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30 Grad betritt mit dem iPad eine neue Welt Im Frühling tünchen die Griechen ihre Hauswände neu. Andere widmen sich dem Frühjahrsputz, während in den jahresspezifischen Redensarten von ersten Blüten, Bäumen im neuen Gewand und zurückkehrenden Schwalben die Rede ist. Die Natur erwacht, es herrscht Aufbruchsstimmung. Getragen von den Flügeln der Zeit und ihren Wandlungen lässt sich auch 30 Grad mitreissen und bringt einen neuen Multimedia-Avatar hervor. Zeitschrift, Internet und jetzt iPad: das Magazin wird dreidimensional.

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Auf dem Display des Tablets lässt sich noch schneller durch die Welt von 30 Grad blättern als auf Hochglanzpapier – immer schneller, bis sich die Bilder überschneiden und ein eigenes Leben entwickeln. Sportler erreichen neue Extreme, Reisende neue Höhen… wie die Gentil-Brüder aus La Chaux-de-Fonds, die hoch oben in den Baumhäusern der Korowai-Papua auf Bilderfang gehen. Die Bodysurfer scheinen noch enger mit dem Meer verbunden zu sein, fast so, als wären sie mit ihm eins. Das Gleichgewicht der Stand-upPaddler scheint noch prekärer und Li Weis Spiel mit der Schwerkraft noch verrückter als je zuvor. Das iPad und 30° sind füreinander geschaffen. Die Videos hauchen den magischen Augenblicken Leben ein, der Ton gibt die Action, die Stimmung und die Spannung wieder. Noch nie waren der Höhenschwindel beim Klettern, die Begeisterung auf den Wellen und der Adrenalinstoss beim Fall so echt und so fesselnd. Für die nötige Interaktivität sorgen die News im RSS Feed, die Bewertungsmöglichkeiten und die Suchmaschine. Alle Zutaten sind vereint, um den Gipfeln, unerreichbaren Welten und denen, die sie bevölkern, näher zu kommen und lauter Ausnahmemomente zu erleben. Claude Hervé-Bazin

DREISSIG GRAD | 03


inhalt nr. 34 FRUHLING 2011

SPORT

Editorial

Stand Up Paddling surft auf der Erfolgswelle Bodysurfen: mitten in der Welle America’s Cup: von Mehrrümpfern und Flügeln Freeride World Tour 2011: Aurélien Ducroz auf dem Dach der Freeride-Welt Die giantXtour 2011 übertrifft sich selbst Klettern: Giovanni Quirici eröffnet eine neue Route in Greyerz Trail Verbier Saint-Bernard, Akt III Trail: im Laufschritt auf die schönsten Berge der Welt VTT: Nendaz, Biketouren für alle Porträt: Denis Burdet zwischen Baffininsel und Patagonien

LIFESTYLE News

Die Gentil-Brüder, Forscher der Moderne Li Wei, Superman der Gegenwartskunst Design: coole Pappkameraden Chronik einer Dreissigjährigen: die Bikini-Probe naht! Musik: Raphael Saadiq, Retro-Soul vom Feinsten Filmporträg: Tahar Rahim Kino: to be continued… Kino: wenn der Kinobesuch zum Luxus wird Mit Skydance im siebten Musik- und Tanzhimmel Reise: Budapest – historisch und doch so modern Reise: Kuba, Juwel der Tropen

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Gesellschaft

Graffiti als Kunst In der Freeride-Schule der Falquet-Brüder Mit dem TV im Netz Wenn Science-Fiction Wirklichkeit wird Neue Videogames Trends Topadressen von 30° Grad

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iPhone – Beicht-App für reumütige Sünder Etwas spanisch kommt einem die App schon vor. Doch sie ist römisch… katholisch. Die amerikanische Kirche (nicht der Vatikan!) hat die iPhone-Application „Confession“ tatsächlich abgesegnet. Damit kann man seine Sünden einem virtuellen Pfarrer beichten, ohne die Kirche aufzusuchen. Die App schlägt dem Büsser sogar eine passende Gebetsstrafe vor. Laut Entwickler Patrick Leinen ermöglicht die App den Katholiken, ihren Glauben mit digitaler Technologie zu leben. Amen!

Klettern – Erstbesteigung des Karakorum mitten im Winter Die Leistung kann getrost als historisch bezeichnet werden. Simone Moro, Denis Urubko und Cory Richards vom Team The North Face sind die ersten Bergsteiger, denen es gelungen ist, den Gasherbrum II (8035 m) im Winter zu bezwingen. Das war am 2. Februar 2011. Nach der Besteigung eines der höchsten Gipfels der Welt im pakistanischen Karakorum gestand Simone: „Es war schwierig“. Trotzdem haben sie sich durchgebissen. Es hat sich gelohnt! www.thenorthface.com

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Patrice Schmidt/musée d’Orsey distribution RMN

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Kunst – Miró- und Manet-Retrospektive Der eine war Surrealist, der andere Impressionist – zwei komplett verschiedene Stile, die in diesem Jahr in zwei grossen europäischen Museen gezeigt werden. Während das Tate Modern in London vom 14. April bis 11. September eine Retrospektive zu Joan Miró präsentiert, organisiert das Pariser Musée d’Orsay vom 5. April bis 3. Juli eine Ausstellung zum Lebenswerk von Manet. Zwei grosse Künstler mit zwei verschiedenen Visionen der Welt und einer Liebe: der Malerei. www.tate.org.uk und www.musee-orsay.fr


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Design – Ein Velo ganz ohne Kette, Speichen und Kabel Wie wird das Velo der Zukunft aussehen? Der Designer John Villarreal aus dem US-Bundestaat Wisconsin hat eine genaue Vorstellung davon. Sein Fahrrad kommt ohne Kette, ohne Speichen und ohne Kabel aus! An ihre Stelle hat er ein System aus Zahnrädern mit Direktantrieb eingebaut. Sie müssen sich allerdings noch etwas gedulden, bis Sie sich auf den futuristischen Drahtesel schwingen können, denn es gibt ihn bisher nur als Prototyp. Das Resultat kann sich aber auf jeden Fall sehen lassen. Bleibt abzuwarten, ob das Rad den Weg bis in die Produktionskette schafft. www.coroflot.com/Doodle_Monkey

Reisen – Ein Reiseführer für Nächte im Flughafen Es ist bestimmt fast jedem von uns schon einmal passiert: Sie stecken am Flughafen fest, weil Ihr Flug kurzfristig storniert wurde und wollen oder können sich kein Hotelzimmer leisten. Ein Online-Guide schafft Abhilfe. Hier wurden wertvolle Tipps und Tricks für Flughafenschläfer und konkrete Hinweise zu den einzelnen Flughäfen zusammengestellt. Auch eine Rangliste der bestausgestatteten Flughäfen für Schlafsuchende fehlt nicht. Bei den gestrandeten Fluggästen am besten abgeschnitten hat Singapur, Zürich liegt an 9. Stelle und Paris Charles de Gaulle bildet weit abgeschlagen das Schlusslicht. www.sleepinginairports.net

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Internet – Alkoholtest vor dem Surfen Ein Glas zu viel kann nicht nur im echten Leben, sondern auch in der virtuellen Welt unangenehme Nebenwirkungen haben. Ein unangebrachter, im angetrunkenen Zustand geposteter Kommentar in einem sozialen Netzwerk und schon ist der Ruf dahin! Die im Bereich Internetsicherheit tätige Firma Webroot bietet ein Plug-in für Firefox an, das den Nutzer vor peinlichen Fehltritten bewahrt und ihn daran hindert, Facebook oder andere Social Networks aufzurufen, wenn er beim zuvor eingeblendeten Geschicklichkeitstest durchfällt. www.webroot.com

Küche – Insekten statt Steaks „Der Tag wird kommen, an dem ein Big Mac 120 Euro kostet und ein Bug Mac („Bug“ bedeutet Käfer auf Englisch, Anm.d.Red.) 12 Euro und an dem insektenessende Menschen zahlreicher sind als fleischessende“, prophezeit ein Insektenforscher. Dass diese Aussage alles andere als abwegig ist, zeigt eine niederländische Studie. Insekten enthalten viele Proteine, wenig Fett, produzieren kaum Treibhausgas und übertragen keine Krankheiten auf den Menschen. Und nicht zu vergessen: 2050 müssen 9 Milliarden Münder ernährt werden! Bis dahin bleibt noch etwas Zeit, um unsere Essgewohnheiten umzustellen.

SPORT – Mit Skis über die berühmte hawaiianische Welle Jaws Chuck Patterson ist mit seinen Skis eine etwas besondere Wand hinuntergebrettert. Man nennt sie Jaws und sie gilt als eine der grössten und gefährlichsten Wellen der Welt. Der Kalifornier, der Wellenreiten genauso liebt wie Skifahren, vereinte die beiden Disziplinen und glitt im vergangenen Februar einige Minuten lang über den mehrere Meter hohen Wellenberg in Hawaii. Technisch gehört diese Disziplin wohl zum Schwierigsten, was es im Surfen gibt. Nachts auf Skis die Jaws zu surfen, darauf musste man erst einmal kommen. Aber vielleicht geht es ja noch verrückter? Schauen Sie sich das Video an! www.youtube.com/watch?v=Ahk48h7P4ts

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Martin Roemers

Fotografie – Die besten Pressebilder 2010 in Zürich Der Holländer Martin Roemers wurde am renommierten Wettbewerb für Pressefotografie, dem 54. World Press Photo Contest, für seine Bildersammlung „Metropolis“ (im Bild) mit dem 1. Preis in der Kategorie „Daily Life“ ausgezeichnet. Pressefoto des Jahres wurde aber das von der Südafrikanerin Jodi Bieber aufgenommene Porträt einer jungen Afghanin, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflohen war und dafür verstümmelt wurde. Dieses sowie weitere prämierte Bilder sind in einer von Keystone organisierten Wanderausstellung zu sehen. Sie ist vom 13. Mai bis 5. Juni in der Zürcher Sihlcity zu Gast. www.worldpressphoto.org

Kunst – Wirklich einzigartige Bilder Jeder Mensch hat eine eigene DNA-Sequenz und einen eigenen Fingerabdruck. Zwei französische Biologen und Unternehmer haben einen Weg gefunden, diese Einzigartigkeit in ebenso einmalige Kunstwerke zu verwandeln. Sie reproduzieren den Fingerabdruck oder die DNA auf eine bunte Leinwand oder als Wallpaper fürs iPhone. Damit verleihen sie den persönlichen Daten eine unerwartete, neuartige Dimension, ganz im Sinne des Slogans „Einzigartig sein ist eine Kunst“. www.helys.fr Martin Roemers

Sport – Gipfelstürmer auf New Yorks Treppen Einige testen ihre Kondition auf Pisten, andere in Treppenhäusern. Rund 450 Teilnehmer bewältigten am 34. Empire State Building Run-Up die 1576 Treppenstufen von der Eingangshalle bis zum 86. Stockwerk des New Yorker Wolkenkratzers. Am schnellsten waren Allee McNamara aus Australien und Thomas Dold aus Deutschland; für ihn war es bereits der 6. Sieg in Serie! Eine gute Aufwärmübung für den Niesen-Treppenlauf im Berner Oberland, der am 4. Juni 2011 über unglaubliche 11’674 Stufen führt! Bilder vom 34. Empire State Building Run-Up: www.youtube.com/watch?v=WwAVmUZeTwY

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Abenteuer – Miss Water auf dem Kilimandscharo An der letzten Miss Earth Schweiz Wahl, einem Schönheitswettbewerb, der perfektes Aussehen mit sozialem und ökologischen Bewusstsein vereint, belegte die junge Aargauerin Jenny Pedrini den 4. Platz und wurde zur Miss Water gekürt. Angesichts ihrer jüngsten Leistung, der Besteigung des Kilimandscharo in Tansania, darf man sich die Frage stellen, ob sie nicht eher den Titel der Miss Air verdient hätte. Mit dieser von Athleticum unterstützten Besteigung sammelte die Pro-Juventute-Botschafterin Geld für Kinder und Jugendliche in der Schweiz.

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Mit Surfen verbinden wir Werte wie Freiheit und Über-sich-Hinauswachsen. Getrieben vom Wunsch nach unbekannten Erfahrungen und frischem Nervenkitzel versuchen die Wellenreiter neue Wege zu gehen und erfinden immer neue Trendsportarten. Auch Stand Up Paddling gehört dazu.

Stand Up PaddlING S P O RT

surfe auf surft sur der la vague Erfolgswelle du succès Swilly

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Mit Surfen verbinden wir Werte wie Freiheit und Über-sich-Hinauswachsen. Getrieben vom Wunsch nach unbekannten Erfahrungen und frischem Nervenkitzel versuchen die Wellenreiter neue Wege zu gehen und erfinden immer neue Trendsportarten. Auch Stand Up Paddling gehört dazu.

Stand Up PaddlING S P O RT

surfe auf surft sur der la vague Erfolgswelle du succès Swilly

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Ben Thouard.com

Ben Thouard.com

Laird Hamilton unten an der Welle, bevor er in die Teahuppo-Tube gleitet (Tahiti) Text°°° Christelle Coulon Wie viele andere Varianten des Surfens musste auch das Stand Up Paddling (SUP) oder Stehpaddeln von Seiten eingefleischter Traditionalisten harsche Kritik einstecken. Es hat sich aber ziemlich gut aus der Affäre gezogen und kann heute auf eine grosse Fangemeinde zählen. Die neue Surftechnik wurde zunächst als Trainingsmethode an wellenlosen Tagen eingesetzt, aber wegen ihrer Vorzüge schon bald als eigenständige Disziplin anerkannt. Ihr Plus: Sie ist extrem facettenreich und vielfältig. Die aufrechte Haltung auf einer Welle flösst Vertrauen ein und auf einem See oder einem Fluss eröffnet sie bislang ungeahnte Perspektiven. SUP kann vielerorts ausgeübt werden und ist somit einem breiten Publikum zugänglich. Einfach draufstellen und lospaddeln! Den beim Surfen so kniffligen Moment, in dem man sich aufrichten muss, gibt es hier nicht. Ausserdem hilft die Grösse des Bretts die Wellen zu nehmen und das Gleichgewicht zu halten. Und da SUP auch auf ruhigen Gewässern praktiziert wird, braucht man kein Meer vor der Haustür und hat trotzdem Spass.

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Das Stehpaddeln entwickelt sich fortlaufend weiter und wird als Freizeitvergnügen oder Sport immer beliebter. Wer es erst einmal ausprobiert hat, kommt so schnell nicht mehr davon los. Bis man die nötige Technik entwickelt hat und nicht nur schwitzt, sondern auch Spass hat, kann es allerdings etwas dauern. Aber schliesslich ist aller Anfang schwer! Dafür lernen Stand Up Paddler das Surfen leichter und können dort die Früchte der mit dem Paddel erlittenen Strapazen ernten.

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Ben Thouard.com

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Laird Hamilton unten an der Welle, bevor er in die Teahuppo-Tube gleitet (Tahiti) Text°°° Christelle Coulon Wie viele andere Varianten des Surfens musste auch das Stand Up Paddling (SUP) oder Stehpaddeln von Seiten eingefleischter Traditionalisten harsche Kritik einstecken. Es hat sich aber ziemlich gut aus der Affäre gezogen und kann heute auf eine grosse Fangemeinde zählen. Die neue Surftechnik wurde zunächst als Trainingsmethode an wellenlosen Tagen eingesetzt, aber wegen ihrer Vorzüge schon bald als eigenständige Disziplin anerkannt. Ihr Plus: Sie ist extrem facettenreich und vielfältig. Die aufrechte Haltung auf einer Welle flösst Vertrauen ein und auf einem See oder einem Fluss eröffnet sie bislang ungeahnte Perspektiven. SUP kann vielerorts ausgeübt werden und ist somit einem breiten Publikum zugänglich. Einfach draufstellen und lospaddeln! Den beim Surfen so kniffligen Moment, in dem man sich aufrichten muss, gibt es hier nicht. Ausserdem hilft die Grösse des Bretts die Wellen zu nehmen und das Gleichgewicht zu halten. Und da SUP auch auf ruhigen Gewässern praktiziert wird, braucht man kein Meer vor der Haustür und hat trotzdem Spass.

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Das Stehpaddeln entwickelt sich fortlaufend weiter und wird als Freizeitvergnügen oder Sport immer beliebter. Wer es erst einmal ausprobiert hat, kommt so schnell nicht mehr davon los. Bis man die nötige Technik entwickelt hat und nicht nur schwitzt, sondern auch Spass hat, kann es allerdings etwas dauern. Aber schliesslich ist aller Anfang schwer! Dafür lernen Stand Up Paddler das Surfen leichter und können dort die Früchte der mit dem Paddel erlittenen Strapazen ernten.

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Ben Thouard.com

Kai Lenny, Tahiti, erster Weltmeister in der Geschichte des Stand Up Paddling. Er macht trotz seines jungen Alters und seiner Grรถsse in den grossen Wellen eine gute Figur.


Ben Thouard.com

Kai Lenny, Tahiti, erster Weltmeister in der Geschichte des Stand Up Paddling. Er macht trotz seines jungen Alters und seiner Grรถsse in den grossen Wellen eine gute Figur.


INTERVIEW Wir haben uns mit Carine Camboulives, die auf Maui (Hawaii) lebt und neben Windsurfen, Kitesurfen und Longboarden auch Stand Up Paddling betreibt, über die neue Trendsportart unterhalten.

Carine Camboulives, wie sind Sie zum Stand Up Paddling gekommen? Das war 2004 in Hawaii. Einige Rider wie Laird Hamilton und Sean Ordonez befanden sich gerade mitten in der Entwicklung dieses Sports. Ich habe mir von ihnen ein Brett ausgeliehen und war sofort süchtig. Es war genial, das Entstehen und den Aufbau einer neuen Sportart mitzuerleben. Ich hatte das Gleiche Ende der 90er-Jahre bereits mit dem Kitesurfen erlebt. Es entstehen unglaubliche Synergien und die Aufregung ist riesig. Alle probieren herum und versuchen unzählige verschiedene Modelle und Neuerungen, ohne zu wissen, wohin das Ganze führt. Ist SUP für Sie ein Freizeitvergnügen oder ein Sport? SUP ist eine eigenständige Disziplin – eine mehr –, gleichzeitig aber auch ein Freizeitspass. Es hat mein Verhältnis zu den Wellen völlig verändert. Ich hatte das reine Surfen nach schlechten Erfahrungen in Hawaii vor einigen Jahren aufgegeben. Da man aber wie beim Windsurfen oder Kitesurfen aufrecht auf dem Brett steht, fühle ich mich auf den Wellen wohler als beim Surfen. Ich kann viel höhere Wellen nehmen und meine Angst vor dem „Take off“ ist verschwunden. Dank SUP habe ich wieder mit dem Longboarden angefangen, das ich jetzt so oft wie möglich praktiziere. Wo üben Sie SUP aus und welches ist Ihr Lieblingsspot? Wenn es am North Shore von Maui windstill ist, nehme ich mein SUP überall hin mit, in die Karibik genauso wie nach Mikronesien und Indonesien. Aber eigentlich muss man gar nicht so weit gehen. Jeden Herbst habe ich fantastische Sessions in der südlichen Bretagne und auf der Ile de Ré. Und welche Session würden Sie als Ihre beste bezeichnen? In Mexiko auf einer Weltklassewelle, die von den Mexikanern geheim gehalten wird. Aber auch auf Maui. Welches Feeling haben Sie bei den Sessions? Ein Gefühl der Erfülltheit und der Freiheit. Stand Up Paddling eignet sich

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Max Houyvet

wunderbar für Spaziergänge und Entdeckungen. Perfekt, um zu Buchten zu gelangen, die zu Fuss unerreichbar sind oder Korallenriffe aufzusuchen, die für Boote in allzu seichtem Wasser liegen. Mein Board war mir schon mehr als einmal eine grosse Hilfe! Seit einigen Jahren üben immer mehr Frauen Surfsportarten aus. Was kann ihnen SUP bringen? SUP kann man auf Wellen genauso gut ausüben wie auf ruhigen Gewässern, also auf Seen oder Flüssen. Es ist eine Art „Meeresjogging“. Mit warmer Kleidung kann man das ganze Jahr hindurch paddeln. Für Frauen ist es ein extrem kompletter Sport, der hilft fit zu bleiben und die Bauchund Rückenmuskulatur zu stärken. Im Gegensatz zu anderen Sportarten, bei denen nur der obere oder untere Teil des Körpers beansprucht wird, arbeiten beim SUP alle Muskeln harmonisch zusammen. Das Halten des Gleichgewichts verlangt anfangs viel Konzentration und ist eine echte Körpertherapie. Das neuromuskuläre Gleichgewicht wird etwa so trainiert wie bei Reha-Massnahmen oder beim Training auf Reifen oder Bällen. Welche Tipps würden Sie Anfängern geben? Ein Brett und ein Paddel zu wählen, das zu ihrer Grösse und ihrem Gewicht passt. Ein leichtes Paddel ist besser, weil damit die Schultern nicht so stark beansprucht werden. Am besten schliesst man sich zu Gruppen zusammen, das macht mehr Spass und wirkt motivierend. Um sich auszuruhen und den Rücken zu schonen, kann man sich ruhig auch ab und zu hinsetzen oder rudern, um danach mit neuer Kraft weiterzupaddeln. Nicht vergessen darf man, dass Paddler gegenüber Surfern keinen Vortritt haben, denn sie sind mobiler und können sich einfacher auf den Wellen positionieren und loslegen. Da die Bretter schwer sind, muss man beim Wellenreiten auch auf die Surfer dahinter achtgeben. Wie sehen Sie die Zukunft des SUP? Die Disziplin wird explodieren. Man kann sie überall, in jedem Alter und mit der Familie ausüben, sie ist deshalb ideal als Freizeitbeschäftigung, für Fitness, reines Surfen und für Spazierfahrten. Die Möglichkeiten sind vielfältig! www.carinecamboulives.com

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BODYSURFEN

S P O RT

Ganz im Gegensatz zum Surfen ist Bodysurfen kaum bekannt, obwohl eigentlich jeder Surfer, der ein wenig Mut mitbringt, ein hervorragender Waterman wäre. Doch so populär der „Sport der Könige“ auch sein mag, wie ein Delfin durch die Wellen zu gleiten und den Ozean hautnah zu spüren, ist und bleibt ein einzigartiges Gefühl.

Fred David - copyright: Stéphane Bellocq

Patricia Michel

MITTEN IN DER WELLE Text°°° Christelle Coulon Wellenreiten hat seinen Ursprung im pazifischen Ozean, genauer auf den hawaiianischen Inseln. Ihre Bewohner, um die heute viele Legenden kreisen, surften auf kunstvoll geschnitzten Baumstämmen oder Brettern. Bevor jedoch die hölzernen Planken aufkamen, war ihr einziges Hilfsmittel ihr eigener Körper. Instinktiv entdeckten sie die ursprünglichste und reinste Form des Surfens. Ein Bodysurfer braucht kein Brett. Er muss die Welle im richtigen Augenblick erwischen und sich mit seiner körpereigenen Energie nach vorne katapultieren, um mit der Welle mitzugehen. Viele Athleten verspüren dabei eine enge Verbundenheit mit dem Ozean. Mitten in der Welle zu sein und die kleinste Bewegung des Wassers zu fühlen ist eine unglaubliche Erfahrung. Doch Bodysurfen macht nicht nur Spass, sondern ist genau wie Surfen körperlich sehr anstrengend. Obwohl Bodysurfen eine eigenständige Sportart ist, weisen die beiden Disziplinen viele Ähnlichkeiten auf. Die meisten Weltklassesurfer wie Tom Curren oder Kelly Slater sind deshalb auch sehr gute Bodysurfer. Einer der grössten Wettkämpfe ist das Pipeline Bodysurfing Classic, das seit 1971 auf der Banzai Pipeline vor der Hawaii-Insel Oahu ausgetragen wird. Auf dieser Welle waren die Einheimischen bisher nicht zu schlagen, doch im Jahr 2008 schaffte es der Franzose Frédéric David aus Biarritz hinter Mike Steward auf den zweiten Podestplatz und erzielte damit das bisher beste Ergebnis für einen Nicht-Hawaiianer.

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Kurzinterview mit einem der grössten Bodysurf-Talente seiner Generation Fred David, 23 Jahre Wie bist du zum Bodysurfen gekommen? Als ich bei der Küstenwache angefangen habe, war Bodysurfen unter David Dubès ein Teil unseres Trainings. Ein paar Jahre habe ich mich aufs Bodysurfen konzentriert, dann aber plötzlich auch das Surfen und kürzlich das SUP (Anm. d. Red: Stand up Paddle Surfing) entdeckt. Bei guten Bedingungen weiss ich manchmal gar nicht, für welche Disziplin ich mich entscheiden soll! Was empfindest du, wenn du mitten in der Welle bist? Ich habe das Gefühl, etwas wirklich Einzigartiges mit dem Ozean zu teilen. Zwischen meinem Körper und der Welle befindet sich kein Brett, so dass ich die Reibung und die Kraft des Meeres spüre. Ein unbeschreibliches Gefühl! Welches sind deine nächsten Bodysurf-Projekte? Ich bin zusammen mit Riraw und Watermansport dabei einen Film über das Bodysurfen zu drehen. Die ersten Bilder nehmen wir in Hawaii auf. Ausserdem werde ich mich weiter dafür einsetzen, Bodysurfen in Frankreich populärer zu machen. Und natürlich teste ich auch neue Techniken!

www.freddavid.fr

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die

Gentil-Br체der abenteuer

Forscher der Moderne

Das Team von ExplorAction konnte den Bau dieses Kowowai-Hauses von Anfang bis Ende mitverfolgen. Das Papua-Volk lebt auf B채umen 30 m 체ber dem Boden!


die

Gentil-Br체der abenteuer

Forscher der Moderne

Das Team von ExplorAction konnte den Bau dieses Kowowai-Hauses von Anfang bis Ende mitverfolgen. Das Papua-Volk lebt auf B채umen 30 m 체ber dem Boden!


Mitten im Dreh ein Gewitter: Das Papua-Volk Una sucht in einem hohlen Baumstamm Unterschlupf, wo es Tauben und Kartoffeln brät.

Laurent Ballesta. www.andromede-ocean.com

Vor dem Objektiv des Fotografen und Meeresbiologen Laurent Bellasta ging Cédric Gentil in 120 Metern Tiefe erstmals mit dem urzeitlichen Quastenflosser auf Tuchfühlung.

Text°°° Frédéric Rein In ihrer Wohnung in La Chaux-de-Fonds stapeln sich Gepäck und Kameras. Das undurchsichtige Chaos thront hier ständig zwischen Küche und Wohnzimmer. Es scheint die Gentil-Brüder irgendwie zu beruhigen. Vor allem aber erinnert es sie daran, dass sie nur auf der Durchreise sind und der nächste Abschied immer kurz bevorsteht. Die Schweiz ist ihre Absteige, die Welt ein Land möglicher Entdeckungen. Cédric und Yanick Gentil, 36 und 33 Jahre alt, sind Forscher. Seit der Jahrtausendwende führen die unkonventionellen Weltenbummler ein Bohemeleben. Wenn sie nicht gerade auf einer ihrer Baustellen in der Schweiz arbeiten, reihen sie eine Expedition in ferne Länder an die nächste. Erstere füllen ihr Portemonnaie mit dem nötigen Geld, Letztere ihre Köpfe mit unvergänglichen Erinnerungen. Mit ihren HightechKameras halten sie das Leben auf der Erde und im Wasser fest, immer auf der Suche nach neuen Bildern und exklusiven Begegnungen, mit denen sie ihre eigene Produktionsfirma ExplorAction und manchmal auch die französische Natursendung Ushuaïa versorgen. Letztes Jahr ist den beiden Globetrottern das Undenkbare gelungen. Sie sind in Südafrika in 120 Metern Tiefe mit Kreislauftauchgeräten neben dem urzeitlichen Quastenflosser hergeschwommen. Der 350 Millionen Jahre alte Fisch ist ein lebendes Fossil und bildete eine Zwischenstufe in der Entwicklung von den Wirbeltieren des Meeres zu den ersten Landtieren. Die Menschen, denen es gelungen ist sich diesen Urtieren zu nähern, lassen sich an einer Hand abzählen. Doch keiner hat zuvor aus den Tiefen des Meeres HD-Bilder mitgebracht. „Es ist die einzige bekannte Stelle, an der sie nicht mehr als 300 Meter tief leben“, erklärt Cédric und erzählt dann begeistert: „Der fast zwei Meter lange Fisch zeigte uns gegenüber keinerlei Berührungsängste. Er erinnert etwas an Pandora in Avatar.“ Hinter diesem Erlebnis steckt eine sportliche Höchstleistung, denn um sich dreissig Minuten in der Bruchstelle der versteinerten Schlucht aufzuhalten, in der die Quastenflosser leben, mussten sie zunächst wegen der Dekompressionsstopps fünf Stunden lang abtauchen. Hinzu kam, dass eine kräftige Strömung die Taucher 10 km von ihrem Ziel wegtrieb, sie Gefahr liefen, sich im Meer zu verirren und ein paar vorwitzige Haie bei den Dekompressionsstopps versuchten, ihre Zähne an ihren Schwimmflossen zu wetzen.

zVg

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Nahezu unsichtbar: Wie diese Spinne überleben in Papua viele Tiere dank perfekter Mimikri.

5000 bis 25‘000 Jahre alte Felsmalereien in Papua, aufgenommen von ExplorAction

Aug in Aug mit weissen Haien Um die Gentil-Brüder zu beeindrucken, braucht es aber mehr. Mit südafrikanischen Haien hatten sie schon mehrfach zu tun. 2005 tauchten sie ohne Käfig oder einen anderen Schutz mit dem imposantesten unter ihnen, dem grossen weissen Hai! In einem Algenwald waren sie plötzlich von vier dieser rund 4 Meter langen und 1 Tonne schweren Raubfischen umringt. „Unsere Sauerstoffreserven schrumpften vier Mal schneller als üblich!“ erinnern sich Cédric und Yanick, betonen aber, dass dieser Stress nötig und auch lebenswichtig sei. „Man muss mit Haien umgehen wie mit Hunden, das heisst man sollte abrupte Bewegungen vermeiden und ihnen nicht den Rücken zukehren. Man muss ihnen zeigen, wer der Chef

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In Papua wimmelt es von Schlangen. Toningenieur David Lipka mit einem grünen Baumpython

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Seit zehn Jahren bereisen die beiden Brüder aus La Chaux-de-Fonds die Welt auf der Suche nach dem grossen Nervenkitzel und immer neuen Bildern. Sie gehören zu den wenigen Tauchern, die in 120 Metern Tiefe mit dem legendären Quastenflosser auf Tuchfühlung gehen konnten, ohne Käfig neben grossen weissen Haien hergeschwommen sind und das Papua-Volk besucht haben. Bericht ihrer fantastischen Erlebnisse.


Mitten im Dreh ein Gewitter: Das Papua-Volk Una sucht in einem hohlen Baumstamm Unterschlupf, wo es Tauben und Kartoffeln brät.

Laurent Ballesta. www.andromede-ocean.com

Vor dem Objektiv des Fotografen und Meeresbiologen Laurent Bellasta ging Cédric Gentil in 120 Metern Tiefe erstmals mit dem urzeitlichen Quastenflosser auf Tuchfühlung.

Text°°° Frédéric Rein In ihrer Wohnung in La Chaux-de-Fonds stapeln sich Gepäck und Kameras. Das undurchsichtige Chaos thront hier ständig zwischen Küche und Wohnzimmer. Es scheint die Gentil-Brüder irgendwie zu beruhigen. Vor allem aber erinnert es sie daran, dass sie nur auf der Durchreise sind und der nächste Abschied immer kurz bevorsteht. Die Schweiz ist ihre Absteige, die Welt ein Land möglicher Entdeckungen. Cédric und Yanick Gentil, 36 und 33 Jahre alt, sind Forscher. Seit der Jahrtausendwende führen die unkonventionellen Weltenbummler ein Bohemeleben. Wenn sie nicht gerade auf einer ihrer Baustellen in der Schweiz arbeiten, reihen sie eine Expedition in ferne Länder an die nächste. Erstere füllen ihr Portemonnaie mit dem nötigen Geld, Letztere ihre Köpfe mit unvergänglichen Erinnerungen. Mit ihren HightechKameras halten sie das Leben auf der Erde und im Wasser fest, immer auf der Suche nach neuen Bildern und exklusiven Begegnungen, mit denen sie ihre eigene Produktionsfirma ExplorAction und manchmal auch die französische Natursendung Ushuaïa versorgen. Letztes Jahr ist den beiden Globetrottern das Undenkbare gelungen. Sie sind in Südafrika in 120 Metern Tiefe mit Kreislauftauchgeräten neben dem urzeitlichen Quastenflosser hergeschwommen. Der 350 Millionen Jahre alte Fisch ist ein lebendes Fossil und bildete eine Zwischenstufe in der Entwicklung von den Wirbeltieren des Meeres zu den ersten Landtieren. Die Menschen, denen es gelungen ist sich diesen Urtieren zu nähern, lassen sich an einer Hand abzählen. Doch keiner hat zuvor aus den Tiefen des Meeres HD-Bilder mitgebracht. „Es ist die einzige bekannte Stelle, an der sie nicht mehr als 300 Meter tief leben“, erklärt Cédric und erzählt dann begeistert: „Der fast zwei Meter lange Fisch zeigte uns gegenüber keinerlei Berührungsängste. Er erinnert etwas an Pandora in Avatar.“ Hinter diesem Erlebnis steckt eine sportliche Höchstleistung, denn um sich dreissig Minuten in der Bruchstelle der versteinerten Schlucht aufzuhalten, in der die Quastenflosser leben, mussten sie zunächst wegen der Dekompressionsstopps fünf Stunden lang abtauchen. Hinzu kam, dass eine kräftige Strömung die Taucher 10 km von ihrem Ziel wegtrieb, sie Gefahr liefen, sich im Meer zu verirren und ein paar vorwitzige Haie bei den Dekompressionsstopps versuchten, ihre Zähne an ihren Schwimmflossen zu wetzen.

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Nahezu unsichtbar: Wie diese Spinne überleben in Papua viele Tiere dank perfekter Mimikri.

5000 bis 25‘000 Jahre alte Felsmalereien in Papua, aufgenommen von ExplorAction

Aug in Aug mit weissen Haien Um die Gentil-Brüder zu beeindrucken, braucht es aber mehr. Mit südafrikanischen Haien hatten sie schon mehrfach zu tun. 2005 tauchten sie ohne Käfig oder einen anderen Schutz mit dem imposantesten unter ihnen, dem grossen weissen Hai! In einem Algenwald waren sie plötzlich von vier dieser rund 4 Meter langen und 1 Tonne schweren Raubfischen umringt. „Unsere Sauerstoffreserven schrumpften vier Mal schneller als üblich!“ erinnern sich Cédric und Yanick, betonen aber, dass dieser Stress nötig und auch lebenswichtig sei. „Man muss mit Haien umgehen wie mit Hunden, das heisst man sollte abrupte Bewegungen vermeiden und ihnen nicht den Rücken zukehren. Man muss ihnen zeigen, wer der Chef

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In Papua wimmelt es von Schlangen. Toningenieur David Lipka mit einem grünen Baumpython

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Seit zehn Jahren bereisen die beiden Brüder aus La Chaux-de-Fonds die Welt auf der Suche nach dem grossen Nervenkitzel und immer neuen Bildern. Sie gehören zu den wenigen Tauchern, die in 120 Metern Tiefe mit dem legendären Quastenflosser auf Tuchfühlung gehen konnten, ohne Käfig neben grossen weissen Haien hergeschwommen sind und das Papua-Volk besucht haben. Bericht ihrer fantastischen Erlebnisse.


Die Gentil-Brüder schwimmen ohne Käfig mit weissen Haien in Südafrika! Um ihnen die gebührende Ehre zu erweisen, müssen Besucher den Una ein Schwein schenken, das dann geopfert wird. Yanick Gentil hat das Opferfest mit seiner Kamera festgehalten.

ist, auch wenn in Wirklichkeit sie es sind! Wenn sie auf einen zuschiessen, sollte man das Gleiche tun. Das ungewöhnliche Verhalten bringt sie aus dem Konzept. Um sie anzulocken, macht man sich am besten so klein wie möglich, streckt dann die Arme und Beine aus, bevor sie versuchen, einen genauer zu untersuchen, indem sie zubeissen!“ Aus diesem psychologischen Kampf sind die beiden Taucher als Sieger hervorgegangen, das beweisen auch ihre Bilder. Sie haben es sogar geschafft, sich an der Rückenflosse eines Hais festzuhalten und sich ein paar Meter ziehen zu lassen! Von Tieren und Menschen Cédric und Yanick gehen aber nicht nur mit Tieren auf Tuchfühlung, sie wollen auch mehr über die Menschen erfahren. Im Jahr 2007 besuchten sie deshalb in der indonesischen Provinz Papua auf der Insel Neuguinea einheimische Stämme, die noch immer leben wie vor vielen hundert Jahren. 2003 reisten sie nach Madagaskar zu den nach alter Tradition lebenden Bauern und Fischern im Süden der Insel und 2001 nach Mittelamerika zu den Nachfahren der Indianer, bei denen die Bräuche fest im Alltag verankert sind. „Auf unseren Reisen versuchen wir Menschen und Tieren zu begegnen und wann immer möglich zu tauchen“, erklärt Cédric Gentil ihr Vorgehen. Die beiden Brüder meiden Gemeinplätze um jeden Preis und ziehen ihnen die Echtheit der vom Tourismus unberührten Welten vor. „Wir wollen überrascht werden und den Zuschauer am Fernseher dort verblüffen, wo er es nicht erwartet. Wir bereiten unsere Expeditionen in der Schweiz vor, führen aber auch viele Recherchen vor Ort durch, um noch unerforschte, im Internet nirgends zu findende Orte zu entdecken. So sind wir auch auf die Idee gekommen, in Madagaskar in Unterwasserhöhlen zu tauchen. Sie waren zwar bekannt, aber noch vollkommen unerforscht. Wir haben neue Tierarten gefunden, darunter einen blinden Fisch (Typhleotris madagascariensis) und in Papua in einem See rote Krabben, Grundeln und andere neue Unterarten entdeckt.“ Abenteuerlust als Motivation Was hat sich in den letzten zehn Jahren auf ihren Expeditionen am stärksten verändert? „Das Gewicht der Säcke“, antworten sie einstimmig. „In Mittelamerika waren wir nur mit einer Kamera unterwegs. Unterdessen sind unsere Ansprüche deutlich gestiegen. Wir wollen Qualität und zwar sowohl in Bild als auch in Ton, egal, ob im Wasser oder im Dunkeln. Da

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Teclop, Häuptling des Una-Dorfes Larié, im Festgewand d  Feste spielen eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben der Una. Die Federn des Paradiesvogels gelten als besonders edler Schmuck. s  Das vollzählige Team von ExplorAction in Papua: Cédric und Yanick Gentil, Mellie Francon und David Lipka

wir uns Ortsbesichtigungen vor den Drehs nicht leisten können, müssen wir unser ganzes Material mitschleppen. Natürlich haben wir auch an Erfahrung gewonnen. Vor 15 Jahren hätten wir uns davor gefürchtet, allzu tief in den Dschungel vorzudringen und auch Schlangen oder bestimmte Leute jagten uns Angst ein. Wir wurden so oft übers Ohr gehauen, dass wir Schwindel schon von weitem riechen. Auch charismatische Leute und fotogene Orte erkennen wir sofort. Dadurch können wir den Augenblick wirklich geniessen, ohne unsere persönlichen Grenzen zu überschreiten, die wir mittlerweile gut kennen.“ An ihrer Lust Neues zu entdecken hat sich bis heute nichts geändert. Und ihre Expeditionen sind lauter Beweise, dass es sich lohnt, seine Ängste zu überwinden und seine Träume zu leben. www.exploreaction.ch

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Die Gentil-Brüder schwimmen ohne Käfig mit weissen Haien in Südafrika! Um ihnen die gebührende Ehre zu erweisen, müssen Besucher den Una ein Schwein schenken, das dann geopfert wird. Yanick Gentil hat das Opferfest mit seiner Kamera festgehalten.

ist, auch wenn in Wirklichkeit sie es sind! Wenn sie auf einen zuschiessen, sollte man das Gleiche tun. Das ungewöhnliche Verhalten bringt sie aus dem Konzept. Um sie anzulocken, macht man sich am besten so klein wie möglich, streckt dann die Arme und Beine aus, bevor sie versuchen, einen genauer zu untersuchen, indem sie zubeissen!“ Aus diesem psychologischen Kampf sind die beiden Taucher als Sieger hervorgegangen, das beweisen auch ihre Bilder. Sie haben es sogar geschafft, sich an der Rückenflosse eines Hais festzuhalten und sich ein paar Meter ziehen zu lassen! Von Tieren und Menschen Cédric und Yanick gehen aber nicht nur mit Tieren auf Tuchfühlung, sie wollen auch mehr über die Menschen erfahren. Im Jahr 2007 besuchten sie deshalb in der indonesischen Provinz Papua auf der Insel Neuguinea einheimische Stämme, die noch immer leben wie vor vielen hundert Jahren. 2003 reisten sie nach Madagaskar zu den nach alter Tradition lebenden Bauern und Fischern im Süden der Insel und 2001 nach Mittelamerika zu den Nachfahren der Indianer, bei denen die Bräuche fest im Alltag verankert sind. „Auf unseren Reisen versuchen wir Menschen und Tieren zu begegnen und wann immer möglich zu tauchen“, erklärt Cédric Gentil ihr Vorgehen. Die beiden Brüder meiden Gemeinplätze um jeden Preis und ziehen ihnen die Echtheit der vom Tourismus unberührten Welten vor. „Wir wollen überrascht werden und den Zuschauer am Fernseher dort verblüffen, wo er es nicht erwartet. Wir bereiten unsere Expeditionen in der Schweiz vor, führen aber auch viele Recherchen vor Ort durch, um noch unerforschte, im Internet nirgends zu findende Orte zu entdecken. So sind wir auch auf die Idee gekommen, in Madagaskar in Unterwasserhöhlen zu tauchen. Sie waren zwar bekannt, aber noch vollkommen unerforscht. Wir haben neue Tierarten gefunden, darunter einen blinden Fisch (Typhleotris madagascariensis) und in Papua in einem See rote Krabben, Grundeln und andere neue Unterarten entdeckt.“ Abenteuerlust als Motivation Was hat sich in den letzten zehn Jahren auf ihren Expeditionen am stärksten verändert? „Das Gewicht der Säcke“, antworten sie einstimmig. „In Mittelamerika waren wir nur mit einer Kamera unterwegs. Unterdessen sind unsere Ansprüche deutlich gestiegen. Wir wollen Qualität und zwar sowohl in Bild als auch in Ton, egal, ob im Wasser oder im Dunkeln. Da

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Teclop, Häuptling des Una-Dorfes Larié, im Festgewand d  Feste spielen eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben der Una. Die Federn des Paradiesvogels gelten als besonders edler Schmuck. s  Das vollzählige Team von ExplorAction in Papua: Cédric und Yanick Gentil, Mellie Francon und David Lipka

wir uns Ortsbesichtigungen vor den Drehs nicht leisten können, müssen wir unser ganzes Material mitschleppen. Natürlich haben wir auch an Erfahrung gewonnen. Vor 15 Jahren hätten wir uns davor gefürchtet, allzu tief in den Dschungel vorzudringen und auch Schlangen oder bestimmte Leute jagten uns Angst ein. Wir wurden so oft übers Ohr gehauen, dass wir Schwindel schon von weitem riechen. Auch charismatische Leute und fotogene Orte erkennen wir sofort. Dadurch können wir den Augenblick wirklich geniessen, ohne unsere persönlichen Grenzen zu überschreiten, die wir mittlerweile gut kennen.“ An ihrer Lust Neues zu entdecken hat sich bis heute nichts geändert. Und ihre Expeditionen sind lauter Beweise, dass es sich lohnt, seine Ängste zu überwinden und seine Träume zu leben. www.exploreaction.ch

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Bei seinen künstlerischen Performances trickst der Chinese die Schwerkraft aus und macht mit seinen Bildern auf die instabile Welt aufmerksam, in der wir immer und überall Gefahr laufen, die Bodenhaftung zu verlieren. Er hat uns aus seinem Wohnort Peking seine spektakuläre Arbeit erklärt.

Li Wei Superman

Text°°° Frédéric Rein Im Zentrum von Li Weis künstlerischem Werk steht die Schwerkraft. Mit seinen schwebenden Körpern stellt er die Welt auf den Kopf und spielt mit der Gravitation. Er schafft Illusionen, die Verwirrung stiften, aber nicht etwa komisch wirken. Der Augenblick ist ernst. Der Fall ins Leere steht kurz bevor, wenn er nicht sogar schon stattgefunden hat. Li Wei führt physikalische Gesetze ad absurdum. Seine inszenierten Bilder lassen ein Schwindelgefühl aufkommen, unter das sich Geheimnisvolles, Unbehagen und Erheiterung mischen. Was aber stellen die Fotos, auf denen er seine Performances festhält, dar? Einen zerbrechlichen Moment der Poesie oder eine desillusionierte Sicht der Umwelt? „Es ist ein imaginäres Universum, auf das die Haltlosigkeit der Welt übertragen wird. Die Umwelt, in der ich lebe, flösst mir keine Angst ein, aber wenn ich ehrlich bin, empfinde ich sie als sehr bedrohlich. Und die Gefahr lauert überall: im Alltag genauso wie in der Wirtschaft und der Politik. Diese Botschaft möchte ich vermitteln und ich hoffe, dass sie bei den Menschen ankommt“, umschreibt der 40-Jährige sein künstlerisches Schaffen. Eben diese Gefahr bildet Li Wei nach und setzt sich dabei meist gleich selbst in Szene. Seine Bilder entstammen seiner Fantasie, erstarren vorübergehend zur Wirklichkeit und werden dann vom Fotografen verewigt. Seinen Ideen haucht er nicht mit Softwareprogrammen Leben

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der Gegenwartskunst

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Bei seinen künstlerischen Performances trickst der Chinese die Schwerkraft aus und macht mit seinen Bildern auf die instabile Welt aufmerksam, in der wir immer und überall Gefahr laufen, die Bodenhaftung zu verlieren. Er hat uns aus seinem Wohnort Peking seine spektakuläre Arbeit erklärt.

Li Wei Superman

Text°°° Frédéric Rein Im Zentrum von Li Weis künstlerischem Werk steht die Schwerkraft. Mit seinen schwebenden Körpern stellt er die Welt auf den Kopf und spielt mit der Gravitation. Er schafft Illusionen, die Verwirrung stiften, aber nicht etwa komisch wirken. Der Augenblick ist ernst. Der Fall ins Leere steht kurz bevor, wenn er nicht sogar schon stattgefunden hat. Li Wei führt physikalische Gesetze ad absurdum. Seine inszenierten Bilder lassen ein Schwindelgefühl aufkommen, unter das sich Geheimnisvolles, Unbehagen und Erheiterung mischen. Was aber stellen die Fotos, auf denen er seine Performances festhält, dar? Einen zerbrechlichen Moment der Poesie oder eine desillusionierte Sicht der Umwelt? „Es ist ein imaginäres Universum, auf das die Haltlosigkeit der Welt übertragen wird. Die Umwelt, in der ich lebe, flösst mir keine Angst ein, aber wenn ich ehrlich bin, empfinde ich sie als sehr bedrohlich. Und die Gefahr lauert überall: im Alltag genauso wie in der Wirtschaft und der Politik. Diese Botschaft möchte ich vermitteln und ich hoffe, dass sie bei den Menschen ankommt“, umschreibt der 40-Jährige sein künstlerisches Schaffen. Eben diese Gefahr bildet Li Wei nach und setzt sich dabei meist gleich selbst in Szene. Seine Bilder entstammen seiner Fantasie, erstarren vorübergehend zur Wirklichkeit und werden dann vom Fotografen verewigt. Seinen Ideen haucht er nicht mit Softwareprogrammen Leben

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ein, sie entstehen zwischen Himmel und Erde. „Bei den Performances verletze ich mich sogar manchmal!“ sagt der Performancekünstler. „Wenn wir in der Luft sind, verwenden wir Kabel, danach lösche ich sie mit Photoshop. Und bei meiner Performance-Serie „Mirroring“ habe ich mit den Spiegelungen gespielt“, erklärt Li Wei, der fast neun Jahre warten musste, bevor ihm 2007 der internationale Durchbruch gelang. Unmögliches möglich machen Es sind eben diese Alltagszenen, die den surrealen Aufnahmen ihre so besondere Stimmung verleihen. Und sie sind es auch, die Li Wei motivieren. „Ich mag Herausforderungen und versuche, Unmögliches möglich zu machen. Das wird auch noch in zehn Jahren so sein“, prophezeit der Künstler. Konkrete Angaben zu zukünftigen Projekten will er allerdings keine machen. Dafür gibt er unumwunden zu, dass er gerne Superman, der Kämpfer für das Gute, wäre! Eine Offenbarung, die kaum überrascht, betrachtet man die von ihm inszenierten Heldentaten. Li Wei lässt sich deshalb auch immer wieder in typischen Superheld-Posen ablichten – ohne Kostüm, denn das wäre für die Schultern des Erdenbürgers, der er ist, doch einiges zu breit. Er lebt schliesslich in der Realität, in der das Gesetz der Schwerkraft gilt. Bei seinem künstlerischen Schaffen aber setzt er sich darüber hinweg und nähert sich der Fiktion und somit seinem Helden. Und wie Superman prangert er eine Welt an, die buchstäblich in Gefahr schwebt.

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News und weitere Werke von Li Wei: www.liweiart.com

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Coole

f  Mit seiner speziellen Technik erhält Giles Miller eine Art pixelisierte Zeichnung wie bei diesem „Brown Paper Handbag“.

design

Pappkameraden

f  Alles andere als eine Eintagsfliege: Der Kartonsessel „Pool Rocker II“ des britischen Designers Giles Miller ist äusserst robust und langlebig.

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s  „Mantle clock-C“, die günstigste Kartonkreation von Giles Miller

Leicht, robust, und langlebig: Karton steht bei Designern seit einigen Jahren hoch im Kurs. Der junge Brite Giles Miller hat sich sogar auf Pappmöbel spezialisiert. Er hat uns seine Kartonwelt gezeigt. Text°°° Frédéric Rein Karton ist umweltverträglich, verspielt und manchmal sogar schick. Das bewies in den 1970er-Jahren schon der amerikanische Stararchitekt Frank O. Gehry, als er den Karton aus dem Keller ins Wohnzimmer holte. Seine Stühle, Tische und Sessel wurden Kult und schafften es sogar ins Museum! Immer häufiger fand Karton den Weg aus dem Altpapiercontainer in die Designerstuben. Verpackungen wurden entpackt und zweckentfremdet. 1993 wurde Karton mit dem T.4.1-Sessel des Franzosen Olivier Leblois, der über 150’000 Mal verkauft wurde, salonfähig. „Karton ist formbar und so etwas wie der Beton der Designer. Zu Dreiecken gefaltet bildet er stabile Träger, die 200 bis 300 kg standhalten! Und Wellpappe schliesst Luft ein, ist also isotherm, so dass eine warme Materie entsteht“, schwärmt der angesagte Designer. Auch dem japanischen Architekten Shigeru Ban hat es die subtile Mischung aus Leichtigkeit und Robustheit der Pappe angetan. Nach dem Erdbeben von Kobe im Jahr 1995 entwarf er unter dem Namen „Paper Log House“ Nothäuser, die zur Hauptsache aus Kartonröhren bestehen. Noch heute arbeiten viele Amateur- oder Profi-Kartonisten mit Wellpappe. So zum Beispiel der Brite Giles Miller, der mit seiner Leidenschaft für dieses intelligente, zeitgenössische Material nicht hinterm Berg hält. Wir haben uns mit dem 28-jährigen Pappkameraden unterhalten.

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Giles Miller, Sie arbeiten seit 2006 mit Karton. Was reizt Sie an diesem Material? Das Wellenförmige ist sowohl strukturell als auch ästhetisch sehr interessant. Und auch die Umweltverträglichkeit spielt eine wichtige Rolle, denn Karton wird weitgehend wiederverwertet und stammt grösstenteils aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, in denen für jeden gefällten Baum drei neue gepflanzt werden. Und Überreste werden direkt recycelt. Trotzdem sind seiner Verwendung Grenzen gesetzt… Ich habe mir die Aufgabe gestellt, zu beweisen, dass Karton viel mehr Potenzial besitzt als allgemein angenommen. So habe sich zum Beispiel eine Laptop-Tasche entworfen, die dank Imprägnierung wasserdicht ist. Auch in Bezug auf die Lebensdauer sind Kartonobjekte alles

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Coole

f  Mit seiner speziellen Technik erhält Giles Miller eine Art pixelisierte Zeichnung wie bei diesem „Brown Paper Handbag“.

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Pappkameraden

f  Alles andere als eine Eintagsfliege: Der Kartonsessel „Pool Rocker II“ des britischen Designers Giles Miller ist äusserst robust und langlebig.

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s  „Mantle clock-C“, die günstigste Kartonkreation von Giles Miller

Leicht, robust, und langlebig: Karton steht bei Designern seit einigen Jahren hoch im Kurs. Der junge Brite Giles Miller hat sich sogar auf Pappmöbel spezialisiert. Er hat uns seine Kartonwelt gezeigt. Text°°° Frédéric Rein Karton ist umweltverträglich, verspielt und manchmal sogar schick. Das bewies in den 1970er-Jahren schon der amerikanische Stararchitekt Frank O. Gehry, als er den Karton aus dem Keller ins Wohnzimmer holte. Seine Stühle, Tische und Sessel wurden Kult und schafften es sogar ins Museum! Immer häufiger fand Karton den Weg aus dem Altpapiercontainer in die Designerstuben. Verpackungen wurden entpackt und zweckentfremdet. 1993 wurde Karton mit dem T.4.1-Sessel des Franzosen Olivier Leblois, der über 150’000 Mal verkauft wurde, salonfähig. „Karton ist formbar und so etwas wie der Beton der Designer. Zu Dreiecken gefaltet bildet er stabile Träger, die 200 bis 300 kg standhalten! Und Wellpappe schliesst Luft ein, ist also isotherm, so dass eine warme Materie entsteht“, schwärmt der angesagte Designer. Auch dem japanischen Architekten Shigeru Ban hat es die subtile Mischung aus Leichtigkeit und Robustheit der Pappe angetan. Nach dem Erdbeben von Kobe im Jahr 1995 entwarf er unter dem Namen „Paper Log House“ Nothäuser, die zur Hauptsache aus Kartonröhren bestehen. Noch heute arbeiten viele Amateur- oder Profi-Kartonisten mit Wellpappe. So zum Beispiel der Brite Giles Miller, der mit seiner Leidenschaft für dieses intelligente, zeitgenössische Material nicht hinterm Berg hält. Wir haben uns mit dem 28-jährigen Pappkameraden unterhalten.

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Giles Miller, Sie arbeiten seit 2006 mit Karton. Was reizt Sie an diesem Material? Das Wellenförmige ist sowohl strukturell als auch ästhetisch sehr interessant. Und auch die Umweltverträglichkeit spielt eine wichtige Rolle, denn Karton wird weitgehend wiederverwertet und stammt grösstenteils aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, in denen für jeden gefällten Baum drei neue gepflanzt werden. Und Überreste werden direkt recycelt. Trotzdem sind seiner Verwendung Grenzen gesetzt… Ich habe mir die Aufgabe gestellt, zu beweisen, dass Karton viel mehr Potenzial besitzt als allgemein angenommen. So habe sich zum Beispiel eine Laptop-Tasche entworfen, die dank Imprägnierung wasserdicht ist. Auch in Bezug auf die Lebensdauer sind Kartonobjekte alles

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i  Wasserdichte Laptoptasche „Cardcase“

s  Das Wellenförmige des Kartons hat es Giles Miller besonders angetan. Er findet es sowohl strukturell als auch ästhetisch sehr interessant.

andere als Eintagsfliegen. Mein Sessel „Pool Rocker“ kann jahrelang benutzt werden, ohne dass er kaputt geht. Sie sind nicht der einzige Designer, der Karton verwendet. Was ist Ihre Spezialität? Ich habe meine eigene Kannelur-Technik entwickelt, bei der ich den Winkel des Wellenverlaufs ändere, so dass eine Art pixelisierte Zeichnung entsteht. Ich finde es genial, dass Karton immer häufiger als Material eingesetzt wird und hoffe, dass ich zur Förderung von Karton beitragen kann.

Wie tief muss man für einen echten Giles Miller ins Portemonnaie greifen? Die Preise sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von 28 Pfund (Anm. d. Red.: ca. 40 Franken) für Objekte, die der Kunde selbst zusammenbauen muss, wie die kleine Uhr, bis 1500 Pfund (ca. 2250 Franken) für bestimmte Kommoden. Weitere Kartonobjekte und andere Kreationen von Giles Miller unter: www.gilesmiller.com

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Welches ist Ihr schönstes Stück? Ich habe vor kurzem angefangen hochwertige Innenverkleidungen für Wände zu entwerfen. Den Anfang hatte eine Bestellung der Modedesignerin Stella McCartney für ihre Pariser Boutique gemacht. Sie ist bisher meine spannendste Kartonkreation, aber ich hoffe natürlich, dass in naher Zukunft weitere, genauso fantastische Werke hinzukommen. Ich wurde übrigens vom Hotel Ritz-Carlton in Singapur beauftragt, eine Wand aus Messing zu erstellen und jetzt bin ich dabei, das gleiche Verfahren mit Keramik anzuwenden.


Alle Zeichen stehen auf Frühling: Die Tage werden wieder länger, die Sonne scheint häufiger und auf den Bäumen zwitschern die Vögel. Gleichzeitig nähert sich damit auch die allseits gefürchtete Bikini-Anprobe, bei der die winterlichen Exzesse erbarmungslos zum Vorschein kommen.

Text°°° Catherine Cochard Den ganzen Winter haben wir darauf gewartet! Kaum sind der März und die letzten Aprilschauer vorüber, steht auch schon der Sommer vor der Tür. Endlich können wir uns aus den unzähligen Kleiderschichten schälen, die zwar warm halten, unsere Figur aber nicht gerade vorteilhaft zur Geltung bringen. Etwas muss man dem Mantel jedoch zugutehalten: Unter ihm kann man wenigstens die in der Festtagszeit mit Weihnachtsessen, Pralinen und Aperos angefutterten Pfunde verbergen. In dem Moment, in dem wir die sperrigen Winterklamotten ablegen, ist uns plötzlich nicht mehr so leicht ums Herz. Schwermut macht sich breit und das Zwitschern der Spatzen klingt schriller. Haben sich da etwa überflüssige Kilos angesammelt? Unter dem T-Shirt können wir sie zwar noch knapp kaschieren, aber wie wird der Winterspeck im gnadenlosen Zweiteiler daherkommen, der Ende Mai wieder seinen Dienst aufnimmt?

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Die Bikini-Probe naht chronik

Keystone

Typologie Nach Tränen, Geschrei und verzweifelten „Warum ich“-Rufen macht sich langsam Resignation breit. Einige belassen es dabei, andere schreiten zur Tat – alles eine Frage des Charakters. Eher zurückhaltende Frauen finden sich damit ab. Ihr Argument? Öffentliche Schwimmbäder sind sowieso nicht ihr Ding, weshalb sich also kasteien und eisern Disziplin halten, wenn man sowieso nicht vor hat, die Hüllen fallen zu lassen. Ende der Diskussion. Zielstrebige Willensmenschen hingegen tun sich sieben Tage die Woche Gewalt an, bis sie auf den Liegestühlen im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur machen. Dabei haben sie die Wahl zwischen einer ganzen Reihe von Foltermethoden – vom Fitnessstudio mit Personal Coach bis hin zum Jogging auf Feldwegen und Uferpromenaden. Die Resignierten – die dritte Kategorie – setzten auf ihre Persönlichkeit, mit der sie ihre in den Monaten November, Dezember, Januar, Februar und März angefutterten Kilos dem anderen Geschlecht schmackhaft machen können. „Was, du magst meine Figur nicht? Ich fühle mich auf jeden Fall wohl damit!“ Die alte Leier, wie eine Art Mantra von einer zunehmenden Anzahl an Frauen „die sich so akzeptieren wie sie sind“ so oft vorgetragen, dass berechtigte Zweifel an der Aufrichtigkeit des doch etwas abgedroschenen Spruchs aufkommen. Den Gürtel enger schnallen Am häufigsten und üblichsten ist aber eine andere Sorte Frauen: Die nämlich, die versuchen den Schaden in Grenzen zu halten, indem sie mehr Sport treiben und auf Kalorienbomben verzichten – vorübergehend versteht sich, schliesslich sind Diäten einfach zu deprimierend. Oft tun sich diese Frauen in Gruppen zusammen und versuchen, sich gegenseitig zu motivieren und gemeinsam stark zu bleiben. Ihre Devise: „Fünf Kilo weniger in einer Woche“, „Weg mit den hässlichen Schwimmringen in 20 Tagen“, „Traumhintern in nur 5 Minuten“. Zauberformeln, die ihnen helfen bis zum Sommer durchzuhalten und, wenn sie auch nicht immer den erhofften Erfolg haben, dann wenigstens dazu führen, dass man dem Winterspeck mit weniger Schuldgefühlen begegnet.


Raphael

Saadiq

Retro-Soul vom Feinsten

Der amerikanische Sänger mit der unverkennbar groovigen Stimme meldet sich mit seinem fünften Studioalbum zurück. Wie schon auf der letzten Scheibe lässt er auch auf „Stone Rollin“ die goldene Ära des afroamerikanischen Pops auf seine ganz eigene Art wieder aufleben. musik

Sony Music


Text°°° Frédéric Rein Der etwas antiquierte Soul von Raphael Saadiq ist eine Zeitreise: Er versetzt uns in die glorreichen Motown-Jahre der Siebziger zurück. Im selben Stil wie sein viertes Studioalbum The way I see it, das von iTunes US zum Album des Jahres 2008 gekürt und von der Presse in höchsten Tönen gelobt wurde, entpuppt sich auch sein Ende März veröffentlichtes Stone Rollin als würdiger Vertreter des Old-School-R&B. Raphael Saadiq huldigt in seinem fünften Werk dem goldenen Zeitalter des afroamerikanischen Pop mit viel Rhythmus und Eleganz, indem er ihm mit seinem unverkennbaren, entschieden modernen Twist seine Handschrift aufdrückt. Besondere Glanzstücke sind neben der wunderbar rauen Erstauskopplung Radio das brillante Go to hell und Just don’t. Bei Letzterem hat auch sein Idol Larry Dunn von Earth, Wind and Fire mitgewirkt. Saadiq überzeugt auf der Scheibe nicht nur mit seinen Sänger- und Songwriter-Qualitäten, sondern auch als Musiker. Er beherrscht den Bass mit ebenso viel Leichtigkeit wie das Mellotron, das Klavier und die Gitarre und macht sogar an den Percussions und am Schlagzeug eine gute Figur! Die Bühne ist ganz offensichtlich seine Welt, aber er hat auch hinter den Kulissen schon mehrfach sein Talent bewiesen. Der frühere Bassist von Prince produzierte mehrere namhafte Künstler wie 2Pac, Whitney Houston oder Joss Stone.

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Stil- und Kostümwechsel Die Geschichte von Raphael Saadiq, mit bürgerlichem Namen Charlie Ray Wiggins, begann 1966 im kalifornischen Oakland. Schon im frühen Kindesalter bestimmte Musik sein Leben. Mit zarten sechs Jahren spielte er im Chor und in der Kirche Bass. Ende der Achtziger bis in die Mitte der Neunziger war er Bassist in der Band Tony! Toni! Toné!, die als Wegbereiter des New Jack Swing gilt. 1999 rief er das Neo-SoulProjekt Lucy Pearl ins Leben, bevor er 2002 mit dem Album Instant Vintage eine Solokarriere startete. 2008 wandte er sich von seiner sehr zeitgemässen Musik ab. Er wechselte den Stil und den Look. Schluss mit verkehrt herum getragener Basketballmütze und T-Shirts in XXL-Grösse. Im perfekt sitzenden Anzug zeigt er, dass nicht nur er, sondern auch sein Soul erwachsen geworden ist. Mit unglaublichem Charme und seinem unnachahmlichen Groove belebt er die Soul-Tradition neu. Er bleibt ihr treu, ohne sie zu kopieren, denn schliesslich ist Raphael Saadiq ein Original… und ein echter Soul Man! www.raphaelsaadiq.com

Alex Prager

Konzerttermin Kaufleuten Zürich, 23. April 2011


Mit im siebten Musik- und Tanzhimmel


zuhause. Dort nämlich geniessen diese Tänzer Kultstatus. Meistens dient ihre Darbietung dazu, den Auftritt von Musikstars wie Mariah Carey, Anastacia, Britney Spears, Madonna oder Usher zu untermalen. Bei Skydance treten die Ausnahmeperformer aus dem Schatten ins Rampenlicht. Die „Hip Hop Gang of the World“ wird mit ihren athletischen und künstlerischen Leistungen die Bühne rocken und Begeisterungsstürme auslösen.

StarEvent Gmbh

Die grösste Musik- und Tanzshow der Welt macht im Mai erstmals in Genf Halt und kehrt danach nach Zürich zurück. Zum 10-JahrJubiläum haben die Organisatoren Grosses vor. Freuen Sie sich auf ein mitreissendes Spektakel der Superlative!

Die Crème des Irish Dance Arme und Oberkörper bewegen sich kaum, der Rücken ist kerzengerade. Die Beine aber scheinen wie losgelöst vom Körper. Sie fliegen virtuos im wilden Rhythmus der Musik durch die Luft. Irish Dance lässt sich mit keinem anderen Tanzstil vergleichen. Das zeigt auch das CIDA Team mit den besten Irish Dancern der Gegenwart auf eindrückliche Weise. Für Skydance gesellt sich der achtfache Weltmeister des Irish Dance John Carey zu den 70 Weltklassetänzern. Ihr Steppschuhwirbel wird bestimmt den tosenden Applaus ernten, den er verdient!

Text°°° Serge Greter Kaum gehen die Scheinwerfer an, kommt Bewegung auf die Bühne. Wie von Zauberhand erwacht eine Welt aus Strass und Pailletten zum Leben und verbreitet Freude und gute Stimmung. Willkommen im magischen Universum von Skydance! Die selbsternannte grösste Musik- und Tanzshow der Welt vereint 220 Stars aus Musik, Tanz und Comedy aus 22 verschiedenen Ländern auf ein- und derselben Bühne. Dieses Jahr tritt das lebendige Kunstwerk am 6. und 7. Mai erstmals in der Genfer Arena auf und kehrt dann ins Zürcher Hallenstadion zurück (12.-14. Mai), das 2010 bei allen vier Vorstellungen restlos auskauft war. Zum 10-jährigen Jubiläum wird die Französin Patricia Kaas das Publikum in der Rhonestadt begeistern. In Zürich hingegen tritt Freddy Sahin-Scholl, bekannt aus der deutschen TV-Show „Das Supertalent“, auf. Das Stimmwunder wird im Duo mit sich selbst singen. Für bewegende Momente und viel Gänsehaut werden auch die vielen anderen Truppen der Show sorgen. 30 Grad hat einige Geheimtipps herausgepickt, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten.

StarEvent Gmbh

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Hip-Hop im Rampenlicht Jimmie Surles (USA), Dimitry Lavrinenko (UKR), Jonathan Huor (CAM), Gerrit Hotzel (D), Yannik Misteli (CH)… Die Namen sagen Ihnen wahrscheinlich nicht viel, ausser Sie sind in der Hip-Hop-Szene

Flamenco zu Balletmusik Unglaublich, aber wahr: Flamenco trifft auf Balletmusik und die Tänzerin Nina Corti auf das 50-köpfige SOZ-Philharmonie-Orchester. Die Botschafterin des modernen Flamenco, der nichts von seiner sinnlichen Explosivität eingebüsst hat, tanzt ungestüm und leidenschaftlich zum erotischen Boléro von Maurice Ravel. Diese einzigartige, mutige Kombination wird alle unsere visuellen und akustischen Orientierungspunkte über den Haufen werfen. Kampfsport als Show Ein hochexplosiver Show-Mix aus Kampfsport, Hip-Hop-Moves und Akrobatik mit einer willkommenen Prise Comedy am Rande der Selbstironie: Das ist Swisstricks. Die Truppe wurde vor zehn Jahren von Schweizern gegründet, ist aber mittlerweile multikulturell. Die Stars kommen aus der ganzen Welt, aus Israel, Tschechien, Korea und Deutschland ebenso wie aus der Schweiz. Sie machen einen Spagat zwischen Welten, die letztendlich gar nicht so weit voneinander entfernt sind und erheben den Kampfsport zur Kampfkunst.

Mehr Infos: www.skydance.info Tickets: Manor

43 | DREISSIG GRAD


Tahar Rahim prophet im eigenen Land

kino

Der junge Franzose, der 2010 mit seiner preisgekrönten Hauptrolle in Jacques Audiards Werk „Ein Prophet“ den Durchbruch schaffte, ist jetzt im amerikanischen Momumentalfilm „Der Adler der neunten Legion“ zu sehen. Damit hat er endgültig den Sprung ins internationale Filmgeschäft geschafft. Text°°° Catherine Cochard Nach ihm wird kein anderer Schauspieler mehr den César für den besten Nachwuchsdarsteller und den besten Hauptdarsteller erhalten. Im März 2010 heimste der junge Schauspieler an der Verleihung der höchsten Auszeichnungen der französischen Filmindustrie gleich zwei Preise ein. Die Institution musste sich zwar dem hochverdienten Triumph des Franzosen beugen, versprach aber, das Reglement zu ändern, damit solche „Doppelsiege“ in Zukunft nicht mehr möglich sind. Ein Jahr nach dieser Krönung ist der „Frenchie“ gleich in mehreren Filmen zu sehen, darunter auch im amerikanischen Monumentalfilm The Eagle (dt. Der Adler der neunten Legion) von Regisseur Kevin Macdonald. Die Geschichte ist im römischen England des 2. Jahrhunderts angesiedelt und handelt davon, wie sich ein Legionär (Channing Tatum) auf die Suche nach seinem vor 20 Jahren in den schottischen Bergen spurlos verschwundenen Vater macht. Tahar Rahim spielt darin den Stammesführer und Kriegschef Seal Prince, der den Soldaten daran zu hindern versucht, die Wahrheit herauszufinden.

Vom Sportstudenten zum Filmstar Seine Faszination fürs Kino entdeckte Tahar Rahim als Teenager in seinem damaligen Wohnort Belfort in Frankreich. Bei einem Interview mit der Zeitschrift L’Express erzählte er: „Ich verbrachte meine ganze Freizeit im Kino und schaute mir vier bis fünf Filme pro Woche an, bis mein Kopf schmerzte (…). Ich brauchte eine Beschäftigung, einen Ort, an dem ich mich emanzipieren konnte.“ 2000 schrieb er sich am sportwissenschaftlichen Institut in Strassburg

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ein. Sein Studium langweilte ihn aber so, dass er auf Mathematik und Informatik umsattelte. Drei Monate später schmiss er erneut das Handtuch und kehrte zu seiner ersten Liebe, dem Film zurück. Er begann ein Filmstudium in Montpellier und schloss dieses erfolgreich ab. 2005 packte er alle seine Habseligkeiten in einen Rucksack und zog nach Paris. Dort hielt er sich mit zwei kleinen Jobs über Wasser. Sie brachten gerade so viel ein, dass er Schauspielkurse und die Miete für sein Zimmer bezahlen konnte. Nebenbei klapperte er die Castings ab, bis er schliesslich eine Rolle in einer TV-Serie erhielt. Drehbuchautor war niemand anderer als Abdel Raouf Dafri, der auch das Filmskript für Ein Prophet verfasste und ihn mit Jacques Audiard bekannt machte. Audiard engagierte Tahar Rahim für die Titelrolle des Malik El Djebena in Ein Prophet. Dank seiner sensationellen schauspielerischen Leistung wurde er mit Preisen geradezu überhäuft. Mittlerweile hat er auch im internationalen Filmgeschäft Fuss gefasst und wird nach Der Adler der neunten Legion in Des Hommes libres von Ismaël Ferroukhi, Chienne des Chinesen Lou Ye und in Or noir von Jean-Jacques Annaud vor der Kamera stehen.

DREISSIG GRAD | 45


The Hangover 2: Touchstone Pictures

KINO

Frühling steht für Neubeginn und Wiedergeburt. Das gilt auch für die Filmindustrie, die in diesem Frühjahr gleich mehrere Fortsetzungen in die Kinos bringt. Drei legen wir Ihnen besonders ans Herz: Fluch der Karibik, Kung Fu Panda und Hangover. Text°°° Catherine Cochard

To be continued… Im Mai dürfen wir uns auf die Rückkehr des Wirbelwinds Jack Sparrow (Johnny Depp) freuen. Er treibt auch im vierten Streich der 2003 begonnenen Piratensaga Fluch der Karibik wieder sein Unwesen. Aber diesmal wird er nicht von seinen Schicksalsgenossen William Turner (Orlando Bloom) und Elizabeth Swann (Keira Knightley) begleitet und auch Gore Verbinski, der in den Teilen 1-3 Regie geführt hatte, ist nicht mehr von der Partie. An seiner Stelle hat Rob Marshall (Chicago, Die Geisha) das Steuer übernommen. In diesem neusten Abenteuer fahren wir mit Jack Sparrow auf die stürmische See. Er hat sich in den Kopf gesetzt, den Jungbrunnen zu finden. Auf den Spuren eines spanischen Conquistadors macht er sich auf nach Florida und trifft dabei auf seinen Erzrivalen Hector Barbossa und den gefürchteten Piraten Blackbeard alias Edward Teach. Er muss Meerjungfrauen widerstehen, Zombies den Garaus machen und natürlich die vielen anderen Piraten, die sich ihm in den Weg stellen, ausschalten. Vor allem aber sieht er Blackbeards Tochter Angelica Teach (Penelope Cruz) wieder, die ihn bei diesem neuen Abenteuer begleitet.

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Pirates 4: Disney

Was zur Hölle ist letzte Nacht passiert ? Kurz vor Sommeranfang reisen wir in Begleitung der verrückten Bande von The Hangover 2 (englisch umgangssprachlich für Kater) nach Thailand. Wir erinnern uns an Teil 1, als Phil, Alan und Stu nach Las Vegas gingen, um dort den Junggesellenabschied von Doug zu feiern und es so sehr krachen liessen, dass sie am nächsten Tag mit einem kompletten Filmriss aufwachten. Doch Las Vegas ist für die vier

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Kung Fu Panda 2: Dreamworks

HOT SHOT.*

Kumpels mittlerweile Vergangenheit. Jetzt steht Stu kurz davor, den Bund der Ehe zu schliessen. Um sich von seinem Junggesellenleben zu verabschieden, nimmt er seine Freunde mit auf einen exotischen Trip nach Asien. Und natürlich gerät wieder alles aus dem Ruder. Was in Bangkok alles passiert, müssen Sie sich schon selbst ansehen. An der Besetzung der Hauptrollen wurde nichts geändert – Bradley Cooper, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Ed Helms und sogar Mike Tyson sind wieder zur Stelle. Daneben gibt es aber auch einige neue Gesichter. So haben beispielsweise Juliette Lewis, die sich in den letzten Jahren etwas aus der Filmbranche zurückgezogen und der Musik gewidmet hatte, und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton in Person einen Gastauftritt in The Hangover 2. Kung Fu Panda 2 Im Juni können wir den schwergewichtigen Panda bei neuen Abenteuern erleben. In der Originalversion leiht ihm Jack Black, in der deutschen Ausgabe Hape Kerkeling die Stimme. Am Ende des ersten Teils war Pos grösster Wunsch in Erfüllung gegangen: Er war zum Drachenkrieger geworden und schützte zusammen mit seinen Freunden, den Furiosen Fünf Tigress, Crane, Monkey, Mantis und Viper das Tal des Friedens. Aber das friedliche Leben wird von einem neuen Bösewicht bedroht, der China um jeden Preis erobern und dazu Kung Fu mit seiner unzerstörbaren Geheimwaffe vernichten will. Wird es Po gelingen, seine Angehörigen zu schützen, seine Heimat zu retten und eine Waffe zu besiegen, die stärker ist als Kung Fu? Bevor er es mit dem gefährlichen Schurken aufnehmen kann, muss sich der dicke Panda seiner Vergangenheit stellen, um mehr über seine mysteriöse Herkunft zu erfahren und herauszufinden, woher er eigentlich kommt.

*Hot Shot: 2 cl Molinari Sambuca Extra, 2 cl Marie Brizard  Cranberry Liqueur, 2 cl Svedka Vodka, Shot anzünden   (vor Genuss Flamme löschen). Drink responsibly. Molinari Sambuca Extra ist bei Coop, Globus, Manor, Denner,   im guten Fachhandel und überall in der Gastronomie erhältlich.


Wenn der Kinobesuch zum Luxus wird zVg

In Dietlikon und jetzt auch in Genf können Kinofans ihren Film in einem raffinierten Rahmen geniessen – bequem in extrabreiten Ledersesseln einen Cocktail schlürfend. Wir haben den neuen Trend genauer unter die Lupe genommen.

Text°°° Serge Greter Es gibt edle Appetizer statt Popcorn. 81 extrabreite Sessel mit verstellbarer Rückenlehne und Fussstütze ersetzen die üblichen Kinositze, die man am Ende des Films meist gar nicht schnell genug wieder verlassen kann. Die Astor Film Lounge in Genf ist kein gewöhnliches Kino. Seit letztem Dezember veredelt es die Vorstellungen und verleiht ihnen etwas Luxuriöses. Reserviert wird per Internet, die Mäntel werden in einer Garderobe aufbewahrt, die Gäste persönlich mit einem Cocktail begrüsst, der Projektor gehört zum Besten, was es im Bereich der digitalen oder 3D 35-mmTechnologie gibt und das Kinopersonal bedient Sie in Ihrem Sessel. Gegen einen Aufschlag steht sogar ein Parkservice zur Verfügung und es besteht die Möglichkeit, sich im Kinosaal oder im Loungebereich zu verköstigen. „Das gesamte Konzept baut auf Servicequalität auf“, betont Grégoire Schnegg, Generaldirektor der Betreiberfirma Premium Entertainment Switzerland, die vor zwei Jahren bereits ein Kino in Berlin eröffnet hat. Ein weiterer Luxus besteht im vollständigen Verzicht auf Werbung. Natürlich haben diese feudalen Vorstellungen auch ihren Preis: 38 Franken der Platz. Wer aber leistet sich so etwas? „Leute ab 30, aber auch jüngere, wenn sie etwas Besonderes zu feiern haben“, versichert Grégoire Schnell, dem wir auch das Pathé-Netz in der Schweiz verdanken. Das Kinoprogramm ist sehr vielseitig: „Wir zeigen neben Autorenfilmen

zVg

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kino auch Blockbuster, die müssen aber qualitativ hochwertig sein. So haben wir zum Beispiel viele für den Oscar nominierte Filme ins Programm aufgenommen“, erklärt Schnell. Auch in Zürich Mit dem Ciné Deluxe im Pathé Dietlikon (ZH) gibt es das Kinoerlebnis für gehobene Ansprüche in der Deutschschweiz bereits seit 2004. Für 44 Franken kann es sich der Zuschauer dort in einem der 32 komfortablen Sofasessel bequem machen, ein Glas Prosecco und einen Snack geniessen und Popcorn à discrétion verspeisen. Deutlich weniger exquisit als in Genf! Grégoire Schnegg ist deshalb der Meinung, dass in der Zürcher City und, warum nicht auch im Genferseegebiet, noch Platz genug ist für eine Astor Film Lounge. „Trotzdem liebäugeln wir eher mit europäischen Grossstädten wie Barcelona, Mailand oder Rom“, gesteht er. In Europa sind solche Kinos der Extraklasse selten, ausser vielleicht in London. In den USA sind sie seit fünf Jahren auf dem Vormarsch. In Asien und Australien hingegen ist das Konzept sehr verbreitet. Vielleicht haben ja auch Sie Lust auf hollywoodreifes Eventkino?

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Graffs de Flow du TWE CREW

Graffiti als Kunst

Text°°° Christelle Coulon

Street Art ist tief in der Hip-Hop-Kultur verwurzelt. Sie prägt das Stadtbild fast aller Metropolen dieser Welt. Mauern, Strassen, Trottoirs, Häuserwände …, nicht wird von der Bewegung verschont. In ihren subversiven Zügen schwingt eine allgemeine Unzufriedenheit mit, ein Aufbegehren gegen das System. Doch Graffiti ist mehr als eine simple Ausdrucksform. Es hat sich mit den Jahren zu einer eigenständigen, weitgehend anerkannten Kunstform gemausert, der es im Gegensatz zu vielen anderen künstlerischen Strömungen an einem bestimmt nicht fehlt: an Sichtbarkeit.

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In Europa kamen die ersten Graffitis ziemlich früh auf. Schon in den Sechzigern wurde ihnen eine künstlerische Dimension zugesprochen. Trotzdem hagelte es viele Kritiken. Den Künstlern war’s egal. Sie sahen in dem neuen Trend eine willkommene Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Es wurde gesprüht, was das Zeug hielt, meist mit viel schrägem Humor. Das Resultat kam an. Zur gleichen Zeit fand der New Yorker Stil in Paris Nachahmer und in Deutschland nahm das Phänomen ein immer grösseres Ausmass an. Der Bau der Berliner Mauer stiess bei den jungen Deutschen auf massiven Widerstand. Sie gaben ihrer Wut Ausdruck, indem sie das Betonmonster mit Schriftzügen, Zeichnungen und Malereien vollsprühten. Wie die Geschichte zeigt, ist das Interesse für diese künstlerische Bewegung nicht neu. Und auch ihre Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit ist gestiegen. Meisterwerke findet man heute fast überall, Schauplatz grossflächiger Graffitis sind aber in erster Linie die Metropolen dieser Welt. Street Art ist raffinierter geworden und befindet sich mittlerweile auf einer Ebene mit den anderen Kunstformen. Als direkte Folge davon haben viele Graffitikünstler im Streben nach Anerkennung und Berühmtheit den Schritt aus der Anonymität gewagt. Einige hochtalentierte Sprayer haben sogar Kultstatus erlangt. Banksy, Blek le Rat, Jean-Michel Basquiat und Cornbread sind heute vielen ein Begriff. Andere wiederum haben mit dem Starsystem nichts

Graffiti war lange als illegal verschrien, galt als Verschandelung und Akt des Vandalismus. Mit den Jahren hat sich eine wundersame Wandlung vollzogen. Einige Sprayer erhoben Street Art zur Kunst und machten sie salonfähig. am Hut, geben sich einfach ihrer Kreativität hin und schaffen mit bunten Farben und allen möglichen Techniken ihre eigenen Werke. Graffiti ist auch in seiner heutigen Form noch immer Street Art. Neue Praktiken haben ihm aber in der Künstlerszene zu mehr Glaubwürdigkeit verholfen. Mehrere Sprüher schliessen sich zu so genannten „Crews“ zusammen und schaffen gemeinsam echte Meisterwerke. Sogar in Galerien werden Graffitis ausgestellt. Flow aus der Twe Crew zum Beispiel ist unter seinesgleichen im Zuge von Internet zu einem anerkannten Sprayer geworden. Sein extrem realistischer Stil lässt seine Werke wie Fotografien aussehen. Wie viele andere „Writer“ schöpft er seine Inspiration aus der Hip-Hop-Musik und aus Filmen (Tarantino, Scorsese, De Niro…). Seine Fähigkeit, eine Szene oder ein Porträt in allen Einzelheiten wiederzugeben, ist ihm bestimmt angeboren. In seinem Fall ist das Aufeinandertreffen von Strassenkultur und Vollblutkünstler so gelungen, dass man Graffitis kaum mit Negativem in Verbindung bringt. Was Flow sprayt, ist schön und angenehm fürs Auge. Er verfolgt sein Ziel, mit einer Spraydose als einzigem Hilfsmittel ein möglichst realistisches Bild zu malen, deshalb auch unbeirrt weiter. Zukunftspläne hat er genügend: Er will nach eigenen Worten immer mehr Mauern besprühen und, warum nicht, auch in anderen Ländern aktiv werden. Heute geniessen nicht mehr unbedingt diejenigen Sprayer das grösste Ansehen, die am meisten Risiken eingehen, sondern die, denen wir die schönsten und technisch anspruchsvollsten Realisationen verdanken. Besonders langlebig sind die modernen Kunstwerke zwar nicht, doch wer es schafft, mit seinen Graffitis auf sich aufmerksam zu machen und vielleicht sogar zum Nachdenken anzuregen, hat seine Wette bereits gewonnen. Noch mehr Graffitis: www.flowtwe.skyrock.com oder www.twecrew.skyrock.com oder www.flickr.com/photos/flowtwe

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Cup

ist längst bekannt, denn ihr festes Profil ist dem herkömmlichen Segel deutlich überlegen. Trotzdem führte das Flügelsegel bisher ein Randdasein, was an der doch sehr aufwändigen Wartung liegt. Ein Segel aus Tuch lässt sich problemlos bergen, bei einem starren Segel ist das schlicht unmöglich. Man darf gespannt sein, welche Lösungen die Syndikate bis 2013 im Umgang mit den riesigen Flügeln finden. Es ist durchaus möglich, dass die Boote jeden Abend in riesigen windgeschützten Hallen untergebracht werden.

Text°°° Vincent Gillioz

Die World Series als Vorgeschmack Es haben sich bereits acht Teams eingeschrieben, aber es ist durchaus möglich, dass im Endeffekt nur noch vier oder fünf mit dabei sein werden, denn ein so kolossales Budget aufzutreiben (ca. 80 Millionen Euro) ist nicht ganz einfach. Da ein 22-Meter-Katamaran nicht in einem Tag entwickelt und gebaut wird, haben die Organisatoren beschlossen, 2011/2012 eine Meisterschaft für AC 45 One Design Boote auf die Beine zu stellen. One Design bedeutet, dass alle Boote identisch sind, so dass sich mögliche Teilnehmer mit den Hightech-Geräten mit Flügelsegeln vertraut machen können. Interessierte Challenger müssen also erst noch eines dieser technischen Wunderwerke erstehen, bevor sie auf ihrem eigenen Prototyp segeln können. Vor dem alles entscheidenden Duell ist wie immer ein Ausscheidungsturnier geplant, dessen Sieger dann den Defender Oracle herausfordern darf.

Das unglaubliche juristisch-sportliche Duell, das die Segelwelt über zwei Jahre in Atem gehalten hat, ist vor einem Jahr in Valencia zu Ende gegangen. Mit dem Jahrhundertmatch zwischen dem Riesentrimaran von Larry Ellison (USA) und dem Katamaran von Ernesto Bertarelli, der Alinghi V, wurde ein Schlussstrich unter das monatelange Tauziehen gezogen. Für die Schweizer endete das Duell mit einer bitteren Enttäuschung: Sie unterlagen den Amerikanern klar mit 0:2. BMW Oracle Racing hatte mit seinem Konkurrenten, der dem Monsterboot mit dem über 70 Meter hohen Flügelsegel einfach nicht gewachsen war, kurzen Prozess gemacht. Dazu muss man wissen, dass dieser etwas merkwürdige 33. America’s Cup nach einer von den Amerikanern angestrengten Rechtsklage über den Wortlaut des Protokolls ohne weitere Challenger ausgetragen wurde. Die Stimmung war entsprechend gedrückt. Viele Segelfans hatten die Nase gestrichen voll von den ständigen Streitereien zwischen den beiden Parteien. Und auch das breite Publikum hatte das Interesse an der Regatta verloren, da sie lange nicht auf dem Wasser, sondern im Gerichtssaal entschieden wurde.

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von Mehrrümpfern und Flügeln

Viele Kritiker sind überzeugt, dass das Ganze ein abgekartetes Spiel ist, denn eine wirkliche Chance haben die Challenger angesichts des technologischen Vorsprungs, den sich die Amerikaner bis zur Bekanntgabe der Bauvorschriften und anderer Regeln herausarbeiten konnten, ihrer Ansicht nach nicht. Trotzdem haben zwei französische Syndikate, die im Mehrrumpfsegeln Meister ihres Fachs sind, sowie ein schwedisches, ein australisches und ein italienisches Team bereits die Voranmeldegebühren bezahlt. Was immer auch die Pseudo-Fachleute behaupten, der Ausgang der 34. America’s Cups steht noch nicht fest. Und der America’s Cup wird den Regattasport gewiss auch nach dem Rückzug von Alinghi mit viel Neuem bereichern.

Das Recht des Defenders Mit dem Gewinn der 33. Ausgabe der ältesten Sporttrophäe der Welt haben die Amerikaner auch das Recht erworben, die 34. Ausgabe zu organisieren und die Regeln dafür zu diktieren. Viele Fachleute finden das vom aktuellen Inhaber der Silberkanne erarbeite Protokoll nicht wirklich fairer als das umstrittene Protokoll von Alinghi aus dem Jahr 2007. Geklagt wurde bisher aber nicht. Wer sich nicht mit den Regeln anfreunden konnte, hat ganz einfach auf eine Teilnahme verzichtet. Damit steht dem nächsten America’s Cup im September 2013 in San Francisco auf 72-FussMehrrumpfbooten (22 Meter) nichts mehr im Weg.

Gilles Martin-Raget / www.americascup.com

Was sich ändert Bis zum legendären Zweikampf von 2010 wurde die Regatta mit einer Ausnahme immer auf herkömmlichen Einrumpfbooten gesegelt, die ihr Gleichgewicht und ihre Kraft aus der Bleibombe im Kiel schöpfen. Seit 30 Jahren orientiert sich die Entwicklung von schnellen Booten aber an Mehrrümpfern, die ohne die schwere Kielbombe auskommen und so deutlich höhere Geschwindigkeiten erreichen. Eine Class America der Generation 2007 schleppte unter Wasser 19 Tonnen Blei mit. Eigentlich eine widersinnige Zahl, wenn man bedenkt, dass in anderen Bereichen Millionen ausgegeben werden, nur um ein paar Gramm einzusparen. Der Grund liegt bei den Vermessungsregeln – den Bauvorschriften der Boote. Sie haben dazu geführt, dass eine der prestigeträchtigsten Segelveranstaltungen der Welt jahrelang auf Jachten ausgetragen wurde, die mit 20km/h durchs Wasser dümpeln. Man muss sich das etwa so vorstellen, als würde in der Formel 1 mit 30 Tonnen schweren Lastwagen gefahren, die kaum über 120 km/h hinauskommen! Durch den Umstieg auf Katamarane haben die Amerikaner den Cup modernisiert und dafür gesorgt, dass er endlich auf den derzeit schnellsten Booten gesegelt wird.

Bruno Troublé, Yves Carcelle und Russell Coutts (v.l.n.r.)

zVg

USA 17 kurz vor der Zieleinfahrt im ersten Lauf des 33. America’s Cups

Der neue FlügelsegelKatamaran AC45, auf dem der 34. America’s Cup gesegelt wird, in der Bucht von Auckland (NZ)

Gilles Martin-Raget / www.americascup.com

America’s

Die nächste Ausgabe der renommierten Regatta findet im September 2013 in der Bucht von San Francisco statt. An Bord von 22-Meter-Katamaranen mit Flügelsegel werden die Challenger versuchen, den Amerikanern die Silberkanne wieder zu entwenden.

Vom Segel zum Flügel Neben den beiden Rümpfen sind die neuen America’s Cupper mit einem starren Flügelsegel ausgestattet, wie es schon auf der USA im Februar 2010 in Valencia eingesetzt wurde. Dass diese Segel das Boot schneller machen,

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Cup

ist längst bekannt, denn ihr festes Profil ist dem herkömmlichen Segel deutlich überlegen. Trotzdem führte das Flügelsegel bisher ein Randdasein, was an der doch sehr aufwändigen Wartung liegt. Ein Segel aus Tuch lässt sich problemlos bergen, bei einem starren Segel ist das schlicht unmöglich. Man darf gespannt sein, welche Lösungen die Syndikate bis 2013 im Umgang mit den riesigen Flügeln finden. Es ist durchaus möglich, dass die Boote jeden Abend in riesigen windgeschützten Hallen untergebracht werden.

Text°°° Vincent Gillioz

Die World Series als Vorgeschmack Es haben sich bereits acht Teams eingeschrieben, aber es ist durchaus möglich, dass im Endeffekt nur noch vier oder fünf mit dabei sein werden, denn ein so kolossales Budget aufzutreiben (ca. 80 Millionen Euro) ist nicht ganz einfach. Da ein 22-Meter-Katamaran nicht in einem Tag entwickelt und gebaut wird, haben die Organisatoren beschlossen, 2011/2012 eine Meisterschaft für AC 45 One Design Boote auf die Beine zu stellen. One Design bedeutet, dass alle Boote identisch sind, so dass sich mögliche Teilnehmer mit den Hightech-Geräten mit Flügelsegeln vertraut machen können. Interessierte Challenger müssen also erst noch eines dieser technischen Wunderwerke erstehen, bevor sie auf ihrem eigenen Prototyp segeln können. Vor dem alles entscheidenden Duell ist wie immer ein Ausscheidungsturnier geplant, dessen Sieger dann den Defender Oracle herausfordern darf.

Das unglaubliche juristisch-sportliche Duell, das die Segelwelt über zwei Jahre in Atem gehalten hat, ist vor einem Jahr in Valencia zu Ende gegangen. Mit dem Jahrhundertmatch zwischen dem Riesentrimaran von Larry Ellison (USA) und dem Katamaran von Ernesto Bertarelli, der Alinghi V, wurde ein Schlussstrich unter das monatelange Tauziehen gezogen. Für die Schweizer endete das Duell mit einer bitteren Enttäuschung: Sie unterlagen den Amerikanern klar mit 0:2. BMW Oracle Racing hatte mit seinem Konkurrenten, der dem Monsterboot mit dem über 70 Meter hohen Flügelsegel einfach nicht gewachsen war, kurzen Prozess gemacht. Dazu muss man wissen, dass dieser etwas merkwürdige 33. America’s Cup nach einer von den Amerikanern angestrengten Rechtsklage über den Wortlaut des Protokolls ohne weitere Challenger ausgetragen wurde. Die Stimmung war entsprechend gedrückt. Viele Segelfans hatten die Nase gestrichen voll von den ständigen Streitereien zwischen den beiden Parteien. Und auch das breite Publikum hatte das Interesse an der Regatta verloren, da sie lange nicht auf dem Wasser, sondern im Gerichtssaal entschieden wurde.

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von Mehrrümpfern und Flügeln

Viele Kritiker sind überzeugt, dass das Ganze ein abgekartetes Spiel ist, denn eine wirkliche Chance haben die Challenger angesichts des technologischen Vorsprungs, den sich die Amerikaner bis zur Bekanntgabe der Bauvorschriften und anderer Regeln herausarbeiten konnten, ihrer Ansicht nach nicht. Trotzdem haben zwei französische Syndikate, die im Mehrrumpfsegeln Meister ihres Fachs sind, sowie ein schwedisches, ein australisches und ein italienisches Team bereits die Voranmeldegebühren bezahlt. Was immer auch die Pseudo-Fachleute behaupten, der Ausgang der 34. America’s Cups steht noch nicht fest. Und der America’s Cup wird den Regattasport gewiss auch nach dem Rückzug von Alinghi mit viel Neuem bereichern.

Das Recht des Defenders Mit dem Gewinn der 33. Ausgabe der ältesten Sporttrophäe der Welt haben die Amerikaner auch das Recht erworben, die 34. Ausgabe zu organisieren und die Regeln dafür zu diktieren. Viele Fachleute finden das vom aktuellen Inhaber der Silberkanne erarbeite Protokoll nicht wirklich fairer als das umstrittene Protokoll von Alinghi aus dem Jahr 2007. Geklagt wurde bisher aber nicht. Wer sich nicht mit den Regeln anfreunden konnte, hat ganz einfach auf eine Teilnahme verzichtet. Damit steht dem nächsten America’s Cup im September 2013 in San Francisco auf 72-FussMehrrumpfbooten (22 Meter) nichts mehr im Weg.

Gilles Martin-Raget / www.americascup.com

Was sich ändert Bis zum legendären Zweikampf von 2010 wurde die Regatta mit einer Ausnahme immer auf herkömmlichen Einrumpfbooten gesegelt, die ihr Gleichgewicht und ihre Kraft aus der Bleibombe im Kiel schöpfen. Seit 30 Jahren orientiert sich die Entwicklung von schnellen Booten aber an Mehrrümpfern, die ohne die schwere Kielbombe auskommen und so deutlich höhere Geschwindigkeiten erreichen. Eine Class America der Generation 2007 schleppte unter Wasser 19 Tonnen Blei mit. Eigentlich eine widersinnige Zahl, wenn man bedenkt, dass in anderen Bereichen Millionen ausgegeben werden, nur um ein paar Gramm einzusparen. Der Grund liegt bei den Vermessungsregeln – den Bauvorschriften der Boote. Sie haben dazu geführt, dass eine der prestigeträchtigsten Segelveranstaltungen der Welt jahrelang auf Jachten ausgetragen wurde, die mit 20km/h durchs Wasser dümpeln. Man muss sich das etwa so vorstellen, als würde in der Formel 1 mit 30 Tonnen schweren Lastwagen gefahren, die kaum über 120 km/h hinauskommen! Durch den Umstieg auf Katamarane haben die Amerikaner den Cup modernisiert und dafür gesorgt, dass er endlich auf den derzeit schnellsten Booten gesegelt wird.

Bruno Troublé, Yves Carcelle und Russell Coutts (v.l.n.r.)

zVg

USA 17 kurz vor der Zieleinfahrt im ersten Lauf des 33. America’s Cups

Der neue FlügelsegelKatamaran AC45, auf dem der 34. America’s Cup gesegelt wird, in der Bucht von Auckland (NZ)

Gilles Martin-Raget / www.americascup.com

America’s

Die nächste Ausgabe der renommierten Regatta findet im September 2013 in der Bucht von San Francisco statt. An Bord von 22-Meter-Katamaranen mit Flügelsegel werden die Challenger versuchen, den Amerikanern die Silberkanne wieder zu entwenden.

Vom Segel zum Flügel Neben den beiden Rümpfen sind die neuen America’s Cupper mit einem starren Flügelsegel ausgestattet, wie es schon auf der USA im Februar 2010 in Valencia eingesetzt wurde. Dass diese Segel das Boot schneller machen,

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Sechs Stationen in fünf Ländern, ein in die nordamerikanische Meisterschaft integrierter Wettkampf und ein unverändert mythischer Final am Bec des Rosses: Das alles hat die Freeride World Tour (FWT) 2011 ausgezeichnet. Den Teilnehmern wird diese ereignisreiche, von zahlreichen Stürzen geprägte Saison bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben. Aurélien Ducroz, der auch als Botschafter der Alpina-Uhren tätig ist, konnte den WM-Titel dank einer unglaublichen Leistung wie geplant zurückzuerobern.

(SWE) konnten sich noch fünf Rider Hoffnungen auf den WM-Titel in der Königsdiszplin Freesking machen. Bei der knappen Ausgangslage blieb ihnen nichts anderes übrig, als alles zu geben. Ducroz zeigte einen selten aggressiven Run. Seine Rechnung ging auf. Er holte sich den Gesamtsieg vor dem Walliser Anthamatten, der mit seinem 2. Schlussrang bei seiner ersten Teilnahme mehr als zufrieden sein kann. De Le Rue hatte in Verbier zu seiner alten Klasse zurückgefunden und sich dank seines Siegs auf den dritten Schlussrang vorgeschoben. Den WM-Title musste er dem Österreicher Mitch Tölderer überlassen.

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Saisonauftakt Zum zweiten Mal schon wurde die FWT in Chamonix eingeläutet. Ende Januar eröffneten die Freerider am Fuss des Mont-Blanc den Kampf um den heiss begehrten Titel. Da die Schneedecke an der Brévent-Wand eindeutig zu dünn war, wichen die Veranstalter auf die andere Seite des Gebirgsmassivs auf den Alpensüdhang aus, wo deutlich mehr Pulverschee lag, und verlegten den Wettkampf nach Courmayeur. Die Athleten bereuten es keine Sekunde und zeigten gleich zu Beginn, was in ihnen steckte, schliesslich ging es darum, die Gegner zu beeindrucken und vielleicht sogar etwas einzuschüchtern. Aurélien Ducroz, Xavier De Le Rue, Angel Collinson und Anne-Flore Marxer liessen nichts anbrennen und setzten mit ihren Siegen die Messlatte gleich sehr hoch.

Aurélien Ducroz

Von Coumayeur zog die Tour weiter nach Graubünden zum Nissan Engadinsnow by Swatch. Die Nordwand des Corvatsch lag nicht allen Freeskiern und Snowboardern gleich gut und keiner der Sieger von Chamonix konnte nachdoppeln. Ducroz stürzte bei der Landung nach einem Sprung und wurde letzter, während sich De Le Rue vom Sluff im Couloir überraschen liess und den 8. Rang belegte. Dank fast perfekter Läufe setzten sich der Skifahrer Henrik Windstedt aus Schweden und der amerikanische Snowboarder Matt Annetts verdient durch.

Text°°° Vincent Gillioz

Der Freerider aus Chamonix gewinnt seinen zweiten WM-Titel. Seine Gegner kamen bei seinem Ausnahmerun im Final von Verbier aus dem Staunen kaum noch heraus. Rückblick auf die Highlights der Freeride World Tour 2011.

g  Nissan Freeride de ChamonixMont-Blanc 2011 by Swatch : Aurélien Ducroz ff  Nissan Xtreme Verbier 2011 by Swatch : Aurélien Ducroz f  Swatch Big Mountain Fieberbrunn 2011 by Nissan : Jeremy Prevost d  Nissan Xtreme Verbier 2011 by Swatch freerideworldtour.com / D.Daher

AUF DEM DACH DER

Welcome in America Danach flogen die Snowboarder über den grossen Teich nach Crystal Mountain im US-Bundesstaat Washington. Dort herrschten schwierige Bedingungen, wie auch Xavier De Le Rue bestätigte: „Erst regnete es eine Woche lang, danach fielen 20 cm Neuschnee. Dadurch war es oben eisglatt und unten matschig“, erzählte er und konnte dabei seine Enttäuschung über den 6. Platz kaum verbergen. Die Skifahrerinnen und Skifahrer traten derweil im Februar im Rahmen der North American Freeskiing Championships im kalifornischen Kirkwood an. Die Amerikaner nutzten ihren Heimvorteil souverän und belegten alle vorderen Plätze. Gewonnen hat Lokalmatador Josh Daiek. Für eine Überraschung sorgte Samuel Anthamatten aus dem Wallis. Er entschied sich für eine der schnellsten Linien, die er mit einer unglaublichen Sicherheit meisterte. Seine Leistung wurde mit dem 10. Platz belohnt, womit er sich gleich vor mehreren Topridern klassierte.

freeride-WELT

Gleich mehrere Überraschungen gab es an der österreichischen Station in Fieberbrunn. Stefan Häusl und Mitch Tölderer gelang vor heimischem Publikum ein Doppelsieg. Mehrere Topgesetzte mussten sich hingegen mit einem Platz im Mittelfeld, einige sogar noch weiter hinten zufrieden geben. De Le Rue stürzte spektakulär und wurde von der Jury auch prompt abgestraft. Back to the roots Wie gewohnt kam es am Xtreme Verbier an der Nordwand des Bec des Rosses zum grossen Showdown. Mit Stefan Häusl (AUT), Samuel Anthamatten (SUI), Aurélien Ducroz (FRA), Reine Barkered (SWE) und Henrik Windstedt

Schlussrangliste FWT 2011 SKI Männer Aurélien Ducroz (FRA) Weltmeister Samuel Anthamatten (SUI) Jérémy Prévost (FRA) SNOWBOARD MÄNNER Mitch Tölderer (AUT) Weltmeister Flo Orley (AUT) Xavier de Le Rue (FRA)

Zurück in Europa reisten die Männer ins russische Sotschi. Anthamatten befand sich auf dem aufsteigenden Ast und setzte sich vor Ducroz, der endlich ohne Sturz nach unten kam, an die Spitze. Mit einem 9. Platz befand sich De Le Rue weiter im Hintertreffen. Bei den Snowboardern gewann Flo Orley aus Österreich.

freerideworldtour.com / C. Margot

54 | DREISSIG GRAD

Die besten Rider der Freeride World Tour 2011 und der Qualifier haben ihren Startplatz für 2012 bereits sicher. Zwar steht das Programm für das kommende Jahr noch nicht fest, aber die schönsten Wände werden auch dann bestimmt nicht fehlen. Schliesslich sollen die weltbesten Freerider und die Zuschauer ja auf ihre Kosten kommen.

SKI FRAUEN Janette Hargin (SWE) Weltmeisterin Angel Collinson (USA) Janina Kuzma (NZL) freerideworldtour.com / D.Daher

S P O RT

Die Frauen waren zum Final wieder zur FWT gestossen. Mit hauchdünnem Vorsprung holte sich Janette Hargin aus Schweden vor der Amerikanerin Angel Collinson den Sieg. Bei den Snowboarderinnen konnten sich die französisch-schweizerische Anne-Flore Marxer als neue Weltmeisterin feiern lassen.

SNOWBOARD FRAUEN Anne-Flore Marxer (FRA/SUI) Weltmeisterin Liz Kristoferitsch (AUT) Ursula Wohlschlager (AUT)

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Sechs Stationen in fünf Ländern, ein in die nordamerikanische Meisterschaft integrierter Wettkampf und ein unverändert mythischer Final am Bec des Rosses: Das alles hat die Freeride World Tour (FWT) 2011 ausgezeichnet. Den Teilnehmern wird diese ereignisreiche, von zahlreichen Stürzen geprägte Saison bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben. Aurélien Ducroz, der auch als Botschafter der Alpina-Uhren tätig ist, konnte den WM-Titel dank einer unglaublichen Leistung wie geplant zurückzuerobern.

(SWE) konnten sich noch fünf Rider Hoffnungen auf den WM-Titel in der Königsdiszplin Freesking machen. Bei der knappen Ausgangslage blieb ihnen nichts anderes übrig, als alles zu geben. Ducroz zeigte einen selten aggressiven Run. Seine Rechnung ging auf. Er holte sich den Gesamtsieg vor dem Walliser Anthamatten, der mit seinem 2. Schlussrang bei seiner ersten Teilnahme mehr als zufrieden sein kann. De Le Rue hatte in Verbier zu seiner alten Klasse zurückgefunden und sich dank seines Siegs auf den dritten Schlussrang vorgeschoben. Den WM-Title musste er dem Österreicher Mitch Tölderer überlassen.

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Saisonauftakt Zum zweiten Mal schon wurde die FWT in Chamonix eingeläutet. Ende Januar eröffneten die Freerider am Fuss des Mont-Blanc den Kampf um den heiss begehrten Titel. Da die Schneedecke an der Brévent-Wand eindeutig zu dünn war, wichen die Veranstalter auf die andere Seite des Gebirgsmassivs auf den Alpensüdhang aus, wo deutlich mehr Pulverschee lag, und verlegten den Wettkampf nach Courmayeur. Die Athleten bereuten es keine Sekunde und zeigten gleich zu Beginn, was in ihnen steckte, schliesslich ging es darum, die Gegner zu beeindrucken und vielleicht sogar etwas einzuschüchtern. Aurélien Ducroz, Xavier De Le Rue, Angel Collinson und Anne-Flore Marxer liessen nichts anbrennen und setzten mit ihren Siegen die Messlatte gleich sehr hoch.

Aurélien Ducroz

Von Coumayeur zog die Tour weiter nach Graubünden zum Nissan Engadinsnow by Swatch. Die Nordwand des Corvatsch lag nicht allen Freeskiern und Snowboardern gleich gut und keiner der Sieger von Chamonix konnte nachdoppeln. Ducroz stürzte bei der Landung nach einem Sprung und wurde letzter, während sich De Le Rue vom Sluff im Couloir überraschen liess und den 8. Rang belegte. Dank fast perfekter Läufe setzten sich der Skifahrer Henrik Windstedt aus Schweden und der amerikanische Snowboarder Matt Annetts verdient durch.

Text°°° Vincent Gillioz

Der Freerider aus Chamonix gewinnt seinen zweiten WM-Titel. Seine Gegner kamen bei seinem Ausnahmerun im Final von Verbier aus dem Staunen kaum noch heraus. Rückblick auf die Highlights der Freeride World Tour 2011.

g  Nissan Freeride de ChamonixMont-Blanc 2011 by Swatch : Aurélien Ducroz ff  Nissan Xtreme Verbier 2011 by Swatch : Aurélien Ducroz f  Swatch Big Mountain Fieberbrunn 2011 by Nissan : Jeremy Prevost d  Nissan Xtreme Verbier 2011 by Swatch freerideworldtour.com / D.Daher

AUF DEM DACH DER

Welcome in America Danach flogen die Snowboarder über den grossen Teich nach Crystal Mountain im US-Bundesstaat Washington. Dort herrschten schwierige Bedingungen, wie auch Xavier De Le Rue bestätigte: „Erst regnete es eine Woche lang, danach fielen 20 cm Neuschnee. Dadurch war es oben eisglatt und unten matschig“, erzählte er und konnte dabei seine Enttäuschung über den 6. Platz kaum verbergen. Die Skifahrerinnen und Skifahrer traten derweil im Februar im Rahmen der North American Freeskiing Championships im kalifornischen Kirkwood an. Die Amerikaner nutzten ihren Heimvorteil souverän und belegten alle vorderen Plätze. Gewonnen hat Lokalmatador Josh Daiek. Für eine Überraschung sorgte Samuel Anthamatten aus dem Wallis. Er entschied sich für eine der schnellsten Linien, die er mit einer unglaublichen Sicherheit meisterte. Seine Leistung wurde mit dem 10. Platz belohnt, womit er sich gleich vor mehreren Topridern klassierte.

freeride-WELT

Gleich mehrere Überraschungen gab es an der österreichischen Station in Fieberbrunn. Stefan Häusl und Mitch Tölderer gelang vor heimischem Publikum ein Doppelsieg. Mehrere Topgesetzte mussten sich hingegen mit einem Platz im Mittelfeld, einige sogar noch weiter hinten zufrieden geben. De Le Rue stürzte spektakulär und wurde von der Jury auch prompt abgestraft. Back to the roots Wie gewohnt kam es am Xtreme Verbier an der Nordwand des Bec des Rosses zum grossen Showdown. Mit Stefan Häusl (AUT), Samuel Anthamatten (SUI), Aurélien Ducroz (FRA), Reine Barkered (SWE) und Henrik Windstedt

Schlussrangliste FWT 2011 SKI Männer Aurélien Ducroz (FRA) Weltmeister Samuel Anthamatten (SUI) Jérémy Prévost (FRA) SNOWBOARD MÄNNER Mitch Tölderer (AUT) Weltmeister Flo Orley (AUT) Xavier de Le Rue (FRA)

Zurück in Europa reisten die Männer ins russische Sotschi. Anthamatten befand sich auf dem aufsteigenden Ast und setzte sich vor Ducroz, der endlich ohne Sturz nach unten kam, an die Spitze. Mit einem 9. Platz befand sich De Le Rue weiter im Hintertreffen. Bei den Snowboardern gewann Flo Orley aus Österreich.

freerideworldtour.com / C. Margot

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Die besten Rider der Freeride World Tour 2011 und der Qualifier haben ihren Startplatz für 2012 bereits sicher. Zwar steht das Programm für das kommende Jahr noch nicht fest, aber die schönsten Wände werden auch dann bestimmt nicht fehlen. Schliesslich sollen die weltbesten Freerider und die Zuschauer ja auf ihre Kosten kommen.

SKI FRAUEN Janette Hargin (SWE) Weltmeisterin Angel Collinson (USA) Janina Kuzma (NZL) freerideworldtour.com / D.Daher

S P O RT

Die Frauen waren zum Final wieder zur FWT gestossen. Mit hauchdünnem Vorsprung holte sich Janette Hargin aus Schweden vor der Amerikanerin Angel Collinson den Sieg. Bei den Snowboarderinnen konnten sich die französisch-schweizerische Anne-Flore Marxer als neue Weltmeisterin feiern lassen.

SNOWBOARD FRAUEN Anne-Flore Marxer (FRA/SUI) Weltmeisterin Liz Kristoferitsch (AUT) Ursula Wohlschlager (AUT)

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die GiantXtour übertrifft sich selbst

giantXtour

S P O RT

Der nationale Ski- und Snowboard-Wettkampf im Ski/Boardercross und Big Air für Mittelschüler und Lernende war auch bei seiner 14. Ausgabe ein voller Erfolg. Sein Gründer Philippe Wenger zieht Bilanz. Text°°° Serge Greter Einmal mehr hat die Rivella GiantXtour by Dakine ihrem Namen alle Ehre gemacht. Die Finals dieser 14. Ausgabe, die am 12. März in Leysin ausgetragen wurden, waren gigantisch! Die Mittel- und Berufsschulmeisterschaften im Snowboarden (Boardercross und Big Air) und Skifahren (Skicross und Big Air) gehen mit einer hocherfreulichen Bilanz zu Ende, wie ihr Initiant Philippe Wenger bestätigt: „Es war ein herausragendes Jahr. Das Niveau im Big Air ist sowohl bei den Skifahrern als auch bei den Snowboardern ungemein gestiegen. Und im Skicross sind die Fortschritte sogar noch verblüffender. Vielleicht liegt das an einem postolympischen Effekt und an der Goldmedaille von Mike Schmid. Schwer zu sagen. Auf jeden Fall kommen viele Skifahrer, die sich im traditionellen Skizirkus nicht durchsetzen konnten, beim Skicross auf ihre Kosten.“

giantXtour

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Die Gewinner von 2011 Die Siegerinnen und Sieger jeder Kategorie erhalten Verträge bei den Hauptsponsoren der giantxXtour. 2011 heissen die Glücklichen: Skicross Mädchen: Claudia Grob, KBZ St. Gallen Timothé Henzi, ECCG Sierre Skicross Jungen: Snowboardcross Mädchen: Stefanie Rieder, Gymnasium Interlaken Snowboardcross Jungen: Erik Bullens, CPLN Bern Big Air Ski Mädchen: Camillia Berra, St-Maurice Big Air Ski Jungen: Alex Chabot, Monthey Big Air Snowboard Mädchen: Célia Petrig, Stiftsschule Einsiedeln Big Air Snowboard Jungen: Nils Loye, Wallis

Ein Schlüsseljahr Der Mitorganisator der giantXtour bezeichnet 2011 als entscheidendes Jahr für den Anlass, denn in der Deutschschweiz sei der Bekanntheitsgrad deutlich gestiegen. Auch das Open&Pro, die kleine Schwester der giantXtour, übertraf die kühnsten Erwartungen. Es ist für alle Ski- und Snowboardcrosser ab 13 Jahren offen und kennt keine Altersbegrenzung nach oben. Bestärkt durch den Erfolg kündigte Philippe Wenger an, dass nächstes Jahr zu den zwei bisherigen Stationen eine dritte im Kanton Graubünden dazukommt. Die giantXtour wird bestimmt noch oft beweisen können, dass sie ihren Namen redlich verdient hat! Weitere Infos: www.giantxtour.ch

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Vincent Gillioz

i  Multitasking: Loris Falquet steht hinter der Kamera und coacht gleichzeitig die jungen Rider. p  Trotz Schneemangel fanden die Teilnehmer dank der Tipps ihrer professionellen Betreuer die besten Spots.

Myriam Lang-Willar

Myriam Lang-Willar

s  Für Videoaufnahmen werden häufig Spiegelreflexkameras (DSLR) verwendet.

in der

freeride schule S P O RT

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Rund 30 junge Rider haben Anfang März an einem Freeride-Camp mit den Falquet-Brüdern teilgenommen. Dabei hatten sie Gelegenheit, hinter die Kulissen der von „Huck and Chuck“ gedrehten Filme zu blicken und auch die Schattenseiten ihrer Arbeit kennen zu lernen. Text°°° Vincent Gillioz Die Falquet-Brüder alias „Huck and Chuck“ haben vom 8.-10. März 2011 ein Freeride-Camp für Junioren organisiert, die gerne einmal die ganze Wahrheit über den Dreh eines Outdoor-Films erfahren wollten. Dabei sollten die verschiedenen Aspekte am Set, wie Sicherheit, Aufnahmetechnik und die sportliche Performance gezeigt werden. Über die drei lehrreichen Tage in den Bergen wurde eine Videoclip gedreht und auf Huck and Chuck TV ausgestrahlt. Rund 30 Skifahrer und Snowboarder zwischen 12 und 22 Jahren fanden sich pünktlich in Les Marécottes im Wallis ein. „Wir musste leider einige Personen zurückweisen, weil sie die Altersgrenze bereits überschritten hatten, aber sonst haben wir alle Kandidaten akzeptiert“, erzählte Loris Falquet, bevor er den ersten Tag in Angriff nahm. Auch für ihn war das Experiment neu. Vier Bergführer, zwei Fotografen und zwei Kameramänner betreuten die in vier Gruppen aufgeteilten Teilnehmer.

Angst? Iii wo! Eine Gruppe aus Finhaut (VS) stellte sich auf dem Gipfel auf und lauschte aufmerksam den Anweisungen von Bergführer Steve und von Loris, der sich mit seiner Kamera etwas weiter unten postiert hatte. Estelle Lugon, 15 Jahre, fuhr eine steile Passage hinunter: Sprung, Druck auf die Kante, um den Schnee so richtig schön aufspritzen zu lassen, und Landung mitten im Couloir. Die junge Riderin beeindruckte durch ihre Selbstsicherheit. „OK, du kannst für eine neue Aufnahme nochmals hinaufgehen“, lobte Loris. Die Sonne schien immer stärker und die Truppe musste auf das nächste Couloir ausweichen, um noch einigermassen guten Schnee zu finden. Trotz der Müdigkeit beschwerte sich niemand. Immer und immer wieder stiegen die Rider den Berg hoch, um noch einen Run hinzulegen. In der Mittagspause tauschten die Teilnehmer ihre Erfahrungen aus. Einige waren unten am Couloir geblieben, um dort eine Ausbildung in Lawinenrettung zu erhalten. Stéphane Hottinger beobachtete sein Team, das im Schnee nach einem versteckten LSV-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät) Ausschau hielt. Bip, bip, bip… Die Suche ging gut voran und schien Spass zu machen. „Mit den neuen Geräten findet man die Lawinenopfer schneller, auch wenn es mehrere sind. Die Kids stammen aus der iPhoneGeneration und finden sich mit dem Material schnell zurecht“, hielt der Bergführer fest. „Ausserdem wird ihnen bei solchen Übungen vieles be-

Myriam Lang-Willar

Freeride-Mekka: Les Marécottes im Wallis hat neben dem atemberaubenden Panorama auch unzählige kleine Couloirs zu bieten. Gute Kondition ist allerdings Voraussetzung!

Myriam Lang-Willar

Es ging gleich zur Sache Die jungen Rider wurden sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Nach einem kurzen Briefing verteilten sich die Gruppen auf die Workshops zum Thema „Bilder“ und „Sicherheit“. Oben auf den Pisten startete Loris mit einigen Teilnehmern zu einem schweisstreibenden 45-minütigen Aufstieg bis zum Gipfel eines kleinen Couloirs. Die Skis auf die Rucksäcke geschnallt mühten sie sich langsam durch den Pulverschnee. „Ein solcher Aufstieg lohnt sich, weil wir wissen, dass oben eine Abfahrt auf uns wartet“, sagte Sébastien Giroux, 17 Jahre alt aus Salvan (VS), und fügte völlig ausser Atem hinzu: „In unserer Region sind die Falquet-Brüder sehr bekannt und wir freuen uns, dass wir mit ihnen ein Camp wie dieses verbringen können.“ „Die Kids machen sich normalerweise kein Bild von unserem Alltag“, erklärte Loris Falquet, während er durch den Schnee stapfte, um eine noch intakte Stelle zu erreichen. „Die, die unsere Filme anschauen, glauben, dass wir unsere Tage damit verbringen, lange Linien in den Pulverschnee zu ziehen. Die Realität sieht aber völlig anders aus. In meiner 12-jährigen Tätigkeit konnte ich noch nie einen langen Run filmen. Für ein 5-minütiges Video müssen wir fast eine ganze Saison lang Aufnahmen machen.“

Myriam Lang-Willar

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wusst. Ich bin der Ansicht, dass alle Freerider einen solchen Kurs besuchen sollten. Wenn schon wir Profis es tun, dann scheint es mir für Amateure umso notwendiger.“ Es hat sich gelohnt Nach dem Mittagessen schwärmten die Gruppen erneut aus. Eine machte einen Schnitt in den Schnee, um das Profil zu untersuchen, während eine andere nach einer schöne Linie in einem kleinen Felsmassiv direkt oberhalb der Pisten suchte. Martin, mit 12 Jahren der jüngste Teilnehmer, zog hochmotiviert mit. Er weigerte sich, sich beim Tragen der Skis helfen zu lassen und fuhr ohne mit der Wimper zu zucken in das Couloir. „Dort lässt du dich gleiten, hier machst du eine Kurve und gibst dann direkt darunter Kante…“ Er befolgte die Anweisungen aufs Wort, die Abfahrt klappte und Myriam hielt den Run mit ihrer Kamera fest. Am Abend wurden die Aufnahmen angeschaut und besprochen. Zum Abschluss der drei Tage zog Nicolas Falquet Bilanz. Sein Fazit: Es war ein voller Erfolg. Er versprach das Experiment zu wiederholen. „Die Nachfrage ist da. Wir werden dieses erste Camp analysieren, um das nächste noch besser zu machen.“ Bleiben Sie dran und verpassen Sie die Bekanntgabe des Freeride Camps Nummer 2 auf keinen Fall! www.huckandchuck.com

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Giovanni Quirici erĂśffnet eine neue Route

in Greyerz K l e tt e r n

Giovanni Quirici an der SchlĂźsselstelle der Yeah-Man-Route, einer 50 m langen 8b+


Die Nordwand der Gastlosen

Der Weltklassekletterer hat die schwierige „Yeah Man”-Route (8b+, 7b. 330 m) der Gastlosenkette als erster in einem einzigen Tag im Freiklettern bezwungen. Er berichtet von der unglaublichen Rotpunkt-Begehung, für die er mehrere Anläufe brauchte. Text°°° Giovanni Quirici Fotos°°° Evrard Wendenbaum Die Region Greyerz ist ein Paradebeispiel dafür, dass Mensch und Natur harmonisch miteinander leben können. Ihr haftet etwas Märchenhaftes an. Nach einem entspannenden Bad in den „Bains de la Gruyère“ in Charmey und den kulinarischen Spezialitäten von Jaun können sich Kletterfreaks an den Gastlosen austoben. Das langgezogene Kalkgebirge, das auch den Namen „kleine Dolomiten“ trägt, ist eine 400 m hohe und 15 km lange Kette im Grenzgebiet von Bern, Freiburg und Waadt. Sie birgt in ihrem felsigen Innern die Spuren teuflischer Reue. Nach einer Sage soll der Teufel seine Grossmutter über den Berg geschleudert haben. Erschrocken über seine eigene Tat, schlug er ein Loch in die Wand, um sie gerade noch rechtzeitig aufzufangen. Daher trägt die Öffnung in den kleinen Sattelspitzen auch den Namen Grossmutterloch. Die Bezwingung der Gastlosen begann 1975 an der Grand Pfadflue Nordwand. Zwei Jahre später erfolgten die beiden ersten Begehungen im technischen Klettern. Erhard Loretan, der als dritter Mensch alle Achttausender bezwungen hat, war einer der ersten, der diese über 300 m hohe Felswand bestieg. In den Jahren darauf wurden weitere Routen für technisches Klettern eröffnet. 1999 war die „Yeah man“-Route dann ganz erschlossen und bereit fürs Freiklettern. Kurz darauf waren auch die vier

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ersten Seillängen erklommen. Bis alle Längen erschlossen waren, dauerte es dann allerdings bis im Sommer 2004. Anschliessend versuchten sich einige Seilschaften an der Wand – ohne Erfolg! Mehrere glücklose Versuche Im September 2008 brachte mich Bergführer Guy Scherrer zur Wand. Nach den ersten vier Längen (7a+, 7c, 7b+, 7c) wurde der Aufstieg schwieriger. Beim ersten Versuch kletterte ich die sehr technische 8a+ zügig, wobei der Schlussteil wegen der fehlenden Haltemöglichkeiten für die Füsse besonders mühsam war. Weit mehr Probleme bereitete mir allerdings die nächste Länge (8a). Nach mehreren Versuchen fand ich schliesslich eine dynamische Methode, bei der ich die linke Fussspitze leicht nach innen abdrehte und so einen Griff zu fassen bekam. Am Ende der sechsten Länge erreicht man einen Felsvorsprung, der breit genug ist, um sich bequem hinzusetzen und zu neuen Kräften zu kommen. Die Länge nach dem Vorsprung, eine überhängende 7c+, endet mit einer tollen Boulderstelle. Ab hier geht es richtig zur Sache. Die achte Seillänge ist eine 8b+ – die Pièce de résistance 300 m über dem Boden – mit einem Ausstieg auf einen wunderbar glatten Felsen. Nach vier gescheiterten Versuchen schaffte ich schliesslich auch diese letzte Länge. Leider war es bereits zu kalt, um alle Längen hintereinander zu bewältigen. Im Juni 2009, kurz vor meiner Expedition nach Kirgisistan, kehrte ich mit meinem Tessiner Freund Pablo Moghini zu den Gastlosen zurück. Nachdem ich die Fixseile befestigt hatte, trainierte ich die Längen. Es schien alles ziemlich schnell zu gehen. Die ersten vier absolvierte ich in Rekordzeit. Nach zwei weiteren gönnte ich mir auf dem Felsvorsprung eine kleine Stärkung und nahm dann die siebte Länge in Angriff. Es klappte! Jetzt war ich kurz vor dem Ziel. Ich machte mich an die achte Länge. 35 Meter schon lagen unter meinen Füssen. Der Traum, die Route in einem einzigen Tag zu durchsteigen, war greifbar nah, doch die

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Giovanni Quirici auf der Suche nach dem nächsten Griff in der Yeah-Man-Route (rote Linie)

unberechenbarsten Passagen lagen noch vor mir. Meine Arme wurden langsam steif. Mit den vordersten fünf Millimetern des Mittel–und des Ringfingers klammerte ich mich an einen kleinen Überhang und stiess mich mit der linken Fussspitze an einem kleinen Vorsprung ab. Mit der Spitze des Zeigefingers und viel Schwung erwischte ich ein kleines Loch. Der Erfolg hing an einem seidenen Faden. Ich war nahe an meinem Limit und spürte, wie meine Hände sich öffneten. Ich hatte keine Chance und fiel – natürlich mit einem Seil gesichert – zehn Meter in die Tiefe. Obwohl ich erneut gescheitert war, freute ich mich. Jetzt wusste ich nämlich, dass mein Vorhaben gelingen konnte. Einige Tage später blieb mir gerade noch genügend Zeit für einen letzten Versuch. Ich befand mich an der gleichen Stelle, 300 Meter über dem Boden, wo ich das letzte Mal gefallen war. Diesmal konnte ich den Sturz vermeiden, da ich mich auf einem Bohrhaken eng an die Wand gepresst in eine stabile Lage bringen konnte. Jetzt war ich so kurz vor dem Ziel und doch noch so weit davon entfernt!

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Griffe nach Noten Ende Juli 2010. Zusammen mit Pablo brachten wir die statischen Seile an. Ein befreundeter Musiker erzählte mir einmal, dass man, um ein Musikstück perfekt zu spielen, intensiv daran arbeiten und es dann ruhen lassen muss. Wenn man es wieder hervornimmt, geschieht etwas Magisches. Ich hatte das Gefühl, dass sich jeder Griff in dieser Wand in eine Note verwandelt hatte und musste dafür sorgen, dass ich sie im richtigen Rhythmus zu fassen bekam und die Pausen einhielt, damit ich dieses Stück aus tausenden Griffen fehlerfrei spielen konnte. Der Erfolg hing von der richtigen Synchronisation ab. Wir sassen auf dem Felsvorsprung, 250 m über dem Boden. Die ersten sechs Längen hatten wir geschafft. Nach der siebten machte ich mich an die 8b. Meine ganze Konzentration war auf meine Fussspitzen gerichtet, damit ich mich richtig nach oben abstossen konnte. Mit den Händen hielt ich mich an kleinen Felswölbungen fest und gab meinen Bewegungen die richtige Richtung. Lange konnte ich mich in dieser Position und an diesem grossen Griff nicht halten. Ich wollte so schnell wie möglich weiter. Ich stützte mich mit der rechten Ferse auf einer kleinen Leiste ab und konnte so meine Arme lockern. Dann machte ich einen Spagat. Beim Klettern muss man seine Kraft genau einteilen, denn hier liegt der Schlüssel zum Erfolg. Ruhig packte ich die beiden winzigen Vorsprünge vor mir. Bald hatte ich es geschafft und Vorfreude kam auf. Am liebsten hätte ich geweint und mich bei allen bedankt, die mir geholfen hatten. Eine letzte Länge (7a) und ich stand ganz oben. Während die Dunkelheit langsam hereinbrach, gingen unten die Lichter an und ein paar Feuerwerke erinnerten daran, dass in der Schweiz der 1. August gefeiert wurde. Danke Yeah man! www.arium.ch


S P O RT

Gérard Berthoud

Diesen Sommer wird das Langstreckenrennen vor der Walliser Bergkulisse zum dritten Mal über die Bühne gehen. In der Schweiz kommen jedes Jahr neue Trails hinzu und auch die Anhängerschaft dieser Extremläufe scheint immer weiter zu wachsen. Wir wollten mehr über das Phänomen wissen und haben hinter die Kulissen dieses immer beliebteren Wettkampfs geschaut.

Trail Verbier Saint-Bernard,


Darbellay

Akt III Text°°° Serge Greter

Sie rennen und rennen, scheinen nie genug zu bekommen, beinahe so, als würden sie um ihr Leben laufen. Schon unzählige Kilometersüchtige und andere Extremsportler wurden von dem Virus angesteckt. Es sind mittlerweile so viele, dass die Trails – jene abartig langen Läufe – hierzulande auf fast ebenso viel Resonanz stossen wie schon seit einigen Jahren im übrigen Europa. Neben den bereits etablierten Anlässen entstehen jedes Jahr neue Wettkämpfe (siehe Kasten), bei denen sich die unersättlichen Läufer austoben können. Auch Pablo Blanco (36) ist einer von ihnen. „Bei diesen Rennen kämpft man in erster Linie gegen seine eigenen Grenzen“, sagt er und zählt auf, was einen Extremlauf so besonders macht: „Auch wenn die Strecken länger sind als bei einem Marathon, werden die Gelenke auf den Naturwegen doch mehr geschont als auf Asphalt und man erholt sich auch schneller. Ausserdem darf nicht vergessen werden, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit kaum höher ist als die eines geübten Wanderers. Letztes Jahr habe ich für die 110 km des Trails Verbier Saint-Bernard mitsamt Pausen und Abschnitten, in denen ich nicht gerannt, sondern gegangen bin, 27 Stunden gebraucht. Das ist keine sehr gute Zeit, aber zu meiner Verteidigung muss ich hinzufügen, dass es regnete. Ein Trail ist aber mehr als nur ein Rennen gegen die Zeit. Er führt meist durch Gebirgslandschaften und bietet atemberaubende Panoramen, die ihn unvergessen machen.“ Am Trail Verbier Saint-Bernard (TVSB), der vom 2.-3- Juli 2011 bereits zum dritten Mal stattfindet und auch eine Military-Kategorie anbietet, dürfte der wachsende Anklang dieser Extremläufe erneut deutlich werden. In Bezug auf die Teilnehmerzahl (2010 waren es 884) wollen sich

Darbellay

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f  « La Fouly: Start der Traversée und Passage der Boucle bei Kilometer 49. Die Trailer sind bereits um 5 Uhr morgens in Verbier gestartet.

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Drei weitere Trails in der Schweiz Der erste Trail des Dents-du-Midi (ca. 60 km mit 4700 positiven Höhenmetern) feiert am 18. September 2011 Premiere. Einzelheiten unter: www.traildm.ch Trail de l’Absinthe (75 km), der älteste Trail in der Schweiz, wird vom 17.-18. Juni 2011 bereits zum 16. Mal ausgetragen. Auskünfte unter: www.defi-vdt.ch

Gérard Berthoud

Die zweite Ausgabe des Brooks Trail de la Vallée de Joux (50 km mit 2600 Höhenmetern), findet am Sonntag, den 22. Mai 2011 statt. Informationen unter: www.trailvalleedejoux.ch

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Darbellay

Vorgezogener Start Wie die Läufer setzt auch der TVSB seinen Weg zum Gipfel in einem eigenen, festen, aber nicht überzogenen Rhythmus fort. Die Organisatoren überschätzen ihre Kräfte nicht und ziehen aus den beiden ersten Ausgaben die nötigen Lehren. Deshalb wird der Startschuss der Traversée dieses Jahr auch zwei Stunden früher, das heisst um 10 Uhr fallen. „Das war ein Anliegen der Läufer“, erklärt Tiphaine Arthur. „Auf diese Weise müssen sie nicht in brütender Mittagshitze starten und sich bis um 12 Uhr gedulden. Dadurch wird logischerweise auch der Zieleinlauf, der 2010 zwischen 22 und 2 Uhr morgens lag, früher stattfinden und es dürften noch mehr Leute anwesend sein, um die Läufer zu empfangen. Wie Arthur uns anvertraut, sind weitere Änderungen geplant: „Wir wollen die Kommunikation zwischen den Bergführern und der Rennleitung verbessern, indem wir sie mit Satellitentelefonen ausstatten. An den heiklen Stellen, die bei schlechtem Wetter besonders gefährlich werden können, wie am Col de Fenêtre, am Col des Chevaux und an der Combe de Drône,

Darbellay

die Organisatoren aber nicht auf die Äste hinauswagen und stellen keine Schätzungen an, bestätigen aber, dass die Teilnehmerzahl für 2011 bislang der gleichen Kurve zu folgen scheint wie 2010. Zugelassen sind maximal 1500 Teilnehmer – 500 für die Boucle (110 km mit 7000 positiven Höhenmetern) und 1000 für die Traversée (61 km mit 4000 positiven Höhenmetern). „Wir möchten nicht zu schnell wachsen und Gefahr laufen, Abstriche beim Empfang und der Sicherheit der Läufer machen zu müssen. Wir haben die Teilnehmerzahl der ersten und zweiten Ausgabe verdoppelt, dazu muss die gesamte Rennorganisation umgestellt werden“, rechtfertigt Tiphaine Arthur, Co-Präsident des Trails, die Entscheidung, eine Teilnehmerbeschränkung einzuführen.

werden vermehrt Bergführer im Einsatz sein. Darüber hinaus stehen wir kurz vor dem Abschluss einer Partnerschaft mit ValRando, das die wunderschöne Laufstrecke des Trails Verbier Saint-Bernard markieren wird, damit sie von den Wanderern in mehreren Tagesetappen absolviert werden und die gemeldeten Läufer besser trainieren und ihre Erkundungsläufe unter idealen Voraussetzungen durchführen können. Anfang Juni dürfte die Signalisierung stehen.“ Es sieht ganz danach aus, als ob Langstreckenläufe wie der Trail Verbier Saint-Bernard noch einen langen Atem haben werden… Weitere Infos zum Trail Verbier Saint-Bernard und den von den Veranstaltern organisierten Erkundungsläufen unter: www.trailvsb.com


Transgrancanaria

Trail Running boomt. Die Berge sind für viele Extremläufer zur Spielwiese geworden. Das haben auch die Organisatoren von Langstreckenläufen erkannt. Sie bieten Trails durch die atemberaubenden Landschaften der schönsten Gebirge der Welt an. Ein Überblick über die schönsten Gipfelläufe auf unserem Planeten.

IM LAUFSCHRITT AUF DIE SCHÖNSTEN

Text°°° sylvain bazin

Europa: französische, Schweizer und italienische Alpen Ultra Trail du Mont-Blanc: der Klassiker unter den Klassikern Der 2003 erstmals ausgetragene Lauf ist trotz seines jungen Alters bereits ein Mythos. Er schrieb schon mit seiner ersten Ausgabe Geschichte. Damals hatten es bei brutalstem Wetter nur gerade 60 der 1000 Teilnehmer ins Ziel geschafft. Und auch die Strecke ist legendär. Sie führt über einen altbekannten Wanderweg rund um den höchsten Gipfel Westeuropas. Alle diese Zutaten sowie ein effizientes Organisationskomitee und hochmotivierte Helfer haben dafür gesorgt, dass der UTMB in der internationalen Trailszene als Mass aller Dinge gilt. Der Wettkampf lockt jedes Jahr am letzten Augustwochenende mehrere Tausend Läufer aus der ganzen Welt an. Alle wollen sie ihren persönlichen Everest erklimmen, das heisst in einem Zug und in weniger als 46 Stunden die 166 km mit 9000 positiven und negativen Höhenmetern vom Start bis ins Ziel laufen. Die Spitzenathleten der Disziplin trachten natürlich nach dem Sieg. Damit aber auch etwas weniger langatmige Sportler ihren Spass haben, werden neu Teamwettkämpfe und kürzere Distanzen angeboten, wobei kurz ein relativer Begriff ist. Die kürzeste Strecke Courmayeur-Champex-Chamonix misst immerhin 98 Kilometer! Freuen Sie sich auf das grösste Trail-Running-Wochenende der Welt! 22.-28. August, 160 km, Frankreich, Italien, Schweiz www.ultratrailmb.com

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BERGE DER WELT Asien: Himalaya Annapurna 100: der nepalesische Ultratrail Laufen im höchsten Gebirge der Welt, die Augen auf den über 8000 m hohen Gebirgskamm gerichtet, das kann man an diesem 100-KilometerTrail über die Trekkingpfade der berühmten Annapurna-Tour. Gestartet wird in Pokhara, der schönsten Stadt Nepals, wo sich die imposanten Felsen und Eisblöcke in einem idyllischen See spiegeln. Danach geht es über schmale Wege und durch kleine Dörfer steil den Berg hinauf. Der Annapurna 100 ist bekannt für sein wunderschönes Gipfelpanorama, romantische Waldwege und traditionelle Dörfer. Er ist bestimmt der einzige Lauf der Welt, an dem die Teilnehmer bei Kilometer 20 einen Tika auf die Stirn getupft bekommen, ihnen ein Khata um den Hals gelegt wird und sie tief in die hinduistische und buddhistische Kultur Nepals tauchen. Laufen in Nepal bedeutet vor allem, einen lebendigen Berg voller Lächeln zu entdecken. Das eigentliche Ziel, den Gipfel zu erklimmen, gerät in den Hintergrund. Der Trail findet jedes Jahr am 1. Januar statt. Eine originelle, unvergessliche Art, das neue Jahr einzuläuten! 1. Januar 2012, 50, 70 oder 100 km, Nepal www.annapurna100.com


f  Laufen in unmittelbarer Nähe der Bergkämme, Überqueren von schwindelerregenden Brücken: Das macht den Zauber der Trails in Nepal aus.

Sylvain Bazin

d  Wer Trails läuft, muss auch mit den Wetterbedingungen umzugehen wissen. Hier an der Transgrancanaria

Afrika: Zentraler Hoher Atlas Ultra Trail Atlas Toubkal: Marokko, der neue Gebirgsspot Nur drei Flugstunden von der Schweiz entfernt und doch in einer völlig fremden Welt liegt der Toubkal, der neue Geheimtipp unter Trailläufern. Um das höchste Gebirge Nordafrikas schlängeln sich technisch anspruchsvolle Single Tracks, an urtümlichen Berberdörfern vorbei und eröffnen spektakuläre Ausblicke auf die Berge und die so besonderen ockerfarbenen Felsen. Marokko ist eben mehr als nur Wüste! Die Organisatoren möchten den UTAT zum afrikanischen „UTMB“ machen, gleichzeitig aber auch die Besonderheit des Landes vermitteln, indem sie die Teilnehmer die sprichwörtliche Gastfreundlichkeit der Marokkaner spüren lassen und ihnen die Heimat der Berberkultur näher bringen. Auf die Läufer warten unbekannte Landschaften voller Farben und würziger Gerüche, aber auch viel Schweiss. Zur Bewältigung der 105 Kilometer und 6500 positiven Höhenmeter ist viel Durchhaltewillen gefragt. Das Atlasgebirge ist auf dem besten Weg, zum neuen Lieblingsgelände der Ultraläufer zu werden. Am UTAT wird deshalb auch alles am Start sein, was in der Disziplin Rang und Namen hat. Der mehrfache Sieger des „Marathon des Sables“ Mohamad Ahansal und der Nepalese Sherpa Dawa Dacchiri haben sich für diese 3. Ausgabe bereits angemeldet.

Zehn weitere Gipfelläufe Diagonale des fous, Grand Raid de la Réunion. Vollständige Durchquerung des „Inselbergs“ im Indischen Ozean 160 km, 13.-16. Oktober www.grandraid-reunion.com Hardrock 100, Colorado, USA Höchstgelegener Lauf der USA mit Passagen auf 4500 m Höhe 160 km, 8. Juli www.hardrock100.com Kinabalu Climbathon. Malaysia, Borneo Berühmtester Gebirgslauf in Asien auf den Mt. Kinabalu 21 km, 22.-23. Oktober www.climbathon.sabahtourism.com Ultra-Trail Mt. Fuji, Japan 160 km um den legendären japanischen Vulkan 160 km, 21.-22. Mai www.ultratrailmf.com

6.-7. Oktober 2011, 25, 42 und 105 km, Marokko www.atlas-trail.com

p  Mit Riesensätzen über steiniges Gelände und dem Himmel als einzigem Zeuge

Mont Cameroun, Kamerun Besteigung des „Götterwagens“, ein Lauf durch eine exotische Welt 55 km und 8000 Höhenmeter, Februar

s  Das Atlasgebirge, die ockerfarbene Erde und die technisch schwierigen Pfade machen Marokko zum neuen angesagten Trail-Running-Spot. Transgrancanaria

Grand Raid des Pyrénées, Frankreich Ein Lauf quer durch die französischen Pyrenäen 160 km, 24.-28. August www.grandraidpyrenees.com Huay Huash Trail, Peru Etappenlauf durch die schönste Cordillera Perus 200 km, 1.-18. Juli www.amac973.nuxit.net/gt973 La Misión, Argentinien Eine wilde „Mission“ im Herzen Patagoniens, ganz auf sich allein gestellt 150 km, Ende November www.axandes.voila.net/mission.htm Transgrancanaria, Kanarische Inseln, Spanien Einmal quer durch die grösste kanarische Insel 123 km, März www.transgrancanaria.net

UTAT

Kepler Challenge, Neuseeland Bekanntester Trail in Neuseeland 60 km, 3. Dezember www.keplerchallenge.co.nz

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Nendaz Biketouren mtb

für alle

Das Angebot in Nendaz im Herzen des Sommer- und Wintersportgebiets 4 Vallées kann sich sehen lassen! Familien, die gemeinsam und sicher die Freuden des Bikens entdecken möchten, werden hier regelrecht verwöhnt. Und auch geübte Rider finden, was ihr Herz begehrt!

Text°°° Alban Aubert Fotos°°° Patrice Schreyer Nendaz geniesst bei Familien einen hervorragenden Ruf. Mit seinem umfangreichen Streckenangebot trifft der Walliser Ferienort auf jeden Fall den Geschmack einer breit gestreuten Kundschaft. Die atemberaubende Sicht auf die Gletscher, die eintägigen Touren und das abwechslungsreiche Gelände lassen die Konkurrenz vor Neid erblassen. Ausserdem sind im Dorf alle Annehmlichkeiten vorhanden. Es kommt also auch bei schlechtem Wetter keine Langeweile auf. Am besten startet man im Dorfkern mit der Gondelbahn. Sie bringt einem direkt zu den beiden Familienabfahrten. Erfahrene Rider kommen hier zwar nicht auf ihre Kosten, aber dafür eignen sich die Strecken perfekt für Anfänger und Biker, die etwas aus der Übung gekommen sind. Beide beginnen in Tracouet und enden in Nendaz, die erste führt aber über Prarion und die zweite über Siviez. Weiterer Pluspunkt: Die beiden familienfreundlichen Touren werden in einer vom Fremdenverkehrsamt gemeinsam mit Neige Aventure herausgegebenen dreisprachigen Broschüre ausführlich beschrieben. Andere Regionen könnten sich daran ein Beispiel nehmen!

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Cross, Downhill und Enduro Vollblut-Freerider, die eine auf sie zugeschnittene Tour suchen, finden in Nendaz ebenfalls ihr Glück. In Tracouet nimmt man dazu die Piste in Richtung See und biegt dann bei der ersten Möglichkeit rechts ab. Danach muss man gut aufpassen, dass man die verschiedenen Abzweigungen nicht verpasst. Der Parcours ist nicht signalisiert, aber bestimmt die schönste Strecke der ganzen Region. Besonders empfehlenswert ist der Streckenteil bis nach Pra da Dzeu – ein SingleTrail mit perfektem Flow. Auf den Karten im Massstab 1:50 000 ist die Tour eingezeichnet. Wer sich aber lieber führen lässt, der sollte sich an Ben wenden. Er arbeitet als Bergführer bei Neige Aventure. Noch nicht genug? Dann nichts wie los! Nendaz hat mehrere eintägige Touren zu bieten. Die „Tour du Mont-Fort“ und die „Tour de la Printse“ weisen viele Enduro-Elemente auf (Downhill mit einigen Aufstiegen). Besonderes Highlight: Sie entdecken dabei die 4 Vallées: Verbier, Siviez, La Tzoumaz und Veysonnaz. Ein echtes Abenteuer

Der Schwarzsee, Ausgangspunkt mehrerer Strecken

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Nendaz Biketouren mtb

für alle

Das Angebot in Nendaz im Herzen des Sommer- und Wintersportgebiets 4 Vallées kann sich sehen lassen! Familien, die gemeinsam und sicher die Freuden des Bikens entdecken möchten, werden hier regelrecht verwöhnt. Und auch geübte Rider finden, was ihr Herz begehrt!

Text°°° Alban Aubert Fotos°°° Patrice Schreyer Nendaz geniesst bei Familien einen hervorragenden Ruf. Mit seinem umfangreichen Streckenangebot trifft der Walliser Ferienort auf jeden Fall den Geschmack einer breit gestreuten Kundschaft. Die atemberaubende Sicht auf die Gletscher, die eintägigen Touren und das abwechslungsreiche Gelände lassen die Konkurrenz vor Neid erblassen. Ausserdem sind im Dorf alle Annehmlichkeiten vorhanden. Es kommt also auch bei schlechtem Wetter keine Langeweile auf. Am besten startet man im Dorfkern mit der Gondelbahn. Sie bringt einem direkt zu den beiden Familienabfahrten. Erfahrene Rider kommen hier zwar nicht auf ihre Kosten, aber dafür eignen sich die Strecken perfekt für Anfänger und Biker, die etwas aus der Übung gekommen sind. Beide beginnen in Tracouet und enden in Nendaz, die erste führt aber über Prarion und die zweite über Siviez. Weiterer Pluspunkt: Die beiden familienfreundlichen Touren werden in einer vom Fremdenverkehrsamt gemeinsam mit Neige Aventure herausgegebenen dreisprachigen Broschüre ausführlich beschrieben. Andere Regionen könnten sich daran ein Beispiel nehmen!

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Cross, Downhill und Enduro Vollblut-Freerider, die eine auf sie zugeschnittene Tour suchen, finden in Nendaz ebenfalls ihr Glück. In Tracouet nimmt man dazu die Piste in Richtung See und biegt dann bei der ersten Möglichkeit rechts ab. Danach muss man gut aufpassen, dass man die verschiedenen Abzweigungen nicht verpasst. Der Parcours ist nicht signalisiert, aber bestimmt die schönste Strecke der ganzen Region. Besonders empfehlenswert ist der Streckenteil bis nach Pra da Dzeu – ein SingleTrail mit perfektem Flow. Auf den Karten im Massstab 1:50 000 ist die Tour eingezeichnet. Wer sich aber lieber führen lässt, der sollte sich an Ben wenden. Er arbeitet als Bergführer bei Neige Aventure. Noch nicht genug? Dann nichts wie los! Nendaz hat mehrere eintägige Touren zu bieten. Die „Tour du Mont-Fort“ und die „Tour de la Printse“ weisen viele Enduro-Elemente auf (Downhill mit einigen Aufstiegen). Besonderes Highlight: Sie entdecken dabei die 4 Vallées: Verbier, Siviez, La Tzoumaz und Veysonnaz. Ein echtes Abenteuer

Der Schwarzsee, Ausgangspunkt mehrerer Strecken

DREISSIG GRAD | 71


p  Seb Dassi auf einer technischen Passage s  Wunderschöne Waldlandschaft vor der Pra da Dzeu p  p  Im Element: Alban Aubert auf der „Expertenstrecke“

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auf markierten Wegen, die man dank der detaillierten, im Fremdenverkehrsbüro erhältlichen Beschreibung problemlos findet. Beide Touren weisen ein Gefälle von rund 2500 m und eine Steigung von 400-600 m auf. Für durchtrainierte Enduro-Biker bietet sich die Pro-Variante der „Tour du Mont-Fort“ mit dem Vierfachen an positiven Höhenmetern an. Es ist wirklich für alle Bike-Fans etwas dabei, für Crosser genauso wie für Downhiller und Enduro-Spezialisten. Insgesamt zehn Bergbahnen stehen in den 4 Vallées zur Verfügung! Wer noch mehr will, dem wird die lange Talabfahrt empfohlen. Gestartet wird unterhalb des Schwimmbads von Nendaz, das Ziel liegt in Bieudron. Anfängern wird von der technisch schwierigen Abfahrt allerdings abgeraten. Geübte Rider hingegen werden ihren Spass daran haben, die unzähligen, dicht aufeinanderfolgenden Haarnadelkurven zu meistern. Von der Endstation der Gondelbahn an warten 1700 Meter auf sie! Unten angekommen, sind es mit dem Bike nochmals 30 Minuten bis nach Sitten. Man kann die Strecke aber gut aufteilen und sich zur Belohnung ein erfrischendes Bad in „Les Iles“, einem Badesee in der Nähe von Sitten, gönnen, dort ein paar Würstchen grillen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.


p  Seb Dassi auf einer technischen Passage s  Wunderschöne Waldlandschaft vor der Pra da Dzeu p  p  Im Element: Alban Aubert auf der „Expertenstrecke“

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auf markierten Wegen, die man dank der detaillierten, im Fremdenverkehrsbüro erhältlichen Beschreibung problemlos findet. Beide Touren weisen ein Gefälle von rund 2500 m und eine Steigung von 400-600 m auf. Für durchtrainierte Enduro-Biker bietet sich die Pro-Variante der „Tour du Mont-Fort“ mit dem Vierfachen an positiven Höhenmetern an. Es ist wirklich für alle Bike-Fans etwas dabei, für Crosser genauso wie für Downhiller und Enduro-Spezialisten. Insgesamt zehn Bergbahnen stehen in den 4 Vallées zur Verfügung! Wer noch mehr will, dem wird die lange Talabfahrt empfohlen. Gestartet wird unterhalb des Schwimmbads von Nendaz, das Ziel liegt in Bieudron. Anfängern wird von der technisch schwierigen Abfahrt allerdings abgeraten. Geübte Rider hingegen werden ihren Spass daran haben, die unzähligen, dicht aufeinanderfolgenden Haarnadelkurven zu meistern. Von der Endstation der Gondelbahn an warten 1700 Meter auf sie! Unten angekommen, sind es mit dem Bike nochmals 30 Minuten bis nach Sitten. Man kann die Strecke aber gut aufteilen und sich zur Belohnung ein erfrischendes Bad in „Les Iles“, einem Badesee in der Nähe von Sitten, gönnen, dort ein paar Würstchen grillen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.


Informationen www.nendaz.ch/vtt Tour du Mont-Fort: www.tdmf.ch Tour de la Printse: www.tdlp.ch

p  Seb Dassi in vollem Tempo in den ersten Kurven der Pro-Variante der „Tour du Mont Fort“ s  Seb Dassi hinter Alban Aubert auf dem Gipfel des Tracouet a  Die ersten Meter vor der herrlichen Kulisse der verschneiten Viertausender

Preis der Bergbahnen Nendaz: CHF 27 4 Vallées: CHF 44 Tour du Mont-Fort: CHF 30 Ausgehtipps Für Feinschmecker: Gourmet-Restaurant Le Mont-Rouge, 079/634.49.62, www.mont-rouge.ch Für ein Essen in ruhiger Atmosphäre: Restaurant du Mont-Fort, 027/288.26.16, www.hotelmontfort.ch/en/resto.html Für lokale Spezialitäten: La Cabane, 027/288.20.11 Für Partylöwen: Cactus Saloon (jeweils am Mittwoch und Samstag geöffnet), 027/288.31.32, www.ocactus.com Unterkunft Hotel Mont-Fort, 027/288.26.16, www.hotelmontfort.ch/en/hotel.html Le Vieux Chalet (für kleine Budgets): 027/288.28.88, www.le-vieux-chalet.ch Vermietung & Reparaturen Neige Aventure, 027/288.31.31, www.onthemountain.ch. Hier finden Sie auch kompetente Bergführer.

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p  70 m hoher Granitfelsen am Fitz Roy s  Bariloche Frey, Argentinien pp  Auf dem Eiger, vor der Abfahrt über die Westwand

Denis Burdet Nacéra Balanche

Zwischen Baffininsel und Patagonien

Text°°° Vincent Gillioz

Nacéra Balanche

Expeditionsbergsteiger und Ausnahmekletterer Denis Burdet ist ein völlig atypischer Bergführer, der die Baffininsel und Patagonien ebenso gut kennt wie die Alpen. Nach seiner Rückkehr vom Fitz Roy, den er mit seiner Lebensgefährtin bestiegen hat, sprach der 40-jährige Neuenburger mit viel Demut und genauso viel Leidenschaft über seine zwanzigjährige Karriere. 76 | DREISSIG GRAD


Authentic

Loïc Béguelin

Stephan Siegrist and Pro Trek

Denis Burdet kletterte bereits als kleiner Junge, als er in den Sommerferien auf der Alp Kühe hütete, über kleine und grosse Felsen und fühlt sich seither in den Bergen zuhause. Der sportlich veranlagte Neuenburger startete in der Leichtathletik und im Motocross, bevor er bei einer Begegnung mit Régis Dubois seine Begabung für das Klettern entdeckte. Er schaffte 7a-Längen, ohne sich speziell darauf vorzubereiten und verschrieb sich schon bald mit Haut und Haaren dem Sport, der heute seine grosse Leidenschaft ist. Mit 23 Jahren bereitete er mit seinen Freunden die erste Expedition auf die Baffininsel vor. „Damals wurde noch viel improvisiert“, erinnert er sich. „Wir haben enorm viel entdeckt und Erfahrungen gesammelt, auch wenn unser erster Versuch am Mount-Asgard-Nordturm nach 15-tätigem Aufstieg scheiterte.“ Die Freunde liessen sich nicht entmutigen und kehrten ein Jahr später zurück, um die Arbeit zu beenden und die Inukshuk-Route bis zum Gipfel zu eröffnen. Es folgten ein erster Besteigungsversuch am Fitz Roy und ein anderer am Torres del Paine in Patagonien, bevor es ihn weiter zog nach Grönland und Madagaskar, wo er einen zukunftsweisenden Entschluss fasste. Der Ingenieur in Mikrotechnik entschied sich, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und setzte das Vorhaben nach seiner Rückkehr aus Afrika auch gleich um. „Als ich im Ingenieurbüro arbeitete, war ich immer auf der falschen Seite des Fensters. Ich hatte zwar die Möglichkeit, regelmässig auf Expeditionen zu gehen, doch das reichte mir nicht.“ Obwohl er wusste, dass sein beruflicher Wechsel auch Risiken birgt, denn „allein in die Berge zu gehen oder Kunden mitzunehmen sind zwei verschiedene Paar Schuhe“, trotzdem ist er heute noch froh über die mutige Entscheidung. „Als Bergführer stellt sich für mich sofort nach der Rückkehr ein unglaubliches Gefühl der Genugtuung ein. Das schätze ich ungemein“, so Burdet. Durch seinen neuen Beruf lernte er die Alpen näher kennen, an denen er viele unbekannte Facetten entdeckte. Während seiner Ausbildung bestieg er sogar seinen ersten alpinen Viertausender. Seine grosse Liebe gilt aber den grossen Routen und den fernen Ländern, weshalb es ihn auch ins kanadische Yukon-Territorium, nach Pakistan und nach Indien zog. Parallel dazu unternahm er mehrere Erstbegehungen und eröffnete unter anderem die „Into the wild“-Route am Wetterhorn (2009). „Der aktuelle Trend im Alpinismus geht hin zu schönen, direkten Routen, es geht weniger darum, um jeden Preis den Gipfel zu erreichen. Ich kann mich mit dieser Philosophie identifizieren. Sie steht auch bei mir im Vordergrund.“ Denis Burdet fühlt sich in seinem neuen Leben pudelwohl und hat auch schon einige neue Projekte ins Auge gefasst. Sein Hauptanliegen aber besteht darin, seinen Beruf weiterhin nach seinem Wunsch ausüben zu können. Als nächstes stehen eine Route in den Gastlosen und einige Klassiker im Freiklettern in Chamonix auf dem Programm. Und vielleicht kommt auch noch eine Expedition in die Antarktis dazu. www.denisburdet.ch

Foto / visualimpact.ch / Thomas Ulrich

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PRG-240-8ER CHF 349.–

www.protrek.eu


Budapest historisch und doch so modern

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Budapest, die Perle der Donau, besticht durch einen spannenden Mix aus Geschichte und Zukunft. Zahlreiche historische Gebäude und Sehenswürdigkeiten werden ergänzt von trendigen Galerien und kulturellen Veranstaltungen. Entspannung in den Thermalbädern lässt sich auf ideale Weise kombinieren mit Ausflügen in und um die Stadt.

Keystone

reise

Text°°° Jeffrey Tirman Die faszinierende 1,7-Millionen-Metropole ist eine weltoffene, elegante Stadt. Imposante Zeugnisse der Vergangenheit, das intensive Kulturleben, wunderbare Jugendstilbauten und Badepaläste, prachtvolle Boulevards sowie traditionsreiche Kaffeehäuser und lebendige Cafés verschaffen Budapest zu Recht den Übernamen „Paris des Ostens“.

Keystone

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Historischer Westen... Meine Entdeckungsreise beginnt im Westen der Stadt. Budapest wird nämlich von der Donau in zwei Hälften geteilt: Pest und Buda. Ich steige zum Budaer Burgberg hinauf, der mit seinem majestätischen Schloss und dem historischen Burgviertel zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Beim Flanieren in den Gassen stosse ich auf gotische Überreste, barocken Schnörkel und alte Wappen, die zusammen eine spannende Mischung ergeben. Etwas abenteuerlicher und auch ein wenig mulmig fühle ich mich bei der Besichtigung des unten im Berg verlaufenden Höhlen- und Kellersystems. Buda wurde 1541 von den Türken besetzt, die viel zerstört, aber auch Neues gebaut haben. So entstanden zahlreiche Bäder, die heute noch den Kern des Budapester Badelebens bilden. Im ganzen Stadtgebiet gibt es insgesamt 123 Heilwasserquellen. Logisch, dass ich mir so viel Entspannung nicht entgehen lassen will und mich direkt ins berühmte Gellért-Bad begebe. Dieses architektonische Kunstwerk wurde zusammen mit dem gleichnamigen Hotel gebaut und 1918 eröffnet.


Keystone

Office tourisme Budapest

Reiseinformationen ...lebendiger Osten Nach so viel Geschichte und Entspannung wechsle ich die Flussseite und erkunde den Osten. Pest ist flach und bietet neben vielseitigen Shoppingmeilen auch abwechslungsreiche Kultur-Highlights. Meine Besuche im Opernhaus und im postmodernen Palast der Künste zählen zu den bleibenden Erinnerungen meiner Reise. Mit international hochkarätig besetzen Festivals hat Budapest schon mehrmals auf sich aufmerksam gemacht. Von internationaler Bedeutung ist vor allem das Sziget-Festival, dessen rockige Klänge im Sommer jeweils grosse Scharen von jungen Leuten in die Stadt locken.

Sprache Ungarisch

Design und Nostalgie Wie im Paradies fühle ich mich auf meinem Trip durch die modernen und trendigen Boutiquen. Wer aussergewöhnliche und individuelle Kleidungsstücke, Schuhe, Taschen und sonstige Accessoires sucht, empfehle ich den Besuch des Ballon Showroom und Galerie. Fünf Designer haben hier einen gemütlichen kleinen Raum eingerichtet, in dem sie für ihre Gäste eine vollständige Garderobe zusammenstellen können. Die Mode der jungen ungarischen Designer ist dem internationalen Spitzendesign ebenbürtig. Eines der neuesten Modegeschäfte ist das Chee Chee in der Nähe der Oper. Im Mono Fashion Store unweit des Astoria finde ich alles, was trendy, aussergewöhnlich oder ein Unikat ist. Ein volksnahes Erlebnis ist für mich der Besuch des Sonntagsmarkts Wasárnapi Müvészpiac (WAMP), der einmal pro Monat stattfindet. Neben Goldschmieden, Grafikern, Keramikern, Spielzeugmachern, Textil-, Glas- und Recyclingkünstlern präsentieren hier auch namhafte Galerien ihre Produkte.

Anreise Aus der Schweiz fliegen die Fluggesellschaften Swiss, Malév und Easy Jet regelmässig Budapests Flughafen Ferihegy an. Eine Anreise mit Bus oder Zug ist ebenfalls möglich.

Charmante Umgebung Obwohl die Stadt noch viel zu bieten hätte, will ich mir auch die Umgebung ansehen und muss mich aus Zeitgründen für eine der zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten entscheiden. Da das aristokratische Erbe Ungarns mehr als 700 Schlösser und Burgen umfasst, liegt es für mich auf der Hand, mir eine dieser Prachtbauten genauer anzusehen. Vor allem in der Barockzeit, beeinflusst durch den Wiener und den Französischen Hof, begann unter den Adelshäusern ein regelrechter Wettstreit um den grössten und prunkvollsten Palast. So entstand auch das Königliche Schloss Gödöllö nahe Budapest, das spätere Lieblingsschloss von Kaiserin Sissi. Es fällt mir nicht schwer, mich bei der Besichtigung in die Zeit von Sissi zurückzuversetzen und ich rechne jeden Moment

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Klima / Reisezeit In Ungarn herrscht ein gemässigtes Kontinentalklima mit warmen bis heissen Sommern und kalten Wintern. Für Badeferien eignen sich besonders die Monate von Mai bis September. Zeit MEZ

Währung Forint. Banknoten gibt es im Wert von 500, 1‘000, 2‘000, 5‘000, 10‘000, und 20‘000 Forint. Einreise Mit gültiger Identitätskarte oder einem Reisepass

damit, der Kaiserin persönlich zu begegnen. Für einen Ausflug in das malerische Szentendre reicht die Zeit leider nicht mehr. Das Städtchen wird bei meiner nächsten Reise aber bestimmt auf dem Ausflugsprogramm stehen, hat es doch neben seinem historischen Charme zwei Dutzend Museen, die wohl allesamt einen Besuch wert wären. So zum Beispiel das Margit-Kovács-Museum mit den liebenswerten Figuren der Keramikkünstlerin (1902–1977) oder das Szabó Marzipanmuseum, das den süssen Grundstoff in vielen Formen präsentiert. Als Liebhaberin guter Weine werde ich mir natürlich auch das nationale Weinmuseums nicht entgehen lassen. Ich freue mich schon darauf, Budapest erneut zu besuchen. Die Stadt und ihre romantische Umgebung haben es mir angetan. So viel Abwechslung zwischen Tradition und Moderne, Aktivität und Entspannung verwandeln meine drei Tage Aufenthalt locker in eine gefühlte Woche Ferien.


Kuba Juwel der REISE

Tropen

„Noch nie sah das Auge eines Menschen ein so schönes Land!“ soll Christoph Kolumbus beim Anblick von Kuba gesagt haben. Mehr als 500 Jahre später scheint sich daran nichts geändert zu haben, denn wer die Karibikinsel, die wegen ihrer langgezogenen Form auch „Krokodil“ genannt wird, zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, ist überwältigt.


man sich kaum zurückhalten kann und schnell einmal über die Stränge schlägt, ist der andere Stolz der Insel. Er wird seit dem 16. Jahrhundert gebrannt und ist entweder weiss, golden oder bernsteinfarben. Rón wird als Cocktail im beliebten Cuba libre oder mit ein paar Eiswürfeln getrunken. Nach einer Legende soll der Rum erfunden worden sein, um den Piraten, die auf den umgebenden Meeren Angst und Schrecken verbreiteten, die nötige Kraft zu verleihen. Heute macht sich eine neue Art Piraten auf die Suche nach versunkenen Schätzen. Ein Traum für jeden Taucher! Denn es wird oft vergessen, dass Kuba inmitten eines Archipels aus einer Vielzahl kleiner Inseln liegt, die nur darauf warten erforscht zu werden. Besonders empfehlenswert sind die Isla de la Juventud und die berühmte Schweinebucht, vor allem aber María la Gorda vor der Westspitze. Dort liegen etliche Schiffswracks auf Grund und die Meerestiere kennen kaum Berührungsängste. Da die Unterwasserwände ein sehr unterschiedliches Gefälle aufweisen, kommen alle Taucher auf ihre Kosten. Im Hinterland finden Wanderer, was ihr Herz begehrt. Und wenn sie eine Abkühlung brauchen, ist das Meer nie weit.

Text°°° Gavin’s Clemente Ruiz Fotos°°° KEYSTONE

Ein „Coco-Taxi“ bringt uns in die Landeshauptstadt Havanna, unserem Ausgangspunkt für die Erkundung des facettenreichen Kubas. Die Altstadt Habana Vieja mit ihren in die Jahre gekommenen Häusern, den geschichtsträchtigen Gebäuden mit den schmiedeeisernen Balkonen und den blau, gelb oder rot gestrichenen Türen versetzt uns zurück in die spanische Kolonialzeit. Im Abendlicht verleihen die bunten Farben den schmalen Gassen einen unglaublichen Charme. Ein Chevrolet 1954 fährt knatternd an uns vorbei. In der Calle Obispo gehen wir auf Shoppingtour, während auf der von Amtsgebäuden umringten Plaza de Amas ein paar alte Kubaner genüsslich an ihren Zigarren ziehen. Da letztere das Wahrzeichen der Insel sind, drängt sich der Besuch einer Zigarrenfabrik auf. 170 Fertigungsschritte liegen zwischen der Aussaat und der rauchfertigen „Habano“. Aficionados, wie man Zigarrenliebhaber hier nennt, begeben sich direkt nach Vuelta Abajo im Westen, wo ein Grossteil der Produktionsetappen abgewickelt wird. Bei unserem Bummel durch die Casas von Havanna und das erstaunliche chinesische Viertel stellen wir uns vor, wie sich das Leben hier angefühlt haben musste, als diese Prachtbauten auf der Plaza Vieja oder nahe des Paseo Martí im Schatten der Art-Déco-Strassenlaternen ihre Blütezeit erlebten. Hier pulsiert das Leben. Liebespaare, spielende Kinder mit ihren Eltern und andere Havanesen finden sich zu Plaudereien, Spaziergängen und Wetten zusammen. Getippt wird vor allem auf den Sieg einer der beiden Stadtteams, den Metropolitanos und den Industriales.

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Festliche Stimmung Weiter geht’s zu den Discotecas, der anderen Seite des kubanischen Lebens. In den Stadtvierteln Miramar und Vedada schwingen wir wie wild unsere Hüften zu heissen tropischen Klängen. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Vom Tango über den Salsa bis hin zum Latino sind verschiedene Musikstile vertreten. Auf keinen Fall entgehen lassen wir uns die Peñas. An diesen Volksfesten wiegen sich riesige Menschenmassen im Rhythmus unzähliger Trommeln. Rum fliesst in Strömen, am beliebtesten ist der Havana Club. Das kubanische Nationalgetränk, bei dem


aktuell Nach dem nicht wirklich geglückten Versuch, 3D in unseren Wohnzimmern durchzusetzen, ziehen die Fernsehhersteller jetzt einen anderen Trumpf aus dem Ärmel: Sie machen TV-Geräte internetfähig.

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Mit dem TV im Netz

Text°°° Eric Rivera 3D kommt in Schweizer Wohnzimmern einfach nicht so recht auf Touren. Grund dafür ist das magere Angebot an 3D-Filmen. Jetzt scheinen die Fernsehhersteller aber die Lösung für das Problem gefunden zu haben: Sie verlinken die neusten TV-Geräte mit Dienstleistungen, wie wir sie vom einträglichen Markt der Smartphones kennen. Sony, Samsung und weitere Marken bieten Systeme mit Applikationen, Video-on-demand (VOD), Internetzugang und interaktiven Diensten bestimmter Fernsehsender an. iPhone-Benutzer werden sich mit den Anwendungen problemlos zurechtfinden. Soziale Netzwerke, News, Wetter, Spiele und andere mit den Videoportalen verbundene kostenlose oder gebührenpflichtige Apps werden direkt im Fernseher gespeichert. So kann man sich die Zeit während der Werbepausen gemütlich mit Twittern vertreiben!

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Die VOD-Funktion enthält eine Auswahl Filme, die auch im HD-Format angeschaut werden können. Sie werden nicht im Fernseher gespeichert, sondern im Streaming gezeigt. Dem Zuschauer stehen die gleichen Funktionen zur Verfügung wie mit Settop-Boxen oder Decodern, zusätzlich profitiert er aber dank HbbTV und anderen Standards von interaktiven Diensten. Mit HbbTV zum Beispiel kann man mitten in einer Sendung auf Symbole klicken, die mit dem Web verlinkt sind und zusätzliche Informationen liefern. Die Internetanbindung der Fernsehgeräte verspricht Grosses, nicht zuletzt auch deshalb, weil man dank des integrierten Browsers bequem vom Sofa aus im Internet surfen kann. Dabei kann das Smartphone als Zusatzgerät dienen, zum Beispiel, wenn man mitten in einem Match plötzlich ein dringendes Bedürfnis verspürt…

DREISSIG GRAD | 85


aktuell Wenn Science-Fiction Wirklichkeit wird

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In der Geschichte des Personal Computers hat sich seit dem ersten Macintosh aus dem Jahr 1984 mit seinem Bildschirm und seiner Maus nicht viel geändert. Jetzt scheint aber ein Quantensprung bevorzustehen.

Text°°° Eric Rivera Das Trio „Bildschirm, Tastatur und Maus“ ist fest in unseren Gewohnheiten verankert und wird das wohl auch noch eine Weile bleiben. Im Bereich der Bürokommunikation wurden viele Studien zur Interaktion von Mensch und Maschine durchgeführt, doch nicht alle brachten den gleichen Erfolg. Während bei der Spracherkennung vielversprechende Fortschritte erzielt wurden und man inzwischen seinem PC sogar Texte diktieren kann, die er dann auch wortgetreu widergibt, haben andere Ansätze dem Normalsterblichen nicht wirklich viel gebracht. Das hat sich erstmals seit der Mode der Touchscreens geändert. Mit den so genannten kapazitiven Displays, die ohne Stift auskommen, wurde ein weiterer Schritt nach vorne gemacht und ein regelrechter Boom ausgelöst, der vor allem bei den Smartphones und Tablets zum Zuge kommt. Neu sind auch Systeme der visuellen Erkennung keine Zukunftsmusik mehr. Ein Beispiel dafür ist Kinect zur Steuerung der Videospielkonsole von Microsoft. Vor gar nicht so langer Zeit waren solche Lösungen noch unerschwinglich und meistens der Armee vorbehalten, jetzt gehören sie fast schon zur Standardausstattung unserer Haushalte. Einige Programmierer haben das Hightech-Spielzeug sogar abgewandelt, so dass sie damit einen Computer nur mit Gesten bedienen können, wie es schon im Film Minority Report eindrücklich dargestellt wird. Interessant wird das Ganze, weil sich mittlerweile die Schwergewichte der Elektronikindustrie mit der Gestensteuerung befassen. Toshiba zum Beispiel hat ein Gesten-Interface namens AirSwing für die breite Öffentlichkeit entwickelt. Und auch sonst nimmt die Zahl der gestenbasierten Applikationen, die kaum mehr Rechenleistung benötigen als ein Mobiltelefon, zu. Dass es heute möglich ist, jedes beliebige, mit einer Webcam ausgerüstete Gerät mit „Zeichensprache“ zu steuern, beweist, dass die Realität die Fiktion manchmal überholt.

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Deus Ex Human Revolution Alle Wege führen nach Rom Fans von FPS warteten gespannt auf den dritten Teil der 2000 begonnenen Serie Deus Ex Human Revolution. Die intelligente Mischung aus Action-Shooter und Rollenspiel ist gut gelungen.

Schiessen will überlegt sein Deus Ex Human Revolution ist ein origineller, fesselnder und sorgfältig umgesetzter Shooter, bei dem auch das Hirn nicht zu kurz kommt. Verführerisch!

Eine Prise Matrix Wir sind im Jahr 2027, in einem futuristischen, finsteren Detroit, in dem Chaos und Verschwörungen dominieren und es keine Zukunft zu geben scheint. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Adam Jensen, der an Neo aus Matrix erinnert. Er hat die Möglichkeit, das Spiel so zu spielen, wie er es für richtig hält. Jede Situation kann er auf seine ganz eigene Art bewältigen. Vertreter brachialer Gewalt gehen mit der Brechstange vor und knallen alles ab, was nicht niet- und nagelfest ist. Eher besonnene Gemüter nutzen ihr psychologisches Feingefühl, indem sie die Aufgaben mit Hilfe von Gesprächen lösen. Natürlich hat das Vorgehen auch Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. Dadurch entsteht ein grandioses Spielgefühl, wie es nur selten anzutreffen ist. Weitere Pluspunkte sind die Undercover-Aktionen und die Handlung sowie die Mini-Games, die weitgehend auf dem Hacken von Computersystemen basieren.

Ein First Person Shooter von Square Enix für PC, PS3 und X360

Portal 2 Neue Dimensionen Die erste Ausgabe dieses herausragenden Puzzle Shooters begeisterte wegen ihres erfrischenden Spielprinzips. Ihre auf den ersten Blick so einfachen und doch so tückischen Portale brachten so manches Hirn zum Kochen.

Mortal Kombat Nur für starke Nerven! Das Kampfspiel Mortal Kombat, das vor rund 15 Jahren seine glorreichen Stunden erlebte, kommt in alter Härte zurück. Gebrochene Knochen, zerfetzte Körper und brutale Enthauptungen sind auch in dieser HD-Version die Markenzeichen der Serie. Mortal Kombat hat nämlich nur ein Ziel: Es will sich selbst treu bleiben. Deshalb sind auch bei diesem Ableger des Prügelgames alle Zutaten des Originaltitels zu finden. Hinzu kommt ein attraktiver Koop-Modus für bis zu vier Spieler. Die Gewaltorgie wird bei Fans von blutigen Gore-Kämpfen und brutalem Abschlachten bestimmt ein Renner. Ein Kampfspiel von Warner Interactive nur für Erwachsene, für X360 und PS3

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Zu zweit ist alles anders Das Konzept des ersten Teils bestand darin, Rätsel zu lösen, indem mit der Portalkanone zwei Öffnungen in die Wand geschossen wurden, die direkt miteinander in Verbindung standen. Im zweiten Teil sind die Entwickler noch einen Schritt weiter gegangen. Portal 2 führt einen KoopModus ein, bei dem durch das Zusammenspannen der beiden Spieler, die als zwei liebenswerte Roboter dargestellt werden, mehrschichtige, immer kniffligere Rätsel gelöst werden müssen. Wer sich schon mit zwei Portalen das Hirn zermartert hat, darf sich freuen, denn zwei Spieler bedeutet vier Portale! Knacknüsse gespickt mit bissigem Humor Das schön umgesetzte und mit einem völlig neuartigen Gameplay ausgestattete Portal 2 erheitert mit zynischen Sprüchen und viel Humor. Ein herausragendes Puzzle Game, das von den Liebhabern des Genres bestimmt mit offenen Armen empfangen wird. Ein Puzzle Shooter von EA für PC, Mac, PS3 und X360


Fight Night Champion K.O. Auf dem Gebiet der Sportgames macht EA niemand so schnell etwas vor. Ihre Boxtitel setzen regelmässig neue Massstäbe und auch Fight Night Champion bestätigt diese Regel. Die Boxsimulation ist so realitätsnah gestaltet, dass die Schläge wie in einem echten Ring präzis wiedergegeben werden. Ein weiteres Highlight ist der Karrieremodus, der mit einem kinoreifen Szenario bereichert wurde. Man erlebt die Abenteuer des Boxers wie in einer Hollywoodproduktion und kann gegen Boxlegenden wie Ali und Tyson kämpfen. Eine der effektvollsten Neuheiten ist der „One Punch KO“, mit dem der Gegner mit einem Schlag auf die Bretter geschickt werden kann. Ein Kampfsportspiel von EA für X360 und PS3

Duke Nukem Forever Totgesagte leben länger Viele hatten Duke Nukem Forever schon beerdigt. 14 lange Jahre haben die Entwickler die Fans hingehalten. Jetzt hat die endlose Warterei endlich ein Ende: Nach etlichen Verzögerungen dürfen sie sich auf die Fortsetzung des First Person Shooters aus dem Jahr 1991 freuen. Bekannt für seinen Humor meldet sich der blonde Macho mit der schwarzen Brille in Bestform zurück. In einer Episode, die sich stark an ihrem Erstling orientiert, rettet er die Welt fast im Alleingang vor Aliens. Ein Kultspiel, das seinen Namen verdient! Ein First Person Shooter von 2K für X360, PS3 und PC

Weitere Highlights Conduit2: Wii Brink: X360, PS3, Wii Dungeon Siege III: X360, PS3, PC God Eater Burst: PSP Patapon 3: PSP Playstation Move Heroes: PS3

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F.3.A.R. Schreck lass nach F.3.A.R. ist ein First Person Shooter in einer für die Serie typischen chaotischen Grusel-Welt und einer beängstigenden Atmosphäre. In der Solokampagne verkörpert der Spieler Point Man. Im Koop-Modus kommt als zweiter Spielcharakter sein Bruder und Erzfeind Paxton Fettel dazu, der mit einer völlig anderen Technik kämpft. Das SurvivalHorror-Universum der Serie wurde beibehalten und die Actionszenen werden von den unterschiedlichen Fähigkeiten der Figuren bestimmt. Paxton Fettel zum Beispiel kann sich teleportieren lassen, Point Man ist übernatürlich schnell. Schauderhaft!

InFamous2 Unter Strom Nachdem Cole Elektrizität manipulierend die ersten Missionen bewältigt und Feinde ausgeschaltet hat, kehrt er jetzt voll aufgeladen mit neuen Abenteuern zurück. Am Grundprinzip ändert sich eigentlich wenig, dafür fährt die Zweitversion aber mit schwerem Geschütz auf. Ganz nach dem Motto „bigger and better“ wurden die Gestaltung, die Inszenierung, das Design und die Fähigkeiten von Cole überarbeitet. Der Superheld agiert wie ein Übermensch, indem er seine Fähigkeiten in dem originellen, handlungstechnisch spannenden Actiongame gekonnt einsetzt. Ein Spiel mit Mister 1000 Volt, bei dem man nur ungern den Stecker zieht. Ein Actiongame von Sony, exklusiv für PS3

Ein Horror-Shooter von Warner Interactive für PC, PS3 und X360

L.A. Noire Düstere Ermittlungen L.A. Noire erzählt die Geschichte von Detektiven aus Los Angeles in der Nachkriegszeit der späten 40er-Jahre, in der Korruption, Drogen und Jazz die Stadt fest im Griff hatten. Der in vierjähriger Entwicklungsarbeit entstandene Detective Thriller mischt Action, Ermittlung und komplexe Handlungsstränge zu einer düsteren Story, in der es grausame Morde aufzudecken gilt. Wer dem Charme des berühmten Marlowe erlegen ist, wird auch hier schnell Feuer fangen und an der akribischen Arbeit der Drehbuchautoren seine Freude haben. Eine interaktive, immersive Fiktion für Krimifans, die durch eine realistische Umsetzung glänzt. Ein Abenteuerspiel von Rockstar für PS3 und X360

The Witcher 2: Assassins of Kings Meisterhafte Fortsetzung Die erste Episode von The Witcher hat 2007 bei der Fangemeinde der PC-Rollenspiele eingeschlagen wie eine Bombe und etliche Lobhudeleien hervorgerufen. In diesem zweiten Teil, der neu auch für Konsolen erhältlich ist, läuft das Abenteuer zur Höchstform auf. Das Resultat ist überwältigend! Geralt und die kopflosen Könige Der Hexer Geralt von Riva muss diesmal gegen eine Gruppe von Meuchelmördern, die sich gegen die Herrscher anderer Königreiche verschworen haben, ankämpfen. Die Figur ist zwar vorgegeben, aber bei ihrer Entwicklung hat der Spieler freie Hand – sowohl in Bezug auf die Wahl seiner Fähigkeiten, inklusive Zauber und Zaubertränke, als auch hinsichtlich der Entscheidungen, die das gesamte Abenteuer, das Umfeld und auch das Ende beeinflussen. Eine ausgereifte Handlung mit spritzigen, nicht gerade zimperlichen Dialogen und grandiosen Kämpfen. Man taucht ein in eine spektakuläre Welt, in der man sich bewegt, als sei sie echt. Ein Knaller Mit seinem besonderen Universum, einem ausgefeiltem Gameplay, überzeugender Grafik, 16 verschiedenen Enden und 2,5 Stunden Cutscenes setzt The Witcher 2 auf dem Gebiet der Rollenspiele neue Massstäbe. Ein absolutes Highlight! Ein Rollenspiel von Namco Bandai für PC, PS3 und X360

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MotorStorm Apocalypse

SOCOM: Special Forces

Radikale Action Der Spieler gerät mitten in eine von Terroristen verseuchte, vom Krieg gezeichnete Stadt, die sich in einer nahezu aussichtlosen Lage befindet. Er versucht nicht, sich so unsichtbar wie möglich zu machen, sondern geht in die Offensive und stellt sich dem Kampf gegen die Rebellen-Armee. Mit Playstation Move SOCOM: Special Forces ist zwar ein Third Person Shooter, sein von der Playstation Move unterstütztes Gameplay schafft aber ein ganz besonderes Ambiente. Dieses wird zusätzlich verstärkt durch die filmisch inszenierte Handlung, die für eine perfekte Immersion des Spielers sorgt. Auch Taktik kommt in dem Shooter nicht zu kurz. So kann der Spieler seiner Truppe beispielsweise Befehle erteilen. Die nackte Action steht aber trotzdem im Vordergrund. Mit der präzis reagierenden Playstation Move werden die Nahkämpfe zur schweisstreibenden Angelegenheit. Wenn gar nichts mehr geht, weil der Gegner mit schwerem Geschütz auffährt, kann der Spieler damit auch die Unterstützung der Luftwaffe anfordern.

Das letzte Rennen? Nachdem sie in der Wüste, mitten in einem feuerspeienden Vulkan und im Hochgebirge um die Wette gerast sind, jagen die Piloten der OffroadMeisterschaft jetzt durch ein Gelände, das ihr letztes sein könnte: eine Stadt in Endzeitstimmung, die langsam in sich zusammenfällt. Mit eindrücklichem Tempo und viel Fun wird durch das urbane Chaos gebrettert. Damit der Adrenalinspiegel auch immer schön hoch bleibt, verzeiht das Game nicht die kleinste Unaufmerksamkeit. Ein rasender Wahnsinn, der allen gefallen dürfte, die sich von ihrem Instinkt leiten lassen und ganz auf ihre Fahrkünste vertrauen. Ein Autorennspiel von Sony exklusiv für PS3, spielbar in 3D

Wendepunkt Das mit grosser Sorgfalt gestaltete Gameplay mit der Playstation Move macht diesen SOCOM-Titel zu einem spektakulären Spielerlebnis. Die richtige Mischung aus Action und Special Effects ist perfekt für Adrenalin-Junkies, die sich gerne auf der Playstation 3 austoben. Ein Third Person Shooter von Sony exklusiv für PS3, spielbar mit der Playstation Move und in 3D

Virtua Tennis 4 Game, Set and Match Virtua Tennis 4 kommt mit neuen Bällen! Auf den Konsolen profitiert das Tennisgame von der Bewegungserkennung (Move, Kinect oder Wiimote) und sorgt so für ein intensives Spielerlebnis. Neu ist auch das Online-System, das die schnelle Teilnahme an Turnieren erlaubt. Ebenfalls überarbeitet wurde der Karrieremodus. Neu liegt der Schwerpunkt auf dem Ruf der Spieler, auf den auch ausserhalb des Tennisplatzes geachtet werden muss. Während der Matches erscheint eine neue MomentumAnzeige, die sich mit zunehmendem Selbstvertrauen füllt und deren Kraft dann für einen oft entscheidenden Superschlag genutzt werden kann. Ein Tennisspiel von Sega für X360, PS3, Wii und PC

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Von christian Bugnon

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HONDA CBR250 R In der eher unscheinbaren Kategorie der 250cc kommt nun mit einem neuen Model frischer Wind auf. Mit den markanten Linien, die an die VFR1200 erinnern, wird die CBR250 sicherlich auffallen. Die ganze Palette gibt’s unter www.honda.ch

COLUMBIA SPORTSWEAR – Tectonic Softshell Die Tectonic™ Softshell für Herren hat hohes Ansehen im Bereich der leichtgewichtigen, thermoregulierenden Outerwear erlangt. Das Omni-Heat™ Thermal Reflective Lining speichert bis zu 15% mehr Körperwärme, während es zugleich Feuchtigkeit und überschüssige Wärme nach aussen dringen lässt. Damit fühlen Sie sich immer wohl, egal, ob die Temperatur steigt oder sinkt. Zudem schützt das laminierte, wasser- und schmutzabweisende Softshell dank Omni-Shield™ vor jedem Wetter. www.columbia.com

ALPINA GENEVE Mit der neuen Alpina Startimer Pilot Kollektion lässt Alpina die Fliegeruhren-Tradition in enger Zusammenarbeit mit Cessna Aviation und PrivatAir wieder aufleben. Bei den hochattraktiven sportlichen Zeitmessern handelt es sich um moderne Umsetzungen von Original Alpina Entwürfen aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Vollständige Kollektion unter: www.alpina-watches.com

FIAT 500 by Gucci Ein neuer Star des italienischen Designs ist geboren! Das exklusive Sondermodell „500 by Gucci“ ist aus einer Zusammenarbeit von Gucci Kreativdirektorin Frida Giannini und dem Centro Stile Fiat entstanden. Fiat setzt nicht nur in Sachen Design, sondern auch im Umweltschutz neue Massstäbe. Der neue Fiat 500C TwinAir Erdgas Turbo ist das umweltfreundlichste Benzin-, Erdgas- und Hybridauto auf dem Markt! Mit einem CO2-Wert von 72g/km lässt der freche Stadtflitzer die gesamte Konkurrenz hinter sich. Er wurde in erster Linie für den Schweizer Markt entwickelt, besitzt einen Erdgas-Tank mit 10 kg Füllmenge und einen 30-Liter-Benzintank. Kein Zweifel: Der kleine Fiat fährt direkt in die Zukunft! www.fiat.ch

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Von christian Bugnon

SALEWA – Ascent 30 Der neu entwickelte Rucksack ist der perfekte Begleiter für Tageswanderungen oder mehrtägige Hiking-Touren. Das völlig neue Tragesystem MotionFit schafft die perfekte Symbiose zwischen menschlichem Körper und Rucksack und sorgt so für mehr Vergnügen, mehr Komfort und mehr Spass. www.salewa.com

Sorel FrühlingS-/Sommerkollektion 2011 Regnerische Tage sind oft trist und eintönig. Das bedeutet aber nicht, dass auch Ihre Schuhe so sein müssen. Vertreiben Sie die Tristesse mit fröhlichen, funktionellen Schuhen mit WOW-Effekt. Mit der geformten GummiAussensohle zeigt diese neue Stiefelgeneration dem Regen die kalte Schulter und hüllt Ihre Füsse in frische Gute-Laune-Farben. Das mit Gummi beschichtete Canvas Obermaterial und die patentierte Leder-Shell hält Ihre Füsse trocken und warm. Die herausnehmbare Sohle bietet durch ihre dämpfenden Eigenschaften höchsten Tragekomfort. Feine Ziernähte verleihen dem Tivoli Rain ein einzigartiges Flair und das extra Paar Schnürsenkel im angesagten Pünktchenmuster runden das Paket ab. www.sorel.com

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PEAK PERFORMANCE Die klassische Jacke aus hochwertigem und wasserdichtem Limonta-Material lässt Männerherzen höher schlagen. Inspiriert vom Motorsport ist diese stylische und praktische Jacke für den modernen Mann bestimmt, der gerne mal Gas gibt. www.peakperformance.com

JULBO – MONTEBIANCO Ein absoluter Klassiker für alle Bergfreunde, die die höchsten Gipfel erklimmen, aber danach wieder stilvoll ins Tal zurückkommen wollen. Die abnehmbaren Seitenteile sind ideal für mittlere bis grosse Gesichtsgrössen und garantieren eine perfekte Anpassung an alle Witterungsbedingungen. Dieses Modell verbindet Leichtigkeit, Hightech und hohen Schutz mit klarer Linienführung und echtem Stil. Weitere Modelle unter: www.julbo-eyewear.com

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Timbuk 2  Classic Messenger Bag Einfach, aber robust, schlicht, aber praktisch: Mit dem Messenger Bag machen Sie überall eine gute Figur. Die wasserdichte, langlebige Kuriertasche im Fashion Look ist in den unterschiedlichsten Farbkombinationen zu haben und dank der hochwertigen Materialien extrem langlebig. Die innere Schicht aus Vinyl wird von einer Aussenhaut aus Ballistic Nylon umgeben. Neben dem geräumigen Hauptfach für das Notebook bietet sie viele weitere praktische Fächer. www.timbuk2.com

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Impressum 30° grad nr. 34, frühling 2011

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Titelbild : Benjamin Thouard Herausgeber & Verlagsleiter christian.bugnon@cbcommunication.com Verlag & Verwaltung CB Communication sàrl Rue du Simplon 20 – Case Postale 386 1001 Lausanne – Schweiz E-Mail: info@cbcommunication.com Web: www.cbcommunication.com Tel.: +41 21/312 41 41, Fax: +41 21/312 41 11

Haben Sie Lust auf Kreatives, Originelles, Stimmungs- und Stilvolles? 30° hat sich umgesehen... und ist fündig geworden. Wir präsentieren Ihnen die besten Adressen und verraten Ihnen unsere Geheimtipps.

Werbung Westschweiz und englische Ausgabe www.30degres.tv www.30degrees.tv christian.bugnon@cbcommunication.com

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Text°°° ray cooper

Werbung Deutschschweiz www.30grad.tv Blueorange Media GmbH Karin Witschi +41 76/379 82 07 kw@blueorange-media.ch Sonja Kupper +41 62/772 21 56 sk@blueorange-media.ch

Flyover – das Restaurant Viadukt Aus Uralt mach Trend und Design. Unter den Viaduktbögen im Kreis 5, Zürichs neuester und jüngster Shoppingmeile, lässt es sich gut essen und shoppen. Das Restaurant Viadukt überzeugt mit edlem Design. Stühle, Lampen, Tische und selbst der Boden versprühen Wohlfühlatmosphäre vom Feinsten. Ganz speziell: Man spürt die Züge, die auf den Schienen über das Viadukt donnern. Ab 8 Uhr kann man sich mit einem feinen Frühstück verwöhnen lassen und die Küche ist bis 23.30 Uhr geöffnet. An warmen Tagen vergnügt man sich auf und vor der Josefwiese und dabei gibt’s drinnen oder draussen wöchentlich Konzerte. Am Feierabend ist die Bar ein idealer Ort, um zu entspannen und bei einem Glas Rotwein die Tageszeitung zu geniessen.

Redaktionssekretariat ines.yenoth@cbcommunication.com Redaktion Claude Hervé-Bazin , Christelle Coulon, Frédéric Rein, Serge Greter, Catherine Cochard, Vincent Gillioz, Giovanni Quirici, Alban Aubert, Hilde Brunner, Gavin’s Clemente Ruiz, Eric Rivera, Christian Bugnon Fotografen Swilly, Benjamin Thouard, Max Houyvet, Patricia Michel, Stéphane Bellocq, Laurent Ballesta, exploreaction.ch, keystone, Sony Music, Alex Prager, StarEvent Gmbh, Graffs de Flow du TWE CREW, Gilles Martin-Raget/www. americascup.com, Freerideworldtour.com / C. Margot/ D.Daher, GiantXtour, Vincent Gillioz, Myriam LangWillar, Evrard Wendenbaum, Gérard Berthoud, Darbellay, Transgrancanaria, Sylvain Bazin, UTAT, Patrice Schreyer, Nacéra Balanche, Ungarisches Tourismusamt Art Direction & Layout Mélanie & Nicolas Zentner, Mathieu Moret Deutsche Übersetzung: Sabine Dröschel

Restaurant Viadukt, Viaduktstrasse 69/71, 8005 Zürich, Telefon 043 204 18 99 www.restaurant-viadukt.ch

Englische Übersetzung: AST Services Litho: Images 3 Druck: Swissprinters Lausanne SA Vertrieb: It’s Time To Bienne

LaSalle – im Schiffsbau In alten Zeiten wurden hier Schiffsmotoren für die Weltmeere gefertigt. Heute erinnert noch das wuchtige Schiffsbaugebäude an vergangene Zeiten. Dieses ehemalige Industriequartier ist heute Trend und das LaSalle eines der besten Restaurants Zürichs. Auf der tollen Speisekarte besonders zu empfehlen ist der Rindsschmorbraten, dazu Spätzli und ein Glas Chianti. Im LaSalle und an der Bar kann man sich prima dem „Dolce far niente“ hingeben. Das urbane Ambiente in Verbindung mit der in diesem Kreis gebotenen Kultur lockt immer wieder an die Schiffsbaustrasse. Hier trifft sich Zürich!

30° im Jahresabonnement mit 4 Ausgaben April, Juni, September, Dezember Schweiz CHF 23.- / Europa: € 40.-

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Sie finden 30° auch an den Schweizer Kiosken sowie auf:

Erhältlich bei:

Restaurant LaSalle, Schiffsbaustrasse 4, 8005 Zürich, Telefon 044 258 70 71 www.lasalle-restaurant.ch Lake Side – Lounge Riviera-Feeling mit Tradition am Zürichsee. Sonnenbaden und feinste Champagner geniessen: Dazu geht man ins Lakeside. Auch Liebhaber der feinen Küche kommen nicht zu kurz. Das Sushi, das ThunfischTartar oder ein zartgebratenes Rindsfilet überzeugen. Speziell und besonders empfehlenswert sind das „Monday Sushi am See“ und der „Lovely Sunday Brunch“. Das Leben ist ein Fest: Mit diesem Statement verwöhnen die Gastronomen am herrlichen Zürichsee ihre Gäste.

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www.30GRAD.tv www.30degres.tv www.30degrees.tv DR

Lake Side, Bellerivestrasse 170, 8008 Zürich, Telefon 044 385 86 00 www.lake-side.ch

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N° 34 – Frühling 2011  

30 ° Grad, das Schweizer Magazin für Sport und Erholung, 10 Jahre Berichterstattung, Nachrichten, Interviews, in 3 Sprachen F / D / E, ebenf...

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