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architekturjournal

wettbewerbe

BEI URBANEN ARCHITEKTEN.

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BENEWIRKT

architekturjournal

wettbewerbe

das magazin für baukultur

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2013

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Städte sind für alle da Stadtplanung und Bürgerbeteiligungsprozesse  Gutes Klima: Heizen und Kühlen mit Beton  Salone Mobile Mailand: Renaissance des Details


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Editorial

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Partizipative Wohnmodelle, kooperative Planungsverfahren, Anrainer- und Bewohnermitbestimmung, Bürgerbeteiligungsprozesse – es sind scheinbar neue Begriffe, die in Architektur und Stadtplanung Einzug halten. Ganz so neu sind sie nicht. Ansätze zu Partizipation und Mitbestimmung im Wohnbau gab es schon in den siebziger Jahren. Der in Kärnten geborene Architekt Ottokar Uhl etwa erkannte bereits damals, dass Architektur nicht bei der Gebäudeform, sondern beim Entscheidungsprozess ansetzen muss. Bei jedem Planungsschritt müssten Vor- und Nachteile abgewogen und dessen Folgen berücksichtigt werden. „So wird klar, dass […] durch die unterschiedlichen Parameter eines jeden Projekts und somit unterschiedlichen Einzelschritte der Prozess zwangsläufig immer unterschiedlich gestaltet werden muss. Unterschiedliche Grade an Mitbestimmung ergeben sich dadurch, welche Schritte der Planung wie geöffnet werden“, schrieb der Architekt Bernhard Steger 2004 in einem Beitrag für parq, eine Plattform für mitbestimmtes Wohnen. Die Architekten Eilfried Huth und Günther Domenig realisierten schon in den siebziger und achtziger Jahren in Deutschlandsberg und Graz mehrere geförderte Wohnprojekte mit Mitbestimmung der zukünftigen Bewohner. Architekten wie Franz Kuzmich, ein ehemaliger Mitarbeiter Uhls, widmen sich ebenfalls schon seit vielen Jahren in Theorie und Praxis dem Thema Partizipation. Uhls Wohnhausanlage „Wohnen mit Kindern“ in Wien-Floridsdorf war ein Pionierprojekt in Sachen Partizipation, wenn auch die anschließende Selbstverwaltung in den neunziger Jahren ein Ende fand. Seit kurzem ist das Thema Partizipation aber wieder da. Architekt Kuzmich plante ein Mitbestimmungsprojekt gemeinsam mit der Wohngemeinschaft B.R.O.T in Wien-Kalksburg, die Stadt Wien hat in ihrem Stadtentwicklungsgebiet Aspern Flächen für Wohnbaugruppen reserviert, die ihre Projekte gemeinsam mit den Bauträgern selbst entwickeln. Wohnbauprojekte wie die Lorenz-Reiter-Straße (in dieser Ausgabe dokumentiert) sollen demokratische Planungsprozesse mit dem von Wien forcierten Modell „Smart wohnen“ kombinieren. Wie Ilse Huber in ihrem Leitartikel in dieser Ausgabe schreibt, werden zivilgesellschaftliche Bewegungen auch in der Stadtplanung eine immer wichtigere Rolle spielen. Sie werden zwar die klassischen politischen Planungsinstrumente nicht ersetzen, schaffen aber neue Rahmenbedingungen, auf die nicht nur Politiker, sondern auch Architekturschaffende und andere Planer mit neuen Planungsansätzen reagieren müssen.

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Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Roland Kanfer . Chefredakteur

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Inhalt & Impressum

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Editorial Impressum Positionen Thema

1 2 Stadtgut Architekten / Holodeck Architects / S.Drei Architektur / Duda.Testor.Architektur 3 Stadtplanung: Städte sind für alle da 6 REAL CORP 2013: Planning Times 10 Stadthaus: Wie man Urbanität generiert 11 Baustoff Beton: Der Schlüssel zum guten Klima 132

Forum Neues Bauen

13 Machbarkeitsstudie für ein nachhaltiges Universitätsgebäude in Plusenergiestandard / Berücksichtigung von Wassergefahren beim Bauen / Junges Wohnen am Nordbahnhof 1, Wien 2

Berichte

21 Bücher / Dietmar Feichtinger: Wege und Orte. Ausstellung / The Vienna Model. Ausstellung / LPS 2013. LED Professional Symposium + Expo / [1:1] European Student Competition on Sustainable Architecture 2013/2014. Announcement / Den Toten ihren Namen geben. Ausschreibung / Kultur:Stadt. Ausstellung / Urban Intervention Award Berlin 2013 und Urban Living Award 2013. Ausschreibung / ISR Architektur Award 2013 / Wohnbebauung Kranebitten, Anna-Dengel-Straße, Innsbruck, Tirol. Wettbewerb / Artemide Lighthouse Competition 2012/13 / Wohnbauentwicklung „Weiße Stadt“, Oranienburg, Deutschland. Wettbewerb / Bücher

Wettbewerbe

„grüne Mitte Linz“ – Teil 2 Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 7a, OÖ Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6a, OÖ Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 2b, OÖ Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6b, OÖ HOERBIGER Standort Wien, Wien 22 Lorenz-Reiter-Straße SMART Wohnen, Wien 11 A23 Autobahn Südosttangente, Wien S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Wien 22 Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

48 50 54 58 62 67 74 83 96 103

Realisierungen

RHW.2, Wien 2 Wohnhausanlage Wagramerstraße 151 - 155, Wien 22 Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen, Kirchberg/Pielach, NÖ

113 120 126

Innovationen

131 Renaissance des Details / Gesunde Atmosphäre / Frost Design: Die Marke, die mehr bietet als erwartet / Attract-See – Assessing Territorial Attractiveness in South-East Europe / Komplett-Angebot für die Inneneinrichtung / Flexibler Falter an der Fassade / Österreichischer Stahlbaupreis 2013 für Rautendach Hauptbahnhof Wien

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Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: Bohmann Druck und Verlag GmbH & Co. KG., Leberstraße 122, A-1110 Wien • Chefredaktion: Roland Kanfer, T: +43-1-740 95-559, roland.kanfer@bohmann.at • Redaktionsleitung: DI Margarete Schwarz, T: +43-1-740 95-557, margarete.schwarz@bohmann.at • Anzeigenleitung: Peter Mayer, T:+43-1-740 95-553, M: +43 664 502 96 58, p.mayer@bohmann.at • Administration, Anzeigen: Michaela Kern, T: +43-1-740 95-556, michaela.kern@bohmann.at • Postanschrift: Leberstraße 122, A-1110 Wien, T: +43-1-740 95-0 F: +43-1-740 95-183, office@wettbewerbe.cc, www.wettbewerbe.cc • Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe: Dr. Gisela Gary, DI Ilse Huber, DI Barbara Jahn-Rösel, Norbert Philipp, Univ.-Prof. Arch. DI Dr. Martin Treberspurg • Grafik und Repro: Dietmar Mantler, A-1220 Wien, T: +43-1-890 36 40, grafik@mantler-repro.at • Druck: Donau Forum Druck GesmbH, A-1230 Wien • Druckauflage: 5.000 Stück • Bankverbindung: UniCredit Bank Austria, BLZ 12000, Kto.-Nr. 653 092 700, ATU: 10940909 • Urheberrecht: Es wird keine Haftung für etwaige Beschädigungen oder Verluste der zur Verfügung gestellten Unterlagen übernommen. Die Retournierung der Unterlagen erfolgt nur auf ausdrückliche Anforderung. Die drucktechnische Wiedergabe ist von der Qualität der übermittelten Unterlagen abhängig. Mit der Einsendung von Manuskripten und Bildmaterial erklärt sich der/die Autor/in einverstanden, dass diese vollständig oder teilweise in der Zeitschrift wettbewerbe publiziert werden. Ebenso stimmt er/sie der Verwertung im Wege der digitalen Vervielfältigung und Verbreitung über Offline- oder Online-Produktionen zu. Falls eine Vergütung vereinbart wurde, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages gestattet. Die in den Beiträgen vertretenen Meinungen der Autoren sind nicht unbedingt mit denen des Verlages identisch. • Zum Zwecke einer leichteren Lesbarkeit der Texte wird auf eine geschlechterspezifische Schreibweise verzichtet. •

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Architekturjournal.wettbewerbe


Positionen

Energie sparen ...

Foto: Valerie W. Aschauer

stadtgut architekten Nikolaus Westhausser

Nikolaus Westhausser

Warum tun sich Architekten das an, warum tun wir uns das an? Der Glaube daran, dass es notwendig ist, aus einer möglichst großen Anzahl von Entwurfsansätzen das beste Projekt zu finden, gerade in Zeiten immer komplexer werdender Planungsanforderungen, bezogen auf verschiedenste Parameter wie Energie, Soziologie, Lebenszykluskosten von Gebäuden, etc., neben den „tradierten“ Architekturparametern Städtebau, Form, Funktion, Konstruktion, ist die treibende Kraft sich dem (ausbeuterischen) System Architekturwettbewerb zu unterwerfen. Natürlich gibt es vielfältige weitere, nicht so idealistische Beweggründe für eine Teilnahme an Wettbewerben, allen voran die Hoffnung den Wettbewerb zu gewinnen und zu einem Auftrag zu kommen oder fachliche Anerkennung zu erlangen, aber auch den Wettbewerb als eine Form der Forschung und Fortbildung zu sehen. Keinen Anreiz bietet das Preisgeld, das im Normalfall die Kosten nicht decken kann. Junge oder nicht etablierte Architekturbüros haben im Regelfall nur die Möglichkeit in offenen Wettbewerben teilzunehmen, der Mutter aller Architekturwettbewerbe. Eine Teilnahme an Wettbewerben erfolgt im Vertrauen auf ein faires Verfahren, in dem von den übrigen Akteuren (Auslober, Organisation, Vorprüfung und Jury) erwartet wird, dass eine Reihe von Grundsätzen, die unserer Meinung nach in der WSA 2010 sehr gut dokumentiert sind und von jedem Auslober selbstverständlich umgesetzt werden sollten, eingehalten wird. Dass dem leider nicht so ist, zeigen eine Anzahl von Verfahren in den letzten Jahren – nachzulesen unter anderem auf www.planlos2011.at (initiiert von der IGA). Und seitdem sich Österreichs größte Auslober nicht einmal an Entscheidungen des Bundesvergabesenats halten (dem einzigen Rechtsmittel für uns Architekten), haben wir den Glauben an die Aufrichtigkeit der Auslober verloren. Sie erachten das Instrument Wettbewerb anscheinend all zu oft nur als notwendiges Übel und nicht als Möglichkeit eine höhere Planungsqualität zu erzielen.

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Pro Architekturwettbewerb werden von den Teilnehmern je nach Umfang der Aufgabenstellung und Größe des Teilnehmerfeldes zwischen 10.000 und 40.000 Stunden aufgewendet, um ein abgabereifes und im besten Fall ein preiswürdiges Projekt zu erstellen. Wir als „Kleinbüro“ mit einer Besetzung von zwei bis vier Personen haben seit 2001 ca. 15.000 Wettbewerbsstunden aufgewendet, das waren etwa 40 Wettbewerbe, 95 Prozent davon offene Wettbewerbe. Die Erfolgsquote: 1 Wettbewerbsgewinn und 1 zweiter Platz. Der gewonnene Wettbewerb wurde trotz Realisierungsabsicht in der Auslobung eines öffentlichen Auftraggebers nicht gebaut. Einem enorm hohen wirtschaftlichen Risiko steht also eine vergleichsweise geringe Chance auf einen Auftrag durch Gewinn eines Wettbewerbs gegenüber.


Positionen

HOLODECK architects Marlies Breuss | Michael Ogertschnig

Gegründet 1998, Büros in Wien und Berlin, www.holodeckarchitects.com

Produktionsstätten und Veranstaltungsräumlichkeiten insbesondere für die kreative Start-upSzene. Eine komplexe Gebäudestruktur, schon mehrfach ausgezeichnet, wurde in den vielschichtigen Bestand integriert. Nachhaltigkeit wie Low Tec, die Anwendung von Ressourcen schonenden Materialien, Kosteneffizienz, Multifunktionalität und Raumvielfalt sind keine momentanen Schlagworte, sondern Bestandteile aller Projekte. Die Post AG Zentrale am Rochusmarkt, ein gerade gewonnener 2. Preis, unterstreicht mit seiner potenziellen ÖGNI Gold Zertifizierung die hohe Kompetenz für komplexe Bauaufgaben.

Foto: Wolfgang Thaler

Steckbrief

Best of Wettbewerbe Wirtschaftspark Breitensee, 14. Bezirk Wien, 1. Preis Dachaufbau Roof Transformations, 4. Bezirk Wien, 1. Preis Post AG Zentrale, 3. Bezirk Wien, 2. Preis Schifffahrtszentrum Krems, 3. Qualitätsrang

Michael Ogertschnig und Marlies Breuss

Zentrale MA 48,

HOLODECK architects – Marlies Breuss und Michael Ogertschnig – arbeiten seit 1998 gemeinsam mit einem internationalen Team an verschiedensten Bauaufgaben, vom Städtebau bis zur Ausstellungsgestaltung. Aufträge in Lehre und Forschung an der TU Wien ermöglichen ihnen das Erproben neuer Technologien und Abtasten experimenteller Tendenzen. Architektur ist für das Büro eine ganzheitliche Disziplin, die sich im Spannungsfeld

22. Bezirk Wien, 1. Preis Mahnmal Erdbeben Taiwan, Anerkennungspreis

Die Meinung Eine Bauaufgabe bietet viele Lösungsmöglichkeiten. Die beste Lösung zu finden ist die Leitidee jedes Wettbewerbes, wozu es kreative Wettbewerbsbeiträge, fundierte Ausschreibungen und eine ausgewogene Jury benötigt. Das geeignete Verfahren für die jeweilige Aufgabe herauszufiltern ist dabei essenziell. Zwei Verfahren sind hierbei besonders zu erwähnen:

Motto: „Wir realisieren Gebäude zu leistbaren Preisen mit erlebbaren Qualitäten.“ zweistufige offene Wettbewerbe mit geringem Aufwand in der 1. Stufe und adäquat dotiertem Aufwand für die Findung der besten Lösung in der 2. Stufe mit 6 - 8 ausgewählten Büros; geladene Wettbewerbe mit transparentem Auswahlverfahren für klar definierte Aufgaben mit geringerem Volumen.

zwischen Kunst und Wissenschaft bewegt und ganz wesentlich zur Entwicklung der Gesellschaft beiträgt. Ausgangspunkt jedes ihrer Projekte ist die sorgfältige Bestandsanalyse. Die intensive und spezifische Beschäftigung mit dem Nutzer und dem Ort ergibt jedes Mal eine neue Komposition mit spürbaren Besonderheiten. Die präzise entwickelten Gebäude erzeugen räumliches Wohlbefinden.

Rendering: isochrom

Der Wettbewerb Das Projekt „Wirtschaftspark Breitensee“, ein 2007 gewonnener Wettbewerb, steht kurz vor der Fertigstellung. Konzipiert von der Wien Holding als wirtschaftlicher Impulsgeber im 14.Wiener Gemeindebezirk, bietet das Multifunktionsgebäude Büros, Studios, Maisonetten,

Die Zukunft Wir wünschen uns mehr Einladungen zu Wettbewerbsverfahren, um unsere Professionalität national und international zu beweisen. Gewonnene Auszeichnungen für realisierte Projekte zeigen unsere Kompetenz und Freude, im Team Qualitätsarchitektur zu schaffen.

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Österreich und Architektur Wir alle leben in Architektur. Die Frage ist, aus welchen Beweggründen sie entstanden ist und wie sie weiterhin entstehen wird. Zeitgenössische Architektur braucht einen politischen Willen und eine ernsthafte Umsetzung bis ins Detail. Je nach Bundesland ist dieser Wille sichtbar vorhanden oder schwach spürbar. Zufriedenheit und Identifikation der Bevölkerung hat viel mit gebauter Realität zu tun, und deshalb gehört die Planung und Umsetzung in professionelle Hände. Österreichische Büros, wie auch wir, zeichnen sich durch Vielfalt, Experimentierfreudigkeit und Professionalität aus.

Post AG Zentrale Rochusmarkt, Wettbewerbsprojekt 2. Platz

Ein Satz zu wettbewerbe Das Architekturjournal wettbewerbe ist ein wichtiger publizistischer Bestandteil der Aufarbeitung des Wettbewerbswesens in Österreich.


Positionen

Foto: Bernd Steinhuber

S.DREI Architektur Armin Stocker

Armin Stocker

Architekturwettbewerbe ... ein projekt- und qualitätsorientiertes Auswahlverfahren ... So beginnt die Definition des Architekturwettbewerbes in der HIA der bAIK (Ausgabe 2008). Und in dieser – für eine Definition recht optimistischen – Tonlage geht es auch weiter. (Dass der hier von mir interpretierte Optimismus schon Rezeption, Interpretation und damit auch Erfahrung mit der Materie, also Wissen vor der Definition bedarf, ist durchaus logisch – dazu vielleicht später.) Wesentliche Elemente sind die Wahrung der Anonymität (ja – eh eine lobenswerte Absicht), die Gleichbehandlung der Teilnehmer (hier wird es schon interessanter) und die Gewährleistung eines transparenten Verfahrens (das bedürfte einer genaueren Erklärung des Verfassers). Aber. Die Frage, die ich mir stelle, seit ich um einen Beitrag zum Thema gebeten wurde, ist: „Wie sich dieser Komplexität nähern“? Über Chancen und Risiken schreiben? Vielleicht über die Chancen eines jungen Büros in die bevorzugte Situation einer Ladung zu kommen und dadurch mit nur fünf bis zehn weiteren Projekten in Konkurrenz zu stehen? (Und somit möglicherweise eine

Jury vorzufinden, die Zeit, Möglichkeiten, Motivation besitzt die eingereichten Arbeiten – und das sind sie, im besten Wortsinn: „Arbeiten“ – nach objektiven Kriterien zu beurteilen.) Oder soll ich doch über die Risiken eines offenen Verfahrens schreiben? Erfolgreich waren wir schon in beiden der obig skizzierten Spielarten des Architekturwettbewerbes, die Trefferwahrscheinlichkeit ist trotzdem als „gering“ einzustufen. Woran liegt sie – die geringe Trefferwahrscheinlichkeit? An uns und unserer Struktur? Vielleicht. Am Einsatz der Mittel, an der Anzahl der Teilnehmer, an der Jury oder doch wieder an uns? Alles gut möglich. Nach gut zehn Jahren Analyse von Wettbewerben, egal ob selbst daran teilgenommen oder von außen betrachtet, führt es mich zu keiner eindeutigen Conclusio. Nur eines ist klar: Wir werden weiter an Wettbewerben teilnehmen, in verschiedenen Konstellationen, mit unterschiedlichen Partnern, in Österreich und international. Und vielleicht kann ich in einigen Jahren mit einer Erkenntnis aufwarten.

Vor einigen Jahren mussten wir als Nicht-Ostösterreicher noch eine Landkarte zu Rate ziehen, um die Stadtgemeinde Ybbs an der Donau genau zu lokalisieren. Ja richtig, der Ort mit dem Kraftwerk Persenbeug! Zu unserer großen Freude klingelte nämlich im Frühjahr 2007 das Telefon und wir erhielten die Nachricht, dass wir den offenen zweistufigen Wettbewerb zum Thema Pflegeheim für ebendort gewonnen hatten. Die beauftragte Leistung beinhaltete Architektur und Örtliche Bauaufsicht. Für uns, als damalige Neueinsteiger, eine ebensogroße Herausforderung wie Freude.

Klaus Duda

Die Zeit davor Etwa 15 offene Wettbewerbe verschiedenster Bereiche hatten wir bis dahin bereits bearbeitet – mit ebenso unterschiedlichen Erfolgen. Ankäufe und Platzierungen jeden Couleurs, unter anderem den zweiten Platz bei einem Musiktheater-Wettbewerb. Dranbleiben und keinesfalls den Mut verlieren, war unser Motto.

Erik Testor

Die Zeit danach Es folgten Einladungen zu Themenbereichen, in denen wir bereits Kompetenz aufgebaut hatten. Auf die Ladung zu einem Musiktheater warten wir allerdings

noch ganz gespannt. Aber, Scherz beiseite. Wir verwenden unsere gebauten und ungebauten Projekte als Referenzen im In- und Ausland. Unseren gewonnenen Wettbewerb in Ybbs konnten wir gemeinsam mit unseren engagierten Mitarbeitern zur Zufriedenheit des öffentlichen Auftraggebers meistern, ohne jemals zuvor ein Pflegeheim abgewickelt zu haben. Zum Allgemeinen Wir sind nach wie vor Verfechter von sinnvollen fairen Wettbewerbsverfahren! Diese sollten offen und möglichst zweistufig sein, um den Aufwand für Teilnehmer und Auslober in der ersten Stufe in Grenzen zu halten. Für größere Bauaufgaben ist dies unabdinglich, um den nötigen Ansporn zu bieten und die Konkurrenz zu schüren. Es eröffnet Chancen, sowohl für Neueinsteiger als auch für etablierte Büros, gute Beiträge für die Gesellschaft zu erbringen. Wettbewerbe setzen wertvolle Diskurse in Gang, fördern die Baukultur und einige Auslober schmücken sich mit Bauherrenpreisen, welche aus Wettbewerben hervorgegangen sind. Dass die Zahl der Verhandlungsverfahren, aber auch Architekturwettbewerbe ohne Kooperation mit der Architektenkammer zunehmen, halten wir für ein großes Übel.

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Fotos: DTA

Duda.Testor.Architektur Klaus Duda und Erik Testor


Thema

Städte sind für alle da

Ilse Huber

Was als erstrebenswertes Ziel deklariert wird, entpuppt sich bei näherem Hinschauen als gelebtes Gegenteil. Vom Versuch tendenziösen Entwicklungen von oben her entgegenzuwirken.

© Schaub-Walzer-PID

Abgesehen von deutlich sichtbar politisch geteilten Städten wie dereinst Belfast und Berlin oder der heute noch immer baulich getrennten zypriotischen Stadt Nikosia, zeigt sich der inhaltliche Widerspruch für wirklich alle offen zu sein, sehr subtil. Die sozialen Spaltungsprozesse spielen sich teilweise sehr dezent ab. Arbeitslosigkeit und atypische Beschäftigung, die nach wie vor in erster Linie Geringqualifizierte und Migranten treffen, erreichen zunehmend auch das gesellschaftliche Mittelfeld und sorgen dort für ein von Abstiegsängsten und Verunsicherungen geprägtes soziales Klima, stellt die Arbeitsgemeinschaft Soziales Hamburg auf ihrer Homepage hamburg-stadtfueralle.de fest und führt weiters

Der revitalisierte Spittelberg, einst Rotlichtviertel Wiens, ist ein Paradebeispiel für Gentrifizierung.

Gentrifizierung Das klingt zwar theoretisch, lässt sich aber praktisch durchaus nachvollziehen. Blühende Stadtviertel heben sich immer mehr von benachteiligten Quartieren ab, der Abstand zwischen armen und reichen Gegenden ist evident. Erkennen lässt sich das an den Immobilienpreisen, aber auch an sozioökonomischen Umstrukturierungsprozessen. Da weicht ein Lebensmittelladen einem Modegeschäft oder ersetzen große Markenartikelketten kleingewerbliche Betriebe. Da schwindet das produzierende Gewerbe zugunsten von Dienstleistungseinrichtungen, oder es siedelt sich auf dem Platz eines Waschsalons ein Restaurant an. Solche lokalen Phänomene haben Städte wie New York mit seinem Gebiet South of Houston Street, kurz Soho, genauso mitgemacht, wie auch in jüngerer Geschichte die City of London, die sich völlig der Finanzwelt unterordnete. Die Stadtsoziologen nennen diese Vorgänge „Gentrifizierung“. Dabei werden angestammte Milieus umgeschichtet, so dass sie für neue Bevölkerungsgruppen attraktiv werden. Konkret werden dabei zum Beispiel Hafen-, Industrie oder Bahnhofszonen aufgelassen, Stichwort Docklands in London oder das ehemalige Fabriksgelände El Raval in Barcelona und höherwertig vermarktet. Doch man muss nicht einmal soweit über die Grenzen schauen, um zu erfahren was Gentrifizierung bedeutet. Auch Wien hat seinen Teil dazu beigetragen und tut es auch jetzt noch. Man erinnere sich, dass eines der ersten Stadterneuerungsgebiete, der Spittelberg im 7. Wiener Gemeindebezirk, einst das Rotlichtviertel der Stadt war. Durch die Sanierung des Blockes entstanden in den 1980er Jahren hochbegehrte Wohnungen, die ihren Preis haben. Das Brunnenmarktviertel im 16. Gemeindebezirk und das Karmelitermarktviertel in Wien Leopoldstadt unterziehen sich gerade diesem Umformungsprozess. Im Budapester 8. Bezirk, der so wie sein Wiener Pendant Joszefvaros heißt und durch seine zentrumsnahe Lage besticht, vollzieht sich seit rund fünf Jahren ein ähnlicher Prozess. Dort, wo einst Menschen in herabgekommenen Substandardhäusern lebten, kaufte ein Investor das wertvolle Gebiet, riss die Gebäude ab und installierte ein Hotel samt mondäner Flaniermeile. Aus einem Grätzel wird eine Metropole. Die Ursachen für diese Entwicklungen sind vielschichtig, aber dennoch immer darin zu begründen, dass sich mit der Deindustrialisierung auch eine andere Klientel breit

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fort: Entsolidarisierungstendenzen sind die Folge. Besserverdienende wollen Steuerentlastungen, die verunsicherte Mittelschicht reagiert mit Ressentiments und Abgrenzung nach unten, getrieben von einer verselbstständigten Finanzwirtschaft, hat ein Klassenkampf von oben eingesetzt.


Thema

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Thema

Foto: Schrenk, CEIT

macht. Passt man nicht auf, kann aus einem sozialen Haarriss eine beachtliche Spaltung werden. Um Gegenkonzepte ist man in den meisten Fällen bemüht und die lassen sich im Begriff Stadt für alle subsumieren. Partizipative Modelle Die Stadt Hamburg hat im Jahr 2009 die Arbeitsgemeinschaft Soziales Hamburg gegründet, mit dem Ziel eine längerfristige Debatte zu initiieren, die Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit kontinuierlich auf die Probleme der sozialen Entwicklung in der Stadt aufmerksam macht und das Thema der sozialen Spaltung thematisiert. Seit 2010 findet jedes Jahr eine Konferenz statt. Heuer stand sie unter dem Aspekt Partizipation und Repräsentation. Beteiligungsverfahren haben in der Stadtentwicklung allgemein einen hohen Stellenwert. Damit spielen auch zivilgesellschaftliche Bewegungen eine immer wichtigere Rolle, sagt Manfred Schrenk, Geschäftsführer des Central European Institute of Technology (CEIT) in Schwechat: „Diese werden immer wichtiger, und hier kann man sich fragen, ob sie die Rolle der Politik übernehmen werden – meine Meinung dazu ist: Tendenziell werden die zivilgesellschaftlichen Bewegungen wichtiger, sie werden die Politik aber nicht ablösen, es wird ein Nebeneinander – idealerweise ein Miteinander – geben.“

Manfred Schrenk, Geschäftsführer CEIT: „Auch in Zukunft wird es wichtig sein, strategische Ziele zu entwickeln.“

Foto: www.mediaserver.hamburg.de/T. Hampel

Neue basisdemokratische Herangehensweisen In Hamburg hat sich der Versuch, von oben strategische Nutzungsziele durch Beteiligungsverfahren zu erreichen, am Beispiel Alte Rinderhalle aufgehängt. Das Ziel war nah, die Realität jedoch fern. Denn einige Bürgerinnen und Bürger widerstanden den Plänen der Veranstalter, einen geladenen Architekturwettbewerb

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Die Stadt Hamburg legt hohen Wert auf Beteiligungsverfahren bei der Stadtentwicklung. wie bei der Hafencity.

durchzuführen. Sie verlangten eine basisdemokratische Lösung, die statt einer monothematischen Musiklocationnutzung eine kleinteiligere Nutzung vorsah. Daraus entstand u.a. ein Urban gardening project. Das Beispiel beweist, dass die Absicht, ergebnisoffen agieren zu wollen, von den Betroffenen nicht als solches erkannt worden ist. Und wie es der Autor Moritz Rinn vom Institut für Sozialforschung der Universität Hamburg formuliert: „ Zur Überwindung von bestehenden Hierarchien in Planungsgremien müssen neue basisdemokratische Herangehensweisen entwickelt werden. Anwohner bewegen sich auf Augenhöhe, weil sie über ein Wissen verfügen.“ Was das für die Stadtentwicklung allgemein und ihre Instrumente (z.B. Stadtenwicklungsplan STEP) im Besonderen bedeutet, beantwortet Manfred Schrenk von CEIT: „Ich denke nicht, dass die „klassischen Instrumente“ obsolet werden, aber sie werden durch neue ergänzt. Heute spielen europäische und transnationale Planungen eine sehr große Rolle. In der Stärkung der Regionen sehen wir räumliche Gebilde, die ganz anders abgegrenzt sind, und die lokale Ebene wird immer wichtiger, zum Beispiel die Lokale Agenda 21.“ Charta Wien Dass auch die Planungspolitik in Wien auf die geänderten Rahmenbedingungen reagiert, lässt sich an neuen Methoden der Ideenfindung festmachen. Auf dem Areal rund um den Wiener Eislaufverein am Wiener Heumarkt wird ein sogenanntes kooperatives Verfahren abgehalten, das in Workshops erarbeitete Lösungen belohnt. Im vergangenen Jahr wurde die Charta Wien in monatelangen Gesprächrunden erarbeitet und im Spätherbst präsentiert. In insgesamt 651 Gesprächsrunden diskutierten 8.500 Menschen 12.700 Stunden darüber,


Thema

© Alex Halada-PID

In einer Gesprächsrunde wurde etwa vereinbart, angehende Taxilenker in einem öffentlichen Bus bzw. in der Straßenbahn mitfahren zu lassen, um den Perspektivenwechsel zwischen Fahrer und Fahrgast nachzuempfinden. In einer anderen Runde einigte man sich, bei religiösen Festen auch Gläubige anderer Religionsgemeinschaften einzuladen. Aus dem großen Pool an Ideen haben sich schließlich sieben Punkte zum Chartatext ergeben. Darunter befinden sich u.a. Aussagen wie Ich und die, die anders sind als ich oder Verhalten im Straßenverkehr und in den öffentlichen Verkehrsmitteln. In der Charta zeigt sich, wie dünn der Grat zwischen einschließenden (integrativen) und verallgemeinernden Statements à la Städte für alle ist.

Kooperatives Verfahren: Für das Areal rund um den Wiener Eislaufverein haben Architektenteams mit Fachleuten unterschiedlicher Bereiche und Eigentümern Ideen schrittweise weiter entwickelt.

© Michael Rzepa / PID

wie das Zusammenleben in der Stadt Wien verbessert werden könnte. Die Lust sich auszutauschen, um das gemeinsame Leben zu erleichtern, hält auch heuer noch an. Für den Koordinator des Projekts Charta Wien, Christian Loibnegger, übertreffen die genannten Zahlen jegliche Erwartungen der Stadt. Er arbeitet in der MA17, die für Integration und Diversität zuständig ist. Ihm ist es wichtig festzuhalten, dass es sich um „kein politisches Projekt als vielmehr um einen Bürgerbeteiligungsprozess“ handelt. Denn die Gespräche finden nur dann statt, wenn es einen Initiator gibt, der die Gesprächspartner einlädt und den Veranstaltungsort organisiert. Die Stadt stellt zwei Moderatoren zur Verfügung, die die Diskussion begleiten. Worüber gesprochen wird und was am Ende dabei herauskommt, bleibt den Mitwirkenden überlassenden. An ihnen liegt es auch, mit den Ergebnissen weiter zu operieren. Foto: Ilse Huber

Charta Wien: In 651 Gesprächsrunden diskutierten 8500 Menschen über das Zusammenleben in der Stadt.

Wohin soll die Reise gehen Daraus langfristige Konzepte für die Stadtentwicklung abzuleiten, wäre verfrüht, sagt Christian Loibnegger von der MA 17: „Dass sich die Stadt aber traut, den Menschen die Wahl der Themen zu überlassen, ist schon einzigartig.“ Wohl gab es ähnliche Dialog-Initiativen in Barcelona, doch dort gab es einen vorgegebenen Themenkatalog. In Wien ist jeder einzelne Mitdiskutant ein Teil jener Gesellschaft, für die er selbst Verantwortung trägt. Welche Wirkung die Charta Wien auf das langfristige Zusammenleben haben könnte, beantwortet Manfred Schrenk von CEIT: „Ich denke, dass es auch in Zukunft sehr wichtig sein wird, „Strategische Ziele“ zu entwickeln. Wird rasches Bevölkerungswachstum angestrebt, weil das Dynamik bringt? Will man Unternehmen anziehen? Will man die „jungen Kreativen“ anlocken (fishing for talent) oder will man den Status Quo so lange wie möglich aufrechterhalten? Es ist wichtig zu wissen, wohin die Reise eigentlich gehen soll – vor dem Antritt einer Reise macht es auch Sinn, sich klar zu sein, ob man nach Skandinavien oder nach Süditalien aufbricht ...“ ■

Im Budapester 8.Bezirk vollzieht sich seit fünf Jahren ein Umformungsprozess.

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Menschen

REAL CORP 2013: Planning times Das war die 18. internationale Konferenz zu Stadtplanung und Regionalentwicklung

© CORP

© CORP

Die internationale Stadtentwicklungskonferenz REAL CORP (Conference on Urban Planning, Regional Development and Information Society) fand diesmal mit dem Schwerpunktthema Planning Times im Haus der Architektur in Rom statt, einem ehemaligen Aquarium aus dem 19. Jahrhundert. Über 300 Fachleute und Entscheidungsträger aus aller Welt diskutierten die aktuellen Trends und Herausforderungen von Stadt- und Regionalentwicklung und den Zusammenhang von Zeit und räumlicher Planung in allen möglichen AusÜber 300 Fachleute aus aller Welt diskutierten Trends und Herausforderungen von Stadt- und Regionalentwicklung. prägungen. Das Verhältnis zwischen Raum und Zeit ist etwas, womit die Planer und die Entscheidungsträger von Planungsumsetzung ständig in Berührung sind: Wenn sie Städte planen, wenn sie Projekte definieren, die die Rahmenbedingungen für die Gesellschaft verbessern sollen, wenn sie Entscheidungsprozesse angehen, die den Raum um uns herum betreffen, wenn sie Planungstechniken anwenden, um die räumliche und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Keynote-Speaker waren unter anderem Jens Dangschat, Professor am Institut für Raumentwicklung an der TU Wien, zum Thema „Space and Time – Challenges for Spatial Planning“, Wolfgang Streitenberger von der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung der EU-Kommission mit dem Thema „Perspectives for Urban Development in the EU Vorträge in pneumatischen Strukturen symbolisierten die Verknüpfung von Zeit und temporärem Raum. Regional Policy“ oder Ismael Fernandez Meija, letzter Präsident des internationalen

Stadtplanerverbands Isocarp, der über „The Future of Cities““referierte. Moderierte Round-Table-Diskussionen, etwa zur internationalen Immobilienentwicklung, und ein Rahmenprogramm ergänzten die Veranstaltung in der „ewigen Stadt“. Zeit und temporären Raum zusammenzubringen, das wurde symbolisch mit der Installation pneumatischer Strukturen im Garten manifestiert, in denen einige der Vorträge stattfanden. Auch der Tenor der Konferenz beschäftigte sich mit Fragen von Zeit und Ort: Wie kann man stabile, zweidimensionale Pläne für Räume in einer Zeit erstellen, die von ständigen Veränderungen in immer kürzeren Intervallen geprägt ist? Die REAL CORP 2013 war die Gelegenheit, aktuelle Stadt- und Regionalplanungstheorien und -methoden zu diskutieren, aber auch gelebte Planungserfahrungen aus aller Welt auszutauschen. Eines der Projekte, die den Planungsexperten in Rom vorgestellt wurde, ist das Interreg-Projekt „Attract-SEE – Assessing Territorial Attractiveness in South-East Europe“ (siehe Rubrik Innovationen, Seite 142). Der gesamte Tagungsband der REAL CORP 2013 wurde bereits vor der Konferenz online und frei für Interessierte zur Verfügung gestellt (programm.corp.at/cdrom2013). Die von den Autoren frei gegebenen Präsentationen und das „Attract-SEE“-Konferenzpapier sind ebenfalls online und frei verfügbar. Die REAL CORP 2013 war eine Kooperation von: • CEIT ALANOVA – Central European Institute of Technology, Institut für Stadtplanung, Verkehr, Umwelt und Informationsgesellschaft), www.ceit.at • Verein CORP – Kompetenzzentrum für Stadtplanung und Regionalentwicklung, www.corp.at • Architektenkammer Rom und Umgebung – Ordine degli Architetti di Roma e Provincia, www.architettiroma.it • Casa dell‘Architettura – Haus der Architektur, www.casadellarchitettura.it • ISOCARP – International Society of City and Regional Planners, www.isocarp.org

Geförderter Wohnbau Wien, Kundratstraße

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Mag. Michael Gehbauer Wohnbauvereinigung GPA Bauträger


Menschen

Wie man Urbanität generiert

Norbert Philipp

Visualisierung: FLUXT

Das als Forschungsprojekt begonnene Neue Stadthaus soll als neues Nutzungskonzept einer heterogenen Gesellschaft die Möglichkeit geben, sich selbstorganisiert zu entfalten.

„Das Neue Stadthaus“ versucht die Nutzer die Nutzung diktieren zu lassen.

„ALU-FENSTER RECHNEN SICH AUF DAUER.“ TU Wien rechnet – MA 39 Wien testet: Längste Lebensdauer Dauerhaft hohe Dämmwerte Geringste Lebenszykluskosten Mehr über nachhaltigen Wohnbau auf www.alufenster.at. Ihr Metallbaubetrieb macht's macht möglich. Im Zeichen der Werthaltigkeit.

Das Elend der gründerzeitlichen Stadt Gemeinsam mit nonconform Architektur vor Ort baut er den ersten Prototypen einer Gebäudetypologie, die auf

die Zeit des wirtschaftlichen, industriellen Aufschwungs im 19. Jahrhunderts referieren soll, aber nur, was die Großzügigkeit und Nutzungsflexibilität ihrer Gebäude angeht. Denn die Menschen, die zur Gründerzeit in Wien wohnten, liebten ihre Gegenwart wahrscheinlich nicht so sehr wie die Wiener heute ihre Vergangenheit. „Damals hatte ein Bewohner durchschnittlich 4 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung“, weiß Caren Ohrhallinger von nonconform Architektur vor Ort aus ihren Recherchen. Und damals, sagt Raith, „gab es in der Stadt auch katastrophale hygienische Zustände. Und die Hämmer stampften in den Hinterhöfen“. Arbeit und Wohnen lagen eng bei einander, zu eng für wirkliche Lebensqualität. „Da zeigten sich eben die negativen Seiten der Nutzungsmischung“, erklärt Raith. Nicht umsonst versuchte die Moderne in der Architektur danach zu trennen, was in der Stadtplanung

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Alle lieben die Gründerzeit. Die Immobilienwirtschaft, weil sich der Wohnraum in den Häusern, die damals entstanden, heute gut verkaufen lässt. Und die Stadtbewohner, weil es sich gut wohnen lässt, in Räumen, die den Alltag und die Zukunft nicht in fixe Grundrisse zwingen. Durch die sanfte Stadterneuerung in den 70er Jahren in Wien öffneten sich die gründerzeitlichen Häuser wieder für alle möglichen Nutzungskonzepte und alle Stadtbewohner. Heute bewundern sie seufzend nicht nur die handwerkliche Baukunst, sondern vor allem die großzügigen Raum- und Platzverhältnisse. Doch allzu oft wird die Gründerzeit auch leicht romantisch verklärt, meint Architekt Erich Raith.


Visualisierung: FLUXT

Positionen

Drei Meter Raumhöhe in den Regelgeschoßen, 4, 80 Meter im Sockelgeschoß.

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offensichtlich nicht zusammen zu passen schien. „Die Moderne ist angetreten, um den städtebaulichen Wahnsinn abzuschaffen. Aber mittlerweile erleben wir, dass die Stadtmodelle, von denen man geglaubt hat, mit ihnen das Elend der gründerzeitlichen Stadt zu überwinden, ihre eigene Art von Elend produziert haben“, so Raith. Und dieses lässt sich auch in Kilometer messen, die Stadtbewohner in heutigen Städten auf vier Gummireifen abspulen, um Arbeit, Einkaufen, Ausbildung und Freizeit nur irgendwie zu verbinden. Suche nach neuen Typologien Heute lassen sich die Lebensbereiche oft gar nicht mehr trennen. Schon gar nicht eingrenzen, in Grundrisse zwängen, in Plänen festzurren oder in Wohnkonzepte schnüren. Die Biographien der Menschen und die Flexibilität der Gesellschaft stoßen an ihre Grenzen, die in der Realität die Mauern, Wände und Architekturentwürfe ziehen. Deshalb sucht die Architektur auch nach neuen Typologien, die zwar so neu gar nicht sind und die doch alles in sich aufnehmen können: verschiedene Generationen, Lebensstile und Familienkonfigurationen. Die Arztpraxis genauso wie die Studenten-WG, das Kaffeehaus, das repräsentative Büro sowie den Co-Workingspace im Erdgeschoß: „Das Neue Stadthaus“ soll all das können. Denn das Konzept versucht die Nutzer die Nutzung diktieren zu lassen. Und nicht die Architekten. Aber auch aus dem Mechanismus, den die traditionelle Wohnbauförderung nahelegt, will man sich befreien. Denn diese fördert den Quadratmeter Nutzfläche, von der man dann soviel wie möglich in die Kubatur stopfen will. Was dann zu Lasten der Raumhöhe geht. Hunderttausende Quadratmeter Wohnfläche entstanden so, aber keine Räume, die auf veränderte Bedingungen reagieren können. „Nutzungsoffenheit für die nächste Generation soll durch diese neue Typologie entstehen“, sagt Ohrhallinger. „Das Neue Stadthaus“ verfügt in den Regelgeschoßen über drei Meter Raumhöhe, im Sockelgeschoß beträgt sie 4 Meter 80. Das ist genau kalkuliert: „Damit nicht nachträglich ein Geschoß eingezogen werden kann“, sagt Ohrhallinger. Und dadurch die Nutzung wieder alles andere als offen ist. Wohnkonfigurationen in Beton verfestigt Bei 2 Meter 20 Geschoßhöhe haben nicht einmal mehr das Wohnen oder Aufenthaltsräume eine Chance. Nur mehr Müllräume und Kinderwagenabstellplätze. Luft nach oben braucht auch das Wohnen, aber noch mehr die Atmosphäre oder die repräsentativen Aufgaben, die

etwa ein Erdgeschoß als Kaffeehaus oder Büro übernehmen soll. Und dazu kommen auch die Gewerbe- und Dienstnehmerschutzverordnung, die auch nur das Beste für die Mitarbeiter in Büros will, also gesunde Arbeitsatmosphäre. „Aber mindestens genauso wichtig ist“, sagt Raith, „dass wir innerhalb eines Grundrisses keine tragenden Strukturen haben.“ In der neuen Gebäudetypologie dürfen sich individuelle Wünsche verwirklichen, genauso wie in Zukunft Familienkonzepte und Arbeitsmodelle, die man heute noch gar nicht kennt. Die alten Stadthäuser, erklärt Raith, hatten eine tragende Fassade an der Straße, eine tragende Mittelmauer und eine zweite tragende Fassade im Hinterhof. „Die tragenden Primärstrukturen im heutigen Wohnbau verlaufen meist quer zur Fassade, damit man möglichst große Fenster machen kann“. Allein dadurch hätten sich fixe Wohnkonfiguration über Jahrzehnte in Beton verfestigt: etwa das Schlafzimmer, gerade groß genug für das Doppelbett inklusive Nachtkästchen. Und bislang hat auch kaum jemand konstruktiv an diesem Paradigma gerüttelt, das in die gesellschaftliche Realität nicht mehr ganz passen will. Zukünftigen Entwicklungen nicht verschließen Die Grundrisse bleiben im „Neuen Stadthaus“ frei veränderbar. „Über die Tiefe des Grundrisse haben wir nur die notwendigsten Fixpunkte, die man für die Lastabtragung, Aussteifung oder Installation braucht“, erklärt Raith. So legen die Architekten nur einen Lebensraum mit Infrastruktur in das Haus. Der Rest ist der Selbstbestimmung der Nutzer überlassen. „Wie sich das Leben dann dort einrichtet, bleibt offen. Egal, ob später jemand dort schlafen, arbeiten oder Kinder erziehen will“. So sollen sich die Räume zukünftigen Entwicklungen nicht verschließen: „Die Arbeits- und Lebenswelt der Menschen hat sich extrem verändert. Wir wissen heute nicht, was die Menschen morgen brauchen werden“, sagt Ohrhallinger. Und Raith fügt hinzu: „Es geht darum, der nächsten Generation eine räumliche Ressource zu vererben, mit der sie Dinge anstellt, von der wir heute vielleicht noch gar keine Ahnung haben“. Es gehe darum, heute „Potenziale und Reserven“ anzulegen, die später einmal abgerufen werden können. „Das Neue Stadthaus“ entstand ursprünglich als Forschungsprojekt, das die TU Wien gemeinsam mit der Projektgemeinschaft raith nonconform Architektur vor Ort durchführte. Noch in diesem Jahr wird in Wien Favoriten, in der Jagdgasse Ecke Buchengasse, mit dem Bau des ersten Prototyps begonnen. Weitere „Stadthäuser“ des gleichen Typs sollen folgen. Schließlich würden sich auch für die Marktverwertung ganz neue Perspektiven erschließen, nicht nur für die Nutzer. Denn die Immobilie kann auf verschiedenen Segmenten, Gewerbe oder Wohnen, gleichzeitig vermarktet werden. Aber nicht zuletzt soll neben den Investoren auch die Stadt profitieren: „Da geht es auch darum, die Nutzungsintensität der Immobilie zu erhöhen“, erklärt Raith. Und das strahlt im besten Fall auch auf den Gehsteig davor, das Grätzel rundherum und die ganze Stadt aus: „Letztendlich geht es auch um die Frage, wie man Urbanität generiert. Und die kann nur dort entstehen, wo eine heterogene Gesellschaft die Möglichkeit hat, sich selbstorganisiert zu entfalten“, sagt Raith. ■


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Machbarkeitsstudie f체r ein nachhaltiges Universit채tsgeb채ude in Plusenergiestandard Martin Treberspurg, BOKU Wien

Ber체cksichtigung von Wassergefahren beim Bauen Junges Wohnen am Nordbahnhof 1, Wien 2

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Umwelt und Planung

Machbarkeitsstudie für ein nachhaltiges Universitätsgebäude in Plusenergiestandard – Zielsetzungen der BOKU Wien für den Neubau des Türkenwirtgebäudes (TÜWI)

Vorwort Rektorat der BOKU Die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), die „Universität des Lebens“ beschäftigt sich seit ihrer Gründung 1872 mit Themen der Nachhaltigkeit. In den letzten zehn Jahren legte die BOKU neben ihrem Nachhaltigkeitsengagement in Forschung, Lehre und Dienstleistung zunehmend den Fokus auf die Betriebsökologie. So ist die BOKU an allen Standorten EMAS zertifiziert und wurde 2012 im Green University Ranking auf Platz 21 weltweit, Platz 8 in Europa und Platz 1 im deutschsprachigen Raum geführt. Am Standort Türkenschanze konzentrieren sich die BOKU-Kompetenzen z.B. der Agrar- und Forstwissenschaften, der Landschaftsarchitektur, allgemein jene, die sich mit Nachhaltigkeit und globalem Wandel beschäftigen. Der größte Anteil der nun etwa 11.500 Studierenden konzentriert sich auf diesem Standort. Obwohl die Studierenden mit der BOKU sehr zufrieden sind, – in den jährlichen Umfragen landet die BOKU an erster oder zweiter Stelle im Vergleich der österreichischen staatlichen Universitäten – ist das Platzproblem ein drängendes. Anmietung von dislozierten Kinosälen kann auf Dauer keine Lösung sein. Mit dem Neubau des Türkenwirtes ergibt sich für die BOKU nun eine einmalige Chance ein für die BOKU zentrales Gebäude mit großem Auditorium, Mensa, ÖH, dem TÜWI-Verein und übergreifenden wissenschaftlichen Plattformen wie dem Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit, dem Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften und dem Zentrum für Entwicklungsforschung zu schaffen. Natürlich soll dieses Gebäude auch ein Leuchtturm der Nachhaltigkeit der BOKU werden – nicht nur aus Prinzip, sondern auch um die laufenden

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Vorwort o.Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb, Institut für Meteorologie und Zentrum für Globalen Wandel & Nachhaltigkeit, BOKU Den Klimawandel kann man wissenschaftlich belegen, man kann ihn aber auch erleben – etwa am raschen Übergang von Winter zu Sommer, am frühen Blatttrieb oder an sommerlicher Hitze. Die Erwärmung wird sich noch fortsetzen – Treibhausgase, einmal in die Atmosphäre eingebracht, haben dort ein langes Leben. Gebäude müssen den sich ändernden Klimabedingungen vorausschauend Rechnung tragen: Hitzeschutz, nicht nur Kälteschutz. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, dass sie möglichst wenig zum Klimawandel beitragen: erneuerbare Energien und möglichst sparsamer Umgang mit diesen, sorgfältige Abwägung zwischen Effizienz und Resilienz, z.B. hinsichtlich des Einsatzes von elektronischen Steuerungen. Baumaterialien und Innenausstattung sind auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit hin auszuwählen, Haltbarkeit und Langlebigkeit tragen zur Ressourcenschonung bei, und Anreize zur Kommunikation tragen zur Entschleunigung des Alltags bei. Ein Universitätsgebäude muss darüber hinaus Möglichkeiten des Monitorings und des Experimentierens schaffen, etwa bezüglich Beschattung, Fassadengestaltung oder NutzerInnenverhalten. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Rendering: Christoph Treberspurg

Univ.-Prof. Arch. DI Dr. Martin Treberspurg, BOKU Wien Initiator der Serie „Umwelt und Planung“

Betriebskosten gering zu halten. Die Einmaligkeit besteht auch heute schon darin, dass sich in die Planung und Konzeption im Sinne einer gelebten Zusammenarbeit Studierende, Lehrende, Rektorat und TÜWI-Verein einbringen.

Rendering – Machbarkeitsstudie Neubau Türkenwirt, Haupteingangsbereich [Architektur: Treberspurg, BOKU Wien]


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Rendering: Christoph Treberspurg

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Rendering – Machbarkeitsstudie Neubau Türkenwirt, Schnittperspektive durch das Atrium und den Hörsaal [Architektur: Treberspurg, BOKU Wien]

Die Anforderungen an das Universitätsgebäude Türkenwirt sind also zahlreich und hoch. Aber eine Universität muss neue Wege aufzeigen – gerade bei den eigenen Gebäuden. Hier gehen künftige EntscheidungsträgerInnen ein und aus, hier werden sie geprägt. Sie müssen erkennen: Bei diesem Gebäude waren Menschen am Werk, die an die Zukunft denken, die vorzeigen, dass auch ein Universitätsgebäude mehr Energie erzeugen kann, als es selbst braucht. Menschen, die eine Vorstellung davon entwickelt haben, dass Vieles auch anders sein kann, als wir es gewohnt sind und die sich nicht scheuen, EntscheidungsträgerInnen und auch die künftigen NutzerInnen zu fordern. Die BOKU freut sich auf eine gedeihliche Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, bei der alle von einander lernen. Vorwort Univ.-Prof. DI Lilli Licka, Institut für Landschaftsarchitektur, BOKU An der BOKU wird als einziger Universität in Österreich ein Vollstudium der Landschaftsarchitektur angeboten. Der Freiraum soll dieses Fach repräsentieren. Die Gestaltung des Freiraumes erfolgt nach funktionalen Anforderungen, einem hohen gestalterischen Anspruch und den Kriterien nachhaltiger Landschaftsarchitektur (ökologisch, ökonomisch und sozial). Bei der Neuplanung des Türkenwirtes sind die Lösungen entlang der Grundstücksgrenze sowie das Erscheinungsbild des Außenraumes auf die vorhandene Stadtstruktur abzustimmen. Es handelt sich um eine Eckparzelle des Wiener Cottageviertels, das sich durch grüne Vorgärten und begrünte Straßenräume auszeichnet. Für die dauerhafte Nutzbarkeit sind die Zugänge und die

Gehrelationen in den angrenzenden Straßenräumen zu berücksichtigen. Das Zusammenspiel des Außenraumes mit den Erdgeschoßnutzungen des Neubaus ist zu optimieren. Aufenthaltsräume, Erschließungen und Gastgärten sind in ein repräsentatives Gestaltungskonzept zu integrieren. An den kleinen, sehr intensiv genutzten Freiraum werden höchste Anforderungen der landschaftsarchitektonischen Qualität gestellt.

Quelle: Treberspurg, BOKU Wien

Vorwort Univ.-Prof. Arch. DI Dr. Martin Treberspurg, Institut für Konstruktiven Ingenieurbau, AG Ressourcenorientiertes Bauen, BOKU Zu den Raumfragen der BOKU wurden von meiner Arbeitsgruppe Ressourcenorientiertes Bauen am Institut für Konstruktiven Ingenieurbau bereits mehrere Konzepte erarbeitet, zum Teil im Rahmen von Diplomarbeiten an der Studienrichtung Architektur der TU Wien. So wurde unter anderem 2004 eine Diplomarbeit über die Generalsanierung und einen Umbau des TÜWI in ein Institutsgebäude fertig gestellt. Die Planung sah aufgrund des Bestandes (zwei Stiegenhäuser, versetzte Geschoße usw.) ein neues Stiegenhaus und aufwändige Umbauarbeiten vor [1]. Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der BIG ergab, dass für ein Universitätsgebäude ein kompletter Abriss und Neubau aus den o.a. Gründen und der höheren Nutzfläche auf dem teuren Grundstück im 19. Bezirk pro m² Nutzfläche nur die Hälfte kostet als eine Generalsanierung. Daher wurden wir vom Rektorat gebeten eine Machbarkeitsstudie „Neubau TÜWI mit Audimax“ durchzuführen. So sinnvoll ein Audimax im TÜWI aufgrund der zentralen Lage ist, kommt erschwerend hinzu, dass unter dem Gebäude der Tunnel der Vorortelinie S45 liegt.

Längsschnitt – Machbarkeitsstudie Neubau Türkenwirt, maßstabslos

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Erdgeschoß und Freiraum – Machbarkeitsstudie Neubau Türkenwirt, maßstabslos [Architektur: Treberspurg, BOKU Wien; Freiraum: Licka, Wück, Institut für Landschaftsarchitektur, BOKU Wien]

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Quelle: Treberspurg, BOKU Wien

Unter der Leitung von Vizerektorin Reithmayer wurden in vielen Gesprächen mit den zukünftigen NutzerInnen das Raumprogramm und der Entwurf erarbeitet. Diese Machbarkeitsstudie wurde durch ein transdisziplinäres Gremium überprüft, wobei eine integrale Planung von ExpertInnen von BOKU-Instituten unter meiner Leitung durchgeführt wurde. Die Projektleitung hatte Arch. DI Bernhard Kollmann, der gemeinsam mit DI Mariam Djalili und Mag.arch. Christoph Treberspurg an der Entwurfsplanung arbeitete. Die Plusenergie- und Nachhaltigkeitsaspekte wurden von DI Roman Smutny aufbereitet. Nach Erteilung der Abbruchgenehmigung und der Umwidmung soll nun ein EU-weiter Wettbewerb durchgeführt werden. Dabei soll angestrebt werden, dass der Neubau des TÜWI ein Leuchtturmprojekt und „Open Science Center“ für nachhaltiges Bauen wird, wobei insbesondere eine intensive Gebäudebegrünung und eine positive Energiebilanz sowie ein nachhaltiger Freiraum realisiert werden sollen. Im Sinne eines „Open Science Centers“ sollen einerseits zukunftsweisende Technologien demonstriert werden und andererseits die Performance eines nachhaltigen Gebäudes für NutzerInnen und BesucherInnen visualisiert und bewusst gemacht werden.

Grundriss 1. UG – Machbarkeitsstudie Neubau Türkenwirt, maßstabslos

BOKU-Machbarkeitsstudie für den Neubau des Türkenwirtgebäudes Das neue Universitätsgebäude soll das zukünftige Audimax für bis zu 400 Personen beherbergen, sowie den von Studierenden und Freiwilligen betriebenen TÜWI Verein (Lokal und Hofladen), die Räumlichkeiten der ÖH, die Mensa, den Facultas-Shop und weiters Büroflächen und Räumlichkeiten für Institute und Studierende. Durch das Institut für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit, das Institut für Risikoforschung und das Centre for Development Research soll ein Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung realisiert werden, das die bestehende Expertise der BOKU in diesem Bereich eindrucksvoll präsentiert. Ein weiteres grundlegendes Ziel des Entwurfs ist ein „Haus der Studierenden“ und bezieht sich damit unmittelbar auf das interdisziplinäre Konzept der „Universität des Lebens“, wie die BOKU auch bezeichnet wird. Die Zusammenarbeit der Forschenden, Lehrenden, Studierenden und Öffentlichkeit soll mit diesem Gebäude demonstriert werden. Mit dem geplanten Neubau soll am zentralen Standort der BOKU das Leitbild des Nachhaltigen Bauens mit innovativen Baukonzepten in die Realität umgesetzt werden. Die geplante Nutzfläche von rund 4.700 m² soll durch einen länglichen Baukörper an der Peter Jordan Straße mit drei Vollgeschoßen und entlang der Dänenstraße mit zwei Vollgeschoßen realisiert werden, wobei die bebaubare Kubatur im Wesentlichen dem Bestandsgebäude entspricht. Der Eingangsbereich soll durch den Lichtbrunnen und den zurücktretenden Foyerbereich gekennzeichnet werden. Dadurch wird ein hoher Tageslichtanteil in den unteren Zugangsbereichen zum Hörsaal erreicht. Das Erdgeschoß soll das Lokal des TÜWI, den Hofladen und die Mensa beherbergen. Im oberen Bereich sollen sich die Büroräume für die BOKU-Institute und Studierenden befinden. Die Fassaden sollen dem Raumprogramm, der Orientierung und den innovativen Fassadenkomponenten (Photovoltaik und Bauwerksbegrünung) gemäß ausgebildet werden. Die Schichtung der Fassade erlaubt einen effizienten Sonnen- und Blendschutz und soll mittels aktiver Elemente zur Energiegewinnung beitragen. Der als differenziert gestaltete landschaftliche Außenbereich soll die Nutzbarkeit zwischen Mensa und TÜWI Lokal regeln und die Gesteinssammlung der BOKU in Szene setzen. Das durchgehende Atrium im Gebäudeinneren soll begrünt werden und damit zu einem gesunden Arbeitsklima beitragen. Dieses Atrium soll die Verbindung zwischen dem oberen und unteren Bereich sowie zwischen der BOKU und der Öffentlichkeit darstellen (Nutzung als Open Science Center). Vom Tageslicht durchflutet soll es ein zentraler Ort der Begegnung sein, an dem sich MitarbeiterInnen, StudentInnen und BesucherInnen gerne aufhalten. Die Machbarkeitsstudie sieht ein Plusenergiegebäude vor, das im Passivhausstandard errichtet werden soll und eine aktive Solarenergienutzung vorsieht. Dabei sind hohe Anforderungen sowohl an die bautechnische Ausführung als auch an das haustechnische Konzept und die Nutzerausstattung erforderlich. Das Plusenergie-Konzept und die aktive Gebäudebegrünung wurden im Oktober 2011 als Demonstrationsvorhaben bei


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Quelle: Treberspurg, BOKU Wien

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Grundriss 1. OG – Machbarkeitsstudie Neubau Türkenwirt, maßstabslos

der Forschungsförderungsgesellschaft eingereicht und von der Jury als sehr innovatives Vorhaben gewürdigt, jedoch aufgrund der noch nicht vorhandenen Ausführungsplanung nicht gefördert. Im Zuge der zukünftigen Planung soll ein detailliertes Leuchtturmprojekt eingereicht werden, wobei auch der positive Einfluss des näheren städtebaulichen Umfelds mitberücksichtigt werden soll, wie beispielsweise der Nachrüstung von Photovoltaik-Anlagen am benachbarten Oskar-SimonyHaus. Die Beheizung und Kühlung des Gebäudes soll hauptsächlich über eine Betonkernaktivierung der Geschoßdecken und teilweise über die Lüftung bzw. mittels Kompaktheizkörpern und Unterflurkonvektoren erfolgen. Der Energiebedarf hierfür soll hauptsächlich durch Wärmerückgewinnung und Geothermie erfolgen, wobei der Restbedarf durch Fernwärme gedeckt werden soll. Der Strombedarf soll durch energieeffiziente Beleuchtung, Bürogeräte und Luftförderung möglichst minimiert werden, wobei der Restbedarf durch Photovoltaik gedeckt werden soll.

Architekten und Landschaftsarchitekten durchgeführt. Die Wettbewerbsausschreibung soll in Abstimmung mit der Architektenkammer ausgearbeitet und von dieser freigegeben werden. Es ist nicht gedacht, dass die Machbarkeitsstudie den zukünftigen WettbewerbsEntwurf vorwegnehmen soll, sie soll nur die Unterbringung des Raumprogramms und die Möglichkeit eines Plusenergie-Bürogebäudes nachweisen. Zusätzlich hat sich durch die neue Widmung (geschlossene Bauweise, öffentliche Zwecke) eine geänderte Baukörpersituation ergeben. Wir hoffen auf viele gute Projekte und auf die Ausführung eines richtungsweisenden Universitätsgebäudes im Sinne der Zielsetzungen der BOKU, das sich auch wirtschaftlich bewährt.

EU-weiter Architektenwettbewerb Von der BIG wird nun entsprechend dem Bundesvergabegesetz ein EU-weiter Wettbewerb für Teams von

Autoren Univ.-Prof. Arch. DI Dr. Treberspurg, DI Roman Smutny, Treberspurg & Partner Architekten / beide BOKU Wien ■

Quelle: Treberspurg, BOKU Wien

Literatur [1] Ertl, U. (2004): Energetisch, strukturelle Altbaumodernisierung am Beispiel eines Um- und Ausbaus eines gründerzeitlichen Institutsgebäudes der Universität für Bodenkultur. Diplomarbeit TU Wien.

Grundriss 2. OG – Machbarkeitsstudie Neubau Türkenwirt, maßstabslos

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Berücksichtigung von Wassergefahren beim Bauen

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So wie das aktuelle Jahrhunderthochwasser haben auch in den letzten Jahren zahlreiche Hochwässer und hohe Grundwasserstände in Niederösterreich große Schäden verursacht. Oft sind diese Folgen auch mit Haftungen verbunden.

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Bei der Flächenwidmung ist die Gemeinde, die die Bauland-Widmungsart festlegt, auch für die grundsätzliche Bauplatzeignung verantwortlich. Für neuere Baulandwidmungen kann davon ausgegangen werden, dass die mit Wasser verbundenen Naturgefahren ausreichend berücksichtigt sind. Bei älteren Widmungen gibt es jedoch dafür keine Garantie, da zu dieser Zeit oftmals noch keine Datengrundlagen bestanden. Allen Widmungen ist in Bezug auf erhöhten Grundwasserstand, Oberflächen- und Hochwässer besonderes Augenmerk zuzuwenden. Strömungs- und Grundwasserdruck Für die Standsicherheit eines Gebäudes sind Auftrieb, Wasserdruck, Strömungsdruck, Erosion und Feinteilausspülung maßgeblich. Steigt das Grundwasser über das Niveau der Gründungssohle, entstehen Auftriebskräfte und Wasserdruck. Wird die Auftriebskraft größer als die Summe aller Gebäudelasten, schwimmt das Gebäude auf. Das fließende Wasser übt zusätzlich einen Strömungsdruck aus, der insbesondere kleine Objekte mit sich reißen kann. Werden in Hochwasserabflussgebieten die für die jeweiligen Boden- und Geländeverhältnisse zulässigen Grenzwerte der Fließgeschwindigkeit und Schleppspannung überschritten, kommt es darüber hinaus zu Bodenerosionen, die zu einer Unterspülung der Fundamente und damit zu einer Gebäudezerstörung führen können. Bereits vor jeder Bau- oder Sanierungsmaßnahme sollten nicht zuletzt im Hinblick auf die Minimierung potenzieller Schäden durch Hochwasser oder hoch ansteigendes Grundwasser entsprechende Informationen über die möglichen auftretenden hohen und höchsten Wasserstände eingeholt werden. Im Einzelfall kann es sich darüber hinaus als notwendig erweisen, eine Detailbegutachtung durchführen zu lassen.

Allgemeine planerische Maßnahmen Die einfachste und wirksamste planerische Maßnahme ist, außerhalb des Einwirkungsbereiches des Hochwassers zu bauen. Weitere allgemeine planerische Möglichkeiten zur Schadensminimierung sind: • Bauen in erhöhter Lage • Verzicht auf Kellergeschoße • Gründung des Gebäudes auf Stützen Wände und Sohle eines Bauwerkes sind auf den zu erwartenden Wasserdruck nach statischen Erfordernissen zu dimensionieren. Die erforderliche Auftriebssicherheit kann durch eine ausreichende Dimensionierung der Gebäudelasten, eine Flutung des Gebäudes oder durch Sondermaßnahmen erzielt werden. Als Bemessungserfordernis gilt, dass die Summe aller Gebäudelasten mindestens 10 % größer als die Auftriebskraft sein muss. Die Gründungssohle muss jedenfalls biegesteif sein. Die NÖ Bautechnikverordnung 1997 (LGBl. 8200/7-6) verlangt, dass der Fußboden von Wohnräumen bzw. Aufenthaltsräumen zum Wohnen mindestens 50 cm über dem höchsten örtlichen Grundwasserspiegel und in Hochwasserüberflutungsgebieten mindestens 30 cm über dem 100-jährlichen Hochwasser liegen muss (siehe § 37 und § 105 NÖ BTV 1997). Bei Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in Bereichen, die bei 100-jährlichen Hochwässern überflutet werden, ist durch besondere Maßnahmen sicher zu stellen, dass bei Überflutung ein Ölaustritt verhindert wird (siehe § 201 NÖ BTV 1997). Wasserbeständige Baustoffe Weiters müssen bei Bauwerken oder Bauwerksteilen, die in Hochwasserbereichen oder Grundwasserbereichen liegen, geeignete Baustoffe und Bauweisen gewählt werden, damit die in § 43 NÖ BO angeführten wesentlichen Anforderungen an Bauwerke dauerhaft erfüllt werden. Die Baustoffe müssen z.B. für die dauerhafte Verwendung im Wasser geeignet sein. Die Bauweise muss so gewählt werden, dass Wasser nicht in Gebäude eindringen kann. Es darf auch zu keiner Schimmelbildung kommen. Die Standsicherheit bei Hochwasser und bei hohem Grundwasser muss ebenfalls gewährleistet sein. Die richtige Wahl der Baustoffe ist für die Begrenzung von Hochwasserschäden wesentlich. Besteht die Gefahr, dass im Ernstfall Wasser ins Gebäude eindringt, sind bevorzugt wasserbeständige bzw. wasserunempfindliche und möglichst hohlraumarme Baustoffe zu verwenden. Stark wasseraufnahmefähige Materialien sind zu vermeiden. Flutung Durch eine Flutung wird im Gebäudeinneren ein Gegendruck aufgebaut, wodurch sich die von außen auf


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das Gebäude einwirkenden Drücke deutlich vermindern. Die erforderliche Flutungshöhe in Abhängigkeit vom Außenwasserstand sollte durch Markierungen angezeigt werden. Die Flutung sollte gezielt durch entsprechende Flutungseinrichtungen erfolgen. Diese sind günstigerweise an der strömungsabgewandten Seite anzuordnen.

Hochwasser Für größere Gewässer wurden im Auftrag des Landes Abflussuntersuchungen durchgeführt und die Überflutungsflächen von 30-, 100- und 300-jährlichen Hochwässern ermittelt. Diese Flächen sind auf Basis von Luftbildern im Internet auf der Homepage des Landes zugänglich. (http://www.noe.gv.at/Umwelt/Wasser/ Hochwasserschutz/Hochwasser_Hochwasseranschlagslinien_Niederoesterreich.html) Damit kann in einem ersten Schritt beurteilt werden, ob eine Fläche von einem 100-jährlichen Hochwasser betroffen ist. Wenn ja, können die relevanten Wasserstände aus den Projektberichten der Abflussuntersuchungen entnommen werden, die den betroffenen Gemeinden übermittelt wurden. Die Gefahrenzonenpläne des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung sind seit kurzem ebenfalls auf der Homepage des Landes veröffentlicht. (www.noe.gv.at/Umwelt/Wasser/Hochwasserschutz/ Hochwasserschutz_Gefahrenzonenplaene_WLV.html) Bei Gewässerabschnitten, für die weder Abflussuntersuchungen noch Gefahrenzonenpläne vorliegen, können für eine erste grobe Orientierung auch die Gefährdungsabschätzungen aus der HORA-Plattform der Bundes (www.hochwasserrisiko.at) verwendet werden. Wasserstände sind daraus jedoch nicht ableitbar und bestehende Hochwasserschutzanlagen sind nicht berücksichtigt. Hohe Grundwasserstände Im Auftrag des Landes wurden die Grundwasserhochstände für das nördliche und südliche Tullnerfeld, das Marchfeld und das südliche Wiener Becken flächendeckend ausgewertet. Diese Daten sind auf der Homepage des Landes zugänglich: (www.noe.gv.at/Umwelt/ Wasser/Grundwasser/Grundwasser_Grundwasserextremwerte.html.) Allerdings sind dabei die Extremwerte der Jahre 2009 und 2010 noch nicht berücksichtigt. Eine Aktualisierung erfolgt für das Tullnerfeld bis Mitte 2013, für das Marchfeld voraussichtlich 2014 und für das südliche Wiener Becken voraussichtlich 2015. Als weitere Informationsquelle dient die Auflistung der Grundwasserstände der amtlichen Messstellen auf der Homepage des Lebensministeriums geoinfo.lfrz.at/ehyd. Die Karte zeigt, wo die Hydrographie Österreichs die wesentlichsten Komponenten des Wasserkreislaufes – Niederschlag, Abfluss sowie unterirdisches Wasser einschließlich Quellen – beobachtet. Ausgewählte Datensätze werden für viele Jahre – bis zum aktuellen Hydrographischen Jahrbuch – zum Download angeboten.

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Bei der Bauausführuung kommen folgende Sondermaßnahmen in Frage: • Beschwerung mit Gewichtsbeton (dicke, biegesteife Sohlplatte) • Erdüberdeckung unterirdischer Gebäudeteile oder Lagerbehälter • Vertikale Rückverankerung des Gebäudes oder der Sohle im Baugrund durch ausreichend bemessene Anker oder Pfähle • Wasserhaltung (z.B. Regulierung durch Spundwände und Pumpen


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Bauherr BWS Gemeinnützige allgemeine Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Architekten BKK-3, Franz Sumnitsch Fertigstellung und Übergabe November 2011 Projektdaten Grundstücksfläche 6.720 m2 Vorgartenstraße 110-114: 102 Wohneinheiten mit 35 bis 105 m² Taborstraße 126: 72 Wohnheimeinheiten mit 54 bis 112 m²

Auf einem Teilbereich des Nordbahnhofs – dem ehemaligen Betriebsgelände der „Alten Busgarage“ errichtete der Bauträger BWS ein zukunftsweisendes Konzept für junges, kostengünstiges Wohnen. Für BAU!MASSIV!, der Nachhaltigkeitsplattform im Fachverband der Steinund keramischen Industrie, besticht das Projekt in drei Punkten: Leistbarkeit, architektonische Highlights und die soziale Komponente. Der junge Mensch steht hier im Mittelpunkt der Betrachtung. Leistbares Wohnen für junge Menschen Die Wohnbauten auf dem Areal sollen vor allem junge Menschen ansprechen. Die Projektidee basiert

Fotos: Hertha Hurnaus

Junges Wohnen am Nordbahnhof 1, Wien 2

auf einem Dreisäulen-Modell. Zum einen wird dem Anspruch des „jungen Wohnens“ in architektonischer Sicht entsprochen, zum anderen sind die interessanten Wohnungsgrundrisse, großzügige Freiflächen und eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen dem breiten Band jugendlicher Familien angepasst. Zusätzlich wird mit der Integration eines Jugend- und Studentenwohnheims im Nord-Riegel zur sozialen Komponente beigetragen. Geringe Bauzeit durch Einsatz massiver Fertigteile Bei dem Projekt wurden primär Halbfertigteile aus Beton verwendet und Elementdecken verarbeitet. Die Wände, 18 und 20 cm dick, sind Hohlwände. Statisch besonders belastete Bauteile wurden in Ortbeton ausgeführt, ein weiterer Indikator für die massive Bauweise. Denn der Ortbeton wird vor Ort gemischt und durch Rütteln verdichtet, um Lufteinschlüsse zu vermeiden. Der Einsatz von Fertigteilen wirkte sich auch positiv auf die Bauzeit aus. Die gesamte Anlage entspricht dem Niedrigenergiestandard.

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Architektur schafft Raum zur Kommunikation Jede Wohnung wurde mit einem externen Arbeitszimmer ausgestattet – vielfältig nutzbare Bonusflächen im Haus. Die kompakten Wohneinheiten werden durch ein Angebot an unterschiedlich bespielbaren Freiräumen ergänzt. Am Dachgeschoß befindet sich ein Dachgarten mit Beeten, die bepflanzt werden können. Auch für die Loggien und Balkone wurde ein Bezug zur Natur hergestellt: Grafisch nachgebildete Äste zieren die eloxierten Aluminiumtafeln der Wohnanlage. Die Freiräume und Gemeinschaftseinrichtungen sollen als Erholungsräume und Kommunikationsdrehscheibe dienen.

www.baumassiv.at


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Bücher Dietmar Feichtinger: Wege und Orte. Ausstellung The Vienna Model. Ausstellung LPS 2013. LED Professional Symposium + Expo [1:1] European Student Competition on Sustainable Architecture 2013/2014. Announcement Den Toten ihren Namen geben. Ausschreibung Kultur:Stadt. Ausstellung Urban Intervention Award Berlin 2013 und Urban Living Award 2013. Ausschreibung ISR Architektur Award 2013 Wohnbebauung Kranebitten, Anna-Dengel-Straße, Innsbruck, Tirol. Wettbewerb Artemide Lighthouse Competition 2012/13 Wohnbauentwicklung „Weiße Stadt“, Oranienburg, Deutschland. Wettbewerb 21

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Bücher


Bücher

Kultur:Stadt Wilfried Wang (Hg.) für die Akademie der Künste, Berlin

Hamburg Architekturführer

Lars Müller Publishers Zürich

Dominik Schendel

232 Seiten

DOM publishers Berlin

406 Bilder Hardcover

320 Seiten

Deutsch oder Englisch

über 500 Abbildungen Softcover

€ 40,00 € 28,00

Kultur:Stadt Seit den späten 1990er-Jahren werden in zahlreichen Städten weltweit Ikonen der Kultur errichtet, um im globalen Wettbewerb der Aufmerksamkeit Besucherströme zu umwerben. Das Buch Kultur:Stadt analysiert das Phänomen aus dem Blickwinkel von Künstlern, Architekten und Wissenschaftlern. Hat die Kultur heute noch eine Leitbildfunktion, oder ist sie lediglich Auslöser für spektakuläre Bauten? Sind Kreativ- und Kulturwirtschaften die Zukunftsbranchen postindustrialisierter Gesellschaften? Befreien oder knebeln Bauten jene kulturellen Aktivitäten, die die Bauten überhaupt erst zum Leben erweckten? Wie funktioniert der „Bilbao- Effekt“, die Aufwertung von Städten durch prestigeträchtige Kulturbauten? Dreißig Pioniere, Vorbilder und Negativbeispiele sind paradigmatisch in diesem Buch versammelt. Zahlreiche Textbeiträge und Abbildungen zu den Bauten geben dem Leser einen umfangreichen wie tiefen Einblick in dieses Phänomen.

„M“ für Mittelstand. Hier kommt die Lobby der Mitte Wolfgang Lusak, Margarete Kriz-Zwittkovits Verlag Holzhausen Wien 208 Seiten Softcover

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„M“ für Mittelstand

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€ 20,00

Zwei namhafte Vorkämpfer des Mittelstandes in Österreich artikulieren in der vorliegenden Publikation klar die Forderungen der am meisten umworbenen WählerZielgruppe und zeigen damit einen wirtschaftspolitischen Weg aus der österreichischen und europäischen Krise. Das Buch verdeutlicht, wie der Dominanz der globalen Großlobbys entgegengewirkt, dem Mittelstand die ihm zustehende Präsenz verschafft und das Land mittelstandsgerecht reformiert werden kann.

Hamburg Architekturführer Die Bebauung der HafenCity und noch viel mehr die Internationale Bauausstellung 2013 rücken Hamburg aktuell in das Rampenlicht der internationalen Architekturdebatte. Der vorliegende Architekturführer soll durch die zeitgenössische und historische Architektur des Stadtstaats an der Elbe begleiten. Gezeigt wird ein repräsentativer Querschnitt durch etwa 200 Jahre Baugeschichte, denn: Hamburg ist mehr als Hafencity und IBA. Das Buch legt den Fokus auf Bereiche, die die Identität der Hansestadt prägen: das historische Zentrum, also die Kernstadt innerhalb der ehemaligen Befestigungsanlagen und deren unmittelbar angrenzende Bereiche. Durch diese Konzentration entsteht ein verdichtetes Bild der architektonischen und urbanen Entwicklung. Die Auswahl beinhaltet nicht nur Objekte, die aus der breiten Masse hervorstechen, sondern auch zahlreiche typische, mitunter unscheinbare Bauten, die ihre Qualitäten erst auf den zweiten Blick offenbaren. In Form einer Ortserkundung, gegliedert in sechs unterschiedliche Touren, stellt der Autor insgesamt 256 Einzelprojekte vor. Umfangreiches Planmaterial, Wegbeschreibungen, Stadtkarten, Luftbilder und die QR Codes erleichtern den Stadtwanderern die Orientierung.


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Dietmar Feichtinger: Wege und Orte. Ausstellung

Termin

Der österreichische Architekt Dietmar Feichtinger wurde vor allem mit Brückenprojekten wie der Passerelle Simone de Beauvoir in Paris, der Dreiländerbrücke in Weil am Rhein oder dem gerade im Bau befindlichen, fast zwei Kilometer langen Steg zum Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel international bekannt. Er realisiert mit seinem 1994 in Paris gegründeten Büro jedoch keineswegs ausschließlich Brücken. Unabhängig da-

3. Juli bis 21. September 2013 Ort aut. architektur und tirol Öffnungszeiten Donnerstag 11 bis 21 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr Weitere Informationen www.aut.cc

© Dietmar Feichtinger Architectes

Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr,

von, ob es sich um Hochbauten oder Brücken handelt, entwickelt er seine Projekte aus einer konstruktiven wie räumlichen Logik heraus. Gleichzeitig versucht er mit jedem Entwurf eine spezifische Antwort auf die Aufgabenstellung wie den Ort zu geben. Die Ausstellung vermittelt anhand von Modellen, Filmen, Fotografien und ausgewähltem Planmaterial zu 15 Brückenprojekten die große Bandbreite seiner individuellen Lösungen.

© David Boureau

La Jetée – Brückenbauwerk zum Mont-Saint Michel, Normandie

Dreiländerbrücke über den Rhein, Weil am Rhein (D), Huningue (F)

Beton in seiner schönsten Form Litracon - Glasfaserbeton

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THE VIENNA MODEL. Ausstellung

17. April bis 2. September 2013 Ort Österreichisches Kulturforum New York Täglich 10 bis 18 Uhr Weitere Informationen www.acfny.org

Die Ausstellung THE VIENNA MODEL – Housing for the 21st Century City, die derzeit im Österreichischen Kulturforum New York zu sehen ist, soll dem amerikanischen Publikum das Erfolgsmodell des Wiener Sozialen Wohnbaus näher bringen. Die hohe Lebensqualität der Stadt Wien ist u.a. auf seine städtische Wohnbaupolitik zurückzuführen. Im Gegensatz dazu hat in den USA der Begriff „public housing“ einen eher negativen Beigeschmack – und genau hier setzt die Ausstellung an. Ausgehend von Verweisen auf die auch in den USA bekannte Wohnbautradition des „Roten Wiens“, werden in erster Linie Projekte präsentiert, die zeitgemäße Antworten auf sich wandelnde gesellschaftliche Bedürfnisse geben und u.a. der sozialen Segregation entgegenwirken. Das österreichische Künstlerduo Sabine Bitter und Helmut Weber stellt den gezeigten Projekten künstlerische Positionen gegenüber. Damit soll der Dialog zwischen Architektur, Stadtplanung, Politik und Kunst im öffent-

lichen und gemeinschaftlich genutzten Raum angeregt und gefördert werden. Die Ausstellung wird anschließend nach Los Angeles, San Francisco, Washington D.C. und schließlich 2014 nach Wien reisen. Kuratiert wurde THE VIENNA MODEL in enger Zusammenarbeit zwischen dem New Yorker Architekturpublizisten William Menking und Wolfgang Förster, dem Leiter des Wiener Referats für Wohnbauforschung und internationale Beziehungen. Bildquelle: www.acfny.org

Termin

Entwurf Ausstellungsplakat: Ahoystudios.com

Mount EE. Nachhaltiges öffentliches Bauen

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Gemäß der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Gebäuderichtlinie – EPBD) müssen ab 2018 alle neuen und sanierten Gebäude dem NZEB-Standard (Nearly Net Zero Energy Building) entsprechen. Für viele Gemeinden, vor allem in den Bergregionen, ist der Übergang zum NZEB-Standard eine große Herausforderung. Umweltfreundliche Materialbeschaffung, Verbesserung der finanziellen Unterstützung und Bereitstellung von regionalen Beratungsdienstleistungen: Das Projekt MountEE untersucht Möglichkeiten, wie Gemeinden in europäischen Berggebieten – in Schweden, den Alpen und den Pyrenäen – beim energieeffizienten und nachhaltigen Bauen und Sanieren unterstützt werden können. In sechs Regionen werden 25 öffentliche Gebäude nachhaltig und energieeffizient gebaut oder renoviert. Das Projekt MountEE wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „Intelligente Energie für Europa“ (IEE) drei Jahre lang gefördert. Seit dem Projektstart im Mai 2012 haben die MountEEPartner lokale Interessenvertreter der Baubranche in ihren Regionen zusammengebracht, internationale GoodPractice-Beispiele gesammelt und ausgetauscht sowie regionale Strategien und neue Instrumente definiert.

Ziel dieser ersten Schritte ist es, die Gemeinden bei Bauund Sanierungsprojekten technisch und finanziell zu unterstützen. Mit Hilfe von Experten aus Vorarlberg entwickeln die regionalen Partner maßgeschneiderte Strategien zu einem kompetenten Service-Paket für Gemeinden weiter. Anschließend werden Good-Practice-Beispiele gesammelt und ausgetauscht. Beispiele für den Neubau und die Sanierung von Gebäuden, für Energiestrategien und für Finanzierungsinstrumente sind auf der Internetseite des Projekts MountEE zu finden. In den kommenden zwei Jahren werden die Projektpartner auf der Grundlage der MountEE-Erfahrung kompetenzstärkende Aktivitäten wie Schulungen, Workshops und Exkursionen durchführen. Kontakt Wolfgang Pfefferkorn, Projektleiter MountEE, CIPRA International Carole Piton, Projektmitarbeiterin MountEE, CIPRA International T: +423 237 53 05 info@mountee.eu www.mountee.eu


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LpS 2013. LED professional Symposium + Expo

Termin 24. bis 26. September 2013 Ort Festspielhaus Bregenz Info + Registrierung info@lps2013.com www.lps2013.com www.LpS2013.com/Registration www.led-professional.com

Gemeinsam mit weltweit führenden Organisationen der Lichtindustrie (LightingEurope, Zhaga, Assodel, EPIC, ISA, PIDA und LED Light for you) sowie international renommierten Ausstellern und Vortragenden findet die LpS Lichtkongress-Messe in Bregenz heuer zum dritten Mal statt. Aus zahlreichen Einreichungen internationaler Experten wurden dieses Jahr insgesamt 45 Fachvorträge von einem Fachbeirat ausgewählt; sie werden im Rahmen des dreitägigen Symposiums präsentiert. Die Beiträge werden in zwei Parallelsessions vorgestellt. Sie behandeln Solid-State Lighting, angefangen von den LED und OLED Lichtquellen bis hin zu Aufgaben und Lösungen in Applikationen. Zusätzlich finden in diesem Jahr fünf Spezial-Workshops statt, welche eine Vertiefung in den Bereichen Standardisierung, 3-dimensionales System-Design und Optiken, computerunterstützte Auslegung von LED/OLED Systemen sowie Qualifizierung und Zuverlässigkeit ermöglichen. Zwei interaktiv gestaltete Tech-Panels bieten die

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Möglichkeit mit den Experten über die neuesten Trends und Entwicklungen zu diskutieren und erfolgreiche Zukunftsstrategien zu entwerfen. Parallel dazu werden über 80 namhafte internationale Unternehmen aus dem Komponenten- und Modul-Bereich ihre Angebote präsentieren. Die Besucher erhalten somit die Möglichkeit, sich direkt bei führenden Dienstleistungsanbietern, Produkt- und Geräteherstellern über neue und individuelle Lösungen zu informieren und passende Geschäftspartner zu finden. Erstmals wird im Rahmen der LpS ein „Light Art Project“ vorgestellt. Im neu eröffneten „vorarlberg museum“ präsentiert Zumtobel Kriterien, Auslegung und praktische Wirkung einer modernen Lichtinstallation am Beispiel der Museumsanwendung. Mit vier wissenschaftlichen Partnern, sieben unterstützenden Lichtorganisationen und mehr als 20 Medienpartnern wird das LED professional Symposium + Expo international begleitet.

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Ausschreibung

[1:1] European Student Competition on Sustainable Architecture 2013/14. Announcement

Information http://www.studentcompetition. citechaillot.fr/program.html

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The architect as researcher, attentive to the needs and aspirations of our changing society. The architect as a catalyst of change, with and for the people. These are the aspects of the role of the architect that the 4th session of the Gaudi Competition, now [1:1], is seeking to highlight with its new theme. In Europe, adapting one’s habitat to one’s needs has become more or less impossible. How does one build “an extra room”? The freedom to do has disappeared below the weight of regulations and “permanent” building is more and more expensive. But so many people dream of having an extra room as a means of living a little better. Easy to build, easy to take down. For the student seeking autonomy, the young architect working from home, the pensioner looking after his succulent plants. For neighbours who want to share an aperitif. For a neighbourhood that dreams of having a common space. And what if being an architect meant granting the freedom to build? To local people, to neighbourhoods, to politicians? The [1:1] competition 2013-2014 asks students to find light and economical solutions which will enable people to build “an extra room”. Starting with a real location, students will work with residents in order to identify their needs and come up with simple and unbureaucratic solutions based on additional volumes realisable in kit-form. These participative interventions can be made to private or collective habitat – pieces of “urban acupuncture” which are small and light but designed precisely in line with the needs of “an extra room”: a room for a family member, a garage for the new Steve Jobs, a summer boutique for the neighbourhood… The participative process should continue from conception to construction. We are looking forward to innovative “kit-of-parts” projects – sheds, pavilions, extensions, subversive spaces which surprise us with their humanity and their radical design: liberty, simplicity, feasibility – and humour. Jana Revedin

Specifications • Site: to be chosen by the candidate – suitable for the addition of either an extra room onto a private residence or a common space onto a building or neighbourhood. Area 25 m2 maximum. • Program: to be determined in line with the needs of the inhabitants of the site, whether private or collective. • Constructional system: the project should propose a light and rational construction solution – a demountable, remountable and transportable structure – freely designed or adapted from an industrial prefabricated “garden cottage” product. • Sustainability: the project should respect the ecological, social, cultural and economic criteria of sustainability. Timetable 15th October 2013: end of registrations 31st October 2013: end of project submissions 12th November 2013: jury of selection of 10 winning projects – Paris 16-20th December 2013: workshop with the 10 winning designers at the Faculty of Architecture, University of Liege, Belgium; development of the projects; jury of selection of the first-prize-winning project May 2014: workshop at the Ecole du Bois – Nantes, France; production of the exhibition of the 10 projects; construction of the prototype of the first-prize-winning project July 2014: workshop at the Architecture Biennale – Venice, Italy; setting up of the exhibition; installation of the prototype August 2014: inauguration of the exhibition and prototype at the International Architecture Biennale in Venice


Berichte

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Was Metropolen wie New York, London, Paris oder Tokyo haben, bietet für Wien: ein Stadtmagazin für

Architektur, Stadtentwicklung, Urbanität und Design 3 Ausgaben 1 Jahresabo

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Ausschreibung

Den TOTEN ihre Namen geben. Ausschreibung

Weitere Informationen http://auslobung.next-pm.at/ wbw_maly_trostinec/

Mittlerweile ins Stadtgebiet von Minsk eingemeindet liegt das süd-östlich vom Stadtzentrum gelegene einstige Dorf Maly Trostinec jetzt links und rechts der heutigen Autobahn M4. Hier befinden sich jene Gebiete, wo die Nationalsozialisten in den Jahren 1941 - 1944 eine Vielzahl von Menschen hingerichtet und ermordet haben. Das Kulturministerium von Weißrussland hat mit Beschluss RB vom 23. Oktober 2007 Nr. 43 die Gebiete des ehemaligen Vernichtungsortes südöstlich von Minsk zum historisch-kulturellen Schutzgebiet erklärt. Der 2010 gegründete Verein IM-MER hat es sich zur Aufgabe gemacht, an die in der Blagowschtschina ermordeten Österreicher und Österreicherinnen zu erinnern. Auslober Verein IM-MER Wettbewerbsbüro next-pm Verfahrensart Anonymer Ideenwettbewerb Teilnahmeberechtigung Alle über 18-Jährigen. Aufgabenstellung Das Wettbewerbsgebiet weist eine Ausdehnung (Maxima) von rd. 1,5 km in Längsrichtung und rd. 350 m Breite auf. Im Gedenken an die über 13.000 österreichischen Opfer der Shoa, die in Maly Trostinec ermordet wurden, sind in der Blagowschtschina alle ihre Namen (Vor- und Zunamen, ausgeschrieben plus Geburtsdatum und soweit bekannt Todesdatum) sichtbar zu machen. Sie müssen für die Angehörigen auch leicht auffindbar sein, d.h. ein entsprechendes Leitsystem ist zu entwickeln. Die generellen Qualitätsanforderungen sind:

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• Anführung aller 13.500 Namen (lesbar und berührbar) • witterungsbeständig • wartungsfrei • barrierefrei erreichbar • Im Wettbewerbsgebiet keine infrastrukturelle Aufschließung vorhanden • Zufahrt zum Wettbewerbsgebiet nur über unbefestigte Straßen Beurteilungskriterien Die vorgelegten Wettbewerbsprojekte werden von der Jury nach folgenden Beurteilungskriterien mit je gleicher Bedeutung bewertet: • Gestaltungsqualität • Entwicklungsfähigkeit • Umsetzbarkeit, Realisierungspotenzial • Wirtschaftlichkeit in Errichtung, Betrieb und Erhaltung Jury Dr. Friedrich Achleitner, Architekt(urchronist), Schriftsteller Paul Chaim Eisenberg, Oberrabbiner IKG Wien Martin Krenn, Bildender Künstler Univ.-Doz. Dr. Bertrand Perz, Universität Wien, Institut für Zeitgeschichte Lisl Ponger, Bildende Künstlerin Dr. Susanne Scholl, Journalistin (Russlandexpertin) Dr. Danielle Spera, Direktorin Jüdisches Museum Wien Preise, Aufwandsentschädigung Im gegenständlichen Wettbewerb werden keine monetären Preise und Aufwandsentschädigungen ausgeschüttet. Termine Einreichfrist Wettbewerbsarbeiten: 24. September 2013, 11:00 Uhr Jurysitzung: 3. Oktober 2013 Abgabeort next-pm ZT GmbH Spiegelgasse 10/5 1010 Wien T: +43-1-512 36 66 office@next-pm.at


Berichte

Kultur:Stadt. Ausstellung

Termin

Kulturelle Angebote und deren Manifestation in baulicher Substanz sind Motor und Inhalt innovativer Stadtgestaltung und -planung. An die Stelle von Kirchen Ort und Schlössern treten heute Museen und Opernhäuser, Kunsthaus Graz Bibliotheken und Stadien und setzen ein Zeichen für das Selbstverständnis der Städte und ihrer Bewohner. Öffnungszeiten Sie übernehmen zunehmend die Funktionen von Orten Dienstag bis Sonntag der Bildung, der freien Meinungsäußerung und der kri10 bis 17 Uhr tischen Intervention und werden so zu entscheidenden Impulsgebern urbaner Entwicklung. Die von Matthias Weitere Informationen Sauerbruch kuratierte Ausstellung Kultur:Stadt. Kulturwww.museum-joanneum.at bauten von Bilbao bis Zeche Zollverein widmet sich diesem Phänomen und durchleuchtet das Verhältnis von Architektur und lebensweltlicher Wirklichkeit – das Paradigma des „BilbaoEffekts“ im Blick, ohne sich jedoch darauf zu beschränken. Die Ausstellung konfrontiert die großen architektonischen Bauformen, wie man sie seit den 1970er-Jahren kennt, mit Initiativen Parque Biblioteca España, Medellín, 2007, Architekt: Giancarlo Mazzanti ziviler Selbstorganisation, mit alternativen und dynamischen Kultur- und Kunstprojekten in Stadtteilen oder aufgegebenen Gebäudekomplexen. Das Ausstellungskonzept ermöglicht dem Besucher drei Perspektiven zu erfahren: die des Architekten, die des Kurators und die des kritischen Autors. Begleitend zur Ausstellung werden in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Graz und dem HDA (Haus der Architektur) in einer Reihe von Gesprächen die Rolle von Kulturbauten sowie ihre Bedingungen Centre Pompidou Mobile, France, Architekten: Patrick Bouchain und Loïc Julienne und unterschiedlichen Entwicklungsstrategien diskutiert. Begleitend zur Ausstellung erscheint bei Lars Müller Publishers (Zürich) ein Katalog.

Deltabeam verbessert die CO2-Bilanz Ihres Gebäudes Eine unabhängige Studie hat gezeigt: Bei Verwendung von Deltabeam wird der CO2 Ausstoß eines Gebäudes* über die gesamte Nutzungsdauer um 5% reduziert! *) untersucht an einem typischen englischen Schulgebäude

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Foto: Loïc Julienne

Foto: Iwan Baan

28. Juni bis 13. Oktober 2013


Ausschreibung

Urban Intervention Award Berlin 2013 und Urban Living Award 2013. Ausschreibung

Weitere Informationen www.stadtentwicklung.berlin.de/ staedtebau/baukultur/ urban_intervention_award/ www.deutsche-wohnen.com/ html/veranstaltungen.php www.baunetz.de/cid/3193501

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Innovative architektonische Projekte für städtische Impulse Der 2010 zum ersten Mal von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin europaweit ausgelobte Urban Intervention Award wird 2013 in Zusammenarbeit mit der Deutsche Wohnen AG um den Urban Living Award erweitert. Die diesjährig erstmalig vergebenen Preisgelder in Höhe von jeweils 3.000 € für die Kategorien „Built“, „Temporary“ und „Living“ stiftet die Deutsche Wohnen AG. Urban Intervention Award Berlin 2013 Bis Mitte dieses Jahrhunderts werden mehr als 65 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Dies stellt insbesondere die öffentliche Hand weltweit vor die Herausforderung, gleichzeitig Initiator, Anreger und Förderer zukunftsorientierter innerstädtischer Prozesse zu sein. Ziel des Urban Intervention Award Berlin ist es, maßgeblich zur Verbesserung der Lebensqualität im urbanen Umfeld beizutragen. Dabei geht es vor allem um die kreative Entwicklung neuer urbaner Orte von hoher architektonischer Qualität, die in ihrer vitalen Ausstrahlung auf das Umfeld Vorbildcharakter haben und durch ein innovatives und interdisziplinäres Zusammenwirken von Kooperationspartnern unterschiedlicher Bereiche und Disziplinen, wie Kultur, Architektur, Wirtschaft, Initiativgruppen und soziale Kräfte, usw. entstanden sind. Ausgezeichnet werden herausragende realisierte Projekte, die Beispiele exzellenter Baukunst in Verbindung mit neuen innovativen Nutzungs- und/oder Umnutzungskonzepten sind und im Zusammenwirken von Partnern unterschiedlicher Bereiche und Disziplinen entwickelt wurden. Es können Projekte eingereicht werden, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre realisiert worden sind. Der Urban Intervention Award Berlin gliedert sich in zwei Kategorien: • Built – ein realisiertes Bauprojekt • Temporary – ein realisiertes temporäres Projekt In beiden Kategorien müssen Aussagen gemacht werden : • zur städtebaulichen und räumlichen Herangehensweise • zum soziokulturellen und gesellschaftlichen Kontext • zu den Gestaltungsaspekten • zum Nutzungskonzept • zur Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern Darüber hinaus ist darzulegen, welche Impulse von dem eingereichten Projekt für die Entwicklung des urbanen Umfelds ausgehen.

Urban Living Award 2013 Viele Städte Europas verzeichnen ein rasantes Wachstum. Auch Berlin wächst wieder nach Zeiten der Stagnation. Damit einhergehend wächst der Bedarf an Wohnraum, die Mieten und der Druck auf die innerstädtischen Gebiete steigen, Verdrängung macht sich bemerkbar. Es stellt sich die Frage, wie das städtische Zusammenleben in sozial durchmischten Quartieren in vielfältigen Konstellationen für Jung und Alt, Einheimische und Zugezogene, sozial Benachteiligte und die Mittelschicht, für Singles und Familien innovativ, klimagerecht, kostengünstig und gestalterisch-architektonisch nachhaltig organisiert werden kann. Es werden herausragende realisierte Projekte ausgezeichnet, die Beispiele exzellenter Baukunst im Bereich zukunftsweisender, integrativer Wohn- und Lebensmodelle in Verbindung mit neuen innovativen Nutzungs- und/ oder Umnutzungskonzepten sind und im Zusammenwirken von Partnern unterschiedlicher Bereiche und Disziplinen entwickelt wurden. Es können Projekte eingereicht werden, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre realisiert worden sind. Aussagen müssen gemacht werden: • zur gesellschaftlichen Zielgruppe • zur Frage ob Mieter oder Käufer angesprochen werden • zum Finanzierungsmodell und zu Finanzierungspartnern • zur Frage ob öffentliche Förderung in Anspruch genommen wurde • zum Nachhaltigkeitskonzept hinsichtlich Energiestandard und Materialien • zur architektonischen, räumlichen Umsetzung • zu der städtebaulichen und räumlichen Herangehensweise • zum soziokulturellen und gesellschaftlichen Kontext • zu den Gestaltungsaspekten • zum Nutzungskonzept • zur Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern Darüber hinaus ist darzulegen, welche Impulse von dem eingereichten Projekt für die Entwicklung des urbanen Umfelds ausgehen. Termine Einreichtermin bis 24. August 2013 Jurysitzung 31. Oktober 2013 Award-Zeremonie und Ausstellungseröffnung 9. Dezember 2013


Berichte

ISR Architektur Award 2013

35 Projekte aus Italien, der Schweiz und Österreich Jury Bernhard Wietek (ZI Geotechnik und Bauwesen), Volker Giencke (Studio 3/Universität Innsbruck, Architekturbüro in Graz), Wittfrieda Mitterer (Kuratorium für technische Kulturgüter, Bozen), Helmut Lamprecht (Sachverständiger für Verkehrssicherungspflicht auf Skipisten) Jurierung März 2013

Innovative Architektur bei Neubauten und Umbauten von Seilbahnstationen und Bergrestaurants hat seit einigen Jahren wieder an Bedeutung gewonnen und leistet ihren Beitrag zur Identität eines Ortes. Seilbahnbetreiber setzen dabei vermehrt auf architektonisch besonders spektakuläre Projekte, die international für Furore sorgen. Diese Initiativen engagierter und visionärer Seilbahner und die Leistungen der beteiligten Planer und Ingenieure werden mit dem Architektur Award der Internationalen Seilbahn-Rundschau entsprechend gewürdigt. Die eingereichten Projekte wurden nach den Kriterien Design, Funktionalität, Ökonomie, Ökologie und verwendete Materialien bewertet. Die Jury entschied, insgesamt sechs Projekte in den Kategorien Talstationen, Bergstationen, Gesamtprojekte und Bergrestaurants auszuzeichnen.

Preisträger Bergstationen Bergstation Skiweltbahn Bauherr: Bergbahnen Brixen im Thale Architekt: Hasenauer.Architekten Ingenieur: BauCon Foto: HASENAUER.ARCHITEKTEN.ZTGmbH, © Andrew PHELPS Ausgangspunkt der Planung war eine Talstation, die zwei Skigebiete verbindet: die neue Skiweltbahn und die bestehende Gondelbahn Hochbrixen. Wesentliches

Preisträger Talstationen Talstation Rittner Seilbahn Bauherr: Autonome Provinz Bozen Architekt: Architekturbüro Dietl, Atelier 14 Ingenieur: Studio di Ingegneria Ardolino Foto: STA – © Renè Riller

Mit Inbetriebnahme der neuen Rittner Seilbahn im Jahr 2009 wurden auch die beiden alten Stationen durch neue, zeitgemäße Gebäude ersetzt. Die Umlaufstation im Bozener Stadtzentrum ist funktional mit dem angrenzenden Handels- und Dienstleistungsgebäude verbunden. Ihr ovaler Grundriss folgt der vorgefundenen Grundstücksform und nutzt die vorhandenen Flächen optimal aus. Die verwendeten Materialien – Kupfer und Glas – stellen auch gestalterisch eine Verbindung zur Bergstation her. Die Innenraumgestaltung ist klar und übersichtlich gehalten und lässt Tal- und Bergstation als eine Einheit wahrnehmen.

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Alle Sorgen wie weggeblasen! Die neue, nicht brennbare und ökologisch wertvolle Einblasdämmung von

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Beteiligung


Berichte

Funktions- und Gestaltungselement ist hier eine leicht überwölbte Fußgängerbrücke, die beide Bahnsteige kreuzungsfrei verbindet. Die Bergstation liegt windgeschützt unterhalb der Panoramaplattform des Gipfels und inszeniert auf beeindruckende Weise die Aussicht auf die Bergwelt des Wilden Kaisers. Die Abwärme des Seilbahnantriebs dient zur Beheizung der benachbarten Skihütte.

Preisträger Gesamtprojekte Wildspitzbahn Bauherr: Pitztaler Gletscherbahn Architekt: Baumschlager Hutter Partners Ingenieur: aste weissteiner, BauCon Foto: marclins.com Die neue 8er-Einseilumlaufbahn „Wildspitzbahn“ führt auf 3.429 m Seehöhe zur höchst gelegenen Bergstation Österreichs. Nicht weit davon entfernt liegt auf 3.440 m das höchst gelegene Café/Restaurant Österreichs. Der einzigartige Ausblick war Ausgangspunkt zu allen Überlegungen; die Konstruktion wurde durch die natürlichen Rahmenbedingungen und die technische Machbarkeit bestimmt. Geringste Aufstandsflächen, Gletscherzunge, steil abfallende Bergseiten und die extreme Höhenlage mit entsprechender Sonneneinstrahlung, Wind und dünner Luft bestimmten den Spielraum der Architekten. Die auf den bestehenden Fundamenten abgestellte Stahl-Alu-Konstruktion war Basis für die architektonische Form des Gebäudes.

Preisträger Gesamtprojekte Gaislachkoglbahn Bauherr: Ötztaler Gletscherbahn Architekt: obermoser arch-omo Ingenieur: ZSZ Ingenieure, BauCon Foto: Markus Bstieler Trotz der mächtigen Konstruktionen für Tal-, Mittel- und Bergstation machen diese einen leichten und luftigen Eindruck auf die Besucher. Erreicht wird dies dadurch, dass die Bauten und ihre freitragenden Stahlkonstruktionen mit transparenten Membranen überzogen und bespannt wurden. Die Konstruktionselemente mit ihrer Bespannung verhindern ein Festsetzen von größten Schneelasten oder Verschmutzungen auf den Stationsbauten. Die Transparenz der Gebäude vermittelt Sicherheit, denn alles ist gut einsehbar. Speziell für dieses Projekt entwickelte Lichtinstallationen lassen bei Dunkelheit den Eindruck von Riesen-Skulpturen in der Landschaft entstehen.

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Sonderpreis Gesamtprojekte Panoramagalerie Pilatus Kulm Bauherr: Pilatus-Bahnen Architekt: Niklaus Graber & Christoph Steiger Ingenieur: Schwartz Consulting Foto: Dominique M. Wehrli Nach einer Fahrt mit der steilsten Zahnradbahn der Welt erreicht man auf 2.132 m Seehöhe den Pilatus Kulm mit einzigartiger Aussicht auf das Alpenmassiv und die Stadt Luzern. Gefragt war in einem geladenen Architekturwettbewerb ein wetter- und wintersicherer Übergang zwischen den Hotels Pilatus-Kulm und Bellevue. Die einprägsame, kristallin wirkende Silhouette des Pilatus-Massivs wurde im Entwurf für die neue Panoramagalerie aufgenommen. Subtil schmiegt sich der Bau der alpinen Kulisse an und entwickelt sich zur künstlichen Topografie zwischen den bestehenden Bauten und den markanten Felsnasen.


Berichte

Preisträger Bergrestaurants Gipfelrestaurant Weisshorn Bauherr: Arosa Bergbahnen Architekt: Tilla Theus und Partner Ingenieur: Galmarini Waidacher Foto: Heinrich Helfenstein Das gefaltete und abgekantete Gebäude ist zentral auf dem Bergplateau positioniert. Die Konstruktion besteht aus Stahl und Fichtenholz. Die natureloxierte Aluminiumhüllung hüllt den Gesamtbaukörper in Form einer geschuppten Haut ein. Durch die archaische Form und die Materialisierung verwächst das Gebäude mit der natürlichen Gesamtlandschaft. Durch seine schrägen Wände und schiefen Dachflächen wird es zu einem Teil des Gesteins. Dem Weisshorn fehlte bisher die Spitze – nun wurde ihm architektonische eine Zipfelmütze aufgesetzt. ■

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Wohnbebauung Kranebitten, Anna-Dengel-StraSSe, Innsbruck, Tirol Weinberg Bauträger & Projektentwicklungs GmbH, Innsbruck Die Erschließung eines weiteren Wohngebietes in Innsbrucks westlichstem Stadtteil Kranebitten nimmt Gestalt an. Hier entsteht neuer Wohnraum für über 300 Einwohner.

Dem geladenen Architektenwettbewerb mit der hochkarätigen Expertenjury wohnten unter anderem die Innsbrucker Bürgermeisterin Mag. Christine OppitzPlörrer, Herr Stadtrat Mag. Gerhard Fritz sowie die Stadtplanung Innsbruck, mit Dipl. Arch. Erika SchmeissnerSchmid, sowie Herrn DI Hanspeter Sailer bei. Einmal mehr haben die AO-Architekten aus Innsbruck der Jury mit der Wettbewerbsvorbereitung perfekte Entscheidungsgrundlagen geliefert. Wir gratulieren den Siegerarchitekten des Büros „Architekturhalle“ unter der Führung von Arch. Mag. Raimund Wulz und Ing. Manfred König und freuen uns dieses attraktive Projekt alsbald umsetzen zu können. Ein großes Dankeschön geht auch an alle Teilnehmer, die mit ihren innovativen und hochwertigen Beiträgen unseren Wettbewerb bereichert haben. Auf unsere Kunden wartet attraktiver Wohnraum in sonniger und grüner Stadtrandlage. GF Dr. Monika Froschmayr, GF DI Jörg Büchlmann Weinberg Bauträger & Projektentwicklungs GmbH

Auslober Weinberg Bauträger & Projektentwicklungs GmbH, 6020 Innsbruck, und Architekt DI Franz Schönthaler, 6020 Innsbruck Wettbewerbsbüro

Architekturhalle Raimund Wulz – Manfred König Telfs Mitarbeit:

1. Platz = städtebauliches Siegerprojekt

Stefan Brabetz, Daniela Hendl, Martin List, Simon Schnegg

ao-architekten, 6020 Innsbruck Wettbewerbsgegenstand Erlangung eines Besiedlungs-, Grünraum- und Erschließungskonzeptes sowie von HochbauVorentwürfen einer mehrgeschoßigen Wohnbebauung.

Untergeschoß

Regelgeschoß

Untergeschoß

Regelgeschoß

Dachgeschoß

Ergebnis 1. Platz: Architekturhalle, Telfs 2. Platz: ARGE Schlögl & Süß mit Michael Lukasser, Innsbruck

34

3. Platz: ATP kfp – Alfred Wegmann, Zürich

wettbewerbe 309

Projektverlauf

Dachgeschoß

Einstufiger, anonymer Realisierungswettbewerb mit 9 geladenen Büros, 8 Teilnehmer, Jurierung März 2013 Planungsbeginn 2013 Geplanter Baubeginn 2014 Südansicht


Anna-Dengel-Straße, Innsbruck, Tirol

Ebene 0

Ebene 2

Ebene 1

Ebene 3

Wettbewerb

Schnitt

Ecken wird diskutiert. Die natürlich belichteten und belüfteten Stiegenhäuser werden positiv bewertet. Ein sich in die Umgebung städtebaulich harmonisch einfügendes Projekt mit großen außen- und zwischenräumlichen Qualitäten. Empfehlungen für die Weiterbearbeitung: Weiterentwicklung der Gestaltung der Außenanlagen, insbesondere hinsichtlich Strukturierung der Topographie des Geländes in Abstimmung mit der Tiefgaragenlösung, der Durchwegung und Verschränkung öffentlicher und halböffentlicher Bereiche, der Differenzierung von privaten und gemeinschaftlichen Flächen. Ein Landschaftsplaner ist beizuziehen. Bearbeitung der Übergänge gemeinschaftliche / öffentliche Freibereiche. Optimierung der Tiefgaragensituation samt Zufahrten. Besucherstellplätze auf Privatgrund. Deutlichere Ausprägung der Übergänge zum öffentlichen Freigelände. Nebenräume sind zu optimieren (Fahrräder usw.) – soll aber zu keiner „Verhüttelung“ führen, die Lage ist zu optimieren und z.B. ins Gelände zu integrieren. Die Abstände nach TBO sind einzuhalten. Die differenzierte Höhenentwicklung der Baukörper soll beibehalten werden.

35

wettbewerbe 309

Projektbeurteilung: Zwölf polygonale Baukörper werden auf den ersten Blick „wie zufällig verstreut“ auf dem Grundstück platziert; es entsteht eine kleinteilig wirkende Waldsiedlung. Die städtebaulich äußerst sympathische Situierung der Häuser entpuppt sich bei näherer Betrachtung als bewusste und wohlüberlegte Wahl der Gebäudestandpunkte. Keines der Gebäude steht direkt vor einem anderen, freie Durch- und Ausblicke in alle vier Himmelsrichtungen sind gegeben / möglich. Die Baukörper sind individuell konfiguriert und weisen unterschiedliche Höhenentwicklungen auf, sind dabei aber trotzdem wirtschaftlich umsetzbar; das Projekt weist im Vergleich eine hohe Dichte auf. Eine Spielstraße und ein Lärchenhain bilden die Zentren der Siedlung. Die landschaftliche Gestaltung und die Durchwegung der Freibereiche werden positiv beurteilt. Die Fassaden werden durch große Öffnungen im Bereich der Loggien und durch unregelmäßig angeordnete hohe Fenster bestimmt. Die Sinnhaftigkeit / Notwendigkeit der polygonalen Ausbildung der Öffnungen wird allerdings in Frage gestellt bzw. kritisch gesehen. Die unterschiedlichen Wohnungstypen sind grundsätzlich immer in zwei Richtungen orientiert; die Möglichkeit von großzügigeren Öffnungen an den Süd-West-


Berichte

ARGE Schlögl & SüSS Architekten mit Architekt Michael Lukasser Innsbruck

2. Platz Mitarbeit: Elisabeth Geisler, Markus Danzl Konsulenten: Landschaftsplanung: coll_de_verre

Schnitt

Regelgeschoß

Erdgeschoß

wettbewerbe 309

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Projektbeurteilung: Die Bebauung sieht acht villenartige Solitärbaukörper als zwei- bis viergeschoßige Vierspänner mit innen liegendem Stiegenhaus zuzüglich Penthouse sowie nordseitig zwei zeilenartige Laubenhanghäuser als viergeschoßige Fünfspänner vor. Die Gebäude sind in fünf Höhenstufen dem natürlichen Geländeverlauf entsprechend angeordnet, wobei das neu gestaltete Gelände in Plateaus differenziert wird – im Süden zum öffentlichen Spielplatz hin durch eine Böschung, im Siedlungsinneren durch ein System aus Stützmauern, Rampen und Treppen, welche zusammen mit der Baustruktur hochwertige Freiräume sowie Gemeinschaftsflächen versprechen. Die innere Wegerschließung erfolgt über zwei ost-west-verlaufende Stichwege weitgehend verkehrsfrei, die Orientierung im Siedlungsinneren sowie Wegeführung und Durchlässigkeit ist zum Teil umständlich und unklar. Die Verkehrsanbindung erfolgt über zwei Tiefgaragen mit getrennten Einfahrten sowie

ein offenes Parkdeck, wobei die durch die Terrassierung gegebene Chance einer natürlichen Belichtung und räumlichen Aufwertung der Tiefgaragen nicht genutzt wurde. Die Stadtvillen weisen sehr gut zugeschnittene Wohnungsgrundrisse auf, sämtliche Wohnungen sind gut orientiert. Die Erschließungsbereiche sind zwar minimiert, jedoch räumlich qualitätsvoll. Bei den Laubenganghäusern werden durch die Winkelform teilweise Wohnungen durch Eigenbeschattung benachteiligt. Die Verwendung dieser eher sperrigen Laubengangtypen als „Rückgrat“ der Siedlung stört die Strukturqualität, dies insbesondere im Hinblick auf die nördlich anschließende kleinkörnige Baustruktur. Die Gebäudeabstände innerhalb der Villenstruktur sind teilweise zu knapp bemessen, die architektonische Formulierung der Gebäude sowie der gemeinschaftlichen Räume ist hochwertig und zeugt von der Sensibilität des Planers.


Anna-Dengel-Straße, Innsbruck, Tirol

Wettbewerb

ATP kfp – Alfred Wegmann Zürich

3. Platz Mitarbeit: Xavier Temme, Corinne Bader, Anja Peter, Alessa Preis Haustechnik: Olivier Pol Kostenplanung: Klaus Gebhart, Koordination: Martin Lukasser Landschaftsarchitektur: Stefanie Jühling, München,

Lageplan

Mitarbeit: Ariane Rösler Visualisierungen: nightnurse images, Zürich

Erdgeschoß

Südansicht

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wettbewerbe 309

Projektbeurteilung: Sechs längliche, abgestufte Baukörper werden entlang der verfügbaren Grundstücksbreite angeordnet.

Dadurch entstehen einerseits positive Freiräume, andererseits entspricht die Körnung nicht der Bebauungsstruktur der Umgebung. Obwohl sämtliche Wohnungen südorientiert sind, wirken sich die nach Norden zurückversetzten Grundrisse durch die Eigenbeschattung negativ aus. Auch lassen die südorientierten Loggien und Balkone durch die unmittelbar davorliegenden ungestalteten Freiflächen unliebsame Effekte durch den öffentlichen Spielplatz erwarten. Positiv werden die Erschließung und Durchwegung sowie die großzügigen Freibereiche zwischen den einzelnen Baukörpern gesehen. Durch die halbgeschoßig versetzten Ebenen entsteht eine gut gegliederte Fassadengestaltung mit wohl überlegter Materialwahl. Einzelne Wohnungstypen entsprechen aufgrund langer Erschließungsgänge nicht den Vorstellungen der Auslober.


Berichte

Artemide Lighthouse Competition 2012/13

Beteiligung 120 Einreichungen aus sechs Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, UK, Polen, Taiwan) Jury Uwe R. Brückner (Vorsitz; Atelier Brückner), Steffen Salinger (Artemide), Kristin Feireiss

Zum 2. Mal lobte der italienische Leuchtenhersteller Artemide in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ostwestfalen-Lippe / Detmolder Schule für Architektur + Innenarchitektur den Studentenwettbewerb Artemide Lighthouse Competition aus. Mit dem Wettbewerb möchte Artemide Studenten die Chance geben – im Sinne der eigenen Firmenphilosophie „responsible light“ – zukunftsweisend, international und innovativ zu planen und zu gestalten. Gesucht wurden Ansätze, die bewusst über bekannte Muster hinausgehen und die Grenzen zwischen Inszenierung, Kunst und Architektur ausloten. Dabei nutzte der Auslober die Stadt Venedig – Schauplatz der Architekturbiennale 2012 – als Bühne für den Wettbewerb. Gefragt waren unter dem Titel „Citta Immaginarie“ szenografische Lösungen für den Stadtraum Venedig. In einer ersten Vorprüfung wurden zunächst 30 Arbeiten ausgewählt, die in der finalen Runde ausgewertet wurden. Die Jury ermittelte in drei Bewertungsdurchgängen drei Gewinner und drei Sonderpreise.

(Aedes), Swantje Kühn (Hochschule Ostwestfalen-Lippe), Jan Edler (Realities United), Marco Pogacnik (UVIA, Venedig), Francesca Venier (Topotek 1) Jurierung April 2013

1. Preis „Changing Perspectives“ Jomo Zeil, Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz Projektbeurteilung: Das Projekt setzt sich mit dem Bahnhofsplatz auseinander und versucht dessen Leere durch eine begehbare Architektur hervorzuheben, die sich an die vorhandenen Bauten anschließt und sie neu erlebbar macht. Von der Jury wurden besonders folgende Eigenschaften positiv beurteilt: die Möglichkeit, den Entwurf auch abschnittsweise zu realisieren und die Angemessenheit des Entwurfes auf die temporäre Nutzung. Die Jury würdigt diese Arbeit mit dem ersten Preis.

2. Preis „15 Million Sandy Seconds“ Sophie Irene Schrattenecker, Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz

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Projektbeurteilung: Das Projekt ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschafts- und umweltkritischen Themen, die das Schicksal Venedigs nachhaltig beeinflussen. Die Jury war beeindruckt von der vorgeschlagenen zeitlichen Choreografie wie der künstlerischen Umsetzung durch das Element Sand. Die Arbeit bedient sich eines Materials, das verschiedene symbolische Ebenen anspielt: das Vergehen der Zeit und die Öde einer unsinnigen Ökonomie. Die Jury würdigt diese Arbeit mit dem zweiten Preis.


Wettbewerb

Sonderpreis „Watergate“ Adrian Heller, HTWK Leipzig

Projektbeurteilung: Das Projekt will das Bestehende ironisch konterkarieren, indem der Bahnhof mit einer grünen Rasenfläche verfremdet wird. Der Schnelllebigkeit wird als angenehme Überraschung ein kontemplativer Raum entgegensetzt, auf dem sich die Besucher und die Einheimischen begegnen können. Durch diesen Eingriff, auch wenn unbewusst, wird auf die ursprüngliche Bestimmung der venezianischen Campi als unbepflasterte Flächen hingewiesen, die historisch dem alltäglichen Leben zu Verfügung standen. Die Jury würdigt diese Arbeit mit dem dritten Preis.

Projektbeurteilung: Adrian Hellers Arbeit beeindruckt durch seine professionelle Darstellung und einen Detaillierungsgrad, der jedem Architekturwettbewerb ebenbürtig ist. Auch wenn die Dimension der Architektur und inhaltlich diverse Bespiele mit Touristeninformation, Ausstellung und öffentlicher Eisfläche den Ausschreibungsrahmen sprengen, so verdient doch die intensive Auseinandersetzung mit dem unwirtlichen Piazzale Roma am Eingang zu Venedig besondere Anerkennung. Dies ist der Jury ein Sonderpreis wert.

Sonderpreis „Iter Temporis“ Abel Argast, Hochschule Augsburg Projektbeurteilung: Abel Argast macht mit seiner Arbeit auf dem Piazza San. Lucia eine minimalistische und kraftvolle Intervention, die sich mit – für Venedig essenziellen Aspekten – dem Leben am und der Bedrohung durch Wasser skulptural auseinandersetzt. Geradezu dialektisch animiert er die Besucher über einen üblichen Hochwasser-Steg in einen pontonartigen, versunkenen Raum hinabzusteigen, der sowohl physisch wie auch theatral die Faszination und Gefahr gleichermaßen ausdrückt. Diese Arbeit besticht konzeptionell, gestalterisch und hat auf Grund des adäquat gewählten Maßstabes Realisierungspotenzial. Die Jury würdigt diese Arbeit mit einem Sonderpreis.

Sonderpreis „Sun.Script“ Ewa Maria Romaniak, Dominika Wilczynska, Magdalena Kut, Academy of Fine Arts / Krakau Projektbeurteilung: Die Arbeit besticht durch ihre bezaubernde, märchenhafte Geschichte, die sie in einer Mischung aus Licht-Spiegel-Installation und Performance zwischen Bahnhofsplatz und Piazzale Roma verortet und erlebbar macht. Die Jury würdigt die poetische Darstellungsqualität, die Lust macht in die Fiktion einzutauchen und vergibt dafür einen Sonderpreis.

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wettbewerbe 309

3. Preis „201086“ Philipp Khoury, Hochschule Augsburg


Berichte

Wohnbauentwicklung „WeiSSe Stadt“, Oranienburg, Deutschland

Auslober Stadt Oranienburg, D-16515 Oranienburg Aufgabenstellung Wettbewerbsziel ist die städtebau-

Superblock / D\D Wien 1. Preis

liche und landschaftsarchitektonische Entwicklung eines neuen

Verfasser:

innerstädtischen Wohnquartiers.

Superblock – Arch. Verena Mörkl,

Um verschiedene Bevölkerungs-

D\D landschaftsplanung

gruppen anzusprechen, sollen möglichst viele unterschiedliche

Mitarbeit:

Bauformen und Bebauungstypen

Christoph Mörkl, Max Utech,

angeboten werden. Das Planungs-

Silvia Tommaro,

gebiet weist eine Fläche von

Thomas Hennerbichler,

12,5 ha auf.

Roland Barthofer

Ergebnis 1. Preis: Superblock, D\D 2. Preis: SMAQ, A. Viander, S. Müller Anerkennung: GSP, R. Schmidt Projektverlauf Nichtoffener, städtebaulicher Wettbewerb mit zehn geladenen Planungsteams aus Architekten/ Stadtplanern und Landschaftsarchitekten, Jurierung März 2013 Planungsbeginn Mai 2013 Planungshorizont 3 Jahre Projektdaten Siegerprojekt 582 Wohnungen gesamt 49.000 m2 Wohngruppen 390 m2 Betreutes Wohnen 1.000 m2 Büroflächen 3.800 m2 Nutzflächen gesamt 88.390 m2

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Projektbeurteilung: Der Leitidee „vom blauen Kanal zur weißen Stadt“ folgend, schaffen die Verfasser mit dem neuen Grünzug entlang der Walther-Bothe-Straße einen neuen Stadteingang. Den selbstverständlichen Auftakt bildet der neue gut proportionierte Platz am „Weißen Haus“ als neuer Quartiermittelpunkt. Dieser lässt seinen Ausblick am Oranienburger Kanal enden. Das Wettbewerbsgebiet wird sowohl in Ost-West-Richtung als auch in NordSüd-Richtung gut vernetzt. Der abwechslungsreiche und räumlich spannend gestaltete Anger ist sowohl identitätsstiftend für das gesamte Quartier, setzt aber auch gleichzeitig übergeordnete Stadtimpulse. Die Umsetzbarkeit der robusten städtebaulichen Struktur wird als hoch eingeschätzt. Im Süden bildet die Ergänzung der „Weißen Stadt“ eine neue plausible Raumkante zur Walther-Bothe-Straße hin, schützt das besondere Quartier vor der Lärmimmission und führt zu einer höheren

Wohnqualität im bestehenden Gebiet. Die Chancen dieses Eingriffes werden hoch bewertet, müssen jedoch in ihrer Realisierbarkeit geprüft werden. Beiderseits des neuen Angers entstehen vielfältige, qualitativ hochwertige Bebauungsstrukturen vom Geschoßwohnungsbau bis zum Reihenhaus, die einer sozialen Entmischung entgegenwirken. Die nachbarschaftlichen Beziehungen werden durch die ‚shared space’-verkehrsberuhigten Straßen gefördert. Das Potenzial im erweiterten Wettbewerbsgebiet ist am bestehenden Grünanger mit den vorgeschlagenen Einzelhäusern nicht genutzt. Zusammenfassend werden in sinnvoller Weise ein klarer und definierbarer Stadtraum angeboten, gute kohärente Wohnquartiere aus Alt und Neu gebildet und eine Freiraumstruktur empfohlen, die nicht nur gute Lagen bildet, sondern einen Auftakt zur Umgestaltung der Walther-Bothe-Straße vom Oranienburger Kanal bis zur Havel nahelegt.


wettbewerbe 309

Wettbewerb

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Berichte

SMAQ / Anna Viander / Sabine Müller Berlin

2. Preis Verfasser: SMAQ architecture urbanism research – Arch. Andreas Quednau, Anna Viander, Landschaftsarchitektin, Sabine Müller, Künstlerin Mitarbeit: Winston Hampel Design/Visualisierung: Alexandra Berdan, Maria Martins

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Projektbeurteilung: Das Wettbewerbsgebiet wird als urbane Erweiterung der bestehenden Stadtstruktur mit einer angemessen erscheinenden Dichte und Textur verstanden. Die konsequent rechtwinklige Anordnung der Baukörper sieht im Osten eine deutliche Eingangswirkung bzw. im Westen eine Abgrenzung als Siedlungskante vor. Die Grundstruktur der vorhandenen Weißen Stadt wird konsequent aufgegriffen. Daher werden in überzeugender Weise unterschiedliche, überschaubare Baufelder gebildet, die vielfältige Bau- und Wohnungstypen ermöglichen und eine hohe Flexibilität bei der Umsetzung bieten. (…) Der Entwurf entscheidet sich gegen einen durchgehenden Grünzug. Stattdessen wird eine Abfolge überwiegend kleinerer, quartiersbezogener Freiräume vorgesehen, denen allerdings der unmittelbare räumliche Zusammenhang fehlt. Die Ausrichtung des Nutzungskonzepts auf Reihen- und Doppelhäuser erscheint angemessen, teilweise sind die Baudichten in den Bereichen mit Geschoßwohnungsbau jedoch zu hoch. Diskussionswürdig ist die vorgeschlagene Ergänzung gewerblicher Nutzungen am Westrand des Gebietes, hier dürfte die notwendige Nachfrage fehlen. Positiv im Sinne der Nachhaltigkeit ist das vorgeschlagene Nahwärmekonzept. Insgesamt ist die Arbeit ein wertvoller Beitrag zur weiteren Entwicklung des Wettbewerbsbereiches.


Wettbewerb

GSP Architekten / Rainer Schmidt München

Anerkennung Verfasser: GSP – Igor Cerwinski, Ingo Schäfer, Rainer Schmidt, Landschaftsarchitekt Mitarbeit: Andreas Frisch, Florian Mühlbauer, Rainer Schmidt, Thore Kokulinsky, Claudia Stolte, Kira Stoepel, Lena Shvab

Die Grünstruktur entwickelt sich von Westen her entlang der Walther-Bothe-Straße in Richtung Zentrum von Oranienburg. Eine Weiterführung entwickelt sich nach Norden und ist gegeben. Die überbaute Fläche lässt flächensparendes Bauen zu. Innovative Ansätze zur ökologischen und nachhaltigen Entwicklung sind in der Arbeit nicht ablesbar. Der Entwurf lässt ein breites, ausdifferenziertes Angebot an Wohnungstypologien zu. Die Clusterbildung wird als möglicher Lösungsansatz gewürdigt. Das beabsichtigte Gesamtbild und die angestrebte architektonische Einheit lassen sich allerdings nur unter einer sehr restriktiven Planungsvorgabe und Prozesssteuerung realisieren.

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Projektbeurteilung: Die Arbeit zeigt eine klar strukturierte Bebauung mit in sich geschlossenen Stadtquartieren mit Siedlungscharakter. Die Stadtquartiercluster erfahren eine klare und hochwertige Architektur. Die einzelnen Cluster werden jeweils separat erschlossen. Die Ausnutzung im Bezug auf die realisierten Wohneinheiten wird als gering eingeschätzt. Dies ist der bewusst niedrigen und durchlässigen Dichte geschuldet. Die gewählte Bebauungsstruktur steht bewusst gegen die Ausrichtung der Bestandsbebauung und schafft dadurch eine neue prägende Identität. (…)


Bücher

Häuser für Familien – Wohnen mit Kindern Die Besten der Besten. HÄUSER AWARD From Camp to City. Sandra Hofmeister

Refugee Camps of the Western Sahara

Deutsche Verlags-Anstalt München

Manuel Herz (Hg.) In Zusammenarbeit mit ETH Studio Basel

160 Seiten 225 Farbabbildungen,

Lars Müller Publishers Zürich

100 Planzeichnungen Gebunden mit Schutzumschlag € 51,40

512 Seiten

Häuser für Familien. HÄUSER AWARD 2013 Kinder sind ein Abenteuer. Ihre alltäglichen Bedürfnisse wandeln sich und müssen in das Familienleben integriert werden. Das Buch präsentiert 20 durchdachte und kreative Wohnkonzepte, die auf die Wünsche von Eltern und Kindern gleichermaßen eingehen. Alle Häuser wurden im Rahmen des HÄUSER-AWARD 2013 ausgezeichnet und sind ausführlich in Fotos, Texten und Grundrisszeichnungen dokumentiert. Sie zeigen, wie gut unterschiedliche Wohnansprüche unter ein Dach passen, wenn die Architektur auf sie reagiert.

1.172 Bilder Hardcover Englisch € 50,00

Dysthe Design. Swinging 60 Widar Halén (Hg.)

From Camp to City

ARNOLDSCHE Art Publishers Stuttgart 200 Seiten ca. 130 Abbildungen Hardcover Englisch / Norwegisch € 39,80

Dysthe Design. Swinging 60

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Seit 60 Jahren zählt Sven Ivar Dysthe (geb. 1931) zu den führenden Vertretern des skandinavischen Designs. Herausragend in seinem Schaffen sind die 1960er Jahre, als er die meisten seiner zu Ikonen avancierten Entwürfe fertigte und das Popdesign in Norwegen begründete. Dysthes Stuhl- und Möbelentwürfe 1001, Popcorn, Prisma, Planet und Laminette sind Exportschlager. Letzterer zählt durch seinen Einsatz in zahlreichen öffentlichen Gebäuden zu Norwegens populärsten Stühlen, auf dem zumindest jeder Norweger schon einmal virtuell Platz genommen hat auf seinem Stuhl Gardist alle über den Osloer Flughafen Gardermoen Reisenden. Sven Ivar Dysthe hat darüber hinaus mit der Entwicklung einer revolutionären Ski-Bindung aus Kunststoff wesentlich zur Entwicklung der Skiausstattung in den 1970ern – und den damaligen Erfolgen norwegischer Sportler – beigetragen.

From Camp to City untersucht das Thema des Flüchtlingslagers im Kontext von Urbanismus und Architektur. Am Beispiel der Flüchtlingslager in der algerischen Wüste, in denen die aus der West-Sahara stammenden Sahrauis seit über drei Jahrzehnten leben, nimmt das Buch das „Städtische“ dieser Orte in den Blick. Im Kontrast zur gängigen Betrachtungsweise des Flüchtlingslagers als Schauplatz von Elend und Verzweiflung sowie als Ziel humanitären Engagements konzentriert sich die Untersuchung darauf, wie Menschen in Flüchtlingslagern leben und wohnen, wie sie arbeiten, sich bewegen, wie sie sich vergnügen und welche Räume und Strukturen dabei entstehen. Mit zahlreichen Bildern und Texten werden in unterschiedlichen Kapiteln einzelne Aspekte städtischen Lebens dargestellt und analysiert. Als Untersuchung eines „Grenzfalls“ des Urbanen ignoriert die Publikation dabei nicht die Problematik des Themas – vielmehr wird dessen Brisanz durch die Fokussierung auf ein „Vokabularium des Städtischen“ noch unterstrichen. Sie ermöglicht ein Verständnis der Lager als politisches Projekt. Die Publikation basiert auf Forschungsstudien des ETH Studio Basel, Institut der Zeitgenössischen Stadt an der ETH Zürich.


Berichte Bücher

Landscape Architecture Now! Philip Jodidio TASCHEN Köln Architektur als soziale Praxis.

416 Seiten

Akteure zeitgenössischer Baukulturen:

zahlreiche Abbildungen

Das Beispiel Vorarlberg

Flexicover mit Klappen Deutsch / Englisch / Französisch

Günther Prechter

€ 29,99

Böhlau Verlag Wien Köln Weimar 480 Seiten

Landscape Architecture Now!

Gebunden € 39,00

Eines der spannendsten Felder des zeitgenössischen Designs ist die Landschaftsarchitektur. Unabhängig vom jeweils modischen Baustil haben die Grünräume rund um Privathäuser, öffentliche Gebäude oder Firmensitze beträchtlich an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt auch wegen unserer neuen, ökologisch geprägten Betrachtungsweise. Das vorliegende Buch stellt Arbeiten der derzeitigen Top-Landschaftsdesigner vor. Die Grenze zwischen Architektur und Landschaftsarchitektur ist oft fließend. Dieses Buch öffnet die Türen und Fenster der zeitgenössischen Architektur: Es führt uns hinaus in die Gärten von morgen. Bildbau. Schweizer Architektur im Fokus der Fotografie

Architektur als soziale Praxis

Architekturmuseum (Hg.) Christoph Merian Verlag Basel 196 Seiten 90 meist farbige Abbildungen Broschur Deutsch / Englisch € 24,00

Bildbau Die Publikation präsentiert eine Auswahl von 40 wegweisenden Bauten, die zum weltweiten Erfolg helvetischen Bauens beigetragen haben. Sie zeigt, wie das Bild dazu beigetragen hat, Schweizer Architekturbüros und ihre herausragende Leistung in der Welt bekannt zu machen. Die Autoren Hubertus Adam und Elena Kossovskaja zeichnen nach, wie seit etwa 1990 Architekten begannen, sich mit der fotografischen Inszenierung experimentell auseinanderzusetzen: Es war der Beginn der Kooperation von Architekten und Fotografen. Heute sind es Renderings, 3D-Animationen und die massenhafte und schnelle Verbreitung durch digitale Medien, die Illusion und Realität noch mehr miteinander verschwimmen lassen. Die feinen Etappen dazwischen, Aspekte wie Bild und Bewegung, der Einfluss der Printmedien und die Auswirkungen des „Iconic Turn“ (Gottfried Böhm) kommen ebenfalls zur Sprache.

Die agrarisch-handwerklichen Sozialstrukturen des Alpenraumes haben das Selbständig-Eigenhändige als Überlebensprinzip kultiviert. Die Selbstcharakterisierung dörflicher Gesellschaften „von außen lässt man sich eigentlich nichts sagen“, bezeichnet damit einen Grundkonflikt, den professionalisierte Architektur im ländlichen Raum auslöst und sie gleichzeitig als Kulturtechnik ausweist, die im städtisch-akademischen Sozialmilieu, ebenso wie in staatlicher Ordnungspraxis beheimatet ist. Das Forschungsfeld Vorarlberg gilt als europäischer „hot spot“ zeitgenössischer Architektur. Hier lässt die ethnographisch angelegte Studie Architekten, Bauherren, Handwerker und Bürgermeister zu Wort kommen und beleuchtet ökonomische wie soziale Effekte architektonischer Ästhetisierung. Die im deutschsprachigen Raum noch junge „Architektursoziologie“ vereint interdisziplinäre Ansätze zu einem neuen Blick auf die Wechselwirksamkeit zwischen Gesellschaften und ihrer gebauten Umwelt.

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Schweizerisches


Bücher

Architektur für die russische Raumfahrt. Vom Konstruktivismus zur Kosmonautik: Pläne, Projekte und Bauten Philipp Meuser (Hg.) DOM publishers Berlin Unbuildable Tatlin?! 400 Seiten über 400 Abbildungen

Klaus Bollinger, Florian Medicus

Hardcover mit Schutzumschlag

(Hg.)

€ 78,00

Reihe Edition Angewandte

Architektur für die russische Raumfahrt In der Sowjetunion genossen die Raumfahrt und die mit ihr verbundene Raketentechnik oberste Priorität. Denn mit dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik im Jahr 1957 und mehr noch mit dem ersten bemannten Raumflug durch Juri Gagarin vier Jahre später erreichte der Kalte Krieg eine neue Stufe:. Doch neben den militärischen und politischen Aspekten stand auch der bis in die Antike zurückreichende Traum der Menschheit von der Überwindung der räumlichen Grenzen, der Eroberung des Himmels. Die beispiellose Weltraumbegeisterung der kosmischen Ära zeigt sich auch im futuristischen Formenvokabular der sowjetischen Baukunst, in den Utopien der sogenannten Papierarchitekten – und in den Bauten für die sowjetische Raumfahrt in Baikonur, Kaluga oder den geschlossenen Städten bei Moskau.

Wolf D. Prix Springer Verlag Wien New York 141 Seiten 95 Abbildungen, davon 20 in Farbe Gebunden € 24,95

The International Surface Yearbook 2013 Gerd Ohlhauser (Hg.)

Unbuildable Tatlin?!

Surface Book Darmstadt 224 Seiten Doppelseitige Oberflächenabbildungen Softcover Deutsch / Englisch € 20,00 zzgl. Versandkosten Bestellung www.surface-book.de

wettbewerbe 309

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The International Surface Yearbook 2013 Nano-, Digital- und Leichtbau-Technologie bringen Oberflächen mit maßgeschneiderten Eigenschaften hervor. Dabei lösen sich zunehmend Optik und Haptik vom Materialuntergrund und verselbständigen sich. Im neuen Surface Yearbook sind die neuesten und besten oder bisher unbeachtete, aber ebenso bemerkenswerte Oberflächen zusammengestellt. 2013 werden nicht nur der „Used Look“ und „Vintage“, sondern tatsächlich gebrauchte und gealterte Materialien wie wieder aufgearbeitete Hölzer und Ziegelsteine aus Abbruchgebäuden im Vordergrund stehen.

Vladimir Tatlins Monument für die Dritte Internationale (1919) ist sicherlich eines der bedeutendsten Projekte des sowjetischen Konstruktivismus. Es ist jedoch ungewiss, ob der „Tatlin-Turm“ überhaupt zu jener Zeit, als er ursprünglich geplant wurde, hätte gebaut werden können. Und ob ein Bau heute – mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten der Planung, Berechnung und Materialverarbeitung – möglich wäre, ist ebenso ungewiss. Das Seminar Tragwerkslehre 3 mit Klaus Bollinger am Institut für Architektur der Universität für angewandte Kunst Wien beschäftigte sich mit diesen Fragen. Die vorläufige Antworten und Annahmen werden im vorliegenden Band zusammengefasst.


Wettbewerb

Wettbewerbe „grüne Mitte Linz“ – Teil 2 Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 7a, OÖ Hertl Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6a, OÖ Gärtner + Neururer Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 2b, OÖ Team M Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6b, OÖ Reinhard Drexel

HOERBIGER Standort Wien, Wien 22 querkraft

Lorenz-Reiter-Straße SMART Wohnen, Wien 11 Sozialbau / Peter Lorenz – Hayde / rajek barosch; Heimbau – Migra / trans_city / Anna Detzlhofer; Heimbau / s & s / Carla Lo

A23 Autobahn Südosttangente, Wien Peter Eder

S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Wien 22

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Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25 Benjamin Kromoser, Martin Ritt

wettbewerbe 309

ste.p, Katzberger


Wettbewerb

Vorwort

„grüne Mitte Linz“

Foto: beigestellt

Foto: beigestellt

Teil 2 der Dokumentation des Stadtentwicklungsprojektes Teil 1 inkl. Einleitung und allg. Übersicht siehe wettbewerbe 308

wettbewerbe 309

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Seit genau 60 Jahren setzt die LAWOG im Auftrag des Landes Oberösterreich Akzente in der heimischen Wohnwelt und im Kommunalbau. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht nur auf der Errichtung moderner und zeitgerechter Wohnungen, sondern auch auf kompeDie beiden Vorstandsdirektoren Nikolaus Prammer und Frank Schneider (re) tenten Baubetreuungen. Ein zukunftsweisendes Projekt im Zentralraum wird derzeit mit sechs weiteren Bauträgern errichtet: Die „grüne Mitte Linz“ (nähe Lenaupark), ein Wohnareal bestehend aus 720 Wohnungen unterschiedlicher Wohnbauträger. Die LAWOG errichtet ab Herbst dort rund 90 Mietwohnungen in den Größen von 60 bis 90 m². Die optimale Lage verspricht eine tolle Infrastruktur, und eine hohe

Lebensqualität soll durch einen 13.000 m² großen öffentlichen Park im Zentrum des Wohngeländes erreicht werden. Ein wichtiger Aspekt in unserer Branche ist sicherlich, dass wir ständig bemüht sind die Wohnstandards zu verbessern, um den Bedürfnissen unserer Bewohnerinnen und Bewohner gerecht zu werden. Genau diese Ansprüche werden bei diesem Bauprojekt realisiert. Wohnen in grüner Umgebung mit allen Vorzügen einer Stadt. Wir sind stolz auf dieses Gemeinschaftsprojekt und wünschen den zukünftigen Mieterinnen und Mietern ein gutes Zusammenleben in dieser attraktiven Wohnanlage! Sollten Sie Interesse an einer freien Mietwohnung der LAWOG haben, können Sie auf der Homepage die aktuellen sofort beziehbaren Objekte in ganz OÖ auf einen Klick ansehen: http://www.lawog.at/ unter Freie Wohnungen

Mit nunmehr 101 Jahren Know How im Wohnbau zählt die „Familie“ zu den ältesten Wohnungsgenossenschaften in Oberösterreich. Mit dieser Erfahrung wurden bereits über 6.000 Wohneinheiten in über 640 Häusern in Oberösterreich errichtet und verDie Vorstandsmitglieder Dr. Herbert Grünberger, Dr. Reinhold Pirklbauer und stärkt wird unsere KompeArch. DI Peter Helly (von li nach re) tenz auch von Gemeinden nachgefragt: Der Neubau des Verwaltungsgebäudes in Laakirchen, die Generalsanierung des Gemeindeamts in Altschwendt und die Errichtung der Werkstätte für die Caritas in Andorf sind nur einige Beispiele dafür, dass wir auch professionelle Partner für die Errichtung von Kommunal- und Sozialeinrichtungen sind. Nachdem wir bereits beim städtebaulichen Großprojekt in der solarCity mit 98 Wohnungen beteiligt waren, freut es uns, dass wir nun auch gemeinsam mit sechs anderen Bauträgern bei der „grünen Mitte Linz“ „dabei“ sind. Da

die bebaubaren Flächen in Linz immer rarer werden, die Nachfrage nach Wohnungen im Zentrum der Landeshauptstadt jedoch ungebrochen steigt, freut es uns sehr, dass wir in zentraler Lage 112 Wohnungen unseren Interessenten anbieten können. Die Vorlaufzeit für diese Großbaustelle war enorm, aber es war gut investierte Zeit, denn das Endresultat an Planung und Gestaltung sowohl der Bauvorhaben der einzelnen Bauträger als auch des Innenparks kann sich sehen lassen. Auch für unsere Genossenschaft wurde ein Wettbewerb ausgelobt. Das Siegerprojekt zeichnet sich durch eine wohldurchdachte Planung aus. Es sind alle Wohnräume zum Innenhof hin ausgerichtet. Die Herausforderung der Nähe zur Bahn wurde sehr gut gelöst, auf Laubengänge wurde gänzlich verzichtet. Alle unsere Loggien werden begrünt, um der grünen Mitte (in) Linz gerecht zu werden. Der Baubeginn ist für Herbst 2013 geplant, die Übergabe wird Ende 2015 stattfinden. Wir freuen uns, wenn die „grüne Mitte Linz“ fertiggestellt und mit Leben erfüllt sein wird und wir zum Gelingen dieses großen innerstädtischen Projektes beitragen durften.


Wettbewerb

Als traditionelles, aber modernes Unternehmen ist uns die Beteiligung an zukunftsorientierter qualitätsvoller Stadtteilentwicklung wie beim Projekt „grüne Mitte Linz“ ein wichtiges Anliegen. Mit der „grünen Mitte Linz“ wird ein innerstädtisches Wohnbauprojekt errichtet, welches sich trotz größtmöglicher Individualität der einzelnen Wohnbauten durch ein harmonisches und attraktives Gesamtbild auszeichnet. Dabei ist dieses Wohnquartier von der Lage an der zentralen Parkanlage „grüne Mitte“ geprägt. Unser Bauplatz befindet sich an der Ecke Lastenstraße/ Erschließungsstraße. Straßenseitig erfolgt eine L-förmige, 6-geschoßige Randbebauung. Im Hof wird ein 5-geschoßiges Punkthaus errichtet. Insgesamt können wir unseren zukünftigen Bewohnern 57 hochwertige Mietwohnungen anbieten. Im Erdgeschoß stehen Geschäftsflächen zur Verfügung. Die Baureform-Wohnstätte ist stolz, dass wir mit unserer Kompetenz an der Entstehung dieses neuen Stadtteiles mitwirken dürfen.

Als gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft in Oberösterreich sehen wir es als unsere Aufgabe, qualitativ hochwertigen und leistbaren Wohnraum zu realisieren. Unser Aktionsradius beschränkt sich nicht nur auf den Zentralraum, sondern schließt Die beiden Geschäftsführer Dir. Mag. Robert Oberleitner und Dir. Mag. Attila Magyar alle oö. Bezirke und eine Vielzahl von Gemeinden mit ein. Neben der Revitalisierung bestehender Wohnanlagen errichten wir jedes Jahr zahlreiche neue Projekte, von denen alle in Niedrigstenergiebauweise ausgeführt werden. Ob bei der Planung und Ausführung neuer Bauvorhaben oder bei der Beratung und Unterstützung unserer Kunden – der Mensch steht bei uns immer im Mittelpunkt. Mit ökologischen Baustoffen, einer anspruchsvollen Architektur und professionellem Baumanagement legen wir stets aufs Neue den Grundstein für individuelles Wohnglück. Mit dem Projekt „grüne Mitte Linz“ entsteht ein weiteres Vorzeigeprojekt getreu unserem Motto „Wohnen und Wohlfühlen“. Nach Plänen des Architekten DI Reinhard Drexel erschließen drei Stiegenhäuser in einem länglichen Baukörper mit sieben Geschoßen insgesamt

52 Wohneinheiten, und ein weiterer nahezu freistehender Baukörper bietet in fünf Geschoßen weitere 34 Wohnungen. Von diesen 86 Wohnungen weist jede einen überdurchschnittlich großzügigen Außenraumbereich auf; welcher bis zu einer Fläche von etwa 8 m2 als Grün- oder Pflanzfläche ausgebildet wird. Dieses Konzept wird auch als „hängende Gärten“ beschrieben. Sämtliche Wohnungsgärten sind in ihrer Privatheit größtmöglich geschützt. Auskragende, verglaste Loggien an der Straßenseite lassen eine gestaltete Fassade entstehen, hofseitig wird die Architektur durch die vorgesetzten Grünräume bestimmt, welche durch geschicktes Anordnen ein lebendiges Wechselspiel erzeugen. Zudem erschließt jedes Stiegenhaus den Spielplatzbereich im Hof, die gemeinsame Tiefgarage (jeder Wohnung steht ein Tiefgaragenplatz zur Verfügung) und den zentralen Grünraum. Ein großer Park, umschlossen von den Wohnprojekten, ist namensgebend für die „grüne Mitte Linz“ und verspricht eine grüne Erholungs- und Wohlfühloase. In der Anlage geplante Geschäftsflächen und diverse Nahversorger sowie beste Verkehrsanbindung und Infrastruktur runden das Projekt ab und bilden eine optimale Ergänzung für eine ausgezeichnete Lebensqualität. Baubeginn ist voraussichtlich im 4. Quartal 2013. Die Neue Heimat OÖ ist stolz, mit diesem herausfordernden Projekt einen weiteren Beitrag zum städtebaulichen Gesamtkonzept der „grüne Mitte Linz“ zu leisten.

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Seit über 100 Jahren sind wir ein verlässlicher Partner bei Miet-, Mietkaufund Eigentumswohnungen sowie Kommunalbauten in Oberösterreich. Damit ist unsere Genossenschaft landesweit die zweitälteste, gemeinnützige Bauvereinigung im sozialen Wohnbau. Die beiden Vorstandsdirektoren Ing. Karl Reisinger und Ing. Roland Hattinger (re) Als modernes Dienstleistungsunternehmen realisieren wir die komplette Projektabwicklung von Planung, Neubau und Sanierung bis Hausverwaltung. Aktuell betreuen wir rund 10.000 Verwaltungseinheiten in Linz und im Raum Oberösterreich. Ein besonderes Anliegen ist uns ein umfassender und kundenorientierter Service, familiengerechte und wirtschaftliche Architektur, solide Bauweise mit Alternativenergien sowie hohe Ausstattungsqualität.

Foto: Peter Kollroß

Foto: beigestellt

„grüne Mitte Linz“

Foto: beigestellt

Vorwort


Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz /

Auslober, Abwicklung, Vorprüfung LAWOG, 4021 Linz

Gegenstand des Wettbewerbes Erlangung eines Vorentwurfes für die geplante Bebauung des eingetragenen Wettbewerbsgebietes.

Art des Wettbewerbes Anonymer, nicht offener Architekturwettbewerb mit 15 geladenen Teilnehmern. Anschließend daran Verhandlungsverfahren.

Beurteilungskriterien Funktionalität; Wirtschaftlichkeit in der Herstellung und in den Folgekosten; Städtebauliche und architektonische Lösung.

Beteiligung 14 Projekte

Preisgerichtssitzung 7. Dezember 2011

Preisgericht Arch. DI Heinz Christian Plöderl (Vorsitzender), Arch. Mag.arch. Christian Mayer (stv. Vorsitzender), OBR DI Wolf-Dieter Albrecht (Stadtplanung Linz), Arch. DI Rüdiger Lainer (Gestaltungsbeirat), Vorstandsdir. Frank Schneider (LAWOG), Vorstandsdir. Nikolaus Prammer (LAWOG), Prok. Ing. Johann W. Obermüller (Abt.leiter Technik II LAWOG), Prok. Ing. Karl Gstöttenmayr (Abt.leiter Gebäudeverwaltung)

Preisgelder / Aufwandsentschädigung 1. Preis: € 14.000,– 2. Preis: € 8.500,– 3. Preis: € 6.500,–

wettbewerbe 309

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Aufwandsentschädigung für die nächst gereihten zwei Projekte: je € 3.500,–


Wettbewerb

Bauplatz 7a, OÖ Die Vor- und Nachteile der verbliebenen Projekte werden besprochen. Der Antrag, Projekt 13 mit dem 3. Preis, die Projekte 5 und 9 mit einer Anerkennung auszuzeichnen, wird 8:0 angenommen. Nach eingehender ausführlicher Diskussion unter der Prämisse der Realisierbarkeit mit den Mitteln der Wohnbauförderung wird der Antrag, Projekt 3 den 1. Preis zuzuerkennen, mit 6:2 angenommen. Projekt 10 wird mit 8:0 mit dem 2. Preis ausgezeichnet.

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wettbewerbe 309

Zusammenfassung Beurteilung: Dem Bericht der Vorprüfung folgt eine Vorstellungsrunde. Der Vorprüfer erklärt dabei zu jedem Projekt die vorgefundenen Merkmale und die ermittelten Daten auf der Basis des Vorprüfberichtes. In einer ersten Runde werden die Projekte diskutiert und gemäß nachfolgenden Parametern die Vor- und Nachteile der Entwürfe besprochen: Städtebauliches Konzept; Baukörpertypologien; Freiraumgestaltung, Qualität der Wohnungsgrundrisse; Erschließungsstrukturen; Typologien und deren Lösungsansätze, Lösungsansätze des Eckkonfliktes; Wirtschaftlichkeit des Entwurfes; Realisierbarkeit. Nach eingehender Diskussion erfolgt die erste Bewertungsrunde im Positivverfahren, d.h. Projekte mit einer Prostimme verbleiben in der Wertung. Eine einfache Mehrheit genügt für die Rückholung eines Projektes. Das Ergebnis: Die Projekte 1, 6, 8, 11 und 14 scheiden aus. Die Projekte 2, 3, 4, 5, 7, 9, 10, 12 und 13 verbleiben in der Wertung. Anschließend werden bei den verbleibenden Projekten die Vor- und Nachteile, insbesondere das städtebauliche Konzept und die Baukörpertypologie neben der Einhaltung der Vorgaben aus dem Bebauungsplan sowie die Qualitäten im angebotenen Freiraum und in den Grundrissen, diskutiert. Besondere Beachtung erfahren die Übergänge zu den Nachbargrundstücken, die Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit der Vorschläge, deren Funktionalität und baukünstlerische Kriterien. Anschließend erfolgt der zweite Wertungsdurchgang, wobei die Projekte mit einfacher Mehrheit in der Wertung verbleiben. Die Projekte 2 (2:6), 4 (3:5), 7 (2:6) und 12 (3:5) scheiden aus. Die Projekte 3, 5, 9, 10 und 13 verbleiben in der Wertung.

Verfasserliste: Projekt 1: Arch. DI Werner Oberholzer, 5020 Salzburg, Mitarbeit: Theresa Oberholzer • Projekt 2: F2 Architekten ZT GmbH, Steinkellner & Partner | Architekten, 4690 Schwanenstadt / 4320 Perg, Mitarbeit: Mozghan Hosseini, Laura Fautschek, Sarah Grusch, Martin Höltinger, Eva Silber • Projekt 3: Hertl.Architekten ZT GmbH, 4400 Steyr, Mitarbeit: Mag. Ursula Hertl, DI (FH) Eva Doblinger, Mag. Simone Götze, DI Christian Spindler • Projekt 4: driendl architects zt gesmbh, 1060 Wien, Mitarbeit: Franz Driendl, Gregor Lehrl, Markus Mündle • Projekt 5: Dornstädter Architekten ZT GesmbH, 4050 Traun, Mitarbeit: DI Bettina Dornstädter, Johannes Derntl • Projekt 6: architekt mag.arch. will lankmayer lc4 – architektur, 5020 Salzburg, Mitarbeit: Dr. Walter Cernek, DI Angelika Schindlmayer, DI Inge Widerhofer-Witte, Cornelia Wittmann, DI Alex Seitlinger, Benedikt Außermair, Bernd Hattinger • Projekt 7: Baumschlager Hutter Partners, 6850 Dornbirn • Projekt 8: Reisinger und Reisinger Ziviltechniker, atelier 4 architects, 4400 Steyr / 1060 Wien, Mitarbeit: Ines Quintus, DI Andrea Urthaler, DI Gordan Araci • Projekt 9: Geiswinkler & Geiswinkler Architekten ZT GmbH, 1060 Wien, Mitarbeit: Sigrid Krendl, Roland Radda, Daniel Schwartz • Projekt 10: DI Christoph Karl und Mag.arch. Andreas Bremhorst ARGE Architekten ZT GmbH, 1060 Wien, Mitarbeit: DI Tamas Horbath, DI Felicitas Tschida, DI Judith Lehner • Projekt 11: BKK-3 ZT GmbH, 1140 Wien, Mitarbeit: Ondrej Chybik, Michal Kristof, Matej Strba, Frank Schilder, Andreas Zirngibl • Projekt 12: Architekturbüro 1 ZT GmbH, 4020 Linz, Mitarbeit: Matthias Seyfert, Dietmar Moser, Paul Wichert • Projekt 13: Riegler Riewe Architekten ZT GesmbH, 8020 Graz, Mitarbeit: Lavinia Floricel, Veronika van der Graft, Thomas Schütky, Fatlum Radoniqi • Projekt 14: kienesberger schröckenfuchs gsbr, 4040 Linz, Mitarbeit: Mag. Franz Koppelstätter, BM Günther Salfinger


Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 7a, OÖ

Hertl.Architekten Steyr

1. Preis Projekt Nr. 3 Mitabeit: Ursula Hertl, Eva Doblinger, Simone Götze, Christian Spindler

5. Obergeschoß

4. Obergeschoß

wettbewerbe 309

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2. Obergeschoß

Projektbeurteilung: Der vom Norden abgerückte, winkelförmige 7-geschoßige Baukörper wird durch eine Zäsur an die Nachbargrundstücke angeschlossen, der hofseitige 3-geschoßige Baukörper bietet westorientierte Wohnungen. Klare schlichte Strukturen, gut proportionierte, versetzte / gestapelte Freiräume mit gut proportionierten Grundrissen. Problematisch sind die überhöhte Nordwestecke sowie die Gestaltung des Gebäudeknickes. Überzeugen kann die städtebauliche Disposition mit dem Abrücken des nördlichen Baukörpers von der Grundgrenze, da Raum und Distanz für den nördlichen Nachbarn geschaffen werden. Positiv gesehen wird der Versatz der Freiflächen/Terrassen, weil dadurch durch zweigeschoßige Lufträume die Belichtung/Besonnung der darunter liegenden Wohnungen nicht beeinträchtigt wird. Die Laubengänge werden durch die Fassade gliedernde Wintergärten aufgewertet. Die stringente Struktur und konsequente Gestaltung der Fassaden überzeugen und lassen einen interessanten Wohnbau erwarten. Dies soll in der Realisierung beibehalten und deren Ausgestaltung in Materialität und Klarheit verfeinert werden. Empfehlungen des Preisgerichts: Grundsätzlich ist die Realisierung mit Mitteln der Wohnbauförderung sicherzustellen. Die Gesamtgeschoßfläche gemäß Bebauungsplan ist einzuhalten. Die Höhenentwicklung an der Nord-Westecke (Abstufung) ist auf deren Ausformulierung weiterzuentwickeln. Die Qualität der Wohnungen im Eckbereich ist in Hinblick auf die gegenseitige Beeinflussung weiterzuentwickeln, in diesem Zusammenhang ist auf bessere Belichtung der inneren Kernbereiche zu achten.

Gemeischaftszonen


Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 7a, OÖ

Wettbewerb

Nutzungsvarianten 3-Zimmer-wohnung

Schnitt B-B

Schnitt A-A

Regelgeschoß

Erdgeschoß

wettbewerbe 309

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Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz /

Auslober Familie, 4020 Linz

Wettbewerbsbetreuung und Vorprüfung Arch. DI Dr. Hans Scheutz, 4040 Linz

Gegenstand des Wettbewerbes Erlangung eines Vorentwurfes für die geplante Bebauung des eingetragenen Wettbewerbsgebietes. Es sollen Planungsvorschläge für den künftigen Bauplatz ausgearbeitet werden, bei welchen auf die Wiedererkennbarkeit, d.h. die eigene Identität des jeweiligen Quartieres (Bauplatz) zu achten sein wird.

Art des Wettbewerbes Anonymer Architekturwettbewerb mit 12 geladenen Teilnehmern.

Beurteilungskriterien Städtebauliche Lösung; Architektonische Lösung; Konstruktiv-wirtschaftliche Lösung; Funktionelle Lösung.

Beteiligung 12 Projekte

Preisgerichtssitzung 28. Februar 2012

Preisgericht Prof. Arch. DI. Rolo Fütterer (Vorsitzender), Arch. DI Peter Helly (stv. Vorsitzender; Familie), Arch. MMag. Michael Wallraff (Schriftführer), Bmst. Ing. Clauspeter Brunnbauer (stv. Schriftführer; Familie), Bmst. DI (FH) Daniela Barth (Familie), Ing. Harald Matheisl (Familie), SR DI Wolf-Dieter Albrecht (Stadtplanung Linz), Prof. Arch. DI Rüdiger Lainer (Gestaltungsbeirat)

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Preisgelder / Aufwandsentschädigung 1. Preis: € 15.000,– 2. Preis: € 10.000,–

wettbewerbe 309

3. Preis: € 6.000,– Aufwandsentschädigung für die nächst gereihten drei Projekte: je € 3.000,–


Wettbewerb

Bauplatz 6a, OÖ sungen und deren Qualitäten eingehend besprochen. Nach weiterer eingehender Diskussion und Vergleichen zwischen den sieben verbleibenden Projekten wird der Antrag, das Projekt 6 nicht weiterzuverfolgen, mit 7:1 angenommen. In der Wertung verbleiben folgende Projekte: 3 (5:3), 9 (8:0), 7 (8:0), 12 (8:0), 11 (6:2) und 2 (7:1). Die sechs verbleibenden Projekte werden nochmals eingehend begutachtet und miteinander verglichen. Die Projekte 2, 9 und 11 werden mit 8:0 als Ankäufe angenommen. Somit bleiben die Projekte 3, 7 und 12 zur weiteren Diskussion unter Einbeziehung der Detailaspekte. Der Antrag, Projekt 12 auf den 1. Platz zu reihen, wird mit 7:1 angenommen. Über die Anträge, das Projekt 7 auf den 2. Platz und Projekt 3 auf den 3. Platz zu reihen, wird jeweils mit 7:1 abgestimmt. Die Jury empfiehlt dem Auslober, mit dem Siegerprojekt in das Verhandlungsverfahren einzutreten. Verfasserliste: Projekt 1: Poppe-Prehal Architekten ZT GmbH, 4400 Steyr, Mitarbeit: Mag.arch. Andreas Prehal, Mag.arch. Dr. Helmut Poppe, DI Gabriele Schnabl, DI BA(arts) Alexandra Hammerl, DI Jasmine Pichler • Projekt 2: Architekturbüro 1 ZT GmbH, 4020 Linz, Mitarbeit: Matthias Seyfert, Dietmar Moser, Paul Wichert, Jörn Besser; Landschaftsarchitektur: Barbara Bacher • Projekt 3: ARCHINAUTEN Dworschak + Mühlbachler Architekten ZT GmbH, 4040 Linz, Mitarbeit: MA DI Valerie Kerz, DI David Peréz Soto • Projekt 4: x architekten Arch. DI Bettina Brunner ZT KG, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Ursula Kaiser, DI Susi Matt • Projekt 5: Architekten Zellinger Gunhold & Partner Ziviltechniker GmbH, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Erich Pascher, DI Alexander Glatz, Mag.arch. Christopher Opelt • Projekt 6: DI Ullmann Josef, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Thomas Wirtl, Ing. Roman Mottl, DI Mario Dallassera • Projekt 7: Architekt DI Rosensteiner Bernhard, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Nadin Augustiniok, Ingrid Rosensteiner, Mag. Josef Andraschko – rendering / modell • Projekt 8: Architekturbüro G3 ZT GmbH Nötzberger/Neuhauser/Preining, 4020 Linz, Mitarbeit: Bmst. Ing. Gottfried Preining, Prof. Mag.arch. Ing. Klaus Nötzberger • Projekt 9: Architektenbüro Mag. Ableidinger & Partner ZT GmbH, 4020 Linz, Mitarbeit: Mag. Sussan Ableidinger, Mag. Thomas Bergmayer, Dr. Ezzatollah Mafi, Ing. Samira Ableidinger • Projekt 10: Architekt DI Schweiger Helmuth, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Stefanie Födermayr, DI Manfred Bernhard, Amadeau Holzer • Projekt 11: Team M Architekten ZT GesmbH, Arch. DI Prof. Wolfgang Steinlechner, 4020 Linz, Mitarbeit: Arch. DI Gerald Pohlhammer, DI Stefan Krottenauer, Daniel Rechberger • Projekt 12: Architekten GÄRTNER + NEURURER ZT GMBH, 4840 Vöcklabruck, Mitarbeit: DI Christian Diridl, DI Anita Possienke, DI Johanna Roider

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wettbewerbe 309

Zusammenfassung Beurteilung: Nach dem allgemeinen Bericht des Vorprüfers erklärt dieser in weiterer Folge die Entstehung des städtebaulichen Leitprojektes für das Gebiet „grüne Mitte Linz“ und geht dann auf die Prämissen des gültigen Bebauungsplanes für das gegenständliche Wettbewerbsgebiet ein. Spezielle Betrachtung fanden die Themen Lärmschutz und „Hängende Gärten“. Es erfolgt ein erster nicht wertende Informationsrundgang mit dem Vorprüfer, bei dem die Projekte erläutert werden und insbesondere auf die maßgeblichen Aussagen des Bebauungsplanes (Anbauverbindlichkeit, Grundgrenzenthematik) und die Vorgaben der Ausschreibung (Lärmschutz, „Hängende Gärten“, Bezug zur innen liegenden Parkfläche) eingegangen wird. Der Vorsitzende ruft den Juryteilnehmern die Beurteilungskriterien der Auslobung in Erinnerung und weist auf ihren verbindlichen Charakter hin. Aus dem Informationsrundgang ergeben sich besondere Fragestellungen zu den Themen Städtebau, Architektur, sowie Konstruktion / Kosten. Es erfolgt eine vertiefte Betrachtung der Projekte. Die Jurymitglieder betrachten jeweils zwei Projekte unter Einbeziehung des Erläuterungsberichtes. Anschließend erfolgt ein erster Bewertungsrundgang. Bei diesem wird über jedes Projekt betreffend Verbleib auf Antrag abgestimmt. Die Projekte werden auf die in der Wettbewerbsauslobung festgelegten Kriterien hin überprüft. Als Ausscheidungsgründe werden Mängel – in Bezug zu den in der Wettbewerbsauslobung vorgesehenen Beurteilungskriterien – herangezogen. Es wird vereinbart, dass zum Verbleib eines Projektes eine Stimme erforderlich ist, zur Ausscheidung Einstimmigkeit: Die Projekte 5 und 8 scheiden aus; die Projekte 1, 2, 3, 4, 6, 7, 9, 10, 11 und 12 verbleiben in der Wertung. Es erfolgt ein zweiter vertiefender Bewertungsdurchgang, in dem die in der Beurteilung verbliebenen Projekte für die engere Wahl eingehend diskutiert werden und mit Stimmenmehrheit über den Verbleib bzw. die Ausscheidung entschieden wird: Die Projekte 1 (5:3), 4 (7:1) und 10 (8:0) werden nicht weiterverfolgt. Damit bleiben die Projekte 2, 3, 6, 7, 9, 11 und 12 in der Wertung. Bei den verbleibenden Projekten werden nochmals die städtebauliche Ausprägung, sowie die Grundrisslö-


Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6a, OÖ

Architekten Gärtner + Neururer Vöcklabruck

1. Platz Projekt Nr. 12 Mitarbeit: Christian Diridl, Anita Possienke, Johanna Roider

wettbewerbe 309

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Projektbeurteilung: Das Bauvolumen wird konsequent in 2 Bauteile gegliedert. Der durchgehende 7-geschoßige Riegel zur Bahn hin, der konsequent an die möglichen Feuermauern der Nachbarbebauung im Norden und Süden anschließt und damit eine klare abschirmende Kante bildet. Der durch einen erdgeschoßigen Baukörper mit dem Riegel verbundene 5-geschoßige Binnenbaukörper, der durch die volumetrische Loslösung vom Riegel weder Wohnungen des nördlichen Nachbarn, noch eigene Wohnungen in Belichtung, Besonnung und Ausblick beeinträchtigt. Dieser Ansatz interpretiert klug die Vorgaben des Bebauungsplanes. Es wird ein klar artikulierter bauplatzbezogener Hof ausgebildet, wobei dessen Lage und Höhe auch einem großen Teil der Wohnungen im Riegel den Bezug zum das Gesamtgebiet verknüpfenden, großen Binnenraum ermöglicht. Der klaren städtebaulichen Konfiguration entspricht auch die stringenteTypologieentwicklung. Die Ausbildung von unabhängigen Erschließungsräumen, vom 3- bis zum Mehrspänner ermöglicht für die zukünftigen Bewohnenden klare Orientierung und Identifikation

mit dem jeweiligen eigenen Hausbereich. Diese innere Qualität wird jedoch von der dargestellten Ostfassade nur beschränkt eingelöst, die in den Grundrissen und Schnitten dargestellten großzügigen Öffnungen zur Belichtung vom Osten bilden sich als eher abweisende schmale Schlitze in der Fassade ab. Die Wohnungen basieren auf einer klaren Zonierung, wobei die durch den Spänner geschaffenen, durchgesteckten Wohnräume sich mit den Küchen und Essbereichen auch nach Osten zur Morgensonne orientieren. Ein Teil der Grundrisse wird durch einen freigestellten dienenden Bereich mit Bad/WC und anschließender Kücheninstallation definiert. Diese Lösung schafft an der Ostseite eine Art zusätzlichen Raum, der als Abstellund Schrankbereich, aber auch als Arbeits- , Spiel- oder Rückzugsbereich genutzt, den zukünftigen Bewohnenden ein selbst zu bestimmendes Angebot macht. Gleichzeitig wird durch die Freistellung eines Kerns eine Rundumbewegung möglich, die vor allem für Kinder die Wohnung größer erleben lässt. Den Wohnungen vorgesetzt ist eine wellenförmige, geschoßweise versetzte Balkon- und Loggienzone. Damit ist in den weniger tiefen Bereichen eine gute Belichtung der dahinterliegenden Räume gegeben. Der Versatz der Welle ermöglicht bewitterte Bereiche. Formal jedoch ist die Ondulation in Proportion und Linienführung wenig stringent. Grundsätzlich ist das Projekt städtebaulich, strukturell und typologisch ein kohärenter, sehr guter Beitrag. Empfehlungen / Auflagen der Jury: • Änderung/Anpassung der Durchfahrt laut Bebauungsplan • Nordfassade bedarf weiterer Erklärung, Konkretisierung • Konkretisierung der Grünflächen und der „Hängenden Gärten“ laut Auslobung • Tiefgaragenzu- und abfahrt auf eigenem Grund


Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6a, OÖ

Wettbewerb

Ostansicht Punkthaus, Südwestansicht Längsbau

Schnitt

1. Obergeschoß

wettbewerbe 309

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Erdgeschoß


Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz /

Auslober BRW, 4020 Linz

Wettbewerbsbetreuung Arch. DI Franz Haas, 4030 Linz

Gegenstand des Wettbewerbes Erlangung von Vorentwürfen für die geplante Wohnbebauung des als Bauplatz der BRW eingetragenen Wettbewerbsareals.

Art des Wettbewerbes Anonymer Architekturwettbewerb mit 12 geladenen Teilnehmern.

Beurteilungskriterien Städtebauliche Lösung; Architektonische Lösung; Konstruktiv-wirtschaftliche Lösung; Funktionelle Lösung.

Beteiligung 12 Projekte

Preisgerichtssitzung 22. März 2012

Preisgericht Arch. Mag.arch.Ing. Herbert Karrer (Vorsitzender), Arch. DI Sergei Tchoban (stv. Vorsitzender; Gestaltungsbeirat), DI Gunter Amesberger MAS MSC (Schriftführer; Direktor Stadtentwicklung), Dir. Bmst. Ing. Ernst Harsch (BRW), Dir. Ing. Karl Reisinger (BRW)

Vorprüfung Arch. DI Franz Haas, Ing. Herbert Linimayer/BRW

Preisgelder / Aufwandsentschädigung 58

1. Preis: € 12.000,– 2. Preis: € 9.000,– 3. Preis: € 6.000,–

wettbewerbe 309

Drei Anerkennungspreise: je € 3.000,–


Wettbewerb

Bauplatz 2b, OÖ

Verfasserliste: Projekt 1: archinauten dworschak+mühlbachler architekten zt gmbH, Mitarbeit: MA DI (FH) Valerie Kerz, DI David Perez-Soto • Projekt 2: Architekten Luger & Maul ZT-GmbH, Mitarbeit: Dl Gerald Bruckbauer, Mag. Judith Groisböck, Dl Christoph Grabner, Dl Adrian Mnich, Dl Josef Edlinger • Projekt 3: Team M Architekten ZT GesmH Arch. Prof. Dl Wolfgang Steinlechner, Mitarbeit: Architekt Dl Gerald Pohlhammer, Dl Stefan Krottenauer, Daniel Rechberger • Projekt 4: Architekt Dl Franz Kneidinger, Mitarbeit: DI (FH) Martin Kneidinger MA, Dl (FH) Thomas Hackel MA, Dl Christoph Schwab • Projekt 5: Zellinger Gunhold+ Partner Ziviltechniker GmbH, Mitarbeit: Dl Alexander Glatz, Mag. Christopher Opelt, Dl Erich Pascher • Projekt 6: Architekt Mag.arch. Willibald Ableidinger, Mitarbeit: Mag. Sussan Ableidinger, Mag. Thomas Bergmayer, Dr. Ezzatollah Mafi, Ing. Samira Ableidinger • Projekt 7: X Architekten ZT KG, Mitarbeit: Dl Michael Hager, Mag.arch. Pollhamer • Projekt 8: Architekt DI Gösta Nowak, Mitarbeit: Dl Christian Schremmer; Visualisierung: Zoom VP; Modell: Thomas Gürtler • Projekt 9: Architekten Gärtner+Neururer ZT GmbH, Mitarbeit: Dl Christian Diridl, Dl Anita Possienke, Dl Johanna Roider • Projekt 10: Architekt Dl Alois Landrichtinger • Projekt 11: Architekt Dl Helmuth Schweiger, Mitarbeit: Dl Manfred Bernard, Amadeu Holzer, Dl Stefanie Födermayr • Projekt 12: Stögmüller Architekten ZT GmbH, Mitarbeit: Dl Günter Pichler, Dl Christian Fellinger, BSc

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wettbewerbe 309

Zusammenfassung Beurteilung: Der Vorprüfer erklärt anhand des schriftlichen Vorprüfungsberichtes jedes Projekt im Einzelnen, im Besonderen werden die funktionellen Zusammenhänge erläutert. Im Vorprüfbericht sind die Charakteristika in städtebaulicher, architektonischer, funktioneller und konstruktiver Hinsicht beschrieben und nachzulesen. Auf Antrag und Vorschlag des Vorsitzenden sollen in einem Positivbewertungsverfahren eines 1. Wertungsdurchganges diejenigen Projekte weiterbehandelt werden, die den städtebaulichen und architektonischen sowie den funktionellen und wirtschaftlichen Erfordernissen entsprechen. Zur Ausscheidung eines Projektes ist Einstimmigkeit erforderlich; die Rückholmöglichkeit eines Projektes muss gegeben sein. Es werden folgende Projekte einstimmig für die nächste Bewertungsrunde ausgewählt: 1, 3, 4, 5, 6, 8, 9 und 10. Aus städtebaulichen, architektonischen und funktionellen Gründen werden die Projekte 2, 7, 11 und 12 einstimmig nicht mehr weiterverfolgt. Im 2. Bewertungsdurchgang werden die verbliebenen Projekte eingehend im Hinblick auf Unterschiede nach städtebaulichen, architektonischen, funktionellen und wirtschaftlichen Kriterien diskutiert. Die Auswahl erfolgt mit Stimmenmehrheit. Die Projekte 3 (5:0), 4 (5:0), 5 (5:0), 6 (4:1)und 8 (4:1) verbleiben in der Wertung. Ausgeschieden werden die Projekte 1 (0:5), 9 (2:3) und 10 (1:4). Der 3. Bewertungsdurchgang beginnt. Nach weiterer längerer Diskussion werden jene Projekte ausgewählt, welche für die Preisränge in die engere Wahl kommen. Auf Antrag werden die Projekte 3, 4 und 5 einstimmig für die Preisränge ausgewählt. Es folgt die Auswahl der Projekte, die für Ankäufe in Frage kommen. Projekt 9

wird auf Antrag einstimmig zurückgeholt. Auf Antrag wird die Reihung der Ankäufe wie folgt festgelegt: 1. Ankauf: Projekt 6 (5:0) 2. Ankauf: Projekt 8 (5:0) 3. Ankauf: Projekt 9 (5:0) Es folgt der 4. Bewertungsdurchgang. Die Projekte 3, 4 und 5 werden abschließend im Hinblick auf Unterschiede nach städtebaulichen, architektonischen und funktionellen Kriterien nochmals eingehend diskutiert. Nach längerer Diskussion wird auf Antrag das Projekt 4 mit dem 3. Preis ausgezeichnet (5:0). Das Projekt 3 erhält mit 5:0 den 1. Preis. Somit wird das Projekt 5 mit dem 2. Preis ausgezeichnet.


Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 2b, OÖ

Team M Architekten Linz

1. Preis Projekt Nr. 3 Mitarbeit: Arch. Gerald Pohlhammer, Stefan Krottenauer, Daniel Rechberger

Projektbeurteilung: Das Projekt nimmt präzise die Vorgaben der Stadtplanung auf und schafft an der Hofseite mit der Situierung eines Punkthauses eine Durchlässigkeit des Grünraumes, welche sich insgesamt auf die Belichtungs- und Besonnungsverhältnisse dieser städtebaulichen Ecksituation sehr vorteilhaft auswirkt. An der Lastenstraße erfolgt die Erschließung über zwei Stiegenhäuser und garantiert so für die gewählten Zweispännertypen und die durchgesteckten Wohnräume eine optimale Besonnungs-, Belichtungs- und Belüftungssituation. Im südlichen Baukörper an der Erschließungsstraße wurde mit einem Laubengangtypus eine ebenfalls wirtschaftliche Aufschließung gewählt, welche mit den vorgeschaltenen durchgehenden Wintergärten auf die Lärmsituation Rücksicht nimmt und zusätzlich durch den solaren Eintrag eine Optimierung in thermischer Hinsicht erbringt. Die Erdgeschoßzone ist klar und übersichtlich organisiert, wenngleich anstatt der Gemeinschaftszone an der Lastenstraße eine Geschäftsnutzung passender wäre. Die angedachten Grundrisskonzeptionen und die architektonische Ausformung sind positiv gelöst. Das Projekt überzeugt auch in wirtschaftlicher Hinsicht und lässt für die Errichtung und den Betrieb positive Kennzahlen erwarten.

wettbewerbe 309

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Regelgeschoß

Schnitt

Südansicht

Empfehlungen: Das Preisgericht empfiehlt dem Auslober, die Verfasser des Projektes 3 unter folgenden Auflagen mit den weiteren Planungsarbeiten zu beauftragen: Das Projekt muss an der Lastenstraße exakt an die Straßenfluchtlinie herangeschoben werden. Der solitäre Baukörper im Hofbereich soll mit dem nördlichen Nachbarprojekt hinsichtlich der Abstände exakt angeglichen werden. Bei der Garagenplanung im Untergeschoß sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass über diese Garage auch das nördlich angrenzende Bauvorhaben mit erschlossen wird, wodurch an der Lastenstraße jede Ein- oder Ausfahrt vermieden werden kann.


Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 2b, OÖ

Wettbewerb

Wohnungstypen

Erdgeschoß

wettbewerbe 309

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Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz /

Auslober Neue Heimat, 4020 Linz

Wettbewerbsabwicklung und Vorprüfung LAWOG, 4021 Linz

Gegenstand des Wettbewerbes Erlangung von Vorentwürfen für eine Wohnanlage mit einer GGF von ca. 9.000 m² mit einer aus einem städtebaulichen Wettbewerb vorgegebenen Struktur innerhalb des Gesamtprojektes Wohnbebauung „grüne Mitte Linz“ (ehemals Frachtenbahnhof Linz).

Art des Wettbewerbes Anonymer Architekturwettbewerb mit 15 geladenen Teilnehmern.

Beurteilungskriterien Funktionalität; Wirtschaftlichkeit in der Herstellung und in den Folgekosten; Städtebauliche und architektonische Lösung.

Beteiligung 14 Projekte

Preisgerichtssitzung 21. Mai 2012

Preisgericht Univ.-Prof. Arch. DI Bettina Götz (Vorsitzende), Arch. DI Hanno Vogl-Fernheim (stv. Vorsitzender), Prok. Ing. Johann Springer MSc (Schriftführer), Arch. Mag.arch. Willibald Ableidinger, OBR DI Wolf-Dieter Albrecht, Dir. Mag. Robert Oberleitner, Dieter Berghahn, Ing. Dipl.-Kfm. (FH) Harald Weingartsberger

Preisgelder / Aufwandsentschädigung 1. Preis: € 15.000,– Zwei 3. Preise: je € 8.000,– Aufwandsentschädigung für die nächst gereihten drei Projekte: je € 3.000,–

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Wettbewerb

Bauplatz 6b, OÖ

1. Ankauf (Nachrücker): Projekt 13 (8:0) 2. Ankauf (Nachrücker): Projekt 6 (8:0) 3. Ankauf (Nachrücker): Projekt 4 (8:0) Daraufhin werden bei den verbleibenden Projekten die Vor- und Nachteile, insbesondere das städtebauliche Konzept und die Baukörpertypologie neben der Einhaltung der Vorgaben aus dem Bebauungsplan sowie die Qualitäten im angebotenen Freiraum und in den Grundrissen diskutiert. Besondere Beachtung erfahren die Übergänge zu den Nachbargrundstücken, die Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit der Vorschläge, deren Funktionalität und baukünstlerische Kriterien. Nach weiterer Diskussion unter der Prämisse der Realisierbarkeit mit den Mitteln der Wohnbauförderung werden folgende Anträge gestellt: 1. Preis: Projekt 3 (8:0) Zwei 3. Preise: Projekte 2 und 7 (8:0) Verfasserliste: Projekt 1: BOA Architects Arch. DI Daniel Bindeus, Arch. DI Michael Obermair, 4020 Linz • Projekt 2: Architekten Kummer, Lubk & Partner AIG, D-99096 Erfurt, Mitarbeit: DI Marion Mendler, B Sc. Eniko Ujvari • Projekt 3: Arch. DI Reinhard Drexel, 6845 Hohenems, Mitarbeit: Eveline Drexel, DI, Arch. FH • Projekt 4: Stögmüller Architekten ZT GmbH, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Franz Irndorfer, DI Günter Pichler, Ing. Robert Wöss • Projekt 5: Arch. DI Dr. Hans Scheutz, 4040 Linz, Mitarbeit: DI Werner Scheutz • Projekt 6: Architekt Mag.arch. Rolf Touzimsky, Mag.arch. Daniela Herold, Mag.arch. Wolfgram Mehlem, 4020 Linz, Mitarbeit: bakk. Arch. Frank Schwenk, DI Peter Scherb • Projekt 7: X-Architekten ZT KG, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Ursula Kaiser, DI Susi Matt • Projekt 8: F2 Architekten ZT GmbH, 4690 Schwanenstadt, Mitarbeit: DI Eva Silber, Mag.arch. Bernhard Mandl, DI Martin Höltinger, DI Christoph Hamberger, DI Sarah Grusch • Projekt 9: Architektur Weismann+ ZT GmbH, 4040 Linz • Projekt 10: Treberspurg & Partner Architekten ZT GmbH, 1140 Wien, Mitarbeit: Arch. DI Bernhard Kollmann • Projekt 11: Steinkellner und Partner | Architekten, 1020 Wien, Mitarbeit: Mozghan Hosseiini, Laura Fautschek, Srdjan Tribic, Iula Danila • Projekt 12: lassy | architektur + raumplanung DI Helga Lassy, 4060 Leonding, Mitarbeit: Mag.arch. Hans Lerperger, Sascha Höfer, Bernhard Stuffner, Thomas Knogler • Projekt 13: DI Josef Hohensinn, 8020 Graz, Mitarbeit: DI Karlheinz Boigner, DI Klemens Mitheis, Thomas Bauer, Martin Baumann • Projekt 14: Team M Architekten ZT GesmbH Arch. Prof. DI Wolfgang Steinlechner, 4020 Linz, Mitarbeit: DI Gerald Pohlhammer, DI Stefan Krottenauer, Daniela Rechberger

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wettbewerbe 309

Zusammenfassung Beurteilung: Der Vorprüfer berichtet, dass 14 Projekte zeitgerecht und vollständig eingelangt sind. Im Rahmen einer Vorstellungsrunde erklärt er bei jedem Projekt die vorgefundenen Merkmale und die ermittelten Daten auf der Basis des übergebenen Vorprüfungsberichtes. In einer ersten Runde werden die Projekte diskutiert und gemäß nachfolgenden Kriterien die Vor- und Nachteile der Entwürfe durchgesprochen: städtebauliches Konzept; Freiraumgestaltung, Qualität der Wohnungsgrundrisse; Erschließungssysteme; Typologien und deren Lösungsansätze; Wirtschaftlichkeit. Nach eingehender Diskussion und Vorstellung erfolgt die erste Bewertungsrunde im Positivverfahren, d.h. Projekte mit einer Prostimme verbleiben in der Wertung. Die Rückholung von Projekten ist mit einfacher Mehrheit möglich. Das Ergebnis: Die Projekte 13, 7, 6, 4, 3 und 2 verbleiben in der Wertung. Die Projekte 14, 12, 11, 10, 9, 8, 5 und 1 scheiden aus, da sie in einem oder in mehreren der o.a. Beurteilungskriterien Mängel aufweisen, die nur durch Änderungen in der Gesamtkonzeption behebbar wären. Alle Projekte werden nochmals besprochen. Eine mögliche Rückholung der Projekte 1 und 14 wird beraten, die entsprechende Stimmenmehrheit fehlt jedoch. Für die verbleibenden sechs Projekte schlägt die Vorsitzende vor, diese in eine Ankaufsgruppe und eine Preisträgergruppe zu teilen. Nach nochmaliger Diskussion wird festgehalten, dass die Projekte in der Ankaufsgruppe jene sein sollen, die interessante Aspekte aufweisen, jedoch nur nach einer entsprechenden Überarbeitung realisierbar wären. Die Ankäufe werden festgelegt:


Wettbewerb

Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6b, OÖ

Architekt Reinhard Drexel Hohenems

1. Preis Projekt Nr. 3 Mitarbeit: Eveline Drexel

Hofansicht

Straßenansicht

Projektbeurteilung: Das Projekt schlägt als Ergänzung zur siebengeschoßigen Randbebauung einen fünfgeschoßigen zweihüftigen Baukörper vor, der die Baumasse des südlichen Nachbarobjektes aufnimmt. Dadurch entsteht ein harmonisches Gebäudeensemble um die „grüne Mitte“. Die Anbindung an den zentralen Grünraum samt den Durchgängen und die Erschließung des Wohnhofes überzeugt in seiner übersichtlichen Ausformung. Das Projekt besticht durch die klare Architektursprache, wobei die versetzt angeordneten Freibereiche den verschobenen Wohnungsgrundrissen entsprechen. Das äußere Erscheinungsbild stellt in prägnanter Weise die innere Struktur dar. Die vorgeschlagene Wohnungstypologie bildet einen höchst innovativen Beitrag zur Aufgabenstellung. Der hohe Anteil an querbelüfteten und beidseitig belichteten Wohnungen ermöglicht eine hohe Wohnqualität. In der Weiterbearbeitung soll ein Großteil der Freiflächen als Loggien gefördert werden können. Die Spannweiten der Geschoßdecken des siebengeschoßigen Baukörpers können aufgrund der klaren Grundrisse durch Stützen bzw. ergänzende Tragstrukturen in der Flucht der inneren Stiegenhauswände minimiert werden, ohne die angestrebte Flexibilität zu gefährden. Die kompakte Bauweise lässt im Zusammenhang mit den thermisch getrennten, vorgestellten Freibereichen eine wirtschaftliche Errichtung erwarten.

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Lageplan


Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6b, OÖ

Wettbewerb

Systematik Grundrissvorschlag Haus A/B/C

Schnitt 1

Schnitt 2

Erdgeschoß

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Wettbewerb Ausschreibung

Frachtenbahnhof Linz / Bauplatz 6b, OÖ 13 th Andreu World International Design Contest. Announcement

Information http://contest.andreuworld.com

Contestants The competition is open both to design students and to professionals, without age limit. Objective In order to participate, contestants must design an item of furniture (seat or table) that integrates all the specifications outlined by Andreu World, SA in the product briefing and which resolves the accompanying technical and formal challenges in the terms indicated. Registration Participants may complete the Registration process for the Andreu World International Design Contest once they have obtained a participant number. Once you have identified yourself in the website, you can consult and request your participant numbers (for example: 20130001) in the Participant numbers section within the Inscription menu. Each participant must request a participant number for each project presented. You can request as many participant numbers as are necessary. Participant numbers Any designs which are not accompanied by the corresponding participant number as issued via the Andreu World, SA, website will be excluded from the Andreu World International Design Contest. Any designs which are received accompanied by numbers which are not present Andreu World, SA database will also be excluded. The inclusion of any personal information in the documentation submitted during the competition will also be reason for exclusion. All material submitted: • Models • Technical report • Affidavit • CD • Packaging • or other material relevant to the project must be identified with the assigned participant numbers.

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Project The following material must be submitted by each participant: • A prototype of the proposed piece (scale 1:5). • A project synopsis, to be presented on 2 to 4 doublespace, single-face A4 typewritten pages. • CD with plans, diagrams, sketches, reders or pictures from the model. • Duly signed affidavit.

Particular consideration will be given to innovative contributions (based on a feasibility study), which help to increase the product quality. The following factors will be analyzed: • Production costs. • Compliance with the intended functions. • Ergonomics. Designs must be submitted in such a manner as to facilitate their mechanized mass production. All products must be original, i.e., they must not reflect previous designs. Dispatch All documentation must sent to: Andreu World, S.A. C/ Los Sauces, 7 Urb. Olimar 46370 Chiva – Valencia Spain or P.O. Box Nº 127, C.P. 46370 Chiva – Valencia Spain by post or messenger service, or by delivering the project by hand to our offices, before 9th December 2013. Prizes The following prizes will be awarded: • 1st prize of 3,000 euros • 2nd prize of 1,000 euros Jury The prizes will be awarded by a jury composed of professionals from different sectors: Design, Industry, Media and other fields related to creative activities. The jury will also award up to a maximum of 4, non-monetary, special mentions. Awards The award ceremony will take place during the month of February 2014


Wettbewerb

Foto: beigestellt

DI Caroline Schleiss, M.O.O.CON

DI Martin Käfer, M.O.O.CON

HOERBIGER Wien zieht in die aspern Seestadt

1895 erfand Hanns Hörbiger ein völlig neuartiges Stahlplattenventil für Kolbenkompressoren. Das war die Geburtsstunde des weltweit in den Bereichen Kompressortechnik, Automatisierungstechnik und Antriebstechnik führenden HOERBIGER Konzerns, der heute seinen Sitz in der Schweiz hat. Zum Konzern gehört auch die HOERBIGER Ventilwerke GmbH & Co. KG am Standort Wien-Simmering. Hier werden seit 1931 Komponenten und Systeme für Kolbenkompressoren hergestellt. Zusammen mit der HOERBIGER Kompressortechnik Holding, deren Büros derzeit in einer Mietimmobilie in der Donau-City untergebracht sind, ziehen die HOERBIGER Ventilwerke 2016 in die aspern Seestadt. Für die Errichtung des Neubaus für 300 Arbeitsplätze im Verwaltungsbereich sowie 230 Arbeitsplätze im Produktionsbereich auf einer Bruttogeschoßfläche von 24.000 Quadratmetern investiert der Konzern 45 Millionen Euro. Auf der Suche nach der besten architektonischen Lösung für dieses Bauvorhaben wurde ein Generalplanerwettbewerb organisiert, aus dem das Büro querkraft architekten unter der Leitung des Architekten Jakob Dunkl als Sieger hervorging. Wissensvorsprung einer starken Marke Mit der Zusammenlegung der Ventilwerke und der Holding sollen nicht nur zwei HOERBIGER-Unternehmen physisch näher zueinander gebracht, sondern auch die Innovationskraft der Marke HOERBIGER gestärkt werden. Teil des Gebäudekomplexes wird deshalb auch das Forschungs- und Technologiezentrum des Unternehmens sein. Direkt an den Räumlichkeiten des Forschungszentrums angebunden, entsteht auch das HOERBIGER Forum als einer der mehreren gemeinsam genutzten Bereiche in dem neuen Gebäudekomplex. Das HOERBIGER Forum ist als innovativer Erlebnis- und Kommunikationsraum konzipiert, der Herkunft und Zukunft von HOERBIGER miteinander verbindet. Das Forum, das Restaurant, ein neues Konferenz- und Schulungszentrum sowie der Außenbereich sollen von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genutzt werden können. „In der aspern Seestadt möchten wir für HOERBIGER ein Gebäude mit einer campusartigen Atmosphäre errichten“, bringt Dr. Martin Komischke, CEO und Vorsitzender der Konzernleitung der HOERBIGER Holding AG, die architektonische Zielsetzung des Neubau-Projektes auf

den Punkt. „Die Architektur soll Pioniergeist fördern und unseren Vorsprung als Innovations- und Technologieführer sichern.“ Bei der räumlichen Übersetzung dieser Ziele überzeugte der Siegerentwurf von querkraft architekten mit einem homogen Gesamtkonzept: Rund um einen kommunikativen Außenbereich ist bei diesem Entwurf die gleichwertige Gewichtung und Bedeutung aller Gebäudebereiche zu spüren, so die Juryentscheidung. „Unser Entwurf unterscheidet nicht in einer klassischen Industriebau-Typologie zwischen Produktion und Büro, sondern setzt alle Einheiten räumlich in Verbindung“, erklärt Jakob Dunkl seine Arbeit. Von der Unternehmens- zur Objektstrategie Auf der Suche nach der besten architektonischen Lösung für das Bauvorhaben wurde M.O.O.CON mit der Koordination des Generalplanerwettbewerbs beauftragt. Wir beschäftigen uns seit Jahrzehnten mit der Übersetzung der Identität und der Ziele eines Unternehmens in eine dazu passende Objektstrategie. Für HOERBIGER haben wir eine organisatorische und funktionale Gebäudestruktur im Einklang mit der Unternehmensstrategie erarbeitet. Darüber hinaus waren wir für die Koordination des Generalplanerwettbewerbs zuständig. Im Rahmen von Workshops wurde den HOERBIGER Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, sich mit der Identität und Kultur des Unternehmens auseinanderzusetzen. Das Ergebnis, das in Form von Stimmungsbildern festgehalten wurde, fand Eingang in die Auslobungsunterlagen und diente als Orientierungshilfe bei der Ausarbeitung der Architekturentwürfe. In enger Abstimmung mit dem Bauherrn ermittelte M.O.O.CON für den neuen HOERBIGER Standort die notwendige Anzahl der Arbeitsplätze und die genauen Flächenanforderungen. Darüber hinaus wurden Raumstandards, Achsraster und Gebäudequalitäten definiert. Anhand einer umfangreichen Datenbank wurden schließlich für jeden Architektenentwurf die zu erwartenden Lebenszykluskosten (Bau- und Betriebskosten) berechnet. Wir stellen Ihnen auf den nächsten Seiten die besten Entwürfe für das Neubauprojekt von HOERBIGER in Aspern vor.

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Foto: beigestellt

Vorwort


Wettbewerb

HOERBIGER Standort Wien,

Auslober HOERBIGER Ventilwerke GmbH & Co. KG, 1110 Wien

Verfahrensbetreuung M.O.O.CON GmbH, 1010 Wien

Gegenstand des Wettbewerbes Die HOERBIGER Ventilwerke Wien und die HOERBIGER Kompressortechnik Holding beabsichtigen, bis Ende 2015 in aspern die Seestadt Wiens ein neues Bürogebäude sowie ein Produktionswerk zu errichten. Gesucht ist ein Generalplaner zur Erbringung der in der Auslobung angeführten Leistungen, wobei ein integraler Planungsansatz erwartet wird. Geplanter Baubeginn ist Mitte 2014, geplanter Fertigstellungstermin Ende 2015. Gesamtfläche: ca. 24.000 m² BGF, davon Büro gesamt 10.700 m² (Büro: 6.400 m², Forschung & Entwicklung: 1.600 m², Foyer/Forum: 1.300 m², Konferenz: 500 m²), Betriebsrestaurant 600 m², Produktion: 13.300 m².

Art des Wettbewerbes Anonymer Generalplanerwettbewerb mit zehn geladenen Teilnehmern. Anschließend Verhandlungen mit dem Erstplatzierten.

Beurteilungskriterien Städtebauliche Lösung; Baukünstlerische Lösung; Funktionale Lösung; Energieeffizienz und Nachhaltigkeit; Wirtschaftlichkeit.

Beteiligung 10 Projekte

Preisgerichtssitzung 21. Februar 2013

Preisgericht Fachpreisrichter: o.Univ.-Prof. Mag.arch. Dipl. Ing. Roland Gnaiger (Vorsitzender), DI Franz Kobermaier (MA 19, Mitglied aspern Beirat), SR DI Walter Krauss (MA 21 B), Univ.-Prof. DI Rudolf Scheuvens (TU Wien, aspern Beirat), Arch. DI Erich Gottfried Steinmayr, Stellvertreter: Mag. Fritz Kaufmann, Mag. Bruno Sandbichler, OStBR DI Andreas Trisko (MA 21B) Sachpreisrichter: Dr. Martin Komischke (CEO HOERBIGER), DI Johann Hipfl (Leiter Unternehmensbereich Kompressortechnik, HOERBIGER), Mag. Silvio Kirchmair (Head of OEM Compressor Solutions, HOERBIGER), DI Ing. Dr. Peter Steinrück (Head of Innovation, Business Development & Marketing, HOERBIGER), Stellvertreter: Charles Friess, HOERBIGER, DI Axel Rumpold, HVW Beratende Mitglieder ohne Stimme: DI Dr. Martin Langer (HVW, Wien), Mag. Christine Spiess (Projetleiterin aspern, Wien), Norbert Scheed (Bezirksvorsteher 22. Bezirk), Ing. Rainer Holzer (wien 3420), Stellvertreterin: DI Inge Löwy (wien 3420)

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Vorprüfung Mag. Karl Friedl (GF M.O.O.CON), DI Martin Käfer (M.O.O.CON), DI Caroline Schleiss (M.O.O.CON), Dipl.BW. Nicolaus Stadler (ROI München),

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DI Margot Grim (e7 Energie Markt Analyse)

Aufwandsentschädigung Jeder Teilnehmer erhält netto € 15.000,–.


Wettbewerb

Beurteilung / Kurzfassung: Zehn Projekte sind fristgerecht und vollständig eingelangt und werden zur Beurteilung zugelassen. Nach der Präsentation der Vorprüfungsergebnisse erläutert ein Vorprüfer an Hand von Projekt 10 die Bauaufgabe im Detail, insbesondere die Verteilung der zentralen Sonderflächen im Erdgeschoß, deren Verbindung untereinander, die Bürobereiche der drei Funktionen Technologiezentrum, Operations Vienna und Plant Vienna sowie der Produktion selbst. Anschließend beginnt ein erster Sichtungsrundgang der Jury, im Zuge dessen alle Projekte an Hand der eingereichten Pläne von der Vorprüfung vorgestellt werden. Die Jury beschließt einstimmig, jedes Projekt zuerst anhand des Einsatzmodells auf dessen städtebauliche und baukünstlerische Lösung hin sowie bezüglich ihres semantischen Ausdrucks zu diskutieren und es im Anschluss auf den Grundlagen der Plandarstellungen zu besprechen. Dabei werden die Projekte auch hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit den Unternehmenszielen und Leitbildern der HOERBIGER Kompressortechnik sowie deren Wirkung nach außen diskutiert. In der 1. Wertungsrunde erfolgt die Abwahl eines Projektes, laut Entscheidung der Jury, durch Einstimmigkeit. Die in der ersten Runde ausgeschiedenen Projekte müssen entweder in der grundsätzlichen Entwurfshaltung bzw. städtebaulich oder logistisch so gravierende Mängel bzw. Differenzen zur Unternehmensphilosophie aufweisen, dass sie nicht als realisierbare Beiträge aufgefasst werden können. Das Ergebnis: Die Projekte 1, 3, 6 und 8 scheiden einstimmig aus. Für die 2. Wertungsrunde wird vereinbart, dass die

Abwahl eines Projektes eine hohe Mehrstimmigkeit aufweisen sollte: Die Projekte 4 und 7 werden einstimmig ausgeschieden. Die 3. Wertungsrunde beginnt. Der Vorschlag des Vorsitzenden, das siegreiche Projekt in dieser Finalrunde zu ermitteln und im Anschluss einen Nachrücker für den 2. und 3. Platz zu nominieren, wird von der Jury einstimmig angenommen. In der Wertung verblieben sind die Projekte 2, 5, 9 und 10. Diese vier Projekte werden noch einmal anhand der Pläne und Modelle eingehend analysiert und diskutiert, wobei neben den städtebaulichen und semantischen Qualitäten nun noch einmal im Detail die funktionellen Vor- und Nachteile bewertet werden. Die Entscheidungen der Jury sind wie folgt: 1. Platz: Projekt 10 (8 Prostimmen) 2. Platz: Projekt 9 (6 Pro) 3. Platz: Projekt 5 (einstimmig) 4. Platz: Projekt 2 (einstimmig) Die Jury empfiehlt der Ausloberin einstimmig, das Projekt 10 mit der Weiterbearbeitung zu beauftragen und formuliert die in der detaillierten Beschreibung definierten Hinweise zur Überarbeitung.

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Verfasserliste: Projekt 1: Bramberger architects • Projekt 2: ah3 architekten • Projekt 3: Najjar Najjar Architects • Projekt 4: Riepl Riepl Architekten • Projekt 5: Dietmar Feichtinger Architectes • Projekt 6: Marschalek Architekten / Architekten Mühlbacher Marschalek • Projekt 7: kadawittfeldarchitekten • Projekt 8: Architekt Burghardt / Chalabi architects / Vasko + Partner • Projekt 9: ATP architekten ingenieure • Projekt 10: querkraft architekten •

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Foto: LBS Redl

Wien 22


Wettbewerb

HOERBIGER Standort Wien, Wien 22

querkraft architekten Wien

1. Platz Projekt Nr. 10 Mitarbeit:

Auszug Projektbeurteilung: Der entwickelte Gesamtkomplex stellt sich als homogen wirkender Bau dar, bei dem die gleichwertige Bedeutung aller Gebäudebereiche spürbar ist. Der Gebäudekomplex wirkt nach Osten kompakt und gelassen, an der Seestadtstraße entsteht ein differenzierter Außenraum, der für die weitere räumliche Entwick-

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Lageplan

lung der Straße einen straßenbegleitenden Grünraum anbietet. Das Projekt wird von dieser differenzierten Vorzone an der Seestadtstraße erschlossen, wobei sich die geforderten Raumbereiche und Gebäudezonen mit klarer Orientierung und Wegführung vom Foyer aus erschließen und additiv in der Weise fügen, dass die so entstehende raum- und formbildende Gebäudestruktur auch bereits im Erdgeschoß maßgeblich wird. Zudem wird mit der Höhendifferenzierung der Fertigungshallen eine Maßnahme gesetzt, mit der die angestrebte Affinität aller Gebäudebereiche – Technologiezentrum, Operations Vienna und Produktion – erreicht wird. Dies führt zur unmittelbaren Homogenisierung des Gesamtkomplexes und damit zur räumlichen Übersetzung der im Programm definierten sozialen Unternehmensziele des Auslobers. Auszug Empfehlungen: Die Erschließungszone im Bereich Plant Vienna und Technologiezentrum / Holding ist für den Auslober im Bereich Forschung und Entwicklung in der aufgezeigten Form nicht denkbar (doppelte Raumhöhe in diesem Bereich). Zudem durchschneidet sie Forum, Foyer und Restaurant. Die Jury empfiehlt die Zone neu zu überdenken, sie eventuell zusammen mit dem Treppenkern z.B. an den Rand der mittleren Raumzone zu verlegen. Der für die Visualisierung in die Forschung und Entwicklung für Besucher angebotene Gang wird als räumlich unzureichend definiert und ist neu zu überdenken. Die Jury empfiehlt weitere Überlegungen zur räumlichen Verbesserung des gegenwärtig noch sehr stringenten und nicht besonders erlebnisreichen Innenhofes, beispielsweise durch stärkere räumliche Vernetzung mit den anschließenden, teilweise sehr kommunikativen Innenraumzonen wie Forum, Restaurant und Foyer, aber eventuell auch mit der anschließenden Bürozone.


HOERBIGER Standort Wien, Wien 22

Wettbewerb

Schnitt A-A (Büro)

Schnitt B-B (Produktion)

Schnitt C-C

Erdgeschoß

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Wettbewerb

HOERBIGER Standort Wien, Wien 22

ATP Wien

2. Platz Projekt Nr. 9 Architektur: Christof Achammer, Horst Reiner, Dario Travas, Markus Lentsch, Klemen Gustin, Florian Schaller, Anna Ghon, Marc Wienecke, Christine Hausberger Statik: Martin Krautgartner, Wojciech Tomczak TGA: Otto Buranits, Helmuth Vince, Martin Daschütz Sustainability: Michael Haugeneder Freiraumgestaltung: Kieran Fraser Visualisierung: Telegram 71 building visuals

Schnitte

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Erdgeschoß

Auszug Projektbeurteilung: Das Projekt beabsichtigt mittels eines gestalterischen „Kunstgriffs“ unterschiedliche Funktionen und Bauteile zu einer alles beruhigenden Großform zu verbinden. Dies geschieht durch ein an drei Seiten umlaufendes Bauelement, das je nach Bedarf zwischen einem klimatisierten Gebäudeteil, einem Flugdach oder einem Vordach wechselt. Aus der Straßenperspektive erzeugt diese Entscheidung eine großzügige Linienführung, die durchaus dem Ort und dem Selbstverständnis des Unternehmens gerecht wird. Beidem nicht gerecht wird jedoch die Überformung dieser Idee in der Ausbildung einer begehbaren Dachlandschaft. Die Bereiche Foyer, Ausstellung, Konferenzbereich und Restaurant erlauben unterschiedlichste Verbindungen, Konfigurationen und Nutzungen. Die Anbindung der F&E-Abteilung über den Außenbereich bleibt ein Rätsel. Die Trennung von Operations Vienna in zwei Gebäudeflügel vermag nicht zu überzeugen, ganz im Gegensatz zur Verbindung von „Vienna“ und Holding über den transparenten Trakt auf der Dachebene. Die Produktionshallen sind vorbildlich durchgestaltet und punkto Lichtführung nicht zu überbieten. Die Wirtschaftlichkeit des Projektes leidet unter einer etwas zu großen Zentralhalle und vor allem unter den überzogenen Dachausbildungen.


HOERBIGER Standort Wien, Wien 22

Wettbewerb

Dietmar Feichtinger Architectes Paris

3. Platz Projekt Nr. 5

Schnitt

Erdgeschoß

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Auszug Projektbeurteilung: Hervorzuheben ist eine sehr ambitionierte Architektur von hoher Zeichenhaftigkeit, die vor allem über das exponierte Kopfgebäude und über eine anspruchsvolle Materialität der Fassade zum Ausdruck gebracht wird. Bezogen auf das Selbstverständnis des Unternehmens wirken die schräg gestellte Fassade und die theatralisch anmutende Auskragung und Vorfahrt allerdings weit überzogen. Angesichts der kontrastierenden Differenzierung zwischen dem Kopfgebäude und der Produktionshalle droht der Anspruch, Produktions- und Bürobereich zu einer Einheit zu verschmelzen, verloren zu gehen. Die Jury würdigt die gute Umsetzung des Raum- und Funktionsprogramms. Gut gelöst ist die Anordnung der öffentlichen Funktionsbereiche in der zweigeschoßigen Sockelzone. Insgesamt zeichnet sich die Konzeption durch hohe Gebäudequalität und eine flächeneffiziente Struktur aus. Mit Blick auf die Investitionskosten bewegt sich der Entwurf jedoch im oberen Feld der eingereichten Beiträge, was sich insbesondere in der aufwändigen Architektur des Kopfgebäudes (Fassade, mehrgeschoßiges Atrium etc.) begründet.


Wettbewerb

Lorenz-Reiter-Straße

Auslober wohnfonds_wien fonds für wohnbau und stadterneuerung, 1082 Wien und Sozialbau AG, 1070 Wien

Wettbewerbsorganisation und Vorprüfung JIREK Managementconsulting GmbH / DI Michael Jirek und ZT HILEI / DI Andrea Hinterleitner, 1030 Wien

Gegenstand des Wettbewerbes Das Projektgebiet mit einer Gesamtfläche von rund 26.200 m2 besteht aus den Bauplätzen 1, 2 und 3, wobei die Projektierung des Bauplatzes 1 durch den Bauträger Sozialbau (Fixstarter) erfolgt. Die Teilnehmer haben ein detailliertes Realisierungskonzept für die Errichtung von überwiegend geförderten Wohnbauten unter der speziellen Leitidee „SMART Wohnen“ für einen oder beide Bauplätze zu erstellen. Insgesamt sollen rund 450 Wohnungen entstehen.

Art des Wettbewerbes Nicht anonymer, öffentlicher Bauträgerwettbewerb.

Beurteilungskriterien Soziale Nachhaltigkeit; Architektur; Ökologie; Ökonomie.

Beteiligung BPL 1 (Fixstarter): 1 Projekt BPL 2: 5 Projekte BPL 3: 8 Projekte

Beurteilungssitzung 22. und 23. Oktober 2012

Beurteilungsgremium Mag.arch. Dietmar Steiner (Vorsitzender), Univ.-Prof. DI Rudolf Scheuvens, BV KR Renate Angerer, DI Anna Detzlhofer,

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Mag. Dr. Wolfgang Förster, OStBR DI Bernhard Jarolim, OSR DI Eva Kail, DI Erich Kern, Dr. Robert Korab, OStBR DI Walter Krauss, Arch. DI Michael Pech, Arch. DI Cornelia Schindler, Dr. Gerhard Schuster, SR Dr. Dietmar Teschl, DI Michaela Trojan


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© Stadt Wien © www.studiohuger.at

Wettbewerb

SMART Wohnen, Wien 11

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Wettbewerb

Lorenz-Reiter-Straße – SMART Wohnen, Wien 11

Sozialbau / Peter Lorenz Atelier – Atelier Hayde / rajek barosch

Fixstarter BPL 1 Projekt Nr. 1-1 Sozialbau / Peter Lorenz Atelier – Atelier Hayde / rajek barosch Masterplan peterlorenzateliers Architektur: • Atelier Hayde, 1150 Wien Dieter Hayde Peter Herzog Radovan Tajder • peterlorenzateliers, 1190 Wien Peter Lorenz Markus Bohn Alexander Klose Borka Palakovic Modellbau: Jon Prix, 1010 Wien Rendering: Atelier Frühwirt, 8020 Graz Landschaftsplanung: Rajek Barosch, 1020 Wien

Zusammenfassung Juryentscheidung: Der Ansatz des Masterplanes wird detailliert ausgearbeitet. Die Grundrisse sind konventionell. Die ökonomischen Vorgaben unterschreiten die Vorgaben aus der Ausschreibung. Positiv hervorzuheben ist, dass nicht nur die SMART-Wohnungen sondern alle Wohnungen mit einem Finanzierungsbeitrag von € 55,–/m² Nutzfläche und einem Nutzungsentgelt von € 7,45/m² Nutzfläche angeboten werden. Die Gesamtbaukosten liegen mit € 1.639,95/m² Nutzfläche – auch im Vergleich mit den

Soziale Nachhaltigkeit: Joachim Brech 81 SMART-Wohnungen mit Superförderung 55 geförderte Mietwohnungen mit Superförderung Gesamtbaukosten € 18,2 Mio.

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Lageplan

Beiträgen auf Bauplatz 2 – im gut durchschnittlichen Bereich, ebenso die Baunebenkosten mit 18 %. Das Angebot zur Sozialen Nachhaltigkeit ist als durchschnittlich zu bezeichnen. Positiv beurteilt werden die natürlich belichteten Stiegenhäuser und die zum zentralen Platz hin orientierten Gemeinschaftsräume. Zum Thema Wohnsicherheit ist, über die üblichen Standards hinaus, eine Kooperation mit dem kriminalpolizeilichen Aufklärungsdienst vorgesehen. Das Projekt ist in ökologischer Hinsicht insgesamt als schwach durchschnittlich zu beurteilen und kann im Vergleich zu vielen der Beiträge auf Bauplatz 2 und 3 nicht überzeugen. Das Freiraumkonzept folgt nachvollziehbar dem Städtebau. Eine Gestaltungsidee lässt sich erkennen, jedoch kann der „ruderale“ Charakter als Idee für die alltags- und freiraumtaugliche Nutzung nicht überzeugend dargestellt werden.


Lorenz-Reiter-Straße – SMART Wohnen, Wien 11

Wettbewerb

Nordansicht

Ostansicht

Südansicht

Westansicht

Schnitt 1-1

Schnitt 4-4

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Erdgeschoß


Wettbewerb

Lorenz-Reiter-Straße – SMART Wohnen, Wien 11

Heimbau – Migra / trans_city / Anna Detzlhofer

Zur Realisierung empfohlen BPL 2 Projekt Nr. 2-4 Soziale Nachhaltigkeit: Realitylab Bauphysik: Kern + Ingenieure 46 SMART-Wohnungen mit Superförderung 46 SMART-Wohnungen geförderte Miete 90 geförderte Mietwohnungen Gesamtbaukosten € 21,1 Mio. Fertigstellung November 2015

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Lageplan

Zusammenfassung Juryentscheidung: Der Beitrag zeigt eines der besten Angebote zum Thema SMART-Wohnen. Er bietet einen Katalog an Grundrissbausteinen, basierend auf flexiblen Grundrissen und sogenannten Flex-Räumen. Die Durchmischung der SMART-Wohnungen ist gut gelöst. Drei zweihüftige Baukörper definieren einen gemeinsamen Hofbereich. Die Erschließung der Wohnungen erfolgt jeweils über mehrgeschoßige „Atrien“, die trotz der engen Situation über Oberlicht eine akzeptable Atmosphäre versprechen. Die ökonomischen Vorgaben im Bereich der SMARTWohnungen werden beim Finanzierungsbeitrag punktgenau erreicht, die monatliche Belastung liegt mit € 7,30/m² Nutzfläche unter dem Höchstwert, die sonstigen Mietwohnungen werden mit einem Finanzierungsbeitrag von € 425,–/m² Nutzfläche und einer Monatsbelastung von € 6,96 angeboten. Die Gesamtbaukosten sind mit € 1.591,75/m² Nutzfläche die absolut günstigsten im Bewerberfeld. Das Projekt liefert einen hervorragenden Beitrag zur Sozialen Nachhaltigkeit. Hervorzuheben sind die in Kooperation mit dem Verein Wr. Frauenhäuser vorgesehenen Startappartements und die Integrierung einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft der MA 11. Zum Thema Wohnsicherheit wird, über die üblichen Standards hinaus, ein begleitender Integrationsprozess in der Besiedlungsphase unter Beteiligung des polizeilichen Beratungsdiensts angeboten. In ökologischer Hinsicht sind die sehr gute thermische Qualität der Fenster, die vorbildlichen und umfangreichen Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowie die ökologisch orientierte Baustoffwahl positiv hervorzuheben. Das Freiraumkonzept ergänzt das Bebauungskonzept in einer logischen Weise. Es nimmt verschiedene Typologien auf und bietet ein Nutzungsangebot für eine vielfältige Bewohnerschaft.


Lorenz-Reiter-Straße – SMART Wohnen, Wien 11

Wettbewerb

Wohnriegel

Schnitte

Erdgeschoß

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Wettbewerb

Lorenz-Reiter-Straße – SMART Wohnen, Wien 11

Heimbau / s & s Architekten / Carla Lo

Zur Realisierung empfohlen BPL 3 Projekt Nr. 3-3 77 SMART-Wohnungen mit Superförderung 74 geförderte Mietwohnungen Gesamtbaukosten € 17,0 Mio. Fertigstellung November 2015

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Smart Wohnen Regel Wohnen

Zusammenfassung Juryentscheidung: In Kombination mit der klar nachvollziehbaren Kostenoptimierung durch die Planung und den günstigen Nutzerkosten liefert das Projekt einen zukunftsweisenden Beitrag zum Thema SMART-Wohnen. Die durchschnittliche Größe der A-, B- und C-Typ-Wohnungen mit 37 m², 50 m² und 65 m² gewährleistet in der Folge niedrige Betriebs- und Energiekosten. Zwei kompakte Baukörper mit Mittelgangerschließung definieren zwei Außenräume. Von besonderer Bedeutung ist der innere Freiraum, der als zentraler „urbaner“ Platzbereich gestaltet wird und über den konsequenterweise auch die Wohnbauten erschlossen werden. Die entwickelten und gut durchdachten Grundrisse zeugen von einer hohen Qualität und bieten vielfältige Möglichkeiten der Ausgestaltung. Letztlich begründet sich die hohe Flexibilität und Variabilität unter anderem im konstruktiven Aufbau des Gebäudes, bei denen die Haustechnikinfrastruktur über zentrale „horizontale Schächte“ jeweils in den Deckenbereichen der Mittelgänge geführt wird. Das Projekt bietet ein sehr umfangreiches Angebot zur Sozialen Nachhaltigkeit: Gemeinschaftsraum, Jugendraum, Kleinkinderspielraum, Fahrradwerkstatt, home-offices, Kinderwagenabstellmöglichkeiten auf jeder Ebene, Hausbetreuungsbüro, urban gardening. Zum Thema Wohnsicherheit sind, über die üblichen Standards hinaus, Vorträge im Zuge der ersten Mieterversammlungen vorgesehen. Die ökonomischen Vorgaben werden eingehalten, wobei diese bei den SMART-Wohnungen hinsichtlich der monatlichen Belastung mit € 7,02/m² deutlich unterschritten werden. Die Gesamtbaukosten sind mit € 1.504,32/m² Nutzfläche die günstigsten im Bewerberfeld.


Lorenz-Reiter-Straße – SMART Wohnen, Wien 11

Wettbewerb

Schnitte

Erdgeschoß und Grünfläche

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Wettbewerb Ausschreibung

Lorenz-Reiter-Straße – SMART Wohnen, Wien 11 Fentress Global Challenge 2013: Upcycled Architecture. Announcement

More Information www.fentressarchitects.com/edge/ global-challenge

Fentress Global Challenge is an international competition created to stimulate students worldwide in the exploration of future design possibilities in public architecture. In its third annual competition, students are invited to envision Fentress Architects’ concept, “Upcycled Architecture.” Upcycled Architecture is defined as the art of redesigning an existing structure for purposes other than those for which it was originally intended. Upcycled Architecture additionally advances an existing building’s sustainable, dynamic, and programmatic uses. Social and economic changes are not only demanding but they foster phenomenal possibilities to upcycle existing structures. Buildings typically outlive their original purposes and today’s architects face the challenge of creatively bringing new life and function to them. This innovative competition offers tomorrow’s architects the opportunity to embrace the world’s past designs while looking to the future for more sustainable and adaptive uses. Repurposing a building is a time-honored and extremely effective method for achieving sustainability. Demolishing an existing structure to build a new one from scratch requires an unnecessary use of resources such as time, materials, labor, and capital. However, preserving and repurposing an existing building can enhance both resource efficiency and sustainability. In many cases, retaining older buildings – especially those of architectural or historic character – has a transformative and positive impact on local communities, economies, and cultures. This competition is intended to encourage design students to envision and articulate innovative concepts

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for Upcycled Architecture. Entries need to respond to the changing environment and context surrounding a given site while engaging its history and existing limitations to create a new architectural destination. Participants must develop a new program for the building that is for public use. “We want participants to use their imaginations and submit visionary proposals with inspiring ideas that could play an important role in the redevelopment of not only the chosen site, but the greater community.” – Curtis Fentress, FAIA, RIBA, Chairman and Principal-inCharge of Design at Fentress Architects Evaluated in areas such as creativity, sustainability, program, and response to site, the winning student or team will earn a prize valued at $10,000 USD, which includes $3,000 USD cash and a paid internship at Fentress Architects during the summer of 2014. Winning designs will gain international exposure while being exhibited at the A+D Architecture and Design Museum in Los Angeles, California. Schedule Online Registration Deadline Thursday, December 19, 2013 Online Design Submission Deadline Thursday, January 16, 2014 Short-list Notification Thursday, February 13, 2014 People’s Choice Award Online Voting Thursday, February 13, 2014 Winners Announced Thursday, March 13, 2014 Internship at Fentress Architects Summer 2014


A23 Autobahn Südosttangente, Wien

Ideenwettbewerb

bezahlte Einschaltung

Foto: Wilke

A23 Autobahn Südosttangente, Wien S 1 Wiener AuSSenring SchnellstraSSe, Wien 22 Markante Spuren in der Landschaft

DI Alois Schedl, Vorstand ASFINAG

2.200 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen betreibt die ASFINAG. Und Straßen sind nicht nur ein Verkehrsband in der Landschaft – sie prägen auch ganz entscheidend unseren Lebensraum. Autobahntrassen, Lärmschutzwände, Brücken, Tunnel, sowie Rastplätze, Mautstationen und andere Hochbauten hinterlassen aufgrund ihrer Größe und Funktion markante Spuren in der Landschaft. Hier sehen wir uns als Autobahnbetreiber in der Verantwortung: Die ASFINAG hat sich zum Ziel gesetzt, das Erscheinungsbild der Autobahnen in Bezug auf architektonische Qualität und Eingliederung in die Landschaft langfristig zu verbessern. Seit 2010 wird daher die gestalterische Komponente bei der Planung baulicher Anlagen im ASFINAG-Netz noch stärker berücksichtigt. Bei der Neuerrichtung von Strecken trägt die ASFINAG ästhetischen Gesichtspunkten konkret durch Architektur-Wettbewerbe Rechnung. Die Reaktion der Autofahrerinnen und Autofahrer bestätigen uns, dass wir damit den richtigen Weg eingeschlagen haben. Jetzt werden Wettbewerbe auch für Maßnahmen im bestehenden Straßennetz – also Sanierungen und nicht zuletzt bei den optisch naturgemäß sehr präsenten Lärmschutzwänden – verstärkt angewendet. Mit Ausschreibungen dieser Art holen wir uns sehr gute Ideen kreativer Köpfe, die das „Äußere“ der Strecken verbessern. Und das kommt wiederum unseren Kunden zugute. Im Jahr 2010 ist in der ASFINAG zudem auch ein Gestaltungsbeirat eingerichtet worden, der sich aus externen Experten aus den Bereichen Architektur, Landschaftsarchitektur und Raumplanung, der Architektenkammer sowie Vertretern der ASFINAG zusammensetzt.

Folgende Zielsetzungen bilden die Eckpfeiler der Gestaltungsinitiative: • Kontinuität und langfristige Wirksamkeit • Standardisierung statt Wildwuchs • Innovation als Element der Gestaltung • Grundprinzip Wirtschaftlichkeit • Definierte und umsetzbare Qualitätskriterien Als kundenfinanziertes Unternehmen geht es uns auch um den Aspekt der Wirtschaftlichkeit und wir schreiben Verkehrssicherheit groß. Unter diesen unabdingbaren Vorgaben soll aber die Kreativität nicht zur kurz kommen oder dazu im Widerspruch stehen. Dass sich ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung auch unter diesen beiden Gesichtspunkten entfalten kann, beweisen die beiden vorgestellten Projekte in dieser Ausgabe des Architekturjournals wettbewerbe. Farbliche Akzente entlang der Strecke, Portraits berühmter Österreicherinnen und Österreicher auf Lärmschutzwänden oder Bilder von Wahrzeichen zur Orientierungs-hilfe: Die Vorschläge im Rahmen der ASFINAG-Wettbewerbe zur Neugestaltung von Abschnitten der A 23 Südosttangente und der künftigen S 1 Spange Aspern waren vielfältig. Das Siegerprojekt für den zukünftigen Look der neuen Spange bei Aspern besticht durch die Kombination notwendiger Lärmschutzmaßnahmen und dem trotzdem vorhandenen Blick in Richtung des künftigen Wiener Stadtviertels „Seestadt“. Auch die unaufdringliche, schlanke Bauweise der geplanten Brücken hat die Jurymitglieder überzeugt. Auch beim Ideenwettbewerb für die A 23 Südosttangente sind zahlreiche Anregungen für die Neugestaltung eingegangen. Maßgeblich für die Bewertung der Siegerprojekte war hier auch, in wie weit eine tatsächliche Umsetzung in den kommenden Jahren machbar ist!

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Die ASFINAG hat sich die Verbesserung der architektonischen Qualität der Autobahnen zum Ziel gesetzt.


Ideenwettbewerb

A23 Autobahn Südosttangente,

Auslober ASFINAG BAU MANAGEMENT GMBH im Vollmachtsnamen der ASFINAG, 1030 Wien

Verfahrensorganisation Arch. DI Helmut Kunze, 1190 Wien

Gegenstand des Wettbewerbes Erarbeitung, Vorlage sowie Beurteilung von Vorschlägen zu einem Erneuerungs- und Gestaltungskonzept im Sinne einer Ertüchtigung des bestehenden Autobahnabschnittes A 23 Südosttangente Wien, sowie zu Möglichkeiten deren Konkretisierung, beispielhaft dargestellt anhand von Einzellösungen an Problemstellen in jedem der fünf typologisch unterschiedlichen Teilabschnitte des gesamten Streckenverlaufs, unter Berücksichtigung bereits geplanter Gestaltungsmaßnahmen. Als Wettbewerbsgebiet gilt der Autobahnabschnitt A 23 Südosttangente Wien von km 0,000 bis km 16,983, Straßentrasse und Begleitflächen in der Verfügung der ASFINAG.

Art des Wettbewerbes EU-weiter, offener, einstufiger anonymer Ideenwettbewerb.

Beurteilungskriterien Gestaltqualitäten; Funktionalität; Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit.

Beteiligung 17 Projekte

Preisgerichtssitzung 5. November 2012

Preisgericht Arch. DI Georg Pendl (Vorsitzender; Gestaltungsbeirat), Arch. Mag.arch. Andreas Vass (stv. Vorsitzender), DI Guido Seidel (Schriftführer; Experte Straßenverkehrswesen), Prof. Arch. DI Maria Auböck, DI Harald Niebauer (MA 19), Mag. Marion Seidenberger (ÖAMTC), DI Alexander Walcher (ASFINAG Bau Management GmbH

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Vorprüfung Arch. DI Helmut Kunze, Experten des Auslobers aus den Bereichen „Autobahnmeisterei“ und „Bauen am Bestand“

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Preisgelder Zwei 2. Preise: je € 17.250,– 3. Preis: € 15.000,– Drei Anerkennungen: je € 11.000,–


Ideenwettbewerb

Wien

In dem Zusammenhang werden einzelne Fragen, in welchen Bereichen Lärmschutzwände überhaupt sinnvoll oder notwendig sind oder z.B., welche Wertigkeit Lösungen mit durchgängigen Lärmschutzwänden als Mittel der großräumigen Gestaltung nach außen und nach innen zuzumessen wäre, erörtert. Sodann wird die Filmaufnahme über den gesamten Streckenverlauf beispielhaft anhand von zwei Einreichungen gemeinsam angesehen. Im darauf folgenden ersten Beurteilungsrundgang werden Einreichungen ausgeschieden wegen schwerwiegender Mängel in der Erfüllung der Aufgabenstellung, wegen Fehlens eines durchgehenden Gestaltungskonzeptes oder wegen der Nichtablesbarkeit der Konkretisierung des Gesamtkonzeptes in den einzelnen Teilabschnitten. Für den Projektverbleib ist mindestens 1 Pro-Stimme notwendig. Das Ergebnis: Projekt 1 (7 Pro), 2 (keine Pro), 3 (5 Pro), 4 (keine Pro), 5 (4 Pro), 6 (4 Pro), 7 (2 Pro), 8 (keine Pro), 9 (5 Pro), 10 (keine Pro), 11 (6 Pro), 12 (1 Pro), 13 (keine Pro), 14 (keine Pro), 15 (keine Pro), 16 (keine Pro), 17 (3 Pro). Somit verbleiben nach dem 1. Beurteilungsrundgang folgende neun Einreichungen in der Beurteilung: 1, 3, 5, 6, 7, 9, 11, 12, 17.

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Beurteilung: Nach dem allgemeinen Bericht der Vorprüfung erfolgt der erste Informationsrundgang, wobei die Projekte von der Vorprüfung vorgestellt werden. Der Vorsitzende verweist auf die Beurteilungskriterien und darauf, dass die Projekte in einer Zusammenschau ihrer Stärken und Schwächen diskutiert und bewertet werden sollen. Er schlägt sodann eine Gruppierung der Einreichungen danach vor, welchen Themen der Aufgabenstellung, typologisch gesehen, im vorgeschlagenen Erneuerungskonzept für die Identitätsstiftung mehr oder weniger Gewicht gegeben wurde. Vom Thema der typologischen Gruppierung der Wettbewerbsarbeiten ausgehend entwickelt sich eine rege Diskussion im Preisgericht über die Wertigkeiten, die sich daraus für einzelne Vorschläge abzeichnen: der Strategie, dem Verkehrsband von beachtlicher Länge und großer Prominenz im städtischen Gefüge in Zeitstufen nach Maßgabe des Instandhaltungsbedarfs und aktueller funktioneller Erfordernisse über einen größeren Zeitraum Erneuerung und Identität zu initiieren, stünden ganzheitliche Lösungen gegenüber, mit stärkerer Eindrücklichkeit in der optischen Wirkung, verbunden jedoch mit geringen Realisierungschancen.


Ideenwettbewerb

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A23 Autobahn Südosttangente, Wien

Es wird übereingekommen, in einem 2. Beurteilungsrundgang die verbliebenen Projekte anhand der Beurteilungskriterien in Hinblick auf ihre Preiswürdigkeit und vergleichend zu diskutieren. Dabei soll über Verbleib oder Ausscheiden aus der Beurteilung mit einfacher Mehrheit entschieden werden. Während des 2. Beurteilungsrundganges erfolgt eine Diskussion zu den Möglichkeiten der Weiterverfolgung des Ideengehaltes der Einreichungen. Dabei wird die Thematik einer Stadtautobahn, von zahlreichen Auf- und Abfahrten begleitet, mit einer Vielzahl an Informationen, Installationen und Sicherheitseinrichtungen, wieder aufgenommen. Der Bestand der A23 wird als sehr heterogen, die einzelnen Teilabschnitte als sehr unterschiedlich strukturiert bezeichnet. Kontinuität ist bei der A23 lediglich durch das hohe Verkehrsaufkommen gegeben. Das Preisgericht kommt einhellig zu der Auffassung, dass eine Überfrachtung der A23 durch Gestaltungsmaßnahmen vermieden werden sollte. Dies betrifft auch alle Vorschläge zu intensiven, voll- bis großflächigen, über lange Strecken geführten Farbgebungen oder solche, die, zwar kleinteilig, durch stetige Aneinanderreihung und Wiederholung zu stroboskopischen Effekten führen können. Die mehrfach vorgeschlagenen Maßnahmen zur Energiegewinnung sind aufgrund der engen räumlichen Verhältnisse aus Sicherheitsgründen (der Mindestabstand bei Windrädern beträgt 60 m) beziehungsweise bei Photovoltaikanlagen aufgrund der vorwiegenden Nord-Süd-Ausrichtung der A23 aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar. Einhellig wurde auch festgehalten, dass Vorschläge zu einer weitgehenden „Grünkaschierung“ der A23 dem Charakter einer Stadtautobahn zuwiderlaufen. Es wird eine signifikante durchgehende Gestaltungslinie, etwa im Sinne einer „Perlenschnur“, als notwendig erachtet, um die A23 als Gesamtheit wahrnehmbar zu machen. Es wird als unerlässlich betrachtet, den Bezug zum umgebenden Stadt- und Landschaftsraum bei der Bewertung der Vorschläge einzubeziehen. Es erfolgen sodann Anträge auf Ausscheidung aus der Beurteilung für folgende Projekte: 12 (0:7), 9 (2:5), 7 (0:7). Somit verbleiben folgende sechs Einreichungen in der Beurteilung: 1, 3, 5, 6, 11,17. Der Vorsitzende schlägt sodann vor, dass die Mitglieder des Preisgerichtes die in den ersten beiden Beurteilungsrundgängen ausgeschiedenen Einreichungen nochmals in Hinblick auf etwaige Rückholanträge durchsehen. Es wird jedoch kein Projekt in die Bewertung rückgeholt. Die verbliebenen Einreichungen werden sodann nebeneinander aufgestellt und vergleichend diskutiert und beschrieben. Das Preisgericht kommt überein, in Anbetracht des Angebotes und der Qualität der vorliegenden Einrei-

chungen die Preise und Anerkennungen auf die sechs nunmehr in der Beurteilung verbliebenen Einreichungen aufzuteilen und keine Nachrücker zu bestimmen. Die Änderung der Aufteilung der Preissumme wird damit begründet, dass das Preisgericht einhellig in keiner der eingereichten Arbeiten jene herausragenden Qualitäten, die für die Zuweisung eines 1. Preises Voraussetzung wären, erkennen kann, dass hingegen in zwei Projekten hohe, in etwa gleichrangige Qualitäten erkannt werden, in denen es gelungen ist, von unterschiedlichen Zugängen aus, realistischerweise durch Einzelmaßnahmen abhängig vom Erneuerungsbedarf, dem Verkehrsraum A23 eine gemeinsame neue Charakteristik zu verleihen. In Ergänzung dazu zeichnet sich als ein 3. Preis jenes Projekt ab, das mit äußerst sparsamen Mitteln, auf sehr originelle und einprägsame Weise, eine Lösungsmöglichkeit für die Frage der Identitätsbildung vorlegt, das jedoch die Problemstellung in ihrer Ganzheit nur kursorisch thematisiert. Der Antrag des Vorsitzenden, keinen 1. Preis zu vergeben, die Einreichungen 1 und 3 gleichrangig mit dem 2. Preis und die Einreichung 11 mit dem 3. Preis zu prämieren, wird mit 6:1 angenommen. Dem Antrag des Vorsitzenden, die Einreichungen 5, 6 und 17 mit Anerkennungen zu prämieren, wird mit 7:0 zugestimmt. Eine Neuaufteilung der Preisgelder wird ebenfalls einstimmig vorgenommen. Das Preisgericht gibt keine von den Bestimmungen lt. Pkt. B. Zielsetzungen für den Ideenwettbewerb abweichenden Empfehlungen ab. Verfasserliste: Projekt 1: Architekt DI Peter Eder, 8010 Graz • Projekt 2: George Mario Kuibuş RE-ACT NOW Architecture, 010731 Bukarest • Projekt 3: LOSTINARCHITECTURE ARCH. CONNIE HERZOG, 1070 Wien • Projekt 4: BrandweinerSchrott KG, 8280 Fürstenfeld • Projekt 5: Architekt DI Werner Navratil, 1220 Wien • Projekt 6: Marie-Theres Okresek, 1160 Wien • Projekt 7: Architekt DI Alexander Ertl ZT GmbH, 1160 Wien • Projekt 8: Beitl ZT GMBH DI Markus Beitl, 1040 Wien • Projekt 9: ISA STEIN Arch. DI Dr., MFA, 4020 Linz • Projekt 10: juri troy architects Mag. arch. Juri Troy, 1070 Wien • Projekt 11: bl<m design working group, 1150 Wien • Projekt 12: DI Thomas Proksch LAND IN SICHT Büro für Landschaftsplanung, 1030 Wien • Projekt 13: Architekt Prof. DI Dr. Manfred Berthold urbanfish_architects, 1040 Wien • Projekt 14: Landschaftsarchitektin DI (FH) Magdalene Winkelhorst, 4400 Steyr • Projekt 15: Wolfgang Stückler, 1170 Wien • Projekt 16: Studio Tobias Klein, E2 6QF London • Projekt 17: mahl-gebhard-konzepte Landschaftsarchitekten BDLA Stadtplaner Partnerschaft, Peter Ebner and friends architecture + urban design, 80639 München


Ideenwettbewerb

Fotos: ASFINAG

A23 Autobahn S端dosttangente, Wien

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A23 Autobahn Südosttangente, Wien

Architekt Peter Eder Graz

2. Preis Projekt Nr. 1

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Projektbeurteilung: Der vorgelegten Arbeit wird die Feststellung vorangeschickt, dass bei der A23 laufend Erneuerungen und Instandsetzungen erforderlich sind, in deren Rahmen jedoch Verbesserungen des Erscheinungsbildes mittels kleinerer gestalterischer Eingriffe realistisch sind. Dafür wird ein komplexes System einzelner Maßnahmen vorgeschlagen, durch welche mit geringen Mitteln eine Aufwertung im Sinne eines eigenständigen, unverwechselbaren Bewegungsraumes erreicht werden soll. Als Maßnahmen, die diese Aufgabe erfüllen könnten, werden angeführt: In erster Linie wäre eine durchgehende Leitfarbe denkbar, rot, als einprägsam; ihre Akzeptanz könnte durch ein „... öffentliches Auswahl- und Abstimmungsverfahren ...“ gefördert werden. Da energiesparende Fahrbahnbeleuchtungen ohnehin anstehen, werden neue Beleuchtungskörper im Mittelstreifen, in der Leitfarbe gestrichen, vorgeschlagen. Zur Verbesserung der Orientierung für die Nutzer könnten, hinweisend auf die angrenzenden Bezirksteile „... gepixelte Bilder bekannter, mit den angrenzenden Stadtteilen verbundener Persönlichkeiten ...“ installiert werden. Schließlich wird die Möglichkeit vorgetragen, „... ungenutzte Flächen, Böschungen etwa oder Rampen ...“ für Einrichtungen zur Energiegewinnung und auf autobahnnahen freien Flächen Angebote an die Bevölkerung, leichte Hallen aus Holz und Stahl, für Jugendzentren, Probelokale, Sporthallen und ähnliches, heranzuziehen.

Das Preisgericht ist über den Wert des sinnhaften Zugangs zur Aufgabenstellung einig, Kritik erhebt sich jedoch an den einzelnen dargestellten Maßnahmen, so der Entwurf der in der Darstellung sehr dominant wirkenden Doppel-V-Leuchten, in der gewählten Leitfarbe; sie wären beleuchtungstechnisch verbesserungswürdig. Der Hinweis der Autoren, deren endgültige Form in einem eigenen Wettbewerbsverfahren erarbeiten zu lassen, wird dem entgegengehalten. Die Schwierigkeiten der Auswahl der Bilder der bekannten Persönlichkeiten, die Dimensionen dieser Bilder, rot und nahe am Fahrbahnrand, werden diskutiert, ebenso die optisch zu stark wirksamen hohen, eng und in beachtlicher Länge nahe dem Fahrbahnrand gereihten, im fließenden Verkehr sicher irritierend und ablenkend wirkenden „Windturbinen“. Einhellig gewürdigt wird der Vorschlag, die Nutzung der Räume unterhalb der Fahrbahn der A23 im Bereich des Praters mit Einrichtungen der Freizeit und Erholung, belebt durch Teilflächen in der Leitfarbe, aufzuwerten. Dass auf die Probleme des Lärmschutzes und die damit verbundenen Gestaltungsfragen „grosso modo“ nicht eingegangen wird, ist bedauernswert. Insgesamt wird jedenfalls, auch unter Bedachtnahme auf die Einwände, eine anerkennenswerte Pragmatik gegenüber der Aufgabenstellung sowie hohe Kreativität und Gestaltungsfähigkeit zugesprochen.


A23 Autobahn Südosttangente, Wien

Pflanzung gleichfarbiger Sträucher (Sandorn)

verdiente Favoritnerinnen

PV Heubergstätten

Solartracker Per-Albin Hanssonsiedlung

Jugendzentrum Franz von Sales Steg

bekannte Fußballer

Mehrzweckhalle Favoritner Kreisel

Bestehende Mautbrücken verstellen den Fußgängersteg und sollen versetzt werden

Aufhellen aller Tunneldecken durch linienförmige LED-Deckenstrahler in den Außenecken

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Nutzen der überdachten Flächen im Prater für Sportanlagen: Skaten, Boccia, Kegeln, Eisstockschießen ...

vertikale Windturbinen leeseitig an Praterbrücke

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Windturbinen Bendapark

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Windturbinen Erdberg

Windturbinen Praterbrücke


Ideenwettbewerb

A23 Autobahn Südosttangente, Wien

LOSTINARCHITECTURE Connie Herzog Wien

2. Preis Projekt Nr. 3 Mitarbeit: Thomas Znoj

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Projektbeurteilung: Die vorgelegte Arbeit ist charakterisiert durch eine penible Auflistung der einzelnen Bereiche und Punkte, die bei der A23 der Verbesserung bedürfen, und von Maßnahmen, mittels derer Verbesserungen herbeigeführt werden könnten: Dem Verkehrsband müsste „... die Monotonie genommen und neue Identität im Sinne eines abgestimmten Erscheinungsbildes verliehen werden ...“. Das Preisgericht befasst sich mit diesen Maßnahmen im Einzelnen und diskutiert deren Sinnhaftigkeit. Mehrheitlich werden die Vorschläge der Neugestaltung von Lärmschutzwänden anerkennend aufgenommen; im Zuge der laufend notwendigen Instandsetzungsund Erhaltungsmaßnahmen könnten neue Wandelemente, insbesondere in Kombination mit großflächigen „Fenstern zur Stadt“, etwa auch solcher mit Photovoltaik ausgestatteter Elemente, die die bestehenden Lärmschutzwände Schritt für Schritt ersetzen. Ebenfalls finden die Vorschläge zur Gestaltungsmöglichkeit der Untersichten von Brückenkonstruktionen sowie Markierungen der Leitplanken zur „Taktung“ bei Auf- und Abfahrten zur Hebung der Sicherheit der Autofahrer die Zustimmung des Preisgerichtes. Wohl wird als eine

der Maßnahmen die Entwicklung eines Farbkonzeptes erwähnt; es sollte in Form von „Leitlinien“ am Fahrbahnrand, an den Leitplanken, seitlich und an jenen zur Trennung der Richtungsfahrbahnen anstelle der dort derzeit bestehenden Betonfertigteile errichteten, eingesetzt werden. Letzterer Vorschlag wird vom Preisgericht als nicht deutlich genug ausgearbeitet angesehen, ein „Farbkodex“ wird im Text nur ansatzweise erwähnt. Kritik wird auch an den Vorschlägen zur Grünraumgestaltung erhoben, insbesondere an der extensiven Begrünung der Lärmschutzwände an ihrer Außenseite, die überdies, wie die Darstellungen zeigen, das Erscheinungsbild nicht verbessern würde, und seitens der Experten der auslobenden Stelle in Anbetracht des hohen Aufwands für Pflege und Erhaltung negativ beurteilt wird. Das Preisgericht hebt insgesamt die ausführliche und sehr eingehende Befassung mit der Gesamtheit der Probleme, die die Aufgabenstellung definieren, hervor, ebenso die sehr übersichtliche Systematik, nach der die Vorschläge erarbeitet und dargestellt wurden. Der Arbeit wird das Zeugnis sehr hoher Qualität ausgestellt.


Ideenwettbewerb

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A23 Autobahn S端dosttangente, Wien


Ideenwettbewerb

A23 Autobahn Südosttangente, Wien

bl<m design working group Wien

3. Preis Projekt Nr. 11 Mitarbeit: Hans Stefan Moritsch, Klement Wassner

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Projektbeurteilung: Die Autoren attestieren „... den Hochleistungsstraßen ... kaum mehr an Attraktion als den Aspekt zu bieten, diese möglichst gefahrlos und störungsfrei befahren zu können.“ Daher müsste das Ziel sein, „... eine Verbesserung der Befindlichkeit der Benutzer ...“ auf der A23 herbeizuführen, mittels „... subtiler Interventionen zur Beruhigung und Besänftigung der … Verkehrsteilnehmer ... und subversiver Eingriffe, die das schmucklose Betonband zu einem … Ort der Identifikation ...“ machen könnten. Dazu werden besondere Objekte, Vasen und Amphoren „... exemplarisch anhand von fünf Bildern ...“ als besonders geeignet gezeigt und deren mögliche Platzierungen im Verlauf des Verkehrsbandes dargestellt. Schutz vor Witterung, Erschütterungen und Vandalismus, die Fragen der Schneeräumung, und andere erforderliche Vorkehrungen sind den Autoren als noch zu lösende Probleme bewusst; sie bemerken dazu,

dass entweder geeignete Objekte adaptiert oder nach Bedarf angefertigt werden könnten; „... derart sollte mit sehr überschaubarem Wartungs- und Instandhaltungsaufwand eine Nutzungsdauer des Projektes über Jahrzehnte planbar sein.“ Das Preisgericht befindet einhellig, dass der Vorschlag keine Lösung darstellt, bei der die Gesamtheit der Gestaltungsfragen, die anstehen, zum Gegenstand der Überlegungen gemacht wurde, findet aber Übereinstimmung darin, dass die vorgelegte Arbeit bei äußerster Beschränkung im Einsatz der aufzuwendenden Mittel und aus einer klaren Analyse des Wesentlichen in der Aufgabenstellung zu einem beeindruckenden Ergebnis von bemerkenswerter Einfachheit geführt werden konnte: Sie zeigt Feingefühl im steinigen Umfeld „trivialer“ Erfordernisse des Straßenbaus. Aus den angeführten Gründen hat das Preisgericht diese Arbeit als preiswürdig erachtet.


A23 Autobahn Südosttangente, Wien

Ideenwettbewerb

Architekt Werner Navratil Wien

Anerkennung Projekt Nr. 5

veranlasst die Autoren, ihr Projekt unter dem Motto „Kunstmeile A23“ zu präsentieren. Das Preisgericht erkennt die Perfektion in der Durcharbeitung der technischen und gestalterischen Lösung und würdigt nachdrücklich die Lösungen für die Lärmschutzwände, insbesondere für jene mit dem großen Anteil an transparenten Elementen im Bereich des Praters. Keinen Beifall findet der Vorschlag für ein „Freiraumkonzept zur ökologischen Nachhaltigkeit und Verbesserung der Lebensqualität der Bewohnerinnen“ im Siedlungsgebiet zwischen Favoritenstraße und Ödenburgerstraße, in Form einer Bebauung in Verbindung mit einer Überbrückung der Autobahn in allzu technoider Manier, die als Freiraum zwar aufwändig, aber in einer Ausprägung gestaltet ist, die zumal in dieser Lage zwischen zwei wenig dichten Bebauungsgebieten wenig Aussicht auf Akzeptanz durch die Bewohner eröffnet. Die angeführten Stärken, im Vergleich innerhalb des gesamten Wettbewerbsangebotes, veranlassen nichtsdestoweniger das Preisgericht, dieser Arbeit eine Anerkennung auszusprechen.

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Projektbeurteilung: Nach diesem Vorschlag würde die A23 über ihren gesamten Verlauf eine Außenbegrenzung erhalten, bestehend aus modulartig aneinandergereihten Lärmschutzelementen, mit eingesetzten Kunststoffpaneelen, austauschbar gegen mit transparenten, mit Lichtröhren oder mit Photovoltaik ausgestatteten solchen, sowie mit einer Mittelleitschiene als hohen Sicht- und Blendschutz zur Trennung der Richtungsfahrbahnen, in zu den Außenwänden analoger Konstruktion, bestückt nach Bedarf mit einem LED-Lichtsystem mit Warnmöglichkeiten: Dieses könnte Beleuchtungsmasten ersetzen. Entlang der Strecken, an denen dies sinnvoll erscheint, sind die Lärmschutzwände, z.B. im durch den Prater und über die Donau führenden Teilabschnitt, mit großflächigen Fenstern ausgestattet, mit transparenten Mittelund Oberteilen, die eine Durchsicht unter Berücksichtigung des Fahrtempos auf die attraktiven Umräume tatsächlich möglich machen. Die Außenbegrenzungen sind nach außen konvex geformt, sie sind „... als Außenhaut bespielbar mit Kunst ...“. Letztere Disposition


Ideenwettbewerb

A23 Autobahn Südosttangente, Wien

Marie-Theres Okresek Wien

Anerkennung Projekt Nr. 6 Mitarbeit: Elisabeth Judmaier

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Projektbeurteilung: Bei der Lösung der Aufgabenstellung wurden Fragenkomplexe thematisiert, die bei Bau, Instandsetzung und Erneuerung von Autobahnen herkömmlicherweise nicht im Vordergrund stehen, so z.B. die Heranziehung der Materialien Holz und Beton als raumprägende Ressourcen, abgeleitet von der „naturräumlichen Spezifität“ im Verlauf der Südosttangente zwischen Wienerwald und Lobau durch städtisches Gebiet: Daraus wird der Vorschlag entwickelt, die Lärmschutzwände aus hochabsorbierendem Leichtbeton mit Hackschnitzeln als Zuschlagstoff und unterschiedlich strukturierten und schallschluckenden Oberflächen herzustellen. Der Grundsatz des „Design by noise“ sollte zu einer markanten Gestaltung des Raums mit den beiden Richtungsfahrbahnen zwischen konkaven aneinandergereihten Lärmschutzmodulen führen. Mit der Bildung eines smart-urbanen neuen Straßenraums, von außen als grünes Band wahrzunehmen, soll den Forderungen nach „Ambivalenz und Zweiseitigkeit“ gefolgt werden. Bei Sanierung, Ergänzung und Ausbau der Lärmschutz-

wände sollte nach einem „Konzept der Addition“ ausgegangen werden, bei dem nach Sanierungsbedarf einzelne Module ausgetauscht, darüber gelegt oder ersetzt werden sollen; die Module sollten optimierend variiert zu einem Gesamtbild gefügt werden, das Gestaltvarianz und Ökonomie in gleicher Weise verwirklicht. In diesem Zusammenhang wird als Exkurs auf unterschiedliche Wahrnehmungsebenen bei unterschiedlichen Fahrgeschwindigkeiten verwiesen, weshalb unterschiedliche Oberflächenstrukturen, ergänzt durch intelligente, mehrfunktionale einzelne Objekte und fahrbahnbegleitende Technikinfrastruktureinrichtungen, inszeniert werden könnten. Alle diese Ansätze werden mit Ambition vorgeführt. Sie werden in ihrem Innovationswert, unabhängig davon, dass die Vorschläge nur in großen Zeiträumen und nicht, der Realität entsprechend, schrittweise und im Zuge einzelner erforderlich werdender Instandsetzungs- und Ergänzungsmaßnahmen verwirklicht werden, anerkannt.


A23 Autobahn Südosttangente, Wien

Ideenwettbewerb

mahl-gebhard konzepte, Peter Ebner and friends München

Anerkennung Projekt Nr. 17 Mitarbeit: Andrea Gebhard

und damit Strom (?) entstehen könnte: Die Experten des Auslobers stellen diese Technik in Frage. Vertikale Grünflächen, die, abgestimmt auf die unterschiedlichen topografischen Gegebenheiten entlang der Autobahn, in unterschiedlichen Formen, „bodengebunden, an wandartigen Erdkörpern mit oder ohne Kletterhilfe oder als begrünte Böschungen herzustellende, sollen als Klimafilter und lärmmindernd wirken ... und frische Luft auch im Stau heranführen.“ Auch diese Möglichkeit wird von den Experten der auslobenden Stelle wegen des hohen Instandhaltungsaufwands kritisiert; im Preisgericht wird dagegen eingewendet, dass diese Maßnahmen wegen der Dauer des Bewuchses nur mittel- bis langfristig Gestalt und Wirkung annehmen könnten, und deshalb nicht Schritt für Schritt und abschnittsweise verwirklicht werden können. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit werden Kautschukkörper mit abdämpfender Pufferwirkung an den Leitplanken vorgeschlagen. Zwar halten die Vorschläge überwiegend einer Kritik nicht stand, in der Gesamtheit jedoch wird die bedarfsorientierte Herangehensweise an die komplexe Fragestellung gewürdigt; eine Anerkennung innerhalb des gesamten Wettbewerbsangebotes wird daher als gerechtfertigt angesehen.

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Projektbeurteilung: In diesem Beitrag wird eine „ökologische & energetische Strukturierung der A23“ gezeigt, anhand von Vorschlägen zur Lieferung von Informationen, der Erzeugung von Strom, Beschaffung vertikaler Grünflächen, sowie zur Erhöhung der Sicherheit. Darüberhinaus wird eine „Farbkodierung der A23 anhand der Bezirke“ angesprochen, bei der jedem Bezirk eine Leitfarbe zugeordnet werden soll; dieser Vorschlag findet sich jedoch lediglich im Lageplan und in der unterschiedlichen Farbgebung der Lichtmasten in den Schaubildern wieder. Ein Mehr an Informationen soll bei der vorgeschlagenen Erneuerung mittels LED-Tafeln oberhalb der Richtungsweiser erreicht werden, auf denen „Bezirksinformationen“ vermittelt werden. Dieser Vorschlag wird im Preisgericht eingehend erörtert, mit dem Ergebnis, dass eine Beschilderung mit Verkehrszeichen jedenfalls bewilligungspflichtig ist, und eine darüber montierte bildliche Darstellung erfahrungsgemäß als Verstoß gegen die Vorschriften der RVS wegen Einschränkung der Verkehrssicherheit durch Ablenkung vom Verkehrsgeschehen gewertet wird. Die Stromerzeugung soll mittels flexibler röhrenförmiger Stäbe im Verlauf des Mittelstreifens, anstelle der derzeit dort montierten Betonleitwände, stattfinden, indem durch Windbewegung Druck in den Hohlkörpern


Wettbewerb

S 1 Wiener Außenring

Auslober ASFINAG BAU MANAGEMENT GMBH im Vollmachtsnamen der ASFINAG, 1030 Wien

Verfahrensorganisation Architekten DI Franz Kuzmich, DI Gerhard Kleindienst, 1040 Wien

Gegenstand des Wettbewerbes Entwicklung einer optimalen Entwurfslösung, umfassenden Konstruktion und Gestaltung für die S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Knoten Raasdorf – Am Heidjöchl (Spange Seestadt Aspern). Die Entwurfslösung bezieht sich einerseits auf die von der Schnellstraße aus sichtbaren Kunstbauten (Brücken über die Spange, Portale, Lärmschutzwände auf Freistrecken und Brücken), anderseits auch auf die von der ÖBB-Trasse, der Seestadt Aspern und der nördlich gelegenen Landschaft aus sichtbaren Kunstbauten, Stützmauern und Dämme der Rampen. Die Projektlänge (Vorprojekt 2011) beträgt 4,6 km. Bestandteile der Wettbewerbsaufgabe sind • sämtliche Verkehrs- und Grünbrücken des Vorhabens, • Stützmauersicherungen (v.a. bei Rampen zwischen ÖBB-Strecke und Spange S1), • Lärmschutzmaßnahmen (Lärmschutzwände), • Geländegestaltungen (Sichtverschattungswälle etc.).

Art des Wettbewerbes Offener anonymer Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich für Teilnehmer(gemeinschaften), welche Fachkenntnisse auf dem Fachgebiet Bauwesen/Bauingenieurwesen und auf dem Fachgebiet Architektur oder Landschaftsplanung nachweisen können. Anschließend Durchführung eines Verhandlungsverfahrens.

Beurteilungskriterien Gestalterische Qualität; Wirtschaftliche Realisierbarkeit; Funktionale Qualität; Technische Qualität.

Beteiligung 7 Projekte

Preisgerichtssitzung 23. November 2012

Preisgericht a.o.Univ.-Prof. DI Dr. Christian Kühn (Vorsitzender), DI Peter Bauer (stv. Vorsitzender), DI Thomas Steiner (Schriftführer; Gestaltungsbeirat), DI Markus Beitl, DI Dr. Rainer Mayerhofer (Gestaltungsbeirat), Arch. DI Heinrich Eidenböck, DI Georg Steyrer (ASFINAG SG), BR Johann Becher (BV 22. Bezirk), Bgm. Walter Krutis (Gemeinde Raasdorf )

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Vorprüfung Architekten DI Franz Kuzmich, DI Gerhard Kleindienst, DI Henning Wefelnberg (Landschaftsbild; Bernard Ing., Koordination Umwelt),

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DI Stephan Zeilinger (Materienrechte; Metz & Partner, Projektsteuerung), DI Thomas Kalina (Umsetzbarkeit), DI Thomas Schröfelbauer (Kosten), DI Martin Pöcheim (UVP-Aspekte), Ing. Jakob Zlatarits (Betrieb), DI Karl Zeilinger (Lärmschutz), DI Michael Kleiser (Brückenbau) (alle ASFINAG)

Preisgelder 1. Rang (Gewinner): € 20.000,– 2. Preis: € 16.000,– 3. Preis: € 12.000,– Vier Anerkennungspreise für Nachrücker und die drei verbliebenen Projekte: je € 4.500,–


Wettbewerb

© ASFINAG

Schnellstraße, Wien 22

Lösung dar. Die Gestaltung beim Knoten Raasdorf lässt alles offen. Eine Lärmschutzwand allein als Sichtabschirmung ist hier allerdings nicht möglich, Begleitdamm fehlt. Die Aufständerung wird kontroversiell diskutiert. Das Abheben vom darunterliegenden „Nichts außer Trassen“ kann aber auch positiv gesehen werden. Projekt 3 ist reicher an Erzählung, jedoch werden hier noch viele weitere Systeme mit ihrer jeweils eigenen Charakteristik aufeinander treffen. Nach der ausführlichen Diskussion werden folgende, vom Vorsitzenden gestellte Anträge abgestimmt: Projekt 2 für 1. Preis mit 6:3 angenommen, Projekt 3 für 2. Preis einstimmig (9:0) angenommen, Projekt 6 für 3. Preis einstimmig (9:0) angenommen. Als Nachrücker für die Preisränge verbleibt nur Projekt 5 (Projekt 7 scheidet wegen des Kreisverkehrs aus, Projekt 1 wegen statischer Schwächen, bei Projekt 4 überzeugt das Design nicht). Der Antrag, Projekt 5 als Nachrücker zu wählen, wird mit 8:0 angenommen. Eine Neuverteilung der Preisgelder wird beschlossen. Verfasserliste: Projekt 1: DI DR. Wolfgang Lindlbauer; Büro für Architektur und Umweltgestaltung • Projekt 2: Ingenieurbüro ste.p ZT-GmbH.; Architekt Katzberger ZT Ges.m.b.H. • Projekt 3: Werner Consult ZT GmbH; Zechner&Zechner ZT GmbH • Projekt 4: LINEAL GmbH; SADAR+VUGA GmbH; LUZ AG; GRAVITAS GmbH.; PONTING GmbH. • Projekt 5: Schimetta Consult ZT GmbH.; PCD ZT GmbH.; Arch. DI Martin Wakonig ZT GmbH. • Projekt 6: KMP ZTGmbH; Bramberger Architects • Projekt 7: Ingenieure Öhlinger + Partner ZT Ges.m.b.H.; DI Josef Mayer ZT Ges.m.b.H. für Bauwesen; DI Thomas Proksch Ing.Kons. für Landschaftsplanung

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Beurteilung: Die allgemeinen Ergebnisse der Vorprüfung werden präsentiert; anschließend geht ein Fachvorprüfer auf die Rahmenbedingungen der S1 ein: Viele Bauvorhaben der Gegend werden gleichzeitig ablaufen. Eine gegenseitige Abstimmung der Projekte wird notwendig sein. Wichtige Kriterien für die Asfinag sind Verkehrssicherheit, Flächenverbrauch, Kosten. Danach stellt er die Unterschiede in den Projekten kurz dar. Nach dieser allgemeinen Einführung beginnt ein gemeinsamer Informationsrundgang. Die Vorprüfer erläutern die Projekte. Es folgt ein Wertungsdurchgang um festzustellen, welche Projekte für die Preisränge in Frage kommen: Projekt 1 (einstimmig ausgeschieden), 2 (verbleibt einstimmig), 3 (verbleibt mit 6:3), 4 (einstimmig ausgeschieden), 5 (einstimmig ausgeschieden), 6 (verbleibt einstimmig), 7 (einstimmig ausgeschieden). Es verbleiben die Projekte 2, 3, 6 für die Preisränge. Es folgt ein zweiter Wertungsdurchgang. Es sollen die vorhandenen Qualitäten herausgelesen werden und die Umsetzbarkeit von ansprechenden Elementen. Wie werden die Ideen überleben? Der Antrag, Projekt 6 nicht in die Endrunde zu nehmen, wird mit 7:2 angenommen. Es folgt eine Diskussionsrunde zur Entscheidung zwischen Projekt 2 und Projekt 3: Aus ästhetischer Sicht zeigt sich eine Präferenz für Projekt 2, Darstellung und Grundhaltung lassen das Projekte spannend erscheinen. Den Verfassern wird zugetraut, die Aufgabe durchgehend zu bewältigen. Projekt 2 ist auf Infrastruktur fokussiert und erscheint daher langlebiger. Positiv ist in diesem Sinne auch, dass das Projekt für die Gestaltung der umgebenden Strukturen vieles offen lässt. Die Grünbrücke ist als landart-Projekt und nicht nur als Ingenieurbauwerk zu sehen und entsprechend zu gestalten. Der lange flache „gespannte Bogen“ stellt eine elegante


Wettbewerb

S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Wien 22

ste.p, Architekt Katzberger Wien

1. Preis Projekt Nr. 2 Mitarbeit: Robert Bartl, Thomas Teufelhart Visualisierungen: www.beyer.co.at

Knoten Heidjöchl

Projektbeurteilung: Elegante Darstellung. Wie wird die Realität sein? Frage des Grünbandes zwischen Autobahn und ÖBB-Trasse. Bei der Stützmauer zur U-Bahn ist eine Lärmschutzwand dargestellt, die lärmtechnisch nicht notwendig ist, aber als wichtige architektonische Komponente wirken soll. Frage ob es notwendig ist, die gesamte Rampe auf Stützen zu heben. Es entsteht dadurch eine „Dramatisierung“. Luftige Stützen sind in Wahrheit Scheiben mit großen Löchern. In der Darstellung gut gemacht. Die Grünbrücke ist nicht unelegant. Erweckt die Gestaltung der Grünbrücke eine falsche Assoziation? Das technische Bauwerk mit Grün darüber kann auch sehr positiv gesehen werden. Ist zu vergleichen mit Projekt 3, wo die Landschaft sehr anschaulich „übergeführt“ wird. Durchsicht aus Autofahrerperspektive ist hier am größten. Querschnittsflächen sind machbar. Das wie ein Geflecht über Niveau liegende Straßennetz erscheint spannend. Ästhetische Qualität der Darstellungen ist hoch. Die Schalungsqualitäten sind planlich nicht darstellbar aber beschrieben. Raasdorf: Idee der Biotopvernetzung ist

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Brücke Heidjöchl

Ansicht Knoten Heidjöchl

hervorzuheben. Lösung Lärmschutzwand gut, aber Asfinag-Farben wirken aufdringlich. Wie wirkt sich Bepflanzung auf hochabsorbierende LS-Elemente aus? Empfehlungen: Beim Tragwerk der Grünbrücke ist die Stütze im Mittelstreifenbereich zu überdenken, sie ist entweder (unter Optimierung des Tragwerks) wegzulassen oder der Bereich in Bezug auf den Anprallschutz zu adaptieren. Die große Figur des Betonrandbogens der Grünbrücke wird gewürdigt. Diese ist in ihrer „land-art“-Qualität zu erhalten und im weiteren Ausbau zu stärken. Der beim Knoten Raasdorf skizzierte Flächenverbrauch muss reduziert werden. Die beschriebene Differenzierung der Betonoberflächen der Grünbrücke durch differenzierte Schalungen muss unbedingt erhalten und durch entsprechend sorgfältige Ausführung geschärft werden. Unbedingt zu erhalten ist die Idee der „Landschaftsstraße“ (Landschaft bleibt hinter dem Bauwerk, keine Überwucherung der Trogform der Grünbrücke).


S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Wien 22

Wettbewerb

Knoten Raasdorf

Grünbrücke

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S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Wien 22

Wettbewerb

Werner Consult, Zechner & Zechner Wien

2. Preis Projekt Nr. 3 Mitarbeit: Walter Breitfuss, Rainer Putz

Knoten Raasdorf

Projektbeurteilung: Die Hauptqualitäten werden kontroversiell diskutiert – wegen der zwei verschiedenen Gestaltungsansätze. Öffnung der Stützmauern: Ist der Blick Richtung Seestadt angesichts hoher Fahrgeschwindigkeit notwendig? Für die Assoziation der Kreuzung sind die Öffnungen gut. Lärmschutz auf Überführungsbauwerk nicht notwendig, ist aber Teil des gestalterischen Konzepts. Fensterband erinnert an „Gebäude“ – Zusammenwirken mit UBahn-Station. Sehr klare Lösung mit gutem Mittelpunkt, elegant, unaufgeregt und damit zeitlos. Gestalterischer Kontrast zwischen Brücken mit Verkehr und Grünbrücke (spielerisch) kann auch positiv gesehen werden. Brücke am Telefonweg fraglich (sieht diese genau so aus?). Ast Heidjöchl wirkt mit der Situation der Station zusammen. Das urbane Gestaltungselement könnte bei den anderen Anschlussstellen zugunsten einer „naturnahen“ Gestaltung (siehe Grünbrücke) aufgelöst werden. Grünbrücke – „Tunnel“ markiert Eintritt in den urbanen Bereich. Querschnitte müssen nicht ausbetoniert werden, die schlanken Stützen werden machbar sein. Wirtschaftlichkeit? Zweitbilligstes Projekt von den dreien (laut Angaben der Projektanten). Statisches System bei Grünbrücke: doppelt so hohe Kosten wie angegeben, wäre aber im Gesamtzusammenhang nicht so gravierend. Das Bogentragwerk wird sich optimieren lassen. Empfehlungen: Die Ausführung beim Knoten Heidjöchl mit Bandfenster und Lärmschutz wird im Kontext mit U-Bahnstation, ÖBB und Bereich Seestadt als richtig angesehen und ist beizubehalten, ist aber bei den zwei weiteren Anschlussstellen zurückzunehmen und insbesondere beim Telefonweg nicht zu wiederholen. Das Tragwerk der Grünbrücke ist der Bogenform in statisch-konstruktiver Hinsicht adäquater zu konzipieren. Die Oberfläche der Brücke ist im Hinblick auf einen ausreichend breiten Wildschutzkorridor zu überarbeiten.

Knoten Heidjöchl

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Knoten Heidjöchl

Grünbrücke


S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Wien 22

Wettbewerb

KMP, Bramberger architects Linz / Graz

3. Preis

Projektbeurteilung: Die Öffnung des Knotens wird gewürdigt. Das Projekt zeigt von den dreien jedoch die geringste thematische Durchdringung. Ein Verweis auf die städtische Situation ist nicht klar ablesbar. Die Lärmschutz-SpritzschutzBrüstung ist hier kein Gestaltungselement; könnte weggelassen werden. Insgesamt weniger konsequent als Projekt 2. Die Grünbrücke zeigt eine klare Lösung, mit einer Steigung des Tragwerks zur ÖBB-Trasse hin. Die Dämme auf der Grünbrücke sind zu verbessern, die in die Umgebung ausgreifenden „Zungen“ sind verzichtbar. Problematische Stützmauern aus bewehrter Erde – bei diesem Projekt ist das heruntergezogene Grün wesentlicher Teil der Gestaltung. Raasdorf-Lösung kann kein entscheidendes Kriterium sein. Schön gezeichnete flache Landschaft.

Projekt Nr. 6 Mitarbeit: Christian Stadler, Christian Bergsmann

Empfehlungen: Knoten Raasdorf: Die Lage des Lärmschutzdammes ist zu optimieren. Steilböschungen bei Dämmen sind mit angemessenem Aufwand in dieser Form nicht realisierbar. Der Bewirtschaftungsweg ist nach außen zu legen. Ast Heidjöchl: Die plastische Durchbildung des Tragwerks mit der Abstufung ist im Hinblick auf die Gesamtlösung zu überdenken.

Knoten Raasdorf

Raasdorf Schnitt

Knoten Heidjöchl

Grünbrücke

Heidjöchl Ostansicht

Heidjöchl Schnitt A

Heidjöchl Schnitt B

Grünbrücke Schnitt

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Wettbewerb

S 1 Wiener Außenring Schnellstraße, Wien 22

Schimetta Consult, PCD, Architekt Martin Wakonig Wien

Nachrücker

Projektbeurteilung: Das Projekt ist technisch korrekt konstruiert und umsetzbar, einfach gebaut, einfach zu erhalten. Bei den Knoten im Konkreten gestalterisch nicht überzeugend. Bei den LSW enttäuscht das ausschließlich farblich aufgebrachte Dekor.

Projekt Nr. 5 Mitarbeit: Roman Geier

Ansicht Knoten Heidjöchl

Ansicht Grünbrücke

Knoten Heidjöchl

Grünbrücke

Lärmschutzwand

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Knoten Raasdorf

Heidjöchl Nordansicht

Ansicht Knoten Raasdorf


Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

Wettbewerb

bezahlte Einschaltung

Foto: Wilke

Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

Vor 25 Jahren wurde die Wiener Donauinsel fertig gestellt, und fast genauso lang gibt es die Möbel auf den reservierbaren Grillplätzen. Das Grillen war schon während der Bauphase auf der Donauinsel ein heißes Thema und ist seitdem ein wichtiger Part der Inselnutzung. Mittlerweile sind die alten Tisch-Bank-Kombinationen und die Betonring-Griller nicht mehr sehr schön anzusehen und alles andere als modern. Durch eine Neugestaltung der Grillmöbel soll sich dies nun ändern! Warum Beton? Der Baustoff Beton hatte im Wasserbau immer eine wichtige Funktion und ist aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit ein zweckmäßiges Bauelement. Vor Jahrzehnten wurden sämtliche Bäche in Wien in Betonrinnen gefasst, um den Bachlauf zu regulieren. Heute wissen wir, dass naturnah ausgebaute Bäche genauso hochwassersicher sein können und führen dementsprechend Renaturierungen durch. Wir nehmen also vermehrt den Beton aus den fließenden Gewässern und setzen ihn anderwärtig ein. Für die Möbel der reservierbaren Grillplätze bietet sich Beton aus vielen Gründen an: Die Möbel sollen massiv, also unverrückbar, sein und aus einem frost- sowie hitzesicheren Material bestehen. Sie sollen sicher vor Vandalismus, wartungsfreundlich und langlebig sein. Des Weiteren gibt es bei Beton eine Fülle an Gestaltungsmöglichkeiten. Und wichtig ist, dass das neue Grillmöbel eine richtige „Grilleinheit“ ist, bei der die Grillfläche, die Sitzmöglichkeit sowie der Tisch in einem Nahbereich integriert sind. Der Grill soll auf diese Weise untrennbar mit den Grillenden verbunden sein und nicht mehr als fader Betonring irgendwo daneben stehen. Dass diese Neugestaltung als Wettbewerb ausgeschrieben wurde, bringt auch viele Vorteile. Einerseits sind wir in der MA 45 keine Designer sondern Techniker, andererseits haben Studentinnen und Studenten der diversen Hochschulen und Universitäten kein „betriebsblindes“ Bild der Grillplätze auf der Donauinsel. Somit freuen wir uns über die vielen äußerst kreativen und vor allem innovativen Einreichungen und sehen der Umsetzung des Siegerprojektes mit Begeisterung entgegen!

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© Stadt Wien

Senatsrat DI Gerald Loew Dienststellenleiter MA 45 - Wiener Gewässer


Wettbewerb

Concrete Design Award 2013

Auslober Konsortium, bestehend aus der Stadt Wien / MA 45 – Wiener Gewässer, dem Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) und der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), unter fachlicher universitärer Begleitung.

Gegenstand des Wettbewerbes Funktionelle, benutzerfreundliche, langlebige Betonmöbel im Outdoor-Bereich.

Art des Wettbewerbes Interdisziplinärer anonymer Wettbewerb für Studierende österreichischer Hochschulen und Universitäten der Fachrichtungen Design, Industriedesign, Möbeldesign, Architektur, Innenarchitektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Gestaltung und verwandte Disziplinen.

Beurteilungskriterien Gestaltungsqualität, visueller Gesamteindruck, technische Innovation und Konstruktion, Durchführbarkeit, Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit, Anwendung Werkstoff Beton, Umweltaspekte, Umgang mit Sicherheitsaspekten, Wartungs- und Erhaltungsmöglichkeiten, Kosten-Nutzen-Relation.

Beteiligung 22 Projekte von der TU Wien, der TU Graz, der Universität für angewandte Kunst, der Akademie der bildenden Künste, dem bfi-Dipl.-Lehrgang Internationales Design, dem FH Campus Wien, der HTL Mödling, der FH Joanneum Graz und der Leopold-Franzens-Universität, Innsbruck

Jur ysitzung 27. Februar 2013

Jur y o.Univ.-Prof. Mag.arch. Paolo Piva (Vorsitzender; Universität für angewandte Kunst, Wien, Institut für Industrial Design – ID1), GF Bmst. DI Felix Friembichler (VÖZ), o. Univ-Prof. DI Dr. Johann Kollegger (TU Wien, Institut für Tragkonstruktionen), SR DI Gerald Loew (MA 45), DI Dr. Bernd Wolschner (VÖB)

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Preisgelder 1. Preis: € 3.000,–

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Zwei 2. Preise: je € 1.500,– Zwei Anerkennungspreise: je € 500,–


Wettbewerb

– Barbecue Edition 25

Auszug Beurteilung: Auf Vorschlag des Vorsitzenden verschaffen sich die Jurymitglieder anhand der Plakate und Modelle im ersten Durchgang einen Gesamtüberblick über die eingereichten Projekte. Gleichzeitig werden Vor- und Nachteile der einzelnen Projekte anhand der Beurteilungskriterien besprochen. Der Vertreter der MA 45 erläutert die Situation der derzeitigen Möblierung (16 vorhandene Grillplätze für größere Einheiten ab ca. zehn Personen, Holzmöbel mit Betonseitenteilen mit großem, fix installiertem Grillrost). Bei über 2.000 Buchungen im Jahr ist das größte Problem der Vandalismus, aber auch die Größe der Einheiten ist unpraktisch, da viel Heizmaterial gebraucht wird. Der Juror wünscht sich im Namen der MA 45 einen schonenden Betrieb, bessere Qualität und kleinere Einheiten, die zu einer größeren Flexibilisierung führen und auch örtlich abgegrenzt sein sollen.

Der Vorsitzende stellt fest, dass die Entwürfe generell nach 3 bis 4 Familien/Typologien zu unterscheiden sind: 1. Runde, geschwungene Form, 2. Lineare Formgebung, 3. Dreidimensionale Würfelform, 4. Landschaftsform. Für jede Entwurfsfamilie wird aus dem ersten Rundgang die beste Lösung gemeinsam ausgewählt. Bei der weiteren Diskussion wird auf die Machbarkeit und die Umsetzbarkeit Wert gelegt. Anhand dieser werden Idee, Design und Gestaltungsqualität, Konstruktion und Durchführbarkeit und der innovative Umgang mit Beton sowie Funktionalität, Wartung und Erhaltung eingehend diskutiert. Ergebnis: • 1. und 2. Preis Eindeutig und einstimmig wird für das Projekt 14 Donauwelle der 1. Platz vergeben. Es stellt den besten Entwurf in der Familie der runden Formen dar, hat eine einfache, aber elegante Formensprache, ein klares Konzept, ist sicher gegen Vandalismus, wenig verschmutzend, einfach zu reinigen und zu erhalten und stellt sich höchst kommunikativ für alle dar. Die Idee ist ästhetisch umgesetzt worden, Beton findet hier die richtige Anwendung. Kombinier- und Vergrößerbarkeit lassen viele Möglichkeiten zu. In der Diskussion um Platz 2 werden zwei Projekte als gleichwertig gesehen und damit zwei 2. Preise vergeben: Projekt 10 GRILLMAXX überzeugte als das am meisten herausstechende in der Familie der linearen Formen. Die Jury gibt zu bedenken, dass glatte Oberflächen besser geeignet wären und diese Station den Vorteil hat, dass der Griller abseits vom Tisch angedacht ist, was als „kundenfreundlich“ gesehen wird. Es herrscht eine Klarheit in der Formensprache, einzig unklar ist die schräge, nicht bodenschließende Lösung der Sitzbank. Projekt 12 DONAUGRILL weist eine moderne Formensprache auf, die Proportionen für die Nutzung werden noch nicht zu Ende gedacht. Die Herstellung selbst wird als sehr kostengünstig bewertet. Die Resistenz gegen Vandalismus ist bezüglich der Sitzbankaufhängung zu hinterfragen und neu zu konzipieren. • 2 Anerkennungspreise Projekt 8 barbecu[b]e: Der Vorschlag, einen geschützten Raum im Freiraum zu generieren, wird als sehr interessant gesehen. Aufgrund der nicht ausgereiften Ausführung und Gestaltung und der nicht ausreichenden Formensprache wird das Projekt mit einem Anerkennungspreis gewürdigt. Projekt 20 Loop Station wird als ein interessantes Baukastensystem erkannt, bietet große Flexibilität, ist benutzerfreundlich und hat eine gute Funktionalität. Insgesamt werden aber zu viele Elemente (Legosystem) benötigt, was Herstellung und Montage verteuert.

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Wettbewerbsaufgabe: Zum 25-jährigen Bestehen der Donauinsel möchte die MA 45 – Wiener Gewässer einen wichtigen Part der Inselnutzung, das Grillen, unter anderem mit einer neuen Möblierung verbessern. Die bisherige Lösung war zwar funktionell, jedoch nicht sehr ansehnlich. Dieser Umstand soll nun mit der Neugestaltung der Möbel in einem ersten Schritt beseitigt werden. Die Möbel sollten massiv, langlebig, funktionell und benutzerfreundlich gestaltet werden. Ergonomisch, modern, mit klaren Linien, nicht verstellbar oder verrückbar, wartungsfreundlich, frostbeständig, sicher gegen Vandalismus und für die Massenproduktion geeignet. Die Anforderungen für neue Möbel lautet daher: • Tisch-Bank-Kombination für acht bis zehn Personen, wenn möglich untrennbar miteinander verbunden oder nicht verstellbar; • Abmessungen Tischfläche ca. 100 cm x bis 300 cm; • ansehnliche Form, modern, funktionell, jedoch für die Massenproduktion geeignet; • integrierter Griller (kann auch aus Beton sein, evtl. gefräste Schlitze oder mit Nirosta-Armierung), Grillbereich evtl. abgesenkt oder erhöht, jedoch verbunden mit dem Tisch; • Sonnenschirmaufnahme für selbst mitgebrachte Schirme; • genügend Ablagefläche beim Griller; • Grillfläche ca. 80 cm x 80 cm; • vandalismussicher (versteckte bzw. verdeckte Verbindungen, hohes Eigengewicht, graffitiabweisende Oberfläche); • wartungsfreundlich, Verminderung des Verletzungsrisikos, frostbeständig, möglichst keine beweglichen Teile, Formen optimiert für den Transport; • eventuell eingefärbt; • ergonomische Formgebung.


Wettbewerb

Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

Benjamin Kromoser, Martin Ritt TU Wien

1. Preis Projekt Nr. 14 Donauwelle

Jurybegründung: Gelungene Formgebung, gut in jede Richtung und flexibel erweiterbar, sehr klares Konzept in ästhetisch ansprechender Umsetzung und richtiger Anwendung der Materialität. Sehr dünne Tischplatte, scheint auf den ersten Blick utopisch, ist aber mit Adaptierungen durchführbar. Lehnen zur gemütlicheren Ausformung sind leicht umsetzbar. Entwurfsbeschreibung: Ausgehend von der archaischen Urform der Lagerfeuerstelle am Boden greifen wir die Idee des Feuers als zentrales Element wieder auf. Rund um diesen zentralen Punkt bildet sich eine Gruppe von acht bis zehn Personen aus, allesamt mit Blickrichtung zur Feuerstelle. Gemeinschaft als oberstes Gestaltungsprinzip – dazu hält der Philosoph Georg Simmel fest: „Von allem nun, was den Menschen gemeinsam ist, ist das Gemeinsamste: dass sie essen und trinken müssen.“ In dem Projekt DONAUWELLE werden Geschichte und Tradition mit den heutigen Ansprüchen nach Funktionalität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit verschränkt. (…)

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Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

Wettbewerb

Patrick Olczykowski, Tugyan Ertürk; Fabian Schicker TU Wien / BOKU Wien

2. Preis Projekt Nr. 10 Grillmaxx

Entwurfsbeschreibung: Die Grundidee des Entwurfs basiert auf einem linearen Mobiliar, das sämtliche wesentlichen Eigenschaften

vereint und dabei ästhetisch ansprechend, funktionell und bequem zugleich ist. Ausschlaggebend für das Gestaltungskonzept und den weiteren Entwurf waren der Kontrast zwischen dem puristischen Design, das sich per definitionem auf das Wesentliche reduziert und dabei eine hohe Funktionalität gewährleistet, und dem urbanen Chic und Großstadtflair, welche das Mobiliar vermittelt. Eine moderne, ergonomisch fließende Formensprache mit klaren Linien, die die Nutzer anspricht und gleichzeitig zum Verweilen einladen soll. (…)

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Jurybegründung: Klarheit in der linearen Formensprache, angenehm nutzbare Lösung mit abgesetztem Grill und Bänken mit Lehne. Das abgeschrägte Bankauflager des Modells ist bezüglich der Kraftableitung in den Boden zu hinterfragen.


Wettbewerb

Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

Lorenz Krisai, Hugo Eynius Toro Universität für angewandte Kunst Wien

2. Preis Projekt Nr. 12 Donaugrill

Jurybegründung: Gefällige, moderne Formensprache. Zu kurze, lineare Ausformung für die geforderte Platzanzahl, die Proportionen gehören weitergedacht; örtlich abgesetzte Grillstation bietet Aktionsfreiheit. Statt der Ausführung mit Holzteilen, hierbei ist die Vandalismus-Resistenz zu hinterfragen, wird eine Tisch- und Bankoberfläche mit Holzmaserung in Beton vorgeschlagen. Entwurfsbeschreibung: Die Grillgarnitur DONAUGRILL besteht zum Großteil aus Beton. Mit der eingebauten Feuerstelle kombiniert sie

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alle Funktionen des Grillplatzes auf der Donauinsel in einem Outdoor-Möbel. Die dynamische Form ist inspiriert von der unmittelbaren Nähe zur Donau, den vorbeifahrenden Schiffen und Booten und der charakteristischen Umgebung. Ziel war es außerdem, eine massive Form aus Beton herzustellen, die durch ihre Dynamik jedoch leicht und bewegt erscheint. Für die Sitzbänke und Tischoberfläche wird Holz benutzt, da dies für den Komfort der Benutzer als sinnvoll erscheint. Der asymmetrische Grillrost besteht aus Metall. Der Großteil des verwendeten Materials jedoch ist High-PerformanceBeton. (…)


Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

Wettbewerb

Ricarda Reicher TU Graz

Anerkennung Projekt Nr. 8 barbecu[b]e

Entwurfsbeschreibung: barbecu[b]e ist ein überdachter Grillplatz für ca. zehn Personen. Das Dach dient einerseits als Schutz vor Sonne und Regen, andererseits generiert es einen geschützten Raum im Freiraum und schafft somit Atmosphäre. Die klaren Linien geben dem Möbel eine zeitlose, neutrale und funktionale Form. Wenn’s blitzt und donnert, dient der Kubus natürlich auch als Unwetterschutz für Spaziergänger (Faradaykäfig). Der barbecu[b]e benötigt kein Fundament. Die großflächige Bodenplatte kann auf beliebigen Untergründen platziert und bei Bedarf auch versetzt werden. Durch die neutrale Form sind auch mehrere Kuben miteinander kompatibel. (…)

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Jurybegründung: Der interessante Vorschlag mit Dachausführung generiert einen geschützten Raum im Freiraum, schafft Atmosphäre, die Grilleinheit ist dagegen zu filigran. Der Grill mit Abzug ist technisch gesehen eine funktionierende Lösung. Das Dach könnte als Energielieferant ausgebaut werden. Die Formensprache des Kubus zur Sitzgelegenheit scheint unausgewogen und müsste weiterentwickelt werden.


Wettbewerb

Concrete Design Award 2013 – Barbecue Edition 25

Thomas Niederberger, Jannis Merz Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Anerkennung Projekt Nr. 20 Loop Station

Jurybegründung: Interessantes Baukastensystem mit hoher Flexibilität, jedoch sind zu viele Elemente in Verwendung. Der Vorschlag weist eine gute Funktionalität auf und lässt sich als eine Einheit, aber auch gut mit bis zu drei weiteren Stationen kombinieren. Die Heizstelle ist getrennt vom Tisch konzipiert und durch den Loop doch mit der Sitzgruppe verbunden. Entwurfsbeschreibung: Die Loop Station interpretiert das soziale Moment des Grillens formal als Schleife, die die Grilleinheit mit der

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Sitzbank verbindet und das Zentrum der Interaktion – den Tisch – umrahmt. Die Sitzbank erinnert an klassische Eckbänke in traditionellen Stuben, dem Inbegriff von Geselligkeit. Es ergibt sich also eine Großform, die zum einen eine klare, dynamische Formensprache spricht, zum anderen aber funktionell vieles bietet. Für die Fabrikation wird diese Großform in Einzelmodule unterteilt, die mit einem Fugenabstand von 1 cm adaptiert werden und das Gesamtbild formen. Durch die Produktion als Fertigteil wird Beton zu einem hochqualitativen Material mit Designanspruch. (…)


RHW.2, Wien 2

Realisierung

Realisierungen

RHW.2, Wien 2 Hayde und Maurer

Wohnhausanlage Wagramerstraße 151 - 155, Wien 22 Schluder / Hagmüller

Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen, Kirchberg/Pielach, NÖ RUNSER / PRANTL

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Realisierung Ausschreibung

RHW.2, Wien 2 Staatspreis Consulting 2013 – Ingenieurconsulting. Ausschreibung

Weitere Informationen www.bmwfj.gv.at

Der Staatspreis wird vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend gemeinsam mit der ACA (Austrian Consultants Association), der gemeinsamen Plattform der Bundessektion Ingenieurkonsulenten der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten und des Fachverbandes Ingenieurbüros der Wirtschaftskammer Österreich veranstaltet. Kategorien Es können Ingenieurprojekte aus allen Fachgebieten, für die es eine Ziviltechnikerbefugnis oder IngenieurbüroGewerbeberechtigung gibt, eingereicht werden. • Kategorie 1: Umwelt und Energie • Kategorie 2: Infrastruktur • Kategorie 3: Urbane und räumliche Planung • Kategorie 4: Forschung und neue Technologien • Kategorie 5: Hervorragende Einzelingenieurleistungen Die Jury wird bestrebt sein, aus jeder Kategorie eine Nominierung zum Staatspreis zu wählen. Aus bis zu fünf Nominierungen wird der Staatspreis gekürt. Teilnehmer Teilnahmeberechtigt sind Ingenieurbüros mit aufrechter Ingenieurbüro-Gewerbeberechtigung sowie Ziviltechniker mit aufrechter Befugnis mit Sitz im Inland. Die Teilnahme steht auch Ingenieur-/Ziviltechnikergruppen/ Netzwerken offen.

Teilnahmebedingungen Die eingereichte Consultingleistung muss als solche abgeschlossen sein und kann sowohl ein im Inland als auch ein im Ausland ausgeführtes bzw. auszuführendes Projekt betreffen. Beurteilungskriterien Die eingereichten Ingenieurconsultingleistungen werden von der Staatspreisjury in ihrer Gesamtheit beurteilt, wobei folgende Kriterien herangezogen werden: Qualität der technischen Leistung; Innovationsgehalt; Wirtschaftlichkeit; Umwelt- und Gesellschaftsrelevanz; Exportfähigkeit; tatsächliche Exportleistung. Jury MR Dr. Walter Fuchs, BMWFJ, Österreich; Herbert Geyer, WirtschaftsBlatt, Wien, Österreich; Ing. Dr. Gerhard Hartmann, Direktor Austrian Standards Institute i.R., Wien, Österreich; Dr. Ing. Hans-Jürgen Henzler, ehem. Bayer AG, Solingen, Deutschland; DI Dr. Peter Holzer, Donau-Universität Krems, Department für Bauen und Umwelt, Krems, Österreich; DI Brigitte Jilka, MBA, Stadtbaudirektion Wien, Österreich; Univ.-Prof. DI Lilli Licka, BOKU, Leiterin des Instituts für Landschaftsarchitektur, Wien, Österreich; o.Univ.-Prof. DI Dr. Peter Marti, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH), Zürich, Schweiz; Dir. DI Dr. Werner Schmied, Oesterreichische Kontrollbank AG, Wien, Österreich; Dr. Florence Werdisheim, UniCredit Bank Austria AG, Wien, Österreich Anmeldeschluss 23. September 2013, 17:00 Uhr

Mitausführende Firma Projekt RHW.2

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Total Solution GmbH: Leit- und Orientierungssysteme, Fenster- und Türbeschläge, Stoßgriffe


RHW.2, Wien 2

Vorwort

Realisierung

RHW.2, Wien 2

Foto: Peter Rigaud

Erstes Passivbürohochhaus der Welt

Mag. Klaus Buchleitner Generaldirektor der Raiffeisen-Holding und Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien

– also Sonne, Wasser, Erde und Luft – optimal verbinden und nutzen. Eine biogasbetriebene Kraft-Wärme-KälteKopplungsanlage produziert den Großteil der im Haus benötigten Energie selbst. Über diese einmalige Kombination von verschiedenen, die Energieeffizienz steigernden Systemen ist der Energieverbrauch im Vergleich zu ähnlichen Bürohochhäusern um die Hälfte reduziert. Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Bemühungen bereits durch die Vorzertifizierung als weltweit erstes Bürohochhaus nach „Passivhausstandard“ durch die „Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ (ÖGNB) entsprechend anerkannt und gewürdigt wurden. Doch nicht nur die Umwelt, auch die Mitarbeiter haben bei Raiffeisen seit jeher hohe Priorität. In dem hellen, freundlichen Gebäude mit modernster Bürotechnik und gleichzeitig angenehmem Raumklima finden die bis zu 900 Menschen, die in diesem „Grünen Gebäude“ arbeiten, ausgezeichnete Arbeitsbedingungen vor. Das Gebäude wurde – trotz teilweiser extremer Bedingungen wie - 20°C im Winter und gemessene + 54°C im Sommer – in einer Rekordzeit von nur drei Jahren geplant und gebaut. Vor allem in der Phase des Hochbaus konnte man das RHW.2 von Woche zu Woche wachsen sehen. Die Einhaltung des ambitionierten Zeitplans war nur durch die perfekte Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten – allen voran das Architektenteam DI Dieter Hayde, DI Ernst Maurer und DI Radovan Tajder sowie der Generalkonsulent Vasko+Partner – möglich. Für uns ist dieses Gebäude nicht nur eine Standorterweiterung, es ist vor allem eine Investition in die Zukunft. Wir gehen mit gutem Beispiel voran und hoffen, dass die Passivhausbauweise, die heute bei Büroimmobilien noch als außergewöhnlich gilt, in nur wenigen Jahren zur Selbstverständlichkeit wird. Zur Schonung der Umwelt und zum Wohle der Menschen, die darin arbeiten.

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Die abwechslungsreiche Skyline am linken Donaukanalufer zwischen Urania und Rossauerlände ist um ein architektonisches Highlight reicher. Ende des Vorjahres konnten wir den Zubau zum Raiffeisenhaus Wien, das sogenannte RHW.2, fertig stellen. Mit 78 m Höhe schließt das Bürohochhaus die Lücke zwischen dem Raiffeisenhaus Wien und dem IBM-Haus. Moderne ansprechende Architektur sowie Funktionalität und effizienter Ressourceneinsatz greifen dabei harmonisch ineinander. Im Jahr 2007 hat die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien beschlossen, das bestehende Raiffeisenhaus Wien zu erweitern, damit die Raiffeisen-Holding gemeinsam mit weiteren Unternehmensgesellschaften aus der Gruppe auch architektonisch unter ein Dach kommt. Schon bei der Planung des Baus wurde besonders darauf geachtet, die Charakteristik der bestehenden umliegenden Bauten zu erhalten, das neue Haus sollte sich also optisch von den bestehenden Gebäuden abheben. Die markant geschwungene Keilform des RHW.2 ist aber nicht nur eine optische Bereicherung für den Donaukanal, sie hat auch pragmatische Gründe: Einerseits wird so die zur Verfügung stehende Grundfläche optimal genützt und andererseits wird ein Schattenwurf auf die umliegenden Gebäude bestmöglich minimiert. Mit dem neuen Headquarter für die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien wollten wir aber nicht nur ein architektonisch ansprechendes Haus schaffen, sondern auch ein kräftiges Zeichen im Sinne des Umweltschutzes setzen. So haben wir uns bewusst für die Errichtung eines „Klimaschutzhochhauses“ entschieden. Denn Verantwortung für Mensch, Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen schonend umzugehen ist Teil unseres unternehmerischen Selbstverständnisses. Es war uns daher sehr wichtig, dass sich die Bauplanung und Bauausführung strikt an den Intentionen der Raiffeisen-Klimaschutz-Initiative orientieren. Das RHW.2 zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass wir alle am Standort verfügbaren Ressourcen


Realisierung

RHW.2, Wien 2

Bauherr und Grundeigentümer Raiffeisen Wien GesbR, 1020 Wien

Architektur Atelier Hayde Architekten und Architektur Maurer, 1150 Wien / 1030 Wien Entwurf: Dieter Hayde, Ernst Maurer, Radovan Tajder Projektleitung: August Hufnagl, Joachim Kess, Klaus Stattmann Mitarbeit Architektur: Peter Herzog, Andreas Klein, Gisela Zenta

Generalkonsulent, Gebäudetechnik Vasko+Partner

Statik, HLSE Planung, Bauphysik Vasko+Partner

Projektverlauf Planungsbeginn 2007 Baubeginn 2010 Fertigstellung Ende 2012

Projektdaten Grundstücksfläche 6.439 m2 Bebaute Fläche 2.783 m2 Gebäudehöhe 77,2 m NGF 24.141 m2 BGF 27.573 m2 BRI 147.000 m3 Klimafassadenfläche 11.000 m2 Tiefgarage mit 259 PKW-Stellplätzen Gesamtkosten netto € 84 Mio. Mehraufwand Passivhaus / Energieeffizienz rd. € 3,6 Mio.

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Amortisation nach 14 Jahren CO2-Einsparung im Vergleich zur Bauordnung 50 % Heizwärmebedarf (Neubau) nach PHPP 14 kWh/(m2a), nach OIB 10 kWh/(m2a)

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Nutzungen: Büros, Veranstaltungszentrum, Mitarbeiterrestaurant, Café, offener Betriebskindergarten, Fitnessbereich, Betriebsarzt etc. Vorzertifizierung zum ersten Passiv-Bürohochhaus der Welt


Foto: Manfred Burger

Realisierung

Architektur Der Zubau ist als Turm, der auf einem dreigeschoßigen Sockelbau ruht, konzipiert. Die Form des Turmes wurde aus der Notwendigkeit abgeleitet, die bestehenden Gebäude in der Umgebung im Hinblick auf natürliche Belichtung und Beschattung nicht zu beeinträchtigen. Gleichzeitig entstand damit ein attraktiver architektonischer Akzent, der das Stadtbild dieses Areals ergänzt und abschließt. Gestaltungsprinzipien Eine attraktive, gleichzeitig aber zurückhaltende Gestaltung prägt den architektonischen Charakter des Zubaues. Schlanke Proportionen des Turmes an der Donaukanalseite betonen die Höhe. Bestimmend war eine „Formgebung mit der Leere“: eine gestalterische Methode, welche das reiche plastische Spiel der mehrgeschoßigen „Stadtfenster“ an der ruhig gehaltenen transparenten Fassadenfläche erlebbar und somit das

Innere zum formalen Element des Äußeren macht. Neueste technische und bauphysikalische Erkenntnisse waren Grundlage für die Gestaltung der Glashaut. Eine dezente Fassadenbeleuchtung unterstreicht die architektonischen Qualitäten des Gebäudes. Nutzung Der Turm beinhaltet, ausgenommen die letzten zwei Ebenen, ausschließlich Büroräumlichkeiten. In den obersten Etagen befindet sich ein zweigeschoßiger multifunktionaler Bereich mit herrlichem Ausblick über ganz Wien. Im Sockelbereich sind, neben der dreigeschoßigen repräsentativen Eingangshalle, Sondernutzungen teils öffentlichen Charakters situiert. Ein Kaffeehaus, sowie Arzt- und Fitnessräume befinden sich im Erdgeschoß. Im ersten Stock ist ein Restaurant mit FreeFlow-Küche, im zweiten Stock ein Kindergarten mit separatem Zugang untergebracht. Als städtebauliche Bereicherung entstand ein Vorplatz, der mittels eines öffentlich nutzbaren Panoramaaufzuges auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit dem Kai des Donaukanals verbunden ist. Gebäudetechnik Das Gebäude ist das weltweit erste Passiv-Bürohochhaus. Die ökologische Grundidee für den Zubau war, einerseits den Energiebedarf zu minimieren und andererseits die Standortressourcen optimal zu nutzen.

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Ausgangslage Auf dem ehemaligen OPEC-Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft des Raiffeisenhauses Wien war ein Zubau geplant, der gemeinsam mit dem bestehenden Gebäude den zentralen Standort von Raiffeisen NÖ-Wien bilden sollte – und dies bei optimaler Lage: im breiteren Stadtzentrum am Donaukanal situiert, mit weiten Ausblicken und öffentlich bestens erschlossen.


Realisierung

RHW.2, Wien 2

Atelier Hayde Architekten und Architektur Maurer Wien Foto: Manfred Burger

Kennzeichen des Gebäudetechnikkonzeptes sind ein Mix aus Photovoltaik, Kühlung über das Donaukanalwasser, Erdwärmenutzung (Geothermie), Bauteilaktivierung, Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung mittels Biogas sowie eine Klimafassade. Letztere war schlussendlich entscheidend für das Erreichen des Passivhausstandards. Das Herzstück der technischen Gebäudeausrüstung ist die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK) auf Biogasbasis. Die wesentlichen Merkmale des RHW.2 sind: • Bedarf minimieren: optimale Hülle / natürliche Lüftung – so viel wie möglich / effiziente Komponenten und Beleuchtung • Abdeckung des Bedarfs an elektrischer Energie über eine KWKK-Anlage • Niedertemperatur-Heizung / HochtemperaturKühlung • Monitoring Systeme für alle Erzeuger und Abnehmer – „Transparenter“ Energieverbrauch • Einsatz der Systeme jeweils nur im optimalen Wirkungsbereich • Verbrauch strikt bedarfsabhängig regeln • Antriebe (Pumpen, Ventilatoren, ...) mit höchster Effizienzklasse • Nutzung Standortressourcen • optimierter Stand-By-Verlust • allg. Auswahl Komponenten mit hoher Effizienz • optimierte Beleuchtung • niedrige Energieverluste (Wärmedämmung, ...) Mit diesen Maßnahmen wird eine Reduktion des Energieverbrauchs von über 50 Prozent gegenüber vergleichbaren Bürobauten mit konventioneller Haustechnik erreicht. Eine Betriebsoptimierungsphase bezüglich Gebäudetechnik erfolgt im laufenden Betrieb. Auf einem Display, am Vorplatz neben dem Gehsteig aufgestellt, können die jeweils aktuellen energiebezogenen Daten des Gebäudes abgelesen werden.

wettbewerbe 309

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Erdgeschoß

20. Geschoß / Konferenzraum


wettbewerbe 309

Fotos: Manfred Burger

RHW.2, Wien 2 Realisierung

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RHW.2, Wien 2

Realisierung

Foto: Roland Rudolph

Schnitt

Vertikalschnitt Zuluft

Fensterachsen

wettbewerbe 309

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Energiekonzept

Vertikalschnitt Abluft

Kraft-W채rme-K채lte-Kopplungsanlage


Mitarbeiterrestaurant

wettbewerbe 309

Foto: Roland Rudolph

Foto: Manfred Burger

Foto: Manfred Burger

RHW.2, Wien 2 Realisierung

Veranstaltungsraum

B端ro

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Realisierung

Wohnhausanlage Wagramerstraße 151 - 155,

Bauherr Familie, 1070 Wien

Architektur • Bauteil A: Schluder Architektur, 1010 Wien Projektleitung: Natascha Stoklaska • Bauteil B: Hagmüller Architekten, 1010 Wien Projektleitung: Harald Eder

Konsulenten Statik: RWT Plus, Projektleitung: Anton Oster Haustechnik: Team GMI Grün- und Freiraumplanung: Carla Lo

Fotos Bruno Klomfar

Projektverlauf Bauträgerwettbewerb November 2009, 1. Preis, sh. wettbewerbe 291/292, November/Dezember 2010 Planungszeit November 2009 bis Ende 2011 Baubeginn Jänner 2012 (Bauteil A), November 2011 (Bauteil B) Fertigstellung Februar 2013

Projektdaten Bebaute Fläche gesamt 3.045,43 m2 BGF 14.387,15 m2

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Wohnnutzfläche 8.440,00 m2 101 geförderte Mietwohnungen mit Superförderung, davon 71 in Bauteil A und 30 in Bauteil B Bauteil A: EG und Stiegenhauskerne aus Beton, 6 Geschoße in Holz

wettbewerbe 309

Bauteil B: EG und Stiegenhaus sowie Laubengang aus Beton, 3 x 2 Geschoße in Holz


Realisierung

Wien 22

Südostansicht

Balkons oder einer Terrasse. Im Erdgeschoß befinden sich die Gemeinschaftseinrichtungen sowie eine Gästewohnung. Konstruktion Die sechs Obergeschoße des Bauteils A wurden in einer Massivholzkonstruktion aus Brettsperrholz errichtet. Die Vorfertigung der Wand- und Deckenelemente inklusive aller Durchbrüche beschleunigte nicht nur die Fertigstellung des Rohbaus, sondern garantierte zudem eine sauberere Baustelle als bei gängigen Baumethoden und damit gesündere Arbeitsbedingungen. Die Holzkonstruktion ist mineralisch verkleidet, also an der Fassade verputzt und innen mit Gipskarton beplankt, wodurch eine Entzündung der Holzbauteile ausgeschlossen ist. Das Erdgeschoß besteht – wie es die Wiener Bauordnung für Holzbauten ab vier Geschoßen vorschreibt – aus Stahlbeton, ebenso zwecks Gesamtaussteifung und zur Abtragung der Gebäudelasten die drei Stiegenhauskerne.

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wettbewerbe 309

Zahlreiche Realisierungen im kleinvolumigen Holzbau und eine intensive Beschäftigung mit dem Thema „Urbaner Holzbau“ im Rahmen des Forschungsprojektes achtplus gingen der Verwirklichung des ersten siebengeschoßigen Wohnbaus in Holzbauweise in Österreich voran. Nun hat das Büro Schluder Architektur, gemeinsam mit Hagmüller Architekten, den gebauten Nachweis erbracht: Holz ist nicht nur aufgrund seiner ökologisch-nachhaltigen Qualitäten und seiner positiven Auswirkungen auf Wohnkomfort und Raumklima ein hervorragender Baustoff, sondern hat auch hinsichtlich Bauökonomie und konstruktiver Eigenschaften im großvolumigen, urbanen Bauen seine Berechtigung. Die Anlage besteht aus einem siebengeschoßgen Baukörper an der Wagramer Straße. An diesen schließen drei niedrigere, dreigeschoßige Riegel an, die einen Übergang zu der lockereren Bebauungsstruktur in der Umgebung herstellen. Jede Wohneinheit verfügt über einen privaten Freiraum in Form einer Loggia, eines


Realisierung

Wohnhausanlage Wagramerstraße 151 - 155, Wien 22

Schluder Architektur / Hagmüller Architekten Wien

Ansicht von der Wagramerstraße

wettbewerbe 309

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Lageplan


Wohnhausanlage WagramerstraĂ&#x;e 151 - 155, Wien 22

Realisierung

wettbewerbe 309

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Westfassade


Realisierung

Stiegenhaus

Schnitt

wettbewerbe 309

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Wohnhausanlage WagramerstraĂ&#x;e 151 - 155, Wien 22


Wohnhausanlage Wagramerstraße 151 - 155, Wien 22

Realisierung

Westansicht

Mitausführende Firmen

Wohnhausanlage Wagramerstraße 151 - 155 Wien 22

Ausführung des Trockenausbaues inkl. Sonderlösungen im Schall- und Brandschutz

GeneralUnternehmerwesen & Bautechnologie

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wettbewerbe 309

Entwicklung der ausgeführten Sonderlösungen im Schall- und Brandschutz, Lieferung von 2.400 m³ Brettsperrholz BBS

Leistungen der rwt+ beim Projekt wha Wagramerstraße: Tragwerkplanung, Holzbaudetailstatik, Holzbauwerksplanung sowie Logistikplanung und Bauphysik.


Realisierung

Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen,

Bauherr Caritas der Diözese St. Pölten, 3100 St. Pölten

Architektur RUNSER / PRANTL architekten – Architekt Alexander Runser, Architekt Christa Prantl, 1190 Wien Mitarbeit: Christiane Flügel, Zeta Papavasiliou

Konsulenten Ausschreibung, ÖBA: Arch. Hans Bojer Konstruktion: Jahangir Nasserzare Haustechnik: Peter Schütz Bauphysik: Wolfgang Habian Lichtplanung: Jakob Uhl

Fotos Rupert Steiner

Projektverlauf geladener Wettbewerb 2011, 1. Preis Planungszeit 2011 bis 2012 Baubeginn April 2012 Fertigstellung Mai 2013

Projektdaten Grundstücksgröße 1.512 m2 Nutzfläche ca. 1.000 m2

wettbewerbe 309

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6 Klientenzimmer, 6 Klientenwohnungen, 3 Garconnieren Personal- und Verwaltungsbereiche


Realisierung

Kirchberg/Pielach, NÖ

Schnitt

Lage im Ort Das Grundstück des Wohnhauses für Menschen mit Behinderungen liegt am nördlichen Ortsrand von Kirchberg / Pielach in fußläufiger Nähe zum Ortszentrum. Es fällt leicht nach Süden ab und ist als Bauland Kerngebiet, offene Bauweise mit Bauklasse I oder II gewidmet. Im Südwesten grenzt es an einen dicht bewachsenen Entwässerungsgraben, in dessen Bereich ein Bauverbot Rote Zone eingetragen ist. Die nordwestliche Grundgrenze stellt die Grenze zwischen Bauland und Grünland dar. Die Erschließung des Grundstückes erfolgt über einen Güterweg. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein Wohnhaus mit Mutter-Kind-Zentrum des NÖ Hilfswerks. Eingangsbereich Der Haupteingang des Gebäudes mit teilweise überdachten Stellplätzen für Kleinbus und Pkws ist an der nordöstlichen Grundstücksecke situiert. Über einen Windfang betritt man die zentrale Aula, die über ein Oberlicht belichtet wird. Direkt anschließend sind die Haupttreppe mit Lift ins Obergeschoß, das Büro, das Betreuerzimmer mit Sanitäreinheit für Personal und ein rollstuhlgerechtes WC für Besucher situiert.

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Erdgeschoß Im Erdgeschoß sind sechs als eigene Wohneinheiten konzipierte Klientenzimmer mit jeweils eigener natürlich belichteter Sanitärzelle und eine Garconniere für Kurzzeitunterbringung mit Vorraum, Wohn-/Schlafraum inklusive Kochnische und Sanitärzelle angeordnet. Weiters befinden sich hier eine gemeinsame Wohnküche mit Abstellraum, die gemeinsame Waschküche, Pflegebad und Putzraum. Eines der Klientenzimmer liegt direkt neben dem Pflegebad und bietet sich für einen hoch pflegebedürftigen Klienten an. Dem gemeinsamen Wohnbereich vorgelagert sind teilweise überdachte Terrassen und Freiflächen, die nach Süden und Westen ausgerichtet sind und die Wahl zwischen Sonne und Schatten bieten.


Realisierung

Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen, Kirchberg/Pielach, NÖ

RUNSER / PRANTL architekten Wien

Erdgeschoß

Stiegenabgang Garten

wettbewerbe 309

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Obergeschoß

Nord-West-Ansicht

Obergeschoß Das Obergeschoß ist von der Aula aus zentral über Stiege und Lift erreichbar. Hier befinden sich sechs Klientenwohnungen jeweils mit Vorraum, Wohnküche, Schlafraum und Sanitärzelle, weiters zwei Kleingarconnieren für Kurzzeitunterbringung, ein Gemeinschaftsraum, Lager/Putzraum und Waschküche. Dem gemeinsamen Bereich ist eine Terrasse am Dach des Erdgeschoßes vorgelagert. Die beiden Wintergärten sind mit einem Steg verbunden, von dem eine Treppe in den Garten führt. Somit stehen auch im Obergeschoß Allgemeinflächen sowohl nach Osten als auch nach Westen orientiert zur Verfügung und bieten die Wahl der Aussicht und Besonnung. Die Klientenzimmer und Klientenwohnungen sind so übereinandergelegt angeordnet, dass eine nachträgliche Veränderbarkeit gewährleistet ist.

Konstruktion Ziegel, Beton, Stahl, Holz, Glas, Steinwolleplatten sind die Materialien der Primärkonstruktion. Alle diese Materialien sind recyclebar. Die Konstruktion ist als Ziegel- und Stahlbetonkonstruktion für höchste Flexibilität entworfen. Die Energiekosten sind durch die kompakte Bauweise minimiert. Auch um Förderungen zu erhalten wurden eine Solaranlage, Photovoltaikanlage und zentrale Raumbelüftung mit Wärmepumpe vorgesehen.


Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen, Kirchberg/Pielach, NÖ

Realisierung

Süd-West-Ansicht

Terrasse

Obergeschoß Balkon

Lageplan

Obergeschoß Wohnküche

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Realisierung

Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen, Kirchberg/Pielach, NÖ

Mitausführende Firmen Wohnhaus für Menschen mit Behinderung, Kirchberg/Pielach, NÖ

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Internationale Bauausstellung IBA Hamburg

Weitere Informationen www.iba-hamburg.de

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Nach rund sechs Jahren Projektarbeit und -vorbereitung wurde Ende März die Internationale Bauausstellung IBA in Hamburg eröffnet. Sie läuft bis 3. November und ist ein Stadtentwicklungsprojekt, das spannende Architektur, nachhaltige Stadtplanung, Aufwertung eines sozial benachteiligten Gebietes, innovativen Wohnungsbau, Klimaschutz und die konsequente Nutzung erneuerbarer Energien verbindet. Die IBA ist das wichtigste städtebauliche Projekt der „European Green Capital“ Hamburg und stellt sich zur Aufgabe, die Zukunft der Stadt neu zu gestalten. Sie liefert mit ihren Projekten innovative und nachhaltige Beiträge zu aktuellen Fragen der Metropolenentwicklung. Mit

rund 60 baulichen, sozialen und kulturellen Projekten und Programmen zeigt die IBA, wie eine Metropole im 21. Jahrhundert ökologisch und sozial ausbalanciert wachsen kann. Das 35 km² große IBA-Projektgebiet, in dem 55.000 Menschen aus über 100 Nationen leben, liegt auf Europas größter Flussinsel mitten in der Elbe. Die Inseln mit den Stadtteilen Wilhelmsburg und Veddel sollen mit der IBA zu einem Vorbild für zukunftsorientierte Innenentwicklung entwickelt werden und bieten anschauliche „Best Practice-Beispiele“ für nachhaltige Stadtentwicklung, die Entwicklung lebenswerter Metropolen sowie innovative Trends für Stadtplanung, nachhaltiges Bauen und die Nutzung erneuerbarer Energien.


Innovationen

Innovationen

Der Schlüssel zum guten Klima Renaissance des Details Gesunde Atmosphäre Frost Design: Die Marke, die mehr bietet als erwartet Attract-See – Assessing Territorial Attractiveness in South-East Europe Komplett-Angebot für die Inneneinrichtung Flexibler Falter an der Fassade Österreichischer Stahlbaupreis 2013 für Rautendach Hauptbahnhof Wien

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Innovationen

Der Schlüssel zum guten Klima

Gisela Gary

Heizen und Kühlen mit Beton etabliert sich vom Expertenwissen hin zum Standard für lebenszykluskostenorientierte Gebäude. Diese Technologie bringt Architektur, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut.

Foto: Walter Ebenhofer

Technisch gesehen ist eine Bauteilaktivierung vergleichbar mit einer Fußbodenheizung. Die Rohrleitungen für das im Beton verlaufende Wasser werden jedoch in der Betondecke – oder auch in den Wänden – geführt und nicht im Fußboden. So einfach kann das System, das im Fachjargon als Heizen und Kühlen mit Beton bezeichnet wird, beschrieben werden. Es ist auch einfach, noch gibt es aber Vorbehalte – wie Felix Friembichler, Vereinigung österreichische Zementindustrie, VÖZ, erläutert: „Solange die Bauteilaktivierung nicht in den Normen verankert ist, wird es die Zurückhaltung geben.“ Als Norm wird aufgenommen, was Stand der Technik ist – und erprobt ist. Tatsächlich können alle Bauten mit BetonBauteilaktivierung geheizt und gekühlt werden – dennoch zögert vor allem noch der Wohnbau. „Es herrscht immer noch die Meinung, dass die Bauteilaktivierung auf der Konvektion von Luft basiert, das stimmt aber nicht! Wir temperieren von oben, die Fußbodenaufbauten können wie gewohnt errichtet werden. Heizen und Kühlen mit Beton basiert einzig auf Strahlungswärme – es gibt keine Zugluft und keine Lüftungsgeräusche“, erklärt Friembichler. Weiterer Vorteil der Nutzung der Speichermassen ist die gleichmäßige Temperaturschichtung im Raum – ohne Zuglufterscheinungen und Luftverwirbelungen. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass das Heizen und Kühlen mit Beton bereits vom ersten Entwurfsgedanken mit eingeplant wird. Friembichler ist davon überzeugt, dass die Vorbehalte mit zu wenig Wissen der Planer über die Technologie der Bauteilaktivierung zu tun hat und dass das Vertrauen steigen werde, sobald es mehrere Praxisbeispiele gibt.

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Wohn- und Bürohausanlage Thürnlhof, Wien: Geplant von den Architekten Atelier 4, Bauherr war die Familienhilfe.

Wohnbauten ohne Kühlung Österreich will die Bauteilaktivierung jedoch auch im Wohnbau verankern und ist bereits drauf und dran, ein internationales Vorzeigebeispiel für einen mehrgeschoßigen Wohnbau zu liefern. Die VÖZ tüftelt in Zusammenarbeit mit Harald Kuster, FIN Future Is Now, zurzeit an einem Mehrfamilienwohnhaus in Salzburg. Der Strombedarf wird sich auf die Kosten eines kleinen Heizstrahlers belaufen. Der Bauträger bietet die Mietwohnungen ohne Energiekosten an. Das Interesse ist dementsprechend groß. Beide Gebäude werden bauteilaktiviert, mit jeweils einer Wärmepumpe und Photovoltaik. Peter Holzer, Ingenieurbüro P. Jung – Konzepte für innovative Gebäude, sieht einen Grund für die Zurückhaltung im Wohnbau auch darin begründet, dass Wohnbauten in Österreich laut Bauordnung nach wie vor ohne technische Kühlung sommertauglich geplant und errichtet werden müssen. Und das sei auch gut so. „Der Bedarf für Kühlung ist im Wohnbau tatsächlich ungleich niedriger als im Bürobau. Bauteilaktivierung ist nur bei ihrer Doppelnutzung auch in der Heizsaison vertretbar. Im Wohnbau gibt es fast immer bessere Möglichkeiten, Sommertauglichkeit herzustellen, als zu kühlen.“ Holzer betont die Vorteile der Bauteilaktivierung: „Die Vorteile reichen von der Geräuschfreiheit bis zur Zugfreiheit, der hohen gefühlten Behaglichkeit auch bei numerisch erhöhter Lufttemperatur, der daraus resultierenden Effizienz in Energie, Kosten und Technikaufwand und letztlich auch in der Chance, aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturniveaus UmweltenergieQuellen zur Kühlung einzusetzen.“


Foto: WED

Innovationen Thema

umweltschonende Form des Heizens und Kühlens zu erhalten und somit die Energieeffizienz und thermische Wohnbehaglichkeit von Bauten mit Bauteilaktivierung ausführlich zu dokumentieren. Peter Kreuzberger, Baumeister aus Salzburg und Sprecher der Arge Salzburger Netzwerk für nachhaltige Bauteilaktivierung, die neben dem Land Salzburg und der EU im Rahmen des Wirtschaftsförderungsprogramms „Regionale Wettbewerbsfähigkeit“ den Simulationsraum finanzieren, betont das Prinzip und die Vorteile von Speichermasse: „Die Funktion ist mit einem Kachelofen – der nach und nach Wärme abgibt – vergleichbar. Ähnlich verhält es sich bei einem Gastgarten, der betoniert oder mit Steinen verlegt ist, wenn unter Tags die Sonne darauf scheint, gibt er abends Wärme ab.“ Die Arge Salzburger Netzwerk für nachhaltige Bauteilaktivierung wurde 2011 gegründet, Mitglieder sind die Baufirmen Kreuzberger, Hillebrand, Spiluttini und Heissenberger, die SSK Salzburger Sandund Kieswerke, Moldan Baustoffe, Moosleitner Beton Salzburg, Leube und die VÖZ.

Als Herausforderung beschreibt Holzer die Abstimmung der Regelungstechnik, also die Anordnung ausreichend vieler getrennt geregelter Zonen, zumindest eine je Fassadenflucht und je Geschoß und die Definition geeigneter Regelalgorithmen insbesondere für die shoulder-months, also die Übergangszeit zwischen Heiz- und Kühlsaison. Eine weitere Tatsache ist die stark eingeschränkte Reparatureignung des Systems bei Schadensfällen, wenn sie erst nach dem Betonieren bzw. nach der Inbetriebnahme auftreten: „Auf Bohrschäden an Rohren kann oft nur mit Stilllegen des betroffenen Kühlkreises geantwortet werden. Und auf lange Frist gedacht haben wir es mit einem TGA-System zu tun, das strukturell so eng mit dem Gebäude verbunden ist, dass es auf die Frage der Erneuerbarkeit der Technik bei Erhalt der baulichen Strukturen eigentlich keine Antwort gibt, außer dem stillen Eingeständnis, dass unseren heutigen Bürobauten ohnehin niemand eine Lebensdauer über jener von PEX-Rohren gibt“, so Holzer. Als für Bauteilaktivierung nicht geeignet erachtet Holzer all jene Projekte, wo sich eine technische Kühlung durch Maßnahmen der kleinklimatischen Außenraumgestaltung, durch strukturelle Baukörpergestaltung, durch Fassadengestaltung und schließlich Möglichkeiten der Nachtlüftung vermeiden lässt.

Simulationsraum für Bauteilaktivierung Seit einem Jahr läuft in der BauAkademie Salzburg ein EU-Forschungsprojekt zur Bauteilaktivierung. Ziel des für das Projekt errichteten Simulationsraums ist gesicherte Daten über die ökologische, nachhaltige und

Hitliste ohne Wohnbauten Herausragende Beispiele in Österreich stellen die Leistung und Effizienz der Technologie unter Beweis. Aktuelle Projekte sind der DC Tower1, das RHW.2, die Erweiterung und der Neubau des Unternehmens Lahofer oder die Kletterhalle Saalfelden. Bauteilaktivierte mehrgeschoßige Wohnbauten fehlen in der Hitliste noch. Harald Kuster ist – im Gegensatz zu Holzer – der Ansicht, dass Heizen und Kühlen mit Beton gerade für den Wohnbau geeignet sei – „weil wir durch die Bauteilaktivierung ein gleichmäßiges Klima schaffen und eine Wohlfühlatmosphäre ohne Zugluft erreichen.“ Entscheidend sei das Zusammenspiel mit der Architektur: „Die

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DC 1, Donaucity Wien: Österreichs größter Tower vertraut auf Bauteilaktivierung als Energielieferant.

Konkurrenzlos günstig Die Kosten für eine Bauteilaktivierung sind nur geringfügig höher als etwas der Einbau einer Fußbodenheizung: „Der Massivbau ist eine effiziente, behagliche, langlebige und wertbeständige Lösung für die Zukunft. Das simple System der Bauteilaktivierung bietet im Neubau eine sichere und leistbare Lösung – ist aber auch bei Sanierungen umsetzbar“, betont Kreuzberger. Holzer beschreibt die Bauteilaktivierung als kostengünstig mit einem Beispiel: „Beim Neubau der Donau-Universität Krems wurde die Bauteilaktivierung im Jahr 2006 um 65,– EUR/m² inkl. sämtlicher Anbindeleitungen und Fittings, Regel- und Steuerkomponenten und regeltechnischer Software errichtet. Das ist konkurrenzlos günstig gegenüber einer luftgeführten Klimaanlage, die sich ja auch in den Betriebskosten fortsetzt. Die Rechnung geht natürlich nur auf, wenn man gegenüber allem Sicherheitsdenken und gegenüber dem ewigen Versuch, alle Eventualitäten und seltenen Sonderereignisse abdecken zu können, den Mut hat, parallel zur Bauteilaktivierung das klassische Klimasystem auch wirklich zu reduzieren.“


Visualisierung: Architekten Resmann & Schindlmeier

Innovationen

Veranstaltungshalle Hallwang, geplant von den Architekten Resmann & Schindlmeier, Harald Kuster lieferte die Energielösung mit Bauteilaktivierung.

Speichermassen werden ausgenutzt, egal mit welchem System, ob Wärmepumpe, Solaranlage oder Brennwertanlage.“

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Know-how gefragt Peter Holzer sieht bei Planungsbüros und Baufirmen, die regelmäßig im Büro- und Gewerbebau arbeiten, das Thema Bauteilaktivierung als bereits ganz gut verankert. Verbesserungspotenzial ortet er in der Anlagendimensionierung, wenn neben der reinen Kühllastabfuhr auch Effekte der zeitlichen und örtlichen Verteilung der Kühllasten einen wesentlichen Bestandteil des Konzepts ausmachen, insbesondere wenn das im Austausch mit dem Erdreich oder Grundwasser passiert: „Da braucht es gutes Ingenieur-Know-how und auch die richtigen numerischen Planungswerkzeuge. Auch die Entwicklung vereinfachter Planungsrichtlinien könnte helfen. Und ein ewiges Verbesserungspotenzial gibt es natürlich in der Qualitätskontrolle der Ausführung: Beschädigungsfreies Verlegen der Rohre, Einhalten der Biegeradien auch an neuralgischen Punkten, Vermeiden oder extrem gewissenhaftes Prüfen von Rohrverbindungen, gewissenhafte Dichtheitsprobe, und immer wieder die stete Information aller nachfolgenden Gewerke und Einschränkung derer bohrender, stemmender, sägender Aktivitäten in aktivierten Bauteilen.“ Wieland Moser, TB Käferhaus, betont, dass für Bauteilaktivierungsprojekte Ingenieur-Know-how nötig ist, aber auch das Bauherrenbewusstsein für ökologische und nachhaltige Lösungen. Er setzte bereits vor knapp zehn Jahren bei der Wohn- und Bürohausanlage Thürnlhof im 11. Bezirk in Wien, eine Bauteilaktivierung um – die Nutzer sind zufrieden, die Energiekosten gering. Die Wärmeverteilung erfolgt durch dezentrale Wohnungsstationen. Mittels einer reinen Deckenstrahlungsheizung wird ein stabil temperiertes Raumklima mit dem Effekt einer ausgeglichenen Strahlungswärme über die gesamte Raumfläche geschaffen. Die unterste Betonplatte wird als Energielieferant verwendet. Die Heizleitungen sind dicht unter der Oberfläche der Betondecken verlegt, sodass eine reaktionsschnelle Bauteiltemperierung erreicht wird. Das Schwimmbadwasser wird über Solarmatten auf dem Flachdach erwärmt.

Verschmelzung von Massivbau und Leichtbau Warum noch nicht mehr Wohnbauten mit Bauteilaktivierung realisiert werden, erklärt Moser so: „Einerseits müsste dazu der Gesetzgeber entsprechende Vorgaben liefern. Andererseits sehe ich immer noch zwei Denkrichtungen in Österreich, die sich eher bekriegen als ergänzen: Der Leichtbau und der Massivbau.“ Doch Moser hält ein Zusammenschmelzen der beiden Philosophien als eine durchaus attraktive und realistische Vision: „Mit Hilfe der Solartechnologie kann ich mühelos auch im Leichtbau eine Bauteilaktivierung implementieren – ich brauche dazu nur eine Betonplatte. Mit den neuen, technischen Materialien kann ich zusätzlich Speichermasse gewinnen, damit steht den Wänden aus Leichtbau nichts mehr im Wege.“ Im sozialen Wohnbau nennt Moser den Preisdruck als Grund für die Zurückhaltung in puncto Bauteilaktivierung und Solarenergienutzung: „Denn diese Projekte erzwingen eine viel genauere Planung und einfach mehr Investition in den Entwurf des Projekts. 08/15-Planungen reichen dafür nicht aus.“ Aus bauphysikalischer Sicht gibt es laut Moser nur Vorteile, „denn Beton ist ein einfacher Baustoff“. Solarer Energieeintrag als alternative Energiequelle Ein aktuelles Projekt von Kuster ist gerade in Fertigstellung, die Veranstaltungshalle Hallwang, geplant von den Architekten Resmann & Schindlmeier. Helmut Mödlhammer, Bürgermeister von Hallwang und zugleich Gemeindebundpräsident, setzt mit der Realisierung des Vorzeigeprojekts neue Maßstäbe. Das Gebäude umfasst 1.600 Quadratmeter nur durch die Sonne beheizte Fläche und ist bauteilaktiviert. Die überschüssige Energie wird an das benachbarte Gasthaus verkauft. Kuster lieferte auch die Energielösung für die Kletterhalle in Saalfelden, die Architektur stammt von sitka. kaserer.architekten. Die knapp 400 Quadratmeter große Kletterhalle mit einer Höhe von 18,6 Meter kam bereits im ersten Winter mit Hilfe von Solarerträgen ohne Heizkosten aus. Der solare Energieeintrag von rund 60.000 kWh ist das Geheimnis dahinter – diese alternative Energiequelle spart im Vergleich zu Gas jährlich an die 17 Tonnen CO2 ein. „Die Grundlage bietet die aktivierte Bodenplatte mit 52 Zentimeter Gesamtstärke. Mehr als


Foto: Zement+Beton/wild+team

Innovationen Thema

150 Kubikmeter Beton dienen als Langzeitspeicher für die am Dach der Kletterhalle installierte Solaranlage mit 130 Quadratmeter“, erklärt Harald Kuster.

Bei der Kletterhalle Saalfelden werden 17 Tonnen CO2 jährlich gespart – durch die Kombination von Bauteilaktivierung und Solarenergie.

werden kann“, erklärt Günther Sammer vom Generalkonsulenten Vasko+Partner. Der Nachteil der Bauteilaktivierung liege in der physikalisch begrenzten Leistung, so Sammer, die mit diesem System in die Räume eingebracht werden kann. Dieser Nachteil könne jedoch, wie beim RHW.2 umgesetzt, durch eine intelligente Fassadengestaltung und den Einsatz von energiesparender Beleuchtung und energiesparender IT-Ausstattung kompensiert werden. Peter Holzer plädiert grundsätzlich für einfache Lösungen: „Wir Techniker müssen endlich damit aufhören, Dinge zu lösen, die kein Problem sind. Überall dort, wo Kühlung als ergänzendes Element kluger architektonischer und bauklimatischer Gestaltung gebraucht wird, ist es aber praktisch immer wert, die Möglichkeiten von Bauteilaktivierung zu prüfen.“

Kühlen mit Beton Nach den Plänen von Architekt Dominique Perrault + Hoffmann-Janz, im Auftrag der WED, Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum AG, wird zurzeit der DC Tower errichtet. Der 220 Meter hohe DC Tower 1 wird das höchste Gebäude Österreichs sein. Der DC Tower 1, ein Stahlbetonbau, wird als einer der ersten österreichischen Bürotürme nach den Energie- und Nachhaltigkeitserfordernissen für ein „Green Building“ laut EU-Kommission errichtet, eine Bauteilaktivierung wurde implementiert. Die Planung und Bauüberwachung der Haustechnik liegt in der Verantwortung der ZFG. Das Bauunternehmen Max Bögl ist das ausführende Bauunternehmen. Verwendet wird hochfester Beton, Holcim liefert den Zement, Mapei-Betontechnik das Fließmittel, den Verzögerer und den Luftporenbildner. Bei dem weltweit ersten Passivbüro-Hochhaus, dem RHW.2, dem Raiffeisenhaus-Zubau am Wiener Donaukanal, wurde ebenso eine Bauteilaktivierung implementiert (siehe Rubrik Realisierungen). Ein Konzept, das gewählt wurde, um die Energiekosten zu minimieren bzw. die höchste Energieeffizienz zu erreichen. Kaltes Wasser fließt zur Kühlung durch. Auf diese Weise wird der Beton abgekühlt, womit eine gewaltige Übertragungsfläche entsteht, diese Kälte wird an den Raum abgegeben und sorgt somit für ein angenehmes Raumklima. „Die wesentlichen Vorteile, verglichen mit konventionellen Kühlsystemen, liegen in der Behaglichkeit, da die Kälte einerseits unter anderem über Strahlung abgegeben wird, was durch den Menschen als angenehm empfunden wird und anderseits die Kälte dem Raum ohne jegliche Schallentwicklung zugeführt wird, was ebenfalls das Wohlbefinden der Nutzer erhöht. Energetisch ist die Bauteilaktivierung ebenso vorteilhaft, weil die Kälte auf einem relativ hohen Temperaturniveau zur Verfügung gestellt wird und somit sehr energieeffizient erzeugt

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Foto: Franz Ertl/V+P

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Erstmals in Österreich wurde bei der Ausschreibung und der Planung des Sichtbetons für das LLC nach der neuen ÖVBB-Richtlinie „Sichtbeton-Geschalte Betonflächen“ gearbeitet. Anne Wagner, Vasko+Partner, verweist nicht ohne Stolz darauf, dass es aufgrund der strukturierten und klaren Ausschreibung keinen einzigen Nachtrag in puncto Sichtbeton gab. Letztlich aber auch der Verdienst der seit 2009 vorhandenen Richtlinie, betont Wagner: Perfekte Sichtbetonqualität war die Vorgabe der Architektin Zaha Hadid beim LLC auf dem Campus WU – der Baustoff Beton „Wenn nach dieser ausgeschrieben und wird allerdings ebenso zur Bauteilaktivierung genützt. geplant wird, kann eigentlich nichts schief gehen. “ Doch der Weg zum perfekten Sichtbeton war Herausforderung Sichtbeton aufwändig. Wagner berichtet von zahlreichen BetonierAuch am Campus WU spielt Beton eine entscheidende versuchen, bis das gewünschte Ergebnis erreicht war. Rolle. Einerseits verantwortet die Bauteilaktivierung das Zwei Mal wurden beim LLC Wände wieder abgerissen Heizen und Kühlen mittels Grundwasser vor Ort, aus einem der größten Brunnen Österreichs. Das Grundwas- – weil die Sichtbetonqualität unzureichend war. Ein Betontechnologe unterstützte das Planungsteam bereits ser hat 12 Grad und wird mit Pumpen direkt, allerdings in der Ausschreibungsphase und war in der Folge in das ohne Wärmepumpe, von der Garage auf die einzelnen Baufelder verteilt. An die 75 Prozent des jährlichen Ener- ganze Baugeschehen eingebunden. „Ab dann klappte das Betonieren bestens“, so Wagner, ein eigens beaufgiebedarfs wird mit dem System sichergestellt. tragter Betonrestaurator reinigte und restaurierte rund Beton als gestalterisches Element dominiert beim Camum die Uhr fehlerhafte, kleine Stellen. pus WU. Beim Library & Learning Center (LLC) beharrte Bleibt zuletzt nur noch die Frage, auf welche Innovation Architektin Zaha Hadid auf eine dermaßen perfekte die Bauwirtschaft nun noch wartet? Peter Holzer bringt Sichtbetonqualität, dass Planer als auch Ausführende es auf den Punkt: „Auf weitsichtige Bauherren, Planer zu Beginn Sorge hatten, diese liefern zu können. Doch und Behördenvertreter, die die Chance der Bauteildem Bauunternehmen Granit ist in Zusammenarbeit aktivierung erkennen und dazu nutzen, sich von der mit dem Schalungsunternehmen Mewa ein äußerst Fehlentwicklung der vollständig artifiziellen Herstellung zufriedenstellendes Ergebnis gelungen. Der gewagte von Innenklima zu verabschieden. Bauteilaktivierung Entwurf Hadids – mit unzählig vielen Schrägen und kann ein Schlüssel sein zu thermisch robusten GebäuWinkeln – forderte die Planung, Ausschreibung und den, in denen der Innenraumkomfort gerade aus einer letztlich das ausführende Bauunternehmen heraus. Hadid war sich bei ihrem Entwurf über den Aufwand im verstärkten Verschränkung mit dem Außenraum und -klima gewonnen wird. Nachhaltig und sehr zur Freude Klaren und lieferte bereits gute Planungsgrundlagen, und Gesundheit der Nutzer.“ ■ inklusive Schalungszeichnungen.

Österreichs Zementindustrie forscht

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Die Baufakultät der TU Wien und die Österreichische Zementindustrie wollen mit der zu Jahresbeginn 2013 gegründeten Smart Minerals GmbH als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zukünftige Innovationen im Bauwesen vorantreiben. Es ist das erste Joint Venture zwischen der TU und einem Partner aus der Privatwirtschaft. Das Potenzial der Zusammenarbeit sieht die Zementindustrie in der Fokussierung auf praxisrelevante Forschung und Ausbildung sowie die bessere Umsetzung und Nutzung der Forschungsergebnisse durch die Nähe zur Bauwirtschaft. Um der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft, veränderten Familienstrukturen und Wohnbedürfnissen wie Barrierefreiheit oder geringerem Energiebedarf entgegenzukommen, sei eine Umstrukturierung des Wohnungsbestandes in Österreich notwendig, fordert die Zementindustrie. Sanierung und Modernisierung stünden nicht immer im Einklang mit einem guten Kosten-Nutzenverhältnis. Der Bestandsersatz sei oft die sinnvollere Form als die Bestandssanierung. „Ersatzbauten bringen eine bessere Flächennutzung, mehr Freiflächen für die Bewohner, bessere Energieeffizienz und damit einen höheren Standard als eine Sanierung“, meint Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Für die Zementindustrie war 2012 ein Jahr eines leichten Umsatzrückgangs von 4,7 %, wenn auch geringfügig mehr produziert wurde als 2011. Für 2013 sei eine Zunahme der Bauinvestitionen von 0,6 % zu erwarten. „Wir sind vorsichtig optimistisch, denn der Wohnbau muss angekurbelt werden, um Wohnungsnot zu vermeiden“, so Zrost.


Innovationen Salone Mobile Mailand

Renaissance des Details

Von Barbara Jahn

Wer sich auf nach Mailand zum Salone macht, hat eine gewisse Erwartungshaltung, neue Dinge zu sehen. In den letzten Jahren fast unerfüllt geblieben, war es 2013 anders. Eine positive Überraschung und ein Fest der zelebrierten Kleinigkeiten.

Foto: Cassina

Die Designszene scheint endlich aufzuatmen. Die ständige Suche nach dem „Neuen“, die Ruhelosigkeit, Unmengen präsentieren zu müssen und dann auch noch das mit der Nachhaltigkeit im Nacken war wohl zuviel. Endlich scheinen die meisten Hersteller angekommen zu sein, zumindest an einem Punkt, wo sie in ruhigeren Gewässern vor Anker liegen und sich in aller Ruhe sortieren, positionieren und finden können. Und es war genau diese Ruhe, die sich auf die allgemeine Stimmung direkt auszuwirken schien, denn es wurde endlich wieder viel gelacht, gesmalltalkt und mit einem durchatmenden Schnaufer auch wieder positiv in die Zukunft geblickt. Eigentlich beachtlich, sind doch auf dem Salone Internazionale del Mobile geschätzte 85 Prozent der Aussteller italienische Hersteller, und wie man weiß, geht es unserem südlichen Nachbarn derzeit nicht besonders gut. Aber es ist auch genau das, was wir an den Italienern so schätzen: Dass sie nie vergessen, wie sich das „dolce vita“ anfühlt.

P 22. Design: Patrick Norguet.

Lieb und liebevoll Es ist das liebevoll gestaltete Detail, das man wieder entdeckt. Kunstvolle Nähte in allen Variationen konturieren kuschelige, mopsige Polstermöbel, kleine Schlaufen und angenähte Taschen sowie Knöpfchensteppung, wohin das Auge reicht, und die gute alte Bugholz-Technik wandelt einem neuen Zenit entgegen. Doch der Hang zur Romantik schreibt noch ein weiteres Kapitel: Es sind nicht nur die Bestseller sämtlicher wichtiger Design-Jahrzehnte, die für Furore sorgen. Sich vehement durchsetzend feiern die fünfziger und sechziger Jahre ein erneutes Comeback – die Welt kann anscheinend von diesen fruchtbaren Perioden nicht genug bekommen. So sind es in erster Linie die Farben – Zuckerwatterosa, Pfefferminz, Himmelblau und Vanillegelb – die ins Auge stechen, aber auch die vielen Varianten von Beistelltischchen mit zarten Holzbeinchen und knuffige Sofas wie auch elegante Armlehnstühle und Ohrensessel, die sich allesamt sehr bodennah und geerdet präsentieren. Aber auch Blau in allen Facetten ist nach wie vor ein Renner ebenso wie kräftiges Grün und Rot, das zwischen der Lilienporzellan-Palette und den soften Erdtönen selbstbewusste Akzente setzt. Auch Schwarz mischt sich wieder unter die Favoriten, wenn auch als grafisches und sehr dezentes Einzelstatement. Filigrane Metallfüße, an jeder Ecke viel helles Holz, akkurat

Foto: Desalto

Frohnaturen und Geschichtenerzähler Die Fröhlichkeit hielt also endlich wieder Einzug in die Hallen, prall gefüllt mit Menschen und Möbeln. Die absoluten Renner waren wie immer die sechs großen Hallen des Contemporary Designs, ganz zentral im Messegelände gelegen – und das hatte seine guten Gründe. Ein prominenter Hersteller neben dem anderen, dicht zusammen gekuschelt und harmonisch wie abwechslungsreich angeordnet. Was man offen sagen kann, ist, dass sie alle – zwar immer die Zukunft im Auge – ein Rendezvous mit der Vergangenheit hatten. Die Archive wurden erneut geplündert, die Schätze gehoben und mit gegenwärtiger Formensprache in das 21. Jahrhundert übersetzt. Durchwegs gelungen, denn auch sie

haben erkannt, dass der Trick mit dem Geschichtenerzählen funktioniert, besonders in Zeiten, wo alle den Fernsehapparat schon längst nicht mehr einschalten, um wenigstens daheim vom globalen Horror verschont zu bleiben. Lieber kuschelt man sich an das plüschige Gehör eines Ohrensessels, streicht über Knöpfchen und Nähtchen und denkt darüber nach, wem man das gute Stück einmal vermachen könnte. Somit hat auch der Faktor Nachhaltigkeit wieder zugeschlagen. Wie praktisch.

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Element Desalto. Design: Tokujin Yoshioka.


Foto: Carl Hansen & Son

Innovationen

Dream Chair Carl Hansen & Son. Design: Tadao Ando.

produzierte Details, Reißverschlüsse als Konturgeber, Riemchen aller Art, dazu Quasten und grober Strick sowie viele Formen von an die Vergangenheit angelehnte Garderoben, die fast filmreif sein könnten.

Einsame Leuchtfeuer Im Gegensatz zu den Möbeln wusste diesmal die Lichtindustrie nicht so genau, wo sie hin will. Sie steckt nach dem Aus der Glühbirne in einem doppelten Dilemma, aus denen nur wenige sich zu befreien wissen. Einerseits gilt auch hier der ständige Druck, Neuheiten für den Markt zu servieren, andererseits versucht man mit aller Gewalt, sämtliche Modelle auf LED-Technik umzurüsten, ohne den Leuchten selbst ihren ursprünglichen Charme zu nehmen. Die ganz Großen – Artemide, Flos, Foscarini, Fontana Arte und einige mehr – toppten sich gegenseitig mit ihrem Aufgebot an Designs und Desi-

Foto: Edra

Alte Bekannte Schön war es auch festzustellen, dass ein paar Namen, die für einige Zeit abgetaucht waren, wieder auftauchen. Und es gehen wieder deutlich mehr Architekten ans Werk, ein paar davon sogar das erste Mal. Tadao Ando zum Beispiel, der den Dream Chair als Hommage an Hans J. Wegner entwarf. Er hat bis dato immer nur „fremdeingerichtet“. Oder Rem Koolhaas, der für Knoll International die Tools for Life-Kollektion entwickelte, ganz so wie er sich eine Einrichtung wünschen würde. Auch Daniel Libeskind, Jean Nouvel und Zaha Hadid waren fleißig und stellten wieder einmal unter Beweis, dass Architektur und Design doch mehr Schnittstellen haben, als man vermuten möchte. Keine Frage, dass alle Produkte – vom Türgriff bis zur öffentlichen Bank – die eindeutige und unverkennbare Handschrift des jeweiligen Autors tragen. Ein Déjà-Vu gibt es allerdings auch bei verschiedenen Produzenten, die einige Bestseller

und Schmuckstücke haben schrumpfen lassen und nun als Kinder-Edition produzieren lassen. Warum nicht gleich zwei Generationen mit einem Klassiker oder mit einem, der es noch werden soll, verführen? Was die Minis sicherlich gleich herausgefunden haben werden, sind die flexiblen und mobilen Möbel zum Einpacken und Mitnehmen: Hocker mit Griffen oder Schlaufen, kleine Beistelltische mit einfacher Handhabung, und Ähnliches wandern einfach mit. Wenn man so will, eine neue Möbelgattung.

Favela Edra. Design: Humberto & Fernando Campana.

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© Vitra / Marc Eggimann

Innovationen Salone Mobile Mailand

Oursin Vitra. Design: Hella Jongerius.

Foto: Artemide

Eigene Party Für Abwechslung sorgten auch nicht unwesentliche Aussteller-Rochaden, wo man bedauerlicherweise – zumindest dieses Jahr – auf Tophersteller wie Wittmann, Team 7 oder Ligne Roset verzichten musste, jedoch mit abtrünnigen Wiederkehrern wie etwa der Poltrona Frau Group ein neu gemischtes Potpourri serviert bekam. Doch Wittmann und Co. sind dem wichtigsten internationalen Designevent keineswegs ferngeblieben. Das österreichische Vorzeigeunternehmen präsentierte sich gemeinsam mit vielen anderen österreichischen Produzenten wie Viteo, Bene, Wiesner Hager, Zumtobel, Kiska, Molto Luce, Längle Hagspiel, Eternit, Haapo, Lobmeyr,

Flornesis Artemide. Design: Ross Lovegrove.

Neue Wiener Werkstätte – um nur einige zu nennen – und Designern wie Soda Designers, Lucy.D, Thomas Feichtner, EOOS, mischer*traxler, Johannes Scherr, breadedEscalope, Doris Darling und viele mehr in einer eigenen Location, dem Salone dei Tessuti in der Via San Gregorio. Abseits des Mainstreams und des Trubels fanden zahlreiche Besucher zur von der Außenwirtschaft Österreich AWO initiierten Veranstaltung, die schon die letzten Jahre immer wieder von sich reden machte. Der diesjährige Titel „Austrian Design Details“ verriet schon, warum sich die Ausstellung drehen würde: um Präzision, Tradition, Innovation und Perfektion – kurz um das Detail. Die Designinteressierten kamen auf ihre Rechnung, denn sie bekamen kompakt und ansprechend inszeniert das große und beeindruckende gestalterische Spektrum einer Nation präsentiert, die zwar der „kleine Nachbar“ Italiens ist, jedoch den kreativen Köpfen des geografischen Stiefels um nichts nachsteht. Insgesamt großen Anklang fand auch die Gestaltung der Ausstellung selbst, realisiert und konzipiert vom Linzer Designstudio March Gut. Durch die Inszenierung einzelner Details der Produkte, umgerahmt von zwei und dreidimensionale Kuben als Präsentationsflächen, gelang hier ein Gesamterlebnis mit nachhaltigem Erinnerungswert. ■ Plus trotz Minus Die österreichische Möbelindustrie hat im Durchschnitt – trotz vereinzelter zum Teil dramatischer Umsatzeinbußen – 2012 mit einem soliden Plus von 4,4 % abgeschlossen. Für die kommenden Monate erwartet Erich Wiesner, Obmann des Fachverbands der österreichischen Holzindustrie, für die Möbelbranche eine positive Konjunkturentwicklung. Da aber der Export im Vorjahr um 3,4 % zurückgegangen ist, werde mehr Export das Ziel für 2013 sein. Mit 13 % Anteil trägt die Möbelindustrie weniger zur Holzindustrie bei als der Bau mit 30 %. Hier war 2012 ein Rückgang von 2,2 % zu verzeichnen, über die gesamte Holzindustrie ein solcher von 1,4 %. Um Bauen mit Holz in Ballungsräumen zu forcieren, wird der Verband einen ersten Schwerpunkt im Großraum Wien setzen, wo in den nächsten Jahren durch das prognostizierte rasante Bevölkerungswachstum eine hohe Bautätigkeit zu erwarten ist. Ziel der Holzindustrie ist es, dass Holz künftig wie andere Materialien als Standardbaustoff in der Gebäudeklasse 5 eingesetzt werden kann.

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gnernamen. Aber so vielfältig die Produktpaletten auch sein mochten, so ließ sich dennoch ein Grundtenor festmachen: Die Leuchten werden zu multifunktionalen Gebilden aufmunitioniert, sind Skulptur, Lichtquelle und unter Umständen auch Regal, Nachtkästchen oder Garderobe zugleich, und stellen sich damit in den absoluten Mittelpunkt. So sehr mikroskopisch kleines Pünktchen die LED vor ein paar Jahren noch war, so sehr wird sie heute theatralisch in Szene gesetzt, aber ohne dabei selbst in Erscheinung zu treten.


Innovationen

© Bene AG

Gesunde Atmosphäre

Manche Klischees stimmen einfach nicht. Etwa, dass Büromöbelhersteller nur Büros einrichten oder Krankenhäuser immer abschreckend wirken. Beides wird am Landesklinikum Waidhofen/Ybbs widerlegt – zugunsten von Patienten, Besuchern und Mitarbeitern: Seit über 100 Jahren ist das LK Waidhofen/Ybbs wichtiges Zentrum der medizinischen Grundversorgung der Region. Derzeit betreut das Landesklinikum mit rund 450 Mitarbeitern über 11.000 Patienten jährlich. Das erweiterte Grundversorgungskrankenhaus verfügt über 180 Betten, fünf Abteilungen und zwei Institute.

© Bene AG

www.bene.com

In den letzten Jahren standen zahlreiche Umbauten auf dem Programm. Die jüngste Phase der Modernisierung betraf Verwaltungsgebäude, Eingangsbereich und Cafeteria. Im Fokus stand vor allem die Innengestaltung: Statt nüchterner Krankenhaus-Atmosphäre will man ein emotional ansprechendes Ambiente zum Wohlfühlen mit zugleich hoher funktionaler Qualität bieten. Offen, hell, barrierefrei lauteten daher auch die Vorgaben an die Gestaltung – und Bene setzte diese mit einem maßgeschneiderten Konzept und einem differenzierten Produktportfolio um. Maria Luise Lackinger, Kaufmännische Direktorin des LKH: „Bene hat es geschafft, die typische Spitalsatmosphäre zu durchbrechen und ein völlig neues, sympathisches Setting im öffentlichen Gesundheitsbereich definiert.“

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Gute Aussichten Die positive, patientenorientierte Grundstimmung spürt man bereits beim Betreten des Klinikums, das Erkrankte und Besucher mit der Atmosphäre eines WellnessHotels empfängt. Möbel-Elemente aus der Serie PARCS überraschen mit einem ungezwungenen Ambiente. Die Kombination der Bene Farbkonzepte Natural und Spice sind für den frischen, entspannenden Charakter des Eingangsbereiches verantwortlich. Statt auf strengen Purismus und Anonymität trifft man hier auf einen öffentlichen Raum, der Sympathien weckt.

Offene Strukturen und ein Wechselspiel aus organischen Formen und klarer Linienführung beleben die Cafeteria, die durch ihre große Glasfassade sonnige Ausblicke ermöglicht. Hier laden ebenfalls PARCS Möbel ein, Platz zu nehmen, etwa in Kombination mit dem Stuhl Rondo oder dem Bene Coffice. Die Farbe Grün wirkt erfrischend, energetisch und steht für Vitalität. Entstanden ist eine übersichtliche, einladende Kommunikationszone, die Raum für Interaktion aber auch Rückzug bietet. Gut verwaltet Professionelle, zeitgemäße Arbeitsplätze der Bene T-Plattform unterstützen die Mitarbeiter der Verwaltung bei der effizienten Erledigung ihrer Aufgaben. Drehstühle, individuelle Stauraumelemente oder die Integration einer dritten Arbeitsebene schaffen ein hochwertiges Umfeld für jeden einzelnen Mitarbeiter. Die Gesamtkonzeption zeichnet sich zudem durch zurückhaltendes, attraktives Design und hohe Flächeneffizienz aus. Für Meetings steht ein Raumangebot bereit, das nicht nur hohe technische Anforderungen erfüllt, sondern auch den Rahmen für klare Kommunikation und produktive Gespräche bildet – in der Klinik ebenso wichtig wie anderswo. © Bene AG

Weitere Informationen


Innovationen

Frost Design: Die Marke, die mehr bietet als er wartet

Weitere Informationen www.frostdesign.dk

Fotos: © Frost Design

www.total-solution.at

Wishbone

Wishbone tables

Form follows function – mit diesem berühmten Credo der Architekturmoderne im Kopf und ausgestattet mit Erfahrung in der Beschlags- und Designbranche begann der Däne Hans Jørgen Frost am 1. Juni 2002 mit der Produktion von designorientierten Beschlägen, Möbelgriffen und anderen Accessoires für den Wohnbereich. Frosts Idee war es, Architekten, Designer und alle an modernem Design Interessierte mit Ideen und Konzepte für die Innenraumgestaltung zu beliefern. Dabei stand die Verbindung von bekannten dänischen Designern mit modernen Produktions- und Vertriebsformen stets im Vordergrund. „Wenn man sich in unserer sich ständig verändernden Welt umsieht, findet man leider viele Unternehmen, die Angst vor Veränderungen haben und mit ihrem Image in festgefahrenen Wegen und in der Vergangenheit verharren“, bringt es Hans Jørgen Frost auf den Punkt. Frost Design arbeitet heute mit eigenständigen dänischen Designern wie Bønnelycke MDD und dem mittlerweile in London beheimateten Designbüro Busk+Hertzog zusammen, deren Mitwirkung sich nicht nur auf die Produkte beschränkt. Frost Design gestaltet auch Druckunterlagen, Messeauftritte, Verpackungen und den Internetauftritt für seine Kunden. „Wir glauben, dass die Zusammenarbeit mit externen Designern mehr Herausforderung bedeutet und uns den Weg zu neuen Ideen und neuen Aufgaben weist. So zeigt beispielsweise unsere aktuelle Kollektion neue Formen dort, wo die meisten am Markt erhältlichen Produkte mit der zylindrischen Form arbeiten“, erläutert der Firmengründer.

Camouflage

30 Länder und ist weltweit auf allen wichtigen Möbelund Designmessen vertreten. Die Produkte werden regelmäßig mit Designpreisen ausgezeichnet: Den international renommierten reddot design award erhielt Frost 2008 für den Kleiderhaken „Camouflage“ und den Kleiderständer „Wishbone“, 2009 für einen Türstopper, 2010 für den Kleiderhaken „Lulu“ und den zum Wishbone-Programm zugehörigen Beistelltisch. Mit dem heurigen reddot design award wurde die Schuhablage „Rada“ ausgezeichnet.

Lulu

Hans Jørgen Frost möchte sein Label zur Marke für Wohn- und Bürogebäude, Hotels und andere öffentliche und private Projekte weiter entwickeln. Mit Design, das auch auf den drei Säulen Qualität, Innovationskraft und Verlässlichkeit ruht, möchte Frost Design die „Marke, die nie zuviel verspricht, aber mehr bietet als man erwartet“ sein.

Das Programm von Frost Design ruht heute auf den drei Säulen Möbelgriffe, Tür- und Fensterbeschläge sowie Accessoires wie Kleiderständer, Kleiderbügel, Handtuchhalter, Seifenspender und andere „architectural hardware“. Jedes Jahr kommen neue Produkte und Produktgruppen dazu. Frost Design exportiert heute in doorstop

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Rada


Innovationen

Attract-SEE – Assessing Territorial Attractiveness in South-East Europe (Aufbau eines Raumbeobachtungssystems in Südosteuropa)

www.ceit.at

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Ein besseres Verständnis der umfassenden räumlichen Dynamik und eine optimierte Koordination zwischen den verschiedenen öffentlichen Raumordnungspolitiken ist erforderlich, um den territorialen Zusammenhalt und andere Entwicklungsziele auf transnationaler, nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu erreichen. Das EU-Interreg-SEEProjekt „Attract-SEE“ (www.attract-see.eu) befasst sich mit diesen räumlichen Herausforderungen. Das Projekt basiert auf den realen Planungsbedürfnissen von Politik und Entscheidungsträgern unterschiedlicher Bereiche und Verwaltungsebenen, und strebt nicht nur die Entwicklung von technischen Werkzeugen und räumlichen Entwicklungsansätzen an, sondern auch die Stärkung der Kompetenzen und Fähigkeiten, die zur räumlichen Beobachtung und dem Verständnis zusammenhängender räumlicher Trends benötigt werden, sowie die Einbindung des erworbenen Wissens in einen integrierten politischen Entwicklungsprozess. Schaffung eines transnationalen Bezugssystems und Grundstruktur Für den Aufbau eines effektiven Raumbeobachtungssystems in Südosteuropa wird in „Attract-SEE“ ein gemeinsames Bezugssystem und Grundstruktur einschließlich der dafür notwendigen Werkzeuge erstellt. Ziel ist die Etablierung eines Modells eines Raumbeobachtungssystems in allen Projekt-Partnerländern und -regionen, das nützliche Ergebnisse anbietet und evidenzbasierte, strategische Entwicklungen unterstützt. „Attraktive“ Stadt- und Regionalplanung braucht gute, abgestimmte Planungs-(Geo-)daten, weshalb einheitliche Datenmodellierung und Datenharmonisierung gemäß der europäischen Standards eine große Rolle spielt (Stichwort INSPIRE-Richtlinie; praktisch umgesetzt z.B. in den Projekten HLANDATA zur Harmonisierung von Landnutzungs- und Bodenbedeckungsdaten, www. hlandata.eu oder Plan4all, wo Planungsinformation europaweit leichter und in harmonisierter Form gemäß INSPIRE verfügbar gemacht wurde, www.plan4all.eu). Des Weiteren soll in „Attract-SEE“ durch die Schaffung eines gemeinsamen Systems von Indikatoren ein Modell zur Beobachtung räumlicher Qualität und Attraktivität erstellt werden. Raum lassen für spezifische nationale und regionale Bedürfnisse Zudem besteht in „Attract-SEE“ die Möglichkeit, das Raumbeobachtungssystem für die Anwendung je nach Situation und spezifischen Bedürfnissen zu adaptieren

und permanente Raumbeobachtungssysteme in den Ländern, Regionen und Städten zu installieren. Dieses Werkzeug zur umfassenden Betrachtung der Umsetzung der jeweiligen Raumordnungs- und Regionalpolitik kann wertvolle Impulse für die Beobachtung der Auswirkungen der einzelnen planungsrelevanten Politikbereiche geben. Foto: beigestellt

Weitere Informationen

Politischer Koordinationsprozess und Einbindung der Akteure Zur Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Politikern und Entscheidungsträgern sowie den nationalen und regionalen Interessengruppen wird ein politischer Koordinationsprozess entwickelt, der die Beteiligung und Einbeziehung aller relevanten Akteure verschiedener Bereiche und Verwaltungsebenen fördert und unterstützt. Die strategische Koordination wird als dauerhafter und kontinuierlicher Prozess gesehen. Aus diesem Grund ist die langfristige Verbesserung der Kapazitäten von entscheidender Bedeutung. Workshops mit Interessenvertretern sollen es ermöglichen, permanente InteressenvertreterNetzwerke mit der Aufgabe der Koordination verschiedener strategischer Ziele und Umsetzungsmaßnahmen zu schaffen und/oder zu stärken. Abstimmung zwischen räumlichen Strategien und Konzepten Das Raumbeobachtungssystem und die Koordination der strategischen Konzepte und InteressenvertreterNetzwerke sollen zu einer verstärkten Abstimmung zwischen mehreren räumlichen Strategien und Konzepten und zu besseren Entscheidungen führen, die auf räumlichem Wissen und einer effektiveren Umsetzung des Zieles eines räumlichen Zusammenhalts aufbauen. Die Ergebnisse des Projekts „Attract-SEE“ sollen von Politikern und Entscheidungsträgern genutzt werden, um die Zusammenarbeit und Vernetzung auf Ebenen der einzelnen SEE-Länder (auch grenzüberschreitend) zu verbessern. Dadurch soll die Rolle der räumlichen Information in der Förderung des sozialen Zusammenhalts und des Wachstums in Südosteuropa (SEE) gestärkt werden. CEIT ALANOVA ist bereits seit der Aufbauphase im Jahr 2006 national wie international sehr stark vernetzt und sieht sich als internationale Informations- und Wissensdrehscheibe, die für Kooperationen mit innovativen Unternehmen zur Umsetzung gemeinsamer Forschungsprojekte offen ist.


Innovationen

Komplett-Angebot für die Inneneinrichtung

Weitere Informationen Feuerkultur Wohnbühne Anninger Börsegasse 13 1010 Wien

Das aus Schafwolle hergestellte, wärmebeständige und unbrennbare Textilmaterial wird als Designelement für eine Holzfeuerstelle verwendet. Im Showroom in Wien sind auch die eigens entwickelten und als Unikat angefertigten Metallkunst-Feuersäulen sowie komfortable Gasfeuerstellen zu sehen. Jochen Anninger, Architekt und Geschäftsführer der Wohnbühne Anninger und Herbert Wieser, Geschäftsführer der Feuerkultur GmbH und der Wieser Wohnkeramik, orientieren sich bei den Designs ganz nach den individuellen Wünschen der Kunden. Neben Wärmeabgabe und Speicherung sollen die Feuerstellen vor allem auch als Quelle der Inspiration dienen. © Klaus Pressberger

© Klaus Pressberger

www.steirische-werte.at

Unter dem Motto „Feuer und Flamme für´s Wohnen“ eröffneten die zwei steirischen Betriebe „Feuerkultur Wieser“ und die „Wohnbühne Anninger“ Ende Mai ihren neuen Showroom in der Wiener Innenstadt, der ein Komplett-Angebot für die Inneneinrichtung aus einer Hand zeigt: Design-Feuerstellen, Markenmöbel, Raumausstattung, Innenarchitektur. Unter der Markenbezeichnung „feuerkultur“ wird unter anderem das Leitprodukt, der „Lodenofen“, vertrieben:

Flexibler Falter an der Fassade

Frontego 30/matic, das neue automatisierte Beschlagsystem für frontbündige Faltschiebeläden, gewährt Architekten und Bauherren uneingeschränkte Anwendungsfreiheit und interessante Gestaltungsmöglichkeiten. Ob an Geschäftsgebäuden, Hotels, Kliniken, Altenheimen oder Privatwohnungen, HAWA-Frontego 30/matic ist ein innovatives Beschlagsystem. Ob Deckenmontage, Wandmontage oder Sturzlösung, ob 2-, 4- oder 6-flüglig, das Faltschiebeladensystem kann individuell vom Verarbeiter konfektioniert und zusammengestellt werden. HAWA-Frontego 30/matic ist bis

Foto: Hawa AG Schiebebeschlagsysteme

www.hawa.ch

Neues automatisiertes Beschlagsystem für frontbündige Faltschiebeläden.

zu einem Ladengewicht von 30 kg, einer -höhe bis 3.200 mm, -breite bis 600 mm und einer -dicke bis 32 mm einsetzbar. Die Läden können je nach Einbauvariante rechts, links oder symmetrisch und asymmetrisch schiebend eingesetzt werden. Für den nachträglichen Einbau im Rahmen von Renovierungen oder Sanierungen bietet sich das System geradezu an. Antrieb und Steuerung sind im Beschlagsystem integriert, so dass kein separater Raum für diese Komponenten benötigt wird. Lauf- und Führungsschiene inklusive Läden können von innen oder außen montiert werden, wobei die Komponenten immer zugänglich sind. Und auch die Integration von Sonnen- und Windwächtern sowie der Haussteuerung gelingt im Handumdrehen. Komponenten, die in der Laufschiene ihren Platz finden, können vor Ort oder schon in der Werkstatt vormontiert werden, das bringt weitere Vorteile in Aufwand und Montage. Die automatische Erkennung der montierten Konfiguration macht die Inbetriebnahme sehr einfach. Die flächenbündige Konstruktion und Schließung der Faltläden fügt sich nahtlos ins Gesamtdesign ein und bringt Platzersparnis. Da die Steuerung die Umdrehungen zählt und speichert, führt ein Stillstand durch Hindernisse oder Stromausfall zu keinerlei Störungen. Beim Auffahren auf ein Hindernis stoppt die Anlage automatisch und reversiert.

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Weitere Informationen


Innovationen

Österreichischer Stahlbaupreis 2013 für Rautendach Hauptbahnhof Wien

© ÖBB_Roman-Boensch

Weitere Informationen www.ungersteel.com

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Anfang Juni fand der 29. Österreichische Stahlbautag statt und präsentierte die Leistungsfähigkeit des Stahlbaus in der modernen Architektur. Im Rahmen der Veranstaltung werden im Zwei-Jahres-Abstand herausragende Projekte ausgezeichnet, die die bedeutenden Eigenschaften von Stahl verdeutlichen. Die Unger Steel Group, ein österreichisches Familienunternehmen, durfte sich bereits zum dritten Mal über die begehrte Auszeichnung freuen. 2007 prämierte die Jury die Talstation der Galzigbahnen in St. Anton in Tirol, und 2011 erhielt Unger den Österreichischen Stahlbaupreis für die Anlegestelle der Schiffstation Wien City. Sieger 2013 wurde das Rautendach des Wiener Hauptbahnhofs. Die außergewöhnliche, partiell transluzente Dachkonstruktion besteht aus 14 Rauten- und fünf Einzelbahnsteigdächern. Dank der transparenten Konstruktion ist das Gebäudeinnere bei Tag von Helligkeit durchflutet und generiert in der Nacht einzigartige Lichteffekte. Nahezu 7.000 Tonnen Stahl werden für die Tragkonstruktion des signifikanten Daches verarbeitet. Das rund 35.300 m² große Rautendach stellt eine technische und logistische Meisterleistung im Stahlbau und den angrenzenden Gewerken dar, dessen Gesamtstahlverbrauch dem des Eiffelturms entspricht. Das gesamte Rautendach scheint zwischen sechs und 15 Metern über dem Bahnsteigniveau zu schweben.

Die erste Bauphase begann 2011 und wurde Ende April 2012 beendet. Die zweite Bauphase mit den finalen Montagearbeiten startete Ende Februar 2013. Im Dezember 2012 wurde der Wiener Hauptbahnhof im Teilbetrieb eröffnet. In den nächsten Monaten bis Anfang 2014 werden die restlichen sechs der 14 Rautenfachwerke eingehoben. Mit dem neuen Wiener Hauptbahnhof entsteht in Wien ein zentraler Knotenpunkt im transeuropäischen Schienennetz, den mehr als 1.000 Züge und 145.000 Menschen pro Trag frequentieren werden. Das bereits weithin sichtbare Rautendach aus Stahl und Glas prägt das moderne Stadtbild Wiens auf eindrucksvolle Weise und fügt sich gleichzeitig harmonisch in die historische Umgebung und Architektur ein. Über den Österreichischen Stahlbaupreis. Der Österreichische Stahlbaupreis wurde zum vierten Mal im Rahmen des zweijährig stattfindenden Österreichischen Stahlbautages verliehen. Ziel der Auszeichnung ist es, national Aufmerksamkeit für herausragendes Design im Stahlbau zu wecken und die wirtschaftlichen, logistischen und architektonischen Vorteile von Stahl hervorzustreichen. Die Auswahl und Prämierung des Preises wurde einem breitgefächerten Fachpublikum übertragen. Nähere Informationen unter: www.stahlbauverband.at

3/2013 (309) Juni/Juli  

Städte sind für alle da Heizen und Kühlen mit Beton Hoerbiger Ventilwerk Standort Wien „grüne Mitte Linz“ – Teil 2 Lorenz-Reiter-Straße, Wie...