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HTBLVA Ferlach Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt Kolleg für Objektdesign

Diplomarbeit

Design und Umgestaltung eines elektroKickboards design and recast of an elektroKickboard

KICKBOARD Ausgeführt im Schuljahr 2012|13 von: Andreas Enenkel Jessica Juvan Philipp Künstl Christian Landsmann Marcel Tamegger Isis Urbanek

4AKKUOA - 2 4AKKUOA - 4 4AKKUOA - 6 4AKKOUA - 7 4AKKUOA - 11 4AKKUAF - 16

Projektleitung:

Dir. Dipl.-Ing. Max Winkler

Betreuer|Betreuerin:

Sascha Mikel (Modellbau) VL Andreas Prodinger (Fertigungstechnik) Mag. Johannes Puinbroek (Design) Sonja Steindl, MSc (Design, 3D-Visualisierung) OStR. Mag. Kornelia Winkler-Schönlieb (Schriftliche Dokumentation und Präsentation)

Ferlach, am 17.05.2013 1


EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG Ich erkläre an Eides statt, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und die den benutzten Quellen wörtlich und inhaltlich entnommenen Stellen als solche erkenntlich gemacht habe.

Ferlach, am 17.05.2013

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Andreas Enenkel

Tamegger Marcel

Philipp K端nstl Jessica Juvan

Christian Landsmann

Isis Urbanek

3


4


Vorwort

5


Die Idee, ein elektromotorisiertes, geländetaugliches Kickboard zu konzipieren, entstand bereits im Jahr 2012. Ausschlaggebend ist eine Diplomarbeit der Abteilung Fertigungstechnik gewesen, deren Team es sich zur Aufgabe gemacht hatte, selbst ein Kickboard zu fertigen. Jenen Prototypen wollte die Arbeitsgruppe aufgreifen, um daran gewisse Verfeinerungen vorzunehmen. Ein Augenmerk lag dabei auf dem Design. Aus dem funktionalen Grundgerüst sollte ein vertrauenserweckendes, schnittiges Fungerät werden, das sowohl Frauen als auch Männer gleicherma6

ßen anspricht. Des Weiteren wurde die Grundidee, mit welcher die Diplomarbeitsgruppe sich zusammengefunden hat, verfolgt, das Gefährt geländetauglich zu machen: Statt den vorhandenen Reifen sollten größere Reifen mit einem Durchmesser von 20cm eingesetzt werden. Auf Grund der aktuellen Wirtschaftslage und der Interessen des Teams bestand der Wunsch, das Vehikel mit einem Elektromotor auszustatten. Dieser soll dem neuesten Stand der Technik entsprechen und speziell auf die Anforderungen des elektroKickboards zugeschnitten sein.

Akkureichweite, Navigation und Geschwindigkeit des elektroKickboards sollen über das eigene Smartphone oder ein angebrachtes TFT-Display kommuniziert werden. Aus diesem Grund wurde im Laufe der Arbeit zusätzlich eine Handyapplikation entworfen. Über diese soll auch das CarSharing geregelt werden, mit dem das Vehikel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Die Idee dahinter ist es, die Allgemeinheit von der Innovation profitieren zu lassen und das Fahrgefühl, das mit dem Kickboard vermittelt werden soll, unter die Leute zu bringen. Zudem sollen öffentliche


Verkehrsmittel entlastet und insbesondere junge Leute mobilisiert werden. Da die derzeitigen Elektroladestationen von dem elekroKickboard nicht genutzt werden dürfen, erweiterte sich das Aufgabenfeld um das Design einer Dockingstation, welche im Konzept skizziert werden soll. An ihr soll das Fahrzeug ausgeliehen, geladen und gesichert werden. Die Stromversorgung der Dockingstation soll vor allem über Solarenergie gewährleistet werden, um einen Beitrag zur Umwelt zu leisten. Über ausgewählte Positionierungsstandorte kann so die Infrastruktur einer

Stadt, in diesem Fall Klagenfurt, verbessert werden. Darüber hinaus verfügt der Motor über einen Gewichtssensor, der das Gweicht des Nutzers ermittelt. Dadurch lässt sich eine konstante Fahrgeschwindigkeit ermitteln. Dies führt zu erhöhtem Fahrkomfort. Die technischen Attribute des Kickboardes, dazu zählen Motor, Display und Gewichtsensor, kommunizieren untereinander via Bluetooth, einer Art Kurzwellenfunk. Die gesamte Arbeitsgruppe ist für alle Bereiche

und Inhalte der Arbeit verantwortlich, jedoch wurden, ausgehend von den jeweiligen Kompetenzen, Neigungen sowie Vorbildungen, Verantwortungsschwerpunkte gesetzt. Diese sind unter dem Punkt Ausführende erläutert. Über die Teilnahme an der New-Mobility-Messe in St. Veit war es der Projektgruppe möglich, die beiden Projektpartner Lebensland Kärnten und die Firma GreenRoad ins Boot zu holen. Bedingt durch die Teilnahme am Ideenwettbewerb „Innovation@School“, erhofft sich das Team weitere Unterstützung ihrer innovativen Vision. 7


8


|ndex

9


1 Einleitung|Definition

1.3.2 GreenRoad

1.4 Zeitplan|Strukturplan

1.1 Zielsetzung

16

1.2 Projektteam

20 2 Recherche 20 2.1  Visuelle Recherche 21

1.1.1 Ausführende 1.2.1 Betreuer

1.3 Projektpartner

1.3.1  Lebensland Kärnten

10

15

22 22

23 24 27 28

2.3.2  Rechtliche Einordnung 2.3.3 elektroKickboard|StVO 2.3.4 StVo 2.3.5  Verhalten der Radfahrer

2.4 Ergonomie

53 54 56 58 62

2.2 Geschichte

44 3 Entwurf

69

2.3 Verkehrssicherheit

51 52

70

2.3.1 Sicherheitstipps

3.1 Skribbles


3.2 Skizzen

74

3.3 Renderings

78 5 Name|Logo

101 7 Materialien

3.4 3D-Modelling

86 6 Farben

105

7.1 Aluminium

128

4 Grundkonzept

4.3  Rotes Konzept

92

6.4 Petrol|Cyan

122 127

89

6.1 Rot

106

7.2 Nirosta

133

4.1 Zielgruppe

90

6.2 Blau

112

7.3 Polyurethan

136

4.2 Moodboard

91

6.3 Grün

118 8 Technik

141 11


142

8.5 Scheibenbremsen

164

8.2 Li-Ionen-Akku

146

8.6 TFT-Display

170 9 CarSharing

8.3 Photovoltaik

152 153

8.3.1  Technische Details

8.4 Bluetooth

8.4.1  Technische Details 8.4.2  Sicherheitsmodi

12

8.7.2  Elektrische Eigenschaften 184

8.1 Radnabenmotor

156 159 162

8.6.1  Aufbau eines LCD 172 8.6.2  Vor- und Nachteile 175

8.7 LED

8.7.1  Bändermodell

187

10 App

191

11 Dockingstation

197

10.1 Modellbau

202

178 12 Prototypenbau 179

209


13 Programme

215

15.2  Technische Zeichnungen 238

14 Zusammenfassung

225

15.3 Abbildungsverzeichnis

14.1 Summary

226

15.4 Anmerkungsverzeichnis 270

14.2 Zusammenfassung

228

15.5 Quellenverzeichnis

15 Anhang 15.1 Protokolle

256 276

231 232 13


14


1 Einleitung|Definition

15


1.1  Zielsetzung Das Projektteam hat es sich zum Ziel gesetzt, ein geländetaugliches, elektromotorisiertes Kickboard zu erstellen. Unter einem Kickboard wird eine Kombination aus Tretroller und Skateboard verstanden. Charakteristisch für das Fahrzeug sind zwei Reifen an der Vorderachse und ein Hinterreifen. Zusätzlich erfolgt die Lenkung in der Regel nicht über die herkömmliche Fahrradlenkung, sondern via Gewichtsverlagerung eines Knüppels. Auf diesen Aspekt wurde im Rahmen der Arbeit jedoch verzichtet, um eine höhere Sicherheit im Gelände ge16

währleisten zu können. Das Projekt war als schulinternes Konzept angedacht. Aufgrund der Teilnahme an der New-Mobility-Messe in St. Veit an der Glan erregte das Projekt jedoch Aufmerksamkeit und es konnten zwei Projektpartner gewonnen werden. Zum Einen die Fima GreenRoad, welche sich bereit erklärte, die technischen Attribute des Kickboardes in Form von Akku und Motor zu liefern, zum Anderen die Initiative Lebensland Kärnten, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kärnten innerhalb Österreichs als Vorreiter im Bereich der Elektromobilität

zu etablieren. Als oberste Priorität wurde dabei von den Partnern ein funktionsfähiger Prototyp genannt, da so ein Gerät auf dem Markt noch nicht existiert. Das Hauptaugenmerk liegt darin, ein Kickboard mit dem derzeit möglichen Stand der Technik so zu kombinieren, dass das Fahrzeug rechtlich als Fahrrad gewertet werden kann. Eine Maximalgeschwindigkeit von 25km/h darf daher nicht überschritten werden. Dank der Firma GreenRoad kann ein Akku eingebaut werden, welcher direkt auf das Design des


elektroKickboardes zugeschnitten ist. Mit diesem ist eine Reichweite von 80km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25km/h gegeben. Um dem Benutzer Informationen bezüglich Akkureichweite, verbleibender Entfernung zum Zielort und Geschwindigkeit zur Verfügung stellen zu können, soll das elektroKickboard mit einem Display ausgestattet werden. Die Wahl fiel aus Kosten-Nutzen-Gründen auf ein TFT-Display, welches im Kaptel xx näher erläutert wird. Dieses soll via Bluetooth mit dem verwendeten Radnabenmotor kommunizeren können. Der

Radnabenmotor wurde auf Grund seiner umweltfreundlichen Qualifikationen ausgewählt. Angepasst an den heutigen Stand der Technik, soll das Display als Notlösung genutzt werden. Die Hauptkommunikation soll via einer, von der Diplomarbeitgruppe designten, App erfolgen. Über sie soll auch das CarSharing geregelt werden. Darüberhinaus enthält die App ein integriertes Navigations- und Ortungssystem. Letzeres soll das elektroKickboard vor Diebstahl und Missbrauch schützen. Ziel des CarSharing-Systems ist es, öffentliche

Verkehrsmittel zu entlasten und besonders junge Menschen auf umweltfreundlichem Weg zu mobilisieren. Auch Pendler sollen mit dem elektroKickboard unterstützt werden. Bezüglich der Farbgebung fiel die Entscheidung auf Grün, Blau, Petrol und Rot. Mit Grün soll Umweltfreundlichkeit, mit Blau Reinheit assoziiert werden. Die reine Umwelt also. Petrol für die App ergab sich aus der Mischung von Blau und Grün. Im Gegensatz dazu steht Rot für Jugendlichkeit und Dynamik. Damit soll der Spaß am Fahren mit 17


dem elektroKickboard hervorgehoben werden. Das Gerät musste nicht mit Lichtern (Blinker) ausgestattet werden, da dies das Budget überstiegen hätte. Das im Rahmen der Diplomarbeit entworfene Logo soll als Wiedererkennungswert dienen. An dieses ist auch das Design für die Dockingstation angelehnt. Das Konzept der Ladestation hat nicht oberste Priorität.

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19


1.2  Projektteam

1.1.1  Ausführende

Gruppenleiter: Tamegger Marcel (Design, Fertigung, Konstruktion, Technik) Enenkel Andreas (Design, Dokumentation, Präsentationsvisualisierung)

20

Juvan Jessica (Design, 3D-Visualisierung)

Landsmann Christian (App, Design, 3D-Visualisierung)

Künstl Philipp (Design, Konstruktion, Technik)

Urbanek Isis (Design, Dokumentation)


1.2.1  Betreuer Projektleitung: Dir. Dipl.-Ing. Max Winkler Betreuer|Betreuerinnen: Sascha Mikel (Modellbau)

VL Andreas Prodinger (Fertigungstechnik)

Sonja Steindl, MSc (Design, 3D-Visualisierung)

Mag. Johannes Puinbroek (Design)

Mag. Kornelia Winkler-Schönlieb (Schriftliche Dokumentation, Präsentation)

21


1.3  Projektpartner „Lebensland Kärnten hat es sich zum Ziel gesetzt, für die aufkommende Elektromobilität Infrastruktur zu schaffen, neue Mobilitätskonzepte zu erarbeiten und die Marktentwicklung in den Bereichen Elektromobilität und erneuerbare Energien zu fördern.“1

1.3.1  Lebensland Kärnten

Unter diesem Leitsatz richtet die Initiative ihr Augenmerk auf verschiedene Teilbereiche: Umweltschutz & Effizienz Alternative Energieformen Elektromobilität Alternative Mobilität Forschung & Wissenstransfer Darunter fallen neben Ladestationen, Anlagen für die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energiequellen und Förderungen auch elektronisch be-

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triebene Fahrzeuge, wie E-Scooter, E-Bikes und E-Fungeräte. Darüberhinaus ist die Gruppe um Lebensland Kärnten daran interessiert, ein fundiertes Netz für Wartung, Service und Verkauf sowie eine Informationsplattform zu schaffen. Als weiterer Eckpfeiler wird die Kooperation mit zahlreichen PartnerInnen und die Mitarbeit an Partnerprojekten in der Bemühung um zukunftsfähige Mobilitätslösungen gesehen.2


1.3.2  GreenRoad Das Unternehmen wurde 2010 mit dem Leitsatz „Elektrotechnische Lösungen für die Welt von morgen zu liefern“ 3 gegründet. Spezialisiert hat sich das Familienunternehmen, mit Sitz in Österreich, auf Produkte im Bereich der Elektromobilität und Energietechnik. Zu den Geschäftsfeldern zählen: Energietechnik, Alternative Energie und Led-Beleuchtung. Sein Aufgabengebiet umfasst: konfektionierte Akkupacks mit Batterie-Management-Systemen und passender Ladelektronik, Motoren wie Radnabenmotoren sowie Mittelmoto-

ren, Steuerelektronik für Elektromotoren, Controller, Zusatzelektronik zur elektronischen Steuerung, wie Gasgriffe, Spannungswandler, elektrische Bremsgriffe und LED-Beleuchtung (Gebäudetechnik / Aquariumbeleuchtung) Kunden von GreenRoad sind Industriekunden, Händler und Einzelpersonen. Dies resultiert daraus, dass die Firma sowohl Serienfertigung als auch Prototypenbau anbietet. Für die Diplomarbeitsgruppe ist vor allem die individuelle Akkupackherstellung von Vorteil. Diese

erfolgt ebenfalls innerhalb des Landes.4 Der jüngste Geschäftszweig „Alternative Energien“ werde, weist die Internetdomäne hin, zunächst nur auf regionaler Ebene vermarktet und finde dort großen Anklang sowie positive Resonanz. Bei diesem Geschäftszweig seien der persönliche Kundenkontakt und ein erheblicher Planungsaufwand im Vorfeld erforderlich.5 Von diesem Leitsatz angespornt, trat die Diplomarbeitsgruppe, im Rahmen des New Mobility Forums in St. Veit an der Glan, an das Unternehmen heran und konnte dieses als Partner gewinnen. 23


1.4  Zeitplan|Strukturplan

24


Zeitplan elektroKickboard 2012|13 Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

Jän

Feb

Mär.

Apr.

Mai.

Recherche Scribbles/Skizzen Konzepte Designfindung Dockingstation

25.Jän

Handy-Applikation InnoTrain-Schulungen

06. & 27.Feb

10.Apr

Renderings Zwischenpräsentation

25.Apr

Modellbau Prototypenbau Dokumentation Abschlusspräsentation

17.Mai 17. & 29.Mai

25


26


2 Recherche

27


Abb.2: FLIZ Bike

Abb.3: Ferrari Bike Concept

Der erste Punkt, der untersucht wird, ist die Frage, ob ein elektromotorisiertes, geländetauliches Kickboard bereits auf dem Markt erhältlich ist. Nach präziser Nachforschung bestätigt sich die Annahme, dass dem nicht so ist. Der Markt wird von Fahrrädern unterschiedlichster Abwandlungen bezüglich Federungen, Rahmen bis hin zur Ergonomie dominiert. Manche Fahrräder werden im Liegen gefahren, sogar Hängekonstruktionen können bezogen werden. Darüber hinaus ist ein Trend ersichtlich, das herkömmliche Skelett eines Fahrrades aufzuheben. Weiters wird mit Klappme-

chanismen und Gewicht experimentiert. Leichtigkeit ist ein Faktor, der in der Fahrzeugindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnt. Zudem gibt es unterschiedliche motorisierte Fahrräder: begonnen bei den in den 1960ern entwickelten Mofas, Silbenwort für „Motorisiertes Fahrrad“, bis hin zu den neueren Pedelecs, Pedal Electic Cycle und herkömmlichen Elektrofahrrädern. Auch hier gibt es unterschiedlichste Bauarten, die in Form, Farbe und Antrieb variieren.

Abb.1: Yamaha YZ250F

2.1  Visuelle Recherche Auf dem Markt existieren bereits ähnliche Produkte. Um ein eigenständiges Projekt zu gestalten, ist es wichtig, sich zuvor über bereits vorhandene Güter und den Markt zu informieren. Was gibt es auf dem Markt, wie sehen die Erzeugnisse aus, wohin geht der Trend? - Das sind die Kernfragen, die bei der Recherche zu beachten sind. Sie sind ausschlaggebend für den weiteren Projektverlauf und können über Erfolg oder Scheitern des Vorhabens entscheiden.

28


Abb.4: The Grasshopper Bike_1

Abb.5: The Grasshopper Bike_2

Des Weiteren gibt es unterschiedliche, teils futuristische Konzepte, wie mit Akku und Strom umgegangen werden kann. Auch hier sollen einige visuelle Einblicke, im Rahmen der Diplomarbeitsrecherche, gegeben werden. Das Bildmaterial stammt dabei von bereits existierenden Konzepten und wurde nicht vom Diplomarbeitsteam entwickelt oder erstellt. Zu sehen sind eine YZ250F-Maschine von Yamaha (Abb.1), das FLIZ (Abb.2) und das Grasshopper Elektrobike (Abb.4, 5), von welchem in späterer Folge der Klappmechanismus für das elektroKick-

board übernommen wurde. Außerdem ein FerrariKonzept sowie ein freies Rendering von devianart - einer Internteplattform für Designer, Künstler und Interessenten.

Abb.6: Conceptbike_Dandindarov

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Abb.7: Mofa

Abb.8: Pedelec

Abb.9: eBike_GreenRoad

Mofa Der Begriff Motorisiertes Fahrrad ist verkehrsrechtlich definiert und beschreibt ein führerscheinfreies, einsitziges Kraftfahrzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25km/h.6

Pedelec Unter Pedelec (Kofferwort für Pedal Electric Cycle) werden Fahrräder verstanden, bei denen der Fahrer beim Pedalieren von einem Elektroantrieb unterstützt wird. Eine elektronische Steuerung verhindert, dass die gesetzlich festgelegte Geschwindigkeit von maximal, in der Regel 25km/h überschritten wird. Wie das Mofa, sind auch Pedelecs zulassungsfrei. Sie werden verkehrstechnisch als Fahrräder gehandhabt. Von ihnen unterscheiden sich andere Elektrofahrräder.7

Elektrofahrrad Das Elektrofahrrad, auch E-Rad oder eBike, ist ein Fahrrad, das zur Gänze oder tretunterstützend von einem Elektromotor angetrieben wird. Die Anbringung des Motors kann wahlweise im Vorder- oder Hinterrad angebracht werden. Auch im Tretlager angebrachte Mittelmotoren sind gebräuchlich.8

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Abb.10: Honda V4 Concept

Abb.11: BMW i pedelec

Abb.12: Peugeot Bike Concept

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Abb.13: Snakeboard

Abb.14: Waveboard

Im unmotorisierten Bereich finden sich zusätzlich die unterschiedlichsten Formen von Free- oder Streetboards, Applikationen des Skateboards. Zu diesen zählen unter anderem das Snakeboard und das Waveboard. Im Folgenden werden lediglich die Geräte erwähnt, die für die Recherche Relevanz haben: Magic Wheel, Dirtsurfer, Skatecycle

Doch auch hier hält die Motorisierung Einzug. Neben den vorgestellten Geräten finden sich Segways, Tretroller und Scooter aller Art auf den Straßen. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Konzepten zu Fahrzeugen, die zukünftig realisiert werden könnten. Daneben gibt es selbstverständlich den Bereich der motorisierten Fungeräte und Fahrzeuge. Da das elektroKickboard elektronisch motorisiert werden soll, liegt der Fokus der Recherche, bezüglich motorisierter Fortbewegungsmittel, in diesem Feld.

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Abb.15: Dirtsurfer


Abb.16: Segway

Abb.17: Skatecycle

Abb.18: Magic Wheel

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Abb.19: Lexus eBike

Es gibt unterschiedliche Elektroroller; aber auch akkubetriebene Skateboards, Dirtboards und neuwertige Fahrzeugkonzepte sind auf dem Markt zu finden. Speziell in für alternative Energien ausgelegten Wettbewerben dominieren kleine Vehikel, die oftmals dem CarSharing-Prinzip unterliegen. Auch nominierte Designer suchen sich in diesem Bereich einen Namen zu machen. Speziell zum Thema Nachhaltigkeit und zukünftige Bauweisen existieren Konzepte und vollständige Projekte. 34

Abb.20: Peugeot_Metromorph_Concept

Aus dem anfänglich sehr breit gefächerten Bildmaterial begannen sich gewisse Attribute herauszukristallisieren, die von besonderem Interesse sind: Leichtigkeit, Geländetauglichkeit, die Anbringung des Motors, einfacher Transport, Wendigkeit und Schnittigkeit. Sowohl Frauen als auch Männer sollen mit dem Gerät angesprochen werden. Das Augenmerk liegt auch auf der Innovation, etwas hervorzubringen, das es bislang auf dem Markt noch nicht gibt. Mit dem elektroKickboard soll eine Marktnische gefunden werden, die sowohl Jung und Alt anspricht.

Bedingt durch den gewählten Ausbildungsschwerpunkt im Objektdesign, liegt es auf der Hand, dass neben der korrekten technischen Umsetzung auch ein gewisses Maß an Design vorausgesetzt wird. So bedarf es bei Farbe und Formensprache konkreten Überlegungen. Dabei sind folgende Merkmale für das Fahrzeug interessant: die Verkehrssicherheit, darunter fallen Sichtbarkeit, sichere Handhabung und rechtliche Auflagen, Belastbarkeit sowie der einfache Zugang für den Nutzer. Unannehmlichkeiten sollen so gering wie möglich gehalten werden. Aus diesem Grund


Abb.21: BMW_c-evolution

Abb.22: insog concept

funktioniert das angedachte CarSharing des Fahrzeuges über Smartphone: Der Nutzer kann sein eigenes Telephon am Gerät anbringen und loggt sich so in das System ein. Mit dem CarSharing sind die Anforderungen an das Fahrzeug gestiegen: Zusätzlich zur Geländetauglichkeit ergibt sich die Nutzung innerhalb der Stadt; innerhalb des Projektes wird die Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt als möglicher Partner angesehen. Aus diesem System lassen sich neue Anwendungen folgern, die intelligent in das Konzept mit ein-

bezogen werden müssen. Folgende Fragen sind zu stellen: Besteht die Möglichkeit, (spontane) Einkäufe bzw. Gepäck zu verstauen? Gibt es einen optionalen Sitz? Ist es in Businesskleidung nutzbar etc.

Abb.23: Brutus motorcycle

Eine Auswahl an Produkten, welche auf dem Markt vorherrschen, wird auf den folgenden Seiten gezeigt.

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Abb.24: Peugeot Concept Bike DL122

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Abb.25: FEDDZ Bike

Abb.26: KTM 125_Race Concept


Abb.27: Honda 3r c_concept

Abb.28: Honda Coneptbike

Abb.29: BMW SIMPLE Concept

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Abb.30: Chevrolet EN-V Concept

Anhand der ausführlichen Marktanalyse erschließt sich ein völlig neuwertiger Sektor im Bereich des Transports: die sogenannte compact mobility. Das konzipierte Fahrzeug orientiert sich stark an folgenden Attributen der compact mobility: Leichtigkeit, Kompaktheit, Benutzerfreundlichkeit, an dem auf den Nutzen reduzierten Design, an Modularsystemen und dem alternativen Antriebsystem. Im Folgenden sind Beipiele hierzu angeführt.

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Abb.31: Kobot Carscoop

Abb.32: Toyota i-Real Concept


Abb.33: Hyundai e4u

Abb.34: Kobot_2

Abb.35: Toyota i-Road Concept

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Abb.36: Honda U3-X_Conept_1

40

Abb.37: Honda U3-X_Conept_2

Abb.38: Honda U3-X_Conept_2


Abb.39: eMonocycle

Abb.40: Audi Avatar Concept

Abb.41: BioThink Concept

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Abb.42: Honda Conceptcar

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Abb.43: VIERIA Concept


Abb.44: Toyouta i-Unit

Abb.45: Tron Concept

Abb.46: Toyota PM Concept

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Abb.47: K2 Kickboard

2.2  Geschichte Der Begriff Kickboard bezeichnet eine Kombination aus Skateboard und Scooter (Tretroller). Im Gegensatz zu Tretrollern haben Kickboards jedoch mindestens drei Rollen – zumeist zwei vorne und ein Hinterrad. Zusätzlich kennzeichnen sie sich durch einen Knauf anstatt eines Lenkrades aus. Wie Skateboards werden Kickboards durch Gewichtsverlagerung gelenkt. Diese wird durch zeitgleiches Seitwärtsdrücken mit dem Knauf unterstützt. Im Handel werden auch Schwimmbretter als Kickboard bezeichnet.9 44

Abb.48: Skateboard

Abb.49: Ausgangsmodell Kickboard HTBLVA Ferlach

Kickboard

Tretroller

Unter dem Begriff Tret- bzw. Trittroller versteht man ein Kleinfahrzeug mit jeweils einem Reifen vorne und hinten. Der Fahrer steht auf einem bodennahen Trittbrett und bewegt das Gefährt mittels Muskelkraft. Zu unterscheiden sind Tretroller für den Alltags- und Sportbereich sowie die neu in Mode gekommenen Mini-Klapproller. Während letztere zumeist Hartreifen aufweisen (vgl. Inlineskates), sind die größeren mit Luftreifen ausgestattet. Die gängigen Laufradgrößen liegen im Alltags- und Sportbereich bei 28/18´´ oder 26/20´´ (vorne/hinten).

Verbaut werden zumeist leichtere Metalle wie Aluminium, Stahl oder Carbon. Manchmal sind sie auch aus Holz gefertigt. 1990 wurde das „Kickbike“ von Hannu Vierikko/ FIN als Sommertrainingsgerät zum Tretschlitten erfunden. In den Jahren 2000 - 2001 erlebte der Mini-Klapproller einen Boom und wurde zur Modeerscheinung für den urbanen Individualverkehr. Davor galt er als Kinderspielzeug. Mit dem Aufschwung der englischen Sprache folgte die „Umbenennung“ in Scooter bzw. Kickboard.


Abb.50: Tretroller

45


Abb.51: Skater|Polen

46


Skateboard Das Skateboard und damit verbundene Modebegriffe wie skaten und boarden haben sich längst in der deutschen Sprache etabliert. Ursprünglich bezeichnet es ein Brett, heute eher geläufig unter dem Wort Deck, an dem anhand von zwei Achsen vier Räder befestigt sind. Obwohl als Fortbewegungsmittel gedacht, ist es vielmehr zu einem Werkzeug beweglicher Kunst geworden: Tricks und Sprünge dominieren das Fahrverhalten des Konsumenten. Für die einzelnen Showeinlagen gibt es spezifisches Fachjargon, das auch in anderen Sportbe-

reichen (Motocross, Snowboarding, Inlineskating) gebräuchlich ist.10

47


Abb.52: BMW C1 E

Abb.53: PEDACO Bike

Ein Elektromotorroller, oder kurz auch Elektroroller, E-Scooter oder E-Roller genannt, ist ein Motorroller mit elektrischem Antrieb. Die Energieversorgung erfolgt per Akku. Am Markt gibt es mehrere Produzenten für Elektromotorroller mit Sitzen in den unterschiedlichen Ländern. Unter anderem: vectrix, tante paula(D), E-Sprit elektromobile, PEDACO bike (AUT) und eGo (USA), um nur einige wenige zu nennen.

Weitere vergleichbare Produkte am Markt sind u.a. Pedelec – Fahrrad mit unterstützendem Elektroantrieb – und Segway.11

Elektromotorroller

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Abb.54: Vectrix


Abb.55: ELMOTO HR2 eBike

49


Abb.56: Verkehrsschild Wien


2.3  Verkehrssicherheit Im heutigen Stadtbild sind Scooter und Kickboards längst zur Gewohnheit geworden. Viele Fahrten enden jedoch im Spital. Die Hauptursache der Unfälle sind mangelnde Vorsicht, fehlende Schutzausrüstung sowie Fehler an den Geräten selbst. Besonders Kinder und Jugendliche sind von den Unfällen betroffen.12 Um das Sturzrisiko des elektroKickboards möglichst gering zu halten, finden sich im Folgenden Tipps zur Sicherheit. Zusätzlich unterliegt das Gerät den erforderlichen Sicherheitsvorschriften, auf die in diesem Kapitel näher eingegangen wird.

Ein umsichtiges und rücksichtsvolles Fahrverhalten trägt zur Verkehrssicherheit bei. Kennt der Fahrer seine eigenen Stärken und Schwächen sowie die des Gerätes und passt er sein Fahrverhalten dem jeweiligen Untergrund (Kopfsteinpflaster und Straßenunebenheiten erhöhen das Sturzrisiko) an, so ist der Nutzer vor der Hauptursache der meisten Unfälle, der eigenen Kühnheit, geschützt. Bei herkömmlichen Scootern sei zusätzlich gesagt, dass die meisten Geräte über zu schwache Bremsen für Bergabfahrten verfügen. Das elektroKickboard soll hier Vorreiter in puncto Sicherheit sein.

Dennoch ist trotz Technologie besondere Vorsicht geboten.

51


Abb.57: Sicherheit

2.3.1  Sicherheitstipps Sich vor Fahrantritt mit dem neuen Gefährt vertraut machen! Vorsicht bei scharfen Kanten! Darauf achten, dass der Klappmechanismus deutlich hörbar einrastet! Minitretroller dürfen auf Gehsteigen und Gehwegen benützt werden, sofern weder Fußgänger noch Verkehr behindert oder gefährdet werden. Ebenfalls erlaubt ist das Fahren in Wohn- und Spielstraßen sowie in Fußgängerzonen. Absolutes Sperrgebiet bleiben dagegen Fahrbahnen und Radwege. 52

Es ist ratsam, in Schutzausrüstung zu investieren. Die Gefahren sind die gleichen wie beim Skaten.13


Abb.58: Bodenmarkierung_1

2.3.2  Rechtliche Einordnung Wie das Skateboard und das Snakeboard wird das Kickboard, nach § 2 Abs 1 Z 19 StVO, als fahrzeugähnliches Kinderspielzeug gehandhabt. Die Verhaltenspflichten gelten wie für Fußgänger: So unterstehen sie beispielsweise dem Gefährdungsund Behinderungsverbot. Zulässige Verkehrsflächen für das Kickboard sind Gehwege, Schutzwege, kombinierte Geh- und Radwege, Wohnstraßen, Spielstraßen, Fußgängerzonen.14

Da das elektroKickboard jedoch elektromotorisiert ist und über luftgefüllte Reifen verfügt, ist folgende Rechtslage heranzuziehen: Micro-Scooter sind Kleinfahrzeuge: Micro-Scooter sind „überwiegend zum Verkehr außerhalb der Fahrbahn bestimmte Kleinfahrzeuge“ gem. § 2 Abs 1 Z. 19 StVO. Daher ist man bei der Benützung nicht „Fahrzeuglenker“. Es gelten im Prinzip nur jene Vorschriften der StVO, die sich nicht bloß an Fahrzeuglenker richten. Die Verhaltensregeln gelten nur für Micro-Scooter,

die mit einem Lenker ausgestattet sind, nicht für Skateboards und Snakeboards, weil diese Spielzeuge überhaupt nicht im öffentlichen Straßenraum (außer auf Wohn- oder Spielstraßen) benützt werden dürfen. Der Trittroller ist ein Fahrrad. Hat ein Scooter aber größere, z.B. luftgefüllte, Räder und ist er als „Trittroller“ zu bezeichnen, gilt er als Fahrrad und ist nach den für Fahrräder geltenden Regeln auszustatten (Fahrradverordnung) und zu benützen (§ 68 StVO).15 53


Abb.59: Bodenmarkierung_2

2.3.3  elektroKickboard|StVO Somit zählt das elektroKickboard nach StVO als Fahrrad. Lenken darf ein Fahrrad und somit auch das elektroKickboard, wer - sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, in der er ein Fahrzeug zu beherrschen und die beim Lenken eines Fahrzeuges zu beachtenden Rechtsvorschriften zu befolgen vermag; StVO § 58 (1) - ein Mindestalter von 12 Jahren hat. Ausnahme bilden Kinder mit einem Radfahrausweis. Dieser wird für 10-Jährige nach Absolvierung der Radfahrprüfung ausgestellt; StVO § 65 (1). 54

Im Folgenden finden sich die wichtigsten Bestimmungen aus StVO und der Fahrradverordnung. Der Auflistung liegt die Zusammenfassung der Fahrradlobby ARGUS zu Grunde: Geltungsbereich StVO Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gilt für Straßen mit öffentlichem Verkehr. Für Straßen ohne öffentlichen Verkehr gilt dieses Bundesgesetz insoweit, als andere Rechtsvorschriften oder die Straßenerhalter nichts anderes bestimmen. Die Befugnisse der Behörden und Organe der Stra-

ßenaufsicht erstrecken sich auf diese Straßen nicht; StVO § 1.


Fahrrad ein Fahrzeug, das mit einer Vorrichtung zur Übertragung der menschlichen Kraft auf die Antriebsräder ausgestattet ist, ein zweirädriges Fahrzeug, das unmittelbar durch menschliche Kraft angetrieben wird (Tretroller), ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug (E-Fahrrad, E-Roller); StVO §2 (1) 22. Ein Elektrofahrrad gilt mit einer höchst zulässigen Leistung von nicht mehr als 600 Watt und einer Bauartgeschwindigkeit von maximal 25 km/h als Fahrrad; KFG § 1 (2a).

Ausstattung des Fahrrades Scheinwerfer, hellleuchtend, weiß oder hellgelb, mit dem Fahrrad fest verbunden – „ruhendes“ Licht, d. h. nicht blinkend! (Lichtstärke 100 cd) Rückstrahler, weiß, darf mit dem Scheinwerfer verbunden sein (Lichteintrittsfläche mindestens 20 cm2) Fahrradglocke o.Ä. (eine Vorrichtung zur Abgabe von akustischen Warnzeichen) Rücklicht, rot, kann auch blinken (Lichtstärke 1 cd) Rückstrahler, rot, darf mit dem Rücklicht verbunden sein (Lichteintrittsfläche mindestens 20 cm2)

zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsen (mittlere Bremsverzögerung auf trockener Fahrbahn 4 m/sec2 bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 20 km/h) Rückstrahler, gelb, an den Pedalen (oder gleichwertige Einrichtungen) Seitenstrahler, gelb, 2 Stück pro Laufrad; oder Reifen, deren Seiten weiß oder gelb rückstrahlen; FVO § 1 (1).

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Abb.60: Rad_Impression1

2.3.4  StVo ACHTUNG: „Bei Tageslicht und guter Sicht” ist keine Lichtanlage mehr vorgeschrieben; FVO § 1 (4). D. h., man braucht weder Scheinwerfer noch Rücklicht, jedoch alle vorgeschriebenen Reflektoren! (Der Handel ist verpflichtet, mit dem Verkauf eines jeden Fahrrades eine Lichtanlage mitzuliefern.)

Mehrspurige Fahrräder Es müssen jeweils zwei Rücklichter und Rückstrahler in gleicher Höhe so angebracht sein, dass sie die seitliche Begrenzung des Fahrrades erkennen lassen. Die Bremsen müssen auf alle Räder und innerhalb einer Achse gleichzeitig und gleichmäßig wirken; FVO § 2. Nachrang RadfahrerInnen, die eine Radfahranlage verlassen, haben anderen Fahrzeugen im fließenden Verkehr den Vorrang zu geben; StVO § 19 (6a).

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Fahrrad schieben Wer ein Fahrrad schiebt, gilt als Fußgänger; StVO § 65 (1). Radwege Das blaue Radwegschild zeigt an, dass dieser Weg nur von Fahrrädern benützt werden darf. Ist auf einer Straße ein Radweg oder ein Geh- und Radweg vorhanden, so muss dieser auch benützt werden. Ausnahme: Bei Trainingsfahrten mit Rennrädern muss die Radfahranlage nicht benutzt werden; StVO § 68 (1).


Abb.61: Rad_Impression2

Rad- und Mehrzweckstreifen Diese sind an den Markierungen auf der Fahrbahn (Sperrlinie/Leitlinie) und den Fahrradpiktogrammen zu erkennen. Auch sie müssen benützt werden. Ausnahme: siehe „Trainingsfahrten“ unter „Radwege“. Mehrzweckstreifen dürfen von Kraftfahrzeugen befahren werden, wenn RadfahrerInnen weder gefährdet noch behindert werden; StVO § 8 (4).

Radfahranlage Radfahranlagen müssen benützt werden. Dazu zählen Radfahrstreifen, Mehrzweckstreifen, Radweg, Geh- und Radweg oder eine Radfahrerüberfahrt; StVO § 2 (11b) und § 68 (1). Gehsteig Auf Gehsteigen ist das Radfahren in Längsrichtung verboten (das Queren ist erlaubt); § 68 (1). Ist ein Gehsteig mehr als 2,5 m breit, dürfen Fahrräder auf dem Gehsteig abgestellt werden; StVO § 68 (4).

Fußgängerzonen Sie dürfen nur dann mit dem Fahrrad befahren werden, wenn dies durch Zusatzschilder („ausgenommen Fahrräder“) ausdrücklich erlaubt ist. Wie auf allen Anlagen mit Fußgängerverkehr haben dabei die Radfahrer auf die Fußgänger Rücksicht zu nehmen. Es gilt Schrittgeschwindigkeit; StVO § 76a (2) 3.

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Abb.62: Rad_Impression3

2.3.5  Verhalten der Radfahrer Wohnstraßen Sie dürfen von Radfahrern in Schrittgeschwindigkeit durchfahren werden; StVO § 76b (1). Radfahrer sind von Einbahnregelungen in Wohnstraßen generell ausgenommen; StVO § 7 (5). Fahrgeschwindigkeit Der Lenker eines Fahrzeuges hat die Fahrgeschwindigkeit den gegebenen oder durch Straßenverkehrszeichen angekündigten Umständen, insbesondere den Straßen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen, sowie den Eigenschaften von Fahr58

zeug und Ladung anzupassen. Er darf auch nicht so schnell fahren, dass er andere Straßenbenützer oder an der Straße gelegene Sachen beschmutzt oder Vieh verletzt, wenn dies vermeidbar ist. Er darf auch nicht ohne zwingenden Grund so langsam fahren, dass er den übrigen Verkehr behindert; StVO § 20 (1).16

§ 68 StVO Verhalten der Radfahrer (1) Auf Straßen mit einer Radfahranlage ist mit einspurigen Fahrrädern ohne Anhänger die Radfahranlage zu benützen, wenn das Befahren der Radfahranlage in der vom Radfahrer beabsichtigten Fahrtrichtung gemäß § 8a erlaubt ist. Mit Fahrrädern mit einem Anhänger, der nicht breiter als 80 cm oder ausschließlich zur Personenbeförderung bestimmt ist, mit mehrspurigen Fahrrädern, die nicht breiter als 80 cm sind, sowie bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern darf die Radfahranlage benützt werden; mit Fahrrädern


mit einem sonstigen Anhänger und mit breiteren mehrspurigen Fahrrädern ist die für den übrigen Verkehr bestimmte Fahrbahn zu benützen. Auf Gehsteigen und Gehwegen ist das Radfahren in der Längsrichtung verboten. Auf Geh- und Radwegen haben sich Radfahrer so zu verhalten, dass Fußgänger nicht gefährdet werden. (2) Radfahrer dürfen nur auf Radwegen und in Wohnstraßen sowie auf sonstigen Straßen mit öffentlichem Verkehr bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern nebeneinander fahren; beim Ne-

beneinanderfahren darf nur der äußerste rechte Fahrstreifen benützt werden. (3) Es ist verboten, a) auf einem Fahrrad freihändig zu fahren oder die Füße während der Fahrt von den Treteinrichtungen zu entfernen, b) sich mit einem Fahrrad an ein anderes Fahrzeug anzuhängen, um sich ziehen zu lassen, c) Fahrräder in einer nicht verkehrsgemäßen Art zu gebrauchen, zum Beispiel Karussellfahren, Wettfahren und dgl.,

d) beim Radfahren andere Fahrzeuge oder Kleinfahrzeuge mitzuführen. (3a)  Radfahrer  dürfen  sich  Radfahrerüberfahrten,  wo  der  Verkehr  nicht  durch  Arm-  oder Lichtzeichen geregelt wird, nur mit einer Geschwindigkeit von höchstens 10 km/h nähern und diese nicht unmittelbar vor einem herannahenden Fahrzeug und für dessen Lenker überraschend befahren.

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(4) Fahrräder sind so aufzustellen, dass sie nicht umfallen oder den Verkehr behindern können. Ist ein Gehsteig mehr als 2,5 m breit, so dürfen Fahrräder auch auf dem Gehsteig abgestellt werden; dies gilt nicht im Haltestellenbereich öffentlicher Verkehrsmittel, außer wenn dort Fahrradständer aufgestellt sind. Auf einem Gehsteig sind Fahrräder platzsparend so aufzustellen, dass Fußgänger nicht behindert und Sachen nicht beschädigt werden.

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(5) Gegenstände, die am Anzeigen der Fahrtrichtungsänderung hindern oder die freie Sicht oder die Bewegungsfreiheit des Radfahrers beeinträchtigen oder Personen gefährden oder Sachen beschädigen können, wie zum Beispiel ungeschützte Sägen oder Sensen, geöffnete Schirme und dgl., dürfen am Fahrrad nicht mitgeführt werden.

mäßer  Weise gebrauchen. Dies  gilt  nicht,  wenn der Gebrauch des Helms  wegen der körperlichen Beschaffenheit des Kindes nicht möglich ist. Wer ein Kind beim Radfahren beaufsichtigt, auf einem Fahrrad mitführt oder in einem   Fahrradanhänger   transportiert,   muss   dafür   sorgen,   dass   das   Kind   den   Sturzhelm   in bestimmungsgemäßer  Weise  gebraucht.  Im  Falle  eines  Verkehrsun(6) Kinder unter 12 Jahren müssen beim Radfah- falls  begründet  das  Nichttragen  des Helms  kein  ren, beim Transport in einem Fahrradanhänger Mitverschulden  im  Sinne  des  § 1304  des  allund wenn  sie  auf  einem  Fahrrad  mitgeführt  gemeinen  bürgerlichen  Gesetzbuches,  JGS Nr. werden,  einen  Sturzhelm  in  bestimmungsge- 946/1811, an den Folgen des Unfalls.17


Abb.63: Rad_Impression3

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Abb.64: Projekt Ergonomie TU Chemnitz

Abb.65: Ergonomie|Bewegung

Abb.66: Tripp-Trapp

Speziell im Arbeitssektor besteht eine Tendenz zur Ergonomie. Diese ist darauf ausgerichtet, den Arbeitsplatz eines Individuums speziell nach dessen körperlichen Anforderungen zu gestalten. So gibt es individuell verstellbare Sitze, den optimalen Bildschirmabstand, ergonomische Tastaturen etc. Im heutigen Alltag ist die Ergonomie nicht mehr wegzudenken. Zudem zählen auch persönliches Empfinden, wie Kälte- und Wärmewahrnehmung, sowie psychische Belastungen, wie Stress, eine bedeutende Rolle im Alltag. Doch auch Objekte, besonders jene, die vom Men-

schen genutzt werden, sollten in ihrem Design die Ergonomie berücksichtigen. Wohl eines der gelungensten Beispiele für Design ist der Tripp Trapp®, jener Kindersessel, der mit seinem Benutzer – zumindest eine Zeit lang- mitwächst. Vor allem im Radsport liegt der Fokus auf Benutzerfreundlichkeit und Ergonomie. Dies wird über verschiedene Rahmengrößen, den individuell einstellbaren Sattel sowie die unterschiedlichen Lenker gewährleistet. Zudem gibt es Räder, die sich je nach Anwendungsbereich an die Ansprüche des Nutzers anpassen. Somit wird unter anderem zwi-

2.4  Ergonomie Da das elektroKickboard für Menschen gestaltet ist, ist die Ergonomie im Hinblick auf das Design unerlässlich. Der Begriff der Ergonomie stammt ursprünglich aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern ergon = Arbeit, Werk und nomos = Gesetz, Regel zusammen. Gemäß der International Ergonomics Association wird unter Ergonomie die Lehre von der menschlichen Arbeit und die Erkenntnis ihrer Gesetzmäßigkeiten verstanden.18

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Abb.67: Fahrradlenker

Der Lenker schen Rennrädern, Citybikes und Mountainbikes unterschieden. Im Tretroller-Sportbereich scheinen die Möglichkeiten zur ergonomischen Umsetzung limitierter, doch gibt es auch hier Punkte, die zu beachten sind, wie die Internetpräsenz „Tretrollersport.at“ aufzeigt:

Bei der Breite des Lenkers ist darauf zu achten, dass eine offene, abgewinkelte Armhaltung gewährleistet ist. Diese ermöglicht eine freie Atmung. Bei Tretrollermodellen, die gerade und zu wenig breite Lenkstangen aufweisen, kann diese blockiert werden. Je nach Fahrstil und individuellen Bedürfnissen sollte die Lenkerhöhe (Griffhöhe) ca. 5cm unter bis 5cm über dem Schritt sein. Ein beliebter Fehler der Tretrollerfahrer ist ein zu hoch eingestellter Lenker. Diese Fehleinstellung blockiert zum Teil die Beugung des Oberkörpers und führt zu einem eingeschränkten Bewegungsablauf

des Schwungbeines: Der Schwung kann nicht komplett nach rückwärts ausgeführt werden. Zieht man zudem den Lenker schräg nach vorne, statt ihn im rechten Winkel zu lassen, gewinnt man Platz für die Armbewegung beim Tiefgehen des Körpers in der Abstoßphase.

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Abb.68: Griffe

Abb.69: Bremshebel

Abb.70: Fahrradrahmen

Die Griffe

Die Bremsen

Der Rahmen

Ergonomische Griffe sollten nicht zu breit gewählt werden. Durch weichere Griffe (z.B. Schaumstoff) lassen sich Druckstellen an den Händen vermeiden.

Wie bei Fahrrädern sind die Bremshebel am Lenker montiert. Wichtig ist hierbei, dass diese mit den Fingern leicht zu erreichen sind. Dies ist ausschlaggebend für schnelles Reagieren und somit für die Sicherheit während der Fahrt.

Je steifer der Rahmen konstruiert ist, umso effektiver wird die Druck- und Zugphase des Fahrers auf die Räder übertragen und in Fahrgeschwindigkeit umgesetzt. Zudem ist ein kleiner Rahmen stabiler als ein großer.

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Abb.71: Tretroller|Trittbrett

Das Trittbrett Ein guter Sport- und Fitnesstretroller verfügt über ein schmales Trittbrett. Grund dafür ist, dass dadurch das Stoßbein nahe am Trittbrett vorbeigezogen werden kann. Dies begünstigt die natürliche Körperhaltung. Als Vergleich lässt sich das Laufen anführen, da niemand mit auseinander gezogenen Beinen läuft. Darüber hinaus verhindert ein schmales Trittbrett ein Aufsitzen bei extremen Schräglagen in Kurven. Bei vielen Tretrollermodellen ist das Trittbrett zu hoch gesetzt. Vorteilhaft am bodennahen Tritt-

brett ist die geringere Kraftaufwendung, welche im Standbein bei der Hoch- und Tiefbewegung benötigt wird. Je tiefer das Trittbrett liegt, desto weniger Kraft und Energie wird benötigt.

Außerdem gilt es, die Länge des Trittbrettes zu beachten. Es sollte dem Standfuß genügend Platz bieten und dem Fahrer eine optimale Körpervorlage ermöglichen.

Eine Ausnahmesituation ist ein abfallendes Trittbrett. Das bedeutet, dass das Trittbrett beim Vorderrad etwas höher gelegen ist und zum Hinterrad abfällt. Dadurch wird verhindert, dass das Standbein beim Abstoß des Trittbeines nach vorne rutscht. Dies erspart Standbeinkorrekturen. 65


Abb.72: Geländetaugliche Reifen

Die Reifen Die Reifengröße liegt bei den meisten Kleinradtretrollern bei 12,5 Zoll oder 16 Zoll, wobei Mischformen existieren. Diese bewältigen zwar problemlos Schlaglöcher und kleinere Hindernisse, dennoch werden am elekroKickboard, für bessere Geländetauglichkeit, Reifen mit 20cm Durchmesser benützt. Weiters ist darauf zu achten, eine gute Bodenhaftung zu erzielen.19

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Abb.73: Impression_Ergonomie1

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3 Entwurf

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3.1  Skribbles Abb. 74 und 75 zeigen erste manuelle Skizzen zur Formfindung des elektroKickboards. Auch Ăœberlegungen, wie ein optionaler Sitz, flossen in dieser Phase mit ein.

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Abb.74: Skribbles Ideenfindung elektroKickboard_1

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Abb.75: Skribbles Ideenfindung elektroKickboard_2

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3.2  Skizzen Der Suchbegriff geländetaugliches, elektromotorisiertes Kickboard ergab im Internet keine Treffer. Damit war die Idee der Diplomarbeit gesichert. Eine Marktlücke schien gefunden: die Vorteile eines Scooters oder Mini-Tretrollers, Leichtigkeit, einfacher Transport und Wendigkeit mit dem einzigartigen Fahrgefühl eines Kickboardes zu kombinieren. Der Wunsch nach Geländetauglichkeit ergab sich durch Abenteuerlust und die Möglichkeit, neue Perspektiven mit dem Gerät zu erkunden, welches mehr sein soll als lediglich ein Kleinfahrzeug für 74

den Stadtverkehr. Die Technikbegeisterung der Gruppe führte zu dem Gedanken, das Kickboard zu motorisieren. Dabei ergibt sich auch ein größerer Bewegungsradius, was ebenfalls ein Kriterium des Projektes ist. Durch den Elektromotor wird ein Beitrag zur Umwelt geleistet. Ein Aspekt, der vor allem in zukunftsorientiertem Design immer mehr fokussiert wird. Nach ausführlicher Recherche wurden erste Skizzen und Skribbles erstellt, wie das Vehikel realisiert werden könnte:


Abb.76: Skizzen Ideenfindung elektroKickboard_1

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Abb.77: Skizzen Ideenfindung elektroKickboard_2

Aus diesen ergibt sich die endg端ltige Form, welche auf Abb.78 zu sehen ist.

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Abb.78: Skizze Blaues Konzept

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3.3  Renderings Die folgenden Abbildungen zeigen Computerrenderings bzw. von Hand erstellte Grafiken, welche in dem Programm Photoshop bearbeitet wurden.

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Abb.79: Computerrenderings Formfindung_1

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Abb.80: Computerrenderings Formfindung_2

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Abb.81: Computerrenderings Formfindung_3

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Abb.82: Computerrenderings Farbfindung_1

Nach Abschluss der Formfindung (Abb.78) folgten Ăœberlegungen bezĂźglich der Farbwahl. Die Entscheidung fiel auf Blau und Rot. Blau symbolisiert Reinheit. Mit dieser Farbe soll der Beitrag zu einer reinen Umwelt unterstrichen werden. Im Gegensatz dazu steht das Rote Konzept, welches Jugendlichkeit, Dynamik und Fun vermittelt.

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Abb.83: Computerrenderings Farbfindung_2

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Abb.84: Computerrenderings Farbfindung_3

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Abb.85: Computerrenderings Farbgebung_Endkonzept

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Abb.86: Seitenansicht

3.4  3D-Modelling Die Abbildungen 86 - 91 zeigen im Computerprogamm Maya erstellte 3D-Modellings zur dreidimensionalen Veranschaulichung des elektroKickboards.

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Abb.87: Frontansicht

Abb.88: Draufsicht


Abb.89: Aufriss

Abb.90: Seitenansicht_2

Abb.91: Seitenansicht_3

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4 Grundkonzept

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Abb.92: Zielgruppe

4.1  Zielgruppe Als Zielgruppe für das Kickboard haben sich sportlich-ambitionierte Personen oder solche, die es werden wollen, herauskristallisiert. Dabei sollen gleichermaßen Frauen und Männer angesprochen werden. Ein Augenmerk liegt besonders auf Jugendlichen: Sie sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Bewegungsradius zu erweitern und ein neues, sportliches Fahrgefühl erleben. Dadurch, dass sich das Fahrzeug auch im Gelände benutzen lässt, werden auch Personen, die im Bergsport tätig sind, angesprochen.

Im Vordergrund steht der Spaß, den das Fahrgefühl auslöst. So werden auch Gelegenheitssportler erreicht oder Leute, die einen Kick erleben wollen. Dadurch, dass es leicht zu bedienen ist und eine hervorragende Sicherheit aufweist, können es Personen ab ca. zwölf Jahren problemlos nützen. Auf Grund der 3-Reifen-Stellung ist es überaus stabil. Somit ist es auch für ältere Personen, die Spaß an der Bewegung haben, geeignet. Nachdem es elektrisch angetrieben wird, etabliert sich das Kickboard auch für sportlich benachteiligte Nutzer wie körperlich eingeschränkte Personen oder Per-

sonen mit Gesundheitsproblemen. Es eignet sich zum Einkaufen, für einen Ausflug mit der Familie oder Freunden genauso wie dafür, problemlos zu einem Geschäftstermin zu gelangen.


4.2  Moodboard Mit der Nutzung des elektroKickboards sollen verschiedene Gefühle assoziiert werden. Als FunGerät ausgelegt, steht im Vordergrund selbstverständlich der Spaß. Doch neben dem waghalsigen Fahrverhalten im Gelände soll es auch verkehrstauglich und vor allem sicher sein. Die Sicherheit soll besonders neuen Usern oder unsicheren Fahrern das Gefühl von Freiheit vermitteln. Es ist ein beständiges Fahrzeug, auf welches man sich verlassen kann. Zudem leistet es einen Beitrag zur Umwelt und ist mit seinem elektrischen Antrieb nachhaltig. Das steht für die enge Verknüpfung

zwischen Bewegung und Umwelt. Da es ein Kleinfahrzeug ist, ist besondere Sorgfalt bei Gewicht und Sperrigkeit gegeben: Das elektroKickboard ist leicht und handlich. Damit steht der freudigen Bewegung im Gelände und auf den Straßen nichts mehr im Weg.

Abb.93: Moodboard

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Abb.94: Manuelle und mit dem Computer Ăźberarbeitete Renderings Rotes Konzept

4.3  Rotes Konzept

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Abb.95: Detail Lenker

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Abb.96: Lenkeransichten

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Abb.97: Computerrendering Seitenansicht

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Abb.98: Detail Reifen

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Abb.99: Frontansicht

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Abb.100: Seitenansicht

Abb.101: Draufsicht


Abb.102: Ăœberarbeitete Handskizze Gesamtkonzept

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5 Name|Logo

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Abb.103: elektroKickboard Logo

Das Logo des elektroKickboards ergab sich aus dem Namen und dem Bezug zur Elektronik. Es entstand die Idee, den Schriftzug so zu entwerfen, dass er ein Fahrzeug darstellt. Der Rohentwurf wurde in seiner Linienführung überarbeitet und optimiert, bis ein dynamischer Schwung, frei von Kanten, erkennbar war. Vor allem war es eine gruppeninterne Anforderung, sich von den konventionellen Elektromobilitätslogos abzuheben. Das Logo des elekroKickboards sollte nicht vom im Allgemeinen grün oder blau hervorgehobenen „e“ bzw. „E“ dominiert sein. 102

Statt der herkömmlich kommunizierten Elektronik über Stecker und Steckdose sollte der Gesamteindruck eine Ahnung der verwendeten technischen Details vermitteln. So symbolisiert das „E“ den Platz für den Akku, während das „e“ in einen Reifen übergeht. In diesen lässt sich mit etwas Phantasie der Radnabenmotor und dessen Bluetooth-Sensorik interpretieren. Das „t“ stellt das Lenkrad dar. Der elektronische Antrieb muss nicht eigens hervorgehoben werden, da er im Wort enthalten ist. Dadurch, dass das elektroKickboard in erster Linie

auch Spaß vermitteln soll, haftet dem Schriftzug etwas Comicartiges an. Das Kickboard ist leicht geneigt und symbolisiert somit Bewegung und Dynamik. Hinsichtlich der Farbwahl lässt es sich auf die einzelnen Anwendungen zuschneiden. Zudem dient es als Vorlage für das Konzept der Dockingstation. Die Überlegung dahinter ist es, einen Wiedererkennungswert zu erzeugen.


Abb.104: elektroKickboard Logo_Variation 1

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6 Farben

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Abb.105: Rot 178|22|0; inDesign

6.1  Rot Wie alle anderen Farben auch existiert Rot in vielen verschiedenen Farbnuancen. Die bekanntesten sind wohl Zinnober-, Kamin- und Scharlachrot. Doch auch Korallrot, Fuchsia und Terracotta fallen in diesen Farbbereich. Rot ist die älteste Farbe der Welt. - Die, der der Mensch erstmals einen Namen gab. Zudem zählt sie zu den drei Urfarben Rot, Grün und Blau (RGB). Das im Druck verwendete reine Rot, frei von Blau und Grün, Magenta, wird vom Laien jedoch als blaustichig empfunden. Die Symbolik von Rot ist empirisch durch Feuer 106

und Blut geprägt. Die Farbe selbst ist bei Frauen und Männern gleichermaßen beliebt (20% nach Eva Heller „Wie Farben wirken“). In vielen Kulturen gilt das Blut als Sitz der Seele. So ist auch die Tradition der Blutopfer eine althergebrachte. Speziell in Schweden wurde das kostbarste „Gut“ der Bevölkerung, der König, geopfert. Zur Zeit der Christenverfolgung wurden Christen beschuldigt, bei ihrer ersten Abendmahlfeier Kinder zu erdolchen, welche auf dem Altar unter dem Opfermehl versteckt seien. So galt der Wein, das Blut Christi, als das Blut ermordeter Kinder. Gene-

rell wird anderen, fremden Glaubensrichtungen oftmals unterstellt, um des Blutes willen rituelle Morde zu begehen. Um die Kraft und Stärke zu übertragen, die dem Blut innewohnt, wurden Neugeborene darin gebadet und Hochzeitspaare damit übergossen. Während die römischen Gladiatoren das Blut ihrer sterbenden Feinde tranken, gossen es die Griechen in die Gräber ihrer Verstorbenen, um den Toten Kraft ins Jenseits mitzugeben.


Abb.106: Impression_Opferung

Abb.107: Mars

Abb.108: Impression_Verführung

Mit dem Leitsatz „similia similibus“ (Gleiches mit Gleichem) wurden rote Krankheiten mit Blut oder anderen Mitteln behandelt. Generell wurde der Farbe in der Volksmagie heilende Wirkung zugesprochen. So band man rote Tücher und Bänder um kranke Körperstellen, wie etwa Arme und Beine. Auch vor Ungeziefer sollte die rote Farbe schützen, weshalb man um Rebstöcke rote Bänder band. Rote Mützen für kleine Kinder sollten diese vor bösen Blicken und Dämonen schützen. Oft wurden diese mit Korallenkettchen kombiniert.

Im Gegensatz zu Grün, welches das pflanzliche Wachstum symbolisiert, steht Rot für das animalische Leben. Auch ist es die Farbe der Leidenschaften. Dies ist ebenfalls empirisch begründet, da einem vor Aufregung, Angst, Hass, Liebe, aber auch Scham, das Blut in den Kopf steigen kann. Als Folge wird dieser rot. Dadurch ist auch das Sprichwort „rot sehen“ begründet. Als Farbe der Liebe ist jedoch zu erwähnen, dass sich diese, je nach den mit der Liebe verbundenen Erfahrungen, ändert. Je näher die Leidenschaft der Sünde kommt,

desto mehr steigt die Verbindung von Rot mit Schwarz. Eine Farbe mit Schwarz kombiniert führt dazu, dass sich ihre Symbolik ins Gegenteil verkehrt. Somit ergibt die Kombination von Rot und Schwarz den Hass. Deshalb trägt der Teufel diese Farbkombination. Des Weiteren ist Rot die Farbe des Krieges, des Kriegsgottes Mars und des gleichnamigen Planeten, welcher auch als Planet des Krieges gilt. Krieger wurden bis zum 19. Jahrhundert in Rot gekleidet. Dem lag der Glaube zugrunde, dass sich die Attribute der Farbe auf den Träger übertrugen. Erst 107


Abb.109: Rote Tinte

Abb.110: Feuer

Abb.111: Venus von Willendorf

mit der Kriegsführung aus dem Hinterhalt wurde Rot als Uniformfarbe verdrängt und von Tarnfarben abgelöst. Darüber wird Blut mit Blut gesühnt und ist damit die Farbe der Justiz: Todesurteile wurden von Richtern mit roter Tinte unterzeichnet. Durch die Verehrung des Feuers als göttliche Kraft ergibt sich eine weitere Symbolik: Feuer vertreibt die Kälte, die Mächte der Finsternis und reinigt, indem es vernichtet. Es gilt als Sinnbild für das Göttliche und Gott selbst, da es dem Himmel entgegenstrebt, von welchem es ursprünglich, in Form

von Blitzen, kam. In kalten Ländern, in denen die Sehnsucht nach Wärme vorherrscht, hat es lediglich positive Bedeutungen. In Russland bezeichnet es Wertvolles und Schönes; ein „rotes Wort“ gilt als geistreiche Bemerkung und „rotes Wild“ bezeichnet zum Beispiel Bären und Zobel, da ihr Fell, wegen ihrer Seltenheit, besonders wertvoll ist. In Gebieten, in denen die Hitze der Sonne lebensbedrohlich ist, wohnt dem Feuer entsprechend negative Bedeutung inne. Es gilt als böse und zerstörerisch. Als Rot, Orange und Gelb verkörpert es die Farben

der Hitze, des „feurigen Blutes“ und der Begierde. Hier vereint sich die Symbolik von Blut und Feuer. Im Gegensatz zum fernen Blau wirkt Rot aus der Nähe. Es steht für das Reelle und Greifbare. Obwohl Rot eigentlich eine männliche Farbe ist (Kraft, Aktivität und Aggression), gibt es innerhalb gewisser Naturreligionen eine geschlechtsbezogene Symbolik des Blutes und damit der Farbe. Hier wird das helle Rot als männlich angesehen. Es ist das Blut, welches im Kampf vergossen wird. Ihm gegenüber steht das dunkle, weibliche Blut, das die Fruchtbarkeit verkörpert. Deshalb

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Abb.112: Schuhe_Louboutin

Abb.113: Rot 136|0|0; RGB; inDesign

Abb.114: Rot 255|0|0; RGB; inDesign

wurde Menstruationsblut früher auf den Feldern vergossen, um die Chancen auf eine gute Ernte zu erhöhen. Grob eingeteilt ergibt sich folgende Unterscheidung: Das helle Blut ist das Herzblut, während das Dunkle dem Bauch bzw. dem weiblichen Schoß entspringt. Historisch betrachtet gab es bis zur Französischen Revolution strikte Kleiderordnungen, deren Ursprung im Mittelalter zu finden ist. Zur dieser Zeit galten lediglich reine Farben als schön. Diese waren in der Herstellung teuer, da sie aus Naturstoffen gewonnen wurden, welche von Verunrei-

nigungen befreit werden mussten, um eine leuchtende, kraftvolle Farbe zu geben, und somit für das einfache Volk unerschwinglich. Zusätzlich wurde der Farbe Rot nachgesagt, sie verleihe Macht. Aus diesem Grund verbot der Adel das Rot in den unteren Ständen. Charakteristisch für den Adel war im Mittelalter der rote Mantel, die so genannte Schaube. Dieses Privileg ging jedoch mit der Machteinbuße des Adels verloren. Ab 1498 wurde Rot in einer Freiburger Kleiderordnung auch Gelehrten gestattet. 1524/25 fochten die Bauern ebenfalls für das Recht, Rot zu tragen, jedoch vergebens. Be-

reicherung fand in dieser Zeit des Bauernkrieges eine schmale Schicht der Bürger in Städten durch Handel. Sie nannten sich Patrizier und erkoren das Rot zu ihrer Farbe – zur Farbe des Reichtums. Ehemals wurde auch in Rot geheiratet. Zudem gab es Vorschriften zur Farbe der Brauttruhen selbst. Bis zum 18. Jahrhundert reduzierte sich das Privileg der roten Kleidung auf die Symbolik und drückte sich lediglich in roten Absätzen der Schuhe aus. Sie blieben dem Adel vorbehalten.

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Abb.115: #80080|Purpur; forret

Abb.116: #FF2400|Kermes|Scharlach; forret

Abb.117: #FF2400|Karminrot; forret

Als Textilfarbe gilt Rot seit jeher als luxuriös. Dies ist bedingt durch die Herstellung. Als das edelste Rot gilt Purpur, welches ehemals Violett war. Es war die Farbe der Könige, Kardinäle und obersten Richter und seine Herstellung ein wohl gehütetes Geheimnis der königlichen Färberei am byzantinischen Hof. Mit dem Untergang Konstantinopels ging die Rezeptur von Purpur verloren. Danach wurde es aus getrockneten weiblichen Schildläusen, den Kermesläusen, gewonnen und wurde rot. Daher auch der Name Kermesrot. Seit dem 18. Jahrhundert wurde Rot auch aus den Wurzeln der

Krapp-Pflanze, welche aus Kleinasien importiert wurde, gewonnen. Als Meister der Krapp-Färbung galten die türkischen und italienischen Färber. Im 16. Jahrhundert gelang es den Niederländern, die Pflanze in bester Qualität im heimischen Gebiet anzubauen. Dadurch wurde Rot für jedermann erschwinglich. Ein weiterer Einschnitt war die Entdeckung Amerikas. Aus Mexiko wurde ein neuer Farbstoff importiert, welcher durch seine strahlendere Leuchtkraft auffiel. Er wurde aus Cochenilleläusen gewonnen. Im Gegensatz zu dem scharlachfarbenen Kermes, erhielt man aus diesen

blaustichiges Karminrot. Selbst im 17. und 18. Jahrhundert war das Rotfärben ein aufwändiger Arbeitsprozess, welcher fünf bis acht Tage in Anspruch nahm und sich aus 17 Arbeitsschritten zusammensetzte. Erst durch die Fortschritte in der Chemie, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten, rückte das Wissen der Färber in den Hintergrund. Der erste synthetisch hergestellte Farbstoff war Krapp. Mittlerweile wird de facto ausschließlich mit synthetischen Farbstoffen gefärbt. Da Rot zur damaligen Zeit eine der wenigen licht-

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Abb.118: Flagge|Österreich

Abb.119: Rotes Fahrrad

Abb.120: Impression Rot

beständigen Farben war, wurde es für Flaggen eingesetzt. So war es die Farbe der kriegerischen Blutsfahne; 1792 nutzten es die Jakobiner als Friedensfahne und ab 1834 wurde es durch die aufständischen Seidenweber in Lyon zur Farbe der Arbeiterbewegung. Seither prägte die Farbe unterschiedliche politische Bewegungen, unter anderem Marxismus, Leninismus, aber auch Nationalsozialismus, Linksradikale und Terroristen. Demnach werden, je nach politischer Gesinnung, „die Roten“ mit Gut oder Böse assoziiert. Des Weiteren symbolisiert Rot das gesetzlich Ver-

botene und wird als Warnfarbe eingesetzt. Dies rührt daher, dass es den auffälligsten Kontrast in der Natur darstellt. Aber auch in der Schule hat sich Rot als Korrekturfarbe gehalten. Daneben repräsentiert es auch das moralisch Verbotene. Besonders in der Werbung wird Rot eingesetzt, um eine aktive und dynamische Suggerierung zu erzielen. Auf Grund der Massenwerbung ist der Mensch jedoch geneigt, dies schlichtweg auszublenden. Deshalb ist es ratsam, Rot in unerwartetem Kontext einzusetzen und mit dem Überraschungseffekt zu arbeiten.20

Für das elektroKickboard ist die Farbe wegen der Dynamik interessant. Sie gibt einen aktiven Kontrast zu dem nachdenklichen Blau und dem natürlichen Grün. Über Rot soll Fun und Action vermittelt werden, der Spaß an der Bewegung.

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Abb.121: Blau 44|11|175; inDesign

Abb.122: Blau_Dimensionen

Abb.123: Wegwarte

soll. Blau gilt als Farbe der unbegrenzten Dimensionen. Betrachtet man beispielsweise eine Farbkombination aus den Farben Blau, Rot und Grün, so erscheint Blau am weitesten entfernt. Dies ist empirisch begründet, da Farben in unserer Umgebung mit wachsender Entfernung blauer erscheinen als solche in unmittelbarer Nähe. Daraus entstanden auch Redewendungen wie: Man fahre ins Blaue oder rede ins Blaue. Damit wird ausgedrückt, dass es sich um etwas Ungewisses bzw. Unbekanntes handelt. Über die Assoziation mit der Ferne ergibt

sich eine weitere Bedeutung der Farbe: Sie repräsentiert die Treue. Dabei ist Treue keine Tugend, welche zur Schau getragen wird. Sie gewinnt erst an Bedeutung, sobald die Möglichkeit zur Untreue besteht. So unscheinbar wie die Treue selbst, sind auch die Blumen, welche für sie sprechen. Um die himmelblaue Wegwarte rankt sich gar das Märchen, sie sei eine Frau gewesen, welche am Wegesrand ihres Liebsten harrte, bis sie schließlich zur Blume wurde.

6.2  Blau Wie bei fast allen Farben existieren auch hier die unterschiedlichsten Farbnuancen, wie Lavendelblau, Lichtblau, Kobaltblau, Ultramarinblau, Pariser- und Zwetschgenblau, um nur einige wenige zu nennen. Zudem gilt Blau als eine der häufigst genannten Lieblingsfarben. Einer Umfrage Eva Hellers zufolge, nennen 40% der männlichen und 36% der weiblichen Testpersonen Blau als beliebteste Farbe. Blau hat darüber hinaus sowohl historisch als auch symbolisch eine weitläufige Bedeutung, auf die in diesem Kapitel näher eingegangen werden 112


In der Minnedichtung trägt Frau Staete ein blaues Kleid. Dabei bedeutet Staete Beständigkeit. Dadurch entstand der englische Hochzeitsbrauch something old, something new, something borrowed, something blue. In der romantischen Dichtung ist die Blaue Blume der Inbegriff für Sehnsucht. Geprägt wurde der Begriff von Novalis, welcher in seinem Fragment „Heinrich von Ofterdingen“ den Protagonisten von einer blauen Blume träumen lässt. Der junge Dichter beobachtet im Traum, wie eine blaue Blume, umgeben von blauen Felsen, in einem Garten, vor

Abb.124: Toscani

Abb.125: Untreue

einer blauen Quelle, beginnt, sich in das Antlitz eines Mädchens zu verwandeln. Bevor die Transformation abgeschlossen ist, wird der Jüngling abrupt von seiner Mutter geweckt. Die Sehnsucht nach dem im Traum erblickten Mädchen lässt ihn auch im Leben nicht mehr los. Weiters steht Blau, im Gegensatz zu Violett, für die positive Seite der Phantasie: für utopische Ideen, deren Verwirklichung in weiter Ferne realisierbar ist. Mit dem erwähnten Violett wird die negative Seite, die Nähe zur Lüge, assoziiert. Die dritte Farbe der Phantasie, Gelb, repräsentiert die Lüge

selbst. Dennoch wird in manchen Redensarten Blau direkt mit der Lüge in Verbindung gebracht. So lügt man jemandem das Blaue vom Himmel herunter. In Pieter Bruegels Gemälde „Die Sprichwörter“ hängt eine junge Frau einem alten Mann einen Mantel um. Was als fürsorgliche Geste aufgefasst werden kann, täuscht, da in Holland „de blauwe Huyck“ (der blaue Mantel) als Symbol für eheliche Untreue und Betrug gilt.

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Abb.126: #4B0082|Indigo; forret

Abb.127: Blaues Schlafzimmer

Abb.128: Entspannung

Blau ist außerdem die Komplementärfarbe zu Orange. Während Orange die dynamischste Farbe ist, gilt Blau als kühl. Dies lässt sich einfach begründen: Eis und Schnee wirken blau und auch die Haut wird in der Kälte blau. Als Raumfarbe löst es zwar geschlossene Räume auf, doch wirkt es abweisend und kalt. Zudem wird die Temperatur in blauen Räumen als niedriger empfunden, als es tatsächlich der Fall ist. Kaltes Blau symbolisiert Gefühlslosigkeit, Stolz und Härte. In England und den USA gibt es die blue-hour.

Dies ist die Zeit nach Arbeitsschluss, die Stunde der Entspannung. Im Gegensatz zu Grün, das für aktive Entspannung steht, ist Blau der zurückgezogene-selbstgenügsame Moment der Erholung. Darüber hinaus ist Blau die Farbe der Arbeit und des Geistes. Sie repräsentiert geistige Erkenntnis. Als Kleiderfarbe hat Blau eine gänzlich eigene Geschichte. Zum einen war es seit jeher die beliebteste Kleiderfarbe, da es einfach herzustellen ist, zum anderen wurde Indigo, welches zur Herstellung von Blau benötigt wurde, bei Todesstrafe verboten. Im Gegensatz zu anderen Farben lässt sich

Blau aus verschiedenen Pflanzen herstellen. In Europa wurde es vorrangig aus Waid gewonnen. Die Farbe war wasch- und lichtecht und relativ leicht herstellbar. Zur Erzeugung wurde unter anderem alkoholhaltiger Urin von Männern beigemischt. Daher stammt die Redewendung „Blau machen“. Stellten die Färber blaue Farbe her, so hatten sie darauf zu achten, dass ausreichend Alkohol im Urin und demnach in der Gärlösung war, da dies zu satteren, leuchtenderen Farben führte. Als die Seehandelsstrecke nach Indien erschlossen wurde, wurde eine andere Art von Indigo ein-

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Abb.129: Ludwig XIV

Abb.130: Blaue Ameisen

Abb.131: #4169E1|Königsblau; forret

geführt. Hierbei handelt es sich um einen Strauch, aus dem die Farbe ebenso gewonnen wurde wie aus dem europäischem Waid, allerdings war die Farbe 30mal ergiebiger. Dies hatte zur Folge, dass die Waidbauern um ihr Überleben kämpfen mussten. Aus diesem Grund wurde Indigo aus Indien im 16. Jahrhundert, 1654 dann vom deutschen Kaiser bei Todesstrafe, verboten. Da eine Unterscheidung der benutzen Ausgangsmaterialien für die Herstellung kaum zu unterscheiden war, wurde diese Gesetzgebung gelockert und schließlich aufgehoben.

Ab dem 18. Jahrhundert galt es als König der Farbstoffe. Im frühen Mittelalter durfte jedermann Blau tragen, wobei sich die Sättigung der Farbe nach gesellschaftlichem Status unterschied. Die Arbeiter und das einfache Volk trugen dunkles, schmutziges Blau, der Adel hingegen strahlendes. Dieses wurde seit dem 12. Jahrhundert aus Asien importiert. Seine Herstellung war den europäischen Färbern unbekannt. Ab dem 13. Jahrhundert war es die Farbe der Krönungsmäntel am französischen Hof. Mit seiner Legalisierung im 17. Jahrhundert

wurde es zur Modefarbe am Hof von Ludwig XIV. Daher stammt der Name Königsblau, welches bis heute als schönster Blauton gilt. In der Industrie dient es als Arbeitskleidung, was namensgebend für verschiedene Berufsgruppen war. So gibt es die Blaumann-Berufe, die blue-collar workes (England und USA) sowie die Blauen Ameisen in China. Heute wird Berufskleidung mit synthetischen Farben gefärbt. Nur die Bluejeans werden noch mit Indigo gefärbt.

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Abb.132: Uniform

Abb.133: #000080|Navy|Ultramarin; forret

Abb.134: Ultramarin|Pulver

Seit Ende des 17. Jahrhunderts existieren Soldatenuniformen. Der Brandenburger Großfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) führte die dunkelblaue Uniform ein. Es ließe sich spekulieren, dass er dies tat, weil die Farbe ruhig, seriös und ordentlich wirkt, doch der wahre Grund ist, dass er die Waidbauern damit unterstütze. In der Malerei war Ultramarinblau die teuerste Farbe; sogar teurer als Gold. Es wurde aus dem Lapislazuli gewonnen. Der Name „ultra marin“ bedeutet „von jenseits des Meeres“ und erklärt die Herkunft des Steins, welcher aus Persien und Hindukusch

bezogen wurde. In Ägypten galt Lapislazuli als heiliger Stein, denn Blau war die Farbe der Götter. Auch in anderen Glaubensrichtungen existiert das göttliche Blau, da der Himmel, welcher blau ist, von den Göttern bevölkert wird. In diesem Sinne steht es für Ewigkeit und Wahrheit und vermittelt hohe Werte. Im christlichen Glauben war es im frühen Mittelalter die Farbe des ranghöchsten Heiligen. Auch Maria wurde, wenn allein, in Blau dargestellt. Da Blau im realen Leben jedoch billig war, verbot Papst Pius V. es als Kirchenfarbe. Dennoch ist Maria als

Himmelsgöttin und Mondsichelmadonna oftmals in Ultramarinblau dargestellt. Der Mond sowie die Farbe stehen für das weibliche Prinzip.

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Abb.135: Aviation

Als „Blaue Jungs“ werden Matrosen bezeichnet. Zudem ist es die Farbe der Luftfahrt und der Uniformen. Offiziere wurden früher mit einem blauen Brief entlassen. Auch heute existiert der Begriff und repräsentiert unterschiedliche Nachrichten. Dazu zählen Forderungen vom Finanzamt, Strafzettel, Gerichtsbescheide und die vor Jahren üblichen Briefe, welche Schulen an Eltern verfassen, um ihnen mitzuteilen, dass ihr Kind nicht berechtigt sei, in die nächst höhere Schulstufe aufzusteigen. In sozialistischen Ländern gilt Blau als Friedensfarbe.21 117


Abb.136: Grün 0|144|37; inDesign

Abb.137: Grün 106|198|80; inDesign

Abb.138: Spectrum

Im Folgenden werden einige dieser Prinzipien näher beschrieben, welche relevant für die Diplomarbeit erscheinen. Interessant ist, dass Grün, gemäß einer Umfrage, die dem Buch „Wie Farben wirken“ von Eva Heller zu Grunde liegt, zu beinahe gleichen Teilen als Lieblingsfarbe (12%) der Befragten zählt, wie es Ablehnung erfährt (10% Männer, 8% Frauen).22

Physikalisch betrachtet, ist Grün ein Farbreiz, der bei einer gewissen Wellenlänge von Licht, im Bereich 520-565nm, wahrgenommen wird.23

6.3  Grün Zunächst einmal sei erwähnt, dass es unzählige Nuancen von Grün gibt: Das Farbspektrum reicht von Smaragdgrün, über Jadegrün, Türkis und Oliv bis hin zu Minz-, Pistazien- und Zinkgrün. So ergeben sich auch die unterschiedlichsten assoziativen und symbolischen Bedeutungen der Farbe, die je nach Kulturkreis variieren können: So gilt Grün im Islam als Heilige Farbe und männlich, in China jedoch steht sie für Barmherzigkeit und wird mit dem Weiblichen in Verbindung gebracht. In Nordeuropa finden sich zusätzlich negative Assoziationen. 118


Abb.139: Addititve Farbmischung

Abb.140: Grüne Energie

Abb.141: Wachstum

Innerhalb der Farblehre zählt Grün neben Rot und Blau zu den Grundfarben der additiven Farbmischung. Im CMYK-Bereich, ergo der subtraktiven Farbmischung, resultiert sie aus der Kombination von Cyan und Yellow. Ihre Komplementärfarbe ist Magenta.24

wird als grüne Lunge derselben bezeichnet. Ein grüner Daumen steht vor Geschick im floralen Umgang und mit grüner Kosmetik werden natürliche Inhaltsstoffe assoziiert.25

beziehen. Dies führt zu geringerem CO2-Ausstoß und trägt damit zu einer saubereren Umwelt bei.

Wie bereits erwähnt, gibt es unterschiedliche psychologische und symbolische Wirkungen der Farbe Grün. Vorrangig gilt sie als Farbe der Natur: Demnach fahren Städter ins Grüne oder ein Wald beziehungsweise eine Au nahe einer Großstadt

Nach diesem Prinzip will die Diplomarbeitsgruppe mit dem Begriff „grüne Energie“ die Verbindung zu umweltfreundlicher Energie herstellen: Das elektroKickboard wird mit einem elektronischen Radnabenmotor betrieben und dies soll auch kommuniziert werden. Die Dockingstationen sollen mittels Solaranlagen den Strom für die Fahrzeuge

Grün wird auch als Farbe des Lebens aufgefasst. Dies liegt im pflanzlichen Wachstum begründet: Grün steht im Gegensatz zu den Attributen welk, dürr und tot. Die Idee wurde sowohl von der christlichen Religion als auch in China verfolgt. Die Farbe steht für langes Leben, Barmherzigkeit und Weiblichkeit. Grün symbolisiert hier die Fruchtbarkeit. Im Kontrast dazu steht der islamische Glaube: Auch hier ist die Farbe positiv, mit dem Paradies 119


Abb.142: Grün 60|255|3; inDesign

Abb.143: Nachhaltigkeit

Abb.144: Osiris

verbunden: Das Jenseits wird vom Propheten Mohammed im Koran als Oase, mit immergrünen Landschaften, sinnlichen Freuden und schattigen Wäldern beschrieben. Dies resultiert aus der Vegetation des arabischen Raumes, der zum Großteil aus Wüste besteht. Jedoch wird hier die Farbe Grün mit dem männlichen Prinzip verknüpft: Das Heilige Banner, das Sandschak-i-Scherif, ist ebenfalls grün. Die Flagge symbolisiert die Pflicht jedes Mohammedaners, in den Krieg gegen die Ungläubigen zu ziehen. In Nordeuropa hingegen, wo Grün im Überfluss

vorhanden ist, zählt die Farbe auch als Farbe des Bösen. Anhand dieses Vergleiches ist bereits ersichtlich, dass die Symbolik stark mit den individuellen Erfahrungen einer Kultur oder Gesellschaft verknüpft ist. Im alten Ägypten steht die Farbe für Wachstum und Fruchtbarkeit. Sie wurde dem Gott Osiris zugeordnet, welcher oftmals mit grüner Hautfarbe dargestellt wurde.26 Daneben ist Grün die Farbe des Umweltschutzes und der Gesundheit. Darüber hinaus wird es als

frisch und erquickend empfunden. Bewegung, Gesundheit und natürlich Spaß sind ebenfalls Aspekte, die mit dem Kickboard vermittelt werden sollen. Negativ empfunden wird es als Giftgrün. Nicht außer Acht zu lassen ist das funktionale Grün: Sowohl im Verkehr als auch in Gebäuden steht Grün für freien Durchgang. Rettungswege sind mit grünen Schildern ausgelegt. Auch Maschinen werden in einem Standard grün gefertigt.27

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Abb.145: Umwelt

Abb.146: Impression_Gelassenheit

Zudem zählt Grün als Farbe der Mitte: So wirkt es beruhigend und fördert Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Toleranz, Gelassenheit, Ausdauer und Zufriedenheit.28 Diese Eigenschaften sind wichtig, da das Vehikel für den Straßenverkehr ausgelegt ist. Ein rücksichtsvolles Fahrverhalten soll durch das Grün verstärkt werden. Grün wird auch in der medizinischen Farbtherapie angewandt.29 121


Abb.147: Türkis 0|174|239; inDesign

Abb.148: #7FFFD4|Aqua; forret

Abb.149: #E0FFFF|Light Cyan; forret

deren Helligkeit und Farbtendenz sich aus dem vorangehenden Wort erschließt: Blaugrün, Eisgrün, Türkisgrün oder Seegrün für grünlichere und Eisblau, Türkisblau für blaustichige Nuancen. Für hellere Farbvarianten und Pastellfarben im CyanFarbtonbereich (482nm – 492nm) ergeben sich die Farbnamen Hellblau, Himmelblau und - besonders im Textilbereich - Aqua. Wird der Name kontrastierend eingesetzt, so bezeichnet Cyan, im Deutschen, in der Regel einen bläulicheren Farbton als Türkis, Aquamarin und Blaugrün. Der Begriff Grünblau wird seltsamerwei-

se kaum benutzt, bezeichnet jedoch stark grünstichiges Blau, wie etwa Eisblau, Cyanblau oder Türkisblau und Aquamarin. Diese gehen in ein „kaltes“ Blau über. Weniger satte Farbtöne werden Lichtblau genannt.

6.4  Petrol|Cyan Im Allgemeinen bezeichnet Cyan einen Farbton, der sich zwischen Grün und Blau befindet. Der Begriff ist speziell im technischen Gebrauch geprägt. Er findet sich aber auch in künstlerischen Anwendungen. In der Alltagssprache kommt er eher seltener vor, da hier eine allgemein akzeptierte und abgrenzbare Farbkategorie Cyan fehlt. Im kommerziellen Sprachgebrauch ist eher der Begriff Türkis bekannt. Dieser ist jedoch nicht deckungsgleich mit der gebräuchlichen Vorstellung von Cyan. Zumeist unterscheidet der Laie zwischen grellen Cyan-Tönen und Türkis-Tönen, 122


Abb.150: #40ED0D0|Turquoise; forret

Abb.151: #00FFFF|Cyan; forret

Abb.152: #008080|Teal; forret

Der Farbname Türkis leitet sich von dem gleichnamigen Halbedelstein ab. In der Natur kommt Cyan, aufgrund bestimmter Lichtbrechungen, als Himmel-, Wasser- und Eisfarbe vor. In seiner eisigen Tönung wird Türkis als die kälteste aller Farben empfunden. Diese Farbvarianten finden sich im Meeres- und Gletschereis. Für Schwimmbäder wird gerne ein mittleres Cyan benutzt, welches die gesehene „Wasserfarbe“ suggeriert.

geistige Offenheit, vermittelt aber auch Kühle und Distanziertheit. Unter Petrol versteht man eine dunklere Farbvariante aus dem Cyan-Farbtonbereich (490nm500nm). Der Cyanbereich liegt hierbei zwischen Grün und Blau. Dabei wird zwischen Web- und Druck-Cyan unterschieden, wobei das Web-Cyan grünlicher ist als sein Vertreter im Druck. Auf Grund dessen, dass Cyan keine allgemein gebräuchliche Farbkategorie ist, werden die entsprechenden Farben im Alltag den Kategorien Blau und Grün (eventuell Türkis) zugeordnet.

Der Farbname Petrol stammt aus dem Modebereich, bezeichnet aber dieselbe Farbe wie Teal. Dies ist der genormte Name der Webfarbe, die sich aus dem Web-Cyan durch Verringerung der Helligkeit ergibt: sRGB-Hexadezimal-Triplet #008080. Im Englischen bedeutet Teal Krickente. Man nimmt an, dass der Farbname von der Farbe der Augenpartie dieses Tieres abgeleitet ist.30,

In der Farbpsychologie steht Cyan für Klarheit und

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Abb.153: Displayanzeige_Rent a Kick

Abb.154: Petrol 85|151|165; inDesign

Innerhalb der Diplomarbeit wird auf Petrol zurückgegriffen, da es sich aus der Mischung von Blau und Grün ergibt. Diese beiden Farben kommen bereits anhand des elektroKickboards und der Dockingstation vor. Für die zu erstellende App bestand der Wunsch, diese Farben miteinander zu kombinieren, um dadurch die Verbundenheit zur Umwelt, realisiert über die Farbe Grün, als auch die Frische, Reinheit und Klarheit, die über das Blau transportiert wird, zu vermitteln. Der daraus resultierende Grundgedanke umfasst eine reine Umwelt.

Neben dem Spaß und der Innovation ist dies die Tagline des Projekts. Sie soll dem Benutzer auch auf der virtuellen Ebene der Handy-Applikation kommuniziert werden.

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Abb.155: Impression_Petrol

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Diplomarbeit 2012/13 - Elektro Kickboard|1