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© Gokhan Cukurova

THEMEN Grüne Heldinnen What Design Must Do EARTHtalks Academy Eine Petition starten Plastic Age ERDgespräche Programm

Offizielle Zeitung der:

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© Mitja Kobal/Greenpeace, Michael Krebs, Markus Gradwohl, Daniel Mikkelsen

Ein Ort zum Menschsein.

www.altstadt.at

FOTOALBUM: ERDGESPRÄCHE 2017


VORWORT

GIVE AND TAKE André Karsai

Erst geben, dann nehmen. Das habe ich anfangs nur unbewusst und relativ selbstverständlich durch die Erziehung meiner Eltern gelernt, aber im Erwachsenenalter ganz bewusst zu einem meiner Leitsätze für mein Leben gemacht. Zuerst möchte ich meine Zeit, meine Energie, mein Interesse investieren, um später und im Rückspiegel zu entdecken, was daraus entstanden ist. Genau so war das auch mit den ERDgesprächen, als mir Angie 2008 von ihrer Idee erzählt hat. Noch in Nizza lebend, habe ich meine Unterstützung spontan zugesagt, bin nach Wien gereist, und war gewissermaßen der erste Volunteer der ERDgespräche. Dabei war meine Erst-geben-dann-nehmen-Einstellung immer auch eine Spur Selbstschutz. Da ich am Ende des Tages nicht mit einem eventuellen Profit geliebäugelt habe, konnten keine Erwartungen enttäuscht werden. Vielmehr war der Erfolg meines Vorhabens vorbestimmt, denn ich wusste: Ich gebe meine Zeit und nehme das Gefühl der Zufriedenheit, heute etwas Gutes getan zu haben. Zuerst geben, dann nehmen. Das ist der Schlüssel zu einem erfüllten und glücklichen Leben. Den Beweis dafür haben mir nicht nur die Sprecherinnen und Sprecher aus einem Jahrzehnt ERDgespräche mit ihren Erfahrungen und Vorträgen erbracht, sondern auch die unzähligen Gespräche mit Menschen jedes Alters, die im Einsatz als Freiwillige ihre Zeit, ihr Know-how und ihr Lächeln für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt haben. Jede und jeder dieser HelferInnen gibt Zeit, und nimmt das positive Gefühl mit nach Hause, an etwas mitgewirkt zu haben, das größer ist, als sie selbst. Die BesucherInnen der ERDgespräche geben ebenfalls ihre Zeit und dazu oft auch Geldspenden, und nehmen Inspiration und Motivation mit in ihren Alltag. Die Partner der Veranstaltung geben Geld, Leistungen oder Waren, und nehmen größere Aufmerksamkeit für ihre Unternehmen mit, sowie die Gewissheit, soziale Verantwortung übernommen zu haben. Erst geben, dann nehmen – das ist auch das Fundament unserer Bottom-up-Bewegung. Energie geben, um später von einer positiven Veränderung der Gesellschaft zu profitieren. Lasst uns geben, ohne zu wissen, was wir am Ende nehmen. Es könnte größer und besser sein, als das, was wir uns für den besten Fall ausgerechnet hätten.

KOMMUNIKATIONSSTRATEGE UND EVENTMANAGER DER ERDGESPRÄCHE


SPRECHERIN

ERYN WISE (USA) gehört zur Jicarilla Apache Nation und den Laguna Pueblo People. Sie ist Leiterin des International Indigenous Youth Council (IIYC), Medienkoordinatorin für das Sacred Stone Village und arbeitet auch für Honor the Earth, eine Non-Profit-Organisation, die sich für das Fortsetzen indigener Traditionen und den Umweltschutz in den Gebieten der Native Americans einsetzt. Bei den Protesten gegen die Dakota Access Pipeline stand Wise an vorderster Front. Aktuell engagiert sie sich weiterhin für den Ausstieg aus fossilen Energien und gegen Line 3, eine geplante Ölpipeline von Enbridge, die Öl aus kanadischen Teersanden nach Wisconsin leiten soll. indigenousyouth.org


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GRÜNE HELDINNEN

JULIKA DITTRICH, JURISTIN UND AUTORIN MITARBEIT: REBECCA MAIA SNEGG (USA)

Die Rolle von Frauen im Umwelt- und Naturschutz von Julika Dittrich

Die Proteste gegen den Bau der Dakota Access Pipeline sind eine der größten Umweltbewegungen der 2000er-Jahre in den Vereinigten Staaten. Die Erdölpipeline führt unter anderem an der Grenze des Standing Rock Reservats der Sioux-Indianer entlang. Die andauernden Proteste stehen unter dem Lakota Motto „Mni wiconi“, „Wasser ist Leben“. UmweltaktivistInnen und die indigene Bevölkerung befürchten, dass es durch immer wieder auftretende Rohrbrüche bei Erdölleitungen zu einer Trinkwasserverunreinigung kommt. 2016 führten die Proteste zur größten Zusammenkunft von Native Americans seit 1920. Bis zur gewaltsamen Räumung im November 2016 lebten zeitweise bis zu 5000 Menschen in dem Protestcamp Oceti Sakowin (Sieben Feuer) im Reservat Standing Rock.

© Terray Sylvester

Eryn Wise wurde in Minneapolis geboren und wuchs später bei ihrer Großmutter im Jicarilla Apache Reservat im Südwesten der USA auf. Mit 16 Jahren kehrte sie nach Minneapolis zurück, um für ihre Mutter zu sorgen. Im Spätsommer 2016 schloss sie sich den Protesten in Standing Rock an und übernahm in kürzester Zeit die Leitung des International Indigenous Youth Council. Mit erst 26 Jahren wurde sie zu einer Mutterfigur der Jugendbewegung. Über soziale Netzwerke gelang es ihr, fast 30.000 Dollar zu sammeln. Damit konnte sie die Gruppe mit wichtigen Vorräten wie Essen und Winterkleidung versorgen, oder auch kleine Annehmlichkeiten organisieren, zum Beispiel heiße Duschen in einem nahegelegenen Hotel. Unter dem Eindruck der Proteste verfügte US-Präsident Obama kurz vor Ende seiner Amtszeit einen Baustopp der Pipeline. Der Baustopp wurde jedoch von US-Präsident Trump bereits wenige Tage nach seiner Amtseinführung wieder aufgehoben. Am 1. Juni 2017 fand die Eröffnung der Pipeline statt, die Prozesse vor den Bundesgerichten gehen weiter. Eryn Wise lebt inzwischen wieder in Minneapolis und arbeitet dort als Organisatorin von Honor the Earth, einer Umweltaktivistinnengruppe indigener Frauen.

Die Rolle von Frauen im Umwelt- und Naturschutz Eryn Wise gehörte zu einer ganzen Gruppe indigener Frauen, die an der vordersten Front der Dakota-Proteste standen. Sie sind beispielhaft für viele andere Frauen, die sich weltweit Tag für Tag dafür einsetzen, die Natur und damit auch die Grundlagen unserer Zukunft zu erhalten. Oft sind sie gezwungen, für die Umwelt zu kämpfen, weil ihr Lebensunterhalt unmittelbar von ihr abhängt. Nahezu alle Frauen in der Dritten Welt sind für ihr Überleben auf die Bewirtschaftung der Böden angewiesen. In einigen Regionen, insbesondere in Afrika, leisten Frauen 90 % der landwirtschaftlichen Produktion. Aufgrund ihrer gesellschaftlichen Rolle bei der Bereitstellung von Wasser, Nahrungsmitteln und Brennstoffen für die Familie nehmen sie verschlechterte Umweltbedingungen oft besonders deutlich wahr. Dementsprechend wundert es wenig, dass sich Frauen bei Umweltfragen auf lokaler Ebene oft maßgebend engagieren. Je weiter sich die Entscheidungsinstanzen nach oben verschieben, desto stärker nimmt der Anteil der Frauen jedoch wieder ab. Die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen auf höheren Ebenen kommt aber insbesondere der Umweltpolitik zugute. Länder mit

„NAHEZU ALLE FRAUEN IN DER DRITTEN WELT SIND FÜR IHR ÜBERLEBEN AUF DIE BEWIRTSCHAFTUNG DER BÖDEN ANGEWIESEN.”


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„LÄNDER MIT MEHR FRAUEN IN IHREN PARLAMENTEN NEIGEN EHER DAZU, SCHUTZGEBIETE FESTZULEGEN UND INTERNATIONALE UMWELTABKOMMEN ZU RATIFIZIEREN.“

„IHRE ARBEIT HAT DIE LOKALEN GEMEINDEN DAZU INSPIRIERT, SICH IHREN UMWELTSCHUTZBEMÜHUNGEN ANZUSCHLIESSEN. VOR EINIGEN JAHREN STELLTE DER BAND-E AMIR NATIONALPARK SEINE ERSTEN VIER WEIBLICHEN PARKRANGER EIN, UND DAMIT DIE ERSTEN WEIBLICHEN RANGER DER NATION.“

mehr Frauen in ihren Parlamenten neigen eher dazu, Schutzgebiete festzulegen und internationale Umweltabkommen zu ratifizieren. Tatsächlich zeigen neue Daten, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Umweltbelastungen und Geschlecht gibt: Wenn die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern hoch ist, sind auch Waldzerstörung, Luftverschmutzung und andere Indikatoren verschlechterter Umweltbedingungen hoch.

seine ersten vier weiblichen Parkranger ein, und damit die ersten weiblichen Ranger der Nation. Dieser Schritt war gleichzeitig ein Meilenstein für die Beschäftigung von Frauen in Afghanistan.

MARY MAVANZA Gombe Masito Ugalla Ecosystem Program, TANSANIA Mavanza aus Tansania ist Programmdirektorin des Gombe Masito Ugalla Ecosystem Program des Jane Goodall Einige Frauen sind mit ihrem Einsatz für Umwelt- und Institute Tanzania. Sie arbeitet für den Erhalt der ÖkoNaturschutz bekannt geworden. Sie sind Aktivistinnen, systeme und der natürlichen Ressourcen im Westen Politikerinnen, Unternehmerinnen, Visionärinnen. Tansanias und hat Hunderten von tansanischen Frauen Mit ihrem wegweisenden Denken und Handeln haben durch Mikrokredite und Ausbildungen geholfen, ökologisch sie weit über ihr unmittelbares Wirkungsfeld hinaus nachhaltige Unternehmen zu gründen. inspiriert, ermutigt und Vorbilder geschaffen: Mavanza erkannte, dass in den meisten Ländern südlich der Sahara Frauen die Hauptlieferantinnen von Wasser, HABIBA SARABI Brennholz, Nahrung, Medizin und anderen lebensnotwenBand-e Amir Nationalpark, AFGHANISTAN digen Gütern sind und dadurch von Umweltzerstörungen Sarabi wuchs in einem kleinbürgerlichen Haushalt auf besonders hart betroffen sind. Mit ihrer Arbeit setzt sie und litt unter der Bevorzugung ihrer Brüder. Ihr Medizinsich dafür ein, dass Frauen bei der Gründung und dem studium in Kabul und später in Indien musste sie sich hart Ausbau kleiner und mittlerer Unternehmen unterstützt erarbeiten. Später wurde sie die erste Provinzgouverneurin werden, zum Beispiel durch den Zugang zu Ausbildung, Afghanistans und nutzte diese Position, um den Band-eNetzwerken, Finanzen, Technologie und Märkten. Amir Nationalpark von Afghanistan in Bamyan zu gründen, der 220 Quadratkilometer unberührte Seen und Kalkstein- KHURSHIDA BEGUM schluchten schützt. Ihre Kindheitserfahrungen, insbeson- ”Sari Squads”, BANGLADESCH dere die Unterdrückung ihrer Mutter, inspirierten sie dazu, Im Süden Bangladeschs ergreift eine kleine Gruppe eine starke Verfechterin der Frauenrechte, vor allem des einheimischer Frauen die Initiative, wenn es um den Rechts von Frauen auf Bildung, zu werden. Umweltschutz geht. „Sari Squads“, Gruppen von UmweltIhre Arbeit hat die lokalen Gemeinden dazu inspiriert, aktivistinnen, haben sich zu Patrouillen zusammensich ihren Umweltschutzbemühungen anzuschließen. geschlossen, um gefährdete Wälder vor Holzfällern zu Vor einigen Jahren stellte der Band-e-Amir Nationalpark schützen. Die erste weibliche Patrouillengruppe wurde


ALBINA RUIZ Ciudad Saludable, PERU Recycling war schon immer Teil des Lebens von Albina Ruiz. Geboren und aufgewachsen im peruanischen Amazonas, lernte sie schon früh von ihren Eltern, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit der Natur ist. In ihrer Familie wurden weder Plastik noch Verpackungen benutzt, Schalen von Kochbananen und Maniok wurden Nahrung für Pferde und Schweine. Als sie nach Perus Hauptstadt Lima zog, um Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren, war Albina Ruiz von den Lebensbedingungen der verarmten Familien schockiert: Viele Menschen lebten hier buchstäblich inmitten von Müllhaufen. Sie beschloss, etwas zu unternehmen und gründete die Organisation Ciudad Saludable, die Gemeinden in Peru hilft, Müll zu entsorgen und zu recyceln. Die Arbeit der Organisation führt nicht nur zu einer saubereren Umwelt und besserer Gesundheit, sondern auch zu kleinen Geschäftsmöglichkeiten. Heute, mehr als 20 Jahre später, ist Albina Ruiz eine prominente Sozialunternehmerin, die mit Dienstleistungen im Bereich der Abfallwirtschaft wirtschaftliche und soziale Integration von ArbeitnehmerInnen aus verarmten Gemeinden fördert.

SEIT SIE IHRE SPAZIERGÄNGE BEGONNEN HABEN, SOLLEN SICH 77 QUADRATKILOMETER DER GEFÄHRDETEN WÄLDER WIEDER ERHOLT HABEN.

©Jonathan Alcorn / Greenpeace

Photos used with permission from Sacred Stone Camp

2006 von Khurshida Begum mit Hilfe des Nishorgo-Projekts von USAID gegründet. Jeden Tag ziehen sich die Frauen grüne Saris an und patrouillieren in Begleitung von Rangern der Regierung durch das Chunati Wildlife Reserve. Seit sie ihre Spaziergänge begonnen haben, sollen sich 77 Quadratkilometer der gefährdeten Wälder wieder erholt haben.


©Andreanne Catt-Ironshell

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SEIT 1977 HAT DAS GBM ÜBER 30 MILLIONEN BÄUME GEPFLANZT UND ÜBER 30.000 FRAUEN IN FORSTWIRTSCHAFT, IMKEREI, NAHRUNGSMITTELVERARBEITUNG UND ANDEREN MÖGLICHKEITEN DER EINKOMMENSSICHERUNG AUSGEBILDET.

„FÜR IHRE ARBEIT IM GREEN BELT MOVEMENT WURDE WANGARI MAATHAI 2004 ALS ERSTE AFRIKANISCHE FRAU MIT DEM FRIEDENSNOBELPREIS AUSGEZEICHNET.“

EARTHTALKS ACADEMY SESSION: GRASSROOTS ACTIVISM LEARNING FROM STANDING ROCK ERYN WISE WITH JOSH GRIGSBY & IRIS FREY MITTWOCH, 2. MAI 2018 MQ, ARENA 21, 1070, MUSEUMSPLATZ 1 ANMELDUNG: WWW.ERDGESPRAECHE.NET

WANGARI MAATHAI † Green Belt Movement, KENIA Wangari Maathai gründete 1977 unter der Schirmherrschaft des National Council of Women of Kenya (NCWK) das Green Belt Movement (GBM), um auf die Bedürfnisse von Frauen in den ländlichen Gebieten Kenias zu reagieren. Diese berichteten, dass ihre Wasserläufe austrockneten, ihre Nahrungsmittelversorgung gefährdet war und sie immer weiter gehen mussten, um Feuerholz zu finden. Maathai ermutigte die Frauen, sich zusammenzuschließen, für eine kleine finanzielle Entschädigung Setzlinge zu züchten, Bäume zu pflanzen und so der Entwaldung und damit der Bodenerosion und Desertifikation entgegenzuwirken. Seit 1977 hat das GBM über 30 Millionen Bäume gepflanzt und über 30.000 Frauen in Forstwirtschaft, Imkerei, Nahrungsmittelverarbeitung und anderen Möglichkeiten der Einkommenssicherung ausgebildet. Damit leistet die Bewegung nicht nur einen Beitrag zum Schutz der Umwelt, sondern auch zur Armutsbekämpfung und Stärkung der Frauen in der Gesellschaft. Für ihre Arbeit im Green Belt Movement wurde Wangari Maathai 2004 als erste afrikanische Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ihren Einsatz für die Umwelt bezahlen engagierte Umweltschützerinnen leider auch immer wieder mit ihrem Leben. Pro Woche werden weltweit drei bis vier UmweltschützerInnen Opfer von Gewaltverbrechen, bei weiblichen Aktivis-

tinnen und Anführerinnen indigener Gemeinschaften liegt die Opferquote besonders hoch. 2016 sorgte der Mord an der Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres im mittelamerikanischen Honduras weltweit für Bestürzung. Sie hatte gegen den Bau eines umstrittenen Staudammprojekts gekämpft und setzte sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung und der Frauen ein. Erst 2015 war sie für ihren Einsatz gegen das Staudammprojekt Agua Zarca mit dem Goldman-Umweltpreis ausgezeichnet worden. Einzelne Erfolgsgeschichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frauen sich immer wieder gegen Systeme wehren müssen, die ihnen ihre natürlichen Lebensgrundlagen rauben und ihre Beteiligung an Entscheidungsprozessen häufig unmöglich machen. Wenn wir unsere Umwelt schützen wollen, dann sind Investitionen in das Recht von Frauen auf politische Partizipation sowie die aktive Förderung von Frauen als umweltpolitische Entscheidungsträgerinnen unerlässlich. • JULIKA DITTRICH


Im Rahmen der ERDgespräche 2018 verlosen wir 10x einen Jahresstrom*) verbrauch oekostrom pure . Auch wenn Ihr nicht zu den Gewinnern zählt, könnt Ihr jetzt auf wechseln.oekostrom.at auf sauberen Strom umsteigen und mit dem Code „neongreen“ die ERDgespräche unterstützen. Wir überweisen für jeden Neukunden jährlich €15 an das neongreen network.

*) Entspricht 3.000 kWh oekostrom pure bzw. € 140 und betrifft ausschließlich die Energiekosten. Gewinn kann nicht in bar abgegolten und muss bis spätestens 30.11.2018 eingelöst werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ich weiß, woher mein Strom kommt!


DESIGN FOR THE REAL WORLD

WHAT DESIGN

DESIGNERIN, LEHRBEAUFTRAGTE UND GRÜNDERIN DES VEREINS NEONGREEN NETWORK UND DER VERANSTALTUNG ERDGESPRÄCHE

MUST DO von Angie Rattay

Milchpackungen und Computer, Gießkannen, Flugzeuge, Sessel und Jeans - alles Menschengemachte ist gestaltet. Jedes Ding ist irgendwann am Reißbrett der Kreativen entstanden, und damit auch so manches Problem. „WERBUNG ZU MACHEN, DIE MENSCHEN DAVON ZU ÜBERZEUGEN, DASS SIE DINGE KAUFEN MÜSSEN, DIE SIE NICHT BRAUCHEN, UM GELD, DAS SIE NICHT HABEN, DAMIT SIE ANDERE BEEINDRUCKEN, DENEN DAS EGAL IST, – DAS IST VERMUTLICH DER SCHLIMMSTE BERUF, DEN ES HEUTE GIBT.“

„ÖKOLOGISCH SOZIALES UND VERANTWORTUNGSVOLLES DESIGN MUSS DAHER RADIKAL UND REVOLUTIONÄR SEIN.“

„WAS PAPANEK HIER BESCHREIBT, NENNEN WIR HEUTE PR, MARKETING UND PSYCHOLOGISCHE OBSOLESZENZ ...“

„Es gibt Berufe, die mehr Schaden anrichten als der des Industriedesigners, aber viele sind es nicht.“, schrieb Designer und Designphilosoph Victor Papanek 1971 in seinem Buch „Design für die reale Welt: Anleitung für eine humane Ökologie und sozialen Wandel“. Und weiter: „Verlogener ist wahrscheinlich nur noch ein Beruf: Werbung zu machen, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie Dinge kaufen müssen, die sie nicht brauchen, um Geld, das sie nicht haben, damit sie andere beeindrucken, denen das egal ist, – das ist vermutlich der schlimmste Beruf, den es heute gibt.“ Was Papanek hier beschreibt, nennen wir heute PR, Marketing und psychologische Obsoleszenz: KonsumentInnen werden durch Werbung davon überzeugt, neue Produkte zu kaufen, obwohl die alten nach wie vor intakt sind. Bewusst eingebaute Designfehler, wie kurzlebige oder nicht reparierbare Produkte, nennt man geplante Obsoleszenz: Zeug, entworfen für die Mülldeponie – buchstäblich der Gipfel der Verwerflichkeit. Papanek wollte sich nicht für Dinge hergeben, die er als Zuhälterparfum bezeichnete. Für ihn hatte gutes Design stets ethischen ökologischen und sozialen Grundsätzen zu folgen. Er forderte diese Verantwortung als einer der Ersten in der Designbranche ein, und propagierte den Ausdruck

des „integrierten“, also des ganzheitlichen Designs, das den gesamten Lebenszyklus eines Objekts im Auge hat. Dabei werden sämtliche Schritte der Produktentwicklung bereits im gestalterischen Prozess mitgedacht, von der Rohstoffbeschaffung und effizienten Nutzung bis hin zu Recycling, Rückgabe oder Kompostierung (siehe auch Kreislaufwirtschaft oder Cradle2CradleTM). Ökologisch soziales und verantwortungsvolles Design muss daher radikal und revolutionär sein. Es muss den größtmöglichen Effekt mit dem geringsten Aufwand wiederverwertbarer Materialien (mit effizienter Materialnutzung) erzielen, langlebige, recycelbare Gegenstände hervorbringen und die Menschen dazu anregen, weniger zu konsumieren. Kurz gesagt: Design muss Weltveränderung, Lebensrettung und Nachhaltigkeit sein, und nicht einfach die Behübschung von Oberflächen. In unserer schnelllebigen Welt, in der uns die Werbung einredet, dass uns der Besitz von Dingen glücklich macht, hatten solche Ansätze bisher wenig Platz. In den 1960erJahren, als der Konsumwahnsinn erstmals so richtig Schwung aufnahm, verfasste der britische Grafikdesigner Ken Garland gemeinsam mit anderen Kreativen eines der wichtigsten Werke zum Thema Ethik und Design: das First-Things-First-Manifest. Das Schreiben wurde 1964 in


© Ken Garland

namhaften Designmagazinen auf der ganzen Welt sowie auch in The Guardian abgedruckt und im Jahr 2000 neu aufgelegt. Es wurde bis heute von hunderten Kreativen weltweit unterzeichnet. Darin heißt es: „We have reached a saturation point at which the high pitched scream of consumer selling is no more than sheer noise. We think that there are other things more worth using our skill and experience on. There are signs for streets and buildings, books and periodicals, catalogues, instructional manuals, industrial photography, educational aids, films, television features, scientific and industrial publications and all the other media through which we promote our trade, our education, our culture and our greater awareness of the world.“ Seit dem Manifest sind Jahrzehnte vergangen, Konsumismus und Verschwendungssucht haben ungeahnte Sphären erreicht. Lebenszyklen von Produkten dagegen sind kurz wie nie. Wir sind im Zeitalter der Wegwerfkultur, der Single-Use-Plastics und anderer Convenience-Produkte angekommen. Je weniger Zeit man für Essen, Kleidung, Kommunikation oder Mobilität braucht, desto besser. So die Werbebotschaften. Doch ersparen wir uns wirklich etwas – oder werfen wir nicht viel mehr unser Geld für qualitativ minderwertige Waren raus, und bezahlen dafür mit unserer Gesundheit und der Ausbeutung des Naturkapitals unseres Planeten?

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EINHEIT SCHAFFEN ERINNERN HELFEN TOLERANZ FÖRDERN UNSER LEBEN VEREINFACHEN UNS AUFMUNTERN DAS LEBEN SICHERER MACHEN INFORMIEREN UND LEHREN SPENDENGELDER MOBILISIEREN UNS DAZU BEWEGEN, UNS FÜR ETWAS EINZUSETZEN! Quelle: form 184, 2002

„DOCH ERSPAREN WIR UNS WIRKLICH ETWAS - ODER WERFEN WIR NICHT VIEL MEHR UNSER GELD FÜR QUALITATIV MINDERWERTIGE WAREN RAUS, UND BEZAHLEN DAFÜR MIT UNSERER GESUNDHEIT UND DER AUSBEUTUNG DES NATURKAPITALS UNSERES PLANETEN?“


DESIGN FOR THE REAL WORLD

© Foto: Bas de Graaf

SPRECHER

EARTHTALKS ACADEMY SESSION: DESIGN’S POWER TO IGNITE DEBATE & RAISE AWARENESS RICHARD VAN DER LAKEN & TIRSO FRANCÉS DONNERSTAG, 3. MAI 2018 MQ, ARENA 21, 1070, MUSEUMSPLATZ 1 ANMELDUNG: WWW.ERDGESPRAECHE.NET

RICHARD VAN DER LAKEN (NLD) ist ein holländischer Graphikdesigner, der Design als Werkzeug für sozialen Wandel versteht. In den Neunzigern startete er gemeinsam mit anderen das Designstudio De Designpolitie und Gorilla, ein Designkollektiv, das eine graphische News-Kolumne in einer holländischen Tageszeitung zeichnet. 2011 gründete er außerdem What Design Can Do (WDCD), eine internationale Konferenz, die den Einfluss von Design auf die Gesellschaft untersucht. Daraus entwickelte sich eine weiterführende Bewegung, die derzeit in Amsterdam, São Paulo und bald auch in Mexico City aktiv ist. www.whatdesigncando.com

Ein gutes Beispiel dafür, dass man mit coolem Design, einem eingängigen Slogan und dem richtigen Testimonial nahezu alles unter die Leute bringt, ist Nespresso: Der Kaffee ist unglaublich teuer (€ 60 - 75/kg), nicht biologisch hergestellt, verpackt in Aluminiumkapseln, die sich nur mit hohen Verlusten und dem nicht weiter verwendbaren Abfallprodukt der Aluminiumschlacke recyceln lassen und kann nur in Maschinen gebrüht werden, deren Lebensdauer erwiesenermaßen auf durchschnittlich ein Jahr begrenzt ist. Man erspart sich weder Geld noch Handgriffe. Im Gegenteil. Wer würde so ein Produkt schon kaufen? DesignerInnen müssen sich heute mehr denn je ihrer Aufgabe bewusst sein, dass sie nichts Geringeres als unsere Welt gestalten, und damit auch unser Leben und das Leben zukünftiger Generationen. An ihren Schreibtischen werden Fragen zu Rohstoff- und Materialwahl, Produktionseffizienz und vor allem zu Notwendigkeiten gestellt. Sie und die Unternehmen, für die sie arbeiten, haben es in der Hand, ob wir weitere Millionen Tonnen Plastikmüll, Aluminiumschlacke, Elektroschrott, verpestete Luft, gerodete Wälder und verschmutztes Wasser hinterlassen, oder ob wir unser Umfeld intelligent, organisiert und sozial gestalten. Doch auch aufseiten der KonsumentInnen gibt es Verantwortung. Wenn sie ein Produkt nicht kaufen, wird es der Markt nicht mehr anbieten. Unser Steuerinstrument ist unsere Geldbörse. So einfach ist das.

Wenn wiederholt nach Saisonalität, Qualität oder Herkunft der uns angebotetenen Produkte gefragt wird, Reparaturen oder Ersatzteile eingefordert werden, wird der Markt auch darauf reagieren. Als Hilfestellung für verantwortungsvolle Kaufentscheidungen hat uns Victor Papanek schon 1971 folgende Gewissensfragen mit auf den Weg gegeben: • Brauche ich das Ding wirklich, oder hat mir die Werbung eingeredet, dass ich es gerne hätte? • Kann nicht etwas anderes, das ich bereits besitze, diesen Zweck erfüllen? • Kann ich es mit jemandem teilen, es ausborgen oder mieten? • Kann ich es auch gebraucht kaufen? Aus all diesen Gründen hat der niederländische Designer Richard van der Laken 2011 die internationale Konferenz „What Design Can Do“ ins Leben gerufen. Die Veranstaltung richtet sich mit kritischen Fragen an Designschaffende, präsentiert aktuelle Beispiele und Lösungen und motiviert mehr und mehr Kreative, sich die Ethikfrage zu stellen. Mit Hilfe solcher Initiativen wird den „Dingen, die die Welt nicht braucht“ erfolgreich der Kampf angesagt. • ANGIE RATTAY



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WE CAN BE HEROES

EARTHTALKS

ACADEMY

MANAGING DIRECTOR ERDGESPRÄCHE UND NEONGREEN NETWORK. KLIMA- UND ENERGIESPRECHER VON GREENPEACE CEE

© Adam Birkett

von Adam Pawloff

1972 fand in Stockholm die „Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen“ statt. Im gleichen Jahr erschien das Buch „Grenzen des Wachstums“, herausgegeben vom Club of Rome. 1987 verfasste eine UN-Kommission einen Bericht mit dem Titel „Unsere Gemeinsame Zukunft“, in dem der Begriff der nachhaltigen Entwicklung geprägt wurde. 1992 wurde in Rio de Janeiro die Klimarahmenkonvention beschlossen. 1997 das Kyoto Protokoll verabschiedet. Diese Liste ist nicht vollständig und man könnte sie leicht fortsetzen. Der Punkt dabei ist, dass wir die großen umweltpolitischen Herausforderungen bereits seit Jahrzehnten kennen, aber bislang weder Politik noch Wirtschaft im Stande waren, auch nur ansatzweise Lösungen zu finden, die der Dimension der Probleme gewachsen sind. Ein Blick auf die österreichische Umweltpolitik erfüllt einen diesbezüglich nicht gerade mit Hoffnung. Einerseits haben wir eine Regierung, die in ihrer Erklärung zum Thema Umwelt zwar schöne Versprechungen gemacht hat, aber gleichzeitig bei kräftig steigenden Einnahmen die Budgets für Umwelt und öffentliche Verkehrsmittel kürzt, und fiskalpolitische Maßnahmen ausgeschlossen hat. Andererseits ist, zumindest auf Bundesebene, ein umweltpolitisches Vakuum entstanden, hinterlassen durch das Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat. Gesellschaftliche Veränderungen ergeben sich allerdings selten alleine durch die Weitsicht und das Verantwortungs-

bewusstsein einzelner PolitikerInnen. Die Geschichte zeigt, dass meist erst dann etwas passiert ist, wenn die Menschen selbst aktiv geworden sind und entsprechenden Druck erzeugt haben: BürgerInnenrechte für AfroamerikanerInnen in den USA, die Abschaffung der Sklaverei, die Erlangung des Frauenwahlrechts, sowie auch viele umweltpolitische Errungenschaften sind alles Ergebnisse von BürgerInnenbewegungen. Auch in Österreich gibt es dafür gute Beispiele: die Verhinderung der Atomkraft und des Donaukraftwerks in Hainburg – in beiden Fällen stand übrigens Freda Meissner-Blau an vorderster Front, die Grande Dame der österreichischen Umweltbewegung und jahrelange Schirmherrin der ERDgespräche. Als wir daher nach 10 Jahren ERDgesprächen überlegten, wie wir die Veranstaltung weiterentwickeln und das Entstehen von Bottom-up-Initiativen besser unterstützen könnten, ist die Idee der EARTHtalks Academy entstanden. Es sollte neben der Hauptabendveranstaltung ein Angebot für junge Menschen entstehen, ein Raum für mehr Interaktion und Kreativität, etwas, das die BesucherInnen der ERDgespräche in den letzten Jahren auch immer wieder eingefordert haben. Wir wollten aus der reichen Vergangenheit und Gegenwart der ERDgespräche-SprecherInnen schöpfen und den Menschen, Wissen und Werkzeuge in die Hand geben, um selbst aktiv zu werden. Ich hoffe, es wird uns gelingen. • ADAM PAWLOFF

DIE EARTHTALKS ACADEMY FINDET MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG DES MQ WIEN UND DES DESIGNFORUMS STATT


WE CAN BE HEROES

EARTHTALKS VEREIN, VERANSTALTER DER ERDGESPRÄCHE UND DER EARTHTALKS ACADEMY

ACADEMY PROGRAM Neongreen Network

2. MAI 2018

3. MAI 2018

SPE AKERS JA M

S PE A KER S J A M

Kurz-Talks aller Speaker Moderation: Nina Thüllen

Kurz-Talks aller Speaker Moderation: Thomas Weber

SESSI ONS

S ES S IO NS

Grassroots Activism - Learning from Standing Rock

Wie das Internet die Welt verändert: Online Mobilisierung

ERYN WISE, Standing Rock Activist

MADELEINE ALIZADEH, dariadaria 2.+ 3. MAI 20

quartier 18 / Museums

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Wien

esp rae che .net

GENAUE INFORMATIONEN ZU DEN EINZELEN SESSIONS DER EARTHTALKS ACADEMY FINDET IHR IN UNSEREM PROGRAMMHEFT ODER UNTER WWW.ERDGESPRAECHE.NET

How to win campaigns ALEXANDER EGIT, CEO Greenpeace CEE

Design’s power to ignite debate & raise awareness RICHARD VAN DER LAKEN & TIRSO FRANCÉS, WDCD

Wie ticken JournalistInnen? Und wie kann ich mir das zu nutzen machen?

Die Kunst des achtsamen Aktivismus

CHRISTOPH KRAMMER, Puls 4

Therapeutin MARIANNE PAWLOFF, Pilger ERNST JETZT

Ihr Auftritt bitte!

Macht und Ohnmacht von Netzwerken

ROLAND DÜRINGER, Schauspieler und Kabarettist

HARALD KATZMAIR, FAS Research

Hitzige Verhandlungen! Hinter den Kulissen der Klimapolitik

Und Action! Das Einmaleins der Aktionsplanung

HELGA KROMP-KOLB, Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit, BOKU Wien

MARTIN WITTNER, JULIANA OKROPIRIDSE, Global 2000

More powerful than you(th) think! GENERATION EARTH and NATHAN SPEES, WWF


WIR DENKEN NICHT NUR SCHWARZ-WEISS

Mehr bunter Inhalt auf:


CLICKTIVISM?

EINE AUTOR, HERAUSGEBER VON BIORAMA UND DER BUCHREIHE „LEBEN AUF SICHT“

PETITION STARTEN Gedanken und auch ein paar Vorbehalte gegenüber Clicktivism von Thomas Weber

Ich bekenne: Ich gehe fast nie auf Demos, unterschreibe nur ganz, ganz selten Petitionen und noch viel seltener Volksbegehren. Und wenn eine oder einer der üblichen Verdächtigen auf Facebook wieder einmal einen Aufruf teilt, dann ist es manchmal eher mein schlechtes Gewissen, welches mich ein Like setzen lässt, als ehrliche Überzeugung. Manches kommt mir sogar ein wenig lächerlich vor, sympathisch naiv vielleicht.

PETITIONSPLATTFORMEN: WWW.AVAAZ.ORG WWW.CHANGE.ORG WWW.SUMOFUS.ORG WWW.AUFSTEHN.AT

Meine Skepsis mag zum einen daran liegen, dass ich als Journalist ohnehin andere Möglichkeiten des Engagements habe. Vielleicht mache ich es mir in meiner Rolle auch bequem. Aber als Journalist kannst du einiges tun. Du gibst jenen Stimme und Plattform, die sonst kein Gehör finden; stellst Fragen, die andere vielleicht nicht stellen; bleibst manchmal bewusst an Themen dran – selbst im Wissen, dass sie in der gnadenlosen Währung der digitalen Aufmerksamkeit, in Klicks gemessen, keine unmittelbaren Quotenbringer sind. In der vollen Überzeugung, dass es wichtig ist. Andererseits mag meine Skepsis gegenüber Petitionen auch darin begründet sein, dass mich allein die Vielzahl der möglichen Betätigungsfelder als Bürger schlicht überfordert. Überall Baustellen, allerorten Probleme. Diskriminierung, vorsätzliche Umweltzerstörung, Dummheit mit System – liegt nicht fast alles irgendwie im Argen?

Natürlich bin ich gegen Mikroplastik in der Zahnpasta. Gegen Kükenschreddern, das Abholzen der letzten polnischen Urwälder, die Ausbeutung der Gold- und Silbervorkommen in Roșia Montană und außerdem bin ich selbstverständlich der Überzeugung, dass jeder Völkermord „sofort zu stoppen“ ist. Ich geb’s ja zu: Dieses Hadern lähmt. Doch unterschreibe ich überall, wird die Sache inflationär, bleibt beiläufig und halbherzig. Kaum ein Missstand, zu dem es nicht die passende Petition gibt. So gehen viele Appelle von vornherein im virtuellen Protest-Gebrüll unter. Vielleicht sind mir viele Forderungen auf Plattformen via Avaaz oder Change.org auch schlicht zu einseitig formuliert. Ist das der Grund, warum ich mich an keiner einzigen davon beteiligt habe? Als Journalist gehört es zu meinen Aufgaben, zumindest beide Seiten zu hören, im besten Fall sogar mehrere. Dabei habe ich gelernt, mit dem Wort „Wahrheit“ behutsam umzugehen. Denn die populistische Zuspitzung einer Kampagne wird der Komplexität eines Themas selten gerecht. Das Arbeiten mit klaren Feindbildern scheint mir zudem unzulässig. Vielleicht halte ich deshalb die Spielart des Constructive Journalism für so besonders reizvoll – weil sie weder verdammt, noch schönfärbt, sondern Problemlösungen porträtiert; bevorzugt Menschen, Initiativen und Unternehmen vorstellt, die selbst aktiv geworden sind und durch ihr Tun anderen als Vorbilder dienen können, und diese selbst zum Tun inspirieren können.


Genau das ist es wahrscheinlich, was mich an vielen Aufrufen oder Unterschriftenlisten stört: dass sie passiv bleiben, dass ihnen das Tun abgeht. „Avaaz verbessert die Welt nicht in erster Linie, es beruhigt sie viel mehr“, fasst der Aktivist Detlev Beutner auf graswurzel.net alles Unbehagen gegenüber dem Clicktivism in einem Satz zusammen.

© Avaaz

Dabei können wir die Geschichte von Avaaz durchaus als Erfolgsgeschichte lesen – auch wenn wir ihrem Gründer Ricken Patel die über 45 Millionen Mailadressen jener ZeitgenossInnen, die sich bereits über Avaaz geäußert haben, nicht als die so bezeichneten „Mitglieder“ durchgehen lassen sollten. Anfangs u.a. von Vorfeldorganisationen der US-amerikanischen Demokraten und George Soros „Open Society Foundation“ finanziert, gelingt es der – mittlerweile nur von Kleinstspenden unter 5.000 Euro betriebenen – Plattform durch professionelle Kampagnen immer wieder Themen zu setzen. In New York City hat Avaaz immerhin mitgeholfen, 311.000 Menschen zum bislang größten Climate March aller Zeiten auf die Straße zu bringen. Insgesamt gingen an diesem Wochenende mehr als 1,5 Millionen Menschen weltweit auf die Straße, um für ein global verbindliches Klimaschutzabkommen zu demonstrieren. Nicht unwesentlich beteiligt war Avaaz auch an der Beibehaltung der Netzneutralität in Europa – 2,8 Millionen Menschen riefen ihre EU-Abgeordneten an, schickten ihnen Emails oder gingen demonstrieren. 2010 hat Großbritannien im indischen Ozean das bis dato weltweit größte Meeresschutzgebiet eingerichtet. Das Außenministerium verwies in der Erklärung unter anderem auf 221.000 Nachrichten aus 223 Ländern als mitentscheidenden Faktor bei der Entscheidung. Wären diese Erfolge auch ohne Avaaz zustande gekommen? Wir werden es nie wissen, aber ein Stück beigetragen hat die Organisation sicher. Ich habe mich im FreundInnen- und Bekanntenkreis umgehört. Mein Eindruck: Je engagierter ein Zeitgenosse, desto unwahrscheinlicher, dass sie sich von Avaaz- oder ChangeKampagnen mitreißen lassen. Katharina Reuter etwa, streitbare Geschäftsführerin des deutschen Öko-Unternehmensverbands UnternehmensGrün, gesteht, selbst noch nie eine dieser Petitionen unterzeichnet zu haben. „Obwohl mir meine Mutter immer wieder mal eine Petition weiterleitet, wenn sie unterzeichnet hat. Sie sagt dann: ‚Da musst du auch unterschreiben. Schon sooo viele haben unterschrieben. Jetzt muss sich doch etwas ändern!’“

GRÜNDUNG 2007 CEO RICKEN PATEL HAUPTSITZ NEW YORK UNTERSTÜTZER 46,7 MILLIONEN AKTIONEN 366 MILLIONEN SPRACHEN 15 SPENDEN 18 MILLIONEN $ (2016) GRÖSSTE ERFOLGE: · PARISER KLIMAABKOMMEN: 1,5 Mio. Menschen nehmen an Climate Marches teil · NETZNEUTRALITÄT IN DER EU: 2,8 Mio. kontaktieren EU-Parlament, demonstrieren · CHAGOS MARINE RESERVE: Hunderttausende Emails erreichen UK-Regierung

„IN NEW YORK CITY HAT AVAAZ IMMERHIN MITGEHOLFEN, 311.000 MENSCHEN ZUM BISLANG GRÖSSTEN CLIMATE MARCH ALLER ZEITEN AUF DIE STRASSE ZU BRINGEN.“


SPRECHER

CLICKTIVISM?

RICKEN PATEL (CAN) der Abschlüsse aus Oxford und Harvard hat, ist Geschäftsführer und Gründer von Avaaz, einer globalen Bewegung für sozialen Wandel. Mit über 45 Mio. Unterstützern in 194 Ländern ist Avaaz die größte Online-Aktivismus-Community der Welt. Patel wurde von der Huffington Post „Ultimate Gamechanger in Politics“ genannt und von The Guardian „globaler Anführer des Online-Protests“. Er hat in Sierra Leone, Liberia, Afghanistan und Sudan für verschiedene Organisationen im Konfliktmanagement gearbeitet, etwa für die International Crisis Group und das International Center for Transitional Justice. secure.avaaz.org

„BEINAHE 90.000 MENSCHEN, DIE MEISTEN DAVON WOHL MIT LEBENSMITTELPUNKT ÖSTERREICH, HABEN SICH BISLANG ÜBER #AUFSTEHN ENGAGIERT …“

Prinzipielle Vorbehalte hat auch die Tochter keine. Aber sie stößt sich an der emotionalisierenden Aufmachung, an der Skandalisierung wie wir sie sonst auch bei Boulevardmedien ausmachen. Aktuell etwa fordert mich eine Kampagne auf Avaaz auf, zu spenden, „bevor die letzte Biene stirbt“. Wissend, dass – aller berechtigt beanstandeter Probleme zum Trotz – die letzte Biene so schnell nicht sterben wird, fühle ich mich intellektuell verarscht. Und auf dieser Plattform irgendwie fehl am Platz.

#aufstehn idealerweise Gusto für den nächsten Schritt gemacht werden“, erläutert Maria Mayrhofer, Geschäftsführerin der Plattform, „gemeinsame Forderungen sollen im echten Leben ankommen. Es geht um Demos, wir überreichen Petitionen an Politikerinnen und Politiker.“

Seit kurzem gehen die Kampagnen nicht ausschließlich vom Verein aus. Seit Jänner 2018 kann unter mein.aufstehn.at jeder und jede eigene Petitionen starten. Ein Angebot, das angenommen wird. Bislang wurden 30 Petitionen initiiert. Doch bei vielen Menschen, die sich nicht tagtäglich mit Die erfolgreichste davon von einem Niederösterreicher umweltpolitischen Fragestellungen auseinandersetzen, hat kurz vor der Landtagswahl: Binnen zwei Tagen schlossen Avaaz doch wieder eine Existenzberechtigung. Menschen, sich 35.000 Personen an und forderten den Rücktritt des die ohne diese Petition vom real existierenden Problem des freiheitlichen Spitzenkandidaten und Burschenschafters Bienensterbens vielleicht wenig mitbekommen würden. Udo Landbauer (Stichwort: Nazi-Liederbuch). Menschen, die vielleicht maximal ihre Unterschrift bei einer Petition zu leisten bereit sind. Ein Korrektiv, welche Petitionen gestartet werden können, gibt es auf #aufstehn allerdings sehr wohl. Kampagnen mit Ein verhältnismäßig junges regionales Angebot überzeugt rassistischem Grundton, wie sie auf Avaaz oder Change.org mich schon eher. Die vor drei Jahren gegründete Plattform schon vorgekommen sein sollen, verhindert wohl allein der #aufstehn ist als Verein (zur Förderung zivilgesellschaftHintergrund der Gründung 2015. „Wir sind als Organisation licher Partizipation) organisiert, dementsprechend am von der sogenannten Flüchtlingskrise geprägt,“ sagt Gemeinwohl orientiert und einige der Leute im Vorstand Maria Mayrhofer. Chancengleichheit, Fairness, soziale sind mir persönlich bekannt oder zumindest als öffentliche und ökologische Gerechtigkeit werden als Wertebasis DiskursteilnehmerInnen vertraut. Das schafft, genau: angeführt. Vertrauen. Nicht zuletzt, weil man sich ans österreichische Ich bekenne: Als mündiger Bürger bin ich in diesem Datenschutzgesetz zu halten hat – und in einer DatenUmfeld deutlich eher bereit, tatsächlich aufzustehen. schutzerklärung auch kundtut, dass einem das „ein großes • THOMAS WEBER, ZWEIFACHER VATER; HERAUSGEBER VON BIORAMA Anliegen“ ist. Beinahe 90.000 Menschen, die meisten (MAGAZIN FÜR NACHHALTIGEN LEBENSSTIL), DER BUCHREIHE „LEBEN davon wohl mit Lebensmittelpunkt Österreich, haben sich AUF SICHT“ (RESIDENZ VERLAG) UND SELBST BUCHAUTOR (ZULETZT ERbislang über #aufstehn engagiert: über Massenmails, SCHIENEN: „100 PUNKTE TAG FÜR TAG. MIET-HÜHNER, GUERILLA-GRAFAppelle oder sind sogar wirklich für Kundgebungen aufge- TING UND WEITERE ALLTAGSTAUGLICHE IDEEN FÜR EINE BESSERE WELT“) standen. „Nach dem Klicken und Unterzeichnen soll über


2016 REG.NO. AT-000684

BERNHARD-AV ist das erste Unternehmen im Bereich Konferenz- und Kongresstechnik mit international anerkannter Umweltzertifizierung EMAS, Gewinner des EMAS-Umweltpreis 2016, Teil der Initiativen „Best of Austria“ und ÖkoBusinessPlan Wien, sowie seit 2018 vollkommen CO2-neutral.


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KONSUMENTINNENSPRECHERIN VON GREENPEACE ÖSTERREICH, AUTORIN UND BLOGGERIN

PLASTIC AGE Nunu Kaller

SEIT 1950 WURDEN UNFASSBARE 8.3 MILLIARDEN TONNEN PLASTIK PRODUZIERT. Quelle: Greenpeace

JEDE MINUTE WIRD EINE VOLLE LKW-LADUNG PLASTIKMÜLL INS MEER GEKIPPT. Quelle: Greenpeace

Wir leben im Zeitalter des Plastiks. Auf der ganzen Welt wird von keinem Material mehr hergestellt. Im Sommer 2017 veröffentlichten US-Forscher eine Studie, die sich damit befasste, was eigentlich mit all dem Plastik, das jemals produziert wurde, passiert ist. Die Ergebnisse sind schockierend: • Seit 1950 wurden unfassbare 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Das entspricht dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen aus blankem Stahl. • Nur 30 % davon sind heute noch in Verwendung. Der überwiegende Großteil des Rests ist Teil eines riesigen Umweltproblems, denn: • Fast 80 % des weltweiten Plastikabfalls landen auf Mülldeponien oder direkt in der Natur. Der Recyclinganteil beträgt lediglich 9 %. 12 % des weltweit produzierten Plastiks werden verbrannt. • Das Problem wird rasend schnell größer: Etwa die Hälfte des seit 1950 erzeugten Plastiks ist höchstens 13 Jahre alt. Setzt sich dieser Trend fort, könnten sich bis 2050 bereits 12 Milliarden Tonnen Plastik auf Deponien und in der Umwelt befinden. Das entspricht dem Gewicht von 66 Millionen Blauwalen, die stattdessen die Meere bevölkern sollten. • 42 % des erzeugten Plastiks wird genau ein einziges Mal verwendet, es wird daher Wegwerfplastik (Single Use Plastics) genannt. Schuld daran ist in erheblichem Maß unsere Convenience-Kultur mit Coffee-To-Go Bechern, Strohhalmen in Plastikbechern und Plastik-

verpackungen für einzelne Essensportionen. Viele dieser Becher, Flaschen oder Sackerl sind durchschnittlich 5 Minuten im Einsatz, bevor sie weggeworfen werden. • Jede Minute wird eine volle LKW-Ladung Plastikmüll ins Meer gekippt. Das Plastik, das in unsere Ozeane gelangt, stellt eine erhebliche Gefahr für deren Bewohner dar. Manche Meereslebewesen bleiben in Plastikteilen hängen, verletzen sich daran oder ersticken an ihnen. Jedes Jahr verenden so über eine Million Seevögel und 100.000 Meeressäuger. Es gibt Berechnungen, die besagen, dass bereits jede dritte Schildkröte weltweit Plastik im Magen hat. • Auch Fische verwechseln oft Mikroplastik mit Plankton und fressen es. Dadurch wandert das Plastik in der Nahrungskette hinauf und landet auf unseren Tellern. Aufgrund diverser Meeresströmungen gibt es bereits mehrere Plastikinseln in den Ozeanen. So ist beispielsweise jene im Nordpazifik, nördlich von Hawaii, etwa 14 Mal so groß wie Österreich – und das ist nur eine von vielen. Dabei sind diese sichtbaren Plastikinseln noch ein geringeres Problem als all das kaum wahrnehmbare Mikroplastik, das sich bereits in allen Weltmeeren auflöst. Diese Mikroplastikteilchen sind winzige Teilchen unter 5 mm Größe, oft sind sie sogar noch viel kleiner, bis hin zu Nanogröße. Sie wirken in der Umwelt wie Fremdkörper mit Giftfracht, weil sie Schadstoffe wie zum Beispiel gefährliche Weichmacher und Flammschutzmittel enthalten. Gleichzeitig sammeln sich an den Plastikpartikeln Schadstoffe aus der Umwelt.


© Greenpeace / Fred Dott

EIN EINZIGER FLEECEPULLOVER VERLIERT BEI JEDEM WASCHGANG BIS ZU 1 MILLION PLASTIKFASERN.

© The 5 Gyres Institute

Quelle: Greenpeace

© Greenpeace / Alex Hofford

© Greenpeace / Daniel Müller

Es gibt Berechnungen, wonach im Jahr 2050 mehr Mikroplastik als Fische in den Weltmeeren schwimmen könnten. Die Gründe für all diese Entwicklungen liegen in unserer Konsumkultur. Wir sind vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer Single-Use-Gesellschaft geworden. Der Kaffee wird im Wegwerfbecher „to go“ getrunken, das Essen im Supermarkt für den urbanen Single einzeln verpackt. In manchen asiatischen Ländern gilt es wiederum als besonders hygienisch, Shampoos und Seifen nicht in großen Flaschen, sondern in kleinen Sachets zu kaufen. Hierzulande werden oft Produktproben oder Gesichtsmasken in solche Mini-Tütchen abgepackt. Dabei entstehen horrende Mengen an Plastikmüll. Auch die Art, wie wir uns kleiden und uns fortbewegen, wirkt sich auf den Anteil des Mikroplastiks im Meer aus. Polyester – das billigste und daher in der Fast Fashion am häufigsten verwendete Material – fasert bei jeder Wäsche winzige Partikel ab, die so klein sind, dass die Kläranlagen sie kaum aufhalten können. Besonders schlimm ist es beim Material Fleece: Ein einziger Fleecepullover verliert bei jedem Waschgang bis zu einer Million Plastikfasern.

„ES GIBT BERECHNUNGEN, WONACH IM JAHR 2050 MEHR MIKROPLASTIK ALS FISCHE IN DEN WELTMEEREN SCHWIMMEN KÖNNTEN. “

„WIR SIND VOR ALLEM IN DEN LETZTEN BEIDEN JAHRZEHNTEN ZU EINER SINGLE-USE-GESELLSCHAFT GEWORDEN.“

NÜTZLICHE LINKS: PLASTIK.GREENPEACE.AT WWW.PLASTICPOLLUTIONCOALITION.ORG ICHKAUFNIX.COM

Zudem ist seit den 1960er-Jahren die Zahl der AutofahrerInnen massiv angestiegen. Davon sind besonders Flüsse stark betroffen. Der normale Reifenabrieb gelangt durch Regenfälle oft direkt von den Straßen ins Wasser.

UTOPIA.DE/TAG/PLASTIK ZEROWASTEHOME.COM WWW.GLOBAL2000.AT/PLASTIK


© Foto: Wolfgang Weitlaner

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WERNER BOOTE (AUT) ist ein Filmemacher aus Wien. Nach seinem Studium an der Uni Wien und der Filmakademie arbeitete er als Regieassistent, unter anderem für Bud Spencer. Sein Film „Plastic Planet“ wurde in mehr als 80 Ländern gezeigt, gewann die Goldene Romy in der Kategorie „Bester Kinodokumentarfilm“ und zählt zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen aller Zeiten. Boote schaffte damit weltweit Bewusstsein für die Problematik der Plastikverschmutzung und inspirierte unter anderem auch das globale Projekt „Ocean Cleanup“, das zum Ziel hat, die Ozeane vom Plastikmüll zu reinigen. Es folgten weitere aufrüttelnde Filme wie “Population Boom”, “Alles unter Kontrolle” oder “The Green Lie” (derzeit im Kino). www.wernerboote.com

„WIR WERDEN UNS AUS DER PLASTIKFLUT NICHT HERAUS RECYCELN KÖNNEN.“

„WENIGER TO GO, MEHR TO STAY LAUTET DIE DEVISE.“

Natürlich liegt die Verantwortung beim Umweltproblem Plastik zunächst bei Wirtschaft und Politik. Die EU ist seit einigen Jahren auf das Thema aufmerksam geworden. So gibt es seit 2014 zwar eine EU-Richtlinie, die die GratisAusgabe von Plastiksäcken reguliert, dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Vor wenigen Monaten präsentierte die EU außerdem ihre Plastik-Strategie – auf eine legislative Umsetzung, also auf bindende Richtlinien, warten wir jedoch noch. Das große Manko der EU-Plastik-Strategie ist, dass sie zu sehr auf Recycling als Problemlösung setzt. Fakt ist jedoch: Wir werden uns aus der Plastikflut nicht heraus recyceln können. Es fehlen internationale Systeme, die das Plastik einer Verwertung zuführen könnten, und noch viel wichtiger: Es wird schlicht und einfach zu viel produziert und zu langsam recycelt, um das Problem rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Ganz unabhängig davon, wäre es höchst an der Zeit, dass jedes Land selbst legislativ aktiv wird, anstatt sich auf unausgereifte Strategien zu verlassen.

Unternehmen wie Coca-Cola oder Nestle konsequent auf Mehrwegverpackungen umsteigen. Denn Mehrweg kann zumindest im Consumer-Bereich eine effektive Lösung sein: Mehrwegsysteme haben die Sammel- und RecyclingRaten von Plastikflaschen angekurbelt, in einigen europäischen Ländern auf über 80 %. Doch es braucht nicht nur den Fingerzeig nach oben, sondern auch eine echte Revolution von unten. Auch im Bereich Plastik gilt der alte Satz: „Wenn du nichts änderst, ändert sich nichts“. Es geht hier um UNSEREN Lebensstil. Weniger „to go“, mehr „to stay“ lautet die Devise. Wir können uns in unserem Alltag bewusst gegen WegwerfPlastik und für langlebige Produkte aus umweltfreundlicheren Materialien entscheiden. Bereits vor neun Jahren machte der Filmemacher Werner Boote auf die Problematik aufmerksam. „Plastic Planet“ zeigte damals schon eindrucksvoll die Plastikverschmutzung von Meeren und Wüsten, und wurde 2010 mit der Romy als bester Kino-Dokumentarfilm ausgezeichnet. • NUNU KALLER

Leider arbeiten aber auch viele Unternehmen nach dem Prinzip „Recycling“ und geben so ihre Verantwortung an die KonsumentInnen ab. Man müsse die Produkte ja nur richtig entsorgen, heißt es. Das kann so nicht weitergehen. Damit sich wirklich etwas ändert, müssten globale


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ERDGESPRÄCHE 2018 PROGRAMM

Yes, we plant. In der Tat macht Mondi weit mehr als nur Bäume zu pflanzen. 100% unserer eigenen und gepachteten Wälder – insgesamt 2,1 Millionen Hektar – sind FSC® zertifiziert und alle unsere Mondi Papiermarken tragen das EU Ecolabel.

2

Mai 2018 MITTWOCH

2

Mai 2018 MITTWOCH

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Mai 2018 DONNERSTAG

Produziert in Österreich, Mondi’s BIO TOP 3® hat ein unschlagbares Umweltprofil seit mehr als 25 Jahren. Was auch immer Ihre Anforderungen sind, sei es ein Recycling Papier, auch mit Blauer Engel, ein CO2 neutrales oder ein 100% chlorfrei gebleichtes Papier, alle Produkte der Mondi Green Range werden nachhaltig produziert und sind FSC® oder PEFC™ zertifiziert.

4

Mai 2018 FREITAG

The documentary ALBATROSS by Chris Jordan is a powerful visual journey into the heart of an environmental tragedy. On one of the remotest islands on Earth, tens of thousands of albatross chicks lie dead on the ground, their bodies filled with plastic. Returning to the island over several years, Chris and his team witnessed cycles of birth, life, and death of these magnificent creatures as a metaphor for our times.

Wann: 02. Mai 2018 Beginn: 18.30 Wo: KUNST HAUS WIEN Eintritt: frei Anmeldung: anmeldung@kunsthauswien.com Mehr zum Film: www.albatrossthefilm.com

EARTHtalks Academy Tag 1 • Grassroots Activism - Learning from Standing Rock Eryn Wise, Honour the earth • How to win Campaigns, Alexander Egit, Greenpeace

• Wie ticken JournalistInnen? Und wie kann ich mir das zu nutzen machen? Christoph Krammer, Puls4 • Ihr Auftritt bitte! Roland Düringer • Hitzige Verhandlungen! Hinter den Kulissen der Klimapolitik. Helga Kromp-Kolb, BOKU

EARTHtalks Academy Tag 2 • Online Mobilisierung, Madeleine Alizadeh, dariadaria • Design’s power to ignite debate and raise awareness Richard van der Laken and Tirso Francés, WTCD • Die Kunst des achtsamen Aktivismus Marianne Pawloff und Ernst Jetzt • Macht und Ohnmacht von Netzwerken Harald Katzmair, FAS Research • Und Action! Das 1x1 der Aktionsplanung Juliana Okropiridse & Martin Wittner, Global 2000 • More powerful than you(th) think! WWF Generation Earth

„Österreich im Mobilitätswende - Check” Welche Ergebnisse und Trends zeigt die aktuelle WWF Studie im österreichischen Mobilitäts- und Transportsektor auf? Welche Veränderungen und Herausforderungen bietet die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene? Welche Rolle spielt die Umsetzung der Elektromobilität im privaten und gewerblichen Bereich? Moderation: Georg Günsberg

Zeitraum: 09:00 - 18:30 Wo: Arena 21, MQ Anmeldung: www.erdgespraeche.net

Zeitraum: 08:30 - 17:00 Wo: Arena 21, MQ Anmeldung: www.erdgespraeche.net

Wann: Zeitraum: Wo: Eintritt:

4. Mai 2018 10.00 – 12.00 MQ Barocke Suite A frei

Anmeldung: www.wwf.at/mobilitaetswende-check

IN TOUCH EVERY DAY www.mondigroup.com/gogreen

Änderungen vorbehalten: Bitte überprüfen Sie die Aktualität der Infos unter: www.erdgespraeche.net


© Stephan Wyckoff

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Mai 2018 DONNERSTAG

Wann: 3. Mai 2018 Zeitraum: 16:45 – 23.00 Wo: Halle E im Museumsquartier

Anmeldung: www.erdgespraeche.net Fairer Eintritt: Wähle die Höhe Deiner Spende VIP*Tickets: global@neongreen.net

Wir freuen uns auf Vorträge von: Eryn Wise (Vertreterin der Jicarilla Apache Nation, Standing Rock Aktivistin), Richard van der Laken (Designer und Gründer der „What Design Can Do“ Konferenz), Ricken Patel (Gründer und CEO des Avaaz-Netzwerks), Werner Boote (Dokumentarfilmemacher). Moderation: Manuela Raidl, Puls4. Im Anschluss an die Vorträge wird zum Austausch und Netzwerken an unser Biobuffet geladen. Weitere Informationen unter: www.erdgespraeche.net. Wichtig: Die Talks der ERDgespräche werden englisch-deutsch-englisch simultanübersetzt.

HERAUSGEBER: NEONGREEN NETWORK REDAKTION: ANGIE RATTAY ADAM PAWLOFF

HAUPTSPONSOR

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IMPRESSUM

FÖRDERER

TEXTE: JULIKA DITTRICH NUNU KALLER THOMAS WEBER ANGIE RATTAY ADAM PAWLOFF LEKTORAT: BARBARA KÖPPEL DESIGN: ANGIE RATTAY WWW.ANGIENEERING.NET

MEDIENPARTNER

COVERFOTO: GOKHAN CUKUROVA GREENPEACE DRUCK: GUGLER GMBH. CA. 5.000 STÜCK MADE IN AUSTRIA

KULINARIK

PAPIER: GEDRUCKT AUF BIO TOP 3® NEXT, 90 G MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON MONDI

EVENTPARTNER

WWW.NEONGREEN.NET FREUNDE DER ETHISCHE EINKAUFSFÜHRER

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STANDING ROCK AKTIVISTIN

Eryn Wise AVAAZ-GRÜNDER

Ricken Patel DESIGNER

Richard van der Laken FILMEMACHER

Werner Boote

FAIRER EINTRITT

Wir bitten um Deine selbstgewählte Spende

Do, 3. Mai 2018, Halle E im MQ TALKS · INSPIRATION · NETWORKING ENGLISCH

ANMELDUNG ERDGESPRÄCHE & EARTHtalks Academy: www.erdgespraeche.net

DEUTSCH

Simultanübersetzung und Livestream


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