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3. ausgabe 2016

für alle mitarbeiter, gäste und freunde des klosters andechs und der abtei sankt bonifaz

kirche und kloster  Dreihostienfest mit Kardinal Walter Kaspar klosterbr auerei  500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot panor ama  Betriebsausflug nach Niederbayern


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bergecho 3 . 2016

|  editorial

D

unkel wirds....

Wenn Sie diese Zeilen lesen, wer-

den die Tage kürzer und die Nächte,

die Dunkelheit länger. Bei mir überwiegt

der Wärme und dem warmen Regen. Den

Herbst, wenn die Äpfel reifen, die Wein-

mich eine wichtige Rolle. Ich verfolge das

den rascheln, wenn ich durch den Wald

ganze Jahr über, wann die Sonne aufgeht

und wann sie am Abend wieder untergeht.

Zwischen Sommersonnwende und Wintersonnwende liegen in München ca. 8 Stun-

den Sonnenschein.

Man kann sich dies kaum vorstellen.

Im Norden, z. B. Auf der Insel Sylt scheint

ernte beginnt und die Blätter auf dem Bo-

wandere. Und jetzt, diese Zeit, da die Tage kürzer und die Nächte länger werden.

Die Natur kommt zur Ruhe, und auch

wir erhalten die Möglichkeit, ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Die »stade Zeit« beginnt. Bald brennt

eine Kerze, in der Helligkeit von einem

die Sonne am Sommeranfang ca. 80 Mi-

Lux, am Adventskranz.

fang 80 Minuten weniger als in München.

dann vier. Es ist jede Woche um ein Lux,

nuten länger und dafür zum Winteran-

In der nächsten Woche zwei, dann drei,

Ich mache mir dies bewusst, weil ich

um einen Kerzenschein heller geworden.

Über eine weitere Besonderheit will ich

Kerzen zu einem großen Fest, dem Weih-

Bei mir scheint die Sonne öfters bezie-

Mensch wird – der Geburt unseres HERRN

die Sonne ja nicht mit den Augen sehe. berichten:

hungsweise früher als bei den anderen.

Beim Wandern spüre ich die Sonne bereits, wenn sie noch unter einer dünnen Wol-

Sollte Ihrem Exemplar kein Über­ weisungsträger beiliegen, können Sie auch direkt an das Kloster überweisen: IBAN: DE72 7025 0150 0438 9820 50 BIC: BYLADEM1KMS

Den Sommer mit den ersten Früchten,

die Dunkelheit, denn ich bin seit Jahren

erblindet. Das Licht, die Sonne, spielt für

Wenn Sie sich für das Andechser Berg­echo­erkenntlich zeigen wollen, liegen­einer Teilauflage dieser Ausgabe Überweisungsträger bei. Danke für Ihre Verbundenheit!

Den Frühling mit dem feinen Duft

und dem Beginn des Vogelgezwitschers.

Wie wir wissen, führen uns diese

nachtsfest, zu dem Fest, an dem Gott

JESUS CHRISTUS. Dann erstrahlt ein Baum im ganzen Raum und es wird hell.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die kom-

kenschicht versteckt ist.

menden dunklen Tage bewusst genießen

ne« und ich bekomme meist die Antwort:

Sie diese Chance zur inneren Einkehr.

Ich frage: »Da scheint doch die Son-

»Nein, ich sehe keine Sonne, da sind nur

und zur Ruhe kommen können. Nützen

Diese Tage führen uns zu dem großen

Wolken.«

Licht.

den Augen sieht. Ich spüre sie über die

ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

So ist es, wenn man die Sonne nur mit

Haut, ich erkenne die Wärme auf meiner

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen

Haut viel früher als die Augen die Sonne, das Licht.

So erkenne ich auch anhand des Son-

nenstandes die Jahreszeiten. Alle vier Jahreszeiten mag ich:

bruder elija morbach


inhalt  |

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k i rc h e u n d k l o s t e r 4 8 10 11 12 14 16 18 20

Eucharistie – das Wunder der Barmherzigkeit Gottes Wie Barmherzigkeit eigentlich »geht« 40jähriges Professjubiläum Pater Stephan »Hoch und heilig – für alle Liebhaber der Berge« Neues Buch von Abt Johannes Eckert »Er hat noch viel zu sagen« Ein Abend mit zwei neuen Büchern von Altabt Odilo »Meine Ideen sprudeln« – Sul Bi Yi ist neue Kirchenmusikerin an der Wallfahrtskirche Gemeindewallfahrt der Pfarrei Sankt Bonifaz zum Dreihostienfest 2016 Verleihung der Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Katholikenrates 15 Jahre Haneberg-Haus für Menschen ohne Obdach

Eucharistie – das Wunder der Barmherzigkeit Gottes

Kurienkardinal Walter Kasper beim

k l o s t e r b r au e r e i

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Dreihostienfest in Andechs seite 4

Neue Edelstahlrohrleitungen im Gär- und Lagerkeller Kurzweiliger Blick auf »500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot« Benediktinische Brautradition im Kloster Andechs Deutsch-amerikanische Segler-Freundschaft Reisebericht von Wolfgang Schäff über seine jüngste USA-Reise 111 Jahre Musikkapelle und Burschenverein Habach

g a s t l i c h k e i t

42 46 48 49

Eröffnung »Der Andechser« in Göppingen »pauls’s küche.bar.greisslerei« in Linz Drei »Eierkuchen-Paradiese« in Bonn, Hennef und Sankt Augustin Klosterstube in Camp-Bornhofen

v e r a n s ta lt u n g e n

50 Colloquium Benedictinum 52 Andechser Exerzitien für Manager 53 6. Andechs-Trail am 22. April 2017

Kurzweiliger Blick auf

»500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot«

Vortrag von Dr. Lothar Ebbertz, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes seite 24

pa n o r a m a

54 56 57 58 60 61 62 63 63

Kinder- und Familientag in Andechs Kunst und Bier auf dem Heiligen Berg 2016 Verabschiedung von Bibliothekarin Hildegard Brandauer Betriebsausflug der Brauerei-Mitarbeiter nach Niederbayern Klosterfahrt zur Benediktiner-Erzabtei Sankt Peter in Salzburg Treffen der Jugendgruppe ›Platsch‹ in Andechs nach 40 Jahren Die Well-Brüder auf dem Heiligen Berg Von treuen Preußen und rollenden Botschaftern Gewinner des Rundfluges vom Kinder- und Familientag 2015

64 p r e s s e

Brautradition und klösterliche Einsamkeit

Betriebsausflug der Brauerei-Mitarbeiter nach Niederbayern seite 58

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kirche und kloster

Eucharistie – das Wunder der Barmherzigkeit Gottes Langjähriger Kurienkardinal Walter Kasper beim Dreihostienfest in Andechs

Eucharistiefeier mit Kardinal Walter Kasper

Beim Dreihostienfest im Kloster Andechs am 24. September hat Kardinal Walter Kasper, der lang­ jährige »Ökumene-Minister« der Päpste J­ ohannes Paul II. und Benedikt XVI., die Eucharistie als »Wun­ der der Barmherzigkeit Gottes« bezeichnet. Bei sei­ ner engagierten Predigt im Rahmen des Festgottes­ dienstes auf dem Heiligen Berg sagte der Kardinal: »Gott hat ein Herz für uns und will uns in jeder Eu­ charistiefeier einen Vorgeschmack des ewigen Lebens geben.«


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für uns Menschen und sich unserer er-

barmt, weil er uns nicht allein lassen will

in unserem grauen Alltag (…). Darum ist

Gott Mensch geworden (…); darum will er bleibend bei uns und mit uns sein. Er ist

kein Gott des Zorns und der Vergeltung; er ist ein Gott des Lebens und der Liebe, der

Versöhnung und der Vergebung.«

DREIHOSTIENFE ST –  EIN »HÖCHST AK TUELLE S FE ST« Für Kardinal Kasper ist das Dreihostien-

fest ein »höchst aktuelles Fest«: »Vieles in unserer Welt ist ja zum Heulen und vie-

les läuft auch in unserem Leben schief. (…) Aber jeder, der aufrichtigen, ehrli-

chen, gläubigen und reumütigen Herzens

kommt, ist eingeladen. Wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn heißt uns Gott will-

»Gott ist ein Gott der Versöhnung und der Vergebung«

kommen und bereitet uns ein Fest. (…) Kei-

Z

Nur die (…), die meinten, der Buße nicht

nen und keine hat er vom Tisch gewiesen. zu bedürfen, die hat er hart kritisiert.«

u Beginn des Festgottesdienstes be-

JEDE EUCHARISTIE EIN WUNDER DER BAR MHER ZIGKEIT GOT TE S

Kasper sehr herzlich: »Wir freuen

Das Dreihostienfest erinnere daran, so der

BAR MHER ZIGKEIT –  DIE KENNK ARTE DE S CHRISTEN

genommen haben, um mit uns gemein-

»jede Eucharistie ein Wunder ist. In jeder

Eucharistie höre nicht auf, wenn der Got-

nen kommt ein Stück Weltkirche auf den

begreifliche, unfassbare Gott, der uns oft

grüßte Abt Johannes Eckert Kardinal

uns, dass Sie den Weg von Rom auf sich

sam das Dreihostienfest zu feiern. Mit Ih-

Heiligen Berg. Besonders in diesem Hei-

ligen Jahr der Barmherzigkeit, das Papst

Franziskus ausgerufen hat. Dass Sie gerade heuer zu uns kommen, ist ein schönes Zei-

chen, denn Sie ja haben den Heiligen Vater

– wie er selbst gesagt hat – mit Ihrem Buch

über die Barmherzigkeit Gottes inspiriert.«

83jährige Kardinal in seiner Predigt, dass

Eucharistie wird der uns Menschen un-

so fern zu sein scheint, unter der Gestalt

von Brot und Wein wahrhaft gegenwär-

tig. Das ist das Wunder«. Die Barmherzig-

keit Gottes stellte der bekannte ökumeni-

tesdienst ende: »Dann wird es erst ernst«, so Kardinal Kasper. »Wie Gott in der Eu-

charistie sich mitteilt, so sollen auch wir

teilen.« Da seien die Werke der leiblichen

Barmherzigkeit wie Hungrige speisen und

Fremde aufnehmen heute neu aktuell.

sche Theologe in den Mittelpunkt seiner

»Im Ausland war ich stolz, dass sich bei

barmherziger Gott ist, weil er ein Herz hat

bereitschaft zeigte und noch immer zeigt,

Ansprache. »Weil Gott ein liebender und

uns bei der Flüchtlingskrise so viel Hilfs-

und dass Christen dabei ganz vorne dabei

waren und sind. Gut so. Das ist ein Gütesiegel der Kirche in Deutschland. Barm-

herzigkeit ist die einzig gültige Kennkarte des Christen«.

E S GEHT UM NÄCHSTENLIEBE , NICHT UM FERNSTENLIEBE Und weiter Kardinal Kasper: »Kein ver-

nünftiger Mensch sagt und verlangt, dass

wir allen Notleidenden dieser Welt helfen und sie bei uns aufnehmen. Es geht um

Nächstenliebe, nicht um Fernstenliebe,

um die, die vor unserer Haustür ankom-

men. Ich habe nicht Angst vor der Islamisierung Europas, ich habe Angst vor der

Schwäche der Christen in Europa. Wenn

wir (…) unseren christlichen Glauben

Herzlicher WIllkommensgruß durch Abt Johannes

überzeugend leben würden, dann würde

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kirche und kloster

Feierliche Prozession und Schluss-Segen mit der Dreihostienmonstranz

er wie von selbst auf viele Neuankommen-

gutes Wort, ein Lächeln kann Wunder

denn Besseres zu sagen? Viele entschul-

wird die Welt etwas wärmer, etwas heller

de ansteckend ausstrahlen. (…) Wer hat

digen sich fast, Christen zu sein. Merken

wir denn nicht, dass viele Außenstehende

der Messe in G-Dur von Colin Mawby. ­

wirken. (…) Wenn wir das alle tun, dann

An der Orgel begleitete Maximilian Betz.

und etwas menschlicher. Dann werden

te die Prozession nach dem Gottesdienst

wir selbst zu einem Sakrament, zu einem

Mit der Dreihostienmonstranz führ-

rund um die Wallfahrtskirche. Dies ist der

und auch nicht wenige Neuankommende

Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit

ORIENTIERUNG, LICHT, TROST, R AT UND FREUDE AUSSTR AHLEN

ältesten Andechser Kirchenfeste auf den

Zur leiblichen Not komme die geistliche

nungen der örtlichen Vereine nahmen am

Apotheke – waren Stationen auf dem Weg,

Prozession ebenso teil wie Landrat Karl

fahrtskirche den Abschluss bildete.

auf unser Zeugnis warten?«

Not. Diesem »geistlichen Notstand« sollen Christen mit den Werken der geistlichen

Barmherzigkeit begegnen: »Wir müssen

und der Hoffnung.«

Viele Menschen waren zu einem der

Heiligen Berg gekommen. Fahnenabord-

Festgottesdienst und der anschließenden

Orientierung, Licht, Trost, Rat und Freude

ausstrahlen. (…) Tragt etwas hinaus von

dem Licht und von der Freude des Christ-

seins«. Es sei ein Werk der Barmherzigkeit, seinen Glauben zu bezeugen und in den

Geschichten der Bibel und der Heiligen

weiterzugeben: »Sie sind das wichtigste

Erbe und die wichtigste Ausrüstung fürs Leben, die wir ihnen weitergeben kön-

»Wir müssen Orientierung, Licht, Trost, Rat und ­ Freude ausstrahlen. ­

Tragt etwas hinaus von dem Licht und von der

einzige Tag im Jahr, an dem die rund 10

kg schwere Monstranz die Heilige Kapelle der Wallfahrtskirche zu einer Prozession verlässt. Zwei Altäre – unterhalb des

Klosterladens und in der Nähe der Alten

bevor der sakramentale Segen in der Wall-

EINER DER BEK ANNTE STEN ÖKUMENISCHEN THEOLOGEN Mit Kardinal Walter Kasper war einer der bekanntesten ökumenischen Theologen

der letzten Jahrzehnte in Andechs. Als vor-

maliger Bischof von Rottenburg-Stuttgart und langjähriger Präsident des Päpstli-

chen Rates zur Förderung der Einheit der

Christen (bis 2010) war er der »Ökumene-

nen«, so Kardinal Kasper.

­Freude des ­Christseins «

Minister« der Päpste Johannes Paul II. und

DIE KLEINEN WUNDER DE S ALLTAGS

KARDINAL WALTER KASPER

Reihe bekannter Kardinäle fort, die zum

Dreihostienfest nach Andechs kamen. ­

Seine engagierte Predigt schloss der Kar-

dinal mit einem Aufruf: Es »gibt (…) die

Der Münchner Erzbischof Kardinal

kleinen Wunder des Alltags. Auch Gott

Roth und die stellvertretende Bürgermeis-

tie kommt er nicht mit großem Trara. Er

Die Stiftskantorei von Sankt Bonifaz unter

paar Tropfen Wein. Eine kleine Geste, ein

staltete das Pontifikalamt musikalisch mit

macht sich klein. (…) In der Eucharis-

macht sich klein. Ein Stückchen Brot, ein

Benedikt XVI. Kardinal Kasper setzt die

terin von Andechs, Christine Hirschberger. der Leitung von Martin Fleckenstein ge-

Reinhard Marx war 2014 in Andechs und

sein Vorgänger Kardinal Friedrich Wetter

.

im Jahr 2005 zum 550 jährigen Jubiläum des Klosters auf dem Heiligen Berg. 


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GENUSS & NATÜRLICHKEIT Eine bayerische Brotzeit beginnt mit einem Andechser dunkel aus der Hofpfisterei

www.hofpfisterei.de

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kirche und kloster

Wie Barmherzigkeit eigentlich ›geht‹ Leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit Das Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus ausgerufen hat, ist zu En­ de. Nun ist in der T ­ radition unserer Kirche Barmherzigkeit durchaus eine gut definier­ te Angelegenheit – was kaum eine Über­ raschung ist. Es gibt nicht nur den Begriff der Barm­herzigkeit, sondern es gibt auch die Auf­listungen der sogenannten Werke der Barmherzigkeit, leiblicher und geistiger.­ Diese Listen dienen als Vorgabe und als Anregung, um genau zu wissen, was nun barmherzig ist und was nicht so sehr. ­Also so zu sagen »Barmherzigkeit leicht gemacht«. Wie Barmherzigkeit konkret »gehen« kann, dazu hat sich Pater ­Korbinian, Pfarrer von Sankt Bonifaz in München, Gedanken g­ emacht.

Sieben Werke der

Barmherzigkeit heute

Du gehörst dazu Ich höre dir zu

Ich rede gut über dich

Ich gehe ein Stück mit dir Ich teile mit dir

Ich besuche dich Ich bete für dich

D

as Heilige Jahr hat einige deutsche

Bistümer dazu gebracht, die bei-

den Listen der Werke der Barmher-

zigkeit auf ihre Homepages zu stellen und

Zuerst sollten wir wohl die beiden Listen

einmal anschauen, wenn wir uns mit ih-

rer Bedeutung beschäftigen wollen. Die

so wieder einmal neu unters Volk zu brin-

leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind:

niszenz an die Zeiten, als Religionsunter-

geben, Fremde beherbergen, Nackte klei-

lernen aller möglichen Listen erschöpfte?

Tote bestatten. Die geistigen Werke sind:

ja noch erlebt. Da gab es von Mengen an

Trauernde trösten, Sünder zurechtweisen,

Antworten bis zu verschiedensten Auflis-

dig ertragen, für Lebende und Verstorbene

gen. Sind diese Listen aber nur eine Remiricht sich noch oft genug im Auswendig-

Manche der Älteren unter uns haben das Katechismus-Fragen samt zugehörigen

tungen einiges zu memorieren, und die

beiden Listen der körperlichen und geisti-

gen Werke der Barmherzigkeit waren Stoff (Bei der Eröffnung des Elisabeth-Jahres 2006 hat Bischof Joachim Wanke »Sieben Werke der Barmherzigkeit für Thüringen heute« bekannt gegeben, die aus einer Umfrage im Bistum Erfurt entstanden sind.)

WA S HEUTE KONKRET HILF T

für diese Gedächtniskünste. Aber können

Hungrige speisen, Durstigen zu trinken

den, Kranke pflegen, Gefangene besuchen,

Unwissende lehren, Zweifelnde beraten,

Beleidigern gern verzeihen, Lästige gedulbeten.

Wenn wir uns nun fragen, was uns

das heute konkret hilft, dann ist die erste

Liste, die der leiblichen Werke der Barm-

uns diese »Werke der Barmherzigkeit«

herzigkeit, ein wenig klarer als die zweite.

zigkeit heute noch so?

präsent im ganz normalen Alltagsleben.

heute noch etwas sagen? Geht Barmher-

Manche der Werke sind vielleicht nicht so

Man kann halt bei uns nicht einfach nach

Stadelheim marschieren und dort spontan


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Gefangene besuchen, und das Bestatten

der Toten erledigt schon per Gesetz die

städtische Friedhofsverwaltung. Aber von solchen praktischen Einschränkungen

einmal abgesehen – was hier aufgelistet

ist, dürfte unbestreitbar barmherzig sein.

Wenn man die Werke nicht zu wörtlich

nimmt, kann man damit sicherlich den

Kampf gegen die allermeisten Notlagen

von Menschen beschreiben. Wie ist es aber mit den geistigen Werken? Ich vermute, dass hier zumindest das Zurechtweisen

von Sündern etwas ist, das kaum jemand

heute noch barmherzig finden wird. Die

anderen geistigen Werke aber sind eben-

so offensichtlich tatsächlich barmherzig,

wie die leiblichen.

»BAR MHER ZIGKEIT IST EINE SEHR KONKRETE UNTERNEHMUNG« Von daher kann man sicher sagen, dass

die Werke der Barmherzigkeit für heute

noch etwas zu sagen haben. Wenn man

sie ein bisschen weiter interpretiert, dann

Leute auch wirklich anstellen wie die Anfänger.

TATKR ÄF TIGE HILFE MIT BLICK AUF WORT UND LEBEN JE SU

zigkeit, das liegt einerseits am natürli-

fach, Mitleid in tatkräftige Hilfe umzuset-

Dass es schwierig ist mit der Barmher-

chen Egoismus, den alle Menschen haben.

Die geistigen Werke der Barmherzigkeit

Unwissende lehren

Zweifelnde beraten

Andererseits ist es offenbar gar nicht einzen. Da sind vielleicht ein paar Hinweise

gar nicht schlecht. Gerade diesen Aspekt der Werke-Auflistung halte ich auch für

hilfreich für uns heute. Im Kontext unserer heutigen Gesellschaft ist nämlich

manches nicht mehr so einfach, wie es

die Werke der Barmherzigkeit noch waren.

Nur ein Beispiel: Es gibt heute nicht nur

Menschen, die für sich selber betteln. Es

Trauernde trösten

gibt auch organisierte Bettler, deren Chef

Beleidigern gern verzeihen

diesen Ausgebeuteten helfen sollte, liegt

Sünder zurechtweisen

Lästige geduldig ertragen Für Lebende und

Verstorbene beten.

regelmäßig am Standort vorbeikommt,

um den Gewinn einzustreichen. Dass man

auf der Hand - aber hilft ihnen Geld? Ich

habe darauf auch keine eindeutige Antwort, aber es zeigt schon, dass so etwas wie professionelles Wissen im Hinter-

grund hilfreich sein kann.

Ich denke, für den persönlichen Haus-

Um es ein bisschen humorig zu sagen:

gebrauch ist die konkrete Barmherzigkeit,

gerne geteilt hat, stammen wir vermut-

wirklichen. Und wenn man ein bisschen

sind sie wahrscheinlich auch eine ausrei-

Von dem Urmenschen, der von Natur aus

herzigkeit heute bedeutet. Ich meine aber,

lich nicht ab – der dürfte nämlich irgend-

Barmherzigkeit an Profis delegiert, in-

spontan zuerst an sich. Wenn einmal un-

nicht schaden. Letztlich bleibt es eine sehr

chende Beschreibung dessen, was Barmdass diese beiden Listen uns noch mehr

zu sagen haben. Sie zeigen nämlich, dass

Barmherzigkeit eine sehr konkrete, tat-

kräftige Unternehmung ist.

Barmherzigkeit fängt bei den Grundbe-

dürfnissen der Menschen an. Essen, Trin-

ken, Kleidung, Hilfe bei Krankheit und in Gefangenschaft, ein würdiges Grab fin-

den, das ist alles nichts Hochgestochenes, das ist alles ganz normal. Und auch der

Erwerb von Wissen, Sicherheit gewinnen,

Trost bekommen, von Irrwegen zurück

gehalten werden, Entgleisungen nicht

nachgetragen bekommen, freundlich be-

handelt werden, vom Gebet anderer für

sich selbst wissen – genauso normal und bodenständig.

IST E S WIRKLICH SO EINFACH, EINFACH BAR MHER ZIG ZU SEIN ? Alles, woran wir vielleicht sonst noch denken würden, wenn wir an die Barmherzigkeit denken, sind Dinge, die dann später kommen und einfach weniger dringlich

sind. Es sollte also eigentlich ganz einfach sein, barmherzig zu sein. Ist es aber das

wirklich? Wohl nicht, sonst gäbe es die

beiden Listen ja nicht - Barmherzigkeit für

Anfänger brauche ich nur, wenn sich die

wann verhungert sein. Menschen denken ter Druck die zivilisatorische Schale bröckelt, sieht man das sofort: Denken Sie

nur an die Fernsehbilder vom Sturm Katri-

na 2005, auf denen man verfolgen konnte,

wie schnell das gehen kann.

orientiert an den Werken, leicht zu ver-

dem man die unterstützt, kann auch das persönliche Sache, wie ich die Barmher-

zigkeit genau lebe. Nur dass sie im Licht

der Worte und des Lebens Jesu konkret für

.

Menschen sein muss, das ist klar und sollte dabei immer Richtschnur sein. 

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kirche und kloster

40jähriges ­Professjubiläum Pater Stephan

S

ein 40jähriges Professjubiläum konnte Ende Juni dieses Jah-

res unser Pater Stephan Dorner feiern. 1976 legte er seine erste

Profess in der Benediktinerabtei Seckau ab. 1993 kam er nach

München und ist seit 2004 Mitglied der klösterlichen Gemeinschaft von Sankt Bonifaz. Die Stiftsbibliothek von Sankt Bonifaz leitet der promovierte Theologe seit 1999. Mit Sachverstand und seinem tro-

ckenen und doch immer zugewandten Humor sorgt der Alttesta-

mentler mit dafür, dass eine der größten Privatbibliotheken Bayerns beim ­Thema klösterliche Literatur immer auf dem aktuellen Stand

ist. Darüber ­hinaus ist Pater Stephan auch als Kaplan in der Seelsor-

ge in der Pfarrei Sankt Bonifaz aktiv. Seine Predigten, nicht nur in

der »Weißwurst-Messe« sonntags um 11.30 Uhr in der Basilika Sankt

Bonifaz, regen an, ermutigen und sorgen mit ihrer Offenheit für

.

Gespräche über den Sonntag hinaus. Herzlichen Glückwünsch und

­Gottes ­Segen. 


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Hoch und heilig –  für alle Liebhaber der Berge Soeben erschienen: Abt Johannes Eckerts neues Buch – Gipfelbotschaften aus dem Matthäusevangelium

S

o lädt Abt Johannes ein, über sechs

Gipfelerlebnisse, die das Matthäus­

evangelium erzählt, sich selbst, dem

Geheimnis Jesu und auch der Tradition

Israels, aus der er lebt, näher zu treten.

Zuverlässige Führer auf diesem Weg über

die Gipfel sind dabei große Bergwanderer

des Alten Testaments (wie Abraham, Mose und Elija). Dem Benediktiner erschließt

Als Zeichen des Dankes und der Verbunden­ heit schenkte Abt Johannes eines der ersten Exemplare seines neuen Buches Abt Odilo

sich dabei aber auch, welch hohe Bedeu-

tung innere und äußere Berge im Leben

und Denken des Mönchsvaters Benedikt

haben.

All diese verschiedenen Ebenen und

Zugänge zu den Gipfelbotschaften finden

genden Gipfel-Erlebnisse vor, sie tragen,

sehr gezielt zueinander. Wie eine Fuge­aus

wartend gesucht werden. Wer dann das

immer wieder überraschend und dabei

Abt Johannes Eckert hat ein viel­ schichtiges, fein komponiertes und motivisch konsequentes Buch für all diejenigen geschrie­ ben, die sich der Faszination der Berge als Orte der Lebensstei­ gerung und der Begegnung mit dem Heiligen nicht entziehen können und wollen. Er reiht sich damit in die große Reihe derer ein, die in allen Kulturen und Re­ ligionen um die Begegnungsge­ walt der Berge wissen. Berge sind tatsächlich „hoch und heilig“. ­ Auf ihnen und vor allem auch dem Weg zu ihnen und auf sie hinauf ­ereignen sich für Men­ schen Klärungen, Bewährungen und Offenbarungen.

Eckert immer wieder. Denn in der Tat, in

jedem Leben kommen solche überwälti-

mehreren Stimmen klingen die Berg-Botschaften über die Jahrhunderte in einem überzeugenden Panorama zusammen.

Möglich wird dies, da Abt J­ ohannes immer wieder durchschimmern lässt, wie ihm auch ganz persönlich Berge, Gipfel­und

die entsprechenden Touren eine Wohltat sind und damit auch eine das ­Leben ver-

tiefende Qualität haben.

Erwähnt sei noch, dass kleine und

wirken lange und können durchaus auch Glück hat, Orte wie Andechs zu kennen und zu erwandern, dem erschließt sich

auch leichter, warum sich Jesus, der Herr, eben vor allem auch auf Bergen, unseren

.

„Bergen des Herzens“ (Rainer Maria Rilke) vielleicht erklärt. 

winfried nonhoff

wertvolle literarische Zeugnisse aus un-

I N F O R M AT I O N E N

Sachs und ­Viktor Frankl) immer wieder

Abt Johannes Eckert Hoch und heilig – Gipfelbotschaften aus dem ­Matthäus-­Evangelium

serer Zeit (u.a. von Hilde Domin, Nelly

dazu animieren, die Faszination der Berge und der Gipfel mitten in unseren eigenen

Lebens-Kletter-Touren zu erleben und womöglich als ­große Chance einer Gottesbe-

gegnung wahrzunehmen.

Der Psychologe Abraham Maslow

hat in den sechziger Jahren des letzten

Jahrhunderts die überragende Wirkung so genannter Gipfel-Erfahrungen (Peak

­Experiences) für ein glückliches und spirituell entgrenztes Leben beschrieben.

Daran dachte ich bei der Lektüre dieses

sympathischen Buches von Abt Johannes

Gebundenes Buch, Pappband, 144 Seiten, 14,1 x 22,2 cm ISBN: 978-3-466-37165-5 euro 16,99 [d], euro 167,50 [a], chf 22,90* (* empf. VK-Preis) Verlag: Kösel, München 2016 Erschienen: 28.11.2016 Erhältlich im Andechser K ­ losterladen und im Online-Shop.

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kirche und kloster

Er hat noch viel zu sagen Ein Abend mit zwei neuen Büchern von Altabt Odilo

Zusammen mit Abt Odilo­ ­haben die Verlage Sankt ­Michaelsbund und Kösel am 10. November im Zent­ rum Sankt Bonifaz zwei neue ­Bücher unseres Altabtes vor­ gestellt. »Innehalten«, ein Buch mit Gedichten von Abt Odilo und Joachim Fraitzl, erschienen im Verlag Sankt Michaelsbund, und »Weg­ marken« mit Betrachtungen von Abt Odilo zu Bildern von Hans Günther Kaufmann, ­erschienen im Kösel-Verlag. Einen nachdenklichen und zugleich humorvollen Abt Odilo, der Ende Dezember sein 60jähriges Priesterjubi­ läum feiern kann, hat Barbara Just von der KNA an diesem Abend erlebt.

Gruppenbild mit Nina Ruge, Abt Odilo und Abt Johannes

V

on Kindheit an träumte Odilo

­Lechner davon, einmal ein »berühmter Dichter« zu werden. Doch der

wenig frequentierten Übergang. Im an-

grenzenden Häuschen würde er dann mit der Familie leben – und während sich die

Vater, ein Beamter, machte ihm schnell

Frau um Haus, Kinder und Garten küm-

So wurden seine Zukunftspläne pragma-

ben nutzen. Doch es kam anders.

klar, dass man davon nicht leben könne. tischer: Der Schüler liebäugelte mit dem

Beruf eines Schrankenwärters an einem

mern sollte, wollte er die Zeit zum SchreiSeine »Familie« wurden ab 1952 die Be-

nediktiner von Sankt Bonifaz in München und Kloster Andechs, de-

nen er von 1964 bis 2003 als

Abt vorstand. Längst ist der

85jährige zu einer Instituti-

on geworden. Am Donners-

tagabend war der große Saal der Abtei gut gefüllt, galt es doch zwei neue Bücher des Ordensmannes vorzustel-

len. Denn die Leidenschaft des Schreibens hat ihn nie

losgelassen. Und seit Abt

­Johannes Eckert die Leitung übernommen hat, nutzt

sein Vorgänger die ihm ge-

schenkte Zeit besonders,

seine Gedanken festzuhal-

Auszug aus dem Buch

ten.


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EMPFEHLUNG VON MONIKA HALLER, LEITERIN DES KLOSTERLADENS

Fernsehmoderato-

rin Nina Ruge führte

durch den »Abend für und mit Abt Odilo«.­

der fast wie Joachim

­Ringelnatz zu ergründen versucht, war-

um eine Spinne am

Denn zu sagen hat

Abend labend sein,

viel. Mit gekrümm-

gen bringen soll. Zu-

da – doch mit wa-

Buch ein Auszug aus

dieser Mann noch

tem Rücken steht er chem Blick und dem sprichwörtlichen

Schalk im Nacken be-

antwortet er die ihm

gestellten Fragen.

Dazu werden Bilder

am Morgen aber Sordem findet sich im

einem »siebenstro-

phigen Gedicht«, das

er 1945 als 14jähriger

im Rückblick auf die Kriegszeit verfass-

te. Sirenengeheul,

von Hans-Günther

Bombenangriffe und

mit dem er über die

ne Leid sind präsent,

Kaufmann gezeigt, Jahre mehrere Bü-

das damit verbundeund doch ist da die

cher gemacht hat. Der einstige Mode-und

Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

geändert und will mit der Fotografie die

Vielleicht ist das der Ursprung, der ge-

Werbefotograf hat längst die Zielrichtung

Grundlagen christlicher Werte vermitteln. Entstanden ist auf diese Weise ein Me-

ditationsbüchlein bei Kösel mit dem Titel

»Wegmarken«. Kaufmann lieferte dazu

wunderbare Aufnahmen von Natur und

»Viele dieser Gedichte sind Gebete.

wöhnlich meist verborgene Grund aller Kreativität, namentlich des lyrischen

­Albert von Schirnding im Vorwort. Nachdenklich machen den Altabt auch seine

Aufenthalte im Krankenhaus der Barm-

dem Psalm durch das Kirchenjahr führen.

»Am Bettrand sitz ich, widme mich dem

immer wieder aufmunternd und Hoff-

das Nichts, das Ewige ermessen?«

Seine Worte sind nachdenklich, aber auch

nung gebend.

Dem Verlag Sankt Michaelsbund hat

Lechner unterdessen im September eine

herzigen Brüder. So notiert er Ende Juni: Rest von Essen. Wie könnt ich hier das All, Auf die Frage, welcher Schriftsteller

ihn inspiriert habe, nennt er Hilde Domin (1909-2006). Persönlich hat der Benedikti-

Reihe seiner Gedichte zukommen lassen,

ner sie noch kennengelernt, diese »kleine

gefährten Joachim Fraitzl. Der 71jährige

um in ihrer Sprache zu bleiben«. Die Ideen

dazu noch jene seines langjährigen Weg-

war als Junge bereits Ministrant bei dem

starke Frau, die im Exil zu dichten anfing,

für seine Bücher gehen ihm nicht aus. Ein

Ordensmann gewesen und blieb ihm lang-

weiteres über den Andechser Kreuzweg ist

wie es im Umschlag heißt. Ob man nicht

gel arbeitet er. Der Herr möge ihm die Zeit

schäftsführende Direktor Stefan Eß griff

ist das Bewusstsein: »Auf mich, auf alle

wenigen Wochen dieser Lyrikband er-

Durch Dich, den Freund, soll ich Ewiges

jähriger Begleiter, »auch als Zahnarzt«, ein Buch daraus machen wolle? Der Gesofort zu, wie er erzählte. Und so sei in

schienen. Hier zeigt sich wieder ein an-

derer Lechner. Einerseits ist da der Autor,

»Die Begegnung mit Gott kann auf verschiedenen Wegen stattfinden. Markierung des Glaubens finden wir an unterschiedlichsten Orten. Das Buch gibt Anregungen dazu, Plätze, die wir täglich wahrnehmen, mit neuer Aufmerksamkeit zu betrachten. Welche Wegmarken berühren mich in meinem Innersten? Ist es der Sonnenstrahl im Laub oder der Psalm, der von Erbarmen spricht? Finden wir eine ganz persönliche Inspiration bei ihrer Wegmarkierung. Vielleicht sprechen uns verschiedene Momentaufnahmen an: Die Engelsgestalt auf dem Friedhof oder der festlich geschmückte Weihnachtsbaum in der Kirche. Jede Abbildung mit Textteil gibt uns im Verlauf des Kirchenjahres passende Anregungen«.

‚liebesdiensts der weitergabe‘«, schreibt

Kirchen, Heiligen und Engeln, die den Leser mit den Texten Lechners samt passen-

Odilo Lechner; Hans-Günther Kaufmann Wegmarken Ein Meditationsbuch. 112 Seiten Mit 52 stimmungsvollen Farbfotos Format: 18,5 x 14,5 cm ISBN 978-3-466-37163-1 € 16,99 [D] / € 17,50 [A] / CHF 22,90 Kösel Verlag

bereits fertig, an einem anderen über Enzum Vollenden geben, hofft er. Denn da

andern, auf die Zeit und auf das Sterben. erahnen, Ewiges erben.« 

.

Odilo Lechner, Joachim Fraitzl Innehalten Gedichte zweier Weggefährten Geleitwort von Albert von Schirnding Fotos von Hans-Günther Kaufmann 80 S., Ill. Schwarzweiß, gebunden, mit Schutz­umschlag ISBN 978-3-943135-79-4 14,90 € Verlag Sankt Michaelsbund Zum Buch »Innehalten« von Abt Odilo Lechner und Joachim Fraitzl »Ein hochwertig gestalteter Band mit Gedichten von zwei sehr unterschiedlichen Personen. Diese Unterschiede spiegeln sich in der Lyrik wieder. Für mich stellt dieser Fakt den besonderen Reiz des Buches dar. Die stimmungsvollen Schwarzweißfotos untermalen die berührende Tiefe der Gedichte.«

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bergecho 3 . 2016

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kirche und kloster

»Meine Ideen sprudeln« Die renommierte Organistin Sul Bi Yi ist seit 1. August ­Kirchenmusikerin an der Wallfahrtskirche

Sul Bi Yi kann mit ihren 28­Jahren schon auf eine beachtliche Laufbahn blicken und hat einige herausragende Preise gewonnen. Mit ihrer breit gefächerten Ausbildung auf den Gebieten der Orgel-­ und Kirchenmusik, sowie der Chor- und Orcheste­rleitung bringt sie beste Voraus­ setzungen für ihre vielfäl­ tigen Auf­gaben am ­ Heiligen Berg mit.

S

ul Bi Yi, geboren 1988 in Südkorea,

erhielt ihren ersten Klavierunterricht bereits 1991. 2006 begann sie an der

Hochschule für Musik und Theater München das Studium der katholischen Kir-

chenmusik, zwei Jahre darauf das Konzert­ fach Orgel bei Prof. Harald ­Feller. Chorlei-

tung studierte sie bei Prof. Michael­Gläser, Orchesterleitung bei Prof. Christoph Adt

Komponisten Josef Gabriel Rheinberger­

(1839-1901) hat sich schnell zu einem der bedeutendsten Musikwettbewerbe für

Orgel entwickelt. So führte heuer James O´Donnell, Organist und Kapellmeister

an der Westminster Abbey in London, den

Vorsitz der Jury, und die Schirmherrschaft

Studien ab und ist seit 2014 Mitglied der

Liechtenstein übernommen.

Wolfgang Hörlin. 2013 schloss sie ihre

Meisterklasse von Bernhard Haas, Profes-

hatte Erbprinzessin Sophie von und zu

Preise hat Sul Bi Yi aber auch schon vor-

sor für Orgel an der Münchner Musik­

her erhalten. 2009 gewann sie den Bertold-

Z AHLREICHE PREISE GEWONNEN

in München. Immer wieder konzertiert

Zuletzt gewann Sul Bi Yi im September den

­1. Preis beim Internationalen Rheinberger

Hummel Wettbewerb in Regensburg, 2011 den Sonderpreis beim Gasteigwettbewerb

die Stipendiatin der Yehudi-Menuhin-Stif-

tung in dem von der Stiftung getragenen

Wettbewerb für Orgel in Vaduz (Lichten-

Projekt »Live Music Now«. 2013 gewann

fast 100 Mitbewerber aus über zehn Natio­

die beste Interpretation von Wagner-Liszt

Orgel der Kathedrale St. Florin in Vaduz

St. Maurice (Schweiz).

stein). Die Organistin setzte sich gegen

Die Andechser Chorgemeinschaft probt mittwochs von 20 bis 22 Uhr im Fürsten­ trakt des Klosters. Neue Sängerinnen und v. a. Sänger sind herzlich willkommen. Für Informationen und Anmeldungen zur Chor­ probe ist Sul Bi Yi unter kirchenmusik@ andechs.de zu erreichen.

Wettbewerb zu Ehren des Liechtensteiner

und das liturgische Orgelspiel bei

hochschule.

I N F O R M AT I O N

Der 2013 von der Gedächtnisstiftung

Peter Kaiser (1793-1864) in Vaduz initiierte

nen durch. Sul Bi Yi überzeugte­an der

die Jury mit ihrer ausdrucksstarken­Inter-

sie den 1. Preis und den Sonderpreis für

beim Inter­nationalen Orgelwettbewerb in

pretation der Orgelsonate Nr. 3 in ­G-Dur

LEITUNG DER ANDECHSER CHORGEMEINSCHAF T

ponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839-

»Wir passen echt gut zusammen.« Mit

(1811-1886) und der Sonate in c-moll »Der

cherin der Andechser Chorgemeinschaft,

des Lichtensteiner Organisten und Kom1901), des »Prometheus« von Franz Liszt

94. Psalm« von Julius Reubke (1834- 1858).

diesem Satz fasst Gabriele Eberl, Spre-

die frische Zusammenarbeit mit Sul Bi Yi


bergecho 3 . 2016  |

zusammen. Nach den Sommerferien ha-

ben die ersten gemeinsamen Proben im

Fürstentrakt des Klosters stattgefunden.

Die feierliche Christmette am 24. Dezember in der Wallfahrtskirche gestaltet der

Chor mit der Messe in G-Dur von Wolfgang

Amadeus­Mozart. »Acht Monate ohne Proben und Auftritte waren für diesen gut

ausgebildeten Chor sicher sehr lang und mühsam, aber«, so Sul Bi Yi zuversicht-

lich, »das Warten hat sich gelohnt. Da bin ich sicher.« Mit viel Elan feilt sie zusam-

men mit den derzeit 25 Sängerinnen und Sängern schon am Programm 2017.

SPANNENDE GE SANGSPROJEK TE Gabriele Eberl ist von Sul Bi Yi sehr ange-

tan: »Sie hat einen sehr angenehmen, fri-

Mit Elan beim Proben – die Andechser Chorgemeinschaft solennelle« mit einer seltenen Instrumen-

schen Stil. Sie kommt gut an, weiß genau,

talbesetzung: zwei Klaviere und Harmo-

Spaß. Um die einzelnen Stimmen besser

weist auf die alte neapolitanischen Cem-

spiel ein paar A capella-Stücke einstudiert.

Konzert verspricht also ganz neue Klang­

was sie will, und mit ihr zu proben macht

kennenzulernen, hat sie mit uns zum Bei-

Die zu singen, war richtig witzig.« Für die Gemeinschaft der Sängerinnen und Sän-

ger sei echte Freude am Singen mindes-

tens genauso wichtig wie die richtige Intonation, so Eberl, und mit verschmitztem

Lächeln fügt sie hinzu: »So ist auch nicht so schlimm, wenn wir zunächst einmal

mit Wonne falsch singen und Sul Bi´s absolutes Gehör etwas strapazieren«.

Der Kirchenmusikerin liegt besonders

am Herzen, dass »wir gemeinsam Werke

nium. Die ungewöhnliche Besetzung ver-

Tod – wollte ich mit einem seiner Werke erle-

balo-Tradition des 18. Jahrhunderts. Das

komponiert hat.« Bei Präludium und Fuge

erlebnisse im Florian-Stadl.

wie sich ein groß angelegter Spannungsbo-

Bei Sul Bi Yi sprudeln die Ideen aber

schon weiter: »Da ist das Requiem von

­Gabriel Fauré, die Walpurgisnacht von

F­elix Bartholdy-Mendelssohn und – wenn

lischen Ausbildung an der Münchner Mu-

Sul Bi Yi am 27. November. Über 300 Besu-

cher füllten die Wallfahrtskirche bis auf

punktfach »Chorleitung« die Missa

em Eintritt großzügig bei Spenden für die

den letzten Platz und zeigten sich bei freiInstandhaltung der Orgel. Als Programm

hatte sich Sul Bi YI einen weiten Rahmen­

gesteckt. Auf Max Regers (1873- 1916)

des Studiums hat sie den Kirchenchor von

Toccata und Fuge in d-moll op. 59 Nr. 5

und regelmäßig Konzerte veranstaltet.

Neun Stücken für die Orgel op. 129 Nr. 4

SICHTLICH FREUDE A M SINGEN

dium und Fuge in C-Dur BWV 547 sowie

meinschaft ein selten gespieltes kirchen­ musikalisches Werk im Florian-Stadl

und 6 und die Melodia in B-Dur aus den

folgten von J.S. Bach (1685-1750) Prälu-

das Choralvorspiel »Wachet auf, ruft uns

die Stimme« (BWV 645). Adventlich blieb es auch mit »Variation sur un Noël« von

aufführen: die »Petite Messe solennelle«

­Marcel Dupré (1886-1971).

eher als Opernkomponist berühmt gewor-

lingskomponisten«, bekennt Sul Bi Yi.

von Gioacchino Rossini (1792-1868), der

den ist. 1863 entstand die »Petite Messe

Konzert seinen ersten adventlichen Akzent.

die Kontraste bei Tonfärbung, Rhythmus,

nachtsoratorium von Johann Sebastian

Ihr Konzertdebüt auf dem Hl. Berg gab

Am 6. Mai 2017 wird die Andechser Chorge-

chet auf, ruft uns die Stimme« erhielt das

Bach aufführen.«

bringt sie schon mit – trotz ihres jugend-

St. Quirin in München-Aubing geleitet

kann. Mit Bachs Vorspiel zum Choral »Wa-

1922. Mit einer extrem facettenreichen Wahl

Sänger einstellen – dann würde ich auch

lichen Alters. Bei ihrer kirchenmusika­

nung abgeschlossen. Und schon während

gen aus nur einer Handvoll Motive entfalten

gerne im Advent 2017 wieder das Weih-

noch nicht erklungen sind«. Erfahrung

solemnis von Ludwig van Beethoven auf­

C-Dur (BWV 547) zeigte Sul Bi Yi meisterhaft,

Die »Variation sur un Noel«, das letzte Stück

GEFEIERTE S ORGELKONZERTDEBÜT A M ERSTEN ADVENT

geführt und ihr A-Diplom mit Auszeich-

ben lassen, dass er keine einzige Note zu viel

sich noch weitere neue Sängerinnen und

aufführen, die auf dem Heiligen Berg so

sikhochschule hat sie in ihrem Schwer-

gegenüber, seine Werke seien zu komplex.

»Zum Regerjahr – 100 Jahre nach seinem

»Max Reger ist einer meiner Lieb-

Zeit seines Lebens sah er sich Vorwürfen

des Konzertes, komponierte Marcel Dupré

der Register der Jann-Orgel machte Sul Bi YI

.

Klangfarbe und Harmonie dieser Komposition deutlich und erntete großen Applaus. 

S T I C H WO R T Die Andechser Chorgemeinschaft wurde 1981 von Anton Ludwig Pfell gegründet, der bis Ende 2015 als Kirchenmusiker an der Andechser Wallfahrtskirche wirkte. Unter seiner langjährigen Leitung hat die An­ dechser Chorgemeinschaft viele klassische Messen von Haydn, Mozart, Schubert und Bruckner, aber auch unbekannte Komponis­ ten aus der barocken Blütezeit des Klosters Andechs aufgeführt. Neben den kirchen­ musikalischen Aufgaben widmete sich der Chor auch dem Oratorienbereich und trug dadurch wesentlich zur Entwicklung des Andechser Konzertlebens bei.

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bergecho 3 . 2016

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kirche und kloster

Wege der ­B armherzigkeit

Gemeindewallfahrt der Pfarrei Sankt Bonifaz zum­­­ Drei­hostienfest 2016 oder: Wie belebt man eine Tradition wieder.

Eine alte Gemeindetradition haben Mitglieder der Pfar­ rei Sankt Bonifaz zum zwei­ ten Mal lebendig gemacht: die Wallfahrt von Sankt Bonifaz zum Dreihostienfest nach An­ dechs. D ­ abei waren sie heuer der Aufforderung B ­ enedikts gefolgt, sich schon früh am Morgen – wie es im Prolog der ­Benediktsregel steht – vom Schlaf zu erheben und Augen und Ohren zu öffnen. ­Walter Neumeister hat sich erneut auf das Experiment eingelassen.

V

iele der Teilnehmer fuhren gemein-

sam mit der ersten S-Bahn Richtung

Herrsching. Am Bahnhof Hechen-

erreicht hatten, dass uns heute wohl trockenes Wetter beschieden sein würde.

Wie auch schon im vergangenen Jahr

dorf hieß Pater Lukas jeden herzlich will-

hatten wir bald den Weiher in Widders-

Mal an der Wallfahrt teil. Namen beka-

am Wald entlang, unseren zweiten Sta-

kommen. Ein Großteil nahm zum ersten men Gesichter. Nach dem kurzen Mor-

genimpuls »Aus tiefer Not schrei ich zu

berg passiert und, weiter aufwärts kurz

tionsort erreicht: den Blick über den Pil-

sensee. Zur Regula Benedicti Kap. 4 »Die

Dir« (nach dem Psalm 130) machten wir

Werkzeuge der geistlichen Kunst« und im

zur ersten Station im Hof des Schlosses

schaft wurde offenbar: Das Verborgene

uns noch in tiefer Dunkelheit schweigend Seefeld auf. Der natürlichen Thematik ei-

ner Bergwallfahrt folgend stand hier die

Schriftstelle im Buch des Propheten Hosea 6,1-3 im Mittelpunkt der meditativen Be-

trachtung, die uns machtvoll das Oster-

wunder ankündigt.

Geleitet vom Schein einer Fackel als

Symbol des Auferstandenen, der uns vo-

rangeht, zogen wir dann Richtung Wid-

dersberg weiter. Kaum hatten wir unsere

Schritte verstetigt, konnten wir unter der

Blick auf die nebelverhangene Talland-

bedarf der Zeit, um sich zu klären. Hat-

ten wir uns letztes Jahr dieser Wegstelle

bereits mit Umwegen genähert, erreich-

ten wir diese heuer auf dem direkten Weg.

Würden wir weiter so zügig vorankom-

men, konnten wir uns schon auf das gemeinsame Frühstück freuen.

Nach Querung der nächsten Fahrstra-

ße hatten wir dann auch gleich die Weg-

markierung entdeckt, die uns weiter auf

teilweise weichem Untergrund Richtung

Leitung von Pater Lukas beginnen, den se-

Andechs führen sollte. Der klare Morgen

sich im Bachgrund der heranziehende

schon die Wallfahrtskirche im Morgen-

gensreichen Rosenkranz zu beten. Obwohl Tag noch etwas länger verborgen hielt, erkannten wir, noch ehe wir die Fahrstraße

gab uns Kraft und so konnten wir bald

licht liegen sehen. Jetzt war es schon so

hell, dass wir uns nicht mehr allzu sehr


bergecho 3 . 2016  |

auf den Weg konzentrieren mussten und

wir uns dem Meinungsaustausch und der persönlichen Begegnung widmen konn-

ten. Die Benediktsregel bot uns reichlich

Ansatzpunkte für Gespräche: »barmen«

denen wir uns nett unterhielten. Lange

Möglichkeiten der 17köpfigen Pilgergrup-

schneller war die Erste Mass »verdunstet«

lichen Erleben und dem spirituellen Sinn

mussten wir anstehen, um’s Bier – umso und schon wieder drohte einer von uns

lange abwesend zu sein, weil die Schlan-

alt/mittelhochdeutsch mit einer akti-

ge unvermindert lang war. Da erhob sich

­Lamentieren und jammern sowie »jeman-

Pähl, der uns gesprächsweise schon man-

sprech: Empathie erzeugen! Wieviel Tat-

»Jetz zoig i‘s eich mal, wie ma des macht,

ven und einer passiven Note aufgeladen:

den mit Mitgefühl erfüllen« oder im Neu-

kraft muss sein? Benedikt weist den Weg in Reihenfolge: Gottesliebe, Nächs-

pe angepasst werden. Dem gemeinschaft-

war dies keineswegs abträglich. So er-

reichten wir dann auch den Klostergarten,

in dessen kleinem Pavillon wir dann die

der »Burger Willi« aus dem nahegelegenen

Wallfahrt mit der Emmaus-Begegnungsge-

che Anekdote erzählt hatte und meinte:

»Vater unser« und Segen ausklingen lassen

Buam«, stand auf ging zum Bier holen

auf zur Kirche stiegen.

schichte (Lk 24, 13-35), dem gemeinsamen

konnten, bevor wir die letzten Meter hinAber halt: Heuer war noch reichlich

Zeit, vor dem Gottesdienst in den Gasträu-

ten- und Selbstliebe. Der Bairische

Grantler weiß es genau: »Heit is ned

men des Klosters ausgiebig zu frühstü-

mei dag; des’zweng red i ned vuil

cken. Danke hierfür, insbesondere den

und hoid besser s’mai.« Fühlen wir

Mitarbeitern der Küche, für ihren Dienst.

gut drauf ist, sind wir barmherzig.

rend der Prozession wurden wir dann auch

mit dem Zeitgenossen mit, der nicht

Zum Ende des Gottesdienstes und wäh-

Wir können uns aufeinander ein-

noch von weiteren Gemeindemitgliedern begrüßt und konnten diese unsererseits

lassen, wofür im Gemeindealltag

grüßen: Klar, die konnten nicht mitkom-

meist wenig Zeit bleibt, um auch

mal einen intensiveren Gedanken-

men, weil sie ihren Wallfahrtsdienst als Chorsänger leisteten. Vielleicht sollten

austausch zu pflegen: Andechs, bierseliger Rummel, Ausgelassenheit,

wir sie nächstes Jahr auch bei unserem ab-

passt das zusammen? Wie kann ich,

Brotzeit willkommen heißen, mit dem wir

Wallfahrt, Gebet und Andacht. Wie

schließenden Zusammensein bei Bier und

als Pilger insbesondere, Frieden fin-

die Zeit bis zum Beginn der Pontifikalves-

den, im Lauten? Geben wir dem Zeit-

per überbrückten, die ohne Frage für mich

wieder der Höhepunkt der diesjährigen

genossen Raum für seine Bedürfnis-

Wallfahrt war: Der Moment, in dem auf

se, sind wir barmherzig.

dem oberen Hochaltar der Wallfahrtskir-

Das macht eben den Unter-

schied. Katholisch sein meint: Alle

che das symbolische Auge Gottes durch die

gehören dazu – Skeptische, Gläubi-

Hostien im Reliquiar hindurch auf die Ge-

te, Ablehnende, Hungrige, Durstige,

fen uns dem Himmel nahe fühlen.

ge, Fromme, Frömmler, Distanzier-

meinde blickt, ist himmlisch und wir dür-

»Dürstende nach ..«, ­ganz geerdet:

Aufgrund der Erfahrungen der letz-

Konfession, ob gelb, lila, violett,

ten zwei Jahre wollen wir uns auch das

schwarz, grün und was der Regenbo-

nächste Jahr wieder zum Dreihostienfest

zur Wallfahrt nach Andechs aufmachen.

gen noch zu bieten hat, ist der Men-

Der gemeinsame Weg verbindet. Das Fest

schen Versuch, das Unfassbare zu

auf dem Heiligen Berg einschließlich des

organisieren und so in den Griff zu

abschließenden Besuches im Bräustüberl

bekommen. Gut, dass es Orte der Of-

fenheit gibt, an denen es sich, wenn

auch nur für den dort verbrachten Mo-

und kehrte zu unserer Überraschung bin-

krönt diesen Tag und begründet vielleicht

sogar neue Freundschaften. Zu guter Letzt

ment, gut leben und, reich beschenkt mit

nen weniger Minuten mit zwei Mass in

mag aber auch diese Wallfahrt die Ver-

den Zeitgenossen leben, sind wir barm-

ren verblüfft! Der Willi stellte die Massen

die Pfarrei in München mit dem Heiligen

Erfahrungen, erleben lässt. Lassen wir

herzig und werden, wie verheißen, »Leben in Fülle haben«.

Schon vor einigen Jahrzehnten, zum

Ende meiner Schulzeit, machte ich mit

der Hand wieder zu uns zurück. Wir wa-

ab, drehte sich mit der anderen Körper-

hälfte zu uns her und schwenkte seinen

Armstumpf. Damit hatte er in der Schlange Vorfahrt erhalten, und deswegen ist

bindung der Orte der Abtei Sankt Bonifaz,

Berg, stärken und beleben. Eingeladen zur

Wallfahrt 2017 sind langjährige Pfarrmitglieder, aber auch andere, die sich gerne

früh zu einem gemeinsamen Ziel aufma-

meinen Klassenkameraden einen Ausflug

Andechs, was es ist!

chen, um in und durch die Weggemein-

am Wallfahrtstag, »dürstete uns…« und

musste trotz gründlicher Vorbereitung

zu erfahren.

ren im Biergarten auf der Terrasse, mit

Programm der Zeit und den physischen

nach Andechs. Bei herrlichem Wetter, wie

wir fanden Platz bei ein paar älteren Her-

Improvisation ist folglich alles. So

durch das Team auch in diesem Jahr das

.

schaft die Gegenwart Gottes zu spüren und

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bergecho 3 . 2016

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kirche und kloster

�Christus nimmt man im Alltag auf – oder gar nicht�

Verleihung der Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Katholikenrates der Region München an die Obdachlosenhilfe im Haneberghaus machen können: Indem der lange Rock

mit den Wäscheklammern an den Strümpfen befestigt wird, kann dieser beim Kopfstand nicht über den Kopf fallen, so dass

wir nichts mehr sehen. Wie kam es zu diesem Geschenk? Inspiriert dazu hatte mich

der jüdische Schriftsteller Manes Sperber, der in Galizien aufgewachsen war. In sei-

nen autobiographischen Erzählungen »Die

Wasserträger Gottes« erzählt er von einem Freund namens Berele, den er nie vergessen werde: Berele habe ihn gelehrt, auf

Händen zu gehen und auf dem Kopf zu ste-

hen. Wie kam es dazu? Die jüdischen Kinder seiner Heimatstadt, so erzählt Manes

Sperber, nannten dies messianische Gym-

nastik, weil sie davon überzeugt waren:

Wenn der Messias kommt, dann stellt er

Mitarbeiter der Obdachlosenhilfe bei der Preisverleihung

die Welt auf den Kopf! Daher wäre es wich-

tig, darauf gut vorbereitet zu sein! ­

Für Ungeübte wäre dieser plötzliche Pers-

Bei der Preis-Verleihung an die Obdachlosenhilfe im Haneberghaus der Abtei Sankt Bonifaz am 4. Okto­ ber in München­hat Abt Johannes über die Bedeu­ tung der Gast­freund­schaft in der Benediktsregel und ihre konkrete Auswirkung für ein Kloster in der Großstadt gesprochen. Wir dokumentieren die Rede im Wortlaut.

M

eine sehr verehrten ­Damen und

Herren, ­im Namen aller Mit-

arbeiterinnen und Mitarbeiter

unseres Haneberghauses, aber auch im

­Namen unserer Gäste, die tagtäglich zu

uns nach Sankt Bonifaz kommen, möch-

te ich mich herzlich für die Verleihung

pektivenwechsel, wenn die Welt auf den

Kopf gestellt wird, ein großes Problem, da-

her gilt es, den Kopfstand früh genug einzuüben.

Mir gefällt die Geschichte: Wenn der

Messias kommt – dann stellt er die Welt

auf den Kopf, d.h. wir sollen mit Hilfe der

messianischen Gymnastik früh genug ler-

der Pater-Rupert-Mayer-Medaille beim Ka-

nen, die Welt aus einer anderen Perspektive

sen Vorsitzender, Frau Landrätin Johanna

›Das geht nicht‹… ›Das hat bei uns Traditi-

damit den Einsatz vieler Frauen, Jugend-

ist unmöglich‹ …

Engagement unterstützen, indem sie un-

Sankt Bonifaz mit ihrem ehrenamtlichen

»WIRKLICH BARMHER ZIGE BRÜDER UND SCHWESTERN WERDEN«

sere Welt aus einer anderen Perspektive be-

trachten. Lassen Sie mich das erklären.

Beim Beginn unserer Obdachlosenarbeit vor 25 Jahren wurde die Welt von St. Bo-

UNSERE WELT AUS EINER ANDEREN PERSPEK TIVE BETR ACHTEN

Zwar war die Klosterpforte schon immer

Vor zwei Jahren habe ich jedem Mit­bruder

dass es nun Essen im Gästespeisesaal gab,

tholikenrat der ­Region München und desRumschöttel, bedanken. Sie würdigen

lichen und Männer, die unsere Arbeit in

unserer Gemeinschaft zwei Wäscheklam-

mern zu Weihnachten geschenkt, damit

wir auch mit dem Habit einen Kopfstand

zu sehen, weil wir doch schnell feststellen:

on‹… ›Das hat es noch nie gegeben‹… ›Das

nifaz auch etwas auf den Kopf gestellt.

ein Anlaufpunkt für Hilfesuchende, aber dass eine kleine medizinische Ambulanz

hinter der Pforte eingerichtet wurde und eine Kleiderkammer im Keller, das war


bergecho 3 . 2016  |

für manchen zu viel des Guten, so dass

ein älterer Mitbruder damals zu mir sag-

deine Barmherzigkeit aufgenommen in-

mitten deines Tempels!« Durch erwiesene

in unserer Stadt, die sich ehrenamtlich

fangenden, werden wir selbst von Gott

eine Weltstadt mit Herz und damit eine

te: »Wir müssen aufpassen, dass wir nicht

Barmherzigkeit werden wir selbst zu Emp-

Besseres kann geschehen – wenn wir wirk-

reich beschenkt, weil er selbst im Fremden

»Barmherzige Brüder« werden!« Nichts

lich barmherzige Brüder bzw. Schwestern

werden – und aus heutiger Perspektive betrachtet führt die messianische Gymnas-

und Armen in unsere Mitte kommt.

tik, die uns die Arbeit im Haneberghaus

abverlangt, nur tiefer in die Spiritualität

WENN GEGEN FREMDE GEHETZT WIRD, DANN WIRD GEGEN CHRISTUS GEHETZT

des heiligen Benedikt hinein, des Patrons

Europas und des Vaters der Mönche, trägt

So verstandene Gastfreundschaft führt zur

Menschwerdung im Alltag, so dass das

doch München den Mönch im Namen

und im Wappen. Damit sind seine Sätze

über die Gastfreundschaft für alle, die sich

dem Münchener Kindl mit seinem langen

schwarzem Gewand verbunden wissen, re-

levant:

CHRISTUS SELBST KOMMT IM FREMDEN UND AR MEN ZU UNS »Vor allem bei der Aufnahme von Armen

und Fremden zeige man Eifer und Sorge,

denn besonders in ihnen wird Christus

aufgenommen. Das Auftreten der Reichen verschafft sich ja von selbst Beachtung.« (RB 53,14) Hier spricht Benedikt im latei-

dann gilt diese Würdigung letztlich allen

Gästehaus, das Gästezimmer zum Ort der Gegenwart Gottes – zum Tempel wird, so

dass Gemeindesäle und Asylbewerberhei-

dafür engagieren, dass München wirklich barmherzige Stadt ist. Die messianische

Gymnastik – die Welt aus einer anderen

Perspektive zu sehen – ist kein einfaches

Unterfangen, es gilt, den Kopfstand tagtäglich neu einzuüben. Und wir dürfen dankbar sein, dass das so viele in Mün-

chen, der Stadt mit dem Mönch im Namen und im Wappen, versuchen, so dass das

Münchner Kindl den Kopfstand gewöhnt ist.

me zu Häusern Gottes – zu Kirchen werden

GRENZEN DER MESSIANISCHEN GYMNASTIK

bitter aufstoßen, wenn in unserem Land

Bisweilen führt die messianische Gymnas-

die Massen mobilisiert oder etablierte Par-

ist menschlich – aber kein Grund aufzuge-

quenz bedeutet dies: Wenn ein Asylbewer-

zu schärfen für den, der unser Leben trägt,

können. Daher müsste es uns Christen

Asylbewerberheime brennen, wenn Pegida teien sprachlich entgleisen. In der Konse-

tik uns aber auch an unsere Grenzen, das

ben. Letztlich ist sie der Versuch den Blick

berheim brennt – dann brennt eine Kirche,

wie es Pater Rupert Mayer ins Wort brach-

wird gegen Christus gehetzt, wenn geleb-

Angst zu haben, der liebe Gott sorgt immer

wird – dann wird das Evangelium in Frage

peln, er lässt nur Prüfungen zu, die uns

wenn gegen Fremde gehetzt wird – dann te Willkommenskultur in Frage gestellt

te: »Wir brauchen wirklich vor nichts

und in allem für uns. Er lässt uns nie zap-

nischen Urtext ausdrücklich vom Terror

gestellt.

fach auf den Kopf gestellt: Uns Christen

denn durch diese haben manche, ohne

weit besser, als es Menschen vermögen.«

sollten wir uns fragen, welcher Weckruf

freundschaft verändert uns, weil wir selbst

die Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und

der Reichen! Derzeit wird unsere Welt vieldürfte das nicht beunruhigen, vielmehr

steht dahinter: Was hat Gott mit uns vor?

Wie zeigt er uns durch die Zeichen der Zeit das Eigentliche unserer Sendung – unse-

rer Mission? Am Ende des Hebräerbriefes

heißt es: »Vergesst die Gastfreundschaft

nicht, denn durch sie haben einige, ohne

es zu ahnen, Engel beherbergt.« (Hebr 13,2)

Engel beherbergt man also im konkreten

Alltag – oder gar nicht, könnten wir sagen! Dies unterstreicht Benedikt, wenn er in

»Vergesst die Gastfreundschaft nicht,

es zu bemerken, Engel beherbergt!« Gast-

Mitarbeiter gewürdigt haben, vielen Dank,

ren, wo wir freundlich aufgenommen oder

gement das Münchner Kindl auf den Kopf

kompliziert geholfen wurde oder wir wie-

Aufmerksamkeit geschenkt haben!«

an Momente erinnern, wo wir fremd waschroff abgewiesen wurden, wo uns un-

der weggeschickt wurden. Daher mahnt

nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich

bei euch aufhält, soll euch wie ein Einhei-

Ägypten gewesen.« (Lev 19,33-34)

denn er wird sagen: Ich war fremd, und

»DA SS MÜNCHEN EINE BAR MHER ZIGE STADT BLEIBT«

weise man die angemessene Ehre!« (RB

Gelebte Gastfreundschaft bedeutet selbst

ten Alltag auf – oder gar nicht und zwar

ausnahmslos –  und dass uns die Erde als

53,1) Christus nimmt man also im konkrein allen, die kommen, d.h. zunächst ein-

dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in

zu erkennen, dass wir nur Gäste sind – ­alle

gemeinsames Haus anvertraut ist, worauf

mal in jedem, der kommt! Dabei geht Be-

Papst Franziskus eindrücklich in seiner En-

seine Mönche nach der Fußwaschung den

heute unser Haneberghaus gewürdigt wird

nedikt noch einen Schritt weiter, wenn er

Psalmvers singen lässt: »Wir haben, o Gott,

.

stellen, vielen Dank, das Sie mir so lange

das Buch Levitikus: »Wenn bei dir ein

schließt: »Alle (!) Fremden, die kommen,

ihr habt mich aufgenommen! Allen (!) er-

dass Sie durch Ihr ehrenamtliches Enga-

Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn

mischer gelten und du sollst ihn lieben wie

sollen aufgenommen werden wie Christus,

Vielen herzlichen Dank, dass Sie heute

dadurch demütig werden und uns selbst

seiner Regel ausdrücklich die Gastfreundschaft einfordert, und dabei keinen aus-

zum Nutzen gereichen, wenn wir an sei-

ner Hand hindurchgehen. Er sorgt für uns

zyklika »Laudato si« verweist! Wenn nun

als Versuch gelebter Gastfreundschaft,

H I N T E RG R U N D Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Katholikenrates der Region München Die Medaille wird als Dankeszeichen an Einzelpersonen oder Organisationen und Initiativen verliehen, die beispielhafte, durch den christlichen Glauben motivierte und getragene ehrenamtliche Arbeit leisten. Sie ist benannt nach dem 1987 selig gespro­ chenen Jesuitenpater Rupert Mayer, dem »Apostel Münchens«, der für sein soziales Wirken und sein Eintreten gegen den Nati­ onalsozialismus verehrt wird.

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bergecho 3 . 2016

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kirche und kloster

Niemand soll verloren gehen

15 Jahre Haneberg-Haus für Menschen ohne Obdach

Das Haneberg-Haus, die Ein­ richtung der Abtei Sankt Bonifaz für Menschen ohne Obdach, ­ hat ­Anfang November Jubiläum gefeiert: 2001 hatten die Mönche des Münchner Klosters ­ St. Boni­faz auf ihrem Gelände ein ­Gebäude zur Versorgung der Wohnungslosen errichtet, heute betreut das Haneberg-Haus die Bedürftigen in allen Lebenslagen. Wilhelm Witte ist aus diesem ­Anlass Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten begegnet. Sie alle haben eines gemeinsam: In Sankt Bonifaz haben sie ein Stück Heimat ge­ funden. Wir danken dem Sankt Michaelsbund für die freundliche Abdruckerlaubnis.

M

anfred Karch schiebt die

Schirmmütze zurecht: »Man

fühlt sich hier gut aufgehoben.

Haneberg-Hauses. Inzwischen kommen

vom Arbeiter bis zum Akademiker unterschiedlichste Bedürftige, viele aus Ost-

Hier treff´ ich Leute, die ich schon lange

europa, aber auch aus Italien und Grie-

Und es gibt Menschen, mit denen ich über

erschreckt: die Zahl der Rentner, die mit

kenne, und lerne auch neue Leute kennen. meine Probleme reden kann.« Der 64jähri-

ge kommt fast täglich ins Haneberg-Haus, eigentlich wohnt er im nördlichen Stadt-

teil Hasenbergl in einer Sozialwohnung.

Aber hier, mitten in der Innenstadt, ist er nicht so allein, meint er.

Außerdem bietet das Haneberg-Haus

für die bedürftigen Männer und Frauen

eine sehr gute Versorgung: 200 bis 250 Personen bekommen hier täglich eine warme

Mahlzeit. Vor einigen

Jahren war es noch die

chenland. Und was den Prior besonders

den warmen Mahlzeiten oder den Duschund Bademöglichkeiten ihren äußerst

schmalen Geldbeutel schonen, wird im-

mer größer.

KOSTENFREIE ÄR Z TLICHE HILFE Mit Hilfe von Spenden und der kloster­

eigenen Betriebe schaffen es die Benedik-

tiner, die stetig steigenden Zahlen an Hilfesuchenden zu versorgen. Das Angebot

kann sich sehen lassen

Hälfte. Bemerkenswert

»Die soziale Schere klafft

letzten fünf Jahren die

FRATER EMMANUEL ROTTER

ist auch, dass in den

Zahl der Hilfesuchen-

immer weiter auseinander«

den, die in der Arzt-

praxis behandelt werden, auf über 1.750

gestiegen ist. »Die soziale Schere klafft

und ist in dieser Form

einmalig in München:

neben den warmen

Mahlzeiten bietet es

sanitäre Anlagen und

ärztliche Unterstützung

bei Krankheiten und Verletzungen. Wer

mit einer starken Grippe oder nach einem

immer weiter auseinander«, sagt Frater

Unfall nur noch schwer auf der Straße le-

tinerklosters St. Bonifaz und Leiter des

Chance, wieder auf die Beine zu kommen.

Emmanuel ­Rotter, der Prior des Benedik-

ben kann, hat im Genesungszimmer die


bergecho 3 . 2016  |

Eine Kleiderkammer stattet inzwischen

pro Jahr etwa 40.000 bis 45.000 Menschen

aus. Zwei Sozialarbeiter beraten außerdem die Betroffenen und stellen Kontakte zu sozialen Einrichtungen her.

25 JAHRE HARTNÄCKIGKEIT Was heute beim Besuch der hellen,

freundlichen Einrichtung wie ein funk-

tionierendes Uhrwerk erscheint, stützt

sich auf 25 Jahre Hartnäckigkeit von Fra-

ter Emmanuel. Damals begann er mit der Obdachlosenarbeit. Den Benediktinern

liegen aufgrund ihrer Ordensregel Pilger, Gäste und besonders die Armen am Her-

zen. Weil die Nachfrage in der Abtei Sankt

Bonifaz zu drangvoller Enge im normalen Klosteralltag führte und weil Frater Em-

manuel mehrere Angebote wie Essensaus-

gabe und Duschmöglichkeiten, bündeln

wollte, entstanden 1995 die ersten Planun-

gen für einen Neubau. 2001 wurde das Haneberg-Haus eingeweiht. Benannt haben es die Benediktiner von St. Bonifaz nach

ihrem zweiten Abt, Bonifatius Haneberg,

der im 19. Jahrhundert durch sein soziales

Engagement bekannt wurde.

20 EHRENA MTLICHE HELFER Sein Andenken ehren heute nicht nur

zwölf Festangestellte, sondern auch über zwanzig Ehrenamtliche. Und einige Ob-

dachlose haben inzwischen sogar eine

Festanstellung bekommen, zum Beispiel

bei der Essensausgabe. »Das hat den Vor-

Haneberg-Haus ist ausgelastet. Und des-

halb wird sich auch Frater Emmanuels

teil, dass sie wissen, wie es den Leuten

größter Wunsch in absehbarer Zeit nicht

nuel überzeugt. Ohne die Hilfe der Eh-

mir wünschen würde für das Haneberg-

auf der Straße geht«, ist Frater Emma-

renamtlichen aber wäre die Arbeit finanziell und personell nicht leistbar. Das

PATENSCHAF TEN FÜR DIE ORGEL

erfüllen: »Ich werde oft gefragt, was ich

.

Haus. Ich antworte immer, ich wäre gern

arbeitslos.« 

Keiner ist vergessen: Beim Gottesdienst mit Kardinal Wetter wird der verstorbenen Gäste und Gönner der Obdach­losenhilfe gedacht. Für jeden brennt eine Kerze auf dem Altar!

ORGELPATEN VOM 30. 11. 2015 – 30. 11. 2016 Antonia Lüft, Anna und ­

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bergecho 3 . 2016

|  klosterbrauerei

Fast 2.000 Meter ­reinster Edelstahl

Neue Edelstahlrohrleitungen im Gär- und Lagerkeller garantieren optimale Reinigung

Würze in die eine Richtung, dann Reinigung, Spülung mit Klarwasser, dann Jungbier in die andere Richtung und dann alles wieder von vorne. Bei den Edelstahlrohren im Gär- und Lagerkeller unserer Kloster­ brauerei ist in den vergange­ nen fast 35 Jahre eine ganze Menge gelaufen. Nun kom­ men fast zwei Kilometer neue Rohrleitungen mit insgesamt 2.300 Einzelteilen zum Einsatz. Braumeister Andreas Stürzer über die Gründe, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, das Rohrnetz bis Ende 2016 durch­ greifend zu erneuern.

D

ie Rohrleitungen im Gär- und La-

gerkeller unserer Klosterbrauerei

und damit auch alle Schweißnähte

tun nun schon für den Zeitraum von über

das so wichtig? Ohne »Ecken und Kan-

ten« in den Edelstahlleitungen können die

Reinigungsmittel einfach kontinuierlich

fließen und damit ohne Beeinträchtigung

einer Generation ihren Dienst. Es gibt ei-

wirken.

leitungen jetzt auszutauschen. Seit März

STAHLLEGIERUNGEN SIND HEUTE E X TREM GL AT T UND BE STÄNDIG

rohre für mehrere hunderttausend Euro

Weitere wichtige Fortschritte konnten in

Kunst war, dass dies den laufenden Be-

veredelung der Edelstahlrohre erreicht

ne ganze Reihe von Gründen, die Rohr-

sind nun rund zwei Kilometer Edelstahl-

Zug um Zug ausgetauscht worden. Die

den letzten Jahren bei der Oberflächen-

trieb im Gär- und Lagerkeller unserer Klos-

werden. Technisch ist nun eine extrem

Klosterbiere nicht beeinträchtigt hat.

stahlrohre möglich. Daher kann nun auch

terbrauerei und damit die Qualität unserer

feine und haltbare Veredelung der Edel-

eine jahrelange Dauerbeanspruchung der

PL ANE SCHWEISSNÄHTE SICHERN OPTIM ALE REINIGUNG

Rohre die Stahloberfläche auf ihrer Innen-

Seit 1982/ 83 hat sich die Schweißtechnik

te eingesetzten Stahllegierungen ist und

nerzeit noch überhaupt nicht zu denken

daher extrem glatt. Dies wiederum schafft

ist es heute zum Beispiel möglich, fast

nigungsmittel sämtliche Rückstände si-

erheblich weiter entwickelt. Woran sei-

war, ist heute fast Standard. Inzwischen plane Nähte zu schweißen, wodurch in

den Edelstahlrohren selbst keine »Ecken

und Kanten« mehr entstehen. Warum ist

seite nicht mehr aufrauen. Bei den heubleibt die Oberfläche der Rohrleitungen

optimale Voraussetzungen, damit die Rei-

cher von der Rohrleitung entfernen und

eine hohe mikrobielle Geschmacksstabili-

tät gewährleisten können.


bergecho 3 . 2016  |

Durch den Austausch der Paneele, den

Zusammenführungen von Gär- und Lagertanks, können nun auch Manometer an

jeden einzelnen Tank angebracht werden. So ist es möglich, schnell und einfach zu

überprüfen, wie hoch der CO2-Gehalt des

Jungbieres ist. Ebenso werden in diesem Zuge der Erneuerung die Spundapparate ausgetauscht. Mit ihrer Hilfe kann nun

der Gegendruck im Gärtank punktgenau

eingestellt werden. Sobald der eingestellte

Druck geringer ist als der Druck im Gärtank, entweicht CO2.

Damit ist das neue Leitungssystem mit

seinen extrem widerstandsfähigen Rohr-

verbindungen gut gerüstet, um für viele

weitere Jahre nacheinander und sicher

voneinander getrennt Würze, Reinigungs-

.

mittel, Klarwasser und Jungbier zu transportieren. 

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bergecho 3 . 2016

|  klosterbrauerei

spannende biere Blick auf »500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot«

Am 21. September hat Dr. Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, einen kurzweiligen Vortrag zum 500. Geburtstag des Bayerischen Reinheitsgebotes im Florian-Stadl des Klos­ ters gehalten. Wir dokumentieren diesen launigen Blick eines – nach eigenen Angaben – »Rheinländers, der selbst nicht einmal Brau­ er ist, aber wenigstens katholisch« auf das ­älteste Lebensmittelgesetz der Welt in einer gekürzten Fassung.

E

hrwürdiger Abt Johannes, verehrte

Ehrengäste, meine Damen und Herren, ich darf mich zunächst für Ihre

Einladung herzlich bedanken, heute das Bayerische Reinheitsgebot verbal zu prä-

sentieren. Es ist mir durch die Einladung

vorgegeben, dies »auf kurzweilige Art« zu

Vorweg: Mit wem haben Sie es zu tun?

Mein Name ist Dr. Lothar Ebbertz. Ich

diene seit 1994 dem Bayerischen Brauer-

bund, davon seit gut 15 Jahren als Haupt-

geschäftsführer. Wie Sie aus meinen of-

fenkundig unzulänglichen Kenntnissen

der Landessprache schließen dürfen, habe

tun. »Kurzweilig« ist ein dankbares Attri-

ich einen Migrationshintergrund. Ich bin

Ausführungen auch durchaus länger zu

wenigstens katholisch. Es geht also um

but, denn es lässt Raum, Sie durch meine behelligen. Es sollte Ihnen nur nicht so

vorkommen, zumal ich Sie nicht nur von

Rheinländer, nicht einmal Brauer, aber das Reinheitsgebot, in seiner eigentli-

chen und ursprünglichen, der bayerischen

Radi und Brezn abhalte, sondern mich

Ausprägung. Das Thema ist facettenreich,

Andechser Jubiläumsbier werfe – dem ich,

Schwerpunkte.

auch noch zwischen Sie und das beliebte mir meiner Grenzen durchaus bewusst,

Ihr eigentliches und durchaus beachtli-

ches Interesse an dieser Veranstaltung zuzuschreiben geneigt bin.

und so beschränke ich mich auf ein paar


bergecho 3 . 2016  |

DER R AHMEN : TREND ZUR KONZENTR ATION

Dominanz weniger großer Brauereien

im fünften Jahr hintereinander Wachs-

In Bayern gibt es laut letzter amtlicher

rigen auch der Umstand wenig verändert,

20 Jahren. Mehr als jedes fünfte in Bayern

Deutschland in den letzten gut 20 Jahren

land getrunken.

Zählung 626 Braustätten. Nach dem Krieg waren es über 1.500, woran Sie sehen,

dass der in der Wirtschaft allgegenwärtige

Konzentrationsprozess auch vor dem heimischen Braugewerbe nicht haltmacht.

auch im deutschen Biermarkt hat im Übdass die Zahl dieser Kleinstbrauereien in um über 50% gestiegen ist.

Immerhin: In Deutschland insgesamt

MIT TEL STAND IN BAYERN – SO STARK WIE IN KEINEM ANDEREN BUNDE SL AND

dass wir stolz festhalten dürfen, dass im-

Nun wäre Bayern nicht Bayern, wenn

Braustätten ihren Sitz im Freistaat Bayern

Überlegenheit im Bundesvergleich verwei-

kommen wir auf 1.388 Braustätten, so

mer noch knapp die Hälfte der deutschen

hat.

Insgesamt 142 Braustätten hat Bay-

ern allein seit 1990 verloren, gut 18%, und zwar vornehmlich innerhalb des Mittel-

standes. Die Großen der Branche vereinen

einen immer größeren Anteil des Aus-

stoßes auf sich. Zwar sind sehr viele sehr

kleine Brauereien in den letzten Jahren

man nicht auch hier mit Stolz auf seine

sen könnte: Während außerhalb Bayerns

wenige Braustätten mit mehr als einer

halben Million Hektoliter Jahresausstoß

deutlich über 80% des Bierabsatzes auf sich

vereinen, sind es in Bayern »nur« gute

50%, während der Mittelstand in Bayern so stark ist wie in keinem anderen Bun-

desland. Das bayerischen Braugewerbe ist

hinzugekommen, aber den grundsätzli-

typischerweise mittelständisch. Bei den

auch sie nicht aufzuhalten: Von den 1.388

milienunternehmen, deren Geschichte

tum und das beste Absatzergebnis seit ­

gebraute Bier wird unterdessen im Aus-

Die bayerische Brauwirtschaft mit ih-

rer mittelständischen Prägung, und ihrer

von Vielfalt – Vielfalt der Braustätten, Vielfalt der Biersorten, Vielfalt der Marken –

geprägten traditionellen Bierkultur, mit unserem klaren Bekenntnis zu einer 500

Jahre alten Herstellungsvorschrift für das

Volksgetränk Bier, zeigt, dass wir so falsch nicht liegen können. Dieses Reinheitsge-

bot ist, davon bin ich überzeugt, ein maß-

geblicher Teil des Erfolgsgeheimnisses unserer Branche!

BAYERISCHE S REINHEITSGEBOT – WELT WEIT ÄLTE STE , BIS HEUTE GÜLTIGE LEBENSMIT TELRECHT­ LICHE BE STIMMUNG

meisten Betrieben handelt es sich um Fa-

»Ganz besonders wollen wir, dass fort-

deutschen Brauereien produzieren gerade

nicht selten in Jahrhunderten zählt.

Märkten und auf dem Lande zu keinem

hl Bier pro Jahr. Zusammen kommen sie

Treue der bayerische Biertrinker zu hei-

anderen Ende der Skala weisen knapp 70%

die außerordentlich hohe Wertschätzung,

chen Trend zur Konzentration vermögen

einmal 70, also gute 5%, mehr als 200.000

aber auf einen Ausstoßanteil von 84%! Am aller deutschen Brauereien einen Jahres-

ausstoß von weniger als 5.000 hl auf. Zu-

sammen produzieren diese 964 Brauereien

nicht einmal 1% des gesamten deutschen

Bierausstoßes. An der beschriebenen

Ein letzter gemeinsamer Schluck vom Andechser Jubiläumsbier: (v.l.n.r.) Betriebsleiter Alexander Reiss, Lothar Ebbertz, Stiftsarchivarin Birgitta Klemenz und Abt ­Johannes Eckert

Dies ist ein Indiz für die besondere

hin allenthalben in unseren Städten und Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hop-

fen und Wasser verwendet und gebraucht

mischen Brauereien. Sie belegt aber auch

werden sollen.« So lautet – in neuhoch-

der sich Bayerisches Bier in anderen Bun-

Reinheitsgebot von 1516. Es stellt die welt-

deutscher Textfassung - das Bayerische

desländern, aber auch im Ausland erfreut.

weit älteste, bis heute gültige lebensmit-

Bayerns Brauer im letzten Jahr produziert –

doch nichts an Aktualität verloren; Es

Rund 25 Millionen Hektoliter Bier haben

alkoholfreies eingerechnet. Das bedeutet

telrechtliche Bestimmung dar – und hat

war nämlich der sehr aktuelle Gedanke

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bergecho 3 . 2016

des Verbraucherschutzes, der dem damals

|  klosterbrauerei

Die Landesordnung von 1516 stellt da-

Oberbayern von München aus regieren-

mit Höhepunkt und Abschluss einer sich

BAYERISCHE S BIER – EU -WEIT GE SCHÜTZ TE S »TR A­D I­T IO­­N ELLE S LEBENSMIT TEL«

als Miturheber des Reinheitsgebotes un-

rechtlichen Entwicklung dar, im Rahmen

Dass auch die EU Tradition und Stellen-

Landshut aus Niederbayern regierte, An-

ten: die Versorgung der Bevölkerung mit

weiß, hat sie 1996 gezeigt. Um getreu tra-

den Herzog Wilhelm IV. und seinem gerne

terschlagenen Bruder Ludwig X., der von

lass war, das »Reinheitsgebot« zu erlassen. Nun stellt sich mancher vor, der Her-

zog habe daheim an seinem Schreib-

tisch gesessen, nächtelang über einem

Reinheitsgebot gebrütet, letztlich einen

Schreiber gerufen und das Ganze zu Papier

über Jahrhunderte hinweg erstreckenden

derer die Instanzen nur ein Ziel verfolg-

qualitativ hochwertigem und preiswertem

wert des Reinheitsgebotes zu schätzen

ditionellen Verfahren hergestellte Lebens-

Bier sicherzustellen, das damals wie heute

mittel vor billigen Imitaten zu schützen,

rungsmittels hatte.

mittel« und erstellte eine Liste von 15 aus-

in Bayern den Charakter eines Grundnah-

Es ist nur dieser letztgenannte tradier-

te Schutzzweck, der sich auch in älteren,

schuf die EU das »Traditionelle Lebens-

gewählten Lebensmitteln, deren Herstel-

lungsverfahren und Rezeptur eingehalten

gebracht. Herolde hätten dann auf den

aber nur lokalen Herstellungsvorschrif-

Pergamente, kunstvoll gesiegelt, entrollt

München 1363, Weimar 1348, Weissensee/

tig vermarktet werden. Als einziges deut-

den seit 1918 der Begriff »Reinheitsgebot«

gebraut nach dem Reinheitsgebot, in die

ern die End-Phase des Ringens um die

»sogenannten Reinheitsgebot von 1516«

­Lebensmittel« aufgenommen. Will hei-

oberbayerischen Kerngebiete des damali-

viel später entstand. Es war der niederbay-

Wilhelm IV. und Ludwig X., Söhne Alb-

»Akademielehrer« und »Leiter der Buch-

Plätzen und Märkten des Landes große

und namens des Herzogs ein Reinheitsgebot verkündet. Quatsch!

Im frühen 16. Jahrhundert war in Bay-

Einheit und Unteilbarkeit der nieder- und gen Wittelsbacher Herrschaftsbereiches. recht IV., hatten sich auf eine gemeinsa-

me Regierung ihrer Teilherzogtümer ver-

ständigt, was die Setzung eines einheitli-

ten (z.B. in Augsburg 1156, Nürnberg 1293,

Thüringen 1434, Bamberg 1489) findet, für verwendet wird. Wenn ich insofern vom

spreche, dann, weil der Begriff an sich erst

werden muss, soll das Lebensmittel unter der geschützten Bezeichnung auch künf-

sches Lebensmittel wurde deutsches Bier,

Liste dieser geschützten »traditionellen

ßen: Wer sein Bier mit dem Hinweis eti-

kettiert, es sei nach dem Reinheitsgebot

erische Landtagsabgeordnete Hans Rauch,

gebraut, muss sich auch daran halten!

stelle bei der Akademie für Landwirtschaft

Europäische Union zudem begonnen,

März 1918 sagte: »Wir halten fest am Rein-

narische Erbe Europas, unter besonderen

und Brauerei Weihenstephan«, der am 4.

Schon Anfang der 90er Jahre hat die

regio­nale Spezialitäten, quasi das kuli-

Schutz zu stellen. Auf Initiative des Bay-

chen Rechtsrahmens erforderte. Um den

heitsgebote, weil wir der Tradition treu

nach Ingolstadt ein. Hier versammelten

Bierbereitung in Deutschland bis heute

»Bayerische Bier« geschützt. Die blau-gel-

Adels, der Städte und des Klerus und erlie-

als wegbereitend anzusehen. Es ist heute

weist die Teilnahme am neutralen Kont-

Landesordnung. Auf einer Seite der res-

Neufassung des Vorläufigen Biergesetzes

Bezeichnung »Bayerisches Bier geschützte

zu schaffen, beriefen sie einen Landtag

sich die »Stände«, die Repräsentanten des

ßen am 23. April 1516 eine umfangreiche

pektablen Schwarte findet sich der Text,

der heute als »Reinheitsgebot« bezeichnet

bleiben«. Dieses Reinheitsgebot prägt die und ist für die einzigartige Bierkultur hier

verankert in § 9 der Bekanntmachung der vom 29. Juli 1993.

erischen Brauerbundes wurde auch das

be Sonne, die viele bayerische Biere ziert,

roll- und Zertifizierungssystem nach. Die

geographische Angabe« garantiert dabei

wird.

Dem Reinheitsgebot vergleichbare

Vorschriften gab es für Bayern-München seit 1487 (»Münchner Reinheitsgebot«)

und für Bayern-Landshut seit 1493. Das

sog. »Reinheitsgebot« von 1516 ist also die

Zusammenführung der Regelungen in

den beiden Teilherzogtümern. Es verfolg-

te drei Schutzziele: Es sollte erstens den

Verbraucher vor überzogenen Bierpreisen

schützen, zweitens den Einsatz der für die

Versorgung der Bevölkerung mit Brot be-

deutsamen Brotgetreides zur Bierproduk-

tion ausschließen und drittens die Zugabe solcher Zutaten verhindern, die dem Bier

zwar eine gewisse Bittere, Vollmundigkeit

oder berauschende Wirkung verliehen, jedoch im Vergleich zu Hopfen und Malz als

minderwertig anzusehen und oft sogar

giftig waren.

Viele hundert Gäste besuchten im September die Wanderausstellung »Wächter des ­Reinheits­gebotes« im Florian-Stadl


bergecho 3 . 2016  |

Original und Bild: Alexander Reiss und P. Valentin vor dem Foto der Klosterbrauerei in der Wanderausstellung »Wächter des R ­ einheits­gebotes«

die bayerische Herkunft und die Einhal-

Deutschland fordern – und dabei nicht im-

Reinheitsgebot von 1516 bleibt so als Güte-

hinterlassen.

der EU besonders geschützt.

Bier-­Welle« Deutschland erreicht habe,

»DIE CR AF TBIER-WELLE HAT UNS ERREICHT: VOR 500 JAHREN«

ren«. Denn der oft bemühte Vergleich des

tung des Reinheitsgebotes. Das Bayerische zeichen gesetzlich anerkannt und wird in

mer den Eindruck profunder Sachkenntnis Auf die Frage, ob denn die »Craft-

antworte ich gerne mit »Ja – vor 500 Jahdeutschen mit dem US-amerikanischen

Da können wir schon ein bisschen den aufrechten Gang üben.

Und auch die Größenverhältnisse soll-

te man näher unter die Lupe nehmen, ehe man die »neu entdeckte handwerkliche«

Bierproduktion aus den USA als Vorbild preist: Da wird – auch oft unreflektiert

in deutschen Medien – eine Brauerei, die

Ich würde mich nicht trauen, im Kreis

Biermarkt hinkt insofern, als in den USA

knappe 1,2 Mio. hl Bier im Jahr produziert,­

kunst zum Thema Bier aufzutreten, oh-

sen niemand mehr Bier produzierte und

Indus­trieproduktion« anzusiedeln geprie-

erlesener Freunde handwerklicher Brau-

ne auf Craftbier einzugehen, steht doch

»Craft« für handwerkliche Herstellung.

Craftbier ist ein aus den USA nach Eu-

ropa schwappender Trend. Was müssen

wir uns da als deutsche Brauwirtschaft

vor allem von US-amerikanischen Brau-

ern nicht alles ins Stammbuch schreiben

lassen! Es gebricht ihnen nicht an Selbstbewusstsein, wie man es auch bräuchte,

wollte man im Vatikanstaat erklären, was eine gescheite Kirche ist. Leider stimmen

auch einheimische Medien gelegentlich

in den Chor derer ein, die eine Befreiung von den Fesseln des Reinheitsgebotes in

vor 20 Jahren außer einigen Brauereirie-

dem US-Biermarkt eine gewisse Eintönig-

keit wirklich nicht abzusprechen war. ­So weit aber ist es in Deutschland und Bay-

als »handwerklich« und »jenseits der

sen. In Berlin inszeniert sich Greg Koch

von der Stone Brewing in San Diego derzeit

als neuer Player im deutschen Biermarkt.

ern nie gekommen. Heute gibt es in den

Laut seiner eigenen Homepage braute er

Menschen. Das entspricht eine Braustät-

sche Medien huldigen seinen Bieren als

USA gute 4.300 Braustätten für 314 Mio.

te auf gut 73.000 Einwohner. In Deutsch-

land kommen auf 80,62 Mio. Einwohner

1.388 Braustätten. Macht eine Braustätte

zuletzt gut 340.000 hl im Jahr. Und deut-

­»handgemachten Qualitätsprodukten«, bei 340.000 hl!

Nach einschlägiger US-amerikanischer

auf 60.000 Einwohner. Und in Bayern, wo

Definition handelt es sich bei sog. »Micro­

kommen, gibt es eine Brauerei auf rund

als 6 Millionen Hektoliter Bier herstellen,

­626 Braustätten auf 12,5 Mio. Menschen

20.000 Einwohner. ­

breweries« um Brauereien, »die weniger unabhängig von großen Brauereigrup-

pierungen sind und die ihre Produkte als

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bergecho 3 . 2016

|  klosterbrauerei

besonders hochwertig und die Herstel-

wachsende Nachfrage nach neuen Bier-

ben«. Haben Sie die Größenverhältnisse

bisherige Randsorten offensiver, sondern

lung als sorgsam und traditionell bewerder deutschen, vor allem der bayerischen

Brauwirtschaft noch präsent, die ich ein-

gangs schilderte?

spezialitäten und vermarkten nicht nur

versuchen sich auch an neuen Kreationen – beides mit großem Erfolg.

Die IPA, Stout oder Porter sind eine

echte Bereicherung unserer von Vielfalt

eine Einladung zum Weitertrinken indes definitiv absprechen würde.

Ich halte es für weit anspruchsvoller,

getreu dem Reinheitsgebot ein gescheites Helles in immer gleichbleibender Qua-

lität zu brauen, als einem Sud durch die

Zugabe von Schokolade, Kaffee, Chrysan-

ENDLICH ÜBER GE SCHM ACK EINE S BIERE S UND NICHT NUR ÜBER SEINEN PREIS REDEN

geprägten Bierkultur. Sie leisten einen

wichtigen Beitrag, das Image des Bieres

Veredelung zu verleihen, um dann unse-

Ich gestehe: die Craft-Beer-Bewegung tut

lande wieder auch als solche empfunden.

Konsumenten mit einer gewissen Abfäl-

der deutschen Brauwirtschaft gut. Von der

neuen Bereitschaft zur Auseinanderset-

zung mit dem Bier profitiert die ganze Ge-

tränkegattung. Wir reden endlich wieder über den Geschmack eines Bieres – und

nicht nur über seinen Preis. Wenn so

mancher Craft-Brewer oder zwar bieraffi-

ne, aber nur von mäßiger Sachkunde be-

wieder zu heben. Bierkultur wird hierzu-

themen oder Tannennadeln eine Pseudo-

ren traditionellen Sorten, aber auch ihren

Und ich begrüße diese Experimentierfreu-

ligkeit zu begegnen.

nung hinter dem Berg, dass ich manchem

DA S REINHEITSGEBOT NEU INTERPRETIEREN

»interessant« gepriesenen Craftbier eine

Das heuer 500 Jahre alte »Reinheitsge-

de; halte aber auch nicht mit meiner Mei-

von geschulter Biersommelier-Zunge als

hohe »Drinkability« nicht wirklich zu-,

bot« findet sich heute im vorläufigen Bier­

gesetz verankert. Das lässt außerhalb

Bayerns auch genehmigungsbedürftige

fallene Journalist jetzt aber den amerika-

Ausnahmen vom Reinheitsgebot zu, eine

che diese Bewegung, um auch in Bayern

der weiß-blauen Landesgrenzen nutzen.

nischen Stereotyp nachplappert, es brau-

Möglichkeit, die viele Brauereien jenseits

endlich aus dem Einerlei des tradierten

Hier ist unter Einbeziehung jüngerer euro-

gleicht er Äpfel mit Birnen.

eines dann endgültigen Biergesetzes zu

ziert schon immer rund 40 verschiedene

leinstellungsmerkmal der deutschen und

Bierangebotes auszubrechen, dann verDie Bayerische Brauwirtschaft produ-

Biersorten. Wenn dennoch drei Sorten

(Hell, Helles Weizen und Pils) den Markt

dominieren, liegt das ja nicht daran, dass

päischer Rechtssetzung die Formulierung überlegen, um das Reinheitsgebot als Al-

vor allem Bayerischen Brauwirtschaft zu stärken, und um für davon abweichen-

de Biere einen einheitlichen und klaren

die Brauer nichts anderes herstellen könn-

Rechtsrahmen zu schaffen.

vielfältiger wäre. Nun könnte man den

Teil der »Craftbiere« heute nach dem Rein-

ten oder das Angebot nicht längst weit

Streit um Henne und Ei führen: Haben

wir das breite Sortenspektrum zu wenig

Tatsache ist, dass der überwiegende

heitsgebot gebraut wird. Und ich versichere: Aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe

beworben, weshalb der Kunde es nicht

können wir noch vielfältige, spannende

es nicht nachfragen, weshalb wir ihm grö-

brauen, das Reinheitsgebot innerhalb sei-

nachfragen konnte, oder wollte der Kunde ßere Aufmerksamkeit gar nicht schenken

mussten?

Hört man einzelnen (nicht allen!)

Vertretern der US- und auch deutschen

und aufregende neue Biere in großer Zahl

ner Grenzen handwerklich neu interpre-

tieren, ohne es zu brechen. Das ist unsere Kernkompetenz. Das hat uns groß gemacht. Das ist wirkliche handwerkliche

Craft-Brewer-Szene zu, könnte man mei-

Braukunst. Und auf die dürfen wir stolz

schanzt hinter dem Bollwerk »Reinheits-

Bayerischen Reinheitsgebotes ganz beson-

nen, böse Großbrauereien hätten, ver-

gebot«, wehrlose deutsche Konsumenten

seit nunmehr 500 Jahren gezwungen, Bie-

re zu trinken, die ihnen eigentlich nicht schmecken. Nur hätten sie das nicht ge-

merkt, bis ihnen jetzt endlich die Augen

geöffnet wurden.

Tatsache ist: Neue, bislang im deut-

schen Markt unbekannte Bierstile er-

freuen sich wachsender Nachfrage und

medialer Aufmerksamkeit. Viele, auch

bayerische Brauereien reagieren auf die

sein. Im Jahr des 500. Geburtstages des

ders.

Darauf lassen Sie uns anstoßen –mit

den natürlich reinen Bieren der Andechser

Klosterbrauerei. Es hilft nichts, gegen den

gerne beklagten Niedergang der heimi-

schen Brauwirtschaft anzujammern. Man

muss dagegen antrinken! Passen Sie also

auf sich auf. Ehe man sich versieht, hat

man ein Bier zu wenig getrunken. Danke,

.

dass Sie mir Ihr Ohr geliehen und Ihre Zeit

geschenkt haben. 


bergecho 3 . 2016  |

020 Anz. Bergecho 19x24_neu.qxd

13.04.2006

15:24 Uhr

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Schöne A u s s i c h t e n für Ihren Gaumen.

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|  klosterbrauerei

Flüssiges Brot Benediktinische Brautradition im Kloster Andechs

Alte Mälzerei der Klosterbrauerei. Aufnahme nach 1910 aus dem Archiv des Klosters Andechs. Errichtet wurde das mehrstöckige Gebäude im 1906/07 als eines der ersten Industriegebäude im bayerischen Oberland in Stahlbeton-Bauweise

»Bei uns in Bayern ist Bier kein Genuss-, sondern ein Nahrungsmittel. Es ist her­ gestellt aus Getreide, Hefe und Wasser wie das Brot. Nur der Hopfen fehlt dem Brot als Grundstoff.« So kurz und bündig definiert Pater Willibald Mathäser den Stellenwert des Bieres in seinem Bändchen über eben dieses flüssige Brot. Und ein bayerischer ­Benediktiner, zumal ein Andechser, muss

es w ­ issen. Bayern und das Bier – Andechs und das Bier, das gehört zusammen. Birgitta­ Klemenz, Stiftsarchivarin des Klosters, hat im Septem­ber bei einer Veranstaltung des Freundes­kreises des Klosters einen Vortrag zur ­benediktinischen Brautradition unseres ­Klosters gehalten. Ihren Vortrag dokumen­ tieren wir in dieser Ausgabe.


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links Blick in die Fass-Picherei der alten Klosterbrauerei im Jahr 1933. Ganz rechts im Bild wohl Frater Adelhard Rothmüller, der im 1896 noch von Pater Magnus Sattler errichteten Maschinenhaus der Kloster­ brauerei über 50 Jahre bis zu seinem Tod 1951 arbeitete rechts Frater Ursmar Harrer (†1977) im alten Lagerkeller der Klosterbrauerei Andechs

F

ür Andechs ist diese Verbindung

Wirtshausbetrieb in Stegen, Bäckerei und

auf dem Heiligen Berg, also seit der

BR AUTR ADITION MINDE STENS SO ALT WIE DA S KLOSTER AUF DEM HEILIGEN BERG

560 Jahre. Bier als Grundnahrungsmittel

­Albrecht III. dem Kloster neben vielen an-

Behörden im Rahmen der Aufhebung des

Grad sicher auch, wenn wir davon abse-

dechs« und das »Zapffenrecht und die Un-

Bayerischen Hauptstaatsarchiv in Mün-

in Andechs, den heutigen Klostergasthof,

von 1455 bis 1803 gibt es nur drei Hinweise

so alt wie das Benediktinerkloster

Gründung im Jahr 1455 und damit über

für die Mönche? Das zu einem gewissen

In eben dieser Stiftungsurkunde hatte

deren Zuwendungen die »Tafern zu An-

knapp 390 ha Landwirtschaft zu den Klos-

terbetrieben. Von ihnen wissen wir durch die Inventarisierung, die die staatlichen

Klosters 1803 durchführten. Aus den im

hen, dass der Nährwert des damaligen

gelt« zu Erling übertragen: das Wirtshaus

wenig zu tun gehabt haben dürfte. Nah-

und das Recht, in Erling Bier zu zapfen

auf das Thema Bier. Es geht dabei um ver-

die norma-lerweise an den Landesherrn

Im Umkehrschluss lässt sich sagen, dass

Bieres mit dem unserer heutigen Sorten

rungs- und Erfrischungsmittel vor allem

aber für die Pilger, die nach Andechs ka-

men und – bis heute kommen. Andechs ist der älteste Wallfahrtsort in Bayern.

Die Andechser Wallfahrt ist seit 1128

urkundlich bezeugt. Von 1246, dem Jahr

und die Getränkesteuer einzubehalten,

abgeführt werden musste. Das Zapfen,

­also der Ausschank von Bier, setzt jedoch

das Brauen voraus. Eine Urkunde von Alb-

verschollen, die Wallfahrt kam deshalb

Im Blick auf die stetig anwachsenden Pil-

mit wurde auch die Verköstigung der Pil-

ger wieder zum Thema. Mit der Gründung

für die Andechser Tafernwirtschaft fest.

gerströme war dies also eine weitsichtige

Entscheidung, die bis heute Früchte trägt.

des Benediktinerklosters 1455 wurde die

PRODUK TION UND VERK AUF VON BIER – EIN UNANGEFOCHTENE S RECHT

Heiltum, und für die Pilger zur zentralen

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Brau-

Sorge für die Reliquien, das so genannte

Aufgabe der Mönche. Sie wird in der Stiftungsurkunde Herzog Albrechts III. von

Bayern für Andechs aus dem Jahr 1458 ei-

gens erwähnt.

das über Jahrhunderte nie in Frage gestellt

ging. Festgehalten wird etwas ja meist

hin, sie schreibt bereits die Ungeldfreiheit

zum Erliegen. In den 1390er Jahren setzten

dechs ein unangefochtenes Recht waren,

dem Heiligen Berg weist ebenfalls darauf

ihrer Wiederauffindung durch die legen-

die Wallfahrtsströme von neuem ein. Da-

Produktion und Verkauf von Bier in An-

wurde und problemlos und deshalb oh-

hang mit dem damaligen Kollegiatstift auf

däre Maus, waren die Andechser Reliquien

schiedene Lieferungen – um mehr nicht.

rechts ­Vater Ernst von 1438 im Zusammen-

der Zerstörung der Burg Andechs durch

die Wittelsbacher, bis 1388, dem Zeitpunkt

chen überlieferten Beständen aus der Zeit

erei zum wichtigsten Gewerbebetrieb des

Klosters. Von den für 1802 verzeichneten

Einnahmen von 28.864 Gulden entfielen

ne schriftliche Überlieferung von statten nur dann, wenn es Unklarheiten gibt.

UMBRUCH UND AUFBRUCH IN SCHWIERIGEN JAHREN Nach der Aufhebung des Klosters 1803 gin-

gen die Klostergebäude und ein Teil des

Grundbesitzes zunächst durch mehrere

private Hände, bis König Ludwig I. 1846

den gesamten Komplex als Wirtschaftsgut für die in München geplante Benedikti-

nerabtei St. Bonifaz um 65.000 Gulden er-

werben sollte. Das Bräuhaus samt Inventar

gehörte dazu und wird im Kaufvertrag vom

12.092 Gulden auf die Brauerei. Daneben

11. März 1846 eigens erwähnt. Andechs

de, Konstruktionsbüros, Fischerei und

durch Mettener Benediktiner verwaltet,

gehörten Apotheke, Schlosserei, Schmie-

wurde zunächst auf Geheiß des Königs

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bis es nach der Gründung von St. Bonifaz

|  klosterbrauerei

für bisherige Bierabgabe an die Wirthe von

Brauer gelernt und am 28. September 1854

Verantwortung der neuen Abtei übergeben

te (17. Sept.) noch nicht geschehen ist, wie

ständigem Betriebe dieses Gewerbes in al-

Brauhaus und Ökonomie sollten bestehen

herrisch geriren. Sie fordern unbedingt die

1. Juli 1846 abgelöst, wofür Ludwig I. noch

hätte wohl mit Anfang November schon

am 24. November 1850 sukzessive in die

wurde. Die vorhandenen Pachtverträge für bleiben, wurden aber dann bereits zum

einmal 11.400 Gulden zur Verfügung ge-

diesen erst noch zu berichtigen, was heu-

seine Prüfung abgelegt, »daß er zu selbst-

denn die Wirthe sich überhaupt ziemlich

len Klassen von Gemeinden als befähigt

Schließung der Klosterschenke! Die Sud

St. Bonifaz eingetreten. Unter den Mön-

befunden wurde«. Im Mai 1854 war er in

chen wird er ab 1855 als »braxator«, als

beginnen dürfen, allein der Braumeis-

Brauer, geführt. Als er am 8. Januar 1865

hatte die schlechte Ertragslage von Land-

hatte die Braustatt noch ordentlich neu u.

Bruder Jakob Neubauer sein Nachfolger.

auf gedrungen, die Bewirt-schaftung mit

ler, Öfen, Gerste, Hopfen), wobei gleich-

stellt hatte. Abt Gregor Scherr von Metten

wirtschaft und Brauerei beklagt und dareigenen Kräften zu übernehmen.

HILFE DURCH DIE BENEDIK TINER DER ABTEI MET TEN Im selben Jahr beginnen die Mettener mit

ter Geltfinger erschien erst am 3. Sept. u.

herzurichten (Kühle, Maischpoding, Kel-

falls mehrere hundert Gulden aufgewendet

werden mußten.«

BIER MIT »GUTEM RUFE« UND MÖNCHE AL S BR AU­M EISTER

Aufzeichnungen zur Geschichte des Hau-

Der Übergang war also nicht ganz so ein-

Sattler weitergeführt werden und eine un-

schreibt Mittermüller: »Das Bräuhaus

ses, die dann ab 1858 von Pater Magnus

schätzbare Quelle für die Ereignisse und

fach. Doch bereits im Dezember 1846

u. Bier steht nun bereits in gutem Rufe,

Entwicklungen dieser Jahre darstellen.

­welcher einen neuen Wirth (von Asche-

damalige Pater Rupert Mittermüller aus

(H. Pfarrer v. Perchting, Amtspersonal von

Zum 17. September 1846 etwa schreibt der

Metten: »Was das Temporale des Gutes

betrifft, so machte die sehr lange verzö-

im Alter von nur 44 Jahren starb, wurde

Dieser war 1858 im Alter von 35 Jahren

eingetreten, hatte 1859 seine Profess ab-

gelegt und war von da an in der Brauerei

tätig. Er war kein gelernter Brauer, erwarb sich seine Kenntnisse jedoch vor Ort. Mit seinem »Amtsantritt« erscheint erstmals

aus den Reihen der Mönche auch ein »socius braxatoris«, ein Gehilfe des Brauers:

Kilian Kohl. Im Laufe der Jahrzehnte sollten es bis zu drei Mönchsgehilfen wer-

den – Hinweis auf die zunehmende Größe

der Brauerei. Jakob Neubauer starb am 20.

ring) u. einige bedeutende Abnehmer ­

Juni 1886 – bekannt ist er vor allem durch

Starnberg) herbeigezogen hat. Da jedoch

ner. Mit Oswald Eser übernahm 1954 der

der Ertrag der Ernte auf der verwahrlos-

die Porträts seines Freundes Eduard Grütz-

letzte Benediktiner das Amt des Brauers.

Bis 1967 hatte er noch einen Mitbruder als

gerte Ankunft eines Bräumeisters manche

ten Gutsökonomie gering war (112 bis 120

merbier, welches man vom Pächter käuf-

käufe gemacht werden, um wenigstens

lich weltliche Mitarbeiter beschäftigt. Mit

können. Durch Vermittlung des H. Abtes

meister aus dem Konvent.

Schwierigkeiten u. Nachtheile. Das Som-

Schäffel Gerste), so müßen namhafte An-

lich erworben hatte, ging gegen Ende Au-

1800 bis 2000 Eimer Sommerbier brauen zu

u. Erling) waren damit wenig zufrieden,

v. Metten mußte daher ein neues Anlehen

gusts aus u. die beiden Wirthe (in Andechs weil sie nirgends eines zu bekommen wußten. Sie hätten gerade von der neuen Guts-

von 1000 fl. zu Stande kommen.«

1846 musste man noch auf einen welt-

verwaltung gefordert, was dem angetre-

lichen Braumeister zurückgreifen, der ers-

Michaeli zu sorgen. Zudem war der Betrag

Bruder Ämilian Haltenberger. Er hatte

tenen Pächter oblag, nämlich für Bier bis

te aus den Reihen des Konvents war dann

Gehilfen, von da an wurden ausschließ-

Bruder Oswald endete die Zeit der Brau-

KONTINUIERLICH INVESTIEREN UND DEN KUNDENSTAMM PFLEGEN Die Brauer waren bereits als Gesellen oder

Meister eingetreten oder wurden im Kloster ausgebildet und nach dem Tod des

links Schienen-Transport von Bier-Fässern in den Lager­ keller der alten Klosterbrau­ erei. Undatiertes Bild aus den frühen 1920er Jahren. Ganz rechts mit der hellen Brauerschürze Braumeister Frater Aemilian Dempf. Von 1920 bis zu seinem Tod 1925 führte er die Geschi­ cke der Brauerei rechts Historischer Brauerei-LKW, vermutlich von Mannes­ mann. Aufnahme aus den 1920er Jahren


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Einweihung neuer Mutter­ fässer im Frühjahr 1907 vor dem alten Bräustüberl. Undatierte Aufnahme aus dem Klosterarchiv. In der alten Klosterbrauerei wurde das fertige Bier in großen Mutterfässern aufbewahrt. Das Volumen dieser ­Mutterfässer betrug über 25 hl

jeweiligen Braumeisters vom Gehilfen zum

Ankauf von Gerste – die eigene Produkti-

als 2.300 hl im Jahre 1875. 1895 erzeugte

setzten« waren die Cellerare des Klosters,

Bierlieferungen und Eingangsbestätigun-

beträgt der Ausstoß über 100.000 hl pro

leitenden Brauer »befördert«. Ihre »Vorge-

on reichte demnach nicht mehr aus – die

die Klosterbrauerei 6.000 hl Bier. Heute

die durch kluges Wirtschaften die Voraus-

gen der Zahlungen diverser Wirte in der

Jahr. Im Blick auf diese kontinuierliche

dierendes Unternehmen schufen: der be-

ten. Neben Wirten gab es aber auch andere

gel auf dem geographisch beschränkten

setzungen für ein erfolgreiches und expan-

näheren und weiteren Umgebung festhal-

Expansion wurde damit der Platzman-

Kunden der Andechser Brauerei. So geht

Areal schnell zum Dauerthema. Deshalb

an seinen Abt Benedikt Zenetti vom 14. Fe-

Jahren 1906/1907 ein neues Mälzereigebäu-

Pater Magnus Sattler ließ 1871 die

Waisenhauses in Nymphenburg bei ihm

moderne Stahlbetonweise diente dane-

1893 wurden Fassstadel und Lagerhalle,

Andechser Klosterbrauerei beziehen kön-

den großen Terrassenbereich des heutigen

seine­akribischen Aufzeichnungen der Jah-

Da das Waisenhaus wöchentlich 10 Hekto-

1925 und 1958 folgten neue Füllereianlagen.

schon damals den Erfolg der Andechser

»Diese Kundschaft ist so groß und grösser

neut unter zunehmender Raumnot. Sie be-

de wirtschaftliche Bedeutung für den Kon-

den Vorzug präziser Bezahlung.«

Berg. Es stellte sich die Frage: Schließung

schinellen Verbesserungen und Pflege und

BELOHNTE RISIKOBEREITSCHAF T – DER NEUBAU DER BR AUEREI AM FUSS DES HEILIGEN BERGES

entschloss sich der Konvent zum vollstän-

Heiligen Berg hinaus. Diese Entwicklung

Langsam, aber stetig konnte der Aus-

werden sollte und seitdem baulich und

ten Gersten-Manuale, weil sie neben dem

900 hl anfangs der 1850er Jahre auf mehr

in guter alter Andechser Tradition. 

reits erwähnte Pater Magnus Sattler (1858-

1900), Pater Augustin Engl (1900-1924),

aus einem Schreiben Pater Magnus Sattlers

Daniel Gerritzen (1968-1986).

bruar 1889 hervor, dass die Oberin des

Pater Magnus Rath (1924-1952) und Pater

Brauerei auf Dampfbetrieb umstellen,

1894 das Sudhaus erneuert. Wenn man

re 1858 bis 1898 liest, wird deutlich, was

Brauerei und damit auch ihre zunehmenvent ausmachte: kontinuierliche Inves-

titionen in Form von baulichen und ma-

Erweiterung des Kundenstamms über den dokumentieren vor allem die so genann-

angefragt habe, ob sie nicht Bier von der

ne und wenn ja, zu welchen Bedingungen.

liter bestellen wollte, bemerkte P. Magnus: als irgend einer unserer Wirte und genießt

stoß der Brauerei gesteigert werden – von

wurde unter Pater Augustin Engl in den

de am Osthang des Berges errichtet. Die

ben der Abstützung des Berges und schuf

Bräustüberls, den wir heute alle kennen. Ende der 1960er Jahre litt die Brauerei er-

fand sich ja immer noch auf dem Heiligen

oder Neubau. Mit Pater Daniel Gerritzen

digen Neubau am Fuß des Heiligen Berges, der dann von 1972 bis 1984 durchgeführt

.

technologisch weiter entwickelt wird –­­ 

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|  klosterbrauerei

Deutsch-amerikanische Segler-Freundschaft Gesamtsieg für die über 100 Jahre alte Segelyacht »Tilly XV« bei US-Regatten-Serie

Was für ein Traumergebnis. ­ Bei vier Regattaserien an der US Ostküste mit insge­ samt acht Wettfahrten haben die »Tilly XV« und ihre Crew ­sieben Mal den ersten und ­einmal den dritten Platz ge­ wonnen und wurden somit Gewinner der Northamerican Panerai Classic Yachts Challen­ ge. Jörg Mößnang und B ­ irgit Brandes, beide Crew-Mit­ glieder, haben viel Applaus ­erhalten, aber gerade abseits der Regatten ganz unerwar­tete Zeichen der Verbundenheit erfahren.

V

or der Abreise in die USA hatte Pater

Valentin Ziegler Mitte Juli am Fuß des Heiligen Berges das berühmte

zwölf Meter langes Segelboot für die nicht

ganz alltägliche Reise gesegnet. Der Reise-

der Tilly XV mit Eigner Siegfried Rittler,

­Joerg Moessnang, Angelika Buerger, Birgit Brandes, Jojakim Balzer und Andrew Dey. Sie fassten sich ein Herz, vertrauten ih-

rer langjährigen Erfahrung, trotzten dem

segen wurde auch vielfach in Anspruch ge-

Wetter und steifen böigen Winden, die

wie auch auf dem Atlantik, um etliche

cheren Hafen abwarten ließen. Das Ergeb-

nommen, sei es beim Transport über Land Gefahren für Crew und Boot abzuwehren

oder zu überstehen.

TILLY X V - GEWINNER DER NORTHA MERIC AN PANER AI CL A SSIC YACHTS CHALLENGE Gewaltig war die Konkurrenz für die »al-

te Dame« Tilly XV, die über 100 Jahre alte

sogar manchen Profi-Konkurrenten im si-

nis: Immer ein Platz auf dem Siegerpodest, einmal als Dritter und sieben Mal ganz

oben und somit Gewinner der Northamerican Panerai Classic Yachts Challenge.

UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE KLOSTERBR AUEREI ANDECHS Zu den täglichen am Abend stattfindenden

Sonderklasse-Yacht. In Marblehead und in

Preisverteilungen wurde das Andechser

setts sowie in Newport im US-Bundesstaat

ausgeschenkt. Die Krüge durften dann

Nantucket im US-Bundesstaat MassachuRhode Island segelten über 200 Yachten mit fast 1.100 Crewmitgliedern in fünf

verschiedenen Divisionen, um die Besten zu ermitteln. Und mittendrin die Crew

Bier in den Glaskrügen an die Teilnehmer auch die Segler und ihre Begleitung als Erinnerung mit nach Hause nehmen.­Diese Geste der Klosterbrauerei Andechs­wurde

mit viel Beifall bedacht.


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Stoßen in Marblehead (US-Bundesstaat Massachusetts) auf den Erfolg an: Bruce Dyson, Commodore des Eastern Yacht Club in Marblehead, und seine Frau Leane (1. u. 3. v. l.) Jörg Mößnang aus Tutzing, Steuermann der Tilly XV, Siegfried Rittler (2. u. 4.v. l.) und Brent Larlee, Commodore des Corinthian Yacht Club

ihre Gastronomen gebeten, mit dem Im-

porteur der Andechser Klosterbiere in Ver-

Die­Regattateilnehmer waren sehr ange-

bindung zu treten, um Möglichkeiten für

einen Bierbezug auszuloten. Im Cortin-

DIE BEWEGTE GE SCHICHTE EINER BE SONDEREN YACHT Die über 100 Jahre alte Sonderklasse-Yacht

»Tilly XV« ist heute am Starnberger See be-

tan von dem besonderen Geschmack des

thian Yacht Club wurde das Bier an die

der Tilly hat sich mit dem Schankperso-

den Veranstaltern in Nantucket und in

Prinz Heinrich v. Preußen, und von diesem

programm mit dem Erlös des Verkaufs des

ihres Alters - noch heute auf nationalen

frisch vom Fass gezapften Bieres. Die Crew

Gäste frei ausgeschenkt im Gegensatz zu

nal im Vorfeld abgesprochen, wie das Bier

Newport, wo in einem das Jugendsegel-

wird sehr darauf geachtet, dass keine

Bieres unterstützt wird. In Newport wurde

eingeschenkt werden sollte. Denn in USA Schaumkrone den Rand ziert. Dass dies

beim Andechser Klosterbier nicht so zu

sein hat, bedurfte einiger Überzeugungs-

arbeit beim Schankpersonal. Aber nach

mit dem Verkauf die dort ansässige Bootsbauschule gefördert. Beide Institutionen,

die Sailing Community Nantucket und die

International Yacht Restauration School in

heimatet. Gebaut wurde sie 1912 in Ham-

burg für den Bruder von Kaiser ­­Wilhelm II.,

auch selbst gesegelt. Die Yacht sorgt – trotz und internationalen Regatten immer wie-

der für Aufsehen wegen ihrer Formschön-

heit und perfekten Renneigenschaften.

Der Eigner, der Starnberger Unternehmer Siegfried Rittler, hat das Schiff vor 25 Jah-

dem Testausschank und der dazugehöri-

Newport, haben die Unterstützung durch

und später auch die Gäste ob des Bierge-

hevorgehoben. Bei der Abschlussfeier hat

delicious«.

seiner Festrede sich im Namen der Segler

auf Regattabahnen. Sie hat alle Klassiker-

Botschafter für die deutsch-amerikanische

den Halunk-Pokal, den Sonderklasse-Pokal

gen Verkostung waren sich das Personal

schmackes einig: »awsome, outstanding,

die Klosterbrauerei Andechs als Sponsor

Aufwand wieder komplett in seinen Ori-

auch der langjährige Förderer John Taft in

der 1990er Jahre läuft die »Tilly XV« wieder

bei Siegfried Rittler mit seiner Tilly XV als

ERLÖS AUS DEM BIERVERK AUF FÜR JUGENDSEGELPROGR A MM UND BOOTSBAUSCHULE

Freundschaft bedankt. Mit Standing Ova-

Der Eastern Yacht Clubvorsitzende Bru-

dem Aufruf, nächstes Jahr wieder dabei zu

ce Dyson wie auch der Corinthian Yacht

Clubvorsitzende Brent Larlee haben bereits

ren erworben und seither mit großem

ginalzustand zurückversetzt. Seit Ende

preise erhalten, die es zu gewinnen gibt:

Münchner Woche, das Blaue Band vom

tion und erhobenen Krügen folgte man

Wolfgang- und vom Attersee, 100-jährige

sein, um zu segeln und weiterhin die ge-

sieger der Münchner Woche. 

meinsame Freundschaft zu pflegen.

.

Sonderklasse Attersee und 2001 Gesamt­

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|  klosterbrauerei

Weißbier schnuppert Höhenluft Vertriebsleiter Wolfgang Schäff über seine jüngste USA-Reise

Mehr als 20.000 Flugkilometer hat Wolfgang Schäff bei seinem Besuch unserer Partner in den USA zurückgelegt. In elf Tagen­ im Oktober war er in sechs Bundesstaaten zu Gast und hat

W

enn ich eine Erfahrung in die-

sen intensiven Tagen gemacht

habe, dann diese: Biere einer

echten klösterlich geführten Brauerei

sind für viele US-Amerikaner ein wirkli-

ches Highlight. So lässt sich meine Zeit zwischen dem 16. und 27. Oktober, zwi-

schen West- und Ostküste kurz und knapp zusammenfassen. Der Marathon der Be-

gegnungen und Gespräche begann für

mich am 16. Oktober in San Francisco und führte gleich am folgenden Tag auf über

dabei immer wieder Menschen getroffen, die auf ihre ganz ­eigene Weise das »Andechser­ Gefühl« tausende Kilometer­ vom Heiligen Berg Bayerns ­entfernt einfach leben.

sondern auch seit Jahren viele Gäste mit-

ten in der Erhabenheit von New Mexicos sagenumwobenen Bergen von Sangre de

Cristo mit dem Charme einer authenti-

schen Alpenskihütte. Betreiber Thomas

Schulze, der aus Weiden in der Oberpfalz

stammt, ist bei seinen Besuchern nicht

nur bekannt für sein Gulasch, sondern

auch für die bayerischen Bierspezialitäten, darunter vom Faß unser Vollbier Hell und unser helles Weißbier. Ein Stück seiner

bayerischen Heimat, das er seine Gäste

3.000 Höhenmeter nach New Mexico.

verkosten lässt.

DER WOHL WELT WEIT HÖCHSTGELEGENE ANDECHSER AUSSCHANK

in die USA augewandert. Auf der Suche

»The Bavarian Lodge and Restaurant«, so

aber hat ihn schnell die Indianerkultur

Vor über 20 Jahren ist Thomas Schulze­

nach sich selbst, wie er sagt. Fasziniert

nennt sich die urige Skihütte, die auch

New Mexicos. Verheiratet ist er inzwi-

Die Hütte mit ihrem Restaurant befindet

enne Indianer-Stammes. In der einzig-

Möglichkeiten zum Übernachten bietet.

sich im Taos Skiresort auf über 3.100 Me-

ter. Sie überraschte nicht nur mich,

schen mit einer Frau des Northern-Chey-

artigen Natur New Mexicos mit ihren

Hochwüsten, Seen, Bergen und Flüssen,

Tod Bolyard, Michael Sumaruk, Wolfgang Schäff und Gavin Owen (v. l.) vor Sigie‘s ­Sausage Factory


bergecho 3 . 2016  |

DA S OK TOBERFE ST IN TUL SA IM BUNDE SSTA AT OKL AHOM A Oktoberfeste gibt es unzählige in den

USA. Das »Tulsa-Oktoberfest« aber gehört mit einer fast 40jährigen Tradition, vie-

len Festzelten, deutschen Bands, Kunsthandwerk, dem inzwischen legendären

»Dackel-Kurzstrecken-Sprint« und vielen Spielen und Wettbewerben für Alt und

Jung auf mehreren tausend Quadratme-

oben Thomas Schulze, Betreiber der ­»Bavarian Lodge and Restaurant« mit ­Andreas Hildebrandt, Inhaber unseres ­Partners S&H Premi­ um Independent Brands (rechts) unten Greg Coughlin (l.), Inhaber des Olde Magoun‘s Saloon, Somerville/Boston, ­ ist ein versierter ­Kenner der ­europäischen und bayerischen ­ Bierkultur

tern nach Meinung der Zeitschrift USA

Today zu den zehn attraktivsten Okto-

berfesten in den ganzen USA. Einer der

Höhe­punkte in diesem Jahr war sicher-

lich der Ausschank unseres Vollbier Hell im »Bierstube«-Zelt des Festivals. Mit

Regional­verkaufsleiter Tod Bolyard unse-

res Partners S&H war ich auf dem Festival

unterwegs, um zusammen mit den Gästen

das hier neu eingeführte Vollbier Hell zu

verkosten. Und nicht nur hier erlebte ich

immer wieder viele so oder ähnliche kurze

Gespräche mit Gästen, die einfach für sich sprechen: Gast: »Wo kommst Du her?«;

Ich: »Aus Andechs?«; Gast: Aus Andechs? Cool! War ich auch schon. Super Bier ha-

ben die dort.«; Ich: »Das gibt´s jetzt auch

hier.« Gast: »Echt? Wo?«. Und schon teilen wir unsere Erfahrungen mit dem Andechser »Gefühl« und das ist oft mehr als die

Erlebnisse im Bräustüberl.

SIEGI‘S SAUSAGE FAC TORY UND DIE FASSLER HALL IN OKL AHOMA CIT Y hat er ein neues Stück Heimat gefunden.

Trinken im Großraum San Francisco.

In Oklahoma City gibt es nun in zwei ganz

Skiresort ein Grundstück zu kaufen. Im

ßig wechselnde Andechser Sorten vom

am 20. und 21. Oktober ­besuchen konnte)

fen sich dort auch die Mitglieder des

bock Dunkel.

1964«, einer Gründung deutscher Aus-

nächst einmal gar nicht nach einer Gas­

1995 bot sich ihm die Chance, im Taos-

Seit Jahren werden dort auch regelmä-

unterschiedlichen Gastronomien (die ich unser­Vollbier Hell und unseren Doppel-

gleichen Jahr begann er mit dem Bau der

Faß ausgeschenkt. Unter anderem tref-

Geschick und Improvisationskunst errich-

»Harmonie Soccer Club Bay Area since

wir ­beide – ein Franke und ein Oberpfäl-

wanderer. Mitglied dieses Fußballver-

tro­nomie an, aber die Wurstfabrikation

port-Partners »S&H Independent Premi-

aus Linz in Österreich ist von jeher mit ei-

sogenannte »Tap Takeover« am 18. Ok-

derte in den 1980er Jahren in die USA aus

Skihütte, die er mit viel handwerklichem

tete und schon 1996 eröffnen konnte. Und zer – haben fern der Heimat festgestellt:

Weißbier auf über 3.000 Meter zu genie-

ßen, ist einfach ein echter »Hochgenuss«.

GOUR MET HAUS STAUDT IN REDWOOD CIT Y Immer wieder treffe ich Menschen, die ih-

eins ist auch der Inhaber unseres Im-

um Brands«, Andreas Hildebrandt. Der

tober war ein besonderer Tag für mich.

Denn es ist noch immer ein seltener

Höhepunkt für Freunde der Andechser

re deutschen Wurzeln ganz bewusst pfle-

Bierkultur in den Staaten, wenn gleich-

zu schaffen. Der deutschstämmige Volker

ausgeschenkt werden wie unser Voll-

Staudt« in Redwood City geschafft. Sein

Doppelbock Dunkel, Weißbier Hell und

gen, um in der Gastronomie Besonderes

Staudt hat es mit seinem »Gourmet Haus Lokal ist inzwischen einer der beliebtes-

ten Treffpunkte für deutsches Essen und

Siegi‘s Sausage Factory hört sich zu-

des Gründers Siegmund »Siegi« Sumaruk

nem Restaurant verbunden. »Siegi« wan-

und gründete fünf Jahre später seine Sau-

sage Factory mit Restaurant. Heute wird

er von seinem Sohn Michael unterstützt.

Die Wurstherstellung ist noch immer

zeitig sechs Andechser Sorten vom Faß

handwerklich geprägt und seine Produkte

bier und Spezial Hell, Bergbock Hell,

ma City beliebt. Bekannt ist die Sausage

Dunkel.

sind weit über die Grenzen von Oklaho-

Factory auch für einen besonderen Ser-

vice: Privatpersonen können hier ihr ei-

genes Fleisch abliefern, das dann je nach

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bergecho 3 . 2016

Wunsch verarbeitet wird. Besonders Jäger

|  klosterbrauerei

sein Wirtshaus inzwischen das bayerische

serviert. Inhaber Doug Hager, der erst im

aus der Region nutzen dies für ihr Wild.

Wirtshaus schlechthin in New York City.

April bei uns in Andechs zu Gast war, ist

Sitz der ersten Fassler Hall. Seit wenigen

Erinnerungen aus seiner Jugend mit dem

gen. Er meinte augenzwinkernd, als er

dance. Beide Objekte stehen für eine brei-

zu danken, dass die Klosterbiere seit 2013

ausdruck sah: »Wir nehmen gute Tradi-

sie natürlich auch in seinen beiden Objek-

ein bißchen besser.« Recht hat er, denn

In Oklahoma City befindet sich der

Monaten gibt es auch in Tulsa eine Depen-

Sylvester Schneider verbindet sehr viele

Kloster Andechs. Auch seiner Hilfe ist es

te Auswahl an internationalen Bierspezia-

in den USA verfügbar sind. Und er bietet

ser Vollbier Hell und unsere »Ikone«, der

ten an – in New York City und in Montauk

litäten. Seit wenigen Wochen ist auch unDoppelbock Dunkel, dort zu verkosten.

auf Long Island an. Und beim Montauk-

SYLVE STER SCHNEIDER – DER ANDECHSER PIONIER IN NEW YORK

ben können, wie der Vollblutwirt Sylvester

Oktoberfest habe ich wieder einmal erle-

Schneider seine Gäste begeistert, wenn er

Und dann der Sprung nach New York an

mit seiner Band aufspielt.

dort Sylvester Schneider wieder. Auch ein

Auswanderer. Er stammt aus Weßling un-

KULINARISCHE S HIGHLIGHT – DIE GER ÄUCHERTE SCHWEINSHA XE

das bayerische Wirtshaus »Zum Schneider«

Eine geräucherte Haxe? Ja, die wurde mir

die Ostküste. Am 22. Oktober treffe ich

weit von Andechs und betreibt seit 2000

in New York City. Für viele New Yorker ist

oben links Verkostung in der Fassler Hall in Oklahoma City: Betriebs­ leiter Cody Fields (l.) und­ Tod Bolyard oben rechts Zeit für ein Bier im Brauhaus Schmitz; Inhaber Doug Hager (l.) und Betriebsleiterin Beate Schartner unten Andechser Pionier in den USA: Sylvester Schneider in seinem Element in Montauk/Long Island

Mancher mag das Gesicht verziehen.

am 24. Oktober im Brauhaus Schmitz

damit wirklich eine Überraschung gelun-

meinen wohl etwas zweifelnden Gesichts-

tionen auf und machen sie einfach noch die geräucherte Schweinshaxe ist defini-

tiv mein Geheimtipp für alle Besucher des

Brauhaus Schmitz in Philadelphia, Penn-

sylvania. Betriebsleiterin Beate Schartner

und ihr Team sorgen mit ihrem wieselflin-

ken Service dafür, dass sowohl die breite

Auswahl deutscher Biere verfügbar ist als auch die gemütliche Atmosphäre erhal-

ten bleibt. Und eine Empfehlung muss ich noch weitergeben: Würste und Fleischwa-

ren aus der hauseigenen Metzgerei sind einfach außergewöhnlich.

CR AF T BEER CELL AR UND OLDE M AGOUN‘S SALOON IN BOSTON Kathleen O‘Keeffe, Patrick Howe, Nicole

Roach und Mark Goodman habe ich am 26. Oktober in Belmont/ Boston getroffen. Ich

werde sie nicht so schnell vergessen. Diese

jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Craft Beer Cellar wissen nicht nur ei-

ne ganze Menge über internationale Bier-

kultur. Ihre Begeisterung steckt an. Ich

weiß unser Vollbier Hell, Weißbier Hell,

Weißbier Dunkel und Doppelbock Dunkel bei ihnen in besten Händen. Mit solchen

Mitstreitern macht der »Craft Beer Cellar«, eine »Bottle Shop Kette« mit 27 über die

ganzen USA verteilten Läden, sicher seinen Weg.

Ganz anders, aber mit ebenso viel Bier-

Enthusiasmus pro Halbe, empfing mich


bergecho 3 . 2016  |

SURF TIPPS The Bavarian Lodge and Restaurant www.skitaos.com/things-to-do/bavarian/ Gourmet Haus Staudt www.gourmethausstaudt.com Tulsa-Oktoberfest www.tulsaoktoberfest.org Siegi‘s Sausage Factory www.siegis.com Fassler Hall www.fasslerhall.com

Greg Coughlin in seinem Olde Magoun‘s

Experten im Craft Beer Cellar: Kathleen O‘Keeffe, Patrick Howe, Nicole Roach und Mark Goodman

Saloon in Somerville/Boston. Bei Greg

Coughlin bin ich auf ein wandelndes

Lexikon­europäischer und bayerischer

Verkostung erlebt. Unser Spezial Hell läuft

Zusammen mit Shane Orzechowski, dem

Faß und der Doppelbock Dunkel wird hier

Bierkultur gestoßen. Und das in Boston! zuständigen Market Manager unseres­

Importpartners St. Killian, haben wir

eine­ebenso kurzweilige wie anregende

in Olde Magoun‘s Saloon ab sofort vom

aus der Flasche genossen. Und 2017 wird

.

Greg Coughlin nach Andechs kommen.

Wir freuen uns auf ihn. 

Zum Schneider York www.zumschneider.com Brauhaus Schmitz www.brauhausschmitz.com Craft Beer Cellar www.craftbeercellar.com Olde Magoun‘s Saloon www.magounssaloon.com

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bergecho 3 . 2016

|  klosterbrauerei

›Gschmackiges Weißbier‹ fährt Karussell Musikkapelle und Burschenverein Habach verstehen zu feiern

Um Mariä Himmelfahrt haben die Habacher in diesem Jahr doppelt gefeiert: 1 ­ 11 Jahre jung ist ihre Musikkapelle und mit seinen fünf Jahre ist der Burschenverein der Gemeinde im oberbayerischen Landkreis ­Weilheim-Schongau nun auch schon Tradition. Fünf Tage wurde gefeiert – nach über zwei Jahren Vorbereitungszeit. Schön, dass wir mit unseren Klosterbieren zu einem gelungenen Fest beitragen konnten.

W

enn die Habacher feiern, kann

FREUNDSCHAF TEN UNTER MUSIK ANTEN PFLEGEN

sein – das Wetter machte es bis

Donnerstagabend kamen die Blaska-

es eigentlich nicht anders

zuletzt spannend: »Punktgenau war es

pellen aus Aidling-Riegsee, Sindelsdorf,

dann doch sonnig und schön«. Da merkt

Antdorf und Söchering in einem Stern-

Musikkapelle Habach, schon etwas die

Partyabend des Burschenvereins mit der

man Michael­Wittmann, Vorstand der

Erleichterung an, denn das Programm zu diesem besonderen Dorffest von

Donnerstag,­11., bis Montag, 15. August,

hatte es wirklich in sich und brauchte schlicht gutes Wetter.

marsch nach Habach. Freitag stieg der

Gottesdienst in der Stiftskirche St. Ulrich.

Anschließend spielten die Musikkapel-

len ­Spatzenhausen und Huglfing auf. Am frühen Nachmittag formierte sich dann

der große Festzug, anschließend waren

die Blaskapellen aus Seehausen und Egl-

fing an der Reihe. Den großen Festabend

Band »Pitch Black«. International wur-

gestaltete die Jubiläumskapelle Habach

mährischen Spitzenkapelle Stříbrňanka.

ernteten die Jugendkapellen Uffing, Ha-

de der Konzertabend am Samstag mit der

Und wie es gute und lebendige Tradition

ist, ging der Kirchenzug am Sonntag zum

natürlich selbst. An Mariä Himmelfahrt bach und ­Aidling-Riegsee beim Blasmusik-

frühschoppen großen Applaus und nach

dem Mähwettbewerb und dem Auftritt der

Blechböhmischen, klang das Fest unter

anderem mit den »Heubachtaler Musikanten« aus.

IDE ALISMUS UND ENGAGEMENT Michael Wittmann ist sehr stolz auf seine

Musikkameradinnen und -kameraden, die über viele Jahre hinweg mit großem Idea-

lismus und viel Engagement zur Entwick-

lung der Musikkapelle beigetragen haben. Er denkt deshalb gerne an die intensiven

Tage im August zurück: »Ein wirklich

gut besuchtes Dorffest mit angenehmer

Atmosphäre und dazu ein sehr gschma-

ckiges Bier. Ein Knaller und Anziehungspunkt war sicherlich auch die Andechser


bergecho 3 . 2016  |

Weißbierinsel, die neben den vielen mu-

vermeiden, bevor sie wirklich auftauchen.

So hat das große Fest im August in

sikalischen Höhepunkten mit zur guten

Und wenn man dann sieht, dass der Ver-

Habach sicher mit dazu beigetragen,

Mit dem ersten Dirigenten Thomas

ten Mal wieder angefragt wird, dann ist

ten und Musikkapellen weiter gepflegt

Stimmung der Besucher beigetragen hat.« ­

­Kirnberger verbindet ihn und viele andere die Freude am gemeinsamen Musizieren

anstalter zufrieden ist, und beim nächsdas das größte Kompliment.«

und am geselligen Miteinander. Aber

111 JAHRE BL A SMUSIK IN HABACH

nicht nur das: »Es liegt uns sehr am Herzen, dass Alt

unter der Leitung von

bleiben. Wir freuen

Dirigent Thomas

uns aber besonders

Kirnberger besteht

über jeden Jugend-

derzeit aus 45 akti-

lichen, der ein Inst-

ven Musikerinnen

und Musikern. Ge-

rument erlernt und

sich von unserer Be-

meinsam begleiten sie

musikalisch das Leben

geisterung für die Blas-

von Orts- und Pfarrgemein-

musik anstecken lässt.«

FÜR FESTE RICHTIG INS ZEUG LEGEN Für dieses große Fest hatten sich die Mitarbeiter der Klosternbrauerei richtig ins

Zeug gelegt und schon Tage vorher rund

de in Habach. Einmal im Jahr stu-

dieren sie ein Konzertprogramm ein, das

sie am Samstag vor dem Muttertag auffüh-

ren. Aber auch Geselligkeit wird bei den

Habachern groß geschrieben. »Ein wichti-

200 Biertisch-Garnituren, Sonnenschirme,

ger Bestandteil, um den funktionierenden

ser nach Habach gebracht. Auch die ge-

Wittmann und Thomas Kirnberger.

2.000 Maßkrüge und 1.000 Weißbierglä-

samte Schanktechnik wurde im Zelt, das

Haufen zusammenzuhalten«, so Michael

1.500 Menschen Platz bot, passgenau auf-

gebaut. Tankwagen und Kühlwagen sorgten während der Festtage vor Ort dafür,

dass Andechser Vollbier Hell und Weißbier

Hell nicht ausgingen und immer gut ge-

kühlt den Weg zu den Festgästen fanden.

Alkoholfreie Getränke wie Andechser Zit-

ronenlimo, Cola Mix, Tafelwasser und Apfelschorle vervollständigten das Angebot

der Klosterbrauerei. Und mer ein Mitarbeiter der

Brauerei erreichbar. Für Logistik­leiter Georg Fil-

gertshofer sind solche

Feste immer etwas Be-

sonderes, nicht nur weil

er bei einer Musikkapel-

le spielt: »Feste beliefern

und vertieft und neue Bekanntschaften

.

geschlossen werden konnten – bei harmonischen Fest­tagen und Sonnenschein. 

Die Musikkapelle Habach

und Jung beieinander

für den Notfall war im-

dass alte Freundschaften unter Musikan-

»Wir freuen uns über jeden, der sich von

unserer Begeisterung

für die Blasmusik

anstecken lässt.«

MICHAEL WITTMANN

wir grundsätzlich nicht

»von der Stange«. Wir

bereiten sie immer in enger Abstimmung

mit den Veranstaltern vor. Das ist zwar

ein recht hoher zeit­licher Aufwand, aber

so können wir im Vorfeld schon wichtige

Fragen klären.

Wir bekommen so einen direkten Draht zum Veranstalter, wissen, was er sich

wünscht und können so manche Probleme

KO N TA K T Interesse an Festen und Feiern mit den Andechser Klosterbieren? Wir freuen uns auf Ihren Anruf: Klosterbrauerei Andechs Expedition Bergstraße 2 82346 Andechs Tel.: 08152/376-259 Fax: 08152/376-268 expedition@andechs.de www.andechs.de/de/die-klosterbrauerei/ feste-mit-andechser-ausschank/

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bergecho 3 . 2016

|  gastlichkeit

Gastronomisches Schmuckstück Andechser in Göppingen am 14. Oktober eröffnet

Seit dem 14. Oktober hat die benediktinische Gastfreundschaft vom Heiligen Berg Bayerns in Göppingen ein neues sympathi­ sches Gesicht: Der Andechser in Göppingen, zentral gelegen am Schillerplatz der Hohenstaufenstadt. Gemeinsam haben die Stadt Göppingen, die städtische Wohnbau GmbH (WGG), die das historische Gebäude aufwändig saniert hat, die Kloster­ brauerei Andechs und die erfahrene Gastronomin Birgit Grupp ein gastronomisches Schmuckstück erstehen lassen.


bergecho 3 . 2016  |

Freuen sich über eine gelungene Eröffnung: (v. l. n. r.) Oberbürgermeister Guido Till, Wolfgang­Schäff, Abt Johannes, Birgit Grupp, und ihre Partner Zlatko Iljazovic´ und Giovanni Giampa und WGG-Geschäftsführer Volker Kurz

D

as ist Lebensgefühl vom Hl. Berg

Bayerns vor Ort: In wenig mehr als zwei Jahren nach dem ersten Kon-

takt zwischen dem Göppinger Oberbürgermeister Guido Till und den Mönchen des

Klosters ist das neue Andechser Gasthaus mit seinem schlicht-eleganten Stil am ­

14. Oktober durch Abt Johannes Eckert ­und Oberbürgermeister Till eröffnet worden.

Alle acht Sorten der Andechser Klosterbiere kann man hier nun genießen. Historische

Aufnahmen, Krüge und Werbemittel aus

der Klosterbrauerei verströmen Andechser

Atmosphäre, ohne aufdringlich ­ zu wirken.

und für Tagungen oder private Feiern ge-

wieder belebter ist. Nicht zuletzt durch

den Biergarten, der das »Andechser Ge-

ERFAHRENE GASTRONOMEN MIT REGIONALER VERWUR ZELUNG

nutzt werden kann. Im dritten Stock befin-

Mit Birgit Grupp und ihren Geschäftspart-

technik und Toilettenanlage sind barriere-

pa konnten WGG und Klosterbrauerei An-

einem Aufzug erreichen Gäste und Service

Andechsers, der schon fast 2.000 Freun-

men für den Betrieb des Vorzeigeobjektes

Andechser in Göppingen durch die Firma

ter Start«, »Endlich, darauf hat ganz

rige gastronomische Erfahrung und sind

die Klosterbrauerei eine jahrzehntelange

Göppingen gebraucht«, »Hat mir heute

nern Zlatko Iljazović und Giovanni Giam-

dechs renommierte Stuttgarter Gastrono-

gewinnen. Alle drei verfügen über langjähregional fest verwurzelt.

Unter Wahrung der denkmalgeschütz-

ten Fassade ist im Erdgeschoss eine ge-

mütliche Bierschwemme entstanden, im

den sich Büros und Personalräume. Hausfrei im Untergeschoss platziert. Und mit

bequem alle Stockwerke. Beliefert wird der

Getränke Heidle aus Göppingen, mit der

Partnerschaft verbindet. Inhaberfamilie

Tonn identifiziert sich voll mit den klösterlichen Bieren aus Andechs.

In den ersten Wochen seit der Eröff-

ersten Obergeschoss lädt eine gepflegte

nung haben die Göppinger »ihren Andech-

Stock befindet sich eine weitere Gaststube,

men. Viele freuen sich, dass mit der Er-

Gaststube zum Verweilen ein. Im zweiten

die bei Bedarf in zwei kleine Räume geteilt

ser« freundlich und fest in Besitz genom-

öffnung des Andechsers der Schillerplatz

fühl« an den letzten warmen Herbsttagen

hat live erleben lassen. Die Rückmeldun-

gen vieler Gäste auf der Facebook-Seite des de aufweist, sprechen für sich: »Perfek­Göppingen gewartet«, »Super. Das hat

sehr gut gefallen, Essen war sehr lecker

und das Bier top«. Weiter so... so ein Lokal

hat in Göppingen gefehlt. Gratulation!«.

Und es fehlt auch nicht an freundlichen

Hinweisen, wie Homepage und Speisekarte noch weiter perfektioniert werden können. Das zeigt, wie sehr die Gäste schon mit ihrem Wirtshaus verbunden sind.

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bergecho 3 . 2016

|  gastlichkeit

VOLLE S HAUS BEI DER GÖPPINGER MUSIKNACHT Diese Verbundenheit ließ sich auch bei der ersten Teilnahme des Andechsers an der Göppinger Musiknacht am 5. November

erleben. Das Wirthaus am Schillerplatz

war einer von 24 Orten in der Stadt mit

Livemusik. Ab 21 Uhr spielten »Schmidt

& Schneider« im Andechser auf. Stilvoll,

charmant und vielseitig haben sie den An-

dechser mit Swing, Bossa Nova und Klassikern des Pop und Soul oder Discobeats

zum Beben gebracht. Auch hier: ein volles

Haus, viele zufriedene Gäste und Gastge-

ber, die sich schon auf die nächsten Veran-

staltungen freuen. Denn auch für private

Feiern bietet der Andechser im zweiten

Obergeschoss Platz, und Birgit Grupp und

ihr Team sorgen dafür, dass die Feierlich-

Der Moment der Eröffnung: Oberbürgermeister Till, Abt Johannes und Birgit Grupp (v.l.n.r.)

ANDECHSER GA STLICHKEIT HAT IN GÖPPINGEN EINE L ANGE TR ADITION

kenntnissen verdanken wir das Wissen

keiten im Andechser unvergessen bleiben.

Schon einmal gab es in Göppingen eine

Gaststätte mit einem Ausschank der klös-

terlichen Biere vom Heiligen Berg Bayerns.

Der »Andechser Klosterbräu« stand in der

Marktstraße / Ecke Spitalstraße.

Seine Anfänge reichen noch viel wei-

ter zurück: über 180 Jahre. Ende der 1980er

Jahre hat der damalige Redakteur der Neu-

en Württembergischen Zeitung, Hermann

Rumpp, mit viel Liebe zum Detail recher-

chiert und dafür auch alte Werbeanzeigen

KO N TA K T Der Andechser in Göppingen Schillerplatz 6 73033 Göppingen Tel.: 07161/9197990 Fax: 07161/9197991 info@andechser-goeppingen.de www.andechser-goeppingen.de Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 10 – 24 Uhr durchgehend warme Küche bis 22 Uhr Freitag und Samstag 10 – 1 Uhr durchgehend warme Küche bis 23 Uhr Sonntag und Feiertage 10 – 23 Uhr durchgehend warme Küche bis 21 Uhr

ausgewertet. Insbesondere seinen Er-

Er benannte die Wirtschaft nun in »An-

um den »alten Andechser«.

hatte der Bierausschank den Ausschank

chenblatt« zum ersten Mal schriftlich ein

Das beliebte dunkle Andechser Bier wurde

1834 wurde in einer Anzeige im »Wo-

Ausschank an diesem Platz in Göppin-

gen erwähnt. Der Bäckermeister Gottlieb

dechser Klosterbräu« um. Spätestens jetzt

von Wein und Most hinter sich gelassen.

auch über die Straße verkauft.

Kuhn machte darin »einem verehrlichen

DA S »ORIGINAL- KLOSTERBIER ­ A M PL ATZE«

gebenste Anzeige, dass er durch den Tod

In Werbeanzeigen von Eugen Büchsen-

ein eigenes Geschäft angefangen habe«.

ginal-Klosterbier am Platze« ausschen-

wirtschaft mit Namen »Sachlesbeck« der

gen Berg besonders wichtig war, scheint

denn Bäckermeister Kuhn legte Wert auf

Bei dem Bier handelte es sich um den

Publikum in und außer der Stadt die er-

seiner Mutter sein Haus übernommen und

Noch stand zu dieser Zeit in der Bäcker-

Ausschank von Weinen im Vordergrund,

stein ist zu lesen, dass er allein das »Ori-

ke. Dass ihm die Verbindung zum Heiliauch in anderen Anzeigentexten durch.

die Feststellung, dass er »mit alten und

»Spezial­ausschank des vollmundigen

ganz gut und billig assortirt ist, die Maas

Auch das Küchenangebot ließ der Wirt

neuen Rems und Neckarthaler Weinen

von 16 kr bis zu 32 kr.«

Mehrfach wechselte das Haus in den

kommenden Jahrzehnten den Besitzer. Bä-

­Qualitätsbieres aus dem Kloster Andechs«.

ganz offensichtlich erweitern, denn in

anderen Anzeigen warb er um »Abonnenten für den Mittagstisch«, wie Hermann

cker und Metzgerei waren Eigentümer des

Rumpp berichtet.

der Gastlichkeit des Hauses weiter.

­Eugens Witwe Friederike Büchsenstein

EUGEN BÜCHSENSTEIN – ANDECHSER PIONIER IN GÖPPINGEN

heute erzählt man sich, wie gemütlich es

Schließlich erwarb 1929 Eugen Büchsen-

genoß einen ausgezeichneten Ruf. Liebha-

kellner im benachbarten »Apostel« gewe-

Kosten und freuten sich immer »an einem

eigene Gastronomie zu führen.

auf dem Tisch stand«. 1957 schloss der

»Sachlesbeck« und pflegten die Tradition

stein die Wirtschaft. Er war zuvor Ober-

sen und nutzte nun die Gelegenheit, eine

Die Gaststätte wurde später von

übernommen und bis in die zweite Hälf-

te der fünfziger Jahre weiter geführt. Bis

im alten Andechser war. Auch die Küche

ber eines gepflegten Bieres kamen auf ihre

Strauß knuspriger Bierstängel, der immer­


bergecho 3 . 2016  |

oben links Gekonnt das erste Fass angestochen: Alexander Reiss, Betriebsleiter der Brauerei (l.) unten rechts Netzwerker: Pater Valentin mit Helge Thiele, dem Redaktionschef der Neuen Württem­bergischen Zeitung »Andechser Klosterbräu« und im gleichen

Jahr eröffnete die Hirschapotheke. Nichts erinnert heute mehr an das historische

Gebäude, denn es musste 1999 einem Neubau weichen.

DER NEUE ANDECHSER An diese Tradition der »Andechser Gast-

lichkeit« in Göppingen knüpft nun »Der

Andechser« am Schillerplatz an. Birgit­ ­Grupp, Giovanni Giampa und Zlatko

Iljazović sowie das gesamte Andechser-

Team heißen herzlich willkommen.

Freundlicher Service, bayerische und

schwä­bische Köstlichkeiten sowie Andech-

ser Bierspezialitäten in einer urgemüt­

lichen Atmosphäre erwarten den Gast und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in

.

diesem besonderen Gasthaus sind immer

willkommen. 

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bergecho 3 . 2016

|  gastlichkeit

Losschlemmen »paul’s küche.bar.greisslerei« in Linz

Mit »paul’s küche.bar.greisslerei« direkt vor der beeindruckenden Kulisse des Mariendomes in Linz ist den Gastronomen ein großer und unangepasster gastrono­ mischer Wurf gelungen. E­ gal ob mittags oder abends – hier pulsiert das Leben. Paul Gürtler­ und Eduard Altendorfer über ihr ­gelungenes gastrono­misches Experi­ment.

In »paul’s küche. bar.greisslerei« pulsiert das Leben: Inhaber Paul Gürtler mit Serviceleiter Michael Hanisch und Markus Reitinger von der Stiftsbrauerei Schlägl (v.r.n.l.)

H

ereinspaziert und herzlich will-

kommen in einer absoluten Wohl-

fühl-Location von Linz. Bei uns ist

es vielleicht ein wenig lauter, bunter und

In lässig-entspannten Räumen im

Shabby Chic und Vintage Design wird

im paul’s erfrischende Kulinarik ohne

Schnickschnack, aber auf hohem hand-

lässiger als anderswo, dafür gibt‘s auch

werklichem Niveau serviert. Groß ge-

l­osgeschlemmt!

ge Regionalität: die Steaks kommen vom

mehr Spaß! Weg mit der Krawatte und

Wir lieben laute Tischgespräche und

schrieben wird besonders die hochwerti-

­Anton Riepl aus Gallneukirchen und vom

herzhaftes Lachen – gute Laune ist anste-

Wagyuhof im Mostviertel und sind bis

nachbarn eine Pommes gemopst, von der

Auf der Karte finden sich über 30 Hopfen-

ckend. Bei uns wird schon mal dem Tisch-

Freundin ein Löffel der Nachspeise ergattert und natürlich geteilt, verkostet und experimentiert.

zum Bauernhof nachvollziehbar. ­

Highlights aus aller Welt. Ein spezieller Schwerpunkt liegt dabei auf den tren-

digen Craft-Bieren, die sich nicht am


bergecho 3 . 2016  |

Massengeschmack ­orientieren, sondern sich durch wertvolle Rohstoffe, individuelle Brauverfahren, Vielfalt, Stil und Charakter auszeichnen. Und dazu gehört auch das

­Andechser Weißbier Hell und das alkoholfreie Weißbier.

AUCH MIT TAGS EINE WUCHT Auch mittags ist das paul’s gefragt: die­beliebte »Lunchbox« (Suppe, Salat, Haupt­speise, Dessert und Smoothie

gibt’s unter 10 Euro) tischt feinste regionale Köstlich­

keiten auf, die man anderswo vergeblich sucht. Ebenfalls

nicht von schlechten ­Eltern: das mittägliche »all natural«

­Burgermenü, ebenfalls unter 10 Euro. Und abends? ­

Da steppt in paul’s Bar der Bär – am Wochenende sogar bis drei Uhr früh. Fair trade, Regionalität, Nachhaltigkeit &

.

Bio sind uns wichtig. Handcrafted ist unser Motto und ­ der Preis ist es uns wert. 

KO N TA K T

paul’s küche.bar.greisslerei Herrenstr. 36, 4020 Linz Tel. +43(0)732783338 www.pauls-linz.at Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 10.30 – 1 Uhr Samstag 14 – 3 Uhr Sonn- und Feiertag: geschlossen

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Wir kennen unsere Region und ihre Stärken. Daher übernehmen wir Verantwortung und engagieren uns regional. Damit sichern wir aktiv die Entwicklung und Zukunft unserer Region und das schon seit über 120 Jahren.

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bergecho 3 . 2016

|  gastlichkeit

Beste ›Begleitung‹ für einen Eierkuchen Drei »Eierkuchen-Paradiese« in Bonn, Hennef und Sankt Augustin

S

eit 2007 werden im denkmalge-

schützten Bauernhaus »Lindenhof«

an der Bonner Straße über 50 ver-

schiedene Eierkuchen und viele rustikale

Kartoffelgerichte angeboten. Das Haus,

die Einrichtung und die Speisekarte sind

aufeinander abgestimmt, so dass die Er-

wartung der zahlreichen Gäste nicht ent-

unbequemen Holzbänken sitzt, vor denen

noch teilweise die alten Schultische aus

Zeiten stehen, als hier noch eine Landwirtschafts-Schule untergebracht war.

Im schönsten Jugendstil sind noch viele

Elemente erhalten und restauriert. Die

große Wandtafel erinnert, jetzt mit allerhand »Neuigkeiten« aktuell beschrieben, unübersehbar an diese Schulzeit und so

auch das Bonner Eierkuchen Paradies ge-

tungsverhältnis angeboten. Und die beste

in Sachen­Kunst und Essen. Die großfor-

ßen ein.

Überraschung – das Andechser Klosterbier

die Wände fast lückenlos bedeckt sind, ge-

täuscht wird. Hier wird beste, hausge-

machte Qualität in einem fairen Preis-Leis-

Begleitung zu einem Eierkuchen ist – eine vom Faß, das im Eierkuchenparadies als

fühlt sich der Gast ein wenig als Schüler

matigen, modernen Ölbilder, von denen

Und im kommenden Frühjahr wird

bei schönem Wetter Helles, Dunkles und

ben immer wieder zu Diskussionen Anlass.

Weißbier auch wieder im großen Biergar-

kaum auf den kleinen Holztischen Platz

saisonale Angebote werden immer aktuell

Weißbier Hell, Export Dunkel oder Spezial

Über 50 verschiedenen Eierkuchen, die

HENNEFER EIERKUCHEN PAR ADIE S

lautes »Ahhh« und »Ohhh«. Wenn am

Hell angeboten wird.

öffnet und lädt zum Verweilen und Genie-

ten besonders gut schmecken. Frische und

finden, entlocken dem Gast oft ein recht

auf der großen Wandtafel, der Webseite

Ein besonderer Höhpunkt ist das Henne-

Abend die über 40 Wachskerzen ihr wei-

Eine Reservierung ist auf jeden Fall emp-

man hier persönlich von der Familie Krä-

walzer erklingt, ist es keine Seltenheit,

damit der Aufenthalt im Paradies zu ei-

findet.

fer Eierkuchen Paradies. Begrüßt wird

mer, die sich immer was einfallen lässt, nem angenehmen, kulinarischen Erleb­

nis wird. Nicht zuletzt an der Atmo­sphäre des über 100jährigen Hauses liegt es, dass

man erstaunlich lange auf den engen,

ches Licht verstreuen und noch der Donau­ dass so mancher Gast keinen Platz mehr

oder auf Facebook und Twitter empfohlen. fehlenswert. Die Eierkuchen-Paradiese

sind inzwischen kein Geheim-Tipp mehr.

.

Aber auch größere Gesellschaften finden hier einen idealen Platz für ihre Feier. 

BONNER EIERKUCHEN PAR ADIE S Inzwischen hat das Eierkuchen-Paradies

Nachwuchs bekommen. Seit Mai 2016 hat

KO N TA K T Sankt Augustiner Eierkuchen Paradies Bonner Str. 83 53757 Sankt Augustin Täglich: 12 bis 23 Uhr Bonner Eierkuchen Paradies Endenicher Str. 268 53121 Bonn Täglich: 12 bis 23 Uhr Hennefer Eierkuchen Paradies Bahnhofstr. 42 53773 Hennef Täglich: 12 bis 23 Uhr www.eierkuchen-paradies.de


bergecho 3 . 2016  |

Klosterstube in Camp-Bornhofen In der Klosterstube vom Hotel Landhaus Sonnenhang traf sich eine fröh­liche Stammgastrunde zur ­Verkostung unseres alkohol­ freien Weissbieres

KO N TA K T

(v.l.n.r.) Petra Hönes; Opernsänger ­Günter Schneider; Thomas Bungert, Verbands­ bürgermeister von Oberwesel; Frank Kalkofen, Bürgermeister Kamp-Bornhofen; Gerd Brengmann; Schlosshotelbesitzer Gerd Ripp; dahinter: Franz Josef und Erika Weber, Besitzer des Hotels Landhaus Sonnenhang/Klosterstube

Restaurant Klosterstube & ­ Landhaus Sonnenhang Burgenstraße 14 56341 Kamp-Bornhofen Tel.: 06773/915276 www.kapelle.de

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bergecho 3 . 2016

|  veranstaltungen

Colloquium

Auszug aus dem aktuellen Programm von Dezember 2016 bis April 2017

COLLOQUIUM BENEDIC TINUM ▪▪

»Provokation Wüste«

Die Wüste spielt in der jüdisch-christli-

Dienstag, 28. März 2017, 20 Uhr

Piemont zu einer bedeutenden Region des

über den Sinn der Stille gemäß den

Referent: Richard K. Blasy, Fotopublizist

Wo die Wüste erblüht – Kartäusermönchen

chen Tradition als spiritueller Ort eine

P. Dr. Bruno Rieder OSB, Abtei Disen-

sich Menschen in die Einsamkeit zurück-

Dienstag, 4. April 2017, 20 Uhr

bedeutende Rolle. Immer wieder haben

gezogen, um dort Gott zu suchen und zu

tis, Schweiz

Dienstag, 14. März 2017, 20 Uhr

▪▪ Barock im Piemont – Architektur

führt – erprobt – beschenkt

Die Vorbilder der römischen Barockbauten

Dienstag, 21. März 2017, 20 Uhr

Dämonenkampf – Heilung der Seele auf der Grundlage der Wüstenväter

P. Dr. Anselm Grün OSB, Abtei Münsterschwarzach

ne, Michaela Costanzo, Benedetto Alfieri,

▪▪ Frankreichs große Kathedralen –

Leipzig

Referent: Dr. Josef Steiner

Nachfolge und Spätphase mit B. A. Vitto-

Evangelium (Charles de Foucauld),

Colloquium Benedictinum wollen sich der

Vierzig Jahre Wüstenwanderung: Ge-

Mittwoch, 14. Dezember 2016, 20 Uhr

Francesco Gallo u. a.

Dr. Andreas Knapp, Kleine Brüder vom

»Provokation Wüste« stellen.

für Architektur und Kunstgeschichte

Hinter den Dünen der Brunnen

sich selbst zu finden. Letztlich entstand

so auch das Mönchtum. Die Vorträge des

italienischen Barock werden ließ.

und Baudekoration des 17. und 18 Jh.

Berninis und Borrominis fanden im Piemont ihre eigenständige und zukunfts-

trächtige Weiterentwicklung.

Die Kirchen- und Palastbauten des Thea­ tinerpaters Guarino Guarini wie auch

dessen theoretische Schriften lösten ei-

ne Architektur-Entwicklung aus, die das

Gipfelwerke der Baukunst im Zeitalter

der Gotik

Durch die Verbindung von baukünstleri-

scher Schönheit, konstruktiver Kühnheit und theologischer Symbolik gehören die

großen Kathedralen Frankreichs zu den erhabensten Schöpfungen in der Baukunst Europas. Und deren Entwicklung hatte

Wesentliches zur Voraussetzung: die un-

eingeschränkte Herrschaft des Königs, zu dessen Symbol die Kathedrale schlecht-

hin wurde, die Bedeutung der Pariser


bergecho 3 . 2016  |

Universität im 12. Jh. und die hohe Wirt-

KONZERTE

stehungslandschaft des gotischen Baustils.

▪▪ Weihnachtskonzert

schaftskraft der Ille-de-France als der Ent-

Referent: Richard K. Blasy, Fotopublizist für Architektur und Kunstgeschichte

Sonntag, 18.Dezember 2016, 16 Uhr,

Sonntag, 26. März 2017, 16.30 Uhr,

Basilika St. Bonifaz

Variationen und Fuge über ein Original­

Pachelbel, u. a.

Tobias Skuban, Erläuterung und Orgel

Werke von Bach, Stamitz, Corelli, Vivaldi,

Mittwoch, 15. Februar 2017, 20 Uhr

Jugend-Orchester St. Bonifaz

Bourges, Reims, Amiens, Beauvais

(1873-1916)

Basilika St. Bonifaz

Mittwoch, 18. Januar 2017, 20 Uhr

Laon, Paris, Soissons, Chartes

▪▪ Gesprächskonzert: Max Reger

Leitung: Johannes Zahlten

thema fis-Moll, op. 73

Eintritt: 10,- Euro

Eintritt: frei (Wir sind dankbar für Ihre

I N F O R M AT I O N

mäler im Friaul

▪▪ Konzert zum Abschluss

chen Reiz aus dem Nebeneinander von

Freitag, 6. Januar 2017, 16.30 Uhr, ­

Alle Veranstaltungen, wenn nicht anders angegeben, finden im Zentrum Sankt Bonifaz, Karlstr. 34, statt. Der Eintritt ist frei, sofern keine Angaben gemacht werden.

relief aus Moränenfeldern, die von der dra-

Motetten und Orgelwerke von Hans Leo

Julischen Alpen hinterfangen und den

an Bach, Josef Gabriel Rheinberger, u. a.

▪▪ Zwischen Alpen und Adria – Land-

schaften, Stadtbilder und Kunstdenk-

Das Friaul gewinnt seinen landschaftliKüsten- und Flachzonen und dem Hügel-

matischen Felskulisse der Karnischen und

Spenden!)

der Weihnachtszeit

Basilika St. Bonifaz

Hassler, Orlando di Lasso, Johann Sebasti-

Flüssen Isonzo und Tagliamento durch-

Vocalsolisten St. Bonifaz

Monumente, die an die bewegte Geschich-

Eintritt: frei (Wir sind dankbar für Ihre

zogen werden. Hier begegnen Städte und

te des Friaul zwischen römischer Antike und Neuzeit und dessen lebendige und

lange Kunsttradition erinnern, die vielfältige Einflüsse aus Italien und dem Raum

nördlich der Alpen aufnahm und mitein-

ander verband.

Referent: Richard K. Blasy, Fotopublizist für Architektur und Kunstgeschichte

Mittwoch, 15. März 2017, 20 Uhr

Triest, die Hauptstadt der Region – Architektur und Stadtbau zwischen römischer

Antike und Klassizismus

▪▪ Qi-Gong »Ruhe in der Bewegung – Bewegung in der Ruhe«

Montag, 9. Januar bis 3. April 2017, 20 bis 21 Uhr (12 Einheiten)

Leitung: Oskar Brandner, Tel. 089/3243120, Gebühr: 96,– Euro

▪▪ Meditationstag »Das Herz ist von Natur aus ruhig«

Samstag, 11. Februar 2017, 9 bis 17 Uhr

Leitung: Oskar Brandner, Tel. 089/3243120, Gebühr: 25,– Euro

Martin Fleckenstein, Orgel Spenden!)

Anmeldung Benediktinerabtei St. Bonifaz Karlstr. 34, 80333 München Tel.: 089/55171-112 Fax: 089/55171-103 colloquium@sankt-bonifaz.de www.sankt-bonifaz.de

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bergecho 3 . 2016

|  veranstaltungen

Andechser Exerzitien für Manager Geistlicher Übungsweg für Menschen mit Führungsverantwortung

Die Andechser Exerzitien für Manager bieten beruflich stark engagierten Führungskräften durch einen intensiven Mitvoll­ zug des benediktinischen Lebens­ rhythmus die Gelegenheit, zu sich selbst zu kommen und in Ruhe über sich nachzudenken. Abt Johannes Eckert leitet die Exerzitien in Andechs. I N F O R M AT I O N termine 1. bis 5. März 2017 22. November bis 26. November 2017 anmeldung und information Kloster Andechs, Tagungsmanagement, Elke Zeitler Tel.: +49 (0)8152/376-279 Fax: +49 (0)8152/376-239 seminare@andechs.de www.andechs.de

D

ie Andechser Exerzitien verstehen sich als geistlicher Übungsweg.

Die Teilnehmer sind während der

Exerzitien Gäste in der Klausur des Klos-

ters. Daher können an den Exerzitien nur

Männer teilnehmen.

Die Arbeitseinheiten der Andechser Ex-

erzitien leiten dazu an, die eigene Situation als Führungskraft genauer zu betrach-

ten. Anhand von ausgewählten Beispielen

aus der Bibel werden Führungssituationen reflektiert und auf die eigene Lebens- und

Unternehmenssituation übertragen.

Im Mittelpunkt dieser Exerzitien steht

die bewusste Lektüre der Benediktsregel.

Gespräche, Texte und Meditationen geben

Anregung und Anleitung für eine ganz

persönliche Besinnung und Neuorientie-

rung. Sie möchten Bausteine auf dem Weg zu einer integrierten Lebensgestaltung

und Mitarbeiterführung sein. So können

die Teilnehmer Hilfen für eine konkrete

.

(Um-)Gestaltung des eigenen Lebens und

Arbeitens gewinnen. 

»In größeren Gemein-

schaften gebe man [dem

Cellerar]­Helfer. Mit ihrer

Unterstützung kann er das ihm anvertraute Amt mit innerer Ruhe verwalten.

Zur bestimmten Stunde

werde gegeben, was zu ge-

ben ist, und erbeten, was zu erbitten ist. Denn niemand

soll verwirrt und traurig

werden im Hause Gottes.«

AUS DER BENEDIKTSREGEL IM 31. KAPITEL ÜBER DEN WIRTSCHAFTS­L EITER EINES KLOSTERS


bergecho 3 . 2016  |

6. Andechs–Trail am 22. April 2017 Fixpunkt im Bayerischen Laufkalender wieder gefragt

Der Andechs Trail rund um den Heiligen Berg Bayerns wird 2017 zum 6. Mal veranstaltet. Schon jetzt häufen sich die Anfragen, wann die Meldelisten wieder ­geöffnet werden. Die Andechser Trail-Freunde müssen sich noch ein wenig gedulden, weiß Mit­ organisator Peter Cabell.

»DA S GE SA MTPAKET STIMMT«

Z

uletzt mit Rekordbeteiligung fiel

Mitte April 2016 der Startschuss auf

dem Klosterparkplatz zum Andechs

Trail. Mittlerweile hat sich der Lauf schon

Der besondere Charakter der Strecke über

Stock und Stein, mal bergauf, mal bergab,

lockt nicht nur Trailrunning-Spezialisten

an. Auch viele naturbegeisterte Läufer haben sich in den vergangenen Jahren unter

die Teilnehmern gemischt, die sich an das

Anspruchsvoller Sport,

schöne Landschaft und

geselliges Beisammensein im Bräustüberl

Laufen im anspruchsvollen Gelände her-

einfach. Anspruchsvoller Sport in einer

einmal »freien Lauf« lassen wollen. Bei-

gesellige Beisammensein im Andechser

was Passendes. Für die Experten eine doch

lässt der Sportler noch wissen, dass das

ter Länge, die in der Vergangenheit auch

Weißbier – nach den Strapazen des Laufes

antasten und ihrer Begeisterung einfach den Gruppen bietet der Andechs Trail et-

sehr anspruchsvolle Strecke von 15 KilomeSpitzenathleten wie deutsche und öster-

reichische Berglaufmeister angelockt hat.

schönen Landschaft und am Schluss das

Bräustüberl«. Hinter vorgehaltener Hand Bier – auch und besonders das alkoholfreie besonders gut schmeckt.

zu einem festen Termin im Bayerischen

Als zweites eine 8 km Strecke, die durch

TREUE SPONSOREN

ten für 2017 werden aber frühestens nach

bewältigen ist.

ten Sponsoren dem Andechs Trail treu.

Laufkalender entwickelt. Die Meldelis-

Weihnachten, wahrscheinlich sogar erst

im neuen Jahr geöffnet, um eine größere zeitliche Nähe zum eigentlichen Wett-

kampftermin im April sicherzustellen.

jeden Trailrunning-Einsteiger auch gut zu

Auch 2017 dieses Jahr bleiben die bekann-

Am 22. April 2017 ist dann wieder so-

Andreas Hirschberger, Stefan Paternoster

weit und der Startschuss fällt zum 6. Mal.

und Peter Cabell vom Organisationsteam

Wir freuen uns sehr, dass weit über die

möchten sich jetzt schon ganz herzlich bei

Trail im Jahr 2012 immer wiedergekom-

Bank, Xenofit, Feinkost Kahn und der An-

Hälfte der Läufer seit dem ersten Andechsmen sind. Auf die Frage nach dem »Wa-

rum« bekommen wir häufig als Antwort zu hören: »Das Gesamtpaket stimmt

der Klosterbrauerei Andechs, Scott, der VR dechser Kaffeerösterei ­bedanken. 

.

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bergecho 3 . 2016

|  panorama

In einem Rutsch über den Hl. Berg

Kinder- und Familientag in Andechs am 3. Oktober

Das Wetter hielt. Wieder ein­ mal. Wenn die Andechser Mön­ che am Tag der Deutschen Ein­ heit zum Kinder- und Familientag einladen, dann mag man meinen, dass es eine Garantie für schönes Frühherbst-Wetter gibt. Oder es ist einfach: Segen. Über achttau­ send Besucher kamen heuer auf den Heiligen Berg. Die mobile Seilbahn hatte wieder in Andechs festgemacht und nicht nur den Kleinsten war sie geduldiges War­ ten wert.

G

ut geschützt mit Gurt und Helm,

aber mit viel Schwung ging es für Hunderte von Mädels und Buben

mit der mobilen Seilbahn einen Teil des

Heiligen Berges hinab, bis sie auf einem

großen Berg von aufgeschichteten Heu-

ballen sicher in den Armen eines Mitar-

beiters vom Hochseilgarten Ammersee in

Utting landeten, die die Station betreuten.

Für sie hieß es fast sieben Stunden lang

im Akkord Sicherheitsgurte anpassen und

festzurren, die richtige Helmgröße für den

Kinderkopf finden, den Weg zum Start-

punkt zeigen und die Ankommenden si-

cher in Empfang zu nehmen.

Auf der Maibaumwiese unterhalb des

Bräustüberls brummte und summte es wie in einem Bienenstock. Die – im Vergleich

Im Florian-Stadl beeindruckten die

zum letzten Jahr – wieder größer gewor-

Kinder-Trachtengruppen aus der Region

»Gart´ln« war aber auch in diesem Jahr

ten viele Zuschauer den Tänzern und Mu-

dene Hüpfburg wirkte wie ein Magnet.

wieder sehr gefragt, und so wurden viele kleine

Kräuterpflanzen in Töp-

fe gesetzt, behutsam mit

Erde gefüllt und angegossen. Der neu in Hochbee-

ten angelegte Kräutergar-

Über den ganzen Berg

schob sich eine vielstim-

mige, gut gelaunte Schar

von Eltern und Kinder

ten passte dazu ganz her-

vorragend – nicht nur als Kulisse, sondern

auch als Informationsbasis. Viele Väter

und Mütter nutzten die bereitgelegten Fe-

derballspiele für ein kleines Duell mit ih-

rem Nachwuchs.

mit ihrem Auftritten. Großen Beifall zollsikanten. Pater Valentin

fühlte sich in seiner Rol-

le als Moderator sichtlich

wohl und hob hervor, wie

wichtig und schön es ist zu erleben, dass Singen und

Tanzen in Tracht eine Menge Freude bereitet.

Über den ganzen Berg schob sich ei-

ne große, gut gelaunte Menge von Eltern,

Kinder, Großeltern samt Freunden und Be-

kannten. Abt Johannes war mit Kindern

und Jugendlichen in der Wallfahrtskirche

auf Entdeckungsreise. Sul Bi Yi, die neue


bergecho 3 . 2016  |

Kirchenmusikerin an der Wallfahrtskir-

che, erklärte gerne und oft vielen jungen

und jungebliebenen Gästen, wie eine Or-

gel schließlich dazu kommt, Töne von sich zu geben. Am kleinen Weiher übten sich

Jungen und Mädchen unter Anleitung von Jakob Schetterer und seinem Team im Angeln. Dabei präsentierte Jakob Schetterer in diesem Jahr auch einen ausgewachsenen Krebs.

Richtig austoben konnten sich die

Mutigen beim Tragelklettern unterhalb

des Klosterladens. Schon seit Jahren stellt

Landwirtschaftshof ebenso einen neuen und günstigeren Standort erhalten hat

wie die Heuballen-Burg. Karlchen, die

Miniaturdampflok, zog – samt ihrer elekt-

risch betriebenen Schwester – vor der Wallfahrtskirche über Stunden immer wieder

Paul Schilcher dazu einen historischen

ihre Runden. Viele Kinder – und auch der

Die Machtlfinger Feuerwehrjugend hat-

Fan – begeisterten sich für den kleinen

Feuerwehrleiterwagen zur Verfügung.

te das Kübelspritzen perfekt im Griff und

half selbst dann und wann aus, wenn Papa, Opa oder Onkel beim

Wasserpumpen für die

Kleinen nicht ganz nach-

kamen. Geschicklich-

keit und Konzentration war bei den Machtlfin-

ger Bogenschützen ge-

fragt. Mit großer Ruhe

brachten sie unzähligen

ein oder anderen erwachsenen Dampflok-

Rundkurs und stiegen zu.

Die Klostermetzgerei sorgte mit Grill-

Die Grundidee, Familien

am 3. Oktober bewusst im

Kloster Andechs in den

Mittel­punkt zu stellen, hat sich bewährt

Spezialitäten fürs leibli-

che Wohl ebenso wie das

Brotzeit-Eckl. Zugunsten

cher freuen. Sein Erlös ging wiederum an

Projekte der Missionsbenediktinerinnen von Tutzing.

Seinen Abschluss fand der Familientag

mit dem gemeinsamen Gottesdienst mit

Abt Johannes in der Andechser Wallfahrts-

verkauften Frater Em-

mit Abt Johannes noch einmal zusammen,

der Abtei Sankt Bonifaz

kirche. Hier trugen die Kinder gemeinsam

manuel und seine Helfer

was den Tag in Andechs für sie besonders

und informierten zu-

bar sind und wofür sie beten. Ein guter

wieder Pommes frites

gleich über das Engagement des Klosters

Treffer ins Schwarze der Stolz ins Gesucht

dechser Landfrauen verkauften im Pferde-

der vor dem Bungee-Trampolin, das im

dachlosenarbeit. Der Büchermarkt an der

geschrieben. Geduldig warteten die Kin-

kirche konnte sich über wieder viele Besu-

der Obdachlosenarbeit

Kindern die Grundbegriffe des Bogenschießens bei. Und manchem war nach einem

Alten Apotheke gegenüber der Wallfahrts-

für Menschen ohne Obdach. Auch die An-

stall Kaffee und Kuchen zugunsten der Ob-

wertvoll gemacht hat, wofür sie dankSchlußpunkt – nicht nur für Kinder. 

.

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bergecho 3 . 2016

|  panorama

Symposium mit der Kettensäge Kunst und Bier auf dem Heiligen Berg 2016

Zusammen mit der Georg Zentgraf-Stiftung und der ­Gemeinde Andechs war das Kloster erneut Gastgeber des Symposiums »Kunst und Bier«. Dafür wurden von einer J­ ury drei Künstler ausgewählt – ­ aus unterschiedlichsten Ecken Deutschlands und mit verschie­ densten Interpretationen ­ von Objekten aus Holz.

A

m 7. März 2016 fand die Jurysitzung

im Kloster Andechs statt. Dabei wurden aus den vielen Bewerbungen

drei Teilnehmer des diesjährigen Symposiums ausgewählt und bekannt gegeben.

Es ist immer ein besonderes Happening,

wenn drei Holzbildhauer den Heiligen Berg beziehen und mit der Kettensäge loslegen,

um ihre Entwürfe aus Holzstämmen zu re-

alisieren. Da wird es schon einmal laut auf

dem sonst eher ruhigen Klosterberg und die

Besucher schauen den Künstlern bei ihrer

Arbeit gerne mal über die Schultern.

Dieses Jahr waren die Auserwählten

Christian Heß aus Ullerting (Landkreis

Luise Matthes, in Gera geboren, ent-

­Rosenheim), Luise Matthes aus Kassel

warf den »Pfandsammler«. Ihn hat sie aus

­Zwickau).

malt. Der wohl knapp zwei Meter hohen

hatte sich das »Bierfuizlhaisla« ausgedacht.

van Dannen an die Seite, der zum Nach-

tigung am Sonntag in der Wirtschaft, wenn

ist es nie zu spät. Es wartet zwischen­Wirk-

und Silvio Ukat aus Glauchau (Landkreis Christian Heß, gebürtiger Nürnberger,

Schon als Kind war seine Lieblingsbeschäf-

einem Lärchenstamm gearbeitet und be-

Skulptur stellte sie einen Spruch von Funny

denken anregt: »Sie sagen, für das Glück

man aufs Essen ­gewartet hat, ein »Bier-

lichkeit und Realität. Das Geld liegt auf

Später wurden die Gebilde immer größer

wandte sich schon früh der Illustration,

der man von einem Gebäude sprechen kann

zu. Nach dem Abitur begann sie eine Aus-

filzhaisla« (Bier­deckelhäuschen) zu bauen. und komplexer, aber die Grundform, bei

und bei dem alle Elemente vorhanden sind,

ist die aus sieben Bierdeckeln. Das Objekt

hat er aus Eiche gefertigt und anschließend

der Straße, sooo große Haufen…«. Matthes­ Grafik und vor allem der Holzbildhauerei bildung an der Schnitzschule Empferts­

hausen und schloss diese 2011 mit der staat-

lichen Prüfung in Holzbildhauerei ab.­Im

bemalt. Das Endformat misst 190 x 160 x

gleichen Jahr erhielt sie bereits den 1. Platz

Bildenden Künste in München und besuch-

Handwerk der deutschen Handwerkskam-

100 cm. Heß studierte an der Akademie der te anschließend die Berufsfachschule für

Holzbildhauer in Bischofsheim.

im nationalen Wettbewerb für Exzellenz im mer. Seit 2011 studiert sie visuelle Kommu-

nikation in Kassel.


bergecho 3 . 2016  |

Fast 40 Jahre Bibliothekarin in Sankt Bonifaz Verabschiedung von Hildegard Brandauer

I

n kleiner Runde aber mit umso größerem Dank ver­

abschiedeten Frater Emmanuel, Pater Korbinian,

Altabt Odilo, Pater Stephan und Frater Wolfgang Ende

September die Bibliothekarin Hildegard Brandauer (Mitte)

Ein besonderer Dank an die Küche: Luise Matthes (l.), Christian Heß (2. v. r.) und Silvio Ukat über­ reichen Angela Hörer und Gabriele Kalteis (2. u. 3. v. l.) einen Rosenstock, der bleibt

in den Ruhestand.

Am 15. März 1977 trat sie ihre Halbtags-Stelle als Biblio-

thekarin in der Abtei Sankt Bonifaz an. So konnte sie sich

Silvio Ukat ist in Meerane bei Zwickau

geboren und hat sich einen »Bieranha« – abgeleitet von Bier und Piranha – ausge-

dacht und aus Holzstämmen gefertigt. Die Skulptur zeigt einen Fisch mit einer Bier-

auch um ihre Familie kümmern, die ihr noch heute sehr am Herzen liegt.

Nahezu vier Jahrzehnte hat sie mit dafür gesorgt, ­

dass die Stiftsbibliothek Sankt Bonifaz gerade im Blick

auf Literatur zum klösterlichen Leben im deutschsprachi-

gen Raum aktuell bleibt und damit den ursprünglichen

flasche im Maul. Ukat wollte mit seiner

Auftrag ihres Stifters König Ludwig I. erfüllen konnte.

wo der bierdurstige Piranha mit einer Bier-

die Stiftsbibliothekare aus den Reihen der klösterlichen

Skulptur genau den Moment festhalten,

flasche im Rachen an der Wasseroberflä-

che auftaucht. Der Künstler hat eine Lehre

als Holzbildhauer absolviert und 2001 mit

dem Gesellenbrief abgeschlossen. Seit 2005

­Ungezählte Publikationen hat Frau Brandauer erfasst, ­

Gemeinschaft tatkräftig unterstützt und Generationen von

Forschern und Studenten bei der Suche nach der passenden Literatur geholfen.

Wir wünschen Frau Brandauer Gottes Segen, Gesund-

ist er als freischaffender Bildhauer tätig

heit und alles erdenklich Gute für den neuen Lebensab-

ten im öffentlichen Raum einen Namen

­immer offen.  

und hat sich bereits mit vielfältigen Arbei-

gemacht. Seine Arbeiten stehen u. a. im

Meeraner Skulpturenpark, im Schloß Hin-

.

terglauchau oder im Weißensee Park in

Berlin. 

christian bolley

.

schnitt. Die Türen der Stiftsbibliothek bleiben für sie

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bergecho 3 . 2016

|  panorama

Brautradition und klösterliche Einsamkeit Betriebsausflug der Brauerei-Mitarbeiter nach Niederbayern

Alle zwei Jahre machen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klosterbrauerei im Rahmen eines Betriebsausfluges gemein­ sam auf den Weg. Der Personal­ rat hatte als Ziel dieser herbstli­ chen Fahrt die Brauerei in Abens­ berg und das Kloster Weltenburg an der Donau ausgesucht.

A

m Freitag, den 14. Oktober, starte-

Friedensreich Hundertwasser. Der Wie-

wetter und gut gelaunt unsere Bus-

im Februar 2000 den »Kuchlbauer-Turm«

ten wir bei freundlichem Herbst-

fahrt in Richtung Holledau.

ner Künstler hat noch vor seinem Tod

entworfen. Die Fertigstellung des Turms

Unser erstes Ziel war die Brauerei zum

hat Hundertwasser allerdings nicht mehr

vom Kuchlbauer präsentiert sich in außer-

ter Pelikan war für die Ausführung der

Kuchlbauer in Abensberg. Die Bierwelt

gewöhnlicher Art und Weise. Die Brau-

rechte reichen dort bis ins 13. Jahrhundert zurück, so dass die Brauerei zu einer der

erlebt. Der österreichische Architekt Pe-

gesamten Anlage verantwortlich. Seine Handschrift zieht sich durch sämtliche

Räumlichkeiten der Brauerei. Circa eine

ältesten der Welt zählt. Nach der Ankunft

halbe Million Besucher kommen jährlich

bierspezialitäten mit Brezen und einem

Anschließend spazierte unsere Truppe

Klostermetzgerei Andechs. Anschließend

Kuchlbauer« am Stadtplatz, wo wir mit le-

durch die Brauerei geführt. Unser Führer

Traditionsgaststätte lädt in ihrem rustika-

zum Brauvorgang explizit die Verbin-

nal zum Verweilen ein.

gab es zur Stärkung die Kuchlbauer Weißmitgebrachten Wurstsortiment aus der

wurden wir sehr humorvoll und fundiert erklärte neben den technischen Details

dung zu dem österreichischen Künstler

zur Besichtigung nach Abensberg.

durch den Ort zum »Brauereigasthof zum

ckeren Schmankerl verköstigt wurden. Die

len Rahmen und mit freundlichem Perso-


bergecho 3 . 2016  |

Um 14 Uhr wartete unser Busfahrer be-

reits zur Weiterfahrt nach Kelheim an der

Donau. Mit Blick auf die Befreiungshal-

le, die König Ludwig I. zwischen 1842 und

Andechser Geschenkkorb, und die lieben

Grüße von unserem Abt Johannes, der uns bereits in Weltenburg angekündigt hat-

te. Abt Thomas führte uns durch die mit

dessen Absetzung 788 an Karl den Großen

gefallen sein.

Nach einer sehr bewegten Geschichte

und erheblichen Schwierigkeiten gelang

es König Ludwig I. von Bayern, wie im

1863 erbauen ließ, warteten wir auf unser

Weltenburger Marmor ausgestattete und

unsere Reise auf der Donau fort. Vorbei

des bayrischen Hochbarock von den Asam-

kularisierte Klöster wiederzubeleben. 1842

schmückung steht zwischen Barock und

aus das Kloster Weltenburg als selbststän-

Schiff. Mit Kaffee und Kuchen setzten wir

reich verzierte Kirche. Sie wurde im Stil

an der Einsiedelei Klösterl, umgeben von

Brüdern erbaut. Ihr Baustil und die Aus-

Donaudurchbruch – auch »Weltenburger

Rokoko, sie gilt als eine der schönsten Ab-

wiesenen Naturschutzgebiet, das bereits

Kloster Weltenburg wird erstmals fassbar

Felsen und Höhlen, ging es weiter zum

Enge« genannt. Sie liegt in einem ausgeseit 1840 als solches von König Ludwig I.

deklariert wurde.

Nach diesem Naturschauspiel erschien

die Benediktinerabtei Weltenburg am

teikirchen in Bayern.

in der Liste der fränkischen Reichsklöster von 817, sofern das darin genannte »Al-

temburc« mit Weltenburg gleichzusetzen

ist. Das Kloster könnte tatsächlich – wie

Konkordat von 1817 vorgesehen, einige sä-

wurde von der Benediktinerabtei Metten

diges Priorat wiedereröffnet, mit einer ansehnlichen Dotation für die Reparatur des

Klosters und den Rückkauf früherer Lie-

genschaften, darunter auch der Brauerei. Kurz nach 19.30 Uhr erreichten wir wohlbehalten und mit vielen neuen Eindrü-

cken den Parkplatz am Fuß des Heiligen

rechten Donauufer.

am Gewölbe des Altarraums der Kirche

Berges. Ein herzliches »Vergelts Gott« an

ganz rechts) empfing unsere Gruppe und

zog Tassilo III. gefördert worden und nach

licht hat, diesen unvergesslichen Ausflug

Abt Thomas M. Freihart (im Bild oben

freute sich über unser Mitbringsel, einen

abgebildet – durch den Agilolfingerher-

die Geschäftsleitung, die es uns ermögzu erleben. 

.

christian bolley

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bergecho 3 . 2016

|  panorama

Klosterfahrt zur Benediktiner-­ Erzabtei Sankt Peter in Salzburg Ein Ausflug des Freundeskreises Kloster Andechs am 11. Oktober 2016

A

m Brunnen und an der Statue des

Glaubens, einem ganzheitlichen Ansatz

der Wissenschaft mit der 120.000 Bände

traf sich die Gruppe wieder nach

die er hier gefunden hat. Er kommt aus

Sammlung, dem Musikalienarchiv, dem

hl. Petrus im Stiftshof der Erzabtei

dem gefälligen Gang vorbei am Salzburger

Dom, der Residenz, dem Kapitelplatz und

und sinnvoller Lebensweise zu uns sprach,

Pähl, legte am 31. Oktober 2015 die zeitli-

umfassenden Bibliothek, der Mineralien-

Institut für benediktinische Studien, dem

che Profess ab und studiert nun Katholi-

Kolleg St. Benedikt und dem Österreichi-

lichen Begräbnisstätte Salzburgs. Mäch-

Entlang des Kreuzgangs schließen sich

den, die Stiftsbäckerei, der Stiftskeller St.

Stiftskirche St. Peter am Stiftshof, verbun-

an. So ist der Kreuzgang der Öffentlichkeit

Johannes empfing die Gruppe und führte

Palmprozession und zur Fronleichnams­

Klosterleben vorbei am Romanischen Saal

Kreuz­­gangs führt der Weg zum Kapitel-

umfasst. Im Kreuzgang wird sichtbar: die-

in die altgotische Marienkapelle. Dort

dem Petersfriedhof, der ältesten christ-

tig erhebt sich der romanische Turm der

den mit den barocken Klostergebäuden. Fr. sie nach einem kurzen Filmvortrag zum

zum Kreuzgang, der einen großen Garten

ses Kloster ist das älteste benediktinische

Kloster im deutschsprachigen Raum und

wurde vom hl. Bischof Rupert 696 n.Chr.

gegründet. Die unterschiedlichen Säulen der Kreuzgangöffnungen, die marmor-

nen Bodenplatten der Stiftergräber, die

sche Theologie an der Universität Salzburg.

schen-Liturgischen Institut. Der Klosterla-

die verschiedenen Gebäude des Konvents

Peter, die Weingüter, der Mühlenbetrieb,

nur zugänglich bei Klosterführungen, zur

tigkeiten der Mönche, ihrer Mitarbeiter

Land- und Forstwirtschaft runden die Täund ihres Erzabtes Korbinian Birnbacher

prozession. Im nordöstlichen Teil des

ab. Da meinte Fr. Johannes treffend: »guad

saal mit der Schuldsäule und anschließend

lich die Struktur der Erzabtei darstellte.

beten­die Mönche morgens Vigil und Lau-

durch das Romanische Portal mit Tym-

­Vesper.

des Lebens. Kommt her, ihr, die ihr das

des, dann die Mittagshore und abends die Papst Pius XI. erhob 1927 das Stift St.

Peter, mit den gekreuzten Schlüsseln im

Wappen, zur Erzabtei. Sie widmet sich

is scho, aber übersichtlich«, als er ausführZur Stiftskirche St. Peter führt der Weg

panon und Turmhalle. »Ich bin das Tor

Heil – das Glück – sucht und tretet durch

mich ein«, ist die Inschrift des Portals. Ru-

he und Besinnung kehren ein.

Die dreischiffige romanische Basili-

ka, erbaut im 12.Jahrhundert, erhielt ihr heutiges Aussehen im Stil des 18. Jahr-

hunderts, dem Rokoko. Filigrane farbige

Stuckierung, Deckengemälde mit Szenen

aus dem Leben des hl. Petrus, Wandgemälde mit Szenen aus dem Leben Jesu, des hl.

Rupert, des hl. Benedikt, schmücken die

Kirche aus. Das Hochaltarbild mit der Ver-

ehrung Marias mit dem Kind, die Gemälde

an allen Seitenaltären und in den Seiten-

kapellen, sie alle bergen in sich Innehalten und Staunen, möchten die Botschaft des

Glaubens überbringen. Zweifelsohne ge-

hört dazu auch die geglückte Lichtführung Deckenkonstruktionen, verweisen auf die

in der Kirche.

Die herzliche Verabschiedung durch

verschiedenen Entstehungszeiten. Ein

Fr. Johannes, das Gespräch mit ihm, seine

Steinmauern eingefasst, 1.20 m tief, des-

werden allen Teilnehmern in Erinnerung

len geführt wird. Dieser Wasserlauf ist

nicht ausschließen. 

dert, und diente auch der Reinigung der

ameli erhard

Ruhe, des Lichts, der Natur lässt sich er-

Frater Johannes führt durch das Stift

Wasserlauf führt durch den Garten, mit

sen Wasser vom Königssee her durch Stolsehr alt, vermutlich aus dem 12. Jahrhun-

Altstadt durch Fluten. An diesem Ort der ahnen, warum Fr. Johannes vom Ort des

sehr interessante Führung durch das Stift,

.

bleiben, ein mögliches Wiederkommen


bergecho 3 . 2016  |

40 Jahre ›Platsch‹

Eine Jugendgruppe trifft sich nach 40 Jahren wieder in Andechs

Vier Jahrzehnte »Gruppenstunde«

Wie kommt es, dass eine Jugendgruppe sich 40 Jahre ganz regelmäßig trifft, zwei bis drei Mal im Jahr, und noch jede und jeder der Teilnehmer dann in den Terminkalender Gruppenstunde schreibt?

L

os ging alles am 13.10.1976 als kirch-

liche Jugendgruppe nach der Fir-

mung in St. Joseph, in München-

Schwabing, der langjährigen Kapuziner-

pfarrei. Der »harte Kern« machte und

macht bis heute 7-8 Personen aus, Andrea,

2x Claudia, 2x Wolfgang, Sigrid, Bern-

und ­P. ­Valentin hat uns in Andechs herz-

lich aufgenommen und betreut.

Im Gruppen-Tagebuch steht unter dem

8.12.1976 folgender Eintrag: »Kirchliche

Jugendgruppe sein, was bedeutet das für mich? Es kann bedeuten, auf der Suche

nach Gott zu bleiben, gemeinsame Erleb-

hard und Francesco. Die Gruppenleiterin

nisse als positiv zu erfahren, Gesprächs-

Theologie und Französisch studierte und

wie das Austragen von Konflikten, persön-

war die damals 19jährige Friederike, die

führung und Zuhören zu lernen, genauso

geistlicher Betreuer war der Kapuziner-

liche Probleme können besprochen wer-

entstand der Gruppenname »Platsch« und

gefunden werden.«

wurde in diesen Gruppenstunden viel über

ren gemeinsam angegangen werden kön-

pater Wolfgang Eggerbauer. Schon bald

alle wollten Gruppen-T-Shirts haben, es

»Gott und die Welt« gesprochen, genau-

so wie gespielt und gesungen, es wurden

Filme angeschaut und gebastelt, gemalt, gemeinsame Quiz erraten, Sketche ge-

spielt. Der erste Gruppenausflug mit Über-

nachtung war dann am 17. und 18.6.1977

nach Andechs und so haben sich nun alle

zum Gruppenjubiläum eine Wiederholung

dieses Gruppenausfluges zum Heiligen

Berg gewünscht, auch wenn Sigrid und

Francesco leider nicht dabei sein konn-

ten. Claudia hat sogar den Weg über den

großen Teich aus Washington nicht ge-

scheut, P. Wolfgang kam aus Ingolstadt

den, Lösungen gemeinsam gesucht und Dass diese Ziele nunmehr seit 40 Jah-

nen, dafür sind wir »Platsch«-Leute sehr

dankbar und freuen uns schon aufs nächs-

te Gruppenjubiläum, hoffentlich dann

wieder im Kloster Andechs, wo es uns so

gut gegangen ist und wir die gemeinsa-

men Tage und Stunden genossen haben. 

friederike schwarzbaur

.

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bergecho 3 . 2016

|  panorama

die well-brüder auf dem heiligen berg Als Höhepunkt der Jubiläums­ feierlichkeiten hat der Freun­ deskreis Kloster Andechs die Wellbrüder engagiert. Die Wellbrüder spielten am Mittwoch, 9. November 2016, im Florianstadl in Andechs. Über 400 Konzertbesucher waren von dem Auftritt der drei Wellbrüder begeistert. Freundeskreis-Vorstand Wolfgang Vogt hat die Stimmung in Worte gefasst. Er ist am 20.  November­ leider­plötzlich und unerwartet gestorben.

2

30 Jahre Freundeskreis Kloster Andechs

012 gründeten die Brüder Michael,

nicht genug, zieht sich Stofferl Well ei-

aus´m Biermoos, als Nachfolgeforma-

aus den Hosenschlaufen schnellen, zieht

Karl und Christoph die Wellbrüder

tion der Biermösl-Blosn. Die Bayerische

Kultband war bei ihrem Auftritt im Flori-

ne Mütze über den Kopf, lässt den Gürtel

die Krachlederne auf Halbmast und rappt über die Milchpreise, die zunehmend in

anstadl einfach klasse.

den Keller schnellen. Stofferl animiert

MIX AUS GANGSTA- R AP UND STUBENMUSIK

Hop-Pose springt er auf der Bühne auf

Die Wellbrüder setzten auf scharfzüngigen

Witz und einen rasanten Mix aus Gangsta-

das Pub­likum zum Mitsingen: »Forty cent, forty Cent oder der Müller brennt«. In Hipund ab, geht in die Hocke und gestikuliert

wild umher. Zwerchfell – Alarm für die

Rap und Stubenmusik. Was die Wells auf

­Zuschauer.

sinn, das Publikum wurde nicht müde

tische Alphörner aus, die auf den Schul-

der Bühne zeigen, ist der reinste Wahn-

zu lachen, da werden die skurrilsten Ins-

trumente ausgepackt, von Dudelsack bis

hin zum Xylophon-Hackbrett-Verschnitt.

Selbst einer irrwitzigen Drehleier wurden

noch die irrwitzigsten Klänge entlockt.

L ATEINISCHER SPRECHGE SANG UND GIGANTISCHE ALPHÖRNER Die Wells schrecken auch vor Sprechge-

sang auf Latein nicht zurück, kicken ein

lässiges »Gymnasium Bavarium macht

superdumm, quod erat demonstrandum,

yo!« von der Bühne. Des Sprechgesangs

Zum Abschluss packen die Wells gigan-

tern der Besucher der in den ersten Reihen zum Liegen kommen. Nach 90 Minuten

und drei Zugaben verabschieden sich die

Wellbrüder aus´m Biermoos und bedan-

ken sich beim Freundeskreis, dass sie end-

.

lich mal auf dem Heiligen Berg spielen durften. 


bergecho 3 . 2016  |

Gewinner des Rundfluges vom Kinder- und Familientag 2015

V

on Familie Hörl erreichte uns nach dem Rundflug mit der Antonov

AN-2 folgende Zeilen:

»Im Anhang sende ich Ihnen das ge-

wünschte Foto von unserem Rundflug

mit der Antonov AN-2 am 25.9.16.Leider

hat es nicht geklappt, ein Bild zu ma-

chen mit uns allen. Immerhin konnten

wir Felicitas als Gewinnerin noch ablichten. Zwar haben wir in den Ferien kei-

nen passenden Termin mehr bekommen.

Dafür hatten wir letzten Sonntag ideale

Flugbedingungen. Wir möchten uns auf

Von treuen Preußen und rollenden Botschaftern

D

ie Preußen sind wirklich ein ganz

Hermann Hell aus dem schleswig-holstei-

weisen sie nicht zuletzt Saison für

einem übergroßen Foto vom Kloster An-

besonders treues Völkchen. Das be-

Saison aufs Neue, indem sie ihren beiden

eher glücklos agierenden Fußballbundes-

nischen Meldorf hat sein Wohnmobil mit

dechs gebrandet. Die wunderbare Freund-

schaft begann vor 31 Jahren, als er auf dem

ligisten im tiefsten Abstiegskampf den

Rückweg von seiner Hochzeitsreise zum

Dino HSV, seit geraumer Zeit beständig

machte. Seither reist er wenigstens ein-

Rücken stärken. Erstligist und Fußballmit einem Bein in der 2. Liga, baut auf

seine treuen Fans, die allem Ungemach

zum Trotz stets die Raute im Herzen tra-

ersten Mal auf dem Heiligen Berg Station

mal im Jahr die knapp 1000 Kilometer von der Nordseeküste an die Ufer des Ammersees, um Leib und Seele für einige Tage

gen. Und Zweitligist St. Pauli, dessen un-

eine kleine Auszeit zu gönnen. Anlässlich

Anlass zu äußerster Besorgnis gibt, kann

schafft, weitere 60 Preußen nach Andechs

terer Tabellenplatz in der 2. Liga ebenfalls sich allzeit auf seine sangesgewaltigen

seines 50. Geburtstages hat er es sogar gezu locken, um gemeinsam mit ihnen im

Anhänger verlassen, die selbst in schwär-

Bräustüberl zu feiern.

walk alone« anstimmen. Gänsehaut pur!

ligen Berg auf dem Heck seines Wohn­

zester Stunde ihr legendäres »You never

Die erfolgsgewöhnten Bayern können da nur staunen.

Dieses Jahr nun hat er mit dem Hei-

mobils für Aufsehen auf der dänischen

Nordseeinsel Fanö gesorgt. Vor spektaku-

Anlass zum Staunen gab in diesem

lärer Dünenlandschaft und inmitten far-

ne unverrückbare Treue auf recht unüber-

der rollende Botschafter des Klosters ein

Sommer auch ein weiterer Preuße, der sei-

benfroher Drachen und Windspiele war

sehbare Weise dokumentiert hat – wobei

absoluter Hingucker. 

se Treue keineswegs einem Absteiger gilt.

sabine hell

man allerdings ergänzen muss, dass die-

.

.

diesem Weg noch mal herzlich bedan-

ken. Viele Grüße! Familie Hörl« 

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bergecho 3 . 2016

Rhein-Neckar-Zeitung, 20. Juli 2016

Süddeutsche Zeitung, 30. September 2016

|  panorama


bergecho 3 . 2016  |

Starnberger Merkur, 18. Juli 2016

Starnberger Merkur, 6. September 2016

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bergecho 3 . 2016

|  panorama

Bayerische Gemeinde Zeitung, 21. Juli 2016


bergecho 3 . 2016  |

Starnberger Merkur, 11. August 2016

Aichacher Nachrichten, 13. August 2016

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bergecho 3 . 2016

Der neue Tag, 15. September 2016

|  panorama


bergecho 3 . 2016  |

Starnberger Merkur, 12/13. November 2016

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bergecho 3 . 2016

|  panorama

Mindelheimer Zeitung, 21. Juli 2016

Starnberger Merkur, 30. August 2016 SZ/Landkreis Starnberg/11.11.2016


bergecho 3 . 2016  |

Süddeutsche Zeitung, 19. September 2016

Starnberger Merkur, 16. September 2016

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»In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz ­­ des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: 

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.« lk 2,8-11

redaktion Christian Bolley, Martin Glaab, Birgitta Klemenz verantwortlich für anzeigen Martin Glaab gestaltung Mellon Design druck Agentur Beckenbauer, München Gedruckt auf umweltfreundlichem Papier bildnachweis Titelfoto: Monika Reduhn Alle Fotoaufnahmen durch Benediktiner­ abtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, außer: Allessandra Schellnegger/ Süddeutsche Zeitung Photo (S. 71); Argum/ Falk Heller & Thomas Einberger (S. 52); ­Balzer Jojakim (S. 34, 35); Carlucci ­Giacinto (S. 42 – 45); Deutscher Brauer-Bund e.V., Marcus Schlaf/Foto für Ausstellungsmotiv: Sead Husic (S. 27, 28); Förster Marius (S. 53); Fotolia (S. 58, 59); Hell Sabine (S. 63); Hoerl Alexander (S. 63); Huber Hubert (S. 56, 57); Jahn Johannes (S. 21); Krauß Annette (S. 12); Nebl Markus (S. 40, 41); Schmid Thomas ­ (S. 72); Schunk Claus (S. 18); Schwarzbaur Friederike (S. 61); Stichnoth Falko (S. 60); Weber Franz-Josef (S. 49); Krämer/Eier­ kuchenparadies (S. 48); Reitinger Markus ­ (S. 46); Pauls Gastro GmbH (S. 46, 47); Da wir leider nicht alle Rechteinhaber von

Zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr wünscht der Konvent von St. Bonifaz in München und Andechs allen Freunden, Wohltätern, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen Gästen frohe und gesegnete Tage.

Bildmaterial erreichen konnten, bitten wir etwaige Rechteinhaber, sich mit der Klosterbrauerei Andechs unter pr@andechs.de oder 08152-376-290 in Verbindung zu setzen. Das nächste Andechser Bergecho erscheint voraussichtlich im märz 2017

impressum V.i.S.d.P.: P. Valentin Ziegler, Bergstraße 2, 82346 Andechs Tel.: 08152/376-0, Fax: 08152/376-267, www.andechs.de

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Andechser Bergecho 3-2016  
Andechser Bergecho 3-2016  

Für alle Freunde, Gäste und Mitarbeiter des Klosters Andechs und der Abtei Sankt Bonifaz in München

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