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Nr. 09 | Mai 2009

ALPENPARK

KARWENDEL Magazin GRENZENLOS

Das bayerische Karwendel

INTERVIEWS

Dr. Gunther Heißel: Quellenforschung Helmut Berktold: Betreuung der Flussuferläufer

WASSERreich

Wildflüsse, Quellen und Moore im Karwendel

KINDERreich

Experiment: Wasserreinigung Tröpfchen auf Abenteuerreise

A L P E N P A R K

KARWENDEL


KARWENDEL | kategorie PROJEKTE 2009

Verein Alpenpark Karwendel beschließt die programmatische Ausrichtung der nächsten Jahre!

NATURSCHUTZ Managementplan Ahornboden

Seit Juli 2008 hat der Verein Alpenpark Karwendel gemeinsam mit zahlreichen Vertretern von Interessensgruppen und der Landesverwaltung die grundsätzliche programmatische Ausrichtung der nächsten Jahre im Rahmen des Karwendelprogramms 2013 erarbeitet. Die zukünftigen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Naturschutz, Tourismus und Umweltbildung. Die vereinbarten Ziele und Projekte sollen durch die Beteiligung der regionalen Akteure umgesetzt und mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden.

Neues Flussuferläuferprojekt Naturwaldreservate und Totholzinseln Almprämierung TOURISMUS

Karwendelprogramm 2013 Von Angebot für Besucher bis Weißrückenspecht

Tourismusplattform

Im Naturschutzbereich stehen in dieser Ausgabe die Lebensräume Wald, Wildfluss, Alm und Moor im Mittelpunkt der zukünftigen Ausrichtung. Der Weißrückenspecht als Leitart alter Wälder, der Flussuferläufer als Charakterart des Wildflusses und die Tanne als Problemkind der Nördlichen Kalkalpen sind bedeutend im Bereich Artenschutz.

Themenweg Eng Nature Watch Naturparkhaus Hinterriß Halltal: Beschilderung, Parkplatzgestaltung, Verkehrskonzept Angebotsentwicklung TVBs

Liebe Leserinnen und Leser!

Karwendelmarsch naturverträglich UMWELTBILDUNG Schulangebote: Karwendelolympiade, Naturerlebnistage, Alpenparktage, Expedition Karwendel Lehrerfortbildung mit Pädagogischer Hochschule Umweltbaustelle gemeinsam mit dem ÖAV KOMMUNIKATION Neue Homepage, Newsletter

Was macht das Karwendel so besonders und wie müssen wir zukünftig damit umgehen?

In den letzten Monaten hat sich der junge Verein gemeinsam mit zahlreichen Interessensvertretern diese und andere Fragen gestellt und daraus das Karwendelprogramm 2013 entwickelt. Lesen Sie mehr dazu unter KarwendelFÖRDERUNGEN. Manche Wasserlebensräume ändern sich beinah täglich, andere sind seit tausenden Jahren einfach da. Beides gibt es im Karwendel öfter als man denkt. Wir widmen dem Wasserreichtum als Hauptthema ausreichend Platz und lassen dazu den Experten und Karwendelkenner Dr. Heißl zu Wort kommen. Eine beständige Größe der Naturschutzarbeit im Karwendel ist Helmut Berktold. Unter KarwendelGESICHTER gibt er uns einen Einblick in seine Arbeit für den Flussuferläufer im Rißtal. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und einen erlebnisreichen und unfallfreien Sommer beim Aufenthalt im Karwendel! Walter Lechthaler und Hermann Sonntag

Karwendelmagazin

Im Tourismus haben Besuchereinrichtungen, -management und –angebote Priorität. Hierbei sind bereits 2009 Maßnahmen geplant, wie beispielsweise der Betrieb des neuen Naturparkhauses in Hinterriß, die Erneuerung des Themenweges in der Eng oder die Etablierung von „Nature watch“ gemeinsam mit Swarovski Optik und Tirol Werbung. Im Veranstaltungsbereich wird es zukünftig karwendel-kompatible Kriterien geben, die bereits beim neuen Antrag für den Karwendelmarsch Anwendung finden. In der Umweltbildung stellen die SchülerInnen im Pflichtschulbereich eine zentrale Gruppe dar. Zahlreiche Projekte, von der halbtägigen Karwendelolympiade bis zu drei Tage Naturerlebnis in der Eng, werden ab dem Frühsommer 09 für die Tiroler Schulen angeboten. Auch für LehrerInnen gibt es heuer erstmals im Rahmen der Sommerhochschule der PHT eine Fortbildung zum Alpenpark. Für Jugendliche findet gemeinsam mit dem Österreichischen Alpenverein vom 26. Juli bis 1. August wiederum eine Umweltbaustelle statt. Wir haben ein ambitioniertes Programm verabschiedet und laden alle ein, gemeinsam mit uns an der Umsetzung mitzuwirken!

Entwicklung von Schulungen und Plattformen für regionale Akteure

in Konzeption in Umsetzung / laufender Prozess

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K A R W E N D E L

Das genaue Programm finden Sie als Download unter:

http://www.karwendel.org

Karwendel Magazin Nr. 9 | Mai 2009

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Karwendel AKTUELL . . . . . . . . . . 4 Tourismustag Geschenk zum 80er eingelöst Umweltbaustelle Karwendel TITELSTORY . . . . . . . . 6 Wasserreich Karwendel Karwendel EXPERT . . . . . . . . . . 10 Gespräch mit Dr. Gunther Heißel Karwendel FÖRDERUNGEN . . . . 12 Naturschutzförderungen Förderrichtlinien Naturschutzpraxis Karwendel BEGREIFEN . . . . . . . 14 Alpenparktage im Karwendel Karwendel KIDS . . . . . . . . . . . . 15 Paulinchen auf Abenteuerreise Experiment: Wasserreinigung Karwendel WISSEN . . . . . . . . . . 16 Blumenesche in Nordtirol Karwendel GESCHICHTE . . . . . . 17 250 Jahre Seelsorge Karwendel PARTNER . . . . . . . . . 18 Nature Watch Karwendel GRENZENLOS . . . . . . 19 Das bayerische Karwendel Karwendel BUCHTIPPS . . . . . . . 20 3 Buchtipps und Autoren Karwendel TOURENTIPPS . . . . . 21 2 tolle Touren im Karwendel Karwendel ON TOUR . . . . . . . . . 22 Neuerungen und Termine Karwendel GESICHTER . . . . . . . 23 Interview: Helmut Berktold

Walter Lechthaler, Obmann des Vereins

Alpenparkstand für Veranstaltungen

noch nicht gestartet

Inhaltsverzeichnis

„Mit dem Karwendelprogramm 2013 ist unser größtes Tiroler Schutzgebiet gut für die Zukunft gerüstet.“ LHStv. Hannes Gschwentner

„Alpenpark Karwendel Magazin“ ist eine konfessions- und parteiungebundene Zeitschrift, die vom Verein Alpenpark Karwendel zwei mal pro Jahr herausgegeben wird. Redaktionelles Ziel: Information zu Bereichen im Alpenpark Karwendel und der Karwendel Region. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors wider und decken sich nicht unbedingt mit jener der Redaktion! Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: Verein Alpenpark Karwendel, Adolf-Klinge-Platz 72 6108 Scharnitz, E-Mail: info@karwendel.org Redaktion: Mag. Hermann Sonntag, Elisabeth Zech Grafische Gestaltung: comdesign.net | Werbeagentur Seefeld Bildquellen: Bernhard Ranger, Birgit Kluibenschädl, Elisabeth Zech, Gunther Heißel, Günter Haselwanter, Hermann Sonntag, Huber Karl-Rudolf, Jean-Pol Grandmont, Michael Schödl, Olympiaregion Seefeld, Otto Leitner, P.Buchner, Petra Nittel, Rudolf Hofer, Schlögl & Süß, Susanne Tscharner, Tiris, Tirol Werbung, www.tirol.gv.at, www.tirolwerbung.at Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

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aktuell | KARWENDEL

KARWENDEL | aktuell

1. Tourismustag

Geschenk zum 80er eingelöst

Mit Ende der ersten Sommersaison des Alpenparks Karwendel als Verein fand am 25. und 26. November der erste „Tourismustag“ im Haus Marillac in Innsbruck statt.

Bundesforste und Alpenpark nehmen Nachpflanzungen am Ahornboden wieder auf!

alle Teilnehmer der Fortbildung Ziel der Veranstaltung

Innsbruck, 25. und 26. November - Das Ziel der Fortbildungsveranstaltung war es, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der zum Karwendel gehörenden Tourismusverbände in den Alpenpark einzubinden und ihnen seinen Zweck sowie seine Ziele näher zu bringen. Die fünf geladenen Tourismusverbände - Achensee, Innsbruck und seine Feriendörfer, Silberregion Karwendel, Olympiaregion Seefeld, Region Hall-Wattens - waren beinahe vollzählig vertreten und nahmen damit die Chance wahr, den Alpenpark besser kennen zu lernen, wie auch eigene Erfahrungen und Wünsche aus der Besucherbetreuung einzubringen. 1. Tag - Vorträge und Einführung

Feedbackrunde

Vorträge zu den Themen Besonderheiten im Karwendel, Weitwanderwege (Via Alpina, Adlerweg), Schutzstatus und rechtliche Grundlagen legten im ersten Teil der Veranstaltung das Hauptaugenmerk auf die Vorstellung des Alpenparks als Erholungs- und Naturschutzgebiet.

In einer Feedbackrunde wurde die Möglichkeit des Austausches und der Informationsgewinnung durch den Tourismustag beiderseits sehr positiv wahrgenommen. Deshalb soll er in Zukunft regelmäßig stattfinden, um die Zusammenarbeit zu stärken und gemeinsam sinnvolle Projekte und Lösungen zu entwickeln.

2. Tag - Konzepterarbeitungen

Dank an alle Vortragenden

Am zweiten Tag der Veranstaltung erarbeiteten die TeilnehmerInnen in Kleingruppen Verbesserungsvorschläge bezüglich der Produktgestaltung (Kartenmaterial, Broschüren) und des Informationsmanagements (Alpenpark – TVB).

Wir bedanken uns recht herzlich bei den Vortragenden Christina Schwann (ÖAV, Via Alpina), Michael Rutter (Tirol Werbung, Adlerweg) und Andreas Lederer (Abteilung Umweltschutz Land Tirol, Rechtliche Grundlagen) sowie bei allen Teilnehmern des ersten Tourismustages. Elisabeth Zech

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Zum 80. Geburtstag des Alpenparks haben die Österreichischen Bundesforste ein besonderes Geschenk mitgebracht – die Nachpflanzung am Ahornboden. Bereits 2004 wurde vom Landesforstdienst, den Landesforstgärten, den ÖBf und dem Alpenpark Karwendel ein sog. Managementplan für den Ahornboden entwickelt und mit den Engbauern akkordiert, um den inzwischen sehr alten Ahornbestand auch für die Zukunft zu sichern. Nachdem 2004, 2005 und 2006 die Nachpflanzungen durchgeführt wurden, ist das Projekt in den letzten Jahren wieder etwas eingeschlafen. Die Bundesforste haben alle Ahornbäume der letzten Jahre kontrolliert, wo nötig ausgetauscht und neu eingezäunt. Diese Initiative gibt dem Projekt wieder einen neuen Impuls. Gemeinsam mit den Engbauern als Grundbesitzern werden in den nächsten Jahren – wie im Managementplan vorgesehen – autochthone (sprich einheimischer) Ahorn aus dem Landesforstgarten Häring (nach)gepflanzt. Ob die Nachpflanzungen erfolgreich sein werden, kann erst in vielen Jahren seriös beantwortet werden, denn es ist ein langer Weg vom Ahornsamen bis zum imposanten Ahornbaum. Hermann Sonntag

Die Steine rollen! 27.Juli - 02.August 2008 – Auf der Hasentalalm im Alpenpark Karwendel haben sich neun Freiwillige zusammengefunden, um ein Projekt des Österreichischen Alpenvereins (OEAV) in die Tat umzusetzen. Ziel dieser Umweltbaustelle ist es, aufgrund der Waldweideneuordnung der Agrarbehörde neue Weideflächen zu schaffen.

...zur Umweltbaustelle Durch die Neuregulierung wurde im Bereich des Niederlegers der Hasentalalm rund 130ha Servitutsgebiet, davon 42,5ha Wirtschaftswald und 87,5ha Schutzwald von der Weide auf Dauer freigestellt. Im Gegenzug wurden durch Rodungen und Auflichtungen Weideflächen im Ausmaß von 12,24ha geschaffen. Die Weide findet zukünftig nur noch auf diesen Weideflächen statt.

die freiwilligen Helfer bei der Arbeit Grundidee des Projekts

Die Grundidee der Umweltbaustellen des OEAV ist es jungen Menschen ab 16 Jahren die Möglichkeit zu bieten, sinnvoll in der Natur mitzuarbeiten und in der Gruppe neue Erfahrungen zu sammeln. „Wir schlafen am Heuboden und duschen im Wasserfall“

Neben dem motivierten Arbeiten kommt auch der Freizeitspaß für die Teilnehmer nicht zu kurz. „Im guten Einvernehmen und konstruktiver Zusammenarbeit zwischen dem Weideberechtigten und den Österreichischen Bundesforsten wurde dieses Weiderecht in Form der Trennung von Wald und Weide neu reguliert. Durch diese Maßnahme wird dieser

Waldteil nachhaltig entlastet und gleichzeitig eine hochwertige Weidefläche geschaffen.“ (Revierleiter der Österreichischen Bundesforste ÖBF-AG Silvester Rainer)

behält den Überblick und Franz Legner von der Tiroler Landesregierung, Vater dieser Umweltbaustelle, ist der starke Mann hinter der Motorsäge.

Arbeitsaufgaben

Ehrenamtliche und professionelle Arbeiter packen an

Die Arbeitsaufgaben bestehen aus Schwenden von Sträuchern, Steine zusammentragen, die liegen gebliebenen Äste und Unkräuter auf der Weide zu entfernen, sowie die Zuleitung zu einer Viehtränke zu errichten. Außerdem werden die gerodeten Flächen begrünt. Die Teilnehmer werden bei ihrer unentgeltlichen Arbeit von erfahrenen Fachleuten betreut: Wie Heugabel und Sense zu handhaben sind, erklärte der Almbesitzer Herr Wurm. Doris Walter vom Alpenverein

„Die Umweltbaustelle des Alpenvereins stellt für uns eine gute Mischung aus ehrenamtlichen Engagement und professioneller Betreuung dar. Wir freuen uns, dass diese im Alpenpark stattfindet und wollen Umweltbaustellen in Zukunft forcieren.“ (Geschäftsführer Hermann Sonntag) Durch die liebevolle Bewirtung der Almbesitzer Herr und Frau Wurm und die enge Zusammenarbeit, wird die Woche auf der Alm ein unvergessliches Erlebnis für alle Teilnehmer. Unterstützung

Unterstützt werden die zahlreichen Umweltbaustellen und Bergwaldprojekte des OEAV durch das Lebensministerium. Elisabeth Zech

http://www.karwendel.org/de/naturschutz

Natur erleben - Spaß haben

Die Sense zu dengeln, will gelernt sein! K A R W E N D E L

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KARWENDEL | titelstory

titelstory | KARWENDEL

Reichtum Karwendel

WASSERreich Brunnen, kleine Feuchtgebiete, sumpfige Moore, das rauschende Wasser vom Rißbach, dem Karwendelbach oder der Isar. Der Wasserreichtum im Alpenpark wird laufend von über 350 Quellen im Karwendel gespeist. Über 30 dieser Quellen zählen zu den sogenannten Großquellen.

Bergmolch

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Moorlandschaft am Juifen

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facts | KARWENDEL

KARWENDEL | facts

Steinfliegenlarve

Quellen treten überall dort an die Oberfläche, wo der Wasserstand im Berg hoch genug und eine natürliche Abdichtung, zum Beispiel eine Tonschicht, vorhanden ist. Die größten, wie die Mühlauer Quellen oder die Quellen zwischen kleinem Ahornboden und Falkenreisen, schütten mehr als 500l/sec Wasser aus. Das Karwendelwasser ist aufgrund des geringen Verkarstungsgrades und der langen Verweildauer im Berg von insgesamt 8 Jahren von ausgezeichneter Qualität. 10% des Wassers dienen unserer Trinkwasserversorgung, beispielsweise die Mühlauer Quellen, die das Fundament der Wasserversorgung in der Landeshauptstadt Innsbruck sind. Wildflüsse

Dass sich im Karwendel immer noch viele Wildflüsse ausdehnen dürfen, verdanken wir den großen nicht besiedelten Bereichen. Unverbautes Wasser ist in Mitteleuropa selten geworden. Immer mehr Gewässer fallen der Energieversorgung zum Opfer. Der gestaute und verbaute Fluss ist die Regel. Die Isar

Sillberwurz

Die Isar ist im oberen Teil weitgehend unberührt und wie ein Kleinkind darf sie sich in diesem Abschnitt noch ungezogen benehmen. Erst ab der bayerischen Grenze muss sie – zumindest abschnittsweise – erwachsen werden. Sie beginnt ihre Reise „Bei den Flüssen“ im Hinterautal bei Scharnitz, weiter um das Karwendel und mündet bei Plattling, kurz vor Passau, in die Donau. Der Isarursprung selbst ist am Ufer mit dunkelgrünen Moosflächen ausgepolstert, weich und sanft und für viele Wanderer ein Ort der Ruhe und Besinnung. Folgt man dem wachsenden Strom Richtung Tal, rauscht das Wasser in einer typischen Wildflussland-

schaft: Quellentöpfe, tiefe Schluchten und große Umlagerungsstrecken mit Tausenden Kubikmetern von Schotter (sog. Geschiebe).

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1988

Juifen

Moore

Hinterriß 1556

Neben der Fahrstraße nach Scharnitz gibt es ein unscheinbares Feuchtgebiet. Nichts Besonderes – auf gut tirolerisch „a Lacken eben“ - wie sie überall zu finden ist. Der Wert von Kleinund Kleinstbiotopen wird gering geschätzt. Deswegen verschwinden sie zunehmend aus unserer Landschaft. So wurden beispielsweise nur 13,7 % von 424 Tiroler Gewässern als weitgehend natürlich eingestuft. Der Rest leidet unter der Nutzung der Menschen. Vor allem in Kleinbiotopen unter tausend Höhenmeter. Im Randbereich der Isar, dort wo sich eben diese „Lacken“ bilden, beobachtet man im Alpenpark manchmal noch den Bergmolch. Er ist einer der fünf im Karwendel beheimateten Amphibienarten. Mit seinen typischen, etwas tollpatschig

Karwendelh. 2745

Risser Falk 2413 Hochalmsttl. 1803

Köcherfliegenlarve

Plumsjoch

Pertisau

1630

Sonnjoch 2547 Gramai A.

2749 Birkkarspitze

1940 2547 Hallerangerh.

Pfeishütte Hafelekarspitze Reith bei Seefeld

G. Bettelwurf 2726 Gnadenwald

2334

0

2.5

5

10km

Bildquelle: http://tiris.tirol.gv.at/

wirkenden Händen planscht er zwischen Gräsern und Algen. Nach der Winterruhe kommen die Tiere im Februar oder März ans Wasser und ziehen in ihrem frühsommerlichen Paarungsspiel das besondere Wasserkleid an. Seine samtene Haut ist beim Männchen im Frühjahr wie einer Forelle gepunktet. Der Bauch leuchtet in orange-gelben Tönen. Moore

Eintagsfliegenlarve

Plumsjochhtt.

Östl. Karwendelspitze 2537

Feuchtgebiete

WASSERFACTS - Hätten Sie gewusst, dass... es im Alpenpark 350 Quellen gibt die größten Quellen mehr als 500l pro Sekunde ausschütten unverbaute Flüsse die Verbreitung von Pflanzen und Tierarten fördern mehr als 80% der europäischen Flüsse verbaut sind die deutsche Tamariske vom Aussterben bedroht ist die Isar zu den natürlichsten Flüssen der Alpen zählt Wasser im Karwendel 8 Jahre gefiltert wird 0,16 % der Fläche des Alpenparks Moorfläche ist Moore einen Beitrag zum Hochwasserschutz liefern bereits 5 Moore im Alpenpark revitalisiert wurden Moore ca. 15.000 Jahre alt sind der Sonnentau im Achenwald-Bächental „Fleisch“ frisst

genutzte Quellen

Die ständige Dynamik, die dauernd neue Lebensräume bildet, ist für eine ganz spezifische Lebenswelt - wie für den Flussuferläufer und den Sand-Laufkäfer überlebensnotwendig. Unter Wasser fühlen sich die Steinfliegenlarven in den Wildflüssen besonders wohl. Elfenbeinfarben und mit zwei langen Schwanzfäden drängen sie an die Uferbänke. Sie liefern wichtige Eiweiße für die Fischfauna und gelten als Leckerbissen unter den Jägern. Auch sie sind ein Zeichen für absolut saubere Wildflüsse und verschwinden bei zunehmender Wasserverschmutzung. Die typischen Uferpflanzen wie die Lavendel-Weiden und die Tamarisken wachsen im Karwendel noch zahlreich. In Mitteleuropa sind die Untergrund stabilisierenden Pflanzen im Bestand allerdings stark gefährdet.

Sandlaufkäfer

... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...

Moore

Quellen

Flora & Fauna im Karwendelgebiet

Die so genannten „Methusaleme“ unter den Biotopen im Karwendel befinden sich hauptsächlich im Achenwald-Bächental. Hier konnten sie durch eine Kombination aus genügend Niederschlagsüberschuss und dem entsprechenden Bodenuntergrund nach der letzten Eiszeit vor ca. 15.000 Jahren insgesamt 14 Nieder- und Hochmoore bilden. Mit ihrer Größe von 1,2 km² sind sie nicht mit den richtigen Moorlandschaften im bayerischen Voralpenland, wie dem Murnauer Moos bei Garmisch (32km²) oder der Kendlmühlfilze im Landkreis Traunstein zu vergleichen. Ungeachtet dessen bieten die Karwendelmoore „kleine aber feine“ Lebensräume, die seltenen

Pflanzen wie dem fleischfressenden Sonnentau Heimat bieten. Moorrenaturierung

Gemeinsam mit den österreichischen Bundesforsten, der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol und der Universität Wien ist es gelungen, zahlreiche Moore in den letzten Jahren zu renaturieren. Das heißt konkret, dass Wasserstände erhöht, Verhandlungen mit Grundbesitzern bezüglich Weidefreistellung geführt und Langzeit-Beobachtungen etabliert wurden. Die bereits durchgeführten Maßnahmen zeigen inzwischen Wirkung, denn das Leben in den Mooren kehrt zurück. Somit kann ein kleiner aber wichtiger Puzzlestein im Karwendel wieder seine volle Funktion erfüllen.

Hermann Sonntag

Dank für Informationen & Bildmaterial: Otto Leiner, Gunther Heißel, Robert Mühlthaler, Rudolf Hofer, Günter Haselwanter Literatur: Landmann, A., Lehmann, G., Mungenast, F., Sonntag, H. (2005): Die Libellen Tirols, Berenkamp Verlag, 324 pp. Haselwanter, G. (2007): Moormanagement im Alpenpark Karwendel, 1. Zwischenbericht im Auftrag der Österreichischen Bundesforste AG, 9p.Haselwanter, G. (2008): Schutz- und Managementkonzept für ausgewählte Moore im Alpenpark Karwendel, Dissertation, 230p.Heissel, G. (1993): Die Hydrogeologie der Mühlauer Quellen im Lichte geologischer und strukturgeologischer Erkenntnisse unter Einbeziehung besonderer Aspekte der Geologie Tirols. - Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung IIIg, Landesgeologie Tirol Heft 1, 44p. Steiner, G.M. (1992): Österreichischer Moorschutzkatalog, Grüne Reihe des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, Band 1, 509 pp.

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expert | KARWENDEL

KARWENDEL | expert

Karwendel EXPERT

Im Gespräch mit Dr. Gunther Heißel Dr. Gunther Heißel ist Landesgeologe in Innsbruck und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Erforschung der Quellen im Karwendel. Auf der Suche nach Experten zum Thema „Wasser und Geologie im Karwendel“, ist man bei ihm und seiner Kollegin Mag. Petra Nittel an der richtigen Adresse.

Für viele Karwendelbesucher ist es eher unvorstellbar, dass sich im Kalkgestein des Karwendels große Wasserreserven befinden. Umso spannender war das Gespräch mit Dr. Heißel über das so reiche Quellvorkommen im Karwendel und die Gründe dafür.

Wie weit geht die Quellforschung im Karwendel historisch zurück?

Der erste war sicher der Innsbrucker Geologe Dr. Otto Ampferer. Er hatte ja letztendlich die Idee, bei den Mühlauer Quellen - ursprünglich natürliche Austritte oberhalb der Mühlauer Klamm - das Wasser unterirdisch zu fassen. Durch die Kriegsführung des 2. Weltkrieges konnte er diese Idee dann auch verwirklichen. Er ist dabei für heutige Begriffe eigentlich sehr modern vorgegangen und hat zum Beispiel während den Arbeiten die Quellen beweisgesichert. Die nächste Stufe war dann, die Quellen unterirdisch durch Stollen zu fassen. Der Gedanke, die Quellen unterirdisch zu fassen, und die Art wie er dies durchführen ließ war sehr „revolutionär“. Die Trinkwasserversorgung von Innsbruck ist ständig aufrecht erhalten geblieben, obwohl man im Grundwasser vorgetrieben hat.

Es gibt viele Orte, wo das Wasser im Untergrund gestaut und zum Austreten gezwungen ist. Hiefür sind abdichtende Gesteine (zum Beispiel Tonschiefer) verantwortlich und es auch das Kalkgestein im Karwendel ist nicht so homogen, wie viele glauben. So gibt es eben viele Gründe, warum das Karwendel doch nicht so wasserarm ist, wie man beim ersten Hinsehen vielleicht annimmt.

Wie kann man dem Laien den Bergwasserspiegel erklären?

Den Bergwasserspiegel kann man sich schon am ehesten als Linie im Berg drinnen vorstellen. Sie bildet einen raschen, unmittelbaren Übergang von der ungesättigten – trockenen – Gesteinszone in die darunter liegende gesättigte – wasserhaltige – Zone.

Man muss sich Bergwasser überhaupt so vorstellen, dass es im Wesentlichen nur in den feinen Trennflächen des Gesteins drinnen ist, die im Karwendel, teilweise auch geringfügig karstartig aufgeweitet sind und in ehemaligen Hohlräumen. Denn dies waren ja zum Teil Riffoder Lagunengesteine, und zwischen den alten Riffbiogenen hat es eben auch schon früher, zu deren Lebzeiten, Hohlräume gegeben. Die gibt es vielfach auch jetzt noch, nur ist eben damals Salzwasser durchgeflossen, und jetzt fließt teilweise Süßwasser durch.

Sie haben erwähnt, man kennt alle Quellen im Karwendel. Von welcher Anzahl von Quellen sprechen wir hier?

Da müsste ich zählen (lacht), das weiß ich auswendig nicht. Von denen, die wir Großquellen

Wie groß ist der Wissensstand zum Thema Quellen im Karwendel?

Im Karwendel ist eigentlich jede größere Quelle bekannt.

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Der Grund dafür ist die lange Zeit, die das Wasser im Untergrund verbleibt aufgrund des geringen Verkarstungsgrades. Das beste Beispiel sind hier die Mühlauer Quellen, wo das Wasser im Mittel 8 bis 14 Jahre im Untergrund ist. Also vom Hineinregnen, bis es wieder heraus kommt. Das heißt, wir sind hier von einer Kontamination durch Bakterien Jahre entfernt, wenn man sich vorstellt, dass Grundwässer beispielsweise zumindest 60 Tage benötigen, um keine Bakterien mehr zu enthalten. Wir haben hier teils Aufenthaltszeiten von Jahrzehnten. Hier liegt der Schlüssel für die ausgezeichnete Wasserqualität. Natürlich gibt es auch Quellen mit kürzerer Aufenthaltszeit, das sind dann die wenigen, die vielleicht nicht so hochwertig sind.

Sind die dann oberflächlicher oder woher kommt das?

Der Laie stellt sich das Kalkgestein meist sehr trocken vor. Was sind denn nun die Voraussetzungen, dass sich hier eine Quelle bilden kann?

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„Wir sind hier von einer Kontamination durch Bakterien Jahre entfernt.“

Was macht eigentlich die ausgesprochen hohe Wasserqualität aus?

„Jedoch gerade das Karwendel besitzt eine Vielzahl von sehr großen Quellen.“

Ja das stimmt, man denkt, dass das Wasser im Kalkgestein nur durchfließt, sodass höchstens ganz unten am Talboden vereinzelt Quellen auftreten sollten. Jedoch gerade das Karwendel besitzt eine Vielzahl von sehr großen Quellen.

nennen - also zumindest im Schüttungsbereich von 10 Liter - gibt es etwa 50-60, wobei die größten Quellen teilweise mehrere tausend Sekundenliter hervorbringen. Ja, und die kleinen Quellen habe ich nicht gezählt.

Stollen im Halltal

Die sind oberflächlicher, wie zum Beispiel die Isarquellen, welche zwar landschaftlich sehr schön sind, jedoch aus dem derart schottrigen Talboden des Hinterautals entspringen und in diesem durchlässigen Talschutt eine sehr lange Strecke durchfließen. Diese können dann natürlich leichter durch oberflächliche Einträge beeinträchtigt werden.

Sie haben ja auch den Quellenwert beschrieben, kann man ungefähr angeben, wie viel des Wassers für Trinkwasser genutzt wird?

Ich würde schätzen, dass es nicht einmal 10% sind. Die prominentesten gefassten Quellen sind hier die Mühlauer Quellen und diese sind nicht einmal die größten Quellen im Karwendel.

Wenn wir bei den Superlativen bleiben, was ist denn die größte Quelle im Karwendel?

Die größten Quellen im Karwendel sind hinten im Bereich Karwendeltales. Das sind Quellen, die auch im Winter noch kräftig schütten, wie auch die Spritzquelle. Dann gibt es Großquellen, die Teile eines gesamten Quellhorizontes bilden, zum Beispiel im Johannestal. Würde man diese also theoretisch alle nützen wollen, wäre sehr viel Potential vorhanden.

Sie sind sehr viel im Karwendel unterwegs, gibt es für Sie dort einen Lieblingsplatz?

Ich muss sagen im Karwendel tue ich mich doch sehr schwer, einen besonderen Platz zu nennen. Generell ist es dort beinah überall wunderschön. Aber sicher einer meiner Lieblingsplätze ist der Almbereich Lafatscher Hochleger-Hinterödalm und dort gibt es einen kleinen See, da heißt es „Beim See‘le“. Vielleicht ist das der Lieblingsplatz.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hermann Sonntag & Elisabeth Zech

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förderungen | KARWENDEL

KARWENDEL | förderungen

Naturschutzförderungen im Alpenpark Karwendel

Umsetzung des neuen Fördersystems im Karwendelprogramm 2013

Naturschutzförderungen haben im Alpenpark bereits Tradition! Schon seit vielen Jahren werden im Alpenpark Karwendel Naturschutzprojekte mit Fördermitteln des Naturschutzes unterstützt und durchgeführt.

Für die nächsten Jahre sind seitens des Alpenparks zahlreiche Projekte geplant unter anderem Projekte im Bereich der Waldumweltmaßnahmen.

Moorrenaturierungen

Landschaftsschutz: Schindeldächer

Naturwaldreservate

Neue Konzepte im Jahr 2009

Feuchtgebietsschutz

Zum Landschaftsschutz im Karwendel leistet die Naturschutz-Förderung über die Erhaltung und Erneuerung von traditionellen Schindeldächern und Zäunen einen wichtigen Beitrag. Dadurch können alte Handwerkstechniken unter Verwendung heimischer Holzarten weiter durchgeführt werden.

Naturwaldreservate sind urwaldartige Waldteile, die für die natürliche Entwicklung des Ökosystems Wald bestimmt sind und in denen jede unmittelbare Beeinflussung unterbleibt. Sie sind somit ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung und natürlichen Entwicklung der biologischen Vielfalt und dienen der Forschung, der Lehre und der Bildung. Interessierte Waldeigentümer werden über einen zivilrechtlichen Vertrag verpflichtet, die Nutzung zu unterlassen, und werden im Gegenzug für ihren wirtschaftlichen Entgang entschädigt.

Weiters ist für 2009 die Erarbeitung von Konzepten zum Naturschutz auf den Almen geplant. Das Mosaik an unterschiedlichen Lebensräumen auf den Almen ist das Ergebnis einer alten standortangepassten Almwirtschaft und soll auch in Zukunft durch die naturverträgliche Bewirtschaftung der Almen aufrecht erhalten werden.

Auch der Feuchtgebietsschutz im Karwendel bleibt im Augenmerk der Naturschutzförderung. Alle diese genannten Maßnahmen und vieles mehr fügt sich sehr gut in das derzeitige Fördersystem ein und stellt eine große Chance für partnerschaftliche Naturschutzarbeit in Schutzgebieten wie dem Alpenpark Karwendel dar!

Die Renaturierung und Weidefreistellung der wertvollen Moorbiotope im Bereich Achenwald – Bächental tragen zur Erhaltung einer naturkundlichen Besonderheit des Schutzgebietes bei. Seit 2002 wurden laufend Moore weidefrei gestellt sowie Renaturierungsmaßnahmen zur ökologischen Gesamtverbesserung durchgeführt. Im Zuge dieses international bedeutenden Renaturierungsprojektes wurden wesentliche Grundlagen für ein langfristiges Monitoring geschaffen. Vegetationskarten, Dauerbeobachtungsflächen, Managementpläne,... Artenschutz: Flussuferläufer

Auch zum Schutz sensibler Arten im Alpenpark Karwendel wie z.B. dem Flussuferläufer werden bereits seit Jahren Fördermittel eingesetzt. Der Flussuferläufer gehört zu den wenigen Watvögeln, die in Tirol brüten. Das Leben dieses Watvogels ist streng an naturbelassene oder naturnahe Abschnitte von Flüssen und Bächen gebunden, in denen die Kraft des fließenden Wassers noch für eine ständige Dynamik sorgt. Der Rißbach weist

geeignete Lebensräume noch in hervorragender Ausprägung auf, womit sich im Rißtal das höchstgelegene Brutvorkommen im Alpenraum befindet. Fördermittel werden hier für die Abzäunung der Bruträume in der Zeit des Viehauftriebs bzw. während der Wandersaison eingesetzt. Nachpflanzaktion: Ahornboden

Am Großen Ahornboden richtet sich das Ziel der Schutzmaßnahmen auf die Erhaltung und Sanierung des einzigartigen Bergahornbestandes. Mit Hilfe von Fördermitteln werden Pflanzmaterial und Arbeitsleistungen unterstützt, die entsprechend dem Managementplan für den Großen Ahornboden verwendet werden.

Daniela Pöll

Umweltbildung / Öffentlichkeitsarbeit

Auch im Bereich der Umweltbildung („Karwendelolympiade“) und Öffentlichkeitsarbeit wurden bereits viele engagierte Aktionen in der Region finanziell unterstützt. Dies wird im Jahr 2009 fortgesetzt und verstärkt – auch mithilfe der Fördermittel im Rahmen der ländlichen Entwicklung.

Schindeldach, Hochalm Karwendeltal

FÖRDERRICHTLINIEN als große Chance für Schutzgebiete wie den Alpenpark Karwendel!

Naturschutzpraxis - Von der Idee zum Antrag

Aufbauend auf den Beschluss der Tiroler Landesregierung im Oktober 2008 ist es der Abteilung Umweltschutz gelungen, das vielfältige Angebot an Fördermöglichkeiten im Naturschutz in Tirol zu vereinheitlichen. Die wichtigsten Vorteile der neuen Richtlinien sind: • mehr Information und Transparenz für die Öffentlichkeit über die Fördermöglichkeiten im Natur- und Landschaftsschutz • Vereinheitlichung der Prämien für ganz Tirol • Aktualisierung der Förderinhalte auf den Stand der Technik und Wissenschaft • effiziente Nutzung der EU- und Bundesmittel über das Programm der Ländlichen Entwicklung 2007 bis 2013 • Belebung des Projektwettbewerbes • Vereinfachung in der Abwicklung der Förderungen

Antrag

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Schutzgebietsarbeit

Umweltbildung/ÖA

Landschaftsschutz

Artenschutz

Lebensräume

Forschung u. Planung

Bewertung

Die Ziele der Förderungen im Naturschutz gliedern sich in sechs Themen

Eine Übersicht dazu ist auch auf der Homepage des Landes Tirol zu finden:

Archiv

Idee

Naturschutzförderungen für

• Lebensräume bewahren, pflegen und schaffen • besondere Arten schützen und fördern • traditionelle Landschaftsstrukturen erhalten • durch Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren • Schutzgebiete betreuen • Grundlagen und Pläne für die Naturschutzarbeit schaffen

Abschluss

Bewilligung

Umsetzung Evaluierung

Konzeption ca. 3 Monate

1. Teilrechnung

2. Teilrechnung

3. Teilrechnung

Damit eine gute Idee für ein Naturschutzprojekt in der Praxis auch wirklich umgesetzt werden kann, bedarf es zuerst eines Konzeptes: Ziele, Maßnahmen und Kosten sollen schon zu Beginn im Detail geplant werden. Die Mitarbeiter des Alpenparks Karwendel können schon in der Planungsphase mit einbezogen werden. Durch eine gute Maßnahmenplanung ist es auch für die Verwaltung möglich, den Antrag zeitgerecht zur Bewilligung zu bringen. Während der Umsetzung eines Projektes erleichtern Zwischenberichte die Kontrolle des Arbeitsfortschrittes. Nach Abschluss sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden und eventuell darauf aufbauend neue Ideen und sinnvolle Maßnahmen für den Naturschutz entwickelt werden.

http://www.tirol.gv.at/themen/umwelt/naturschutz/foerderungen/

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kids | KARWENDEL

KARWENDEL | begreifen

Alpenparktage im Karwendel

Tröpfchen auf Abenteuerreise

WALDreich – WILDreich – WASSERreich … … das ist ein Teil des REICHtums von unserem Alpenpark Karwendel! Und genau diesen Reichtum möchten wir den Schulkindern in den Alpenparkgemeinden zeigen.

Ab dem Frühjahr 2009 wird es im Alpenpark Karwendel die Alpenparktage geben: Das eintägige Angebot richtet sich an Schulklassen von der 3. bis zur 6. Schulstufe. Abenteuerliches Programm für Schüler - Lebensraum Karwendel

Die Hauptthemen sind Wald, Wild und Wasser. Es geht dabei um den Lebensraum Karwendel für Tiere und Pflanzen, um die Artenvielfalt, um besondere Plätze und einzigartige Landschaftsteile. Mit einem abwechslungsreichen Programm sollen Tiroler Schülerinnen und Schüler auf die Natur rund um ihre Heimatgemeinde aufmerksam gemacht werden. Sie sollen sensibilisiert werden für einen Lebensraum, den sie selber mit ihrer Familie als Erholungsraum nutzen oder erst kennen lernen. Auf dieser Erlebnisreise durchs Karwendel gilt es, mit unseren Experten viele einzigartige und spannende Dinge zu entdecken:

Erlebnisreise

Wie werden kleine Bäume groß? Welche Wildtiere leben im Alpenpark? Was lebt in einem Gebirgsfluss? Woran erkennt man die verschiedenen Bäume im Alpenpark? Welche Spuren hinterlassen die Tiere? Was ist ein Flussuferläufer?

Ausgerüstet mit einem Alpenpark-Tagebuch, viel anschaulichem Material und zwei Experten aus den Bereichen Natur- und Umweltpädagogik, Biologie, Forst und Jagd machen wir uns auf den Weg, um diese Fragen und mehr zu beantworten.

Der Tag startet umweltfreundlich mit einer Fahrt mit der Karwendelbahn der ÖBB von Innsbruck nach Scharnitz. Von dort geht es dann gleich weiter mit der Karwendelkutsche von Josef Draxl ins Hinterautal, eines der vielen Karwendeltäler. Dort angekommen gibt es „Natur zum Angreifen“. Individuelles Programm

Von unseren Experten wird ein Programm zusammengestellt, das auf die Wünsche der jeweiligen Klasse Rücksicht nimmt. Durch verschiedene Spiele und Aktionen lernen die Kinder auf kreative Art und Weise die Besonderheiten im Alpenpark Karwendel kennen. Sie lernen aber auch, wie man sich in einem Schutzgebiet verhält und dass man mit der Natur behutsam umgehen muss.

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de/schule

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Paulinchen wachte auf, als etwas Raues unter ihrem Popo kratzte. „Sand“, rief sie mit Begeisterung, „ endlich!“ Während sie an Kamele, Sonne und Meer, Italien und mit Pudding gefüllte Nachspeisen dachte, sickerte sie ein. Ihr Freund Trudel, sie hatte ihn in der Wolke kennengelernt, stöhnte. „Meine Hände tun weh, der Sand ist so schwer wegzuschaufeln. Ich habe Hunger.“ Paulinchen hatte noch ihr Würstchen dabei und gab es Trudel. Gemeinsam ging es weiter. Trudel rutschte jetzt ein klein wenig schneller nach unten. Er hatte mehr gegessen als sie. „Kies“, schrie er plötzlich. Paulinchen dachte sofort an Geld. Ein Schatz, hier? Sie konnte es nicht glauben und sie bemühte sich ihn einzuholen.

Alle Karwendelforscher erhalten eine Erinnerungsurkunde

Für den Unterricht in der Schule gibt es noch eine Projektmappe mit interessanten Unterlagen zum Mitnehmen. Der Abschluss eines Alpenparktages wird gekrönt durch die Urkundenverleihung für die fleißigen „Karwendelforscher“, die dann alle wissen, wo die Isar entspringt, wie ein Ahornblatt aussieht und dass das Reh nicht die Frau vom Hirsch ist.

Nein, kein Geld, beschwichtigte Trudel. Paulinchen war enttäuscht. Neues Spielzeug und ein paar Süßigkeiten fände sie schön. Trudel erzählte ihr, dass Kies immer kurz vor der Quelle kommt. Er überschlug sich fast vor Begeisterung mit seiner Stimme. „Bald sind wir da.“ Paulinchen wunderte sich was das bedeuten solle. Trudel beschrieb die große Öffnung „Bei den Flüssen“, wo sich fast alle Tropfen im Karwendel treffen. „Wenn wir da durch sind, kommen wir an die Tonschicht und dann sind wir schon fast in Scharnitz“, schwärmte er.

Bei der abwechslungsreichen Führung durch den ERLEBNISreichen Alpenpark Karwendel erleben wir also WALDreiche, WILDreiche oder WASSERreiche Tage.

Birgit Kluibenschädl rwendel.org/

Ganz langsam sickerte Paulinchen nach unten. Sie begegnete dem Regenwurm, der sie an der Seite kitzelte. Paulinchen hatte Angst. „Hoffentlich piekst er nicht“, dachte sie. Langsam kroch er vorbei. Dieses blinde Ringelwesen schien sie nicht zu bemerken. Gott sei Dank! Sie beruhigte sich erst, als der rotbraune Schwanz hinter einer Wurzel verschwand. Aber nicht nur Würmer kitzelten. Das haarige Gestrüpp rechts und links war genauso lästig und es roch nach Pilzen und Schimmel. Nur mühsam ging es vorwärts und dabei schlief sie ein.

Natur zum Angreifen

Wir freuen uns schon auf all die Schulklassen, die von diesem Angebot Gebrauch machen.

http://www.ka

„Ich platze“, keuchte Paulinchen, als sie kurz vor der Pleisenhütte vom Himmel auf die Erde fiel. Der erste Aufprall war neben einer Kuh, auf wippendem Gras.

Diese Veranstaltung wird vom Tiroler Jägerverband und der Stadt Innsbruck unterstützt.

Paulinchen fühlte sich wohler. Sie liebte es schnell zu fließen und spürte das kommende Abenteuer. Von Weitem hörte sie schon das rauschende Wasser und freute sich.

BECHE

RLUPE

Für dich als Entd ecker u Sie pas nd Aben st gut in teurer in jeden R der Natu tung au ucksack r ist die f deinen und kan Becherl abenteu n Tiere un so als T upe perf erlichen d Pflanz eil dein ekt. Expedit en verg er Forsc io n e n helfen rößern u herausrü . Du kan nd entd snst dam eckst ne it kleins ue und te abenteu erliche Details!

EXPERIMENT Wasserreinigung Ja, du kannst schmutziges Wasser wieder sauber machen! Wie in der Geschichte über die Entstehung einer Quelle muss jedes Wasser durch die verschiedensten Schichten im Boden. (Stein, Geröll, Sand,...) Je feiner die Schicht, umso mehr Schmutz bleibt im Boden hängen, und umso sauberer wird dein Wasser.

Für das Experiment brauchst du: • 1 TRICHTER u. 1 feines SIEB (10cm Durchmesser - frag deine Eltern) • einen KAFFEEFILTER • eine kleine GIESSKANNE • einen TEELÖFFEL oder ESSLÖFFEL • 3 GLÄSER (z.B. von Essiggurken) • ERDE • GROBEN KIES (Steinchen 1-2 cm) • sauberer SAND (aus der Tierhandlung)

LOS GEHT‘S! Nimm die Gießkanne und befülle sie mit Wasser. Danach nimmst du die Erde (ca. eine Hand voll) und rührst sie in das Wasser. VERSUCH 1: Setze auf das erste deiner Gläser den Trichter und in den Trichter das Sieb. In das Sieb schüttest du deinen groben Kies. Wenn du jetzt einen Teil des Schmutzwassers aus der Gießkanne über den Kies schüttest, wird das Wasser in deinem Glas sauberer aufgefangen. Stelle es zur Seite! VERSUCH 2: Setze den Trichter und das Sieb wie bei Versuch 1 auf dein zweites Glas, aber gib jetzt deinen feinen Kies in das Sieb. Das Schmutzwasser aus der Gießkanne ist jetzt noch sauberer als beim ersten Glas. VERSUCH 3: Nimm dein drittes Glas und gib in den Trichter den Kaffeefilter. Wenn du jetzt das Schmutzwasser filterst, wirst du merken, dass es noch sauberer ist.

Je feiner dein Filter, umso sauberer das Wasser!

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250 Jahre Seelsorge bei Holzfällern, Jägern und Zöllnern Über die Entstehung der kleinen Kuratie-Pfarre in Hinterriss Die Mauern sind fertig

Kriegsende und neue Hoffnung

400 Gäste standen vor der neuen Kapelle in Hinterriß und feierten die Messe. Es war nicht leicht gewesen, den Bau voranzutreiben. Die alte Holzkapelle aus dem 16. Jhd. hatte ausgedient. Die Eröffnungsfeier am 6. September 1744 war für Pfarrer Matthias Polz aus Lenggries die Belohnung seiner Arbeit. Es lag ihm viel daran, die über 580 Seelen, die im Sommer in Hinterriß wohnten, mit einer ordentlichen Seelsorge zu betreuen. Der Bau der neuen Kapelle war ein großer Erfolg. Denn sein erster Versuch, eine Seelsorgestation in Hinteriss aufzubauen schlug fehl.

Das Ende des Krieges zwischen Österreich und Bayern 1745 ließ zusätzlich neue Hoffnung aufkommen. Polz setzte erneut auf seine Kontakte und schrieb nach Wien. Er bat um die Erlaubnis für den Bau und um das erforderliche Bauholz, den Grund vom Jägerhaus jenseits der Riss bis zum Tortalbach, das Gebiet um die Sag jenseits der Riß und den Platz, worauf die Kapelle stehen sollte.

Erste Schäden fordern Reparaturen

Schon 1738 fordert Polz Unterstützung für eine notwendige Reparatur an. Das Gebäude, das Knappen und Schmelzherren bauten, musste dringend erneuert werden. Er bat Graf Josef Khuen,

Blüten der Blumenesche

Von Wien kam keine Zusage, trotzdem plante Polz weiter. Graf Tannenberg, der Besitzer der Rontaleralpe, zu der fast ganz Hinteriss gehörte, fühlte sich von dem schnellen Handeln überrumpelt und boykottierte Polz, so gut es ging. Tannenberg war vor allem gegen die Pläne einer Brauerei in Hinterriß, von der sich Polz zusätzliche Einnahmen versprach. Auch ein Streit mit dem Geldgeber Höfer war ausschlaggebend für weitere Schwierigkeiten, die den Weiterbau verzögerten. Polz fand jedoch einen weiteren Verbündeten, Bartholomäus Zimmermann, „Amtsaktuarius im Oberstjägermeisteramt“ in Innsbruck.

Die Blumenesche in Nordtirol: eine seltene Baumart mit Zukunft Der südexponierte Hangfuß des Karwendelgebirges nahe der Ortschaft Zirl, der aufgrund von hoher Sonneneinstrahlung und Föhnwinden sehr wärmebegünstigt ist, zeichnet sich durch das Vorkommen mehrerer seltener Pflanzenarten aus. Seltene Baumart

Eine davon ist die Blumen- oder Manna-Esche (Fraxinus ornus). Diese Baumart mit Verbreitungsschwerpunkt in Südosteuropa und den Südalpen tritt hier in einem isolierten Bestand auf. Das Vorkommen wurde bisher als Relikt aus der nacheiszeitlichen Wärmezeit gedeutet, es könnte nach neuen Erkenntnissen aber auch auf eine Anpflanzung der Art im 20. Jahrhundert zurückgehen. In diesem Fall wäre die Blumen-Esche hier ein Neubürger (Neophyt). Der Bestand der Blumen-Esche bei Zirl mit einer Ost-West-Erstreckung von derzeit ca. 2,5 km ist zum Teil im Naturschutzgebiet „Fragenstein“ gelegen. Wissenschaftliche Forschung

Eine erste wissenschaftliche Untersuchung, die vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck durchgeführt wurde, sollte zeigen, in welchen Waldtypen die Blumen-Esche in diesem Gebiet vorkommt. Außerdem sollte die Gefährdung der in Nordtirol geschützten Art geklärt werden, welche bisher unterschiedlich beurteilt worden war. 16

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Es konnte gezeigt werden, dass die BlumenEsche bei Zirl in bemerkenswert vielen verschiedenen Waldtypen vorkommt. Vorkommen der Blumenesche

Am häufigsten ist die Art erwartungsgemäß auf südexponierten, wärmebegünstigten Waldstandorten. Hier sind recht offene Wälder ausgebildet, in denen wärmeliebende Laubbäume wie Winterlinde (Tilia cordata), Stieleiche (Quercus robur) und Walnuss ( Juglans regia) vorherrschen. Weiters kommt die Blumen-Esche auch recht häufig in von Rotföhre (Pinus sylvestris) dominierten, meist sehr lichten Waldbeständen vor. An weniger warmen Standorten ist die Baumart seltener; sie konnte jedoch selbst auf nördlich exponierten, relativ tiefgründigen Flächen, die von Buchenmischwäldern besiedelt sind, nachgewiesen werden. Die Untersuchung zeigte auch, dass sich die Blumen-Esche im Gebiet sehr reichlich verjüngt. Dies gilt für alle oben genannten Waldtypen, aber auch für Gebüsche, Waldsäume und Trockenrasen. Klima begünstigt die Ausbreitung

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Blumen-Esche im Gebiet von Zirl derzeit nicht gefährdet ist. Es ist sogar zu erwarten, dass sich die Baumart infolge der bevorstehenden Klimaerwärmung im Nordtiroler Inntal weiter ausbreiten wird. In den tiefen Lagen der Alpentäler wird es voraussichtlich, mehreren wissenschaftlichen Studien

Polz gab nicht auf

zufolge, durch die Zunahme der Temperaturen und der Trockenheit zum Rückgang bzw. Absterben einiger Baumarten, u.a. der Rotföhre, kommen. In einigen Jahrzehnten könnte die BlumenEsche daher als standörtlich geeignete Mischbaumart für den Waldbau von großer Bedeutung sein.

Unterstützung

Susanne Wallnöfer Wallfahrtskirche und Jagdschloss in Hinterriß, Lithographie, handkoloriert, vor 1850 den ersten Oberstjägermeister von Tirol, der für dieses Gebiet zuständig war, um Geld. Zwei Jahre später klagte Polz erneut: „ Das Dach ist so schlecht, dass die Mauern mit dem Dachstuhl einfallen.“ Er überzeugte mit dem Argument: „Ein Bau wäre jetzt günstig, da man sowieso kein Holz in der momentanen Kriegssituation nach Bayern ausliefern kann.“ Ein geplanter Kalkofen wurde in der Zwischenzeit erweitert. Er sollte ausreichend für eine Kapelle brennen können. Trotzdem vergingen 4 ganze Jahre bis Polz die Wohltäter fand, um ein neues Gebäude zu finanzieren. Eröffnungsfeier 1744

Am 6. Juli 1744 jedoch stand der Eröffnungsfeier nichts mehr im Wege. Die Mauern von 9m Länge und 3m Breite standen. Polz benachrichtigte Graf Khuen, um die Eröffnungsfeier zu planen. Schon ein Jahr später fand Polz einen weiteren Geldgeber für seine Idee: Herrn Anton Höfler, ein ehemaliger wohlhabender Kaufmann. Er war bereit, 4.000 Gulden für den Unterhalt eines Priesters in Hinterriß auszugeben. Förderlich für das Unternehmen war die Unterstützung von 2 Missionaren, die 10 Tage lang in Hinterriß eine Volksmission durchführten. 300 Personen kamen täglich in die Hinterriß und die Missionare informierten die Regierung in Innsbruck folgendermaßen: „Dass ein so volkreiches Tal keinen eigenen Seelsorger hat.“ Sie unterstützten mit dieser Aussage das Projekt in Hinterriß folgenschwer. Denn daraufhin fand Polz einen neuen Stifter: Herrn Georg Nocker, Handelsmann und Wechsler in München. Er spendete weitere 2.000 Gulden für den Unterhalt einer Pfarrei.

Er nahm sich der Sache jetzt an und unterstützte Polz. Er war es auch, der die Bitten und Wünsche ausformulierte und an die Regierung in Wien mit Erfolg weiterleitete. Er ging auf verschiedene Vorwürfe von Tannenberg ein, so schreibt er: „ Es sei ganz unverständlich, warum die Alpeninhaber gegen die Errichtung der Kuratie sind, die Anwesenheit der Almleute beim Gottesdienst würde keine Vernachlässigung der Viehzucht mit sich bringen – wie es dem Vernehmen nach der Verwalter des Grafen Tannenberg befürchte.“

Pater Thomas Naupp

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Was zum Teufel ist Nature Watch?

Das bayerische Karwendel:

Ein neues Urlaubsangebot für Gäste

Der kleine Nachbar im Norden

Nature Watch ist Naturbeobachtung mit allen Facetten wie Flora, Fauna und den geografischen Besonderheiten im Tiroler Naturraum. Durch den bewussten Einsatz der Präzisionsferngläser von Swarovski Optik können intensive Beobachtungserlebnisse garantiert werden. Sie zeigen die Natur aus einer neuen Perspektive, denn selbst kleinste Details sind über große Distanzen sichtbar. Die professionelle Begleitung eines Nature Watch Guides auf speziell ausgesuchten Nature Watch Routen bietet einen zusätzlichen Erlebniswert. Die Natur erleben und beobachten weckt großes Interesse, dies zeigt Birdwatching – die Vogelbeobachtung. „Birdwatching“, ein Trend aus den USA und Großbritannien, hat weltweit eine Anhängerschaft von 60 Mio. Menschen.

Zwei starke Marken aus Tirol gemeinsam für Tirol Für den Tourismus in Tirol bringt die Kooperation von Swarovski Optik und der Tirol Werbung große Vorteile mit sich. Als traditionsbewusstes Tiroler Unternehmen ist die Wertschätzung der Natur ein wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie der Swarovski Optik, der mit internationalen Umweltschutzprogrammen zum Ausdruck gebracht wird. Die Tirol Werbung schafft mit dem Nature Watch Projekt neue Vermarktungsmöglichkeiten für interessierte, qualitätsgeprüfte Nature Watch Hotels in Zusammenarbeit mit der ARGE Nationalpark Hohe Tauern und Tiroler Naturparks.

Nature Watch Hotels in der Alpenparkregion Ferienhotel Kaltschmid **** 6x in Seefeld/Tirol A - 6100 Seefeld +43 (0)5212 2191 www.dasisturlaub.com Hotel Klosterbräu ***** Klosterstraße 30 A - 6100 Seefeld +43 (0)5212 2621-0 www.klosterbraeu.com

http://www.nature-watch.at

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TEIL I

Die Karwendelgrube Nördlich an den Alpenpark Karwendel angrenzend liegen auf der „anderen Seite“ der tirolerbayerischen Grenze noch einmal rund 250km² Karwendelgebirge. Besonders eindrucksvoll ist, dass es fast komplett von der Oberen Isar eingefasst wird – einer der letzten Wildflusslandschaften, mit der nur noch der Tiroler Lech flussauf von Reutte vergleichbar ist. Seit April 2008 hat der Landesbund für Vogelschutz e.V. eine Gebietsbetreuung in diesem Naturschutz- und NATURA–2000 Gebiet eingerichtet. Dies gelingt nur durch eine Förderung durch die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds und die Europäische Union aus dem Sozialfonds (ESF). Ganz im Sinne der EU soll über die Grenzen hinweg zusammengearbeitet werden. Dass diese Zusammenarbeit stetig wächst, zeigt schon die neue Rubrik im Alpenparkmagazin.

Karwendelgrube

Nature Watch Route I im Alpenpark Karwendel

Die ca. 3,5stündige Tour führt uns vom TVB-Büro in Scharnitz direkt in das größte Schutzgebiet Tirols. Dabei wird die Isar – ein Alpenfluss mit allem was dazu gehört – erlebbar: Wasserfälle, Schluchten und Schotterbänke, eingebettet in die schroffen Berge des Alpenparks, begleiten uns auf einer Tour, die viele Weit- und Nahblicke in das sehr ursprüngliche Hinterautal erlaubt: Von den Insekten auf der Blumenwiese über das Herholen der imposanten Bergspitzen wie dem Hohen Gleirsch bis zur Beobachtung des ein oder anderen alpinen Bewohners reicht das Spektrum. Höhepunkte der Tour sind sicher die unterschiedlichen Blickkontakte in die Karwendelbachklamm und der gegenüberliegenden Teufelslochklamm. Beim Rückweg entlang der Isar ist mit dem Glück des Tüchtigen das Beobachten der Wasseramsel oder des seltenen Flussuferläufers möglich. Nature Watch Route II im Alpenpark Karwendel

Nicht direkt im Alpenpark, aber in der Olympiaregion Seefeld liegt die zweite Nature Watch Tour: Rund um den Wildsee lernt man die vielfältigen Lebensräume kennen. Großteils führt der Wanderweg an der Seepromenade entlang. Bei einer Umrundung des Sees gegen den Uhrzeigersinn kommt man nach dem Waldschwimmbad und der Kneippanlage zur Abzweigung zum Weg nach Auland. Dort lassen sich im nahen Wildgehege Mufflons und Damhirsche beobachten. Wieder zurück an der Seepromenade durchquert man das Naturjuwel „Reither Moor“ und vollendet dann die Runde um den See. Wir sehen hier Wasservögel (Stockenten, Blässhühner) verschiedene Zonen im See (freie Wasserfläche, Schwimmpflanzen, Schilf und Seggen, Nasswiesen, Auwald) mit typischen Pflanzen und erfahren einiges über den Wildsee, der früher auch Lampretensee genannt wurde. Das südliche Ufer des Sees (mit dem Reither Moor) ist wegen seiner botanischen Besonderheiten seit 1926 Naturschutzgebiet. Sommer 2009

Ab Sommer 2009 können sich alle Naturliebhaber direkt beim Alpenpark Karwendel zu geführten Nature Watch Touren anmelden und selbst das Unsichtbare ganz nah entdecken. Was man selber erlebt hat, kann man besonders gut an Freunde und Gäste weiterempfehlen. Mit dem Motto von Erich Kästner möchte ich ihnen einen schönen, erlebnisreichen Sommer in der Tiroler Natur wünschen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Katleen Johne

Junger Schneesperling Großer Reichtum an Kultur- und Naturlandschaft

Der Wert des Gebietes liegt im Nebeneinander von Kultur- und Naturlandschaft. Hier dürfen aber auch noch natürliche Prozesse ablaufen. Deshalb findet man hier wichtige – auch prioritäre – Lebensräume mit einer großen Zahl seltener Arten. Das sind die Auwälder und die naturnahen Kalktrockenrasen mit ihren verschiedenen Verbuschungsstadien im Tal, die Kalktuffquellen und die Schutthalden in verschiedenen Höhenstufen sowie die Schluchtund Hangmischwälder bis hin zur Buschvegetation von Pinus mugo und Rhododendron hirsutum. Zahlreiche Klettersteige

Der Bereich um Mittenwald erschließt sich dem Besucher von Innsbruck kommend als erstes. Dort liegen die Gipfel, die dem ganzen Gebirgszug ihren Namen gegeben haben: Westliche und Östliche Karwendelspitze. Neben verschiedenen Klettersteigen für erfahrene Bergsteiger nach Süden zum Brunnstein bietet vor allem die Karwendelgrube dem Neueinsteiger

Spuren des Alpenschneehuhns

Bergwelt Karwendel

in das Thema „Alpenlebensraum“ einiges. Sie ist einer der wenigen Orte im Karwendel, die durch eine Bergbahn erschlossen sind. So erreicht man bequem den Lebensraum von Alpenschneehuhn, Schneesperling, Gams und Silberwurz und bewegt sich ohne Gefahren im hochalpinen Lebensraum.

Andernorts hätte es im bayerischen Karwendel keine Chance auf Verwirklichung gehabt. Ziel der einem „Fernrohr“ nachgebildeten höchsten Umweltbildungsstation Deutschlands ist, das Zusammenspiel von Mensch und Natur zu zeigen und so eine Sensibilisierung für den alpinen Lebensraum zu erreichen.

Infozentrum über die „Bergwelt Karwendel“

Führungen

Zu den Hauptaufgaben der Gebietsbetreuung gehört die Sensibilisierung der Einheimischen und Gäste für die Belange der Natur. Mit dem neuen Naturinfozentrum „Bergwelt Karwendel“ an der Karwendelgrube besteht eine enge Zusammenarbeit. Ende Juli 2008 fand die Eröffnung unter Anwesenheit politischer Repräsentanten beider Länder statt.

Diesen können die Besucher dann auch in der nahe gelegenen Karwendelgrube hautnah erleben. Ergänzend werden Führungen und Aktionen für Einheimische und Schulklassen angeboten. Michael Schödl

Sensibilisierung für Natur

Direkt an der Bergstation der Karwendelbahn und auf dem Aushubmaterial früherer Tunnelarbeiten wurde es unter Einhaltung ökologischer Bauauflagen möglich, das Gebäude in dem Naturschutzgebiet zu errichten.

Gefördert von EU und Bayerischem Naturschutzfonds unterstützt vom Landkreis Garmisch-Partenkirchen und Bezirk Oberbayern

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KARWENDEL | buchtipps & autoren

Buchtipps

Tourentipps Die Gleirschklamm

Wegbegleiter und Inspiration für den Alpenpark sind diese drei Bücher, die sich nicht ausschließlich um das Karwendel drehen, aber es in Ihre Beobachtungen und Erlebnisse aufgenommen haben.

DIE BERGTOUR ANS MEER

„Die Zugvögel ziehen alljährlich nach Süden, …“ so beginnt Gerald Aichners Überlegung, was denn den Reiz der Alpenüberschreitung gen Süden ausmache. Für ihn ist es das intensive Erleben dieser Reise ans Meer und die Erinnerungen, die umso fester verankert werden, wenn man jeden Schritt davon aus eigener Kraft getan hat. Er selbst ist Vorsitzender des Österreichischen Alpenvereins, Sektion Tirol, und hatte, bevor diese Idee der „Wanderung ans Meer“ in seiner Vorstellung Konturen annahm, die alpine Bergwelt um Tirol bereits ausgiebig bergsteigerisch erkundet. Im Sommer 2007 haben Gerald Aichner und seine Frau sich schließlich den langersehnten Traum erfüllt. Zu Fuß von Scharnitz nach Venedig, über 3000er bis zum Meeresspiegel, zu gehen.

KLETTERN bis zum Sturz ins Nichts

DIE ALPEN Einblicke in die Natur

von Gerald Aichner erschienen im Berenkamp Buchund Kunstverlag, 2008 ISBN: 978-3-85093-240-0

von Werner Haim Berenkamp Verlag, 2008 ISBN: 978-3-85093-239-4

von Rudolf Hofer, erschienen bei Tyrolia ISBN: 978-3-902719-02-7

„Die Alpen – Einblicke in die Natur“ richtet sich an naturinteressierte Menschen, die mehr über Lebewesen und Vorgänge in ihrer Umwelt wissen wollen. In 26 Kapiteln werden unterschiedliche Themen angesprochen, vom Leben in der Stadt und in „Wärmeinseln“ an trockenen Südhängen, über die Artenvielfalt im zeitlichen Wandel bis zu den Besonderheiten der heimischen Schutzgebiete. Hier findet auch das Karwendel als größtes Schutzgebiet seinen Platz. Ein Schwerpunkt ist den Lebensprozessen in den Hochgebirgsregionen bis zu den extremen Bedingungen auf Gletschern gewidmet. Komplexe Abläufe werden in verständlicher Weise dargestellt und mit 270 Bildern illustriert.

Die Gleirschklamm ist eine der schönsten Natur belassenen Klammen im Karwendel. Seit jeher besticht sie durch imposante Felsen, kleine Wasserfälle und ihr glasklares Wasser. Über Brücken, durch meterhohe Felsen hindurch wandert man entlang dem rauschenden Nass ca. 45 Minuten auf einem schmalen Steig durch die Schlucht. Der Weg ist durch Seile gesichert, trotzdem sollte man trittsicher und schwindelfrei sein.

Mit Witz und Charme erzählt Werner Haim in seinem zweiten Buch von seinen Bergerlebnissen in den Alpen und kombiniert dabei spielerisch Berichte von bergsteigerischen Hochleistungen mit unterhaltsamen Erzählungen. Nach drei Jahrzehnten Bergsteigerei wird Werner Haim durch einen Sturz von der Gamskarspitze gelähmt. Er war auf dem Weg um ein neues Gipfelbuch, welches er seinem Sohn Werner zu seinem Skispringererfolg versprochen hatte, am Kreuz anzubringen. Neben anderen Bergsteigergeschichten schildert er ergreifend das abrupte und unerwartete Ende seiner Bergsteigerkarriere, welches ihm jedoch nicht die Lebensfreude geraubt hat.

Geschichtlicher Hintergrund

Ort: Scharnitz Schwierigkeitsgrad: rot(mittel) Länge: ca. 14km Dauer: ca. 3,5h Wanderzeit

Sonstige Informationen mit Rad befahrbar - Nein Nordic Walking Strecke - Nein Winterwandung - Nein

AutorInnen dieser Ausgabe

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Elisabeth Zech Freie Mitarbeiterin, Alpenpark Karwendel elisabeth.zech@karwendel.org Interview S.4, 5, 20, 23

Mag. Daniela Pöll Förderstelle Referat Naturschutz Kontakt: naturschutzfoerderung@tirol.gv.at Artikel S.12/13

Birgit Kluibenschädl Selbstständige Naturpädagogin birgit.kluibenschaedl@utanet.at Artikel S.14

Dr. Susanne Wallnöfer Institut für Botanik, Universität Innsbruck Kontakt: susanne.wallnoefer@uibk.ac.at Artikel S.16

Pater Thomas Naupp OSB Bibliothekar, Archivar, Religionslehrer, Pfarrer in Fiecht bibliothek@st-georgenberg.at Artikel S.17

Katleen Johne Mitarbeiterin Themen & Qualitätsentwicklung, Tirol Werbung katleen.johne@tirolwerbung.at Artikel S.18

Michael Schödl LBV Gebietsbetreuer Obere Isar und Karwendel Kontakt: lbvgap@gaponline.de Artikel S.19

Regina Glas Leiterin TVB Büro Scharnitz, Olympiaregion Seefeld regina.glas@seefeld.com Artikel S.21

Edith Neubauer Leiterin TVB Silberregion Karwendel/Stans Kontakt: e.neubauer@silberregion-karwendel.at Artikel S.21

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Eine erlebnisreiche Wanderung wartet auf den Besucher!

Der Wanderer genießt an einem heißen Sommertag die kühle und wassergesättige Luft in der Gleirschklamm. Von Scharnitz aus gelangt man über den Isarsteig, vorbei an der Scharnitzer Alm über den Nederweg zum Einstieg in die Gleirschklamm. Am Beginn laden Rastplätze mit Informationstafeln den Wanderer zum Verweilen ein. Es ist einfach herrlich, die müden Füße im kalten Gleirschbach zu erfrischen und Energie zu tanken. Am Ende der Klamm hat man die Möglichkeit, entweder über die Oberbrunnalm und den Hochwald zurück nach Scharnitz zu wandern. Oder man wandert entlang des Gleirschtales über Forststraßen bis zur Amtsäge, weiter bis zur Möslalm und genießt dort einen gemütlichen Ausklang. Genießen Sie auf den Almen die Gastfreundschaft der Wirte und probieren Sie selbst hergestellte Almprodukte wie z.B. den typischen Tiroler Graukäse! Zurück nach Scharnitz spazieren sie entweder durch das Gleirschtal über den sogenannten Krapfen, oder sie tauchen ein weiteres Mal in die Gleirschklamm ein! Regina Glas Wanderung durch die wildromantische

Mag. Hermann Sonntag Geschäftsführung Verein Alpenpark Karwendel Kontakt: hermann.sonntag@karwendel.org Artikel S.4, 6-9

Mag. Luise Fichtl Freie Journalistin lfichtl@web.de Artikel S.22

Früher wurde die Klamm für die Holztrift genutzt. Im Frühsommer wurde das Schmelzwasser am Beginn der Gleirschklamm bei der sogenannten „Klausen“ aufgestaut, die Holzstämme in das Wasser eingelassen und nach Erreichen des nötigen Wasserstandes wurde das Klausentor mit einem Schlag geöffnet. Heute erinnert nichts mehr an diese gefährliche Arbeit, bei der viele Männer verletzt wurden oder dabei sogar ums Leben kamen.

Wolfsklamm im Karwendel Nicht nur an heißen Sommertagen ist es höchst angenehm, durch die kühlende Klamm zu wandern; von Anfang April bis Ende Oktober beeindruckt die Wolfsklamm den Naturliebhaber mit tosenden Wasserfällen, smaragdgrünen Tümpeln und einer angenehm aufsteigenden Gischt. Geschichtlicher Hintergrund

Ort: Stans Schwierigkeitsgrad: rot(mittel) Länge: ca. 6km Dauer: ca. 3h Wanderzeit

Sonstige Informationen für Familien geeignet - Ja für Kinderwagen tauglich - Nein

Bereits vor 108 Jahren, genau am 11. August 1901, wurde die Wolfsklamm in Stans als „Perle des Tiroler Unterlandes“ eingeweiht. Ob die Klamm ihren Namen von den dort streunenden Wölfen hat, ist nicht sicher. Eigentlich könnte sie auch „Bärenklamm“ heißen, da in dieser Gegend auch der letzte Bär von Nordtirol geschossen wurde. Pilgerweg nach St. Georgenberg

Genau 324 Stufen, Holzstege und in Fels geschlagene Galerien führen hinauf zum Wallfahrtskloster St. Georgenberg. Reißende Wassermassen, das Tosen des Stanser Baches und schwankende Brücken lassen eine Wanderung durch die schönste Tiroler Klamm zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Im Sommer umso mehr, da es in der Klamm schön kühl ist. Im Anschluss an die Klamm geht der Pilgerweg weiter nach St. Georgenberg, dem ältesten Wallfahrtsort Tirols. Hier befindet man sich bereits im Naturschutzgebiet Alpenpark Karwendel. Kurz bevor man das Felsenkloster erreicht, passiert man noch die denkmalgeschützte „Hohe Brücke“ . Der Steinbogen von 1497 trug einst die älteste Brücke Tirols. Das Kloster St. Georgenberg entstand aus einer Einsiedelei, die bereits im Jahr 950 das erste Mal schriftlich erwähnt wird. Edith Neubauer

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gesichter | KARWENDEL

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Neueröffnung Infozentrum Hinterriß

Helmut Berktold Interview

Das Infozentrum Hinterriß wird nach erfolgreichem Neubau am 6. Juni 2009 wieder eröffnet. Zur Feier mit anschließender Messe laden das Land Tirol, die Gemeinden Vomp und Eben, sowie der Verein Alpenpark Karwendel am Samstag um 10:00 Uhr im neuen Infozentrum ein.

„Neue Impulse werden in Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden angestrebt“, unterstreicht der Geschäftsführer des Vereins Alpenpark Karwendel, Hermann Sonntag. Moderne Innenausstattung

Das Gebäude soll zukünftig Ausgangspunkt für fixe Wanderungen im Sommer sein. Der mit Beamer ausgestatete Innenraum bietet deswegen für etwa 40-50 Personen genug Platz, um in kleinem Rahmen Vorträge und Seminare zu organisieren. „Das Gebäude ist nicht für Massen gebaut, bietet jedoch genügend Raum, um kleine Gruppen begrüßen zu können“, versichert Otto Leitner von der Abteilung Umweltschutz. Für die Innenausstattung des Zentrums hat sich Circus, das Büro für Kommunikation und Gestaltung in Innsbruck, sehr viel Mühe gegeben. Besonderer Dank gilt Heidi Hackl, Kreativdirektorin und Ideengeberin. Sie kümmert sich um Theaterbühnen in ganz Österreich.

Es ist ein strahlend schöner Wintertag im Jänner als wir uns auf den Weg nach Hinterriß machen, um den Mann zu besuchen, der sich dort am Rißbach seit Jahren um den Flussuferläufer kümmert.

Naturnahe Gestaltung

Der Rißbach bietet dem Flussuferläufer eine der wenigen übriggebliebenen Brutstellen. Woraus besteht deine Aufgabe, um ihn zu schützen?

Auch in Hinteriß verpackt die Bühnenbildnerin eine komplexe Welt in Geschichten. Einige Themen, wie der gefährdete Flussuferläufer, werden von ihr inszeniert anstatt dargestellt und bieten Erlebnis statt Langeweile. Die mit Ahornholz getäfelten Wände rechts und links wirken edel. Auf dem schwarzen Boden ließt man im Vorbeigehen Informatives rund um den besonderen Baum in der Eng. „Im Gebäude wird auf die üblichen elektronischen Medien weitgehend verzichtet“, betont Leiner. Einige Hinterißer Einwohner erzählen ihre Geschichten in einem Interview auf Leinwand. Bei einem Blick hinter die Glaswand findet der Besucher die Bibliothek mit allerlei Lesenswertem rund um das Gebirge. Das Sortiment reicht von Hermann Buhls Bergabenteuern bis zum Bildband von Wolfgang Ehn und lässt keine Fragen mehr offen.

Ich habe von Günter Haselwanter den Auftrag bekommen, das jährliche Zaunaufstellen zu übernehmen. Der Zaun dient dazu, den Flussuferläufer vor Störungen durch Tiere oder Menschen in der Brutzeit zu schützen. Was ist am Rißbach so besonders, dass er sich hier niederlässt?

Der Flussuferläufer ist meines Erachtens schon lange hier, nur wurde er eben nie so beachtet. Hier gibt es naturbelassene Kiesbänke, die sich bei Hochwasser wieder verändern, da fühlt er sich wahrscheinlich wohl. Es gibt hier auch nicht so viele Menschen, die ihn stören. Also ich muss sagen, ich denke, er ist schon bald hundert Jahre lang hier. Wann hat man eigentlich mit dem Aufstellen des Zauns begonnen?

Luise Fichtl

Der Alpenpark kommt mit seinem Stand in die Regionen. DATUM 28.05. - 31.05.2009 06.06.2009 07.06.2009 16.06.2009 27.06.2009 27.06.2009 04.07. - 05.07.2009 26.07.2009 14.08./15.08.2009 12.09.2009 Mitte September 17.09. - 20.09.2009 Ende September 26.10.2009 Ende November

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Das wird gute zehn Jahre her sein. Ja, und damals wurde der Flussuferläufer schon geschützt, zu dieser Zeit waren immer Studenten hier, die den Zaun aufstellten. Wie viel Arbeit fällt beim Zaunaufstellen an und wann muss diese verrichtet werden?

Im Frühling geh ich die Stöcke einschlagen, die Schnur spannen und dann die Batterie anhängen. Dann muss ich einmal pro Woche kontrollieren, ob er funktioniert, ob die Batterie nicht kaputt ist und ob ihn die Kühe nicht kaputt gemacht haben. Manchmal kommt es auch zu Hochwasser, das schwemmt den Zaun weg und ich muss ihn wieder reparieren. Dann im Herbst baue ich den Zaun wieder ab.

zwar hab ich sie immer beim Tortal gesehen, gegenüber vom Alpenhof, bei der Johannestalbrücke und drinnen bei der Kreuzbrücke. Also über den Daumen gepeilt würde ich sagen, sind es so um die vier Paare. Man hört sie dort pfeifen und sieht sie auch. Ich habe einmal versucht, ein Nest zu finden, aber ich habe keines gefunden. Wie sollte man sich verhalten, wenn man als Besucher oder Tourist in seine Nähe kommt?

Ich würde sagen, die Touristen wissen gar nicht, was das ist. Die denken vielleicht, das ist eine Wasseramsel. Es gibt zwar Broschüren, aber die kommen auch nicht so an den Mann. Wenn er gestört wird, schimpft er und fliegt weg, wenn sie gehen, dann kommt er wieder zurück. Du denkst also, den Besuchern ist die Besonderheit bzw. das Vorhandensein dieses Vogels nicht bewusst?

Nein, nein, also die meisten wissen das nicht. Ist es ziemlich anstrengend für dich, die Arbeit zu verrichten.

Nein, nein, das ist nicht so schlimm. Ich habe mir das alles gut hergerichtet. Der Günter hat mir auch erzählt, dass es weiter hinten ein Biotop mit Wollgras gibt, das nehme ich dann auch mit in die Umzäunung hinein. Dann gibt es auch noch einen kleinen Weiher mit Bergmolchen, die mit den roten Bäuchen, den umzäune ich dann auch gleich. Denn dort ist überall das Galtvieh.

Wie oft muss der Zaun während des Sommers repariert werden?

Ja also die Kühe brechen manchmal schon durch. Vor allem achten wir darauf, dass sie irgendwo zum Wasser kommen und dort sparen wir dann eben einen Teil des Zauns aus. Wenn sie nicht zum Wasser kommen, dann brechen sie auf alle Fälle durch, da kann ich tun was ich will. Ich habe die schon einmal beobachtet: Zuerst schnuppern sie so hin, und dann auf einmal „WUMS“ sausen sie einfach durch. (lacht) Die sind ja auch nicht dumm. Und überhaupt, wenn kein Strom drin ist, das merken sie sofort. So fahren wir halt jede Woche und schauen nach. Interessiert sich sonst noch wer für den Flussuferläufer, oder wirst du danach gefragt?

Ja, stimmt. Dann kann man sie aufklären, darüber dass er ein seltener Vogel ist, und dass er hier eben geschützt wird. Oder dass er auch in Bayern geschützt wird, wenn es Deutsche sind. Negativ ist mir noch nie etwas über die Touristen aufgefallen. Also unkompliziert?

Ja, ja, für mich ist das sehr unkompliziert. Vielen Dank für das Gespräch

Elisabeth Zech

Siehst du die Vögel auch ab und zu?

Ich kontrolliere sie eigentlich nicht, denn dafür müsste man mehr Zeit aufwenden. Ich sehe sie aber während dem Aufbauen des Zaunes, und

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