systemmöbel ist so ein Unternehmen. Seit 2013 führt S+ die Geschäftstätigkeit der seit 1995 etablierten Firma sdr+ fort. Auslaufende Lizenzen für einen Teil des Sortimentes waren der Grund. Jetzt ist Thomas Merkel, dessen Möbelentwürfe bereits bei sdr+ im Katalog standen, zusammen mit einem neuen Kreis von Gesellschaftern der Herr im neuen Haus. Alle aktuellen Produkte von S+ stammen aus der Hand des begeisterungsfähigen Designers, der bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat. Die Tische «M04» und «M05» belegen seine zurückhaltende Gestaltungsmaxime, bei der die Konzentration auf

das Wesentliche zu perfekt reduzierten Konstruktionen führt. Besonders zufrieden ist Thomas Merkel aber mit seinem neuen wandgebundenen System «M», mit dem sich Regale und auch Sideboards generieren lassen. Komplett aus Metall und in Deutschland gefertigt, eignet sich das in RAL-Farben lieferbare System für alle denkbaren Situationen im Wohnbereich ebenso wie für den strapaziösen Einsatz im Objekt. Der Kunde bleibt mit diesem Produkt sehr flexibel. Es gibt beim Regal nur drei Hauptbauteile: vertikales Wandprofil, Bodenträger und Fachboden. Alles in verschiedenen Standardmassen und jederzeit austauschbar und zu ergänzen sowie leicht – weil gut durchdacht – umzubauen. Diese Flexibilität und Wandelbarkeit ist auch das grosse Plus der System «M» Sideboards. Sie sind ebenfalls modular,

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — S+ Systemmöbel

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bieten eine Fülle von Ausstattungsdetails, hängen an einer horizontalen Wandschiene oder stehen auf Füssen. Selbstverständlich sind individuelle Anpassungen möglich. Stichwort Manufaktur. «Das können wir unkompliziert, schnell und zu einem fairen Preis realisieren», sagt Thomas Merkel und ist froh darüber, dass S+ ein richtiges Lager unterhält, sodass viele Komponenten für den Kunden kurzfristig verfügbar sind. System «M» macht richtig Spass. EB S+ Systemmöbel GmbH Hohenstaufenring 57a 50674 Köln Telefon 0049 (0) 221 923 926 0 Fax 0049 (0) 221 923 926 29 info@systemmoebel-plus.com www.systemmoebel-plus.com

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Das Design von «Grand Cru Prado» ist so ausgefallen wie der exzellente Schlafkomfort der ganzen Produktlinie. Rund 100 Meisterstunden werden auf ein Bett verwendet.

So eine Stahlfeder mit 6, 9 oder 12 Gängen geht durch viele Hände und Weiterverarbeitungsschritte, bevor sie sich direkt auf den Schlafkomfort auswirken kann.

Taschenfederkernkomfort V

Axel Schramm führt das Familienunternehmen in dritter Generation.

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Vielleicht denkt jeder Mensch bei dem Wort Manufaktur an etwas anderes, aber nicht unbedingt an beeindruckend grosse Betriebsgebäude neueren Datums. Die Schramm Werkstätten GmbH hat allerdings auch einmal klein angefangen; das war 1923 als Polsterei und Sattlerei. Die heutige Betten-Manufaktur beschäftigt rund 160 Mitarbeiter am Firmenstandort in Winnweiler, wo der Neubau von 1999 bereits im vergangenen Jahr deutlich erweitert und die Manufakturkapazität damit verdoppelt wurde. Eine perfekte Fertigungsorganisation unterstützt hier alle handwerklichen Verarbeitungsprozesse und -techniken, während die grosszügigen und lichtdurchfluteten Werkstatträume eine äusserst positive Arbeitsatmosphäre schaffen. Schramm-Betten stehen für zeitgemässe Eleganz, optimalen Schlafkomfort, per-

fekte Verarbeitung hochwertiger Materialien und die Umsetzung individueller Kundenwünsche. Das erklärt die Mitarbeiterzahl. Zum Beispiel ist das ausgeklügelte Schramm-Zwei-MatratzenSchlafsystem kein anonymes Serienprodukt, sondern ein individuell gefertigtes Stück Lebensqualität. Es geht nicht allein um die Individualisierung in Sachen Abmessungen und Oberflächen von Betthaupt und Rahmen, es geht vor allem um die Taschenfederkernmatratze, denn der Mensch selbst steht im Mittelpunkt, seine Anatomie, sein Gewicht, seine Schlafgewohnheiten. In ausgeklügelten Federkernrezepturen und einem abgestimmten Zusammenwirken von anpassungsfähiger Obermatratze und stabiler Untermatratze bündelt sich die Kernkompetenz des Familienunternehmens. Vier Produktlinien stehen erfolgreich im Markt: «Purebeds» mit einem klaren Design für Menschen mit Sinn für das Wesentliche, «Origins» mit einer gros-

Fotos: Christoph Theurer, Schramm Werkstätten

Mit Betten von SCHRAMM kommt man dem Himmel auf Erden ein gutes Stück näher.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Schramm Werkstätten

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Händische oder motorische Verstellbarkeit mit ergonomischer Matratzenbewegung sind optimale Komfortmerkmale der Schramm-Betten. Das Unterbett der «Grand Cru»-Serie wird mit handgefertigten Taillenfedern aufwendig von Hand gegurtet und geschnürt.

«Opal» gehört zu den diesjährigen Neuzugängen der Kollektion «Basis/Origins», bei denen die Matratze auf einer Polsterschale ohne Blendrahmen liegt. sen Auswahl an Kopfteilen, Blendenformen, Schabracken und Füssen, «Grand Cru» mit dem einzigartigen und luxuriösen Dreifach-Aufbau aus Gurtunterfederung, Zwischenmatratze und Obermatratze sowie «Savoy», die optisch anpassbare Bettenlinie für Hotels der gehobenen Kategorien. Bei allen Produktlinien steht die Handfertigung klar im Vordergrund. Ganz gleich ob es sich um die Holzverarbeitung beim Rahmenbau, die Matratzenproduktion mit Einzelvernähung der Federn in Nesselstoffsäckchen plus Schichtung atmungsaktiver Naturmaterialien in der Liegefläche, die Massschneiderei oder die aufwendige Knopfpolsterung eines Kopfteiles handelt. Das Unternehmen verfügt am Standort über einen sehr ansprechenden Showroom, der Einblick gewährt in die Vielfalt der gestalterischen Möglichkeiten, die sich aus Form und Bezugsmaterial ergeben. Aber ein Schramm-Bett ist immer mehr als «nur» ein exquisites Möbel. UB

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Ebenfalls zur Kollektion «Basis/Origins» gehört «Corner», das Bett mit dem markanten raumbildenden Kopfteil.

«Loft» aus der «Purebeds»-Collection. Auch in der Einstiegsklasse wird dem Schlafsuchenden das Zwei-Matratzen-Schlafsystem geboten.

SCHRAMM WERKSTÄTTEN GMBH Am Stundenstein 1 67722 Winnweiler Telefon 0049 (0) 6302 923 60 Fax 0049 (0) 6302 923 699 info@schramm-werkstaetten.de www.schramm-werkstaetten.de

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Vom Landhaus bis zum Bungalow Der Architekturpreis Das Beste Einfamilienhaus brachte interessante Bauten hervor. Nun gibt es das Buch dazu. Bereits zum vierten Mal hat die Zeitschrift IdealesHEIM den Architekturpreis für das Beste Einfamilienhaus ausgeschrieben. Im Rahmen des alle zwei Jahre ausgeschriebenen Preises werden die spannendsten in der Schweiz erbauten Einfamilienhäuser gesucht. Zum Wettbewerb wurden über 40 Projekte eingereicht und von der Redaktion und der Fachjury beurteilt. Der Jurypreis ging an das Architekturbüro Aeby Aumann Emery Architectes aus Freiburg. Das Einfamilienhaus besticht nicht nur durch seine präzise Architektur und die überraschende Materialisierung, deren Ursprung und Idee sich plausibel aus Funktion und Umfeld ableiten lassen. Ebenso finden die Architekten eine angemessene Antwort auf die Frage nach der Berechtigung und dem idealen Standort eines Einfamilienhauses. Inmitten einer ruralen Natur schafft es einen Arbeits- und Wohnort mit

JURYPREIS Aeby Aumann Emery Architectes, Freiburg Objekt: Haus in Villarepos Ort: Villarepos FR Baujahr: 2008–2010 Grundstücksgrösse: 85 905 m² Wohnfläche: 148 m²

Alle Innen- und Aussenräume befinden sich auf der über der Landschaft schwebenden Platte und lassen sie so unberührt. Wettbewerb Gewinner Nominierte Eingereichte Ausblick

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Wettbewerb Gewinner Nominierte Eingereichte Ausblick

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Innen- und Aussenräume sind geschickt miteinander verzahnt und schaffen abwechslungsreiche Raumfolgen. (linke Seite) Von der in der Mitte des Hauses gelegenen Loggia schweift der Blick über die sanften Hügel des Freiburgerlandes. (rechte Seite)

starker Identität, an dem beides zusammen gelebt wird. Der Publikumspreis ging an Pascal Flammer, Architekt aus Zürich für sein «Stöckli» im solothurnischen Balsthal. Der ausdrucksstarke Holzbau überrascht mit einem spannenden Raumkonzept. Die beiden Gewinner sowie alle nominierten Projekte des Wettbewerbs 2012 werden im vorliegenden Buch in ausführlichen Fotoreportagen mit Plänen und Texten präsentiert. Die Bandbreite reicht vom Atelierhaus im Jugendstilquartier Zürichs bis zum Landhaus inmitten des Freiburgerlandes. Einfamilienhäuser auf der grünen Wiese sind selten geworden. Daher sollte man sich stets der Verantwortung bewusst sein, die man mit dem Bau eines Hauses übernimmt, und der Planung genügend Aufmerksamkeit schenken. Das Buch zum Architekturpreis bietet guten Anschauungsunterricht und Inspiration für jede Bauaufgabe. as

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Atrium Abo-Service Postfach 9161 D-97091 Würzburg Fax: 0931 41 70 497 E-Mail: shop@archithema.com Schweiz: Archithema Verlag AG Rieterstrasse 35 CH-8002 Zürich Fax 044 204 18 20 E-Mail: shop@archithema.ch

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Möbel für Stilisten Die Möbel von VILLAGE verbinden eine lebendige, klassische Anmutung mit durchdachter Funktionalität. Team: Dirk Rüter (rechts) leitet unterstützt von seinem Bruder Frank die Manufaktur Village Wohnkultur.

Werte: Ausgesuchte Naturhölzer, zeitlose Formensprache und echte Handarbeit zeichnen auch die umfangreiche «Tisch und Stuhl»-Kollektion aus.

Starbesetzung: Die Gruppe aus Vitrine mit Schiebetüren, Sesseln und Stehlampe strahlt Ruhe und Geborgenheit aus.

Fotos: Heiner Köpcke, Village Wohnkultur

D Die Möbel von VILLAGE verbinden eine lebendige, klassische Anmutung mit hochwertiger Qualität und durchdachter Funktionalität. Ein massgefertigtes Repertoire lässt Wohnträume wahr werden! «Nicht alles muss perfekt sein – unsere Möbel schon», sagt Geschäftsführer Dirk Rüter selbstbewusst. Seit 1979 setzt VILLAGE Wohnkultur Massstäbe im Bereich «anspruchsvolles Wohnen». Massgeblich zur Erfolgsgeschichte beigetragen haben die Pinienholzvitrinen aus der Serie «Pinie Antik» mit ihren typischen Sprossentüren. Ebenso beliebt sind die klassischen Massivholztische der «Tisch und Stuhl»-Kollektion mit ausge-

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Village

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Glanzstück: Aus der erfolgreichen «Pinie Antik»-Linie stammt diese Vitrine, in der sich Lieblingsstücke ganz prominent in Szene setzen lassen. reiften, patentierten Auszugsfunktionen. Hochwertige Materialien wie Edelstahl oder Aluminium werden in Verbindung mit Holz – und seit Neuestem mit Keramikplatten – zu stabilen Esstischen verarbeitet. Eine grosse Auswahl an Freischwingern oder Vierfussstühlen rundet das Sortiment ab. Die klare Formsprache der Serie eignet sich ideal als Kombination zu Landhaus- oder mediterranem Stil. Ein Blick in die Werkstatt lässt die Begeisterung für Handwerk, Werkstoffe sowie Qualität erspüren. Neben Pinienholz wird Eiche, Kernbuche und Nussbaum zu Schränken, Sideboards und Vitrinen verarbeitet. Im Laufe der Jahre sind zahlreiche Produktlinien entstanden. «Von der Skizze zum ausgereiften Produkt sind viele Entwicklungsschritte notwendig. Genau das macht die Faszination der

Manufakturfertigung aus», bestätigen die Mitarbeiter, «individuelle Anfertigungen werden gerne umgesetzt.» Mehr als 230 Handelspartner in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland stehen zur Unterstützung bei Einrichtungsfragen bereit. Hochwertig gestaltete Kataloge bieten neben Inspiration auch Informationen zu Massen und Ausfertigungen. Individuelle Gestaltung steht bei VILLAGE im Mittelpunkt. EB VILLAGE Wohnkultur GmbH Liesborner Strasse 81 33449 Langenberg Telefon 0049 (0) 5248 810 20 Fax 0049 (0) 5248 810 249 info@village-wohnkultur.de www.village-wohnkultur.de

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Üppig und rund: «Bao» – der drehbare Sessel mit eleganten Kurven. Design: EOOS.

Es lebe die Handwerkskunst

Wahre Werte: Markus Benz, CEO der Möbelfirma Walter Knoll.

Eine grosse Begeisterung für handwerkliche Präzision und edle Materialien prägen die Möbelmarke WALTER KNOLL.

Würde Markus Benz einmal ein Buch über seine Möbelfirma Walter Knoll schreiben, hätte er bereits den passenden Titel dafür: «True Values Never Die» müsste dieser lauten. Denn das Erhalten von wahren Werten ist es, was als Philosophie hinter der Marke Walter Knoll steht: «Wir wollen Möbel entwickeln, deren gestalterische Werte überall auf der Welt verstanden werden», sagt der CEO. Dafür sei nicht nur die Harmonie von Form und Funktion entscheidend, sondern ebenso die Handwerkskunst, die das

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Produkt hervorbringt. Bei Walter Knoll wird weitgehend von Hand gefertigt. Um zu erkennen, dass beim PremiummöbelHersteller das Handwerk kultiviert wird, muss man das Firmengebäude im schwäbischen Herrenberg noch nicht einmal betreten. Ein Blick von aussen durch die Glasfassade des Neubaus des «Markenlandes» genügt. Denn im gut einsehbaren Erdgeschoss befindet sich nicht wie zu erwarten der Showroom, sondern die Polsterei. Ein Aushängeschild mit Tradition: Die Firma Walter Knoll, deren Gründer einst Hoflieferant des württembergischen Königshauses war, gilt als älteste Polstermöbelmarke Deutschlands. Vor dem Hintergrund dieser Historie

werden bei Walter Knoll seit einiger Zeit neue Wege beschritten. 1993 kam es zur Verbindung mit einer weiteren, ebenfalls sehr namhaften deutschen Möbelfamilie: Rolf Benz kaufte die Firma Walter Knoll, und Sohn Markus Benz übernahm die Geschäftsleitung. Ein Schritt, der zur Erfolgsgeschichte beitrug: Seit Markus Benz an der Spitze der Firma steht, hat sich ihr Umsatz mehr als verzehnfacht. Dass die Möbel mit zahlreichen internationalen Designpreisen prämiert wurden, verwundert nicht – arbeiten doch einige der bekanntesten Architekten der Welt wie Norman Foster, Kengo Kuma und Ben van Berkel mit der Herrenberger Firma zusammen.

Fotos: Markus Leser, Walter Knoll

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Gestern Avantgarde, heute Klassiker: Der Schalensessel «FK» erhielt 1969 den ersten Bundespreis Gute Form. Design: Preben Fabricius & Jørgen Kastholm.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Walter Knoll

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Neuer Klassiker der Salonkultur: Der Sessel «Foster 520» interpretiert die Tradition des Clubsessels neu. Design: Foster + Partners.

Vom Wiener Designbüro EOOS wurde der «Leadchair» entworfen, der nach einer fünfjährigen Entwicklungszeit jetzt neu bei Walter Knoll im Programm ist. Die zeitlos elegante, von weichem Leder modulierte Polsterung des Chefsessels zeugt nicht nur von höchster Polsterkompetenz. Sie macht auch jegliche Effekthascherei, wie man sie von herkömmlichen, oft allzu opulenten Chefsesseln kennt, absolut überflüssig. Die Konzentration auf exklusive Materialien und handwerklich-technische Perfektion prägt auch den neuen, vom Londoner Architekturbüro Foster + Partners entworfenen Clubsessel «Foster 520». Man entschied, ihn mit markant gezeich-

netem Sattelleder auszustatten und dieses mit einer besonders aufwendigen, in die dicke Lederschicht versenkten Ziernaht zu versehen. Vom Resultat ist nicht nur Markus Benz begeistert: «Foster 520» wurde mit dem Red Dot Award Best of the Best 2013 ausgezeichnet. UN

Grosszügig und modular: Ob als Einzelsofa, Récamière oder grosse Ecke – «Yuuto» bietet vielfältige Formen für individuelle Lebensweisen. Design: EOOS.

The aesthetics of leadership: Der «Leadchair» steht für moderne Corporate Culture, mit zeitloser Eleganz und Transparenz der Funktion. Design: EOOS.

WALTER KNOLL AG & Co. KG Bahnhofstrasse 25 71083 Herrenberg Telefon 0049 (0) 7032 208 0 Fax 0049 (0) 7032 208 250 info@walterknoll.de www.walterknoll.de

Verborgene Talente: Hydroforming, eine hochentwickelte Technologie für die Automobilindustrie, verleiht den Füssen des Stuhls «Deen» ihre filigrane Eleganz. Design: EOOS.

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Ethik und Ästhetik ZEITRAUM-Design-Möbel sind

D Die Massivholzmöbel von Zeitraum durchlaufen vom Entwurf bis zur Fertigstellung zahlreiche firmenspezifische Entscheidungskriterien, die weitgehend seit der Gründung 1990 als Massstab des Unternehmens gelten: «Unsere Entwürfe sind eine Hommage an das Pure, an die Reinheit des Materials, an die Beständigkeit der Form», erklärt Inhaberin Birgit Gämmerler, «und von Anfang an haben wir uns aus Überzeugung dem nachhaltigen Handeln verpflichtet, dem Respekt den Mitarbeitern gegenüber, den Kunden, dem Anspruch an das Produkt im Hinblick auf Herkunft und Verarbeitung. Es sind viele Faktoren, die ein ganzheitlich verantwortungsvolles Konzept ausmachen.»

Fotos: Heinz von Heydenaber, Mierswa-Kluska, Team Schalterhalle/Zeitraum

die Pioniere der Nachhaltigkeit.

Birgit Gämmerler, Peter Gaebelein (links) und Peter Joebsch sind seit 1994 ein erfolgreiches Team. Stuhl «Pelle» links aus Eiche in grafitgrau gebeizt, rechts in Kalk gebeizt.

Deckenleuchte «Noon 3 white», «Turntable», Eiche, und Stuhl «Morph», Eiche.

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Zeitraum

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Tischfamilie «Turntable» aus amerikanischem Nussbaumholz, Beistelltische «Turntable Couch», Eiche.

Tische, Stühle, Lounge-Möbel, Regale und Betten sowie Leuchten vereinen sich bei Zeitraum zu einem harmonischen Gesamtbild, dessen Authentizität in Privathäusern ebenso überzeugt wie in Luxushotels: Seit 2009 ist das Unternehmen auch weltweit erfolgreicher Objektausstatter. Holz wird bei der Produktion als wertvolles Kulturgut verstanden und in seiner organischen Struktur erhalten. Die Oberflächen des aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammenden Laubholzes sind mit biologischem Öl offenporig belassen und sichtbar gemacht, damit das Holz reifen kann, duftet und sich gut anfühlt. Neu im Programm sind farbig gebeizte Möbel, deren Transparenz die HolzOptik erhält, im naturnahen Farbspektrum von sechs Grauschattierungen und vier Pastellvariationen.

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Birgit Gämmerler: «Der Luxus der heutigen Zeit heisst Reduktion, weg vom Wachstum um jeden Preis, hin zum Bewahren. Damit steigen zwar die Anforderungen an ein Produkt, aber dafür behält es lange seinen Wert. Nachhaltig bedeutet ja vor allem bewusstes Handeln, Achtsamkeit und sinnvolle Selektion beim Konsum. Diese Grundhaltung bleibt auch in Zukunft die Basis unserer Firmenphilosophie.» PT

Bett «Mellow», Sessel «Morph Lounge» und «Morph Pouf» aus amerikanischem Nussbaumholz, Stehleuchte «Read Noon warm grey».

ZEITRAUM GmbH Äussere Münchner Strasse 2 82515 Wolfratshausen Telefon 0049 (0) 8171 418130 Fax 0049 (0)8171 418141 info@zeitraum-moebel.de www.zeitraum-moebel.de

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Die zeitgemässe Küche Küche und Trends – ein Interview mit Frank A. Reinhardt, Trendscout für das Thema Wohnen und Einrichten. Interview: Ulrich Büttner

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Trendscout für das Thema Wohnen und Einrichten, imm cologne: Frank A. Reinhardt mit der Agentur FAR_consulting. www.farconsulting.de

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Und dabei sind die aktuellen Einbaugeräte ja noch gar nicht angesprochen. FR: Genau. Wo bitte ist hier der Herd? Diese Frage wird so heute zwar nicht mehr gestellt, aber viel mehr als ein paar angedeutete Ringe lassen nicht an die traditionellen Kochstellen denken. Und bei einem State-of-the-Art-Induktionsfeld fehlen die ja auch, denn es erkennt automatisch, an welcher beliebigen Stelle auf der Glasfläche der Topf gerade steht. Aber mit Backofen, Spüle oder Dunstabzug ist es ähnlich. Solche Funktionseinheiten lassen sich heute perfekt integrieren und ergonomisch positionieren. Da sind zum Beispiel die nicht mehr wegzudenkenden Garmethoden wie Mikrowelle und Dampfgarer, beides chic auf Brusthöhe in Regale oder Schränke eingebaut, die eher an eine Wohnzimmerwand erinnern als an einen Arbeitsbereich. Nichts ist so

Fotos: Guido Schiefer, bulthaup, Leicht Küchen, Poggenpohl, SieMatic

Herr Reinhardt, wo ist die moderne Küche angekommen? Welcher Eindruck stellt sich ein, wenn man nur ein paar Jahrzehnte zurückblickt? FRANK A. REINHARDT: Die neuen Küchen haben mit Omas Herd und Mutters Einbauküche in etwa so viel zu tun wie die Waschmaschine mit dem Waschbrett. Schon bei der Suche nach einem Kaffeelöffel würden unsere Grossmütter scheitern: Wo um Himmels Willen sind sie denn überhaupt, die Schub laden? Makellose, homogene Schrankoberflächen, wohin das Auge blickt. Nur kein Griff in Sicht, und wo früher die Schublade des Buffets klemmte, reicht heute ein zartes Antippen, und der Ordnungshelfer enthüllt uns dank Push-to-open-Technik bereitwillig sein Innenleben.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Frank A. Reinhardt

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Durchgehend: Ganzheitliche Raumkonzepte sind ein wichtiges Thema bei SieMatic, hier die Küche «S2».

Vom Leben bestimmt: Die Küche von bulthaup passt sich dynamisch dem Menschen und dem Raum an.

Organisiert: Schubladen und Schränke werden, wie hier bei LEICHT Küchen, wie gewünscht eingeteilt.

Umfänglich: «+Artesio» von Poggenpohl ist ein ganzheitliches Küchenprogramm, das Wände, Boden, Decke und Möbel mit einbezieht.

wie früher. Die Küche hat sich bis heute zu einem Ort entwickelt, an dem Hightech, die Lust am Kochen und der persönliche Lebensstil zu einer Einheit werden. Diese tollen Möglichkeiten werden grundsätzlich zwar schon seit einigen Jahren angeboten, sind auf Kundenseite aber noch nicht der breite Standard.

Wohnbereich überleitet, oder gleich an dem grossen Arbeitstisch, der Essplatz, Spüle und Herd zugleich umfasst. Sinnbild dieser offenen Küche ist die Kochinsel, an der viele (Köche) gleichzeitig arbeiten oder sich unterhalten können. Es ist wie auf jeder Party – man trifft sich in der Küche.

Lebensstil ist ein gutes Stichwort. Wird sich der Trend, die Küche zum Wohnbereich hin zu öffnen, fortsetzen? FR: Ganz sicher. Die zeitgemässe Küche ist selbstverständlich nicht mehr nur durch eine Durchreiche mit dem Essplatz verbunden, sondern offen in einen grossen Wohnraum integriert. Hier startet der  Morgen mit dem Frühstück – entweder an einem grossen Esstisch oder an einer Bar, die als Fortsetzung oder Abschluss der Koch- und Arbeitszeile in den

Rückt die Küche nun in den Mittelpunkt der Wohnung, oder zeigt sie nicht viel eher so etwas wie Auflösungserscheinungen? FR: Sie meinen, am Ende kochen wir gar nicht mehr wirklich, sondern programmieren unsere Lieblingsspeisen etwa so wie in «Raumschiff Enterprise»? Technik und Design gehen natürlich bei der Erfindung oder Entwicklung immer neuer Koch- und Küchenformen Hand in Hand, und die Küche mutet schon fast wie ein Gesamtkunstwerk an, weshalb auf

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einem führenden Küchen-Event wie der LivingKitchen in Köln auch sämtliche Disziplinen der Küchengestaltung gemeinsam zeigen, was sie können: Neben Küchenmöbeln und Einbaugeräten werden auch Spülen, Armaturen, veredelte Küchenarbeitsplatten und Küchenaccessoires sowie Licht in die Präsentation der Küche von heute und morgen einbezogen. Zeitgemässe Küchen sollen funktionieren, toll aussehen und Spass machen. Vielleicht hat manch einer beim Anblick dieser wie unnahbar wirkenden perfekten Edelküchen noch ein paar Berührungsängste, aber keine Sorge: Bereits nach dem ersten Tag in der neuen glänzenden Wunderwelt erkennt man sie überall wieder: die «gute alte Küche», in der man einfach gerne kocht. Ganz bestimmt. www.imm-cologne.de www.livingkitchen-cologne.de

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Wandelbar: Dank frei verschiebbaren Elementen passt sich der Stauraum perfekt dem Leben an.

Materialkundig

W Wenn man mit Marc O. Eckert, dem CEO von bulthaup, über Küchen spricht, geht das immer weit über die Produkte des von ihm in dritter Generation geführten Unternehmens hinaus. Es wird philosophisch, aber nicht in einer abgehobenen, sondern in einer bodenständigen, auf das tägliche Leben bezogenen Art. Gleiches gilt für die Küchenmöbel, ihre Oberflächen erscheinen zu schön, um praktisch zu sein, doch genau das sind sie. Denn sonst würde man bei bulthaup nicht ein-

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mal daran denken, diese für ihre Küchenmöbel zu verwenden. Seit der Zusammenarbeit mit Otl Aicher folgt man dem Leitsatz «form follows function» und stellt in perfekter Symbiose von kunstfertiger Handarbeit und modernster Technologie Küchen her, die dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Bei bulthaup hinterfragt man den Begriff Premium nimmermüde und definiert den Höchstanspruch immer wieder neu. Die Basis bleibt dabei stets die perfekte Verarbeitung hochwertigster Materialien in zeitloser Form. Und solche werden auch selbst entwickelt, frei von vorgefassten Meinungen. So beispielsweise eine neue

Lackoberfläche mit Kaschmirgefühl, «Softtouch» genannt, die beweist, dass die Verarbeitung von speziellen Lacken in Kombination mit perfekter Handarbeit höchste Qualität in Optik und Haptik erzeugt. Die Oberflächen sind immer eine Einladung zur Berührung und dazu, die Dinge so bewusster wahrzunehmen, sie effektiv zu begreifen. Die Qualität von bulthaup ist für Kenner sichtbar und für jeden fühlbar. Ums Sichtbarmachen der Küchenseele ging es bei der Entwicklung neuer Wandregale. Sie fordern dazu auf, die Gegenstände des Lebens nicht zu verstecken, sondern als gestalterische Elemente stolz

Fotos: bulthaup (2), Christoph Theurer (5)

Bei BULTHAUP versteht man es, die Küche als Lebensraum immer wieder neu zu materialisieren, ohne Bewährtes obsolet werden zu lassen.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — bulthaup

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Handverlesen: Der Furniermeister prüft jedes Stück.

Lebensnah: Besucher des Trainingsshowrooms fühlen sich sogleich wie zu Hause.

Artenvielfalt: Verschiedenste Furnierpakete liegen zur Verarbeitung bereit.

Perfekte Übergänge: Das gilt für das Holz wie für Marc O. Eckerts Art, das Familienerbe fortzuführen. Feinschliff: Die Oberflächen werden in Handarbeit makellos veredelt.

herzuzeigen. Alles, von alten Schneidebrettern, Töpfen, Utensilien, vielleicht geerbten, geliebten Kochbüchern bis zu sonstigen Gegenständen, findet in der wandelbaren bulthaup-Küche den ihm gerecht werdenden Platz. Denn sie ist und bietet immer Lebensraum. RG bulthaup Aich, Werkstrasse 6 84155 Bodenkirchen Telefon 0049 (0) 8741 80 0 Fax 0049 (0) 8741 80 309 info@bulthaup.com www.bulthaup.de

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Herr der Küchen: Stefan Waldenmaier, Vorstandsvorsitzender der Leicht Küchen AG.

Innovativ: Auf Knopfdruck lässt sich Regal «Xtend+» in eine glatte Fläche verwandeln.

Küchen nach Mass LEICHT KÜCHEN bieten höchst individualisierbare

Produkte, die im Zusammenspiel mit moderner Architektur ihre Qualität voll entfalten.

Ruhige Linienführung: Die Küche «Avance pro» überzeugt mit grifflosen Fronten und flächiger Anmutung.

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Vom schwäbischen Qualitätshersteller zur weltweit akzeptierten Marke – diese Entwicklung hat die Leicht Küchen AG in den letzten zehn, fünfzehn Jahren genommen. Inmitten der malerischen Ostalb gelegen produziert das 520 Mitarbeiter starke Unternehmen vor Ort und damit ausschliesslich in Deutschland: Es entstehen hochfunktionale Küchen in zeitlosem, kosmopolitischem Design und in einer klaren Formensprache. Stefan Waldenmaier, seit 2002 Vorstandsvorsitzender im Unternehmen, bringt es auf den Punkt: «Was unsere Marke prägt, sind die vielen Möglichkeiten, die wir bieten. Egal, was der Kunde wünscht, wir können es leisten.» Aufgrund des Variantenreichtums fügen sich Leicht Küchen

Fotos: Markus Leser, Leicht Küchen

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Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Leicht Küchen

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Gut sortiert: Hochwertiges Organisationssystem bei «Avance pro».

Massgeschneidert: «Classic-FSTopos» in Walnuss-Echtholzfurnier sorgt für Wohlfühlambiente.

Aufgeräumt: In Hochschränken mit Apothekerauszug findet die Küchenausstattung Platz.

spielerisch in eine zeitgemässe, moderne Gestaltung ein und unterstützen das harmonische Zusammenspiel von Architektur und Innenraumplanung. «Individuelle Wünsche können wir zentimetergenau erfüllen.» Sei es in einem Wohnhaus mit spektakulärem Ausblick in Austin, Texas, von Dick Clark Architecture, oder in einem aufsehenerregenden Wasserturm mit angedocktem Kubus im Zentrum Londons, entworfen vom Architekten Mike Collier – Leicht Küchen sind weltweit in moderner, wegweisender Architektur vertreten. Das 1928 von den Brüdern Alois und Josef Leicht als Schreinerei gegründete Unternehmen hat somit bis heute einen weiten Weg zurückgelegt und die moderne Küchenarchitektur des 21. Jahrhunderts mitgeprägt. Ehemals auf kleinstem Raum mit verschlossenen Türen verbannt, ist die Küche längst im Zent-

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rum des Hauses angekommen. Offene Raumplanung, repräsentatives Wohnen: Als selbstverständlicher Bestandteil des Lebens rückt die Küche in den Mittelpunkt des Wohnraums. Leicht Küchen zeichnen sich durch eine ruhige Linienführung, eine flächige Anmutung und einen authentischen Materialeinsatz aus. «Unser Team hat viele Ideen. Unserem Kreativ-Pool gelingt es, Innovationen voranzutreiben», erklärt Waldenmaier. Aktuelles Beispiel: Bei der Weltneuheit «Xtend+», einem filigranen Lichtregal, öffnen sich auf Knopfdruck lamellenartige Blenden und geben den Blick auf das aufgeräumte Innenleben frei. Versetzbare Böden strukturieren den Stauraum und sorgen mit in der Vorderkante eingebauten LED-Chips für Beleuchtung und Lichtakzente. Die elegante Anmutung der Leicht Küchen entsteht nicht zuletzt durch die vielfach grifflosen Fronten, har-

monischen Fugenverläufe und den reduzierten Material- und Farbeinsatz. Mit 51 Programmen und über 2000 Farben bietet die Leicht Kollektion vielfältige Auswahlmöglichkeiten. Das Besondere dabei: Auch Umfeldmaterialien wie Abdeckböden, Wandverkleidungen oder Glaselemente sind in allen denkbaren Grössen und Farben erhältlich und erlauben ein Höchstmass an individueller Raumgestaltung – die sich auch auf den Wohnbereich ausdehnen lässt und wie aus einem Guss erscheint. BR LEICHT Küchen AG Gmünder Strasse 70 73550 Waldstetten Telefon 0049 (0) 7171 402 0 Fax 0049 (0) 7171 402 300 info@leicht.de www.leicht.com

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Überzeugend: Managing Director Lars Völkel wünscht sich Kunden mit einer grossen Begeisterung für perfekte Küchen. Einladend: Das hervorstechendste Merkmal des Konzeptes «+MODO» ist der spannungsvolle Wechsel von geschlossenen und offenen Stauraumbereichen.

Raumbildend: «+ARTESIO» schafft Raum im Raum, wo es die Architektur ermöglicht, und markiert Orte, wo der Kunde es wünscht.

Schnörkellos: Ein gutes Beispiel für die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich mit der formal schlichten Produktlinie «+SEGMENTO» eröffnen. Grifflos, klar, durchdacht.

Individuelle Perfektion G Gegründet im Jahr 1892 in Bielefeld, befinden sich Verwaltungs- und Produktionsstandort der Poggenpohl Möbelwerke GmbH seit Jahrzehnten in Herford. In einem effizient strukturierten Bearbeitungs- und Montageprozess arbeiten rund 150 hochqualifizierte Fachleute daran, den Weltruf der Firma, ihre Innovationskraft, Fertigungs- und Materialqualität sowie das Engagement in Sachen Kundenzufriedenheit auf eben dem Niveau zu halten, das der weltältesten Küchenmarke in allen internationalen Märkten ihren Erfolg sichert. Bei so viel Individualität und Qualität kann es nicht um Masse gehen. Eine Küche im Topsegment ist kein Modeartikel. Lang-

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lebigkeit und Funktionalität sind wichtige Kriterien bei der Kaufentscheidung, die jedoch in gleichem Masse auch vom Design beeinflusst wird; einem inspirierenden Design, das Zeitgeist und Modernität nicht mit Effekt und schriller Geste verwechselt; einem Design, das neben hohen Erwartungen auch ausgefallene Wünsche des Kunden berücksichtigt. Poggenpohl setzt seit langem Standards in der industriegestützten Einzelanfertigung hochfunktionalen und perfekt gestalteten Stauraumes, seiner Ausstattung und vor allem seiner diversen und widerstandsfähigen Oberflächen. Nicht von ungefähr werden vom Unternehmen daher auch extrem beanspruchte Laboreinrichtungen realisiert. Dem Küchenkunden stehen die Designkonzepte «+ARTESIO», «+MODO»,

«+SEGMENTO», «+EDITION» und «P’7340», die Küche im Porsche-Design, als Inspirationsquellen zur Wahl. Von grösster Bedeutung sind dabei die Kombinationsmöglichkeiten einzelner Aspekte verschiedener Produktlinien, sodass im Gespräch mit dem Küchenplaner hochindividuelle Einzelanfertigungen konzipiert werden. Es lebe der Unterschied! Poggenpohl realisiert nahezu alles fast überall – und immer zur besten Zufriedenheit. UB Poggenpohl Möbelwerke GmbH Poggenpohlstrasse 1 32051 Herford Telefon 0049 (0) 5221 3810 info@poggenpohl.com www.poggenpohl.com

Fotos: Heiner Köpcke, Poggenpohl

Aus aktuellem Design für hohe Funktionalität schafft POGGENPOHL attraktive Lebensräume.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Poggenpohl

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Fotos: Markus Leser, Ingo Rack, Wiedemann Werkstätten

Weitblick und Wertigkeit WIEDEMANN WERKSTÄTTEN

steht für imposante Küchen- und Raumkultur.

Georg und Lucia Wiedemann führen das Unternehmen gemeinsam.

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Der Küchenblock in Beton und Eiche korrespondiert mit der etagenübergreifenden CamouflageHochschrankwand.

Besteckschublade de luxe aus Massivholz Eiche.

Wiedemann Werkstätten Anton-Wagner-Strasse 9 89420 Höchstädt Telefon 0049 (0) 9074 95020 info@wiedemann-werkstaetten.de www.wiedemann-werkstaetten.de Showroom: Hohenzollernstrasse 47, im Hof 80801 München Telefon 0049 (0) 89 2729 9584

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Wiedemann Werkstätten

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In der nunmehr dritten Generation haben die Wiedemann Werkstätten ihren guten Ruf als Planer und Ausführer anspruchsvoller Innenausbauten und als KüchenKonzeptioner auch international etabliert. Think big könnte das Motto der Perfektionisten Georg und Lucia Wiedemann lauten, bei denen die Vorgaben der Architektur, die Wünsche der Auftraggeber, die Anforderungen an Funktionalität und Gestaltung zu einer Vision mit den unverkennbaren Wiedemann-Markenzeichen heranreifen: Grandezza und Materialmix. Holz, Beton, Edelstahl und Naturstein gehen eine kontrastreiche Symbiose ein, wobei es die vielen Details sind, die bei der Realisierung zum Grossen und Ganzen führen und somit zum Gelingen des Konzepts, in dem auch die Wohnlichkeit ihren Stellenwert hat. Die Wiedemann-Küchen sind Meister der Camouflage, hinter deren Fronten die technischen Geräte verschwinden. Und sie zeigen eine kraftvolle Präsenz: Konstruiert als offener Erlebnisraum, als Lebensmittelpunkt, als Kochwerkstatt mit höchst effizienter Ausstattung, strahlen sie durch ihren Pragmatismus und gestalterische Souveränität eine wohltuende Selbstverständlichkeit aus. Handwerk und Hightech verschmelzen hier zu einer grosszügigen Raumkultur, deren hochspezialisierte handwerkliche Verarbeitung bleibende Wohnwerte schafft. PT

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Raumhoch: Ganzheitliche Raumkonzepte sind ein wichtiges Thema bei SieMatic. Ob in edlem Holz, mattem oder glänzendem SQ-Lack, SimiLaque oder hochwertigem Kunststoff.

Clever: Das neue Schubkastenund Auszugssystem kann mehr! Das extratiefe Kingsize-Fach bietet 50% mehr Stauraumhöhe. Dank der Vertiefung des Schubkastenbodens können auch grosse Kellen und Kochutensilien ihren Platz finden.

Erfahren: Ulrich W. Siekmann, Geschäftsführender Gesellschafter.

Küchen zum Leben U Ulrich W. Siekmann leitet die SieMatic Möbelwerke GmbH & Co. KG in dritter Generation. Er schaut dabei auf ein Familienunternehmen, das seit fast 85 Jahren Küchenmöbel fertigt. Seit Mitte der 1950erJahre widmet sich die Marke der konsequenten Weiterentwicklung des Typus Einbauküche und kann heute 17 Gestaltungskonzepte oder Produktlinien anbieten, wenn es um die punktgenaue Erfüllung von Kundenwünschen geht. Und

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ganz gleich, ob sich der Kunde für die Designerküche «S1», die neue «S3» oder eine «BeauxArts» entscheidet, immer bekommt er die sprichwörtliche Qualität, für die SieMatic auf allen Weltmärkten steht. Dem ständig wachsenden Anspruch an Individualität, Komfort und Gestaltung wird SieMatic mit einer bemerkenswerten Auswahl an Lackfarben, Materialien und Oberflächen gerecht. Deren präzise Verarbeitung verleiht jeder Küche den Rang eines Unikates. Immer wird bis ins kleinste Detail vorgeplant und beim Kunden millimetergenau montiert. Wer es noch spezieller möchte, wird sich zum Beispiel bei

der «S3» über das Griffschalenkonzept freuen und kann mit austauschbaren farbigen Aluminiumgriffen nach Lust und Laune wechselnde farbige Akzente setzen. Allein dieses Detail beweist, dass mit den einst impulsgebenden Erfindungen von SieMatic wie etwa der grifflosen Küche, oder der Einführung robuster Oberflächen die Innovationskraft des Unternehmens erst am Anfang stand. Bis zum heutigen Tag bestimmt die ständige Weiterentwicklung von Funktionalität, Ergonomie und Gestaltungsmöglichkeiten Wert, Charakter und Langlebigkeit der Küchen und Raumkonzepte.

Fotos: Heiner Köpcke, SieMatic

Das erklärte Ziel von SIEMATIC ist es, Räume zu schaffen, die mehr sind als perfekte und komfortable Orte zum Kochen.

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Up to date: Mit der integrierten USBLadestation erhalten Smartphones oder Tablets einen festen Ladeplatz auf weichem Flock und sind immer sicher aufgehoben. Akzentuiert: Raumhohe Fronten mit einem erstklassig verlaufenden Furnierbild zeigt die «S2». Hier setzt der SieMatic-Farbton Nussbaum natur edle Akzente in der dunkel glänzenden, grifflosen Küche.

Traumhaft: Klare Optik und sinnliche Haptik bestimmen das neue Schubkasten- und Auszugssystem von SieMatic, exklusiv und weltweit geschützt. Alles ist ordentlich sortiert und immer griffbereit. Da macht Ordnung Spass. Tadellos: Die Schubkästen sehen perfekt aus und funktionieren meisterhaft. Die hochflexible Systematik erlaubt eine Einteilung und Ausstattung, wie sie individueller nicht sein könnte. Bei aller Individualisierung des komplexen Produktes versteht Ulrich W. Siekmann das Unternehmen dennoch als Industriebetrieb an der Schnittstelle zum Handwerk. Er fasst den Begriff Küche auch deutlich weiter, wenn er sagt: «Wir machen keine Küchen, sondern kitchen interior design!» Unter diesem Slogan und mit drei durchdachten Raumkonzepten, die die Funktionen der Küche mit denen des Wohnraumes verknüpfen, interpretiert Siekmann den Raum an sich als «Spielfläche», überwindet die natürlichen Grenzen des Möbels und integriert den

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Innenausbau mit all seinen handwerklichen Aspekten und Möglichkeiten. Der Chef vertritt zudem den Standpunkt, dass alles, was man zeichnen kann, auch irgendwie machbar ist. Anwendung findet diese Haltung bei jedem Auftrag, egal ob es sich um die Küche eines Einfamilienhauses oder die Kleinserie für eine Apartmentanlage handelt – überall auf der Welt. Dabei gilt ein uneingeschränktes Made in Germany, denn alles wird am einzigen Standort in Löhne gefertigt, wo seit 1929 und aktuell mit 450 hochmotivierten Mitarbeitern Küchenträume wahr werden. EB

SieMatic Möbelwerke GmbH & Co. KG August-Siekmann-Strasse 1–5 32582 Löhne Telefon 0049 (0) 5732 67 0 Fax 0049 (0) 5732 67 297 info@siematic.de www.siematic.de

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Fliessende Übergänge: Dieses Projekt versinnbildlicht das Bad als erweiterten Wohn- und Lebensraum.

Lebensraum Bad Vom Abort zum Wellnesstempel: Im Gespräch mit Badplaner ROLAND LIEGL erfahren wir vom Wandel des Bades. Interview: Silvia Steidinger

Badprofi: Als gelernter Möbelschreiner und geborener Ästhet vereint Roland Liegl praktische wie auch schöngeistige Aspekte.

Roland Liegl ist ein Macher. Mit seiner Frau verwirklicht er Bäder-, Küchen- und Wohnraumkonzepte, und zwar von der Material- bis zur Produktwahl und von der Raumplanung über das Lichtkonzept bis hin zur Bauleitung. Sein Unternehmen ist Mitglied von «Aqua Cultura», einer Badgemeinschaft, unter deren Qualitätssiegel Badeinrichter in Deutschland und in der Schweiz Bäder mit hohen Qualitätsansprüchen realisieren. Seine Liebe zu natürlichen Materialien kam mit der Ausbildung zum Möbelschreiner wie auch sein Bewusstsein für Praktikabilität – beides durchaus hilfreiche und geschätzte Attribute für sein jetziges Metier. Herr Liegl, was muss ein Bad heutzutage alles können?

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Warum haben sich, verglichen zu früher, die Ansprüche an das Bad so verändert? Genügen uns unsere Wohnräume nicht mehr? RL: Mit dem Trend zu Wellness und Spa hat die ehemalige Nasszelle neue Zuständigkeiten bekommen; auch weil viele Menschen öffentliche Institutionen wie Schwimmbäder, Saunen, etc. meiden, da sie den Alltagsstress an solchen Orten nicht abbauen können. Man möchte zu Hause wellnessen, kneippen, in der Sauna entspannen. Das Bad von heute wird zu einem zusätzlichen Raum, in dem der Mensch seine Bedürfnisse ausleben kann.

Fotos: Roland Liegl (4), Dornbracht (1)

R

ROLAND LIEGL: Für uns alle beginnt und endet der Tag im Bad. Das Bad soll also, nebst der Körperhygiene, einerseits unsere Energien aktivieren und Schwung für die nächsten Stunden mitgeben, andererseits soll es Entspannung und Ruhe für die Nacht vermitteln. Das Bad von heute ist ein Alleskönner.

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Materialien, deren Einsatz im Nassbereich man sich früher kaum vorstellen konnte, trifft man nun im Bad an. Haben klassische Materialien ausgedient? RL: Natürlich nicht. Auf klassische und pflegeleichte Materialien wie etwa glasierte Fliesen wird nach wie vor Wert gelegt. Aber dank der Orientierung zum Wohnbereich hin treten nun Materialien in den Vordergrund, die Emotionen und ein Gefühl von Wärme wecken, wie Holz oder Naturstein. Immer öfter wird dafür der erhöhte Pflegeaufwand in Kauf genommen. Erfreulicherweise gewinnt das Bad kontinuierlich an Wertschätzung, und somit steigt auch die Qualität der Materialien und Geräte. Die Ansprüche an das zeitgemässe Bad gehen über simples Duschen und Zähneputzen hinaus. Wie begegnen Sie solchen Entwicklungen? RL: Jede Neuentwicklung macht das Thema Bad noch spannender, auch für uns Planer. Wir werden mehr gefordert, da die Ansprüche steigen. Natürlich ist es auch eine Chance für uns, unsere Erfahrungen, unser Können und Wissen in der Planung und Ausführung zu beweisen. Es ermöglicht uns, uns mit Know-how und Produktinnovationen von der Masse abzuheben. Hersteller bieten vermehrt auch komplette Badeinrichtungen an, die häufig individuell auf Bedürfnisse und Platzverhältnisse abge-

Multitask: Dornbracht ermöglicht verschiedene Anwendungen auf Knopfdruck.

stimmt werden können. Braucht es trotzdem noch von Badplanern entworfene Möbel? RL: Im Gegensatz zu den Badmöbelherstellern können wir im persönlichen Kundengespräch zu jedem Zeitpunkt auf individuelle und auch auf sich ändernde Bedürfnisse reagieren. Wir kreieren ein gesamtheitliches Raumgefühl und stimmen sämtliche Komponenten wie Farben, Formen, Materialien und Beleuchtung aufeinander ab. Hier kommen industriell hergestellte Produkte an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Bäder haben nicht selten schwierige Grundrisse, da sie erweitert oder umfunktioniert werden. Um jede Ecke und Nische sinnvoll nutzbar zu machen, ist eine professionelle Planung entscheidend. Farben und Möbel oder auch die Beleuchtung, die im Verkaufshaus hübsch aussahen, können in Kombination mit anderen Materialien plötzlich ganz anders wirken. Wir beraten, planen und helfen zu selektionieren. Armaturenhersteller Dornbracht prophezeit: «Das Bad wird digital». Wo sehen Sie Vorund Nachteile einer solchen Entwicklung? RL: Nebst der Erlebniswelt, die man erhält, ist ein grosser Vorteil, dass alles punktgenau gesteuert werden kann. Dies ist hauptsächlich im Hinblick auf den Wasserverbrauch nicht uninteressant. Allerdings bedingt das auch eine richtige Anwendung. Und da sind wir bereits bei den Nachteilen: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass einige Kunden überfordert sind mit so viel Technik im Bad. Die Bedienung soll ja vereinfacht werden, aber was ist einfacher, als den Wasserhahn aufzudrehen und in der gleichen Bewegung die Temperatur einzustellen? Sie erwähnten vorhin den Wasserverbrauch: Vergessen wir bei all unseren Ansprüchen, wie kostbar Trinkwasser eigentlich ist? Oder gehört ökologisches Denken automatisch zur Planung dazu? RL: Das Bewusstsein für die Wertigkeit von Trinkwasser ist bei manchen mehr, bei anderen weniger präsent. Wir versuchen immer, den Vorstellungen des Kunden gerecht zu werden, ohne dabei jemandem unsere persönlichen Überzeugungen aufzudrängen. Natürlich beraten wir aber entsprechend, wenn wir spüren, dass ein Interesse und Verständnis für diese Themen vorhanden sind. ——

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Sinnliches Erlebnis: Lichtstimmungen sind bei Roland Liegls Badkonzepten genauso wichtig wie die Materialwahl.

Roland Liegl Küche. Bad. Innenarchitektur Blankenberg 1 83530 Schnaitsee Telefon 0049 (0) 8074 82 99 info@rolandliegl.de www.rolandliegl.de www.aqua-cultura.de

Massgeschneidert: Elegante und überraschende Lösungen.

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Waschplätze mit Charakter Seit 117 Jahren kreiert die Goslarer Manufaktur ALAPE ästhetische Waschplatzlösungen aus glasiertem asiertem Stahl. Enthusiast: Geschäftsführer Carsten Müller führt die Goslarer Manufaktur seit 2007.

Perfektion: Die exakte Pe Integration der UnterbauInte Waschbecken W in das Möbelsystem Möbe «A˘system init» ist ei eine Kernkompetenz des Unternehmens.

A Adolf Lamprecht gründete 1896 im sächsischen Penig ein Emaillier- und Stanzwerk und legte damit den Grundstein für das heute unter dem Akronym «Alape» firmierende Unternehmen. Seit dem Umzug 1954 fertigt Alape im niedersächsischen Goslar individuelle Waschplatzlösungen für den privaten und halböffentlichen Bereich. Grundlage des Erfolges sind die aus glasiertem Stahl gefertigten Waschbecken und Waschtische sowie eine einzigartige Symbiose von Handwerk und Technik innerhalb des Manufakturprozesses. Die traditionelle Verwendung glasierten Stahls ermöglicht die nötige Gestaltungsfreiheit, um die Prägnanz der Produkte in Form und Vielfalt auszureizen. Die Materialeigenschaften, die handwerk-

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liche Feinarbeit inarbeit und der Innovationsgeist der Goslarer Manufaktur sind es auch, die die Badarchitektur bis heute nachhaltig prägen: So entwickelte Alape u. a. zu Beginn der 1930er-Jahre das Ausgussbecken, ein bis heute produzierter Klassiker für Hauswirtschaftsraum und Garten, sowie in den 1970er-Jahren das erste Einbaubecken und die ersten bodenstehenden Waschtische. Seit den 1980er-Jahren arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit renommierten Designern und Archi-

Handwerk: Erfahrung und das richtige Gespür für den Werkstoff sind gefragt.

tekten an individuellen individ Produkt- und Raumkonzepten, die bereits mehrfach mit nationalen und internationalen Designpreisen ausgezeichnet wurden. Massgebend für die hohe Qualität der Produkte sind von jeher die handwerklichen Fertigkeiten der Mitarbeiter sowie die Erfahrung und das Gespür im Umgang mit den verwendeten Werkstoffen. In Verbindung mit modernen, vollautomatischen Technologien ermöglicht dies die exakten und geradlinigen Formen, die das puristische Design von Alape so unverwechselbar machen. Die Ergänzung der Waschbecken und Waschtische um ebenfalls in Manufaktur gefertigte Möbel sowie Spiegel und Leuchten erweitern den Spielraum und erlauben die Planung individueller Waschplatzlösungen aus einer Hand. DD

Fotos: Alape

Zeitlos: «Sondo» bestic besticht cht durch seine Gestalt estalt aus 3 mm glasiertem m Sta Stahl. ahl.

Alape GmbH Am Gräbicht 1–9 38644 Goslar Telefon 0049 (0) 5321 558 0 Fax 0049 (0) 5321 558 400 info@alape.com www.alape.com

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Culturing Life DORNBRACHT kultiviert

die Lebensräume Bad und Küche immer wieder neu.

Ü

Fotos: Dornbracht

Gelebte Zukunftsvision: Die Brüder Matthias (CTO Systems & Technology, links) und Andreas Dornbracht (CEO Communications & Marketing) führen das Unternehmen.

Wie unter freiem Himmel: Verschiedene Regenarten, Nebel, Licht und Düfte ergänzen sich bei «Sensory Sky» zu komplexen Szenarien, die von Wetterphänomenen und Stimmungen in der Natur inspiriert sind.

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Über 60 Jahre Unternehmensgeschichte, über 60 Jahre Inspiration und treibende Zukunftsvisionen. Dornbracht definiert sich längst nicht mehr nur über die Manufaktur von hochwertigen Designarmaturen und -accessoires made in Germany, sondern ebenso über die Rolle als nachhaltiger, kultureller Impulsgeber – weit über die Bad- und Küchenarchitektur hinaus. Gegründet wurde das Unternehmen 1950 von Aloys F. Dornbracht gemeinsam mit seinem Sohn Helmut in Iserlohn. Den Grundstock des Erfolgs legte die Erfindung des ausziehbaren Auslaufs, der ursprünglich für die Küche gedacht war. 1992 brachte Dornbracht «Tara» auf den Markt, eine minimalistische Armatur mit klarer Linienführung von Sieger Design. Das progressive Konzept der «Tara» wurde zum Archetypus der modernen Badarmatur und als solches mit internationalen Designpreisen ausgezeichnet und weltweit oft kopiert. Heute wird das Familienunternehmen in dritter Generation von den Brüdern Andreas und Matthias Dornbracht geführt. Die langjährige Auseinandersetzung mit den Lebensräumen Bad und Küche und die Erforschung wiederkeh-

«Sensory Sky»: Die Steuerung erfolgt einfach und bequem über die neuen, digitalen Smart Tools.

Richtungsweisend: Die «Tara» ist eine der erfolgreichsten DornbrachtArmaturen.

render Handlungen führen Dornbracht kontinuierlich zu neuen Fragestellungen: Wie lassen sich Prozesse vereinfachen? Was verhilft uns zu mehr Lebensqualität und -zeit? Wie müssen Produkte und Systeme in Bad und Küche geschaffen sein, um unser Leben optimal zu unterstützen? Auf der Suche nach Antworten entwickelt Dornbracht schon heute Systemlösungen für die Herausforderungen von morgen. Programmneuheiten wie «Smart Water», «Sensory Sky» und die neuen, spezialisierten Auslassstellen, die erstmals im Frühjahr 2013 präsentiert wurden, spiegeln das Markenverständnis «Culturing Life» wider. Sie zeigen, wie die Fülle von technologischen Optionen in Bad und Küche überführt werden können. Mehr Komfort, mehr Nutzen, mehr Individualität. ASL Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG Köbbingser Mühle 6, 58640 Iserlohn Telefon 0049 (0) 2371 433 0 Fax 0049 (0) 2371 433 232 mail@dornbracht.de www.dornbracht.com

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Verschlankt: Modell «BetteArt» fasziniert mit einem enorm reduzierten Wannenrand (30 mm). Für den engen Raum zwischen Verkleidung und Wannenkörper wurde eine eigene Ablaufgarnitur entwickelt.

Verantwortlich: Thilo C. Pahl führt die Bette GmbH & Co. KG als geschäftsführender Gesellschafter in der vierten Generation.

Beim Stahl-Email-Spezialisten BETTE werden die Grenzen des Machbaren immer wieder verschoben.

W «Wir liefern standardmässig Dinge, die anderswo bereits als Sonderlösung gelten – das zeigen unsere mehr als 600 Modelle von Bade- und Duschwannen sowie Waschtischen. Wenn wir von Individualisierungen sprechen, dann handelt es sich um echte Fertigungsspezialitäten, die nur wir so anbieten», sagt Thilo C. Pahl selbstbewusst. Der junge geschäftsführende Gesellschafter der Bette GmbH & Co. KG in Delbrück hatte vor gut zwei Jahren die Nachfolge seines Vaters Fritz-

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Wilhelm Pahl angetreten. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Thema der frei stehenden Wannen immer wichtiger, und massgeschneiderte Lösungen im Bad begannen zudem, eine entscheidende Rolle zu spielen. Mittlerweile sind diese ausschliesslich in Handarbeit zu realisierenden Sonderwünsche der Kunden zu einem zweiten Standbein des Unternehmens geworden. Bei rund tausend lieferbaren Farben und breit gefächerten Modell- und Massvarianten bedeuten individuell angepasste Bade- und Duschwannen sowie Waschtische vor allem eins: Das handwerkliche Know-how der Bette-Experten kommt

Gefinished: Wenn man mit der Hand über Kanten und Flächen streicht, mag man denken, der Körper sei aus einem Stück gefertigt.

auftragsbezogen zum Einsatz. Dafür werden Wanneninnenkörper und Wannenschürze passgenau zusammengeführt und verschweisst und im manuellen Verfahren auch die stabilisierenden Unterkonstruktionen der frei stehenden Wannen angeglichen. Da die Beliebtheit der Monolithen ständig zunimmt, gerät diese Mischung aus Hightech-Produktion mit anschliessender Manufakturarbeit zu einem arbeitsintensiven Prozess. Und wie bei sämtlichen Bette-Produkten ist der erfahrene Umgang mit dem Material ausschlaggebend: Die Badobjekte aus Stahl müssen am Stück durch den 30 Meter langen

Fotos: Heiner Köpcke, Bette

Individualität statt Kompromisse

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Händisch: Schweissarbeiten am Modell «BetteStarlet Oval Silhouette». Die frei stehende Wanne im Topsegment lässt sich bei Bedarf sogar zweifarbig gestalten. Geglättet: Der bearbeitete Stahlrohling zeigt keine Schweissnaht mehr. Erst diese perfekte Stahloberfläche garantiert auch eine perfekte Emaillierung.

Reduziert: Bei der Wanne «BetteLux» gibt es den klassischen Wannenrand praktisch nicht mehr. Dennoch ist die volle Stabilität gegeben. Ein Meisterstück!

Brennofen. Bei rund 830 Grad werden diese schliesslich mit einer glasartigen Oberfläche, dem Email, optisch, haptisch und funktional veredelt. Die fertigen Bette-Produkte überzeugen durch Qualität, Design und Nachhaltigkeit. Sie sind eine lohnende Investition für Kunden, die sich bei einer Badsanierung oder beim Neubau von vornherein für ein Premiumprodukt aus einem besonderen Material entscheiden – und für Individualität statt für Kompromisse. Das hohe gestalterische Niveau steht dabei stets im Vordergrund. Mit seinen Stahl-EmailProdukten steht das Unternehmen in einem Markt, in dem das Thema Wohlbe-

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Veredelt: Vorsichtig wird die «BetteStarlet Oval Silhouette» im Fertigungsprozess behandelt – hier bei der Hand-Emaillierung.

Modelliert: «BetteCubo Silhouette» bekam 2011 die «Design Plus»Auszeichnung der Frankfurter Messe ISH.

finden durch Wasser einen zunehmend hohen Stellenwert hat. Ein Badobjekt, das sich sowohl den Bedürfnissen als auch den gestalterischen Rahmenbedingungen angleicht, findet seinen optimalen Platz – in jedem Bad. UB

Bette GmbH & Co. KG Heinrich-Bette-Strasse 1 33129 Delbrück Telefon 0049 (0) 5250 511 0 Fax 0049 (0) 5250 511 130 info@bette.de www.bette.de

Selbstbewusst: Die frei stehende Wanne «BetteStarlet Oval Silhouette» behauptet sich mühelos im Raum.

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Puristisch: Klar und geradlinig zeigt sich das Einrichtungskonzept «ROYAL 60», entworfen von Tesseraux+Partner.

Im Bad zu Hause Das Familienunternehmen KEUCO, Komplettanbieter für Badausstattungen, überzeugt mit Design und Qualität.

A Am 1. April 1953 ist der Grundstein für die heutige KEUCO GmbH & Co. KG gelegt worden, als Hermann Bönner und Paul Keune zusammen mit den Geldgebern Eduard Baron de Becker-Remy und Josef Himrich einen Kleinbetrieb für Beschläge gegründet haben. Damals, vor 60 Jahren, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass sich daraus ein internationaler Komplettanbieter für Badausstattungen entwickeln würde. Heute ist KEUCO als deutscher Markenhersteller weltweit etabliert und hat sich als designorientierter Hersteller von Badeinrichtungen international einen Namen gemacht. Geleitet wird das Familienunternehmen von Engelbert Himrich, Geschäftsführender

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Gesellschafter in der dritten Generation, zusammen mit dem Geschäftsführer Hartmut Dalheimer. Die Hauptgesellschafter sind alle Familienmitglieder der Unternehmensgründer. Mit der bekannten Serie «ELEGANCE» hat KEUCO Bad-Geschichte geschrieben. Als erfolgreichste Accessoires-Kollektion der Welt ist ihre Beliebtheit über Jahrzehnte hinweg unübertroffen. Seit ihrer Einführung 1967 entwickelte sie sich mit etwa 45 Millionen verkauften Artikeln zur meistverkauften Badserie aller Zeiten. Zu den aktuellen Serien von KEUCO, die sich heute als Komplettanbieter von Badeinrichtungen mit vier eigenen Werken in Hemer, Gütersloh und Bünde präsentiert, gehören die «EDITION 11» in zurückhaltendem, geradlinigem Design, und «ROYAL 60», ein Badeinrichtungskonzept für puristische Ästheten.

Meilenstein: KEUCO «ELEGANCE», hier ein Bild aus den 1970erJahren, gilt als eine der erfolgreichsten AccessoiresKollektionen der Welt.

Unternehmensleitung: Engelbert Himrich (rechts), Geschäftsführender Gesellschafter, und Geschäftsführer Hartmut Dalheimer.

KEUCO GmbH & Co. KG Oesestrasse 36 58675 Hemer Telefon 0049 (0) 2372 9040 Fax 0049 (0) 2372 904 236 info@keuco.de www.keuco.de

Fotos: Keuco

Eleganz im Bad: Ästhetik, Funktion und Sinnlichkeit charakterisieren die Armaturen der «EDITION 11» von KEUCO.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Keuco

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Ausgezeichnet: Das Lichtkonzept für Hamburgs U-Bahnhof HafenCity Universität erhielt den Radiance Award for Excellence in Lighting Design 2013.

«Licht lässt uns sehen» So einfach diese Aussage ist, so wenig ist sie uns im Alltag bewusst. GERD PFARRÉ weiss das auf eindrückliche Art und Weise zu ändern. Wir haben ihn befragt. Interview: Silvia Steidinger

P Pfarré lighting design gehört zu den unabhängigen Lichtplanungsbüros Deutschlands, die international Aufträge und Anerkennung erhalten. Dies ist insofern bemerkenswert, weil der Beruf Lichtplaner in Deutschland, verglichen etwa zu den USA oder Japan, kaum Tradition hat. Doch die Passion, die das Team von

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pfarré lighting design für Licht mit all seinen Facetten und Möglichkeiten hegt, machen das Unternehmen zu einem der besten weltweit. Das beweisen internationale Fachauszeichnungen. Herr Pfarré, was ist gutes Licht? GERD PFARRÉ: Licht lässt uns sehen, und ohne Licht gibt es keine visuelle Form. Licht stimuliert, informiert und erfreut uns. Es leistet einen wichtigen Beitrag zu guter Architektur, zu Design und

ebenso zur Kultur. Gutes Licht offenbart Schönheit, Funktion und Form und definiert Erscheinung, Farbe und Textur. Und was macht eine gute Beleuchtung aus? GP: Eine gute Beleuchtung wirkt selbstverständlich und drängt sich in der Regel nicht in den Vordergrund. Sie wird in das Umfeld integriert und unterstützt die Intentionen der Bauherren und Architekten. Ausnahmen sind Lichtobjekte, die bewusst zur Identität des Projektes,

Fotos: Markus Tollhopf (2), pfarré lighting design (1), Sébastien D’Halloy (1), Ingo Maurer GmbH, München (1), Anta (1)

Lichtjahre: Seit 1998 erstellt Gerd Pfarré mit seinem freien Planungsbüro weltweit Lichtkonzepte.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — pfarré lighting design

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der Marke oder Adresse gestaltet werden, wie etwa die «Lichtcontainer» in Hamburgs U-Bahnhof HafenCity Universität. Pfarré lighting design hat für das weltweit grösste Uhrengeschäft von Bucherer ein Lichtkonzept komplett in LED ausgeführt. Ist LED das ultimative Leuchtmittel? GP: Die LED hat ihr maximales Potenzial noch nicht erreicht, und die Industrie arbeitet mit beachtlichem Engagement und hohen Investitionen daran, diese zukunftsweisende Technologie weiter zu optimieren. Für einige Bereiche, wie etwa im Schiffbau, Hospitality- und Retail-Sektor, ist die LED durch ihre kleinbauende Technik hervorragend geeignet. Gleichwohl ist die LED nicht das allein glückselig machende Leuchtmittel für alle Anwendungsbereiche. Wie etwa für klassische Designleuchten... Gibt es Alternativen? GP: Das Verbot der Glühlampe halte ich für Blödsinn. Bis heute hat noch niemand den Nachweis erbracht, dass der Import von Leuchtmitteln aus China oder die Entsorgung von elektronischen Bauteilen und Quecksilberresten nachhaltiger ist. Wenn wir können, setzen wir Glühlampen noch so lange dort ein, wo eine LED einfach nie an das wunderbare Gefühl und die Wärme herankommen wird, die eine Glühlampe ausstrahlt. Wir arbeiten jedoch auch mit Halogen-, Leuchtstoff-, und Entladungslampen, je nach Einsatzort, Beleuchtungsaufgabe, Budget

Erleuchtung: Das Uhrengeschäft Bucherer in Paris bedient sich ausschliesslich LED-Leuchten.

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und Planungsziel. Generell versuchen wir zugunsten der vereinfachten Wartung die Menge unterschiedlicher Leuchtmittel im Projekt zu reduzieren. Hat LED trotz Optimierungen Nachteile? GP: Leider hinkt die Technik der elektronischen Bauteile den LED noch etwas hinterher. So wissen nur wenige, dass etwa 40% aller LED-Leuchten ihre Lebensdauer deshalb nicht erreichen, weil die Bauteile teilweise ihren Betrieb viel früher einstellen, also kaputtgehen. Auch die ausführenden Firmen sind noch nicht auf dem Stand, der notwendig ist, um die immer komplexer werdenden Installations- und Steuerungssysteme problemlos umsetzen zu können. So haben wir als Lichtplaner immer häufiger die Aufgabe, moderierend mehrere Disziplinen und Interessen zusammenzuführen. Sie verfügen über eine Ausbildung als Bauund Möbeltischler. Wie vorteilhaft ist ein solcher Hintergrund für Ihre jetzige Tätigkeit? GP: Das erlernte Verständnis für Materialien, deren Eigenschaften und Verarbeitungsmöglichkeiten hilft mir sehr. Schliesslich beleuchten wir immer Materialien, und nur durch die Reflexion des Lichtes nehmen wir diese wahr. Am meisten profitiere ich aber von einer ganzheitlichen Betrachtungsweise und räumlichem Sehen.

noch immer erst spät, wenn überhaupt, hinzugezogen. Woran liegt das? GP: Das hat mindestens drei Gründe: 1. Licht wird zu oft ausschliesslich nach quantitativen Gesichtspunkten wie etwa: «Wird es hell genug sein?» beurteilt. 2. Leuchten werden zu oft aufgrund ihrer Form ausgewählt und nicht nach der für den Einsatz passenden Lichtqualität. 3. Der Beruf des Lichtplaners ist noch nicht etabliert und die Berufsbezeichnung ungeschützt. Viele wissen nicht, dass es uns gibt und was wir tun. Auch ist unbekannt, dass ein freier Lichtdesigner unabhängig von Herstellern arbeitet. Umso erfreulicher ist es, wenn sich Auftraggeber immer wieder an uns wenden. So sind wir auch bei Wettbewerben immer häufiger von Anfang an mit im Team dabei. Das Thema Lichtqualität gewinnt zusehends —— an Bedeutung. pfarré lighting design Sonnentaustrasse 12 80995 München Telefon 0049 (0) 89 540 41 43 43 Fax 0049 (0) 89 540 41 43 0 info@lichtplanung.com www.lichtplanung.com

Lichtkonzept und Architektur gehen Hand in Hand. Dennoch wird die Lichtplanung

Leuchtmittel der Zukunft? Während einige Leuchten nach wie vor mit Glühbirnen leuchten, steigen andere Produkte auf LED um. Links der Klassiker «Bulb» von Ingo Maurer und rechts die LED-Leuchte «ZAC» von Anta.

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Wenn gutes Licht im Blut liegt Anders sein lohnt sich – diese Devise beweist Gertrud Kracht schon ihr Leben lang. Gemeinsam mit Sohn Kristian steht sie hinter ANTA . Und das bedeutet: Leuchten reduziert aufs Maximum.

Schlicht: «CUT» von Torsten Neeland ist formal aufs Minimum reduziert. Sie wird als Steh- oder Tischleuchte angeboten.

W Wer ANTA kennt, kennt gutes Licht und Gertrud Kracht. Vor über 40 Jahren gründete die aus Niederbayern stammende Unternehmerin das Leuchtenlabel ANTA. Und mit ihrer Philosophie, erstklassiges Design auf die sparsamste Form zu bringen, hat sie ihre Marke weltweit bekannt gemacht. Von Alaska bis Afrika spannt sich der Bogen überzeugter ANTA-Liebhaber. Allein in Deutschland bietet sie ihren überzeugten Fans das Programm aus 36 Modellfamilien über knapp 350 Händler an. Unterstützt wird die Seniorchefin dabei tatkräftig von Sohn Kristian, der schon als kleiner Schuljunge

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im Schenefelder Betrieb ein- und ausging. Oder als Heranwachsender logistische Unterstützung leistete, wenn seine Mutter mit einem riesigen Marmorvorrat von ihren ausgiebigen Geschäftsreisen zurückkam. ANTA liegt ihm einfach im Blut. Kein Wunder, dass Kristian Kracht mit der gleichen Akribie und dem gleichen bedingungslosen Engagement ans Werk geht wie seine Mutter. Unterscheiden tun die beiden sich nur in Nuancen. Nämlich wenn es darum geht, sich zu ihren Lieblingsleuchten zu bekennen. Denn Lieblingsleuchten sind sie eigentlich alle. Wer ins ANTA-Programm kommen möchte, muss mit überzeugenden Ideen, brillanter Technik und wohltuendem Licht aufwarten.

Fotos: Heiner Köpcke, Rudolf Schmutz, Anta

Das perfekte Team: Gertrud Kracht (rechts), Gründerin von ANTA, mit ihren Nachfahren Ann und Kristian Kracht.

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Meisterlich: Von Altmeister Rolf Heide stammt der Entwurf für «TIESO TENDER», die es auch mit Ausziehfunktion gibt. Dabei hört sich die Maxime ganz einfach an: «Wir machen Leuchten. Das Wichtigste ist das Licht, das durch eine effiziente Technik erzeugt wird. Und dieses Licht soll die Architektur in ihrer Wirkung unterstützen.» So wie zum Beispiel die superpuristische «TIESO TENDER». Eine traumhaft geradlinige Hängeleuchte von Designlegende Rolf Heide. Er ist – wie viele der ANTA-Designer – mit der Familie eng befreundet und schätzt die Kennerschaft der Chefin und des gesamten Teams. Das arbeitet natürlich nach bester Handwerkstradition und Sorgfalt am Standort in Schenefeld. Verarbeitet werden hier nur beste Materialien wie edles Metall, feinstes Porzellan, bestes Leder und natürlich ausgeklügelte Technik. Apropos Technik! Diesem Thema hat sich vor allem Kristian Kracht verschrieben. Immer arbeitet er mit Genauigkeit und Geduld an der Umsetzung neuer Technologien und lässt sich dabei auch nicht von kleinen und grossen Stolpersteinen aufhalten. Erst wenn die Lichtqualität optimal ist, die Ausleuchtung perfekt ist und Verbrauchswerte stimmen, ist er – fast – zufrieden. Denn das Team Kracht besteht auch darauf, dass seine Leuchten auch tagsüber – wenn sie kein wohliges Licht verteilen – wahre Schmuckstücke sind. «Schliesslich sind Leuchten die elementarsten Requisiten unserer Einrichtung», so Gertrud Kracht. Pendelleuchte «JOSE», Tischleuchte «CUT» und Deckenfluter «FARO» haben unter anderem diesen Test auf alle Fälle schon bestanden. Man darf gespannt sein, mit welchen Schönheiten die Designschmiede vor den Toren Hamburgs noch aufwartet. EB ANTA Leuchten GmbH Osterbrooksweg 59 22869 Schenefeld Telefon 0049 (0) 40 839 10 37 Fax 0049 (0) 830 25 15 info@anta.de www.anta.de

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Grazil: Feinstes Porzellan und LED-Licht sorgen bei «JOSE» von Designer Jörg Zeidler für die richtige Lichtstimmung.

Belesen: Die Tischleuchte «ZAC» ist dank ihrer Flexibilität in den Gelenkverbindungen ideal für Bibliotheken geeignet.

Beweglich: Bei Deckenfluter «FARO» lässt sich der Kopf drehen und kippen. So findet das Licht den Weg in jede gewünschte Richtung.

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Anmutig: Stehleuchte «Sten Cloud» ist ein modern interpretierter Klassiker. In geölter Weißeiche oder Nussbaum zu haben.

Streicheleinheiten: Haptisch und optisch ein Erlebnis ist Tischleuchte «Mia» aus zweifarbigem Wollfilz.

Liaison: Olaf Seynsche in seiner Leuchten-Werkstatt. Seine Modelle vereinen ausgefallenes Design mit Spitzentechnik.

Licht aus Leidenschaft Anziehungskraft: Dank des integrierten Magneten ist bei «Fläks» die Leuchte auf dem Fuss frei positionierbar.

Raffinesse: Ein Ring und eine Öffnung – mehr braucht Leseleuchte «Pit» nicht, um ganz gelenkig Licht überall leuchten zu lassen.

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F Frische Ideen, denen mit natürlichen Materialien Licht und Leben eingehaucht wird – das Credo der Leuchtenmanufaktur DOMUS D ist seit 1966 so simpel wie überzeugend! Mit Ehrgeiz und Engageüberz ment leitet Lichtingenieur Olaf Seynsche das Familien F unternehmen. Unter seiner Regie hat sich die Marke zu einem Label entwickelt, das in der Lichtbranche und bei entwi Privatkunden auf grosses Interesse stösst. Privat Sie h heissen «Sten», «Pit», «Mia» oder «Edward» und neben ihren ausgefallenen «Edw Namen verbindet sie ihre handwerkliche Name Herkunft. «Bei unserer traditionellen FerHerku tigung haben wir uns höchste Qualitätsmassstäbe gesetzt», so Seynsche. Das ermasss kennt man auch an den ausgeklügelten, sympathischen Details, die jede der Leuchsympa ten so einzigartig macht. Da ist «Mia» – die poetis poetische, individuelle Tischleuchte aus Wollfilz. Mit ihrer fröhlich frechen Zweifarbig farbigkeit. Oder «Pit» – die Leuchtenfamilie, de deren Gelenk aus einem Ring und einer

Öffnung besteht. Die Gestaltung verzichtet auf komplizierte Mechanik und ist so minimalistisch wie möglich. «Der konische Lampenschirm wirft schönes Licht zum Lesen und Arbeiten, das auch Atmosphäre schafft», schwärmt der Lichtplaner. Mit DOMUS ist Olaf Seynsche nicht nur bei der Gestaltung privater Wohnräume ein zuverlässiger Partner. Das technische Know-how des Teams, das Wissen um die aktuellen technischen Entwicklungen und die Kreativität der Designer ist auch gefragt, wenn es um umfassende Lichtlösungen für den Objektbereich geht. Überall da, wo die Macher auf angenehme, wohnliche Lichtverhältnisse Wert legen und sich gleichzeitig ihrer ökologischen Verantwortung bewusst sind, fällt die Wahl auf DOMUS und ihre zeitlosen Klassiker. EB DOMUS – Licht zum Wohnen GmbH Unter der Bleiche 36 31848 Bad Münder Telefon 0049 (0) 5042 933 293 Fax 0049 (0) 5042 933 277 mail@domus-licht.de www.domus-licht.de

Fotos: Heiner Köpcke, Domus

Die Entstehung einer DOMUS -Leuchte ist Teamarbeit. Das Ergebnis: zeitlose Klassiker in handwerklicher Tradition gefertigt.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Domus

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Der Lichtkünstler: Ingo Maurer in seiner Schwabinger Werkstatt.

Technisch: Leuchtknoten «Knot» zeigt eine neue Art der Herstellung mittels 3DDrucker (2013).

Poetisch: Seit 1992 beflügelt das Lichtvögelchen «Lucellino» Wohnträume.

Romantisch: «J. B. Dragonfly» limited Edition (2012) wird umschwirrt von handgefertigten Libellen.

Fotos: Robert Fischer, Tom Vack, Hans Buttermilch / Ingo Maurer GmbH

Helle Freude Die Lichtobjekte von INGO MAURER sind eine Erleuchtung.

D Denkt man an Raumlicht, denkt man an ihn: Ingo Maurer gilt seit 1966 als Pionier für revolutionäre Lichtskulpturen. Sein faszinierendes Werk umfasst zahlreiche Entwürfe, von nüchtern bis verspielt, von überdimensional bis filigran, von poetisch bis provokativ. Bereits sein erstes Objekt schrieb Designgeschichte: die Glühbirnen-Tischlampe «Bulb» (1966), ebenso das rote Herz «One From the Heart» (1989), die «Zettel’z» (1997) – eine Hängeleuchte, die mit ihren Botschaften zu eigener Kreativität anregt –, Plastikratten

im beleuchteten Metallkäfig «Seven Rats» (2007), fliegende Glühbirnen-Schwärme als Kronleuchter «Birds Birds Birds» (1992) und die spektakulären Lichtinstallationen in öffentlichen Projekten und Ausstellungen. Und mehr noch: Er hat uns neues Sehen gelehrt. Mit seiner einzigartigen Symbiose von Manufaktur und Hightech hat der Lichtkünstler neue Designmassstäbe gesetzt und durch experimentellen Einsatz innovativer Leuchtmittel wie NiedervoltHalogensysteme, LED und OLED emotionale Raumatmosphären geschaffen. Ingo Maurers Leuchten sind vielfach ausgezeichnete Klassiker, von denen derzeit 120 produziert und vertrieben werden. Und

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Ingo Maurer

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Exotisch: Lichtskulptur als Hommage an die japanische Papierfaltkunst: «Poul Poul» aus der Serie «The MaMo Nouchies» (1998). natürlich kann man die handgemachten Objekte auch nach vielen Jahren noch in die Werkstatt geben, denn es gibt für fast jedes Modell sorgfältig aufbewahrte Ersatzteile. Aber eine Qualität dieser fröhlichen Leuchten ist garantiert unvergänglich: ihre positive Ausstrahlung. PT

Ingo Maurer GmbH Studio und Showroom Kaiserstrasse 47, 80801 München Telefon 0049 (0) 89 381 60 60 Fax 0049 (0) 89 381 60 620 info@ingo-maurer.com www.ingo-maurer.com

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Gekonnt dezent beleuchten K.B. FORM steht für gestaltete, funktionale Leuchten, die

immer von Zurückhaltung und Zeitlosigkeit geprägt sind.

«Ich bin heute mal das Modell», sagt Kai Byok, während seine Mitarbeiter beim Fotoshooting mit Heiner Köpcke durch den Showroom laufen. Der Chef, Designer und Namensgeber von K. B. Form flirtet mit der Kamera. Doch sonst stehen in Hamburgs Vorort Rellingen andere Stars vor der Linse. Strahlende Stars! Sie sind ebenso selbstbewusst und fotogen wie ihr Erfinder. Dafür sorgen die reduzierte, klare Formensprache und die intelligenten Funktionen. Denn Kai Byok verfolgt ein sehr klares Prinzip. Bei all seinen Kreationen steht die gute, oft preisgekrönte Gestaltung und die tadellose Funktion im Vordergrund. «Richtig perfektes Licht springt nicht ins Auge, sondern sorgt für ein wohliges Grundgefühl», so Byok. Der Produktdesigner hat in Mailand studiert und auch seine ersten Berufsjahre dort absolviert. Licht soll seiner Meinung nach die Innenarchitektur unterstützen und sich nicht nach vorne drängeln. Mit dieser Einstellung gründete er 1996 K. B. Form und hat seither die Lichtkultur – anfangs mit Glasleuchten, heute vorrangig mit Aluminiummodellen – inspiriert. So sind seine Leuchten so kreiert, dass sie unabhängig von Trends funktionieren. Und die fein behandelten Oberflächen jeweils den Esprit des Mate-

Clever: Bei Tischleuchte «Squadrina» lässt sich auch der obere Arm mühelos verdrehen, um die Lichtrichtung individuell zu verändern.

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Überzeugend: Ein quadratisches Profil, das von nur zwei Haken gehalten wird, kennzeichnet die «Squadra-Serie» (im Bild: «Mono 125»).

Ausgezeichnet: Für höhere, zeitgemässe Sitzgruppen bietet Leseleuchte «Nastrone» die optimale Form. Der Fuss ist drehbar. rials unterstreichen. Neben Living Lights stellt sich K. B. Form mit seinen 18 Mitarbeitern auch ganzheitlichen Herausforderungen. «Die Sparte Working Lights befasst sich mit architektonischen Lichtaufgaben, immer budgetorientiert.» Bürogebäude, Einkaufszentren, Neu- und Altbauten stehen auf der Agenda. Und gerade wurde in Rellingen dafür gesorgt, dass ein altes Rittergut in neuem Licht erstrahlt. Aus der historischen Anlage ist ein Veranstaltungszentrum mit hochwertiger Gastronomie geworden. Und für solche Grossprojekte entwickelt der De-

signer gern Sonderleuchten und dekliniert sie für alle Aufgaben durch: «Unsere Lichtplanung zieht sich wie ein roter Faden durch das alte sowie neue Gemäuer – schlicht, gekonnt und wie immer mit ganz viel Understatement.» EB K. B. Form GmbH Industriestrasse 8b 25462 Rellingen Telefon 0049 (0) 4101 5999 0 Fax 0049 (0) 4101 5999 55 info@kbform.com www.kbform.com

Fotos: Heiner Köpcke, K. B. Form

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Prägend: Kai Byok ist Chef, Designer und Namensgeber von K. B. Form.

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Das Lichtwunder Das LED-Lichtsystem SLY ist der erfolgreichste Newcomer der letzten Jahre.

Fotos: Christoph-A. Gramann, Jürgen Komar

K Kaum war das pfiffige Lichtmodul SLY, das speziell für die LED-Technik entwickelt wurde, auf dem Markt, ging allen ein Licht auf: smartes Design in Form eines 7,5 cm flexiblen Quadrats, im Set oder solo, als Steh-, Klemm-, Pendeloder Einbauleuchte, fünf Lichtfarben, höchste Energieeffizienz mit nur acht Watt, perfektes Thermomanagement, präzise Lichtführung, optimale Helligkeit, natürliche Farbwiedergabe, Fertigung nach Kundenwünschen, ressourcenschonende Herstellung, ultralange Lebensdauer – kurz: die Leuchte überzeugte und wurde schon bei der ersten Ausstellung auf der Light+Building mit dem Best of Designplus 2010 ausgezeichnet und 2011 mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland geehrt, der höchsten deutschen Auszeichnung. Der renommierte Leuchtendesigner Jürgen Komar und seine Ehefrau Monika

sind fasziniert von Licht und haben in ihrer Hightech-Manufaktur jahrelang an dem Entwurf des modularen Lichtsystems getüftelt, das in öffentlichen Bereichen ebenso funktioniert wie im privaten Umfeld: «Licht ist Lebensqualität und Lebenselixier, aber Licht wird von jedem Menschen anders wahrgenommen, deshalb ist unser System auf verschiedenste individuelle Bedürfnisse und Einsatzbereiche ausgerichtet, denn das persönliche Wohlgefühl hängt auch damit zusammen, ob die Beleuchtung in Lebensräumen als stimmig empfunden wird. Unser Motto: Create your own light. Mit unserem kleinen Alleskönner SLY wird jeder Kunde sein eigener Lichtkünstler.» PT

Erfinderisch: Jürgen und Monika Komar sind die kreativen Köpfe hinter SLY.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Komar Licht

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Komar Licht Hagenrain 1 83543 Rott am Inn Telefon 0049 (0) 8039 408212 Fax 0049 (0) 8039 408211 mail@komarlicht.de www.komarlicht.de

Effizient: SLY bringt Höchstleistungen bei wenig Watt.

Exklusiv: Licht- und Lackfarbe werden individuell angepasst.

Elegant: Der präzise Lichtkegel der Pendelleuchten sorgt für harmonische Beleuchtung.

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Farbenfroh: Das Textilkabel der «EccoLed Tavolo» gibt es in sechs Farben, und jeder Leuchte des Programms sind drei Linsenvorsätze zur Veränderung des Abstrahlwinkels beigelegt.

Elegant: Hochglänzend wirken die elliptischen Module der «Cosmo»Serie sehr edel. In der Ausführung «Grande Uno» sind sie verkettet zu einer Leuchte von 71,5 cm Länge.

Zauberstäbe LDM -Leuchten offenbaren die Poesie

D Die ehemalige Maschinenhalle in zentrumsnaher Lage verrät zunächst nichts von ihrer Umwidmung. Für den Pforzheimer Unternehmer Jürgen Glauner war sie im Jahre 2005 genau im richtigen Moment zu haben – und die LDM GmbH absolvierte den zweiten Umzug nach ihrer Gründung vor jetzt 22 Jahren. Heute bearbeiten, montieren und konfektionieren hier 18 Mitarbeiter die rund 6000 Zulieferteile für eine stringente Leuchtenkollektion aus den sechs Produktlinien «EccoLed», «Smarty», «Santo», «Cosmo», «Luna» und «Mono». Mit Ausnahme von «Smarty» und «Santo» werden in jeder Linie neben den

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Einzelleuchten auch schienengebundene Module angeboten. Die Formensprache fast der gesamten Kollektion ist geprägt von präzisen, kreis- und stabförmigen Elementen sowie von zylindrischen, rotationssymmetrischen und optional farbigen Glasdiffusoren. Nur «Cosmo» bricht hier aus und hat sich ganz der Ellipse verschrieben. Als Leuchtmittel kommen ausschliesslich neutral- beziehungsweise warmweiss strahlende LEDs und Niedervolt-Halogenlampen zum Einsatz. Abhängig von der Produktlinie werden jeweils verschiedene hochwertige Oberflächenausführungen von Leuchtenkörpern, Baldachinen und Trafogehäusen angeboten. Bei «EccoLed» und «Smarty» kann der Nutzer zudem jederzeit den Abstrahlwinkel der LEDs verändert, indem er zwischen

den drei zum Lieferumfang gehörenden Wechsellinsen-Modulen wählt. Alles in allem sind die Individualisierungsmöglichkeiten innerhalb der Kollektion sehr gross, zumal sich einige Produktlinien formal gut kombinieren lassen. Das Unternehmen versteht sich bei aller Designaffinität jedoch nicht als Designverlag; fast alle Entwürfe stammen folgerichtig aus eigenem Hause. Einen wesentlichen Erfolgsfaktor des Unternehmens sieht Jürgen Glauner in der kundenbezogenen Anpassung der Leuchten, die damit noch individueller eingesetzt werden können, als es das Baukastenprinzip ohnehin schon zulässt. Besonders attraktiv ist das für Lichtplaner, die bei Projekten oft nicht ohne Sonderlösungen auskommen. Den besten Überblick verschafft man sich anhand der aktuellen Produkt-

Fotos: Christoph von Haussen, LDM

klarer geometrischer Körper.

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Zielgerichtet: Der Allrounder und Dreifachstrahler «EccoLed Spot Trio» ist 100 cm lang. Eine gute Verstellbarkeit der einzelnen Stäbe macht ihn so vielseitig.

Strahlend: Jürgen Glauner, Geschäftsführer von LDM, weiss sich ins rechte Licht zu setzen, hier mit «EccoLed Twin».

unterlagen, deren übersichtliche Gliederung vorbildlich ist und Planer wie Endkunden anspricht. In der Zweisprachigkeit des «Magalogs», einer kreativen Kombination von Magazin und Katalog, kündigen sich bereits Exportaktivitäten an, die sich im Marketing auch auf ein «Made in Germany» stützen werden. Das altehrwürdige g Label ist für LDM nämlich keine hohle Phrase; immerhin stammen über 90 Prozent aller Bauteile aus Deutschland. Gut also, dass Grundstück

Anpassungsfähig: «Santo Tablo», die Tischleuchte ohne Spot, ist höhenverstell- und verdrehbar an einem 58 cm hohen Standrohr.

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und Gebäude noch einiges an Wachstumspotenzial bieten, denn Jürgen Glauner wird es auch in Zukunft nicht an vielen neuen Ideen mangeln. UB

Stimmungsvoll: Mit der drehbaren «Santo Tubo Tablo» lassen sich Lichtstimmungen aus direktem und indirektem Licht erzeugen.

LDM GmbH Frankstrasse 25 75172 Pforzheim Telefon f 0049 (0) ( ) 7231 39 89 0 Fax 0049 (0) 7231 39 89 89 info@ldm.de f www.ldm.de

Anmutig: Tischle Tischleuchte «EccoLed Flamingo Tablo», 55,5 cm hoch. Hie Hier mit eleganter Pulverbesc Pulverbeschichtung von Leuchtenkörp Leuchtenkörper und Tellerfuss in Bra Braun.

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Ideenreich: Daniel Klages, Geschäftsführer von Licht im Raum.

2 in 1: «Ocular»-Wandleuchten vereinen effiziente LED-Technik und hohe Designqualität.

Herr der Ringe A Ausfahrt Wuppertal-Dornap, über Kopfsteinpflaster geht es durch ein kleines Wäldchen zum malerischen Schloss Lüntenbeck. Idylle pur! Aber das Faszinierendste liegt gleich rechts hinter der Toreinfahrt zum Schlosshof: Der liebevoll restaurierte Gutshof beherbergt seit Jahrzehnten die Manufaktur von Dinnebier Licht. Hier dreht sich alles um Präzision, klassische Handwerkskunst und: Sonderwünsche! «Sonderwünsche sind bei uns erwünscht, und eigentlich ist alles machbar», erzählt Daniel Klages, Geschäftsführer und kreativer Kopf des Handwerkbetriebes im Bergischen Land. «Unsere Manufaktur reagiert auf Kundenwünsche flexibel, und wir fertigen Sonderleuchten in extrem kurzer Zeit.» Dafür sorgen auf Schloss Lüntenbeck erfahrene Fachleute.

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Raffinierte Ideen, die voller Leidenschaft stecken: Bei LICHT IM RAUM kennt Beleuchtung keine Grenzen.

Das Ergebnis kann sich immer sehen lassen. Dass die schönen Leuchten die Räume auch noch hell werden lassen, ist fast schon ein Nebeneffekt. «Licht ist für uns in erster Linie Gestaltungsmittel, das präzise mit dem Raum korrespondiert», so Daniel Klages, «erst wenn beides eine perfekte Einheit bildet, sind wir zufrieden.» Lichtdramaturgie, Reflexionsflächen und Sehkomfort – für die Macher der Marke Licht im Raum sind das selbstverständliche Vokabeln. Und zwar seit über 50 Jahren. Den Grundstein für die Marke Licht im Raum legten 1956 Johannes und Lisa Dinnebier. Lichtplanung steckte in den Kinderschuhen. Mit Architekten und Künstlern entstanden Anfang der 60erJahre die ersten spektakulären Installationen. Allesamt bedeutende Projekte, die

das Unternehmen zur ersten Adresse für Licht gemacht haben. Mittlerweile gehen die raffinierten Lichtideen von Wuppertal aus in die ganze Welt. Der traditionellen Fertigung fühlt man sich in Lüntenbeck nach wie vor verbunden. Mit dem planerischen Background und der Leidenschaft, mit dem jeder Auftrag betreut und beraten wird, hat sich Licht im Raum in die Königsklasse gebeamt. Adel verpflichtet eben! EB Licht im Raum Dinnebier GmbH Graf-Adolf-Strasse 49 40210 Düsseldorf Telefon 0049 (0) 211 994 000 Fax 0049 (0) 211 994 00 50 info@Licht-im-Raum.de www.Licht-im-Raum.de

Fotos: Heiner Köpcke, Dinnebier GmbH

Formschön: Auch als Einzelleuchter raffiniert, «Stilio Uno» im Schlosshotel Lisl.

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Fotos: serien.lighting

Kreative Köpfe: Manfred Wolf und Jean-Marc da Costa, Designer, Gründer und Inhaber von serien.lighting.

«Zoom»: Wandelbare Pendelleuchte und moderner Kronleuchter in einem.

Living the Light Leuchten von SERIEN.LIGHTING sind immer ein wenig mehr als Licht spendende Körper – sie überzeugen durch formale wie funktionale Eigenständigkeit.

F Fast 30 Jahre nach der Gründung ist serien.lighting eine feste Grösse im Bereich technisch und gestalterisch anspruchsvoller Leuchten. Immer wieder gibt das Unternehmen dem Markt Impulse mit Entwürfen, die ausgefeilte

Lichtlösungen, neue Technologien und gestalterische Innovationen verbinden. Schon während ihres Studiums an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung entwarfen Manfred Wolf und Jean-Marc da Costa die ersten Leuchten ihrer Kollektion. Seither steht serien.lighting für innovative Lösungen im Leuchtendesign. Das minimalistisch-präzise Leuchtenprogramm «SML» wird zum Liebling der

«Twin»: Um den Abstand der Zwillingsschirme zu verstellen, werden die Leuchtenarme einfach und leichtgängig auseinandergezogen.

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Architekten. Bimetall lässt bei «Poppy» den Schirm durch die Wärme des Leuchtmittels auf- und zugehen. «Take Five», «Zoom» oder «Twin» nutzen das Scherengitterprinzip für überraschende Möglichkeiten der Verstellbarkeit. «Annex» gibt die richtige Antwort auf die Frage nach einer überzeugenden Leuchte für den zentralen Deckenauslass. Für die Entwicklung der Neuheiten leistet man sich bei serien.lighting den Luxus der Entschleunigung: Es wird so lange an der Form des Lichts gefeilt, bis die perfekte Lichtwirkung gefunden, eine filigrane technische Konstruktion ausgetüftelt und eine eigenständige zeitgenössische Ausdrucksform gefunden ist, der nichts hinzugefügt und von der nichts weggenommen werden sollte. Erst dann wird die Leuchte auf den Markt gebracht. Das Leuchtenprogramm von serien.lighting umfasst heute sowohl technisches als auch dekoratives Licht. Alle Produkte verbindet das perfekte Zusammenspiel von Licht, Technik und Design, das aus ihnen mehr macht als blosse Lichtquellen: Die Leuchten von serien. lighting sind ausgeklügelte Lichtlösungen, die für Detailverliebtheit, Qualitätsanspruch, Technologiebegeisterung, gestalterische Ernsthaftigkeit und die Begeisterung für die Zukunft des Lichts stehen. Living the Light! serien Raumleuchten GmbH Hainhäuser Strasse 3–7 63110 Rodgau Telefon 0049 (0) 6106 6909 0 Fax 0049 (0) 6106 6909 22 serien@serien.com www.serien.com

«Annex»: Archetypische Deckenleuchte. Mit unterschiedlichen Reflektoren im Innern des Kegelschirms lassen sich differenzierte Lichtwirkungen erzielen.

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Der schöne Schein LUCELAB

Fotos: Sebastian Pfütze, Lucelab

bringt Licht ins Leben.

Oliver Michl rückt alles detailgenau ins rechte Licht.

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Soffitten werden oft als Leuchtmittel eingesetzt und auch in gleicher Form als LED von Lucelab konzipiert und gefertigt.

Die berühmte Pendel- oder Wandleuchte «FleXXXibile», zwei Grössen, höhen- und längenverstellbar, in Aluminium oder Nickel.

D Die Lichtentwürfe von Oliver Michl erwecken Räume zum Leben: ob dekorativ oder technisch, futuristisch oder retro, statisch oder flexibel, streng oder verspielt. Seit zwanzig Jahren ist Oliver Michl ein unermüdlicher Lichtplaner und Entwickler von Sonderleuchten, spezialisiert auf ortsbezogene Lichtlösungen und innovative Entwürfe. Sein Klassiker, die Pendeloder Wandleuchte «FleXXXibile», deren Scherengitter sich lichtpunktgenau ausrichten lässt, ist eine beliebte Kultlampe der Kreativen. Das Lichtobjekt «360°», das aussieht wie die Satellitenkugel Sputnik mit trichterförmigen Reflektoren, wurde individuell für die Vesper Bar und Lounge in Berlin (Kurfürstendamm 160) im 60er-JahreJames-Bond-Stil konzipiert, dessen berühmter Drink hier Namensgeber war. Oliver Michls neuester Entwurf: die Hängeleuchte «PULL» aus geflochtenen Aluminiumdosen-Verschlüssen, handgefertigt in seinem Potsdamer Atelier. Ein hochemotionaler Entwurf, der das Thema Flechtkunst mit dem Recycling-Gedanken thematisch verbindet und Kunsthandwerk in Architektur umsetzt. Der schöne Schein trügt nicht: Das charismatische Lichtobjekt, dessen Botschaft für sich spricht, hat das Potenzial zum Star am Leuchtenhimmel. PT

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Metallgeflecht-Leuchte «PULL» aus Aluminiumdosen-Verschlüssen, handgeflochten und produziert im Atelier bei Potsdam.

Skizze Lichtobjekt «360°», 24 C vergoldet, für das Sixties-Ambiente der Vesper Bar in Berlin.

Lucelab GmbH Schwedter Strasse 34a 10435 Berlin Telefon 0049 (0) 30 484 95 730 Fax 0049 (0) 30 484 95 731 info@lucelab.de www.lucelab.de

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Andersdenker Dietrich Brennenstuhl: In einer familiären Unternehmenskultur gedeihen die besten Entwürfe. Geschmeidig: «Roxxane» lässt sich dank Friktionsgelenken leichtgängig in jede gewünschte Position bringen.

Technische Raffinesse, ästhetischer Anspruch und stets ein gewisses Überraschungsmoment machen die Leuchten des Stuttgarter LED-Spezialisten NIMBUS aus.

I «Ich suche nicht – ich finde.» Dieser Spruch ziert die Kantinenwand bei Nimbus und umschreibt den Geist der Firma perfekt. «Suchen, das ist ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuen. Finden – das ist das völlig Neue», erklärt Dietrich Brennenstuhl seine Unternehmensphilosophie. Der Firmengründer und Geschäftsführer schwimmt nicht gerne mit dem Strom. Vielmehr fährt er nun schon seit 25 Jahren die Strategie des «Andersmachens» – mit grossem Erfolg. Bestes Beispiel: Vor allen anderen Firmen in der Lichtbranche hat Nimbus vor zehn Jahren auf LED gesetzt. So konnte sich der kleine Leuchten-

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hersteller bei der inzwischen unumgänglich gewordenen LED-Technologie selbst vor grossen Konzernen einen Erfahrungsvorsprung verschaffen. Bis heute gilt Nimbus bei LED-Innenraumbeleuchtungen als Innovationsführer. Doch nicht nur an der Entwicklung des Leuchtmittels, auch an Form und Funktion der Leuchtenkörper tüftelt man bei Nimbus leidenschaftlich. Das Unternehmen, das 160 Mitarbeiter beschäftigt und in Stuttgart produziert, überrascht mit technologischen Raffinessen. So steckt etwa in der LED-Arbeitsplatzleuchte «Roxxane» eine Bewegungsmechanik, die man sonst vor allem aus der Medizintechnik kennt. Die neue LED-Pendelleuchte «Squeeze», die in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Designer Karim Rashid entstan-

Ein Entwurf, der polarisiert: «Squeeze» von Karim Rashid.

Fotos: Markus Leser, Nimbus

Gegen den Strom

den war, sorgte erst einmal für Aufregung. «Man war entweder euphorisch oder entsetzt», erinnert sich Dietrich Brennenstuhl. Die formale Expressivität der Leuchte, die einen Kontrast zur sonst sehr puristischen Nimbus-Ästhetik darstellt, überraschte. An solchen Reaktionen stört sich Brennenstuhl aber keinesfalls. Seine Leuchten können eben mehr als nur leuchten. Sie berühren emotional. UN

Nimbus Group Sieglestrasse 41 70469 Stuttgart Telefon 0049 (0) 711 63 30 14 0 Fax 0049 (0) 711 63 30 14 14 info@nimbus-group.com www.nimbus-group.com

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Nimbus

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Auf Mass: «Iris» ist bald als Sonderlösung mit einem Durchmesser von 2,5 Metern in der Bristol Library zu sehen.

Geschichtsträchtig: Das historische Frankfurter Rathaus «Römer» beleuchten unterschiedliche, einzeln handgefertigte Leuchten mit Omnio-LED-Modulen.

Der am Fusse der Schwäbischen Alb ansässige Leuchtenhersteller RIDI entwickelt technische Innovationen im grossen Stil.

Geschwungen: Bei der Leuchte «Sinus» werden flexible Platinen mit einzelnen LEDs bestückt.

Fotos: Markus Leser, Ridi

A Als der Elektroinstallateur Richard Diez vor sechzig Jahren die Firma Ridi Leuchten gründete, ahnte er wohl nicht, zu welcher Grösse diese einmal anwachsen würde. Inzwischen beschäftigt sie europaweit über 500 Mitarbeiter, davon rund 330 am Hauptsitz im schwäbischen Jungingen. Vor allem im Bereich technischer Beleuchtung und funktionaler Lichtbänder hat sich Ridi einen Namen gemacht. Und seit vor ein paar Jahren die beiden Marken Spectral und Ridihomelight in die Firmengruppe aufgenommen wurden, haben auch designorientierte Lichtobjekte und Wohnraumleuchten einen festen Platz im Sortiment. Neu aufgebaut wurde bei Ridi eine LED-Abteilung. «Aufgrund des Technologiewandels, der derzeit die Lichtbranche umwälzt, investieren wir in die Entwicklung der LED-Technologie», sagt Manfred Diez, Sohn des Firmengründers, der das Familienunternehmen heute führt.

Dass die Firma auf bestem Wege ist, ganz vorne mit dabei zu sein, beweist sie mit besonders innovativen Produkten: Das von Ridi entwickelte LED-Röhrensystem «R-TUBE» wird sowohl in bewährten Rasterleuchten als auch in Neuentwicklungen eingesetzt. Es garantiert höchste Effizienz und kann anhand eines speziellen Fassungssystems so einfach ausgetauscht werden wie herkömmliche Leuchtstofflampen. Was mit LED heute machbar ist, zeigt auch die neue Pendelleuchte «Sinus» der Marke Spectral. Ihre mehrfach geschwungene Form ist dank flexibler Platinen möglich. Das Besondere dabei: Ridi entwickelt die Platinen nicht nur, sondern produziert sie auch. Dafür notwendige Maschinen wie LEDBestückungsanlagen erweitern den bereits beachtlichen Maschinenpark am Standort Jungingen. Und dennoch geschieht längst nicht alles automatisiert. Für einen Auftrag der Bibliothek im britischen Bristol beispielsweise werden momentan extragrosse Sondereditionen der ringförmigen LED-Deckenleuchte «Iris» angefertigt – in hundert Prozent Handarbeit. UN

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Ridi Leuchten

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Immer vorne dran

Blick in die Zukunft: Manfred Diez, Geschäftsführer, mit LED-Platine aus eigener Fertigung.

RIDI Leuchten GmbH Hauptstrasse 31–33 72417 Jungingen Telefon 0049 (0) 7477 872 0 Fax 0049 (0) 7477 872 48 info@ridi.de www.ridi.de

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Regal: Müller Möbelwerkstätten, www.muellermoebel.de

Stuhl: e15, www.e15.com

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Gestern und heute: Das Design ist einem steten Wandel unterworfen. Trotzdem sind viele Möbel aus Deutschland zu Klassikern geworden.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Verband der Deutschen Möbelindustrie

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«Made in Germany» Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, Dirk-Uwe Klaas, sieht durch gutes Design und ausgezeichnete Qualität eine positive Zukunft für seine sich ändernde Branche. Text: Dirk-Uwe Klaas

Fotos: zVg

M «Made in Germany» ist heute eine positive Auszeichnung für in Deutschland hergestellte Produkte. Bei Möbeln sind es gutes Design, eine hohe Qualität, eine enorme Variantenvielfalt, aber auch die fast tugendhafte Lieferzuverlässigkeit der deutschen Hersteller. Diese Punkte sind eine gute Basis für den heutigen Erfolg und die morgige Zukunftsfähigkeit der deutschen Möbelindustrie. Doch waren die vergangenen Jahrzehnte auch in unserer Branche von umwälzenden Strukturveränderungen geprägt. Ein Dauerzustand, mit dem wir aller Voraussicht nach

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wohl auch in Zukunft rechnen müssen. Von den ehemals knapp 3000 Herstellern sind heute noch 1043 mit über 20 Beschäftigten und darin 532 mit über 50 Beschäftigten übrig geblieben. Strukturveränderungen sind normal. Sie sind manchmal sogar zwingend, wenn die Ereignisse sie verlangen. In unserer schönen Branche geht es vom Grundsatz her immer um Konsum beziehungsweise um Konsumbereitschaft. Die deutsche Volkswirtschaft hat sich im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte im Prinzip ja sehr positiv entwickelt. Wir sind heute ein reiches Industrieland, unsere Bürgerinnen und Bürger haben im Regelfall ein nicht nur sättigendes Einkommen, sondern ausreichend monetäre Möglichkei-

ten für Alltag und Luxus. Möbel sind auf der einen Seite notwendige Funktionsgegenstände, denn schliesslich muss jeder Mensch wohnen. Auf der anderen Seite sind sie Moden unterworfen und wollen nach ihrer in der Regel langen Lebensdauer auch mal ausgetauscht werden. Manchmal sieht man sich an ihnen satt, manchmal will man einfach nur neue Möbel kaufen, weil sie Vorteile gegenüber den alten bieten, auch wenn es nur optische Vorteile sind. Die deutsche Möbelindustrie im Wandel der Zeit In den 1960er Jahren beherrschte eine aufstrebende Volkswirtschaft mit Vollbe-

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Paschen, www.paschen.de

LEICHT Küchen, www.leicht.de

«Wir müssen so viel besser sein, wie wir teurer sind.» Horst Köhler, ehemaliger deutscher Bundespräsident Weishäupl, www.weishaeupl.de

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Die 1980er-Jahre brachten wieder Erneuerungen, wobei die Politik im Nachhinein eher von Kontinuität geprägt war. Schliesslich kam es zum Mauerfall im November 1989. Nun begann auch für unsere Branche eine ganz neue Herausforderung. Ein riesiger neuer Möbelmarkt entstand fast über Nacht. Klug waren die, die schnell und zuverlässig agierten. In der Umsatzstatistik sind in dieser Zeit deutliche Wachstumsraten abzulesen. Die 1990er-Jahre waren von Internationalisierung geprägt und die 2000er von Globalisierung. In diesen beiden Jahrzehnten machten sich die deutschen Möbelhersteller auch ernsthaft zum internationalen Export auf den Weg. Denn der deutsche Markt ist zunehmend gesättigt und vor dem Hintergrund der

demografischen Entwicklung auch nicht mehr wachsend. Veränderungen im Design Wenn man heutiges Möbeldesign betrachtet, so ist fast nicht zu glauben, was noch vor einigen Jahrzehnten in Deutschland nachgefragt wurde. Heute ist der deutsche Konsument im überwiegenden Fall völlig weg vom sogenannten altdeutschen Möbelstil. Und nicht nur das. Man kann heute nicht mehr von einem einheitlichen Stil sprechen. Individualisierung, auch durch die technischen Möglichkeiten unserer Möbelhersteller, haben eine enorme Vielfalt an Möbeln und eine enorme Variantenvielfalt des einzelnen Möbelstücks hervorgebraucht. Individu-

Fotos: zVg

schäftigung und kontinuierlichem Wirtschaftswachstum das Leben in Deutschland. Sie wurden ein Jahrzehnt des Bau- und des Kinderbooms. Jeder strebte nach einem eigenen Haus und natürlich den entsprechenden, gerne auch repräsentativen Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Man wollte zeigen, was man hat und wo man mit seiner «eigenen Hände Arbeit» hinkommen kann. Nach der ersten Wirtschaftskrise – heute noch Ölkrise genannt – Anfang der 1970er-Jahre beruhigte sich der Bau- und Kaufrausch auf hohem Niveau, und auch der Babyboom schwächelte deutlich. Weltpolitisch war zwar Blockdenken angesagt, aber nichtsdestotrotz wurden viele Möbel für den westdeutschen Markt in der DDR hergestellt.

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Verband der Deutschen Möbelindustrie

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alisierung ist dabei ein internationales Phänomen, zumindest eines der Industrienationen. Anders wäre gerade der kontinuierliche Erfolg im Export von deutschen Möbeln nicht zu erklären. Die Kombination aus Tradition und Moderne macht die deutsche Möbelindustrie zu einer global agierenden Branche in einem globalen Wettbewerb. Nach wie vor ist aber auch der Stellenwert des eigenen deutschen Marktes sehr wichtig. Er spiegelt sich auch in den hohen Pro-Kopf-Ausgaben der deutschen Konsumenten für Möbel wider. Mit 390 Euro pro Kopf pro Jahr ist den Deutschen das Wohnen wichtiger als den  Österreichern mit 360 Euro, den Schweizern mit 300 Euro und den Italienern mit 202 Euro. Russen geben pro Jahr rund 80 Euro für Möbel aus und die Chinesen im Durchschnitt 20 Euro. Aus Sicht der deutschen Möbelindustrie ist gerade Asien ein immer wichtiger werdender Markt. Auch hier zählt made in Germany.

hochwertigen Preisbereich stattfinden. Klar ist nämlich, dass ein Hochlohnland mit hochwertigem Material nicht mit preiswerten Produkten und Anbietern aus Asien konkurrieren kann und sollte. Die deutschen wie europäischen Möbelhersteller müssen auch in Zukunft mit herausragender Qualität, einem exzellenten Design und einem stets leichten Inno—— vationsvorsprung punkten.

Verband der Deutschen Möbelindustrie e.V. Flutgraben 2 53604 Bad Honnef Telefon 0049 (0) 22 24 93 77 0 Fax 0049 (0) 22 24 93 77 77 info@hdh-ev.de www.hdh-ev.de www.wohninformation.de

Quo vadis, deutsche Möbelindustrie? Die deutsche Möbelindustrie blickt optimistisch in die Zukunft. Weltweite Handelsströme nehmen weiter zu, und das deutsche Möbel mit seinem guten Image wird seinen Stellenwert ausbauen können. Dieser Ausbau wird vor allem im

Zeitraum, www.zeitraum-moebel.de

Deutsche Möbelexporte Januar – Dezember 2012 Besonders dynamische Wachstumsmärkte

300

284.6

Möbelhandelsstruktur in Deutschland 2012 Marktvolumen: 31,4 Mrd. €

50% 45% 40%

46.0%

272.6

250 200

25.1%

21.5%

150 16.5% 100

27.1%

11.4%

16.6% 76.7

50 0

64.6

47.9

35.0

34.5

China Russland Slowakei Norwegen Japan Hongkong Saudi- Kanada Arabien Exportwert in Mio €

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Bau-, Heimwerker-, Gartenmärkte

BBO-/PBS-Fachhandel

Technischer Fachhandel

Versandhandel

Sonstige

Warenhäuser/Verbrauchermärkte

Direktabsatz/Handwerk Möbelgrosshandel Kooperierender Möbelfacheinzelhandel

35% 30%

29.1%

169.5

Verbandsunabhängiger Möbelfachhandel

21.7%

31.9 Mexiko

25% 20% 15% 10% 5% 0%

6%

1%

3% 2% 3% 1% 1% 62%

6%

15%

Veränderung zum Vorjahr in %

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STUDIO HAUSEN: Studio Hausen sind Joscha Brose und Jörg Höltje. Joscha brachte «Textile Moulded Chair» quasi mit in die Familie. Für den Sessel wird eine textile Form – die der effizienten Konstruktion von Radiolarien ähnlich ist – mit Polyurethanschaum ausgeschäumt. Jörg zeichnet verantwortlich für «Serpentine». Die Leuchte mit ihrer «natürlich veranlagten» Aufhängemechanik wurde von Ligne Roset in Serie produziert. www.studiohausen.com

Junge Garde: Gestalter sind Generalisten – bestenfalls Denker und Macher zugleich.

«Stärken statt schulen» Im Gespräch mit PROFESSOR AXEL KUFUS über Gestaltungslehre und das Design von morgen. Redaktion & Interview: Antje Herrmann

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Foto: Markus Jans (1)

LUKAS WEGWERTH: Die Sprünge und Schrammen in Lukas «Untitled Vases» wachsen durch Kristallisation quasi von allein wieder zusammen. Das Wachstum der Kristalle birgt die Kraft der Selbstorganisation, die nach einer Zerstörung zu einer Neuordnung verhilft und schliesslich ein Exempel liefert für den Umstand, dass «Kaputtsein» keine finale Sache sein muss. Lukas Wegwerth studierte an der UdK Berlin. www.lukaswegwerth.de

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Professor Axel Kufus

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P Professor Axel Kufus, Jahrgang 1958, war in jungen Jahren in den Bereichen Tischlerei und Bildhauerei tätig. Danach studierte er Industriedesign und war später 10 Jahre lang Professor für Produktdesign an der Bauhaus-Universität in Weimar. Seit 2004 hat Axel Kufus die Professur für Entwerfen und Entwickeln im Design an der Universität der Künste Berlin (UdK) inne. Er ist Initiator zahlreicher experimenteller Kooperationsformate wie unter anderen «DesignReaktor» und «UdKKollisionen». Neben seiner Tätigkeit als Designer für Moormann, Cappellini, Magis und Nomos Glashütte tritt er in den Medien als engagierter Repräsentant der universitären Designlehre auf. Axel Kufus lebt in Berlin, ist verheiratet und hat drei Kinder. Walter Gropius Gestaltungslehre am Bauhaus basierte auf dem Credo der Vereinigung von Kunst und Technik. Auch der Gründungsdekan der Fakultät Gestaltung der späteren Bauhaus-Universität Weimar, Lucius Burckhardt, proklamierte Interdisziplinarität. Herr Professor Kufus, ist dieser «alte» Anspruch heute Usus? PROF. AXEL KUFUS: Ein Gestalter muss erkennen, dass sich sein Produkt immer in einem System befindet beziehungsweise dass ein Objekt eigentlich nur eine Art Aggregatzustand ist. Ein Ding, das sich aus Teilen zusammenfügt, in die es irgendwann wieder zerfällt. Wir merken das gut, wenn zum Beispiel etwas kaputtgeht. Ist ein Produkt reparierfähig oder nicht, wie abhängig bin ich? Ich spüre, wie wirkungsmächtig ein Produkt sein

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kann. Der Designer gestaltet also nicht nur ein Objekt, sondern auch das System, in dem es sich befindet. Somit ist Gestaltung auch Weltsicht und Umweltsicht. Wer gestaltet, entscheidet auch: Mach ich aus einem Messer eine Waffe oder ein Frühstücksmesser zum Bestreichen eines Butterbrotes. Ausserdem ist ein Industriedesign-Studium pure Anwendungsforschung, die von sich aus Interdisziplinarität impliziert. Designer verknüpfen Dinge und Umstände miteinander – Gestaltung, Ökonomie, Philosophie – sie müssen zwar nicht alles selber können, aber sie sind Generalisten. Welche Produkte sollten Designer von morgen gestalten? Welche Dinge braucht die Welt? AK: Historisch gesehen hat sich Design nicht nur, aber grösstenteils damit befasst, die Attraktivität eines Produktes und die damit verbundenen Bedarfs- und Kaufreize zu steigern. Doch dafür wird

«Das Experiment ist Schwerpunkt.» die Welt nicht mehr ausreichen. Also stellt sich zuerst die Frage, wie können wir Werte entwickeln, die das Bedürfnis nach Besitz ablösen? Aktuell betriebene Produktions- und Transportaufwände und die Ausnutzung von Lohngefällen sind momentan ökonomisch interessant, aber die entstandene Imbalance werden alle zahlen. Und doch: Welche Alternativen gibt es zum Verzicht? Teilen? Wie können wir diese Attraktivität, sich in Communities aufzuhalten, auf andere Anwendungen ausbreiten? Bis dato sind wir bereit, Erlebnisse zu teilen, doch könnten wir auch Vorhaben teilen? Einkaufen, Auto fahren, Dinge benutzen? Allein durch das Sich-Versagen und über die Vernunft wird das nicht funktionieren. Es muss eine neue Attraktivität entstehen, die Produkte begehrenswert zu machen und Ökonomie und Ökologie zusammenzubringen. Die heutige Individualkultur

steht klar im Interesse der Wirtschaft, doch wir müssen begreifen, wir stehen nicht im Stau, sondern wir sind der Stau. Das meine ich sowohl faktisch als auch metaphorisch. Die Welt braucht Ideen, die es verstehen, Synergien zu nutzen. Situationen, in denen gegenseitig profitiert wird, sind momentan noch extrem rar. Designer müssen sogenannte Trittbretter und Windschatten ausfindig machen, denn es wird die Welt von morgen sein, in die Gestalter ihre Dinge setzen. Hat klassisches Möbeldesign in der universitären Gestaltungslehre überhaupt noch Platz? AK: Schwerpunkt an vielen Gestaltungsschulen ist heute das Experiment. Damit ist nicht unbedingt ein künstlerischer Ansatz gemeint, aber ein Ansatz, der der Kunst sehr nahe ist. Trotzdem: Das Experiment allein reicht nicht aus. Klar ist, dass es den klassischen Designprozess nach wie vor braucht. Damit verbunden ist der Anspruch an Sorgfalt. Nach jedem Experiment kommt eine Phase der Analyse und des knallscharfen Sortierens. Wildheit nutzt ja gar nichts, wenn Potenziale nicht weiterentwickelt werden. Wir brauchen Persönlichkeiten, die mit solchen Spannungsfeldern – rein und unrein, wild und gesittet – arbeiten können oder sich in Teams organisieren, in Konstellation mit anderen Menschen treten können. Entgegengesetzt zur klassischen Aufgabenstellung jedoch erwarten wir von unseren Studenten nicht nur die saubere und pünktliche Erfüllung einer Aufgabe, ein Abarbeiten eines Briefings, sondern dass sie so weit gehen, so viel wahrnehmen, so viel denken, so viel fragen, dass sie Auftragssituationen selber generieren können. Was könnte einen Studenten heute noch reizen, zum Beispiel einen simplen Stuhl zu entwerfen? AK: So gut wie jeder Designer hat einmal einen Stuhl gemacht. Er ist ein Paradebeispiel, um die individuelle Formensprache eines Gestalters durch die Architektur eines Objektes zu materialisieren und zu manifestieren. Bei uns jedoch gibt es eine weitere Ausgangssituation, bei der wir von der Materialforschung ausgehen oder von Überlegungen zur Herstellungstechnologie. Es gibt Projekte wie zum Beispiel das von Joscha Brose: «Textile

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SIREN ELISE WILHELMSEN: Industriedesignerin Siren Elise war vor drei Jahren Absolventin der Universität der Künste Berlin. Ihre «365 Knitting Clock» tickt und strickt 365 Tage im Jahr, 24 Stunden pro Tag. Nonstop ist die kleine Zeitmaschine damit beschäftigt, Zeit zu materialisieren und zu zeigen, wie eben diese vergeht – ein Jahr, ein Schal. Siren war 2013 die Gewinnerin des German Design Award/Newcomer. www.sirenelisewilhelmsen.com

HANNA KRÜGER: Ihr Studium absolvierte Hanna Krüger an der Kunsthochschule Kassel. Ihre Stehleuchte «Add.on» folgt dem Konzept, bei dem der Herstellungsprozess eine sichtbare Komponente des endgültigen Produktes ist. Der mundgeblasene Glaskörper, wird direkt auf den Leuchtenfuss geblasen, dessen Umriss wiederum das Glas formt. Die simplen Holzlatten sind somit Werkzeug und Produkt zugleich. www.hannakrueger.de

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Fotos: Miriam Lehnart (1), Minu Lee (2)

STEPHAN SCHULZ: Stephan erwarb sein Industriedesign-Diplom an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle. Die Idee für «Comfy Cargo Chair» geht davon aus, dass dieser Sessel zwar seinen Gebrauch aber nicht sein Aussehen vorgibt. Am Anfang war der Rahmen. Die Gestaltung schliesslich bestimmt der Benutzer, indem er Dinge seines Gefallens und Verlangens in das Gitter stopft: Wie man sich sesselt, so sitzt man. www.studio-stephanschulz.com

Deutsche Manufakturen für Wohnkultur — Professor Axel Kufus

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Moulded Chair». Statt Schaumstoff in eine Form zu spritzen, füllte Joscha eine textile Hülle, die schliesslich die Form einer Sitzschale lieferte. Er nutzte dabei Know-how aus der Textilindustrie und wandte es neu an. Das Experiment bietet letztendlich eine Alternative für die Herstellung von kostenintensiven Spritzgussformen. Dabei ist uns klar, dass Experimente auch nicht alles können. Der verwendete Polyurethanschaum ist giftig, nicht wiederverwertbar, sondern nur noch verbrennbar. Das heisst, manchmal macht man nur einen Schritt. Dafür einen wichtigen. Er bringt Erkenntnisse und Entdeckungen, die in einem analytischen Prozess nicht gemacht werden würden. Müssen Studenten in der Lage sein, sich selber darzustellen? AK: Es geht nicht darum, sich selbst darzustellen. Aber ein Designer von morgen wird ein Initiator sein, der seine Projekte moderieren muss. Dabei geht es wieder um Vernetzung und die Kooperation zwischen den Disziplinen: Entwurf, Experiment, Realisation und Einbettung in die Welt. Das Studium soll dafür da sein, schöpferisches Tun in der Realität zu erproben. Ziel ist es, Studenten eher zu stärken als zu schulen. Sie müssen mit Spannungsfeldern wie Form und Funktion, Preis und Leistung, Versprechen und dessen Einlösung, Mensch und Objekt arbeiten können. Wer sind die Vorbilder der heutigen Designstudenten? AK: Wahrscheinlich sind die Vorbilder nicht unbedingt Designer. Vielleicht eher ein Mensch wie Muhammad Yunus mit seinen Mikrokrediten. Oder ein interessanter Performer und Künstler wie Olafur Eliasson, dessen Ideen zwischen Wissenschaft und Kunst switchen. Vorbilder können solche sein, deren Arbeiten über den klassischen Design- oder Kunstmarkt hinausreichen, vielleicht wie die Gestalter der Hermès-Schaufenster. Oder die Makerszene an sich, da geht es um Improvisation, Kreativität in Reinform. Ich glaube jedenfalls nicht, dass der etablierte Designmarkt mit seinen «big names» zwingend als Vorbild dient. Alle Hochschulen bemühen sich um eine internationale Ausrichtung. In welcher Weise

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können explizit gestalterische Fächer von einer globalen Orientierung profitieren? AK: Zum einen gibt es quasi kein Produkt, das nicht in irgendeiner Weise um die Welt wandert, international ist, sei es auch nur als medialer Content. Zum anderen: Designer sind nomadisch und können an vielen Stellen der Welt arbeiten. Daraus ergibt sich mit der Zeit eine Art Identitätscluster. Eine grosse Zahl unserer Studenten war schon an so vielen Orten, spricht fliessend Englisch und andere Sprachen. Das ist ein grosser Erfahrungsrucksack, der vielbesungene Blick über den Tellerrand. Meiner Meinung nach liegt der wahre Gewinn jedoch darin, dass sich aus diesem bunten Rauschen, in dem alles möglich ist, ein neuer Bedarf generiert, und zwar die Sehnsucht nach einer Herkunft. Handwerk, Macharten, Bräuche und Rituale können im globalen Konzert Marker sein für eine Kultur, die entweder vertraut oder fremd ist. Schliesslich beruht eine neue Identifikation mit Regionalität auf der glo-

«Eine neue Identifikation mit Regionalität.» balen Nivellierung, also der Einebnung von Unterschiedlichkeiten. Deshalb ist es für Studenten gut, Einflüsse aus anderen Kulturen zuzulassen und gleichzeitig den Blick für spezielle, regionale Gestaltung zu schärfen. Situation Eignungsprüfung: Wie kommen Sie Talenten auf die Spur, und was zeichnet einen Studienbewerber aus, der die Prüfung erfolgreich besteht? AK: Aufnahmesituationen sind irgendwie immer ungerecht. Es werden schwerwiegende Entscheidungen über Schicksale getroffen – Studium ja oder nein. Und das in der kurzen Zeit der Präsentation, in der sich junge Menschen darbieten müssen, die eigentlich noch keine Erfahrung haben. Deshalb ist es auch eine wichtige Frage, wie gestalten Hochschulen eine Aufnahmesituation so, dass man auch verborgene Talente aufspüren kann. Am

Ende ist das, was zählt, die Fähigkeit mit einem gewissen Fantasiepotenzial etwas zu entwerfen und mit einem kritischen Auge zu reflektieren. Die, die am meisten überzeugen, sind die, die einen überraschen, also wenn jemand nicht nur reagiert sondern agiert – ja gar eine Art «kriminelle Energie» hat. Die ist wirklich nötig, wenn man «an der Welt drehen will» und ist wichtig für eine Ausbildung an einer Kunsthochschule. Schliesslich geht es darum, während des Studiums den Spiess umzudrehen, Aufgaben selbst zu entwerfen und die Hochschule zu seinem Atelier zu machen. Welche Bedingungen sollten Hochschulen Designstudenten idealerweise bieten? AK: Wir ringen nach wie vor um Projekt- und Koorperationsformate zwischen Hochschule und Wirtschaft. Was wir und die Studenten wollen, ist, die experimentelle Kraft in der Realität zu erproben. Wir wollen noch mehr mit KMUs zusammenarbeiten, die Realität sehen, verstehen und gestalten. Gute Werkstätten auf dem Campus aufzubauen ist nur ein erster Schritt. Besser wäre jedoch, das Experiment auf die Strasse zu tragen. Produktionsstandorte sollten auch Forschungsstandorte sein, doch Forschung und Entwicklung kommen oft viel zu kurz und sind selten Bestandteil von Unternehmenskulturen. Ein enormer bürokratischer Spiessrutenlauf und eine zu grosse Ergebnisorientiertheit der Wirtschaft bremst vielerlei Bestreben aus. Welches ist das schlagendste Argument für eine universitäre Designausbildung? A.K.: Die universitäre Designausbildung bietet eine ungeheure Chance, Kreative in ihren Fertigkeiten zu professionalisieren, aber nicht zuletzt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, die einschliesst, eine eigene Position gegenüber der Welt und ihren Dingen einzunehmen. Vielen Dank für das Gespräch.

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Emil M. Bisig HERAUSGEBER / VERLAG

Archithema Verlag AG, Rieterstrasse 35, CH-8002 Zürich Telefon +41 44 204 18 18, Fax +41 44 204 18 80 verlag@archithema.com, www.archithema.com Emil M. Bisig, Verlagsleitung Felicitas Grunder, Stv. Verlagsleitung Adrian Lustenberger, Verlagsmarketing REDAKTION

Archithema Redaktion, Rieterstrasse 35, CH-8002 Zürich Telefon +41 44 204 18 18, Fax +41 44 204 18 80 redaktion@archithema.com Britta Limper (bl), Chefredakteurin Redaktion: Antje Herrmann (ah), Anita Simeon Lutz (as), Silvia Steidinger (ss) Korrektorat: Heiner Fierz Mitarbeit: Elke Becker (eb), Mirko Beetschen (mb), Sieglinde Binninger (sb), Ulrich Büttner (ub), Daniel Dorgau (dd), Susanne von Garrel (sg), Christoph-A. Gramann, Romy Gutiérrez (rg), Christoph von Haussen, Karin Henjes (kh), Dirk-Uwe Klaas, Heiner Köpcke, Markus Leser, Ulrike Nicholson (un), Marion Nitsch, Sebastian Pfütze, Bernd Polster, Britta Rohlfing (br), Guido Schiefer, Anke Siebold-Laux (asl), Christoph Theurer, Petra-Amone Thiele (pt)

BÄDER Badezimmer, Dusche, Pools, Sauna, Badmöbel, Schwimmbad, Armaturen, Accessoires, D, A € 8.– / Schweiz CHF 9.50

DESIGNKONZEPT

INTERKOOL GESTALTUNG UND PRODUKTION

Evelyn Acker, Art Director Lars Hellman, Stv. Art Director Grafik: Claude Böni, Karin Erdmann, Aurore Poffet BILDTECHNIK

KÜCHEN Planung, Küchentypen, Kosten, Normen, Masse, Küchengeräte, Accessoires, D, A € 8.– / Schweiz CHF 9.50

Thomas Ulrich ANZEIGEN / MARKETING

Archithema Verlag AG ANZEIGENDISPOSITION

Stefan Keller ABO-KUNDENSERVICE

Deutschland Atrium Aboservice, Postfach 9161, DE-97091 Würzburg Telefon +49 931 4170 1619, Fax +49 931 4170 497 abo@archithema.com Schweiz DAS IDEALE HEIM Aboservice Sulzstrasse 10–12, CH-9403 Goldach Telefon +41 71 844 91 56, Fax +41 71 844 93 45 abo@archithema.ch Alle Urheber- und Verlagsrechte an dieser Publikation oder Teilen davon sind vorbehalten. Jede Verwendung oder Verwertung, insbesondere Nachdruck, Vervielfältigung, Mikroverfilmung, Speicherung und Nutzung auf optischen wie elektronischen Datenträgern, bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlages. Der Inhalt dieses Heftes wurde sorgfältig geprüft. Dennoch übernehmen Autoren, Redaktion und Verlag keine Haftung für seine Richtigkeit. ISBN 978-3-9522994-7-0

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DMM 2013  

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