KANGA
KLEIDER MACHEN LEUTE Kenias Kanga-Kultur Wer sich in Kenia bewegt, dem fallen unweigerlich die farbenfrohen Gewänder der Frauen ins Auge. Im Alltag wird meist ein bunt gemusterter Wickelrock getragen, an Sonntagen dagegen gerne ein aufwendig genähtes Festtagskleid. Beliebt sind dabei u.a. Schnitte, die an die britische Mode des 19. Jahrhunderts angelehnt sind: ausladende Röcke in Kombination mit aufgebauschten Ärmeln. Die Stoffe sind dabei immer typisch afrikanisch. Grafische Muster in kräftigen Farben bestimmen das Design. Kitenge heißen die beliebten Druckstoffe und werden als Meterware verkauft. Aus Kitenge werden auch moderne Röcke, Blusen, Kleider und Kostüme sowie Taschen, Tischdecken und Vorhänge genäht. Ganz ähnliche Muster sind auf den sogenannten Kangas zu finden. Doch eine Kanga ist noch viel mehr als bloßer bunter Stoff. Sie ist ein großes Stück Alltagskultur. KLEIDER MACHEN LEUTE – DAS KENNEN AUCH WIR EUROPÄER. RECHT SCHNELL ERKENNEN WIR ANHAND DER KLEIDUNG DEN SOZIALEN STAND, DIE HERKUNFT, DIE RELIGION UND DEN BERUF UNSERES GEGENÜBERS. DOCH IN OSTAFRIKA SAGT DIE KLEIDUNG NOCH VIEL MEHR AUS. An den farbenfroh gemusterten Kanga-Tüchern lassen sich sogar Charakterzüge, Lebenseinstellung, Wünsche oder politische Überzeugungen der Trägerin ablesen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf Kangas ist jeweils ein charakteristischer Spruch aufgedruckt. Liebeserklärungen können über eine Kanga ausgesprochen werden, aber auch Ratschläge für Freundinnen, Wünsche für die eigene Zukunft oder allgemeine Lebensweisheiten. Sogar Mahnungen und Gehässigkeiten werden manchmal zur Schau getragen.
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JEDES TUCH SCHEINT ANDERS ZU SEIN, ABER ES GIBT DREI PRINZIPIEN, DIE EINE KANGA ZUR KANGA MACHEN: · Es gibt einen auf allen vier Seiten umlaufenden Rahmen (Swahili: pindo). · Es gibt ein großes zentrales Design (Swahili: mji). · Es ist ein individueller Spruch aufgedruckt (Swahili: jina). Jede Kanga ist 1 x 1,50 m groß und wird als Paar verkauft. Die beiden einzelnen Tücher werden oft zu einem Outfit kombiniert, z.B. ein Rock mit einem Schulterüberwurf oder ein Rock mit einem Kopftuch. Kunstvoll um den Körper geschwungen entstehen elegante Kleider für Festtage, einfach um die Hüfte gebunden eignen sie sich als Arbeitskleidung. Doch die Tragemöglichkeiten sind endlos. Man kann sie auch als Portemonnaie, Tischdecke oder zum Tragen der Einkäufe und Kinder verwenden. Auch als Strandtuch oder verarbeitet zu Taschen machen sich die farbenfrohen Baumwolltücher hervorragend. Die ersten Kangas waren mit weißen Tupfen auf dunklem Grund versehen. Kanga ist der SwahiliName für das weißgetupfte kenianische Perlhuhn. Die ersten Trägerinnen der Tücher wirkten wohl wie die geselligen, geschäftig umherlaufenden, getupften Hühner ...