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2. ausgabe 2015

für alle mitarbeiter, gäste und freunde des klosters andechs und der abtei sankt bonifaz

kirche und kloster  Sankt Bonifaz – Zerstörung und Wiederaufbau klosterbr auerei  Geschichten ums »Andechser Weißbier Hell« panor ama  Freundeskreis besucht das Kloster Wessobrunn


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bergecho 2 . 2015

W

enn im Juli die Sommerferien

näher rücken und der Noten-

schluss in den Schulen durch

ist, kommt die Zeit der Exkursionen. Für

|  editorial

Darf ein Mönch also Urlaub machen?

Oder ist das ein zeitgeistiger Abfall vom

»wahren« Mönchtum? Dieses Thema ist eines von denen, wo die Regel nicht weiter-

Lehrer eine willkommene Gelegenheit, ih-

hilft, sondern man selbst zu einer sinnvol-

Anlass, unser Kloster und unsere Lebens-

nach dem Urlaub ist das Praktische, dass

re Klassen zu beschäftigen, für uns ein

weise zu zeigen. Ich lasse die Kinder gerne

Fragen stellen – dadurch erzähle ich dann,

len Regelung finden muss. Bei der Frage

zum Thema Erholung durchaus etwas in der Regel steht. Und zwar etwas, das die

was sie wirklich interessiert. Eine der Fra-

berühmte Mäßigung und Weisheit Bene-

Urlaub und Freizeit im Kloster.

Regel nämlich großen Wert darauf, dass

laub ist in manchen Konventen unseres

ununterbrochene Stunden der Nacht legt

nämlich, dass der Hl. Benedikt in seiner

teilung die dunkle und die helle Zeit je-

gen, die fast immer kommen, ist die nach Ob Sie es glauben oder nicht, der Ur-

Ordens ein Problemthema. Das Dumme ist

dikts unterstreicht. Benedikt legt in seiner die Mönche genug Schlaf bekommen. Acht er dafür fest. Weil die römische Zeitein-

gesund verwirklichen kann. Im 21. Jahr-

Regel nichts zum Thema Urlaub geschrie-

weils in zwölf Teile teilte und das Stunden

hundert heißt das selbstverständlich, dass

zept »Urlaub« hat es zu seiner Zeit noch

lich länger als im Sommer, aber auch im

muss. Genauso wie Sie alle auch: Wir kön-

nicht. Der Römer seiner Zeit hatte Muße,

wenigstens sechs Stunden. Und dann darf

abschalten und ausspannen – das wäre

den heute üblichen freien Tag pro Woche

bene Siesta nicht vergessen – unsere Regel

Zeit nicht mehr gesund. Von daher wün-

he für alle vorschreibt.

Erholung in diesem Sommer!

ben hat. Konnte er auch nicht, das Kon-

nicht gegeben, auch lange nach ihm noch oder er hatte sie nicht. Aber so etwas wie oder den Urlaub, ca. drei Wochen gibt es

bei uns, das kannte Benedikt noch nicht.

nannte, war der Schlaf im Winter deut-

Sommer waren es nach unserer Rechnung

man die ebenfalls in der Regel vorgeschriedürfte die einzige sein, die eine MittagsruDamit setzt sich Benedikt klar von an-

ein Mönch Urlaub hat und auch haben

nen nicht einfach durchwursteln und nie beim Arbeits- und Lebenstempo unserer

sche ich Ihnen, frei nach Benedikt: Gute

deren Regeln seiner Zeit ab. Dort gab es

nicht nur lange Nachtwachen, die waren

allgemein üblich, sondern auch teilwei-

se rigorosen Schlafentzug, als asketische

Übung gedacht. Das ist bei uns anders.

Der Mönch braucht in den Augen Bene-

dikts die nötige Erholung, damit er seine

Gottsuche und sein Gebets- und Arbeits-

leben geistlich, körperlich und seelisch

p. korbinian linsenmann osb


inhalt  |

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k i rc h e u n d k l o s t e r

4 10 12 14 18

Zerstörung und Wiederaufbau Impressionen vom Konventausflug 2015 Andechser Dreihostienfest mit dem Apostolischen Nuntius Das Barocke Bayern – Fünfte Sommerakademie Sankt Bonifaz Wallfahrer aus Türkenfeld und Zankenhausen zu Fuß nach Andechs 20 Auf Sturm Niklas’ Spuren – Fußwallfahrt mit Hindernissen 24 Erste Friedberger Jugendwallfahrt nach Andechs

k l o s t e r b r au e r e i

26 28 32 34 34 35

Geschichten ums »Andechser Weißbier Hell« Eine Nacht auf dem Tollwood Das ›Andechs-Feeling‹ – Partnerbesuch in den USA Andechser Stammgast aus Texas Gäste aus Fernost Zu Hause auf den Segelfesten des Nordens

Zerstörung und Wiederaufbau

Die Abtei Sankt Bonifaz im Zweiten Weltkrieg seite 4

g a s t l i c h k e i t 36 40 41 42

Der Kiosk im Andechser Bräustüberl Das Grand Hotel Sonnenbichl in Garmisch-Partenkirchen Der Neuhof am See in Gundelfingen 40 hochwertige Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen

v e r a n s ta lt u n g e n 44 45 46 48 49 50 51 52 54

Colloquium Benedictinum Andechser Orgelsommer 2015 Kunst und Bier am Heiligen Berg 4. Andechser Nachtflohmarkt in Planung Blasmusik im Bräustüberl Andechser Exerzitien für Männer in Führungsverantwortung »Ich will mein Leben zurück« – Trauerseminar Familien wieder im Mittelpunkt Tag des offenen Denkmals

Die perfekte Note zum

Weißwurstfrühstück

Geschichten ums »Andechser Weißbier Hell« seite 26

pa n o r a m a

56 57 58 60 62 64 66 67

Neues Kinderhaus in Söcking eingeweiht Saisonabschluss der Herrschinger Volleyballer auf Andechs ›Naturheilkunde‹ zu Gast auf dem Hl. Berg Orff war es wert – ein Rückblick auf die letzten Carl Orff-Festspiele Andechs Orgelvigil in Sankt Bonifaz zum Benediktsfest Neues Leben im alten Kloster Wessobrunn – Ausflug des Freundeskreises Kloster Andechs nach Wessobrunn Erfolgreiche vierte Auflage des Andechs Trails Ausstellung im Fürstentrakt des Klosters – Ilka-Loretta Schumann

p r e s s e

Neues Leben im alten Kloster Wessobrunn

Ausflug des Freundeskreises Kloster Andechs nach Wessobrunn seite 64

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kirche und kloster

zerstörung und wiederaufbau Die Abtei Sankt Bonifaz im Zweiten Weltkrieg

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs, der vor 70 Jahren zu Ende gegangen ist, sind die Basilika und das Kloster von Sankt Bonifaz schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Basilika galt als Totalschaden. Stiftsarchivarin Birgitta Klemenz lässt die schwere Zeit damals lebendig werden.


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»Was soll Sankt Bonifaz werden, sein und bleiben? Eine Quelle, aus der unaufhörlich frisches und lebendiges Wasser hervorströmt.« P. Odilo Rottmanner

Zerstörung In der Nacht vom 9. auf den 10. März des

Jahres 1943 wurde der zweite Stock der

Abtei Sankt Bonifaz ein Raub der Flam-

men. Auch die Stiftsbibliothek mit ihren

P

ater Odilo Rottmanner hatte in

einer Predigt im Jahr 1888 für die

Abtei die Frage gestellt: »Was soll

Sankt Bonifaz werden, sein und bleiben? Es soll

nicht nur eine Stätte sein, von der aus die Ge-

schäfte der Seelsorge, des Unterrichts und der

Erziehung verrichtet werden, sondern ein Haus

reichen Buchbeständen fiel den alliier-

ten Luftangriffen zum Opfer. Zu diesem

Zeitpunkt besaß die Abtei rund 130.000

Bücher. Zwar waren die wertvollsten Be-

stände (ca. 30.000 Bände) rechtzeitig nach

Andechs ausgelagert worden, wo sie in den Hallen der damals leeren Mälzerei

untergebracht wurden, der zahlenmäßig

Gottes, das von Weisen weise verwaltet wird, ein

größere in München verbliebene Rest ging

bestimmt zur Erbauung der Gemeinde, eine Quel-

Verlust der Bibliothek bedeutete auch für

Wasser hervorströmt…« Dieser Anspruch hat

rung. Sie wog jedoch gering gegenüber

Mehr noch: Der Bau aus Steinen konnte in

krieg noch mit sich bringen sollte. So wur-

bendigen Steinen nicht – im Gegenteil, die

mehr von den Luftschutzsirenen unter-

änderter Form wieder aufgebaute Kirchen­

wurden verstärkt zum Kriegsdienst einge-

nicht beim Bedauern des Verlustes stehen

ten. Auch die fortschreitende Zerstörung

geistiger Bau, ausgeführt aus lebendigen Steinen, le, aus der unaufhörlich frisches und lebendiges

nach wie vor uneingeschränkt Gültigkeit. Schutt und Asche fallen, das Haus aus le-

lebendigen Steine sind es, die das in vergebäude wieder mit Leben erfüllten und geblieben sind. Eine bessere Wertschät-

zung der alten Basilika kann es nicht ge-

ben.

jedoch nahezu vollständig verloren. Der

den Klosteralltag eine spürbare Verände-

den Beschwernissen, die der Zweite Weltde der gewohnte Tagesablauf mehr und

brochen. Die jüngeren Konventmitglieder

zogen, den sie meist als Sanitäter ableiste-

der Basilika und der Klostergebäude trug dazu bei, die Ordnung des klösterlichen

Lebens und die Effizienz der Seelsorge zu beeinträchtigen, so dass sich der späte-

re Abt Hugo Lang rückblickend veranlasst

sah, von der »schauerlichen Arithmetik ei-

ner Zeit des Zorns« zu sprechen.

Schon nach dem Luftangriff vom März

1943 musste ein Teil der Konventualen aus dem Abteigebäude ausquartiert werden. Sie fanden Aufnahme in der Marienan-

stalt an der Dachauer Straße sowie bei den Schwestern an der Schleißheimer Straße

und im Marienstift an der Klugstraße. Ei-

nige ältere Patres und Mitbrüder siedelten nach Andechs über. Nach den schweren

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kirche und kloster

Luftangriffen vom April 1944 und Janu-

ar 1945 folgte ihnen die Mehrzahl der in

München verbliebenen Mitbrüder. In An-

dechs konnte das Gemeinschaftsleben bis

Kriegsende in gewohnter Weise fortgeführt werden.

Einer der verheerendsten Luftangrif-

fe, den München im Zweiten Weltkrieg

erlebte, fand in der Nacht vom 24. auf den

25. April 1944 statt. Als Hauptangriffsziel

war das Areal um den Münchener Haupt-

bahnhof ausgewählt worden, tatsächlich

Brandbomben hatten

den Dachstuhl komplett

vernichtet. Die Fresken

der Kirche wurden durch die Hitze auf irreparable

Weise geschädigt.

wurde jedoch die gesamte Münchener

Innenstadt sowie die an deren Rand ge-

legenen Viertel Giesing, Au und Haidhausen in Mitleidenschaft gezogen. Da die

Polizeibehörden 1.781 totale, 1.278 schwe-

nur noch als Stumpf in den Himmel. Für

zu mehr als 90 Prozent aus Brandbomben

kleinste Schäden. Viele der markanten

die Luftschutzkräfte auf ihrer Trefferkarte

über München abgeworfene Bombenlast

bestand, entwickelten sich in diesem Be-

reich um 2 Uhr morgens riesige Flächenbrände, die von den Löschkräften erst

nach mehreren Tagen beseitigt werden

konnten.

Die Folgen des Angriffes waren verhee-

re, 18 mittlere, 3.551 leichte und 1.162

Bauwerke der Innenstadt wurden zerstört

oder schwer beschädigt: die Residenz, die

die Basilika Sankt Bonifaz verzeichneten

einen totalen Brandschaden. Brandbomben hatten den Dachstuhl komplett ver-

Herzog-Max-Burg, die Alte und die Neue

nichtet. Die Fresken der Kirche wurden

reiche Münchener Kirchen waren betrof-

schädigt. Auch die Marmorsäulen und der

Pinakothek sowie das Odeon. Auch zahl-

fen, darunter vor allem der Bürgersaal, die

durch die Hitze auf irreparable Weise ge-

Sarkophag König Ludwigs I. waren schwer

rend. 136 Menschen verloren ihr Leben,

Herzogsspital-, die Damenstifts- und die

in Mitleidenschaft gezogen. Die übrige In-

Hinblick auf die Bausubstanz zählten die

Peter ragte nach dem Verlust seiner Haube

ein Opfer der Flammen.

4.185 wurden zum Teil schwer verletzt. In

Heilig-Geist-Kirche. Der Turm von Sankt

neneinrichtung wurde nahezu vollständig


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Gemälde von Abt Bonifaz mit Flammen im Hintergrund – in der Abtsgalerie in St. Bonifaz von Franz X.W. Braunmiller

Eisen, die Fresken, Altäre, Kirchenstühle, Chor-

Situation nach Kriegsende Nach dem Zweiten Weltkrieg war Sankt

gestühl, Orgel und Musikinstrumente usw. Was

Bonifaz kaum noch wiederzuerkennen.

wir verhindern konnten, war lediglich ein Über-

Die in großer Zahl überlieferten Fotoauf-

greifen des Feuers auf die Sakristei und Chorka-

nach Ende des Krieges festhalten, lassen

halber geräumt und ihr Inhalt in der Gruft ver-

nahmen, die den Zustand während und

pelle. Die beiden Sakristeien wurden vorsichts-

erkennen, dass Brandbomben das Kir-

staut. Alle Patres, Brüder und Schwestern und

chendach vollständig zerstört und Spreng-

bomben einen tiefen Krater in die ehemals

auch befreundete Laien haben in großer Hinga-

fünfschiffige Basilika getrieben hatten.

Bericht von Abt Bonifaz Wöhrmüller an

einschließlich der Unterkirche vernichtet

von Sankt Bonifaz:

Auf diese Weise war ihr nördlicher Teil

die Mitbrüder im Feld über die Zerstörung

be bei diesen Bemühungen das ihrige getan.

Gegen Mittag hatte das Feuer sein Zerstö-

rungswerk vollendet. Über dem ganzen Mittel-

schiff war nur mehr der freie Himmel gespannt,

worden. Nur die Außenmauern des west-

München, 26. April 1944

die Seitenschiffe sind noch mit dem Kupferblech

ern der Apsis und der Glockenturm, der

Lieber Mitbruder!

weggebrannt ist. Von allem stehen noch die vier

lichen Seitenschiffs, die Umfassungsmau-

überdacht, unter dem jedoch das Dachgebälk

damit erstmals als markantes architekto-

Wenn ein Benediktiner an der Kirche seiner

Umfassungsmauern mit Apsis sowie das Mauer-

halbwegs intakt geblieben. Auch Vorhalle

gewiss keine schmerzlichere Nachricht als die,

se 66 Säulen zeugen noch von verschwundener

nisches Detail erkennbar wurde, waren

Profess wie an einer Mutter hängt, so gibt es

werk, das auf den 66 Säulen aufgebaut ist. Die-

und Außenfassade hatten den Bomben-

die ich Ihnen persönlich geben möchte, näm-

Pracht, aber auch diese, schon geborsten, kön-

standen. Die Unterteilung des Kirchenin-

Markustages, 25. April, unsere liebe, herrliche

ganze prächtige Basilika des heiligen Bonifatius

fe war hingegen nur noch im Süden der

ausgebrannt ist.

genheit an; es war das schmerzlichste Opfer, das

und die Hochgaden auf einer Länge von

rend des Fliegerangriffes in dieser Nacht hatte

gen konnte. Aber während die Flammen noch an

satzmannschaft dienten, sogleich Nachschau

weit abkömmlich, den Frühchor gebetet und ich

krieg einigermaßen unbeschadet über-

neren in ein Haupt- und zwei SeitenschifBasilika zu erkennen, wo die Säulenreihen

lich, dass in den frühen Morgenstunden des

Basilika bis auf die Grundmauern nieder- und

Auf verdächtig klingende Einschläge wäh-

sieben Arkaden erhalten geblieben waren.

P. Benedikt mit den Mitbrüdern, die ihm als Ein-

ge 1948 feststellte, hatte aber auch der

in der Kirche gehalten und dort einzelne Brand-

Wie das Landesamt für Denkmalpfle-

Restbestand der Klosterkirche in seiner

nen stürzen über Nacht. Und so gehört denn die

mit ihren so schönen Gottesdiensten der VerganGott von unserer klösterlichen Familie verlan-

ihrem edlen Opfer fraßen, haben wir Patres, sohabe beim Pater noster der Laudes im Namen

bomben auf dem Kirchenpflaster gefunden, die

aller Mitbrüder, der gegenwärtigen wie der ab-

Glockenturm mehrfach gespalten und die

deckte man aber, daß auch das Dachgebälk der

sicut in coelo et in terra.

genden Querschnitts angeschlagen wor-

chen Brand zu löschen, hätte es der Mittel (Lei-

ren und Problemen der nächsten Zukunft!

Feuerwehr bedurft, die uns aber nicht zur Ver-

Herzlichst grüßt Sie Ihr Abt Bonifaz 

Substanz schwer gelitten. So waren der

Säulen teilweise bis zur Hälfte ihres tra-

den. Apsis- und Kryptawölbungen wiesen

Löcher auf. Die westlichen und nordwest-

lichen Umfassungsmauern waren zerrüttet und aus dem Lot geraten. Die Gutach-

ter kamen daher zu dem Befund, dass die

alte Basilika den Anforderungen an die

Standsicherheit nicht mehr entspreche.

Wegen des starken Zerstörungsgrades,

es jedoch zu löschen gelang. Bald darauf ent-

Kirche zu brennen anfing. Um diesen gefährli-

tern, Schläuche, Spritzen usw.) einer richtigen

fügung gestellt werden konnte. So mussten wir von unten her zusehen, wie ein immer größerer

Teil des Gebälkes von den fressenden Flammen

erfaßt und die ganze Kirche unter ihrem Kupfer in einen Glutofen verwandelt wurde, in dem

alles hinschmolz und verbrannte: Holz, Stein,

wesenden, es ausgesprochen: Fiat voluntas Tua Möge Gott nun weiterhelfen in den Gefah-

.

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kirche und kloster

Postkarte mit Aquarell von der Zerstörung der Abteikirche Sankt Bonifaz

aber auch mit dem Argument, dass es sich

Auge zu erkennen. Seine Forderung, die

Wieder aufbau

schöpfung handele, hatte das Landesamt

ter zu ummauern und für eine Entfeuch-

lung des Refektoriums und seiner Umge-

vom zuständigen Baubevollmächtigten

Wie der spätere Abt Hugo Lang berichtet,

die Mauer mit dem Fresko auf diese Wei-

ten mehr Schaden als unter den Kriegsein-

bei Sankt Bonifaz lediglich um eine Nach-

schon 1946 konstatiert, »dass eine Wieder-

herstellung mit modernen Mitteln und eine Raumausschmückung durch Künstler der Jetztzeit möglich und sinnvoll sei«. Mit der Zerstörung der Basilika von

Bildfläche zum Schutz gegen Bombensplittung des Untergrunds zu sorgen, wurde

jedoch abgelehnt, da dessen Ansicht nach

Kriegsende nicht zu übersehen. Gleich-

schendecke einzog, wurden die nur noch

Hauptwerke des Kunstmalers und Akade-

wohl setzte die eigentliche Zerstörung des

mieprofessors Heinrich

loren. Von seinen für

Sankt Bonifaz geschaf-

fenen Wandbildern hat

nur das Abendmahlsfres-

Alles Leben in den Mauern des einstigen Heiligtums

war erloschen.

ko im Refektorium den Krieg überstanden. Doch auch dieses hatte unter den Folgen

der Luftangriffe schwer gelitten. So muss-

erlitt das Fresko während dieser Bauarbei-

wirkungen. Als man in das ursprünglich

Die Folgen dieser Entscheidung waren bei

von Heß für immer ver-

staltung in einen Gemeindesaal begonnen.

se nicht ausreichend austrocknen könne.

Sankt Bonifaz und ihrer reichen Innen-

ausmalung ging eines der monumentalen

Noch 1945 wurde mit der Wiederherstel-

zweigeschossige Refektorium eine Zwi-

fragmentarischen Überreste des Kunst-

Bildwerks erst mit dem

werks überputzt. Am Ostersonntag 1946

zum provisorischen Ge-

Gottesdienste in Sankt Bonifaz und die

Umbau des Refektoriums

schließlich konnten der Wiederbeginn der

meindesaal ein.

Einweihung des »Abendmahlsaales« im

seit Pfingsten 1944 als

Fresko ist mittlerweile wieder freigelegt.

Das Refektorium war

Notkirche genutzt worden, bis die Sprengund Brandbombenangriffe im Juli 1944

den Raum völlig unzugänglich machten;

alten Refektorium gefeiert werden. Das Der erste Vorschlag zum Wiederauf-

bau von Sankt Bonifaz im alten Umgriff,

aber in veränderter Form, stammte von

te der Passauer Regierungsbaumeister An-

als Raum für die Messfeier stand zunächst

stellen, dass das Werk seines Großvaters

Am Sonntag, dem 7. Januar 1945, fand der

Aufbauplanung des ganzen Stadtviertels

Monate lang schutzlos den Unbilden von

ka statt. Die Chronik der Chorvereinigung

lischem Garten und Oberwiesenfeld er-

noch immer nur auf notdürftigste Weise

Abend dieses schwerlich zu vergessenden 7.

tonius Heß bereits im November 1943 fest-

infolge der alliierten Luftangriffe mehrere

Wind und Wetter ausgesetzt gewesen und gesichert worden war. Wegen der starken

Durchfeuchtung des Mauerwerks fürchte-

nur noch die Gruftkapelle zur Verfügung.

letzte Gottesdienst im Bereich der BasiliSankt Bonifaz berichtet hierüber: »Am

Januars gingen 2 sehr schwere Luftangriffe über München nieder, bei denen auch

te er, dass der einsetzende Frost den Ver-

noch die Gruftkapelle und besonders der

zen bringen könnte. Die Farbkraft hatte

den. Alles Leben in den Mauern des einsti-

putz und damit das Gemälde zum Abplatbereits nachgelassen, auch waren eini-

ge kleinere Beschädigungen mit bloßem

Ostflügel des Klosters völlig zerstört wur-

gen Heiligtums war erloschen.«

Robert Vorhoelzer, der ab 1946 im Auf-

trag des Stadtrates die Grundlagen für die zwischen Akademie, Königsplatz, Eng-

arbeitete. Er wollte den weitgehend er-

haltenen Südteil des Mittelschiffes zum

Vorhof umgestalten. Die Bombenlücke

der zerstörten zwölf anschließenden Joche sollte ein neuer Kirchenraum schließen,

der die Reste der Apsis miteinbezogen hät-

te. Vorhoelzer überließ eine Lichtpause

seines Grundrisses seinem TH-Kollegen

Hans Döllgast, der 1947 auf dieser Basis


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Die Abteikirche nach dem Wiederaufbau

eine Außenperspektive aus der Vogelschau

ursprünglichen Ausmalung einen aske-

der beeindruckendsten Kirchenräume der

und eine Innenraumperspektive zeichne-

tisch-herben Raumeindruck schuf. Für

Nachkriegszeit.

erster Anstoß für eigene Überlegungen

zen Terrazzo, gegliedert durch großzügige,

mung änderte sich jedoch in den Jahren

Wiederverwendung der noch stehenden

Kirchengestühl bestand aus naturbelas-

Die »Würde der Armut« wurde zunehmend

beziehung in einen neuen Kirchenraum

telgang frei. Ebenso wie die alte Basilika

gasts Raum als »unproportioniert«, »kahl«,

te. Dieser Entwurf Vorhoelzers war wohl

Döllgasts, die – anders als Vorhoelzer – die

Mauern und die Möglichkeit ihrer Ein-

berücksichtigten. Einige Zwischenüberle-

gungen führten schließlich zu der von 1949 bis

1950 ausgeführten Form, der die erhaltenen Tei-

le der Seitenschiffe mit einbezog. Es entstand

ein Innenraum, der mit

Abmessungen von 32 × 40 Metern um 8 Meter

den Fußboden wählte Döllgast schwar-

quadratische Muster in Weiß. Das neue

senem Holz und hielt einen breiten Mitbekam auch die wiederaufgebaute ein

Gerade durch die äußerste

Beschränkung der Mittel entstand ein durch seine

Schlichtheit beeindruckender Kirchenraum.

breiter als lang ist. Aus der Not heraus ver-

wendete Döllgast die einfachsten und bil-

ligsten Materialien: aus der Ruine geret-

tetes Kupfer für das Dach, Abbruchziegel

von zerstörten Gebäuden für die Mauern.

offenes Dachtragwerk.

Einziger Schmuck im

Raum war das große, farbig gefasste Holz-

chenraum. Sämtliche Wände wurden

mit dünnem Putz, der das Ziegelmauer-

werk durchscheinen ließ, überzogen und weiß gestrichen, was im Gegensatz zur

Farbigkeit und zum Goldschimmer der

Nach dem vollendeten Aufbau der ver-

kürzten Kirche beschäftigte sich Döllgast weiter mit Ausbauprojekten für den Ge-

samtkomplex im Umgriff der alten Basili-

ten Giebelwand und den Resten der alten

enserklosterkirche Fürs-

tenfeld.

Döllgast hatte eine klare Konzeption:

Bestehendes sollte unverändert erhalten

Ruinengarten zwischen der neuerrichte-

Apsis vor und wurde 1965 mit der Planung

.

für den Neubau eines Pfarrzentrums be-

auftragt. 

bleiben, neu Hinzugefügtes sich deutlich

davon absetzen. Das wird heute noch im

Bereich der Außenmauern gut sichtbar.

davon abgewichen. So wurden die Ziegel-

ne Schlichtheit beeindruckender Kir-

sein Konzept als »ruinensentimentalisch«.

ehemaligen Zisterzi-

– eine Leihgabe aus der

ter umbauten Raum).

kung der Mittel entstand ein durch sei-

abgelehnt, Kritiker bezeichneten Döll-

ka. So schlug er in den 1950er Jahren einen

Aus unterschiedlichen Gründen wurden

Gerade durch die äußerste Beschrän-

des Wirtschaftswunders die Einstellung.

kreuz über dem Altar

Der gesamte Wiederaufbau kostete 180.000

Mark (das waren 6,60 Mark pro Kubikme-

Nach anfänglich begeisterter Zustim-

jedoch schon bei der Ausführung teilweise mauern, die Döllgast zunächst roh belassen wollte, verputzt. Beschädigte Säulen

wurden ergänzt und aufpoliert. Eine alte

Marmorsäule im Altarraum wollte Döll-

gast aus statischen Gründen in die Wand einmauern, aber sichtbar lassen. Ohne

sein Wissen wurde sie über Nacht zuge-

mauert. Dennoch schuf Döllgast einen

l i t e r at u r Lebendige Steine. Sankt Bonifaz in München. 150 Jahre Benediktinerabtei und Pfarrei, hrsg. von Birgitta Klemenz, Peter Pfister und Maria Rita Sagstetter, München 2000. Franz Peter, »Die ziegelrote Moles« – Wiederaufbau der zerstörten Basilika von Hans Döllgast, in: Lebendige Steine, S. 354–359.

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kirche und kloster

Zu Gast in der benediktinischen Familie Impressionen vom Konventausflug 2015

Ingolstadt, Schloss Hirschberg bei Beilngries und das Kloster Plank­ stetten waren heuer Stationen des Konventausflugs der Mönche von Sankt Bonifaz in München und Andechs. Fr. Marcus Riemer blickt auf die einzelnen Stationen eines abwechslungsreichen Tages zurück, der mit einigen heftigen Donnerschlägen begann.

D

Hans Mielich gestaltete Hochaltar, der

1572 zum hundertjährigen Bestehen der

Bayerischen Landesuniversität Ingolstadt errichtet wurde. Der als Gegner von Mar-

tin Luther bekannte Ingolstädter Theologe

Johan­nes Eck war lange Jahre Münster-

pfarrer und wurde nach seinem Tod 1543

hier beigesetzt. Mit dem »Salve Regina«, das wir gemeinsam vor dem Marienbild

der »dreimal wunderbaren Mutter« san-

gen, beendeten wir unseren Rundgang. Als zweites Gotteshaus besichtigten

wir die in der Altstadt versteckt liegende

Barockkirche »Maria de Victoria«, die von

as heftige Unwetter, das sich am

1732–1736 als Oratorium für die Akademi-

witter und Starkregen über Mün-

wurde und deren Innenausstattung von

frühen Morgen des 8. Juni mit Ge-

chen entlud, hatte sich verzogen, als wir

sche Marianische Kongregation errichtet

den Gebrüdern Asam stammt. Die Wir-

zu unserem Konventausflug mit dem Bus

kung des Einheitsraumes, der keinen

te uns Pfarrer Bernhard Oswald vor dem

ne Stufe erhöhten Altarbezirk, wird von

mit dem mächtigen, sieben Stockwerke

Damian Asams bestimmt. Dieses 40 Meter

nach Ingolstadt aufbrachen. Dort begrüß-

Liebfrauenmünster. Der rote Backsteinbau

Chor besitzt, sondern einen nur durch ei-

dem großflächigen Deckenfresko Cosmas

umfassenden Dachstuhl und den beiden

lange Fresko mit dem Thema der »incarna-

beeindruckte uns schon von außen. Im In-

im Zentrum überraschte uns bei der Füh-

Hallenkirche erfuhren wir von der inte-

Metern vom Boden zeigte sich, dass dieses

unvollendeten, über Eck gebauten Türmen

neren der 89 Meter langen, dreischiffigen

tio dominica« und der Verkündigungsszene

rung. Bei einem Abstand von nur zehn

ressanten Baugeschichte der Kirche, die

Fresko neben der Hauptperspektive noch

wig VII. gestiftet wurde. Die größte Be-

nachdem, wo wir standen.

1425 von dem Wittelsbacher Herzog Luddeutung hatte das Münster in der Zeit, als es zugleich Pfarr- und Universitätskirche

war. Daran erinnert heute noch der von

weitere Einzelperspektiven verbindet, je Das Fresko, das die Menschwerdung

des Herrn als ein für die ganze Welt gel-

tendes Heilsgeschehen zeigt, führt hin zu dem Altar mit dem mächtigen Stuckbaldachin.

Am Ende der Führung erwartete uns

in der Schatzkammer der Kirche noch eine

ganz besondere Kostbarkeit mit der 1708

fertig gestellten, in Gold und Silber gehal-

tenen Lepanto-Monstranz des Augsburger Goldschmiedes Johannes Zeckl.

➋ ➀  Eine typische Gasse in Ingolstadt mit der Pfarrkirche Sankt Moritz ➁  Chor der Münsterkirche mit dem von Hans Mielich geschaffenen Hochaltar


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➂  Die Lepanto-Monstranz in der ehemaligen Jesuitenkirche »Maria de Victoria« ➃  Schloss Hirschberg – Sicht aus einem Fenster des ehemaligen Rittersaales, auch auf die beiden Wehrtürme ➄  Abt Beda von Plankstetten erklärt dem Konvent die neugestaltete Klosteranlage – hier der Kreuzgarten

➅  Auch im Außenbereich und im Konvent­garten der Abtei hat sich vieles verändert

Bald mussten wir uns von P. Noach ver-

abschieden, denn wir wurden bereits in

der Abtei Plankstetten zur gemeinsamen

Vesper und Messe erwartet. Danach zeigte uns Abt Beda persönlich die Klosteranla-

ge und erläuterte uns deren aufwändige Nach einem kräftigen Mittagessen

mit Pfarrer Bernhard Oswald im Stüberl

des Weißbräuhaus zum Herrnbräu in der

Dollstraße fuhren wir weiter in das Altmühltal.

Auf Schloss Hirschberg oberhalb von

schiedene Gästezimmer, eine umgebaute

Mönchszelle, den Seminarraum Sankt Jo-

hannes im Dachgeschoss und die Außenanlagen des Kreuz- und Konventgartens

besichtigen. Besonders beeindruckt waren

Beilngries gab es ein freudiges Wiederse-

wir von der neuen Chorkapelle als dem

schwarzach, der eine Zeit lang während

mit den drei großen Dach- und 15 Seiten-

gewohnt hat und nun als Seelsorger für

gestühl für die Mönche bildet zusammen

Exer­zitienhaus der Diözese Eichstätt tätig

Parabel um Altar und Ambo. Der Erker mit

ria führte er uns bei einem kleinen Rund-

und ist durch zwei Schiebetüren getrennt.

hen mit P. Noach von der Abtei Münster-

seines Studiums bei uns in Sankt Bonifaz

das hier untergebrachte Bildungs- und

ist. Nach einer Kaffeepause in der Cafete-

gang durch die weiträumige Anlage mit

den beiden Wehrtürmen der mittelalter-

lichen Grafenburg. Steil in den Südhang

spirituellen Zentrum des Konventbaus, die

fenstern viel Tageslicht erhält. Das Chor-

mit den Bänken für die Gläubigen eine

dem Tabernakel ragt in den Hof hinein Fr. Richard hatte in der Zwischen-

zeit bereits für uns gegrillt, und so sa-

ßen wir wegen des kühlen Wetters doch

hinein gebaut ist die 1969 von Alexander

lieber drinnen zusammen bei gutem Es-

Marienkapelle. Im Rokokoschloss sahen

wären wir noch länger geblieben, aber

listen Johannes auf Patmos und den Rit-

zu nehmen und für die Rückfahrt aufzu­

Freiherr von Branca als Siebeneck erbaute wir die Kapelle mit der Vision des Evange-

Sanierung. So konnten wir das neugestal-

tete Refektorium, das Musikzimmer, ver-

tersaal mit dem Deckenfresko der Opferung der Iphigenie in Aulis.

sen und angeregter Unterhaltung. Gerne um 20.30 Uhr hieß es für uns Abschied brechen. 

.

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bergecho 2 . 2015

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kirche und kloster

Andechser Dreihostienfest mit dem Apostolischen Nuntius Der Päpstliche Botschafter in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterovi ´c, feiert am Samstag, den 26. September 2015, den Festgottesdienst zum Andechser Dreihostienfest. Zum Dreihostienfest 2015 kommt der Apostolische Nuntius, Dr. Nikola Eterovi ´c, nach Andechs. Das Dreihostienfest zählt zu den ältesten Wallfahrtsfesten auf dem Heiligen Berg Bayerns und geht auf den Ursprung der Andechser Wallfahrt zurück. Über Generationen wird hier Christus im Sakrament der Eucharistie verehrt. Auf diese verweisen die »Drei Bluthostien« der Dreihostien­ monstranz.

Bis 1983 war er Sekretär der Apostoli-

schen Nuntiatur an der Elfenbeinküste

mit Sitz in Abidjan. Anschließend bis 1987

war er in der Apostolischen Nuntiatur in

Spanien in Madrid tätig und dann bis An-

fang 1990 in der Apostolischen Nuntia­

tur in Nicaragua in Managua. Von 1990 bis 1999 arbeitete er dann im Staatsse-

kretariat des Vatikan in Rom. Am 22. Mai

1999 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Nuntius in der Ukrai-

ne. Nach fünf Dienstjahren ernannte ihn

Papst Johannes Paul II. 2004 zum Generalsekretär der Bischofssynode im Vatikan.

Unter dem Pontifikat von Papst Bene-

dikt XVI. koordinierte Erzbischof Eterović

die Vorbereitung und den Verlauf von drei

ordentlichen Generalversammlungen. Zu-

W

dem begleitete er den Papst bis 2012 auf

ir freuen uns, dass der Bot-

mehreren Apostolischen Reisen nach Ka-

in Deutschland, Erzbischof Dr.

und in den Libanon.

merun, Angola, Zypern, Kroatien, Benin

schafter von Papst Franziskus

Am 21. September 2013 ernannte der

Nikola Eterović, nach Andechs zum Drei-

Heilige Vater Papst Franziskus Erzbischof

hostienfest kommt und am Samstag, den

26. September, um 9.30 Uhr den Festgot-

Eterović zum Apostolischen Nuntius in

Nuntius in Deutschland, so sein offiziel-

rend seiner diplomatischen Tätigkeit war

der Bundesrepublik Deutschland. Wäh-

tesdienst mit uns feiert. Der Apostolische

ler Titel, setzt eine kleine Tradition in An-

Erzbischof Eterović nach Möglichkeit in

Erzbischof Jean-Claude Périsset, schon

herrscht er Italienisch, Französisch, Spa-

der Seelsorge tätig. Außer Kroatisch be-

dechs fort, war doch auch sein Vorgänger,

nisch, Englisch, Deutsch und Ukrainisch

2011 Gast am Heiligen Berg Bayerns anlässlich des Dreihostienfestes.

Nikola Eterović wurde 1951 in Pučišća

(Kroatien) als fünftes von sechs Kindern

geboren. Nach dem Besuch der Grund-

schule meldete er sich für das Erzbischöf-

liche Priesterseminar in Split, wo er bis

fortzuführen, wurde er 1972 von seinem

Bischof nach Rom geschickt und besuchte die Päpstliche Universität Gregoriana.

1977 empfing er die Priesterweihe. An-

schließend führte er seine Studien in Rom

und in Grundzügen Polnisch und Russisch. Wie gewohnt findet im Anschluss an

den Festgottesdienst die Prozession mit

der Dreihostienmonstranz um den Heili-

gen Berg statt. Zwei festlich­­geschmückte

Prozessionsaltäre bilden die Stationen der Prozession unterhalb des Klosterladens

1969 das Humanistische Gymnasium be-

weiter, wurde in die päpstliche Diploma-

Jahre Philosophie im Großen Seminar von

seiner Promotion an der Päpstlichen Uni-

mittag feiern wir um 15 Uhr die Vesper.

prüfung in der Diplomatenakademie 1980

besonderen Andechser Festtag ein. 

suchte. Anschließend studierte er zwei

tenakademie aufgenommen und trat nach

Split. Zwischenzeitlich absolvierte er für

versität Gregoriana und seiner Abschluss-

Marine. Um sein theologisches Studium

seinen diplomatischen Dienst an.

zwei Jahre seinen Militärdienst bei der

und neben der Alten Apotheke. Am Nach-

.

Schon jetzt laden wir herzlich zu diesem


bergecho 2 . 2015  |

»Die große Mobilität

heute verschleiert aber, dass der Mensch

auch Orte braucht,

wo er ankommen kann, ein Ziel findet.«

Interview mit Erzbischof Nikola Eterović

Menschen dazu bringt, andere glaubwür-

dig zu überzeugen von dem, was sie erlebt

haben. »Wie freute ich mich, als man mir sagte, zum Haus des Herrn wollen wir

pilgern. Schon stehen wir in deinen To-

ren, Jerusalem (Andechs in Bayern)… We-

gen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, will ich dir Glück erflehen« (Ps 122,1.9).

Welche Botschaft hat das Andechser Drei­ hostienfest für die Volkskirche in Bayern?

Das größte Glück einer Wallfahrt ist die

´ Erzbischof Nikola Eterovi c Das Drei-

Begegnung mit Jesus Christus in der Gemeinschaft der Glaubenden. Und das ist

hostienfest in Andechs gibt in eigener

seit jeher »en vogue«.

Weise Zeugnis von Jesus Christus, der

gegenwärtig in der Eucharistie ist. Sie

stärkt unseren Glauben durch die reale

Gegenwart des Herrn Jesus unter der Ge-

schichte, denn Er ist »der Weg, die Wahr-

Zum Kloster Andechs führt seit über 850 Jahren die älteste Wallfahrt Bayerns. Wallfahren ist heute wieder en vogue. Welche Gründe sehen Sie für diese Entwicklung?

ferung nach sind zwei der Hostien vom

immer unterwegs. Die große Mobilität

stalt des Brotes. Der auferstandene Herr

geht mit uns auf dem Weg durch die Geheit und das Leben« (Joh 14,6). Der Überlie-

Hl. Papst Gregor dem Großen und eine

durch den Hl. Papst Leo IX. konsekretiert,

dem letzten deutschen Papst vor Papst

Benedikt XVI., der an dessen Gedenk-

tag, am 19. April 2005 zum 264. Nachfol-

ger des Heiligen Petrus gewählt worden

´ Eterovi c Der Mensch ist auf dieser Erde

heute verschleiert aber, dass der Mensch

tisches Beharren, sondern eine Dynamik, die ausstrahlt auf die Menschen von heu-

te, wenn wir die Freude des Evangeliums

– Evangelii gaudium – durch ein Leben aus

dem Glauben bezeugen. Von Andechs soll-

te diese Freude am Evangelium ausstrah-

len in das ganze Land!

und dem ehrwürdigen Kloster Andechs

sein. Darauf freue ich mich. Es ist mir ei-

ne Ehre, als Vertreter des Heiligen Vaters

Gebet und zur Feier der Eucharistie ver-

te braucht, wo er ankommen kann, ein schon das Ziel. Dies ist die Person und

pilgern, um den Menschen, die dort zum sammelt sind, die Grüße des Hirten der

die Begegnung mit Jesus Christus, der so-

Universalkirche zu übermitteln und sei-

sowie das Lebensziel ist. Viele Menschen

diese Weise ist die Kirche in Bayern ver-

spüren in ihrem Leben eine große Leere

Einheit der Kirche aber ist nicht ein sta-

ne erste Begegnung mit dieser Wallfahrt

Ziel findet. Für Christen ist der Weg nicht

tus geeint ist. Diese Botschaft der Einheit

Verschiedenheit von Konfessionen. Die

Dreihostienfest nach Andechs wird mei-

Franziskus, auf den »heiligen Berg« zu

wohl der Weg, als auch die Orientierung

der Kirche bildet einen Kontrapunkt zur

´ Eterovi c Meine Reise zum diesjährigen

auf diesem Weg seines Lebens auch Or-

ist. Die drei Hosten bilden eine Einheit in Christus, so wie die Kirche in Chris-

Welche persönlichen Begegnungen und Erlebnis­ se verbinden Sie mit dem Kloster Andechs?

und Orientierungslosigkeit. Sie machen

sich auf den Weg, um sich zu finden. Sie

erleben nicht selten eine Umkehr und

Reinigung ihres bisherigen Lebens und

wollen neu die Gnade leben, die ihnen

bei der Taufe geschenkt wurde. Außer-

dem erleben viele, die sich allein auf eine

Wallfahrt gemacht haben, dass sie nicht

alleine sind, sie finden die Gemeinschaft der Glaubenden. Die Erfahrungen wir-

ken missionarisch, wenn sie anderen

erzählt werden. Die gute alte Tradition

nach Andechs zu pilgern, wird also im-

mer jung und lebendig bleiben, wenn sie

nen Apostolischen Segen zu spenden. Auf eint mit der Kirche von Rom, »welche der

gesamten Liebesgemeinschaft vorsteht« (Lumen gentium 13).

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bergecho 2 . 2015

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kirche und kloster

das barocke bayern Fünfte Sommerakademie Sankt Bonifaz

»Das barocke Bayern« war Thema der fünfte Sommerakademie Sankt Bonifaz, die die Benediktiner in der Münchner Karlstraße und der Verein der Freunde von Sankt Bonifaz bis Ende Juli 2015 veranstaltet haben. Von den insgesamt sechs Vorträgen dokumentieren wir hier die ersten drei in einer kurzen Zusammenfassung. Die anderen drei Vorträge folgen in der Ausgabe 3-2015.

›Image‹ so entscheidend bestimmt hat wie die des Barock.

ist. Die These Hubensteiners geht dahin,

cken Bayern‹. Über Jahrhunderte hinweg,

nur erfassen könne, wenn man seine Ge-

die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhun-

fasse.

tiv besetzt, hatte das barocke Bayern ein

ten These reichen weit, sie machen vor

mit dem Terminus vom ›Bild des baro-

von der Zeit der Aufklärung bis herein in derts war dieses Bild durchgängig nega-

Die Konsequenzen dieser reich beleg-

ern selbst, das gilt für protestantische

das bayerische Barockzeitalter immer vom

das gilt für Kritiker der Aufklärung in BayNordlichter, das gilt für seriöse Historiker des 19. Jahrhunderts.

Und eine dritte Perspektive verbindet

zahlreichen Verdammungsurteilen über

Verschulden der Kirche die Rede ist. Die

Fixierung der Kritiker auf die Kirche und die Religiosität korrespondiert mit dem

sich mit diesem ›Bild vom barocken Bay-

Wesen des bayerischen Barock. Kirche,

die ersten beiden Perspektiven aufeinan-

sind nicht spirituelle Zutaten zu einer an-

Urteilen über das barocke Bayern einer-

seits und der enormen Attraktivität gerade

Kirchlichkeit, Frömmigkeit, Religiosität

sonsten säkularen Lebens- und Weltwirk-

lichkeit, sondern bilden deren eigentlichen Kern.

Staat und Kirche gehen in Bayern im

dieses barocken Bayern in unserer Zeit an-

17. und 18. eine ganz unvergleichliche

verbirgt sich auch ein Kapitel bayerischer

Bild des barocken Bayern entgegentritt.

dererseits auftut. Hinter diesem Kontrast

Wissenschaftsgeschichte, die Frage nämlich, von welchen Prämissen die Umori-

Symbiose ein, deren Konsequenz uns im

Erst wenn man diesen Gesamtzusammen-

hang berücksichtigt, gewinnen auch die

entierung der Betrachtungsweise besetzt

geläufigen und immer wieder angeführ-

Umorientierung im Urteil ihren Ausgang

Bayern ihren angemessenen Stellenwert:

Forschungsgeschichte im Blick auf das

der Jesuiten, der Franziskaner, der Kapu-

war, von welchen Phänomenen diese

nahm, wie sich – abstrakt formuliert – die

Zeitalter des Barock in Bayern ausnimmt. Als Standardwerk im Zusammenhang

dieser Neuorientierung der bayerischen

Landesgeschichte wird man auch heute

noch ohne Einschränkung Benno Hubensteiners Buch »Vom Geist des Barock« be-

zeichnen dürfen. 1967 zum ersten Mal er-

ern‹, so sind damit drei verschiedene Pers-

schienen, hatte es Anregungen von Max

tiger Sicht festzuhalten, dass keine ande-

Untertitel des Hubensteiner’schen Buches

re Kulturepoche das aktuelle bayerische

schichte als Frömmigkeitsgeschichte auf-

allem auch verständlich, warum bei den

gistriert, der sich zwischen den abfälligen

pektiven eröffnet. Es ist, erstens, aus heu-

dass man den Kern des Barockzeitalters

schlechtes Image, eine schlechte Presse;

der bezieht, wenn man den Kontrast re-

Spricht man vom ›Bild des barocken Bay-

menhang deutlich, der für uns von Belang

Eine zweite Perspektive verbindet sich

ern‹; sie gewinnt an Relevanz, wenn man

Prof. Dr . Hans -Michael Körner Barock und Rokoko : einführende Be merkungen zu Begriff und Epoche 23 . Juni 2015

Bayern«. Und hier wird nun der Zusam-

Spindler aufgegriffen und umgesetzt; der

lautet: »Kultur und Frömmigkeit im alten

ten Einzelphänomene dieses barocken

die Barockpredigt; die Volksmissionen

ziner; die Wallfahrten und Prozessionen;

die Heiligen- und Reliquienverehrung; die Ölbergandachten und Auferstehungsfei-

ern; die Umritte und Passionsspiele; die

Zusammenschlüsse in Bruderschaften und Kongregationen.


bergecho 2 . 2015  |

Dr . Hans Kirchinger Die wirtschaf tliche Bedeutung der bayerischen Klös ter im 1 8 . Jahrhundert: da s Beispiel Polling 30. Juni 2015

Hoffußeinheiten, das nicht weit davon

entfernte arme Mallersdorf nur 32 grunduntertänige Hoffußeinheiten. Auch die

Eigenbetriebe besaßen sehr unterschied-

liche Größe. Am größten waren die Eigenbetriebe der Augustiner-Chorherren und

Prämonstratenser mit durchdurchschnittEingangs seiner Vorlesung konfrontierte

Dr. Kirchinger das Publikum der Sommer-

Akademie mit den quantitativen Größenordnungen des hier in Rede stehenden

Themas. Die barocke Bautätigkeit und

lich 100 Hektar. Den geringsten Flächenumfang besaßen die Betriebsstätten der

Benediktiner und Zisterzienser mit durchschnittlich unter 70 Hektar.«

Dr. Hans Kirchinger vertiefte diese

rentabel wirtschaftete und überlebensfä-

ökonomische Perspektive noch weiter und

hig war. Produktionstechnische und be-

bach – zu dem Ergebnis, dass der Stand der

ausgeprägt auch in der Zisterzienserabtei

die Kunstpflege in den Klöstern, die Mu-

kam – im Blick auf Mallersdorf und Alders-

schaften, die Verankerung der landstän-

Bewirtschaftung in dieser Zeit ausgespro-

Aldersbach. Die Betriebe Aldersbachs wur-

in der Verfassung des Kurfürstentums

Mallersdorf war vor allem auf die Einnah-

veau bewirtschaftet und können als Zent-

All das bedurfte einer wirtschaftlichen

376 Hektar angewiesen. Dadurch erwirt-

im niederbayerischen Hügelland gelten.

lichen Eigenbetrieben der Klöster, worun-

gar einen marktfähigen Überschuss. Aber

Bedeutung waren, sicherte diese Grund-

Mayerhöfe des Klosters Mallersdorf waren

Tendenz ab, dass die Klöster in den frucht-

besitz. »Zum größten Teil war dieser an

derwirtschaft, also zur Fruchtfolge, über-

wirtschaftlich orientiert waren, während

auch die beiden großen Brauereien in Mal-

landes eher an der Bedarfsdeckung orien-

sikkultur und die Förderung der Wissen-

dischen Klöster Nieder- und Oberbayerns

mit Sitz und Stimme auf den Landtagen: Grundlage. Neben verschiedenen gewerb-

ter regelmäßig die Brauereien von einiger

lage vor allem der klösterliche Grund-

chen unterschiedlich ausfiel: Das kleine

men aus dem Forstbetrieb im Umfang von

auch die auf sehr guten Böden liegenden

hundert zeichnet sich also die plausible

um 1800 bereits zur verbesserten Dreifel-

Klöster und Stifte 28 Prozent des grundun-

lersdorf selbst und in Inkofen, sowie die

Daneben bewirtschafteten die Klöster aber

ist vor allem darauf zurückzuführen, dass

gie. Die Klöster waren deshalb außerhalb

Bedarfsdeckungswirtschaft verzettelte,

landwirtschaftliche Mischunternehmen.

auf die Veredelung der selbst produzierten

auch Land und vor allem Forst in Eigenreder Mauern strenger Klausur gewerblich-

modern eingerichtete Klostermühle. Dies das Kloster Mallersdorf sich nicht in der

sondern sich im Hinblick auf das Gewerbe

Das selbst bewirtschaftete Land umfasste

landwirtschaftlichen Rohstoffe konzen-

sare zur Zeit der Säkularisation 1803 mehr

des Klosters Mallersdorf einen ausgeprägt

laut Schätzung der Aufhebungskommis-

rum des landwirtschaftlichen Fortschritts

Bei der Betrachtung der Wirtschaftswei-

gegangen. Überschüsse produzierten dort

tertänigen landwirtschaftlichen Grundes.

den auf einem hohen ackerbaulichen Ni-

schaftete es mit modernen Methoden so-

grunduntertänige Bauern ausgegeben. Als

Grundherren besaßen die landständischen

triebswirtschaftliche Modernität zeigt sich

trierte. So zeigten die Unternehmungen

sen der altbayerischen Klöster im 18. Jahr-

baren Gebieten Niederbayerns eher markt-

die Klöster des ertragsschwächeren Ober-

tiert waren.

Den Hauptteil seines Vortrags widme-

te Kirchinger dann dem Augustiner-Chor-

herrenstift Polling, das in der zweiten

Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den Zentren der katholischen Aufklärung gehörte. In-

tensiv beschäftigte er sich vor allem mit

der 476seitigen Wirtschaftsinstruktion des

langjährigen klerikalen Ökonomen Olle-

garius Seidl für seinen Nachfolger mit der

privatwirtschaftlichen Charakter. Am Bei-

Frage, wie agrarspezifische Erfahrung in

tar. Dabei waren die Besitzunterschiede

kleines Kloster durch die Anpassung an

aufklärerische Innovation einen Konkur-

altaich im fruchtbaren Donaugau 551

einer sich kapitalisierenden Wirtschaft

Erfahrungswelt aufbaute.

als 15.000 Hektar in 181 Betriebsstätten.

Der Forstbesitz umfasste fast 100.000 Heksehr groß. So besaß das reiche Nieder­

spiel Mallersdorfs zeigt sich, wie auch ein

die ökonomischen Rahmenbedingungen

einer Zeit kommuniziert wurde, in der die

renz-Horizont gegenüber der bäuerlichen

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bergecho 2 . 2015

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kirche und kloster

Im Rückgriff auf den Konsens in der

neueren Forschung und im Anschluss vor

allem an die Studien von Marcus Junkel-

mann darf das Streben nach Ruhm, nach

»gloria«, nach »gloire« als die Schlüssel­

kategorie der Epoche gelten, insoweit es

dabei um das fürstliche Selbstverständnis

die auf dem Felde der so bezeichneten »Eh-

Leinwand bannen – vor allem für die In-

te. – Die Leitfrage von Dr. Weigand laute-

Als ein letztlich Gescheiterter sonnte sich

den jeweiligen gloire-Faktor bei den hier

ner Ruhmestaten.«

re«, also im Krieg erworben werden konn-

te demgemäß: »Wie war es nun aber um

von Ferdinand Maria bis Karl Theodor, bestellt?«

Nach den Verheerungen des Dreißig-

jährigen Krieges war Kurfürst Ferdinand

ausgestattete Thronsäle und streng geo-

Linie darauf bedacht, das von seinem Va-

metrisch angelegte Residenzgärten denkt, erweist sich der Blick auf die jeweils re-

gierenden Monarchen als unabdingbar.

rückgekehrt – unter ungeheurem Aufwand

ließ noch größer dimensionierte Verherrli-

Besonderen, zuerst an wohlbeleibte Fürs-

ten, gepuderte Allonge-Perücken, prächtig

zurückkehren; Dr. Weigand: »Außerdem

baute er – kaum war er nach Bayern zu-

am verlässlichsten galt den absolutisti-

vorzustellenden bayerischen Kurfürsten,

zeitalter im Allgemeinen und in Bayern im

el in sein angestammtes Kurfürstentum

am Neuen Schloss Schleißheim weiter,

schen Fürsten gleichwohl jene »gloire«,

Auch wenn man, im Blick auf das Barock-

französischen Allianz 1704 in der Schlacht

von Höchstädt. Erst 1715 darf Max Emanu-

geht. Nun mochte es viele Gelegenheiten geben, in denen Ruhm zu erwerben war,

Dr . K atharina Weigand Die wit tel sbachischen Für s ten de s 17./1 8 . JH . im Überblick 7. Juli 2015

endet mit der Niederlage der bayerisch-

Maria (1651–1679) außenpolitisch in erster

ebenso an Schloss Nymphenburg, und er

chungen seiner Siege gegen die Türken auf

nenausstattung von Schloss Schleißheim.

Max Emanuel im Glanze längst vergangeDie Kluft zwischen Anspruch und

Wirklichkeit setzt sich fort: Max Ema-

nuels Sohn Karl Albrecht (1726–1745) lässt

sich, ganz in der Art seines Vaters, auf das unkalkulierbare Risiko ein, den Kampf um Königswahl und Kaiserwürde auf-

zunehmen: 1742 in Frankfurt zum Kai-

ter, Kurfürst Maximilian I., Erreichte zu

ser gekrönt, muss er die längste Zeit, bis

seine Tendenz, sich mit allen Mächten im

Frankfurter Exil verbringen.

und Nähe zu Habsburg und Frankreich

pondiert der von den erschöpften Staats-

sichern, zu konsolidieren. Von daher rührt

zum seinem frühen Tod mit 48 Jahren, im

Wenn es um das Kurfürstentum Bayern

Umkreis Bayerns gut zu stellen, Distanz

mit Maximilian I., Ferdinand Maria, Max

auszubalancieren, auf Macht- und Expan-

angesprochen. Während Person und Poli-

konsequente Friedenspolitik zu betreiben.

den Vorlesungen der Sommer-Akademie

fürst Max Emanuel (1679–1726): Der ziel-

fürst Karl Theodor (1777–1799) stellt sich

lich behandelt worden sind, näherte sich

sollte die Basis liefern für ein energisches

cker bayerischer Herrscher zu etikettieren

im 17. und 18. Jahrhundert geht, sind da-

Emanuel, Karl Albrecht und Karl Theodor tik von Kurfürst Maximilian I. bereits in

des Jahres 2014 in allen Facetten ausführ-

Dr. Katharina Weigand in ihrer Vorlesung den Kurfürsten von Ferdinand Maria bis

Karl Theodor in einer ganz spezifischen thematischen Engführung an.

sionspolitik zu verzichten, in summa eine Ganz anders sein Sohn und Erbe Kur-

strebige Ausbau der bayerischen Armee

Engagement in den Türkenkriegen, in de-

nen er sich – durchaus erfolgreich – Ruhm und Ehre und Ansehen erwerben konnte.

Besessen von der Vorstellung, seinem Hause und ihm selbst eine Rangsteigerung

und nach Möglichkeit auch eine territori-

ale Vergrößerung zu verschaffen, setzte er seine Hoffnungen zuerst auf den Erwerb

des spanischen Erbes, sodann auf das

Bündnis mit Frankreich. Zweimal ist er

dabei grandios gescheitert: Der bayerische

Kurprinz Josef Ferdinand stirbt im Alter

von sieben Jahren und fällt als spanischer

Erbe aus; der Spanische Erbfolgekrieg

Bei Max III. Joseph (1745–1777) korres-

Ressourcen erzwungene Verzicht auf eine

gloire-gesteuerte Außenpolitik mit einer

Innenpolitik, die sich verstärkt den Prin-

zipien der Aufklärung öffnet; und bei Kur-

überhaupt die Frage, ob er noch als baro-

ist. 

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bergecho 2 . 2015

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kirche und kloster

Der Heilige Berg ruft Wallfahrer aus Türkenfeld und Zankenhausen zu Fuß nach Andechs und zurück

Links: Ziel in Sicht – zu Fuß nur noch vier Stunden – im Vordergrund die Kirche von Zankenhausen Rechts: Rainer Hegnauer ist seit 1985 Kreuzträger

T

rödeln darf man nicht, wenn man

nach Andechs mitgehen will. Denn der Ablauf am Himmelfahrtstag ist

genau festgelegt. Das Maß aller Dinge,

nach dem sich der Zeitplan richtet, ist der Gottesdienst in der Wallfahrtskirche oben

auf dem Heiligen Berg. Er beginnt pünkt-

lich um 8 Uhr und wird seit vielen Jah-

ren zusammen mit der Pilgergruppe aus

Kottgeisering gefeiert.

Spätestens um Viertel vor vier heißt

es also aufstehen, sich je nach Wetter in

mehr oder weniger Kleidungsstücke packen, den kleinen oder größeren Ruck-

sack nehmen und in der Dunkelheit zur

Seit Beginn des 12. Jahr­ hunderts wallfahrten Menschen nach Andechs. Auch in heutiger Zeit zieht es jedes Jahr über 40.000 Pilger aus mehr als 130 Wallfahrtsgemeinden auf den Heili­ gen Berg. Die Wallfahrer aus Türkenfeld und Zanken­ hausen gehören dazu. Sie brechen traditionell an Christi Himmelfahrt zu ihrem Bittgang auf. Los geht’s um 4 Uhr in der Früh. Gerhard Meißner ist dabei gewesen.

Türkenfelder Pfarrkirche eilen. Die ersten

Weggefährten tauchen aus anderen Häu-

sern auf, in der Kirche ist meist schon ei-

ne größere Anzahl versammelt. Dort geht

alles schnell: Nach dem Gebet zieht der

Kreuzträger unter Glockengeläut als Erster

aus, dahinter reihen sich die Anderen ein.

Ein kurzer Halt noch vor dem »Gasthaus Drexl«, damit die Zugordnung stimmt –

die Kinder werden von je einer Reihe Er-

wachsener links und rechts in die Mitte

genommen – dann marschieren Kreuzträger und die beiden Schrittmacher links

und rechts neben ihm los. Beide tragen

der Sicherheit wegen Leuchtwesten, ge-

nau wie ein Pilger am Ende des Zuges.

Erst wenn e s hell wird, zeigt sich, wer denn wieder dabei ist Da es noch dunkel ist, fällt es anfangs

nicht leicht, die Weggefährten um sich

herum zu erkennen. Erst nach und nach

offenbart sich, wer alles dabei ist und wo die Freunde oder Bekannten sind, mit

denen man sich verabredet hatte. Schon

auf der Zankenhausener Brücke zeigt der

Blick zurück auf die schemenhaften Ge-

stalten, dass der Pilgerzug ziemlich lang

ist. Und er wird ständig länger, da an der

Einmündung zur Sudeten- und Gollen-

bergstraße Grüppchen warten und sich


bergecho 2 . 2015  |

weitere Erwachsene, Kinder und Jugend-

und die Mitbringsel gekauft sein. Punkt

liche fließend in den Zug einreihen. Ei-

12 Uhr findet die Verabschiedung vor der

ne kurze Begrüßung, ein Wispern zum

Wallfahrtskirche durch den Abt statt. Wer

Glocken verstummt sind, wird der Rosen-

jetzt eine großzügige Weihwasserdusche.

Nachbarn – mehr geht nicht, denn seit die

nicht auf der Hut ist, erhält spätestens

kranz gebetet. Angestimmt hat ihn ein

Vorbeter und so beten alle, während sie

Die Reihen lichten sich

flotten Schritts auf dem Radweg gen Zan-

Der Rückweg von Andechs nach Türken-

verschiedene Gesätze des Rosenkranzes.

Fuß und großenteils betend den Berg hi-

regelmäßig ab.

nach Stegen, zu Fuß und wieder betend

kenhausen marschieren, nach und nach

feld ist ein Spiegelbild des Hinwegs: zu

Dabei wechseln sich linke und rechte Seite

nunter bis Herrsching, mit dem Dampfer

Kaum ist Zankenhausen erreicht, wie-

bis Türkenfeld. Der entscheidende Unter-

derholt sich die Szenerie aus Türkenfeld.

schied: Wurde beim Hinweg der Pilger-

Fast an jeder Straßeneinmündung war-

zug immer länger, passiert jetzt genau

ten Gestalten, die sich erst beim Näher-

das Gegenteil. Bis Herrsching ist das noch

kommen als der oder die entpuppen und

kaum sichtbar, vor allem bei gutem Wet-

die sich schnell in den Zug und den Chor

ter. Doch spätestens nach der Ankunft in

der Betenden eingliedern. Am Ende von

Stegen, wenn sich die verbliebenen Wall-

Zankenhausen, dort wo der Radweg nach

fahrer am Ortsausgang von Eching wie-

Eching beginnt, ist der inzwischen auf eine stattliche Länge angewachsene Pilger-

der hinter dem Kreuzträger aufstellen, ist

nur noch der harte Kern von 25 bis 30 Pil-

zug vorerst komplett. Spätestens hier wer-

Kiental. Auch hier wird bis zum ersten

gern übrig. Die halten – abgesehen vom

weiß, wie viele mitgegangen sind.

tion gelaufen und Rosenkranz gebetet. Ist

durch. Eineinhalb Stunden später werden

Ist es nicht l angweilig, nur zu gehen und zu beten ?

bleiben noch wenige hundert Meter bis

dauerndes Beten und Singen während des

den auch alle gezählt, damit man später

Das Gegenteil ist der Fall, und viele, die

steilen Treppenpfad wieder in Zugforma-

der schweißtreibende Anstieg geschafft,

zu den allerletzten Stufen, an denen sich

Hin- und Rückwegs mit Glockengeläut be-

grüßt.

zum Andechser Kirchenvorplatz hinauf.

Anliegen und Bit ten auf den Heiligen Berg getr agen

wartet mit einem strahlenden Lächeln,

Was bleibt nach rund 12 Stunden Wallfah-

geht es dann mit dem Kreuzträger voran

obwohl man sich auf die Stimmen der Be-

Die Glocken läuten, Abt Johannes Eckert

zentriert, nimmt man Vieles um sich he-

verteilt großzügig Weihwasser über die

tenden vor, hinter und neben sich kon-

sie beim Einzug in Türkenfeld für ihr aus-

alle kurz sammeln. Die letzten 20 Meter

regelmäßig beim Bittgang nach Andechs

dabei sind, werden das bestätigen. Denn,

Schwund in Zankenhausen – bis zuletzt

ren? Müde Füße sicherlich und bei dem

rum intensiv wahr: die Dunkelheit des

Ankommenden und mit dem erhabenen

im Dämmerlicht, Bäume oder Sträucher

le die Kirche.

Wind oder Regen, die mal mehr, weniger

Entspannung vor dem Rückweg

Momente der Stille, die am frühen Mor-

An die 120 Pilger aus Türkenfeld und Zan-

Tageslicht auf dem Rückweg nachhaltig

auf dem Heiligen Berg ankommen und

als Kinder in Andechs dabei und haben

pe Kottgeiseringer die 8-Uhr-Messe fei-

lige Erlebnisse gesammelt. Jetzt nehmen

zeit angesagt. Zu dieser frühen Stunde

geben bewusst oder unbewusst Gebet und

frühen Morgens, die hügelige Landschaft

am Wegrand, die ersten Vogelstimmen,

oder gar nicht zu spüren sind. Dazwischen

gen besonders intensiv sind, aber auch bei wirken.

Außerdem sorgen Zeitplan und Stre-

Gefühl, es geschafft zu haben, betreten al-

kenhausen sind es im Schnitt, die oben

zusammen mit einer gleich großen Grup-

einen oder anderen auch ein schwerer

Kopf, wenn es sehr heiß und das Andech-

ser Bier gar zu gut war. Doch das sind nur

Begleiterscheinungen. Für die Meisten

steht nämlich das Dabeisein (– ist Ehrensache! –) und die dabei erlebte Gemein-

schaft im Vordergrund. Nicht wenige, die

die 50 überschritten haben, waren schon

bei den vielen Wallfahrten seither unzäh-

cke für weitere Abwechslung. Um 6 Uhr

ern. Danach sind Entspannung und Brot-

Türkenfelder, Zankenhausener und Kott­

genießen alle noch das Privileg der freien

Tradition weiter. Auf jeden Fall haben im

Herrsching fahren. Ein Luxus, denn zu

11 Uhr, wenn die Ausflügler und Vatertags-

Anliegen und Bitten hinauf auf den Hei-

den Pilgern! Wieder an Land, geht es in

Doch da vergnügen sich die vielen Kinder,

sich, und ganz ohne Aufhebens. 

legt in Stegen der Dampfer ab, mit dem

geiseringer über den Ammersee nach

solch früher Stunde gehört das Schiff nur

Herrsching in loser Formation erst durch den Ort, bis sich die Wege hinauf nach

Andechs teilen. Die Türkenfelder und Zankenhausener nehmen die Route durchs

Platzwahl in vollen Zügen, spätestens ab Besucher eintreffen, ist es damit vorbei.

die mitgepilgert sind (und nicht nur diese), schon längst an den Marktständen.

Bis fünf vor 12 Uhr müssen schließlich

alle wichtigen Sensationen ausprobiert

sie selbst Kinder und Enkelkinder mit und

Laufe der Jahre auch unzählige Pilger ihre

.

ligen Berg getragen. Im Stillen, versteht

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Abdruck aus: Türkenfeld im Blick

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bergecho 2 . 2015

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kirche und kloster

Auf Sturm Niklas’ Spuren Fußwallfahrt von München nach Andechs mit Hindernissen und neuen Einsichten


bergecho 2 . 2015  |

Die Geschichte dieser Wallfahrt beginnt eigentlich schon vor zwölf Jahren. Während ihres forstlichen Referendariats geben sich Sebastian Höllerl und Stefan Schaffner das Versprechen auf eine Wallfahrt zu gehen, wenn sie das Staatsexamen hinter sich gebracht haben. Die Jahre vergehen. Das Versprechen ist unvergessen, aber noch nicht eingelöst. Dann weist die beiden ein guter Freund auf die Fußwallfahrt der Abtei Sankt Bonifaz von München nach Andechs hin. Sie haben sich darauf eingelassen. Hier ihr Erlebnis.

H

eute ist es so weit. Treffpunkt:

A m Waldfriedhof in München erste Spuren de s Stur me s

Marien­platz München. Die nächt-

Einen ersten Halt machen wir im Wald-

18. April, sechs Uhr morgens,

liche Stimmung weicht gerade der mor-

gendlichen Dämmerung. Es ist ein ganz

friedhof, wo wir nach einer kurzen Brotzeit unseren Weg mit dem ersten Rosen-

eigentümliches Licht, die Mariensäule

kranz fortsetzen. Hier treffen wir auch

beleuchtet, daneben die trübe Nacht­

Niklas, ein vor Island geborenes Sturm-

in der Dunkelheit von orangen Lampen beleuchtung der Schaufenster. Auf den

Straßen eine Melange von angeheiterten

auf die ersten Spuren von Sturm Niklas.

tief, zog vom 30. März bis zum 1. April 2015 über Europa und verursachte südlich von

oder übermüdeten Menschen, die noch

München schwere Schäden. Spitzenbö-

betriebsamen Personen auf dem Weg zur

und z.T. auch die Bäume im Waldfriedhof

von der Nacht übrig geblieben sind und

Arbeit. Dazwischen tauchen immer wie-

en von bis zu 192 km/h trafen die Wälder

schwer. Auf dem Weg entlang der unzäh-

der Menschen mit fröhlich erwartungsvol-

ligen Grabsteine und -kreuze sowie einiger

weitere Wallfahrer und auch die Leiter der

heit, uns Gedanken über die Endlichkeit

len Mienen aus dem Dunkel auf: Es sind

Wallfahrt, Abt Johannes und Sr. Rosa Maria. Mit von der Partie ist auch Fr. Elija,

der offensichtlich überhaupt keine Beden-

ken hat, sich trotz seiner Sehbehinderung

auf den ca. 45 km langen Weg zu machen. Nach einem kurzen Gebet an der Ma-

umgestürzter Bäume haben wir Gelegen-

des irdischen Lebens zu machen. Wer hier

wohl alles begraben ist? Welche Lebens­

geschichten mit all den Grabsteinen verbunden sind?

Ausgangs des Waldfriedhofes stellen

wir uns kurz untereinander vor. Wir be-

riensäule gehen wir durch die Straßen

lassen es aber beim Namen und bei der

wundert sich etwas über die Gruppe von

an der Wallfahrt bleiben den Einzelgesprä-

westen folgt.

erhalten wir jeder einen kleinen Zettel

Münchens. Der eine oder andere Passant etwa 40 Personen, die dem Kreuz gen Süd-

Herkunft. Die Gründe für die Teilnahme chen des Tages vorbehalten. Außerdem

mit einem Spruch darauf. Meiner ist in

jeglicher Hinsicht passend: »Wer ein Ziel

will, darf den Weg nicht scheuen, sei er glatt oder

rauh« (Theodor Fontane).

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bergecho 2 . 2015

Am Waldeingang hinter Neuried beten

und singen wir und Abt Johannes gibt uns

| 

kirche und kloster

Diese Passage der Wallfahrt sorgt je-

doch nicht nur für »Abenteuer-Feeling«.

Als wir wieder auf einer längeren As-

phalt-Passage unterwegs sind, fällt mir

Sie regt uns auch zum Nachdenken an. Ist

ein Herr auf, der etwas zurückfällt. Ich

gend. Lauschen den Geräuschen des Wal-

nicht immer alles geradlinig abläuft. In

tuation eine Weile. Schließlich suche ich

Gedanken. Schließlich verlassen wir den

nem jemand die Hand reicht und über

wenig an Energie fehlt. Selbige findet sich

einen weiteren Impuls zum Nachdenken.

Ein ganzes Stück gehen wir nun schwei-

des. Horchen in uns hinein. Machen uns

Wald und nähern uns über freies Feld der

Ortschaft Buchendorf, wo wir uns zu einem

kräftigenden Mittagessen niederlassen.

sie doch Sinnbild dafür, dass im Leben

solchen Situationen ist es gut, wenn ei-

das Hindernis hinweg

hilft, das einem gera-

de den Weg versperrt.

Stefan meint, auch das

Der abenteuerliche Teil der Wallfahrt

Waldbild selbst regt zum

Als wir nach dem Mittagessen unseren

seits Zerstörungswerk

Nachdenken an: Einer-

gewaltiger Naturkräfte,

auf der anderen Seite der

Beginn neuen Lebens.

gewaltiger Naturkräfte, auf der anderen

Waldstück, welches vom Sturm Niklas arg

veränderten Lebensraum. Alte Bäume

einzelne Bäume, die im Bestand gewor-

Luft am vorher dunklen Waldboden. Neu-

gen. Nach und nach werden jedoch Cha-

Lebens fort. Letzten Endes ein Bild für Tod

gebeutelt worden ist. Anfangs sind es nur fen oder auch einmal über die Straße lie-

os und damit auch die Gefahren größer.

Unser forstlich geschultes Auge erkennt gefährliche Bäume, die angeschoben in

dann in meinem Ruck-

sack in Form von einigen Stücken Schokolade. Er

reißt zwar anschließend

keine Bäume aus, aber hält wieder gut mit.

Am Maisinger See

machen wir eine letzte größere Pause und

Seite der Beginn neuen Lebens in einem

gönnen uns eine kleine Stärkung. Das Sit-

stürzen und machen Platz für Licht und

man sich dessen bewusst ist, dass man

es Leben keimt und setzt den Kreislauf des

es tatsächlich an die Substanz. Ironie des

und Auferstehung.

inzwischen besser zu Fuß zu sein als ich.

den Kronen anderer hängen und jederzeit

Stur mverwüsteter Wald und keimende s neue s Leben – Bild für Tod und Auferstehung

Bäume kreuz und quer zum Teil mehrfach

Nach Überwindung der Hindernisse wer-

Spannung. Für den Laien ist die Gefahr

schnitt der Wallfahrt belohnt. Geradezu

noch fallen können. Auf dem Boden sind

das Gespräch und erfahre, dass es ihm ein

Einerseits Zerstörungswerk

Weg fortsetzen, beginnt der abenteuer­

liche Teil der Wallfahrt. Wir betreten ein

bleibe mit zurück und beobachte die Si-

zen auf der Bierbank tut gut, auch wenn

bald wieder weiter muss. Langsam geht Schicksals: der Herr von vorhin scheint

Meine Hüfte zeigt Ermüdungserscheinun-

gen und die Fußsohlen brennen. Ich bin

es einfach nicht gewohnt, so lange Strecken auf Asphalt zu laufen. Da passt es

doch, dass wir jetzt den schmerzhaften

den wir mit einem besonders schönen Ab-

Rosenkranz beten. Und irgendwie lenkt er

kaum erkennbar. Wir leiten die Gruppe

märchenhaft ist die Landschaft im wildro-

Besonders hart wird es noch einmal, als

oftmals zur Folge hat, dass wir über lie-

windenden) Würm. Unzählig die Formati-

übereinander geworfen und stehen unter

um die gefährlichen Stellen herum, was

gende Stämme klettern müssen. Aber

die Gruppe findet den Weg durchs Chaos,

man hilft sich gegenseitig und der sehbe-

hinderte Fr. Elija leistet Unglaubliches.

mantischen Tal der mäandrierenden (sich onen im sich kräuselnden Wasser.

einen auch von den eigenen Schmerzen ab.

nach einem Wäldchen plötzlich, gleich-

sam wie eine Fata Morgana, eine barocke

Kirche auftaucht, die aber, wie sich sehr

schnell herausstellt, keineswegs Andechs

ist …


bergecho 2 . 2015  |

Wenn ein Lied am Leben erhält In einem der letzten Orte vor Andechs wird uns noch ein besonderes Erlebnis zuteil.

Anblick des Klosters nach der Wanderung

ich noch so lange am Tisch aushalte: die

sich tief im Gedächtnis verankert. So be-

löst und freudig, mit vielen Gesprächen

des Weges den glorreichen Rosenkranz

Wallfahrtstag aus.

ist einer dieser Momente im Leben, der

Schwester Rosa Maria bedeutet uns, mit zu

ten wir dann auch auf dem letzten Stück

geht hinein und kommt kurz darauf mit

und sobald wir uns dem Kloster nähern,

einem bestimmten Haus zu kommen. Sie

einem sehr alten Mann wieder heraus, der

beginnen die Glocken zu läuten und wir

von seiner Tochter gestützt wird. Schwes-

werden mit Segnung empfangen. Welch

stimmt »Segne Du Maria« an. Wir stimmen

nein in die Wallfahrtskirche, wo wir uns

ter Rosa Maria gibt uns ein Zeichen und

ein erhebendes Gefühl! Weiter geht es hi-

tolle Gesellschaft macht es möglich. Geund viel Lachen klingt der wunderbare

Tags darauf feiern wir noch gemein-

sam Messe und bekommen von Abt Jo-

hannes eine kleine Führung in der Kirche, während der wir auch die Reliquien zu

sehen bekommen. Nach einem üppigen

setzen und kurz innehalten. Mit Erstau-

Mittagessen ist es dann Zeit, Abschied zu

nen der Rührung und der Erschütterung.

he bin. Es ist eine Mischung aus Erschöp-

kurzen, aber intensiven »Zusammenle-

Weltkrieg in russischer Gefangenschaft ge-

Dankbarkeit, die mich dazu bringt.

der Erschöpfung ringen, Abendmahl und

nach Hause geflohen. Was ihn dabei am Le-

Erschöpfung, Erleichterung, Begeisterung und Dankbarkeit

Wiedersehen im nächsten Jahr. 

Ein paar Kilometer weiter kommen

Nach dieser Stärkung der Seele folgt dann

mit ein und urplötzlich stehen dem alten

Mann die Tränen in den Augen. Es sind TräWie sich herausstellt, ist er im Zweiten

wesen. Von dort ist er irgendwann zu Fuß ben erhalten hat, war dieses Lied…

wir schließlich auf einer Anhöhe aus ei-

nem Wäldchen heraus und sehen ins Tal

nen stelle ich fest, dass ich den Tränen nafung, Erleichterung, Begeisterung und

auch schnell eine Stärkung des Leibes. Wir bekommen eine äußerst schmackhafte

und zum Gegenhang, wo uns die Wall-

Mahlzeit und dürfen uns an den verschie-

genschaut. Ein toller Anblick, der einen

gütlich tun. Ich bin abermals erstaunt

fahrtskirche in ihrer vollen Pracht entge-

noch einmal mit Kraft versorgt. Der erste

denen Sorten des guten Andechser Bieres

über mich selbst. Dieses Mal darüber, dass

nehmen. Es fällt schwer, nach dem zwar ben« mit Beten, Singen, Wandern, mit

.

Gottesdienst. Aber es gibt ja vielleicht ein

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bergecho 2 . 2015

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kirche und kloster

»Der Weg wird euch verändern« Erste Friedberger Jugendwallfahrt nach Andechs

Zum ersten Mal machten sich rund 25 Jugendliche im Rahmen der 416. Friedberger AndechsWallfahrt auf den Weg zum Heiligen Berg Bayerns. Der Pallotinerpater Steffen Brühl, Kaplan von Sankt Jakob in Friedberg, hat die Jungen und Mädchen begleitet.

A

m Anfang klang es so einfach:

50 km von Friedberg zum Kloster

Andechs. Aber der Weg hatte es in

sich, wie die Teilnehmer an der Jugend-

Fußwallfahrt bald merkten. Am Sonntagmorgen, dem 10. Mai 2015, traf sich die

Gruppe zu einer Statio in der Stadtpfarr-

kirche St. Jakob in Friedberg. Dort wurde

dann auch die neue Prozessionsstange, die den heiligen Stephanus zeigt, gesegnet.

Diesen Heiligen hatten sich die Jugend-

lichen ganz bewusst gewählt, schließ-

Friedberg dem ersten Märtyrer geweiht.

Am Ende gemeinsa m mit der groSSen Wallfahrtsgruppe hinauf zum Hl . Berg

Brühl ging es dann los. »Der Weg wird

gingen die jungen Wallfahrer den übrigen

lich sind zwei Kirchen der Stadtpfarrei

Gemein­sam mit dem Kaplan P. Steffen

euch verändern, wenn ihr euch darauf einlasst«, gab ihnen P. Steffen mit.

Beten–Singen–Reden–schweigen am Lagerfeuer sitzen Abgesichert vom Malteser Hilfsdienst er-

reichten die jungen Wallfahrer rund zwei

Stunden später das erste Zwischenziel, die

Franziskuskapelle in Mering. Hier feierten

sie gemeinsam Eucharistie. Kurz gestärkt –

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen

Wallfahrern aus Friedberg entgegen und

holten sie am Beginn des Klostergeländes ab, um gemeinsam in der Kirche der Erzabtei die Pilgermesse zu feiern. Von dort

ging es dann in der großen Gruppe von

rund 320 Wallfahrern nach Schondorf, mit dem Schiff über den Ammersee, um dann den Heiligen Berg zum Kloster Andechs

zu erklimmen. Die Jugendlichen zogen er-

schöpft, aber glücklich in die Wallfahrts-

und weiter ging es auf den Weg nach

kirche ein. In der abschließenden Maian-

ten wurde. Betend, singend, redend und

bestätigte, dass sie den Weg von Friedberg

Steindorf, wo die Mittagspause gehal-

schweigend ging es dann bis zur Erzabtei

dacht erhielten sie ihre Pilgerurkunde, die zu den Drei Heiligen Hostien nach An-

St. Ottilien – das Nachtlager.

dechs zu Fuß auf sich genommen hatten

lich aufgenommen. Penne arrabiata gab

weiteren Lebensweg bat. 

Hier wurde die Gruppe sehr, sehr herz-

es zum Abendessen. Einige setzten sich

noch um das Lagerfeuer, sangen Lieder,

andere gingen geschafft vom Weg direkt ins Schlaflager.

.

und die um den Segen des Herrn für ihren


bergecho 2 . 2015  |

GENUSS & NATÜRLICHKEIT Eine bayerische Brotzeit beginnt mit einem Andechser dunkel aus der Hofpfisterei

www.hofpfisterei.de

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bergecho 2 . 2015

|  klosterbrauerei

Die perfekte Note zum Weißwurstfrühstück Geschichten ums »Andechser Weißbier Hell«

Weißwurst, Weißbier und weißblauer Himmel – dieser Dreiklang kulinarischer Glückseligkeit steht für Bayern wie kaum ein anderer. Tatsächlich ist die Mischung aus der bekannten Münchner Spezialität, knusprigen Brezn, süßem Senf und einem schaumgekrönten Weißbier ein geschmackliches Zusammenspiel, das weltweit seinesgleichen sucht. Christoph Ulrich hat sich auf eine Ent­ deckungsreise gemacht.

A

uf dem Weg zum perfekten Weiß-

berichtet er. »Deswegen haben wir nun

wurstfrühstück lauern viele Gefah-

Heilbronns »Hans im Glück« und da s WeiSSbier vom Heiligen Berg Bayerns

auch das Andechser Spezial Hell ins Sor-

Wursthäute oder Weißbier, das schaumlos

Wobei das nicht ganz stimmt. Im Nor-

haben Anke und Bernd Betzner die Klos-

ren: Harte Brezn, schrumpelige

im Glas liegt, verhageln den Genuss – auch bei bestem Wetter.

Wie bei Weißwurst und Brezn, die ide-

den Baden-Württembergs zum Beispiel

schenken die Wirtsleute Bernd und An-

sie sogar echte Münchner Weißwürste

ten. »Besonders gefallen hat uns, dass die-

heimnis eines richtig guten Weißbiers

dazu. Auf einer großen Terrasse, direkt

Stunden, dennoch gilt: Je kürzer nach

und der Neckar­ufer-Promenade, lassen

dem Ende der Reifezeit gezapft, desto frischer schmeckt es. Auf der Bierterrasse

ter Erinnerung behalten. »Da oben ging’s

ganz schön ab«, erinnert sich der Gastwirt

Weißbier aus – von Zeit zu Zeit servieren

in seiner Frische. Zwar geht es nicht um

terbrauerei schon besucht und sie in bes-

ke Betzner ebenfalls frisches Andechser

alerweise frühmorgens hergestellt und

bis Mittag gegessen werden, liegt das Ge-

timent genommen.« Selbstverständlich

zwischen dem historischen »Götzenturm«

sich so mitten in Heilbronn bayerische

Genussmomente erleben. Eine über zehn-

an den Betrieb im sommerlichen Biergar-

se schöne und sehr moderne Brauerei noch

von einem Kloster geführt wird.« Dieser

vergleichsweise familiäre Ansatz passe gut zu seinem Lokal. Auch inhaltlich hätten

sein Betrieb und die Klosterbrauerei ei-

des Andechser Bräustüberls kommt frisch

jährige Verbindung der Gaststätte »Hans

ne Gemeinsamkeit: »Wir setzen beide auf

Seine Anlieferung nimmt denkbar wenig

der Klosterbrauerei auf dem Heiligen Berg

immer die gleiche hohe Qualität – in zehn

gebrautes Weißbier direkt aus dem Fass.

im Glück« an der Allerheiligenstraße und

Zeit in Anspruch: Gebraut wird es in in

Bayerns machen diesen Umstand möglich.

Terrasse und Schwemme. Gerade in den

ßen Münchner Brauereien«, erzählt Bernd

unmittelbarer Nähe von der Bräustüberl-

»Früher hatten wir Weißbier von gro-

Güte statt auf Masse.« »Das Weißbier hat

Jahren sind mir nie Schwankungen aufgefallen.«

Sommermonaten, wenn ein lauer Wind

Betzner. Nach einer Weile sei ihm aufge-

Ein WeiSSbier al s Botschaf ter de s Heiligen Berge s

gen Blätter der Kastanien streicht, möch-

tätsschwankungen unterliegt. »Wir ha-

Worte, die wie Musik klingen in den Oh-

anderen Regionen in Deutschland, de-

besonderen Bier gemacht und sind auf

dem Betriebsleiter der Klosterbrauerei. Er

um die Mittagszeit durch die großfingri-

te man beinahe Mitleid entwickeln mit

nen derartig perfektionierte Genüsse verschlossen bleiben.

fallen, dass deren Bier mitunter Quali-

ben uns dann auf die Suche nach einem

Andechs gestoßen.« Seit er das unfiltrierte helle Weißbier ausschenkt, seien sei-

ne Umsätze auf diesem Gebiet gestiegen,

ren von Braumeister Alexander Reiss,

freut sich sichtlich über das Lob des Wirts.

»Wir legen im hauseigenen Labor viel Wert auf Qualitätskontrolle«, sagt er. Insofern


bergecho 2 . 2015  |

Unser Tipp Hans im Glück Allerheiligenstraße 1, D-74072 Heilbronn Tel.: 07131/80534 Fax: 07131/2033073 info@hig-hn.de, www.hig-hn.de Öffnungszeiten (bis September; weitere Öffnungszeiten auf der Homepage) Montag bis Freitag: ab 11.30 Uhr Samstag: ab 13.00 Uhr Sonntag u. Feiertag: ab 13.00 Uhr

freue es ihn ungemein, dass sie offenbar

Nelke und Melone hindeuten«, erklärt

brauen. Für die Klosterbrauerei Andechs

so gut gelinge, dass sogar ein Gastwirt es

Alexan­der Reiss. Gut gekühlt, reift das

hat sich die Entscheidung, auf Qualität

rung.

abgefüllt.

Nicht umsonst schmeckt das »Andech-

Hallertau, Malz von mittelständischen,

Andechs zur Weißwurst genauso gut wie

und ein selbstgezüchteter Hefestamm –

bronn. 

merkt – und nicht nur die QualitätssicheWer dem Braumeister zuhört, wie er

die Eigenheiten der Herstellung einer der

Bier nun in Tanks und wird anschließend Hochwertiger Aromahopfen aus der

erfolgreichsten Andechser Biersorten er-

inhabergeführten bayerischen Betrieben

dechser Weißbier von den üblichen »Fern-

es gibt kostengünstigere Wege, Bier zu

klärt, merkt schnell, wieso sich das An-

sehbieren« gleich in mehrfacher Hinsicht

unterscheidet. Sein ziemlich blickdichtes,

honigfarbenes Goldblond verdankt es zum Beispiel der Tatsache, dass es ungefiltert

bleibt. Sein kerniger kräftiger Geschmack

ist auch auf das traditionelle Mehrfach-

Maisch-Verfahren zurückzuführen. »Da-

bei wird ein Teil der Maische entnommen,

gekocht und dann wieder der Restmaische zugeführt, die währendessen bei 70 Grad

vor sich hinköchelt«, erklärt Alexander

Reiss.

Man müsse sich das vorstellen wie

beim Grillen: »Charakteristischen Grillge-

schmack erhält das Fleisch, indem ein Teil

des tierischen Eiweißes scharf angebraten

wird.« Bei den pflanzlichen Eiweißen, die im eingemaischten Malz enthalten sind, funktioniere das ähnlich. Anschließend

werde die Maische abgeläutert und die

»Würze« mit Aroma-Hopfen aus der Hal-

lertau aufgekocht – so formt sich, salopp

gesagt, der besondere Geschmack, der von

der Hopfenbittere herrührt. Anschließend

wird obergärige Hefe zugesetzt, die die

Andechser Bierbrauer selbst ziehen. »Dieser sorgsam gepflegte eigene Hefestamm

und die Temperierung beim Gären verlei-

hen dem Andechser Weißbier seine besonderen Geschmacksnoten, die auf Banane,

anstatt auf Quantität zu setzten, gelohnt. ser Weißbier Hell« auf dem Heiligen Berg

.

im knapp 300 Kilometer entfernten Heil-

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bergecho 2 . 2015

|  klosterbrauerei

eine nacht auf dem tollwood Wie die Klosterbiere zum Andechser Zelt auf das Tollwood kommen

Eigentlich ist es ganz einfach. Um ein Uhr nachts schließt das Andechser Zelt. Auch der letzte Durstige hat ein frisches kühles Helles, ein dunkles Export, ein Radler oder ein Weißbier Hell der Klosterbrauerei bekommen. Ab 11 bzw. 14 Uhr am nächsten Tag schenkt das Andechser Zelt-Team um Viktoria Reith und Patrick Brennan wieder die Bierspezialitäten des Klosters aus. Damit dies aber gelingt, machen Peter Späth und Hubert Schroll die Nacht zum Tag. Normalerweise sind die beiden Logistiker der Klosterbrauerei während des Tollwood-Festivals mit dem 400 PS starken Brauerei-LKW gemeinsam unterwegs. Für Martin Glaab haben sie eine Ausnahme gemacht. So konnte er sie begleiten und erleben, welche Geschichten das Andech­ser Klosterbier auf seinem Weg zum Andechser Zelt schreibt.

D

er Tag beginnt für mich früh. Sehr

früh. 0.45 Uhr Aufstehen. Früh-

stück im Stehen. Um kurz vor halb

zwei stehe ich am Betriebstor der Kloster-

brauerei. Hier herrscht sonst geschäftiges

Treiben von Mitarbeitern, Geschäftspart-

nern und Lieferanten. Jetzt: nur tiefe Stil-

le. Punkt 1.30 Uhr wird irgendwo einem

Dieselaggregat Leben eingehaucht. Ein

noch etwas unrundes, aber gemütliches

Nageln nähert sich. Einen Augenblick später biegt Hubert Schroll mit dem Brauerei-

LKW um die Ecke. Ich strecke mich nach der Beifahrertür und erklimme den Sitz.

Ein kurzes freundliches »Servus. Guten

Morgen« empfängt mich und los geht’s

auf den kaum befahrenen Straßen Rich-

tung München zum Tollwood. Eine Stun-

de braucht die 25 Tonnen schwere Zugma-

schine für die etwas mehr als 40 Kilometer

Wegstrecke. Zeit für ein paar Fragen.


bergecho 2 . 2015  |

3.30 Uhr auf dem Tollwood: Hubert Schroll und Peter Späth

»Klar sind wir viel

unterwegs. Aber eine

Seit zehn Jahren arbeitet Hubert bei

der Klosterbrauerei Andechs. Der Sanitär-

zu wenden. Über Selbstverständlichkeiten muss man

solche Arbeit machst

Du entweder ganz

meister aus Erling, dem Ort direkt unter-

nicht viel Worte verlieren.

lerfahrer begonnen. Inzwischen beliefert

vor halb drei in der Früh

Späth etliche Bierfeste rund um den Hei-

Münchner Olympia-Gelände erreicht. Im

halb des Klosters, hat als einfacher Staper zusammen mit seinem Kollegen Peter

ligen Berg. Andechser Biere und alkohol-

freie Getränke in Fass und Flasche, Gläser

aller Art, Fahnen, Bierbänke, große und

Inzwischen ist es kurz

oder gar nicht.«

und der LKW hat das Tollwood auf dem Schritttempo lenkt Hubert die Zugma-

schine sicher zwischen den Dutzenden

auch instandhalten. Immer wieder sind

uns mit einem gut gelaunten »Guten Mor-

dechser Zelt, wo Peter schon wartet und

gen« begrüßt, obwohl der Himmel noch

Zapfanlage zu finden, sorgen für ein per-

nachtschwarz ist.

Klosterbrauerei und dem »Andechser Le-

Andechser Zelt in ein warmes Licht. Aber

viel unterwegs. Aber eine solche Arbeit

die Zeit läuft. Fleißige Helfer haben in den

bensgefühl« ein Gesicht. »Klar sind wir

Tausende von Glühbirnen tauchen das

für Romantik ist hier keine Zeit. Denn:

machst Du entweder ganz oder gar nicht«,

vergangenen Stunden viele Biergarnituren

Frage nach dem Grund für seinen Einsatz –

le Gasse zum rückwärtigen Lagerbereich

antwortet Hubert kurz und knapp auf die ohne dabei den Blick von der Autobahn

lagert – ebenfalls gut gekühlt. Dazu noch ein Kühlcontainer, der die 50 Liter Fäs-

ser für das helle Weißbier und das dunkle

ders stolz. Für den Tankwagen haben sie

LKW seinen Weg – bis direkt vor das An-

fekt eingeschenktes Bier und geben so der

Kühlwagen, wo in mächti-

gen 50 Liter-Fässern die Zitronenlimonade

Schritttempo findet der 2,45 Meter breite

ner Teil der großen Ausstattung, die die

Hubert und Peter zudem selbst an der

10 hl fassen, ein weiterer

Export aufnimmt. Überhaupt die Küh-

Eng, ziemlich eng geht es hier zu. Aber im

beiden nicht nur transportieren, sondern

nen acht Tanks, die jeweils

von verschlossenen Festival-Buden dahin.

kleine Schirme, Durchlaufkühler, Schank­ inseln und Kühlwagen sind nur ein klei-

stehen sie: Der Tankwagen

der Klosterbrauerei mit sei-

auf die Seite geräumt und so eine schmades Andechser Zeltes freigeräumt. Dort

lung. Auf die sind Peter und Hubert besonein besonders ausgefeiltes TÜV-geprüftes

Kühlsystem selbst entworfen und einge-

baut. Als beide mir die Apparatur, die zwischen den Achsen des Tankwagens mon-

tiert ist, im Detail erklären, bemerke ich

kurz ein Blitzen und Leuchten in ihren Augen: eine Mischung aus Stolz und kindlich ehrlicher Freude. Der Augenblick währt

aber nicht lang. Mit einem »Jetzt muss sich aber was rühr’n«, geht’s weiter.

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bergecho 2 . 2015

Fast ohne Worte greifen die Arbeits-

schritte der beiden ineinander. Da sitzt

|  klosterbrauerei

Eine starke schwarze Dämmung umman-

zur Seite. Da blubbert die Kaffeemaschi-

telt das Bündel und lässt es tatsächlich

ne freundlich vor sich hin. Auf dem Tisch

ge. Durch die Dämmung hält das Bier vom

darin. Dazu eine Packung Frischmilch,

jeder Handgriff, jeder Bewegungsablauf.

aussehen wie eine exotische Riesenschlan-

dass es sonderlich gehetzt aussieht – ver-

Tankwagen bis zur Schankstelle im Zelt

Bio-Rohrzucker und drei Gläser mit einem

de von leeren 50 Liter-Fässern mit Hilfe

haben die beiden ihr »Reptil« schon vor ei-

führt. »Das machen die von der letzten

des LKWs. Ebenso flink wie exakt wird der

Zuleitungen im Innern des Tankwagens

überschlagen: »Des san dann zusammen

vorkommen, dass der

Wie im Zeitraffer-Tempo – jedoch, ohne

stauen Peter und Hubert zunächst Dutzen-

eines Elektrostaplers auf der Ladefläche Bedarf für den nächsten Lieferzeitraum

die optimale Trinktemperatur. Gezähmt

nigen Jahren. Denn wenn man früher die

abschraubte, konnte es

50 neue 50er-Fassl Zitronenlimo, Weiß-

Druck im Tank Peter

komme kaum hinterher – verschwindet

liche Bierdusche ver-

ler Ruhe den Füllstand der Biertanks ab:

hat dann immer recht

bier Hell und Export Dunkel«. Darauf – ich schon Peter im Tankwagen und liest in al-

»Oha! Die ham Durscht g’habt – 50 Hekto Helles braucht’s a no.« Ich bin noch am

und Hubert eine ordent-

passte. »Einer von uns

erklärt Peter. »Bevor sie gegen halb zwei

Zelt und wir – das ist

einfach ein super Team.«

ordentlich geschimpft«, erinnert sich Pe-

ter. Hubert setzt dazu ein breites Grinsen

sich an der »Python« zu schaffen.

mehr ganz so gut.« Klar. Aber dann hatten

flössendes Reptil, sondern ein bierdurch-

mit war auch dieses Problem Geschichte.

flossenes Bündel von mehreren Leitungen.

Spülschicht schon seit Jahren für uns«,

Viktoria Raith im Andechser

auf und fügt wie zur Entschuldigung hin-

Die »Python« ist aber kein furchtein-

Energydrink, der das Tier nicht im Namen

»Die Mannschaft um

addieren, da sind die beiden schon ins

»Dompteur-Fach« gewechselt und machen

stehen drei blaue Kaffeehaferl mit Löffel

Feierabend machen,

setzen sie für uns noch

einen Kaffee auf. Su-

per, oder?« Ich bin kurz sprachlos. Vielleicht

auch etwas gerührt.

Wie eine große Familie,

schießt es mir durch den Kopf. Wir set-

zen uns vor das Zelt. Trinken wortlos und

brechen dann gegen kurz vor vier Uhr auf

zu: »Man riecht dann eben nachher nicht

nach Andechs. »Spätestens um 5 Uhr müs-

sie die Idee mit dem Doppelventil und da-

knapp«, erläutert Peter den Zeitplan, wäh-

Als der Tankwagen an den LKW ange-

koppelt ist, heißt es: »So und jetzt noch an frischen Kaffee«. Habe ich mich ver-

hört? Kaffee? Frisch? Um kurz vor 4 in der

Früh? Hubert korrigiert mich nur mit ei-

nem Blick, der sagt: »Martin, zu viele Fragen. Einfach mitkommen.« Ich folge den

beiden zur Küche des Andechser Zeltes.

Schon auf dem Weg dorthin umweht mich

– Kaffeeduft. Wir schlagen die Zeltwand

sen wir wieder oben sein, sonst wird’s zu

rend diesmal er auf dem Fahrersitz des

LKWs Platz nimmt. Das erste Morgenrot

spielt um den Olympiaturm, während wir


bergecho 2 . 2015  |

1.120

mit dem Tankwagen und einer stattlichen Gespannlänge von über 18 Metern stadt-

Autobahnkilometer

auswärts rollen.

Für Peter, den gelernten Schreiner,

1.400

der seit über zehn Jahren in der Kloster-

brauerei arbeitet, gehört das Tollwood

mit zu den Fest-Höhepunkten im Jahr.

Europaletten

»Die Mannschaft um Viktoria Raith im

Andechser Zelt und wir – das ist einfach

250

ein super Team. Wir verstehen uns. Klar,

ist’s manchmal auch anstrengend und einer Meinung sind wir auch nicht immer.

Bierzeltgarnituren

Aber wir können miteinander reden. Das

70

zählt.«

Gemütlich geht derweil die Fahrt auf

der Autobahn dahin – dank Tempomat.

Sonnenschirme

Und auf der Landstraße will Peter Späth

auch nicht aus Gas drücken. »Gleichmäßig fahren. Das ist das Geheimnis. So kommst

rend des Tollwood den Biernachschub in

praktischen Wert erweist diese Einstel-

auf das Festival-Gelände – Mittwochs,

losophie oder Lebensgefühl nennen. Ihren

den frühen Morgenstunden von Andechs

lung sehr bald. Kurz vor Andechs muss Pe-

Freitags und Sonntags. Aufbau und Abbau

pelnd kommt das tonnenschwere LKW-

»Der kommt noch dazu. Schließlich müs-

Gerade noch rechtzeitig. Vor uns quert

liefern und wieder abtransportieren«, so

ter abrupt abbremsen. Ruckelnd und rumGespann an einer Steigung zum Stehen.

den Kopf, lächelt und fährt wieder an.

um das Andechser Zelt gar nicht«. Auch

angekommen, werden

die Tanks sorgfältig von den Kollegen neu be-

füllt, die leeren Fässer

ausgeladen und in der

Lagerhalle verstaut, vol-

die vielen urigen Sitzecken im und rund

das große Andechser-Schild für das Zelt-

»Die Leut schätzen uns, weil man sich auf uns verlassen kann.«

Maßkrüge

dach, etliche Durchlauf-

Parkposition. Hubert ist inzwischen auch

wieder vor Ort. Geschickt verstauen die

beiden die bis zu 60 Kilo schweren 50 Liter-

kühler und Kühlschrän-

Fässer in die einzelnen Kühlräume. Die

nituren, Dutzende an

tigen Python werden wieder fachgerecht

tion, mehr als 70 kleine

wagen verbunden. Die Zeit reicht dann

ke, über 250 BierzeltgarHolzfässern zur Dekora-

le CO2-Flaschen nachgeladen, und meh-

und große Sonnenschirme dürfen an Ort

mit einem Stapler auf den LKW gehievt.

über 6.000 halbe Krüge und über 2.000

rere Dutzend gut gekühlter 50 Liter-Fässer

2.000

sen wir nicht nur 1.400 Europaletten an-

Peter. »Ohne die Paletten gäbe es nämlich

Auf dem Brauereigelände gegen 5 Uhr

halbe Krüge

sind dabei noch gar nicht mit gerechnet.

ganz gemütlich ein Igel die Landstraße.

»Ah, Du bist ein Vogel«. Peter schüttelt

6.000

14 Mal fahren Peter und Hubert wäh-

Du am schnellsten an.« Man kann es Phi-

einzelnen Bierleitungen der immer durs-

mit den entsprechenden Tanks im Tank-

doch noch für einen Abstecher ins »Crew-

und Stelle ebenso wenig fehlen wie weit

Catering«-Zelt. Dort treffen sich die Mitar-

»Gut gekühlt«, darauf legt Hubert beson-

Maßkrüge.

Man kennt sich, schätzt sich, flackst, setzt

die Klosterbrauerei wiederum von anderen

ab kurz nach 8 Uhr schon vernehmbar

man schon länger nicht mehr gesehen hat.

das Bier für die nächste Fahrt schon ent-

tival-Tag. Viele Lieferanten – auch ande-

deren Wert, denn darin unterscheidet sich

Brauereien auf dem Tollwood. Damit auch sprechend heruntergekühlt werden kann, stapeln die beiden schon die nächsten

Auf dem Tollwood-Gelände regen sich

beiter der einzelnen Zelte zum Frühstück.

sich zusammen und fragt nach denen, die

die Vorbereitungen für einen neuen Fes-

Mit einem Wort: familiär geht es zu.

rer Brauereien – machen mit ihren LKWs

lerdings nicht aus. Noch ist nicht ganz

Lange halten es Peter und Hubert al-

die Zufahrt zum Andechser Zelt noch et-

Feierabend. Ein kleines Feuerwehrfest in

chelt entspannt hinter seiner Sonnenbril-

»Des ham wir versprochn«, meint der Hu-

50 Liter-Fässer in einem separaten Kühl-

was enger, als sie eh schon ist. Peter lä-

die Kolleginnen und Kollegen in der Ex-

le hervor. Er hat kein Problem: »Wir sind

ferscheine werden geschrieben. Noch ein

den Kollegen von den anderen Brauereien

prozentig verlassen kann«. Das soll auch

einfach gegenseitig.« Vor dem Andech-

Jungs. 

bereich der Brauerei. Inzwischen haben

pedition ihren Arbeitstag begonnen. Lie-

gemeinsamer Kaffee und dann mache ich

mich mit Peter erneut auf die 40 Kilome-

ter-Strecke zum Tollwood.

da schon immer durchgekommen. Mit

verstehen wir uns super. Wir helfen uns ser Zelt manövriert er den Tankwagen

mit dem LKW gekonnt wieder in die alte

der Region wartet noch auf eine Lieferung.

bert. Und der Peter ergänzt: »Die Leut

schätzen uns, weil man sich auf uns 100

.

so bleiben und daher immer gute Fahrt,

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32

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bergecho 2 . 2015

|  klosterbrauerei

Das ›Andechs-Feeling‹ Vertriebsleiter Wolfgang Schäff auf Partnerbesuch in den USA

D

as geht ja gut los, denke ich mir

nur kurz nach meiner Ankunft am

21. April in San Fransisco. Andreas

nicht verwunderlich, sind doch US-Amerikaner die zweitstärkste Ländergruppe

Hildebrandt, seines Zeichens Eigentü-

von Touristen, die Bayern im Jahre 2013

Premium Brands, will mir unbedingt sei-

Marketing GmbH zu berichten weiß. So-

denn?« »Du wirst schon sehen«, antwor-

US-Biermarkt vergleichsweise günstige

mer unseres Importeurs S&H Independent

nen Geschäftswagen vorführen. »Warum

»Andechser Klosterbiere sind beliebt. Sie haben Charakter und kommen aus einer kleinen und konzernunabhängigen Brauerei«. So und ähnlich hat es Wolfgang Schäff bei seinem Besuch an der Ost- und Westküste der USA immer wieder von unseren Partnern im Getränkehandel und in der Gastronomie gehört. In den gut zwei Wochen im April hat er viele Freunde des Klosters und seiner Brauerei in der Gastro­ nomie und im Handel kennengelernt, wie schon P. Valentin und Alexander Reiss, der Betriebsleiter der Klosterbrauerei Andechs, in den vergangenen Jahren 2013 und 2014. Einige Restaurants und Biergärten werden wohl nicht mehr lange Geheimtipps bleiben.

Heiligen Berg zu Besuch gewesen. Das ist

besucht haben, wie die Bayern Tourismus

mit hat unsere Klosterbrauerei auf dem

tete er verschmitzt. Die Überraschung ge-

Voraussetzungen. Zum anderen ist der

such hat er den Wagen sehr professionell

international wirkender Meinungsbildner.

lingt ihm perfekt. Extra für meinen Be-

mit Aufklebern unserer Marke »Kloster Andechs« gestaltet. Eine Ehre, die wohl nicht

jedem Geschäftspartner zu Teil wird.

»Bierhaus« – Mountain View

Biermarkt in den Vereinigten Staaten ein

Die Craftbier-Bewegung, die hier in vielen

Mikrobrauereien ihren Ursprung hat, re-

nommierte Wettbewerbe und Festivals wie der World Beer Cup und das Great Ameri-

can Beer Festival in Denver setzen immer

Mit einem so perfekt auf den Anlass ab-

wieder Impulse, die weit über die USA hin-

kommenden Tagen viel unterwegs. In

Bier – Portalen wie ratebeer.com oder beer­

netunternehmen wie Google oder Mozil-

terbiere oft bewertet und das Kloster als

gestimmten Fahrzeug sind wir in den

Mountain View, wo viele globale Inter-

aus wirken. Bei vielen US-amerikanischen advocate.com werden die Andechser Klos-

la ihren Firmensitz haben, treffen wir

Ausflugsort kommentiert. Die Resultate

und seinen Betriebsleiter Scott Snyder ge-

natürlich ein besonderer Ansporn.

im »Bierhaus« den Betreiber Mike Finley rade beim Abladen unserer Fässer. Das

»Bierhaus« ist ein Pub mit einem kleinen

können sich sehen lassen und sind für uns

»Gaumenkitzel« – Berkeley

Biergarten. Viele internationale Gäste in

Im »Gaumenkitzel« in Berkeley, einem Re-

er einem bayerischen Biergarten recht na-

Weinbar, wo auch deutsche Spezialitäten

das stand für Mike Finley und Scott Snyder

Betreiber Anja Voth und Kai Flache. Die

Mountain View sind hier überzeugt, dass he kommt. Und ein solcher Biergarten,

schnell fest, braucht »entsprechende Bie-

re«. Wir freuen uns, dass wir bei der Klärung dieser Frage ein Stück weiterhelfen

konnten.

Schon bei den ersten Gesprächen mit

den engagierten Gastronomen wird mir

klar, welche Bekanntheit un-

staurant mit angeschlossener Bier- und

angeboten werden, treffe ich die beiden beiden kommen aus Norddeutschland

und haben es sich zur Aufgabe gemacht,

in Berkeley und Umgebung die deutsche

Lebensart, Küche und Kultur insgesamt

lebendig zu halten. Ihr hausgemachter

Rhabarber-Streuselkuchen ist einfach unschlagbar. Mit den Andechser Klosterbie-

ser Kloster und seine Biere

ren haben Anja Voth und Kai Flache ein-

le US-Amerikaner kennen

Mit dem Doppelbock Dunkel experimen-

in den USA genießen. VieAndechs und sind teilweise

schon mehrfach bei uns am

fach auf Nachfragen ihrer Gäste reagiert.

tieren die beiden schon eine Zeit lang her-

um, um ein besonderes Gericht zu kochen,

das damit einen unmittelbaren Bezug zum

Kloster Andechs und seinen Bieren hat.


bergecho 2 . 2015  |

»Gour met Haus Staudt« – Redwood Cit y

»Deep Ellum« – Boston

Im »Gourmet Haus Staudt« in Redwood

Boston. Ein Bierpub mit »urbanem Mini-

Maifeier bei unserem – fast schon möch-

nem kleinen Biergarten im Außenbereich,

Toste mit ihrer erstaunlich detaillierten

York City »Zum Schneider« – ein uriges

ren Orten auch – Gäste, die eigens gekom-

Bierkultur viele Bierliebhaber aus einem

Millionenmetropole. Sylvester Schneider,

City, einem deutschen Restaurant mit ei-

treffe ich – wie übrigens an einigen ande-

Da ist zum Beispiel das »Deep Ellum« in

Biergarten«, wo die Brüder Max und Aaron Kenntnis der deutschen und belgischen

men waren, um mit einem Vertreter un-

großen Umkreis anziehen. »Wir bevorzu-

zu kommen. Die Inhaber stammen aus

hängige Brauereien und Andechs gehört

serer Klosterbrauerei direkt ins Gespräch

Deutschland und legen besonderen Wert

auf gute Biere. Dass es sich im »Gourmet

Haus Staudt« gut feiern lässt, belegt eine

Geschichte, die hier die Runde macht. Ein

gen besonders kleine und konzernunab-

da natürlich dazu«, so ist Max Toste überzeugt.

Jeder Gastronom, den ich treffe, wartet

bayerisches Wirtshaus im East Village der

ein bayerisches Wirte-Original, spielt mit

seiner eigenen Band auf und sorgt für ein-

malige Stimmung. Da er ursprünglich in

Weßling – nur einen Steinwurf weit vom Heiligen Berg Bayerns – aufgewachsen

ist, war ihm die Wahl des Bieres für sein

nem so genannten »Gastronomie-Objekt«

ve Biermarken ebenfalls ausschenkt. In

ben und dann größere Probleme mit Steve

einen ganz eigenen Ort der Gastlichkeit

»Biergarten« – San Fr ancisco

te man sagen – Traditionsstandort in New

»Zum Schneider« quasi schon in die Wie-

nem einzigartigen Service auf, der aus ei-

Jobs persönlich bekommen haben.

Letzte Station meiner Reise ist dann die

mit einer besonderen Spezialität oder ei-

Mitarbeiter von Apple soll hier einen Prototypen des Iphone 4 liegen gelassen ha-

»Zum Schneider« – New York

und Begegnung mit einem unverwechselbaren Charakter macht.

ge gelegt, auch wenn er andere exklusiMontauk am äußersten Zipfel von Long

Island betreibt Sylvester Schneider schon seit einiger Zeit ein weiteres Restaurant.

In diesem »Ableger« des »Zum Schneider«

Im »Biergarten« in San Francisco lerne ich die trendige, US-amerikanische Interpre-

»Br auhaus Schmitz« – Phil adelphia

in New York kann man von Anfang Mai

tation eines bayerischen Biergartens aus nächster Nähe kennen. Mat und Aaron

Im »Brauhaus Schmitz« in Philadelphia

lässt Betreiber Douglas Hager alle Wurst-

direkt neben den Dünen in einer wunder-

biere entschieden, weil »wir überzeugt

waren, die er in seinem Gasthaus verwendet, von eigenen Mitarbeitern herstellen.

ein Geheim-Tipp. Noch. 

Hulme haben sich für Andechser Klostersind, daß sie zu den besten Biere über-

Besonderen Wert legt Douglas auf eine

noch ein zweites Objekt »Suppenküche«,

Inneneinrichtung, gutem Essen und ex-

haupt gehören«. Die Hulmes betreiben

fein abgestimmte Kombination aus uriger

das gleich in der Nachbarschaft liegt, wo

klusiven Bieren. Biere vom Heiligen Berg

und die Schweinshaxn fast (!) so gut

dieser Biermarke heben wir uns klar von

ebenfalls unser Bier ausgeschenkt wird

schmecken wie bei uns am Heiligen Berg. Nach vielen weiteren interessanten

Begegnungen fällt der Weiterflug an die

Ostküste nicht leicht. Aber dort bekomme

ich die Gelegenheit, mit Phil Clarke und

seinen Kollegen von unserem dortigen Im-

porteur »St. Killian Importing« in Boston,

Philadelphia, New York City und Montauk

auf Long Island noch einige wichtige Partner in der Gastronomie zu treffen.

Bayerns gehören für ihn dazu, denn »mit der Masse ab«.

bis Ende Oktober Andechser Klosterbiere

.

schönen Naturlandschaft genießen. Auch

Unser Tipp Bierhaus in Mountain View www.bierha.us Gourmet Haus Staudt in Redwood City www.gourmethausstaudt.com Gaumenkitzel in Berkeley www.gaumenkitzel.net Biergarten in San Francisco www.biergartensf.com Deep Ellum in Boston www.deepellum-boston.com Brauhaus Schmitz in Philadelphia www.brauhausschmitz.com Zum Schneider NYC/East Village www.zumschneider.com

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bergecho 2 . 2015

|  klosterbrauerei

Andechser Stammgast aus Texas

Gäste aus Fernost

15 Brautechniker der Tsingtao-Brauerei zu Besuch in Andechs

W

er an dieser Fortbildung der Doemens-Akademie teilnehmen

wollte, musste sich schon in

China in einem strengen internen Aus-

wahlverfahren einer der größten Braue-

reien des Landes durchsetzen, wozu auch ein Englisch-Test gehörte. 15 Frauen und

Männer, allesamt Brautechniker aus den

M

eine Frau Angelika und ich le-

ben in Texas in den Vereinigten Staaten in Houston, der viert-

größten Stadt der USA. Hechendorf am

Pilsensee ist auch eine Heimat und seit

über vierzig Jahren sind wir regelmäßig

auf dem Heiligen Berg, ich bin Stamm-

gast und habe meinen Maßkrug im De-

pot. Nachdem ich meinen 70sten und den

75sten Geburtstag in Andechs zu feiern

begonnen habe, bin ich dankbar, dass ich

das am 80sten fortsetzen konnte.

Vor vielen Jahren haben meine Frau

und ich die Strecke Hechendorf—Andechs

und zurück als Tageswanderung gemacht, und später sind wir mit den Hechendor-

fern als Pilger nach Andechs gekommen. Die Geburtstagsgesellschaft zum

80sten kam aus Texas und West Virginia

in den USA, aus Frankreich und verschiedenen Gegenden Deutschlands von der

Nordseeküste bis zum Breisgau.

Andechs ist landläufig bekannt für sei-

ne Bierkultur und seine charakteristische

Restauration. Mit Hilfe von P. Valentin ist es gelungen, den Besuchern in der Chor-

kapelle auch den Andechser Genuss für die

Bei der Doemens-Akademie in Gräfelfing – also in unmittelbarer Nachbarschaft des Heiligen Berges – treffen sich immer wieder Brauexperten aus aller Welt. Mitte Mai besuchten 15 Brautechniker der Tsingtao-Brauerei im Rahmen einer halbjährlichen Schulung die Klosterbrauerei Andechs. Beim Rundgang durch den klösterlichen Betrieb hatte Matthias Gasteiger, Abteilungsleiter im Sudhaus und Gär- und Lagerkeller der Klosterbrauerei, viele Fragen zu beantworten.

verschiedenen Standorten der Tsingtao-

Brauerei, waren schließlich die Glück-

lichen, die für den fünfmonatigen Kurs

ausgewählt wurden. Nicola Buchner, Diplomingenieurin und bei Doemens im

Fachbereich »Genussakademie« tätig, begleitete die 15 Kolleginnen und Kollegen

aus Fernost bei ihrer Klosterbrauerei-Ex-

kursion mit dem diplomierten Braumeister Matthias Gasteiger.

Fünf Monate dauert der Kurs, der zu-

nächst einmal einen eindrucksvollen

Theorie-Block aufweist: Von Montag bis Freitag Unterricht von kurz nach 9 bis

kurz nach 16 Uhr in so unterschiedlichen

Fächern wie Rohstoffkunde, Technologie,

Spezialbiere (Herstellung und Sorten), Mi-

krobiologie, chemisch-technische Analyse (für die Fachleute »CTA« abgekürzt). Be-

gleitet wird der Kurs von diversen Praktika. Und damit die Praxis auch zu ih-

rem Recht und die Sensorik nicht zu kurz

kommt, müssen die Teilnehmerinnen und

Teilnehmer jede Woche ein Probe-Sud abwechselnd auf 5 hl und 20 hl – Basis herstellen.

Eine ganze Reihe von Exkursionen zu

Geräteherstellern und Brauereien run-

Seele näher zu bringen. Ein klassisches

den die Fortbildung ab, um ein möglichst

Herrsching mit Orgel und Gesangbeglei-

vermitteln. Wir freuen uns, dass wir mit

breitgefächertes praxisnahes Wissen zu

Trompetensolo des Wirts vom Seehof in

tung in der Wallfahrtskirche taten ein Übri-

ges, die Bedeutung von Andechs als geistli-

.

ches und geistiges Erlebnis neben dem leib-

lichen Wohl in Erinnerung zu behalten.  wolfgang schmidt, houston/texas

diesem Besuch bei uns in der Klosterbrau-

erei mit zum Erfolg dieser Fortbildung bei-

tragen konnten. Auch wenn wir nicht alle

.

Geheimnisse der klösterlichen Braukunst preisgegeben haben. 


bergecho 2 . 2015  |

Zu Hause auf den Segelfesten des Nordens

Andechser Klosterbier, gebraut am Hl. Berg Bayerns, ist über 1.000 Kilometer weiter nördlich ein gern gesehener Botschafter des guten Geschmacks.

Dass das gute Andechser Kloster­bier Freunde in aller Welt hat, ist landläufig bekannt. Dass der traditionsreiche Gerstensaft aus dem Süden der Republik ein besonders gern gesehener Gast auf den ebenso traditionsreichen Segelfesten im Norden ist, dürfte vielleicht nicht jedem geläufig sein. Sabine Hell blickt auf die großen Segelfeste des Nordens und den klösterlichen Gast aus Andechs.

A

ndechser Klosterbiere sind – als erfrischender Genuss vom Heiligen

Berg Bayerns – schon seit vielen

Jahren regelmäßig Ende Juni auf der größten Segelveranstaltung der Welt, der Kie-

ler Woche, präsent.

Beliebter Treffpunkt ist der Stand der

Tradition, soweit das Auge reicht Vor den Masten der schmucken Gaffelsegler, die anlässlich der Rum-Regatta im idyllischen Hafen von Flensburg festmachen, werben die Farben vom Heiligen Berg für die stolze Tradition des Bierbrauens am Fuße des Heiligen Berges.

Andechser Klosterbrauerei alle Jahre wieder auch auf der Travemünder Woche,

dem großen Seglerfest, das Mitte Juli vor den Toren der Hansestadt Lübeck steigt.

Himmelfahrtswochenende in der nörd-

lichsten Stadt der Republik stattfindet.

Mit Blick auf die schmucke »Passat«, die

Und auch hier präsentiert sich der An-

Flying P-Liner der Reederei F. Laeisz bei

he. An der malerischen Hafenspitze, in

Viermast-Stahlbark, die 1911 als legen­därer Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel lief und heute fest vor Anker liegt am Priwall

in Travemünde, schmeckt ein herzhafter

Schluck aus dem Andechser Sudkessel be-

sonders gut.

Kieler Woche – Tr avemünder Woche – Flensburger Rum Regat ta Noch mehr Traditionsschiffe zu bestau-

nen gibt es bei der Rum-Regatta in Flensburg, dem größten nordeuropäischen

Gaffelrigger-Treffen, das alljährlich am

dechser Bierausschank in der ersten Reidirekter Nachbarschaft zu den schmu-

cken Traditionsseglern, ist er ein beliebter

Treffpunkt für die durstigen Seh- und Seeleute. Und dabei braucht er die Nachbar-

schaft zum allgegenwärtigen Platzhirsch

Rum weiß Gott nicht zu scheuen: Segler sind ein durstiges Völkchen – und den

.

Durst mit Rum zu löschen, das wäre doch fatal. 

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36

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bergecho 2 . 2015

|  gastlichkeit

w ie

A pfelg r

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von den Anfängen des

Kiosk im Bräustüberl. Begonnen hat al-

am

N

ur Eingeweih-

te wissen noch

W

Wer an einen »Kiosk« denkt, dem fällt sofort ein bunter Strauß von ganz unterschiedlichen Waren und Angeboten ein – zusammengepackt auf engstem Raum: Zeitungen, Illustrierte, Kaugummis, Eis, Süßigkeiten aller Art und vielleicht auch noch diverse Tabakwaren. Der Andechser Kiosk im Bräustüberl auf dem Heiligen Berg hat mit all dem nichts zu tun. Swaantje di Pietro leitet ihn seit fast zehn Jahren und erzählt vom Kiosk, der keiner ist, und von den Menschen, die der benediktinischen Gastlichkeit Tag für Tag ein Gesicht geben.

ie

W

bis

Der Kiosk im Andechser Bräustüberl

Ww

mer

A

A

korrekten Ausspra-

che »oa Oa« (»ein Ei«) zu

seiner Brotzeit bestellt, kann

schon fast als Stammgast durchgehen.

les mit einem hölzernen Standl vor dem

Unser Apfelgriebenschmalz ist mittler-

brezn, Bockwürste und G’stingerta (Roma-

worden, genau wie unsere verschiedenen

Bräustüberl, an dem zunächst nur Dauerdur) zum Andechser Bier angeboten wurden. Dieser Andechser Kiosk ist im Laufe

weile zu einem ganzjährigen Renner ge-

Kloster Andechs-Frischkäsezubereitungen.

Manchmal kann man auch die sehr be-

der Jahrzehnte immer weiter gewachsen

gehrten Brotzeithax’n oder dünngeschnit-

warmen Theke ins Innere des Bräustüberls

deres Angebot erhalten. Unsere Philoso-

und schließlich mit einer kalten und einer

integriert worden. Seinen Namen hat er

tenen kalten Braten vom Vortag als beson-

phie ist es: »Nichts aufwärmen, aber auch

aber behalten.

nichts verkommen lassen«.

An der k alten Theke

ginnen täglich um 8.30 Uhr mit dem Ein-

Hier werden unter anderem die Bier-

gartenklassiker wie Obazda, Roma-

dur, Wurstsalat und eine Vielzahl an

Würschtl’n – alle hergestellt in der klostereigenen Metzgerei am Fuß des Heili-

gen Berges – zu ofenwarmen Brezn und

Andechser Biertreberbrot angeboten. Dazu gibt es so ziemlich alles, was zu einer

Zwei Mitarbeiter vom Frühdienst be-

räumen der kalten Theken und werden da-

bei von den guten Engeln im Hintergrund,

den Küchenhilfen unterstützt, die ständig dabei sind, Brezen zu backen, Würste zu

portionieren, Käse abzupacken, Radi und

Zwiebeln zu schälen und zu schneiden.

Um 10 Uhr öffnet der Verkauf an der kalten

Theke. Morgens ist die Nachfrage nach

zünftigen Brotzeit gehört: seien es Brot-

Weißwürsten oder warmen »Dicken« (Re-

oder Bismarckheringe, im Sommer auch

Frühstück am stärksten.

zeiteier, Essiggurken, Butter, Bratheringe

Radi oder Radieserl. Wer dann mit der

gensburger) für ein deftiges bayerisches


bergecho 2 . 2015  |

Hier gibt es

so ziemlich alles, was zu einer zünftigen Brotzeit gehört

Krautsalat vom ersten Kassenteam kau-

Wallfahrtszeit – eine der Hoch -Zeiten im Br äustüberl

rer Mitarbeiter früh aufstehen. Schon ab

fen. Zu einem Kassenteam der warmen

Theke gehören immer ein Schneider und

ler damit beschäftigt, Haxn, Wammerl

ein Kassierer: Der Schneider nimmt die

Im Frühjahr während der Wallfahrerzeit,

Bestellung des Gastes entgegen, tranchiert

im Sommer als auch im Frühherbst an be-

das Fleisch den Wünschen entsprechend

kommen wird zu den zwei warmen Kassen

wiegt das Grillgut und tippt die Beilagen.

fenster zum neuen Garten von einem drit-

An der war men Theke Für die warme Theke müssen einige unse6 Uhr morgens ist einer unserer fünf Gril-

und Rollbraten mit einer geheimen Würz-

mischung zu würzen und in die Grills zu

packen. Bei den Grills handelt es sich um

und legt es auf die Waage. Der Kassierer

sonderen Tagen mit verstärkten Gästeauf-

auch noch eine Ausgabestelle am Seiten-

Konvektomaten der Firma Rational aus

Der Schneider legt diese in der Zwischen-

ten Team geöffnet. Schließlich geht es da-

Premiumgeräte. In diesen Öfen kann man

Gesamtbetrag und kassiert, während der

Hax’n) und viele hundert Kilo an Rollbra-

garen und mit der beliebten Kruste verse-

11 Uhr beginnt das zweite Team seinen

gen Schlangen Wartenden zu verteilen.

den darin gebacken bzw. gegrillt.

chend eine Stunde länger als die Kollegen

der kalten Theke zusätzlich die warmen

Landsberg, dem Marktführer für solche

in zweieinhalb Stunden bis zu 100 Hax’n

hen. Aber auch Leberkäs und Braten werAb 10 Uhr kann man an der warmen

Theke die ersten warmen Grillspeziali­

täten mit Kartoffelsalat, Sauerkraut oder

zeit auf die Teller. Der Kassierer nennt den

Schneider den nächsten Gast bedient. Um

Dienst und bleibt abends dann entspreder ersten Kasse.

rum, mehr als eine Tonne (ungefähr 1.000

ten, Wammerl und Leberkäs an die in lanOft werden dann auch an den drei Kassen Speisen verkauft, um die Wartezeiten der

Gäste zu verkürzen.

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bergecho 2 . 2015

|  gastlichkeit

Helfen zu einer herzhaften Brotzeit: (v.l.n.r.) Marion Ginder, Michael Fleddermann und Mara Novakovic

Solche Tage sind Stress und Schwerst-

arbeit für alle Mitarbeiter. Die Raum-

temperatur an der warmen Theke beträgt

dann manchmal über 40°C und der Lärm-

pegel ist immens. Leider bleibt an solchen

Tagen, die eine seltsame Eigendynamik entwickeln, kaum Zeit für ein ordentli-

ches Gespräch zwischen Verkaufspersonal und Gast. Dadurch entsteht der Eindruck

von Massenabfertigung. Allerdings haben

wir keinen Einfluss darauf, wann uns wie viele Gäste besuchen wollen. Und keiner

von ihnen möchte lange warten. Was wir

wiederum gut verstehen können.

Hochsensible Lebensmit tel mit Premiumqualität aus der Region Im Laufe der Jahre bekommt man jedoch

Da s Andechs Phänomen

aufgrund von Beobachtungen, Erfahrun-

Vorarbeiterin Irene Pilgram, die schon seit

und kann entsprechend des zu erwarten-

hin und wieder vom Andechs Phänomen:

gen und Wetteranalysen ein Gespür dafür

27 Jahren im Kiosk beschäftigt ist, erzählt

den Gästeaufkommens die richtige Menge

»In jeder Gaststätte nimmt es ein Gast als

auch. Nachdem es sich bei uns im Wesent-

Tages ein Gericht nicht mehr angeboten

an Ware bestellen. Meistens gelingt das

lichen um hochsensible und verderbliche Lebensmittel von Premium-

qualität handelt, muss man sehr bedacht disponieren,

um immer ausreichendend

frische Waren vorrätig zu

haben. So können wir durch

kurze Wege zu Anbietern

Ein ge suchter Arbeitgeber

werden kann. In Andechs nimmt man uns

Vorarbeiten als auch Nacharbeiten fäl-

aber auch nichts ver-

kommen lassen«

das regelrecht übel. Mögli-

cherweise denkt man, dass so etwas in einem christli-

chen Betrieb nicht gesche-

hen darf«. Hofft da viel-

leicht manch einer auf eine

Wiederholung der wunderbaren Brotvermehrung aus

reagieren und gleichzeitig dem ökologi-

der Bibel?

Wirtschaftsraum Oberbayern stärken wir

Eigen­art unseres Kiosks immer wieder er-

dabei ganz bewusst.

Versicherungen und den Steuern.

Da wir an sieben Tagen in der Woche je-

»Nichts aufwärmen,

schen Gedanken Rechnung tragen. Den

Energiekosten, beim Wareneinkauf, den

selbstverständlich hin, wenn im Laufe des

Unsere Philosophie:

aus der Region sehr schnell

Personalkosten, den Sozialbeiträgen und

Manchen Gästen müssen wir die

klären. Auch wenn wir unter dem großen Namen des Klosters firmieren, so haben

wir doch die gleichen Probleme und Kos-

ten wie jedes andere Unternehmen auch.

Es gibt keine Vergünstigungen bei den

weils zehn Stunden geöffnet haben, dazu

lig sind, benötigen wir natürlich ausreichend Personal, um den vorgegebenen

arbeitsrechtlichen Modalitäten Rechnung zu tragen. Unsere 15 festen Vollzeitmitar-

beiter im Kiosk haben eine Fünf-Tage Wo-

che mit 39 Stunden und einen regulären

Urlaubsanspruch, der entsprechend der

Berufsjahre bis zu 35 Tage betragen kann.

Um Urlaubstage auch in der Hochsaison

gewähren zu können stellen wir Saison-

kräfte ein, die in der Regel von Mai bis Ende Oktober tätig sind. Oft sind das junge

Menschen, die gerade das Abitur gemacht

haben oder Studierende in vorlesungsfreien Zeiten.


bergecho 2 . 2015  |

Mittlerweile arbeiten bei uns in der

Stade Zeit – alle s et wa s l angsa mer und leiser

Wurstsalat und auch kein Radi mehr an-

verschiedenen Arbeitszeitmodellen und

Das ist auch die Zeit, mal ein Schwätzchen

was Warmes. Die Klosterküche kocht für

Nachfrage von fast einer Million hungri-

kommen seit Jahren und genießen es, das

Hauptsaison bis zu 32 Mitarbeiter mit

in unterschiedlichen Schichten, um der

ger Gäste pro Jahr zu begegnen.

Aber auch junge Mütter in Teilzeit oder

Wiedereinsteiger arbeiten gerne bei uns, da wir durch die gestaffelten Schichten

und Arbeitszeiten einer der gefragtesten

mit den Gästen zu halten. Viele von ihnen urgemütliche Bräustüberl ohne Trubel

und buntes Sprachengewirr zu erleben.

Gäste aus ganz Europa und sogar aus der

Während der ruhigen Jahreszeit nehmen

Herausforderung an die Mitarbeiter. Aber

urlaub, um wieder gestärkt in die neue

kalten Theke (in der Regel drei Mitarbei-

mittlerweile kennt man die wichtigsten

dienstes können nun gehen und sich um

ihre Kinder kümmern.

Während der Nachsaison, diese be-

ginnt nach dem Oktoberfest, nehmen die Saisonkräfte ihren Urlaub, bevor sie uns

zu wärmen.

Mit Her zblut in Andechs arbeiten

Die verschiedenen Sprachen unserer

ganzen Welt sind schon eine besondere

ter) um 11.45 Uhr. Die Mütter des Früh-

uns werktags deftige Suppen, um verfro-

rene Wanderer und Spaziergänger wieder

Alles wird langsamer und leiser.

Arbeitgeber in der Umgebung sind. So beginnt zum Beispiel der Spätdienst an der

geboten. Jetzt möchten die Gäste lieber et-

Begriffe aus unserem Angebot, und jeder

viele Mitarbeiter abwechselnd ihren RestSaison zu gehen. Übrigens: die Mitar-

beiter arbeiten sehr gerne und mit viel

Tourist bekommt, was er möchte, oder

Herzblut in Andechs, sie wissen, dass es

Form weiterhelfen.

nicht nur sich selbst etwas Gutes. Mit

das Speisenangebot geändert. Seit Jahren

wird zum Beispiel das Haneberghaus im

man kann ihm zumindest in irgendeiner Zur kühleren Jahreszeit wird nun auch

Sinn macht: Jeder Andechs-Besucher tut

dem Gewinn aus unserer Gastronomie

dann verlassen. Das ist die Zeit, die Be-

gibt es die verschiedenen täglich wech-

noch an den Wochenenden oder an Wan-

Klassiker dabei ist und bleibt dienstags

ist. Obdach­lose bekommen dort zu essen,

Schlangen.

unserer Klostermetzgerei. Nun wird kein

Versorgung. 

stellmengen zu minimieren, denn nur

derwettertagen mittags gibt es lange

selnden Winter-Wochenangebote. Der

die kesselfrische Schlachtschüssel aus

Kloster Sankt Bonifaz in München unterstützt, dessen Wirtschaftsgut Andechs

.

Kleidung und kosten­lose medizinische

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bergecho 2 . 2015

|  gastlichkeit

Sattsehen am Panorama-Bergblick Das Grand Hotel Sonnenbichl in Garmisch-Partenkirchen

Gleich am Ortseingang von Garmisch-Partenkirchen thront es, das Grand Hotel Sonnenbichl. Von einer Anhöhe und mit unver­ baubarem Blick schaut es nun schon auf 120 Jahre einer zum Teil sehr wechselvollen Geschichte zurück. Vieles hat sich in den vergangenen vier Generationen gewandelt. Was geblieben ist, ist der Blick. Für den viele eine weite Anreise auf sich nehmen.

V

or kurzem wurde das markante

gelbgetönte Hotelgebäude einer

sanften, aber kompletten Reno­

vierung unterzogen, wodurch auch die be-

liebte Peacock Bar als Lounge neu »erstanden« ist.

Großzügige Konferenzmöglichkeiten

Gr andioser Ausblick auf da s Wet tersteinm a ssiv

Zimmer , Suiten, Küche – immer mit be sonderem Weitblick

Einzigartig aber bleibt auch hier der Aus-

Wer deshalb mehr Muße braucht: Vie-

hundert Personen. Dazu kommen noch ei-

macht ihrem Namen alle Ehre: dem Be­su­

Bergblick. Alle sind wohltuend geräumig

gung orientiert man sich in den Roten Sa-

Hotel gehört. Für noch mehr Platzbedarf

leicht in die gemütliche Zirbelstube, die in

blick. Die Panorama-Terrasse des Hotels

le Zimmer haben einen phantastischen

cher entfaltet sich am Horizont das gewal­

geschnitten, so wie sich das für ein Grand

(2.628 m) und – weiter westlich – der Zug-

gibt es drei großzügige Suiten – wobei die

tisch als der kleinere Gipfel, ist aber natür-

die »kleinste« ist. Dazu kommt noch ein

tige Wetterstein-Massiv mit der Alp­spitze spitze (2.962 m). Letztere wirkt zwar op-

lich in Wirklichkeit der höhere. Beide zusammen sind in jedem Fall Deutschlands

höchste Berge. Es soll schon einige Besu-

König Ludwig Suite überraschenderweise

Apartment mit Wohn- und Schlafzimmern

nige kleinere Räumlichkeiten. Vor der Ta-

lon zum Frühstücksbuffet, hinterher viel-

Oberbayern eine allgemeine Institution ist

.

und hier exklusiv für Veranstaltungen ge-

mietet werden kann. 

samt zwei Bädern.

Regionale, abwechslungsreiche und

cherinnen und Besucher ge­geben haben,

kreative Küche wird serviert im »Caspar B.

sehen konnten.

den ersten Besitzer, unter dessen Ägide

die sich an diesem Anblick gar nicht satt-

bestehen im Grand Hotel Sonnenbichl bis

(Bader)«. Der Name ist eine Hommage an

Ende des 19. Jahrhunderts der bestehende Grundriss des Hotels entstand. Natürlich

werden auch die Andechser Klosterbiere

angeboten: Vollbier Hell vom Fass, Weißbier Hell und Dunkel, sowie das Export

Dunkel in der Flasche.

Ko n ta k t Grand Hotel Sonnenbichl Burgstraße 97 82467 Garmisch-Partenkirchen Tel: 08821/70 20 Fax: 08821/70 21 31 info@sonnenbichl.de www.sonnenbichl.net


bergecho 2 . 2015  |

Ein Traum am See

Der Neuhof am See in Gundelfingen – erstklassig, einladend und familienfreundlich

Im Neuhof am See in Gundelfingen kann man sich wirklich kulinarisch fein verwöhnen lassen. Sowohl im Restaurant wie auch im Biergarten inmitten einer traumhaften Seeatmosphäre mit einem herrlichen Ausblick. Hier lassen sich Feste feiern, die in Erinnerung bleiben. Und auch für Tagungen und Seminare eignet sich der Neuhof am See hervorragend.

S

eit Juni 2015 wird der Neuhof von

Hendrik Ketter geführt, der 2013 zu

den 30 besten Köchen Schleswig-Hol-

steins gewählt wurde. Er bringt neben sei-

Gemeinsa m Genuss zelebrieren Auch wer das Essen einmal ganz anders

mit dem Partner, der Familie oder in klei-

Jazzbrunch.

dem Motto »Die Töpfe teilen« platziert

Menüs, trendigem Fingerfood oder Live

seln und Terrinen mittig am Tisch. Ein ge-

gen Hendrik Ketter und seine Kolleginnen

Neuhof am See gut aufgehoben. Unter

ge Events mit. In seiner modernen Art der

man hier die Gangfolge in Schalen, Schüs-

ner Familie – lädt er zum Genießen, Ent-

meinschaftliches Erlebnis lukullischer Art.

Tradition verbunden – unterstützt von seispannen und Wohlfühlen ein.

Der Biergarten mit 300 Sitzplätzen liegt

direkt am See unter herrlich gewachsenen

Frische regionale und saiso nale Küche

Kastanien. Hier pflegt der Neuhof ech-

Das Restaurant bietet 40 Sitzplätze in stil-

vom Grill und Selbstbedienungsservice.

vollem Landhaus-Ambiente und 40 Plätze

te bayerische Tradition mit Schmankerln

Für Freunde des Vegetarischen halten die

auf schöner Terrasse. Neben Tagesgerich-

Wirtsleute selbstverständlich auch fleisch-

nen man Vorspeise, Hauptspeise und Des-

platz befindet sich direkt beim Biergarten

ten bilden Sieben-Gänge-Menues, aus desert je nach Gusto auch frei wählen oder

lose Köstlichkeiten bereit. Ein Kinderspielund für Live-Events steht eine kleine Büh-

zusammenstellen kann, die kulinarisch

ne mit festinstallierter Lichtanlage bereit,

Hendrik Ketter bietet regionale Produkte

mietet kann.

dern leicht und kreativ zubereitet. Inter-

E xklusiver Event Pavillon mit Seeblick-Terr a sse

kombiniert mit Erzeugnissen aus der Regi-

Das Seehaus Event Pavillon mit seinem

einladende Plattform des Restaurants.

und Gerichte auf höchstem Niveau, mo-

nationale Trends aus den Küchen der Welt, on – ergänzt durch eine ausgesuchte Wein-

karte und die süffigen Biere der Klosterbrauerei Andechs.

zum Beispiel für Sektempfänge, Sommer-

feste oder einen melodisch-kulinarischen

ner Gruppe zelebrieren möchte, ist im

ner Kochkunst ein ideenreiches Geschick für professionell organisierte, erstklassi-

mit Kamin und Seeblick eignet sich ideal

die auch für Veranstaltungen vor Ort ge-

wandlungsfähigen Design bietet den richtigen Rahmen für Veranstaltungen jeder

Art. Bis zu 140 Personen können hier Feste feiern, tagen oder Workshops, Seminare und kulturelle Events erleben. Die nicht

öffentlich einsehbare Seehaus-Terrasse

Mit erlesenen Buffets, erstklassigen

Cooking und Barbecue-Arrangements sorund Kollegen dafür, dass die Veranstal-

tung einen genussreichen Rahmen be-

.

kommt, an den sich die Gäste gerne erinnern. 

I n f o r m at i o n Neuhof am See Äußere Günzburger Straße 1 89423 Gundelfingen www.neuhof.de Öffnungszeiten Biergarten 1. Mai bis 15. Oktober 11.00–22.00 Uhr Öffnungszeiten Restaurant 1. Januar bis 31. April Dienstag bis Freitag: 18.00–22.00 Uhr Samstag/Sonntag: 12.00–14.30 Uhr Reservierung reservierung@neuhof.de Tel.: 09073/958690

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bergecho 2 . 2015

|  gastlichkeit

Frische Semmeln fürs  40 hochwertige Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen seit Ostern am Kloster Andechs

Seit Anfang April stehen für Besucher, die mit Wohnmobilen oder Wohnwagen unterwegs sind, 40 neue, hochwertig ausgestattete Stellplätze am Fuß des Heiligen Berges zur Verfügung. Ausgestattet mit Stromanschluss, Frisch- und Abwasser sowie chemi­scher Entsorgungsstation, finden die Wohnmobilisten vieles, was den Aufenthalt am Kloster Andechs noch ange­ nehmer macht.

G

eschützt umzäunt und im Grünen zwischen schattigen Bäumen lädt

der Stellplatz am nördlichen Ende

des großen Besucherparkplatzes am Klos-

ter Andechs ein, die Seele baumeln zu lassen und sich richtig zu erholen.

Den Wohnmobilisten steht auf allen

Plätzen ein Stromanschluss zur Verfügung, ebenso wie eine zentrale Ver- und Entsor-

gungsstation für Wasser und Abwasser direkt auf dem Stellplatz. Wer neue Gasfla-

»Uns ist es ein großes Anliegen, un-

seren Gästen, die mit ihren Wohnmobil-

oder Wohnwagen unterwegs sind und am

Heiligen Berg Station machen, noch mehr

Dienstleistungen und Service anzubieten,

als das in der Vergangenheit möglich war«, so Christian Rieger, kaufmännischer Lei-

ter der klösterlichen Wirtschaftsbetriebe

in Andechs.

Mit Dominic Cloudt hat das Kloster

einen engagierten und kundigen Päch-

schen benötigt, kann Sie zu Tagespreisen

ter für den Wohnmobilstellplatz gewin-

Ebenso steht eine Station für chemische

intensiv mit den Bedürfnissen der Gäste

formationen zu Sehenswürdigkeiten und

arbeitet hat: »Ich hatte mich schon länger

direkt am Stellplatz kaufen bzw. tauschen.

Toilettenentsorgungen zur Verfügung. InGeschäften im Ort finden sich ebenfalls

am Stellplatz. Wer sich zum Frühstück dann noch ein besonderes Schmankerl

gönnen möchte, für den ist der »SemmelService« sicher mehr als ein Geheimtipp.

nen können, der sich schon seit längerem befasst und flexible Konditionen ausge­

mit dem Gedanken getragen, dem Kloster den Betrieb eines Wohnmobilstellplatzes

anzubieten. Die lange Zeit der Planung

hat sich ausgezahlt. Wir haben heute ein

attraktives Angebot für unsere Gäste, was uns viele positive Rückmeldungen auch

be­stätigen.« Zu diesem Angebot zählt:


bergecho 2 . 2015  |

Wohnmobilisten-Frühstück ▪▪ Nur wer übernachtet und einen Stromanschluss benötigt, zahlt 15 Euro inkl.

bekommen«, berichtet Dominic Cloudt.

Kritik an seinem Konzept hat er sich aber

ner Gesprächspartner erwiesen«.

sen, die teilweise schon seit Jahrzehnten

Kritik Ansporn, noch besser zu werden. So

Wohnmobil bzw. Wohnwagen aller Per-

auch von Wohnmobilisten anhören müs-

manschluss braucht, zahlt jeweils pro

nach Andechs kommen: »Ich kann schon

sonen und Haustiere. Wer keinen Stro-

Übernachtung 12 Euro.

▪▪ Keine Gebühr wird für Tagesgäste erhoben, die tagsüber auf dem Stellplatz

parken und am Abend weiterfahren.

Die Nutzung aller Angebote auf dem Stellplatz ist somit für Tagesgäste

absolut kostenfrei.

▪▪ Pro Übernachtung erhalten die Wohn-

mobilisten einen Verzehrgutschein des

Bräustüberls im Wert von 3,20 Euro. ▪▪Wer seinen Frischwassertank mit

zum Beispiel 90 Liter Wasser auffüllen

möchte, zahlt 1 Euro.

Ingesamt heißt das für kühle Rechner:

Wenn man den Verzehrgutschein in Höhe von 3,20 Euro berücksichtigt, ergibt

sich ein effektiver Übernachtungspreis

von 8,80 Euro für einen Stellplatz ohne und 11,80 Euro für einen Stellplatz mit

Stromanschluss. Ein Blick auf die Preise

vergleichbarer Wohnmobilstellplätze an

touristisch interessanten Orten in Bayern zeigt, dass diese Preise durchaus konkur-

renzfähig sind.

Viele Gäste auf dem Stellplatz freu-

en sich über das neue Angebot und pos-

ten dies auch auf der Facebook-Seite

des Wohnmobilstellplatzes. »Sogar ei-

nen Kuchen habe ich schon geschenkt

KONTA K T Dominic Cloudt www.wohnmobil­stellplatz-andechs.de Mobil: 0171/4967238

unseren Gästen als ruhiger und besonne-

nachvollziehen, dass es da Fragen gibt,

wenn es früher nichts gekostet hat, und nun sollen die Wohnmobilisten etwas

zahlen. Aber der Hinweis auf die neuen

Angebote hat viele unserer Gäste über-

zeugt«. Christian Rieger bestätigt: »Domi-

nic Cloudt und ich sprechen oft und regelmäßig über die Rückmeldungen unserer

Für Dominic Cloudt ist konstruktive

will er in den kommenden Wochen und

Monaten das Serviceangebot auf dem Stellplatz weiter ausbauen: »Die neue Müllsta-

tion ist so gut wie fertig und bietet eine

absolut saubere Müllentsorgung für Rest-,

Bio-, Kunststoffmüll, Weiß- und Braun-

glas sowie für Papier und Karton. Ein kostenfreies WLAN werden wir in den kom-

menden Wochen auch in Betrieb nehmen

Gäste – positive wie negative. Wir antwor-

können. Und zur Sicherheit unserer Gäste

genießt als unser Partner volles Vertrauen

lich einwandfreien System zur Videoüber-

ten auf jede Rückmeldung. Herr Cloudt

und hat sich gerade bei Diskussionen mit

arbeiten wir an einem datenschutzrecht-

wachung.« 

.

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bergecho 2 . 2015

|  veranstaltungen

Colloquium

Auszug aus dem aktuellen Programm von September bis Dezember

▪▪ Umbrien, das »grüne Herz Italiens« – Landschaften, Stadtbilder, Kunst­ denkmäler

Mittwoch, 23. September 2015, 20 Uhr

Von Orvieto nach Todi ▪▪ Philosophischer Lesekreis – Mystik des Mittelalters

Leitung: Dr. phil. Dr. theol. Richard

ken bis zum Felspanorama des Apennin.

▪▪ Feierliche Vesper von

P. Benedikt Holzinger (1747–1815) Samstag, 7. November 2015, 16 Uhr,

Basilika Sankt Bonifaz

Im Rahmen der Tagung der Bayerischen

Benediktinerakademie gelangen die wie-

derentdeckten Vesperae solennes des letz-

▪▪ Wie heute von Gott sprechen …

ten der großen Andechser Barockkompo-

den gegenwärtig in Politik, Wirtschaft

Aufführung. P. Benedikt Holzinger, ein

katholische Kirche mit diesen Themen

Nachfolger von P. Nonnosus Madlseder

und Gesellschaft diskutiert. Dass sich die

eher schwer tut, ist kein Geheimnis. Dabei waren es immer wieder bedeutende

Frauen, von denen wichtige spirituelle Impulse für die Glaubenserneuerung ausgin-

nisten zum ersten Mal in München zur

virtuoser Violinspieler, wurde 1797 als

Katharina von Siena

Prof. Dr. Regina Willi, Institut für

Historische Theologie, Universität Wien inspiriert durch

Hildegard von Bingen

Dienstag, 10. November 2015, 20 Uhr

Sr. M. Maura Zatonyi OSB, Abtei St. Hilde-

gard, Eibingen

inspiriert durch Teresa von Avila

Dienstag, 17. November 2015, 20 Uhr

Ett. Die Säkularisation beendete jäh das

nichtete auch viele der Andechser Musik-

Dr. Sixtus Lampl, dem versierten Denk-

malpfleger und Begründer des großen Or-

gelmuseums in Valley, gelang es, im Klos-

Städte wie Perugia, Spoleto, Orvieto, Todi

und anderer Orte zum Bilde einer faszinie-

renden Kulturlandschaft.

Referent: Richard K. Blasy, Fotopublizist für Architektur und Kunstgeschichte

▪▪ Meditationstage –

»Das Herz ist von Natur aus ruhig«

Samstag, 19. September und 21. November 2015,

jeweils 9.00 bis 13.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr

Leitung: Oskar Brandner

Bewegung in der Ruhe«

Montag, 21. Sept. bis 26. Okt. 2015, 20–21 Uhr 6 Treffen, Gebühr: 48 Euro

Montag, 9. Nov. bis 21. Dez. 2015, 20–21 Uhr

7 Treffen, Gebühr: 56 Euro

Leitung: Oskar Brandner, Tel. 089/3243120

ter Weyarn die 1793 von dort bestellte große Vesperkomposition von P. Benedikt zu

entdecken und für eine Wiederaufführung

herzurichten. Unter seiner Leitung wird

sie nun von Chor, Solisten und Orchester

der Valleyer Barockmusikfreunde zwei-

hundert Jahre nach dem Tod von P. Benedikt Holzinger aufgeführt.

▪▪ Gesprächskreis: Wege zum Glauben Hans Scholls Weg in den Widerstand

Freitag, 20. November 2015, 20 Uhr

Referenten: Altabt Dr. Odilo Lechner OSB

P. Dr. Ulrich Dobhan OCD, Provinzial des

& Dr. Stefan Daltrop

München

Bibliothek von Sankt Bonifaz.

Teresianischen Karmel in Deutschland,

vorwiegend mittelalterlich geprägten

▪▪ Qi Gong – »Ruhe in der Bewegung –

und Leiter des Sängerknabeninstituts. So

werke.

Dienstag, 3. November 2015, 20 Uhr

verbindet sich mit dem Ambiente seiner

war er auch wichtigster Lehrer von Caspar

ches Gottesbild sie prägte und wie dieses

inspiriert durch

Dieses vielfältige Landschaftspanorama

Telefon 089 3243120, Gebühr: 25 Euro

Wirken P. Benedikt Holzingers und ver-

ins Heute übertragen werden kann.

und Hügelzügen und fruchtbaren Talsen-

Chorregent der Andechser Klostermusik

gen. Im Jahr der Orden wollen wir uns drei Ordensfrauen widmen und fragen, wel-

nach Amelia

Umbrien dehnt sich mit bewaldeten Berg-

Schneider & Altabt Dr. Odilo Lechner OSB

Gleichberechtigung und Frauenquote wer-

Durch den Südbereich von Bevagna

Montag, 28. September und 19. Oktober 2015,

20 Uhr

Colloquium Benedic tinum

Mittwoch, 14. Oktober 2015, 20 Uhr

Eine Station auf diesem Weg war auch die

I n f o r m at i o n Alle Veranstaltungen, wenn nicht anders angegeben, finden im Zentrum Sankt Bonifaz, Karlstr. 34, statt. Der Eintritt ist frei, sofern keine Angaben gemacht werden. Anmeldung Benediktinerabtei Sankt Bonifaz Karlstr. 34, 80333 München Tel. 089/55171-112 Fax: 089/55171-103 colloquium@sankt-bonifaz.de www.sankt-bonifaz.de


bergecho 2 . 2015  |

ORGELKONZERTE ▪▪ Max Reger

Gesamtaufführungen der Choral­

fantasien für Orgel

Sonntag, 18. Oktober 2015, 16.30 Uhr,

Basilika Sankt Bonifaz

3. Konzert: Wachet auf, ruft uns die Stim-

me op. 52 Nr. 2; Wie schön leucht’ uns der

Morgenstern op. 40 Nr. 1

Andechser Orgelsommer 2015

Tobias Skuban, Orgel, & P. Stephan Dorner,

Auslegung

▪▪ Tage Neuer Kirchenmusik in der Erzdiözese München und Freising Gesprächskonzert

Sonntag, 4. Oktober 2015, 16.30 Uhr,

Basilika Sankt Bonifaz

Werke von J. S. Bach, Paul Hindemith, Robert M. Helmschrott, u. a.

Anna Schorr, Orgel

www.andechs.de

Eintritt: 10 Euro

▪▪ Chorkonzert: 80 Jahre Arvo Pärt

08. 08. Orgelfest (10 Jahre Jann-Orgel) samstag

(geb. 11.9.1935)

19.00 – 22.00 Uhr

Samstag, 24. Oktober 2015, 20.00 Uhr,

Basilika Sankt Bonifaz

Chor- und Orgelmusik aus England mit Pause und Bewirtung vor der Kirche

mit Orgel vox nova

David Davies (Exeter–England), Orgel Andechser Chöre, Ltg.: Martina Cabell Anton Ludwig Pfell, Gesamtleitung und Orgel

Thomas Pfeiffer, Orgel

Andreas Stadler, Leitung

Eintritt: 15 Euro/9 Euro (ermäßigt)

▪▪ Chor-Orchesterkonzert

Sonntag, 15. November 2015, 16.00 Uhr,

Basilika Sankt Bonifaz

Joseph Gabriel Rheinberger (1839–1901): Orgelkonzert Nr. 2 g-Moll, op. 177

Johannes Brahms (1833–1879): Motette

»Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen«, op. 74/Nr. 2

J. S. Bach (1685–1750): Wachet auf, ruft

uns die Stimme, BWV 140, Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis für Soli Chor und

Orchester

Solisten: Tobias Skuban, Orgel, Stiftskan-

torei Sankt Bonifaz, Mitglieder des Baye-

rischen Staatsorchesters; Leitung: Martin

Fleckenstein

Eintritt: 20 Euro/15 Euro (ermäßigt)

Veranstalter: Kloster Andechs Kulturelle Veranstaltungen Florian-Stadl, Bergstraße 2, 82346 Andechs

Werke für Chor a cappella und Chor

samstag Königin 22. 08. „Die lässt bitten…“ Beginn 18.00 Uhr

die Orgel als Königin der Instrumente Franz Günthner (Leutkirch) spielt Werke von Bach, Wagner, Liszt u.a.

samstag + Orgel 05. 09. Horn Hanna Staszewska (Polen), Horn

Beginn 18.00 Uhr

Klemens Schnorr (München), Orgel spielen Werke von Ritter von Neukomm, Vierne, Lemare, Mozart u.a.

samstag 26. 09. Italienische Orgelmusik Beginn 18.00 Uhr

vor und nach der cäcilianischen Reform Zeno Bianchini (Verona) spielt Werke von Petrali, Bossi, Respighi u.a.

Alle Konzerte finden in der Wallfahrtskirche Andechs statt.

Orgelfest  15,– euro Schüler/Studenten  10,– euro

Kartenverkauf an der Konzertkasse eine halbe Stunde vor Konzertbeginn.

Orgelkonzerte  10,– euro Schüler/Studenten  5,– euro

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bergecho 2 . 2015

|  veranstaltungen

Kunst und Bier am Heiligen Berg Symposium »Kunst und Bier« vom 17. bis 25. August 2015

D

ie Künstler und Bildhauer Siegfried

Kober (Berlin), Christian Schafflhuber (Tittling) und Ortrud Sturm (Röder-

mark) bestreiten heuer das Symposium.

Nicht einfach war es für die Jury bei ihrer Sitzung am 20. März im Kloster Andechs,

aus 42 Einsendungen (mehr als doppelt so viel wie 2014) die Teilnehmer für das Sympo­sium auszuwählen.

Das Kloster Andechs, die Georg Zentgraf-Stiftung und die Gemeinde Andechs veranstalten vom 17. bis 25. August 2015 das Symposium »Kunst und Bier« auf dem Hl. Berg. Dabei entstehen wieder neue Interpretationen zum Thema »Kunst und Bier«. Die drei von einer Jury ausgewählten Künstler erstellen ihre Arbeiten am Skulpturenpark unterhalb des Bräustüberls. Besucher des Heiligen Berges können dabei den Preisträgern ab dem 17. August bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen. Im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Andechs arbeiten die Künstler am 20. August zwischen 9 und 12 Uhr mit Kindern von 7 bis 11 Jahren und leiten sie beim künstlerischen Gestalten an.

Siegfried Kober ➀

Er wurde 1951 in Hannover geboren, ab-

solvierte nach Abschluss seiner Schulausbildung an der Hochschule der Künste

Berlin sowohl ein Studium der visuellen

Kommunikation als auch eines der Bild-

hauerei. Nach dem Studium wurde er

Meisterschüler bei Prof. Harro Jacob. Es

folgten verschiedene Wandgestaltungen

im öffentlichen Raum. Für seine Arbei-

ten erhielt er diverse Preise, wie den für

»Kunst am Bau«. Darüber hinaus fertigte Siegfried Kober als künstlerischer Mitar-

beiter Bühnenbilder an der Schaubühne

Berlin, u.a. bei der Produktion für Robert

Wilson und Peter Stein. Heute lebt und

arbeitet Siegfried Kober in Berlin und in

der Prignitz, einer ländlich geprägten und dünn besiedelten Region im Nordwesten

Christian Schafflhuber ➁

Er wurde 1971 im niederbayerischen Oster-

Brandenburgs.

hofen geboren. Ab 1992 absolvierte er eine

Jugend­stilhalle, der erweiterten Bahn-

er in Regensburg. Danach war er bis 2005

Im November 2012 stellte er in der

hofslounge des Hauptbahnhofs Halle, aus.

dreijährige Ausbildung zum Steinbildhau-

als Restaurator in Berlin und im Anschluss

Seine dort ausgestellten Werke wirken wie

weitere drei Jahre – ebenfalls in Berlin –

tensäge überlebensgroße Holzfiguren und

er eine Bildhauerwerkstatt in Hötzendorf

gezeichnet, selbst wenn er mit der KetKöpfe aus Baumstämmen heraustreten

als freier Bildhauer tätig. 2008 eröffnete bei Tittling im Landkreis Passau. Hier

lässt. Im Oktober 2013 folgte eine Ausstel-

veranstaltet er nicht nur Ausstellungen,

Plastik‹ in Berlin. Auf dem Symposium

Christian Schafflhuber hat schon an vie-

lung in der ›Abguss-Sammlung Antiker

»Kunst und Bier« plant er zwei ca. drei Me-

sondern auch Workshops und Symposien.

len Orten seine Arbeiten auf Ausstellun-

ter große Holzskulpturen unter dem Motto

gen gezeigt, darunter im Kunstpunkt in

stellen die Begegnung von Menschen im

in Salzgitter, im WaldKult in Passau, im

Strukturen seiner Objekte werden den ver-

nationalen Kunstausstellung in Eching,

»Begegnung«. Die figurativen Holzstelen

Biergarten dar. Die groben zeichnerischen schiedensten Interpre­tationen Raum geben.

Hüfingen am Bodensee, auf der Art Berel Gemeindezentrum Dachau, auf der Inter-

auf der Landesgartenschau in Deggendorf. Symposien führten ihn unter anderem

nach Anduins im italienischen Friaul und nach Treppo Grande in Italien. Auf dem


bergecho 2 . 2015  |

➌ I n f o r m at i o n

Symposium »Kunst und Bier« wird Chris-

»Ästethik im Alter« des Landkreis Offen-

schaffen. Das ca. 1m x 1m x 30 cm große

ihre Arbeiten im Skulpturenpark in Mör-

gesockelt, denn zum Bier gehöre, so Chris-

posiums in Bad Goisern in Österreich. Be-

tian Schafflhuber eine Breze aus Kalkstein Kunstwerk wird wie ein »B« aufrecht auf-

tian Schafflhuber, »nicht nur für den Bild-

hauer eine Brotzeit, und wenn’s nur eine Brezn ist.«

Ortrud Stur m ➂

Sie stammt aus dem hessischen Röder-

mark und ist die Dritte im Bunde der Symposiumsteilnehmer 2015 in Andechs. 1959

im ebenso hessischen Altheim geboren

bach. Zwei 1. Preise erhielt sie 2002 für

felden und 2008 im Rahmen eines Sym-

vorzugt arbeitet Ortrud Sturm mit Holz:

»Seine natürlichen Farben, Eigenschaften

und organische Strukturen sind besondere

Ausdrucksträger für mich, die ich bei meiner Arbeit bewusst nutze«. In Andechs re-

alisiert sie die Skulptur »Alles in Gärung«.

Aus einem einzigen Holzstamm wird das ca. 2,20 m große Kunstwerk entstehen.

Ortrud Sturm über die Überlegungen zu

machte sie von 1976–79 eine Ausbildung

ihrer Arbeit: »Aus einem Holzstamm wer-

dierte sie Bildhauerei an der Werkkunst-

aufeinander geschichtet sind. Der Aufbau

zur Holzbildhauerin. Von 1984 bis 86 stu-

schule in Flensburg und erhielt 1989 den

Preis des internationalen Wettbewerbs

»Figur und Fläche« des Deutschen Elfen-

den Würfel gesägt, die scheinbar locker der Skulptur im unteren Bereich ist ge-

schlossen und sie öffnet sich nach oben

hin. Die Würfel sind molekularartig in

beinmuseums in Erbach im Odenwald.

kleinen Gruppen angelegt und lösen sich

der Internationalen Wanderausstellung

Perlen im Bierglas.« 

Von 1994 bis 1996 arbeitete sie im Rahmen

.

vom unteren Teil aus nach oben auf – wie

Symposium Kunst und Bier Den Wettbewerb für Künstlerinnen und Künstler gibt es seit 2002. Eingeladen werden Künstler, die sich am öffentlichen Wettbewerb beteiligen und von der Jury ausgewählt werden. Die Gewinner werden nach Andechs eingeladen und fertigen auf dem Maibaum-Platz unterhalb des Klosters ihre Kunstwerke. Die entstandenen Kunstwerke sind Eigentum des Künstlers. Diese stellen die Kunstwerke für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren für die Ausstellung im Kloster- und Gemeindegebiet zur Verfügung. Seit einigen Jahren veranstalten die Künstler an einem Tag ein Ferienprogramm mit Kindern im Alter zwischen 7 und 11 Jahren. Für die Gestaltung erstellen sie ein erlebnispädagogisches Konzept. 2015 ist der Heilige Berg zum dreizehnten Mal Austragungsort des Symposiums »Kunst und Bier«. Die Besucherinnen und Besucher des Hl. Berges können dann bis zum 25. August 2015 den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen und so die Entstehung der Kunstwerke verfolgen.

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bergecho 2 . 2015

|  veranstaltungen

4. Andechser Nachtflohmarkt im Florian-Stadl in Planung

G

roß war das Interesse am Nacht-

Ko n ta k t

flohmarkt im März dieses Jahres.

Kloster Andechs Kulturelle Veranstaltungen Veranstaltungsmanagement Elke Zeitler zeitler@andechs.de

Für das Kloster wird Elke Zeitler

im Spätherbst erneut einen Flohmarkt organi­sieren. Für die sprichwörtliche

Andechser Gastlichkeit im Florian-Stadl sorgt das Team vom Bräustüberl.

Wer Interesse an einem Stellplatz hat,

kann schon jetzt Kontakt mit Elke Zeitler aufnehmen. Der endgültige Termin (vor-

aussichtl. 7. November) wird auf unserer

.

Home­page www.andechs.de rechtzeitig be-

kannt gegeben. 

Wir kennen unsere Region und ihre Stärken.

“Heimat”

Daher übernehmen wir Verantwortung und engagieren uns regional. Damit sichern wir aktiv die Entwicklung und Zukunft unserer Region - und das schon seit über 100 Jahren. Zählen Sie auf uns. Stabil. Sicher. Nah.

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Wir machen den Weg frei.

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Starnberg-Herrsching-Landsberg eG

www.vrsta.de


bergecho 2 . 2015  |

Jeweils von 12.00 bis 14.30 Uhr auf der Bräustüberl-Terrasse, nur bei Biergartenwetter

09.08. Blaskapelle Max Pfluger 16.08. Blaskapelle Utting 23.08. Blaskapelle Rammingen 30.08. Blaskapelle Wehringen 06.09. Blaskapelle Erling-Andechs 13.09. Stadtmusikapelle Innsbruck-Amras

20.09. Högl Buam 03.10. Blaskapelle Erling-Andechs (Kinder- und Familientag)

11.10. da Blechhauf’n 18.10. Musikkapelle Oberrieden

Blasmusik im Bräustüberl

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bergecho 2 . 2015

|  veranstaltungen

Andechser Exerzitien

Geistlicher Übungsweg für Männer in Führungsverantwortung

Die Andechser Exerzitien für Männer in Führungsverantwortung bieten beruflich stark engagierten Führungskräften durch einen intensiven Mit­voll­zug des benediktinischen Lebens­ rhythmus die Gelegenheit, zu sich selbst zu kommen und in Ruhe über sich nachzudenken. Abt Johannes Eckert leitet die Exer­zitien in Andechs.

D

ie Andechser Exerzitien verstehen sich als geistlicher Übungsweg.

Die Teilnehmer sind während der

Exerzitien Gäste in der Klausur des Klos-

ters. Daher können an den Exerzitien nur

Männer teilnehmen.

Die Arbeitseinheiten der Andech-

ser Exer­zitien leiten dazu an, die eigene Situ­ation als Führungskraft genauer zu

betrachten. Anhand von ausgewählten

Beispielen aus der Bibel werden Führungs­ situationen reflektiert und auf die eigene

Lebens- und Unternehmenssituation übertragen.

Im Mittelpunkt dieser Exerzitien steht

die bewusste Lektüre der Benediktsregel.

Gespräche, Texte und Meditationen geben

Anregung und Anleitung für eine ganz

persönliche Besinnung und Neuorientie-

rung. Sie möchten Bausteine auf dem Weg zu einer integrierten Lebensgestaltung

und Mitarbeiterführung sein. So können

die Teilnehmer Hilfen für eine konkrete

.

(Um-)Gestaltung des eigenen Lebens und

Arbeitens gewinnen. 

Termine Andechser Exerzitien 2015/2016 25. bis 29. November 2015 10. bis 14. Februar 2016 30. November bis 4. Dezember 2016 Anmeldung und Information Kloster Andechs Tagungsmanagement Elke Zeitler Tel. 08152/376-279 Fax: 08152/376-239 seminare@andechs.de, www.andechs.de


bergecho 2 . 2015  |

  »Ich will mein Leben zurück« 13. bis 14. November 2015 – Trauerseminar

I n f o r m at i o n leitung Renate Ilg, Diplom-Theologin, Klinik­seelsorgerin, Supervisorin und Trauma­beraterin

Renate Ilg, Leiterin des Trauer­ seminars im Kloster Andechs, hat die Erfahrungen der vergangenen Seminare zusammen­ gefasst und gibt einen Einblick in die Dynamik dieser intensiven Tage auf dem Heiligen Berg.

Josef Ilg, Diplom-Theologe, Schulrat i.K.i.R.

D

treffpunkt Freitag, 13. November 2015, um 17.30 Uhr an der Klosterpforte.

er Kirchturm der Wallfahrtskirche, dem Suchenden im Nebel allein Orientierung gebend, so hatten

wir wieder unser Angebot für Trauernde

beworben. In den Gärten der Trauer ken-

nen wir das brachliegende Land und die

Angst, dass nichts Neues wächst. Und

wenn, dann macht es keine Freude, denn der alte Sinn, das bisherige Leben in Ge-

meinschaft ist dahin.

Der Austausch mit anderen half den

Trauernden, ihre kleinen Erfolge zu hören und das Mitgefühl, wenn die Tränen mal

wieder zu viel sind. Es war sehr intensiv, den persönlichen Geschichten und dem damit verbundenen Schmerz achtsam

Raum zu geben und sich in der Trauer verstehen zu lernen.

Beim Abschlussgottesdienst in der

Hedwigskapelle konnte auch das Unausgesprochene und noch Aufwühlende in der

Stille ankommen und um Gottes Beistand

für den noch schweren Weg gebetet wer-

den.

Das neue Seminar hat den Titel: »Ich

will mein Leben zurück«. Auch in diesem Se-

minar wollen wir der Trauer um den ver­

lorenen, geliebten Menschen Zeit widmen, Kraftquellen bewusst machen und im

Austausch mit anderen Orientierung für

den eigenen, neuen Weg finden. Es wird

.

Zeiten der Stille geben, wohltuende Bewe-

gung und hilfreiche Impulse.  

termin Freitag, 13. November 2015, 18 Uhr bis Samstag, 14. November 2015, 17.00 Uhr, mit anschließendem Gottesdienst.

teilnahmegebühr 103 Euro pro Person. Vor Seminarbeginn bitte überweisen auf: Kloster Andechs – Nikolauskolleg Kreissparkasse München-StarnbergEbersberg IBAN  DE95 7025 0150 0010 2724 82 leistung Seminar, Übernachtung mit Vollpension. Verlängerung des Aufenthaltes gegen Aufpreis i.H.v. 35 Euro (Übernachtung und Frühstück) bis Sonntagmorgen, 15. November 2015, bis 11 Uhr möglich. anmeldung bis spätestens 11. November 2015 teilnehmerzahl zwischen 8 und 12 Personen veranstalter Nikolauskolleg im Kloster Andechs Bergstraße 2, 82346 Andechs Tel. 08152/376-253 Fax: 08152/376-267 nikolauskolleg@andechs.de

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bergecho 2 . 2015

|  veranstaltungen

Familien wieder im Mittelpunkt Kinder, Eltern, Großeltern, Verwandte und Freunde sind auch heuer von den Andechser Mönchen eingeladen zum Kinderund Familientag mit einem abwechslungsreichen Programm zwischen 10 und 17 Uhr. Mit dabei sein wird auch – wie im letzten Jahr – der Mitmach-Zirkus »Gniztut« der Lebenshilfe Starnberg. Der schon traditionelle Familiengottesdienst um 17 Uhr in der Wallfahrtskirche rundet den gemeinsamen Tag ab.

A

ndechs führt Familien zusammen.

Nicht nur während der Ferien und

an den Wochenenden. Andechs ist

das ganze Jahr über beliebt bei vielen Fa-

milien. Nicht nur aus dem Münchner Um-

land kommen viele Familien, auch und

gerade mit den Großeltern zum Heiligen Berg oberhalb des Ammersees. Das zeigt

sich auch bei Wallfahrten, Ausflügen und

Feiern in Andechs.

Den 3. Oktober aber widmet das Klos-

ter besonders den Familien. Sie stehen an

diesem Tag ganz bewusst im Mittelpunkt.

Daher lädt das Kloster ein und das heißt

ganz konkret, dass die vielen Stände für Spaß und Spiel kostenfrei sind. »Das ist

uns besonders wichtig«, so Abt Johannes,

»dass Familien – unabhängig von den Fi-

nanzen – einfach einmal miteinander eine

gute Zeit bei uns verbringen können. Dabei lassen sich sicher Kirche, Kloster und

Mönche auch einmal von einer anderen Seite erleben.«

Andechser Kinderund Familientag am 3. Oktober 2015


bergecho 2 . 2015  |

Glückliche Gewinner beim Familientag 2014

Traditionell zu einem anderen Blick

auf das Kloster verhilft auch wieder der

und seiner Wirtschaftsbetriebe beteiligen

sich wieder mit Glücksrädern und – ab der

Teleskop-Kran vor der Einfahrt zur Kloster-

Mittagszeit – mit einer Hüpfburg am Fa-

60 Meter Höhe einen guten und seltenen

Zaubern vor dem Klostergasthof. Im Flori-

bis hin zu einem hoffentlich beeindru-

aus der Region ihren Auftritt und zeigen,

brauerei. Bei guter Witterung wird er in

Ausblick auf das Kloster, seine Umgebung ckenden Alpenpanorama bieten können.

Abt Johannes wird mit Familien in der

Wallfahrtskirche auf Entdeckungsreise

gehen. Am und im Florian-Stadl werden

milientag. Und nicht zu vergessen: Das

an-Stadl haben Kinder-Trachtengruppen

dass Singen und Tanzen eine Menge Freu-

J

onas Roßmann aus Gauting war der

glückliche Gewinner einer Großen

Schiffsrundfahrt auf dem Ammer-

see. Zusammen mit seinen Eltern und

Geschwistern hat sich der Fünfjährige

auch die Einladung zu einem kleinen

Imbiss an Bord nicht entgehen lassen. Carmen, Jonas Mama, schrieb uns:

de bereitet. Vor dem Florian-Stadl ist wie-

»Wir hatten einen kurzweiligen, ver-

ein Stück weiter zeigen die Hopfenzupfer,

der waren schwer beeindruckt von dem

der Platz für die Heuhupfer. Und gleich

gnügten Nachmittag und unsere Kin-

Bierfilze in Kunstwerke verwandelt. Hier

was man aus Hopfen alles fertigen kann.

gerichtet sein und Fabel- und Fantasie-

lichkeit unter Beweis stellen kann man

hat der ebenfalls fünf Jahre alte Lau-

Klosterweiher können sich Jungen und

gelrutschen und bei den Machtlfinger Bo-

wonnen. Zusammen mit Mama Miriam,

terer im Angeln üben. Partner des Klosters

ganz traditionsreiche Spielstationen wie

wird auch wieder die Schminkstation ein-

Wesen auf Kindergesichter zaubern. Am Mädchen unter Anleitung von Jakob Schet-

Sich richtig austoben und seine Geschick-

beim Kübelspritzen, Tragelklettern, Tra-

genschützen. In den letzten Jahren waren Dosenwerfen und der Nagelbalken besonders gesucht. Sie sind auch dieses Jahr

Schaufelrad-Dampfer«.

Freien Eintritt ins Sea Life München

rence Tadeus Dehn aus Starnberg ge-

Papa Alexander und seinem älteren Bruder Vincent erkundeten sie Mitte April

die Unterwasserwelt. In der E-mail, die

wir von Alexander Dehn erhalten haben,

wieder zu finden, ebenso wie das Bungee-

klingt die Begeisterung noch nach: »Wir

der Wallfahrtskirche.

Dank für diesen spannenden und lehr-

Trampolin und die Miniaturdampflok vor Auch 2015 lädt Marcus Everding unter

dem Motto »Auf die Bühne bitte« in den

haben heute den Preis eingelöst. Vielen

reichen Ausflug! Den Kindern haben die

Haie und Rochen besonders gut gefal-

Florian-Stadl ein. Kinder und Erwachsene

len. Richtig cool war natürlich auch das

nehmen, das ist seine Leidenschaft. Dabei

den Oktonauten.« 

in Carl Orffs Musiktheater–Welt mitzu-

erklärt er, wie Theater funktioniert und

was auf und besonders hinter der Bühne während der Vorführung möglichst geräuschlos passieren muss.

Wer es etwas ruhiger möchte, der soll-

te mit der Kutsche und einem Paar statt-

licher Shire Horses (Kaltblutpferde) einen

kleinen Ausflug in die Umgebung machen. Die Klostermetzgerei sorgt mit Grill-Spezi-

alitäten fürs leibliche Wohl ebenso wie das

Brotzeit-Eckl. Andechs® Klosterbiere und

die Andechser Alkoholfreien fehlen ebenso

wenig wie die Blaskapelle Erling-Andechs.

Zugunsten der Obdachlosenarbeit der Abtei Sankt Bonifaz verkaufen Fr. Emmanu-

el und seine Helfer wieder Pommes frites.

Für Kaffee und Kuchen sorgen die Andechser Landfrauen im Pferdestall. Auch der

Büchermarkt an der Alten Apotheke ge-

genüber der Wallfahrtskirche hat geöffnet.

.

Sein Erlös geht an Projekte der Missions-

benediktinerinnen von Tutzing. 

.

Meet & Greet mit Captain Barnius von

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bergecho 2 . 2015

Handwerk auf dem Hl. Berg Tag des offenen Denkmals im Kloster Andechs am 13. September 2015

|  veranstaltungen


bergecho 2 . 2015  |

Die Wallfahrtskirche verdankt ihr heutiges Erscheinungsbild unzähligen Handwerkern und Künstlern: Freskanten, Stuckateuren, Fassmalern, Vergoldern, Schreinern, Zimmerern, GlockengieSSern, Orgelbauern, Schlossern, Schmieden, Stein­m etzen, Wachsziehern, Gold- und Silberschmieden, Restauratoren und vielen anderen

Im Zuge der technologischen, wirt-

schaftlichen und einer damit verbunde-

nen sozialen Entwicklung war es möglich,

dass die Gewerke sich mehr und mehr spezialisieren konnten. Berufe entstanden,

die in unserem Kulturkreis mindestens

seit der Römerzeit belegt sind. Diese tech-

nische Spezialisierung, das über Genera-

Der diesjährige Tag des offenen Denkmals am 13. September 2015 in Deutschland steht unter dem Motto »Handwerk, Technik, Industrie«. Unter dieser Überschrift beteiligt sich auch das Kloster Andechs an diesem Tag.

D

ie Wallfahrtskirche und das Kloster Andechs sind natürlich alles

andere als ein Industriedenkmal.

Silberschmieden und vielen anderen – und

Wissen, die Erfahrung und Kunstfertig-

vor nunmehr zehn Jahren alles wieder im

in unserem kulturellen Erbe ab. Die ra-

nicht zu vergessen die Restauratoren, die

alten Glanz erstrahlen ließen.

Ziel der europaweiten Kampagne »Eu-

ropean Industrial and Technical Heritage Year

2015« ist es, auf die Bedeutung von industriellen und technischen Denkmalen für die Denkmallandschaft in Europa hin-

zuweisen. Es sind nicht nur die großen

Gottes­häuser und malerischen histori-

schen Altstädte, die unsere baukulturelle

Identität formen. Ganze Regionen wie das

Dennoch können die traditionell am Tag

Ruhrgebiet, das Saarland oder die Berg-

auch diesen Aspekt aufgreifen. Das gilt

Binnenhäfen werden durch Technik- und

fahrtskirche und den Fürstentrakt. So ist

male und Denkmalensembles gelten sie

des offenen Denkmals geführten Bereiche für die Brauerei ebenso wie für die Wall-

tionen und Jahrhunderte weitergegebene

baugebiete Sachsens, die großen See- und

Industriebauten geprägt. Als Einzeldenk-

keit Einzelner bildet sich beeindruckend sante technische Entwicklung, die ge-

waltige Welle der Industrialisierung der

letzten zweihundert Jahre und die damit

verbundenen tiefgreifenden sozialen Verschiebungen haben unsere Lebensbedin-

gungen und die unserer Vorväter so stark

verändert wie nie zuvor in der Geschichte.

Dieser schnelle Wandel führte dazu, dass

ganze Landstriche innerhalb kürzester Zeit eine industrielle Prägung bekamen.

Ebenso schnell kann es jedoch passie-

ren, dass sich technische und industrielle

Anforderungen verändern, dass Rohstoffe

lokal nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen oder erschöpft sind. Zu wirtschaftlichen

die Andechser Brauerei mit dem frühe-

heutzutage vielerorts bereits für den Tou-

Problemen, wie wir sie beispielsweise aus

Bräustüberls, mit der alten Mälzerei – 1907

ren wie berühmte Barockkirchen, klassi-

dass solche Industrielandschaften und rie-

ren Brauhaus im Bereich der Terrasse des

als einer der ersten Bauten in Stahlbeton-

rismus ebenso als positive Standortfaktozistische Rathäuser oder prächtige Fach-

dem Ruhrgebiet kennen, kommt hinzu, sige technische Anlagen plötzlich nicht

weise auch zur Absicherung des Osthangs

werkinnenstädte.

mehr genutzt werden. Leerstand und in-

Fuß des Heiligen Berges ein Beispiel für

unserer Denkmallandschaft, so sind seit

der Frage, welchen technik-, kultur-, ar-

errichtet – und der modernen Anlage am den Wandel innerhalb eines Handwerks

Das Handwerk bildet die Grundlage

2003 traditionelle Handwerkstechniken

über die Jahrhunderte hinweg.

Teil des immateriellen Weltkulturerbes.

kunstwerk des Barock und Rokoko, sie

Metallurgie, Webtechniken oder Töpfe-

tik und die mit dieser Stilepoche verbun-

nach Auslegung – sprichwörtlich so alt wie

Die Kirche ist nicht nur ein Gesamt-

erinnert in ihrer Bausubstanz an die Go-

denen revolutionären Bautechniken und

verdankt ihr heutiges Erscheinungsbild

rei sind Jahrtausende alt, ja teilweise – je

wir freuen uns auf ihren besuch !

die Menschheit. Technische Neuerungen

können ihren Erfindern entscheidende

malern und Vergoldern, Schreinern und

Fischfang, der Landwirtschaft, der Her-

ern, Schlossern und Schmieden, Stein-

beim Hausbau.

metzen und Wachsziehern, Gold- und

.

diese Anlagen haben, beschäftigen sich

Industriedenkmalpfleger. 

Vorteile verschaffen, erleichtern sie doch

Zimmerern, Glockengießern, Orgelbau-

chitektur- und sozialgeschichtlichen Wert

Gewerke der Stein- und Holzbearbeitung,

unzähligen Handwerkern und Künst-

lern wie Freskanten, Stuckateuren, Fass-

folgedessen Verfall machen sich breit. Mit

seit Urzeiten unser Leben: ob bei Jagd und stellung von Geräten und Kleidung oder

I n f o r m at i o n e n zu den Führungen am Tag des offenen Denkmals am Kloster Andechs finden Sie auf unserer Homepage: www.andechs.de

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bergecho 2 . 2015

|  panorama

Neues Kinderhaus in Söcking eingeweiht

Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung

Am 8. Mai wurde das neue integra­tive FortSchritt Kinderhaus in Söcking »Kind & Natur« feierlich eingeweiht. Das Haus beherbergt drei Krippen-, zwei Kindergarten- und eine Hortgruppe.

B

ei schönstem Wetter und bester

Stimmung kamen viele Besucher,

um die Eröffnung des Natur und

FortSchritt gemeinnützige GmbH Ferdinand-von-Miller-Str. 14 82343 Niederpöcking Tel. 08151/916949–32 Fax: 08151/916949–8 www.fortschritt-gmbh.de

der mit und ohne Behinderung. Mit mitt-

Kind Hauses zu feiern. Darunter waren

lerweile 35 Einrichtungen ist FortSchritt

rat Karl Roth, Stadtrat Thomas Beigel, der

treten. FortSchritt fördert Kinder in Ihrer

auch zahlreiche offizielle Gäste, wie Landin Vertretung für die Bürgermeisterin Frau

John ein Grußwort sprach, und Jugend-

amtsleiterin Frau Merkl-Griesbach. Im An-

in acht oberbayerischen Landkreisen ver-

Ganzheitlichkeit. FortSchritt bietet in sei-

nen Einrichtungen Kindern und Jugend-

lichen ein familienunterstützendes An-

schluss an die Reden spendeten die Pfarrer

gebot. Hierbei stehen die Persönlichkeits-

Kirche Starnberg den ökumenischen Se-

im Vordergrund. Die Kindertagesstätten

der Katholischen und der Evangelischen

KONTA K T

Als gemeinnütziges Unternehmen för-

dert und betreut FortSchritt seit 1994 Kin-

gen für das neue Haus.

Als symbolischer Eröffnungsakt wurde

kein Band, sondern Weiden durchschnitten. Die Klosterbrauerei hatte Bierbank-

garnituren und Gläser kostenlos zur Ver­ fügung gestellt. Für den musikalischen

Rahmen sorgte die Blaskapelle Pöcking.

Es war ein sehr schönes und gelungenes

Fest. Vielen Dank an alle Beteiligten!

entwicklung und soziale Gerechtigkeit

von FortSchritt stehen für alle Kinder der

verschiedenen gesellschaftlichen, konfessionellen und nationalen Gruppen offen. Sie bilden somit ein differenziertes, viel-

.

schichtiges, bildendes und soziales Lernumfeld. 

sivia welti


bergecho 2 . 2015  |

Herrschinger Bundesliga-Volleyballer Saisonabschluss auf Andechs

M

anch einer feiert seinen Saisonabschluss auf

dem Rathausbalkon, manch einer auf der Fan-

meile. Die Bundesliga-Volleyballer des GCDW

Herrsching pilgern jedes Jahr zum Abschluss einer ge-

lungenen Saison auf den Heiligen Berg nach Andechs. Nach fünf Aufstiegen in Folge und einem achten

Platz in der allerersten Bundeligasaison, gab es deshalb auch dieses Jahr wieder allen Grund dazu, die Spielzeit

2014/2015 in der Klosterbrauerei ausklingen zu lassen.

Und nach neun Monaten anstrengender Saison durf-

ten sich dann auch die Leistungssportler einmal ein

vollmundiges Bier und eine leckere Hax’n genehmigen.

Weiter geht die Saison dann wieder im Oktober, mit vielen aufregenden Heimspielen in Herrsching – und hof-

fentlich zieht es die Volleyballer, dann auch im nächsten

.

Jahr, mit vielen Erfolgen im Gepäck, ein weiteres Mal nach Andechs. 

andré bugl

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bergecho 2 . 2015

|  panorama

›Naturheilkunde‹   zu Gast auf dem Hl. Berg

»Andechser Naturheilkundetage« ziehen über 300 Ärzte und Heilpraktiker an

Wenn es nach den Interessenten an den »Andechser Naturheil­ kundetagen« gegangen wäre, hätten sich an diesem Samstag im Juni rund 600 Ärzte und Heilpraktiker auf dem Heiligen Berg Bayerns getroffen. Steffen Wegner, Geschäftsführer von Steierl-Pharma aus Herrsching, über eine Tagung, die sich auch von der beson­deren Umgebung des Fürsten­traktes inspirieren ließ.

S

amstag, 20. Juni 2015 – Es ist 8.00

Uhr morgens und der Heilige Berg scheint noch friedlich zu schlum-

mern. Allein einige Hinweisschilder »An-

dechser Naturheilkundetage« lassen darauf

schließen, dass es mit der Ruhe bald vor-

bei sein könnte. Und tatsächlich nehmen

in der folgenden Stunde rund 300 Ärzte

und Heilpraktiker, trotz des starken Re-

gens, den steilen Aufstieg zum Fürstentrakt auf

sich, um sich an diesem

Wochenende rund um die Naturheilkunde fortzubilden.

Kloster auch den »Andechser Kräutergarten«

betreibt, wohl ein interessantes Paket geschnürt: Alle Teilnehmerplätze waren in-

nerhalb von vier Wochen vergeben und die

Nachfrage war insgesamt mehr als doppelt so hoch.

»Es sind nicht allein die guten Vorträ-

ge und Referenten, die den Erfolg der Naturheilkundetage ausmachen, sondern

»Die Sorge für die Kranken steht vor und über

allen anderen Pflichten«

Mit Vorträgen zu Themen wie Hor-

auch die ganz besondere

Atmosphäre des Klosters

und die einmaligen Räu-

me des Fürstentraktes.«,

betont Eugen Eschenlohr,

Geschäftsführer der Stei-

erl-Pharma. Beide freuen sich, mit den

monsystem, Mikrobiom, Fibromyalgie,

Naturheilkundetagen an eine alte Traditi-

che hatte der Veranstalter Steierl-Pharma

können, denn im 5. und 6. Jahrhundert

Kinderheilkunde oder Nebennierenschwäaus Herrsching, der gemeinsam mit dem

on klösterlicher Heilkunde anknüpfen zu

waren es die Klöster, die das heilkundliche


bergecho 2 . 2015  |

Wissen der Antike vor dem Vergessen be-

wahrten. So steht im 36. Kapitel der durch den Hl. Benedikt (480–547) verfassten Re-

gula: »Die Sorge für die Kranken steht vor und

über allen anderen Pflichten«. In den Klöstern

gab es hierfür soziale Einrichtungen wie

einen Krankensaal für Mönche (infirmari-

um), Herbergen für kranke Pilger (hospitium) und ein Krankenhaus für Arme (hospitale pauperum). Heilpflanzen wurden in

einem separaten Heilkräutergarten (her-

bularius) angebaut und in der Kräuterkam-

mer aufbewahrt. Diese klösterlichen Be-

reiche waren die Vorläufer unserer modernen Krankenhäuser und Apotheken.

Im Kloster Andechs belegt die »An-

dechser Apothekenliste«, ein Verzeichnis

von Arzneistoffen, »… die ein Apotheker verwenden muss«, die Fortführung der

benediktinischen Heilkunde. Dieses his-

torische Dokument der Pharmazie aus der

Zeit der Klostergründung vermittelt einen

Überblick über den Arzneischatz des aus-

gehenden Mittelalters und gehört zu einer medizinischen Sammelhandschrift, die

u.a. eine Beschreibung von Krankheiten,

medizinischen Rezepturen und Anwei-

sungen zum Sammeln von Kräutern ent-

hält. 1763 bis 1811 unterhielt das Kloster

Andechs eine eigene öffentliche Apotheke, die auch nach der Säkularisation (1803) Bezirksapotheke war. Das Gebäude existiert

noch heute, Teile der Apothekeneinrich-

.

tung befinden sich in den Beständen des

Deutschen Museums in München. 

»

Es sind nicht allein die guten Vorträge und

Referen­ten, die den Erfolg der Naturheilkundetage

«

ausmachen, sondern auch die ganz besondere

Atmosphäre des Klosters und die einmaligen

Räume des Fürstentraktes.

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bergecho 2 . 2015

|  panorama

orff war es wert

Schlussblick und Orff’sches Echo – ein Rückblick auf die letzten Carl Orff-Festspiele Andechs

Zwei erfolgreiche Neuproduktio­ nen »Astutuli« und »Der Mond«, viele Zuschauerreaktionen zu allen Veranstaltungen der Festspiele und ein breites und gegenüber dem Vorjahr noch intensiveres Medienecho kennzeichneten die Carl Orff-Festspiele Andechs 2015. Am Ende der letzten Festspielsaison an der Grabstätte von Carl Orff blickt Marcus Everding, der Künstlerische Leiter der Festspiele, auf eine in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche und anspruchsvolle Festspielzeit zurück.


bergecho 2 . 2015  |

A

»

lles ist Phantasie«, heißt es in den

I n f o r m at i o n

Astutuli von Carl Orff. Diese wur-

Statement des Klosters Andechs zum Ende der Carl Orff-Festspiele Andechs

den als erste Neuproduktion im

Festspielhaus Florian-Stadl gezeigt. Phantasie, das ist es ja, was die Bürger in den

Astutuli mit den Zuschauern gemein ha-

ben. Für die Welt des Theaters braucht es

Phantasie, die Offenheit einzutauchen in eine schillernde, eben faszinierende

Welt. Das Publikum erlebte in den sechs

Aufführungen, wie sehr sich der Mensch

eben auch im Negativen verführen lassen

kann. Mit dieser Produktion konnte zum wiederholten Mal bewiesen werden, wie

vielschichtig der oft nur auf Carmina Burana reduzierte Komponist und Textdichter

in Wahrheit ist, vergleichbar mit Ludwig

Thomas derber Direktheit und eben auch

Parabel-Erzählung geholt. Im geschützten

fer Orff in immer wieder neuen Facetten

gen der handelnden Personen und verlässt

der eingelöste Anspruch der Festspiele in

Im Falle des Mondes die Erkenntnis, dass

den Brechtschen Lehrstücken. Den Schöpzu entdecken, nach ihm zu schürfen war

den letzten Jahren. Die Reaktionen des Publikums bewiesen eindrucksvoll, wie sehr

dieser auch dieses Jahr auf die Bühne gebracht wurde.

Das gilt in gleichem Maße für die zwei-

Raum erlebt er die moralischen Wandlun-

den Zuschauerraum mit einem Mehrwert. der Mond, wie auch alle anderen Dinge der Schöpfung, für alle Menschen geschaffen

worden sind und nicht für private Gewinn-

sucht missbraucht werden dürfen. Dies zusammen mit einer für Andechs neuartigen

te Neuproduktion dieser letzten Orff Saison

Video-Bühnenkunstinstallation ließ aus

einfaches Märchenstück konzipiert, zeigt

nis werden.

mer schon gab und auch in moderner Form

Premierenfeiern, eine gute und intensi-

am Heiligen Berg: Der Mond. Als scheinbar es dem Betrachter, wozu es Märchen im-

immer noch gibt. Märchen sind nahezu

immer Lehrstücke, die dem Zuhörer auf-

dem Mond ein großes emotionales ErlebKammerkonzerte, Soiréen, Vorträge,

ve Zeit für Künstler und Besucher – wieder fand eine erfüllte Orff-Spielzeit am

zeigen wollen, welche Fallstricke das Le-

Heiligen Berg statt. Es ist schade, dass es

die »Es war einmal« Eingangsformulie-

geht nicht mehr. Seien wir froh über 18

vention der Zuschauer in den Schutz der

tausend Besucher. Orff war es wert. 

ben für den Menschen bereithält. Durch

rung wird mit einer mantra­artigen Kon-

die letzte ist. Doch, was nicht mehr geht,

.

prall gefüllte Jahre und über zweihundert-

Das Kloster Andechs wird nach Ende der Saison 2015 die Carl Orff–Festspiele nicht weiterführen können. Grund sind nicht mehr zu überbrückende Differenzen zwischen dem Kloster und der Carl OrffStiftung im Blick auf die künstlerische Ausrichtung der Festspiele. Wir bedauern das Ende der Festspiele außerordentlich. Uns ist diese Entscheidung sehr schwer gefallen. Sie bedeutet einen tiefen Einschnitt in unserem kulturellen Engagement. Wir haben mehrfach sehr intensiv darüber beraten, gehören doch die Festspiele seit 1998 zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Andechs, wie die positive Zuschauerresonanz und das jahrelange Engagement vieler Partner und Sponsoren belegen. Trotz alledem können wir dankbar auf 18 Jahre Carl Orff-Festspiele zurückblicken. Die Festspiele in diesem Jahr waren damit ein fulminanter Schlusspunkt. Dankbar sind wir für die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Künstlerischen Leiter sowie allen Verantwortlichen der gesamten Festspielorganisation, vom Management bis hin zum Künstlerischen Betrieb und den vielen Unterstützern, die unser kulturelles Engagement über so viele Jahre mit getragen haben. Kultur werden wir im Kloster Andechs auch in Zukunft pflegen – in welcher Form auch immer.

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Benediktinische Spiritualität für alle Sinne Orgelvigil in Sankt Bonifaz zum Benediktsfest


bergecho 2 . 2015  |

In der Münchner Basilika Sankt Bonifaz fand am 10. Juli, dem Vorabend des Benediktsfestes, wiederum die diesjährige Orgelnacht statt. Ab acht Uhr Abends bis kurz vor Mitternacht erlebten die Besucher der Basilika in der Münchner Karlstraße vier Abschnitte dieser Orgelvigil, Nocturnen genannt, mit meditativem Orgelspiel, farbintensiver Licht­ installationen, Lesungen aus der Benediktsregel und Choralgesang.

A

Die besondere bt Johannes sieht in der

jährlichen Orgelvigil

eine gute Möglichkeit,

über die Benediktsregel ins Ge-

spräch zu kommen: »Die Be-

nediktsregel ist wie ein Schatz,

Gestaltung von

Raum, Licht

und Ton spricht alle Sinne an.

der immer wieder neu Anre-

gungen für eine Spiritualität des Alltags

In den Pausen zwischen

den vier Abschnitten der Vigil

stand den Besuchern der Klos-

tergarten offen, um zu verwei-

len, ins Gespräch zu kommen

und sich bei Andechser Klosterbier, alkoholfreien Getränken

und Brezn zu stärken. An der Orgel saßen

gibt. Die besondere Gestaltung von Raum,

Martin Fleckenstein, Klaus Geitner, Mi-

verschiedenen Facetten der Regel an.«

Bei den Gregorianischen Gesänge war die

Spiritualität verdeutlichten die »Noctur-

hören. Die Konzeption für die Lichtinstal-

wählte Kapitel der Regel im Fokus: »Einset-

varin der Abtei Sankt Bonifaz, zusammen

Licht und Ton spricht alle Sinne für die

Jeweils einen Aspekt benediktinischer

nen«. Dabei standen heuer einige ausge-

zung und Dienst des Abtes« (Kapitel 64), »Der wöchentliche Dienst in der Küche« (Kapitel

chael Hartmann sowie Tobias Skuban.

Choralschola der Abtei Sankt Bonifaz zu

lation hat Birgitta Klemenz, Stiftsarchimit der Firma magic events erarbeitet.

Seit dem Münchner Stadtjubiläum 2008

35), »Die Priester des Klosters« (Kapitel 62)

gehört die Orgelvigil in der Basilika Sankt

getragen wurden die Lesungen aus den je-

Abtei und lockt immer wieder Hunderte

und »Die Schweigsamkeit« (Kapitel 6). Vor-

weiligen Kapiteln der Regel von Mönchen des Klosters. Lichtinstallationen, Orgel­

meditationen und Choralgesänge deuteten

im Anschluss den Text der Regel.

Bonifaz zum festen Jahres­programm der von Besuchern an. 

.

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bergecho 2 . 2015

|  panorama

Neues Leben im alten Kloster Wessobrunn Ausflug des Freundeskreises Kloster Andechs nach Wessobrunn

In die geschichtsträchtigen Räume des Klosters Wessobrunn wieder Leben einkehren zu lassen, hat sich Martina Gebhardt vor zwei Jahren vorgenommen. Sie erwarb das Kloster von den Tutzinger Missionsbenediktinerinnen. Am 15. Mai begrüßte sie die 40 Mitglieder umfassende Gruppe des Freundeskreises des Kloster Andechs im Prälatentrakt des ehemaligen Klosters Wessobrunn und führte sie durch das Areal. Amelie Erhard über einen Tag, der interessante Einblicke in die Nutzungsmöglichkeiten eines ehemaligen Klosters möglich machte.

M

it ihrer Firma für Naturkos-

metik nach Demeter-Richtli-

nien orientiert sich Martina

Gebhardt auch an der Benediktregel. Mit

ihrem Leitbild »Arbeiten, Leben und Kul-

tur in Wessobrunn« versucht sie das benediktinische »ora et labora« in die heutige

Zeit zu übersetzen. Die Geschäftsfrau hat

auch Architektur studiert und beschäftig-

Kraft mir Ruh verschafft«. Der Wessobrunner

Pfarrverwaltung obliegt die Nutzung des

Prälatentrakts mit dem Magdalenensaal, dem Fürstengang, dem Theatertrakt und dem großen Tassilosaal. Der Jagdbeglei-

ter von Herzog Tassilo III. namens Wezzo fand seinerzeit Quellen in Kreuzesform

und so kam es zur Gründung des Wessob-

runner Klosters – vermutlich im Jahre 753.

te sich vorzugsweise mit historischen Bau-

Berühmt sind die Jagdszenen dazu im Tas-

substanzen.

ten, für die Malachit verwendet wurde.

Bewegte Ge schichte – offene Zukunf t

pe die ehemaligen Klosterräume, die

ten und dem Erhalt altehrwürdiger Bau-

Zur Architekturgeschichte des Klosters

Wessobrunn führte die Gruppe der Kirchenpfleger Herr Langer. Stuckverzier-

te Decken mit Gemälden und Texten zur

silosaal mit seinen grünen StuckornamenDarüber hinaus besichtigte die Grup-

nun ebenso gut renoviert sind wie der

Prälatentrakt und nun dem Unterneh-

men von Martina Gebhardt dienen. Wieder beeindruckten die Deckengemälde

mit Darstellungen des hl. Benedikt, des

Marienverehrung erklärte er sachkun-

hl. Franz von Assisi und des hl. Bernhard

»Bin doppelt rein im Gegenschein«, »Des Ankers

Solnhofener-Steinböden mit Sternen- und

dig, z.B. »Maria soll allein der Vorzug seyn«,

von Clairvaux sowie die gut erhaltenen


bergecho 2 . 2015  |

Rautenmuster. Etliche der derzeit nicht

genutzten Räume werden künftig einer

vielfältigen Kunsthandwerkerschaft als

Manufakturen zugeführt. Auch der ursprüngliche Klosterkräutergarten wird

wieder entstehen und auch genutzt wer-

den. Die Produktion der kosmetischen Produkte bleibt noch in Rott-Pessenhausen,

dem Zehntstadel des Klosters Wessobrunn,

während der Vertrieb vom Kloster aus erfolgen wird.

Auskl ang Mit einer Einkehr im Gasthof zur Post in

Wessobrunn klang das Treffen bei Andechser Bier aus. Die angeregten Gespräche

mit Martina Gebhardt, Dr. Thomas Goppel

als Vorsitzender des Landesdenkmalrates

Bayern und Generalkonservator Prof. Dr.

Mathias Pfeil vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege bleiben den Mitglie-

dern des Freundeskreises Kloster Andechs

in bester Erinnerung. Nikolaus Neumaier dankte ihnen für ihre Teilnahme an der

.

Führung mit Geschenken aus der Andechser Edition. 

I n f o r m at i o n Die Jahreshauptversammlung des Freundeskreises findet am 28. November 2015 um 11 Uhr im Fürstentrakt des Klosters statt. Zuvor feiert Abt Johannes Eckert um 10.15 Uhr in der Wallfahrtskirche einen Gottes­dienst mit den Mitgliedern des Freundeskreises.

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bergecho 2 . 2015

|  panorama

»Das gehört doch   zu einem Trail dazu«

Ideale Bedingungen für die Teilnehmer des Andechs-Trail

Knapp 400 Teilnehmer genossen bei der diesjährigen vierten Auflage des Andechs Trails am 18. April perfekte Wetter- und schwierige Streckenbedingungen. Auch die vielen umgestürzten Bäume im Weg konnten das Naturerlebnis nicht verderben.

N

un schon zum vierten Mal veran-

staltete der TSV Erling-Andechs

mit Unterstützung des Klosters

Startpl ätze in Rekordzeit vergeben Die etablierten, herausfordernden Lauf-

strecken blieben auch dieses Jahr unver-

ändert: vom Parkplatz des Klosters auf

Wanderwegen und schmalen Pfaden auf zwei verschiedene Runden zurück zum

Klosterberg. Zu absolvieren war entweder der »Beginner Trail« mit 8,4 Kilometern,

oder der »Expert Trail« mit 15 Kilometern.

Besonders die anspruchsvolle Streckenführung mit dem langen und steilen letzten

Anstieg bei toller Atmosphäre hinauf auf den Klosterberg ließen das Rennen zu ei-

Andechs am Samstag, den 18. April 2015

nem echten Erlebnis werden.

hat das Wetter wieder mitgespielt und

tung des Meldeportals Anfang Januar

10°C als perfektes Laufwetter. Die Vorbe-

Anmeldungen abweisen, da das Startplatz-

den Andechs Trail. Auch in diesem Jahr

präsentierte sich mit Sonnenschein und

reitung der Strecken war in diesem Jahr

durch die vielen umgestürzten Bäume als

Schon vier Wochen nach der Freischal-

musste das Organisationsteam die ersten

kontingent von 400 Teilnehmern verge-

ben war. Neben der großen Begeisterung

Resultat der Osterstürme erschwert. Nicht

rund um den Andechs Trail mit seiner au-

was die Teilnehmer mit einem »Das gehört

den Organisatoren den sich verstärkenden

alle Hindernisse konnten entfernt werden, doch zu einem Trail dazu« kommentier-

ten. Nach erfolgreich absolvierten Stre-

cken und dem knackigen Endanstieg zum

ßergewöhnlichen Location zeigt dies laut

Trend zum Laufen in der Natur.

GroSSer Sport an der Spitze

Kloster zauberte die mit Herz angerichtete

Auch dieses Jahr hatten sich einige deut-

und Kuchen ein Lächeln auf die Gesichter

Weg nach Andechs gemacht. Der mehrfa-

Zielverpflegung mit Andechser Bier, Obst der Teilnehmer.

sche und bayerische Spitzenläufer auf den

che deutsche Meister Sebastian Hallmann (LG Telis Finanz Regensburg) konnte wie

auch 2013 den anspruchsvollen »Expert

Trail« mit klarem Abstand gewinnen. Auf

dem zweiten Platz konnte sich auch dieses

Jahr Frank Schouren von der LG Passau vor Paul Günther (Tri Team FFB) platzieren.

Bei den Damen setzte sich erwartungs-

gemäß die Favoritin und Lokalmatado-

rin Igalena Heuck (LG Stadtwerke Mün-

chen) mit über fünf Minuten Vorsprung

auf Cornelia Wieland (Munich Trail Wo-

men) durch. Als dritte komplettierte Jutta

Buschmann (SCLT Breitenbach) das Stockerl.


bergecho 2 . 2015  |

Themenausstellung im Fürstentrakt des Klosters Ilka-Loretta Schumann zeigt in ihrer 2. Jahresausstellung eine persönliche Hommage an »das Quadrat«.

den zweiten Werner Deuringer (VFL Kaufe-

D

gart ins Ziel retten. Bei den Damen setz-

möglichst viel Spielraum zu lassen für

Bei dem »Beginner Trail« ging es dieses

Jahr etwas knapper zu. Der Sieger Alexan-

der Kirsch (SSC Hanau Rodenbach) konnte sich mit nur 21 Sekunden Vorsprung auf

ie Künstlerin lässt sich gerne

von der Natur, den Begebenhei-

ten des Lebens, seinen Stimmun-

gen und Schwingungen inspirieren und wählt dann unterschiedliche Materia­

ring Triathlon) und Dritten Jürgen Rosen-

lien, Formate und Techniken, um damit

te sich Katja Kannengießer-Wagner (TV

die Wahr­nehmungen des jeweiligen Be-

Planegg Krailing) vor Sandra Mastropietro (Munich Trail Women) und Sabine Luidl (Team Xenofit) durch.

Lohnende Verpflegung und lockere Stimmung im Ziel Die Teilnehmer freuten sich nach

trachters. Ihre Arbeiten bleiben dabei meist abstrakt.

Da die Arbeiten jedoch auch einen

Titel tragen, verbindet sich mit jedem

Werk immer auch eine Geschichte, die

ihm tatsächlich zugrunde liegt: Malerei und Skulptur treten in Zusammenhang

dem Zieleinlauf vor dem berühmten

mit Litera­tur.

ge nicht mehr häufig anzutreffenden fa-

trakt des Klosters Andechs hat sich die

Bräustüberl besonders über das heutzuta-

In der neuen Ausstellung im Fürsten­

miliären Ambiente. Ein vielfaches »Schön

Künstlerin intensiv mit dem Quadrat

tige Verpflegung mit Kuchen, Obst, An-

geome­trische Form vereint sich die per-

konnten die Sportler ihre Energiespeicher

ation von Verlässlichkeit und Stabilität.

gerehrung ins Bräustüberl ging. Bei der

dauert bis Ende Oktober 2015 (Besichtigung

war’s« war zu hören. Durch die reichhal-

dechser Bier und isotonischen Getränken

schnell wieder auffüllen, bevor es zur SieSiegerehrung sprach P. Valentin über die

kraftgebende Wirkung eines gemeinsa-

men Erlebnisses, wie auch bei der traditi-

onellen Wallfahrt. Im nächsten Jahr steht

nun mit dem 5. Andechs Trail ein kleines

Jubiläum an.

Treue Sponsoren Auch dieses Jahr blieben die bekannten Sponsoren dem Andechs Trail treu und

machten dieses Ereignis erst möglich. Das Organisationsteam Andi Hirschberger,

Stefan Paternoster und Peter Cabell möch-

ten sich ganz herzlich bei der Klosterbrau-

.

erei Andechs, Scott, VR Bank, Xenofit und

Feinkost Kahn bedanken. 

beschäftigt. In ihrer Hommage an diese

fekte Form mit der symbolischen AssoziDie Ausstellung im Kloster Andechs

nur bei Voranmeldung möglich). 

.

Ko n ta k t Ilka-Loretta Schumann Tel. 0171/1459224 www.kunst-momente.com

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bergecho 2 . 2015

Erdinger Anzeiger, 29.Juni 2015

Tölzer Kurier, 14. Juli 2015

|  presse


bergecho 2 . 2015  |

Bild der Frau, 19. Juni 2015

Sport + Mode, 1. Juli 2015

FĂźrstenfeldbrucker Tagblatt, 16. Mai 2015

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bergecho 2 . 2015

Starnberger Neueste Nachrichten, 7. Mai 2015

|  presse


bergecho 2 . 2015  |

Abendzeitung, 26. März 2015

Aichacher Zeitung, 05/2015

Münchner Kirchenzeitung, 20. Juni 2015

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Allmächtiger Gott,

impressum

der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist

V.i.S.d.P.: P. Valentin Ziegler

der du alles, was existiert,

Tel.: 08152/376-0, Fax: 08152/376-267

und im kleinsten deiner Geschöpfe,

mit deiner Zärtlichkeit umschließt,

gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,

Bergstraße 2, 82346 Andechs www.andechs.de

damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

redaktion Christian Bolley,

Überflute uns mit Frieden,

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und niemandem schaden.

gestaltung Mellon Design

Vater der Armen, hilf uns,

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die so wertvoll sind in deinen Augen,

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Titelfoto: Dr. Kurt Jakobus

damit wir als Brüder und Schwestern leben

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Rühre die Herzen derer an, die nur Gewinn suchen

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Martin Glaab, Birgitta Klemenz Martin Glaab

druck Agentur Beckenbauer,

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bildnachweis

Alle Fotoaufnahmen durch Benedik-

tinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, außer: A-B – Service

by A.Boy (S. 3, 26, 27); Apostolische

Nuntiatur (S. 13); Argum/Falk Heller &

Thomas Einberger (S. 50); Dr. Bodenbender Jörg (S. 51); Bonisolli Barbara

(S. 37); Bugl André (S. 57); Burger Su-

sanne (S. 49); Cloudt Dominic (S. 43);

Dehn Alexander (S. 53); Doemens-

und voll Bewunderung zu betrachten;

Akademie (S. 34); Duda Sebastian/

mit allen Geschöpfen

na (S. 3, 64); Grandhotel Sonnenbichl

zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.

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Sabine (S. 35); Kober Siegfried (S. 46);

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Koder Christian (S. 66); Kolb Werner

für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Roßmann Joachim (S. 53); Schaff-

Ermutige uns bitte in unserem Kampf

aus dem »gebet für unsere erde« aus der enzyklika »laudato si«

von papst franziskus

(S. 21); P. Steffen Brühl SAC (S. 24);

ner Stephan (S. 20); Schmid Thomas (S. 54); Schmidt Wolfgang (S. 34);

Schuhbauer-von Jena Stefan (S. 60, 61); Schumann Ilka-Loretta (S. 67);

Sturm Ortrud (S. 47); Wallner Elisa-

beth (S. 22); Wegner Steffen (S. 59);

Welti Silvia/Fortschritt Gemein­ nützige GmbH (S. 56).

Da wir leider nicht alle Rechte­

inhaber von Bildmaterial erreichen

konnten, bitten wir etwaige Rechte­

inhaber, sich mit der Klosterbrauerei

Andechs unter pr@andechs.de oder

08152/376-290 in Verbindung zu setzen.

Das nächste Andechser Bergecho erscheint im dezember 2015

Scannen und mehr erfahren

Andechser Bergecho 2-2015  
Andechser Bergecho 2-2015  
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