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Versand im Postabonnement – Ges. 353/2003 (umgew. in Ges. 27/02/2004 Nr. 46) Art. 1, Absatz 1, DCB Bozen – Taxe perçue ECONOMY

I.P.

MITTEILUNGEN MÄRZ 2011 MIT

MIT BUS UND BAHN IN DIE BERGE BEL PLAN - SCHÖN LANGSAM

HOCHFEILERHÜTTE

www.alpenverein.it

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Mit Bus und Bahn in die Berge Ing. Heinz Dellago ............................ 4 Wandern und Trekking auf dem Prüfstand Wolfgang Niederhofer ...................... 6 Bel plan – Schön langsam a faeins Stikl Judith Egger .................................... 9 Unterm Mendelkamm Judith Egger .................................. 11 Schritte am Berg Judth Egger ................................... 12 AVS-Filmreihe im Filmclub Bozen Florian Trojer .................................. 13 Erich Abram Franz Mock.................................... 14 Hochfeilerhuette Franz Mock.................................... 16 Alpinist 2010-2013 (Venezuela) Stefan Steinegger .......................... 18 Regelungen für Pistentourengeher Stefan Steinegger .......................... 20 Die Sternfahrt am Vigiljoch 2011 Landesjugendführung .................... 21 Bergferien für Familien Stefan Steinegger .......................... 22 Sportklettersektion Bruneck Ulla Walder .................................... 24 Sportklettern (3. Juniorcup) Ulla Walder .................................... 25 Im Jänner zum König Helmut Dorfmann .......................... 25 ClimBo 2011 Matthias Polig ................................ 26

editorial Entschleunigung des Bergsteigens Liebe Bergfreunde, werte Leser, Erreichbarkeit wurde heuer zum Unwort des Jahres gewählt, da sich dahinter allerhand verbirgt. Die Wirtschaft braucht Erreichbarkeit, der Tourismus braucht Erreichbarkeit, jeder Einzelne braucht Erreichbarkeit (man denke nur an das Handy), und auch wir Bergsteiger machen da keine Ausnahme. Die Ausgangspunkte unserer Unternehmungen müssen erreichbar sein. Diese Erreichbarkeit generiert Verkehr und dieser wiederum Luftverschmutzung und Treibhausgase. Hand aufs Herz, müssen wir überall mit dem Auto hinfahren? Gewiss, wer im Frühjahr zu einer Skihochtour aufbricht, muss wohl oder übel mit dem Auto fahren. Aber so manche Wanderung lässt sich ohne Schwierigkeiten mit öffentlichen

Verkehrsmitteln durchführen. Man hat dabei den Vorteil, dass man nicht zum Ausgangspunkt zurück muss und dass man besonders im Herbst beim Törggelen auch einmal ein Glas Wein trinken kann. Mit der Reihe „Wandern ohne Auto“ möchte der Alpenverein seine Mitglieder animieren, auch einmal auf das Auto zu verzichten. Auch in diesem Heft finden Sie eine Reihe von Beiträgen, die zur Entschleunigung (auch ein Favorit für Wort oder Unwort, je nachdem, von welcher Seite man es sieht) des Bergsteigens beitragen sollen. Aber Sie finden nicht nur „autofeindliche“ Beiträge, eine Sportklettersektion stellt sich vor, die Jugend hat große Pläne, es wird wieder eine Hütte des AVS beschrieben und vieles andere mehr. Viel Spaß beim Lesen. Franz Mock

Bücherecke Franz Mock.................................... 28 Ferrata delle Taccole Hannsjörg Hager ........................... 29 Josef Kostner Valentine Kostner ........................... 30 AVS-Singgemeinschaft Renate Mayr .................................. 31 Nepal auf anderer Weise Dr. Reinhold Regele ....................... 32 Pulverschnee nur ein Traum für Träumer? Walter Rass ................................... 34 Auf der Hauptroute der Pelzhändler Franz Mock.................................... 36 Rund um Südtirol - Teil IV Alfred Profanter.............................. 39

Titelbild:

Klaussee, Ahrntal Foto: Mario Berlanda

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Foto: Karin Leichter

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MIT BUS UND BAHN IN DIE BERGE

Busschild im Pulverschnee

Der alpine Tourismus begann vor ungefähr hundertfünfzig Jahren durch den Bau der Bahnlinien im Alpenbereich. Dadurch konnte eine breitere Bevölkerungsschicht erstmals in relativ geringer Zeit zu den Herbergsbetrieben und Ausgangspunkten der Wanderungen gelangen. In der Zeit von 1850 bis zum Ersten Weltkrieg wurde eine Vielzahl von Eisenbahnlinien gebaut, die unter anderem diesen Zweck erfüllten. Bahn und Bus waren bis 1960 auch die Hauptverkehrsmittel, um die Wanderer so nahe wie möglich zu den Bergen zu bringen. Erst mit der Massenmotorisierung wurden die öffentlichen Verkehrsmittel in den Hintergrund gedrängt. Durch die größere Flexibilität, die das Auto bot, wurden Bus und Bahn in den Folgejahren immer weniger attraktiv. Aus diesem Grunde wurden sowohl die bedienten Strecken als auch die Fahrten immer weiter ausgedünnt und so diese

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Foto: Heinz Dellago

Verkehrsmittel für viele Bergtouristen immer weniger attraktiv. Allerdings hat die steigende Anzahl an privaten Fahrzeugen viele negative Auswirkungen, wie beispielsweise die Überlastung der Straßen, wachsende Parkplätze und letztendlich die Beeinträchtigung der Luftqualität. Aufgrund der hohen Anzahl an Bergtouristen ist die individuelle Anreise mit eigenem Auto deshalb in den letzten Jahren bedenklich nahe an ihre Grenze gelangt. Immer wieder neue, breitere Straßen und größere Parkplätze zu bauen, ist keine dauerhafte und zukunftsweisende Lösung: Der Raum ist begrenzt, und solche Eingriffe stören Landschaftsbild als auch Ökosystem. Im Gegensatz dazu scheint eine Bündelung der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine gute Lösung. Die Mehrheit der Ausflügler, Wanderer und Alpinisten hat sich im Laufe der Zeit jedoch daran gewöhnt, die Aus-

gangspunkte von Bergtouren mit dem eigenen Fahrzeug zu erreichen. Jetzt ist es schwierig, sie dazu zu bringen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Da immer weniger Leute per Bus und Bahn ihre Touren unternahmen, gab es auch vonseiten der Politik wenig Anreiz, bessere Verbindungen anzubieten. Der öffentliche Verkehr wurde bis vor Kurzem nur von wenigen Personengruppen genutzt: hauptsächlich von Schülern, Arbeitspendlern, älteren Jahrgängen und Menschen ohne Führerschein. Die Züge und Busse waren deshalb vorwiegend auf die Bedürfnisse dieser Fahrgäste ausgerichtet. So wurden beispielsweise

5 sen. Touristen und Einheimische haben sie von Anfang an sehr gut angenommen. Das machte auch die Politik darauf aufmerksam, dass man durch ein gutes Netz an öffentlichen Linien politisches Kapital schlagen kann. Aus diesem Grunde wird seit 2005 sehr stark in den Ausbau von Bus und Bahn investiert: Die laufenden Ausgaben haben sich inzwischen mehr oder weniger verdoppelt. Es wurde der sogenannte Südtiroltakt aus der Taufe gehoben, der den öffentlichen Verkehr zunehmend auch für die Freizeit interessant macht. Der Südtiroltakt hat folgende Eigenschaften: − Halbstundentakt auf den Haupt-Bahn und -Buslinien − Stundentakt auf den übrigen Linien − schlanke Anschlüsse an den Knotenpunkten − Ausbau des Wochenendangebots − neue Linien auch in entlegene Ortschaften Im Folgenden einige Vorschläge für Bergtouren ohne eigenes Autos:

Flirt: Erweiterte Fahrpläne machen das Angebot immer attraktiver Foto: Heinz Dellago

samstagnachmittags und an Sonn- und Feiertagen nur wenige Fahrten angeboten. Dadurch ist die touristische Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel klarerweise beinahe zum Erliegen gekommen. Wenn aber das Angebot stimmt, sind auch Bus und Bahn für Ausflüge in die Berge interessant. Dies hat erstmals der große Erfolg der Vinschger Bahn bewie-

Radfahren Die Kombination Bahn und Fahrrad hat sich als ideal erwiesen. Dadurch ist es nicht mehr not-

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wendig, am gleichen Ort eine Tour zu beginnen und zu beenden. Besonders Mountainbiker müssen nicht die eher langweiligen flachen Talabschnitte befahren, sondern können sich direkt auf den anspruchsvollen Anstieg und die Abfahrt konzentrieren. Auch auf fast allen Buslinien ist die Mitnahme von Fahrrädern im Kofferraum möglich. Wanderungen Auch hier bietet die An- und Abfahrt per Bus und Bahn Vorteile gegenüber jener mit dem eigenen Auto. Einerseits kann man auch hier zu einem anderen Punkt zurückkehren und ist deshalb nicht gezwungen, den gleichen Weg zurückzugehen. Und zudem braucht man sich nicht um einen Parkplatz zu kümmern. Außerdem bleibt man mit der Bahn auch nicht im Stau stecken – man denke nur an einen Ausflug ins Pustertal an einem Wochenende im Winter ... Die Anreise ist Teil des Ausflugs, den man von Anfang an genießen kann, weil man sich nicht auf Straße und Verkehr konzentrieren muss. Skitouren Ideal finde ich die Kombination Öffis und Skitour, die ich in den letzten Wintern entdeckt habe: − Inzwischen erreicht man an

allen Wochentagen fast alle Ausgangspunkte von Skitouren mit den Bussen. − Überschreitungen sind dadurch problemlos möglich, ohne auf zwei Autos angewiesen zu sein. − Auf dem Gipfel angekommen, ist man frei, die Abfahrt zu wählen: Nehme ich lieber die südliche Firnabfahrt oder den nördlichen Pulverschnee? Familienausflüge Als Vater von drei Kindern kann ich die Ausflüge mit Bus und Bahn allen Familien weiterempfehlen. Die Kinder werden hier nicht wie im Auto an die Sitze festgebunden, sondern können sich – besonders im Zug – freier bewegen und etwa während der Fahrt gemeinsam mit den Eltern ein Spiel spielen. Da die Kinder bis zur Volljährigkeit Anrecht auf das „Abo+“ haben und kostenlos mitfahren können, ist es auch finanziell vorteilhaft, auf das Auto zu verzichten. Deshalb für den nächsten Ausflug: Ziel auswählen, Fahrpläne studieren und einsteigen! Ing. Heinz Dellago Fahrplanentwickler Amt für Pesonenverkehr

Unsere Welt. Unser Bier.

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WANDERN UND TREKKING AUF DEM PRÜFSTAND

Parkplatz in Zans – Villnöß

An einem Sommersonntag in Zans, am Eingang zum UNESCO-Weltkulturerbe Dolomiten: Ein gestochen blauer Himmel wölbt sich über die Villnösser Geisler, eines der schönsten Bergbilder der Dolomiten. Am Fuße der stolzen Nordwände von Sass Rigais und Furchetta werden die Parkplätze bereits vormittags knapp – ein Blechhaufen auf 1700 m Meereshöhe. Das Bild auf den noch höheren Dolomitenpässen oder anderen Alpenparkplätzen sieht diesem sehr ähnlich. Gibt es erst einmal Infrastrukturen für den motorisierten Individualverkehr, werden diese genützt – auch von Wanderern, denen die Umwelt durchaus am Herzen liegt.

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Foto: Helene Fischnaller

Bei den Tourenplanungen wird gerne auf den höchsten legalen Parkplatz zurückgegriffen. Läge dieser nochmals 200 m höher, käme die Blechlawine erst dort zum Stillstand. Die Höhenstufen darunter werden ausgeklinkt, so, als ob sie nicht existierten, obwohl es dort häufig wesentlich ruhiger zugeht. Szenenwechsel – ein Bekannter erzählt von einer 4000erBesteigung in den Schweizer Westalpen: Eine anstrengende Autoanreise, dann noch schnell zur Hütte. Gipfelbesteigung geglückt, Abstieg und eine anstrengende Autorückreise nach Südtirol. Menschen und Kulturlandschaften unterhalb 1800 m

Meereshöhe werden ausgeklammert, sind nicht Ziel der hastigen, automotorisierten Gipfelsammler – eine Welt zwischen Hochgebirge und Autobahn. Dazwischen Leere – das kann es wohl nicht sein. Gerade im Bahnland Schweiz gibt es attraktive Alternativen zum motorisierten Individualverkehr. Das Bahn- und Busfahren gehört auch in der Freizeit zum Selbstverständnis. 6:30 Uhr an einem Sommer-Sonntagsmorgen am Zürcher Hauptbahnhof: Scharen von Tagesausflüglern mit Rucksäcken eilen zu ihren Zügen. Zuverlässig und umweltverträglich bringen sie die Schweizer Bahnen und Post-

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busse zu den Ausgangspunkten auch anspruchsvoller Bergwanderungen. Was in der Schweiz seit Jahrzehnten funktioniert, greift nun langsam bei uns in Südtirol. „Wandern ohne Auto“, herausgegeben vom AVS, die Nutzerzahlen der Vinschger Bahn und nun auch sonntags verkehrende Busse in den Südtiroler Seitentälern sind vielversprechende Ansätze.

fernung von 1500 km bei „Vai e Via AktivReisen“ seit etllichen Jahren prinzipiell mit der Bahn angeboten. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern eröffnet auch neue kulturelle Perspektiven und kann eine willkommene Verlangsamung unserer beschleunigten Lebensrhythmen darstellen. Selbst Ziele wie Süditalien, Norddeutschland wie auch Schottland, Schweden,

Was für Tagesausflüge gilt, trifft erst recht für längere Wanderbzw. Trekkingtouren zu. Ein Großteil des Ressourcenverbrauchs entfällt auf die An- und Rückreise. Wer sich ernsthaft und ehrlich mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ auseinandersetzt, muss diesen Teil der Reise kritisch auf den Prüfstand stellen. Der Reiseveranstalter Vai e Via AktivReisen (www.vaievia.com) versucht seit Jahren, seine Angebote ökologisch und sozial verträglich zu gestalten. Es sind dies die beiden Kriterien, die darüber entscheiden, ob ein Reiseangebot nachhaltig ist oder nicht.

Kulturwanderweg in Villnöß

Ökologische Verträglichkeit misst sich am Ressourcenverbrauch. Flugreisen schneiden hier besonders schlecht ab. Nahe gelegene Reiseziele sind naturgemäß umweltfreundlicher. Eine Wanderwoche in Südtirol wird aus Südtiroler Perspektive immer nachhaltiger sein als ein Wüstentrekking in Nordafrika oder eine Trekkingtour im Himalaja. Hier kann der ökologische Schaden nur mehr „repariert“ werden, z.B durch sogenannte CO2-Zertifikate, das sind Ausgleichszahlungen, die von Kritikern als „moderner Ablasshandel“ bezeichnet werden. Aus diesem Grunde werden Wanderreisen bis zu einer Ent-

Griechenland und die Bretagne werden ohne das umweltschädliche Verkehrsmittel Flugzeug durchgeführt. Vor Ort werden soweit als möglich öffentliche Verkehrsmittel benützt. Soziale Verträglichkeit misst sich daran, was eine bestimmte Tourismusform in der Zielregion bewirkt: Werden dadurch sichere und solide Arbeitsplätze geschaffen oder nur unattraktive Kurzzeitjobs? Werden soziale Gegensätze verschärft oder ausgeglichen? Unterstütze ich vor allem kapitalmäßig konzentrierte Betriebe oder gestreute touristische Infrastrukturen? Ein familiär geführter Betrieb ist aus

diesen Gründen einem bankenfinanzierten Großhotel oder einer Kette vorzuziehen. Je breiter die touristischen Einnahmen in einer Region gestreut werden, desto besser für die soziale Struktur vor Ort. Dies ist einer der wesentlichen Gründe, warum der Tourismus in Südtirol eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung genießt. Ein Großteil der Tourimusbetriebe befindet

Foto: Helene Fischnaller

sich in kleinräumigem Besitz. „Urlaub am Bauernhof“ ist ein Erfolgsrezept. Eine schuldenfreie Pension überlebt eine Krise viel besser als ein kapitalmarktfinanziertes Hotel, das sich von smarten Tourismusberatern Investitionen in Millionenhöhe aufschwatzen lässt und somit im Teufelskreis von immer hastigerem Wachstum gefangen wird. Ohne ökologisch intakte Regionen und sozial ausgewogene Strukturen wird jegliche touristische Entwicklung und Freizeitaktivität mittel- bis langfristig infrage gestellt. Die Sehnsucht nach unberührter Natur wird immer größer. Trotzdem nimmt der

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BEL PLAN – SCHÖN LANGSAM A FAEINS STIKL

Rhätische Bahn im Unterengadin

industrialisierte Freizeitmensch in Kauf, dass genau das, was er sucht, durch seine Freizeitgestaltung zerstört wird. Diesen Widerspruch gilt es aufzulösen. Wandern und Trekking sind ohne negative Rahmenbedingungen (Autoanreise, Fluganreise usw.) verhältnismäßig umwelt- und sozialverträgliche Freizeitaktivitäten. Die idealen Grundlagen hierfür sind alte Fußwege, Steige und Kulturlandschaften, die im Laufe der letzten Jahrtausende menschlicher Zivilisation entstanden sind. Das „Zu-Fuß-

Foto: Helene Fischnaller

Gehen“ ist wahrscheinlich der entscheidende Erfolgsfaktor der menschlichen Evolution. Erst das Gehen lässt uns die Textur unserer Kulturlandschaften, Dörfer, Städte und Marktplätze entschlüsseln. Nur gehfreundliche Umgebungen sind behaglich, beinhalten einen hohen Wohlfühlfaktor und sind auch die Grundlage aller zwischenmenschlichen Kommunikation. Die automobile Massenmotorisierung zerstört diese zivilisatorischen Errungenschaften, schafft architektonische Unorte und zerstört gewachsene Struk-

turen der Kommunikation. Wir benötigen deshalb nicht nur Wanderwege oberhalb der Waldgrenze, sondern vor allem ein attraktives zusammenhängendes Wegenetz, das unsere Dörfer, Weiler, Städte und Kulturlandschaften abseits von markierten Forstwegen und asphaltierten Straßen verbindet. Zusammen mit den schon bestehenden Wanderwegen im Hochgebirge verfließt die Grenze zwischen Wandern als Freizeitaktivität und „Zu-FußGehen“ als Alltagstätigkeit.

Mehrtägiges Wandern liegt im Trend. Es muss aber nicht immer der Jakobsweg nach Santiago de Compostela sein, um zu erleben und vielleicht auch zu sich selbst zu finden. Das bäuerlich geprägte Ultental, auch das „Tal der Bäder“ genannt, bietet viele Möglichkeiten, um nach dem Motto „mehr sehen, langsamer gehen“ Kultur und Natur kennen- und wieder schätzen zu lernen. Markus Breitenberger, Referent für Natur und Umwelt im AVS, vermittelt Kultur und Natur erleben ganz im Zeichen von Langsamkeit und Genuss. AVS: Was verbindest du mit dem Begriff „bel plan“ und warum ist er so treffend für deine Natur- und Kulturwanderungen?

M.B.: „Bel plan“ bedeutet „schön langsam“. Dahinter steckt die Philosophie, seinen eigenen Weg in der heutigen hektischen Welt bewusst langsamer zu gehen, sich Zeit zu nehmen zu betrachten, zu fühlen und zu genießen. Indem wir die Dinge langsamer angehen, schaffen wir Erholung und haben die Möglichkeit, den Kopf frei zu bekommen. So gelingt es uns beispielsweise auch in das bäuerliche Leben einzutauchen, das ehemalige Badlwesen und das Wasser in seinen vielseitigen Facetten unmittelbar zu erleben und die einfachen Dinge wieder schätzen zu lernen. Zu „bel plan“ gehört auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Das eigene Auto einmal stehen zu lassen, bedeutet stressfreie Anreise und Heimkehr. Kleine Teilstücke bei den Wanderun-

gen können ruhig mit dem Bus überbrückt werden. Wir haben heute viele Möglichkeiten dazu, nur nutzen wir das Angebot noch viel zu wenig. AVS: „Faei stikla“ ist die übergeordnete Bezeichnung für alle Wanderungen. Was versteht der Nicht-Ultner darunter? M.B.: „Faei“ steht für sehr, ziemlich, fein, angenehm, behaglich oder auch wohlig. „Stikla“ bedeutet hingegen steil; a Stikl: ein Stück, ein Stück Weg, Steig oder Pfad. Beides zusammengenommen also ein feines Stück Weg. Es geht darum, die Wanderer ein Stück ihres Weges zu begleiten und ihnen die Augen zu öffnen für Landschaft, Tiere, Pflanzen und die lokale Kulturgeschichte. Das Logo von „faei stikla“ symbolisiert die Bo-

Hier gilt es anzusetzen. Wandern oder einfach GEHEN ist für mich keine trendige Freizeitaktivität auf der Spielwiese der Eventindustrie, sondern eine Alltagsaktivität, die nicht nur der Gesundheit und unserer Umwelt gut tut, sondern dort anknüpft, wo uns Jahrtausende menschlicher Zivilisation hingebracht haben. Wolfgang Niederhofer Ein Stück Bodenständigkeit entlang des Weges

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Foto: Martin Geier

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UNTERM MENDELKAMM Von St. Anton über den Kalterer Höhenweg nach Tramin Besonderheiten Imposanter Buchen-Mischwald, interessante Pflanzenwelt (Orchideen, Maiglöckchen, Zyklamen); besonders im Frühling und Herbst empfehlenswert

Rückfahrt Buslinie 130 Überetsch – Bozen; alternativ: Buslinie 122 (Citybus) Neumarkt – Auer – Tramin – Margreid/Penon bis Bhf. Auer, weiter Zug Auer – Bozen

Anfahrt Buslinie 130 Bozen – Überetsch

Gehzeit 3 h 20 min

Ausgangspunkt Bushaltestelle St. Anton Mendelbahn

Markus Breitenberger

denständigkeit, die Dynamik im Weg, ein Stück des (Lebens) Weges und des Gehens und Wanderns insgesamt. Mit der Bodenständigkeit ist die tiefe Verwurzelung der Menschen mit ihrem Grund und Boden gemeint. Auch heute noch besteht speziell in Ulten die Möglichkeit, auf Bergbauernhöfen und in Buschenschänken Mahlzeiten zu genießen, die aus gesunden heimischen Produkten hergestellt werden. AVS: Stichwort einheimische Produkte genießen: Wie weit kann man auf Produkte von auswärts verzichten? M.B.: Ich lege großen Wert darauf, dass Einheimisches und oft auch von meiner Frau Selbstgemachtes auf den Tisch kommt. Unterwegs kann man aus den zahlreichen Quellen des Ultentals Wasser trinken, bei den

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Foto: Martin Geier

immer ausgedehnten Ruhepausen wird Kulinarisches aus der Bauernküche aufgetischt, oft garniert mit literarischen und musikalischen Leckerbissen. Gemüse und Fleisch kommen aus dem Tal, der Käse wird am Hof hergestellt, und das Brot backen die Bäuerinnen selbst. In der Küche werden Kräuter aus dem Garten verwendet, und eine Besonderheit ist wohl auch der seit Jahrhunderten in Ulten veredelte und für den Eigengebrauch angebaute Mohn für die Mohnkrapfen. Die Produkte müssen einen Namen haben, so wie Bauer und Bäuerin auch. Bis auf den Kaffee gibt es gute Möglichkeiten, sich mit einheimischen Produkten zu versorgen. Ich möchte den Wanderern vermitteln, das Einfache und Bodenständige bewusst zu suchen und zu schätzen. In diese Richtung zielt übrigens auch die Aktion der Alpenvereine „So

schmecken die Berge“ – hier liegt es am jeweiligen Hüttenwirt, den Gästen einheimische Produkte vermehrt anzubieten und besonders schmackhaft zu machen. AVS: Deine Botschaft an die Leser lautet … M.B.: Mit Langsamkeit und regelmäßig sich in die nahe Natur begeben. Gehen, wandern, bergsteigen, ein Gefühl entwickeln für den eigenen Rhythmus und mit den kleinen Dingen zufrieden sein. Weniger Hektik, mehr Genuss und den Blick schärfen für das Wesentliche/ Ursprüngliche, für das Natürlich/ Kulturelle. AVS: Danke für das Gespräch! Interview: Judith Egger

Wegverlauf Dem Hinweisschild Höhenwanderweg (Nr. 538) über die Malgastraße nach Süden folgen, weiter zum Kalterer Höhenweg (Nr. 9), Richtung Altenburg bis zum Ziegelstadl (Forsthütte, 726 m). Am Ziegelstadl vorbei auf Weg Nr. 9, bei Wegkreuzung Abstieg auf Weg Nr. 10 bis zum Gummererhof (756 m). Weiter auf Weg Nr. 10 durch Weingärten nahe Schloss Rechental ins Dorfzentrum von Tramin. Über die Mindelheimer Straße zur Bushaltestelle beim Bürgerhaus Tramin. Endpunkt Ortszentrum Tramin (276 m), Bushaltestelle Mindelheimer Straße neben Bürgerhaus Tramin

Höhendifferenz Aufstieg: 517 m Abstieg: 739 m

Übersichtskarte aus www.trekking.suedtirol.info

Stützpunkt/ Einkehrmöglichkeit Jausenstation Gummererhof (ab 1. April geöffnet, Montag Ruhetag) Schwierigkeiten leichte Wanderung auf bequemem Waldweg, ab Gummererhof Abstieg etwas steiler; für Familien geeignet Wanderkarten Tabacco Nr. 049, 1:25.000 Kompass WK 074, 1:25.000

Gut zu wissen Fahrplanauskunft: www.sii.bz.it, Info Mobilität Tel. 840 000 471 (Mo-Sa von 7.30 bis 20.00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 9.0017.00 Uhr) Wanderportal: Tourenplanung leicht gemacht www.trekking.suedtirol.info

Das Alpenveilchen oder Zyklame ist eine typische Pflanze der Wälder am Mendelkamm Foto: Hans Madl

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SCHRITTE AM BERG

Am Aufstieg zum Gran Paradiso. Foto: Reinhard Waldner

Millionen Schritte pro Jahr legen die Mitglieder des AVS jährlich in der Bergwelt zurück. Nach dem Motto „Schritte am Berg“

zeichneten Roland Strimmer und Reinhard Waldner von der Ortsstelle Marling mit ihrer Fotoausstellung im vergangenen Herbst dies bildlich nach. Den Bergsteigern soll damit vermittelt werden, dass nicht nur der schnelle Gipfelsieg und die erbrachte Leistung zählen, sondern es vielmehr auch um die Wahrnehmung der Schönheiten und Details am Wegesrand geht. Ein Zurück zur Langsamkeit und zum Genuss – als Ausgleich zur Schnelllebigkeit und Hektik des Alltags. Zur Ausstellung passend hat die bekannte Marlinger Mundartdichterin Maridl Innerhofer ein Gedicht zur Verfügung gestellt. Sie setzt sich in ihren Werken immer wieder mit der Natur und dem Berg auseinander und

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AVS-FILMREIHE IM FILMCLUB BOZEN

beschreibt die Mühen des Aufstiegs, das Glück des Gipfelerlebnisses, aber auch die Winzigkeit des einzelnen Bergsteigers angesichts der Größe der uns umgebenden Natur. Aufstieg zan Gipfl Schritt fir Schritt und olm auwerts giahn vorbei an Buschn, Latschn, Olmhitt Schritt fir Schritt ibr Knottn, Fearnr, Grat decht galing afn Gipfl stiahn si wia a Kinig dunkn und decht so winzigkluan obr des isch mein Luahn. Maridl Innerhofer

Die Filmemacher hautnah erleben beim AVS-Filmabend

Der AVS veranstaltet 2011 in Zusammenarbeit mit dem Filmclub Bozen eine gemeinsame Filmreihe. An jedem letzten Donnerstag im Monat zeigen wir Bergfilme und laden dazu die „Stars“ vor und hinter der Kamera ein. Die gelungene Generalprobe fand bereits im Oktober 2010 statt, als der Dokumentarfilm „Zum Dritten Pol“ mit Norman Dyhrenfurth im ausverkauften großen Saal des Filmclubs lief. Mit unvergleichlichem Charme

Foto: AVS Archiv

erzählte der 92-jährige Dyhrenfurth nach dem Film aus seinem Leben als Bergsteiger, Expeditionsleiter und Filmemacher und begeisterte damit das Publikum. Die AVS-Filmreihe hat drei große Schwerpunkte. Einmal zeigen wir große Klassiker des Bergfilms. Am 27. Jänner zum Beispiel lief „Der große Sprung“ von Arnold Fanck mit Luis Trenker. Der Film wurde zum Großteil im Rosengartengebiet gedreht und beeindruckt durch phäno-

menale Kletter- und Skifahrszenen. Matthias Fanck berichtete nach dem Film über die Arbeit seines berühmten Großvaters. Der zweite Schwerpunkt sind Filme über Südtiroler Bergsteiger oder von Südtiroler Filmemachern. Grandioser Auftakt dazu waren am 17. Februar die Filme „Schachmatt“ mit den Rieglerbrüdern und „Acopan Tepui, Vorstoß zu unbekannten Kletterfelsen“ mit Helmut Gargitter und Renato Botte. Mit Florian, Helli und Renato hatten wir nach dem Film gleich drei Südtiroler Spitzenkletterer am runden Tisch. Dritter Schwerpunkt sind aktuelle internationale Bergfilme. So zeigen wir etwa einen der Filme vom Trento Film Festival. Informationen zu den nächsten Filmabenden gibt’s unter www.alpenverein.it Florian Trojer

5 Promille der Einkommenssteuer an den AVS, DANKE! Wertes Mitglied, liebe Bergfreunde! Demnächst werden Sie, als Einzelperson oder als Firmeninhaber, Ihre Steuererklärung oder das Mod. 730 ausfüllen und damit die Einkommenssteuer für 2010 erklären. Das staatliche Finanzgesetz sieht wieder vor, dass 5 Promille der Einkommenssteuer für ehrenamtliche Organisationen zweckgebunden werden können. Voraussetzung dafür ist allein Ihre Unterschrift im hierfür vorgesehenen Feld im

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Mod. 730 oder auf Ihrer Steuererklärung, zusammen mit der Angabe unserer Steuernummer 0037 047 0213 Die Leistungen des AVS für die Gemeinschaft sind vielseitig. Sie bestehen im Einsatz für unsere alpinen Infrastrukturen (Wegenetz, Schutzhütten und Biwaks, Kletterhallen und -gärten), im jährlichen Tourenprogramm unserer Sektionen und Ortsstellen, wie auch in

den Bemühungen um den Erhalt der Bergwelt und für eine attraktive Jugendfreizeit. Hierfür erhalten wir teilweise öffentliche Mittel, sind aber vorwiegend auf Eigenmittel und den ehrenamtlichen Einsatz unserer Mitarbeiter angewiesen. Auch mit den 5 Promille Ihrer Einkommenssteuer können Sie uns indirekt unterstützen. Dafür sagen wir DANKE! Sollten Sie die Steuernummer vergessen, finden Sie diese auf unserer Internetseite unter www.alpenverein.it.

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ERICH ABRAM

außerhalb Südtirols tätig, so bei Brandeinsätzen auf Sardinien, bei einem Staudammbau im Sudan, in Erdbebengebieten usw.

Ehrenmitglied beim Alpenverein Südtirol Am 20.12.2010 wurde Herrn Erich Abram im Messner Mountain Museum auf Schloss Sigmundskron, im Rahmen einer kleinen Feier, die Ehrenmitgliedschaft des Alpenvereins Südtirol verliehen. Luis Vonmetz, Exvorstand des AVS und Seilgefährte des Geehrten, bedankte sich zunächst bei Reinhold Messner, dem Hausherrn auf Schloss Sigmundskron, der die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung

Sepp Mayrl aus Osttirol, Christoph Hainz, Konrad Renzler, Ivo Rabanser, Ulli Kössler, Dieter Drescher, Heli Larcher und viele andere mehr, kurz und gut, man könnte die Anwesenden mit dem englischen Begriff „who's who“ der Südtiroler Bergsteigerszene beschreiben. Luis Vonmnetz ging dann kurz auf die Lebensgeschichte von Erich Abram ein, die man als typisch für diese Generation ansehen kann und Stoff für mehre-

Erich wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen und kommt zu den Gebirgsjägern. Nach der Ausbildung im Stubai folgt der Kriegseinsatz im Kaukasus. Dann Gefangenschaft in Russland und 1947 die Heimkehr. Bereits drei Wochen nach seiner Heimkehr unternahm Erich die erste Klettertour mit seiner Schwester Trude, und zwar die Stegerführe in der RosengartenOstwand. Die ersten Monate des Jahres 1948 arbeit Erich als freiwilliger

Erich Abram am Abruzzi-Grat des K2 im Lager VII in 7500 m Höhe

Am zweiten Sellaturm

Erich Abram auf einem Foto von Ernst Pertl, 1953

gestellt hatte und auch die Laudatio hielt. Von den Seilgefährten Erichs konnte Luis begrüßen: Toni Sorbello, Otti Senoner, Ferdl Mahlknecht, Jörgl Oberrauch, Alfons Obermair, Otto Schorn, Hannes Covi, Christian Werth, und Paul Tomaseth. Des Weiteren begrüßte Luis auch eine Reihe von Spitzenbergsteigern wie natürlich den Hausherrn Reinhold Messner,

re Romane bieten würde. Erich wurde 1922 in Sterzing geboren, 1930 zieht die Familie nach Bozen, und in der Folge besucht Erich italienischsprachige Schulen in Bozen und Meran, er nimmt auch am Katakombenunterricht teil, den ich wohl nicht näher erläutern muss. 1941 maturiert Erich am FranziskanerInternat in Hall i. T. und erhält kurz darauf die Einberufung zur U-Boot-Waffe nach Hamburg.

Helfer auf der AVS-Jugendhütte auf der Seiser Alm sowie nebenbei als Hilfsskilehrer bei dem legendären Hans Steger. Erich absolviert dann eine Ausbildung als Kühltechniker und übernimmt einige Jahre später die Kühlabteilung der Fa. Spielmann in Bozen. Reinhold Messner würdigte in seiner Laudatio die bergsteigerischen Leistungen von Erich. Neben vielen Erstbegehungen,

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Am Jebel-Erba im Sudan, 1979

vor allem im heimatlichen Rosengarten- und Schlerngebiet, aber auch in der Sellagruppe und an den Drei Zinnen mit Otto Eisenstecken, Sepp Schrott, Hias Mayr und Martl Koch, die nicht mehr unter uns weilen, sowie manchen der oben erwähnten Seilgefährten hat Erich auch viele frühe Wiederholungen von schwierigsten Dolomitenrouten unternommen, so die 3. oder 4. Begehung der Hasse/Brandler in der Großen-Zinne-Nordwand. Im Alter von 70 Jahren beging Erich die Comici-Führe an der Nordwand der Großen Zinne, eine der klassischen Touren im VI. Schwierigkeitsgrad. Doch Erich war nicht nur in den Dolomiten unterwegs, er kannte die Eisrouten an den Nordwänden von Ortler, Köngsspitze, Hochfeiler, Hochferner, Presanella usw. ebenso wie viele der großen Eisfahrten in den Westalpen. Erich war ein Allroundbergsteiger par excellence, dies führte dazu, dass er 1954 in den Kader der italienischen K2Expedition berufen wurde. Laut Messner wären Erich und Walter Bonatti die ideale Gipfelmannschaft gewesen, die den Anstieg wahrscheinlich auch ohne

Flaschensauerstoff geschafft hätten. Doch der Expeditionsleiter hat anders entschieden, und so durften die beiden Spitzenalpinisten damals den anderen nur den Sauerstoff nachtragen. Nach dem Karakorumabenteuer absolvierte Erich eine Pilotenausbildung für Flächenflugzeuge (beim weltbekannten Schweizer Gletscherpiloten Hermann Geiger), später erwarb er dann auch noch den Pilotenschein für Hubschrauber. An dieser Stelle möchten wir an seinen legendären Hubschraubereinsatz bei der Teplitzer Hütte erinnern, bei dem er zwei Militärhubschrauberpiloten rettete. Erich war als Huschrauberpilot jedoch auch

Nach der Überreichung der Ehrenurkunde durch den Ersten Vorsitzenden des AVS, Georg Simeoni, und dem Leiter der Hochtourengruppen in Südtirol, Thomas Mayr, folgt eine Bilderschau, die von Markus Gamper zusammengestellt worden war. Man sah Erich im Kriegseinsatz, so manches spektakuläre Kletterbild wurde gezeigt, Bilder von fröhlicher Runde waren ebenso dabei wie schöne Landschaftsbilder. Erich war immer ein fröhlicher Geselle, seine Seilgefährten erinnern sich an so manche Biwaknacht, die Erich mit Gesang und Späßen verkürzte. Dies zeigte sich auch bei der Bilderschau, die Erich in seiner bekannt humorvollen Weise kommentierte, wobei er die Zuschauer (hörer) immer wieder mit Details verblüffte. Es war eine Ehrung für einen Bergsteiger, der lange Jahre zu den Besten seiner Zunft, nicht nur in Südtirol, gehört hatte. Franz Mock

Auf dem Maruschkoje-Pass, Kaukasus 1942

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HOCHFEILERHÜTTE Die Hochfeilerhütte liegt am Südabhang des Hochfeilers, dem Kulminationspunkt der Zillertaler Alpen, auf einer Meereshöhe von 2715 m und ist damit die zweithöchste Hütte des Alpenvereins Südtirol.

Bergsteigern zur Verfügung. Als Folge der Spannungen in den Sechzigerjahren wurde die Hütte dann vom italienischen Militär besetzt. Im Jahr 1967 wurde die Hütte dann wahrscheinlich durch eine Lawine zur Gänze zerstört.

Bereits im fernen Jahr 1880 wurde vom Österreichischen Alpenclub in einer Höhe von 3400 m, also nur 100 m unter dem Gipfel, am Beginn des damals noch vorhandenen Firngrates, ein einfa-

Wollte man auf den Hochfeiler, so musste man einen Höhenunterschied von ca. 1800 m überwinden, was viele nicht ganz durchtrainierte oder auch ältere Bergsteiger vor einer Bestei-

Hochfeilerhütte

cher Steinbau errichtet. Bereits ein Jahr später begann man mit dem Bau einer neuen Hütte an einem günstigeren Standort. Diese Hütte wurde in den Jahren 1887 sowie 1913/14 erweitert. Während des Ersten Weltkrieges kam die alpinistische Tätigkeit zum Erliegen, und 1922 wurde die Hütte enteignet und im Jahre 1926 der Sektion Monza des CAI übergeben. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Hütte dann ausgeplündert und beschädigt. Die Hütte wurde wieder instand gesetzt und stand bis zum Jahr 1964 den

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Foto: Armin Brunner

gung zurückschrecken ließ. Die Sektion Sterzing des AVS entschloss sich im Jahr 1982, am Hochfeiler wieder einen Stützpunkt zu errichten. (Die Idee spukte wohl schon länger in den Köpfen der Sterzinger herum). Nach Überwindung der bürokratischen Hindernisse konnte zur Tat geschritten werden, was mit der Suche nach Wasser begann. Nach Auffinden einer Quelle mit genügend Schüttung fand man auch einen Hüttenstandort, 600 m östlich der alten Hütte. Die Grundsteinlegung erfolgte am 19. Au-

gust 1984, und die Einweihung konnte am 14. September 1986 gefeiert werden. Bemerkenswert dabei ist, dass man als Baumaterial Steine (Granit) und Sand aus der Umgebung des Bauplatzes verwendete. Wie schon erwähnt, stand den Bergsteigern ab 1986 wieder ein Stützpunkt für die Besteigung des Hochfeilers zur Verfügung. Dieser Stützpunkt musste laufend den geänderten Verhältnissen wie steigende Besucherzahlen, gesetzliche Vorschriften und geänderte Umweltbedingungen usw. angepasst werden. Von der Fertigstellung bis 1990 benützte man zur Stromerzeugung, ohne die man heutzutage einen solchen Betrieb nicht mehr führen kann, ein Stromaggregat, ab 1990 wurde der Strom von einem Wasserkraftwerk geliefert, das man irgendwo unterhalb der Hütte errichtet hatte. Die Alpenvereine haben es sich zu einer ihrer Aufgaben gemacht, das labile ökologische Gleichgewicht des Hochgebirges zu schützen, die Errichtung von biologischen Kläranlagen zur Abwasserreinigung wird damit natürlich zur Pflicht. Eine solche Kläranlage wurde 1999 erbaut. Ebenfalls im Jahr 1999 musste aufgrund des Gletscherrückganges das E-Werk verlegt werden. Dem Werk war ganz einfach das Wasser ausgegangen. Die Hochfeilerhütte liegt am Südabhang des Hochfeilers, hoch über dem Gliederferner in aussichtsreicher Lage. Sie bietet Platz für 31 Personen in Zimmerlagern sowie 63 Personen in Gemeinschaftslagern. Der Winterraum bietet Platz für

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6 Personen. Die Hütte ist von Ende Juni bis Anfang Oktober bewirtschaftet. Hüttenwirtin ist Frau Monika Rainer aus Sterzing. Der normale Hüttenanstieg führt

von der dritten Kehre der Pfitscher Joch-Straße über den Weg mit Markierung Nr. 1 zur Hütte. Als Bergziel bietet sich natürlich in erster Linie der Hochfeiler an, der in etwa 2,5 Stunden, heute

eisfrei, bestiegen werden kann (Trittsicherheit erforderlich). Als weiteres Gipfelziel ist noch der Hochferner zu nennen, dieser Anstieg erfordert allerdings Gletschererfahrung. Auch der Übergang zur Edelrauthütte am Eisbruggjoch ist möglich, dies erfordert den Abstieg über Moränenschutt hinunter zum Gliederferner, dessen Überquerung (Gletschererfahrung) und dann auf der anderen Seite wieder über Moränenschutt hinauf in die Untere Weißzintscharte und weiter zur Edelrauthütte am Eisbruggjoch zwischen Pfunders und Lappach. Nähere Informationen unter www.hochfeilerhuette.it oder über Tel. 0472 646071 (während der Bewirtschaftungszeiten) Franz Mock

Hochfeilerhütte

Foto: Georg Mittermair

AKTION VERZICHT: WENIGER IST MEHR Brauchen wir, was wir haben? Haben wir, was wir brauchen? Mit dem Aschermittwoch am 9. März 2011 beginnt die 6 Wochen dauernde Fastenzeit, die am 24. April in den Ostersonntag mündet. Bereits zum siebten Mal rufen mittlerweile mehr als 40 Südtiroler Einrichtungen, darunter auch der Alpenverein Südtirol, zur Teilnah-

me an dieser Aktion aus. Ziel der „Aktion Verzicht“ ist es, für einen bestimmten Zeitraum zu bestimmten Konsummitteln auf Distanz zu gehen. Diese Distanz zu eigenen Gewohnheiten und Verhaltensmustern verbessert das Gespür für sich selbst und unterstützt die Reflexion auf die eigene Lebensweise. Das Durchhaltevermögen wird auf die Probe gestellt und der Blick auf sich selbst geschärft. Neu an diesem Jahr sind auch die Kabarettabende des Theaterpädagogischen Zentrums Brixen (TPZ). Spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger zeigt die Theaterwerkstatt ORANGE ein Kabarett mit dem Titel „Verzichten leicht gemacht“. Auf das

Lachen muss keiner verzichten! Alle Informationen unter www.aktion-verzicht.net

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ALPINIST 2010-2013 Aktionen 2011 voll am Laufen: Ziel für 2012: Auyantepuy (Venezuela) wo aus nach der Organisation und dem Lebensmitteleinkauf nach „Ciudad Bolivar“ weitergefahren wird. Mit einer kleinen Cessna-Maschine fliegen die 10 jungen Bergsteiger in die „Gran Sabana“ nach „Uruyen“. Dort gibt es viele Tafelberge, die von den einheimischen Pemon-Indianern „Tepuy“ genannt werden. Auf den „Tepuys“ gibt es noch viel zu entdecken.

Foto: Helmuth Gargitter

Im Bergjahr 2011 startet der AVS mit dem angekündigten Angebot für Bergsteiger voll durch: Die Skihochtourenwoche und die Kletterfahrt zu den Lofoten (Norwegen) sind bereits ausgebucht und werden demnächst durchgeführt. Mit dem Erscheinen dieses Mitteilungsheftes werden die Anmeldungen für die Alpinwoche Fels & Eis und für die Kletterexpedition nach Venezuela freigeschaltet.

der uns diesen Tipp gegeben und schmackhaft gemacht hat. Durch seine Unterstützung und Bereitschaft, diese Expedition zu begleiten, können wir euch diese Fahrt ermöglichen. Das Anflugziel ist „Caracas“, von

plateau erreicht. Von dort wandert die Gruppe zum „campo del oso“, wo für die nächsten zwei Wochen das Camp errichtet wird. Auf dem Hochplateau des Auyantepuy wagen sich die Südtiroler Kletterer in unbetretenes Klettergelände. Oberhalb des Camps befinden sich bis über 100 Meter hohe Wände aus

Foto: Helmuth Gargitter

nosaurier auf seine Beute lauern könnte. 10 Südtiroler Kletterer in einer „vergessenen Welt“ – so wird klettern richtig aufregend! In schönster Umgebung liegen auch jede Menge Boulderblöcke, die mit vielen Herausforderungen locken. Nach der Kletterexpedition besteht für die Gruppe noch die

des Aiut Alpin) werden die Bergsteiger auf Notfallsituationen, die beim Alpinklettern auftreten können, vorbereitet. An den Sellatürmen wird die Kameradenrettung geübt, die provisorische Behandlung von Verletzungen aufgezeigt und gelehrt, wie man sich nach der Verständigung der organisierten Rettung verhält.

Der Bergsteigertreff wird wieder am 17. September 2011 in Laghel, Arco, stattfinden. Auch heuer werden wieder in lockerer Runde Kurzvorträge von jungen Südtiroler Bergsteigern gezeigt. Zudem werden die Teilnehmer der Lofotenfahrt mit Bildern über ihr Erlebnis erzählen. Der Alpenverein lädt wieder alle jungen und alten Kletterer, Bergsteiger und Vereinsfunktionäre zu diesem Treff ein! Jeder, der den Bergsteigertreff mit einem Kletterwochenende am Gardasee kombinieren möchte, kann am 17. September gratis auf der Ferienwiese zelten. Foto: Helmuth Gargitter

perfektem Sandstein mit vielen Risslinien, Platten und Überhängen. Ein ideales Gebiet für jene, die ihre ersten abenteuerlichen Erstbesteigungen in einem fremden Land wagen möchten.

Die Kletterexpedition nach Venezuela ist vom 31. Jänner bis zum 25. Februar 2012 geplant. Unser Bergführer und Freund Helmuth Gargitter war bereits einige Male in Venezuela bei den Tafelbergen zum Wandern und auch zum Klettern. Er war es,

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Jetzt bereits Termin freihalten! Bergsteigertreff 2012

Das Ziel unserer Kletterexpedition ist der „Auyantepuy“, ein Tafelberg, dessen Gipfelplateau ca. so groß ist wie die Insel Elba. Von ihm stürzen sich die Wassermassen des „Salto Angel“ rauschend in die Tiefe. Dieser Wasserfall ist der höchste der Welt. Unsere Gruppe landet in „Cavac“, einem kleinen Camp unterhalb des Auyantepuy, der in den folgenden Tagen mit einer Begleitmannschaft bestiegen wird. Nach drei Tagen Fußmarsch mit zwei Übernachtungen im Zelt wird das Gipfel-

Erstbegehungen an unerschlossenen Sandsteinfelsen Venezuelas

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Auf diesem Tafelberg waren noch nie Menschen zum Klettern, und mit Betreten dieses Neulandes beginnt für die Gruppe das wahre Abenteuer! Abenteuerlich werden aber nicht nur die Erstbesteigungen: Auf dem Gipfelplateau bewegen sie sich in einer völlig fremden und unbekannten Vegetation. Die Umgebung ähnelt einer urzeitlichen Landschaft, in der hinter jedem Busch ein Di-

Möglichkeit, drei bis vier Tage nach „la puerto“ zum Sportklettern oder sonst irgendwo ans Meer zu fahren.

Für das Projekt „Alpinist2010-2013“ des AVS Stefan Steinegger

Notfall und Rettung in hohen Wänden – Weiterbildungstag für Alpinkletterer Am 30. April 2011 findet ein Weiterbildungstag für Alpinkletterer statt. Dieser Weiterbildungstag wird speziell als Vorbereitung für die Teilnehmer der Kletterfahrt zu den Lofoten organisiert, ist aber zudem noch für andere Interessierte offen. Gemeinsam mit Hubert Moroder (Bergführer und Bergretter

Mit freundlicher Unterstützung von:

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REGELUNGEN FÜR PISTENTOURENGEHER AVS als Pionier und Vermittler Die heurige Skipistensaison neigt sich fast ihrem Ende zu und damit auch die Polemik rund um die neue Trendsportart „Pistentouren“. Ein Grund, als AVS einen kurzen Rückblick zu wagen. Ob Skibergsteiger, Skitourenrenner oder Quereinsteiger, viele haben die Skipisten als Aufstiegsspuren für sich entdeckt. Für die einen ist es die perfekte Trainingsmöglichkeit, für die anderen Entspannung vom Alltagsstress, für viele schlechthin eine tolle Freizeitbeschäftigung mit minimalem Risiko. Das größere Problem stellen jene Tourengeher dar, die während des Skipistenbetriebes aufsteigen wollen. Viele Skitourengeher betrachten den Aufstieg in einem Skigebiet als sicheres Umfeld, wo sie nicht den alpinen Gefahren ausgesetzt sind. Zudem kann auch mit geringem Fahrkönnen auf präparierten Pisten ein tolles Abfahrtsvergnügen entstehen. Am Tag haben Skipistenbetreiber folgende Möglichkeiten, den Aufstieg zu regeln: - Der Betreiber verbietet aus Sicherheitsgründen den Aufstieg über seine Skipisten. Tourengeher müssen dieses Verbot

Örtliche Regelungen beachten Foto: Matthias Steinegger

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respektieren und einhalten. - Der Betreiber stellt Hinweisschilder auf, die den Aufstieg mit Tourenski regeln. Somit muss der ausgewiesene Aufstiegsweg eingehalten werden (z.B. spezielle Winterwanderwege…). - Wenn nicht anders vom Betreiber definiert, ist der Aufstieg am Pistenrand erlaubt. Es liegt am Verantwortungsbewusstsein eines jeden Einzelnen, sich an sichere Verhaltensregeln beim Aufstieg zu halten (Aufstieg nur am Pistenrand, keine Querungen im steilen, unübersichtlichen Gelände…). Nach Pistenschluss ist es für die Skigebiete einfacher, eine Lösung anzubieten. Bestimmte Pisten werden nach einer vereinbarten Zeit präpariert und bis dahin den Pistengehern für den Aufstieg und die Abfahrt zur Verfügung gestellt. Skipisten, auf denen Präparierungsarbeiten durchgeführt werden, sind gesperrt. Die Gründe dafür sind einfach und verständlich: Man begibt sich in Zonen, wo gefährliche Maschinen, Seilwinden usw. im Einsatz sind. Auch die Abfahrt auf frisch präparierten Pisten ist verboten. Fahrrillen von abfahrenden Pistengehern frieren über Nacht auf frisch präparierten und weichen Pisten. Das Skigebiet kann somit für den Tagesbetrieb keine einwandfreie Piste gewährleisten. Besonders jetzt im Frühjahr führt dieser Aspekt zu den größten Problemen zwischen Liftbetreibern und Tourengehern. Eine gute Möglichkeit, um vielen Problemen und Gefahren aus dem Weg zu gehen, ist der frühmorgendliche Aufstieg vor Beginn des Skibetriebes. Ein Son-

nenaufgang auf der Bergstation eines Skigebietes, ohne reges Treiben und ohne Hektik, ist ein echtes Erlebnis und wird mit einer Abfahrt auf bestens präparierten Pisten belohnt.

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GROSSES LANDESWEITES TREFFEN DER ALPENVEREINSJUGEND – DIE STERNFAHRT AM VIGILJOCH 2011

AVS als Vermittler Der AVS sieht sich als Vertreter aller Bergsportbegeisterten. Demnach wurde in den letzten zwei Wintersaisonen bei allen Südtiroler Skigebieten nachgefragt, ob die jeweiligen lokalen Regelungen für Pistentourengeher auf der AVS-Homepage offiziell veröffentlicht werden können. 14 Skigebiete in ganz Südtirol haben dem AVS ihr Einverständnis gegeben und eine genaue Beschreibung ihrer Regelung geschickt. Bei einigen Gebieten wurde eine Regelung erst auf Nachfrage des AVS ausgearbeitet, andere Gebiete haben für die nächste Wintersaison ein entsprechendes Angebot angekündigt.

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Kinder des Patenschaftsprojekts Foto: Buddhi Maya

Der Bezirk Ulten/Burggrafenamt/Passeier lädt am Sonntag, 5. Juni 2011, zur diesjährigen Sternfahrt aufs Vigiljoch ein. Ganz im Sinne der Grundidee einer Sternfahrt kann das Vigiljoch über mehrere Seiten erreicht werden. Die Ausgangspunkte der Wanderungen liegen stern-

förmig von Lana über St. Pankraz bis hin nach Aschbach (Naturnser Alm) um das Vigiljoch. Die heurigen Gastgeber waren aber nicht nur bei der Wahl des Standpunktes kreativ, sondern haben sich auch für die Gestaltung des Treffens einiges einfallen lassen. So wird die Sternfahrt unter das Motto „Schulausbildung für SherpaMädchen“ gestellt. Im Rahmen der Sternfahrt wird die AVS-Jugend gemeinsam mit allen anwesenden Kindern und Jugendlichen einen finanziellen Beitrag für das Patenschaftsprojekt des AVS erbringen. Die Landesjugendführung und

der Bezirk Ulten/Burggrafenamt/Passeier möchten alle Kinder, Jugendlichen und Jugendführer Südtirols einladen, an der Sternfahrt teilzunehmen. Für Spiel, Spaß und Verpflegung ist bestens gesorgt. Eine schriftliche Einladung wird im März noch an alle Gruppen verschickt. Wir würden uns freuen, wenn viele Jugend- und Familiengruppen am 5. Juni 2011 bei der Sternfahrt mitmachen würden und die Sternfahrt in ihrem Kalender / Tätigkeitsprogramm eingetragen haben. Das Team der Landesjugendführung

Der Appell des AVS Die aktuellen Regelungen der einzelnen Skigebiete basieren auf vernünftigem Zusammenspiel zwischen Skitourengehern und Skigebieten und auch auf dem Respekt gegenüber den Pistenarbeitern. Der AVS appelliert an die Vernunft aller Skitourengeher, die lokalen Regelungen der Skigebiete zu respektieren, damit auch in den nächsten Skitourensaisonen das Pistengehen am Tag wie auch am Abend weiterhin auf diese unkomplizierte Weise geregelt werden kann. Für das Referat Alpin Stefan Steinegger

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BERGFERIEN FÜR FAMILIEN Urlaub für die ganze Familie auf familienfreundlichen Alpenvereinshütten Nicht einsam, sondern gemeinsam: Gipfel stürmen, Staudämme bauen, Murmeltiere beobachten, Steinkunstwerke errichten, Aug in Aug mit Kühen über Almen schlendern oder im Mondschein nach dem Wolpertinger suchen. Urlaub für Groß und Klein auf einer gemütlichen Berghütte ist für alle ein spannendes Erlebnis! Die Alpenvereine in Deutschland (DAV), Österreich (OeAV) und Südtirol (AVS) sind Familienvereine. Sie haben dazu ein gemeinsames Angebot entwickelt. Die „Bergferien“ sind preisgünstige Urlaube auf ausgewählten Alpenvereinshütten mit Programm für Eltern und

Spiel und Spaß für Eltern und Kinder!

Kinder (ab 4 Jahren). Ab 2011 treten die drei Alpenvereine mit den Bergferien gemeinsam auf. Dafür wurden einheitliche Standards ausgearbeitet, die jede teilnehmende Schutzhütte erfüllen muss. Das Angebot basiert auf einer Zusammenarbeit: Koordinator der Bergferien sind die Haupt-

vereine, Veranstalter sind der Pächter der jeweiligen Hütte bzw. die hüttenbesitzende Sektion. Durch das gemeinsame Angebot können bergbegeisterte Familien für die Bergferienwochen zwischen neun Schutzhütten im Alpenraum wählen. Der AVS wird im Sommer 2011 mit der Familie Pobitzer, den Pächtern der Sesvennahütte, eine erste Bergferienwoche für Familien anbieten.

Auf Beutezug Löwenzahnhonig und Hollersirup

Das gesamte Angebot der Bergferien, die teilnehmenden Hütten, Termine, und Preise findet ihr unter www.alpenverein.it, Menüpunkt Familien. Stefan Steinegger AVS Jugendzeitschrift NR. 1/2011 20. Jahrgang

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Auf Beutezug – Löwenzahnhonig und Hollersirup Hallo! Seid ihr schon erwacht? Haben euch die ersten Sonnenstrahlen schon gekitzelt? Sind eure Glieder auch noch starr und steif von den langen Wintermonaten? Ja, jetzt ist es wieder so weit. Die Tage werden länger, die Sonnenstrahlen haben wieder Kraft zum Wärmen. Überall tropft es und hier und dort sprießt schon das erste Grün hervor. Jetzt habt ihr und eure Eltern sicher große Lust, wieder hinaus ins Freie zu gehen und dort längere Zeit zu verbringen, ohne dass gleich Finger und Zehen frieren. Für diese Zeit, den Frühling, haben wir einiges für euch gesammelt: Spieletipps, Rezepte zum „Nachkochen“ und Wandertipps.

folg wird und auch die Natur nicht Schaden nimmt, zu Beginn einige kurze Richtlinien: Hier in Südtirol gibt es vollkommen und teilweise geschützte Pflanzen. Die vollkommen geschützten Pflanzen sind im Amtsblatt der Provinz aufgelistet und können dort eingesehen werden. Auch alle Pflanzen und Blumen, die in den Naturparks und Biotopen wachsen, sind vollkommen geschützt und dürfen somit nicht gepflückt und gesammelt werden. Die teilweise geschützten Pflanzen können für den Eigenbedarf gepflückt werden, darunter sind die für uns wichtigen Kräuter und Blüten, wie z.B. Löwenzahn, Himbeere, Brennnessel, Frauenmantel, Schafgarbe usw.

Wie das Thema „Auf Beutezug-Löwenzahnhonig und Hollersirup“ schon sagt, möchten wir mit euch Ess- und Verwertbares in der Natur sammeln. Damit dieses Unterfangen für alle zum Er-

Nun wünschen wir euch viel Spaß beim Spielen und Sammeln und viele laue Stunden im Freien.

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Das Team der AVS-Familien

Von Mühlbach nach Spinges

Truden – Cisloner Alm – Truden

Spinges liegt auf einer Hochebene am Eingang des Pustertales, umgeben von Feldern und Wiesen. Der Wanderweg von Mühlbach nach Spinges ist abwechslungsreich und leicht. Am Ziel der Wanderung findet ihr einen kleinen Fußballplatz. Also rechtzeitig daran denken und einen Ball im Rucksack verstauen! Aufstieg: Beim Ansitz Straßhof oberhalb von Mühlbach schlagen wir den Weg mit Mark. 7 ein. Nach 200 Metern zweigt der Weg nach Spinges rechts ab. Diesem Weg folgen wir bis zu einem großen Gehöft. Nach diesem wandern wir ca. 200 Meter auf einem breiten Fahrweg weiter und folgen dann wieder der Mark. 7 bis Spinges. Abstieg: Bei der Kirche in Spinges zweigt links ein Feldweg mit Mark. 9 ab. Dieser Weg führt am Sport- und Spielplatz vorbei nach Mühlbach oder Schabs. Beim Vogelbichl biegen wir nicht nach Schabs ab, sondern bleiben immer links haltend auf dem Waldweg, der zum Ausgangspunkt zurückführt. Startpunkt: Ansitz Straßhof, Mühlbach Gehzeit: 3 Stunden Höhenunterschied: 400 m Gelände: Wald, Wiesen, Spielplatz Einkehrmöglichkeit: Gasthof Senoner

Die Kuppe des Cisloner Berges bietet einen wunderbaren Ausblick. Neben dem Etschtal wandert der Blick auf die Zentralalpen, den Mendelkamm und die Brentagruppe. Die Rundwanderung ab Truden um den Cisloner Berg ist für die ganze Familie geeignet. Aufstieg: Vom Kirchplatz in Truden wandern wir durch den Ort aufwärts zur Kaltenbrunner Straße am Trudner Sattel. Dort zweigen wir links ab auf die Forststraße Praglasir (Weg Nr. 2). Vorbei geht es nun am Ostabhang des Cisloner Berges über Wiesen und lichten Lärchenmischwald nach oben, bis wir eine Linkskurve erreichen. Dort gehen wir geradeaus weiter auf Weg Nr. 2A, biegen dann links ab in die Nordseite und von dort hinauf zum Felsabbruch der Hochwand. Die Aussicht ist grandios! Unvermittelt befinden wir uns mitten in einem alpinen Szenarium: Almrosen, Latschen, Alpensilberwurz, Steinbrech, Alpenwaldrebe überziehen die Felsund Steilhänge am schattigen Nordabfall des Cislon. Durch Tannenmischwälder wandern wir weiter nach links in die Nordwestseite des Berges und bis zu Weg Nr. 2. Nun geht es eben oder leicht abwärts zur herrlichen Wiesenfläche rings um die Jausenstation Cisloner Alm, eine der wenigen Almen im Süden Südtirols. Der Rückweg (Mark. Nr. 1 ) nach Truden verläuft leicht abwärts und teilweise asphaltiert durch wärmeliebende Föhren-, Buchen- und Buschvegetation. Startpunkt: Kirchplatz, Truden Gehzeit: 3 Stunden Höhenunterschied: 370 m Gelände: Wald, Wiesen, Einkehrmöglichkeit: Jausenstation Cisloner Alm (Mai – Oktober)

Auf Beutezug - Löwenzahnhonig und Hollersirup

Auf Beutezug - Löwenzahnhonig und Hollersirup

Lohnende Frühlingswanderungen

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Wanderung zum Felixer Weiher Eine Wanderung zum Felixer Weiher für Jung und Alt - der breite Forstweg und die relative Kürze der Strecke machen einzig die Steigungen etwas anstrengend. Aufstieg: Vom Parkplatz Klammeben oberhalb von St. Felix, wenige Minuten von der 4

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Gampenpassstraße entfernt, gelangen wir gleich über mehrere Wege zum See. Wir nehmen den kurzen Weg mit der Mark. Nr. 9, der auf einer breiten Straße mit Kiesbelag in etwa 45 Minuten zum Ziel führt. Es geht durch den Wald und über Lärchenwiesen – am Wegesrand beobachten wir verschiedene Waldblumen und unzählige Schmetterlinge. Am See angekommen, geht es gleich hinauf zum Gasthof Waldruhe. Besonders mit Kindern lohnt es sich, den Felixer Weihers zu umrunden. Fische, Libellen, Wasserpflanzen und im Mittelpunkt eine kleine Insel machen den Felixer Weiher wohl zu einem der schönsten Waldseen Südtirols. Baden und Fischen kann man hier übrigens auch gut. Rückweg: Wir nehmen den Weg Nr. 9B über die Felixer Alm und von dort Richtung Süden (Mark. Nr. 50) zurück zum Weg Nr. 9. Nach einer Stunde Marsch sind wir wieder am Ausgangspunkt angekommen. Vom Felixer Weiher gelangt man auch über eine Rundwanderung wieder zurück nach St. Felix. Schaut euch die möglichen Alternativen auf einer Wanderkarte an und plant je nach Wanderslust eurer Kinder den Streckenverlauf. Startpunkt: Parkplatz Klammeben, St. Felix Gehzeit: ca. 2 Stunden Höhenunterschied: 280 m Gelände: Wiesen, Lärchenwälder, See Einkehrmöglichkeit: Gasthof Waldruhe

Unterwegs auf euren Frühlingswanderungen begegnet ihr blühenden Wiesen, frische Gräser und Kräuter duften und regen euren Appetit an. Die einfachsten Wildpflanzen, wovon wir viele heutzutage nur mehr als Unkraut bezeichnen, schmecken richtig zubereitet wirklich köstlich. Einige Rezeptvorschläge stellen wir hier für euch vor. Kräuter und manches Wildgemüse schmecken recht intensiv und sind möglicherweise nicht jedermanns Geschmack. Aber am besten – ihr versucht es selbst! Die meisten Pflanzen, die wir in der freien Natur finden, sind essbar. Es gibt aber auch einige, die giftig sind. Deshalb sammelt und esst nur jene Pflanzen, die ihr kennt, oder nehmt ein Bestimmungsbuch mit auf eure Aktionen.

Löwenzahnhonig Der Löwenzahnhonig wird mit den Blüten des Löwenzahnes zubereitet und ist ein wohlschmeckender Honigersatz, der zudem noch gesund ist, weil er den Stoffwechsel anregt. Allerdings muss man berücksichtigen, dass der Löwenzahnhonig viel Zucker enthält, was natürlich nicht so arg gesund ist. Zutaten: • 4 Hände voll Löwenzahnblüten • 1 Liter Wasser • 1 kg Zucker • 1 Schale und Saft einer Biozitrone Zubereitung: Die gelben Blüten des Löwenzahns werden gereinigt, mit einem Liter lauwarmen Wasser in einen Topf gegeben und mit einem Deckel zugedeckt. Dieser Aufguss wird 3-4 Stunden ziehen gelassen und anschließend einmal langsam zum Sieden gebracht. Die

aufgekochte Masse lässt man über Nacht abkühlen und ziehen. Am nächsten Tag werden die Löwenzahnblüten abgefiltert und 1 kg Zucker und die fein geraspelte Schale einer Biozitrone hinzugegeben. Diese Mischung bringt man zum Kochen und gibt dann den Zitronensaft dazu. Nach dem einmaligen Aufkochen lässt man die Mischung ohne Deckel auf kleiner Flamme weiterkochen, um alle Vitamine zu erhalten und trotzdem die Flüssigkeit verdunsten zu lassen. Dieser Sirup darf nicht zu dick werden, da er ansonsten nach längerer Aufbewahrung stark kristallisiert, aber auch nicht zu dünn, da er nach einiger Zeit zu säuern beginnen würde. Zur Probe kann man einfach ein paar Tropfen der Mixtur auf einen Teller tropfen, um zu sehen, wie die Mischung in kaltem Zustand aussieht (Festigkeit). Wenn der Sirup in seiner Konsistenz ähnlich wie flüssiger Honig ist, wird der Löwenzahnhonig in saubere, sterile Gläser abgefüllt und gut verschlossen. Den Löwenzahnhonig könnt ihr als Brotaufstrich verwenden, zum Süßen von Müslis und anderen Süßspeisen und allen anderen Einsatzzwecken, zu denen man normalerweise Honig benutzt.

Auf Beutezug - Löwenzahnhonig und Hollersirup

Köstlichkeiten mit Blüten und Wildkräutern

Von Völs zum Schloss Prösels Diese Wanderung führt uns über grüne Wiesen und durch Obstkulturen, vorbei an urigen Hofstätten und schönen Aussichtsplätzen von Völs zum Schloss Prösels. Der Außenbereich dieser Wehranlage kann zu jeder Jahreszeit besichtigt werden. Aufstieg: Von der Bushaltestelle in Völs gehen wir auf der Hauptstraße entlang Richtung Bozen. Nach ca. 300 Metern biegen wir nach links auf Weg Nr. 6 ein. Diesem folgen wir bis zum Seppelemüller und dann weiter bis zur Wegkreuzung. Dort wandern wir auf Weg Nr. 3 zum Schloss Prösels. Bis hierher ist es eine leichte Wanderung und auch mit dem Kinderwagen machbar. Der Rückweg ist mit dem Kinderwagen nicht mehr möglich. Als Alternative kann man von Prösels mit dem Bus nach Völs zurückfahren oder denselben Weg wieder zurückgehen. Rückweg: Um die Rundwanderung fortzusetzen steigen wir vom Schloss Prösels über die Asphaltstraße mit der Mark. Nr. 5 zur Hauptstraße Bozen – Völs ab. Dort gehen wir durch die Unterführung und steigen auf dem Weg Nr. 5 weiter bis zum Bach ab. Von dort geht es anschließend steil bergauf bis nach Völs. Startpunkt: Völs, Bushaltestelle Gehzeit: 3 Stunden Höhenunterschied: ca. 380 m Gelände: Wiesen, Obstkulturen, Schloss Einkehrmöglichkeit: Gasthof Pröslerhof

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Hollersirup Zutaten: • 80 Gramm Zitronensäure • 3 kg Zucker • 3 Liter Wasser • ca. 30 Stück Hollunderblüten • 6 Biozitronen Zubereitung: Die 30 Hollerblüten werden mit 3 Liter Wasser, 80 g Zitronensäure und den 6 in Scheiben geschnittenen Biozitronen vermischt und 2 Tage zugedeckt kühl stehen gelassen. Am besten verwendet man einen lebensmittelechten Kübel. Nach dem Ansetzen wird das Gemisch zuerst durch ein Tuch abgeseiht und danach mit einem Kaff eefilter gefiltert. (Durch das Filtern werden feine Schwebstoffe aus dem Ansatz entfernt, die später Schimmelbildung verursachen könnten). Nun gebt 3 kg Zucker zur gefi lterten Flüssigkeit, lasst alles aufkochen und füllt dann den heißen Sirup in Flaschen ab. Tip: Für den Hollersirup gibt es jede Menge Rezeptvorschläge. Eventuell fragt eure Bekannten oder Freunde, ob sie selber Hollersirup herstellen und euch ihr bewährtes Rezept verraten. 6

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Kräutersalat Dieser Salat besteht aus einigen Kräutern, welche bei einer Wanderung gesammelt werden können. Zutaten: Löwenzahnblätter, Schlüsselblumenblätter, Spitz- und Breitwegerichblätter, Gänseblümchen (junge Blätter und Knospen), einige Veilchenblätter und -blüten. Zubereitung: Alle Zutaten außer Gänseblümchenknospen und Veilchenblüten werden klein gehackt. Nun vermischt man alles und gibt die Knospen und Blüten dazu. Noch mit Pfeffer und Salz sowie Essig und Öl anrühren, ziehen lassen und servieren.

Wiesenspiele und Aktivitäten im Frühling Blütenfarbenwahl der Insekten

Störche bringen Futter zum Nest

Insekten wie Bienen, Schmetterlinge, Käfer usw. verfügen über ganz unterschiedliche Farbwahrnehmungen. Das beeinflusst auch ihre Vorlieben bestimmter Blütenfarben. Um genauer zu beobachten, welche Blütenfarben von welchen Insekten bevorzugt werden, kann man ein Experiment durchführen. Dafür benötigt ihr eine Lupe, gelbes, rotes, weißes, violettes und blaues Tonpapier und etwas Honig. Das verschiedenfarbige Tonpapier wird auf der Wiese ausgelegt und beobachtet, was passiert: -Wie viele Insekten kommen in einer bestimmten Zeit auf welche Papierfarbe? -Werden manche Farben nur von bestimmten Insekten besucht? -Kommen mehr oder auch andere Insekten zu Besuch, wenn die Papiere zusätzlich mit etwas Honig bestrichen werden?

Die Spielleitung streut auf einer Spielfläche Fichtenzapfen aus. Alle Mitspieler spielen die Störche, suchen sich je zwei etwa 30 cm lange , nicht biegsame, nicht morsche Stöcke, die ihren langen Schnabel darstellen. Nun versuchen sie, die Zapfen (symbolisch für Mäuse, Frösche …) einzeln mit den zwei Stöcken aufzuheben und sie zu einem ca. 5 Meter entfernten Nest (z.B. eine Jacke) zu bringen. Nach dem Probedurchgang werden Paare gebildet. Die „Storcheltern“ haben je 3 Minuten Zeit, so viele Zapfen wie möglich ins Nest zu bringen. Dabei wechseln sich die Störche bei der Futtersuche ab. Ein Storch bleibt bei den Jungen im Nest. Wenn kleinere Objekte (Eicheln, Steine …) als Sammelobjekte verwendet werden, kann man den Kindern die Stöcke etwas zuspitzen.

Wiesenmahd

Wolfsspinne und Springschwänze

Bei der Sensenmahd sieht man die Heuschrecken über die Sense springen, andere Insekten lassen sich von den Pflanzen auf den Boden fallen, kleine Tiere flüchten. In unserem Spiel wird die Sense durch ein ca. 3 Meter langes Seil simuliert, das die Spielleitung im Kreis um sich herum mal höher, mal tiefer über den Wiesenboden schwingt. Die Mitspieler stellen sich im Kreis auf und spielen die Insekten. Sie lassen sich beim Nähern der „Sense“ zuerst auf den Boden fallen, sodass sie nicht von der „Sense“ getroffen werden, springen bei der zweiten Runde hoch über die Sense, legen sich dann wieder hin usw. Wer das nicht schafft und vom Seil berührt wird, scheidet aus.

Vier Kinder der Gruppe bilden zusammen eine achtbeinige Wolfsspinne. Auf ihrer Jagd müssen alle vier immer hintereinander zusammenbleiben und sich an der Schulter des Vordermannes festhalten. Das vorderste Kind als Kopf der Spinne fängt die Beute. Die übrigen Kinder spielen Springschwänze, die sich auf der ca. 10 x 5 Meter großen Spielfläche (je nach Spieleranzahl) verteilen. Die Springschwänze dürfen nur in der Hocke kauern und sich aus dieser Position hopsend fortbewegen. Ist ein Springschwanz gefangen, so fällt er in eine Art Starre. Wenn sich dann vier Kinder in dieser Bannstarre befinden, lösen sie die Wolfsspinne ab.

Auf Beutezug - Löwenzahnhonig und Hollersirup

Frühlingskräuter - Brotaufstrich Zutaten: (für ca. 15 Personen) • 1 kg Magerquark (Topfen) • 400 ml saure Sahne (Sauerrahm) • Salz und Pfeffer zum Würzen • versch. Frühlingskräuter: z.B. Spitzwegerich, Gänseblümchen, Bärlauch, Schnittlauch, Brunnenkresse, Sauerklee usw. Zubereitung: Den Quark glatt rühren und dann die saure Sahne dazu mischen. Die Kräuter fein hacken und in den Aufstrich rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und servieren.

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SPORTKLETTERN Eine Sportklettersektion stellt sich vor: Bruneck

Von wilden Rodelabfahrten und abendlichem Hüttenzauber

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Am Beginn des neuen Jahres verbrachten wir, drei Familien der AVS-Ortsstelle Kurtatsch-Margreid, einen Teil unserer Weihnachtsferien im AVS-Bergheim in Zans.

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In der komfortablen und warmen Hütte ließ es sich auch bei frostigen Außentemperaturen gut aushalten. Das gemeinsam zubereitete Essen schmeckte umso besser, und auch die Kinder genossen sichtlich den Aufenthalt unter ihresgleichen, spielten und hörten gespannt den vorgelesenen Geschichten, ganz besonders den Villnösser Sagen, zu. Ein Höhepunkt war zweifelsohne eine nächtliche Schatzsuche bei Kerzenlicht. Das herrliche Wetter lud uns zu kurzen Abstechern in die nähere Umgebung, auf die Gampen-, Dusler- und Geisleralm, ein. Sogar die Kleinsten schnallten sich Schneeschuhe an und marschierten drauflos. Besonders lustig waren die Abfahrten mit der Rodel. Und weil die Tage so schön waren, floss beim Abschied auch so manche Träne. Renate Pallabazzer

Es freut mich, diesmal eine sehr junge Sportklettersektion im Alpenverein Südtirol vorzustellen. Die Sektion Bruneck ist in der Jugendarbeit sehr aktiv und zudem bei der Sanierung „ihrer“ Klettergärten vorbildlich unterwegs. Für diese Gelegenheit habe ich mit dem Verantwortlichen der Sportklettersektion Bruneck, Herrn Markus Pescoller, ein interessantes Gespräch geführt, das uns Aufschluss über die erst kurze, aber intensive Vereinstätigkeit gibt. AVS: Kannst du uns bitte von den Anfängen der Sportklettersektion erzählen? M.P.: Wir haben eigentlich erst vor wenigen Jahren begonnen. Die erste Idee war, einfach der

Jugend über Kletterkurse das Klettern näher zu bringen oder überhaupt auch die Struktur der Kletterhalle für die Jugendarbeit zu verwenden. Wir haben Kurse für Kinder und Jugendliche angeboten. Durch diese Jugendarbeit entstand allmählich die Idee, eine Gruppe aufzubauen, die regelmäßig trainiert. Dabei haben wir aber noch nicht an Wettkämpfe gedacht. Gleichzeitig entstand dann auch der Bedarf, sich fortzubilden. So haben einige der Jugendlichen, die zuerst in der Klettergruppe waren, den Übungsleiterkurs gemacht, andere, die schon älter waren, den Übungsleiterkurs und dann die Ausbildung zum Kletterlehrwart in Innsbruck. So begann das System allmählich zu wachsen: einerseits eben die Professionalisierung des Kursangebotes und anderer-

seits immer neue Kinder und Jugendliche. Derzeit haben wir eine Wettkampfgruppe und eine Trainingsgruppe, wobei die Wettkampfgruppe zwei- bis dreimal die Woche trainiert, die Trainingsgruppe einmal. Daneben werden aber laufend Kurse für Kinder und Erwachsene angeboten. AVS: Neben Sexten ist Bruneck der wichtigste Anlaufpunkt in Sachen Sportklettern im Pustertal geworden. Außerdem habt ihr ja sehr aktive und rührige Ortsstellen. Wie läuft eure Aktivität ab? M.P.: Ob es der wichtigste Anlaufpunkt neben Sexten ist, kann man vielleicht nur von außen beurteilen. Dass Bruneck aber zu einer Anlaufstelle wurde, liegt vermutlich einfach dar-

Foto: Lercher Irmgard

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3. Juniorcup 2011 in St. Ulrich, Gröden

AVS: Wie schon zu Beginn gesagt, ist die Jugendarbeit sehr wichtig für euch.

AVS: Zweiter Schwerpunkt Klettergärten und Kletteranlagen. M.P.: In den letzten beiden Sommern wurden die Klettergärten in der Umgebung von Bruneck, nämlich der Burgkofel in St. Lorenzen, die Platten in Gais und

der Klettergarten in Aufhofen saniert. Harald Mair hat sich hier sehr verdient gemacht. Der Klettergarten in Aufhofen war teils lebensgefährlich, in Gais fehlten teils Umlenkhaken, sodass man sich ausknüpfen musste. Mit den Routen wurden die Wege und die Plätze unter den Routen hergerichtet und gefährliches Material entfernt. So sind die beiden Hausklättergärten von Bruneck wieder auf dem neuesten Stand. AVS: Wie schaut die Zukunft aus? M.P.: In naher Zukunft möchten wir mit St. Lorenzen und Olang stärker zusammenarbeiten. Beide Orte haben ja neue Boulderräume, etwas, was in Bruneck fehlt. Dann geht es natürlich um das neue große Kletterhallenprojekt, das, so denke ich, in sehr guten Händen ist und in das sich viele Leute mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung einbringen. Ich hoffe natürlich, dass das Projekt termingerecht weitergeht, zumal die derzeitige Halle aus allen Nähten platzt und gerade die Enge auch zu einem Sicherheitsproblem wird. AVS: Danke für das Gespräch! Ulla Walder

JG Gröden Foto: Hansi Alton

Sektionen den Ton an, sondern es macht sich auch die Nachwuchsarbeit in Sportklettersektionen wie Bruneck, Passeier, Gadertal, Tiers und Martell bemerkbar. 

Im Jänner zum König Im Dezemberheft 2010 wurde ein Erlebnisbericht von Walter Rass über eine Skibesteigung der Königsspitze veröffentlicht. Wir wurden von vielen auf diesen Bericht hin angesprochen, die Reaktionen waren heftig, und an Kritik hat es nicht gefehlt. Walter Rass ist ausgebildeter Tourenleiter des AVS und hat somit eine gewisse Vorbildfunktion. Diese Tour widerspricht allen Lehrmeinungen und dem Sicherheitsdenken, das der AVS seit Jahren propagiert. Wenn jemand solche „Hasardtouren“ privat unternimmt, so ist das seine Sache, allerdings sollte man so etwas nicht an die große Glocke hängen, vor allem auch deshalb, um nicht potenzielle Nachahmer (wie vermutlich vor Kurzem geschehen) zu animieren. Für das Tourenleiter-Referat Helmut Dorfmann

Hier möchte ich nur die Sieger aller Kategorien anführen (von U10-U20), um auch nochmals die Vielfältigkeit zu unterstreichen. Die genauen Ergebnisse und den Zwischenstand der Gesamtwertung gibt’s wie immer auf unserer Homepage unter der Rubrik Juniorcup zu lesen: Lisa Moser (Meran), Elias Sanin (Meran), Elisabetta Dallbrida (Mezzolombardo), Filip Schenk (Gröden), Daniela Lanthaler (Passeier), Titus Prinoth (Gröden), Annalisa Demarco (Primiero), Manuel Schneider (Bruneck), Nadia Alton (Bozen), Michael Piccolruaz (Gröden), Marta Bonat (Primiero), Hannes Gamper (St. Pauls). Ulla Walder

.256,.$ Wandern, Radfahren und Bergsteigen bis zu den höchsten Gipfeln... und dann ein erfrischendes Bad im Meer.

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M.P.: Ich denke (wahrscheinlich wie alle anderen auch), dass die Jugend unsere Zukunft ist, denn wir werden einmal abtreten, und dann müssen neue Kräfte da sein, die das Projekt nach ihren Vorstellungen weiterführen. Andererseits denke ich auch, dass das Klettern etwas anbietet, was vielleicht nicht nur für die Jugend, sondern für alle Altersgruppen wichtig ist. Neben der Gesundheit geht es auch um das psychische Moment, um die persönlichen Erlebnisse, die, um es allgemein zu sagen, vielleicht eine sehr gute Alternative zu anderen Strategien der Persönlichkeitsbildung sind. Es geht nicht darum, Kinder oder Jugendliche zum Berg zu zwingen, sondern einfach ihnen diese Welt anzubieten, wobei das Klettern heute ein sehr guter Weg dorthin ist.

Foto: Juri Chiarimonte

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Vera Oberhauser beim JC Ratschings

Dass sich die Wettkampfsaison 2010/11 in der entscheidenden Phase befindet, beweisen auch die großen Teilnehmerzahlen: Über 250 Kinder und Jugendliche aus Südtirol und dem Trentino waren am vorletzten Jänner-Wochenende in der großräumigen Tennishalle von St. Ulrich am Start. Das Organisationsteam des As Gerdeina, unter der Leitung von Bruno Walpoth, meisterte den Ablauf dieser auch von der Gemeinde St. Ulrich unterstützten Großveranstaltung souverän. Bereits beim letzten Termin in Ratschings hat sich herauskristallisiert, dass neben den Favoriten auch neue Gesichter mitmischen. So geben nicht nur mehr die großen und erfahrenen

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SPORTKLETTERN

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Die primäre Aktivität der Sportklettersektion ist die Betreuung der Halle von der Sicherheit über den Routenbau. Dabei werden die Routen zweimal im Jahr vollständig ausgetauscht. Dies ist in Bruneck unbedingt notwendig, da die Halle klein ist und auch sehr intensiv genutzt wird, sodass die Griffe relativ schnell verschmutzen und das Publikum auch immer wieder etwas Neues klettern will. Um diese primäre Aktivität hat sich – wie schon gesagt – im Laufe der Jahre ein immer feineres Kursangebot entwickelt, das von Anfängerkursen über Fortgeschrittenenkurse verschiedener Stufen bis zu den Trainings- und Wettkampfgruppen geht. Gleichzeitig werden die Kurse für die Schulen organisiert. Diese werden so gut angenommen, dass wir teils große Terminschwierigkeiten haben, alle Kurse vor allem vormittags unterzubringen und qualifizierte Kletterlehrer zu organisieren.

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an, dass in Bruneck eine Kletterhalle steht. Diese versuchen wir, so gut wie möglich zu betreuen. Aus dieser Betreuungsarbeit hat sich eine Gruppe entwickelt, die sich nicht nur um die Jugendarbeit in der Kletterhalle kümmert, sondern auch um die Qualität des Routenbaus und um das Sportklettern als Breitensport allgemein. Derzeit haben wir eine sehr engagierte und bemühte Gruppe von Jugendlichen und jungen Kletterern, die auch viel Fachkompetenz einbringen. In jüngster Zeit hat sich auch in der Ortsstelle in Enneberg und in Wengen eine Gruppe gebildet, mit der wir immer wieder in Kontakt sind. An dieser Stelle möchte ich vor allem auch eine Gruppe in Rasen nennen, die seit einigen Jahren äußerst aktiv ist und aus der hervorragende Kletterer kommen.

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ClimBo 30.4 und 01.05 Talferwiesen Bozen

Foto: Tobias Haller

CLIMBO 2011 30. April und 01. Mai 2011, Bozen, Talferwiesen Die ClimBo, die traditionelle Landesmeisterschaft im Bouldern, findet nach dem großen Erfolg des Vorjahres wieder auf den Talferwiesen in Bozen statt. Wie im letzten Jahr wird die ClimBo in Zusammenarbeit mit der Firma Sportler organisiert. Neben der offenen Meister-

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schaft im Bouldern können sich kletterbegeisterte Paare zum Paarlbouldern anmelden und tolle Preise gewinnen. Am Samstagabend ab 19.00 Uhr findet das große ClimBoFinale und die anschließende Boulderparty statt.

Für alle Einsteiger, Hobbykletterer und Familien bietet der Sonntag ein tolles Programm. Alle weiteren Infos findet ihr unter www.alpenverein.it Wir freuen uns auf euer Kommen.

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BĂźcherecke

U Unsere Kulturreferentin Frau Ing grid Runggaldier-Moroder hat in a aller Stille wieder einmal an einem W Werk gearbeitet. Schon wieder e ein Bildband Ăźber die Dolomiten, w wird sich mancher denken. Doch d dieses Buch ist anders. Das ausgeprägte Hochformat wirkt auf den ersten Blick ungewohnt, schaut man sich aber dann die Bilder an, so kommt man sehr schnell zu der Ăœberzeugung dass nur dieses Format die Schroffheit der Wände, die filigrane Gestalt der TĂźrme und die Gegensätze zwischen vertikaler Felswildnis und lieblichen Almmatten wiedergeben kann. Die Bilder stammen vom bekannten Fotografen Ulrich Ackermann. Frau Ruggaldier wirkte bei der Auswahl der Bilder mit und verfasste die Einleitung. Mit feinsinnigen Worten erzählt sie darin von der Entdeckung und Erforschung dieses einzigartigen Gebirges.

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Sie entfĂźhrt den Leser in die Welt Ladiniens, in die mystische Welt seiner Sagen, sie lässt frĂźhe Besucher zu Wort kommen und hat auch mahnende Worte gegenĂźber der ĂœbererschlieĂ&#x;ung. Ein Buch, das in keinem BĂźcherregal fehlen sollte. Verlag Tyrolia: Format: 23 * 39 cm ISBN 978-3-7022-3085-2 R Gantzhorn Ralf M Moritz Attenberger H Himmelsleitern 5 Fels- und Eisgrate in den 50 A Alpen D beiden Autoren beschreiDie b ben in ihrem AuswahlfĂźhrer d 50 schĂśnsten Grate der die Alpen. Neben ausgezeichneten Bildern enthält der Band auch einen Informationsteil, in dem die Touren ausfĂźhrlich beschrieben sind. 256 Seiten mit 297 Farbbildern und 50 Routenkarten im MaĂ&#x;stab 1:50.000 Format 30 x 26 cm Verlag: Bergverlag Rother MĂźnchen ISBN 978-37633-7057-3 R Ralf Gantzhorn, Thomas Wilken P Patagonien und Feuerland E Ein neuer FĂźhrer aus der bekannten R Reihe des Bergverlags Rother in MĂźnchen IS ISBN: 978-3-7633-4396-6

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FERRATA DELLE TACCOLE

NEUERSCHEINUNGEN

D Dolomiten vertikal D Das Weltnaturerbe aus der Luft

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P Pit Schubert A Anekdoten vom Berg P Pit Schubert, der Sicherheitspapst d der Bergsteigerei, schreibt hier kein ne „Gänsehautstorys“, wie wir sie a aus seinen BĂźchern „Sicherheit in F Fels und Eis“ kennen, sondern er e erzählt Lustiges und Nachdenkliches aus der alp alpinen Welt. Verlag: Bergverlag Rother MĂźnchen 192 Seiten kartoniert ISBN: 978-37633-7039-0

Ferrata delle Taccole – ein schwieriger Klettersteig nahe dem Rif.Telegrafo am sßdlichen Baldokamm. Wegen seiner Entlegenheit wird er recht sel-

die auch ein einmaliges Panorama suchen und noch das GlĂźck des Autors haben, ihn an einem wolken- und nebellosen Septembertag zu gehen.

Taccole

Foto: HansjĂśrg Hager

ten begangen, da er vor allem meist unbekannt ist, dabei aber sicher fßr viele herausfordernd wäre, interessant fßr Kletterer,



         

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Ausgangspunkt ist die BergstraĂ&#x;e, welche ostseitig des Baldokammes rund 700 m unter diesem vorbeizieht. In der neuen Kompass-Karte 102 Auflage 2008 ist der Klettersteig eingezeichnet und im Klettersteig-Atlas Italien Band 1 vom SchollVerlag genau beschrieben. Er ist trotzdem nicht leicht zu finden, und man ist deshalb gut beraten, zuerst bei der SchutzhĂźtte G.Barana al Telegrafo vorbeizugehen, um Ăźber seine Lage nachzufragen; Tel. 045 773 17 97 bis Ende S e p t e m b e r, später nur an Wochenenden bewirtschaftet.

Achtung, im FrĂźhsommer sicher lange nass oder eisig, da im September 2009 nahe dem Einstieg noch Schneereste lagen und die ganze FĂźhre nordseitig, also im Schatten, liegt. Die Länge ist zwar mit 160 Metern kurz, aber die Schwierigkeit „D“ verlangt besonders Armkraft – aber auch der Zustieg ab Auto mit 2 ½ Stunden ist auch nicht zu unterschätzen . StĂźtzpunkt: Kehre beim Rif.Novezzino, 1250 m, zu erreichen Ăźber die StraĂ&#x;e Affi – Caprino – Spiazzi oder auch Autobahnausfahrt Avio – Ala und Ăźber die kurvenreiche StraĂ&#x;e zur Malger Dossiuoli, und ebener bis zur Abzweigung des Steiges N.652 (ca. 1500 m); in 1 ½ bis 2 Stunden zum Rif.Telegrafo. SĂźdlich davon am Baldokamm in einer kleinen Scharte findet sich eine Messingtafel „Ferrata delle Taccole“ des CAI Verona. FĂźhre: Von besagter Messingtafel steil westlich gegen den Gardasee Ăźber Schottersteig rund 100 m absteigen und den roten Punkten folgen (oft sehr schlecht sichtbar) und links dann ein schmales Band bis zum Einstieg des Klettersteiges, dort Tafel; sofort beginnen die Drahtseile. Die Länge der Route von 160 Metern ist in 45 Min. zu bewältigen. Ausstieg Ăźber Latschen auf den grĂźnen Gipfel der Vetta delle Buse, 2152 m. Abstieg vom Gipfel etwas nach SĂźden und Ăźber eine kĂźnstliche Scharte guter Weg Richtung Telegrafo nach Norden. Schotter- bzw. Latschensteige fĂźhren entweder Mark. 657 oder 652 zum Auto zurĂźck.

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Franz Mock

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HannsjĂśrg Hager

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Künstler sehen unsere Berge

JOSEF KOSTNER, SKULPTUREN VON DER SELLA GEPRÄGT

Um die Werke von Josef Kostfür die Berge und die Natur. Oft ner zu verstehen und dessen haben ihm Wurzeln, Steine oder Aussagekraft zu ergründen, Blätter neue Impulse gebracht. sollte man etwas über sein LeSchon früh hat er die Bedeuben und Schaffen erfahren. Erst tung der ladinischen Kultur wenn man Kostners charaktemit seinen Erzählungen und risierende Sensibilität entdeckt Flurnamen entdeckt und sie in und etwas über die prägenden seinen Schriften festgehalten. Kindheitserfahrungen hört, kann Das ladinische Kulturinstitut hat man die starke Aussage seiner ihm dazu schon zwei Bücher Kunst verstehen. Das zweitgewidmet. älteste von zwölf Kindern musste sich in der schwierigen Zwischenkriegszeit zurechtfinden, es wurde von Ängsten geplagt, und auch die Kriegsjahre hinterließen tiefe seelische Wunden. Erfahrungen, die der Künstler ein Leben lang nicht vergessen konnte und sich in einer ständigen Sorge über das emotionale Empfinden der Menschheit äußerten. Seine Persönlichkeit wurde besonders stark von der eigenen Heimat charakterisiert. Obwohl er sich von den gewaltigen Bergen stets eingeengt gefühlt hat, haben sie doch seine Kunst Skulptur von Josef Kostner geprägt. Die schneidigen Kanten und die plastische Im Jahre 1933 in Gröden geStruktur des Sellamassivs wiboren und zum traditionellen derspiegeln sich in seinen WerBildhauer ausgebildet, suchte ken. Gerade auch deshalb hat er bereits mit achtzehn Jaher seine Skulpturen in Zement ren einen persönlichen Weg. realisiert. Kostner hätte wohl Zunächst wandte er sich der gerne einige Grödner Gipfel beSkulptur zu. Erst viel später, in stiegen, um so mehr weil er als den 70er-Jahren, entfalteten Lehrling mit dem Kletterer Luis sich seine zeichnerischen und Senoner gearbeitet hat. Doch malerischen Qualitäten. Emotiodie strenge Erziehung verbot nen und Gefühle flossen in seine ihm das von klein auf. Geblieben menschlichen Figuren ein, eine ist seine stetige Bewunderung Verkörperung der Gedanken.

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Kostner suchte nicht gefällige und kommerzielle Arbeiten zu produzieren oder gar einer Zeitströmung zu folgen. Nein, Kostner hat einen ganz persönlichen Stil entwickelt. Insgesamt kann man sagen, dass seine Grafiken und Skulpturen in ihrer Entwicklung immer frechere und dezidiertere Linien angenommen haben. Entstanden am Anfang feine bis ins Detail ausgearbeitete Werke, so wurden seine Arbeiten mit der Zeit immer kantiger und flächiger. Den Bildern verleiht er mit gezielt aufgetragenen, starken, hauptsächlich roten Pinselstrichen eine charakterisierende Note. Seine Skulpturen bekommen markante Gesichtszüge, und der Körper wird statisch durch eine starke Linearität betont. Ausdrucksstarke Formen sind das Merkmal seiner Kunst. Damit hat er sich weit über das Konventionelle des „Schönen“ hinausgewagt. Flehende, leidende, vom Schicksal getroffene – manchmal auch hoffende – Menschen lassen den Betrachter nicht ohne Emotionen. Kürzlich erschien eine ausführliche Monografie über Josef Kostner, welche sein künstlerisches Schaffen in zwei Bänden festhält. Die enorme Ausstrahlungskraft seiner Werke wird auch darin auf packende Weise veranschaulicht. Valentine Kostner

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DIE AVS-SINGGEMEINSCHAFT UNTERLAND Seit über zwanzig Jahren ist der AVS-Singgemeinschaft Unterland die Pflege des echten, historisch gewachsenen Volksliedgutes ein Anliegen. Am 26. März zeigt sie bei einem alpenländischen Volksmusikabend mit dem Motto „Wos bliaht denn do“ in Tramin ihr Können. Schon immer wurde beim AVS gerne zusammen ein Lied angestimmt. Vor nunmehr fast 25 Jahren kam Andreas Roner, damals AVS-Sektionsobmann vom Unterland, der Gedanke, die in lockerer Runde gesungenen Lieder in einer Chorgemeinschaft bewusst zu pflegen. In Marlene Zwerger-Matzneller aus Tramin fand Roner schließlich eine kompetente Chorleiterin. Noch heute leitet sie die Singgemeinschaft ehrenamtlich.

Unterstützung durch AVS

Singgemeinschaft

aus zehn Gemeinden des Unterlandes und aus dem Überetsch zusammen. Sie alle verbindet die seit der Gründung lebendig gebliebene Begeisterung für das echte alpenländische Volksliedgut. Im Vordergrund steht dabei immer das Motto „Singen isch insre Freid“.

Seit der Gründung konstant gestiegen ist der Kreis der Freunde und Gönner. Auch die AVSHauptleitung und mit ihr die AVS-Sektion Unterland erkennen den Wert der Singgemeinschaft an und unterstützen sie alljährlich mit einem beachtlichen finanziellen Beitrag. Zu den langjährigen Förderern zählen darüber hinaus die Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland, die Raiffeisenkasse Salurn und die Gemeinde Tramin. Renate Mayr

Nur echte Volkslieder Die Chorleiterin und mit ihr die Sängerinnen und Sänger setzten sich von Anfang an zum Ziel, ausschließlich das im Alpenraum überlieferte Volksliedgut im vierstimmigen Chor zu pflegen. Offen ist die Singgemeinschaft nicht nur für das weltliche Volkslied, sondern auch für das geistliche, das besonders in der Vorweihnachtszeit gesungen wird. Der Chor trat in Vergangenheit bei zahlreichen Anlässen auf, unter anderem auch in der ORF-Sendung „Klingendes Österreich“. 50 Chormitglieder aus zehn Gemeinden Heute setzt sich der Chor aus 50 Sängerinnen und Sängern

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NEPAL AUF ANDERE WEISE Als mich im Herbst 2009 mein Freund Wolfgang Nairz anrief, ob ich Lust hätte, zu einem Ballonmeeting nach Nepal mitzukommen, sagte ich sofort zu, da ich schon längst dorthin wollte und ich begeisterter Ballonmitfahrer bin. Mit Wolfi waren wir schon öfter mit dem Ballon unterwegs, so unter anderem in

Startvorbereitung

Kapadokien, der Toskana und Umbrien. Wolfgang Nairz war Expeditionsleiter von Reinhold Messner und im Jahre 1978 erster Österreicher auf dem Mount Everest und inzwischen schon 60-mal in Nepal. Er ist also dort schon fast wie daheim und organisierte alles professionell. Auf seine Einladung hatten sich sieben Ballonteams aus Österreich und Deutschland gemeldet. Die Vorbereitung und Logistik waren enorm. Die Ballone mussten auf dem Luftweg vorab nach Pokhara gebracht werden, wobei es einige Sicherheitsbestimmungen zu beachten gab. Die Besatzungen folgten am 19.3.2010 via Abu Dhabi nach

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Kathmandu nach. In Kathmandu nächtigten wir im Hotel „Yak und Yeti“ und konnten zwei Tage lang die interessante Stadt besichtigen. Am 22.3. flogen wir zu unserem Zielpunkt Pokhara, wo die Ballone schon ausgeladen und in einem Magazin verwahrt waren. Jedem Ballon wurde nun ein Klein-LKW und ein Minibus

Foto: Dr. Reinhold Regele

zugeteilt, um die jeweilige Crew, die aus drei bis fünf Personen bestand, je nach Größe des Ballons, nach der jeweiligen Landung zurückzuholen. Vor jeder Fahrt wurde ein sogenanntes Briefing der Ballonführer durchgeführt, um Wetterdaten und Windrichtungen für den nächsten Tag auszuwerten. Wir hatten fünf Fahrten geplant, die jeweils um fünf Uhr in der Früh mit dem Transport der Besatzung und des Ballons über abenteuerliche Straßen zum Startpunkt begannen, der von der Windrichtung abhing. Wir starteten meist westlich vom Phewa-Lake bei Pokhara, da die Winde vom Westen kamen

und wir so leichter über den See kamen. Die Startvorbereitung, auslegen der Ballonhülle, deren Aufblasen zuerst mit Ventilator, dann mit Heißluft, wurde zur Routine, ebenso das Aufstellen des Korbes. Es war ein erhebendes Gefühl, als wir das erste Mal in die Luft gingen und nach ca. 2.500 Metern den Dhaulagiri und die Annapurnakette in der Morgensonne zu Gesicht bekamen. Wir fuhren dann meist in ca. 3.500 bis 4.500 Meter Höhe an diesem gewaltigen Bergmassiv entlang und hatten Zeit, jeden Gipfel einzeln zu betrachten, wobei Wolfi uns erklärte, auf welchem er schon oben stand und bei welchem er umkehren musste (manchmal auch 200 Meter unter dem Ziel). Nach ca. 1,5 Stunden in der Luft wurde die Landung eingeleitet, wobei man beachten musste, über den See zu kommen oder vorher zu landen. Meist ging es gut, wobei die Landungen in den Reisfeldern eher nass waren. Bei diesen Landungen hatten wir ein schlechtes Gewissen, da das Feld meist verwüstet wurde. Nicht so sehr durch den Ballon als vielmehr durch die Menschenmassen, die sich innerhalb von Minuten um den gelandeten Ballon scharten und helfen wollten. Einmal war das Feld arg in Mitleidenschaft gezogen worden, und als wir nach dem Besitzer fragten, um einen Obolus zu entrichten, sagte dieser, es sei ihm eine Ehre, dass wir in seinem Feld gelandet seien, und wies das Geld ab. So ist Nepal. Die Landungen waren häufig abenteuerlich, sei es dass der aufkommende Wind den Ballon umwarf oder wir auf

33 einem kleinen Feld mitten in der Stadt landen mussten. Aber meist ging alles gut. Das Verstauen der Ballone ging recht rasch vor sich, da wir ja viele freiwillige Helfer hatten. Am Nachmittag nach einem ausgiebigen Frühstück- Mittagessen standen dann kulturelle Ausflüge in und um Pokhara auf dem Programm. Aber wir wollten nicht nur die Berge von oben sehen, sondern

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natürlich auch besteigen. So unternahmen wir eine 4-tägige Trekkingtour, wobei an einem Tag über 13.000 Stufen zu bewältigen waren. Gut für die Kniegelenke! Trotzdem war es wunderbar zwischen Rhododendronwäldern zu wandern und den Affen beim „Kraxln“ zuzuschauen. Ein besonderer Augenblick war der Sonnenaufgang auf dem 3.300 Meter hohen Poonhill im Angesicht des

Bei der Landung ist immmer sofort eine Menge Helfer zugegen Foto: Dr. Reinhold Regele

Dhaulaghiri und des „heiligen Berges“ Machhapuchhre. Nach dieser Tour kehrten wir nach Kathmandu zurück und unternahmen als letzten Höhepunkt bei herrlichem Wetter einen Rundflug zum Mt. Everest und der Himalajakette mit der Yeti-Airline. Es war eine interessante und etwas andere NepalReise. Dr. Reinhold Regele

Fahrt im Angesicht der Himalajariesen Foto: Dr. Reinhold Regele

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PULVERSCHNEE NUR EIN TRAUM FÜR TRÄUMER? Wer träumt denn nicht von einer Skitour mit feinstem Pulverschnee und weiten, unverspurten Hängen? Wohl jeder! Und wie oft gibt es noch diese Möglichkeit? Fast nie, denn solche Traumverhältnisse hängen von sehr vielen unbeinflussbaren, zum Teil sehr wetterabhängigen Faktoren ab. Die Entscheidung für das eine oder andere Tourenziel hängt auch mit der Schneelage zusammen. Wie ist

re ich mich, wo es einigermaßen gut zum Fahren geht, und such nicht die schlechtesten Verhältnisse aus, aber der Schnee ist so, wie er ist. Und wie oft passiert es, dass eine Tour, welche Tage vorher noch herrlich zu befahren war, tags darauf wegen der geänderten Schneeverhältnisse zu einer wahren Schinderei wird? Nein, nur wegen der Abfahrt allein machen wir keine Ski-

dann; und wenn außer unserer Gruppe niemand unterwegs ist, ja dann; und sämtliche Hänge der Umgebung unverspurt sind, ja dann ist dies das höchste der Gefühle. So geschah es heuer im Spätwinter am Piz Umbrail. Unsere Gruppe startete vom Dorf Santa Maria im Münstertal. Die Straße zum Umbrailpass war gesperrt, und wir zogen gemütlich bis zu den mäßig steilen Wiesen hi-

35 war. Wir hatten die ganzen Hänge für uns allein! Gibt es dies noch? Sehr selten, und daher genossen wir die Abfahrt in vollen Zügen. Ein Schwung nach dem anderen, leicht, flauschig. Der Schnee stob bis zur Brust herauf, und wir hörten nicht

Piz Umbrail

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eher auf zu wedeln, bis wir in Atemnot gerieten. Auch die Teilnehmer mit weniger ausgeprägter Kenntnis der Skitechnik zeichneten gleichmäßige Muster in den Schnee. Da es doch eine längere Tour mit über 1500 Höhenmetern war, reihte sich ein

Foto: Walter Rass Piz Umbrail

Hang an den nächsten, und wir genossen sie alle und spürten die Wohltat bis ins Innerste. Ja, diese Art Skitouren gibt es also doch noch, nicht nur für Träumer, sondern auch in Wirklichkeit. Walter Rass

Foto: Walter Rass

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es im Wald, wie oberhalb der Waldgrenze, hat der Wind den Schnee verfrachtet und verblasen, hält die Unterlage oder werden unsere Ski immer wieder Steinkontakt haben? Meiner Meinung nach sollte keine Skitour nur wegen der Abfahrt stattfinden. Die Abfahrt selbst sehe ich als Zugabe. Ist der Schnee passabel, so freu ich mich, ist er weich und pulverig, so ist die Abfahrt ein besonderer Genuss. Aber weil mal ein Windsturm den Schnee verfrachtet hat und die Schneeoberfläche daher hart oder harschig ist, deshalb hat unsere Gruppe noch nie eine Skiitour ausgelassen. Natürlich informie-

Foto: Walter Rass

tour. Da gibt es zu viele andere Werte, wie Sicherheit, Kameradschaft, Teamgeist, Ruhe, Heiterkeit, Besonnenheit, die im Vordergrund stehen, und nicht zuletzt ist es auch die herrliche Umgebung, in der wir leben dürfen, und die Schönheit der Natur, die eine Skitour zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen kann. Ja, das ist Skitour! Und wenn wir auf dem Gipfel stehen, nach einigen Bechern Tee die Skischuhe in der Bindung fixieren, spätestens dann juckt es einen doch und man fragt sich innerlich, wie der Schnee wohl sein wird. Und wenn dieser am Vortag gefallen, pulvrig und flauschig ist, ja

nauf. Wettermäßig war es ein Traumtag, Sonne, keine Wolke am Himmel, kein Wind, und alles passte. Im letzten Stück zum Gipfel gab es noch einige kurze Kletterstellen zu überwinden, aber alle meisterten die Schwierigkeiten ohne größere Probleme. Es war schon beim Aufstieg ersichtlich, dass die Abfahrt etwas Besonderes werden würde, nicht nur, weil es ca. 20 cm feinsten Pulver gab, nicht nur weil es insgesamt über einen Meter Schnee hatte, nicht nur weil die Hänge nicht zu flach, aber auch nicht zu steil waren, sondern auch weil die gesamten Hänge unberührt waren und unsere Gruppe allein unterwegs Stadtgasse 23 Bruneck Tel. 0474 555 287 www.thomaser.it

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AUF DER HAUPTROUTE DER PELZHÄNDLER „Do sein mr kesslun!“ Hier ging es nicht weiter, wir befanden uns am Westufer eines Sees, dieses Ufer müsste eigentlich ca. 30 km weiter westlich sein. Wo waren wir bloß und wie sind wir hierher geraten? Ich grub im Gepäck nach dem GPS-Gerät und bestimmte unsere Position. Wir waren im falschen See, ca. 1,2 km östlich vom Ostufer des Lake Amisk im Norden Saskatchewan/Kanada, von wo wir eigentlich starten wollten. Von Winnipeg aus waren wir mit dem Bus die ganze Nacht hindurch nach Flin Flon gefahren, dort mieteten wir ein Taxi, das uns zu einem kleinen Campground am Ostufer des Amisk Lake bringen sollte. Wer denkt schon daran, dass ein Taxifahrer seine Fahrgäste zum falschen Ziel bringt? Das Fatale an der Geschichte war, dass die Karte mit dem Ostufer des Amisk L. abschloss. Wie kommen wir zu unserem Startpunkt? Wir müssen zurück, auf der Rückfahrt kamen wir an einer Hütte vorbei, ein Mann saß davor in der Sonne, ein Gespräch entspann sich, wir erzählten von unserem Missgeschick, er lachte und meinte, wie kann ein Taxifahrer nur den falschen Campingplatz anfahren, wenn es im Umkreis von mehreren Hundert Meilen nur zwei Plätze gibt. „Kommt, ich fahr euch hinüber.“ Eine ganze Weile konnten wir uns zwischen Inseln durchmogeln, aber irgendwann mussten wir aufgeben, der Wind war zu stark, das Wasser zu unruhig. Auf einer kleinen Insel schlugen wir unser Lager auf, das erste auf dieser Tour. Am nächsten

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Morgen Windstille, nichts wie weg, wir müssen den ca. 30 km breiten See überqueren von denen vielleicht 5 km geschafft sind, dann 10 km nach Süden und dann noch einmal rund 5 km nach Westen, also insgesamt ca. 40 km. Es blieb windstill und wir paddelten, ohne uns eine Pause zu gönnen weiter. Eine schwarze Wolkenwand baute sich vor uns auf, fernes Donnergrollen war zu hören, aber wir hatten die Mündung des Sturgeon Weir River erreicht. Ein Lagerplatz war bald gefunden, und gerade als das Zelt stand, begann es zu schütten. Am nächsten Tag strahlend blauer Himmel. Der Fluss, dem wir aufwärts folgten, hatte kaum Strömung, nach der gestrigen Schinderei ließen wir es gemütlich angehen, machten viele Pausen und ließen schon am frühen Nachmittag das Paddeln sein. Manchmal werde ich gefragt, ob diese Kanutouren nicht langsam zu anstrengend würden. Natürlich wird es manchmal anstrengend, aber normalerweise lassen wir uns Zeit und trödeln halbe oder auch ganze Tage herum. In der Ferne waren immer wieder Hubschrauber zu hören und zu sehen. Wir konnten uns zunächst keinen Reim darauf machen und glaubten an den Bau einer Straße, erst am nächsten Tag sahen wir, was los war. Wir waren in einen Waldbrand geraten, der allerdings schon weitgehend gelöscht war. Wir mussten mitten durch verbranntes Gebiet und durch das Lager der Feuerwehr, die über unser Erscheinen nicht gerade begeistert war.

Immer weiter den Fluss hinauf, Stromschnellen mussten auf Portagen (Tragestrecken) umgangen werden, bei manch kleinerer Schnelle gab es keine Portage, also war waten angesagt. Die letzte Schnelle vor dem Maligne Lake, an dem eine Straße unsere Route kreuzte. Wir hatten gerade fertig portagiert, 80 kg Ausrüstung und 40 kg Lebensmittel erfordern dreimaliges Tragen, als eine Gruppe Jugendlicher von oben zur Portage kam. Unsere Ausrüstung lag wild in der Gegend herum. „Sofort alles auf einen Haufen werfen.“ Edelgard, meine Frau, schaute mich verständnislos an, verstand aber dann sofort warum. Das erste Boot landete, ein Insasse sprang herauf, der zweite warf die Packen ans Ufer, der erste schnappte sich, so viel er tragen konnte, und marschierte los. Packen flogen durch die Luft, ein leeres Boot schwamm langsam in Richtung Strömung, jemand hechtete hinterher, brachte es ans Ufer und band es fest. Kurz und gut, es herrschte ein ziemliches Chaos. Diese Gruppe war am Maligne Lake gestartet, sie war also gerade eine Stunde unterwegs und noch voller Tatendrang, außerdem haben solche Gruppen meistens Leihausrüstung und damit sind Verwechslungen vorprogrammiert. An der Straße, die wir überqueren mussten, standen ein paar Häuser, es gab auch ein Restaurant, wie man dort sagt. Einen Ausdruck, wie man bei uns so etwas bezeichnen würde, kenne ich nicht. Es gab CocaCola, Kaffee, undefinierbares

37 Gebäck und noch andere „Speisen“, diese werden der Tiefkühltruhe entnommen, in die Mikrowelle gegeben und dem Gast in der Verpackung ohne Teller vorgesetzt. Wir ließen es bei einer Tasse Kaffee bewenden und fuhren weiter. Am nächsten Tag kamen uns zwei weitere Gruppen entgegen, dieses „Gedränge“ ist wohl auf die historische Bedeutung dieser Route zurückzuführen. Wir befanden uns auf der Hauptroute der Pelzhändler, die von Montreal aus den ganzen Kontinent mit ihren Kanus durchquerten. Wer war nicht alles auf dieser Route gefahren! Alexander Mackenzie, der im späten 18. Jahrhundert eine Verbindung vom Atlantik zum Pazifik suchte und beim ersten Versuch zum Eis-

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meer kam, erst ein paar Jahre später fand er einen Weg zum Pazifik, der aber als allgemeiner Transportweg ungeeignet war. England brauchte unbedingt eine Verbindung zur Westküste des Kontinents, denn der Schiffsweg um Kap Hoorn an der Südspitze Amerikas war einfach zu weit. England suchte verzweifelt nach einem Schiffsweg durch die Nordwest-Passage an der Nordküste Kanadas entlang. John Franklin, Offizier der englischen Kriegsmarine, erhielt den Auftrag, die Nordwestpassage auf dem Landweg zu suchen. Auch er musste mit seiner Mannschaft diese Route nehmen. Er überwinterte an einem See nördlich des großen Sklavensees und erreichte im Jahr darauf die Küste des Eis-

Das Abendessen wird aus dem Fluss geholt

meeres. Auf dem Rückmarsch zum Winterlager geriet die Expedition in Schwierigkeiten, da die Hudson Bay Company, die eine Kette von Pelzhandelsstationen unterhielt, die bis zum großen Sklavensee reichte und Franklin unterstützen sollte, die notwendige Ausrüstung, insbesondere Munition, in nur ungenügender Menge bereitstellte. Der Chef einer Pelzhandelsstation streute zusätzlich noch das Gerücht aus, dass Franklin nicht über genügend Mittel verfügen würde, um die Indianer, die der Expedition als Führer und Jäger dienten, zu entlohnen. Aus Neid und Missgunst wurde damals das Erreichen eines großen Zieles beinahe verhindert, diesbezüglich hat sich nichts verändert, es kommt leider immer

Foto: Franz Mock

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wieder vor, dass aufgrund von persönlichen Rivalitäten ein gemeinsames Ziel aus den Augen verloren wird. Wir verließen die Pelzhändlerroute, fuhren einen kleinen Fluss aufwärts weiter über eine Seenkette zur Wasserscheide in das Flussgebiet des Churchill Rivers. Spuren menschlicher Aktivitäten waren hier kaum noch vorhanden, was vor allen das Umgehen (Tragen) der Stromschnellen erschwerte. Waldläuferische Fähigkeiten waren hier gefragt, und manchmal erwies es sich als sinnvoll, sich bis ans

Der Bär

Ende der Stromschnelle durchzuschlagen und den Weg (Portage) von unten her zu suchen und zu markieren. Wir hatten eine dieser Portagen hinter uns, unterhalb der Stromschnelle war ein schöner Grasplatz, und wir beschlossen hier zu lagern, der Platz war

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günstig, also war wieder einmal Ganzkörperwäsche angesagt. Die Sonne schien, es war warm, kaum Wind und keine Mücken, also blieben wir im Adams (Eva)kostüm. „Ich glaube, wir sollten uns anziehen, bevor wir uns einen Sonnenbrand holen.“ Wir waren noch nicht ganz angezogen, als wir angerufen wurden, zwei Indianer kamen die Portage herunter, ein kurzes Gespräch, sie fuhren weiter, es war ja noch früher Nachmittag. Sandy Bay am Churchill River, diese Dörfer im Norden Kanadas haben so gar nichts Anziehen-

Foto: Franz Mock

des an sich. Wir wollten unsere Vorräte auffüllen, der Lebensmittelladen war geschlossen. Nach langer Fragerei verwies man uns an ein kleines Café, die Dame, eine Koreanerin (wie kommt die in dieses gottverlassene Nest), führte auch Lebensmittel. Beim Zusammenstellen unserer Vor-

räte war wirklich Kreativität gefragt, denn auch hier hat der Fast-Food-Wahn Einzug gehalten. Am Ende bekamen wir noch einen kleinen Beutel koreanischen Reis geschenkt. Churchill River oder der große Fluss, wie ihn die Eingeborenen nennen. Inseln, Seitenarme, Buchten, Ausweitungen, eine „Flusspersönlichkeit“ so ganz anders unsere in Zwangsjacken gepressten Flüsse. Stellenweise kaum eine Strömung spürbar, dann zog er wieder mit Macht dahin. Mehrere Tage waren wir nun schon auf diesem mächtigen Fluss, da vorne ist Sand, feiner gelber Sand, Sonne, kein Wind, keine Mücken und kein Mensch, was will man mehr im Urlaub. Der kurz vorher gefangene Hecht wurde gebraten und verspeist, dann legten wir uns in die Sonne. Plötzlich versetzte mir meine Gemahlin einen gewaltigen Rippenstoß, „ein Bär, ein Bär“, brüllte sie, ich rieb mir schlaftrunken die Augen und sah gerade noch den Bären im Wald verschwinden. „Warum machst du so ein Geschrei?“ Ich hätte gern ein Foto gemacht. Ein paar Stunden später kam der Bär zurück und trottete am Ufer entlang in unsere Richtung. Es gelang mir, Filmaufnahmen und Bilder zu machen, bis Edelgard zu nervös wurde. Mit gemeinsamem Gebrüll konnten wir den Bären verscheuchen. Eigentlich hätten wir das Lager abbrechen und weiterfahren müssen, aber dazu war es zu spät, die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Also Lebensmitteltonnen weit weg vom Zelt und an einen Baum binden, Lärminstrumente bereitlegen und hoffen, dass der Bär nicht noch einmal zurückkommt. Der Bär kam nicht mehr zurück. Franz Mock

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MIT DEM SC NEUGRIES RUND UM SÜDTIROL – TEIL IV Die Jahre 2007 und 2008 sind sicherlich der Höhepunkt unserer Tour rund um Südtirol. In zwei Wochen wollen wir vom Reschenpass nach Salurn wandern und die schönsten Gipfel der Ortlergruppe besteigen. Als Höhepunkt steht natürlich der Ortler auf dem Programm. Die Touren im oberen Nonstal und die Durchquerung der Mendel sind besonders reizvoll. Schwierig gestaltet sich in dieser Gegend die Suche nach geeigneten Unterkünften, so dass wir auf der Felixer Alm im Stall auf Heu schlafen mussten.

men südwärts. Kurz vor dem Grionkopf (2898 m) erreichen wir die Schweizer Grenze. Über den Grenzkamm steigen wir zur Rasasser Scharte ab, über den schrofigen und etwas ausgesetzten Gipfelgrat erreichen wir den Piz Rasass (2941 m). Am späten Nachmittag erreichen wir nach 8-stündiger Wanderung die Sesvennahütte (2258 m). Montag, 23. Juli Wir stehen um 6 Uhr auf, wie immer ist das Frühstück auf den Schutzhütten gut und reichlich, für die nächsten Stunden haben

Auf dem Gipfel der Hinteren Schöntaufspitze

Thomas Maier hat wiederum die einzelnen Etappen geplant und die Unterkunft für die Gruppe organisiert. 2007 – vom Reschenpass über den Ortler ins Martelltal Sonntag, 22. Juli Der Bus bringt uns frühmorgens von Bozen auf die Reschnalm (2020 m). Hoch über dem Rojental wandern wir über die Al-

unserer Tour rund um Südtirol erreicht. Durch das Avignatal, über die Mitteralm und die Magitzeralm führt unser Abstieg nach Taufers im Münstertal (1252 m). Die heutige Tagesetappe war mit 9 Stunden Gehzeit, 950 Hm Aufstieg, 1980 Hm Abstieg und 17,5 km recht anspruchsvoll. Dienstag, 24. Juli Bei leichtem Regen starten wir etwas später als geplant. Gleich zu Beginn geht es steil bergauf, die Luft ist feucht, es wird warm, wir schwitzen. Auf der Rifair-

Foto: Zenzi Martin

Aufstieg auf die Köllkuppe Foto: Alfred Profanter

wir genügend Energie getankt. Über die Sesvennascharte (2819 m) erreichen wir bald den Sesvennagletscher, Steigeisen, Klettergürtel, Seil und Helm kommen nun zum Einsatz, und die Besteigung des Piz Sesvenna (3205 m) kann beginnen. Der Gipfelgrat ist eisfrei, alles, was nicht gebraucht wird, bleibt in der Scharte zwischen Foratrida und Piz Sesvenna zurück. Wir haben den westlichsten Punkt

alm (2143 m) wird der Regen wieder stärker, wir „schermen“ in der Holzhütte und lassen uns vom Senner die Käserei erklären. Er hat lange Zeit in Bozen beim „Land“ gearbeitet, seit seiner Pensionierung genießt er das freie Leben im Heimattal. Das Wetter bessert sich, sodass wir vom Piz Chavalatsch (2764 m) aus die herrliche Aussicht über den oberen Vinschgau genießen können. Leider ziehen wieder

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Wolken auf, und wir müssen bald auf die Stilfser Alm (2078 m) absteigen. Mittwoch, 25. Juli Raus aus den Federn, das Wetter ist wunderschön, blauer Himmel und frische, kühle Luft empfangen uns vor der Hütte. Über die Furkelhütte (2155 m) und den Goldseeweg erreichen wir gegen Mittag die Franzenshöhe (2188 m). Den ganzen Vormittag haben wir den Ortler, unser morgiges Ziel, vor uns. Immer

Blick vom Roen über den Mendelrücken

näher kommen wir der Nordseite, sodass wir die Route genauer studieren können. Wir wollen den Gipfel von der Berglhütte aus über den Meraner Weg besteigen. Die Spannung steigt, wie wird das Wetter? Schaffen wir den anstrengenden und technisch schwierigen Meraner Weg? Wir genießen den Tag. Nach der Franzenshöhe wird die Sache allerdings komplizierter als gedacht. Durch den starken Rückgang der Gletscher ist der Drei-Ferner-Weg alles andere als einfach. Wir müssen immer wieder weit aufsteigen, um die Gletscherbäche zu überqueren. Erschöpft erreichen wir nach 11-stündiger Wanderung um 18.00 Uhr die Berglhütte (2192 m). Für den morgigen Gipfelsturm haben wir

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mit Bergführer Erich Gutgsell, Thomas Maier und Carletto Nicolodi drei wirkliche Experten, wir sind in guten Händen. Donnerstag, 26. Juli Um 3.30 Uhr werden wir vom Hüttenwirt geweckt, bei Kerzenschein wird gefrühstückt. Klettergürtel, Helm und Gamaschen werden vor dem Start angezogen, die Steigeisen und der Pickel bleiben vorerst im Rucksack. Mit den Stirnlampen geht es um 4.00 Uhr in den noch

Foto: Alfred Profanter

finsteren Morgen hinein. Der Meraner Weg ist länger als der Normalweg, der Höhenunterschied ist mit 1713 m um 850 m größer als von der Payerhütte aus. Der felsige Teil ist nicht gerade angenehm zu gehen, überall liegen Geröll und lose Steine herum. Um 7.30 Uhr erreichen wir das Eis und können die Steigeisen anziehen. Nun kommen wir schneller voran, um 9.30 Uhr stehen wir auf dem Ortler, mit 3905 m der höchste Gipfel Südtirols. Das Gefühl ist umwerfend, ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Die Gipfelrast dauert nur 15 Minuten, und dann geht‘s über den Normalweg bergab. Die zwei Schlüsselstellen, einen ungesicherten kurzen Grat und eine kleine Wand mit einem Ab-

seiler, meistern wir ohne Probleme. Um 14.30 Uhr sind wir auf der Payerhütte (3029 m). Nach 11 ½ Stunden Gehzeit erreichen wir um 16.30 Uhr die Tabarettahütte (2564 m) und können endlich die Bergschuhe ausziehen. Freitag, 27. Juli Wir starten um 6.30 Uhr, nach dem gestrigen Tag ist der erste Teil der heutigen Etappe recht angenehm. In nahezu ebener Wanderung erreichen wir gegen 9.00 Uhr die Hintergrathütte

Karl Mock, Toni Canestrini, Waltraud Rottesteiner, Carletto Nicolodi, Sepp Lechner und Alfred Profanter auf dem Ortlergipfel Foto: Zenzi Martin

(2664 m). Zwischen Hintergrat und Schaubachhütte überqueren wir große Gletschermoränen, teils Geröll, dann wieder Eis von Spalten durchzogen, im Untergrund hören wir die Gletscherbäche rauschen. Kann so ein Hohlraum in sich zusammenbrechen? Am Fuß der mächtigen König-Nordwand und der Suldenspitze geht es weglos zur Schaubachhütte (2612 m), über die Skipiste zum Madritschjoch (3122 m) und auf die Hintere Schöntaufspitze (3324 m). Auf dem letzten Gipfel der heurigen Bergwoche singen wir noch ein paar schöne Lieder, bevor wir

41 den langen Abstieg durch das unberührte Madritschtal beginnen, nach 9 Stunden Gehzeit erreichen wir die Enzianhütte (2053 hm) im hinteren Martelltal. 2008 – von Sulden nach Salurn Samstag, 26. Juli Treffpunkt um 4.45 Uhr in Bozen, mit dem Bus fahren wir nach Sulden und mit der ersten Seilbahn um 7.30 Uhr zur Schaubachhütte (2583 m). Die Tour kann beginnen. Nach etwa einer Stunde Wanderung über den Schutt der östlichen Randmoräne erreichen wir den Suldenferner, Jörgl Maier und Luis Kammerlander sind zusammen mit Thomas Maier unsere Experten für die schwierigen Touren. In Viererseilschaften geht‘s über den Gletscher auf die Suldenspitze (3376 m). Der Abstieg zur Casatihütte ist kurz und eisfrei. Von der Hütte geht es zuerst über den flachen Gletscher bis an den Fuß der steilen Nordwestflanke zwischen Zufallspitze (3757 m) und Cevedale (3769 m). Nun wird es steil, um 13.00 Uhr stehen wir auf dem Cevedalegipfel. Über die Zufallspitze geht es immer über Gletscher zur Fürkelescharte hinunter zur Marteller Hütte (2610 m). Nach 10 Sunden sind wir alle erschöpft und freuen uns auf die Hüttenpatschen.

Hoch über dem Reschensee

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Sonntag, 27. Juli Es regnet, die geplante Überschreitung der Veneziaspitzen müssen wir streichen, wir ändern unser Tagesziel und besteigen die Köllkuppe (3346 m). Jörgl und Luis kehren nach Bozen zurück. Carletto ist heute Morgen direkt von Bozen zu uns gekommen, er wird uns die nächsten zwei Tage begleiten. Um 8.00 Uhr starten wir los, der Regen hört bald auf, und um 11.00 Uhr stehen wir auf, dem Gipfel. Der Abstieg führt durch kombiniertes Gelände und ist relativ schwierig. Die Überquerung des Moosferners im Nebel ist wirklich nicht einfach, Orientierungssinn ist gefragt. Thomas und Carletto sind im weglosen Gelände zu Hause, und so erreichen wir zielsicher die Bocchetta di Saent (3143 m). Um 17.00 Uhr kommen wir auf der Dorigonihütte (2437 m) an und lassen uns das Bier so richtig schmecken.

Der Bonacossasteig Foto: Alfred Profanter

seilschaften und erreichen ohne Probleme den Gipfel. Tief unter uns liegt Ulten mit dem Grünsee und dem Weißbrunnsee. Die Höchster Hütte (2561 m) ist unser Zwischenziel. Über das Kirchbergjoch (2789 m) erreichen wir die Haselgruberhütte (2425 m).

Montag, 28. Juli Die Gastfreundschaft auf der Dorigonihütte lässt keine Wünsche offen. Um 7.00 Uhr früh starten wir zur Hinteren Eggenspitze (3443 m). Laut unseren Informationen sollte eigentlich ein Klettersteig auf den Gipfel führen. Es handelt sich nicht um einen Klettersteig im herkömmlichen Sinn, in Abständen von 15 bis 20 m sind fixe Haken im Fels einzementiert. Wir bilden Dreier-

Dienstag, 29. Juli Eine Reihe von „kleinen“ Gipfeln stehen heute auf dem Programm. Karspitze (2752 m) - Nebelspitze (2701 m) - Alplahnerspitze (2615 m), über den Bonacossasteig wandern wir zur Binagiaalm (2138 m). Obwohl es nicht besonders hoch hinaufgeht, sind Etappen dieser Art anstrengend, da sich An- und Abstiege den ganzen Tag über abwechseln. Auf den Almen beiderseits der Sprachgrenze fällt auf, wie eng die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Ulten und dem Nonstal sind.

Foto: Zenzi Martin

Mittwoch, 30. Juli Binagiaalm (2138 m) - Bonacossasteig - Mandelspitze (2395 m) - Murada- u. Valalm - Castrinalm (1813 m). Willi Gamper kennt die Gegend wie seine Westentasche, als Ultner Hütbub und später als begeisterter Bergsteiger war er in dieser Gegend oft unterwegs, so erfahren wir viel Wissenswertes über diesen Teil Südtirols. Der Bonacossasteig

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quert an der Waldgrenze das hintere Nonstal und ist wenig begangen. Immer wieder kommen wir an verfallenen Almen und verwachsenen Wegstrecken vorbei. Allerdings werden auch einzelne Almen restauriert und wieder bewirtschaftet. Ein Gewitter überrascht uns gerade, als wir an der Kesselalm vorbeikommen. Nach einer Stunde ist alles vorbei, und wir kommen trocken auf der Castrinalm an. Zwei junge Burschen und ein Mädchen aus dem Trentino bewirtschaften die Hütte und führen eine Käserei. Es gibt Trentiner Kost, Polenta, Käse und Bratwurst. Donnerstag, 31. Juli Nach dem Frühstück wandern wir über die Nonsberger Almen und das Laugenjöchl (2050 m) auf den Laugen (2434 m), gegen 9.30 Uhr erreichen wir den Gipfel und genießen die herrliche Aussicht über das Burggrafenamt bis nach Bozen. Das Wetter ist schön, sodass wir uns Zeit lassen können. Der Abstieg zur Laugenalm ist etwas mühevoll, der Steig ist ausgewaschen, teilweise gleicht er einem Bachbett. Ab dem Gampenpass (1518 m) beginnt die lange Durchquerung der Mendel. Auf der Felixer Alm (1633 m) erwartet uns eine Nacht im Heu. Freitag, 1. August Um 9.00 Uhr schauen wir vom Gantkofel (1850 m) aus nach Bozen, es kommt uns vor, wir sitzen im Flugzeug, die Welt liegt uns zu Füßen, der Mendelrücken ist ein wunderschönes Wandergebiet. Durch Wälder und Almwiesen wandern wir über den Penegal (1739 m) und den Mendelpass (1726 m) zur Romenoalm (1761 m). Die Hitze macht uns nun zu schaffen, von den vergangenen Tagen sind wir solche

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Temperaturen nicht gewohnt. Am Abend geht ein heftiges Gewitter nieder, sodass wir für den nächsten Tag mit schönem Wetter rechnen können. Samstag, 2. August Am letzten Tag dieser schönen und anstrengenden Woche wartet noch eine besondere Herausforderung auf uns. Am Abend werden wir 9 Stunden Gehzeit, 950 Hm Aufstieg, 2500 Hm Abstieg und ca. 25 km Strecke hinter uns haben. Von der Romenoalm aus brechen wir zeitig auf und stehen bald schon auf dem Gipfel des Roen (2110 m). Wir genießen den herrlichen Blick übers gesamte Unterland. In stetem Auf und Ab geht es über das Grauner Joch (1796 m) auf den Corno di Tres (1802 m). Dort beginnt der mühevolle Abstieg über Fennberg (1036 m) hinab nach Roverè della Luna (220 m)

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ins Etschtal, 1600 Höhenmeter liegen vor uns. Es wird immer wärmer, wir schwitzen, alles was möglich ist, wird ausgezogen. Die Füße brennen, die Bergschuhe sind viel zu warm, die Rucksäcke sind schwer. Müde und erschöpft erreichen wir Roverè della Luna. Im Dorfbrunnen kühlen wir die Füße ab, lassen uns „Gelati“ schmecken und warten auf unsere Freunde, die uns nach Bozen zurückbringen. Diese Wanderwoche hatte es in sich, vom ewigen Eis der Ortlergruppe zu den Weinreben ins Unterland. An der Sprachgrenze zwischen Südtirol und dem Trentino entlang haben wir die Vielfalt unserer Heimat erlebt. Im nächsten Heft „Rund um Südtirol Teil V“ - 2009 der Kreis schließt sich.

Impressum: Eigentümer und Herausgeber Alpenverein Südtirol, I-39100 Bozen, Vintlerdurchgang 16 Tel. 0471 97 81 41 · Fax 0471 98 00 11 www.alpenverein.it E-Mail: office@alpenverein.it Presserechtlich verantworlich Peter Pallua I-39100 Bozen, Montellostraße 11 Schriftleitung: Franz Mock I-39054 Unterinn/Ritten Hauptstraße 42 E-Mail: red.avs@marxegg.net Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 4/84 vom 27.1.1984 Druck: Athesiadruck Gmbh, Bozen Redaktionsschluss für das nächste Heft: 15.04.2011 Verkaufspreis (Einzelpreis): – für Mitglieder im Mitgliedspreis enthalten – für Nicht-Mitglieder 2,00 € Die Drucklegung dieser Zeitschrift wird durch die Kulturabteilung der landesregierung gefördert.

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Berge erleben - AVS Mitteilungen März 2011