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Sondergrabfelder für Vereine der Fußball-Bundesliga - friedhofskulturelle Aspekte, Machbarkeitsstudie -

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22549 Hamburg Stand: November 2007


Grabfelder fĂźr Vereine der FuĂ&#x;ball-Bundesliga

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Machbarkeitsstudie

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INHALT

.................................................................................................. 2

1.

Veranlassung

2.

Entwicklungsgeschichte und Aufgabenstellung ......................................................... 2

3.

Entwurf eines Leitbildes ........................................................................................ 4

4.

Bewertung der bisherigen Fachdiskussion............................................................... 5

5.

Prognosen

.................................................................................................. 6

6.

Anhang

.................................................................................................. 8


Grabfelder für Vereine der Fußball-Bundesliga

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Machbarkeitsstudie

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Veranlassung

Die Ansprüche an Friedhöfe haben sich grundlegend gewandelt. Rückläufige Bestattungszahlen, wachsende Überhangflächen sowie konkurrierende neue Bestattungsformen und -orte stellen das Friedhofs- und Bestattungswesen vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Eine schlüssige Begründung für die gewandelten Ansprüche an unsere Friedhofskultur haben Pädagogen und Freizeitforscher geliefert: Sie verweisen auf Auswirkungen der „CommunityKultur“, in der sich Familienbindungen zunehmend lockern und Gruppenbindungen an ihre Stelle treten. Verantwortung zur Grabpflege von Familienangehörigen ist vor diesem Hintergrund einfach „out“. Dadurch erklärt sich auch die Zunahme anonymer Grabstellen, aber ebenso die seit kurzem immer mehr ins Bewusstsein geratenden Grabfelder für gesellschaftliche Gruppen. In dieser Situation konkurrieren kleine Friedhöfe mit großen, kommunale mit konfessionellen. Gefragt wird: Welches sind öffentliche Pflichtaufgaben, was muss beibehalten und was kann „dereguliert“ werden? Welche neuen Entwicklungen wirken in die Friedhofskultur hinein und initiieren Veränderungen, neue Anforderungen und Wünsche der Hinterbliebenen? Sicher ist: Friedhöfe müssen genau wie andere Bereiche auch auf den Markt reagieren, um ihre Wirtschaftlichkeit zu sichern und zu verbessern. Dabei erscheint die Kooperation von Friedhofsbetreibern und Unternehmen der Friedhofswirtschaft unerlässlich und unter den bestehenden Wettbewerbsbedingungen auch ausbaufähig. Es darf nicht übersehen werden, dass besonders die Friedhofswirtschaft, also Bestatter, Friedhofsgärtner und Steinmetze immer wieder neue Impulse wahrnehmen und sich in ihrer Beratungsarbeit darauf einstellen. Neu in diesem Konzert ist der „Trauerkanal“ . Der Sender hat zur Marktsondierung umfangreiche Marktforschung betrieben, um seine Programmstruktur zu optimieren und medienwirksame Themen zu erfassen. In diesem Zusammenhang ist die vorliegende Studie entstanden. Es handelt sich um den Vorschlag, nach dem Hamburger Modell Sondergrabfelder für Traditionsvereine der Fußball-Bundesliga zu entwickeln. Dieses Gutachten prüft die sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen und friedhofskulturellen Aspekte von Vereinsgrabfeldern, ohne gestalterische Vorgaben zu machen. Dafür sind weitere, auf den Einzelfall bezogene Ausarbeitungen erforderlich, auf Basis der jeweiligen Ausgangslage. Das Gutachten kommt vor diesem Hintergrund und unter sorgfältiger Abwägung bisheriger Erkenntnisse zu dem Ergebnis, dass Vereinsgrabfelder mit friedhofskulturellen Zielen in Einklang stehen können und wirtschaftlich sinnvoll sind.

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Entwicklungsgeschichte und Aufgabenstellung

Vor einigen Jahren entwickelte ein gut vernetztes Hamburger Bestattungsinstitut die Konzeption eines Grabfeldes für den Hamburger Sportverein. Die Diskussion wurde befördert im Zusammenhang mit dem Bau des HSV-Museums, durch den der Blick auf den Traditionsverein wesentlich geschärft wurde. Dieses Museumskonzept ist inzwischen vielfach kopiert worden, zuletzt in Bremen. Aus der Fankultur sind diese Vereinsmuseen inzwischen nicht mehr wegzudenken, sie ließen aber auch eine Lücke erkennbar werden, die eines gemeinsamen Gedenkorts für verstorbene Leistungsträger und Fans des Vereins. In Deutschland bestehen inzwischen viele gemeinschaftliche Grabfeldern, besonders in Großstädten, so auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, dem mit fast 400 ha größten Parkfriedhof der Welt. Aber auch alte Erbbegräbnisse wurden vielerorts restauriert, z.B. von Grabpaten-Vereinigungen, wie das Beispiel vom St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin sowie die Grabstelle für Ungeborene dokumentieren.


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Urnenhain „Vier Jahreszeiten“ in Ohlsdorf

Gem.-grab Verein Denk mal positHIV

Grab Ungeborener

Fußballvereinen jedoch war dieses bislang verwehrt, so dass verdiente Fußballer einzeln beigesetzt wurden, fast anonym und ganz in Kontrast mit der öffentlichen Anteilnahme, die diese Sportler zu Lebzeiten umgab. Lediglich die Grabstelle Fritz Walter bildet diesbezüglich eine Ausnahme:

Hennes Weisweiler* 1919 – 83 Friedhof Erftstadt

Fritz Walter* 1920 – 2002 Kaiserslautern Hauptfriedhof

Helmut Schön* 1915 - 1996 Wiesbaden Nordfriedhof

Sepp Herberger* 1897 - 1977 Helmut Rahn* 1929-03 „Stan“Libuda* 1943 –96 Ernst Kuzorra*1905-90 Friedhof Hohensachsen bei Weinheim Essen-Margaretenhöhe Gelsenkirchen-Ostfrhf Gelsenkirchen-Rosenhügel

Erste Versuche, dies in Hamburg zu ändern, verliefen im Sande, denn der HSV stand zu Beginn der Rückrunde 2006/07 fußballerisch selbst zu sehr am Grabesrand (17. Tabellenplatz). Zwischenzeitlich war ein in Fankreisen vielbeachtetes Buch von Peter Cardorff und Conny Böttger erschienen: „Der letzte Pass, Fußballzauber in Friedhofswelten“. Zusätzlichen Schwung bekam die Idee von Fußballergrabstätten, die in Amsterdam, Barcelona und Buenos Aires (Boca Juniors, ehem. Verein von Diego Maradonna) angelegt wurden.

Buchtitel

Skulptur auf dem Friedhof „Boca Juniors“

* Fotos: www.knerger.de,

Biografisches im Anhang

Zeremonie auf dem Vereinsfriedhof


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Parallel zum sportlichen Wiedererstarken in der Bundesliga (Saisonende 2007 UefaQualifikationsplatz) war die Idee nicht mehr aufzuhalten: Ein großes Bestattungsinstitut entwickelte den „Abpfiff“ als Trauerfeier für HSV-Fans. Die aus der Verwendung von HSV-Insignien an den Verein abzuführenden Lizenzgebühren flossen dabei von Anfang an zweckgebunden in den Bau des Vereinsgrabfeldes, das derzeit von einem überaus rührigen Friedhofsgärtner angelegt wird. Der Friedhofsteil wird zunächst etwa 100.000 € kosten und mittels eindeutiger Stilmittel (Fußballtor, ansteigende „Tribünen“) als Fußballergrabfeld sofort identifizierbar sein. Die Fläche liegt auf dem Altonaer Friedhof, nur wenige Meter vom Stadion entfernt. Die Anlage wird sich optisch von den übrigen Bereichen abgrenzen. Die Urnen-, Reihen- oder Doppelgräber werden in einem angedeuteten Stadionrund auf drei Ebenen mit jeweils einem Meter Höhenunterschied angelegt. Ein Fußballtor soll den Eingang bilden. Pflanzen in den blau-weißschwarzen Vereinsfarben und der Rautenform des Emblems sowie Gedenksteine sind ebenfalls möglich. Das Modell ist ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept. Es verbindet die Interessen des Friedhofsträgers, ungenutzte Teilflächen wieder zu belegen mit dem Interesse des Vereins an einem würdigen Gedenkort. Bestatter, Steinmetze und Friedhofsgärtner haben in einer gemeinsamen Anstrengung eine öffentlich-private Partnerschaft ins Leben gerufen, das Modell eröffnet neue Wertschöpfungsperspektiven in einem stagnierenden Umfeld. Der HSV-Friedhofsteil verdient daher Aufmerksamkeit auch in allen anderen Traditionsvereinen, die in der 1. und 2. Bundesliga vertreten sind.

Artikel in „Friedhofskultur“ 9/07

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Entwurf eines Leitbildes

Zur Erstellung eines Planungsprofils ist zunächst danach zu fragen, ob und wie ein Vereinsgrabfeld in die bestehende Friedhofsanlage eingebunden werden kann. Jeder Friedhof hat bestimmte Alleinstellungsmerkmale, aus denen sich besondere Planungsaspekte ergeben. Grundsätzlich wird für Vereinsgrabfelder ein Leitbild vorgeschlagen, dass folgende Punkte umfassen sollte:


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Die Konzeption ist daran zu orientieren, dass es unter den daran beteiligten Akteuren keine Verlierer gibt. Die Vorbereitung und Begleitung muss detailliert und umfassend unter Leitung des Friedhofsträgers sein.

Der Betrieb des Grabfeldes ist vertraglich als „ppp-Projekt – (öffentlich-private Partnerschaft) zu sichern, die Betreiber sollten auch nach der Fertigstellung in regelmäßigem Kontakt bleiben. Das Vorhaben muss im Einklang mit wirtschaftlichen Zielen aller Beteiligten stehen, aus Vereinssicht sind zudem soziale und vereinskulturelle Aspekte zu berücksichtigen, Grabfelder müssen die Ethik bzw. Merkmale des Vereins widerspiegeln1.

Die klare Orientierung auf Bedürfnisse der Hinterbliebenen muss Mittelpunkt aller Erwägungen sein. Gestalterisch ist darauf zu achten, dass auch nicht Fußballfans in der Anlage eine würdige Gedenkstätte erblicken.

Die Vorhaben müssen im Einklang mit friedhofskulturellen Traditionen des Friedhofs stehen, seine überlieferte Pflege ist auch auf das Vereinsgrabfeld zu übertragen, das Grabfeld darf nicht dominierenden Charakter haben, besonders nicht im Verhältnis zu anderen Gedenkstätten auf dem Friedhof.

Bewertung der bisherigen Diskussion

Es darf nicht verschwiegen werden, dass das HSV-Sondergrabfeld kontrovers diskutiert wurde. So wurde u.a. die Befürchtung laut, das Modell könne einen internen Friedhofswettbewerb auslösen. Dieser Befürchtung ist entgegenzuhalten, dass bei Beachtung der Leitbildgrundsätze der Wettbewerb nicht über das verträgliche Maß hinausgeht. Eine andere Befürchtung kreiste um den Begriff „Gefährdung friedhofskultureller Traditionen“. Die Mitgliedschaft in einem Fußballverein sei kein ernstzunehmender Anlass für ein diesbezügliches Themengrabfeld. Vor dem Hintergrund der vielerorts bereits bestehenden Themengrabfelder ist auch dieses Argument nicht stichhaltig, vielmehr sind Themengrabfelder aus friedhofskultureller Sicht besonders wünschenswert im Wettbewerb mit Friedwäldern und Seebestattungen. Schließlich wurde vorgetragen, dass der Verein Eintritt verlangen oder anderen den Zutritt untersagen könnte. Derartiges ist nicht beabsichtigt und ließe sich hilfsweise vertraglich ausschließen. Noch nicht abschließend geklärt ist die Frage, ob eine beabsichtigte Beisetzung auf dem Vereinsfeld dem Verein vorher zur Genehmigung vorgelegt werden oder nur mitgeteilt werden muss, ob also ein Einspruchsrecht besteht. Empfohlen wird ein „sowohl als auch“: So sollten Teilbereiche in bevorzugter Lage ausschließlich dem Verein reserviert bleiben, dort könnten verdiente Leistungsträger beigesetzt werden. Andere Flächen könnten Vereinsmitgliedern vorbehalten bleiben, aber es sollte auch Flächen geben, die allgemein für alle diejenigen zur Verfügung stehen, die eine Beisetzung auf dem HSV-Feld wünschen. Es ist zu erwarten, dass häufig der Wunsch nach einer Beisetzung im Rasen besteht, der möglichst zuvor im Stadion lag. Diese Wünsche sind durch ein entsprechendes Angebot zu erfüllen, jedoch sollten keine reinen Rasenplätze entstehen, auf denen die Grabstellen unkenntlich sind.

verkürzte Reihengräber im Rasen

namentliche Kennzeichung auch als Bronzeband denkbar

Es wird auch anderenorts zu erwarten sein, dass die Initiative für ein Vereinsfeld von der Friedhofswirtschaft ausgehen wird, denn für einen Fußballverein ist dies eine zunächst gedankliche Hürde, selbst dort, wo bereits Gedenkstätten als Museen bestehen. 1

Im Ergebnis wird sich daher z.B. ein Grabfeld des HSV von einem des FC St. Pauli deutlich unterscheiden


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Den größten Schritt muss aber der Friedhofsbetreiber vollziehen: Weg vom alten Eigentumsdenken und hin zu einer neuen kooperativen Betriebsform, ohne die ein Vereinsgrabfeld nicht zu entwickeln ist. Unterschiedliche Interessenlagen sind zu koordinieren sind, um einen Erfolg des Modells zu gewährleisten. So gilt es sicherzustellen, dass aus der Verpflichtung der Vertragspartner, zum Wohle des Vereins zu handeln, friedhofswirtschaftlichen Interessen und der öffentlichrechtlichen Verpflichtung, die öffentliche Aufgabe wahrzunehmen, keine unauflösbaren Konflikte entstehen. Diese können im Wesentlichen dadurch ausgeräumt werden, indem der Nachweis erbracht wird, dass der betroffene Friedhof in der entsprechenden Partnerschaftskonstellation wirtschaftlicher arbeiten kann und die Qualität der Aufgabenerfüllung - besonders auch im Hinblick auf Gebühren und Entgelte – gesichert oder sogar verbessert wird. Dies muss nicht nur für den Moment, sondern nachhaltig gewährleistet sein. Die Anlage auf dem Altonaer Friedhof ist mit 100.000 € kalkuliert, ein insgesamt recht hoher Preis. Sie ist auch nur deshalb finanzierbar, weil aus der Verwendung von geschützten Vereinszeichen bei Trauerfeiern Lizenzgebühren von erhoben werden, die dem Bau des Sonderfeldes zufließen. Die Kosten für die Zwischenfinanzierung trägt die Friedhofswirtschaft. Kosten mindernd könnte die Einbindung einer Beschäftigungs- bzw. Weiterbildungseinrichtung sein, der die Ausführung der Planung übertragen werden könnte. Die Voraussetzung ist, dass mit dem Vorhaben für die gewerbliche Wirtschaft keine Nachteile entstehen. Gelingt dieser Nachweis genehmigt die zuständige Arbeitsagentur das Projekt. Auch ist zu erwägen, die Gestaltungsideen durch die Einbindung von Studenten einer fachlich kompetenten Fakultät zusammenzutragen. Zu bedenken ist aber, dass dazu Vorbereitung benötigt wird, da die Universität das Projekt in ihren Lehrplan einbinden muss. Ein studentisches Projekt läuft dann über ein Semester, man hätte dann ca. 15 - 20 Ergebnisse - studentische Vorschläge.

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Prognosen

In Vorbereitung der Planungen zum HSV-Feld hat der Verein eine kleine Umfrage durchgeführt, bei der spontan Mitglieder und Fans ihre Zustimmung zu dem Vorhaben zum Ausdruck brachten, auch werden bereits mit dem „Abpfiff-Arrangement Trauerfeiern durchgeführt. Auf dieser Basis lässt sich eine erste Nachfrageprognose erstellen, wobei die Dynamik der Entwicklung mit Unsicherheiten behaftet ist. Grundlage der nachfolgenden Berechnungen sind zudem folgende Überlegungen: •

Sowohl die Vereinsmitglieder als auch die Mitglieder der Fanclubs sind gleichermaßen zu berücksichtigen, bei den Fanclubs ist vereinfachend im Durchschnitt von 20 Mitgliedern auszugehen.

Ein wesentlicher Aspekt ist das Verhältnis der Einwohner des betreffenden Ortes zur Zahl der Mitglieder, weniger von Belang ist die Größe der Stadt. Die Nachfrage nach Vereinsgrabplätzen wird dort besonders hoch sein, wo eine hohe Mitgliederzahl in mittelgroßen Städten besteht.

Die zugrunde liegende Formel ist aufgrund empirischer Werte sowie dem Umfrageergebnis des HSV entwickelt worden. Im Ergebnis ist eine bestimmte Zahl von Beisetzungen zu erwarten. Die Formel berücksichtigt zudem den Mitgliederanteil im Verhältnis zur Gesamtzahl der Einwohner im Heimatort des Vereins. So ist zu erwarten, dass in einer Stadt wie Gelsenkirchen (Schalke 04) viel mehr Nachfrage nach einem Vereinsgrabfeld besteht als z.B. Berlin. Die Formel wird sich jedoch erst in der Umsetzung endgültig verifizieren lassen. Für alle Vereine gilt, dass auch auswärtige Fans es wünschen werden, sich im Vereinsfeld beisetzen zu lassen. Die räumlich unterschiedliche Verteilung der Fanclubs bleibt in der nachfolgenden Tabelle unberücksichtigt, muss dennoch erwähnt werden: So ist bei Werder Bremen die Hälfte der 410 Fanclubs außerhalb der Region ansässig, ähnlich ist es beim Zweitligasclub St. Pauli - während


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es bei Hannover 96 nur 1/3 (von 250) ist. Mit der gewählten Formel werden die wichtigsten der aufgeführten Aspekte berücksichtigt, sie ist auch unter Berücksichtigung der bislang schmalen Datenbasis belastbar, schlüssig und nachvollziehbar. Der Nachfrageprognose folgt in der letzten Spalte der Flächenbedarf. Dabei wird für pro Grabstelle eine Bruttofläche von 4 m² zugrunde gelegt, denn zusätzlich zum üblichen 1 m² großen Urnengrab ist angemessen großzügiges Gestaltungsgrün zu berücksichtigen, auch wird ein Anteil aus 2 m²-Erdbeisetzungen bestehen. Anonyme Grabstellen sollten nicht angeboten werden. Das HSV-Feld wird eine Gesamtfläche wird 5.000 m² (für vorläufig prognostizierte 500 Grabstellen) umfassen. Ohne auf einzelne Planungsaspekte näher eingehen zu wollen, erscheint die HSV-Anlage in überschlägiger Beurteilung somit vorläufig als überdimensioniert. Die Wirtschaftlichkeit im Unterhalt ist damit möglicherweise gefährdet. Die Planungsbeteiligten waren sich aber darin einig, eine deutliche Ausbaureserve zu berücksichtigen. Eine abschließende Beurteilung sollte nach Ablauf der ersten Jahre erfolgen, dabei sollten auch friedhofskulturelle Aspekte (Landschaftsbild und Denkmalschutz) einbezogen werden. Nachfolgend wurden alle Vereine der 1. Fußballbundesliga (Saison 07/08) sowie Traditionsvereine der 2. Liga erfasst. Die Berechnungen ergeben folgendes Tabellenbild:

Verein

Einw. Stadt (EW)

Mitgl. im Verein (M)

Fanclubs (C)

Fans1) (F)

einige

Beisetzun- Flächengen/Jahr2 bedarf3) (P) (FB)

1.210.223

125.000

2.299

170.980

45

3.600 m²

FC Schalke 04

278.695

55.555

1.300

81.555

31

2.480 m²

Hamburger SV

1.715.392

50.800

510

61.000

28

2.240 m²

Borussia M´gladbach

263.014

33.708

580

45.308

24

1.920 m²

1. FC Köln

989.766

35.000

356

42.120

24

1.920 m²

Borussia Dortmund

588.994

30.000

557

41.140

23

1.840 m²

VfB Stuttgart

583.874

30.210

271

35.630

22

1.760 m²

Werder Bremen

547.934

23.500

410

31.700

21

1.680 m²

3.404.037

13.549

380

21.149

19

1.520 m²

Eintracht Frankfurt

646.550

9.600

515

19.900

17

1.360 m²

1. FC Nürnberg

488.400

5.000

400

13.000

14

1.120 m²

Bayer 04 Leverkusen

161.047

9.500

272

14.940

14

1.120 m²

1.715.392

6.700

200

10.700

14

1.120 m²

515.001

5.341

250

10.341

13

1.040 m²

99.825

11.393

78

12.953

13

1.040 m²

1. FSV Mainz 05

182.870

7.400

150

10.400

12

960 m²

Arminia Bielefeld

321758

6.745

86

8.465

12

960 m²

Alemannia Aachen

244.386

8.196

47

9.136

12

960 m²

VfL Bochum

391.147

2.260

183

5.920

10

800 m²

VfL Wolfsburg

121.805

4.000

118

6.360

10

800 m²

MSV Duisburg

499.111

4.500

70

5.900

10

800 m²

Karlsruher SC

286.327

4.583

59

5.763

10

800 m²

Hansa Rostock

199.868

3.367

42

4.207

9

720 m²

FC Energie Cottbus

108.491

1.156

57

2.296

7

560 m²

FC Bayern München

Hertha BSC Berlin

FC St. Pauli Hannover 96 1. FC Kaiserslautern

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) Formel Schätzung der Fanzahl (F): ) Formel Prognose der Beisetzungen/a (P):

C x 20 + M = F (3 EW + F):10 = P


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) Formel Prognose des Flächenbedarfs (FB): P x 20 x 4 = FB (20 J. Ruhezeit, 4 m² Bruttofläche) Abschließend soll nicht versäumt werden, darauf hinzuweisen, dass es nicht nur Fußballvereinen offen stehen sollte, eigene Sondergrabfelder auf Friedhöfen einzurichten. Vielmehr sollten Gräberfelder allen gesellschaftlichen Gruppen ermöglicht werden. Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbände, Umweltverbände, kulturelle Einrichtungen sollten in einem abgegrenzten Friedhofsteil die Möglichkeit erhalten, entsprechend ihrer Philosophie und innerhalb einer gartenarchitektonisch angemessenen Gesamtkonzeption eine Bestattungsfläche herzurichten.

Grabfeld eines Naturschutzverbandes

Grabfeld auf dem ev. Kirchhof Neumünster (Lutherrose)

Allen diesbezüglichen Initiativen ist gutes Gelingen zu wünschen. Der Kanal bittet um Hinweise zu allen hier aufgezeigten und weiteren modellhaften Konzepten der Friedhofskultur, um ggf. darüber berichten zu können. 6

Anhang ∗

Biografien verstorbener Fußballer (Erläuterungen zu den Grabstellen auf S. 3) •

Hennes Weisweiler

Als der 1. FC Köln 1948 gegründet wurde, gehörte Hennes Weisweiler zur ersten Elf, die jemals für den FC aufgelaufen ist. Ende der vierziger Jahre begann Hennes Weisweiler seine Trainerlaufbahn beim VfR Flamersheim (Ortsteil von Euskirchen). Als Honorar wurde er mit Lebensmitteln versorgt. Seine professionelle Trainerkarriere setzte er als Spielertrainer beim 1. FC Köln fort, wo er seine aktive Fußballerlaufbahn Anfang der 1950er Jahre beendet hatte. Nach ihm wurde der Geißbock (das Maskottchen des 1. FC Köln) Hennes benannt. 1952 verließ er den Verein, den er von 1955 bis 1958 nochmals trainierte und trainierte den Rheydter Spielverein, den er in die Oberliga West zurückführte. Das Verhältnis des eigenwilligen Trainers zum mächtigen Vereinspräsidenten Franz Kremer war oft gespannt. 1958 wechselte er zum Stadtrivalen Viktoria Köln, konnte aber dort nicht an seine Erfolge beim FC anknüpfen. Von 1957 bis 1970 übernahm er in Nachfolge des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger die Trainerausbildung an der Deutschen Sporthochschule Köln. 2005 wurde die Trainerausbildungsstätte an der Deutschen Sporthochschule in Köln zu seinen Ehren „Hennes-Weisweiler-Akademie“ benannt. 1964 wurde er hauptverantwortlicher Trainer beim damaligen Regionalligisten Borussia Mönchengladbach. Er führte die junge talentierte Mannschaft bereits in seiner ersten Saison in die Bundesliga. Im Kader der ersten Bundesligasaison standen bereits die Säulen für spätere Erfolge: Berti Vogts, Günter Netzer und Jupp Heynckes. Weisweiler entdeckte immer wieder neue Talente für seinen Klub und schnell sprach man von der „Fohlen-Elf“, eine Bezeichnung, die Borussia Mönchengladbach bis heute begleitet. Seine junge Mannschaft etablierte sich schnell im Oberhaus des deutschen Fußballs und 1970 wurde er mit ihr zum ersten Mal deutscher Meister. Mit diesem Titel begann die legendäre Zeit der Rivalität der beiden besten deutschen Fußballvereine der 1970er Jahre: Borussia Mönchengladbach und FC Bayern München. Ihre Trainer bestimmten den Stil des deutschen Fußballs: Hennes ∗

Quelle: www.wikipedia.de


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Weisweiler in Mönchengladbach und Udo Lattek in München. Lattek wurde 1975 dann auch folgerichtig Weisweilers Nachfolger am Bökelberg. Bis dahin verteidigte Weisweiler 1971 den deutschen Meistertitel, fügte 1973 den DFB-Pokalsieg hinzu und zum Abschied stand er auf dem Höhepunkt seiner Zeit in Mönchengladbach mit dem dritten deutschen Meistertitel und dem Sieg im UEFA-Pokal. 1975 wechselte er dann nach Spanien zum FC Barcelona. Der eigenwillige Don Hennes fühlte sich jedoch nie so richtig wohl beim Traditionsverein in Barcelona und arbeitete in ständigen Konflikten mit dem Präsidenten und dem größten holländischen Star Barcelonas: Johan Cruyff. Nach nur einem Jahr kehrte er in die Bundesliga zurück zum 1. FC Köln. Die erste Saison in Köln 1976 stand im Zeichen des Streits mit der Kölner Legende und ebenso streitbaren Star wie Cruyff in Barcelona: Wolfgang Overath. Overath beendete seine Laufbahn zum Ende der Saison. Der Verein gewann unter Weisweiler den DFB-Pokal 1977. Er formierte eine neue Mannschaft um Torhüter Harald Schumacher, Mittelfeldspieler Heinz Flohe und den neuen Torjäger Dieter Müller und gewann 1978 die bis heute letzte deutsche Meisterschaft des 1. FC Köln. Weisweiler selbst beendete mit diesem Titel die von ihm eingeleitete Ära von Borussia Mönchengladbach und qualifizierte sich erneut für den Europapokal der Landesmeister, ein Titel, der ihm noch fehlte. Außerdem gewann er in der gleichen Saison den DFB-Pokal 1978 und damit das Double. Die Mannschaft des 1. FC Köln konnte sich bis ins Halbfinale erfolgreich im Europapokal der Landesmeister 1979 durchsetzen und spielte gegen den englischen Meister Nottingham Forest im Hinspiel in Nottingham 3:3. Der Weg ins Finale schien für Weisweilers Truppe bereitet, doch verlor man unglücklich beim Rückspiel im Müngersdorfer Stadion mit 0:1. Während der Saison 1979/1980 war die rheinische Ehe zwischen 1. FC Köln und Hennes Weisweiler dann beendet und neuer Trainer in Köln wurde der DFB-Trainer Karl-Heinz Heddergott. Weisweiler wechselte in die USA zu Cosmos New York. Nach der Rückkehr aus den USA trainierte er noch in der Schweiz bei Grasshoppers Zürich. Dort verzeichnete er 1983 mit dem Double von Meisterschaft und Pokal seinen letzten Triumph. Weisweiler, der im Alter von 60 Jahren noch einmal geheiratet hatte und Vater eines 22 Monate alten Sohnes war, starb im Alter von 63 Jahren an Herzversagen. Er wurde auf dem Friedhof in seinem Geburtsort Erftstadt-Lechenich beigesetzt.

Reinhard Libuda

Reinhard Libuda, genannt „Stan“, (* 10. Oktober 1943 im lippischen Wendlinghausen bei Lemgo; † 25. August 1996 in Gelsenkirchen) spielte Rechtsaußen. Libuda bestritt zwischen 1963 und 1971 26 A-Länderspiele, in denen er drei Tore erzielte. Er spielte in der Fußball-Bundesliga für den FC Schalke 04 sowie für den BV Borussia Dortmund. In 264 Bundesligaspielen erzielte er 28 Tore und erhielt eine Gelbe und eine Rote Karte. Seinen Spitznamen „Stan“ bekam er in Anlehnung an den legendären englischen Rechtsaußen Sir Stanley Matthews, den Erfinder des berühmten Matthews-Tricks (= links antäuschen, rechts vorbeigehen), den „Stan“ Libuda perfekt beherrschte. Sein bekanntestes Tor erzielte der als schüchtern und pressescheu geltende Spieler am 5. Mai 1966 zum 2:1-Sieg von Borussia Dortmund gegen den FC Liverpool und damit zum Sieg im Europapokal der Pokalsieger. Mit einer Bogenlampe aus großer Entfernung schoss er den Ball an die Querlatte. Den zurückspringenden Ball drückte der Liverpooler Verteidiger Chris Lawler ins eigene Tor. Der Höhepunkt seiner Karriere war der dritte Platz mit der deutschen Fußballnationalmannschaft in Mexiko 1970. Die deutsche Mannschaft konnte sich für die Weltmeisterschaft in Mexiko nur dank seines 3:2-Siegtores im Qualifikationsspiel gegen Schottland in Hamburg qualifizieren. Dem positiven Höhepunkt folgte der Abstieg, da er in den Bundesliga-Skandal von 1971 verwickelt war. Der DFB sperrte ihn deshalb auf Lebenszeit, begnadigte ihn 1974 aber wieder. Weil der Dribbelkünstler in der Zwischenzeit nicht in der Bundesliga spielen durfte, kickte er in Frankreich bei Racing Straßburg. 1974 kehrte er für eine Ablösesumme von 350.000 DM zu Schalke 04


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zurück. 1976 beendete er seine aktive Laufbahn. Seinen größten Erfolg für die Schalker feierte er, als er als Mannschaftskapitän den DFB-Pokal 1972 mit 5:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern gewann. Die Zeit nach dem Fußball verlief weniger glücklich für Libuda. Lange Zeit lebte er verarmt und vereinsamt in Gelsenkirchen. Einen Job bekam er nicht, weil er bereits mit 17 Jahren einen Profivertrag bei Schalke 04 unterschrieben und deshalb seine Lehre zum Maschinenschlosser abgebrochen hatte. 1992 musste er wegen Kehlkopfkrebses operiert werden. 1996 starb Libuda an einem Schlaganfall. Die Dribbelstärke Libudas war legendär. Als in den 1960er Jahren der Prediger Werner Heukelbach im Ruhrgebiet seine Veranstaltungsreihe durch Plakate mit der Aufschrift „Niemand kommt an Gott vorbei“ bewarb, schrieb ein Fan unter das Plakat den Zusatz „… außer "Stan" Libuda.“

Ernst Kuzorra

Kuzorra (* 16. Oktober 1905 in Gelsenkirchen; † 1. Januar 1990 in Gelsenkirchen), Sohn ostpreußischer Einwanderer, spielte in den 1920er bis 1940er Jahren für den FC Schalke 04 und wurde mit der Mannschaft sechsmal Deutscher Meister und einmal Tschammerpokalsieger. Zusammen mit seinem Schwager Fritz Szepan schuf er den so genannten Schalker Kreisel. 1950 beendete er mit 45 Jahren seine aktive Laufbahn als Spieler. 1935/36 trainierte Kuzorra den heutigen Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund. Er vertrat dabei den offiziell ersten professionellen Trainer Fritz Thelen, ebenfalls ein ehemaliger Spieler des FC Schalke 04. Zur damaligen Zeit gab es die heutige Rivalität zwischen beiden Clubs noch nicht und Kuzorra selbst hatte verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen in das Dortmunder Borsigplatzviertel. Kuzorra trug von 1927 bis 1938 zwölfmal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft und erzielte dabei sieben Treffer. Dass es nicht mehr als zwölf Länderspiele in elf Jahren wurden, lag vor allem an dem schlechten persönlichen Verhältnis zu Reichstrainer Otto Nerz. Am 19. April 1971 wurde Kuzorra in der WAZ mit der Kritik zitiert, das 0:1 der Schalker am vorangegangenen Samstag gegen Arminia Bielefeld sei eine „schwache Schalker Vorstellung“ und ferner „keine 18 DM für die Tribünenkarte wert“ gewesen. Später stellte sich heraus, dass eben dieses Spielergebnis für 100.000 DM Bestechungsgeld „gekauft“ worden war, ein Schlüsselereignis im sogenannten Bundesligaskandal. 1985 wurde Ernst Kuzorra zum Ehrenbürger von Gelsenkirchen ernannt. Eine starke Diskussion entstand dazu in den 1990er Jahren, als vermehrt Stimmen zu einer Umbenennung des KuzorraPlatzes und einer Aberkennung der Gelsenkirchener Ehrenbürgerschaft aufkamen, da Ernst Kuzorra zusammen mit seinen Mitspielern Fritz Szepan und Hans Bornemann am 1. Mai 1937 in die NSDAP eingetreten war. Die diskutierten Maßnahmen wurden jedoch nie vollzogen, der Name des Platzes wurde nicht geändert. Nach heutiger Einschätzung dürfte es für einen populären Spieler wie Kuzorra grundsätzlich schwer gewesen sein, sich Vereinnahmungsversuchen durch die damalige Politik zu widersetzen. Zeitzeugen beschrieben ihn grundsätzlich als unpolitischen Menschen. In einzelnen Fällen kritisierte er jedoch offen die nationalsozialistische Sportpolitik. Als im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1941 Schalke 04 gegen Rapid Wien nach einem 3:0-Vorsprung noch mit 3:4 unterlag, vermutete er eine Manipulation. In Richtung des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten äußerte er den Verdacht: "Dass wir hier verloren haben, war Politik, kein Sport“. Weil der damalige Vereinspräsident des FC Schalke 04, Günter Eichberg nicht rechtzeitig zur Beerdigung erschien, aber unbedingt auf dem offiziellen Foto der Beisetzung zu sehen sein wollte, wurden nach der Beisetzung Kuzorras der Trauerzug und die Kranzniederlegung ein zweites Mal durchgeführt. Ein Bonmot zu Ernst Kuzorra lieferte der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau, als er auf die Frage, ob Fußballstadien nicht auch einmal nach Frauen benannt werden sollten, antwortete: „Und wie soll dann bitte so ein Stadion heißen? Vielleicht Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?“.


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Helmut Schön

Helmut Schön (* 15. September 1915 in Dresden; † 23. Februar 1996 in Wiesbaden) war ein deutscher Fußballspieler und Trainer, auch genannt „der Mann mit der Mütze“ oder „der Lange“ (1,86 m). Der Sohn eines Kunsthändlers arbeitete nach dem Abitur zweieinhalb Jahre bei der Sächsischen Staatsbank und bis 1945 als kaufmännischer Mitarbeiter eines pharmazeutischen Werks in Radebeul. Als Spieler wurde er mit dem Dresdner SC 1943 und 1944 Deutscher Fußballmeister, mit der SG Dresden-Friedrichstadt 1950 (als Spielertrainer) Vize-DDR-Meister und er gewann 1940 und 1941 den Tschammerpokal (Vorgänger des DFB-Pokals). Helmut Schön bestritt als Stürmer zwischen 1937 und 1941 16 Länderspiele für Deutschland und erzielte dabei 17 Treffer. Damit ist er von den Spielern mit mindestens zehn Länderspielen nach Gerd Müller der Spieler mit der zweitbesten Torquote (1,06). Als Spielertrainer trainierte er von 1945–49 die Sachsen-, von 1949–50 die DDR-Auswahl, danach floh er wegen auf Anweisung der SED-Führung verschobener Spiele nach Westberlin. Zuvor (1947) war er nach einem kurzen Gastspiel als "Zonenspringer" beim FC St.Pauli in Hamburg, wo er zusammen mit alten Dresdner Weggefährten wie Heiner Schaffer, Fritz Machate, Walter Dzur, Karl Miller und Heinz Hempel einige Pflichtspiele absolvierte, nach Dresden zurückgekehrt. 1950 zog es ihn nach Berlin, wo er bis Januar 1951 die Mannschaft von Hertha BSC trainierte und auch noch einige Male selbst spielte. Nach dem Sportlehrerexamen an der Sporthochschule Köln trainierte er zunächst den SV Wiesbaden und dann von 1952 bis 1956 die Auswahl des damals selbständigen Saarlands. Mit dessen Mannschaft traf er in der Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft 1954 auf die Deutsche Nationalmannschaft. 1956, als das Saarland ein Teil der Bundesrepublik Deutschland wurde, wurde er Assistent von Sepp Herberger, dem er am 4. November 1964 als Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft nachfolgte. Die Deutsche Fußballnationalmannschaft wurde unter Schön 1966 Vizeweltmeister bei der WM in England, 1970 Dritter bei der WM in Mexiko, 1972 Fußballeuropameister bei der EM in Belgien, 1974 Fußballweltmeister in Deutschland und 1976 Vizeeuropameister bei der EM in Jugoslawien. Helmut Schön ist damit der bisher erfolgreichste Bundestrainer. Er ist der einzige Trainer überhaupt, der in seiner Trainerlaufbahn Fußballweltmeister und Fußballeuropameister wurde. In seine Zeit fallen auch die ersten Siege gegen England (1. Juni 1968, 1:0) und Brasilien (16. Juni 1968, 2:1). Als Bundestrainer erreichte er in 139 Länderspielen 87 Siege und 30 Unentschieden. Nur 22mal verließ Schön als Verlierer eines Länderspiels ein Stadion. Schön war Trainer bei zwei der dramatischsten Fußballspiele einer deutschen Nationalmannschaft. Seine Mannschaft unterlag 1966 im WM-Endspiel England durch das Wembley-Tor, dem umstrittensten Tor der Fußballgeschichte, mit 2:4 nach Verlängerung und 1970 Italien im Halbfinale der WM in Mexiko nach Verlängerung mit 3:4 (im so genannten Jahrhundertspiel). Bereits vor der Fußballweltmeisterschaft 1978 gab Helmut Schön bekannt, dass er nach der WM zurücktreten und sein Assistent Jupp Derwall sein Nachfolger werde. Jedoch kam es mit der 2:3Niederlage in Córdoba gegen Österreich und dem damit verbundenen Ausscheiden bei der WM 1978 zu einem nicht gelungenen Abschied Helmut Schöns als Bundestrainer. Verabschiedet wurde er als Bundestrainer am 15. November 1978 beim Länderspiel gegen Ungarn in Frankfurt, das Spiel musste aber nach einer Stunde Spielzeit wegen Nebels abgebrochen werden. Helmut Schön, seit 1942 verheiratet mit seiner ebenfalls aus Dresden stammenden Ehefrau Annelies und Vater von Sohn Stephan (* 1944, Physiker) starb 1996 an den Folgen der Alzheimerschen Krankheit.

Helmut Rahn

Begonnen hat Helmut Rahn seine Karriere beim SV Altenessen 1912, wo er von 1938 bis 1946 spielte. Danach wechselte er in die Landesliga zum SC Oelde 1909, für den er 52 Tore erzielte, und schließlich 1950/51 für eine Saison zu den Sportfreunden Katernberg. Seine größten Erfolge feierte Rahn als Vereinsspieler mit Rot-Weiss Essen, wo er von 1951 bis 1959 spielte. Dort wurde er 1953 DFB-Pokal-Sieger und 1955 Deutscher Meister. Ein Angebot, zum


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Racing Club Avellaneda in Argentinien zu wechseln, lehnte er 1952 ab. 1959 bis 1960 spielte er für den 1. FC Köln. 1960 wechselte er zum niederländischen Club SC Enschede. Beim Start der Fußball-Bundesliga 1963 spielte er beim Meidericher SV (1967 umbenannt in MSV Duisburg), wo er 1965 seine Karriere wegen einer Knieverletzung beendete. Seinen Platz in den Annalen der Fußballgeschichte erkämpfte sich Rahn aber mit der Nationalmannschaft. Im Finale der Fußball-WM von 1954, in dem die deutsche Elf gegen Ungarn bereits mit 0:2 zurücklag, bereitete Rahn das 1:2 vor, schoss den Ausgleichstreffer zum 2:2 und den Siegtreffer zum 3:2-Endstand („Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt, Tooooor, Tooor, Toooor!!!“), der den sensationellen Titelgewinn (Wunder von Bern) der deutschen Elf bedeutete. Im Kontext des sich langsam wieder entfaltenden Selbstbewusstseins von Nachkriegsdeutschland gilt der Siegtreffer gegen die favorisierten Ungarn als das bis heute wohl berühmteste Tor in der deutschen Fußballgeschichte. Insgesamt bestritt Rahn 40 Länderspiele und erzielte dabei 21 Tore. Nach seinem Ausscheiden als aktiver Spieler zog sich Helmut Rahn weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und litt zeitweise an Alkoholproblemen. Er starb zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag in Essen. Seinen Spitznamen „Der Boss“ trug er aufgrund seiner fußballerischen Führungsfähigkeiten. Der Film "Das Wunder von Bern" von Regisseur Sönke Wortmann ist ihm gewidmet. Helmut Rahn gründete nach seinem aktiven Fußballerleben in Essen-Altenessen einen Autohandel an der Altenessener Straße. Er war ein Original mit Mutterwitz und ein sehr kommunikativer Mensch. Über ihn sind in Essen noch viele Geschichten in Umlauf. Eine (allerdings nicht verbürgte): Helmut Rahn wurde von Freunden mal gefragt, wie denn sein Autohandel so funktioniere. Seine Antwort: „Ich kauf 'ne Karre für tausend, verkauf' se für viertausend. Und von die drei Prozent leb ich.“ Am 12. Juli 2004 wurde mit einem Festakt im Essener Georg-Melches-Stadion vor etwa 5500 Zuschauern ein Denkmal zu seinen Ehren enthüllt. Die lebensgroße Bronzestatue wurde 50 Jahre nach dem Wunder von Bern präsentiert.

Sepp Herberger

Als Sohn eines Arbeiters wurde Herberger, der eigentlich „Seppl“ gerufen wurde, im Mannheimer Stadtteil Waldhof geboren und wuchs im Stadtteil Luzenberg in der sogenannten „Spiegelsiedlung“ auf. Nach der Volksschulzeit war er zwischen 1911 und 1916 zunächst Bauhilfsarbeiter, bevor er in das Büro einer metallverarbeitenden Firma wechselte. 1916 wurde er zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. Am 30. April 1921 heiratete er Eva Müller aus Weinheim, die er ein Leben lang „Ev“ nannte. Nach Kriegsende spielte Herberger von 1919 bis 1921 für den SV Waldhof Mannheim, in dessen erster Mannschaft er bereits 1914 als Siebzehnjähriger debütiert hatte. Im Oktober 1921 wechselte er zum VfR Mannheim. Von 1921 bis 1926 war Herberger Mitarbeiter der Dresdner Bank in Mannheim. Weil er dort in der Betriebsmannschaft spielte, wurde ihm für ein Jahr der Amateurstatus aberkannt. 1921, 1924 und 1925 wurde er dreimal in der deutschen Fußballnationalmannschaft eingesetzt; im ersten Länderspiel erzielte er zwei Tore. Während seiner Zeit bei Tennis Borussia Berlin (1926 - 1930) war Herberger beim Berliner Bankhaus Fürstenberg und Glocke angestellt. Daneben studierte er an der Deutschen Sporthochschule für Leibesübungen. 1930 machte er mit der Arbeit Der Weg zur Höchstleistung im Fußballsport sein Diplom als Sportlehrer und wurde als Jahrgangsbester mit der August-BierPlakette ausgezeichnet. Seine Trainerlaufbahn begann Herberger bei Tennis Borussia. 1932 wechselte er als Verbandstrainer zum Westdeutschen Spielverband in Duisburg. 1933 trat er in die NSDAP ein. Nach der Entlassung von Otto Nerz - wegen des vorzeitigen Ausscheidens der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1936 – wurde Nerz' Assistent Herberger am 10. Oktober 1936 vom DFBChef Linnemann zum Reichstrainer berufen. Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1938 musste er die deutsche Mannschaft auf Anweisung der Regierung mit Spielern aus dem mittlerweile ans Deutsche Reich angeschlossenen Österreich mischen. Herberger schlug dagegen vor, mit zwei getrennten


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Mannschaften anzutreten. Die nicht eingespielte Elf scheiterte bereits in der Vorrunde (2:4 gegen die Schweiz). Trotzdem blieb Herberger bis 1942, als kriegsbedingt der Länderspielbetrieb eingestellt wurde, im Amt. Herberger war von Dezember 1945 bis Januar 1946 Interimstrainer bei Eintracht Frankfurt. 1946 stufte ihn die Spruchkammer Weinheim im Rahmen der Entnazifizierung als "Mitläufer" ein. 1947 wurde Herberger Dozent an der Sporthochschule Köln für das Fach Fußball und bekam die Trainerausbildung übertragen. Von 1949 bis 1964 fungierte er dann als Fußballbundestrainer. 1954 führte er die DFB-Auswahl unter ihrem Kapitän Fritz Walter überraschend zum Sieg bei der WM 1954 in der Schweiz. Der 3:2-Erfolg im Endspiel gegen das hoch favorisierte Ungarn, gegen das die deutsche Mannschaft in der Vorrunde mit 3:8 verloren hatte, wird heute noch als „das Wunder von Bern“ bezeichnet; die Spieler, die Herberger respektvoll als „Chef“ ansprachen, und ihr Trainer werden oft die „Helden von Bern“ genannt. Bei der WM 1958 in Schweden gelang mit dem 4. Platz noch einmal der Einzug ins Halbfinale, bei der WM 1962 in Chile schied Deutschland im Viertelfinale aus. 1964 wurde Herberger von Helmut Schön abgelöst. Das eigentlich als Abschiedsspiel vorgesehene Länderspiel gegen Schottland am 12. Mai 1964 endete „nur“ 2:2, deshalb bat Herberger um ein zweites Abschiedspiel. Dieses wurde am 7. Juni 1964 in Helsinki „standesgemäß“ mit 4:1 gegen Finnland gewonnen. Unter Herbergers Leitung als Reichstrainer bestritt die Nationalmannschaft vom 15. November 1936 bis zum 22. November 1942 insgesamt 65 Länderspiele, davon 40 Siege, 12 Unentschieden und 13 Niederlagen. Als Bundestrainer betreute Sepp Herberger die Nationalmannschaft vom 22. November 1950 bis zum 7. Juni 1964. Es fanden insgesamt 97 Länderspiele statt, dabei gab es 52 Siege, 14 Unentschieden und 31 Niederlagen. Die Gesamtbilanz unter Sepp Herberger: 162 Länderspiele, davon 92 Siege, 26 Unentschieden, 44 Niederlagen Während seiner Zeit als Trainer machte er neben sportlichen Erfolgen durch Sprüche auf sich aufmerksam, die schnell in aller Munde waren. Dazu zählen u. a. die Sätze „Der Ball ist rund“, „Der nächste Gegner ist immer der schwerste“, „Das Spiel dauert neunzig Minuten“, „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ oder „Der Ball hat immer die beste Kondition“. Diese Aussagen haben in Deutschland neben ihrem direkten Bezug zum Fußball teilweise auch den (Kult-)Status von allgemeinen Lebensweisheiten erlangt.

Fritz Walter

Fritz Walter wurde als ältestes von 5 Kindern geboren. Von seinen Geschwistern Ludwig, Gisela, Ottmar und Sonja wurde auch Ottmar Walter ein berühmter Fußballer. Als Sohn des Vereinswirts des 1. FC Kaiserslautern kam Fritz Walter schon in frühester Jugend mit dem Fußball in Kontakt. Seine ersten Schritte auf dem Fußballplatz machte Fritz als Siebenjähriger (und als rechter Verteidiger) in der Schülermannschaft des FV Kaiserslautern. Der verschmolz später mit Phönix Kaiserslautern zum heutigen FCK. Im Alter von acht Jahren trat er in die Schülermannschaft des FCK ein. Der bekannte Sportreporter Rudi Michel erinnert sich, dass sein Vater in der Saison 1928/29 immer früher ins Stadion ging: "Vor der ersten Mannschaft spielts klää Fritzje". Mit 17 spielte er auf der Position des Stürmers in der ersten Mannschaft. Sein erlernter Beruf war Bankkaufmann. Dem 1. FCK blieb Walter auch danach stets als Spieler treu, obwohl er lukrative Angebote von den damals besten Vereinen aus dem Ausland hatte, z.B. von Inter Mailand und dem FC Nancy. Racing Paris bot ihm die damals unvorstellbar astronomische Summe von 250.000 DM Handgeld für einen Wechsel, doch Fritz Walter lehnte mit den Worten "Dehäm is dehäm" (Daheim ist daheim) ab. Auch Atletico Madrid bot exorbitante Gelder, 500.000 DM für einen Zweijahres-Vertrag. Hierzu schrieb Fritz Walter später einmal in einer Kolumne: "Schätzche, was mache mer?" hab' ich meine Frau Italia gefragt. "Brauchst du mich doch gar nicht erst zu fragen", hat sie mir geantwortet, "da oben dein Betzenberg, der Chef, dein FCK, die Nationalmannschaft..." Während seiner Zeit als Infanterist im lothringischen Diedenhofen spielte Fritz Walter zwischen April und Juni 1943 für die TSG Diedenhofen und für die Soldatenelf "Rote Jäger". Nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft 1945 spielte Walter erneut beim 1. FCK. Der Auswahl "Pfalz", in der neben Fritz Walter noch sieben weitere Kaiserslauterer Spieler standen,


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bescheinigte der damalige Bundestrainer Sepp Herberger "Länderspielformat". Walter stand fünf Mal in Endspielen um die deutsche Meisterschaft und wurde mit dem Verein 1951 und 1953 Deutscher Meister. In einem Freundschaftsspiel mit dem FCK erzielte er 1956 sein legendäres Hackentor von Leipzig im Spiel Kaiserslautern gegen Wismut Aue, von dem jedoch nur Bild- und keine Videoaufnahmen existieren. Dennoch wird es heute als eines der besten Tore aller Zeiten bezeichnet: Walter hatte sich einfach nach vorne fallen lassen und den Ball dann mit der rechten Hacke über den eigenen Kopf ins rechte Eck geschossen. Der DDR-Sportreporter Wolfgang Hempel bezeichnete es als "Tor des Jahrhunderts". In seiner Zeit beim 1.FC Kaiserslautern erzielte Fritz Walter in 384 Spielen 327 Tore. Sensationell ist diese Quote vor allem deshalb, weil er kein Stürmer, sondern Mittelfeldspieler auf der Halbposition war. Er trug die Rückennummer 8. Seine Karriere beendete Walter am 20. Juni 1959. Seine Nationalmannschaftszeit begann am 14. Juli 1940 unter der Leitung des damaligen Trainers Sepp Herberger, er erzielte beim 9:3-Sieg gegen Rumänien gleich drei Tore. Nach der Kriegsunterbrechung kehrte Walter 1951 in die Nationalmannschaft zurück, lief in 30 Spielen als Spielführer auf und war der verlängerte Arm von Sepp Herberger auf dem Platz. Unter der Führung von Bundestrainer Herberger und Mannschaftskapitän Fritz Walter gewann die Nationalmannschaft erstmalig die Fußballweltmeisterschaft 1954. Der Endspielsieg gegen die hochfavorisierten Ungarn ging als Wunder von Bern in die Sportgeschichte ein. Walter spielte mit der Nummer 16. Noch heute wird die Mannschaft von 1954 auch als "Walter-Elf" bezeichnet. Manchmal wird diese Bezeichnung jedoch auch für die damalige Mannschaft des 1.FCK verwendet. Seine zweite Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft 1958 bedeutete für Walter auch gleichzeitig den Abschied aus der Nationalmannschaft. Walter verletzte sich im Halbfinale, verursacht durch ein klares Foulspiel des Schweden Parling in der 75. Minute, musste ausscheiden und konnte auch nicht mehr im Spiel um Platz 3 gegen Frankreich auflaufen. Er erklärte nach der WM seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, womit das Halbfinalspiel 1958 gegen Gastgeber Schweden sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft bleiben sollte. In seiner Laufbahn als Nationalspieler erzielte er in 61 Länderspielen 33 Tore und war damit bis zum 23. Juni 1966 Rekordtorschütze der Nationalmannschaft. Als Rekordtorschütze wurde er von Uwe Seeler abgelöst. Derzeit ist er (Stand 6. September 2006) zusammen mit Miroslav Klose der siebtbeste Torschütze der Nationalmannschaft, dabei jedoch der erfolgreichste Mittelfeldspieler aller Zeiten, da vor ihm nur Stürmer liegen. Wie vielen anderen Fußballern auch raubte der 2. Weltkrieg Fritz Walter seine besten Jahre als Sportler. Obwohl Herberger für seine Nationalspieler Privilegien durchsetzte, kam Walter 1940 als Infanterist nach Frankreich, später nach Sardinien, Korsika und Elba. Fußball spielte er nun in der Soldatenmannschaft "Rote Jäger". Später kam er in russische Kriegsgefangenschaft. Das "Spiel seines Lebens", wie er später jedoch betonte, war nicht das WM-Finale 1954, sondern ein Spiel, das er im Kriegsgefangenen-Lager bei Marmaros-Sziget in Rumänien machte. Geschwächt von einem Malaria-Anfall spielte er mit den ungarischen und slowakischen Wachsoldaten Fußball. Sie erkannten den deutschen Nationalspieler und stellen ihm dem Kommandanten Major Schukow vor, ebenfalls ein großer Fußballfan. Schukow bewahrt Fritz und dessen jüngeren Bruder Ludwig vor dem Abtransport nach Sibirien. Bereits am 28. Oktober 1945 kehren die Brüder nach Kaiserslautern zurück. Fritz Walter hat den "Deutschen Gruß" abgelehnt, Briefe nicht mit "Heil Hitler" unterzeichnet, im Vereinslokal der TSG Diedenhofen soll er gar "Heil Moskau" gerufen haben. Seit Oktober 1948 war er mit Italia Bortoluzzi (* 6. Dezember 1921; † 14. Dezember 2001) verheiratet (Trauzeuge war Sepp Herberger); die Ehe blieb kinderlos. Nach seinem Karriereende war Walter zunächst Werbeträger und Berater beim SV Alsenborn, Inhaber des Fritz-Walter-Kinos und einer Wäscherei, schrieb mehrere Sportbücher, danach engagierte er sich von 1976 bis 1997 für die Sepp-Herberger-Stiftung, die sich um die Resozialisierung von Strafgefangenen bemüht. Gesundheitlich angeschlagen ging "der große Fritz" in seinen letzten Lebensjahren kaum noch in das nach ihm benannte Stadion auf dem Betzenberg in Kaiserslautern, da ein Fußballballspiel


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anzuschauen ihn immer zu sehr aufregte. Auch bei Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft schaute er nicht zu, sondern ließ sich von Ehefrau Italia über Ereignisse, Tore und Fouls informieren. Obwohl er die WM selbst nicht mehr erleben durfte, hatte er wohl maßgeblichen Anteil daran, dass Kaiserslautern (noch vor Bremen) zur WM-Stadt 2006 gekürt wurde. Einerseits aktiv (als offizieller WM-Botschafter ) mit der Kampagne "5 Weltmeister für Kaiserslautern" (mit Horst Eckel, Ottmar Walter, dem damaligen FCK-Trainer Andreas Brehme und dem damaligen Spieler Youri Djorkaeff), andererseits wurde auch vielfach der "Fritz-Walter-Bonus" beschworen.

Presse


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Gemeinschaftsgrabstätten für Fußballfans  

Beschreibung der Potentiale für Friedhöfe, die ihre Überhangflächen in Wert setzen wollen - durch neue Grabfelder

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