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Prost März 2013

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Wer wie Martin Luther Wein, Weib und Gesang schätzt, sollte unbedingt Linz besuchen. Damit ist allerdings nicht die oberösterreichische Landeshauptstadt gemeint, sondern das kleine, gleichnamige hübsche, deutsche Städtchen am Rhein. Warum es gerade dort so schön ist? Musikalisch wird diese Frage immer wieder gestellt und es gibt außer Wein, Weib und Gesang auch noch andere Gründe, die zu einem Besuch verführen. Freilich sind diese Beweggründe so verschieden wie es auch die Touristen aus aller Herren Länder sind, die es alljährlich an diesen mythenumrankten Strom zieht. Denn neben den trinkfreudigen, fröhlichen und lebenslustigen Rheinländern beiderlei Geschlechts, ist es natürlich auch die pittoreske Landschaft, die zur Nachschau verleitet, sowie die romantischen Orte, die sich entlang des Flusses an die Hänge schmiegen: Bendorf, Andernach, Neuwied, Remagen... Vor allem auf der Strecke zwischen Bonn und Mainz trägt der Rhein sein Herz auf der Taille, heißt es. In diesem Abschnitt duckt sich die kleine, mittelalterliche Stadt Linz an die Ausläufer des Vorderen Westerwaldes. Von der Fremdenverkehrswerbung wird dieser kleine Ort visá-vis der Ahrmündung auch als die Bunte Stadt bezeichnet. Diesen Beinamen erwarb sich Linz wegen seiner farbigen Fachwerkhäu-

Wo Weingeselligkeit auf Lebenslust trifft

Nicht lang allein in Linz am Rhein Von Kurt Guggenbichler

ser, die aus fünf Jahrhunderten stammen, erklärte mir Alt-Bürgermeister Adi Buchwald bei einem meiner Besuche, der uns durch die verträumten Winkel und Gassen der Altstadt mit ihren malerischen Bürgerhäusern führte. Vom Burgplatz mit seinem historischen Stadttor, dem Rheintor, flanierten wir durch die Rheinstraße mit ihren altersgebeugten Fachwerkhäusern hin zum angeblich ältesten und noch benutzten Rathaus in Rheinland-Pfalz. So eine schöne Kulisse zieht auch prominente Reisende an, schwelgte der frühere Fremdenverkehrsdirektor Dieter Hau in Erinnerungen und erzählte wie US-Präsident Gerald Ford mit dem Schiff den Rhein

hochgefahren kam. Da war was los im Städtchen. Doch es hatte nicht viel gefehlt und Fords Dampfer wäre an Linz vorbeigefahren, anstatt dort anzulegen. Der Grund war die enthusiasmierte Bevölkerung. Vor Freude über den Präsidenten-Besuch schossen sie derart heftig mit Böllern, dass Fords Sicherheitsleute den Kapitän zunächst zur Weiterfahrt nötigten. Via Funk konnte das Missverständnis schließlich geklärte werden, der Dampfer machte kehrt und legte an – ein Glück für den Präsidenten. Sonst hätte er was versäumt. Das befand auch Rosalyn Carter, die Frau eines anderen US-Präsidenten, die Linz mit Tochter Amy visitierte und „very charming“ fand.

Auch mir gefällt Linz wie noch weiteren 750.000 Touristen, die die Stadt alljährlich besuchen. Sie hat zwar schon 1100 Jahre am Buckel ist aber noch quietschvergnügt und sehr lebendig. Vor allem im September, beim Weinfest, das vier Tage lang gefeiert wird. Doch guten Wein bekommt man auch in den anderen Monaten des Jahres am Rhein serviert. Denn Rheinweine sind heute nicht mehr das, was sie früher einmal waren: zu süß für unseren Gaumen. Das ist vorbei. Schon vor längerer Zeit haben die Rheinwinzer begonnen, „den Zucker aus den Flaschen zu nehmen“ und heute mundet deren Riesling ge-


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