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g r o b r e d n ø S 2017 .EU

NOVEMBER 2011 /

Eine Zukunft als hü

bsches Altershiem ? utscher, egal, ob 1864 od er heute.”

”Ein Deutscher ist ein De

Minority Zoo

SPECIAL ISSUE

countryside metropolis 152 Candidature for the title of European Capital of Culture in Denmark

78 90 168


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Guimar達es 2012


Sønderborg2017 Kulturhauptstadt-Bewerber Zypern 2017

Kulturhauptstädte Europas 2007-2016

UMEÅ 2014

Turku 2011 Tallinn 2011

STAVANGER 2008

RIGA 2014

Aarhus

Vilnius 2009

SØNDERBORG 2017 LIVERPOOL 2008

ESSEN 2010 MONS 2015 Luxembourg 2007

Wrocław 2016

Plzen 2015

Košice 2013

Linz 2009

Maribor 2012

DONOSTIA-San Sebastián 2016

Marseille 2013

Pécs 2010

SIBIU 2007

Istanbul 2010

Nicosia

PAFOS

ZYPERN 2017 Limassol

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Liebe Leser

H

erzlich willkommen zu einem Blick auf unsere Stadt und unsere Region. Von hier aus, vom Rathaus in Sønderborg, können wir auf die Düppeler Höhen sehen, an denen einst so viel Blut vergossen wurde.

Glücklicherweise haben wir die Streitigkeiten hinter uns gelassen, die dänisch-deutsche Zusammenarbeit ist auf einem guten Weg. Heute erklingen keine Kriegsfanfaren mehr, sondern die Töne gemeinsamer Musikarrangements, und sogar den Gedenktag an die Schlacht bei Düppel am 18. April 1864 können wir gemeinsam begehen. Dafür stehen wir heute ganz anderen Herausforderungen gegenüber. Wir müssen sicherstellen, dass Sønderborg im Wettbewerb gegen die Großstädte, nicht geschlagen wird, die Jugendliche und Gutausgebildete und auf längere Sicht womöglich auch unsere Unternehmen und damit unsere Existenzgrundlage, an sich ziehen. Unsere ist einer der Regionen, die abschätzig „Randdänemark“ genannt werden – es stimmt, wir sind ein Randgebiet Dänemarks und wir sind keine Großstadt. Aber wir können etwas anderes – und wir können es insbesondere, wenn wir mit unseren Nachbargemeinden und über die Grenze hinweg mit unseren deutschen Nachbarn in Sønderjylland-Schleswig zusammenarbeiten. Das möchten wir mit dieser Bewerbung zeigen. In den zwei Jahren, in denen sie in Arbeit gewesen ist, sind Tausende von Bürgern aktiv beteiligt worden. Allein die Kandidatur hat zu großem Stolz und Optimismus geführt. Und diese Arbeit würden wir so gerne weiterführen. Das werden wir unter allen Umständen tun, aber sollten wir als Europäische Kulturhauptstadt benannt werden, würde das auf einer ganz anderen Ebene passieren. Europa hat jetzt die Chance hat, eine Kulturhauptstadt zu bekommen, die eine Inspiration sein kann für andere kleinere Städte und Regionen, die ähnliche Themen mit uns teilen. Wir müssen uns Europa und der Welt öffnen und gemeinsam die Zukunft gestalten. Wir müssen neu und anders denken, über die Grenzen hinweg – die mentalen wie die physischen. Und wir möchten Europa und die Welt herzlich einladen, daran teilzunehmen. Wir wünschen viel Vergnügen bei der Lektür und hoffen, dass Sie dabei den Wunsch bekommen, das alles mit uns mitzuerleben. Aase Nyegaard Bürgermeisterin von Sønderborg

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PRODUKTIVE GRENZREGIONEN SCHAFFEN 034 Hoffnungen, Träume und Wünsche

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Sønderborg ist eine Stadt mit reichen Traditionen und einer starken Gemeinschaft, und trotz ihrer etwas abseitigen Lage ist ihr Stolz unübersehbar. Aber die Bevölkerungszahlen sinken, die jungen Leute gehen weg. Wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen, müssen wir jetzt handeln und nicht erst in 15 Jahren.

Herausforderung und Dilemma

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In der Gegend um Sønderborg ist der Boden fruchtbar, und die Gehälter der großen Unternehmen sind jahrzehntelang gleichmäßig geflossen. Das hat zu einem Zustand schläfriger Selbstzufriedenheit geführt. Die junge Generation zieht es in die Großstädte, sie kehren nicht zurück – und die Älteren werden immer präsenter. Die Region kann sich nicht länger auf sich selbst zurückziehen, sie muss sich darauf einstellen, dass es da draußen eine Welt gibt. Um uns herum und auf der anderen Seite der Grenze gibt es andere Sprachen und Kulturen, die kennenzulernen bereichernd sein kann.

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GELERNTE LEKTIONEN Innerhalb weniger Stunden erlitt Dänemark eine fürchterliche Niederlage, als die Preußen am 18. April 1864 die Düppeler Schanzen bei Sønderborg einnahmen. Die blutige Schlacht, nach der Dänemark ein Drittel seines Staatsgebiets einbüßte, und die folgenden Weltkriege prägen bis heute den dänischen Nationalcharakter und das Verhältnis zu Europa und der Welt. Aber wir hoffen aus der Geschichte zu lernen – wir müssen die Traumata aufarbeiten und es für alle reizvoll und normal werden lassen, die Grenze zu überqueren.

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EIN EUROPÄISCHES LABORATORIUM FÜR GRENZEXPERIMENTE In Sønderborg und Umgebung wurde der Danfoss-Gründer Mads Clausen, im Volksmund „Mads Patent“ genannt, zum Vorbild für viele Generationen. Hier gibt es zahlreiche Beispiele von Menschen, die querdenken und mit einem Nischenprodukt Erfolg haben. Es ist eine Kunst, grenzüberschreitend zu denken – und wenn wir Kunst und Kultur in allen Bereichen der Gesellschaft verankern, können wir besser Neues denken. Das ist absolut notwendig, denn davon werden wir in Zukunft leben. Im Grenzland wie in Europa.

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6 Auf dem Weg zu einer countryside metropolis Das künstlerische Konzept für das Jahr 2017 und die Aktivitäten, die bis dahin stattfinden, werden durch den Veränderungsprozess bestimmt, den Sønderborg in den kommenden Jahren durchlaufen wird – von einem Randgebiet zu einer countryside metropolis. Wir wollen Sønderborg und dem Grenzland radikal zu Wachstum und Seele verhelfen und durch unseren kulturellen Unternehmergeist eine countryside metropolis bilden.

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Kultur rund um den ganzen Kompass Die Gemeinde Sønderborg hat einen Prozess in Gang gesetzt, der zu einer neuen Kulturstrategie führen soll – den Kulturkompass 2020. Er unterstützt Sønderborgs Visionen und bildet das Fundament für den Wunsch, Kulturhauptstadt Europas 2017 zu werden. Der Leiter des kommunalen „Center for Kultur“, John Bøgelund Frederiksen, über den Kulturkompass.

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In den letzten Jahren ist eine ganz andere Unterstützung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit entstanden. Ich merke es auf der deutschen Seite – nicht zuletzt im Geschäftsleben. Unsere Region ist der Schnittpunkt zwischen Zentraleuropa und dem Norden. Das schafft Synergien, und wir können viel von einander lernen. Das Grenzland rückt in den Mittelpunkt! Vor zehn Jahren wäre das einfach nicht möglich gewesen. Simon Faber

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SIMON FABER Simon Faber trat 2011 als erster dänischer Bürgermeister sein Amt in der deutschen Stadt Flensburg an. Es erregte Aufsehen, dass ein Kandidat der dänischen Minderheit sich an die Spitze einer Stadt stellen konnte, die noch Mitte des 19. Jahrhunderts Dänemarks drittgrößte Stadt war. Heute gehört nur noch jeder fünfte Bürger der dänischen Minderheit an. Es haben also auch viele Deutsche für Simon Faber gestimmt, und er selbst ist der Ansicht, dass diese Bürger eine Chance in einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Flensburg und dem südlichen Dänemark sehen. “Vor zehn oder zwanzig Jahren wäre das einfach nicht möglich gewesen. Damals gab es noch Grenzkämpfe, und viele dachten sich: Wir müssen dafür sorgen, dass Flensburg eine deutsche Stadt bleibt und nicht zu dänisch wird. Das wurde nach und nach überwunden. Heute wird es als Mehrwert begriffen.” Simon Faber ist 44 Jahre alt und außerhalb von Flensburg aufgewachsen. Seine Eltern sind Deutsche, entschlossen sich aber, ihn in einem dänischen Kindergarten unterzubringen. Danach besuchte er die dänische Schule und auch das Studium der Musikwissenschaften absolvierte er in Dänemark. Simon Faber ist mit einer Dänin aus Tønder verheiratet.


Nördlich und südlich der Grenze haben wir eine gemeinsame Geschichte und, was viel wichtiger ist, eine gemeinsame Zukunft. Wir waren das Herzogtum Schleswig, und vor den nationalen Konflikten wurde Nordschleswigsch, Plattdeutsch, Friesisch, Hochdeutsch und Reichsdänisch nebeneinander gesprochen. Damals war kulturelle Vielfalt selbstverständlich, es war eine Region

geprägt von globalem Weitblick. Zu dieser Stärke finden wir jetzt in Sønderborg, Nordschleswig und Schleswig zurück. Süd- und Nordschleswig können sich in einer gemeinsamen Vision wiederfinden, und genau das brauchen Sønderborg und die Grenzregion: Eine gemeinsame Vision und gemeinsame Ambitionen, um Wachstum zu schaffen. Stephan Kleinschmidt

STEPHAN KLEINSCHMIDT “Ich kann mich daran erinnern, dass einige immer‚ Deutschland gegen Dänemark’ spielen wollten, wenn wir Fußball spielten. Damals warf man mir haufenweise Schimpfworte wie ‚Pølsetysker’ (Würstchendeutscher) an den Kopf, das traf mich hart. Das spiegelt nur die Dinge wieder, die ich in meiner Kindheit erlebt habe”, sagt Stephan Kleinschmidt, 34 Jahre, Initiator der Kandidatur Sønderborgs zur Kulturhauptstadt Europas 2017, einziger Repräsentant der deutschen Minderheit im Stadtrat von Sønderborg und Vorsitzender des Kultur- und Gewerbeausschusses. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit wurde er eine Zeitlang von Politikern der Opposition in den Zeitungen als “der falsche Vorsitzende des Kulturausschusses” bezeichnet. Stephan Kleinschmidt ist in Rinkenæs bei Sønderborg aufgewachsen. Sein Vater stammt aus Flensburg, seine Mutter kommt aus einer der alten Ziegelbrennerfamilien Sønderborgs. Er hat einen deutschen Kindergarten, eine deutsche Grundschule und ein deutsches Gymnasium besucht und besitzt sowohl die deutsche wie die dänische Staatsbürgerschaft.


PRODUKTIVE GRENZREGIONE 36

SØNDERBORG 2017


EN SCHAFFEN

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Meine Lieblingsgrenze unter allen ungeliebten Phänomenen der Trennung. Schön. Sie zieht sich an fischreichen Seen hin und teilt Weideland, auf dem deutsche und dänische Schafe ergebnislos über ihren Unterschied grübeln ... Die Menschen wissen um die Unterschiede und ernten heute die Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit. Siegfried Lenz über die dänisch-deutsche Grenze, Die Welt,

Si eg

fri ed

Le

nz

August 2004

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W

ir wollen historische

Grenzregionen wie

Grenzen zu produktiven

Sønderborg und Sønderjylland

Wir wollen ein europäisches

Brücken machen. Zu Brücken

(Nordschleswig)-Schleswig

Labor sein, in dem mit Brücken

zwischen Dänemark,

haben besonders gute

jeder Art experimentiert wird.

Deutschland und Europa.

Voraussetzungen, um Kreativität

Dänen und Deutsche verbindet

Zu Brücken zwischen dem

freizusetzen. Denn hier sind die

eine lange gemeinsame

Europäischen und dem

Bürger ständig gewohnt, sich

Geschichte von Krieg und

Globalen. Zu Brücken zwischen

mit dem Anderen und Fremden

Frieden, von extremem

Stadt und Land. Zu Brücken

auseinanderzusetzen. Jeden

Nationalismus und dem Willen

zwischen Generationen, und

Tag werden sie mit Werten

zur friedlichen Nachbarschaft

zwischen Kultur, Wissen und

und kulturellen Präferenzen

– nun sollen sie ernsthaft

Ökonomie.

konfrontiert, die sich von ihren

versöhnt werden. Politisch

eigenen unterscheiden; sie

wird über die Grenze hinweg

Grenzen trennen und schaffen

sind gezwungen, die Dinge aus

zusammengearbeitet, doch die

Unterschiede. Aber sie enthalten

verschiedenen Perspektiven

Bürger sind dabei noch nicht

auch die Voraussetzungen

zu betrachten, damit der Alltag

mit einbezogen. Sie müssen

für Innovation, denn nur,

nicht in Konflikten endet. Die

mobilisiert werden, um das

wenn wir im Grenzbereich

Fähigkeit, in unkonventionellen

Grenzland der Zukunft zu

experimentieren, können

Bahnen zu denken, um die

schaffen. Im Zusammenspiel

wir etwas Neues und

Fäden zusammenzuführen, ist

mit Europa wollen wir einen

Zukunftsweisendes schaffen.

die Vorbedingung für jede Form

produktiven Grenzraum voller

von Kreativität. Die wollen wir

Kreativität und Schaffenskraft

mobilisieren, um die Zukunft

entwickeln. Das dänisch-

Sønderborgs zu gestalten.


deutsche Grenzland wird von

Europa, denn unsere Kandidatur

Intelligenz, das heißt unsere

einem Randbereich zu einem

ist ein Werkzeug, um zusammen

Fähigkeit, über mentale und

Wachstumszentrum umgestaltet.

mit Europa einen kritischen Blick

physische Grenzen hinweg zu

Dabei sollen die besonderen

auf den alten Kontinent und die

navigieren. Und es erfordert

Lebensformen erhalten

aktuelle Krise zu werfen. Die

unsere kreative Kapazität, damit

bleiben, die die ländlichen

Krise, die Europa wirtschaftlich,

wir die Vielfalt der Welt als

Gebiete charakterisieren; es

im sozialen Leben und nicht

eine Ressource nutzen, statt

geht darum, ein bereicherndes

zuletzt in seinen Werten erlebt.

sie als Problem zu betrachten.

Zusammenspiel zwischen Stadt

Was will Europa? Welchen Weg

Nirgendwo ist das Potenzial für

und Land zu entwickeln.

sollen wir einschlagen?

diese Entwicklung größer als

Wir sind bereit – jetzt. Jetzt sind

Für uns ist die Antwort klar: Wir

der Wille und der Optimismus

müssen in ganz Europa globaler

vorhanden, jetzt wollen wir

denken. Dies erfordert die

beginnen. Es geht dabei nicht

Entwicklung unserer kulturellen

in den vielen Grenzregionen

unseres Kontinents.

nur um uns, sondern auch um

Europas Mehrwert entsteht zu allererst in den Grenzregionen Markus Pieper, Flensborg Avis’, 8. Juli 2011

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Stadtzentrum Sønderborg - vor allem das Ich träume davon, dass eine großartige ssanter wird. Wir haben - architektonisch intere Stadtbild so viel ur, aber leider prägt das Lage mit Wasser und Nat viele Beispiele t gib Es elle Architektur. langweilige und tradition borgs. der Søn ße Grö der dten von in Südeuropa - auch in Stä

J a n J a cänodibgs e n , se lb st

Ich hoffe, Sønderborg hat 2030 die Bedingungen geschaffen, dass alle Kin der und Jugendliche gute Möglichkeiten haben, ihr en Sport zu betreiben, auc h wenn es nicht gerade Fußball oder Handball ist. Das kön durch große Multifunktio nte nshallen mit vielen Möglic hkeiten umgesetzt werden. Als Mutter von Kindern, die viel Leichtathletik betreiben , habe ich wirklich das Gefühl, dass dafür die richtigen Rahmenbedingungen feh len.

M a j- B r it t L a u r s en B ür oa ng es te llt e

Sønderborg ist wirklich sehr weit, wen n es um Theater und Musik geht. Aber ich würde mir wünschen, dass wir in Zukunft auch ein besseres Ange bot im Bereich der bildenden Kunst bekommen. Wir haben viele kleine Galerien und Ausstellungen, aber ich träume von einem großen Ort mit wechselnden Ausstellu ngen, die das breite Publikum ansprechen.

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end ren noch hier in der Geg Damit ich in zwanzig Jah Ich en. chs wa r seh Städte nicht zu wohnen will, sollen die nen ken h sic te Leu die , in dem wohne gern in einem Ort , es ist zulächeln. Aber ich glaube aße Str der auf h sic und wird an get en für die Jugendlich notwendig, dass etwas m, kau ube gla Ich . cht ebote ma dass man ihnen mehr Ang n. kan ten dass man sie sonst hal

K a ri n a L y t h je , So z ia la rb ei te ri n

rd B en dt se n , B er it R in gg aaan ke ns ch w es te r pe ns ion ier te Kr

e R a s m u s K id m os

Es ist wichtig, dass ion Sønderborg 2030 eine Reg en sam ein gem ist, die auf Werten aufgebaut ist, und aft in der alle zur Gemeinsch alle beitragen. Wir mt müssen uns ganz bestim für en off und n kel wic ent Dinge von außen sein s aber ohne unser eigene n. rfe we gzu we e erb tur Kul an Wir müssen zum Beispiel rn ate The n ine unseren kle n festhalten und die kleine Schulen erhalten, die helfen, Brauchtum und inen Gemeinschaft in den kle en. Gemeinden zu bewahr

Au sz ub ild en de r

P ie r n e t t e

Goba

Kr af tf ah r

2030 soll Sønderbo rg noch immer eine Stadt sein, in der sich Junge und Al te auch weiterhin sicher un d frei bewegen können. Darum ist es wichtig, dass wi r eine Menge für die Juge nd der Stadt tun, damit sie etwas haben, für das sie sich engagieren können . Gerade Jugendliche trage n zum Leben in der Stadt ja auf eine gute Art und Weise bei. Das sehen wir doch an all den Studenten, die we gen der Universität in der Stadt sind.


Ich träume davon, dass nicht nur Sønderborg ein schöner Ort zum Wohnen wird, sonder n auch die vielen kleine n Gemeinden auf Alsen und Sundeved. Sie sollten ganz selbstver ständlich in die Planungen einbez ogen werden, damit in den kleinen Dörfern nicht jegliches Leben und Geschäftsleb en zerstört wird. Sonst will doch nie mand mehr dort wohnen.

n,

Hoffnungen,

M on ic a C h ri s t ia n s en ,

Träume und

M on te ur in

Wünsche S ør en s en ,

rz eu gm ec ha ni ke

r

Hansen, A ll a n DQauha lli t ä t s m a n a g e r

L e it e n d e r

Ich könnte mir vorstellen , dass Sønderborg eine noch größere Stadt zum Studieren wird, mit noch mehr Studiengänge n, so dass wir Aarhus oder Kopenhagen Konkur renz machen können. Sonst glaube ich nicht, dass die Jugendlichen zu halten sind. Fast alle , mit denen ich die Handelsschule besuchte, sind in größere Städte gezogen, um zu studieren . Das ist schade.

mmen mit n, dass wir zusa vo da e m äu tr h Ic nta Sport des d eine Art La Sa ute aus der Norddeutschlan n n Ort, an de Le Ei n. de er w s Norden ihre Ferien zu mmen, um aktiv ko t e el W en nz ga t, der eine Reih er auch ein Or el pi is Be m verbringen, ab zu nts ausrichtet ch großer Sporteve haben dafür do ir W . be er ew tb n et W ne nhö lo sc th Tria it einer öglichkeiten m fantastische M rn. ser und Wälde Natur, mit Was

J es s ie K ræ m er , M ak le ra ss is te nt

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Hoffnungen Tr채ume und W체nsche


offnungen, und S

ønderborg ist eine Stadt mit reichen Traditionen und einer starken Gemeinschaft, und trotz ihrer etwas abseitigen Lage ist ihr Stolz unübersehbar. Aber die Bevölkerungszahlen sinken, die jungen Leute gehen weg. Wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen, müssen wir jetzt handeln und nicht erst in 15 Jahren.

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Im Zentrum an der Grenze

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6298 Einwohner. Diese Zahl macht Sønderborg lediglich zu Dänemarks siebzehntgrößter Gemeinde. Dennoch hat unsere Stadt den drittgrößten Anteil an Beschäftigten im kreativen Bereich – übertroffen werden wir nur von den größten Städten Kopenhagen und Aarhus. Gleichzeitig sind die Stadt und die umliegende Region voller Ansätze, Initiativen und Gruppen, die das Potenzial einlösen wollen, das in der Grenzregion zu finden ist. Die Stadt wird vom Willen und der Fähigkeit zu kreativem und innovativem Denken bestimmt. Die Lage in der Grenzregion ist im Verhältnis zur Hauptstadt inzwischen auch eine Lage an der Peripherie Dänemarks – ein Standort, der herabsetzend als „Randdänemark” bezeichnet wird und zur Folge hat, dass Innovationen nicht nur eine Möglichkeit, sondern schlicht eine Notwendigkeit sind. Diese Erkenntnis wird den Sønderborgern bereits mit der Muttermilch eingeflößt – und zwar seit vielen Generationen. Daher können sich die Stadt und die Region dieses besonderen Unternehmergeists rühmen, der kennzeichnend ist

für die Region: in der Wirtschaft ebenso wie in Kultur, Bildung und Forschung. Ein markantes Beispiel dafür ist die weltweite Tätigkeit der Firma Danfoss, die der Bauernsohn Mads Clausen 1933 gründete und die heute über 24.000 Mitarbeiter beschäftigt. Wie sehr Danfoss Vorreiter und Symbol für den unternehmerischen Geist der Region ist, beweisen unter anderem der wissenschaftliche Erlebnispark Danfoss Universe und der Mads Clausen Entrepreneur Park, der neue, innovative Unternehmen im Bereich Technologie und ‚clean tech’ unterstützt. Mit dem 2007 eingeweihten Alsion hat die Stadt ein Wahrzeichen bekommen, dass die Fusion zwischen Wissen, Kunst und Wirtschaft verkörpert. In dem Bau ist unter anderen eine Abteilung der Syddansk Universitet untergebracht, deren Studienschwerpunkt auf Grenzforschung und europäischen Studien liegt. Der Gebäudekomplex enthält einen Konzertsaal in Weltklassequalität und ist gleichzeitig Heimat des Sønderjyllands Symfoniorkester. Darüber hinaus ist das Mads Clausen-Institut hier eingezogen, ein Kraftzentrum der Forschung und Bildung im Bereich


or g rb de Sø n

verbraucherorientiertes Design, Software und mathematisches Modellieren. Schließlich hat auch das 2017-Sekretariat seine Räume im Alsion – Seite an Seite mit dem ‚Center for Kultur’ und ProjectZero, das daran arbeitet, Sønderborgs ehrgeiziges Ziel umzusetzen, bis 2029 Dänemarks erste CO2-neutrale Gemeinde zu sein. Mit ProjectZero haben wir bis zum Ziel noch achtzehn Jahre vor uns, doch bereits jetzt ist das Vorhaben auf einem sehr guten Weg. Viele Unternehmen der Region beteiligen sich an diesem Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde und Syddansk Universitet – denn das Ziel soll gleichermaßen durch technologische Entwicklung wie durch gesunden Menschenverstand, veränderte Haltungen und Ansichten und eine umweltfreundliche Stadtund Wirtschaftsentwicklung erreicht werden. Der Einsatz für das ProjectZero und die CO2Neutralität hat sowohl eine ökonomische wie eine gesellschaftliche und kulturelle Perspektive. Es geht darum, eine neue Ökonomie zu entwickeln und Arbeitsplätze, Wissen und Wachstum zu schaffen. Und es geht darum, eine nachhaltige Gesellschaftsstruktur und ein nachhaltiges Verhalten zu sichern.

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Im Alsion arbeitet die Clusterinitiative ‚Lean Energy Cluster’ daran, grenzüberschreitend in Kooperation mit Unternehmen, Forschungsinstitutionen und öffentlichen Stellen neue energieeffiziente Technologien und Lösungen zu entwickeln. Die Initiative soll noch bessere Voraussetzungen dafür schaffen, dass Unternehmen im gesamten Energiebereich Innovationen und die ökonomische Entwicklung vorantreiben und neue Märkte und Arbeitsplätze erschließen können. In Zusammenarbeit mit dem kanadischamerikanischen Stararchitekten Frank Gehry wird die historische Hafenfront der Stadt zu einem nachhaltigen Areal umgestaltet, das geprägt ist von einzigartiger Architektur, hoher Qualität und Aktivität – ein Zentrum für Kunst, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit und Wirtschaft. Das Gelände soll zu einem Magneten für Einwohner, für Neubürger und Gäste der Stadt werden – ein Ort, den man gern besucht, um ihn zu erleben. Gehrys Masterplan wurde 2008 vorgelegt, der Umbau des Hafengebiets wird sich über einige Jahre erstrecken. Für die Gebäude und Außenanlagen, die zusammen eine Fläche von 50.000 Quadratmetern ausmachen, gibt es verschiedene Architekten und Bauherren.

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Alsion, Zentrum f端r Kultur und Bildung (2007)

Alssundbr端cke (1981)

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Militärakademie, vormals Marinestützpunkt (1908) erbaut durch Kaiser Wilhelm. In der Folgezeit verdoppelte sich die Bevölkerungszahl Sønderborgs.

Sønderborg Krankenhaus, eröffnet in den frühen 1970er Jahren

Fotomontage: Patricio Soto


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Mit dem Musikfest folkBaltica findet in der Region eine der wichtigsten Veranstaltungen im Bereich interkultureller Zusammenarbeit statt. Auf dem Festival mit den Standorten Flensburg und Sønderborg begegnen skandinavische und baltische Musikkultur einander in einem gemeinsamen, kreativen Raum, wobei gleichzeitig Verbindungen zu den neuen EU-Staaten im Osten etabliert werden.

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Das große Streetmekka-Event ist ein weiteres Beispiel für die Fähigkeit der Region, kulturelle Grenzen zu überschreiten. In Sønderborg und mehreren anderen Städten auf der dänischen und Flensburg und Harrislee auf der deutschen Seite der Grenze treffen sich Skater, Inliner und BMXFahrer zu einem aufwändigen Wettbewerb, um den Trick- und Stunt-König von SønderjyllandSchleswig zu ermitteln. Die Skater-Kultur ist ein Ausdruck des Aufbruchsgeists und gleichzeitig ein Beispiel für grenzüberschreitende Möglichkeiten – seien es physische, mentale oder ethnische. Für die Städte ist es attraktiv, sich in diesem Bereich zu engagieren, und durch die Aufgeschlossenheit der Region für die Street-Kultur und sportlichen Aktivitäten innerhalb des städtischen Raums, ergeben sich Synergien positiver Aspekte. Das Projekt KulturDialog sichert die Unterstützung für Kultur, Sprache, Kinder, Jugendliche und Freizeit durch finanzielle Mittel

des dänisch-deutschen Netzwerks. Die Initiative ist ein Beispiel für ein Kulturangebot, das von der Bevölkerung mit Begeisterung angenommen wird und politisch große Unterstützung erhält. Durch die grenzüberschreitende Kooperation der Krankenhäuser und die Erarbeitung eines gemeinsamen Notfallplans ziehen dänische und deutsche Krankenhäuser erheblichen Nutzen aus der Grenze zum Nachbarland. Wird ein Däne krank, kann er in einem deutschen Krankenhaus behandelt oder operiert werden, sofern es sich um eine akute Situation handelt oder ein Spezialist notwendig ist. Auch können Krankenwagen von der deutschen Seite der Grenze Patienten aus Dänemark abholen. Deutsche profitieren im umgekehrten Fall gleichermaßen von dieser Regelung. Der Rettungshubschrauber in Niebüll ist in diese Kooperation einbezogen: So wurde seit Inkrafttreten der Vereinbarung im Jahr 2005 der Hubschrauber 5.000-mal eingesetzt, davon jedes zehnte Mal auf der dänischen Seite der Grenze. Mit Professor Doktor ABC hat die Region eine preisgekrönte Initiative auf den Weg gebracht (EU-Sprachpreis 2009), die bei Kindern und Eltern die Motivation erhöht, die Nachbarsprache zu erlernen. Deutsch hat den unverdienten Ruf, eine langweilige Sprache zu sein, während Dänisch allgemein als sehr schwer erlernbar gilt. Doch diese Ansichten korrigiert der Professor, indem er die


Neugierde seiner Schüler weckt – nicht nur, was die Sprache, sondern auch, was die Kultur betrifft. Eine Grenzregion ist per Definition eine Minderheitenregion, und an wenigen Orten in Europa arbeitet man so aktiv und gezielt daran, das Potenzial zu erschließen, das in einer Region wie dieser verborgen liegt. Viele Vorhaben stehen natürlich unter einem dänischdeutschen Vorzeichen, doch mit der Universität und einer Initiative wie dem ‚Nytnetværk Sønderborg’, einer Art Beratungsstelle für hochqualifizierte Zuwanderer, öffnet sich Sønderborg auch für internationale Zusammenhänge. Die Initiative ‚Nytnetværk’ hat 2010 den nationalen Integrationspreis gewonnen, der von Kronprinzessin Mary überreicht wurde. Die Stadt hat zum Ziel, die Internationalisierung zu einem fruchtbaren und inspirierenden Prozess werden zu lassen, in dem die Bürger voneinander lernen und die Chance einer Zusammenarbeit mit Menschen anderer Nationalitäten erkennen. Wie es heute aussieht, ist Sønderborg ausgesprochen attraktiv für ausländische Studierende und ausländische Arbeitskräfte. Trotz ihrer begrenzten Größe ist die Stadt zur Heimat von mehr als 120 Nationalitäten geworden, von denen beinahe die Hälfte an der Universität vertreten ist.

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Auf den ersten Blick also scheint es, als wäre in Sønderborg und der umliegenden Region alles so, wie es sein soll. Doch obwohl die Grundstruktur sinnvoll ist – auf wirtschaftlichem Gebiet, dem Bildungssektor und kulturell – stehen wir einer Reihe von akuten Herausforderungen gegenüber, denen wir uns stellen müssen und wollen. Ein ernstes Problem ist die Einwohnerzahl, die in den vergangenen 30 Jahren lediglich um 5% gestiegen ist. In Aarhus beispielsweise liegt die Steigungsrate bei 27%. Die Zahlen entsprechen 1.300 neuen Sønderborger Bürgern in drei Jahrzehnten gegenüber 67.000 neuen Einwohnern in Aarhus. Setzt sich diese Entwicklung fort, wird Sønderborgs Anteil an Einwohnern zwischen 0 und 65 Jahren in den nächsten beiden Jahrzehnten um 10% fallen. Dies bedeutet einen wesentlich größeren Rückgang als im Landesdurchschnitt, während der Anteil der Einwohner über 65 Jahre um 32% steigen wird. Das Bildungsniveau ist niedriger als im Landesdurchschnitt, ebenso liegen die Einkommen 7% unter dem Landesdurchschnitt. Von zehn Jugendlichen, die ein weiterführendes Studium absolvieren, bleibt lediglich einer in der Region. Und von zehn Studenten, die in einer Stadt außerhalb Nordschleswigs studieren,

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kehren nur zwei hierher zurück. Es fällt den Unternehmen schwer, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Im Moment fehlt es an Ingenieuren mit speziellen Kompetenzen, und laut den Prognosen wird dieses Problem sich in den kommenden Jahren noch erheblich verschärfen. 2020 wird es einen Fehlbedarf von bis zu 500 Ingenieuren geben. Sollte dieses Problem nicht gelöst werden, könnten die Unternehmen gezwungen sein, ihre Produktionsstätten in die Nähe der Großstädte zu verlagern.

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Wenn dies geschieht, wird die Bevölkerung folgen, und damit würde Sønderborg noch mehr in eine Randposition geraten. Die Prognosen zeigen, dass die Abwanderung in die Großstädte in den kommenden Jahrzehnten explosionsartig zunehmen wird. Laut einer Hochrechnung von Danmark Statistik werden im Jahr 2040 85% des gesamten dänischen Bevölkerungszuwachses in die Regionen um Kopenhagen und Aarhus ziehen. Sønderborg und Sønderjylland-Schleswig haben gemeinsam die große Herausforderung erkannt, dass die gesamte Region außerhalb der eigentlichen Wachstumszonen in Dänemark und Deutschland liegt. Und die Region muss alles unternehmen, um sich auf die Bedingungen der Globalisierung einzustellen, damit die zahlreichen

Arbeitsplätze innerhalb der Industrie und der Produktion zu Arbeitsplätzen in den Bereichen Dienstleistung, Wissen und Kultur umgestaltet werden können. Als eine Stadt von relativ bescheidener Größe müssen wir weiter an dem existierenden Fundament der Stadt bauen, indem wir die Bürger einbeziehen. Großstädte haben sehr viele Ressourcen, aus denen sie schöpfen können – ökonomische, kulturelle, infrastrukturelle und bildungsmäßige – die Sønderborg aus gutem Grund nicht vorweisen kann. Daher ist die Mobilisierung der Bürger essentiell. Die Bürger müssen dem Wachstum und Wohlergehen von Stadt und Region auf die Beine helfen. Ihr Engagement und ihre Ressourcen müssen gesammelt, ihnen muss Raum zur Entfaltung gegeben werden, damit alle erleben, dass dieses Projekt in der Gemeinschaft verwurzelt ist. Wenn die Gemeinschaft erkannt wird – auch über die Grenze hinweg –, sind die vereinten Ressourcen weit größer. Hier findet sich die Grundlage, um eine nachhaltige Entwicklung anzustoßen. Allerdings ist die Grenzregion – durch die dänischdeutsche Brille betrachtet – noch immer ein gutes Stück von Versöhnung entfernt. Noch immer sind die Wunden der von Kriegen geprägten


Vergangenheit nicht vollkommen verheilt. Noch immer fehlt der Grenzregion der multinationale Wille, die kreativen und kulturellen Potenziale einzulösen. An Träumen, wie Sønderborg in 20 bis 30 Jahren aussehen kann, fehlt es nicht. Auch nicht an Ehrgeiz. Es sind Träume und ambitionierte Pläne von übergreifender Kreativität quer durch die Nationalitäten und Kulturen: Ein Zentrum für innovative Technologien der Zukunft und bahnbrechende Forschung. Ein CO2-neutrales Leben mit mehr Gesundheit und einem geschützten Naturreichtum. Eine Stadt und eine Region, in der kluge Köpfe und engagierte Menschen gern leben, in die sie gern ziehen, an deren Gedeihen sie sich beteiligen. Das Ziel ist eine Kultur, die Brücken über physische und mentale Grenzen schlägt.


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Stadt und Region in Zahlen Die gröSSten Städte der Region In Dänemark (Gemeinden): Odense: 190.103 Esbjerg: 114.184 Vejle: 107.618 Kolding: 89.273 Sønderborg: 76.298 Aabenraa: 59.795 Svendborg: 58.714 Haderslev: 56.116 Fredericia: 50.193 Vejen: 42.801 Tønder: 39.430 (Hauptsitz von LEGO, Legoland und Flughafen Billund, der zweitgrößte des Landes) Billund:

26.271

In Deutschland (Städte): Kiel: 239.526 Lübeck: 210.232 Flensburg: 88.759 Neumünster: 76.830 Rendsburg: 28.393 Schleswig: 24.058 Eckernförde: 22.614 Husum: 22.084


Sønderborg Gegründet: 1256 Fläche der Gemeinde: 496,57 km2

Einwohner in der Region

Einwohner der Gemeinde: 76.298 Region Süddänemark: 1.200.227 Land Schleswig-Holstein: 2.834.259

Ansiedlungsstruktur Die Abwanderung aus der Gemeinde Sønderborg vollzieht sich insbesondere in die Nachbarstadt Aabenraa und die

Die fünf gröSSten Städte Dänemarks nach Einwohnerzahl

Universitätsstädte Aarhus, Odense und Kopenhagen sowie in das Gebiet zwischen Vejle Fjord, Kolding Fjord und dem Kleinen Belt. Der einzig spürbare Zuzug kommt aus den nahegelegenen Orten Tønder und Aabenraa. Gut jeder neunte Beschäftigte in Sønderborg arbeitet außerhalb der Gemeindegrenzen, mehr als jeder achte

København: 1.199.234

Arbeitsplatz in Sønderborg wird von einer Person besetzt,

Aarhus: 249.709

die außerhalb der Gemeindegrenzen wohnt.

Odense: 167.615 Aalborg: 103.545

Die Stadt Sønderborg hat die durchschnittlich höchsten

Esbjerg: 71.576

Immobilienpreise in Nordschleswig. Von 2006 bis 2010 ist der Preisanstieg für Häuser geringer gewesen als durchschnittlich in der gesamten Region. Landesweit ist die Tendenz der Immobilienpreise allerdings sinkend. Die jungen Altersgruppen sind in der Gemeinde unterrepräsentiert, in der Gruppe von 0 bis 65 gehören die wenigsten zu den Fünfundzwanzig- bis Neunundzwanzigjährigen.

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Gesundheit Das durchschnittliche Lebensalter für Männer und Frauen in der Gemeinde Sønderborg ist mit 78,9 Jahren das höchste in der gesamten Region und gehört zu den fünfzehn höchsten durchschnittlichen Lebenszeiten landesweit. Der Durchschnitt in Dänemark insgesamt liegt bei 77,4 Jahren. Die Ausgaben für Gesundheitsförderung und Vorsorge in der Gemeinde Sønderborg liegen bei 77 dänischen Kronen pro Einwohner im Jahr und damit weit unter dem

Wirtschaft

Landesdurchschnitt von 167 Kronen pro Einwohner. In Sønderborg gibt es 40.000 Arbeitsplätze, davon 27.000 in der Privatwirtschaft. 54 Über die Hälfte der Beschäftigten in der Gemeinde Sønderborg arbeiten in großen Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern. Die Unternehmen der Gemeinde sind spezialisiert auf die Erwerbszweige ‘Energie und Umwelt’ und in gewissem Maß ‘Bau und Wohnungen’.

Bildung Die Menschen, die nach der Volksschule aus der Gemeinde fortziehen, haben später eine signifikant höhere Ausbildung als diejenigen, die in der Gemeinde wohnen bleiben. Nahezu jeder siebte Schüler, der 2008 eine Volksschule in der Gemeinde Sønderborg verließ, wird keine qualifizierende Ausbildung absolvieren. Sønderborg ist die Gemeinde in der Region, die den höchsten Anteil an Hochqualifizierten innerhalb des privaten Sektors hat.


BEVÖLKERUNGSHOCHRECHNUNG 2010-2030 106

104

Sønderborg

Syddanmark

Dänemark

102

100

2010 = Indeks 100 98

96 2010

2015

2020

2025

2030

Die Grafik zeigt die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung von 2010-2030 in der Gemeinde Sønderborg, in der Region Süddänemark und im gesamten Land. Quelle: Danmarks Statistik

Die Bevölkerungsentwicklung 2010-2030 – nach Altersgruppen

0-24 år

25-64 år

65+

Sønderborg

-10%

-11%

32%

Syddanmark

-4%

-7%

46%

0%

-3%

46%

Dänemark

Die Tabelle zeigt die zu erwartenden Änderungen in Prozent von 2010-2030 für drei Altersgruppen. Quelle: Danmarks Statistik

Ausbildungsniveau 2009 Volksschulabschluss

Gymnasiale Oberstufe

Berufsausbildung

Kurze akad. Ausbildung

Mittlere akad. Ausbildung

Lange akad. Ausbildung

Gesamt in Prozent

Sønderborg

24,3

4,3

42,2

7,0

16,9

5,3

100

Syddanmark

25,6

4,7

41,4

6,5

16,8

4,9

100

Dänemark

23,3

6,3

38,3

6,2

17,4

8,4

100

Die Tabelle zeigt den Anteil (in Prozent) der Altersgruppe der 25-64jährigen mit der jeweils höchsten abgeschlossenen Ausbildung. Die Ausbildungsstufen sind jeweils: Volksschulabschluss, Gymnasiale Oberstufe, Berufsausbildung, Kurze akademische Ausbildung, Mittlere akademische Ausbildung, Lange akademische Ausbildung Quelle: Danmarks Statistik 2 /


F

ür mich als Außenstehenden gibt es drei verschiedene Arten von Nordschleswigern. Es gibt WestNordschleswiger, OstNordschleswiger und Alsener. Ich wohne unter OstNordschleswigern und bilde mir ein, sie zu kennen. Im Folgenden möchte ich versuchen, sie zu charakterisieren. Als wir hierher zogen, verblüffte uns als Erstes, dass jegliches Interesse fehlte zu erfahren, woher und warum wir gekommen sind. Niemand erkundigte sich nach unserem bisherigen Leben. Und versuchten wir selbst, das Gespräch auf dieses Thema zu bringen, schweiften die Blicke in die Ferne und die Unterhaltung blieb kurz. Wenn es hingegen um die Nordschleswiger selbst ging, leuchteten die Gesichter auf und es entwickelte sich während der meist langen Gespräche eine intensive Nähe.

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Großes Selbstbewusstsein? Bestimmt, aber auch eine große Herzlichkeit, Heiterkeit und Offenheit. Viele östliche Nordschleswiger haben ein ganz eigenes Format. Sie sind innovativ und häufig auch visionär. Hier gibt es viel Platz bis zur Decke, wie es so schön heißt. Auf Neurotiker trifft man eher selten. Dazu ist das Selbstbewusstsein viel zu ausgeprägt. Ich genieße das große Privileg, in vielen unterschiedlichen Landstrichen des Königreiches Dänemark als Vortragender eingeladen zu werden. Es liegt eine Welt - um nicht zu sagen ein Universum - dazwischen, ob ich einen Vortrag in Westjütland oder in Nordschleswig halte. In Westjütland kann es passieren, dass man vor siebzig versteinerten Gesichtern steht und nur eine oder höchstens zwei vorsichtige Fragen gestellt werden - trotzdem bekommt man am Ausgang einen herzlichen Händedruck und ein Dankeschön für den schönen Abend. In Nordschleswig trifft man auf lebhafte, heitere und erwartungsvolle Gesichter. Die obligatorische Kaffeetafel ist munter, beinahe schon an der Grenze zum Ausgelassenen. Niemand kann sich so wie ein Nordschleswiger über seine Kaffeetasse beugen. Und nach dem Vortrag passiert es nicht selten, dass ein stattlicher Bauer sich erhebt und mit einem gewissen Unterton eine Frage stellt, der man ganz genau anhört, dass nicht er, sondern ich ein Problem habe, wenn ich ihm keine verständliche Antwort gebe. In den Jahren 1864 bis 1920 verzögerten sich viele Entwicklungen in Nordschleswig. Die von Grundtvig und der Inneren Mission initiierten religiösen Bewegungen, die 1864 landesweit großen Zulauf erhielten, konnten sich in Nordschleswig nicht durchsetzen, da die Bevölkerung sich eher mit der Frage der nationalen Zugehörigkeit beschäftigte. Daher sind die nordschleswigschen Anhänger der Inneren Mission und die Grundtvigianer von ganz anderem Schlag als ihre Glaubensgenossen nördlich des Flusses Kongeå. Und ebenso verlangsamte sich ab 1864 die Abwanderung von umtriebigen und innovativen Kräften. Sie blieben in der Region, waren tätig und schaffen heute - mit einem beinahe unerträglichen Selbstbewusstsein - das moderne Nordschleswig. Unerträgliches Selbstbewusstsein? Ja, allerdings wird diese Unerträglichkeit ein wenig erträglicher, wenn diese innovativen, visionären und selbstbewussten Menschen ihren Pastor zur Jagd einladen! Pastor Dr. theol. Anders Kingo


Niemand kann sich so 端ber eine Kaffeetasse beugen


“Ich wurde quasi mit einem Pferd unter dem Hintern geboren” Rikke Nicolaisen, Ringreiterin

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R

ikke Nicolaisen war ungefähr ein Jahr alt, als sie zum ersten Mal auf einem Pferd saß. Als Vier-, Fünfjährige begann sie selbst zu

reiten.

- Eigentlich wurde Ich wurde quasi mit einem Pferd unter dem Hintern geboren, meint die einundzwanzigjährige Reiterin. So ist das einfach, wenn Mutter, Vater und Großvater Ringreiter sind. Jeden Sommer fuhr die Familie an jedem Wochenende zu einem der Ringreit-Turniere, die von Ende Mai bis Anfang September in den Orten der Region abgehalten werden.

Jetzt absolviert Rikke eine Lehre als Arzthelferin und ist mit ihrem Freund in das Dorf Kværs gezogen, da bleibt für jedes Wochenende Ringreiten keine Zeit. Doch an drei, vier Turnieren hat Rikke auch 2011 teilgenommen und es jedesmal beinahe ins Finale geschafft. - Es macht Spaß, sich mit den anderen Reitern zu unterhalten. Ich habe Freundinnen, die ich seit Ewigkeiten vom Ringreiten her kenne. Wir halten Kontakt und verabreden uns zu bestimmten Turnieren, erzählt Rikke. Ihr Vater und ihr Großvater, Hans und Per Nicolaisen, gehören im Sommer zu den beständigsten Reitern. Der Vater gewann im August die Alsensund-Meisterschaft, an der die sogenannten „Könige“ aus 18 RingreitTurnieren in Nordschleswig gegeneinander antraten. Er hatte in dieser Saison fünf Königstitel gewonnen: in Holbøl, Kliplev, Tinglev, Guderup und Tandslet. Bei der Meisterschaft schlug er einen anderen großen Ringreiterkönig der Gegend: Hary Clausen aus Nordalsen. Auch die Familie Clausen kann man als Ringreiter-Dynastie bezeichnen, in der Mutter, Tochter und die Söhne bekannte Namen unter den Galgen sind, wie die über der Bahn gespannten Befestigungen genannt werden, an denen die aufzuspießenden Ringe angebracht sind. Zum Ringreiterfest in Sønderborg, das sich vier Tage lang um das ersten Wochenende im Juli erstreckt, kommen bis zu 500 Reiter, die Freitag und Sonntag einen von Marschmusik begleiteten


Umzug durch die Stadt veranstalten und sich hinterher an den 22 Galgen messen - im Finale gilt es, mit der Lanze einen Ring zu treffen, dessen Loch kleiner und kleiner wird und schließlich nur noch einen Durchmesser von fünf Millimetern aufweist. Auf dem Ringreitergelände stehen Festzelte, es gibt einen Rummelplatz, und im Lauf der vier Tage kommen ungefähr 40.000 Gäste. In Sønderborg wurde der derzeitige Ringreiterverein 1888 gegründet, er richtet das größte und älteste Turnier der neueren Zeit aus. Der Sport kann seine Wurzeln bis auf die tödlichen Ritterturniere des Mittelalters zurückführen, kultiviert wurde er durch die Königs- und Fürstenhäuser im 16. Jahrhundert. Volkssport ist er erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Herzog Christian August von Augustenborg feierte 1845 seine Silberhochzeit mit einem RingreitTurnier, an dem ungefähr 450 Reiter aus ganz Alsen teilnahmen. Ringreiten, wie wir es heute kennen, ist eine Besonderheit Nordschleswigs, die besonders in den Regionen Sønderborg und Aabenraa verbreitet ist. Aber auch an die fürstliche Form des Ringreitens wird noch immer erinnert. Am Schloss Sønderborg wurde eine historische Ringreitbahn angelegt, auf der während der Sommermonate jeden Donnerstag eine Gratisvorstellung in historischem Ringreiten stattfindet. Unter den Schaureitern ist auch Rikke zu bewundern - zusammen mit ihrem Vater und Großvater. 2 /


“…wir leben in einem Randgebiet - daher sind wir gezwungen, mehr zu tun als andere” A.P. Hansen, ehemaliger Bürgermeister, Vorsitzender des‚ Sønderborg Kommunes Kunstfond’ und Ideenvater für das Wissens-, Forschungs- und Kulturzentrum Alsion, die künstlerische Gestaltung des Alsion durch Olafur Eliasson und den Skulpturenpark Augustiana.

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A

rne Peder Hansen ist weit über Sønderborg und Nordschleswig hinaus bekannt als A.P. Hansen - und als ein visionärer Bürgermeister, der seit 2000 knapp zehn Jahre langviele Dinge anstieß und ins Werk setzte. Der gebürtige Seeländer zog als junger Mann nach Sønderborg, wurde Ingenieur und gründete eine eigene Fabrik, die landwirtschaftliche Maschinen herstellt. A.P. Hansen liebt Nordschleswig und Südschleswig im Allgemeinen und Sønderborg im Besonderen. Aufgewachsen ist er in einer Atmosphäre der Toleranz - aber er ist auch ein Provokateur, der gern wider die Konventionen geht. So wurde er in den ersten Jahren seiner Amtszeit mit der Forderung nach mehr Ausländern in Sønderborg bekannt, obwohl Sønderborg bereits die internationalste Stadt Jütlands war - im Verhältnis zur Größe der Stadt lebten hier bereits die meisten Ausländer.

A.P. Hansen ist der Mann hinter dem großen Zentrum für Ausbildung, Forschung und Kultur der Stadt - dem Alsion. Ein 700 Millionen KronenProjekt (95 Mio. Euro).

- ich bin in einem sehr liberalen und freigeistigen Heim aufgewachsen. Bei uns lebten zwei finnische Flüchtlingskinder, eines davon haben meine Eltern adoptiert. Vor dem Krieg wohnten Juden auf der Flucht aus Deutschland bei uns, sie wurden nach Schweden gebracht. Und nach dem Krieg beschäftigten meine Eltern deutsche Landwirtschaftsschüler. Das war Anfang der fünfziger Jahre, aber sie hatten bereits damals das Format zu sagen: Der Krieg ist vorbei. Wir müssen nach vorn schauen.

- Es existiert hier in der Region ein ganz unglaublicher Wille, die Dinge in Gang zu bringen. Und so muss es auch sein, wir liegen in einem Randgebiet - daher sind wir gezwungen, mehr zu tun als andere. Rückschläge härten da nur ab und erwecken die Seele zum Leben. Ein Leben ohne Kunst und Kultur kann sich A.P. Hansen nicht vorstellen.

- Wir wollten die Gemeinde entwickeln. Die Stadt trat doch auf der Stelle. Sogar die Kais rutschten schon fast in den Hafen. Aber statt sie zu sanieren, baute man eine Absperrung, damit die Autos nicht in den Sund fielen. A.P. Hansen lobt den Stadtrat für seine Geschlossenheit, wenn es darum geht, wirklich große Beschlüsse zu verabschieden wie das Alsion, das Gehry-Projekt am Hafen oder die Vision ProjectZero, nach der Sønderborg spätestens 2029 die erste CO2-neutrale Wachstumszone Europas sein wird.

- Das ist absolut notwendig, es ist ein menschliches Bedürfnis. Die Menschen wollen doch Brot und Spiele, hieß das nicht so bei den alten Römern?


“Wir geben unsere Erfolgsgeschichten weiter” Bo Jensen, Lehrer an der Nydamskole

D

ie Gemeinde Sønderborg und die örtlichen Unternehmen haben den gemeinsamen Wunsch, das Interesse an Klima, Innovation und Nachhaltigkeit vom Kindergarten bis zum Hochschulabschluss zu wecken und zu stärken. Das Netzwerk „House of Science“ ist das Resultat dieses Traums: Hier treffen sich Lehrer, Vermittler und Wissenschaftler zur Weiterbildung und zum Ideenaustausch innerhalb ihrer naturwissenschaftlichen Fachbereiche. Bo Jensen ist Physik- und Chemielehrer in einer Volksschule und Teil des Netzwerks. - Wenn ich von den Fächern, die ich unterrichte, begeistert bin, dann besteht die große Chance, dass ich meine Schüler ebenfalls dafür begeistern kann. Und deshalb unterrichte ich - damit auch meine Schüler der Meinung sind, das ist interessant. Ziel von „House of Science“ ist es unter anderem, relevante und inspirierende Unterrichtsverläufe und Unterrichtsmethoden zu entwickeln, die die Kreativität fördern und Kinder und Jugendliche qualifizieren, sich aktiv an einer globalisierten Welt zu beteiligen. - Für mich bedeutet das Netzwerk vor allem, dass ich eine größere Plattform für den Austausch mit anderen naturwissenschaftlichen Lehrern aus der Region habe. Man kommt ins Gespräch mit Kollegen, die manche Dinge ganz anders angehen, und auf diese Weise inspirieren wir uns gegenseitig. Wir geben unsere Erfolgsgeschichten weiter und

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bekommen neue Impulse von außen. Und das bedeutet auch, dass ich mich als Lehrer entwickle. - Im Augenblick liegt der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung von Ideen, die wir eingebracht haben, und in der Weitervermittlung des Wissens, das wir durch „House of Science“ bekommen. Die Vermittlung ist wirklich wichtig, und unser Ziel als Netzwerk ist es, alle naturwissenschaftlichen Vermittler der Region zu erreichen. Als physischen Ort gibt es „House of Science“ nicht - es ist kein Gebäude, sondern ein selbstständiger Fonds. Die drei Partner hinter der Initiative sind die Gemeinde Sønderborg, der naturwissenschaftliche Erlebnispark Danfoss Universe und Sønderborgs Wirtschaftsinitiative ProjektZero.


“Trusted by Danfoss”. Das ist ein Stempel, der weltweit Vertrauen erweckt. Und das brauchen die fünfundzwanzig großen und kleinen Firmen, die dem Mads Clausen Entrepreneur Park am Hauptsitz von Danfoss im Norden der Insel Alsen angeschlossen sind oder dort produzieren. Diese Unternehmen kombinieren in der Regel Mechanik, Elektronik und Software - es sind sogenannte Mechatronik-Firmen.

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Hilfreich ist der Name Danfoss auch, wenn es darum geht, hochqualifizierte Fachkräfte anzuziehen, berichtet Hans-Erik Kiil, Entwicklungsleiter in einem der Unternehmen des Entrepreneur Parks, Danfoss PolyPower. Die Firma beschäftigt sieben, acht Entwicklungsingenieure und zusammen mit Produktion, Verkauf und Marketing insgesamt circa fünfzehn Angestellte. PolyPower entwickelt eine Art künstlichen Muskel aus Gummi. Es ist ein elastisches Material mit Metall an beiden Seiten, das sich unter elektrischer Spannung bewegt. In der jüngsten Zeit sind vor allem die Möglichkeiten des Produkts als Energiegenerator von Interesse. - Daran haben wir überhaupt nicht gedacht, als wir anfingen. Aber jetzt ist der Fokus ja sehr stark auf erneuerbare Energie gerichtet, sagt Hans-Erik Kiil. Angefangen hat es vor knapp zehn Jahren. Der Wissenschaftler Muhamed Benslimane wurde Mitarbeiter von Danfoss, er richtete sich im Keller des Entrepreneur Parks einen Arbeitsplatz ein und arbeitete an der Entwicklung einer neuen Technologie. Ungefähr alle zwei Wochen kam Mads Clausen zu ihm in den Keller und erkundigte sich nach den Fortschritten. Und eines Tages kam Muhamed aus seinem Keller herauf und erklärte: Es funktioniert! Das war 2006, und seither ist PolyPower ein eigenes Unternehmen

Hans-Erik Kiil, Entwicklungsleiter, Danfoss PolyPower A/S, Mads Clausen Entrepreneur Park

- ein Joint Venture mit finanziellen Verbindungen zu Danfoss. - Damals stellte sich sofort die Frage: Können wir mit einer Massenproduktion beginnen? Sonst ist das nicht interessant. Es waren die interessantesten Jahre meiner Karriere, als ich an der Lösung dieser Frage arbeitete, berichtet Hans-Erik Kiil. Seit mehr als 30 Jahren ist er Mitarbeiter in Danfoss-Betrieben, und das ist durchaus nichts Ungewöhnliches: Im Laufe der Zeit hat das Unternehmen mehr als 6.000 fünfundzwanzigjährige Jubiläen erlebt. - Hier herrscht ein gutes Arbeitsklima. Man ist angehalten, den Arbeitsplatz zu wechseln und andere Funktionen zu übernehmen - die Unternehmenskultur besteht auch in dem Versuch, etwas zu lernen. Und es ist okay, wenn wir dabei Fehler machen, auch dadurch lernen wir. Außer dem Trusted-Siegel können die Firmen das Knowhow von Danfoss in Anspruch nehmen und genießen noch andere Vorteile, unter anderem im Einkaufsbereich. Als der Unternehmenspark 2005 eröffnet wurde, hatte sich die gesamte Familie Clausen versammelt, denn für sie ist es eine Herzensangelegenheit, Neues zu schaffen. Und so heißt es auch in einem der fünf Paragraphen, in denen die Ziele des Danfoss Fond festgelegt sind: “An der regionalen Entwicklung Nordschleswigs teilnehmen.” Im Norden von Alsen, wo es einmal mehr als 5.000 Arbeitsplätze bei Danfoss gab, sind heute cirka 2.000 Menschen beschäftigt sowie rund 1.000 weitere Angestellte bei Sauer- Danfoss. Und es entstehen neue Arbeitsplätze. Gerade erst hat Danfoss eine neue Fabrik mit 100 Mitarbeitern zur Produktion von Invertern zur Umwandlung von Sonnenenergie in Strom in Betrieb genommen.


“Die Kultur befehlt, Neues auszuprobieren”


“Ich möchte fast sagen, es handelt sich um ein europäisches Projekt, das zeigt, wie wir uns durch die Kunst gegenseitig bereichern können, statt uns zu bekriegen” Rick Towle, Künstler

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Anfang der siebziger Jahre packte Rick Towle in Boston/USA seinen Rucksack und begab sich auf eine Art Bildungsreise nach Europa. Die Reise führte ihn von Museum zu Museum, und als sein bester Freund nach Massachusetts zurückfuhr, hielt Towle den Daumen raus und fuhr per Anhalter nach Kopenhagen. Er war bereits damals, als junger Mann von Anfang zwanzig, fasziniert von den Malern des Goldenen Zeitalters und der Cobra-Bewegung mit Asger Jorn an der Spitze. In Kopenhagen begegnete Towle seiner zukünftigen Frau, 1994 zogen sie gemeinsam nach Sønderborg. - Ich habe fast 20 Jahre in Kopenhagen gelebt, und meine Freunde dort verstanden nicht, was ich in Nordschleswig wollte. ‘The asshole of Denmark’ nannten sie es. Ich musste mich neu orientieren und bekam Kontakt zu einer Reihe deutscher Künstler - und inzwischen bin ich Teil eines großen internationalen Netzwerks, das ich in Kopenhagen nie hätte aufbauen können. Ich war ganz einfach gezwungen, es mir zu erarbeiten, erzählt Rick Towle. Er wurde am Bowdoin College in den USA ausgebildet und arbeitet seither als Künstler und Lehrer. Durch seine Arbeit ist ihm klar geworden,

dass es bis in die neunziger Jahre auf beiden Seiten der dänisch-deutschen Grenze noch eine Menge Vorurteile gab. - Ich möchte sagen, vor allem auf der dänischen Seite. Gerade bei den jungen Menschen gab es sehr viele Vorurteile, die natürlich mit der Geschichte zusammenhängen. Aber es hat mich doch einigermaßen überrascht. Ja, eigentlich hat es mich erschüttert, deshalb habe ich ein grenzüberschreitendes Kunstprojekt für Kinder in die Wege geleitet. Seit 2006 hat er in Kooperation mit deutschen Künstlern und öffentlichen Institutionen auf beiden Seiten der Grenze viele Kunstprojekte geleitet, bei denen Kinder beider Kulturen und Sprachen zusammenarbeiten. - Es war für mich ein großes Erlebnis, als ich sah, wie Kinder durch die Kunst kommunizieren und zusammenarbeiten und ein gegenseitiges Verständnis geschaffen wird. Ich möchte fast sagen, es handelt sich um ein europäisches Projekt, das zeigt, wie wir uns durch die Kunst gegenseitig bereichern können, statt uns zu bekriegen. Es hat sehr viel Inspiration gegeben, es haben sich Freundschaften gebildet, und, ja, durch das Projekt hat sich sogar ein Paar gefunden, sagt Rick Towle. Es ist geplant, dass Kinderkunstprojekt bis 2017 durch andere Kunstformen wie Musik, Theater und Tanz zu einem Kinderkulturfestival zu erweitern.


“Wir alle können die Folgen der globalen Erwärmung sehen, und dagegen muss etwas getan werden” Bent Jensen, Direktor und Inhaber der Firma Linak

- Wir alle können die Folgen der globalen Erwärmung sehen, und dagegen muss etwas getan werden. Wir als großes Unternehmen wollen gern vorangehen und zeigen, wie gehandelt werden kann. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, sagt Bent Jensen, der Inhaber von Linak, einem der größten Unternehmen Sønderborgs, das mit aller Kraft daran arbeitet, sich im Laufe von nur sieben Jahren mit erneuerbarer Energie selbst zu versorgen. Zu dem Projekt gehören die Errichtung eines der größten Solarzellenparks Dänemarks, grüne Fernwärme und ein achtzig Meter hohes Windrad mit einer Kapazität von 850 Kilowatt. Alles angeschlossen an den Hauptsitz der Firma in Guderup auf der Insel Alsen. Von hier aus hat sich das Unternehmen zu einer der weltweit führenden Firmen für die Entwicklung und Produktion von elektrischen linearen Antrieben und Steuersystemen entwickelt. Es handelt sich um Hebe-Senk-Techniken, die beispielsweise bei modernen Schreibtischen oder Krankenhausbetten eingesetzt werden. Auch Linak nimmt an dem ProjectZero teil - an der Umsetzung der Vision, dass Sønderborg spätestens im Jahr 2029 CO²-neutral ist. - Uns ist es ein Anliegen, das ProjectZero voranzutreiben, es ist ein fantastisches Entwicklungsprojekt und ein Markenzeichen für die gesamte Region Sønderborg. Außerdem ist es für Linak gutes Marketing, insbesondere auf dem deutschen Markt, auf dem ein starkes ökologisches Profil ein gutes Unternehmens-Branding ist, so Bent Jensen.

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Dem ProjectZero ist eine ganz besondere Anerkennung zuteil geworden, als es im Frühjahr 2010 mit dem „EU Sustainable Energy Award 2010“ ausgezeichnet wurde. Bei der Preisübergabe wurden die vielen Vorteile von ProjectZero hervorgehoben: Beteiligung, Methodik und Durchführung des Projekts sind von besonderer Qualität und können als Vorbild für andere Regionen in Europa dienen. Sønderborg ist auf dem Weg „zur Null“ und hat zuletzt mit Unterstützung des Fornyelsesfonden (Erneuerungsfonds) und des Vækstforum Region Syddanmark (Wachtusmforum Region Süddänemark) das Renovierungsprojekt ZERObolig („Nullwohnung“) auf den Weg gebracht. Das Projekt soll grüne Arbeitsplätze schaffen und für klimabewusste Lösungen durch energietechnisch sinnvolle Renovierungen von 18.800 privaten Wohnungen rund um Sønderborg sorgen. Haushalte zeichnen sich für 40 Prozent des Energieverbrauchs der Region. Mehr energiesparende Wohnungen werden daher erheblich zur Umsetzung der Vision von einem CO²-neutralen Sønderborg beitragen. Auch für Unternehmen gibt es ein Energiesparprogramm.


- Ich bin stolz, dass es gelungen ist. Es war alle Anstrengungen wert. Auf unserem Weg ist man uns mit Skepsis begegnet, auch von Seiten der Politik, aber wir haben uns im Vorstand gesagt, wenn das Projekt gut ist, wird es auch gelingen. So Bo Jonø, der fünf Jahre ehrenamtlich an der Spitze eines großen Hallenprojekts in Fynshav stand - einem Ort mit knapp 900 Einwohnern an der Ostküste von Alsen. Und diese Halle - das Kultur- und Sportzentrum „Diamanten“, wie sie bei der Einweihung im August 2010 getauft wurde - ist ein ganz besonderes Projekt. 66

Die ehemalige Sporthalle des Orts war wie cirka 1.400 andere Sporthallen in Dänemark in den siebziger Jahren gebaut worden, und war ausgedient. Gleichzeitig gab es zu wenige Möglichkeiten, alle gewünschten Sportarten auszuüben, so dass Bo Jonø als Vorsitzender des Sportvereins mit der Gemeinde über denkbare Lösungen sprach. Die Gemeinde wusste, dass das Center for Idræt og Arkitektur (Zentrum für Sport und Architektur) der Kunstakademiets Arkitektskole (Architektenschule der Kunstakademie) in Kooperation mit Lokaleog Anlægsfonden (Raum- und Anlagenfond) ein Demonstrationsobjekt für den Umbau von Sporthallen suchte. Bo Jonø bewarb sich und die Halle in Fynshav wurde ausgewählt. Ein Architektenwettbewerb wurde ausgeschrieben, und während der Gewinner, der Architekt Chris Thurlbourne, noch plante, fanden einige Workshops statt, zu denen sämtliche Bürger Fynshavs eingeladen waren. Und irgendwann äußerte der Stadtrat den Wunsch, dass im Energie- und Behindertenbereich für größere Nachhaltigkeit gesorgt werden müsse. - Wir bildeten eine Arbeitsgruppe und Nachhaltigkeit wurde zu einem sehr wichtigen Bestandteil. Wie sich herausstellte, war es für die Baubewilligung durch den Stadtrat

entscheidend, dass wir dadurch zu einem Teil der Klimastrategie ProjectZero wurden und als Demonstrationsobjekt genutzt werden konnten, sagt Bo Jonø, der letztendlich eine größere Aufgabe übernommen hatte, als er und die übrigen ehrenamtlichen Mitarbeiter es sich je vorgestellt hatten. Lange Zeit erforderte das Projekt den Zeitaufwand eines Teilzeitjobs. - Viele Sitzungen mit Experten waren notwendig, gleichzeitig war es aber auch wirklich interessant, erinnert sich Bo Jonø, der auch nach der Fertigstellung noch sehr oft zur Verfügung stehen musste, wenn Minister, Architektenbüros und andere Interessierte nach Fynshav kamen, um sich die Halle anzusehen, die auch von der Europäischen Union als Vorzeigeprojekt benannt wird. Jetzt, da die Halle in Betrieb ist, hat Bo Jonø den Posten des Vorsitzenden jemand anderem überlassen; doch er freut sich, dass das Zentrum so intensiv für alte und neue Aktivitäten genutzt wird. - Es ist ein Zentrum, in dem man ALLES Mögliche machen kann. Und die Bürger von Fynshav waren von Anfang an mit einbezogen, es ist wirklich ihr Zentrum. Das ist von sehr großer Bedeutung für die Stadtentwicklung. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Zentrum ist ein Gegenargument in der Debatte, die der Stadtrat über eine neue Schulstruktur führt, also ob einige kleinere Schulen geschlossen werden sollen. Denn wenn die Schule schließt, werden auch viele andere Aktivitäten enden.

KULTUR- OG IDRÆTSCENTRET DIAMANTEN, FYNSHAV Die Halle wurde in der Niedrigenergieklasse 1 erbaut, mit Solarzellen, Sonnenwärme und einer modernen Ventilationsanlage. Sie verbraucht nur die Hälfte der Energie vergleichbarer Bauten, außerdem ist die Halle architektonisch interessant und flexibel und multifunktional nach den Bedürfnissen der Nutzer eingerichtet, die sich weit mehr für Individualsportarten als für Mannschaftssportarten interessieren.


“Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiger Bestandteil bei der Erweiterung unserer Sporthalle” Bo Jonø, ehemaliger Vorsitzender des Hallenprojekts in Fynshav

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“Augustenborg - historisches Schloss, offen für die Zukunft”

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N

ur sieben Kilometer von Sønderborg entfernt liegt die Ortschaft Augustenborg, die ihren Namen vom herzoglichen Schloss und dem Herzogsgeschlecht der Stadt ableitet. Das heutige Schloss wurde von 1770 bis 1776 im spätbarocken Stil erbaut und nach der Herzogin Augusta benannt. Vor den Schleswigschen Kriegen gab es hier eine Art Dependance des dänischen Königshauses in Kopenhagen mit engen Verbindungen ins übrige Europa. Der letzte Herzog des Schlosses, Christian August II. von Schleswig-Holstein-SonderburgAugustenburg unterstützte die Schleswig-Holsteiner im Schleswig-Holsteinischen Krieg 1848-1850. Dänemark gewann und der Herzog und sein Bruder mussten nach Süden fliehen. Nachdem das Schloss 1864 von den Preußen übernommen worden war, wurde es als Lehrerinnenseminar genutzt, und nach der Wiedervereinigung von Nordschleswig und Dänemark ab 1932 als Nervenheilanstalt. Bis heute ist Augustenborg eine psychiatrische Klinik, doch die Zahl der Betten hat sich im Laufe der Jahrzehnte drastisch reduziert. Die Region Süddänemark hat beschlossen, die noch verbleibenden Funktionen 2013 aus Augustenborg auszulagern. Die Region sucht nun nach einem Investor, der die historischen und denkmalgeschützten Gebäude und den Park übernimmt.

In den letzten Jahren hat sich die psychiatrische Klinik mehr und mehr der Öffentlichkeit geöffnet. Musikinteressierte Ärzte haben öffentliche Kaffeekonzerte mit klassischer Musik im Wintergarten des Schlosses organisiert, bei denen in den Pausen die Patienten die Bedienung übernahmen. In den letzten elf Jahren gab es jedes Jahr im August das klassisch populäre Freiluftkonzert „Ein Sonntag auf Alsen“ im Schlosspark, und der Verein „Kultur i Syd“ hat den Park für Megakonzerte mit Rockgrößen wie Eric Clapton und Roger Waters genutzt. Hinter dem Schloss, in der Nähe des Waldes, liegt das Palais, das Herzog Frederik Christian I. von 1786 bis 1788 für seine Tochter Louise Christine Caroline erbauen ließ. Nach ihrem Tod 1815 wurde das Palais von der herzoglichen Witwe Louise Augusta übernommen, die als Lieblingstochter von Königin Caroline Mathilde und dem königlichen Leibarzt Struense auch den Titel „Prinzessin“ trug. Struense wurde später des Landesverrats bezichtigt und hingerichtet. Louisa Augusta bewohnte von 1820 bis zu ihrem Tod 1843 das Palais; sie war eine künstlerische und flamboyante Person, die Feste und Feiern liebte und sich mit adretten Offizieren, noblen Herren, Kunst und einer Unmenge von Pferden, Hunden, Affen und Papageien umgab. In der jüngsten Zeit wurde das Palais von einem Chefarzt des Krankenhauses bewohnt, dann wurde es als Freizeitheim für die Patienten genutzt und stand schließlich leer. Vor fünf oder sechs Jahren entstand in Sønderborgs Kunstkreisen die Idee, das Palais zu einem neuen Kulturzentrum werden zu lassen, ja, das gesamte Schlossgebiet zu einem Kunstmekka mit Galerien, Werkstätten, Filmschule und einem Kunstinternat umzuwandeln. Ein erster


Schritt wurde getan, als die Gemeinde Sønderborg das Palais pachtete und dort im Frühsommer 2009 ein Skulpturen- und Kunstzentrum eröffnete. Nach einem Bürgerwettbewerb erhielt das Zentrum den Namen Augustiana. Augustiana soll zu einem kulturellen Kraftzentrum und Umschlagplatz für ein verstärktes Kulturleben über die dänisch-deutsche Grenze hinweg werden. Ein erster Durchbruch gelang im Mai 2011 mit Ausstellungen von Aquarellen, Skulpturen und Graphiken des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass und chinesischer Gegenwartskunst. Diese Ausstellung wurde durch eine Kooperation mit dem Kunstwerk Carlshütte ermöglicht - eine Zusammenarbeit mit großem Potenzial für die Augustiana.

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Das Kunstwerk Carlshütte wird von dem Unternehmer Hans-Julius Ahlmann und der ACO-Group in Büdelsdorf bei Rendsburg, rund 100 Kilometer südlich von Sønderborg, betrieben. Ahlmann ist Süddänemark und Sønderborg familiär sehr verbunden, die Familie unterstützt seit Generationen kulturelle Aktivitäten. Nachdem die Eisengießerei in der Carlshütte 1997 aufgegeben wurde, hat HansJulius Ahlmann die Produktionsfläche von 80.000 Quadratmetern zu einem öffentlichen Kulturpark mit Ausstellungshallen und Freiflächen für bildende Kunst, Theater und Musik umgestaltet. Jeden Sommer wird hier die NordArt-Ausstellung veranstaltet, zuletzt mit 250 ausgewählten Gegenwartskünstlern aus der ganzen Welt.


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Seit 2011 ist das Kunstwerk Carlshütte auch Austragungsort des Schleswig-Holstein Musik Festivals, das jeden Sommer mit Konzerten auch in Sønderborg zu Gast ist. Hans-Julius Ahlmann ist begeistert von der Vision einer Kulturhauptstadt Europas Sønderborg mit Sønderjylland-Schleswig; er betont, dass Rendsburg enge historische und geistige Verbindungen zu Dänemark hat, die häufig übersehen werden. Die Kooperation mit dem Kunstwerk Carlshütte ist zentraler Bestandteil eines Projekt-Konzepts, das die Gemeinde Sønderborg skizziert hat, um das Palais und die Augustiana zu einem regionalen und transnationalen Besuchsziel zu machen. Im Augenblich wird das Kunst- und Skulpturenzentrum von Kim Nørballe als private Galerie betrieben mit Unterstützung vom „Sønderborg Kommunes Kunstfond“ und einem F ö rd e r v e re i n s

mit der ehemaligen Direktorin der „Kongelige Danske Kunstakademi“ Else Marie Bukdahl als Vorsitzende. Wie das weitere Schicksal von Schloss Augustenborg aussehen wird, ist aber noch immer ungewiss. Anfang 2011 initiierte die Region Syddanmark einen Ideenwettbewerb über die weitere Nutzung des Schlosses, Mitte Januar fand ein Bürgertreffen mit 300 Teilnehmern statt. Der Wettbewerb läuft noch bis Ende des Jahres 2011. Bisher kamen unter anderem Vorschläge zur Nutzung des Schlosses als Hospiz oder Hotel. Und das Museum Sønderjylland schlägt vor, das Schloss als eine Abteilung des Eremitage-Museums im Winterpalast von Sankt Petersburg zu führen - nach dem Vorbild der Niederlande, wo ein großer Gebäudekomplex aus dem 17. Jahrhundert 2009 als „Hermitage Amsterdam“ eingeweiht wurde. Die etablierten Künstler in Sønderborg sehen jedenfalls einen akuten Bedarf an Initiativen, die Aufmerksamkeit schaffen und die Region für jüngere Künstler attraktiv werden lässt. Sicherlich lebt hier eine verhältnismäßig große Gruppe von Menschen, die in der Kreativwirtschaft beschäftigt sind, allerdings sind die meisten von ihnen Ingenieure. Wenn das Kunstmilieu jedoch am Leben erhalten werden und gedeihen soll, sind gute Rahmenbedingungen und Möglichkeiten entscheidend, um neue Künstler anzuziehen.


”Es ist sehr vorausschauend von der Gemeinschaft vor Ort, so große und visionäre Ambitionen zu haben. Ich freue mich, dass ich meine Signatur auf dieses Projekt setzen darf” Frank Gehry, weltberühmter kanadisch-amerikanischer Architekt

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r ist 82 Jahr alt, aber noch immer einer der größten und innovativsten Architekten der Welt. Der Kanadier Frank Gehry, der seit über 60 Jahren in den USA lebt und ikonische Bauten in Los Angeles und Brooklyn (New York) entworfen hat. Ebenso in Barcelona, Bilbao und Seattle - und auch in Sønderborg. Sein Masterplan für Sønderborgs alter Industriehafen ist sein bislang Größtes in Westeuropa. Unmittelbarer am Meer entsteht ein ganz neuer Stadtteil, mit Wohnungen, Büros, Cafés, Restaurants, einem Hotel mit 18 Etagen, einem Urban Square mit Grünflächen, schwimmenden Tennisplätzen, einem Stadtstrand und einer Kunsthallte, die allein 350 Millionen dänische Kronen (ca. 49 Millionen Euro) kostet. Der Stadtrat hat die Pläne mit der Zusage verabschiedet, sich am Betrieb der Kunsthalle ökonomisch zu beteiligen. Auch für die Kunsthalle hat Frank Gehry einen Entwurf geliefert. - Für mich ist es spannend, einen neuen Stadtraum zu entwerfen, der große Variationsmöglichkeiten zulässt, sowohl im Freizeit- wie im Geschäftsbereich, und der ein attraktives Ziel für Einwohner wie Touristen ist. Frank Gehry spürt die große lokale Unterstützung für das Projekt. - Ich finde es sehr vorausschauend von der Gemeinschaft vor Ort, so große und visionäre Ambitionen zu haben. Ich freue mich, dass ich meine Signatur auf dieses Projekt setzen darf. Eine ganze Reihe Fachleute und einflussreiche Persönlichkeiten der dänischen Kunstwelt 2 /

zeigten sich bei der Präsentation des Masterplans im Sønderborger Alsion begeistert, dass eine Provinzstadt so große Ambitionen entwickelt. Der Vorsitzende des „Ny Carlsbergfond“, Hans Edvard Nørregård-Nielsen, der geschäftsführende Direktor des Dänischen Architektur Zentrums, Kent Martinussen, und der Architekt Jan Utzon lobten das Projekt. - Aber wir sollten uns nicht zu sehr von der Teilnahme Gehrys beeindrucken lassen. Wir haben ihm etwas zu bieten, und er hat uns etwas zu bieten. Ob in Kopenhagen oder Sønderborg gebaut wird, hat keine große Bedeutung. Dänemark ist eine einzige große Stadt, von der ein Teil Kopenhagen heißt. Wenn man schnell fährt, sind es doch nur knapp zwei Stunden bis dorthin, erklärte Hans Edvard Nørregård-Nielsen. Jan Utzon lobte die Zukunftsträume der Stadt: - Ich spüre es förmlich, es liegt etwas in der Luft. Hier in Sønderborg bewegt sich etwas.


“Für die Kinder ist es ein lustiges Erlebnis, außerdem lernen sie die Sprache” Claus Sax Hinrichs, Sprachclown und Pädagoge

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asus und Konjugationen. Der, die, das … So haben viele Dänen den Deutschunterricht in Erinnerung. Und Dänisch fällt Ausländern auch nicht gerade leicht - schon gar nicht die Aussprache. 72

Dass Dänen in Nordschleswig generell gut Deutsch sprechen, gehört inzwischen zu den Wahrheiten, die es zu modifizieren gilt. Denn wenn man nicht mit beiden Sprachen aufgewachsen ist, zum Beispiel in einer der beiden Minderheiten, dann wird die grenzüberschreitende Kommunikation schwierig. Fehlende Sprachkenntnisse beeinträchtigen wahrhaftig die Zusammenarbeit. Doch ein Mann mit großer roter Nase, einem Laborkittel und einer gewaltigen runden Brille tritt überall im Grenzland auf und arbeitet bei der ganz jungen Generation dagegen an. Es ist Professor Doktor ABC, der in Kindergärten auftaucht, in denen die Sprachanfänger ihm helfen müssen, die jeweils andere Sprache zu finden. Denn er ist fürchterlich vergesslich. - Die Kinder lieben es. Für sie ist es ein lustiges Erlebnis, außerdem lernen sie die Sprache. Wir singen auch ein Lied in der Sprache, die sie nicht kennen, erzählt der Professor, der eigentlich Claus Sax Hinrichs heißt, Diplompädagoge ist und seit 20 Jahren als Clown auftritt.

- Dem Regionalbüro Sønderjylland-Schleswig fiel auf, dass es überhaupt kein Sprachangebot für Kinder im Kindergartenalter gab - sonst gibt es das für alle Altersstufen. Also erfand ich den Professor Doktor ABC, berichtet Claus Sax Hinrichs, der seit 2005 rund 40 dänische und deutsche Kindergärten besuchte. Anschließend wurde in den Schulklassen 1, 2 und 3 weitergearbeitet. Alles in Zusammenarbeit mit der Universität Flensburg, die neue Unterrichtsmaterialien entwickelte. Vom Herbst 2011 an sind es wieder Kindergartenkinder, die auf die Jagd nach fremden Wörtern gehen und neugierig werden sollen, damit sie Deutsch oder Dänisch als Fremdsprache lernen wollen, wenn sie größer sind. Das Projekt mit dem komischen Professor erhielt 2009 den Sprachpreis der Europäischen Union, und erst kürzlich wurde es von der Europäischen Kommission als eines von 11 Leuchtturmprojekten für Mehrsprachigkeit in Grenzregionen ausgewählt. Deshalb wird Claus Sax Hinrichs auch manchmal von neugierigen Erwachsenen aus London und Brüssel begleitet, wenn er im weißen Kittel und Clownsschuhen einen Kindergarten besucht. Inzwischen kommen auch Anfragen aus Polen, Frankreich, Schweden und Norwegen. Es ist also durchaus möglich, dass der Professor geklont werden muss, um sämtliche Grenzregionen zu erreichen.

Professor Doktor ABC ist ein Projekt im Rahmen des Programms KulturDialog - ehemals Kulturbro/ Kulturbrücke -, das vom Dänischen Kultusministerium, der Schleswig-Holsteinischen Staatskanzlei, Region Syddanmark und dem EU Interreg4-Programm finanziert wird.


”Seit New York habe ich den Alltag nicht mehr so international erlebt” Camilla Karlsen, Journalistin, über den Umzug von der Hauptstadt Kopenhagen nach Sønderborg

- Verblüfft haben mich in Sønderborg vor allem die frische Luft und die Natur. Es ist eine ganz andere Frische als in New York oder Kopenhagen, und ich habe in beiden Städten gelebt, sagt die Journalistin Camilla Karlsen, die aus Kopenhagen nach Sønderborg gezogen ist, um in einem großen Unternehmen zu arbeiten. - Ich hatte in Sønderborg sofort einen sehr internationalen Alltag. Seit New York habe ich den Alltag nicht mehr so international erlebt. Sicherlich triffst du in Kopenhagen Ausländer, aber meist bleibt man doch mit seinen Freunden unter sich. In Sønderborg wirst du in deiner Freizeit zu einem Teil des Alltags von vielen Ausländern, wenn du ausgehst. Ich habe in kurzer Zeit Freunde aus Rumänien, Chile, Nepal, USA und Deutschland gefunden. - Viele meiner Freunde in der Hauptstadt orientieren sich an Städten wie New York, London oder Berlin.

Das „NytNetværk iSønderborg“ hat zum Ziel, dass Menschen, die aufgrund ihrer Arbeit nach Sønderborg ziehen, sich eine Karriere in der Region aufbauen können. Das Netzwerk vermittelt Zuwanderern mit Hochschulbildung, die die dänische Staatsbürgerschaft angenommen haben, die Werte und Normen des dänischen Arbeitsmarktes ‒ und unterstützt sie professionell bei der Jobsuche. Berufstätige Dänen mit guten Kontakten sind dem Netzwerk als freiwillige Mentoren verbunden. Das Netzwerk wurde am 2. November 2010 mit dem dänischen Integrationspreis 2010 ausgezeichnet. Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Mary überreichte den Preis für einen beeindruckenden Einsatz, der sich an den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen orientiert und Sønderborg zu einer attraktiven Stadt zum Arbeiten macht.

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Das sind sicher nette Orte, aber sie bedeuten doch nicht die ganze Welt. In Sønderborg ist das Globale einfach ein Teil des Alltags, und ob wir Dänisch oder Englisch reden, merke ich kaum noch. Außerdem glaube ich, dass es durch unsere Nähe zur Grenze nicht so wichtig ist, ob man in Sønderborg oder in Flensburg lebt, abgesehen davon, dass es bis Hamburg nur ein Katzensprung ist. Als Zugezogene hat Camilla Karlsen das Gefühl, dass Sønderborg seine Neubürger einbezieht. - Ich habe mir angesehen, welche Netzwerke es gibt, und fand das „NytNetværk Sønderborg“. Es läuft auf Englisch, nicht auf Dänisch. So ist das halt. Auf der Universität und an den globalen Arbeitsplätzen wird Englisch gesprochen. Und wenn wir in Sønderborg mit ausländischen Freunden den ganzen Abend im Lokal sitzen, ist die Sprache bis tief in die Nacht hinein Englisch. In Kopenhagen wechselt man schneller wieder ins Dänische.


“Ich fühle mich besser vorbereitet auf einen Job in einer internationalen Firma” Michael Munday, dänischer Student, und Katalin Horvath, rumänische Studentin

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- Sønderborg hat ein ganz anderes internationales Studienmilieu als irgendeine andere Stadt in Dänemark - so etwas gibt es nirgendwo sonst, meint der Student Michael Munday.

ziemliche Herausforderung - vor allem, weil nicht alle auf dem gleichen Niveau Englisch sprachen. Da gestaltete sich die Gruppenarbeit manchmal recht zäh.

Der Campus in Sønderborg ist das einzige Universitätsgelände Dänemarks, auf dem mehr ausländische als dänische Studenten studieren. Michael ist aus Mitteljütland nach Sønderborg gezogen und hat auf der Syddansk Universitet das Bachalorstudium im Fach „Innovation and Business“ belegt.

Auch Katalin Horvath ist Teil des internationalen Studentenmilieus in Sønderborg. Sie stammt aus Rumänien und hat eine Ausbildung in Fashion Design an der Designschule begonnen.

- Der gesamte Unterricht findet auf Englisch statt. Und dadurch, dass wir aus ganz unterschiedlichen Kulturen stammen, ergeben sich wirklich interessante Diskussionen, sowohl in als auch vor den Hörsälen. Ich fühle mich besser vorbereitet auf einen Job in einer internationalen Firma als bei einem normalen Studium nur mit dänischen Kommilitonen. - Aber die Sprache war anfangs auch eine

- Ich bin nach Dänemark gekommen, weil hier im Designstudium eher die Praxis im Mittelpunkt steht und das Schulsystem sehr viel lockerer ist als in Rumänien. Das finde ich gut. Ich erlebe, wie allein der Aufenthalt in einem anderen Land neue Eindrücke und neue Inspiration liefert; außerdem habe ich hier sehr viele Freunde gefunden. Michael und Katalin fiel es leicht, in einer neuen Stadt Bekanntschaften zu schließen. - Es ist einfach, jemanden zu finden, mit dem man etwas gemein hat, weil hier so viele verschiedene Nationalitäten leben. Es gab eine kurze Phase, ganz am Anfang, wo die Leute die Tendenz hatten, nur mit Menschen aus ihrem eigenen Land zu verkehren. Es schien bequemer, sich mit Leuten zu treffen, die die eigene Sprache sprechen. Aber das ist vorbei. Jetzt haben wir überall Freunde, je nach Interessen. Zu meinen engsten Freunden gehören Dänen, Deutsche und Ungarn, erzählt Michael.


“Im Vorstand müssen alle bereit sein, ihr Herzblut hinein zu legen” Johannes Heesch, Vorsitzender der Sønderborg Teaterforening

Der Theaterverein Sønderborg hat im September die neue Theatersaison mit einem Repertoire eröffnet, das nach eigener Aussage das bisher internationalste und beste Programm überhaupt ist - sowohl unter qualitativen wie unter populären Gesichtspunkten. Zum Beispiel kommt im Weihnachtsmonat die russische Staatsoper Tartastans mit „Der Nussknacker“. - Das ist eine Gruppe von über 100 Mitwirkenden. Selbst, wenn das Haus ausverkauft ist, wird eine Unterdeckung bleiben, erklärt Johannes Heesch, der Vorsitzende des Theatervereins. Der Verein veranstaltet den Abend trotzdem, denn er will mehr als nur sichere Publikumsmagneten präsentieren. Das Programm, das in dieser Saison 29 verschiedene Inszenierungen mit insgesamt 35 Aufführungen umfasst, soll Qualität bieten - bei einem Budget von ca. fünf Millionen Kronen (ca. 700.000 Euro). Das Saisonprogramm weist eine höhere Zahl an verschiedenen Aufführungen auf als die professionellen Landesbühnen in Odense oder Aarhus. Im Oktober ist der Theaterverein Gastgeber für Den Jyske Opera (Die jütländische Oper), die eine ganze Woche ins Alsion kommt, um mit dem Sønderjyllands Symfoniorkester die Premiere von Verdis „Der Troubadour“ zu proben. Zu einer nicht öffentlichen Generalprobe werden Gymnasiasten und andere Jugendliche eingeladen, die zuvor eine Einführung in das Stück bekommen. Darüber hinaus ist geplant, sämtliche 7. Klassen der Volksschulen in Sønderborg zu einer Vorstellung in dieser Saison einzuladen. - In den Schulen wird ja gespart, sie haben für so etwas kein Geld, stellt der Vorsitzende des Theatervereins fest. Überhaupt arbeitet Sønderborg Theaterverein sehr daran, Jugendliche ins Theater 2 /

zu bringen, bei einigen Aufführungen ist es sogar üblich, dass die Schauspieler vorher in die Schulen kommen. Außerdem stellt die Vereinigung sozial schlechter gestellten Familien über die kommunale Sozialverwaltung Karten zur Verfügung. In den letzten Jahren war der Theaterverein ausgesprochen erfolgreich und verkauft momentan bis zu 20.000 Karten pro Saison an ein Publikum, das aus ganz Nordschleswig, aber auch von südlich der Grenze kommt. Ein Grund ist natürlich der neue Konzertsaal im Alsion, der es ermöglicht, auch große Musikvorstellungen zu veranstalten. Dass ein derart großes Theaterangebot in Sønderborg überhaupt möglich ist, liegt daran, dass die neun Mitglieder des Vorstandes des Theatervereins und häufig auch deren Eheleute - eine gewaltige ehrenamtliche Arbeit leisten. Doch dem Verein fehlt es nicht an Freiwilligen: „Nein, viele möchten mitarbeiten - obwohl ich sie von vornherein warne: Im Vorstand müssen alle bereit sein, ihr Herzblut hinein zu legen. Und das tun sie auch“, sagt Johannes Heesch. Als geborener Alsener mit einer fünf-und-dreißig-jähri-gen Erfahrung als Journalist und Redakteur der Lokalzeitung besteht für Johannes Heesch kein Zweifel, dass die Bevölkerung der Region sehr engagiert ist. Zum Ausdruck kommt dies unter anderem in der Zahl von Vereinen: Es sind rund 700 in der Gemeinde Sønderborg.


“Hier übernimmt man Verantwortung für die Gesellschaft” Melissa Sevelsted, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Broager

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- Ich möchte gern etwas für meine unmittelbare örtliche Gemeinschaft tun. Es bedeutet mir sehr viel, auf mein Leben zurückblicken zu können und zu sehen, dass ich anderen geholfen habe. Und ich mag die Idee der freiwilligen Feuerwehr - hier übernimmt man Verantwortung für die Gesellschaft, in der man lebt. Melissa ist eines der jüngsten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr von Broager. Und sie ist die einzige Frau. In Nordschleswig gibt es eine lange Tradition, dass beinahe jedes kleine Dorf eine Feuerwehr hat, in der sich freiwillige und ehrenamtliche Feuerwehrleute engagieren. Allerdings ist eine Feuerwehr, die auf freiwilliger Basis funktioniert, auch eine Besonderheit von Nordschleswig. Im übrigen Dänemark sind die Feuerwehrleute hauptberuflich tätig. - Ich bin ein Mädchen, das den besonderen Kick braucht. Gerade habe ich meine aktive Boxkarriere beendet und bin Trainerin geworden, jetzt suche ich nach neuen

Herausforderungen. Meine Schwester ist ausgebildete Feuerwehrfrau, und was sie mir erzählt hat, fand ich spannend. Und als ich im Radio gehört habe, dass es an Freiwilligen mangelt, bin ich eingetreten. In Nordschleswig gibt es dreiundsiebzig Feuerwehren mit insgesamt ca. 1.670 freiwilligen, ehrenamtlichen Feuerwehrleuten, die Leib und Leben aufs Spiel setzen, um anderen Menschen das Leben und deren Zuhause zu retten. Und abgesehen vom Löschen der Brände und der Rettung von Menschenleben spielen die Feuerwehren eine wichtige Rolle im örtlichen Vereinsleben. - 2012 wird meine Ausbildung zur Feuerwehrfrau beendet sein, aber natürlich nehme ich bereits jetzt am Vereinsleben teil: beim Faschingsfest, dem Sommerfest oder der Weihnachtsfeier. Und wenn wir feiern, dann mit der ganzen Familie - mit den Kindern und allen. Ich bin erst kürzlich in das vierzehn Kilometer außerhalb von Sønderborg liegende Städtchen Broager gezogen, es ist also eine richtige gute Möglichkeit, um neue Bekanntschaften zu schließen. Der Gedanke einer freiwilligen Feuerwehr kam Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich auf, später übernahmen dann deutsche Städte die Idee. Und als Nordschleswig unter deutschem Einfluss stand, gründeten sich auch hier freiwillige Feuerwehren. An dieser Tradition hielt man fest, auch als das Land wieder zu Dänemark gehörte. Gerade hat die Europäische Union Gelder bewilligt, um Strukturen zu schaffen, dass dänische und deutsche Feuerwehreiheiten sich über die Grenze hinweg bei Bränden, Unglücksfällen und Katastrophen helfen können.


“Es hat Tradition, dass die Projekte gelingen, wenn die Idee und das Timing stimmen und jemand sich der Sache annimmt, der sich richtig engagiert” Erik Randel, ehemaliger Chefredakteur der „Jydske Tidende“ und „Jydske Vestkysten“ und Redakteur der „Berlingske Tidende“

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ønderborg ist die Geschichte der Hummel, die nicht fliegen dürfte. Es aber trotzdem tut. Meint Erik Randel, der ehemalige Chefredakteur der regionalen Tageszeitungen „Jydske Tidende“ und „Jydske Vestkysten“ und Redakteur der landesweiten Tageszeitung „Berlingske Tidende“. Er ist in Sønderborg geboren und aufgewachsen und hat über viele Jahre mit einem sehr liebevollen und kritischen Interesse das Stadtgeschehen aus Aalborg, Kopenhagen und heute aus Kolding verfolgt. Es überrascht ihn daher nicht, dass eine so relativ kleine Stadt sich als Kulturhauptstadt Europas 2017 bewirbt. - Ich stelle bei dem Wettbewerb eine geradezu fantastische Begeisterung und einen visionären Auftritt mit einem genialen Gedanken fest: Das Grenzland und die Idee, dass sich dessen Herausforderungen und Probleme nicht mit Macht oder Waffen lösen lassen, sondern mit gegenseitigem Respekt - und nicht zuletzt mit Humor und guter Laune. Aber das ist ja ein Teil der DNA bei den Leuten aus Alsen. Seiner Meinung nach sollte Sønderborg es vermeiden, gegenüber den anderen Städten nördlich und südlich der Grenze den großen Bruder spielen zu wollen. - Sønderborg darf stolz sein, aber nicht zu viel, sagt Erik Randel. Er verweist darauf, dass Sønderborg selten etwas geschenkt wurde. Die Stadt hat gekämpft, und seiner Ansicht nach ist das Engagement von wirklich aktiven Bürgern symptomatisch für die Region. - Die Stadt bekam eine Handelshochschule, eine Schnellzugverbindung und ein besonderes Büro im Wohnungsministerium, um auf Alsen für Danfoss 2 /

Wohnungen bauen zu können. Die „Jydske Tidende“ sprang in die Bresche, um die Offiziersschule zu erhalten, die dann formal und real von Odense wieder hierher verlegt wurde. Und zuletzt haben wir die Kraft der Alsener am Alsion-Projekt mit der Universität und dem Konzertsaal gesehen. Es hat Tradition, dass die Projekte gelingen, wenn die Idee und das Timing stimmen und jemand sich der Sache annimmt, der sich richtig engagiert. Und es hat Tradition, dass wütende Debatten mit sehr vielen Teilnehmern der Umsetzung solch großer Projekte vorausgehen“, fügt Erik Randel hinzu. Er nennt noch ein anderes Beispiel für die Umsetzung scheinbar unmöglicher Projekte. - Man hat ungläubig die Augen aufgesperrt - auch ich -, als Stephan Kleinschmidt als Mitglied der deutschen Minderheit vor einigen Jahren Vorsitzender des Kulturausschusses in Sønderborg wurde. Die Heimdeutschen besetzten normalerweise „nur“ Topposten in eher technischen Ausschüssen. Aber Kleinschmidts Feuereifer, seine Offenheit und sein Hintergrund sind ja geradezu die Realisation einer geglückten Integration oder sagen wir „Zweiströmigkeit“, die sich eigentlich im gesamten Grenzland durchsetzen sollte. Flensburg hat den neuen dänisch orientierten Oberbürgermeister Simon Faber - und der Istedtlöwe steht auch wieder an seinem Platz in Flensburg. Herz, was willst du mehr?


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Herausforderung und Dilemm


erausforderung ma I

n der Gegend um Sønderborg ist der Boden fruchtbar, und die Gehälter der großen Unternehmen sind jahrzehntelang gleichmäßig geflossen. Das hat zu einem Zustand schläfriger Selbstzufriedenheit geführt. Die junge Generation zieht es in die Großstädte, sie kehren nicht zurück – und die Älteren werden immer präsenter. Die Region kann sich nicht länger auf sich selbst zurückziehen, sie muss sich darauf einstellen, dass es da draußen eine Welt gibt. Um uns herum und auf der anderen Seite der Grenze gibt es andere Sprachen und Kulturen, die kennenzulernen bereichernd sein kann.

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EINE ZUKUNFT ALS HÜBSCHES ALTERSHEIM?

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eute gehört Sønderborg zu einem der Landstriche, die in Dänemark herabsetzend »Randdänemark« genannt werden. Eine Bezeichnung für Gemeinden, deren größter Ort weniger als 30.000 Einwohner hat und deren nächstgrößere Stadt mehr als 40 Kilometer entfernt ist. Es sind Gebiete, die typischerweise unter wirtschaftlicher Erschöpfung, niedrigem Bildungsniveau und „brain-drain“ leiden – einer Flucht der Kompetenzen, die diesen Gebieten eigentlich neuen Schwung verleihen könnten. Und Sønderborgs Lage zwischen Millionenstädten in Dänemark und Deutschland lässt die Probleme nicht kleiner werden. Verschärft wird die Entwicklung durch die Spuren, die die von Kriegen geprägte Vergangenheit bis heute in Sønderborg und der umliegenden Region hinterlassen hat. Die endgültige Versöhnung zwischen Dänen und Deutschen ist noch nicht vollzogen.

Dies führt zu einer Reihe konkreter Herausfor-de-rung-en und Dilemmata, die die Region akzeptieren und mit denen sie umgehen muss, um das Wachstum zu sichern, das sie am Leben erhalten soll.

Die verlorene Generation Es ist von entscheidender Bedeutung, dass eine Stadt auf junge Leute ansprechend wirkt, wenn sie dort leben und sich für den Fortbestand der Lebensqualität in der Stadt einsetzen sollen. Daran hapert es in Sønderborg – so wie in vielen anderen kleinen Städten Europas. Bei den 25- bis 29 Jährigen – die in der Gemeinde am schlechtesten repräsentierten altersgruppe (innerhalb der 0 vis 65 Jährigen) – kann man von der „verlorenen Generation“ sprechen. Auf die Wirtschaftskrise kommt somit eine demografisch bedingte Krise hinzu.


Die derzeitige Situation führt in der Praxis zum „brain-drain“ – der Stadt werden die jungen Talente entzogen, die ein neues Denken, Energie, Begeisterungsfähigkeit, Kreativität und Innovation repräsentieren. Und parallel zur sinkenden Anzahl junger Menschen ist davon auszugehen, dass die Zahl der Älteren in den kommenden beiden Jahrzehnten um ein Drittel steigen wird. Obwohl Sønderborg ein verhältnismäßig großes Bildungsangebot bietet, werden große Universitätsstädte wie Aarhus, Odense und Kopenhagen attraktiv, sobald die Jugendlichen ihr Abitur bestanden haben. Einerseits aus Notwendigkeit, weil nur dort der gewünschte Studienplatz angeboten wird – zum anderen aber auch aus gesunder Neugierde auf das Leben in der Großstadt. Die jungen Menschen wollen sich Inspiration und Wissen von außen holen. Es wäre gut, wenn sie – oder andere qualifizierte Kräfte – danach wieder in den Süden Dänemarks zurückkehrten und sich hier ansiedelten. Heute entschließen sich zu wenige zu diesem Schritt, daher ist es zwingend nötig, neue Überlegungen anzustellen.

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Eine Region in der Rezession Sønderborg schrumpft. Nachdem die Einwohnerzahl in den vergangenen drei Jahrzehnten lediglich um 1.500 Personen gestiegen ist, ist in den letzten drei Jahren ein konstanter Rückgang zu verzeichnen. Bewahrheiten sich die Prognosen, wird die Zahl in den kommenden Jahren noch weiter sinken. Weniger Einwohner bedeuten weniger Steuereinnahmen und damit weniger Mittel, um eine funktionsfähige Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Diese Entwicklung führt auch zu weniger Arbeitsplätzen in der Produktion. Während der Finanzkrise haben in der Region Sønderborg circa 1.500 Arbeitnehmer ihren Job verloren, viele haben jedoch wieder Arbeit gefunden, so dass zwei Jahre später von insgesamt 500 verlorenen Arbeitsplätzen ausgegangen wird. Einige Menschen haben die Region verlassen oder arbeiten in einem ganz anderen Bereich, mehr Beschäftigte als früher pendeln. Mit einem niedrigeren Ausbildungsniveau und einem gegenüber dem Landesschnitt um 7% niedrigeren Durchschnittseinkommen muss die Region die Herausforderung annehmen und sich ihr stellen.


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Während die Einwohnerzahl in Sønderborg leicht sinkt, geht es im Norden der Insel Alsen steil bergab. Dort liegt der Hauptsitz der Firma Danfoss, dort befand sich vor 15 Jahren ein Großteil der Produktion. Nordborg – die zweitgrößte Stadt der Gemeinde – hat in fünf Jahren cirka 516 seiner 7.246 Einwohner verloren – ein Rückgang von 7% Bei einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft standen im Januar 2011 von 1.500 Wohnungen in Nordalsen 230 leer. Die Gesellschaft reißt daher ganze Wohnblöcke ab und baut an deren Stelle moderne Reihenhäuser. Der Stadtrat der Gemeinde Sønderborg hat beschlossen, das „Projekt Nordborg“ auf den Weg zu bringen, das dieses Problem lösen soll.

Die Umstellung von der Industrie- zur Wissensgesellschaft Sønderborg traf das Erkennen der nötigen Anpassung an die Globalisierung und die Wissensgesellschaft wie ein Schlag. Nun müssen die Arbeitsplätze in der Produktion sehr rasch zu Arbeitsplätzen im Wissens- und Dienstleistungssektor umgewandelt werden.

Die Finanzkrise, die 2007 begann, veranlasste Sønderborgs größte Unternehmen, Danfoss und Linak, Umstrukturierungen und Rationalisierungen vorzunehmen, die ein Jahr später wieder zu kräftigen Gewinnen führten. Doch viele Menschen, die bisher in der Produktion gearbeitet haben, benötigen jetzt eine zusätzliche Ausbildung und müssen auf andere Bereiche umgeschult werden. Auch aus diesem Grund ist es nötig, dass die Stadt alte Gewohnheiten abschüttelt und in neuen Bahnen denkt.

Die Gesetzgebung steht im Weg Für eine Grenzregion ist es ganz natürlich, mit anderen Nationen zusammenzuarbeiten. Sønderborg will die Zahl der grenzüberschreitenden Kontakte gern verbessern und erhöhen. Doch die Gesetzgebung beider Länder und die internationale Rechtsprechung können zu Problemen in der binationalen Zusammenarbeit führen. Die Herausforderung besteht darin, die internationale Gemeinschaft von notwendigen Gesetzesanpassungen innerhalb bestimmter Region zu überzeugen – wie in Sønderjylland-Schleswig.


Ein signifikantes Beispiel ist der Seeverkehr zwischen Sønderborg und Flensburg. Die Entfernung durch die Flensburger Förde beträgt nur wenigen Seemeilen, und in einer nicht allzu fernen Vergangenheit waren beide Städte Teil desselben Landes. Aber da nun jede Stadt in ihrem eigenen Staat liegt, tritt heute die internationale Gesetzgebung in Kraft. Und die fordert, dass auch der Kapitän eines kleinen Segelboots Prüfungen abzulegen hat, als wollte er den Atlantik überqueren. Denn in beiden Fällen handelt es sich um internationales Fahrwasser. Die gleiche Problematik betrifft die Passage zwischen den Orten Broager in Dänemark und Holnis in Deutschland, die lediglich eine Drittelseemeile trennt. Doch nicht nur die Seefahrt ist betroffen, wenn uns die Gesetzgebung – die dänische wie die deutsche oder die internationale – bisweilen ein Bein stellt. Kulturprojekte, bei denen Partner auf beiden Seiten der Grenze agieren, werden allzu oft mit einer unproduktiven Bürokratie überzogen, die im schlimmsten Fall die so notwendige Begeisterung erstickt.

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Wenn wir nicht die jeweils andere Sprache lernen, verlieren wir das Kulturverständnis Für die Bürger einer Grenzregion versteht es sich von selbst, dass sie von mehreren Sprachen umgeben sind. Mit über 120 Nationalitäten allein in Sønderborg ist es ein ganz normaler Umstand, dass nicht nur in einer Sprache kommuniziert wird. Am häufigsten kommt es dabei zur sprachlichen Begegnung von Dänisch und Deutsch. Im Alltaggespräch ist dies in aller Regel unproblematisch, auch wenn ein Deutscher und ein Däne dem Gesprächspartner oft in der jeweils eigenen Muttersprache antworten. In offiziellen Zusammenhängen werden allerdings oft genug Simultandolmetscher und Übersetzer eingesetzt – so hat die deutsche Minderheit in Dänemark noch immer das Recht und den Anspruch, von den öffentlichen Behörden in der eigenen Sprache bedient zu werden. Eine Möglichkeit wäre, auf die englische Sprache auszuweichen, die viele Menschen auf beiden Seiten der Grenze ausgezeichnet sprechen. Manch einer empfiehlt Englisch sogar als Standard für


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das grenzüberschreitende Gespräch, zumal es auch einem globalen Zusammenhang entsprechen würde. Doch eine Sprache ist nicht nur eine Sprache. Eine Sprache ist immer auch Ausdruck einer Kultur. Mit dem Ausweichen auf eine dritte Sprache oder der völligen Verweigerung, die Nachbarsprache überhaupt zu lernen, würde ein wichtiger Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis aufgegeben. Eine ungehemmte Ausbreitung der sprachlichen Berührungsängste würde die Hemmschwelle für viele potenzielle Beziehungen in der Zusammenarbeit nur größer werden lassen. Daher sind viele Kulturprojekte der Region Sprachprojekte, die diesen Aspekt in den Vordergrund rücken. Ließe sich dadurch die Gesamtbevölkerung anregen, sowohl Dänisch als auch Deutsch zu lernen, wäre nicht allein eine Verständigung ohne Dolmetscher und Übersetzer möglich – man würde darüber hinaus auch das interkulturelle Verständnis stärken. Ein Schritt in diese Richtung könnte eine größere Zahl mehrsprachiger Publikationen, Websites und Schilder in der Region sein.

Wie soll die Immigration gehandhabt werden? In einer international ausgerichteten Region mit sinkenden Einwohnerzahlen liegt es auf der Hand, die Zuwanderung aus dem Ausland zu fördern. Allerdings versteht sich keineswegs von selbst, dass die Bevölkerung für eine derartige Internationalisierung offen ist und Migration befürwortet – wie es im Idealfall sein sollte. Das ist ein großes Dilemma. Junge, internationale Talente, die dazu beitragen, der Stadt zu einem Mehr an Kompetenz zu verhelfen, werden mit offenen Armen empfangen. Ebenso Menschen, die Arbeiten in den Bereichen Betreuung und Dienstleistung übernehmen. Allerdings herrscht eine natürliche Skepsis gegenüber neuen Bürgern, die auf Überbrückungsgelder angewiesen sind, nicht zuletzt, weil diese Bevölkerungsgruppe bereits in relativ hohem Maß in der Region vertreten ist. Nun ist eine Zuwanderungspolitik von stark selektivem Charakter aber weder moralisch verantwortlich noch praktisch realisierbar. Wie also schafft man ein gesellschaftliches Klima, das im Idealfall den Zuzug von den Bürgern gewährleistet, die am meisten gebraucht werden?


Wie wird der Zugang zur

Wie kann eine kleinere

Gemeinschaft gesichert?

Stadt ihre Ambitionen

Die Stadt und ihre Umgebung sind geprägt von einem starken Gemeinschaftsgefühl. Das ist zunächst einmal ein positiver Zug – zumal, wenn man ein Teil dieser Gemeinschaft ist. Viele Zuwanderer werden allerdings zustimmend nicken, wenn es heißt, dass diese Gemeinschaft recht exklusiv zu sein scheint. Jemand von außen hat es bisweilen schwer, den Fuß in die Tür zu kriegen und von den Einheimischen der Region auf Augenhöhe willkommen geheißen zu werden. Das Identitätsgefühl der Nordschleswiger ist stark ausgeprägt, ebenso wie die Identität als Däne oder Angehöriger der deutschen Minderheit (und umgekehrt) von großer Bedeutung ist. Daran spiegelt sich das Leben an einer Grenze: Je ähnlicher die Leute einander sind, desto stärker wird auf die Unterschiede gepocht. Wie können die vielen positiven Aspekte der Gemeinschaft bewahrt und die Gemeinschaft gleichzeitig offener werden?

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als ländliche Metropole einlösen? Es ist unmöglich, einfach mit dem Finger zu schnipsen, um Sønderborg zu einer Großstadt werden zu lassen. Und das wollen wir auch gar nicht. Klein ist fein. Selbst die doppelte Größe würde Sønderborg nur zur achtgrößten Stadt Dänemarks machen – es wäre das Niveau von Städten wie Horsens oder Kolding, die nüchtern betrachtet auch nicht gerade als Großstädte angesehen werden können. Sønderborg ist eine kleine Stadt, daran lässt sich nichts ändern. Jedenfalls nicht in demographischen Statistiken. Doch die Statistiken sind lediglich ein Aspekt. Ein anderer ist die Energie mit der Pläne hier verfolgt werden. In Sønderborg gibt es ambitionierte Vorhaben, die sich in vielerlei Hinsicht mit Projekten messen können, die nur in weit größeren Städten zu finden sind. Ablesbar ist dies nicht zuletzt am wirtschaftlichen und kulturellen Leben und innerhalb des Bildungssektors. Unternehmen, Kulturangebote und die angebotenen Ausbildungsgänge können Weltklasseniveau erreichen. Schaut man zum Beispiel auf Danfoss,


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Linak, folkBaltica und sämtliche Aktivitäten im Alsion, wird deutlich, dass Sønderborg auf einem sehr guten Weg ist.

Region vollkommen bewusst. Daher weckt die Aussicht auf eine Brücke über den Fehmarn Belt im Jahr 2022 eine gewisse Sorge.

Doch selbst wenn das Streben nach der ländlichen Metropole der Stadt und dem Umland zu manch willkommenem Aufschwung verhilft, wird Sønderborg auch weiterhin eine relativ kleine Stadt bleiben. Daher ist es unser Ziel, eine Stadt und eine Region zu schaffen, deren Fokus auf hoher Lebensqualität, Sicherheit und einer naturbelassenen Umgebung liegt – mit einem breiten kulturellen Angebot auf höchstem Niveau in vernünftigen Entfernungen und einem internationalen Klima, das interessante Ausbildungsangebote und Arbeitsplätze mit einschließt. Und das führt zu einem weiteren Dilemma: Wie löst man einige dieser Ambitionen in einer kleinen Stadt im Einklang mit der umliegenden Natur ein?

Eine Brücke würde eine schnelle Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland sicherstellen – allerdings vor allem zwischen den Millionenstädten Kopenhagen und Hamburg. Sønderjylland-Schleswig würde dadurch von den Verkehrswegen gänzlich abgeschnitten. Selbstverständlich haben diese Pläne bei besorgten Bürgern, den örtlichen Politikern und auch bei Unternehmen wie Danfoss zu einer Diskussion über eine Brücke geführt, die Fünen und Alsen miteinander verbindet.

Wie soll die

Welche Rolle soll die

Erreichbarkeit der Region

Geschichte spielen?

gesichert werden? Eine erhöhte Erreichbarkeit sichert ein höheres Wachstumspotential. Dessen ist man sich in der

Die Frage, die sich in der Region stellt, lautet daher: Wie überlebt man in einer Welt, die Millionenstädte und deren Erreichbarkeit bevorzugt, wenn man selbst eine kleinere Stadt ist?

Zahlreiche Kriege wurden in der Vergangenheit in der Region ausgefochten – vor allem in Sønderborg ist es unmöglich, nicht an die Konfrontationen mit den Deutschen erinnert zu werden. Museen,


Denkmäler und Gedenktage arbeiten dem Vergessen der Kriege entgegen, ob sie nun ein halbes oder anderthalb Jahrhunderte alt sind. Das führt zu ganz unterschiedlichen Reaktionen. Häufig wird die Vergangenheit einfach unter den Teppich gekehrt, ohne dass eine ernsthafte Auseinandersetzung stattfindet. Manche dänische Familie trauert noch um ihren Großvater, der im Ersten Weltkrieg auf der deutschen Seite kämpfen musste. Oder sie erinnert sich an die Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Die Verbindung zur Vergangenheit kann sentimentale Züge tragen oder sich in einem verbissenen, unversöhnlichen Zorn zeigen, in einem nationalen Starrsinn, der diesen Problemen ewige Gültigkeit zuschreibt. Am produktivsten ist die Kunst der Versöhnung. Nur, wie ist Versöhnung in einer Region zu erreichen, in der es nach wie vor unversöhnliche Stimmen gibt?

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Woran denkst du als Erstes bei dem Wort “Däne”? Wenn ich an Dänemark dogs. denke, denke ich an Hot Als h. isc dän r seh d sin Die en Dän Menschenschlag sind die . ich ke den ed, sehr open-mind

Be nj am in Sim mo n, Fle ns bur g

L uk as M ar qu ar dt ,

Ich bin viele Jahre nach Dänemark gefahren; das Erste, was mir einfällt, sind gute Erinnerungen. Wenn ich an Dänen denke, denke ich an Zusammenhalt. Die Dänen halten gut zusammen.

Fle ns bu rg

Teuer. Dänemark ist ein teures Land . Aber die Dänen sind richtig nett. Ich habe hier in den Ferien einige kennengelernt und ein paar gute neue Freunde gewonnen.

J ef f er s on W es s n, Fl en sb ur g


Was denkst du als Erstes bei dem Wort “Deutscher”? Für mich ist Deutsc hland Grenzhande l und billige Spirituosen. Die De utschen sind eigen tlich ganz nett, halten aber sehr an ihren Traditionen und ihrer Sprache fest. Sie erwarten, dass alle Deutsch sprechen können, obwohl sie in Däne mark Urlaub mach en.

Mehr Zusammenarbeit. Wir müssen besser mit Deutschland zusammenarbeiten. Wen n ich an Deutsche denke, denke ich automati sch an Touristen. Wir haben viele deutsche Touristen hier, aber man trifft auch überall in Euro pa viele.

Id a S o f ie R a smussen, S øn de rb or g

St ee n A ag e M aj Jø rg en se n , Sø nd erb org

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Hj al m ar T ho m se n , Sø nd er bo rg

Für mich ist Deutschland Grenzhandel und billiger Schnaps. Die Deutsche n sind ganz nett, aber sie halten an ihre n Traditionen und ihrer Sprache sehr fest. Sie erwarten, dass alle Deutsch sprechen, auch wenn sie in Dänemark im Urlaub sind.


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GELERN LEKTIO


NTE ONEN I

nnerhalb weniger Stunden erlitt Dänemark eine fürchterliche Niederlage, als die Preußen am 18. April 1864 die Düppeler Schanzen bei Sønderborg einnahmen. Die blutige Schlacht, nach der Dänemark ein Drittel seines Staatsgebiets einbüßte, und die folgenden Weltkriege prägen bis heute den dänischen Nationalcharakter und das Verhältnis zu Europa und der Welt. Aber wir hoffen aus der Geschichte zu lernen – wir müssen die Traumata aufarbeiten und es für alle reizvoll und normal werden lassen, die Grenze zu überqueren.

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LERNT AUS DER GESCHICHTE. 147 JAHRE. ZEIT ZUR VERSÖHNUNG ”Ein Deutscher ist ein Deutscher, egal, ob 1864 oder heute.”

Jahren in Dänemark noch immer Dänisch mit unmissverständlich deutschem Akzent.

Ein Däne anlässlich des 147. Jahrestages der Schlacht an den Düppeler Schanzen

[…]

”Ein Deutscher ist ein Deutscher, und so ist es offenbar noch immer. Eigentlich war ich überzeugt, dass sich diese Haltung geändert hat, seit ich in den achtziger Jahren als Mitglied der deutschen Minderheit in Nordschleswig aufgewachsen bin. Ich bin in die deutsche Schule in „Klein-Deutschland“ gegangen, wie das Städtchen Tinglev damals genannt wurde. Denn ich war Deutscher und vergaß es nie. Meine schwedische Mutter war durchaus ein mildernder Umstand, aber dieser Pluspunkt wurde durch meinen Vater eliminiert, der ein richtiger Deutscher ist. Er kommt aus Osnabrück in Westdeutschland und redet auch nach 40

Damals dachte ich vor allem, dass das alles peinlich war. So wie ich hoffte, dass die Nachbarn es nicht sahen, wenn der Junge von gegenüber vor unserem Haus stand und den Hitlergruß zeigte. Ich schämte mich für meinen Vater, als ich hörte, dass der Vater meiner besten Freundin sich geweigert hatte, ihm bei einem Nachbarschaftstreffen die Hand zu geben. Und es erfüllte mich mit Unbehagen, als deutschen Handballspielern in meiner Schule bei einem Spiel gegen die Dänen „Nazischweine“ hinterhergerufen wurde. Im Geschichtsunterricht lernten wir, dass die Abstimmung 1920 über den Verlauf der dänisch-


Die Schlacht bei Idstedt 1850.

deutschen Grenze nach dem Ersten Weltkrieg das dänisch-deutsche Grenzgebiet zum Besten der Welt gemacht hatte. Denkt nur an Ex-Jugoslawien, hieß es. Doch es verlief noch immer eine unsichtbare Trennlinie entlang der Hauptstraße, die Tinglev teilte – mit einer deutschen Schule auf der einen und einer dänischen auf der anderen Seite”. “Ein Deutscher ist ein Deutscher”, ein Artikel der Journalistin Malin Schmidt in der Tageszeitung „Information“ am 23. April 2011

”Deutschland ist eine neurotische Nation, die ständig von den Schatten ihrer Vergangenheit verfolgt wird.” Ein dänischer Parlamentsabgeordneter in der Tageszeitung “Information” am 25. Juni 2011

Sätze aus dem Jahr 2011. Sie stammen von dänischen Staatsbürgern und Politikern. Und die Sätze handeln von einem Phänomen, das für die Dänen schon immer der Inbegriff des Gefährlichen und Fremden war – und offenbar noch immer ist: Dem Deutschen. Nichts hat den dänischen Nationalcharakter, das Selbstbewusstsein und das dänische Verhältnis zu Europa und der Welt so geprägt wie die Auseinandersetzungen mit den Nachbarn südlich der Grenze. 1864 war Sønderborg, diese kleine Stadt im dänisch-deutschen Grenzland, den Schauplatz für die eigentliche Konfrontation mit den Deutschen, als das dänische Heer mit Otto von Bismarcks 4 /

überlegenen preußischen Truppen die Klingen kreuzte. Die Schlacht bei Düppel am 18. April 1864 ist Pflichtpensum im Geschichtsunterricht dänischer Schulen. Kein anderes historisches Ereignis – vielleicht abgesehen von der Befreiung 1945 – hat die dänischen Bevölkerung dermaßen umgetrieben. Und tut es noch immer. Das Folketing hat gerade 100 Millionen Kronen (13,4 Mio. Euro) für eine Fernsehserie über die Schlacht bewilligt, und das Medieninteresse war gewaltig, als dänische und deutsche Soldaten 2011 zum ersten Mal gemeinsam durch Sønderborg paradierten, um der vielen Gefallenen von 1864 zu gedenken. Offenbar brauchte es 147 Jahre, bis ein solcher Schritt getan werden konnte. Es ist ein Ausdruck dafür, wie offen die Wunde des Grenzlandes auch heute noch immer ist. „Was will Gott doch mit seinem Dänemark?“, ruft der Probst in Tine, der Beschreibung des weltberühmten dänischen Autors Herman Bang über die fürchterlichen Tage im April 1864, aus. Bang, der auf dem Pfarrhof von Asserballe bei Sønderborg aufwuchs, hat den Krieg hautnah miterlebt. Er flüchtete mit seiner Mutter und seinen Geschwistern ins nördliche Jütland und beschreibt in Tine die dänische Siegesgewissheit, die sich im Laufe von wenigen Stunden in Entsetzen und existenzielle Angst verwandelte. Die Dänen hielten das Dannewerk in Südschleswig für ein unüberwindbares Bollwerk gegen die

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Die PreuĂ&#x;en auf der Schanze 2 nach der Schlacht am 18. April 1864

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Adenauer und H.C. Hansen anlässlich der Unterzeichnung der BonnKopenhagener-Erklärungen,

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Aggression aus dem Süden; so war es jedenfalls viele hundert Jahre gewesen. Doch am Abend des 4. Februar 1864 konnte das dänische Heer nicht länger standhalten. Der Rückzug in die Düppeler Schanzen war eine Realität. Panik verbreitete sich auf Alsen. Die Preußen preschten heran.

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Untergangsstimmung verbreitete sich. Das Gefühl, mehr verloren zu haben als ein Stück Land, erhärtete sich. Der Gesamtstaat Dänemark verlor ein Drittel seiner Landfläche und wurde auf einen Kleinstaat reduziert. Doch damit nicht genug. Die dänische Seele und das dänische Selbstverständnis waren zerstört. „Heute Nacht hat man Dänemark verraten“, erklärt der Probst in Bangs Roman und zerschmettert sein Glas mit dem Bild König Christian IX. vor der gesamten nordschleswigschen Aristokratie. Die Niederlage gegen die Preußen war eine Niederlage der Erwartungen Dänemarks, in Europa eine zentrale Rolle spielen zu können. Und als Kompensation dieser Niederlage musste der Blick auf die inneren Zustände gerichtet werden. „Was nach außen verloren wird, muß nach innen gewonnen werden“, wurde zum geflügelten Wort, das von nun an viele Jahre eine ganz zentrale Rolle im dänischen Selbstverständnis spielen sollte. Dänemark wandte sich von Deutschland und dem Rest Europas ab. Traumatisiert und ängstlich. Und diese Reaktion liegt den Dänen

noch immer im Blut, obwohl Dänemark 1920 bei der Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg ein kleines Stück des verlorenen Landes zurückgewann – das nördliche Schleswig oder Nordschleswig mit Sønderborg als größter Stadt. Seit dem Zweiten Weltkrieg war die Versöhnung zwischen Dänen und Deutschen ein unerfüllter Wunsch. Aber es ging langsam, viel zu langsam, und erst nach der Jahrtausendwende haben wir uns ein wenig bewegt. Jetzt wollen wir es ernsthaft anpacken. Jetzt sind wir bereit, aus der Geschichte lernen zu wollen. Wir brauchen die Zusammenarbeit mit Deutschland, um in diesem Teil Dänemarks Wachstum zu schaffen. Sonst werden wir unsere Jugend, unsere Energie, unseren Enthusiamus, unsere Kreativen und unsere Kopfarbeiter verlieren.

Erste Lehre aus der Gesichte Redet über das Verdrängte Das Trauma von 1864, der Erste Weltkrieg, der Zweite Weltkrieg und die übrigen historischen


Historische Grenzen: 1.

Der Grenzverlauf 1864

1.

2.

Der Grenzverlauf 1864 bis 1920

3.

Der Grenzverlauf seit 1920 bis heute

2.

Aarhus

DÄNEMARK

Billund

Vejle

København

Kolding

Esbjerg Ribe

Haderslev

Odense

Aabenraa Tønder

SØNDERBORG Flensburg

Husum

3.

Svendborg

Schleswig Kiel Rendsburg

DEUTSCHLAND 4 / Hamburg


Am 18.April 2011 schlossen sich Deutsche Soldaten zum ersten Mal dem Düppel-Tag-Marsch durch Sønderborgs Straßen an. Hier mit der Düppeler Mühle im Hintergrund.

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Konfrontationen mit Deutschland wollen wir aufarbeiten. Wir wollen die kulturelle Intelligenz des Grenzlandes weiterentwickeln, indem wir unsere „angeborene“ Fähigkeit ausbauen, das Fremde und Andere zu verstehen. Das zeichnet die Menschen in diesem Teil Europas aus. Wir wollen auf die Mentalität zurückgreifen, die im alten Schleswig herrschte – damals, als die kulturelle und sprachliche Vielfalt in Blüte stand und keine Grenze die Landschaft nicht wie eine mentale Barriere zerschnitt.

Zweite Lehre aus der Gesichte Politischer Erfolg reicht nicht aus

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Wir wollen die politische Integration in eine lebendige Integration von Menschen verwandeln. Die heutige Grenze zwischen Dänemark und Deutschland ist eine demokratische Grenze. Sie wurde 1920 im Schatten der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg festgelegt und ist eine der wenigen Grenzen Europas, die durch eine Volksabstimmung zustande kam. Es ist eine Grenze des Volkes. Und sie wurde 1955 durch die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen ergänzt, die der dänischen wie der deutschen Minderheit

auf der jeweiligen Seite der Grenze die besten Bedingungen für ihre eigene Sprache und Kultur zusicherten. Die Grenze ist eine politische Erfolgsgeschichte. Die politischen Strukturen haben sich bewährt und funktionieren gut. Aber wir wollen, dass die Folgen auf der Straße ganz direct spürbar werden. Die mentalen Barrieren und die unbearbeiteten Traumata hemmen die Entwicklung des Grenzlandes. Die kulturelle, ökonomische und soziale Entwicklung ist abhängig vom Willen zur Zusammenarbeit und der gemeinsamen Lösung der Probleme. Wir sind auf dem Weg dorthin, aber es braucht weitere Anreize. Das alte Schleswig war eine dynamische Region. Doch die Grenze hat in Süddänemark und Norddeutschland zwei Randgebiete geschaffen. In Sønderborg soll ein neues Zentrum entstehen, an der Grenze und in Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn. Es gibt einen Weg, nationale Einheit zu wahren, ohne nationalistisch zu sein. Dazu gehört, dass wir unsere Unterschiede als kulturellen Reichtum begreifen. Wenn wir unsere kreativen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Kapazitäten vereinen, können wir zwei Randgebiete in eine Wachstumsregion umwandeln.


Eine der jährlichen dänisch-deutschen Kulturveranstaltungen ist die BlechbläserAkademie, die jeden Sommer in Sønderborg stattfindet. In 2011 spielten die Teilnehmer das Finale auf den Düppeler Schanzen.

Dritte Lehre aus der Gesichte Ohne wirtschaftliche Zusammenarbeit treten wir auf der Stelle Im Zeitalter der Industrialisierung funktionierte es ausgezeichnet. Viele hochtechnologische Unternehmen sicherten Sønderborg eine Vielzahl an Arbeitsplätzen in der Produktion. Doch in einer neuen Zeit mit einer neuen Ökonomie ist es schwieriger geworden. Die Ungelernten verlieren ihre Arbeit und finden keine neue. Und gleichzeitig ist Sønderborg nicht attraktiv genug für die kreativen Arbeitskräfte, die wir benötigen und für die wir Jobs hätten. Der Wandel von der Industriegesellschaft zu einer kreativen Wissensgesellschaft vollzieht sich allzu schnell. Junge Menschen ziehen fort, die Region leidet unter einem umfassenden „brain-drain“ Es hat zu lange gedauert, eine grenzüberschreitende wirtschaftliche Zusammenarbeit zu initiieren. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde mit gegenseitiger Nichtachtung vergeudet. Doch jetzt etablieren wir die Zusammenarbeit, um die Ökonomie des Grenzlandes zu retten. 4 /

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2030 2017

Auf dem Weg zu einer countryside metropolis

2012

Sønderborg ist (bei Ernennung in 2012) Kulturhauptstadt Europas 2017. Die Umwandlung von historischen Grenzen in eine ländliche Metropole aus Kreativität und schöpferischer Kraft erlebt einen Quantensprung.

2007

Verabschiedung des Kulturabkommens für Sønderjylland-Schleswig für die Jahre 2013-2016. Zum ersten Mal wird mit dem Dänischen Kultusministerium ein gemeinsames Kulturabkommen für die Region beschlossen. Damit ist die politische Unterstützung gesichert, eine grenzüberschreitende Kulturregion zu schaffen.

Das ProjectZero wird aus der Taufe gehoben. Sønderborg will bis 2029 Dänemarks erste CO2-neutrale Gemeinde sein. Die Initiative hat sowohl eine wirtschaftliche wie auch eine kulturelle und gesellschaftliche Perspektive. Es geht darum, eine neue Ökonomie zu entwickeln und Arbeitsplätze, Wissen und Wachstum zu schaffen. Es geht darum, eine nachhaltige Gesellschaftsstruktur und nachhaltiges Verhalten zu sichern.

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1933 1920

10 wichtige Ereignisse in der Geschichte Sønderborgs

1864

Mads Clausen erfindet das so berühmt gewordene Kühlventil in einer Bodenkammer auf dem elterlichen Hof. Der Unternehmergeist der Region ist geboren, Danfoss wird gegründet. Einer der ersten innovativen Unternehmer in unserer Region.

Die zweite Schlacht an den Düppeler Schanzen. Die Dänen werden innerhalb weniger Stunden geschlagen, Sønderborg wird in Schutt und Asche gelegt. Ein nationales Trauma ist die Folge. Die dänische Volksseele schottet sich vor der Welt ab. “Was nach draußen verloren wird, muss nach innen gewonnen werden”.

1460

Volksabstimmung. Die derzeitige Grenze wird durch eine Volksabstimmung festgelegt und schafft große nationale Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze.

Holstein wird mit dem Herzogtum Schleswig zu den Herzogtümern Schleswig und Holstein vereinigt. Das geschieht durch eine Handfeste – den Ribebrief – zwischen dem holsteinischen Adel und dem dänischen König Christian I. Damit wird er Herzog von Schleswig und Graf in Holstein.Han blev dermed hertug af Schleswig og greve i Holstein. Sønderborg liegt im nördlichen Schleswig. Die Herzogtümer werden ein selbstständiger Teil des dänischen Reiches mit eigener Gesetzgebung und Administration, geprägt von einer Mischung aus dänischer und deutscher Kultur, Sprache und Identität. Nach dem Krieg von 1864 werden sie aufgelöst.

1240-1250

Die Unterschriften unter den Bonn-Kopenhagener Erklärungen sichern den nationalen Minderheiten Bedingungen zu, die weltweit zu den besten gehören.

1955

Alsion. Das stärkste Symbol von Sønderborgs Vision, die Grenzen zwischen Kunst, Wirtschaft, Bildung, Forschung und Nachhaltigkeit einzureißen, wird am Hafen eingeweiht.

Sønderborg wird gegründet, Bau des ersten Schlosses. 1256 wird die Stadt Sønderborg wird zum ersten Mal erwähnt.


H.C. Andersen zu Gast auf Sønderborgs Schloss

“Ich kam zu dem hübsch gelegenen Jagdschloss Graasten und wurde wie früher freundlich und herzlich aufgenommen. Ich bemerkte nichts, was dänisches Gemüt und dänisches Herz hätte kränken können. Im Familienleben sprach man H.C. Andersen

nur Dänisch. Ich blieb hier 14 Tage. Die Gegend an der Flensburger Förde gehört unleugbar zu den malerischsten in Schleswig. Hier gibt es große Wälder, hügelartige Anhöhen und immer Abwechslung. Selbst die wallenden Nebel des Herbstes verleihen der Landschaft etwas Malerisches, dem Inselbewohner Fremdes, der eine solche Natur nur in kleinerem Ausmaß sieht. „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ schrieb ich hier und mit der Aufforderung, recht oft nach Graasten und Augustenborg zurückzukehren, verließ ich eine Stätte, an der ich glückliche Tage verlebt hatte. Eine schwere und blutige Zeit sollte darüber aufgehen. Ich habe nie das Herz gehabt, diese Gegend wieder aufzusuchen. Die letzten Töne, die mir nachklangen, waren: ‚Lott ist tot’ – die Prinzessinnen von Augustenborg spielten dies Lied in jugendlicher Munterkeit. Die Erinnerung an jene Zeit und ihren Nachklang ist ein schmerzliches Echo: ‚tot’ - ‚tot.” Der dänische Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-1875) stammte aus kleinen Verhältnissen in Odense in Süddänemark. In Dänemark nahm man ihn jahrelang als Schriftsteller nicht ernst. Dies änderte sich erst durch den Ruhm, den er in Deutschland erlangte, das er häufig bereiste. Seither ist Andersen weltberühmt.

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Geschäftsleute organisieren große Konzerte in Sønderborg - Wir alle sind davon abhängig, dass es in der Region

gut 12.000 Zuhörer in den Schlosspark Augustenborg

Sønderborg vorwärts geht. Aber das geht nicht von allein.

lockte, seither sind eine Reihe von Stars gefolgt, darunter

Die Kultur wird zu einem wichtigen Teil der Umgebung,

Roger Waters 2007 und Mark Knopfler 2008. „Kultur

in der die Menschen wohnen möchten.

i Syd“ war darüber hinaus Mitveranstalter eines Konzerts von Leonard Cohen in Odense.

So formulierte sich Autohändler Torben Lindvang, als er vor sechs Jahren den Verein „Kultur i Syd“ (Kultur

In der vergangenen Sommersaison war der Verein für eine

im Süden) gründete, der seither für eine Reihe großer

Reihe von Konzerten auf der Freiluftbühne Mølleparken

kultureller Arrangements, vor allem in Sønderborg,

in Sønderborg verantwortlich. Die Renovierung der

verantwortlich ist.

Anlage wurde von „Kultur i Syd“ unterstützt, nach dem Umbau hat sich die Zuschauerkapazität von 3.000

Hinter „Kultur i Syd“ stehen ungefähr 40 große und

auf 5.500 Personen erhöht. Die Renovierung hat 5,4

kleine Unternehmen der Region Sønderborg sowie ca.

Millionen Kronen (ca. € 720.000) gekostet, von denen

10 der Stadt Haderslev, in der das Fußballstadion die

jeweils eine Million die Gemeinde und „Kultur i Syd“

Möglichkeit bietet, Konzerte mit bis zu 40.000 Zuhörern

übernommen haben.

zu veranstalten. „Kultur i Syd“ organisiert gern auch andere kulturelle Der erste Name, den „Kultur i Syd“ präsentierte, war

Veranstaltungen. Internationales Aufsehen erregte der

Luciano Pavarotti, der sich auf seiner Abschiedstournee

Verein im August 2007 mit einer Einladung zu einem

für Sønderborg als Konzertort in Dänemark entschied.

Diskussionsabend im Alsion, an dem der umstrittene

Sein technischer Leiter besuchte Sønderborg, um zu

amerikanische Filmemacher Micheal Moore auf einer

prüfen, ob der Park von Schloss Augustenborg sich für

europäischen Vorpremiere seinen Film Sicko über das

ein Konzert eignete. Die Voraussetzungen waren gut und

amerikanische Gesundheitssystem vorstellte. Er wurde

ca. 8.000 Zuschauer hörten Pavarotti.

gefragt “Why Sønderborg?”, und Moores Antwort lautete:

Der nächste wirklich große Name war Eric Clapton, der

“Sønderborg – that’s why!”

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D

enkmäler und wichtige altertümliche Funde dürfen im Grenzland nicht in Frieden ruhen - und versetzen selbst nach einhundertfünfzig Jahren noch die Gemüter in Wallung. Der Istedtlöwe, 1862 in Flensburg als dänisches Denkmal für den teuer erkauften Sieg in der Schlacht bei Istedt errichtet, hat ein wechselhaftes Dasein erlebt. Als deutsche Kriegstrophäe wurde er 1864 nach Berlin gebracht, 1945 wurde das Denkmal an Dänemark zurückgegeben. Seither stand es in Kopenhagen. 106

Am 10. September 2011 wurde der Löwe jedoch wieder heim auf den Alten Friedhof von Flensburg gebracht. Ein erster Versuch, ihn an seinen ursprünglichen Standort zu bringen, scheiterte 1993; zu groß war der Widerstand in Flensburg gegen das dänische Siegessymbol. Doch nun hat sich die Stimmung geändert - auch dies ein Ausdruck der deutsch-dänischen Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens. Auf beiden Seiten der Grenze gibt es jedoch nach wie vor Menschen mit eher gemischten Gefühlen. Ihrer Meinung nach wirkt der Löwe aggressiv. Zu ihnen gehört die Kulturberaterin Helle Barsøe. - Der Istedtlöwe? Mir fällt es unglaublich schwer, in einem alten Löwen ein Symbol für diejenigen zu sehen, die 1850 in der Schlacht bei Istedt fielen. Ein Gedenkstein ja - aber ein Löwe? In Schleswig? - Wenn ich die Ausstellung in der IdstedtGedächtnishalle besuche und die Tagebücher der Soldaten lese, erfüllt es mich mit Respekt. Wenn ich

die Grabsteine auf dem Alten Friedhof in Flensburg betrachte, erinnere ich mich daran, was die vielen Soldaten und ihre Familien aus Dänemark, Preußen und Österreich durchmachen mussten. Ich empfinde Dankbarkeit gegenüber den Opfern, die sie gebracht haben, damit wir heute friedlich und in gegenseitigem Respekt zusammenleben können. Und ich freue mich jeden Tag darüber, in einem Grenzland mit all seinen Möglichkeiten und Dimensionen geboren und aufgewachsen zu sein. Es gibt Stimmen, die der Ansicht sind, Dänemark sollte im Gegenzug das Nydam-Schiff zurückerhalten. Das 23 Meter lange Kriegsschiff aus der Eisenzeit, das 1863 bei Sønderborg gefunden wurde und zu den wichtigsten archäologischen Funden Nordeuropas gehört, hat ein mindestens so unstetes Schicksal gehabt wie der Istedtlöwe. Nach dem Fund wurde es in Flensburg ausgestellt, das damals noch zu Dänemark gehörte. Als 1864 der Zweite Schleswigsche Krieg ausbrach, versteckten die Dänen das Schiff, doch nach Kriegsende verlangten es die Preußen. Das Schiff ist der erste vorzeitliche Fund, der offiziell in einem Friedenstraktat zwischen zwei Staaten erwähnt wird. Das Schiff wurde zunächst nach Kiel gebracht und während des Zweiten Weltkriegs in einem See bei Lübeck versteckt; heute ist es im schleswigholsteinischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf in Schleswig ausgestellt. Beiderseits der Grenze haben die Museen in den vergangenen Jahrzehnten ihre Zusammenarbeit intensiviert. So hat das Archäologische Landesmuseum Gottorf ab Mai 2003 das NydamSchiff für ein Jahr dem dänischen Nationalmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt.


“Ein Gedenkstein ja - aber ein Löwe? In Schleswig?” Helle Barsøe, Kulturberaterin, Rinkenæs

Deutschfreundliche Flensburger stürzen den Istedtlöwen nach dem preußischen Einmarsch 1864.


“Mojn” - ich bin Nordschleswigerin - beinahe jedenfalls Kirsti Madvig Olesen, Kommunikationsmitarbeiterin, Sønderborg

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ier im Grenzland haben wir unseren eigenen Gruß: „Mojn“. Er kann zu jeder Tageszeit eingesetzt werden - ob man kommt oder geht oder als eher beiläufiger Gruß. „Mojn“ wird in ganz Nordschleswig und großen Teilen von Norddeutschland verwendet, besonders in Ostfriesland und Südschleswig. In Deutschland sagt man häufig „moin-moin“ und schreibt es mit „i“. Doch es klingt genauso, daher können wir uns über die Grenze hinweg in unserer eigenen Sprache begrüßen. „Mojn“ verwenden Menschen, die nordschleswigschen Dialekt sprechen ebenso wie diejenigen, die Hochdänisch sprechen. Als Zugezogener muss man sich erst einmal an den neuen Gruß gewöhnen. Als ich hierher zog, habe ich zu einem Verkäufer in einem Laden „auf Wiedersehen“ gesagt, und er antwortete „mojn“. Als

ich das nächste Mal von mir aus die Initiative ergriff und „mojn“ sagte, wurde mir mit „auf Wiedersehen“ geantwortet. Damals war ich tatsächlich ein bisschen beleidigt! Als wollte man mir klarmachen, dass ich eindeutig kein Einheimischer bin. Für mich bedeutet das Wort „mojn“, dass man sich mit dem Nordschleswigschen identifiziert. Hin und wieder kommt es deshalb auch zu einem gewissen Dilemma, wenn man sich entscheiden muss, ob man auf diesen Zug aufspringt oder nicht. Mir fällt es jedenfalls nach wie vor schwer, „mojn“ ohne eine kleine ironische Distanz auszusprechen. Andererseits macht es aber auch Spaß, zum Beispiel, wenn man Leuten aus Kopenhagen damit sofort Nordschleswig signalisiert. Es gibt mehrere Theorien, woher das Wort „mojn“ stammt. Einer verbreiteten Erklärung nach leitet es sich von der Aussprache des Grußes „guten Morgen“ im Berliner und Brandenburger Dialekt ab: „morjen“. Der Begriff wurde dann von Handwerkern und Händlern nach Norden gebracht. Während der Zeit der Deutschen in Nordschleswig empfanden die dänisch Orientierten „mojn“ als etwas Deutsches; sie weigerten sich, es zu verwenden. So entstand ein neues Schlagwort: „Mojn er forbojn“ („Moin ist verboten“). Doch inzwischen ist „mojn“ längst von einem nationalen Streitobjekt zu einem volkstümlichen Symbol der nordschleswigschen Identität geworden.


“Ich blicke nicht auf die deutsche Jugend herab. Sie muss die Chance bekommen, würdige Bürger Europas zu werden” Mogens Dyre, Widerstandskämpfer und während des Zweiten Weltkriegs 1944-1945 KZ-Häftling

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ogens Dyre wurde mit der Häftlingsnummer 69.133 als junger Mann in ein Konzentrationslager in Deutschland gesperrt. Es sollten siebenundfünfzig Jahre vergehen, bevor er in das Lager zurückkehrte, das heute ein Museum ist. Zur Abschreckung und zur Warnung. Beinahe

ein halbes Jahrhundert hat er nicht über sein Leben als KZ-Häftling gesprochen. - Ich hatte Angst, dass niemand mir glauben würde. Ich habe mich ziemlich einsam gefühlt. Sogar mit einigermaßen starken Worten lässt sich kaum beschreiben, wie schlimm es war. Der Gestank, die Demütigungen, die Furcht von dem Tod. Was soll ich sagen? Mogens Dyre hat das Lager überlebt. Geboren in Frederiksberg am 23. April des Jahres, in dem der Erste Weltkrieg endete. Einundzwanzig Jahre alt war er, als die Nazis und Deutschland am 9. April 1940 Dänemark besetzten. Er saß mit seinen Kameraden in der Offiziersschule des Heeres in Kopenhagen, als die deutschen Flugzeuge über die Hauptstadt flogen. - Wir waren jung und idealistisch. Wir liefen an die Fenster und sahen die Flugzeuge. Wir waren tief, sehr tief enttäuscht über unsere Regierung. 4 /

Verbittert waren wir. Einige von uns schlugen mit der Faust auf den Tisch, erinnert sich Mogens Dyre. Er leistete die Wehrpflicht in Sønderborg ab, heiratete eine Kaufmannstochter aus dem Norden der Insel Alsen und wurde nach dem Krieg Ingenieur und Leiter der Forschungsabteilung bei Danfoss. Er engagierte sich bei den dänischen Pfadfindern, in lokalhistorischen Vereinigungen, im Bastelverein und in der Vereinigung der Widerstandskämpfer, außerdem ist er Freimaurer und Mitglied des Heimatschutzes. Aber er ist nicht antideutsch. Er ist ein großer Anhänger einer engen europäischen Zusammenarbeit. - Ich hasse die Deutschen nicht, aber ich hasse diejenigen, die meine Kameraden und mich misshandelt haben. Die Großeltern der jungen Deutschen verachte ich. Ich schaue nicht auf die deutsche Jugend herab. Sie muss die Chance bekommen, würdige Bürger Europas zu werden. Ich denke, nach der Behandlung, die ich erlitten habe - und all dem, was ich erleben musste, habe ich das Recht zu dieser Unterscheidung. Mogens Dyre lehnt die Idee nicht ab, die der Künstler Kenn André Stilling entwickelt und einer Reihe Sønderborger Bürgern vorgestellt hat: Ein Friedensmonument auf den Düppeler Schanzen. Es soll eine Händedruck an alle sein, die den Krieg überlebt haben, und am liebsten würde Stilling es durch den deutschen Künstler und Bildhauer Anselm Kiefer realisiert sehen. - Ich weiß nur nicht so genau, was solch ein dänisch-deutsches Monument ausdrücken soll, sagt Mogens Dyre.


“Ein Krieg ist nie nur die Geschichte einer Nation” Kristian Jørgensen, Vermittler, Historiecenter Dybbøl Banke (Geschichtszentrum Düppeler Schanze)

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s war ein kalter, nebliger Februarmorgen, die Kugeln pfiffen uns nur so um die Ohren. Die Kanonen schossen mit teuflischem Geheul über unsere Köpfe, Schnee und Eis spritzten auf. Unsere erste Begegnung mit den 84-pfündigen Geschossen der Dänen war fürchterlich! Als der Nebel stellenweise und unbarmherzig gewichen

war, mussten die Soldaten ohne den Hauch einer Deckung im Laufschritt vorrücken. Die Stadt Misunde hinter den Dänen stand in Flammen. Hier kamen wir nicht durch. Bereits am ersten Tag wurde zum Rückzug geblasen. Bereits am ersten Tag mussten wir die Toten und Verwundeten einsammeln, ihre Zahl ging in die Hunderte.


In der verdunkelten Soldatenbaracke des Historiecenter Dybbøl Banke sind die Augen groß und die Ohren gespitzt. Die Zuhörer haben es sich in den beiden niedrigen Strohboxen bequem gemacht, die an beiden Seiten des Mittelganges liegen. Wie die Sardinen in der Dose lagen die Soldaten im Krieg 1864 in Baracken wie dieser, mit Ungeziefer und Mäusen, die durch das Stroh huschten. In einer alten Soldatenuniform schreitet Kristian Jørgensen den Mittelgang auf und ab. Er dramatisiert einen Auszug aus einem Erinnerungsbuch, das der preußische Unteroffizier J. Bubbe vom 24. Brandenburgischen Infanterieregiment geschrieben hat. Der einundzwanzigjährige Kristian Jørgensen engagiert sich seit fünf, sechs Jahren im Geschichtszentrum und ist als sogenannter Vermittler einer derjenigen, die die Schicksalsberichte der unmittelbaren Zeugen des Krieges lebendig werden lassen - der Soldaten im Feld. Viele ihrer Briefe sind veröffentlicht. Und Kristian Jørgensen hat sich durch die Frakturschrift des vor dem Ersten Weltkrieg herausgegeben Buches gearbeitet und J. Bubbes Erinnerungen ins Dänische übersetzt. Wir hören, wie die Dänen den Verteidigungswall Danewerk aufgeben und die durchgefrorenen und hungrigen preußischen Soldaten bis Blans in der Nähe von Düppel kommen. Dort schenkt eine dänische Bauersfrau Bubbe einen Schinken und lehnt die angebotenen Silbermünzen als Bezahlung ab. Aber sie bittet darum, dass man ihren Sohn verschonen möge, der auf der dänischen Seite steht. Wir lassen uns von der nervenzermürbenden Wartezeit in den Schützengräben erzählen, und von der Stille am Morgen des 18. April, unmittelbar vor Beginn der Schlacht, die wenige Stunden später knapp 1.700 Tote und Verletzte auf der dänischen und etwa 1.200 Mann auf der preußischen Seite gefordert hat. Als Kristian vor der eigentlichen Geschichte J. Bubbe vorstellt, ruft ein Junge unter den Zuhörern dazwischen: „Aber hat der für die Dänen gekämpft?“

Einem Neunjährigen mag es schwerfallen zu verstehen, dass inzwischen auch preußische Augenzeugenberichte berücksichtigt werden. Bis vor ein paar Jahren wurden tatsächlich nur Berichte dänischer Soldaten im Historiecentret vermittelt. - Viele Jahre wurde über die Soldaten im Krieg erzählt, über ihre Motive und wie sie gekämpft haben. Aber man hat sich kaum darum gekümmert, was es eigentlich für ein Gefühl war, im Krieg zu sein. Genau das sieht das Geschichtszentrum heute als seine Aufgabe, der Mensch steht im Mittelpunkt, und da ist es vollkommen egal, ob die Soldaten unter der preußischen Flagge oder unter dem Dannebrog gekämpft haben. Wenn man die Geschichte nur von einer Seite erzählt, könnte man den Eindruck gewinnen, die siegreiche Armee wäre eine unüberwindliche Kriegsmaschine gewesen vor allem, da der Krieg so lange zurückliegt. Doch die preußischen Soldaten hatten genauso viel Angst, ihr Leben zu verlieren, wie die dänischen. Kristian Jørgensen war ziemlich gespannt, als er das erste Mal aus dem Blickwinkel der Preußen erzählte. - Aber die Reaktionen sind positiv. Hin und wieder kommen mal Buh-Rufe, aber das ist nur Spaß. Ich habe einige Male erlebt, wie Zuhörer hinterher mit Tränen in den Augen zu mir kamen und erzählten, dass sie einen Sohn oder einen Neffen im Krieg in Afghanistan hätten. So etwas beeindruckt Kristian, denn obwohl heute Friede in Düppel herrscht, ist doch an anderen Orten der Welt nach wie vor Kanonendonner zu hören. - Wir haben uns daran gewöhnt, 1864 als unser kleines, privates Trauma zu begreifen, aber ein Krieg ist nie nur die Geschichte einer Nation, es gibt immer zwei Seiten - mindestens. Historiecenter Dybbøl Banke hat sich das Ziel gesetzt, die Geschichte in der Mannschaftsbaracke auch in deutscher Sprache anzubieten. Noch fehlt es an der Sprachkenntnis – doch die Vermittler machen schon mutig ihre die ersten Anläufe.


aus Sild und Holbøl, die Eltern der Mutter kamen aus Eiderstedt und der Umgebung von Rendsburg. In ihrem engsten Familienkreis wurde Nordschleswigsch, Deutsch, Plattdeutsch und Friesisch gesprochen. Zu Hause sprach die Familie Dänisch, allerdings legten die Eltern Wert darauf, dass ihre Kinder sich auch in den übrigen Sprachen ausdrücken konnten. Katrine Hoop ist Kriminologin und hat an der Universität in Hamburg studiert. Nach ihrer Studienzeit kehrte sie nach Schleswig zurück und leitete fünf Jahre das Aktivitetshuset der dänischen Minderheit in Flensburg.

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- Wir gehören zu einer Generation der dänischen Minderheit, die sich zwar noch immer als sehr dänisch empfindet, die gleichzeitig aber auch versucht, ihre Wurzeln nicht nur an den Daten 1864 und 1920 zu definieren, sondern einen Schritt zurückgeht. In die Zeit, bevor wir festgefügte, durch Grenzen getrennte Nationen hatten; in eine Zeit, als die Grenzregion noch eine Art fließenden Übergang bildete: Hier wurde die Kultur gelebt, aus der man kam, gleichzeitig aber auch die Kultur, in die man fuhr. Ich hoffe, dass es wieder so sein wird, wir im Grenzland müssen uns jedenfalls darum kümmern. Auf eine erstaunliche Art entwickelt sich hier etwas sehr Althergebrachtes. So äußert sich die vierzigjährige Katrine Hoop gegenüber dem Magazin „GRÆNSEN – magasin for mindretal, sprog og kultur“ („DIE GRENZE – Magazin für die Minderheit, Sprache und Kultur“), das vom Grænseforeningen (Grenzverein) her-ausge-ge-ben wird. Katrine Hoop weiß, was es heißt, Schleswiger zu sein. Geboren und aufgewachsen ist sie in Follervig in Nordfriesland, ihr Vater war dort Rektor der dänischen Schule. Die Familie ihres Vaters stammte

- Wenn man in einer Grenzregion wohnt, ist es wirklich ziemlich merkwürdig, in Nationen zu denken. Der Generation meiner Eltern fiel es noch schwer, so etwas zu sagen, aber meine Generation spricht es aus: Wir lassen die Nationen hinter uns. Wir Jüngeren öffnen uns einander gegenüber, und dadurch ändert man sich auch mental und in seiner Einstellung. Inzwischen hat sich ein großer Mentalitätsunterschied zwischen den Jungen und den Alten in der dänischen Minderheit entwickelt - weit größer als der Unterschied zwischen Jungen und Alten in Dänemark, berichtet Katrine Hoop und fügt hinzu: - Der ganz entscheidende Unterschied ist, dass die Generation, die nach dem Fall der Mauer erwachsen wurde, sich ihrer Identität bewusst werden muss. Wir sehen uns nicht mehr als Dänen oder Deutsche, sondern als Schleswiger. Und in Zukunft wird man sich hier geradezu als Fremder fühlen, wenn man rein deutsch oder rein dänisch ist.


“Wenn man in einer Grenzregion wohnt, ist es wirklich ziemlich merkwürdig, in Nationen zu denken” Katrine Hoop, Schleswigerin

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“Dass wir zur Wiedervereinigungsfeier geladen wurden, bedeutete, dass man uns nun auch als Gleichwertige ansah” Hans Heinrich Hansen, Präsident der FUEN, der Federal Union of European Nationalities

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Hans Heinrich Hansen, der in Egernsund bei Sønderborg wohnt und heute Präsident der FUEN (Federal Union of European Nationalities) ist, der Dachorganisation der europäischen Minderheiten.

Bei dem Redner handelte es sich um den damaligen Vorsitzenden der deutschen Minderheit,

Die Dänen erinnern sich an die Feier 1995 als den Tag, an dem die Deutschen zum ersten Mal die 1920 durch eine Volksabstimmung festgelegte Grenze anerkannten, doch das weist Hans Heinrich Hansen zurück: - Nein, die deutsche Minderheit hat bereits 1945 eine Loyalitätserklärung abgegeben, und mit den Bonn-Kopenhagener-Erklärungen von 1955

berall in Nordschleswig feiern die Dänen alljährlich die 1920 beschlossene Wiedervereinigung von Dänemark und Nordschleswig. 1995 - zum fünfundsiebzigsten Jubiläum - geschah etwas Bahnbrechendes. Zum ersten Mal wurde ein Repräsentant der deutschen Minderheit eingeladen, bei Düppel eine Rede zu halten. Natürlich sorgte das für Unmut, aber die Veranstalter erhielten auch Unterstützung und blieben standhaft.


bekamen wir die Gleichberechtigung. Dass wir zur Wiedervereinigungsfeier geladen wurden, bedeutete, dass man uns nun auch als Gleichwertige ansah. Das ist für mich der zentrale Punkt. Die Einladung wurde als Geste verstanden, und Hans Heinrich Hansen erwiderte diese Geste: - Ich habe damals gesagt, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind - auch für nazistische Haltungen, die während der Zeit der Besetzung in der deutschen Minderheit verbreitet waren. Ich habe mich entschuldigt, aber das ist jetzt überstanden, wir müssen nach vorn schauen. Gerade die Gleichwertigkeit ist laut Hansen ein sehr wichtiger Faktor, der in der Politik häufig übersehen wird. Gleichberechtigung allein reicht nicht aus. In dieser Frage sind die deutsch-dänischen Beziehungen im Grenzland ein weiter Schritt vorangekommen. Es herrscht eine harmonische Beziehung - unter anderem auch durch die bescheidenen Größen der Minderheiten. In anderen Ländern stellt sich die Situation vollkommen anders dar: So leben beispielsweise zwei- bis dreitausend Ungarn außerhalb ihres Landes - in der Slowakei, in Rumänien oder in Tschechien, weil Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg verkleinert wurde.

sagt Hans Heinrich Hansen, der mit Bedauern feststellt, dass die Gleichwertigkeit in unserem Teil Europas bedroht zu sein scheint. - Es gibt Tendenzen, dass es aufbricht. Man ist gleichberechtigt, aber dennoch nicht gleich gut – und das betrifft nicht nur die Minderheit. Es ist der Nationalbegriff – man fühlt sich sehr dänisch, aber muss das gleichbedeutend damit sein, dass alles andere weniger wert ist?

Die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen von 1955 legen die Rechte der Minderheiten fest, zum Beispiel dass sie ihre eigenen Kulturinstitutionen und politischen Parteien haben dürfen. Die Erklärungen werden häufig als „Grundgesetz“ der Minderheiten bezeichnet und als Musterbeispiel für andere Grenzgebiete herangezogen. In den Erklärungen wird festgehalten, dass die Behörden nicht überprüfen dürfen, ob jemand zur Minderheit oder zur Mehrheit gehört.

Man geht davon aus, dass südlich der Grenze ungefähr 50.000 Menschen zur dänischen

In Europa finden diese Probleme viel zu wenig Beachtung, meint Hans Heinrich Hansen, der darauf verweist, dass jeder siebte Bürger Europas einer Minderheit angehört, zählt man Russland zu Europa dazu. Doch auch im dänisch-deutschen Verhältnis gibt es noch immer Einiges, das sich verbessern lässt. - Die Beschilderung zum Beispiel. Wenn man in Frankreich in die Bretagne kommt, sind die Schilder französisch und bretonisch beschriftet, und so ist es in vielen Ländern – auch in Deutschland. Aber das lässt sich in Dänemark offenbar nicht durchsetzen, 4 /

Minderheit gehören, während nördlich der Grenze etwa 20.000 Menschen der deutschen Minderheit angehören.

Die Federal Union of European Nationalities hat ihren Hauptsitz in Flensburg, dort gibt es auch ein Forschungszentrum für Minderheiten, The European Centre for Minority Issus, ECMI.


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n einer globalisierten Welt ist es nötig, dass wir wissen, woher wir kommen. Und die Erinnerung an das Essen, mit dem wir aufgewachsen sind, ist in hohem Maße mitverantwortlich für unsere Identität.

Genauere Studien belegen, dass die jahr-hun-derte-lan-ge kulturelle Begegnung zwischen Deutschen und Dänen Sønderjylland-Schleswig eine besondere Prägung gegeben hat, auch auf kulinarischem Gebiet.

2012 wird mehr über den Geschmack von Sønderjylland-Schleswig und eine Esskultur ohne Grenzen zu lesen sein.

Hier treffen sich dänische, nordjütische, holsteinische und friesische Esskultur und gehen eine Symbiose ein, die zusätzlich noch von außen beeinflusst wurde. Dieses Verschmelzen von vielen Speisetraditionen ist das Besondere des Grenzlands und hat eine grenzüberschreitende Esskultur geschaffen, die noch immer lebendig ist. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Esskultur Dank eines wachsenden Interesses an guten, regional produzierten Produkten neue Lebenskraft gewonnen. „Birnen, Bohnen und Speck“ ist ein ausgezeichnetes Gericht. sind ausgezeichnete Lebensmittel. Überhaupt denke ich, dass die vielen verschiedenen geräucherten Produkte, die man in Dänemark sonst nicht bekommt, eine Bereicherung für die Esskultur der Region sind, sagt Inge Adriansen.

Inge Adriansen, Professorin, stellvertretende Museumsleiterin, Gastro-Historikerin und Autorin, schildert in einem kulturhistorischen Kochbuch Speisetraditionen und die gegenwärtige Gastronomie im gesamten Grenzland. Das Buch wird eine Reihe von Beiträgen über die besondere Geschichte der Region enthalten, die mit sechzig typisch nordschleswigschen und schleswigschen Rezepten für Gerichte, Gebäck und gute Getränke verknüpft sind.

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- Auf einem Atlas des gastronomischen Weltkulturerbes nimmt Dänemark nicht sehr viel Platz ein, denn es ist äußerst bescheiden, was eine Bevölkerung aus Breiessern und Schweinezüchtern auf diesem wichtigen zivilisatorischen Feld beitragen kann. Die Welt wurde im Grunde nur um zwei Gerichte reicher, die man mit einem gewissen Recht als speziell dänisch bezeichnen kann: Das reich belegte Smørrebrød und die große Kaffee- und Kuchentafel in der nordschleswigschen Version.

In den Rezepten finden sich auch die Backanleitungen für typisch nordschleswigsche Kekse wie „Knæpkager“ („Knusperkeks“), „Gode råd“ („Guter Rat“) oder „Ingenting“ („Nichts“). Allerdings ist dieses „Nichts“ ein wirkliches Vergnügen zu einer guten Tasse Kaffee. Es ist ein ganz besonderer nordschleswigscher Keks.

Die Nordschleswigsche Kaffeetafel wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Nordschleswig populär. Es heißt, es müssen mindestens 14 verschiedene Kuchen sein - sieben harte und sieben weiche. Als Gast sollte man am besten alle probieren, um die Gastgeberin nicht zu beleidigen. Der Schriftsteller Siegfried Lenz hat übrigens eine Novelle über den Kummer mit den nordschleswigschen Kaffeetafeln geschrieben.


“Die Esskultur hat neue Lebenskraft gewonnen” Prof. Dr. Inge Adriansen, Leitende Mitarbeiterin des Museum Sønderjylland – Sønderborg Slot, Gastro-Historikerin und Autorin

Rezept: Ingenting Zutaten

375 g Mehl 2 Eigelb 250 g Butter 2 EL Sahne Bei 150° ca. acht Minuten backen. Den Teig zusammenrühren und mit einer Teigrolle ausrollen. Die Kekse mit einem Weinglas ausstechen und vor dem Backen mit der Verzierung belegen.

Die Verzierung

300 g Zucker 2 EL gehackte Mandeln 2 Eiweiß 1-2 TL Essig Eiweiß und Zucker steif schlagen, Essig und Mandeln vorsichtig unterrühren.

Viele nordschleswigsche Hausfrauen halten diese Kekse für die leckersten Kekse, die es überhaupt gibt. Der Name weist auf die leichte Substanz der Kekse hin. „Ingenting“ kann man immer essen, sie sind der ideale Abschluss einer großen Kaffeetafel. In Mittelschleswig werden diese Kekse bisweilen auch Israeliten genannt.

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“Der Dannebrog ist zu einem Symbol des Jubels geworden” Prof. Dr. Inge Adriansen, Leitende Mitarbeiterin des Museum Sønderjylland – Sønderborg Slot, Gastro-Historikerin und Autorin

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- In Dänemark betrachten wir unsere Flagge als etwas ‚Privates’, nicht als ein offizielles Symbol der Staatsmacht. Daher ist die Flagge bei uns auch bei zahlreichen Gelegenheiten zu sehen, bei denen in anderen Ländern niemand auf die Idee käme, die Landesfahne zu verwenden. Der Dannebrog ist zu einem Symbol des Jubels geworden, das Fülle, Festlichkeit und Zusammengehörigkeit signalisiert, erzählt Prof. Dr. Inge Adriansen, Leitende Mitarbeiterin des Museums im Schloss Sønderborg, Wissenschaftlerin und Autorin des Buches „Nationale symboler i Det Danske Rige 1830-2000“ (»Nationale Symbole des Dänischen Reiches 1830-2000«). Der Dannebrog gehört zu den ältesten Staatsflaggen der Welt, und in ihrem Buch erklärt Prof. Dr. Inge Adriansen, wie das dänische Bürgertum die Staatsgewalt geradezu zwang, die Fahne als offizielles staatliches Symbol aufzugeben und als Gemeineigentum des Volkes zu akzeptieren. Während des Schleswig-Holsteinischen Krieges (1848-1850) hissten unzählige gewöhnliche Bürger den Dannebrog als Zeichen ihrer patriotischen Gesinnung, so dass die Behörden sich 1854 gezwungen sahen, das zwanzig Jahre zuvor vom König erlassene Flaggenverbot aufzuheben.

- Die Übernahme der königlichen Fahne durch das Volk halte ich für einen Ausdruck der Nationalisierung der Kultur im Grenzland. Es führte in der Bevölkerung zur Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls, das die deutschsprachigen Bürger des dänischen Gesamtstaates nicht mit einbezog. Als Nordschleswig 1864 unter deutsche Herrschaft geriet, wurde die dänische Fahne sofort verboten. An den Häusern und auf den Höfen wurden die Fahnenstangen entfernt und die Flaggen in Kisten versteckt. Natürlich konnten die Machthaber die Fahne verbieten. Doch die Gefühle, die sich mit dem Dannebrog verbanden, ließen sich nicht unterdrücken. Die Dänen wurden weltweit zu einer der Nationen, die am meisten ›Flagge zeigt‹. Sie setzen die Fahne bei unzähligen Gelegenheiten ein – als Verzierung der Geburtstagstorte ebenso wie als Gesichtsbemalung bei einem spannenden Fußballländerspiel. Deutsche Bürger hissen vor ihren Privathäusern selten eine Fahne – weder die deutsche, noch die dänische, die schleswig-holsteinische oder die friesische. Die deutsche Fahne galt als Zeichen des Nationalismus, und tatsächlich gingen die Deutschen vom Nationalismus ja oft genug einen Schritt weiter in Richtung Militarismus und schließlich Nazismus. Allerdings kommt es Schritt für Schritt zu einer Normalisierung. Bei der letzten Fußballweltmeisterschaft flaggten auch die Deutschen und hatten sich die deutschen Fahne an die Autofenster gesteckt – auch in Dänemark.


“In der Medienwelt haben wir gerade erst losgelegt” Mads Sandemann, Redakteur der Tageszeitung JydskeVestkysten, über die Überwindung der Landesgrenze als Informationsgrenze

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ür viele besteht die deutsch-dänische Grenze aus vier Grenzen: Einer Landesgrenze zwischen zwei Rechtstaaten. Einer Kulturgrenze. Einer Sprachgrenze. Und einer Informationsgrenze. - Die Landesgrenze zu überschreiten ist leicht, aber es herrscht großes Unwissen darüber, was “auf der anderen Seite” geschieht. Die Medien haben großen Einfluss auf den Abbau dieser Informationsgrenze, erklärt der Redakteur Mads Sandemann, der Koordinator des grenzüberschreitenden Zeitungprojektes „Blandt Naboer“/„Unter Nachbarn“ gewesen ist. Die Medieninitiative begann 2008 als Pilotprojekt und wurde in neuer Form bis Ende 2010 weitergeführt. Vier Medienhäuser nördlich und südlich der Grenze beteiligten sich am Projekt und brachten jeweils samstags dieselbe Reportage aus dem Alltag von Dänen und Deutschen im Grenzland. Bereits jetzt sind aus Schleswig Kommentare zu hören, dass dieses gemeinsame Projekt bei der breiten Bevölkerung für mehr Informationen und Einsichten gesorgt hat als alle offiziellen Reden der vergangenen fünfzig Jahre. Deshalb soll die Zusammenarbeit zwischen dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, „Flensborg Avis“, „Der Nordschleswiger“ und „JydskeVestkysten“ im Herbst 2011 fortgesetzt werden. Es sollen Neuigkeiten und Nachrichten auf die jeweils andere Seite der Grenze gebracht werden, die die Leser sonst nicht bekommen würden.

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- Die Informationsgrenze hat ja nicht nur mit den Medien zu tun, sie existiert hier im Grenzgebiet auch bei jedem einzelnen von uns in den Köpfen. Es ist eine nationale Eigenart, an der unter anderem die Minderheiten festhalten, doch darüber sollte man nicht lamentieren. - Aber uns verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Und auf beiden Seiten der Grenze werden die Bürger sich zunehmend dieser Gemeinsamkeit bewusst. Man wacht in gewisser Weise auf, das Interesse an der Geschichte Schleswigs wächst ständig. In der Medienwelt haben wir gerade erst begonnen. Deshalb sehen wir die Kandidatur zur Kulturhauptstadt Europas als große Chance für das Grenzland und als große Chance für die Medien, die Initiativen auszubauen, die dazu beitragen, die Landesgrenze als Informationsgrenze einzureißen.


“Natürlich müssen wir weiter an einer verstärkten dänisch-deutschen Zusammenarbeit arbeiten. Die jungen Menschen sind doch Europäer” Bitten Clausen, Witwe des Danfoss-Gründers Mads Clausen

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rau Bitten Clausen, die Witwe des DanfossGründers Mads Clausen, wird von der Bevölkerung in Sønderborg und Umgebung als nordschleswigsche “Königin” und als eine liebe Freundin geschätzt, die noch bis vor wenigen Jahren im örtlichen Turnverein aktiv gewesen ist. Frau Clausen lädt den Verein für Gartenliebhaber zu sich nach Hause ein und erscheint bei lokalen Anlässen – wie beispielsweise in diesem Frühjahr, als am frisch renovierten Dyvig Badehotel eine Eisbude eingeweiht wurde.

Noch immer erinnert man sich daran, wie Bitten Clausen in den Jahren nach dem Krieg Spielzeug an Kinder verschenkte und einen Strickklub ins Leben rief, um Notleidenden zu helfen. Es ist Bitten Clausens Verdienst, dass Danfoss sehr viel mehr ist als nur ein Arbeitgeber in der Umgebung Sønderborgs: Das Unternehmen ist ein großzügiger Unterstützer von Kultur- und Freizeitaktivitäten und trägt zur Verwirklichung großer Projekte große Projekte wie das Alsion, die Neugestaltung des Hafens in Sønderborg und das ProjectZero.


Und Bitten Clausen hat diesen Geist ihren Kindern weitergegeben. Als einer von fünf Punkten steht geradezu eingemeißelt in den Unternehmenszielen von Danfoss: „An der regionalen Entwicklung Nordschleswigs teilnehmen“. Mads Clausen begegnete Bitten, als er ihren Vater aufsuchte, den Autohändler Andkjær in Haderslev. Der junge Fabrikant aus Alsen war fasziniert von Autos und ihrer Technik. Darüber redete der sonst eher wortkarge Mads gern. Bitten, die eigentlich Dorothea Emma heißt, heiratete Mads Clausen 1939 in Haderslev, seither wohnte das Paar auf Alsen. Bitten Clausen interessieret sich vom Tag eins für die Geschicke der Firma, lebte sich in den Firmenalltag ein und suchte gerne das Gespräch mit sowohl leitenden als auch Mitarbeitern der Produktion. Und sie war durchaus beschäftigt. Zwischen 1940 und 1953 bekam das Paar fünf Kinder, die während einer enormen Expansionsphase der Firma aufwuchsen. Als Bitten und Mads Clausen heirateten, hatte Danfoss 26 Mitarbeiter, 1955 waren es 2.321 und 1966 6.554 Angestellte. Damals kamen häufig eine Unmenge von Gästen, die nicht im Hotel wohnten, sondern von Bitten in ihren privaten Räumen begrüßt und untergebracht wurden – manchmal erfuhr sie erst wenige Stunden vorher von der Ankunft der Besucher. Und bisweilen musste sie die Gäste nach dem Abendessen unterhalten, denn Mads zog sich gern zurück – vermutlich um wie den größten Teil des Tages zu arbeiten. Mads Clausen starb bereits 1966, und Bitten hielt als Aufsichtsratsvorsitzende das Schicksal der Firma in ihren Händen. Fünf Jahre zuvor war Danfoss in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, mit dem Fabrikant Mads Clausen Fond als Hauptaktionär und Mads Clausen als leitendem Direktor. Nun musste ein neuer Direktor gefunden 4 /

werden. Aber es gelang ihr ausgezeichnet: Im Laufe von fünf Jahren wuchs die Anzahl der Mitarbeiter von Danfoss um 50%. 1971 zog Bitten Clausen sich zurück, wurde stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats und brachte die Aktienmajorität in den Bitten og Mads Clausen Fond ein, den sie leitete. Mehrere Direktoren folgten bei Danfoss, 1996 einer von Bitten und Mads Söhnen Direktor werden sollte: Jørgen Mads Clausen, bis heute Vorsitzender des Aufsichtsrats. Bitten Clausen kann sich darüber freuen, dass Danfoss gedeiht und das Engagement um die Entwicklung der Region beibehalten werden kann. Denn einige Male hat die Bevölkerung den Atem anhalten müssen: Bei Danfoss auf Alsen wurden Arbeitsplätze abgebaut, und es gab die Befürchtung, dass die Familie den Hauptsitz von der Insel ins Landesinnere, näher an das Autobahnnetz, verlagern könnte. Doch die Familie ist geblieben und hat zu ihrem Wahlspruch gestanden: Wenn du helfen kannst, musst du! Dieses Engagement gilt auch für das Projekt Kulturhauptstadt Europas 2017. Jørgen Mads Clausen ist überzeugt, dass mehr Kultur mehr Kreativität in allen Bereichen freisetzen wird. Man muss bloß ehrgeizig genug sein. Bitten Clausen wurde am 20. Oktober 1912 geboren und hat in ihrer Kindheit noch erlebt, dass in der Schule Deutsch gesprochen wurde und die dänische Sprache verboten war. Sie war jung, als das dänisch-deutsche Verhältnis sehr angespannt war. Heute ist Bitten Clausen hingegen eine große Anhängerin einer verstärkten Zusammenarbeit über die Grenze hinweg – der Idee, auf der das Kulturhauptstadtprojekt basiert. - Natürlich müssen wir weiter an einer engeren dänisch-deutschen Zusammenarbeit arbeiten. Die jungen Menschen sind doch Europäer, meint sie.


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EIN EUROPÄI LABORATORI GRENZEXPER


ISCHES IUM FÜR RIMENTE I

n Sønderborg und Umgebung wurde der Danfoss-Gründer Mads Clausen, im Volksmund „Mads Patent“ genannt, zum Vorbild für viele Generationen. Hier gibt es zahlreiche Beispiele von Menschen, die querdenken und mit einem Nischenprodukt Erfolg haben. Es ist eine Kunst, grenzüberschreitend zu denken – und wenn wir Kunst und Kultur in allen Bereichen der Gesellschaft verankern, können wir besser Neues denken. Das ist absolut notwendig, denn davon werden wir in Zukunft leben. Im Grenzland wie in Europa.

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Experimentiert mit den Grenzen

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ir wollen mit den Grenzen experimentieren. Jetzt, 2017 und danach. Wir haben bereits damit begonnen. Sønderborg ist bekannt für seinen Unternehmergeist, und das nicht in einem provinziellen Maßstab. Frei nach dem Motto: Klein sein und Großes bewegen. Besonders deutlich zeigt er sich zum Beispiel bei Danfoss – der Weltfirma, die 1933 in der Bodenkammer eines Bauernhofes etwas außerhalb von Sønderborg gegründet wurde. Doch er zeigt sich genauso bei einer Reihe kleinerer Betriebe in der Stadt. Zum Beispiel bei einer der neueren Firmen, dem Elektronikunternehmen Lodam, das während der weltweiten Finanzkrise einen massiven Rückgang in Erfolg verwandelte, als es begann, mit der Konkurrenz zusammenzuarbeiten. Dies geschah im Rahmen der nationalen Clusterinitiative „Lean Energy Cluster“ – einem Wachstumsprojekt, das durch angewandte Forschung Unternehmen und Bildungsinstitutionen die Möglichkeit gibt, beim effizienten Umgang mit Energie und intelligenten Energiesystemen zu kooperieren. Unternehmertum ist die Fähigkeit, Neues zu denken und zu wagen, Dinge zu verbinden, die normalerweise nicht Hand in Hand gehen. Es


geht darum, Grenzen herauszufordern und zu überschreiten – nicht um eine grenzenlose Welt zu schaffen, sondern um produktive Räume einzurichten, in denen sich Grenzen begegnen und das Heterogene aufeinandertrifft. Grenzen wurden überschritten, als 2007 das ProjectZero begründet wurde, eine Kooperation von öffentlicher Hand und privaten Unternehmen mit dem Ziel, Sønderborg bis 2029 CO2-neutral zu machen. Bis 2029 soll der Energieverbrauch der Region halbiert werden, gleichzeitig wird die Energie aus eigenen erneuerbaren Energiequellen gewonnen. Damit wird die Gemeinde Sønderborg die erste CO2-neutrale Kommune Dänemarks sein. Es wurden Grenzen überschritten, als der Entschluss gefasst wurde, Sønderjyllands Symfoniorkester, die Syddansk Universitet Sønderborg, das ProjectZero und eine Reihe anderer Wirtschafts- und Wissenschaftsbereiche in dem neugebauten Alsion am Hafen von Sønderborg in einem Gebäude unterzubringen. Das Alsion wurde 2008 auf der Baumesse Expo Real in München mit dem Prime Property Award für die Anwendung neuer Technologien und Nachhaltigkeit in einem Gebäude ausgezeichnet. Es ist das erste Hybridgebäude in Dänemark, das Bildung, Wissen und Kultur unter einem Dach vereint – und selbstverständlich haben auch das Sekretariat Sønderborg 2017 und das „Center for 5 /

Kultur“ hier ihre Räume. Wir haben also einige Erfahrung darin, unseren weiten Kulturbegriff in konkrete Strukturen umzusetzen. Es wurden Grenzen überschritten, als beschlossen wurde, den kanadisch-amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry mit der Neugestaltung der Hafenfront zu beauftragen, die einige charakteristische Jugendstilbauten aus der Zeit aufweist, als Sønderborg noch Teil des deutschen Kaiserreichs gewesen ist. Entstehen soll ein moderner Ort der Begegnung für Kunst, Wissen, Architektur, Wirtschaft und Gesundheit. Realisiert wird dies unter anderem durch eine neue Kunsthalle, in der Kunst und Technologie verschmelzen, und wo das digitale Universum Kunst, Kultur und Wirtschaft einen Treffpunkt anbieten soll. Dazu kommen ein Haus des Wissens, in dem innovative Firmen sich Sachkenntnis und Räume teilen, und ein Multikulturhaus als Heimstatt einer Fusion aus Wissen, Kunst und Kultur. Hier werden fortgeschrittene Bildungs- und Lernbereiche, traditionelle Ausstellungen und eine Bibliothek untergebracht. Und es wurden Grenzen überschritten und Neues gedacht, als Sønderborg vor wenigen Jahren eine Strategie entwickelte, die Landbezirke der Gemeinde zu revitalisieren. In 26 Ortschaften der Kommune wurden Dorfbeiräte eingerichtet, durch die die Bürger in die lokalen Planungen

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mit einbezogen werden; gleichzeitig wird mit Hilfe von Kunst und Kultur eine Verbindung zwischen den kleinen Dörfern und der großen Welt hergestellt. Unter der Überschrift „FremmedArt“ („FremdArt“) werden in einer Reihe von Dörfern der Gemeinde von ausländischen Künstlern geschaffene Skulpturen installiert; die Skulpturen stehen jeweils für eine gewisse Zeit an ihren Standorten und rotieren zwischen den einzelnen Ortsteilen. Diesen unternehmerischen Geist und diese Fähigkeit, ständig in neuen Bahnen zu denken, möchte Sønderborg den Europäern gern zeigen. Sønderborg möchte die Bürger Europas einladen, ein Teil davon zu sein. Wenn wir zur Kulturhauptstadt Europas ernannt werden, wollen wir ein europäisches Laboratorium sein, in dem mit Grenzen jeglicher Art experimentiert und gespielt wird.

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Bei Sønderborg 2017 geht es um die Entwicklung von kultureller Intelligenz und kreativer Kapazität. Oder anders ausgedrückt: Es geht darum, den unternehmerischen Geist, der das Wirtschafsleben und das politische System des Grenzlandes kennzeichnet, zu einem kulturellen Unternehmergeist weiterzuentwickeln, der dazu beiträgt, die Region wirtschaftlich, gesellschaftlich und im kulturellen Sinn zu regenerieren. Kultur ist das, was verbindet, das, was wir gemeinsam


Zukunftsvisionen für den ländlichen Raum der Region

© British Council

Future City Game

Freundschaften und Gemeinschaften müssen nicht unbedingt altersabhängig sein. In den ländlichen Bezirken der Region gibt es häufig eine sehr gemischte Bevölkerungsstruktur: Familien mit Kindern, Rentner, Gewerbetreibende, Zugezogene und Einheimische. Es ist eine harmonisch zusammengesetzte Miniaturgesellschaft, und sicherlich ist diese gemischte Bevölkerungsstruktur eine der Stärken der ländlichen Räume. Mit dem Future Cities Game des britischen Kulturinstituts British Council wurden mit den Bürgern neue Konzepte für den ländlichen Raum entwickelt.

Eigentlich wurde Future City Game als Spiel für größere Städte entwickelt, doch da in Sønderborg Grenzen eingerissen werden sollen, lag es auf der Hand, das Spiel mit den Dorfbeiräten zu spielen. Fünf Dorfbeiräte spielten im Frühjahr 2010 gegeneinander, um in den ländlichen Bezirken Begegnungsstätten zu schaffen, in denen man sich generationenübergreifend treffen kann. Der siegreiche Dorfbeirat bekam DKK 40.000,(5.369 Euro) um seine Idee umzusetzen, die übrigen Teilnehmer erhielten je DKK 20.000 (2.684 Euro) als Anschubfinanzierung.

Bei Future City Game geht es darum, mit Hilfe von neuem Denken die langfristigen Herausforderungen zu lösen, die sich als Folge der Globalisierung für die Städte ergeben: Urbanisierung, Klimaveränderungen und soziale Bedürfnisse. Das Spiel motiviert die Teilnehmer, Städte zu besseren Städten werden zu lassen. Und es Das Spiel zeigte in aller Deutlichkeit, dass es geht auch darum, den Dialog zwischen dem öffentlichen in den ländlichen Bezirken eine Unmenge kreativer Sektor und den Einwohnern einer Stadt anzustoßen. Gedanken und Ideen gibt. Der Dorfbeirat von Dynt-Skelde-Gammelgab zum Beispiel Ziel des Spiels ist es, die beste Idee zu entwickeln, pflanzte einen Trüffelwald mit Eichen, wie sich die Lebensqualität in einem bestimmten Birken und einem Unterholz aus Stadtteil oder in der Stadt insgesamt verbessern Beerensträuchern, von dem das lässt. Zwei Tage wird gespielt. Die Mitspieler haben gesamte Dorf profitieren wird, unterschiedliche Erfahrungshintergründe, es sind wirtschaftlich und sozial. Männer und Frauen verschiedener Generationen und aus den unterschiedlichsten Berufen. Die Spieler spielen in Mannschaften gegeneinander, es gilt, die beste Idee zu kreieren, zu testen und zu präsentieren.

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haben, das, worunter wir uns als Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft versammeln. Doch im 21. Jahrhundert bedeutet Kultur noch etwas anderes und häufig ebenso Wichtiges: Es gehört die Kraft zu einem neuen Denken im weitesten Sinne dazu – und das schließt auch ein neues Denken ein, das ökonomische Entwicklung und Nachhaltigkeit sichert. In der Welt der Kunst und Kultur geht es immer darum, etablierte Grenzen zu überschreiten, querzudenken und ungleiche Größen zu vereinen, um ein neues und starkes Erlebnis zu schaffen, das zu neuen Ufern führt. Diese Forderungen gelten längst für alle Bereiche der Gesellschaft. Wenn wir uns nicht entwickeln, sterben wir. Das sind die Bedingungen für die Wirtschaft des Grenzlandes wie für die Wirtschaft Europas.

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Kulturelle Intelligenz bedeutet, sich konstruktiv zu dem verhalten zu können, das nicht unmittelbar zu verstehen scheint. Andere Kulturen zu verstehen, sich in andere Kulturen einzuleben und innerhalb der Parameter agieren zu können, die fremde Kulturen aufstellen. Und dabei ist es egal, ob wir über andere ethnische Kulturen, nationale Kulturen, Minderheitenkulturen, Arbeitskulturen oder Fachkulturen sprechen. Denn es sind nicht nur Grenzen zwischen den Nationen Europas, mit denen wir produktiv umgehen müssen. Es sind


auch die Grenzen von Kunst, Kultur, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Daher müssen Kunst, Kultur und die kulturelle Intelligenz dazu genutzt werden, jede Art von Grenzen zu einer produktiven Grenze umzufunktionieren. Das verstehen wir als kultureller Unternehmergeist – ein Begriff, der in den kommenden Jahren für Europa ganz entscheidend werden wird. Denn hier, im Fadenkreuz all der eben genannten Bereiche, entsteht die neue Ökonomie. Europas neue Ökonomie. Der kulturelle Unternehmensgeist soll mit Blick auf das Jahr 2017 genutzt werden, ein Randgebiet zu einer modernen europäischen countryside metropolis umzugestalten, bereit für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, in der Grenzen, die von der Geschichte gezogen wurden, produktiv genutzt werden, um einen neuen kulturellen, sozialen und ökonomischen Raum zu schaffen. Von seiner Größe her ist Sønderborg lediglich eine durchschnittliche Provinzstadt. Und doch möchten wir eine countryside metropolis schaffen, in der sich die gleiche Dynamik, Kreativität und Innovationsfähigkeit findet wie in Europas traditionelle Metropolen – mit dem Unterschied, dass dieses Ziel in engem Einklang mit der Natur erreicht wird und sich damit ganz andere Möglichkeiten bieten als in den Großstädten.

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Die ländlichen Räume, an denen Sønderborg so reich ist, sollen nicht abgewickelt werden. Denn sie bieten alternative Wohnformen und Formen des Zusammenlebens, die in hohem Maß zu den Aktivposten eines künftigen Europa gehören. In den Dörfern leben Familien mit Kindern, Rentner und Geschäftsleute häufig Seite an Seite in einer Symbiose, die man aus Großstädten überhaupt nicht mehr kennt. Daher wollen wir mit den Grenzen experimentieren und eine countryside metropolis schaffen, die Sønderborg und das Grenzland von einem Randgebiet zu einem Zentrum werden lässt, ohne dabei die Lebensformen zu zerstören, die für ländliche Räume charakteristisch sind. Das ist das neue gemeinsame Projekt für Dänen und Deutsche. Ein Projekt zwischen zwei Staaten und ein europäisches Projekt.

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Aber wir benötigen Europas Hilfe und Wohlwollen durch eine Ernennung die Würdigung als Kulturhauptstadt Europas 2017. Und Europa braucht Sønderborg als Kulturhauptstadt 2017. 2017 hat Europa die einmalige Chance, den Fokus auf seine Grenzen und die damit verbundenen Probleme und Chancen zu richten. Eine dänische Stadt wird die Auszeichnung als Kulturhauptstadt Europas mit einer zyprischen Stadt teilen. Zypern, das wie wenige andere europäische Länder unter einem historischen Grenzkonflikt leidet, der immer wieder aufflackert und sich in Gewalt entlädt.

Sønderborg hat gute Verbindungen zu den zyprischen Kandidaten und wird, sofern die Stadt zur Kulturhauptstadt Europas 2017 ernannt wird, eine enge Zusammenarbeit mit dem zyprischen Gewinner eingehen. Selbst wenn die Grenzkonflikte bei uns im nördlichen Teil Europas keineswegs mit den Umständen im Süden zu vergleichen sind, können die Grenzregionen doch von einander lernen. Denn die Rede ist – im Norden wie im Süden – von europäischen Konflikten, die in der europäischen Geschichte begründet liegen; es ist die Geschichte des Multikulturalismus wie des extremen Nationalismus gleichermaßen. Das Jahr 2017 werden wir nutzen, um dazu beizutragen Europa, diesem Kontinent der Konflikte und Grenzen, eine Seele zu geben und den Süden mit dem Norden zu verbinden.


SØNDERBORG 2017

ZYPERN 2017

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- Es hat uns total verändert, über die Grenze hinweg mit Kultur zu arbeiten, sagt der Ziegeleibesitzer Christian A. Petersen und denkt an den Moment, als er erfuhr, dass der weltberühmte Schweizer Architekt Peter Zumthor das neue Kunstmuseum des Erzbistums Köln bauen sollte. Es sollte auf den Resten der St. Kolumba-Kirche errichtet werden, deren älteste Spuren aus der Römerzeit stammen, ca. 2.040 Jahre vor unserer Zeit. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Bomber der Alliierten St. Kolumba zerstört.

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Christian Petersen suchte Zumthor sofort auf, und nach mehreren hundert Versuchen mit verschiedenen Ziegelproben bekam er einen Auftrag für 300.000 Ziegelsteine. 2007 waren die Bauarbeiten beendet und bescherten Petersen eine Unterdeckung von ungefähr einer Million Euro, allerdings erwies sich der neuentwickelte lange und flache Stein Kolumba weltweit als Erfolg. Unter anderem wurde der Kolumba-Stein vom Architekturbüro Lundgaard & Tranbjerg beim Bau des neuen Schauspielhauses in Kopenhagen verwendet. Seit über zehn Jahren liefert Petersen nicht nur Ziegelsteine für von Architekten entworfene Gebäude am Kopenhagener Hafen, sondern auch für die Renovierung des gemeinnützigen Wohnungsbauprojekts Gjesingparken in Esbjerg, um nur ein Beispiel zu nennen.

wir ganz normale Menschen hier nicht brauchen, sie dürfen gern ein bisschen verrückt sein, lacht Christian Petersen, bei dem lokale Künstler ebenso ein- und ausgehen wie große Namen: Bjørn Nørgaard und Olafur Eliasson zum Beispiel sind der Ziegelei eng verbunden. Im August 2011 bildete die Ziegelei in Nybøl Nor den Rahmen für ein Symposion der World Association of Brick Artists, an dem unter anderem der Künstler Bjørn Nørgaard teilgenommen hat.

Mit dem Übergang zu gemauerten Bauten im östlichen Nordschleswig und nach dem großen Brand in Kopenhagen 1728 wurde die Region um die Flensburger Förde zu Dänemarks größtem Ziegeleigebiet. Einst lagen über sechzig Ziegeleien an der Flensburger Förde. 1925 war die Produktion von Backsteinen noch immer der wichtigste Industriezweig in Nordschleswig. Egernsund bei Sønderborg ist noch immer das größte Ziegeleiareal Dänemarks.

Die Ziegelei Cathrinesminde bei Broager beispielsweise war von 1732 bis 1968 in Betrieb. Von 1985 bis 1993 wurde sie restauriert und als Ziegeleimuseum eingerichtet. Heute ist hier die Abteilung für Ziegeleigeschichte und nordschleswigsche Industrie des Museum Sønderjylland untergebracht. Der dänische Ausschuss für kulturelles Erbe hat Cathrinesminde

Als Christian Petersen 1970 als frisch ausgebildeter Keramikingenieur aus Süddeutschland nach Hause zurückkehrte, um nach dem Tod seines Vaters die Ziegelei zu übernehmen, wurden noch ganz gewöhnliche Backsteine produziert. Zunächst änderte Christian daran nichts. Doch in den achtziger Jahren bekam er Besuch von der schwedischen Künstlerin Ulla Viotti, die mit einer Ziegelskulptur arbeiten wollte. - Ich besorgte mir aus den Niederlanden eine Anlage, die handgestrichene Ziegelsteine produzieren konnte – und so fingen wir an, anders zu werden. Ja, schreib ruhig, dass ich verrückt bin. Manchmal ist das durchaus von Vorteil. Tatsächlich können

zu einem von fünfundzwanzig nationalen Industriedenkmälern ernannt – zusammen mit dem Wärme- und Kältetechnikunternehmen Danfoss. •

39 Ziegeleien existierten im 20. Jahrhundert in Nybøl Nor und dem Gebiet um Broager. Heute sind es nur noch sechs, aber sie produzieren mit deutlich weniger Angestellten zehnmal so viele Steine wie die Ziegeleien vor einhundert Jahren.


“Tatsächlich können wir ganz normale Menschen hier nicht brauchen – sie dürfen gern ein bisschen verrückt sein” Christian A. Petersen, Besitzer der Ziegelei Petersen Tegl, Nybøl Nor


“Kunst und Kultur mit dem Wirtschaftsleben zu vereinen – darin liegt die Zukunft” Leif Maibom, Direktor der Sønderborg Sommer Revy

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ublikumsrekord und ausverkaufte Vorstellungen. Das ist längst keine Neuigkeit mehr, wenn es um die Sønderborg Sommer Revy geht. Seit vielen Jahren steigt die Anzahl der Gäste kontinuierlich, und auch der vergangene Sommer, als die Revue ihr dreißigjähriges Jubiläum feierte, war da keine Ausnahme: 48 Vorstellungen mit insgesamt 24.531 Zuschauern – so viele, wie überhaupt nur ins Theater von Sønderborg passen, wenn der Balkon zusätzlich mit Barhockern bestuhlt wird. Viele Gäste nehmen in dem mit dem Theater kooperierenden Hotel ein Revueabendessen ein, beziehungsweise wohnen einen oder mehrere Tage im Hotel oder in einer der anderen Übernachtungsmöglichkeiten der Region, denn nicht wenige Zuschauer kommen von weit her. Und ein Großteil des Publikums sind Stammgäste, die darauf vertrauen, dass Revuedirektor Leif Maibom, der auch die Texte schreibt und zum Ensemble auf der Bühne gehört, einen Abend mit schallendem Gelächter und spitzen Kommentaren zu nationalen Ereignissen und Phänomenen des vergangenen Jahres garantiert. Alles begann als Freizeitvergnügen in dem Dorf Lysabild im Süden der Insel Alsen. Leif Maibom und seine Frau Johnna arbeiteten dort als Lehrer und gehörten zu einer Theatergruppe, die eine Revue zu lokalen Themen aufführte. 1982 wagte die Gruppe den Sprung und spielte im damaligen Theater von Sønderborg.

- Wir wollten nur mal sehen, ob man damit etwas verdienen konnte, den Überschuss wollten wir teilen. Wir hatten nur einen Musiker und einen Bühnenmeister und arbeiteten mit unseren eigenen Möbeln und Farbresten. Am Ende gab es einen Gewinn, der aber nicht sehr hoch ausfiel, erzählt Leif Maibom, der nicht wirklich damit gerechnet hatte, dass die Revue tatsächlich stetig wuchs und größer wurde. - Tja, als Johnna und ich uns dann in den achtziger Jahren entschieden, als Lehrer aufzuhören, dachten wir: Oh je, können wir wirklich die Leinen kappen? Es ist ja nicht so einfach, wieder in seinen alten Job zurückzukehren. Wir mussten schon auf’s Geld achten. Heute gibt es in Sønderborg die drittgrößte Revue des Landes, die eine Menge Gäste anzieht und zum Stadtgespräch geworden ist. Und im Gegensatz zu anderen Städten musste die Revue noch nie durch Subventionen der Kommune unterstützt werden. Im Gegenteil, die Revue verhilft der Gemeinde zu Mieteinnahmen für das Theater, das in den Sommermonaten sonst leer stünde. - Ich habe mich erst sehr spät als selbständigen Unternehmer gesehen, aber ich kenne viele in der Region, die ebenfalls gern etwas unternehmen würden – die einen gewissen Freiheitsdrang verspüren. Die denken vielleicht: Wenn Mads Clausen Danfoss aufbauen konnte, könnte mir so etwas auch gelingen. Es ist von enormer Bedeutung, das die Stadt daran arbeitet, Kunst und Kultur mit dem Wirtschaftsleben zu vereinen – darin liegt die Zukunft.


”Meine besondere Voraussetzung ist mein Gehör für Musik” Laurits Th. Larsen, Violinist und Fabrikant

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ine Firma aus Sønderborg versendet kleine, mit Lack versiegelte Umschläge mit Wohlklang in die ganze Welt: Larsen Strings A/S, deren Saiten für Streichinstrumente von den besten Musikern eingesetzt werden. Der Gründer der Firma, Laurits Th. Larsen, hat selbst viele Jahre als Violinist in Sønderjyllands Symfoniorkester gespielt. Bis er sich vor 21 Jahren einer neuen Herausforderung stellte. - Ich bekam einen Anruf von einem Musikerfreund aus den USA, der mich fragte, ob ich ihm 300 A-Saiten besorgen könne. Nur betrug die Lieferzeit für das europäische Produkt, das es gab, ein Jahr. Also ging ich selbst in die Garage, erzählt Laurits Th. Larsen, der damals schlechte Prognosen und Warnungen in den Wind schlug. Er musste die Saitenproduktion von Grund auf lernen, und auch der Freund aus den USA hatte bereits versucht, eine Saite zu entwickeln – ohne Erfolg. Es dauerte 18 Monate, um die Saite zu produzieren. Ein Kollege aus dem Symphonieorchester, der sie ausprobierte, war begeistert, und sofort wollte noch jemand solche Saiten – von da an ging es Schlag auf Schlag. Nach zwei Jahren Freistellung entschied Laurits Th. Larsen, sich vollkommen auf seine Firma zu konzentrieren, die heute 35 Mitarbeiter in Sønderborg beschäftigt, an einer Firma in Deutschland zur Hälfte beteiligt ist und einen Produktionsstandort in Tschechien besitzt. - Als ich anfing, war meine besondere Voraussetzung mein Gehör für Musik, und das ist noch immer mein Vorteil. Ich kann das, was ein Musiker ausdrücken will, in eine Sprache ’übersetzen’, mit der ein Techniker umgehen kann. Selbst wenn 5 /

beide Dänisch oder Deutsch reden, gibt es eine Sprachbarriere. Ein Musiker wird einen Klang als warm, kalt oder leuchtend beschreiben, aber das ist der Sprachgebrauch der Nutzer. Larsen Strings führen technische Klanganalysen durch, um einen bestimmten Klangausdruck festzuhalten und so das Risiko zu minimieren, dass der Klang zwischen den beiden Welten verloren geht. Darüber hinaus legt das Unternehmen großen Wert auf die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. So waren Laurits Th. Larsen und sein Leiter der Entwicklungsabteilung zum Beispiel gerade in Wien, wo sie zusammen mit den Cellisten der Wiener Philharmoniker Saiten getestet haben. Larsen Strings ist kurz davor, neue Produkte für weitere Streichinstrumente anzubieten – für Violine, Bratsche und Cello – und bereitet sich darauf vor, in Sønderborg in größere Räume zu ziehen. Ein Umzug an eine zentralere Adresse in Jütland wurde erwogen, aber verworfen. - In Sønderborg bekommen wir Unterstützung und Aufmerksamkeit, obwohl wir keine große Firma sind. Und bis jetzt konnten wie die Spezialisten anziehen, die wir brauchen, obwohl es ihnen nicht leicht fällt, mit Familien aus größeren Städten wie Aarhus oder Kopenhagen hierherzuziehen. Es gibt allerdings auch einige Mitarbeiter, die von weit her zur Arbeit kommen. Es geht also darum, die Firma weiterhin auf einem hohen Niveau zu halten, damit sie diesen Aufwand auch weiterhin für wert halten.


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it das feinste Mehl Dänemarks stammt aus der Skærtofter Mühle (Skærtoft Mølle) bei Sønderborg. Dafür haben das Ehepaar Jørgen Houbak Bonde und Hanne Risgaard handfeste Beweise.

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Seit das Paar 2004 ihren Traum realisiert und den Hof der Familie um eine Hofmühle erweitert hat, die frisch gemahlenes, ökologisches Mehl an Einzelhändler, Bäckereien und Restaurants liefert, wurde die Skærtofter Mühle mehrfach ausgezeichnet; unter anderem von SlowFood Danmark. - Durch die Skærtofter Mühle bekommt Nordschleswig seinen Platz auf der Landkarte. Es mag ja sein, dass das beste Restaurant der Welt in Kopenhagen liegt. Aber wenn die besten Köche des Landes Perldinkel zum Risotto brauchen, dann kommt der aus Nordschleswig, sagt Benny Engelbrecht von den Sozialdemokraten, der Sønderborg im dänischen Parlament Folketing vertritt. Als Autor des Buches „FoodFight.eu“«, in dem er sich mit der Qualität von Lebensmitteln beschäftigt, ist Benny Engelbrecht besonders stolz auf das Konzept der Skærtofter Mühle: Nach einem möglichst effizienten Vom Erzeuger zum Verbraucher-Prinzip ist der Primärproduzent auch für die Veredelung der Produkte verantwortlich – auf diese Weise wird die industrielle Stufe übersprungen.

- Die wenigen Schritte vom Erzeuger zum Verbraucher eröffnen sehr innovative Möglichkeiten des Handelns. Ich weiß, dass Jørgen Bonde beispielsweise sehr eng mit der Supermarktkette Irma zusammenarbeitet, um neue Produkte zu entwickeln. Die Skærtofter Mühle ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Kultur – in diesem Fall Esskultur – Arbeitsplätze schafft. Weil gutes Essen mehr Liebe und einen größeren Arbeitsaufwand erfordert als industriell hergestellte Nahrungsmittel, sagt Benny Engelbrecht. Die Skærtofter Mühle ist aber auch innovativ, wenn es darum geht, Esskultur zu einem Erlebnis werden zu lassen. In der Stallküche der Hofmühle werden Kurse in der Kunst des guten Backens angeboten – in der Technik des Knetens, des Gärens und des langsamen Gehenlassens. Die Skærtofter Mühle ist darüber hinaus Gastgeber eines jährlichen Brot- und Kochfestivals mit über fünftausend Besuchern, die hier unter anderem bekannte internationale und dänische Köche, Brotbacken auf vielerlei Weise sowie Koch- und Brotwettbewerbe erleben können.


“Die Skærtofter Mühle ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Kultur Arbeitsplätze schaffen kann. Weil gutes Essen mehr Liebe und größeren Arbeitsaufwand erfordert als industriell hergestellte Nahrungsmittel” Benny Engelbrecht, Folketing-Mitglied und Autor von „FoodFight.eu“

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“JETZT haben wir die Chance, etwas Größeres zu realisieren” Lars Christensen, Direktor der Broager Sparekasse, über den Bau einer Sporthalle

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n Sønderborg ist die Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren, PPP (Public-private-partnership), Ausdruck einer wohlüberlegten Strategie zur Wachstumssteigerung. Die Privatwirtschaft und die Gemeinde Sønderborg arbeiten in enger und verpflichtender Gemeinschaft zusammen. Das jüngste Beispiel stammt aus dem Jahr 2010, als der Stadtrat beschloss, eine Sporthalle zu bauen. - Ein kleiner Kreis von Unternehmern setzte sich zusammen, denn das kulturelle Leben brauchte bessere Rahmenbedingungen für größere Veranstaltungen, die letztlich der ganzen Gemeinde Sønderborg dienen. Notwendig waren zwei Hallen, sagt Lars Christensen, der Direktor der Broager Sparekasse. Der Weg vom Gedanken bis zur Tat war nicht weit. - Wir waren einer Meinung, dass wir JETZT die Chance hätten, etwas Größeres zu realisieren. Den Politikern wurde eine Idee präsentiert, bei der zwei Hallen zu einer Superhalle zusammengelegt werden, die Platz für etwa 2.400 Zuschauer hat. Die Gemeinde bezahlt eine Halle, und die Wirtschaft

und private Investoren die andere. 2012 kann das Gebäude eingeweiht werden. Ein anderes Beispiel für die öffentlich-private Partnerschaft ist die Sønderborg Havneselskab A/S (Hafengesellschaft Sønderborg), die 2006 von der Kommune und dem privaten Bitten og Mads Clausen Fond gegründet wurde. Ziel der Gesellschaft war und ist es, in Sønderborg eine neue und spannende Stadtlandschaft zu gestalten – einzigartig in Dänemark und Europa: mit einem Hotel, einem Multikulturhaus, einer Kunsthalle, Büros und Wohnungen. Der kanadische Architekt Frank Gehry hat den Masterplan erarbeitet, die ersten Bauarbeiten haben begonnen. Eine dritte wichtige Wachstums-Initiative ist Sønderborgs ambitioniertes Ziel, dass das gesamte Gemeindegebiet bis spätestens 2029 CO2-neutral ist – wohlgemerkt, es geht um ein CO2-neutrales Gebiet, bei dem die Klimainitiative auch zu Wachstum und neuen, grünen Arbeitsplätzen führt. Um diese Vision zu realisieren, wurde 2007 das ProjectZero gegründet. ProjectZero ist als öffentlich-privatePartnerschaft angelegt, unter anderem mit dem Energieversorger Syd Energi, dem Bitten og Mads Clausen Fond, DONG Energy, Nordea Fonden und der Gemeinde Sønderborg. 2012 wird das erste Autobahnteilstück Dänemarks freigegeben, das als PPP-Projekt realisiert wurde. Die fünfundzwanzig Kilometer lange Strecke verbindet Sønderborg mit der E45 durch Jütland und weiter durch Europa.


“Die Sønderborg Beach Party lebt von der Idee, dass die Sønderborger etwas aus Leidenschaft zusammen tun – nicht wegen des Geldes” Sheriff Danjo, Feuerkopf und Ideengeber der Sønderborg Beach Party

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n einem Sommertag des Jahres 2002 saß Sheriff Danjo am Strand von Sønderborg und genoss mit einer Handvoll Freunden die Sonne. Plötzlich hatte er eine Idee. Warum nicht ein alljährlich stattfindendes Strandfest organisieren? Seine Freunde fanden die Idee großartig, und Sheriff holte seinen Ghettoblaster, der für die fünf Teilnehmer der ersten Sønderborg Beach Party vollkommen ausreichte. Heute ersetzt eine professionelle Anlage den Ghettoblaster, und die CDs wurden durch live auftretende Musiker aus Sønderborg, Jamaica und Afrika abgelöst. 2010 kamen mehr als 1.000 Teilnehmer zur Sønderborg Beach Party, und zum Jubiläum im Jahr 2011 wurde das Fest auf zwei Tage erweitert. Die grundsätzliche Idee aber ist dieselbe wie vor zehn Jahren. - Ich komme aus einem kleinen Dorf in Gambia, dort gibt es weniger als achtzig Häuser. Alles ist weit entfernt, das heißt, wir sind abhängig von einander und von dem, was wir durch unsere gemeinsame Hilfe schaffen. Wir lieben es zu tanzen und zu feiern, und diese sozialen Aktivitäten verbinden die Menschen. Die Sønderborg Beach Party lebt von der Idee, dass die Sønderborger etwas aus Leidenschaft zusammen tun – nicht wegen des Geldes, erklärt Sheriff. Die Sønderborg Beach Party ist Jahr für Jahr größer geworden, und Sheriff hat alle Hände voll damit zu tun, den örtlichen Handel und die Vereine in 5 /

das Projekt einzubinden, damit der freie Eintritt für alle auch weiterhin gewährleistet ist, obwohl große Namen und zahlreiche Aktivitäten auf dem Plakat stehen. Dank örtlicher Sponsoren und einer Menge freiwilliger Helfer kommt die Sønderborg Beach Party mit einem Budget von ca. 15.000 dänischen Kronen (etwa 2.000 Euro) aus, die von der Gemeinde beigesteuert werden. - Es ist ein fantastisches Gefühl, dass so viele Menschen das Projekt unterstützen. Von den Läden, die einen kleinen Betrag spenden, bis hin zu Privatleuten, die uns ihr Gartentrampolin für den Kinderbereich leihen, sagt Sheriff. 2010 hatte die Sønderborg Beach Party Gäste aus etwa fünfzehn verschiedenen Ländern. Sheriff träumt daher bereits in größeren Dimensionen. - Ich denke schon, dass wir Platz für 10.000 Menschen hätten.


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enn diese Bewerbung eingereicht ist, hat der geborene Sønderborger Journalist und Fernsehproduzent Axel Boisen gerade die CSR(Corporate Social Responsibility)-Awardshow im Alsion in Sønderborg veranstaltet – vermutlich die erste der Welt. Eine Konferenz und eine Show, in der Direktoren, CSR-Chefs, Berater, Repräsentanten von humanitären Organisationen und Politiker zusammenkommen, um auf die ökonomischen und sozialen Vorteile von CSR hinzuweisen – und die besten Projekte auszuzeichnen.

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Corporate Social Responsibility (unternehmerische gesellschaftliche Verantwortung), abgekürzt CSR, ist ein Begriff, der inzwischen weltweit in den Sprachgebrauch der Medien, der Verwaltung und in die Umgangssprache Einzug gehalten hat. - Dänische Unternehmen sind traditionell verantwortlich handelnde Akteure innerhalb der Gesellschaft. Man hängt es aber nicht an die große Glocke. Und das ist schade, denn dort verbergen sich Erfahrungen für Milliarden von Kronen, die darauf warten, umgesetzt zu werden und die andere zur Nachhaltigkeit inspirieren können, meint Axel Boisen. „Der 29. September 2011 wird ein nationaler Tag der Nachhaltigkeit, und ich bin überzeugt, dass es der Anfang eines neuen europäischen Bewusstseins wird.“ Axel Boisen wurde durch seine Vergangenheit als Bandleader, der mit dem Kommunikationsprojekt Axel Boys Quartet durch achtundzwanzig Länder getourt ist, inspiriert. Sein Wissen über internationale Beziehungen und realisierte Konzepte stammt gleichermaßen aus der Welt der Medien wie der Kunst. - In den vergangenen zwei Jahren habe ich für Danmarks Radio an einem Dokumentationsfilm über CSR gearbeitet. Ausgangspunkt war die neue Forderung des dänischen Folketings an die Unternehmen, in ihren Jahresbilanzen auch ihre gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmen zu beschreiben. Ich habe mit allen möglichen Personen in der CRS-Landschaft gesprochen – von internationalen Direktoren und UN-Repräsentanten über dänische Wirtschaftsführer, Politiker und Beamte, Berater, fachliche Mitarbeiter, Wissenschaftler und Studenten bis hin zu denen, um die es geht: den afrikanischen Bauern, den chinesischen Fabrikarbeiter und den Mann auf der Straße in vier Kontinenten. Ziel ist es, dass Sønderborg zum Austragungsort weiterer dänischer Awardshows wird, in denen kommuniziert werden soll, was dänische Unternehmen für die CSR leisten. In diesem Jahr war Al Gore, der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2007 und ehemaliger amerikanischer Vizepräsident, als Hauptredner eingeladen.

Axel Boisen, Veranstalter der CSR-Awardshow, Alsion


“… dort verbergen sich Erfahrungen für Milliarden von Kronen.”


“Tanz und Musik können Menschen heilen” Merete Værge, Sønderborg, Ausbildungsleiterin am University College Syddanmark

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ann Theater Lebensmut geben? Können Krankheiten weggetanzt werden? Kann Kultur ein Ghetto verändern? Dieser Überzeugung ist Merete Værge, Ausbildungsleiterin und Verantwortliche eines neuen Diplomstudiengangs in Kultur und Gesundheit, dessen Schwerpunkt unter anderem in der Wirkung von Bildender Kunst, Musik und ästhetischem Erleben bei kranken Menschen besteht. - Im dänischen Gesundheitswesen haben wir die Tendenz, den Menschen nur als physiologisches Wesen anzusehen. Es gibt eine Menge erhobener Zeigefinger: Du darfst nicht fett essen! Du musst dich bewegen! Und so weiter. Aber der Mensch ist auch ein geistig-kulturelles Wesen. Wenn man als

Krankenpfleger medizinisch nichts mehr ausrichten kann, bleibt nur noch die Frage: Womit können wir dir helfen? Und hier erlebe ich, dass sterbende Patienten ein bestimmtes Musikstück hören oder noch einmal das Frühjahr erleben möchten. - Wir hatten mal einen Patienten auf der Intensivstation, der sagte, dass etwas besonderes dazu beigetragen hatte, das er wieder gesund wurde: die roten Clogs einer der Krankenschwester. Sie hätten eine lebensbejahende Wirkung auf ihn gehabt. Die Forschung bestätigt, dass Tanz und Musik Menschen gesund werden lassen oder ihre Situation verbessern können. Und es ist bekannt, dass Patienten, die an einem Fenster mit Ausblick liegen, schneller wieder entlassen werden. - Ich finde das enorm spannend, und wir können es uns gar nicht leisten, das Gesundheitspotenzial nicht auszuschöpfen, das in Erlebnissen mit Kultur verborgen liegt. Inspiration holen wir uns aus Norwegen, dort ist man sehr viel weiter, kulturelle Angebote im Gesundheitssystem einzusetzen. Ab Oktober wird die Ausbildung in Kultur und Gesundheit am University College Syddanmark in Haderslev angeboten, doch das Ziel ist, diesen Studiengang auch landesweit einzurichten.


“Ich werde ständig gefragt, was ich bin. Aber soll ich wählen?” Johanna Jacobsen und Safaa Abdol Hamid

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ohanna und Safaa sind Sowohl-als-auch-Dänen

- Im Gymnasium, wenn die Klasse über Einwanderer diskutierte, dachte ich: Geht es eigentlich nicht auch um mich? Meine Familie ist zwar nur aus sechzig Kilometern Entfernung eingewandert, trotzdem gibt es ziemlich große Unterschiede, und Einiges ist nicht so einfach zu verstehen. Der dänische Humor zum Beispiel kann ziemlich grob sein. Außerdem umarmt man sich in Dänemark – Mann, das macht man nicht in Deutschland! Berichtet Johanna Jacobsen auf Dänisch mit einem leichten deutschen Akzent. Zusammen mit Safaa Abdol Hamid besucht sie die Social- og Sundhedsskole Syd (Sozial- und Gesundheitsschule Süd) in Aabenraa, um darüber zu sprechen, wie es ist, in zwei Kulturen aufzuwachsen. Sie gehören zu einer Gruppe junger Botschafter für kulturelle Begegnungen des Grænseforening (Grenzverein), die im ganzen Land Schulen und andere Institutionen besuchen. Johannas Vater ist Deutscher, ihre Mutter stammt aus einer halb deutschen, halb dänischen Familie. Als Johanna fünfzehn Jahre alt war, zog die Familie 2006 von Flensburg nach Haderslev in Dänemark. In der Schule musste sie dennoch nicht von vorn anfangen, da sie in Flensburg die dänische Schule besucht hatte.

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Aber worin bestehen die Gemeinsamkeiten zwischen jemandem aus der dänischen Minderheit in Südschleswig und jemandem mit einem arabischen Hintergrund wie Safaa? Nun ja, beide fühlen sich häufig als „Sowohl-als-auch-Dänen“ – wie viele der jungen Generation. Auch Safaa Abdol Hamid hat erlebt, was es heißt, eine neue Kultur kennen zu lernen. Nicht nur als Kontrast zu ihrer palästinensischen Herkunft, sondern auch, als die Familie während ihrer Schulzeit von Nordschleswig nach Odense umzog. - Es war Allein schon sprachlich war es eine Herausforderung. Viele Ausdrücke, die sie dort benutzen, kannte ich überhaupt nicht! Im Alter von fünfzehn Jahren kamen Safaa heftige Zweifel. - Wer bist du? Woher stammst du: aus Odense? – nein, aus Nordschleswig? – nein. Bist du Dänin oder Araberin? Ständig wurde ich gefragt, was ich bin. Aber soll ich wählen? Ich habe mich entschieden, und inzwischen sage ich gern: sowohl als auch.


“Nach dem Konzert kam eine ältere Dame zu uns und unterhielt sich mit mir. Sie meinte, wir wären wirklich nette und vernünftige junge Menschen. Das war ziemlich cool.” David Ssempebwa, rapper

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m März 2011 stand der einundzwanzigjährige David Ssempebwa auf der Bühne des vollbesetzten Konzertsaals im Alsion und rappte sich mit drei Freunden und dem gesamten Sønderjyllands Symfoniorkester durch Haydns „Schöpfung“. Es war der Höhepunkt einer sechs Monate langen intensiven Arbeit, bei der eine Neuinterpretation des alten Haydn-Klassikers erarbeitet wurde – mit dem Ziel, Menschen über kulturelle, musikalische und geographische Grenzen hinweg zu vereinen.

größeren Stadt wie Kopenhagen oder Aarhus funktionieren könnte. Aber in Sønderborg! Glücklicherweise wurden wir sehr positiv überrascht. Wir bekamen sehr viel Lob, sowohl vom Publikum wie von den Musikern des Symphonieorchesters, erzählt er.

David Ssempebwa, autodidakter Rapper ohne sonderliche Bühnenerfahrung, hatte sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Wie würden die Zuhörer auf diese Neufassung reagieren – nicht zuletzt auf die Rap-Musik? Doch er wurde überrascht.

Davids Eltern stammen aus Afrika und auch von den übrigen drei Rapper haben zwei keinen ethnisch dänischen Hintergrund. Für ein Symphonieorchester, dessen Publikum zum größten Teil aus Dänen mittleren Alters besteht, ist eine derartige Zusammenarbeit selten. Allerdings hatte David nicht das Gefühl, auf Vorurteile zu stoßen. Im Gegenteil, vermutlich hat die Arbeit eher allen Beteiligten geholfen, Vorurteile abzubauen.

- Wir Rapper redeten viel darüber, dass solch eine Inszenierung in einer Stadt von der Größe Sønderborgs ziemlich gewagt ist. Wir hatten keinerlei Zweifel, dass so etwas in einer

- Nach dem Konzert kam eine ältere Dame zu uns und unterhielt sich mit mir. Sie hatte die Sendungen gesehen, die TV-Syd über das Projekt gezeigt hatte und meinte, wir wären wirklich nette und vernünftige junge Menschen. Das war ziemlich cool, sagt er. David Ssempebwa und seine drei Freunde, die sich Sønderbronx Boyz nennen, haben erlebt, wie ihnen die Aufführung im Alsion zum lokalen Durchbruch verhalf. Sie werden nun häufig engagiert, um bei verschiedenen Events in der Umgebung von Sønderborg zu spielen. - Es scheint tatsächlich so zu sein, dass Sønderborg für die Rap-Musik bereit gewesen ist. Total bereit, meint er.


“Energiebündel sind ansteckend” Dorthe Ulstrup engagiert sich im Dorf Nybøl, sieben Kilometer westlich von Sønderborg

- Als Dorf kümmert sich Nybøl richtig gut um seine neuen Einwohner. Wer mag, kann sofort am Leben des ganzen Dorfs teilnehmen. So ist das, Energiebündel sind ansteckend, sagt Dorthe Ulstrup über die Zeit, als sie vor fast zehn Jahren zurück in ihre Heimat gezogen ist. Dreizehn Jahre hatte sie in einem anderen Teil Dänemarks gelebt. Umgezogen ist sie, weil sie das seltene Angebot einer Stelle als Beraterin für Sehbehinderte bekam; allerdings fand sie es auch schön, die Familie wieder in ihrer Nähe zu haben. Dorthe Ulstrup hatte sehr schnell einige Ideen für das Dorf, und ihre Vorschläge fielen auf fruchtbaren Boden. Zunächst stand sie an der Spitze einer Initiative, die einen Millionenbetrag an Zuschüssen organisierte, damit Nybøls etwa 1.000 Einwohner ihr eigenes Naherholungsgebiet erwerben und gestalten konnten: „Nøffelskoven“, den Wald von Nybøl, der von seinen Einwohnern liebevoll „Nøffel“ genannt wird. Und vor zwei Jahren gründete sie mit einer Gruppe von Bürgern ein jährliches Musikfestival, das in diesem Wald stattfindet. Gleichzeitig ist sie aktiv im Sønderborg Gospel Choir, für den sie unter anderem eine Reise nach London arrangiert hat. In Dänemarks Randbezirken befinden sich viele Dörfer in einer Krise. Häuser können nicht verkauft werden, stehen leer und verfallen. Es ist ein Teufelskreis, und es gibt sogar die Empfehlung von Experten, die Bauten, die am schlimmsten aussehen, mit dem Bulldozer einzureißen. Andererseits gibt es Dörfer, die florieren und neue Einwohner anziehen. Der Unterschied liegt auf der Hand: Schon einige wenige Einheimische, die sich engagieren, können etwas verändern. In Nybøl gibt es auch einen Sportverein, der im August die alljährliche Sportwoche organisiert, im Winter steht einmal im Monat ein gemeinsames 5 /

Essen auf dem Programm, und im Frühjahr wird die Nybøl-Messe veranstaltet, auf der sich Geschäfte und Vereine präsentieren und Menschen ihre Hobbys vorstellen können. - Mindestens dreißig Leute organisieren die Sportwoche, es sind also nicht immer dieselben, die alles machen müssen. Nybøl hat viele Energiebündel, sagt Dorthe, die sich nicht vorstellen kann, woanders zu leben. - Es würde mir nicht gefallen, in einer Großstadt zu wohnen. Das ist so unpersönlich. Ich mag es, in einem Ort zu leben, in dem man sich kennt. Das Gefühl der Gemeinschaft bedeutet mir sehr viel, fügt sie hinzu. Dorthe ist froh darüber, dass ihre drei Kinder in einer geborgenen dörflichen Umgebung aufwachsen. Eines fürchtet sie allerdings, und das ist die Schließung der örtlichen Schule mit ungefähr einhundert Schülern. Die Gemeinde Sønderborg hat die Schließung in Aussicht gestellt, wenn die Gesamtzahl der Schulkinder im Laufe der nächsten sechs Jahre um 700 und bis 2022 sogar um 1.200 bis 1.700 Schüler sinkt, wie es eine Prognose voraussagt. - Die Schließung unserer Schule würde uns hart treffen. Ich wäre nie nach Nybøl gezogen, wenn es keine Schule gegeben hätte. Damit verlören wir einen Treffpunkt und einen Ort für Freizeitaktivitäten. Ich vermute, dass die Einwohner sich dann zusammenschließen und eine freie Schule aufbauen werden.


das Europäische nicht zu Lasten anderer Dinge durchgesetzt werden darf. Das Europäische soll eine starke Ergänzung sein, aber bestimmt kein Ersatz für irgendetwas, betont Ellen Trane Nørby.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde 2010 von der dänischen Europabewegung im Rahmen eines Festakts in Berlin mit dem Preis „Europäer des Jahres“ geehrt. Und anlässlich der Eröffnung des dänisch-deutschen Musikfestivals FolkBaltica in Sønderborg im Frühjahr 2011 ist Sønderborg als „Europastadt des Jahres“ ausgezeichnet worden. Sønderborg erhielt diesen Preis aufgrund der vielfältigen offiziellen Aktivitäten und Initiativen über die Landesgrenze hinweg und für die aktive Arbeit in europäischen und internationalen Zusammenhängen. Auch Sønderborgs Kandidatur für Kulturhauptstadt Europas 2017 wurde als Argument genannt, denn Sønderborg leistet damit seinen Beitrag, das ewige europäische Problem der physischen und mentalen Grenzen zwischen Nationen, Kulturen und Menschen zu lösen. - Die Menschen in Sønderborg und SønderjyllandSchleswig sind aus Feinden zu Nachbarn und heute zu Freunden geworden, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass dieser Integrationsprozess über die Landesgrenze hinweg ganz erheblich auch von den Beschlüssen der Europäischen Union beeinflusst wurde, sagt Ellen Trane Nørby, die zweite Vorsitzende der Europabevægelsen (Europabewegung). Sie ist überzeugt, dass die Menschen eindeutig europäischer geworden sind. - Wir nehmen so etwas ja nicht bewusst wahr. Und wie viele andere sind auch wir der Ansicht, dass

Das Bewusstsein für Europa hat sie bereits als Kind entwickelt: - Ich begriff, dass die Welt größer ist als Dänemark, als ich in den Ferien auf dem Rücksitz des Autos meiner Eltern durch Europa fuhr. Und mit meinem Wissen über die Probleme von Grenzgebieten in Europa kann ich heute aus voller Überzeugung sagen: Im dänisch-deutschen Grenzland können wir das gute Beispiel zeigen. Schließlich ist es unglaublich unproduktiv, miteinander im Konflikt zu liegen. Doch ich möchte hinzufügen: Auch wenn die Bürger in Nordschleswig und Schleswig heute so gut miteinander auskommen, ist ein Integrationsprozess notwendig, damit wir uns geografisch von einem peripheren Status zu einem Wachstumszentrum in Europa entwickeln können. Ellen Trane Nørby, zweite Vorsitzende der dänischen Europabewegung, über Sønderborgs Kandidatur


“Ein Integrationsprozess ist unbedingt notwendig”

Sonderburg wurde im April 2011 von der dänischen Europabewegung zur ersten Europastadt des Jahres gewählt: Von links: Flensburgs neuer Oberbürgermeister Simon Faber, der zur dänischen Minderheit der Stadt gehört; Schleswig-Holsteins Minister für Bildung und Kultur Dr. Ekkehard Klug; Sønderborgs Bürgermeisterin Aase Nyegaard; Danfoss-Vorstandsvorsitzender Jørgen Mads Clausen und der Landesvorsitzende der Europabevægelsen Erik Boel.

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Woran denkst du, wenn du das Wort „Grenze“ hörst? e Grenze Man kann auch über ein Grenze die r übe bin fliegen. Ich em Land, das ein und lien Ita en sch zwi daneben liegt, geflogen.

Anders

Ich muss an Grenzen den ken, wenn ich in Dänemark bin und dann nach Deutschland komme . Wenn ich über die Grenze fahre, gibt es viele Fahnen aus vielen versch iedenen Ländern.

Maja B e n j a m in


bei dig Dinge tut, Wenn man stän werden, se bö en achsen denen die Erw ne man hätte ei dann sagen sie, en. itt hr Grenze übersc

Es ist lustig, auf der and eren Seite einer Grenze zu sein, we il es lustig ist, an einem Ort zu sein, wo man vorher noch nicht war.

M a r t in

M ic h e ll e

ispark Einmal bin ich im Erlebn esen, und von gew “ Syd and erl mm „So nze gefahren dort sind wir über die Gre gekauft. ken trin zu as etw und haben mmen lko Es hat sich eigentlich vol eren and der auf normal angefühlt, Seite zu sein.

Wir fahren im mer zum Eink über die Gre aufen nze. Als ich nach Italien gefahren bin, gab es auch eine Grenze.

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Mathilde


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Auf dem Weg einer countr metropolis


eg zu countryside etropolis D

as künstlerische Konzept für das Jahr 2017 und die Aktivitäten, die bis dahin stattfinden, werden durch den Veränderungsprozess bestimmt, den Sønderborg in den kommenden Jahren durchlaufen wird – von einem Randgebiet zu einer countryside metropolis. Wir wollen Sønderborg und dem Grenzland radikal zu Wachstum und Seele verhelfen und durch unseren kulturellen Unternehmergeist eine countryside metropolis bilden.

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Ziele und methodischer Ansatz 1: Entwicklung kultureller Intelligenz 156

Kultur 체ber Grenzen Ziele und methodischer Ansatz 2: St채rkung Kreativer Leistungsf채higkeit


Mentale und physische Grenzen in gemeinsamer Arbeit mit Europa zu erforschen

Die Seele Europas zu neuem Leben zu erwecken am Beispiel von Grenzregionen und Randgebieten

Ziel auf europäischer Ebene

Ziel auf europäischer Ebene

Ziel auf europäischer Ebene

RAINBOW BRIDGE

MIND BRIDGE

VITALITY BRIDGE

Ziel auf dänisch-deutscher Ebene

Ziel auf dänisch-deutscher Ebene

Ziel auf dänisch-deutscher Ebene

Dänische und Deutsche Kultur zu versöhnen und gemeinsam mentale und physische Grenzen zu erforschen

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Ein neues Kulturkonzept mit Europa gemeinsam zu entwickeln

Kulturellen Unternehmergeist zu entwickeln

Sønderborg und die Grenzregion zu einer countryside metropolis zu machen


KULTURELLE INTELLIGENZ

MIND BRIDGE

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RAINBOW BRIDGE

KREATIVE KAPAZITÄT

Konzept für das künstlerische Programm

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nser künstlerisches Programm basiert auf drei Brücken, die in Sønderborg und dem Grenzland ansetzen und uns auf eine Reise in die Zukunft führen.

Rainbow Bridge Brücken über kulturelle, mentale, soziale und geografische Barrieren hinweg

Mind Bridge Brücken, die den kulturellen Unternehmergeist fördert

zu verstehen, sich zu ihnen zu verhalten und diese Erkenntnisse zur Bereicherung und Entwicklung des eigenen Weltbilds aktiv zu nutzen.

• Das Programm soll die kreative Kapazität fördern. Darunter verstehen wir die Fähigkeit der Bürger, in Wirtschaft, Bildungsinstitutionen und im politischen System neue und zukunftsorientierte Lösungen zu generieren, die Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Gesundheit nehmen.

Vitality Bridge Brücken zwischen Land und Stadt, zwischen Vergangenheit und Zukunft

Das gesamte Kulturprogramm lässt sich in zwei methodische Ansätze zusammenfassen, wobei die Essenz dieser beiden Ansätze durchgehend in allen Elementen des Programms zu finden ist. • Das Programm wird unsere kulturelle Intelligenz entwickeln. Darunter verstehen wir die Fähigkeit der Bürger, andere Kulturen

Die Brücke als Metapher Die Brücke ist unsere durchgehende Symbolik im gesamten künstlerischen Programm. Die Brücke scheint physischen Gesetzen zu trotzen, ist in der Praxis aber eine klare Manifestation dessen, was wir für denkbar halten. Brücken sind gleichermaßen visionäre Projekte im physischen


VITALITY BRIDGE

Sinn, da sie Räume miteinander verbinden, die nie eine feste Verbindung hatten. Es gibt viele Arten von Brücken, und die meisten verwenden den Bogen als Grundprinzip. Es ist den Römern nachgeahmt, daher sind auch die Wölbungen der mittelalterlichen Kathedralen nach diesem Prinzip gebaut. Die Brücke über den Großen Belt und die Golden Gate sind Seilbrücken, und auch sie spannen eine Art von Bogen, wenngleich auch seitenverkehrt. Der Bogen ist vorgegeben durch die physikalischen Gesetze über die sinnvollste Verteilung der Kräfte. Ist erst einmal das grundsätzliche Prinzip durchschaut, sind Brücken in sich nahezu grenzenlos schön. Daher ist die Brücke auch ein wunderbares Symbol für das imaginäre Bindeglied und das Bindemittel, die Menschen und Umwelt verbinden Und ebenso wie der Bau einer Hängebrücke dem Laien als eine unlösbare Aufgabe erscheint, so scheint auch unsere Aufgabe kolossal und den Rahmen des möglichen sprengend. Aber wir können Visionen zum Leben erwecken, eine Bewegung initiieren und die Hindernisse überwinden, denen wir unterwegs begegnen. Wir wollen ein Verständnis für andere Kulturen entstehen lassen, über die physischen und mentalen Grenzen hinweg. Wir wollen Brücken zwischen den beiden Grenzregionen schlagen. Wir wollen die skandinavische Kultur mit der griechisch- und türkisch-zyprischen Kultur auf Zypern verbinden. Und durch unsere engen internationalen Beziehungen wollen wir ein Band 6 /

insbesondere nach Osteuropa knüpfen, aber auch zu den neuen Märkten in Asien und den BRICSStaaten. Das erfordert, dass wir neue Weltbilder entwickeln und uns auf der globalen Bühne positionieren – also in der Disziplin des mentalen wie des physischen Brückenschlagens. Es gehören großes ästhetisches Empfinden, Mut und Visionen zum Bau einer Brücke. Es erfordert Zusammenarbeit, Klugheit und diplomatisches Geschick. Unser kultureller Brückenbau über die Grenzen hinweg – ob es sich nun um deutsche, dänische, asiatische oder zyprische Grenzen handelt – erfordert die gleichen Fähigkeiten. Unsere imaginären Brücken sollen Begegnungen der Kulturen, persönliche Begegnungen und langfristige Partnerschaften ermöglichen und sicherstellen. Die Brücken reichen weit in die Zukunft hinein und sind ein Beweis, dass wir ein visionäres Projekt wagen. Kommen Sie unterwegs an einer dieser Brücken vorbei, Werden Sie etwas Neues sehen – und gleichzeitig auch auf das Alte zurückschauen. Auf den ursprünglichen Ausgangsort, an dem Sie Ihre Erfahrungen gemacht haben. Zusammen pflegen wir dieses kulturelle Erbe, unseren Ausgangs- und Mittelpunkt. Von diesem Punkt aus wollen wir ansetzen – und schließlich gewinnen.


KULTURELLE INTELLIGENZ KREATIVE KAPAZITÄT

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RAINBOW BRID Die Brücke über die Grenze – die Brücke zwischen den Kulturen

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ie dänisch-deutsche Grenze zieht sich quer durch das alte Schleswig. Doch diese reale, physische Demarkationslinie durch die Landschaft ist das geringste Problem. Denn die Grenze ist zu allererst immer eine mentale Grenze, wie es einer der größten Künstler des Grenzlandes – der deutsche Schriftsteller Siegfried Lenz, der auf der dänischen Seite der Grenze wohnt – ausgedrückt hat. Wir brauchen imaginäre Brücken und Brückenbauer, die die Bürger auf beiden Seiten der Grenze in Zukunft enger miteinander verbinden. Hier wollen wir den ersten Schritt tun, um Sønderborg und das Grenzland zu einer kreativen

Region zu entwickeln. Ohne Verständnis und Zusammengehörigkeit wird die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Zusammenarbeit zu einer unmöglichen Aufgabe. Es ist notwendig, alle menschlichen, sozialen und kulturellen Kompetenzen mit einzubeziehen. Dies erfordert einen mehrkulturellen Raum, der sich dem Rest Europas und den neuen Märkten der BRICSStaaten öffnet und dadurch auch innovative Arbeitskraft anzieht. Die Regenbogenmetapher ist ein Symbol für diese Offenheit, Vielfalt und Weite, die ein Brückenbau zwischen Kulturen mit sich bringt. Der Regenbogen enthält sämtliche Farben der


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Farbskala, nicht eine fehlt. Die Farben ergänzen einander ideal, alle Farben kommen zu ihrem Recht und werden ans Licht gebracht. Wir hoffen, dass „Rainbow Bridge“ auf die gleiche Weise Dialog, Akzeptanz, Respekt und Verständnis erzeugt. Wir wollen einen Dialog über kulturelle, ethnische und generationsbedingte Barrieren hinweg initiieren. Dies erfordert Einsicht und konkrete Projekte, die das notwendige Wissen, Interaktion und Verständnis liefern. Wir brauchen Einblicke in die Beweggründe, bevor wir etwas akzeptieren können. Daher wollen wir mit der Neugierde arbeiten, damit Bereicherung die Bedrohung ersetzt. Herausforderungen

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Der Stadt werden junge Kräfte entzogen, die Anzahl der Älteren steigt. Die Einwohnerzahl sinkt. Die Gesetzgebung behindert übernationale Kooperation. Das Kulturverständnis geht verloren, wenn wir nicht die gegenseitige Sprache lernen. Die Bevölkerung heißt Einwanderung und Internationalisierung nicht immer willkommen. Es ist schwierig, als Zugezogener ein starkes Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln.

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Emil Nolde – Problemkind der Grenzregion ”Es ist sehr eigenartig und nicht immer glücklich, in einem Grenzland geboren zu sein, wo hin und her, dafür oder dagegen sich schärfer abzeichnen als an anderen Orten. Jemandem, der mitten in seinem Heimatland geboren ist, werden eine Menge Verwirrungen und viele Entscheidungen erspart, die man im Grenzland durchleben muss.” Die Worte stammen von Emil Nolde, einem der größten Problemkinder des Grenzlandes, dessen Leben und Werk auf vielfältige Weise die Schwierigkeiten und Chancen vereinen, die Sønderjylland-Schleswig kennzeichnen. Emil Nolde war ein echtes Kind des dänisch-deutschen Grenzlandes. Seine Kunst ist die Kunst eines Grenzgängers, und sein persönliches Leben ist von einer merkwürdigen Mischung aus Dänischem und Deutschem geprägt. 1867 wurde er in dem Ort Nolde bei Tønder geboren, einem alten dänischen Städtchen, das nach 1864 zu Preußen gehörte. Als Erwachsener hielt er sich häufig für längere Zeit in seinem

Ferienhaus bei Sønderborg auf Alsen auf und ließ sich in dem Dorf Utenwarf bei Møgeltønder nieder, das bis zur Volksabstimmung 1920 auf deutschem Gebiet lag. Danach wurde Nolde dänischer Staatsbürger und behielt auch weiterhin seine dänische Staatsbürgerschaft, obwohl er 1927 in die deutsche Stadt Seebüll südlich der Grenze zog. Hier wohnte er bis zu seinem Tod 1956; in seinem Wohnhaus befindet sich heute das viel frequentierte Noldemuseum. Noldes Mutter war Dänin, sein Vater Nordfriese. Im Elternhaus wurde Nordschleswigsch gesprochen, mit anderen Menschen Plattdeutsch, in der Schule Hochdeutsch und im Religionsunterricht Hochdänisch. Er begegnete seiner Frau, der Schauspielerin Ada Vilstrup (1879-1946) auf Seeland, verliebte sich in Kopenhagens „silberartige Luft, mildes Sonnenlicht und feine Nuancen“ und entwickelte ein besonderes Interesse an der rauen nordischen Natur, der nordischen Geschichte und Mythologie. Dies wird an vielen seiner größten Werke deutlich.


Seine künstlerische Ausbildung erhielt er in Berlin, weltbekannt wurde er als der unangefochtene Kopf des deutschen Expressionismus. Erst mit der Grenzziehung 1920 wurde das Verhältnis zwischen Deutschem und Dänischem zu einem ernsthaften Problem in Emil Noldes Leben. ”Die Frage, was Deutsch und was Dänisch ist, beschäftigte mich in dieser aufregenden Zeit”, schrieb er später. ”Ich liebte mein Land und fühlte weder Neid noch Zorn, ich sah nach Norden und Süden (…) Ich wurde in einer deutschschleswigschen Zeit geboren, und dass mein kleines Schleswig zu einem politisch zerrissenen Gebiet wurde, hat mich schon immer betrübt (…) Diese ganz besondere, vielleicht schönste Gegend des Heiligen Deutschen Reiches wurde geteilt, zerrissen und ging verloren durch landfremde Ingenieure, die kalten Blicke der Leute und die Ungerechtigkeit einer Landesgrenze.” Deshalb nahm Nolde an der Volksabstimmung 1920 nicht teil. Er konnte sich nicht für oder gegen das Dänische oder das Deutsche entscheiden. Er konnte sich selbst nicht als das ausschließlich Eine oder Andere sehen. Im Gegenteil, er wollte, dass seine Kunst eine Brücke für das Verständnis zwischen dem Deutschen und dem Zentraleuropäischen auf der einen Seite und dem Dänischen und Nordischen auf der anderen Seite schlug. Das ist jedoch nie ernsthaft geschehen. Nolde spielte mit dem Feuer des Nationalsozialismus, meldete sich am 5. November 1934 in die Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig und erhielt die Mitgliedsnummer 1722. Dadurch wurde er für die Dänen zum Repräsentanten des Schlimmsten der deutschen Seele: der Aggression und der Herrschaftsmentalität. Wenige Jahre später wurde seine Kunst von den Nazis allerdings als „entartet“ angesehen und Nolde gewann die Sympathie der Dänen zurück. Aber es sollten nach Ende des Zeiten Weltkriegs noch 29 Jahre vergehen, bevor Dänemarks führendes Kunstmuseum, Statens Museum for Kunst, eine große Nolde-Ausstellung zeigte. 6 /

In Wahrheit eignet sich Noldes Kunst vermutlich nicht als Kunst der Versöhnung. Es geht, wie gesagt, eher um die Grenzen der Kunst. Die kräftigen Farben streben in alle Richtungen und merkwürdige Fabeltiere bewegen sich in einer rauen, kalten und fremdartigen Natur, gleichzeitig aber enthalten die Bilder ihre eigene Wärme und Heimeligkeit. Es ist unverkennbar Kunst aus dem Marschland – der Landschaft, in der das Dänische und Nordische auf das Deutsche und Zentraleuropäische trifft; der Landschaft, in der die nordische Mythologie und der Expressionismus aufeinander prallen und sich gegenseitig befruchten. ”Ich selbst denke, dass meine Kunst trotz aller Reisen tiefe Wurzel in der Erde meiner Heimat hat, in dem schmalen Stück Land hier zwischen den beiden Meeren”, hat Nolde gesagt. Emil Noldes Kunst kann als Teil einer langen Tradition von Grenzkunst in Sønderborg und Sønderjylland-Schleswig gesehen werden. Kunst, die sich mit Grenzen zwischen all den Dingen im Leben beschäftigt, die nicht unmittelbar zusammenpassen. Wie beispielsweise das Dänische und das Deutsche. Oder die Träume und die Wirklichkeit. Diese Tradition muss bis 2017 und nicht zuletzt im Jahr 2017 selbst fortgeführt und gestärkt werden.


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Ausgewählte Projekte BRIDGING THE GAP Wachstum im Grenzraum Die dänisch-deutsche Grenze von 1920 ist einer der erfolgreichsten Grenzziehungen der Geschichte. Umfassender Minderheitenschutz ist seit den Bonn-Kopenhagener-Erklärungen von 1955 im Grenzland die Norm. Niemand darf aufgrund seiner nationalen Zughörigkeit unterschiedlich behandelt werden. Alle Angehörigen der Minderheiten dürfen öffentlich ihre Muttersprache sprechen und die Verbindungen pflegen, die sie zu dem Nationalstaat auf der jeweils anderen Seite der Grenze haben. Dennoch hat die Grenze zur Folge, dass sich Nordschleswig und Südschleswig zu Randbezirken entwickelt haben. Die BonnKopenhagener-Erklärungen regeln die Rechte der Minderheit gegenüber der Majorität der Bevölkerung – aber nicht, wie größtmögliche soziale und ökonomische Beziehungen zwischen Dänen und Deutschen über die Grenze hinweg geschaffen werden können: Beziehungen, die dazu beitragen könnten, dass das Grenzland nicht mehr Randbezirk ist, sondern ein Zentrum, in dem man einander begegnet. Wir wollen im gesamten Grenzraum Entdeckungsreisende und Brückenbauer installieren, die den Blick auf die Probleme, die

Entwicklungsmöglichkeiten, die Unterschiede und die Barrieren der Grenzregion richten. Diese Entdeckungsreisenden und Brückenbauer sollen eine mentale und physische Reise über die kulturellen, sozialen und geografischen Grenzen hinweg unternehmen. Es wird eine Bildungsreise im eigentlichen Sinne des Wortes sein. Bei den Brückenbauern und Entdeckungsreisenden handelt es sich um führende Politiker der EU, Menschen aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben, Wissenschaftler und Bildungsinstitutionen über Grenzen und kulturelle Barrieren hinweg. Im Jahr 2013 wird jeder einzelne Brückenbauer und Entdeckungsreisende in Rahmen eines multikulturellen Open Air-Konzerts mit jüdischer, arabischer, christlicher, schwarzer, westeuropäischer und Musik vom Balkan benannt. Es wird der Start des europäischen Kulturhauptstadtprogramms sein. 2017 kulminiert die Bildungsreise der Brückenbauer dann in einem Rainbow Festival mit Konferenzen, Musik, Tanz, Kunst und Theater.


Die KinderKulturhauptstadt in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Grenzregionen Kinder sind unsere Zukunft. Sie werden die countryside metropolis der Zukunft bewohnen. Die Kulturhauptstadt der Kinder kooperiert mit sehr vielen lokalen Akteuren sowie dänischen und deutschen Experten für Kinderkultur, um ein Programm zu erarbeiten, das die Begriffe Grenze und Identität für Kinder verständlich werden lässt. Beispiele für Projekte, die durchgeführt werden, sind ein dänisch-deutsches Kindertheaterfestival und eine Konzertreihe mit dem Sønderjyllands Symfoniorkester. Zahlreiche Aktivitäten sind geplant. Alle Kinder der Region sollen wissen – und fühlen –, dass etwas ganz Besonderes in der Region passiert, dass sich Haltungen, Meinungen und Grenzen auf vielerlei Ebenen verschieben. Das Projekt umfasst

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Kinderkunst Kindermusikfestival Kinderfilmfestival Kinderliteraturfestival

MARITIME ART PROJECT Schiffe und Seefahrt haben unsere Region seit Jahrhunderten mit dem Rest der Welt verbunden. Seit den frühesten Zeiten hatten wir Routen von Flensburg nach Westindien und von Aabenraa nach China. Haben wir früher den Seeweg für Handelswaren genutzt, wollen wir ihn nun nutzen, um die Botschaften des europäischen Kulturhauptstadtprojekts zu kommunizieren. Die Reise beginnt im Jahr 2016, in dem wir in See stechen und Kurs auf Zypern nehmen. An Bord haben wir eine Ausstellung über Sønderborg 2017 sowie eine Reihe von Künstlern, die die Idee des Projekts Sønderborg 2017 vermitteln. Wenn wir in Zypern anlegen, werden wir unsere Ausstellung mit der zyprischen tauschen und auf diese Weise Zyperns Beitrag nach Hause bringen.

Kindertheaterfestival Kindertanzfestival

Dabei sollen musikalische Erzählungen komponiert werden, die ihren Ausgangspunkt in konkreten Grenzkonflikten in Europa haben, zum Beispiel auf Zypern. Die musikalischen Erzählungen werden in der jeweiligen Grenzregion und auf Zypern aufgeführt. Gleichzeitig lenkt 6 /

das Projekt den Blick auf Kinder als aktive Mitgestalter und kreative Produzenten bei der Entwicklung von kultureller Intelligenz. Unser Ziel ist es, Vorurteile einzureißen, voneinander zu lernen und nicht zuletzt zu lernen, miteinander umzugehen. Wir wollen eine Brücke zwischen den kommenden Generationen bauen und Kinder dazu bringen, mit der Kultur auf nordischer, baltischer und europäischer Ebene zu arbeiten. Das Projekt wird darüber hinaus die Talententwicklung von Kindern und Jugendlichen über kulturelle, soziale und geografische Schranken hinweg fördern.

Entdeckungsreisende des Projekts „Bridging the Gap“ werden unterwegs als Teil ihrer mentalen und kulturellen Bildungsreise auf bestimmten Abschnitten an der Reise nach Zypern teilnehmen.


MARITIME ART PROJECT MAP Der Mensch und das Meer – die Erneuerung einer Verbindung

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ie maritime Kultur und die Verbindung des Menschen mit dem Meer wurde schon immer in der Kunst widergespiegelt. Es überrascht daher kaum, dass in den meisten maritimen Museen maritime Kunst ein zentraler Teil der Sammlung ist. Sie wird aufgrund ihres kunsthistorischen Werts gezeigt, aber auch, um die Geschichte von Schiffen und dem Leben auf und mit dem Meer zu erzählen und zu illustrieren. Doch was hat uns moderne Kunst über unsere Verbindung zum Meer zu sagen? Kann maritime Kunst noch immer eine Brücke zwischen Meer und Land sein?

Im Herbst 2010 wurde das Maritime Art Project | MAP zu Wasser gelassen – als Kooperation zwischen dem Flensburger Schifffahrtsmuseum (D) und dem Museum Sønderjylland – Kulturhistorie Aabenraa (DK) sowie den Künstlern Johannes Caspersen (D) und Rick Towle (USA/ DK). Insgesamt neun Künstler aus Deutschland und Dänemark: Anka Landtau (D), Christiane Limper (D), Kim Olesen (DK), Jacob Tækker (DK) und das Jazztrio The Mighty Mouse mit Adam Pultz Melbye (DK), Morten Pedersen (DK) und Håkon Berre (DK/N) erhielten die Möglichkeit, die ständigen Sammlungen der Museen durchzusehen


und für ausgewählte Werke neue Perspektiven zu entwickeln. Die Kunstwerke, die in Verbindung mit dem Projekt entstanden, bestehen aus Fotografien, Collagen, Objekten und Skulpturen sowie Videound Ton-Installationen. Die Kunstwerke wurden in die ständigen Ausstellungen integriert und haben den Nährboden für einen neuen Dialog über die historischen Werke und unsere Sicht auf wohlbekannte Objekte geschaffen. Gleichzeitig sind herausfordernde neue Auslegungen von Themen entstanden, die bereits ausgeschöpft schienen. Im Juli 2011 setzte MAP Segel und ging an Bord des historischen Küstenfrachtschiffs „Gesine“ (Baujahr 1928). Die Mission war inspiriert von Sønderborgs Kandidatur zur Kulturhauptstadt Europas und hatte zum Ziel, eine interessante Ladung Kunst in die Häfen von Aabenraa, Sønderborg, Kollund und Flensburg zu transportieren, um so die maritime Kultur und das maritime Erbe der Region zu feiern, das immer ein Bindeglied zwischen den Städten des Grenzlandes und der übrigen Welt gewesen ist. Tagsüber organisierten die Künstler Aktivitäten für Kinder, die Bilder malen, T-Shirts bedrucken, Masken basteln oder mit „The Mighty Mouse“ musizieren konnten. Das zentrale Thema lautete „Die Welt unter dem Meer“ mit Fischen als Leitmotiv. Es gab eine zweieinhalb Meter große Fischskulptur, die man mit kleinen Wunschfischen füttern konnte. Hunderte Kinder – aber auch Erwachsene – bekamen die Möglichkeit, mit MAP ihren Wunsch hinaus in die Welt zu schicken. Abends konnte man in der ArtLounge die fantastischen Live-Auftritte von „The Mighty Mouse“ erleben, die mit ihrem einzigartigen

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Avantgarde-Jazzstil traditionelle Seemannsweisen und Lieder über das Meer neu interpretierten. Alles in allem war das ArtShip-Projekt eine Woche voller Inspiration, Kreativität, Engagement, Interaktion, Kunst, Musik und nicht zuletzt Spaß. Ein Beispiel, wie Kunst als Botschafter über Grenzen hinweg funktioniert und durch Bilder, Objekte, Töne und Musik, die nicht von Sprache abhängig sind, kommuniziert. ArtShip war ein geglücktes Erlebnis, und es gibt bereits Pläne, die „Gesine“ 2016 wieder zu Wasser zu lassen – dann als kultureller Botschafter für Zypern. Das Schiff soll die Kultur der Region, sofern sie zur Kulturhauptstadt ernannt wird, zu Sønderborgs Partnerkulturhaupstadt in Zypern bringen. Unterwegs werden unterschiedliche künstlerische Aktivitäten an Bord des Schiffes angeboten, unter anderem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Zurück im Hafen wird die „Gesine“ 2017 die Flensburger Förde befahren, eine Ausstellung über die Kulturhauptstadt Europas in Zypern zeigen und Kunstaktionen in den Häfen veranstalten. Maritime Art Project | MAP ist ein fortlaufendes Experiment, dessen Ziel es ist, Kunst und Wissenschaft zu verbinden, einen neuen Kurs in der Forschung einzuschlagen und die maritime Kunst mit Blick auf eine Erneuerung der Verbindung des Menschen mit dem Meer zu repräsentieren. Mit dem Schwerpunkt auf dem maritimen Erbe der Region und Aktionen, an denen die Menschen teilnehmen können, will MAP das Gefühl einer gemeinsamen Geschichte und Kultur unserer so eng mit Europa und der Welt verbundenen Grenzregion stärken.


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en, ) 1 pers Cas ish (201 s e n han : WishF o J g r Š sbu Flen


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Minority Zoo Vor 100 Jahren wurden allen Ernstes Inuit und Afrikaner in zoologischen Gärten ausgestellt. Man behandelte sie wie Tiere, und die weiße Bevölkerung befriedigte ihre Neugier, indem sie die Gebräuche, das Verhalten und das Aussehen dieser Menschen in der Gewissheit beobachtete, dass sie auf der anderen Seite des Zauns blieben. Der Sønderborg Minority Zoo ist als provozierendes lebendiges Kunstwerk gedacht, das uns zum Nachdenken über die Art und Weise bringen soll, wie wir mit „dem Fremden“ umgehen. In Sønderborgs Minority Zoo werden zahlreiche europäische Minderheiten ausgestellt. Sie bewegen sich hinter Zäunen in ihrer gewohnten Umgebung, in ihrer normalen Kleidung, umgeben von ihren alltäglichen Gegenständen, sie sprechen ihre Sprache und pflegen die Kultur und Werte, die sie gewohnt sind. Sønderborgs Minority Zoo ist als lebende Kunstinstallation geplant, die nach 2017 als Wanderausstellung auch in anderen europäische Grenzregionen gezeigt werden kann.

Düppel: Schlachtbank – Versöhnung – Koexistenz Kein anderes Einzelereignis ist für das dänische Selbstbewusstsein so entscheidend wie die Schlacht an den Düppeler Schanzen 1864. Mit einem Schlag wurde Dänemark zu einem Zwergstaat reduziert, der nur von der Gnade der ihn umgebenden Großmächte existierte. Die Dänen zogen die Köpfe ein und wendeten den Blick nach innen – fort von den Nachbarn im Süden, die als ständige Bedrohung angesehen wurden. Die Dänen haben die vielen Toten und verwundeten Soldaten, die unzähligen Familien in Trauer und die gleichzeitige Machtlosigkeit des Staatsapparats nie verwunden. Sønderborg 2017 will das Trauma aufarbeiten und wird das Schlachtfeld mit einem Event für vier Symphonieorchester zum Ausgangspunkt der Versöhnung werden lassen. Aufgeführt wird ein quadrophonisches Auftragswerk für jeweils ein Jugendsymphonieorchester und ein Symphonieorchester auf beiden Seiten der Grenze. Geplant ist die Zusammenarbeit von Sønderjyllands Symfoniorkester, dem


Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchester sowie einem dänischen und einem deutschen Jugendsymphonieorchester mit einem oder mehreren Komponisten, einer Electronic-Band oder einem Electronic-Komponisten sowie Lichtkünstlern und örtlichen Chören. Der erste Teil wird zum 150. Jahrestag der Schlacht am 18. April 2014 aufgeführt – hier wird all das Vergessene ans Licht geholt. Der Prozess endet im Jahr 2017, in dem mehrere Tausend dänische, deutsche und europäische Teilnehmer zu diesem Ereignis erwartet werden.

Körper ohne Grenzen

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Asta Nielsen. Eine Brücke zwischen Dänemark und Deutschland Eine der bekanntesten und meistgeschätzten Däninnen in Deutschland ist der Stummfilmstar Asta Nielsen. „Die Asta“ ist ein Symbol für die

Asta Nielsen Das erste Foto von Asta Nielsen, das sowohl in Deutschland als auch in Italien 1911 veröffentlicht wurde. Es stammt nicht aus einem Film, sondern aus einem Theaterstück

Körper ohne Grenzen ist eine Installation, ein Event und ein Raum zum Erforschen und Erleben, der seinem Publikum anbietet, mit den Grenzen des Körpers zu spielen. Körper ohne Grenzen wird an der Hafenpromenade Sønderborgs installiert: Das Werk wird aus Tänzern bestehen, deren Bewegungen auf interaktive Wasserflächen projiziert werden. Jede Aufführung wird ein neues Werk darstellen, weil die Umgebung – das Wetter, die Stadtkulisse, das Leben auf den Straßen und das Engagement des Publikums – täglich anders sein wird. Düfte, Geschmackserlebnisse, 3D-Töne und die Manipulation der Sehgewohnheiten werden die Sinne des Publikums herausfordern.

Das Werk ist als eine große Herausforderung des Begriffs „Grenzen“ gedacht. Der mentalen, physischen, kulturellen und historischen Grenzen sowie der Grenzen zwischen dem Materiellen und dem Immateriellen. Gleichzeitig ist Körper ohne Grenzen ein Forschungsprojekt, ein Feldversuch im Freien, bei dem Forscher, Unternehmen und Künstler neues Wissen über die Art und Weise generieren können, wie wir die Grenzen des Körpers erleben, wie wir den Stadtraum erleben, wie wir ihn benutzen und wie wir darin interagieren. Darüber hinaus ist Körper ohne Grenzen eine Huldigung an die grenzenlose Kommunikation durch den Tanz, der all die Grenzen transzendiert, die durch historische, politische und kulturelle Konflikte zwischen Menschen bedingt sind.


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später so berühmten und noch immer aktiven Filmstudios in Berlin Babelsberg. In Verbindung mit dem Kulturhauptstadtjahr 2017 soll im Konzertsaal des Alsion ein Theaterkonzert über Asta Nielsens Leben und Karriere aufgeführt werden. Eine Stummfilmkollage wird ergänzt durch Liveauftritte mit alten und neu komponierten Liedern. Das Ziel ist, den Blick auf einen gelungenen kulturellen Austausch zwischen Dänemark und Deutschland zu richten.

DES KÖNIGS FALL AUF SCHLOSS SØNDERBORG Der berühmteste Roman Des Königs Fall des dänischen Literaturnobelpreisträgers Johannes V. Jensen spielt unter anderem auf Schloss Sønderborg, in dem König Christian II. gefangengehalten wurde. Der Mythos behauptet, der König sei hier jahrelang ruhelos um den Tisch gewandert. Das Schloss ist eines der schönsten Schlösser Dänemarks und bietet sich auf der Basis des Romans für ein „site specific“-Stück in zwei Akten geradezu an. Im ersten Akt bewegen sich als Zuschauer in den

Räumen und Sälen des Gebäudes von Tableau zu Tableau, im zweiten Akt versammeln sich die Zuschauer zu einer eher traditionellen Aufführung im Schlossgarten.


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MIND BRIDGE Die Brücke über die Wissenskluft

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ie Überschreitung der Grenze zwischen dem Dänischen und dem Deutschen ist in Wahrheit lediglich der Startschuss für einen weit umfassenderen Abbruch von Grenzen. Wir möchten einen kulturellen Unternehmergeist entwickeln, in dem die Kultur die Antriebskraft für eine gesellschaftliche Entwicklung ist, in der alle Wissensbereiche zusammengedacht werden. Damit wird eine Übereinstimmung zwischen unseren geistigen Werten und der tatsächlichen Entwicklung der Gesellschaft erreicht. Im künstlerischen Programm für Sønderborg 2017 geht es somit nicht nur darum, dass Kunst neue Erkenntnisse schaffen kann. Es geht auch darum, was Kunst und Kultur für die Gesellschaft tun können. Sønderborg und das Grenzland sollen einen neuen Geist entwickeln, einen schöpferischen, kulturellen Unternehmergeist – und im Kern verbirgt sich darin ein neuer Kulturbegriff. Denn es geht um einen kulturellen Unternehmergeist, der nicht nur neue geistige Verbindungslinien zwischen dem Dänischen,

dem Deutschen und dem Europäischen herstellt, sondern dem auch ein konkreter gesellschaftlicher Brückenschlag zwischen Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Klima, Umwelt, Gesundheit und Politik gelingt. Mind Brigde symbolisiert, dass jegliche Veränderung und gesellschaftliche Entwicklung im Geist beginnt, und dass die Lust und die Antriebskraft, die Gesellschaft weiterzuentwickeln, hier entsteht. Daher ist es das A und O, dass wir eine Brücke über die Wissenskluft bauen, die über Grenzen und kulturelle und soziale Unterschiede hinweg existiert.


Herausforderungen

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Lernen wir die gegenseitigen Sprachen nicht, geht das Kulturverständnis verloren. Wo es noch immer unversöhnliche Stimmen gibt, müssen wir Versöhnung über die Grenzen hinweg

erwirken. Zugezogenen fällt es schwer, mit den in der Region Geborenen ein gleichwertiger Teil der Gemeinschaft zu werden.

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Ausgewählte Projekte FATAMORGANA – EIN LUFTSCHIFF ALS BRÜCKENBAUER Ein visueller 3D-Organismus, ein elegantes Monstrum mit tausend Sprachen, ein schwebendes Chamäleon, das mit den jeweiligen Umgebungen und Menschen interagieren kann. Ein noch nie gesehenes Kunstwerk. Es sieht aus wie die Luftschiffe der Vergangenheit – wie der schwebende Zeppelin, der während des Ersten Weltkriegs in Tønder in Nordschleswig abhob –, aber es ist auch die Zukunft: ein UFO, ein Science-Fiction-Gefährt. Fatamorgana ist ein Entwicklungsprojekt, das sich über fünf Jahre erstreckt und viele Wissensfelder kombiniert – vor allem Kunst und Technologie. Das schwebende Fahrzeug soll auf eine langsame Reise geschickt werden – mit Ausgangspunkt in Sønderborg, sofern sie zur Kulturhauptstadt Europas 2017 ernannt wird. Die Reise wird über die historischen Konflikt- und Minderheitsgebiete Europas verlaufen, und auf dem Weg von der einen zur anderen europäischen Kulturhauptstadt in Zypern fünf-, sechsmal stoppen. Das Luftschiff wird zu einem gemeinsamen Forum mit der Botschaft: Es ist möglich zusammenzuleben

und quer durch Konflikte, Bevölkerungen und Regierungen eine weitgefächerte kulturelle Gemeinschaft aufzubauen. Und alle können dazu beitragen. Durch neue Technologie wird es möglich sein, mit Text, Film, Ton und Musik direkt auf den Außenflächen des Fahrzeugs zu kommunizieren, zum Beispiel durch Mobiltelefone. Auf diese Weise wird Fatamorgana zu einem deutlich sichtbaren Brückenbauer am Himmel.

Life-Boats Bei Life-Boats geht es um Begegnungen, um Austausch, darum, das Fremde anzunehmen, zu wagen, sich auf unbekanntem Terrain zu bewegen und neue Verbindungen zu knüpfen. Konkret besteht das Projekt aus drei Frauenskulpturen aus Beton, die gleichzeitig funktionelle Schiffe sind. Sie sind zwölf Meter lang und drei Meter breit, bieten Platz für Passagiere und sollen auf Europas alten Wasserwegen die vielen Hafenstädte des Kontinents befahren. Sie legen 2013 in Sønderborg ab und kehren im Kulturhauptstadtjahr 2017 zurück. Die Schiffe werden von mit alternativer Energie betriebenen elektrischen Motoren angetrieben.


Jede Skulptur/jedes Schiff hat seine eigene Identität und seine eigenen Geschichten und ist innen wie außen geschmückt mit Kunst, Kultur und Geschichte. Die erste Skulptur trägt den Namen: Mein Schiff ist beladen mit Sehnsucht; die zweite Skulptur: Mein Schiff ist beladen mit Leben; die dritte: Mein Schiff ist beladen mit Erinnerungen. Bevor die Boote in einer Stadt anlegen, wird die Bevölkerung gebeten, sich mit einem bestimmten Thema in Bezug auf die Titel der Schiffe zu befassen, zum Beispiel Erinnerungen an Krieg, Trauer, Entbehrungen und Konflikte. Oder das Thema Sehnsucht im Verhältnis zu Gesundheit, Nachhaltigkeit, Politik und Kultur. Die Schiffe sammeln die Gedanken und Ideen, Sehnsüchte, Entbehrungen und Erinnerungen aus ganz Europa und bringen sie zum Beginn des Kulturhauptstadtjahres zurück nach Sønderborg, wo sie auf unterschiedliche Weise in die anderen Aktivitäten im Jahr 2017 einfließen werden.

KULTURHANSE Seit dem Mittelalter gehörte eine Hansestadt einem Verbund von nordeuropäischen und vor allem norddeutschen Handelsstädten an. Wir möchten die Kraft, die die Hansestädte in ihrem Netzwerk von Kaufleuten aufbringen konnte, wieder aufleben lassen. In der damaligen Zeit erreichten sie monopolähnliche Zustände, zum Beispiel beim Verkauf von gesalzenem Hering nach ganz Europa. Wir haben mit dem Aufbau eines Netzwerks der heutigen Hansestädte im baltischen Raum begonnen – aber auf kulturellem Gebiet. Das Netzwerk besteht aus starken Allianzen der Städte, die bereits europäische Kulturhauptstädte waren, die es noch werden und Städten, die dafür kandidieren. Dieses Netzwerk knüpfen wir in den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Tourismus, Bildung und Forschung mit dem Ziel, ein europäischer

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Katalysator für Wachstum, Entwicklung und Kreativität zu werden. Eine große „Hanseunion“ soll dem Rest Europas zeigen, dass Kooperation einer Region zu zusätzlicher Kraft verhilft, so dass sie für andere Regionen Vorbildcharakter bekommen kann.

FREMTIDSMUSEET – ZUKUNFTSMUSEUM Traditionell werden Kunstobjekte zu musealen Objekten, indem sie in überwachten Räumen ausgestellt werden – in Museen, Galerien usw. Doch der Künstler Stypa hat die Idee eines Zukunftsmuseums, bei dem das Museum an sich das Kunstwerk ist. Hier sollen nicht die Gedanken und Visionen, die Zeichnungen, Fotos und digitalen Reliefs der Vergangenheit, sondern der Zukunft ausgestellt und umgesetzt werden. Das Internet wird hier als eine moderne, öffentliche und kreative Kommunikationsplattform genutzt. Ein durchsichtiger, zehn Meter hoher Glaskegel, der von Solarzellen betrieben wird, soll durch Projektionen auf seine Glasoberfläche lebendig werden. Das Leben des Kegels wird permanent durch das Internet erneuert und ständig mit der neuesten Technik ajour gehalten. Wenn Zukunft,


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Klima, Energie, Armut, Werte, Hoffnungen und Träume, Poesie, Literatur und Musik überall auf der Welt im öffentlichen Raum zum Sprechen gebracht werden, wird eine gemeinsame globale und kreative Kommunikationsplattform geschaffen. Der Mensch wird sich bewusst, wie viel Vergangenheit im Grunde in unseren derzeitigen Zukunftsvisionen steckt. Sie basieren auf statistischen Informationen, die wir downloaden können, die uns aber kaum Raum und Möglichkeiten lassen, Gedanken zu denken, die bisher nicht gedacht worden sind. Im Fremtidsmuseet (Zukunftsmuseum) werden Gedanken und Konzepte im Stadtraum interaktiv in aller Öffentlichkeit ausgetauscht. Es sollen mindestens zwei Glaskegel in zwei verschiedenen Städten der Welt aufgestellt werden. Alle Bewohner können die Entwicklung verfolgen und mit Gedanken und Visionen beitragen, die auf den Kegeln reflektiert werden – in der eigenen und der anderen Stadt. Wenn die Visionen umgesetzt sind, verschwinden sie von der Bildfläche, um durch neue Gedanken und Visionen ersetzt zu werden. Als Bürger und Besucher wird man zum Augenzeugen und Mitschöpfer von Visionen und deren Verwirklichung – nicht nur in seiner eigenen Stadt, sondern auch an den anderen Orten, an denen die Kegel aufgestellt sind.

Es ist wie gesagt beabsichtigt, mindestens zwei Glaskegel an zwei verschiedenen Orten der Welt aufzustellen. Zunächst in Sønderborg und Nikosia. Weitere Kegel können dem Netzwerk angeschlossen werden. Hier wird man mit Hilfe digitaler Kameras Künstler bei der Arbeit beobachten und das Alltagsleben auf den Straßen anderer Städten der Welt verfolgen können. Die Nutzer des Fremtidsmuseet werden entdecken, dass das Unmögliche doch möglich ist, und dass neue Gedankenwelten entstehen, von deren Existenz sie nichts wussten.

Live Streaming Opera im Grenzland und auf Zypern Die Oper ist eine der ältesten Kunstformen Europas. In den vergangenen Jahren hat ihre Popularität bei den Zuhörern ein Niveau erreicht, dass vielerorts von Gemeineigentum zu sprechen ist. Facebook und soziale Medien sind neu, aber inzwischen ein Teil der Lebenswirklichkeit fast aller Menschen. Das Internet hat den Ortsbegriff neu definiert und auch konkrete Situationen und Ereignisse mit einer virtuellen Schicht überzogen. Sønderborg 2017 lässt die reale Wirklichkeit


mit der virtuelle Wirklichkeit zusammentreffen – fünf Grenzregionen begegnen einander, wenn das Projekt Flash Mob Opera gestartet wird. Eine Rahmengeschichte, die in Zusammenarbeit und auf dem Hintergrund von Nutzern sozialer Medien geschrieben wird, strukturiert die Oper, deren Aufführung simultan im dänisch-deutschen Grenzgebiet, auf Zypern und in drei weiteren europäischen Grenzregionen per Live-Streaming stattfindet. Die Oper wird im dänisch-deutschen Grenzland, auf Zypern und in den drei übrigen Regionen live vor Publikum gespielt. Rein physisch ist eine Rolle auf Zypern besetzt, eine andere in Schleswig, eine dritte in einer der anderen Grenzregionen, und so weiter. Gespielt wird in einzigartigen historischen Umgebungen (in Schleswig könnte es zum Beispiel an der Flensburger Förde oder am Dannewerk sein). Das Publikum wird nur jeweils eine der Rollen der Oper live erleben. Die übrigen Rollen können auf einem Großbildschirm verfolgt werden, der via Internet mit den übrigen Regionen verbunden ist, in denen die Liveauftritte stattfinden. Das Ereignis wird von den führenden dänischen und deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen und so geschnitten, dass eine zusammenhängende Geschichte entsteht.

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Station Next Sønderborg Dänemark ist in den vergangenen Jahren durch die Oscar-prämierte Regisseurin Susanne Bier und den eher kontroversen Regisseur Lars von Trier zu einer der führenden Filmnationen Europas geworden. Auch Deutschland hat sich mit Filmen wie Der Untergang oder Das Leben der Anderen vernehmlich zu Wort gemeldet. Vor dem Hintergrund dieser Tradition initiiert Sønderborg 2017 Station Next Sønderborg, eine Filmschule, die jedes Jahr elf- bis fünfzehnjährige Filmemacher ausbilden wird, die das Kulturhauptstadtjahr mit Videoblocks im Internet begleiten. Die Filmemacher werden Filme produzieren, die davon erzählen, wie es ist, im Grenzland jung zu sein und welche Zukunftsperspektiven sich in den Augen der Jugendlichen im Grenzland ergeben. Die Filme werden unterschiedliche Botschaften enthalten, welche Grenzen nach Ansicht der Jugendlichen eingerissen werden müssen. Es kann sich um spezifische Grenzen zwischen der dänischen und der deutschen Kultur handeln, es kann aber auch um Grenzen in besonderen Bildungsbereichen, besonderen Kunstsparten oder Berufszweigen gehen – ganz im Sinne des Schwerpunkts von Sønderborg 2017, kulturellen Unternehmergeist zu entwickeln.


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2017 wird eine ausgewählte Gruppe Jugendlicher nach Zypern reisen, um über die Kulturhauptstadtereignisse in Sønderborg zu berichten und die dänisch-deutsche und zyprische Grenzproblematik zu vergleichen.

Grænzland – Internationale Theaterbiennale

es die Verankerung in der Geschichte und Identität der Region. Es ist ein Garant für Seriosität und Ausdauer, wenn am Dialog über ein relevantes Thema festgehalten wird, das niemals an Aktualität einbüßt und dessen Erklärungsmöglichkeiten niemals ausgeschöpft sein werden. Das zugrundeliegende Auswahlprinzip basiert auf folgenden Prinzipien:

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Thematisch sollen die Aufführungen sich mit Grenzen beschäftigen und Konflikte zwischen individuellen, sozialen, kulturellen und nationalen

Grænzland ist ein regelmäßig stattfindendes Theaterfestival in der dänisch-deutschen Grenzregion mit Schwerpunkt auf den Grenzen zwischen Ländern, zwischen Menschen und im Inneren des Einzelnen. Die Grenze als Notwendigkeit wie als Hindernis im Leben. Ein Festival mit Nordschleswig und Schleswig als Ausgangspunkt und Gastgeber, das zum Ziel hat, einen fortwährenden lokalen und internationalen Dialog über die Grenzen der Gesellschaft, der Kultur und des Individuums zu führen. Am Thema „Grenzen“ soll bei jeder Biennale festgehalten werden. Zum einen wird dadurch ein besonderes Profil herausgebildet, durch das sich die Biennale von anderen internationalen Festivals unterscheidet, zum anderen unterstreicht

2.

Entitäten thematisieren. Die eigenen Grenzen und Verbindungen der Kunstform sollen in Form / Inhalt / Entwicklungsmethoden hinterfragt und dargestellt

3.

werden. Soziale und kulturelle Grenzen und Verbindungen sollen durch den künstlerischen Umsetzungsprozess hinterfragt und dargestellt werden.

Das Kuratieren der Biennale besteht nicht nur in der Auswahl der Künstler, sondern ebenso sehr darin, ein Netzwerk und Bedingungen zu aufzubauen, die die Entwicklung der Aufführungen unterstützen, damit eine Anbindung der Künstler an Sønderborg entsteht und ein Austausch mit anderen Künstlern möglich wird.


CREATIVE GREEN Die Kunst in der Energie und die Energie in der Kunst Nördlich und südlich der Grenze wurde in den letzten Jahren verstärkt Wert auf energieeffiziente und nachhaltige Lösungen gelegt. In Sønderborg hat sich das ProjektZero zum Ziel gesetzt, die gesamte Region bis zum Jahr 2029 CO2-neutral zu machen. Gleichzeitig ist in der Stadt auch das Sekretariat der Clusterinitiative „Lean Energy Cluster“, die unabhängig von geografischen Grenzen neue energieeffiziente Technologien und Lösungen anstreben. In der Region gibt es darüber hinaus zwei Erlebnisparks, die den Schwerpunkt der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit unterstützen. Dieser Fokus eröffnet die Möglichkeit, bei energieeffizienten Lösungen mit künstlerischem Design zu spielen. Künstler können sich von der neuen Technologie inspirieren lassen und Ingenieure und Entwickler können durch die künstlerischen Arbeiten zu neuen Ansätzen und Ideen finden. Dies soll in öffentlichen Experimental-Labors im Erlebnispark „Danfoss Universe“ bei Sønderborg oder im „Phänomenta“ in Flensburg geschehen, so dass jedermann an diesen neuen Gedanken Teil haben kann.

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Die ästhetische und die praktische Dimension werden Hand in Hand gehen und damit eine Brücke zwischen Unternehmen, Künstlern und der allgemeinen Bevölkerung schlagen. Auf diese Weise bekommen die Empfänger ein völlig neues Sinneserlebnis. Nachhaltige Energiequellen wie Sonne, Wind, Wellen und Biogas können zu dauerhaften oder flüchtigen Kunsterlebnissen anregen, wie zum Beispiel Skulpturen, die auf Sonnenzellen basieren, oder künstlerisch gestaltete Windkraftanlagen, die nicht die Landschaft verschandeln.


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VITALITY BRID Die Brücke zwischen Land und Stadt, Vergangenheit und Zukunft “Die Hauptstädte, die wir brauchen, liegen in uns selbst. Meine Metropole liegt hier. Hier habe ich alles, was ich brauche, und sogar mehr: die paar Jahre, die ich noch habe, reichen nicht aus, um alles über dieses Stück Land zu sagen, was sich zu sagen lohnt (…) Mehr läßt sich doch aus keiner Metropole erzählen. Hier findest du doch alles, was in der Welt vorkommt, oder irre ich mich?” erklärt der Maler Nansen, Siegfried Lenz’ literarische Beschreibung von Emil Nolde, über das Grenzland im Roman Deutschstunde. Nansen hat Besuch von einem englischen Kommissar in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg, und der Brite versteht nicht, warum Nansen niemals in London gewesen ist. Sicherlich ist es auch heute noch die Ansicht der meisten Europäer, dass die Großstadt dem Land vorzuziehen ist. Sønderborg 2017 will dazu beitragen, diese Haltung zu ändern. Eine countryside metropolis ist keine traditionelle Großstadt. Es ist auch keine traditionelle

Landregion. Es ist etwas Neues. Und das ist es, was wir aufbauen wollen. Die countryside metropolis wird eine Brücke zwischen Land und Stadt, zwischen Vergangenheit und Zukunft bauen. Metropolen sind dynamisch und kreativ, Schmelztiegel für hektische Aktivität und kulturelle Strömungen aller Art. Ländliche Gebiete sind harmonischer und ausgewogener, mit anderen Gemeinschafts- und Lebensformen. Und es wird häufig eine gesündere und nachhaltigere Form des „slow living“ praktiziert. Es existiert eine Tendenz zur Konzentration auf die großen Städte. So ist es immer gewesen, doch ist diese Tendenz in den letzten Jahren steigend. Europas Randgebiete werden mehr und mehr marginalisiert. Die größte Finanzkrise seit den 1930er Jahren hat die Situation nicht einfacher gemacht. Arbeitskräfte und Arbeitsplätze schwinden. Die Nationalstaaten haben nicht die


DGE

Mittel, Entwicklungsgelder in diese Regionen zu leiten, die Jugendlichen wandern ab, und es wird zunehmend schwerer, die Form von sozialem Netz zu gewährleisten, die die Bürger sich wünschen. Wenn Europas Randgebiete keine Randgebiete bleiben sollen, müssen sie in die Lage versetzt werden, sich selbst zu regenerieren und zu revitalisieren. Sie müssen zeigen, dass auch diese Regionen blühen können wie die Metropolen. Metropolen nicht verstanden als Millionenstädte, sondern „metropolis“ verstanden als ein Raum, in dem Neuschöpfungen und Entwicklungen die denkbar besten Entfaltungsmöglichkeiten haben. Countryside metropolis – Orte, an denen sich eine nachhaltige Zukunft in Übereinstimmung mit Europas Natur und den Lebensformen, die ländliche Gebiete charakterisieren, entwickeln kann. In der natürlichen Gemeinschaft der Provinzen und Landkreise steht der Mensch im Mittelpunkt, diese Gemeinschaft ist Europas Basis und Seele. Daher ist es wichtig, an der Rückkehr der Provinzen und Dörfer zu arbeiten, damit diese Werte wieder an Einfluss gewinnen und in den Metropolen Gehör finden, in denen Individualismus, Ökonomie und Systeme beherrschend sind. Sønderborg ist sowohl Land wie auch Stadt. Auf der europäischen Skala sind wir lediglich als kleinere Stadt einzustufen. Aber die Stadt enthält 6 /

Kreativkräfte, die sich in Städten von der Größe Sønderborgs vergleichsweise selten finden. Der Name „Vitality Bridge“ soll zeigen, dass wir uns mit einer countryside metropolis in eine neue Dimension unseres Verhältnisses zu Wohnort und Lebensform begeben. Aber immer noch mit einem „Spirit“, der vor Vitalität, Lebenskraft, Lebensfähigkeit und Widerstandskraft geradezu brodelt. Die Kreativität, die Dynamik und die schöpferische Kraft basieren jedoch auf den Bedingungen der ländlichen Region mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und „slow living“. Unser Ziel ist es, eine countryside metropolis zu werden, in der die kulturelle Intelligenz uns über kulturelle, nationale und generationsmäßige Barrieren hinaus verbindet. Heute ist der Begriff Provinz noch eher negativ beladen, wir wollen zeigen, dass die Provinz cool sein kann. Herausforderungen

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Ungeachtet ihrer Ambitionen als Metropole ist Sønderborg eine Stadt von bescheidener Größe. Wir müssen in einer Welt überleben, in der Millionenstädte gegenüber kleineren Städten und

Landregionen bevorzugt werden. Wir müssen gegen attraktive, große Universitätsstädte ankämpfen und die junge Generation den Wert einer countryside metropolis deutlich werden lassen.


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Ausgewählte Projekte Frank Gehrys Hafenplan Der kanadisch-amerikanische Architekt Frank Gehry hat einen Masterplan zur Umgestaltung von Sønderborgs altem Industriehafen zu einem Zentrum für Kunst, Kultur, Wissen und Wirtschaft erarbeitet. Der Masterplan umfasst ein 50.000 Quadratmeter großes Gebiet an der Hafenfront gegenüber dem Alsion. Das gesamte Projekt wird nach Kriterien der Nachhaltigkeit gebaut, in Übereinstimmung mit Sønderborgs Vision, 2029 Dänemarks erste CO2-neutrale Gemeinde zu sein. Der Masterplan enthält eine Reihe neuer Bauprojekte, die historische Gebäude des Hafens und Neubauten integrieren: Erstens eine neue Kunsthalle, die national und international Maßstäbe setzt für die Begegnung von Kunst und Technologie. Sie soll in Zusammenarbeit mit Bildungsinstitutionen und Wirtschaftsunternehmen der Grenzregion realisiert werden. Zweitens ein Multikulturhaus in Verbindung mit dem alten, 1910 errichteten Ewers Pakhus, das der Architekt Eugen Fink entworfen hat, als Sønderborg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Das Multikulturhaus soll zur Heimstatt einer Fusion aus Wissen, Kunst und Kultur werden. Dort

werden Seite an Seite avancierte Lernbereiche, traditionelle Ausstellungen und eine Bibliothek untergebracht sein. Drittens ein Haus des Wissens, in dem kleine und mittelgroße Unternehmen sich Einrichtung, Wissen und Erfahrung teilen. Das Haus des Wissens soll Sønderborgs Tradition stärken, Entwicklungen im Schnittpunkt der unterschiedlichsten Branchen zu ermöglichen.


CHINATOWN OF TOMORROW Die meisten Metropolen Europas haben eine Chinatown, doch häufig sind sie Ausdruck einer recht traditionellen Sichtweise auf China und die Stellung des Landes in der Welt. Sønderborg arbeitet mit China auf den Gebieten Kultur, Ausbildung und Wirtschaft zusammen.

Sønderborgs Chinatown soll ein zeitgemäßes Abbild des modernen China und des China von Morgen sein. Sønderborgs Chinatown wird ein Symbol der kulturellen Neugier und der Erkenntnis, dass Kultur, Wissen und wirtschaftliche Entwicklung weder physische noch mentale Grenzen respektieren. Sønderborgs Chinatown wird um ein ikonisches Gebäude gebaut. In dem Gebäude gibt es ein Restaurant mit Aussicht über Sønderborgs neue Hafenfront. Das Gebäude hat die Form einer Brücke, die vom Herzen Sønderborgs ausgeht, am anderen Ende jedoch ohne Landberührung bleibt. Es ist eine Brücke, die in die Welt weist und als Verbindung zwischen Sønderborg und jedem anderen kulturellen Raum gedacht ist. In dem Gebäude könnte eine Handelskammer untergebracht werden, die für ein besseres Geschäftsklima und verstärkte Handelsbeziehungen arbeitet. Durch unseren besonderen Unternehmergeist und unsere starke Innovationskraft haben wir seit vielen Jahren ein besonderes Band zu China und den BRICSStaaten geknüpft. Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von einer beiderseitigen natürlichen Neugierde mit der Erkenntnis, dass Kultur, Wissen und wirtschaftliche Entwicklung physische und mentale Grenzen überwinden.


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Daher wollen wir die internationale Dimension durch die Einrichtung eines Zentrums ausbauen, das die Zusammenarbeit stärkt und neue Projekte jenseits der Grenzen kreiert. Das Gebäude zeigt, Sønderborgs Potenzial, Verbindungen mit allen kulturellen, innovativen Räumen in welchem Land auch immer knüpfen zu können.

Sprache und Literatur im Grenzland / CPH.LITT CPH.LITT ist Kopenhagens jährliches, internationales Literaturfestival. Es findet im Mai statt und präsentiert zahlreiche dänische und internationale Autoren. Sønderborg 2017 hat eine Vereinbarung mit CPH.LITT getroffen, dass 2017 ein Teil des Festivals im Grenzland stattfindet und dass das Festival sich mit einer Reihe von Themen der Kulturhauptstadt intensiv beschäftigen wird. Zum Auftakt des Literaturfestivals werden bekannte und weniger bekannte dänische und deutsche Autoren 2016 in die Grenzregion eingeladen, um eine Geschichte zu schreiben – eine Erzählung, einen Roman, ein Gedicht –, deren Ausgangspunkt die reiche Geschichte der Region

und die Grenzproblematik im Allgemeinen ist. Die Kulturhauptstadt beherbergt die Autoren während ihres Aufenthalts, die fertigen Geschichten werden dann bei den literarischen Veranstaltungen während der CPH.LITT 2017 in Sønderborg präsentiert. Darüber hinaus wird ein Kulturaustauschprogramm initiiert, bei dem Bürger aus mindestens zwei verschiedenen Kulturen zusammenkommen, um eine mehrkulturelle Erzählung über die Grenzregion zu schreiben, die mit der dänischen und der deutschen Sprache spielt und / oder den Dialekten des Grenzlandes. CPH.LITT wird von 2013 bis 2016 mit dem alljährlich stattfindenden dänisch-deutschen Festival litteraturfest.nu zusammenarbeiten, 2017 soll die Kooperation dann in einem internationalen Festival ihren Höhepunkt finden. In den Auftaktjahren werden punktuell Veranstaltungen organisiert, auf denen ein Autor spontan in Schulen, Pflegeheimen, Arbeitsplätzen etc. liest.


Jens Jensen Council Ring – Physisches Dialogforum – Die Natur in der Stadt Sønderborg hat eine fast vergessene Berühmtheit: Jens Jensen (1860-1951), einen Bauersohn aus Düppel, der auswanderte und einer der großen Garten- und Landschaftsarchitekten der USA wurde. Noch immer sind seine Gedanken und Ideen inspirierend und dienen weltweit als Grundlage für künftige Landschaftsarchitekten. Jens Jensen besaß einen tiefbegründeten Glauben an einen Zusammenhang zwischen Natur und Lebensqualität. Er leistete Pionierarbeit für unsere Ideen von grünen und nachhaltigen Städten und Parks als mentalen und sozialen Freiräumen. Durch seine guten Kontakte zu Präsident Wilson hatte der Landschaftsarchitekt aus Düppel 1918, nach dem Ersten Weltkrieg, außerdem Einfluss auf den bis heute gültigen Verlauf der dänischdeutschen Grenze. Er wurde auf dem Erbhof „Dybbelsned“ auf der Düppeler Höhe geboren und sollte als ältester Sohn den Hof übernehmen. Doch er verliebte sich in Anne Marie, die Tochter eines Kleinbauern, 6 /


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was sein Vater für nicht standesgemäß hielt. Jens widersetzte sich und fuhr am 22. September 1884 mit seiner Anne Marie nach New York. An Bord wurde ihnen ihr Gepäck gestohlen, sie kamen mittellos in Amerika an und mussten ganz von vorn beginnen. Zunächst arbeiteten sie auf einer Plantage in Florida, dann zogen sie von Iowa nach Chicago, einer Stadt mit einer rasend schnellen industriellen Entwicklung. Jens Jensen bekam Arbeit bei der Parkverwaltung, dort gelang ihm eine Blitzkarriere. 1890 wurde er Direktor des Union Parks, vier Jahre später Direktor des Humboldt Parks. In Berlin, wo Jens Jensen seinen Militärdienst bei der kaiserlichen Leibgarde absolviert hatte, hatte er die bekannten Parks der Stadt gesehen, doch seine Sicht auf die Natur war eine andere. Er wollte die ursprüngliche Landschaft – die Prärielandschaft – zurück in die Stadt bringen, um die Stadt durch eine Anlage von Grüngürteln und grünen Schneisen zu verbinden. Jensen war ein Sozialreformator, überzeugt, dass offene und natürliche Landschaften helfen, aufrechte Menschen hervorzubringen. Schulen sollten mit direktem Zugang zu Naturräumen angelegt werden, damit die Kinder Erde unter die Nägel bekämen; und in seinen Parks und Gärten schuf er Plätze für Musik, Tanz, Theater und andere Kunstformen. In Chicago gelang es ihm,


70 Spielplätze und über 100 kleinere Parks anzulegen. Und für den Columbus Park, den Jens Jensen 1916 entwarf, plante er ein großes Becken, in dem jeden Tag Tausende von Menschen baden konnten. 1900 wurde Jens Jensen als Direktor entlassen, weil er nicht bereit war, die politische Korruption der Zeit zu akzeptieren, stattdessen begann er für private Unternehmen zu arbeiten. Unter anderem kam es zur Zusammenarbeit mit dem bekannten Architekten Frank Lloyd Wright. Nach einer politischen Säuberung in Chicago kehrte Jens Jensen 1905 als Generaldirektor zurück zu West Parks und gründete 1912 die Vereinigung Friends of our Native Landscape. Inspiriert von seiner Hochschulzeit 1888 an der Vinding Højskole in Nordjütland baute Jensen nach dem Tod seiner Frau „The Clearing“ auf – ein auf den Ideen Grundtvigs basierende Volkshochschule in Ellison Bay im nordöstlichen Wisconsin, die bis heute existiert. Zum 100. Geburtstag von Jens Jensen wurde ihm zu Ehren im Columbus Park ein Gedenkstein aufgestellt. In Dänemark haben ein lokalhistorisch engagierter Bürger aus Düppel und ein Nachkomme der Familie Jensens in den vergangenen Jahren das Interesse an Jens Jensen wiedergeweckt. So wurde der 150. Geburtstag von Jens Jensen in Sønderborg mit einer Ausstellung,

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einem Vortrag und einer internationalen Konferenz unter Teilnahme von amerikanischen und europäischen Experten begangen. Unter anderem im Columbus Park in Chicago findet sich ein sogenannter Council Ring – eine ringförmige Steingruppe mit Sitzplätzen. Jens Jensen hat sich dazu durch alte Tingstätten in Dänemark und die grundtvigianischen Ideen über den Dialog inspirieren lassen. Sønderborg 2017 wird daran arbeiten, dass an einer der grünen Zonen des Hafenprojekts ein Jens Jensen Council Ring aufgebaut wird. Er soll ein Markstein sein für die Notwendigkeit der Natur in der Stadt, wie sie Jens Jensen vorgedacht hat, und er soll die Notwendigkeit von physischen Begegnungen und Dialog im digitalen Zeitalter unterstreichen. Gleichzeitig soll der Jens Jensen Council Ring Verbindungen nach Chicago, Wisconsin und den ganzen mittleren Westen der multikulturellen USA schaffen, wo sich die meisten Dänen im Rahmen der großen Auswanderungswelle niedergelassen haben. Zudem wird Sønderborg 2017 die weitere Verbreitung von Jens Jensens zeitgemäßen Gedanken durch Information und Vermittlung unterstützen.


Eine countryside metropolis ergreift Initiativen, die

DAS KULTURDORF

eigentlich Großstädte kennzeichnen. Damit diese neue Lebensform aber lebendig wird, muss das Umfeld geprägt sein von Kreativität und Vitalität. Wir bringen daher Projekte auf den Weg, die die Entwicklung einer dynamischen Umgebung unterstützen.

FREMMEDART 190

„FremmedArt der rykker“ („FremdArt bewegt“) ist ein Kunstprojekt, das die Dörfer der Gemeinde Sønderborg einbezieht. 2011 werden drei verschiedene Skulpturen in drei verschiedenen Dörfern aufgestellt. Doch das ist erst der Anfang. In den Jahren bis 2017 sollen es mehr werden, das Ziel sind 17 Skulpturen in 17 Dörfern im Jahr 2017. Die Skulpturen sind in den Orten nur zu Besuch. Jedes Jahr werden sie in einem neuen Dorf aufgestellt. Und da die Skulpturen von Künstlern aus verschiedenen Ländern geschaffen werden, kommt auf diese Weise in den einzelnen Ortschaften die Welt zu Besuch. Sønderborgs Dorfgemeinden von haben zugestimmt, jeweils für ein Jahr eine fremde Skulptur aufzunehmen. Eine Zustimmung, die zeigt, dass die Dörfer lebendige, blühende Organismen sind, die sich neuen Eindrücken und neuen Gästen öffnen. Gleichzeitig illustrieren die Skulpturen physisch, dass die Dörfer miteinander verbunden und ein Teil der globalisierten Welt sind. Die Kunst gibt den Dörfern ein neues Bewusstsein, und Bürger wie Besucher erhalten durch die Skulpturen neue Möglichkeiten der Interpretation und einzigartige Eindrücke. Die zahlreichen fantasievollen Kunstwerke, die in Zukunft in den Orten der Gemeinde Sønderborg ihren Platz finden, können bereichern, bewegen, provozieren und zum Widerspruch anregen.

Das Kulturdorf ist die Vision, einen physisch präsenten kulturellen Treffpunkt in der dänischdeutschen Grenzlandschaft einzurichten, der Natur, Kultur und Geschichte auf einer kreativen und pulsierenden Plattform kombiniert. Hier sollen Amateure und Profis über die Grenzen hinweg vereint werden – sowohl physisch wie mental, um in der kulturellen Begegnung den Nährboden für Vielfalt, Erfahrungsaustausch, Toleranz und Kreativität zu schaffen. Die Bewohner der Region – Kinder wie Erwachsene – und Besucher aus ganz Europa bekommen die Möglichkeit in unmittelbaren Kontakt zur Natur, Geschichte, Kultur und zueinander zu treten. „Geh in die Geschichte – erleb die Natur – nimm teil an der Kultur – schaff Reflexion und Verständnis“.

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Mitbürgerhaus Das Archiv der lebendigen Geschichte Kreative Werkstätten Vermittlungsraum Kurs- und Camp-Zentrum Touristenattraktion

Zunächst wird ein Kulturdorf in Gråsten an der Gråsten Landbrugsskole in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden der Landwirtschaftsschule eingerichtet. Dieses Kulturdorf wird 2017 eingeweiht, weitere Kulturdörfer nördlich und südlich der Grenze sollen folgen. Der Grundgedanke ist grenzüberschreitend und hat in der Kommunikation die Zweisprachigkeit verankert. Hier kann das Publikum in den kreativen Werkstätten die Natur unmittelbar erleben oder in dem reichhaltigen Angebot der Naturschule etwas über die Voraussetzungen von Leben erfahren. Hier werden darüber hinaus Erzählabende stattfinden, an denen die Geschichten und Sagen der Gegend gesammelt und an die folgenden Generationen weitergegeben werden.


Im Rahmen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas führte Sonderburg2017 einen ganztägigen Workshop im stillgelegten Forsthaus Nygård im Nørreskov-Forst an der Ostküste von Alsen durch. Das Forsthaus wird jetzt von einer Gruppe von Bürgern als Kulturzentrum betrieben.

NATURAL ART FESTIVAL Das Natural Art Festival ist ein einzigartiges alljährlich stattfindendes Festival, das die natürliche Umgebung in die Vermittlung von Kunst und Kultur aktiv einbezieht. Indem Kunst und Kultur in die Natur verlegt werden, stellen wir der Ausübung einen neuen „Rahmen“ zur Verfügung. Der Fokus liegt auf dem Wasser und dem Meer und betont das maritime Image des Grenzlands. Durch ungewöhnliche und einmalige Initiativen wird das Festival den Schwerpunkt auf Aktivitäten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft legen. Jedes einzelne Element des Festivals baut Brücken zwischen den drei Zeiten. Wir beginnen im Grenzland und gehen zusammen auf eine Reise in die Zukunft. Allen Aktivitäten gemeinsam ist, dass sie die Natur nutzen und die Gäste in Kunst und Kultur einbeziehen. Das Festival wird abgerundet durch ein gemeinsames Event im Hafengebiet von Sønderborg, das mit Elementen wie Musik, Wasser, Kunst und Design alle drei Zeitspannen aufnimmt.

steht. Gleichzeitig beziehen wir die Bürger der Region in dieses Erlebnis mit ein. Ideenbeispiele:

Holzfloß im Hafenbecken mit Musik von nationalen und internationalen Gruppen aus dem

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gesamten Grenzland. Jazz auf einer schwimmenden Bühne im Alsensund und an der Flensburger Förde. Segelausflüge zu ausgewählten Wäldern, in denen bildende Künstler Kindern die Möglichkeit

geben, ihre eigenen Bilder in der Natur zu malen. Kinder können am Cathrinesminde Teglværksmuseum ihre eigenen Musikinstrumente

in der Natur herstellen. Ballonsafari mit Picknick. Fesselballons geben den Gästen die Möglichkeit, die Gegend von oben zu betrachten. Wenn der Ballon an einem bestimmten Ort landet, wird ein Picknick bereit

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stehen. Kleine Konzerte unplugged in der Natur, bei denen mit Licht und Ton experimentiert wird. Ein Farmers Market in den Häfen von Sønderborg und Flensburg, auf denen lokale Produzenten ihre Waren auf einem Prahm verkaufen und Kinder unter freiem Himmel ihr eigenes Brot in Steinöfen backen.

Wir vereinen die Kunst mit naturwissenschaftlichen Elementen und zeigen dadurch angereisten Touristen, wo die Grenzregion auf musikalischem und wissenschaftlichem Gebiet 6 /


Die unterschiedlichen Aktivitäten und Projekte von Sønderborg 2017 werden sich an vielen unterschiedlichen Orten innerhalb und außerhalb des Grenzlandes abspielen. Drei der „Hauptbühnen“ befinden sich jedoch direkt in der Stadt Sønderborg: die Düppeler Höhe, die Hafenfront und der Alsensund.

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Besondere Orte Die Hafenfront im Herzen von Sønderborg entwickelt sich momentan zum innovativsten Raum der Stadt. Sie liegt gut 500 Meter von der Düppeler Höhe entfernt – ein deutliches Symbol dafür, wie historische Konflikte und Innovation im Grenzland Hand in Hand gehen. Die Hafenfront ist heute die Heimstatt des Alsion, 2017 wird man von hier aus über Frank Gehrys neue Kunsthalle und das Multikulturhaus sehen können, das Seite an Seite neben der alten deutschen Marinestation und Ewers Pakhus liegt. Die Hafenfront wird 2017 Schauplatz der innovativsten und zukunftsorientiertesten Projekte sein. Dänische, deutsche und europäische Künstler sind eingeladen, für diesen Raum Projekte zu entwickeln, die basierend auf zwei der drei Themen der Kulturhauptstadt – kultureller Unternehmergeist und countryside metropolis – den Weg zeigen, wie man die Grenzen einreißt, die eingerissen werden müssen, um eine countryside metropolis im dänisch-deutschen Grenzland zu schaffen.


Sønderborg hat eine reiche Seefahrtgeschichte, daher wird das Wasser rund um Sønderborg – der Alsensund – eine wichtige Rolle bei einer Reihe von Aktivitäten der Kulturhauptstadt spielen. Das Wasser wird sowohl historische wie innovative Bühne sein; die Grenzenlosigkeit des Wassers soll die Überwindung der etablierten Grenzen unterstützen, auf die viele Projekte der Kulturhauptstadt hinweisen.

Die Düppeler Höhe mit den Schanzen an der Düppeler Mühle ist einer der bekanntesten Kriegsschauplätze der europäischen Geschichte. Die Höhe ist sozusagen die historische Bühne für Sønderborg 2017, hier wird eine Vielzahl von Veranstaltungen stattfinden, die eine Brücke über die Grenzen schlagen, die durch die Geschichte geschaffen wurden. Daher werden zahlreiche dänische, deutsche und europäische Künstler eingeladen, Projekte zu entwickeln, die 2017 auf der Düppeler Höhe stattfinden. Das dänischdeutsche Schlachtfeld – und damit im weitesten Sinn auch das europäische – repräsentiert die Versöhnung durch unterschiedliche künstlerische Aktivitäten: Musik, Theater, Literatur, bildende Kunst und anderen Kunstformen.

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In Richtung 2017 Düppel 2014 2017 liegt sechs Jahre in der Zukunft. Aber bereits in drei Jahren begeht das Grenzland einen großen historischen Gedenktag, den 150. Jahrestag der Schlacht bei Düppel. Dieses Ereignis wird mit einer Reihe dänisch-deutscher Initiativen gefeiert und ist – sofern Sønderborg als Kulturhauptstadt Europas benannt wird – der eigentliche Beginn für das Programm der Kandidatur. Im vergangenen Jahr bewilligte das dänische Folketing der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt Danmarks Radio (DR) 100 Millionen Kronen (13,4 Mio. Euro) zur Produktion einer großen historischen Serie, die sich an das breite dänische Publikum wendet. Zur Wahl standen zwei Angebote: Eine Produktion, die sich mit der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg beschäftigt oder eine Serie über die Ereignisse in Sønderborg und im Grenzland 1864. Die Wahl fiel auf die Schlacht an den Düppeler Schanzen als das wichtigste Ereignis der jüngeren Geschichte Dänemarks. Die Serie in acht Folgen wird 2014 gezeigt. Sønderborg 2017 plant eine Zusammenarbeit mit DR und anderen Partnern zur Entwicklung von Unterrichts- und anderen Materialien, um das durch die Fernsehserie erzeugte Interesse an 1864 zu unterstützen.

2014 – im gleichen Jahr wie der 150. Jahrestag des Krieges von 1864 – wird auch der 100. Jahrestag des Ausbruchs des Großen Krieges begangen, der später als Erster Weltkrieg bezeichnet wurde. Das Museum Sønderjylland-Sønderborg Slot hat im Frühjahr 2011 die ständige Ausstellung „Schützengraben und Heimatfront“ eröffnet, in der es um den Ersten Weltkrieg geht. Der Krieg ließ das neutrale Dänemark vergleichsweise unberührt, allerdings war Nordschleswig damals ein Teil des deutschen Kaiserreichs. Zehntausende Männer aus Nordschleswig wurden als Soldaten einberufen, egal ob sie eher dänisch- oder deutschorientiert waren, und mehr als 5.000 kamen nicht nach Hause zurück.

Düppel 2014 – 2017 Sønderborg 2017 hat mit dem international anerkannten dänischen Eventkonzept Stella Polaris eine Vereinbarung über eine große populäre Versöhnungsveranstaltung an den Düppeler Schanzen getroffen, an der die Besucher aktiv beteiligt werden sollen. Der Beginn ist 2014 im 150. Jahr der Schlacht bei Düppel 2014, der Höhepunkt wird 2017 stattfinden.


Künstler Ingvar Cronhammar legte beim Arrangieren der neuen Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Schloss Sønderborg mit Hand an.

Stella Polaris ist ein elektronisches chill out/ ambient-Musikfestival, das alljährlich unter anderem in Kopenhagen bei freiem Eintritt stattfindet. Das Festival wendet sich an alle Altersgruppen, zieht aber vor allem ein junges und Publikum mittleren Alters an. Auf dem Festival mit mehreren tausend Zuhörern treten jedes Jahr internationale Topstars auf. Für 2014 und die Folgejahre wird ein besonderes Stella Polaris-Konzept für Sønderborg erarbeitet, der Schwerpunkt liegt auf dem Brückenschlag zwischen Dänen und Deutschen und Dänemark und Europa. Die Stadt Berlin hat bereits großes Interesse an Stella Polaris signalisiert. Die Grundidee ist, die Arrangements gleichzeitig in Kopenhagen, Sønderborg und Berlin stattfinden zu lassen – Sønderborg wird dabei zum symbolischen Mittelpunkt des Versuchs, das Dänische mit dem Deutschen zu versöhnen. Ab 2014 wird das Festival stattfinden, seinen Höhepunkt soll es 2017 mit einer erwarteten Teilnahme von mehreren hunderttausend Gästen erreichen.

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1864 – Eine lebendige Geschichte Im Historiecenter Dybbøl Banke (Geschichtszentrum Düppeler Höhe), das dem Museum Sønderjylland angeschlossen ist, wird die Geschichte von 1864 so lebendig wie möglich vermittelt. Für die kommenden Jahre gibt es große Pläne, unter anderem den 150. Jahrestag 2014, erzählt Museumsinspekteur Bjørn Østergaard. 198

Wie versuchen Sie, die Geschichte des Krieges von 1864 zu vermitteln? - Unser Ausgangspunkt sind von Personen getragene Erzählungen. Wir versuchen, eine historische Person lebendig werden zu lassen, und bemühen uns dabei um eine getreue Wiedergabe der Quellen. Meist sind es Tagebücher, die während des Krieges geschrieben wurden, oder Erinnerungen einige Jahre später. Bekleidung, Benehmen und Redeweise sollen so nah am Original wie möglich

sein. Wir haben zum Beispiel einen Marketender – einen Kaufmann, Axel Zimmermann, der sich auf den Verkauf von feineren Waren an die Offiziere des dänischen Heeres spezialisiert hatte. Axel lieferte den gutbetuchten Offizieren Austern und Wein. Im Augenblick arbeiten wir an der Geschichte eines deutsch orientierten Schleswigers. Wie erlebte er den Krieg, was dachte er über den Krieg und die dänisch gesonnenen Schleswiger, gegen die er


auf dem Schlachtfeld kämpfte? Wir haben eine historische Person gefunden und sehen uns nun sehr genau dessen Erinnerungen an, damit wir ihn lebendig werden lassen können.

Alsen etwas Besonderes veranstalten. Es kommen mehr Soldaten als normalerweise, und es wird besonders viel Lärm und Krach geben. Das wird beeindruckend.

Wir vermitteln eine Reihe zentraler Ereignisse über den Krieg von 1864. In all diesen Geschichten beziehen wir die Besucher ein und lassen sie als Akteure in den Geschichten mitspielen. Sie müssen Essen kochen, wie die Soldaten es taten, und sie müssen versuchen, eine Kugel zu gießen. Wir haben eine Kanonengeschichte, in der die Besucher als Soldaten agieren, die Zugbrücke schließen, unter strengem Kommando exerzieren und die Kanonen laden, die schließlich abgefeuert werden – allerdings in gehörigem Abstand zu den Besuchern.

Außerdem würden wir gern einen Film über den Krieg von 1864 produzieren. Wir hoffen, hinzugezogen zu werden, wenn der Regisseur Ole Bornedal die Fernsehserie über den Krieg dreht. Wir würden uns über einige Aufnahmen für unseren eigenen Film freuen. Aber das wird sich zeigen.

Wir spielen auch eine Vorpostengeschichte durch, in der die Besucher Soldaten sind und auf Patrouille geschickt werden. Und wir haben eine besondere Kindergeschichte, in der die Kinder dem Soldaten Rasmus begegnen und ihn alles Mögliche fragen können. Ob er nicht seine Eltern, seine Frau und seine Kinder vermisst, und wie er sich eigentlich die Zähne putzt. Rasmus packt seinen Tornister aus und zeigt den Kindern die Dinge, die er an der Front dabei hatte. Die Kinder dürfen die Sachen anfassen und gründlich inspizieren, zum Beispiel die damaligen groben langen Unterhosen. Welche Pläne gibt es bis 2017/2018? - Unser größtes Projekt ist derzeit die Rekonstruktion der Schlacht um Alsen. In den letzten beiden Jahren haben wir die Schlacht am jeweils letzten Juniwochenende wiederaufleben lassen. Es läuft in Realzeit – so transportieren wir die preußischen Truppen mitten in der Nacht über den Alsensund. 2014 ist der 150. Jahrestag des Krieges, und da werden wir mit der Schlacht um 6 /

Darüber hinaus arbeiten wir an einer Ausstellung über „Schicksale in Düppel“, in der wir auch die Geschichten eines Kriegsinvaliden beziehungsweise hinterlassener Familien erzählen, in denen Soldaten fielen. Wie kamen sie zurecht? Damit wird auch die Geschichte der dänischen Gesellschaft, der Normen und sozialen Hilfsbemühungen in dieser Zeit rekonstruiert. In der Planung ist zudem eine ‚Route 1864’. Hier wollen wir die Geschichte des Krieges in der Landschaft und in der Region erzählen. Wir stellen Schilder an den Stellen auf, an denen etwas Besonderes passierte. Auf jedem Schild wird es eine Zeichnung des Ereignisses geben und einen QR-Code, der mit einem Smartphone abfotografiert werden kann und den Zugang zu einer Tonaufnahme ermöglicht, in der ein Reporter erzählt, was sich an dieser Stelle ereignet hat. Es wird die Möglichkeit geben, Augenzeugenberichte über das Geschehen abzurufen. Das könnte zum Beispiel die Evakuierung des dänischen Heeres bei Kegnæs sein oder eine Geschichte aus dem preußischen Lazarett in Broager. Das Gebäude existiert noch – damals war es eine Schule, heute ist es ein Pfarrhof.


Søren Kierkegaard

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DER ERSTE WELTKRIEG 2014 Der dänische Künstler Ingvar Cronhammar hat den neuen Raum des Museum über den Ersten Weltkrieg gestaltet. Schon bald eröffnet das Museum eine Ausstellung über die Volksabstimmung und die Wiedervereinigung von 1920, und schließlich wird die Ausstellung über die deutsche Herrschaft von 1864 bis 1914 erneuert. Der Aspekt „Erster Weltkrieg“ ist in Schloss Sønderborg Teil des großen Vermittlungsund Erhaltungsprojekts, das das Museum Sønderjylland abgestoßen hat. Während des Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche militärische Anlagen gebaut, unter anderem die ZeppelinBasis in Tønder und die große Befestigungsanlage „Sicherungsstellung Nord“. Viele dieser Anlagen sind gut erhalten – sie gehören zu den am besten erhaltenen Anlagen in Europa aus dieser Zeit. Das Zeppelinmuseum in Tønder ist bereits zu besichtigen, derzeit wird es erweitert zu einem zentralen Punkt des nordschleswigschen Vermittlungsprojekts. Das Museum Sønderjylland arbeitet daran, einen Teil des Projekts bis 2014 fertigzustellen.

Die Region Syddanmark unterstützt das Vorhaben und zählt es zu seinen regional herausragenden Projekten.

SØREN KIERKEGAARD 2013 Am 5. Mai 2013 ist es 200 Jahre her, dass Søren Kierkegaard, der bedeutendste Philosoph Dänemarks, geboren wurde. Das gesamte Jahr über wird dieses Jubiläum in Dänemark, Europa und dem Rest der Welt gefeiert werden. Søren Kierkegaard wohnte sein Leben lang in Kopenhagen, doch die Familie Kierkegaard hatte eine starke geistige Beziehung zu den Herrnhutern, der Brüdergemeinde, deren dänischer Hauptsitz seit 1773 in Christiansfeld nördlich von Haderslev lag. Diese Beziehung soll durch Buchveröffentlichungen und Vorträge erklärt und vertieft werden. Zum Jubiläum wird zudem eine Reihe populärwissenschaftlicher Vorträge in der ganzen Region angeboten, in Sønderborg selbst findet eine große internationale Kierkegaard-Konferenz zu dem Thema „Was ist Geist?“ statt. Die Konferenz beschäftigt sich mit dem für Kierkegaard


entscheidenden Diktum, „dass der Mensch geschaffen wurde, um Geist zu werden“. Eine Vielzahl international anerkannter Philosophen, Theologen, Psychologen und Literaten, ist eingeladen, sich von dem fundamentalen und ewig aktuellen Anliegen Kierkegaards anregen, provozieren und inspirieren zu lassen, der das Menschsein als etwas Geistiges definierte – im Übrigen im scharfen Gegensatz zur derzeit so verbreiteten Spiritualität. 2017 wird das theologisch-philosophische Thema noch einmal aufgegriffen. 2017 ist das Jahr der Reformation Luthers. Als Martin Luther 1517 seine 95 Thesen an die Kirchentür von Wittenberg schlug, setzte ein Prozess ein, der Europa geistig, politisch, wirtschaftlich, sprachlich und sozial grundsätzlich veränderte. 1536 führte König Christian III. die lutherische Reformation im Königreich Dänemark ein, bereits elf Jahre zuvor, 1525, hatte er die Reformation als nordschleswigscher Herzog in Haderslev durchgesetzt. 1528 ließ er die sogenannten Haderslev-Artikel mit Richtlinien für die lutherische Kirche in Nordschleswig ausarbeiten – den ersten in ganz Skandinavien. Seither wird Haderslev auch als das „Wittenberg des Nordens“ bezeichnet. 1568-1570 wurde auf Schloss Sønderborg der erste reformatorische Kirchenraum für den Gottesdienst gebaut: die Dronning Dorotheas Kapel (Königin Dorotheas Kapelle). 6 /

Nederland 2018

MONS 2015

DONOSTIA-San Sebastián 2016

Marseille 2013


UMEÅ 2014

RIGA 2014

202

Im Jahr der Kulturhauptstadt soll Sønderborg Gastgeber eines internationalen Symposions werden, das die Bedeutung des lutherischen Erbes für die Entwicklung Europas in den vergangenen 500 Jahren diskutiert und den Blick auf Luthers derzeitige Aktualität lenkt.

SØNDERBORG 2017

Das Symposion wird in Zusammenarbeit mit den Universitäten und Lehreinrichtungen der Region erarbeitet und bietet die Chance für diverse Unterrichtsinitiativen. Die Möglichkeiten einer Kooperation mit Wittenberg, der Partnerstadt von Haderslev, zur Fünfhundertjahrfeier der Reformation werden ebenfalls eruiert.

Wrocław 2016

Plzen 2015

Košice 2013

ZUSAMMENARBEIT MIT BULGARIA 2019 ITALIA 2019

DEN EUROPÄISCHEN KULTURHAUPTSTÄDTEN 2013 – 2016 Sønderborg hat gute Kontakte zu einer Vielzahl von ehemaligen, derzeitigen und zukünftigen europäischen Kulturhauptstädten aufgenommen. Wird Sønderborg als Kulturhauptstadt CYPRUS 2017

MALTA 2018


Europas 2017 ausgewählt, wird die Stadt die Zusammenarbeit mit den europäischen Städten intensivieren, die für die Zeit von 2013 bis 2016 bereits als Kulturhauptstädte benannt wurden. Die Kooperation wird sich vor allem auf den Austausch von konkreten Projekten konzentrieren, so dass einige Projekte anderer Kulturhauptstädte auch im dänisch-deutschen Grenzland präsentiert werden. Auf diese Weise entsteht eine Kontinuität zwischen den europäischen Kulturhauptstädten, und Sønderborg könnte an einer Reihe von Elementen der vorhergehenden Hauptstädte weiterarbeiten. Darüber hinaus ist eine derartige Präsentation von Projekten anderer Kulturhauptstädte im Grenzland in den Jahren bis 2017 eine ausgezeichnete Gelegenheit, Sønderborg 2017 bei den kulturellen Akteuren und Institutionen und beim breiten dänischen und deutschen Publikum zu verankern. Ebenso hat Sønderborg eine enge Zusammenarbeit mit den drei zyprischen Städten vereinbart, die sich um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ bewerben: Nikosia, Limassol und Pafos. Wird Sønderborg als Kulturhauptstadt Europas 2017 ausgewählt, wird die Zusammenarbeit mit der Gewinnerstadt auf Zypern in den Jahren bis 2017 intensiviert.

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Kulturpass für die Bürger des Grenzlands 2016 Im Jahr 2016 wird den Einwohnern des Grenzlands ein Kulturpass ausgestellt. Der Pass soll bei jeder Teilnahme an einer kulturellen Aktivität jenseits der Grenze gestempelt werden. Mit fünf Stempeln nimmt der Passinhaber an einem Preisausschreiben teil, bei dem der kostenlose Eintritt zu zahlreichen Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahres zu gewinnen ist. Es ist eine einfache Form, auf die Themen der Kandidatur aufmerksam zu machen und eine große Anzahl von Bürgern einzubeziehen.


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Mobilisierung der Bürger

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andgebiete sind definiert durch einen deutlichen Mangel an Ressourcen. Sønderborg will sich in absehbarer Zeit zu einer countryside metropolis entwickeln, doch die Stadt verfügt nicht über die gleichen Ressourcen wie eine Großstadt. Daher ist Sønderborg in hohem Maß abhängig von den Einwohnern der Stadt und der Region und ihrem Engagement, um die Visionen der Kandidatur Wirklichkeit werden zu lassen. Die Bürger sind der größte Aktivposten, wenn es darum geht, die Region zu einer countryside metropolis zu entwickeln und das Kulturhauptstadtjahr erfolgreich zu gestalten. Sie müssen mobilisiert werden. Sonst schaffen wir es nicht. Sønderborg 2017 richtet – sollte die Stadt zur Kulturhauptstadt Europas 2017 ernannt werden – ein Projektzentrum ein, in dem die Bürger, die Künstler, das Bildungswesen und das Wirtschaftsleben der Stadt und des Grenzlands zur Entwicklung der Projekte und Aktivitäten des Kulturhauptstadtjahres beitragen können. Das Zentrum wird dem Sekretariat Sønderborg 2017 angeschlossen und seine Arbeit auf drei

Schwerpunkte legen: Arts & Business, lokale Projekte und Volunteers-Programm.

ARTS & BUSINESS Unter der Überschrift Arts & Business soll das Projektzentrum die konkrete Zusammenarbeit zwischen lokalen Künstlern und der lokalen Wirtschaft koordinieren. Die Entwicklung von kulturellem Leben und Wirtschaftsleben geht Hand in Hand, und das Zusammenspiel zwischen beiden Seiten muss verstärkt werden. Dies ist ein ganz entscheidendes Element, wenn Sønderborg den unternehmerischen Geist der Stadt weiterentwickeln will, um nach und nach zu einer countryside metropolis zu werden. Das Projektzentrum wird der Ort sein, an den sich Künstler und Vertreter des Wirtschaftslebens mit ihren Ideen wenden können und an dem sie mit potenziellen Partnern zusammengeführt werden. Es ist beabsichtig, dass die Partner ihre Projekte selbst entwickeln und das Projektzentrum dabei eine unterstützende und beratende Funktion ausübt.


Sonderburg2017 hat zwecks Sammlung und Entwicklung der Ideen mehrere Workshops veranstaltet.

Lokale Projekte Die Bürger sowie die lokalen Kulturinstitutionen und Künstler haben in hohem Maß dazu beigetragen, die Kandidatur von Sønderborg 2017 auszuarbeiten. Wir wünschen uns daher, dass sie im eigentlichen Kulturhauptstadtjahr eine zentrale Rolle spielen. Das Projektzentrum soll den Bürgern, Künstlern und Kulturinstitutionen helfen, Projekte zu planen und zu realisieren. Selbstverständlich obliegt es dem künstlerischen Leiter von Sønderborg 2017 zu entscheiden, welche Ideen in das endgültige Programm aufgenommen werden, doch das Projektzentrum kann auch bei der Realisierung von Projekten behilflich sein, die nicht Teil des offiziellen Programms von Sønderborg 2017 werden.

Volunteers Programm Sønderborg will ein Volunteers Programm auflegen, das eine praktische Perspektive und eine Entwicklungsperspektive enthält. Sønderborg 2017 möchte die Einwohner der Grenzregion so intensiv wie möglich engagieren, denn wir brauchen die Hilfe der Bürger, um das Kulturhauptstadtprojekt zu realisieren. Daher wird 6 /

das Projektzentrum zielgerichtet daran arbeiten, Kinder und Jugendliche ebenso wie Berufstätige und ältere Menschen zu motivieren, auf freiwilliger Basis an der Gestaltung und Umsetzung des Kulturhauptstadtjahres mitzuarbeiten. Gleichzeitig wird das Projektzentrum neue Formen der Beteiligung von Volunteers prüfen, neue Möglichkeiten, Ehrenamt zu organisieren und zu praktizieren. Durch die Finanzkrise der letzten Jahre ist klar geworden, dass es für eine Gesellschaft als Ganzes notwendig ist, ein neues Konzept von Ehrenamtlichkeit zu entwickeln, da die Ressourcen des Wohlfahrtstaates auf Dauer nicht ausreichen, um sämtliche Aufgaben wahrzunehmen, die die Bürger erwarten. Daher muss die Grenze zwischen Ehrenamt und bezahlter Arbeit hinterfragt werden – um neue Lösungsmodelle für Sønderborg und das Grenzland wie für Europa als Ganzes zu schaffen.


Wenn Sonderburg2017 Ideenjongleure von beiderseits der Grenze zusammenbrachte, war zur Unterstützung bei der Kommunikation ein/e Simultandolmetscher/in mit dabei.

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ReiSSt die Informationsgrenze ein KOMMUNIKATION Die dänisch-deutsche Grenze ist vor allem eine Informationsgrenze. Die Informationen fließen nicht frei über die Grenze. Sønderborg und Nordschleswig haben ihre Medien und Informationskanäle, die Deutschen haben andere. Das Grenzland ist kein gemeinsamer Raum für Wissen, Information und Kommunikation. Es ist ein geteilter Raum ohne eine gemeinsame Öffentlichkeit. Die dänischen Medien berichten über Dänisches, die deutschen über Deutsches. Und es gibt niemanden, der die Grenzregion als gemeinsamen Raum mit gemeinsamen Problemstellungen und einem gemeinsamen Bedarf nach vereinten Lösungsmodellen sieht. Der Begriff „Kommunikation“ kommt vom lateinischen „communicare“ und bedeutet „etwas gemeinsam tun“. In der Kommunikation geht es darum, Gemeinschaft zwischen Menschen herzustellen – durch den Austausch von Gedanken, Ideen, Werten, Haltungen und Perspektiven.

Kommunikation kann Vieles sein: Etwas Oberflächliches, Rasches und Kommerzielles oder etwas Tiefes, Langsames und Substantielles. Sie kann sich in einem physischen Raum voller Nähe und Präsenz oder in der Entfernung abspielen, im Cyberspace, wo die Gesetze der Natur überwunden werden und das weit Entfernte plötzlich sehr nahe ist. Doch wie auch immer Kommunikation funktioniert, es sind mindestens zwei Partner nötig, um den Raum zwischen ihnen zu einem gemeinsamen Raum werden zu lassen. Kommunikation reißt Grenzen nieder – zwischen Menschen, zwischen Kulturen und zwischen Nationen. Und genau diese Rolle soll die Kommunikation bei unserer Kandidatur erfüllen. Sie soll sicherstellen, dass die vielen grenzüberschreitenden Projekte die Grenzen in der breiten dänischen, deutschen und europäischen Öffentlichkeit niederreißen. Kommunikation kann somit nicht nur als ein „add on“ für all die Aktivitäten angesehen werden, die während und bis zum Kulturhauptstadtjahr


stattfinden. Denn Kommunikation, das Bestreben „etwas gemeinsam zu tun“ und die Grenze zwischen Kulturen und zwischen Kunst und ihrem Publikum einzureißen, ist der Sinn und das Ziel der zahlreichen Aktivitäten des Jahres als Kulturhauptstadt.

2017 daran arbeitet, eine Brücke über Europas mentale und physische Grenzen zu schlagen, ist es ebenso notwendig, sich in der Entwicklung neuer Kommunikationsplattformen und -modelle zu engagieren, die diesem Prozess auf den Weg helfen können.

Das bedeutet, dass wir uns nicht nur auf alte, wohlbekannte Formen der Kommunikation verlassen können. Wir müssen auch diese Formen neu denken und weiterentwickeln. Daher wird die Kommunikation im Zusammenhang mit Sønderborg 2017 auf zwei Säulen stehen: Die eine basiert auf Forschung und untersucht, sammelt und entwickelt neue Kommunikationsmodelle und Vorschläge für neue Formen des zwischenmenschlichen Kontakts über die Medien. Die andere vermittelt der dänischen, deutschen und europäischen Öffentlichkeit in einem eher traditionellen Sinn strategisch die Botschaften, Aktivitäten und Projekte des Kulturhauptstadtjahres. Es ist durchaus richtig, den Menschen überall in Europa positive Geschichten über die Kulturhauptstadt zu erzählen – natürlich ist so etwas nötig, doch es ist nur die eine Hälfte der Strategie. Denn wenn man wie Sønderborg 6 /

Sonderburg2017 hat auch mehrere Workshops für Jugendliche veranstaltet. Her ein Beispiel aus 2010.


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Kultur rund um den ganzen Kompass


rund

D

ie Gemeinde Sønderborg hat einen Prozess in Gang gesetzt, der zu einer neuen Kulturstrategie führen soll – den Kulturkompass 2020. Er unterstützt Sønderborgs Visionen und bildet das Fundament für den Wunsch, Kulturhauptstadt Europas 2017 zu werden. Der Leiter des kommunalen „Center for Kultur“, John Bøgelund Frederiksen, über den Kulturkompass.

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Interview mit John Frederiksen 212

Welche Bedeutung wird dem Kulturkompass 2020 beigemessen? „Die Strategie hat eine entscheidende Bedeutung für Sønderborg als eine multikulturelle Vorreitergemeinde. Es ist wichtig, dass alle Resorts der Gemeinde in die kulturelle Struktur mit berücksichtigt werden, wenn wir internationales Profil anstreben. Ein attraktives Angebot an kulturellen Ereignissen allein ist nicht ausreichend. Gerade durch den Unternehmergeist der Bürger in der Region und die enge internationale Zusammenarbeit auf industriellem Gebiet ist Sønderborg zu einer multikulturellen Gesellschaft geworden, in der viele verschiedene Nationalitäten leben. Gleichzeitig haben wir viele internationale

Studierende an unserer Universität. Dies erfordert den kulturellen Dialog und nicht zuletzt ein kulturelles Verständnis. Parallel dazu gibt es die Erwartung, dass unser Kulturangebot vielfältig und international ist. Die Folge sind zahlreiche Kooperationen mit ausländischen Akteuren und Festivals. Zum Beispiel unterhalten mehrere große Unternehmen der Region enge Beziehungen zu China, was dazu geführt hat, dass wir auch mit verschiedenen chinesischen Kulturinstitutionen zusammenarbeiten, unter anderem in den Bereichen Film und Bühnenkunst. Außerdem bekamen wir 2007 den Konzertsaal Alsion, der zu den besten klassischen Konzertsälen Europas gehört und im Alltag die Heimstätte für eines von fünf Landesorchestern Dänemarks ist, Sønderjyllands Symfoniorkester.


Ein Konzertsaal dieses Kalibers zieht sehr viele internationale Gastspiele an, die heute wesentlich das Kulturangebot Sønderborgs prägen. Wir können uns zudem darüber freuen, dass das Schleswig-Holstein Musik Festival jedes Jahr eine Reihe von Konzerten in unsere Region stattfinden lässt. Und auch die eher nischengeprägte internationale Kulturzusammenarbeit ist bei uns verankert. Zum Beispiel sind wir Partner des jährlichen folkBaltica-Festivals mit dem Schwerpunkt auf baltischer Volksmusik. Unser Publikum ist durch langjährige Auftritte des Sønderjyllands Symfoniorkester in der Region an einen hohen Standard bei klassischer Musik gewöhnt. Die Stadt hat außerdem Dänemarks größten Theaterverein außerhalb der Hauptstadt, was seit Jahrzehnten wesentlich zu einem qualitativ hohen Niveau im Bereich des Theaters führt.“

Wie stellen Sie die gute Zusammenarbeit mit anderen Organisationen über die Landesgrenzen hinweg sicher? „Wir sind ein zentrales Mitglied des Netzwerks DKK (Danske Koncert og Kulturhuse). Über dieses Netzwerk erreichen wir sehr viele Künstler, dänische wie internationale, die wir als Stadt unserer Größe sonst nicht zu einem Auftritt

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verpflichten könnten. Wir sind in allen aktiven Kulturnetzwerken innerhalb sämtlicher Genres vertreten – eben um sicherzustellen, dass wir ein Teil des breiten kulturellen Lebens sind und bleiben. Auch internationale Netzwerke spielen eine große Rolle, wenn wir auf der einen Seite Nischenkultur anziehen und andererseits eine gewisse Breite in unserem Kulturangebot berücksichtigen wollen. Unter anderem sind wir Mitglied der Organisation “Si Tous les Ports du Monde”, bei der wir momentan den Vorsitz innehaben. Es ist ein internationales Netzwerk von Hafenstädten der ganzen Welt, bei dem der Schwerpunkt auf dem Austausch in den Bereichen Kultur, Wissen und Tourismus liegt. Hier haben wir gerade ein größeres Projekt angestoßen, bei dem es um den Austausch von Talenten innerhalb der klassische Musik und einem kulturellen Austausch von jungen Musikstudenten geht.“

Wie lautet Ihre Philosophie bei der Talententwicklung? „Talent wächst von unten und in enger Zusammenarbeit mit unseren Musikschulen, sowohl den populären wie den klassischen. Hier unterstützen wir viele Talente, die später aufs Musikkonservatorium und in die Welt hinaus gehen. Ebenso steht unsere Tanzakademie in engem Kontakt mit der Ballettschule des


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Königlichen Theaters, und unsere Kunstschule bietet unter anderem Grundkurse als Vorbereitung auf die Königlich Dänische Kunstakademie an. Wir haben in der Gemeinde den Blickwinkel sehr stark auf die Kunst gelegt und das ‚Augustiana Skulptur og Kunstcenter’ eingerichtet, ein Kunstmekka von höchstem internationalem Standard. In der unmittelbaren Umgebung des Augustiana haben wir darüber hinaus mit ‚Det Gamle Postkontor’ (Das alte Postamt) in Augustenborg optimale Bedingungen für die Amateurkünstler der Region geschaffen. Es ist ein Ort, an dem sie ungezwungen arbeiten und ausstellen können. Wir legen großen Wert darauf, dass internationale Stars, die in die Stadt kommen, in Meisterklassen für den Unterricht von Amateuren eingesetzt werden. In den letzten vier Jahren haben wir zum Beispiel eine dänisch-deutsche Blechbläserakademie mit mehr als 60 Künstlern und professionellen Lehrern aus der ganzen Welt veranstaltet. Amateurkunst sind für uns viele Dinge. Es gibt auch Underground-Milieus, in denen HipHop, Skater-Kultur und Graffitis inspirieren können, wenn es in der richtigen Weise geschieht. Die Graffiti-Kunst darf sich bei uns bewusst in Tunneln, an ausgewählten Hauswänden und im Wartesaal des Busbahnhofs entfalten.“

Wie integrieren Sie die vielen unterschiedlichen Kulturen der Region in die Kunst? „Kunst ist ja mehr als ein bloßes Erlebnis, es geht mindestens ebenso sehr um kulturelle Begegnungen, um ein Verständnis für eine neue Kultur, um eine Einführung in eine neue Sprache oder in ein anderes kulturelles Erbe. Wenn wir die Kultur zur Begegnung mit anderen Menschen nutzen, kommt es zu einem größeren Verständnis für einander und zu weit weniger kulturellen und sozialen Barrieren. Daher ist es unsere Aufgabe in der Kulturverwaltung, Menschen auf neue Arten von Kulturerlebnissen neugierig zu machen, aber auch, Projekte ökonomisch zu unterstützen, die von sich aus wirtschaftlich nicht tragfähig wären. Eines unserer Nischenarrangements war ein Besuch des „Middle East Peace Orchestra“ in Zusammenarbeit mit dem Vokalensemble von Danmarks Radio. Als Auftakt des Konzerts haben wir verschiedene ethnische Vereinigungen sowie die jüdische und muslimische Gemeinde mit einbezogen. Dem Publikum sollte vor dem Konzert ein sinnliches Erlebnis vermittelt werden, mit einem Basar aus Essen, Musik, Gesang und Tanz. Auf diese Weise bot sich für sehr viele Gruppen die Möglichkeit, einen kleinen Zipfel ihrer eigenen Kultur zu präsentieren, und viele Zuhörer hatten ein völlig neues Konzerterlebnis – möglicherweise erlebten sie sogar ihr erstes klassisches Konzert.


Es kamen sehr viele Zuhörer, die nicht zu unserem üblichen Publikum gehören.

Wie sollen all diese Initiativen im Kulturkompass 2020 weitergeführt werden?

Unserer Erfahrung nach müssen wir die Kultur hinaus zu den Bürgern bringen, egal, um welche ethnische oder soziale Schicht es sich handelt. Wir können nicht erwarten, dass die Kulturkonsumenten der Zukunft die gleichen Institutionen nutzen, die wir jahrhundertelang genutzt haben. Daher setzen wir sehr auf alternative Kulturorte wie zum Beispiel Anwohnervereine, Gemeinschaftshäuser, Parks und öffentliche Wege. Kultur braucht keine gemeinsame Sprache, denn wir können uns in dem Erlebnis treffen. Wir haben eine Zusammenarbeit mit einem russischen Theater begonnen, das durch Dänemark getourt ist und verschiedene Theaterstücke aufgeführt hat, die auf Hans Christian Andersens Märchen basieren. Die Schauspieler konnten kein Dänisch, sie hatten lediglich einige dänische Sätze auswendig gelernt, der Rest der Vorstellung bestand aus Musik, Gebärden und Gestik. Alle Zuschauer, Kinder wie Erwachsene, hatten nach dieser Begegnung wirklich das Gefühl, etwas erlebt zu haben. Und die neueste Initiative ist eine enge Zusammenarbeit mit dem dänisch-arabischen Freundschaftsverein, den wir mit praktischen Aktionen und Kulturaustauschprogrammen unterstützen. Wir setzen die Kultur also als einen wichtigen Parameter ein, wenn es um Integration geht.“

„Mit dem Kulturkompass 2020 gehen wir den Schritt weiter und bringen den Gedanken der Kultur in sämtliche Bereiche der Gemeinde. Kultur wird nicht mehr nur der Verantwortungsbereich des Kulturamtes sein, sie wird alles durchdringen, was wir in der Gemeinde überhaupt tun. Kultur regt dazu an, neu und unkonventionell zu denken. Daher ist es erfreulich, dass Fachbereiche wie Gesundheit, ältere Menschen, Kinder und Jugendliche, Stadtplanung und Tourismus begreifen, warum Kultur auch bei ihnen eine zentrale Rolle spielen soll.

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Wir sind bisher von einer engen Definition des Kulturbegriffs als einem einzelnen kulturellen Erlebnis ausgegangen. Doch der Kulturbegriff umfasst auch kulturelle Intelligenz und Kreativität. Für Sønderborg geht es darum, einen kulturellen Unternehmergeist entstehen zu lassen und kulturelle Barrieren zwischen Menschen einzureißen. Die Kultur ist der Leim, der uns verbindet und uns zu Gemeinschaft verhilft. Gleichzeitig spielt Kultur eine entscheidende Rolle, wenn wir Wachstum und gute Lebensbedingungen für Einwohner und Gäste unserer Region schaffen wollen.“


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Der Kulturkompass 2020 Ein kulturstrategisches Navigationsinstrument Der Kultur- und Gewerbeausschuss hat im April 2010 die Entwicklung einer Kulturstrategie verabschiedet, die die kulturpolitische Vision für die Jahre 2013 bis 2017 festschreibt. In den vergangenen Jahren unterlag Sønderborg großen Veränderungen, als sieben Ortschaften zu einer Gemeinde zusammengelegt wurden – zu der Gemeinde Sønderborg. Bis dahin hatte jeder Ort seine eigene Kulturpolitik verantwortet, nun mussten sich die Politiker auf eine gemeinsame Kulturpolitik und eine gemeinsame Vision einigen. Dies ist jetzt Wirklichkeit geworden. Wir haben die Ausarbeitung einer Kulturstrategie eingeleitet, die diese Visionen unterstützt und auf die Sønderborgs Visione, Kulturhauptstadt Europas 2017 zu werden, fußt. Dieser Einsatz soll zu einer neuen Kulturstrategie führen – dem Kulturkompass 2020. Der Kulturkompass wird die beschlossenen politischen Visionen aufgreifen und die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde Sønderborg unterstützen. Die endgültige Kulturstrategie soll wie eine Matrix auch für die

übrige Grenzregion des Kulturhauptstadtjahres 2017 funktionieren. Damit existiert eine Schablone, mit der jede einzelne Gemeinde in der Region ihr eigenes kulturstrategisches Navigationsinstrument erarbeiten, weiterentwickeln und aktualisieren kann.

Die Vision des Kulturkompass 2020 Die Vision für den Kulturkompass 2020 ist, dass die Gemeinde Sønderborg im Jahr 2020 als Wachstumsmotor auf dem Gebiet der Kultur bezeichnet wird, als Inspiration und nachahmenswertes Beispiel auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Kultur erhält einen ganz zentralen Platz bei sämtlichen Unternehmungen der Gemeinde, in den verschiedenen Ämtern und Verwaltungsbereichen, bei Institutionen und externen Interessenten. Kultur ist ein wesentlicher Parameter, um das künftige Wachstum in Form neuer Arbeitsplätze und einer innovativ denkenden Bevölkerung zu sichern.


Zentrum für Kultur Inklusion

Studierende

Freizeit KULTURINSTITUTIONEN

Vision 2020

Wirtschaft

Gesundheit Kinder & Jugendliche

Klima

Ältere Stadtplanung Tourismus

Der Kulturbegriff ist in der Diskussion und wird in den nächsten Jahren weit mehr umfassen als nur kulturelle Aktivitäten und Erlebnisse, die von einer Kulturinstitution initiiert werden. Kultur wird sich in sämtliche Verwaltungsbereiche der Gemeinde erstrecken und für alle, die mit Gesundheit, Klima, Tourismus, Stadtplanung usw. arbeiten, zur Herausforderung, den Kulturbegriff in ihre Strategien mit einzubeziehen. Wir möchten den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2017“ erhalten und wollen unser Verständnis des Kulturbegriffs auf kulturelle Vielfalt und den interkulturellen Dialog ausweiten. Wir müssen Kultur als einen Katalysator für Kreativität, Innovation und Wachstum sehen. Aber auch als unser kulturelles Erbe – als die Art und Weise, wie wir national und über die Grenzen hinweg interagieren.

ein zentrales Element in einem Prozessverlauf handelt. Denn wir können nicht die Denkweisen und Gewohnheiten einer ganzen Gemeinde innerhalb weniger Jahre ändern. Dies erfordert einen kontinuierlichen Entwicklungsverlauf unter ständiger Kontrolle, Justierung und Fortschreibung. Gleichzeitig wird der Kulturkompass auch die Basis für die Zeit nach dem Kulturhauptstadtjahr 2017 sein. Denn die Gemeinde Sønderborg will auch weiterhin ihr Augenmerk darauf richten, dass Kultur ein integrierter Teil aller wichtigen Projekte der Kommune ist. Als Gemeinde wollen wir eine globale Sichtweise anlegen und ein wegweisender Ort für Europa sein.

Die Philosophie hinter dem

Sønderborg als Kulturhauptstadt Europas 2017, das heißt die Entwicklung von kultureller Intelligenz und kreativer Kapazität über mentale und physische Grenzen hinweg – die Grenzen zwischen Nationen, Kulturen und Menschen müssen überwunden werden. Die Grundlage für die gesamte Kandidatur sind drei Hauptsäulen:

Kulturkompass 2020

• Mentale und physische Grenzen

Die Strategie reicht über das Jahr 2017 hinaus. Zunächst konzentrieren wir uns darauf, einen Nullpunkt für heute und das Jahr 2020 festzulegen. Die Stärke dieses strategischen Navigationsgeräts besteht darin, dass es sich um 7 /

Die positiven Beispiele von kultureller und menschlicher Interaktion und der Respekt gegenüber Haltungen und Meinungen über Kulturen, Nationen, Ethnizitäten, und physische Grenzen hinweg.


• Entrepreneurship Der starke Unternehmergeist, der sich in dem Willen, der Lust und der Fähigkeit der Region zur Innovation und zur Schaffung neuer Geschäftsfelder und Unternehmen zeigt.

• Countryside metropolis Qualitätsmerkmale der Region wie Natur, Ruhe und frische Luft kombiniert mit kulturellen und wirtschaftsfördernden Initiativen und Aktivitäten, die normalerweise das Kennzeichen einer Großstadt sind.

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Bei sämtlichen Initiativen innerhalb dieser drei Säulen muss es sich um Elemente handeln, die eine nachhaltige Entwicklung fördern. Und die Umsetzung von Vorhaben und Aktivitäten muss die Forderung künftiger Generationen an die Vermittlungsplattformen und neuen Technologien berücksichtigen. Im Laufe der Jahre haben wir in der Region einen starken unternehmerischen Geist in Wirtschaft und Politik entwickelt. Dieser muss in einen kulturellen Unternehmergeist umgesetzt werden. Kultur verbindet uns und gibt uns Gemeinschaft. Gleichzeitig ist Kultur eine entscheidende Voraussetzung, um für Einwohner und Besucher unserer Region Wachstum und gute Lebensbedingungen zu sichern.

Kultur als zentrales Element in der Gemeinde Der Prozess, der dazu führen soll, dass alle Beteiligten der Gemeindeverwaltung den Wert der Kultur als zentrales Element in der Arbeit der Gemeinde erkennen, ist eingeleitet. Jeder einzelne Bereich muss die Kultur als Inspirationsquelle und eine neue Form der Vermittlung begreifen, damit die Bürger sich angenommen und verstanden fühlen. Das ist entscheidend, egal, ob es um die Interessen älterer Menschen geht, die Gesundheit der Einwohner, die Ausbildungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen, um Neubürger aus dem In- und Ausland, die weitere Stadtentwicklung

oder etwas ganz anderes. Die Entwicklung unseres Lebensstils bis zum Jahr 2030 stellt immer größere Anforderungen an die Vielfalt des Kulturangebots. Laut Fremforsk, dem Zentrum für Zukunftsforschung, wird in den kommenden Jahren die Alltagkultur zu einer primär kommunalen Kernleistung. Der Fokus hat sich verändert: von einzelnen spektakulären Events auf ein sich entwickelndes Kulturangebot in lokalen Bereichen oder der Stadt. Die lokale, informative und lehrende Kultur bestärkt uns in unseren Stolz auf die Region, in der wir leben. Sie gibt uns das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Identität. Gleichzeitig werden die kommenden 20 Jahre von einer Veränderung des Kulturbegriffs geprägt sein: von einer elitären Kultur hin zu einer eher vielfältigen, grenzenlosen, globalen und nicht zuletzt digitalen Kultur. Die nächste Generation wird als „digital natives“ bezeichnet – als digitale Einheimische. Sie fühlen sich ebenso als Weltbürger wie als Dänen, und sie bewegen sich Dank des digitalen Zeitalters über die Grenzen der ganzen Welt. Diese Entwicklung inspiriert Sønderborg, den Blick nach vorn zu richten und mit einem vielfältigeren Kulturbegriff zu arbeiten, um sicherzustellen, dass die Kultur sich auf vielen verschiedenen Plattformen und grenzüberschreitend entwickeln kann.

Ein Navigationsinstrument – der Kulturkompass 2020 Wir verwenden den Vergleich mit dem Kompass, da die Kompassnadel immer in die gleiche Richtung zeigt, egal, wo man steht – nach Norden. Der Kompass zeigt, welchen Weg man zu gehen hat, und mit der Einteilung des Kompasses in 360 Grad kommt man überall hin. Der Kulturkompass stellt sicher, dass alle Beteiligten sich in diese Strategie einbezogen fühlen, und dass in der Zukunft im kulturellen Bereich nur noch ein einziges Navigationsgerät nötig ist – der Kulturkompass 2020.


Attraktive Rahmenbedingungen für Kulturkonsumenten Kulturhauptstadt Europas 2017 Zentralbibliothek an der Hafenpromenade Vision 2013 – 2017

Multikulturzentrum Feste Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit mit der Grenzregion Enge Verbindungen zwischen wirtschaftlichem und kulturellem Leben Lebendige Jugendkultur

Der Kulturkompass 2020 soll die Kulturinstitutionen und die verschiedenen Verwaltungsbereiche der Gemeinde Sønderborg enger an die Wachstumsstrategie im kulturellen Bereich binden. Der Kulturkompass 2020 ist mehr als eine bloße Strategie für eine mögliche Kultur im Jahr 2020. Kultur soll als Motor des Wachstums dienen und Wissen, Forschung, Ausbildung, Politik und Wirtschaft in einen übergeordneten Kulturbegriff integrieren – ausgehend vom starken unternehmerischen Geist der Region. Dies geschieht durch interdisziplinäres Denken und durch das Einreißen mentaler und physischer Barrieren. Der Kulturkompass 2020 soll ein Arbeitsgerät und ein strategisches Navigationsinstrument sein, mit dem jede einzelne Einrichtung der Gemeinde ständig die strategische Entwicklung des kulturellen Bereichs verfolgen kann.

Der Prozess für den Kulturkompass 2020 Der Kulturkompass 2020 ist intern in der Gemeinde in eine Reihe von Fokuszonen aufgeteilt, die im Laufe der Zeit immer mehr mit der Kultur interagieren. Jeder dieser Fokuszonen hat ein Memo mit einer Beschreibung der Idee 7 /

und der Philosophie hinter dem Kulturkompass erhalten, einen Fragebogen, der mit Blick auf den eigenen Bereich beantwortet werden muss, sowie ein Schema, mit dem sich die Entwicklung kontinuierlich verfolgen lässt. Es ist notwendig, in welchem Maße jede einzelne Fokuszone der Gemeinde die Kultur miteinbezieht. In einigen Bereichen wird Kultur in der täglichen Arbeit naturgemäß keinen zentralen Platz einnehmen, andere werden Kultur als ganz natürlichen Teil ihrer Vermittlung einsetzen. Danach werden für den jeweiligen Fachbereich Vorhaben und Ideen festgehalten, wie Kultur künftig in die tägliche Arbeit integriert wird. Zunächst wird diese Analyse intern in der Gemeindeverwaltung durchgeführt. In der nächsten Phase kommen die dezentralen Institutionen hinzu und schließlich werden in der letzten Phase andere externe Interessenten an der Gemeinde untersucht. Jede einzelne Phase beginnt mit einem Memo, den festgelegten Fragen sowie einem KPI-System (Key Performance Indicator), um die Entwicklung zu verfolgen zu können. Auf diese Weise wird im kommenden Jahr eine Übersicht vorliegen, wie die Gemeinde insgesamt mit Kultur umgeht, und welche Pläne und Ziele die einzelnen Bereiche der Gemeindeverwaltung haben, damit Kultur in den kommenden Jahren zu einem zentralen Teil ihres Bewusstseins wird.


Externe Interessen

Institutionen in der Gemeinde

Der Prozess

Interne Verwaltungsbereiche der Gemeinde

Phase

2

SE 1 PHA

Der Kulturkompass

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Gegenseitige Inspiration in der Taskforce Es wurde eine Taskforce eingesetzt, die aus Repräsentanten jedes einzelnen Arbeitsbereichs der Gemeindeverwaltung besteht. Man trifft sich regelmäßig und tauscht sich aus, welche Aktivitäten ihre eigene Fokuszone entwickeln kann und wie sie mit Hilfe aktiver Mitbürger das Kulturangebot auf- und ausbauen können. Als Erstes wurde der Taskforce die Prognose eines Zukunftsforschers vorgestellt, welchen Veränderungen der Kulturbegriff bis zum Jahr 2030 durchlaufen wird. Der Kulturbegriff wird sich in den nächsten Jahren von einem institutionellen auf ein ganzheitsorientiertes Denken und neu definieren. Der Zukunftsforscher erläuterte, wie Gemeinden sich im Verhältnis zur Zahl ihrer künftigen Einwohner und Ansiedlungen entwickeln werden und wie Kultur mit den Aufgabenbereichen der Kommunen interagieren kann. Der Vortrag wurde in einem konkreten Text zusammengefasst, den jeder Einzelne bei seiner Arbeit einsetzen kann. Nächster Schritt ist, dass jeder einzelne Arbeitsbereich der Gemeinde definiert, wie er die Kandidatur zur Kulturhauptstadt Europas unterstützen und in dem eigenen Wirkungsbereich

einbezogen werden kann. Anhand von Fragebögen wird die aktuelle und die künftige kulturelle Interaktion festgestellt. Gleichzeitig werden die Aktivitäten kartiert, in denen Kultur bereits ein integrierter Bestandteil der täglichen Arbeit ist und es auch in Zukunft sein wird. All dies wird in ein Schema einfließen, das Ziele, Leistungen und derzeitigen Status auflistet. Für die gesamten Antworten werden ca. zwei DIN A4-Seiten pro Verwaltungsbereich benötigt.

Klärende Fragen zum Gebrauch des KPI-Systems Status im Jahr 2011 für den Verwaltungsbereich X 1. Wie interagiert mein Bereich mit Kultur heute?

2. Welche konkrete Maßnahmen haben wir in unserem Bereich in die Wege geleitet, in denen Kultur ein integrierter Bestandteil ist? Strategie 2011 – 2020 für Verwaltungsbereich X • Wie sieht unsere Strategie aus, Kultur in den kommenden Jahren in unseren Arbeitsbereich zu integrieren?


• Welche Rolle spielt der Kulturbegriff in unserem Arbeitsbereich im Jahr 2020?

• Welche konkreten Initiativen werden wir •

ergreifen, um Kultur in unseren Arbeitsbereich zu integrieren? Welchen Handlungsplan mit welchen konkreten Zielen werden wir aufstellen, um Kultur in unseren Arbeitsbereich zu integrieren?

Eine kreative und innovative Strategie Die Gemeinde Sønderborg will ihre Konkurrenzfähigkeit stärken, indem sie den Kulturbegriff als zentrales Element für sämtliche Bereiche der Gemeinde begreift. Daher ist es wichtig, dass die Strategie 2011 – 2020 für jeden einzelnen Arbeitsbereich kreativ und innovativ ist – schließlich soll der Kulturbegriff integrierter Bestandteil der Aktivitäten jedes einzelnen Arbeitsbereichs sein. Innerhalb der gesamten Verwaltung muss das gewohnte Denken herausgefordert werden. Kann radikal anders gedacht werden, und kann Kultur in einer ganz neuen Form gedacht werden? Eine Reihe von Untersuchungen belegen zum Beispiel die positiven Effekte beim Training der geistigen Leistungsfähigkeit. Eine Notwendigkeit, um uns in der Zukunft eine Arbeitskraft zu erhalten, durch die der Einzelne länger als bis zum 65. Lebensjahr berufsaktiv sein kann. Kultur kann stimulieren und die Lebenskraft bewahren – und dadurch auch eher schwächere Bürger physisch 7 /

und mental gesund erhalten. Dies könnte eine Inspiration für zahlreiche Verwaltungsbereiche sein, durch den Einsatz von Kultur die Sinne zu aktivieren und zu stimulieren. Das „Center for Kultur“ wird die übrigen öffentlichen Einrichtungen zu einem Prozess anregen, bei dem alle interdisziplinären Gruppen und Kulturinstitutionen sich regelmäßig treffen und sich innerhalb der gesamten Gemeinde gegenseitig mit neuen Ideen und Initiativen befruchten. Außerdem wird das „Center for Kultur“ laufend Kulturkompass 2020 aktualizieren und Anfang 2012 die Formulierung der Ziele für den Kulturkompass 2030 einleiten. Beide Instrumentarien werden die Leitschnur der Gemeinde sein, welche neuen kulturellen Initiativen in den kommenden Jahren das Tageslicht erblicken sollen. Gleichzeitig wird damit gewährleistet, dass eine kulturelle Initiative so viele Verwaltungsbereiche und Interessenten wie möglich erreicht. Letzten Endes wird so langfristiges Wachstum unterstützt und ein attraktives Klima für Neuansiedlungen geschaffen. Die fertige Kulturstrategie – der Kulturkompass 2020 – wird rein optisch ein Navigationsinstrument sein. Es ist ein Stück visuelles Material, das in der täglichen Arbeit relevant genutzt soll als Navigationshilfe und strategisches, taktisches und praktisches Instrument dienen – das auf vielen Ebenen einzusetzen ist. Es erhält einen zentralen Platz auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters, doch ebenso wichtig ist es auf dem Empfangstresen im Büro des Bürgerservice.


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Peter Duelund, Kultursoziologe und Lektor an der Universität Kopenhagen.

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owohl innerhalb wie außerhalb Europas ist in diesen Jahren der Nationalismus auf dem Vormarsch. Und Wissenschaftlern und Institutionen, die sich mit Europas Zukunft beschäftigen, stellt sich die brennende Frage, wie dieser Entwicklung entgegenzuwirken ist.

Griechenland und Serbien. Diese Beispiele sind das genaue Gegenteil der Vision, dass die europäische Bevölkerung als Individuen einer multikulturellen Gesellschaft gesehen werden, die nicht nur Freiheit und fundamentale Rechte respektiert, sondern auch die kulturelle und soziale Identität des Individuums.

Gleichzeitig gibt es in der nationalen und regionalen Kulturpolitik in Europa eine zunehmende Tendenz, die nationale Identität zu bewahren und zu hegen, häufig mit dem Hinweis auf ihre Ursprünglichkeit. Es sieht aus wie der Wunsch nach einer nationalen Einheitskultur, die zwischen „uns und den anderen“ unterscheidet. Manchmal geht diese Entwicklung auch Hand in Hand mit der Einwanderungspolitik.

Laut Peter Duelund sind die Beispiele ein Beleg für die Notwendigkeit einer näheren Untersuchung und Diskussion des Nationalismus in der Kulturpolitik; und ebenso notwendig ist die Entwicklung von Gegenstrategien mit konkreten Anweisungen, wie abstrakte Konzepte für Menschenrechte und kulturelle Vielfalt in der Praxis umgesetzt werden können.

Der dänische Kultursoziologe und Dozent an der Kopenhagener Universität Peter Duelund hat diese Tendenz im Juli 2011 in einem Bericht an das „Steering Committee for Culture“ des Europarats beschrieben. Er weist auf eine Reihe von Beispielen in Europa hin: Frankreich, Deutschland, Dänemark, Schottland, Polen, Türkei,

Sicherlich gibt es kein Patentrezept, wie alternative Kulturkonzepte geschaffen werden können, aber Peter Duelund weist darauf hin, dass die Konventionen und Dokumente des Europarats ein guter Ausgangspunkt sind – zum Beispiel die Menschenrechtskonvention und das „European Manifesto for Multiple Cultural Affiliations“ aus dem Jahr 2007, in dem für die vermisste kulturelle Dynamik moderne Begriffe verwendet werden, wie zum Beispiel mehrkulturelle Identität.

Der Europarat ist keine EU-Institution, sondern eine internationale Organisation, in der 47 europäische Länder Mitglied sind. Der Europarat erhielt am 5. Mai 1949 sein formales Statut. 1950 veröffentlichte der Rat die Europäische Menschenrechtskonvention, die Grundlage für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Generalsekretär des Europarats ist Thorbjørn Jagland, der ehemalige Ministerpräsident und Außenminister Norwegens. Die „Group of Eminent Persons“ wurde vom Europarat eingesetzt und geleitet vom ehemaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer. Die übrigen Mitglieder waren Emma Bonino, Italien; Timothy Garton Ash, Großbritannien; Martin Hirsch, Frankreich; Danuta Hübner, Polen; Ayse Kadioglu, Türkei; Sonja Licht, Serbien und Vladimir Lukin, Russische Föderation.

Gerade das Akzeptieren einer mehrkulturellen Identität ist ein wichtiger Schritt zur Integration, wird von der „Group of Eminent Persons“ des Europarats hervorgehoben, die im Mai 2011 den Bericht „Living Together – combining diversity and freedom in 21st-century Europe“ vorlegten. Ausgehend von zunehmender Intoleranz und Diskriminierung, die das europäische Modell und seine Kohäsionskraft bedrohen, bekam die Gruppe die Aufgabe, darzulegen, wo die Bedrohungen zu finden sind, wie sie begründet werden und wie ihnen entgegengewirkt werden kann. Wie die Gruppe festhält, ist Identität eine individuelle Frage, und die europäische Gesellschaft


F체r die Zukunft ist Vielfalt der Schl체ssel zu nationaler Identit채t

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In der Europäischen Union leben derzeit über 20 Millionen Einwanderer aus Ländern außerhalb der EU. Sie stellen vier Prozent der Bevölkerung. Eine erhöhte Migration ist notwendig, um den Lebensstandard zu erhalten. Bereits 2013 oder 2014 wird die Arbeitskraft in der Europäischen Union deutlich geringer sein, da die Bürger älter werden. In den kommenden 50 Jahren wird es 50 Millionen weniger Arbeitskräfte geben. Im Jahr 2020 wird ein Bedarf an zwei Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen herrschen.

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muss sich Vielfältigkeit gegenüber öffnen und akzeptieren, dass man Bindestrich-Europäer sein kann – beispielsweise türkisch-deutsch oder nordafrikanisch-französisch, wie man es aus den USA kennt, in denen es Afro-Amerikaner oder Italo-Amerikaner gibt. Allerdings erfordert diese Haltung, dass alle Menschen als gleichberechtigte Bürger akzeptiert werden – ungeachtet ihres Glaubens, ihrer Kultur oder Ethnizität. Doch es verhält sich gegenläufig. Die Gruppe konstatiert eine generell zunehmende Intoleranz gegenüber Minoritäten und gleichzeitig eine steigende Unterstützung von Bewegungen, die behaupten, die Interessen und die Kultur der ursprünglichen Mehrheit gegenüber Einwanderern und der Ausbreitung des Islam zu verteidigen. Obwohl diese Parteien keine Mehrheit haben, sind sie ausgesprochen einflussreich und zwingen die politischen Parteien der Mitte, sich gegenseitig in xenophobischer Rhetorik und Äußerungen gegen Einwanderung zu überbieten. Dies trägt generell zur Verbreitung rassistischer Haltungen in der Bevölkerung bei und legitimiert sie. Der Hintergrund ist ein verbreitetes Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung, nicht zuletzt als Folge der globalen ökonomischen Krise, die nahezu alle trifft; gleichzeitig drohen die wirtschaftlich rasant aufstrebenden Staaten, vor allem aus Ostund Südasien, die bisherige Güterverteilung der Welt aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es fehlen in Europa auf allen Ebenen Führungspersönlichkeiten, die eine klare Vision von

Europas Schicksal und eine überzeugende Strategie, wie dieses Ziel zu erreichen ist formulieren wollen. Dies ist vor allem an der Einwanderungspolitik abzulesen, die sich eher verschließt als öffnet. Alle Politiker müssten eigentlich wissen, dass Europa mehr denn je dieses Mehr an Kreativität braucht, zu dem gerade Vielfältigkeit beitragen kann, betont die „Group of Eminent Persons“. Um in Europa zusammenzuleben, muss man über die Grenzen hinausschauen, nicht zuletzt auf die Nachbarn im Nahen Osten und Nordafrika, die gerade jetzt für universelle demokratische Werte kämpfen. Die Empfehlungen der Gruppe für eine bessere Integration nimmt Abstand von Zwängen und setzt auf den gegenseitigen Respekt in den Herzen und Seelen der Menschen. Notwendig ist Überzeugungsarbeit mit guten Beispielen, und dies wiederum erfordert gute Rahmenbedingungen, damit ein Zusammenleben über die Kulturen hinweg möglich wird. Denn Vorurteile entstehen


Hauptverantwortung zur Sicherung einer offenen Gesellschaft mit kultureller Vielfalt, in der Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund sich zu Hause fühlen können. Zusammenleben heißt, etwas zusammen zu machen. Aber die Politiker müssen vorangehen. Zumindest müssen sie vortreten und offen und ehrlich zugeben, dass die Gesellschaft mehr Zuwanderer braucht.

häufig dort, wo Kulturen getrennt von einander leben, ohne im Alltag Kontakt miteinander zu haben. Gleichzeitig weist die „Group of Eminent Persons“ darauf hin, dass die Zivilgesellschaft dabei eine entscheidende und oft übersehene Rolle spielt. Es sind die alltäglichen Gemeinschaften – Gewerkschaften, Sportklubs, soziales Engagement auf lokaler Ebene in Vereinen oder in ehrenamtlichen Organisationen –, die Brücken über ethnische und kulturelle Gräben schlagen. Dies müssen Politiker anerkennen und würdigen, erklärt die Gruppe, die auch unterstreicht, dass lokale Stadtverwaltungen dabei eine wichtige Rolle spielen. Denn das Gefühl für einen Ort ist ein vitales Element der Identitätsbildung, und indem sie den Ort definieren, können die Führungskräfte in der Gesellschaft jedem Bürger helfen, seine Identität zu definieren. Die Städte tragen also die 7 /

Am letzten Tag vor den Sommerferien, am 20. Juli 2011 – übrigens, während die Debatte über eine verschärfte Grenzkontrolle in Dänemark tobte –, nahm die Europäische Kommission eine neue Agenda zur Integration aus Drittländern an. Mit dem Kommentar, dass die Vielfalt, die Migranten mitbringen, bei guter Begleitung durch die Politik zu einem Wettbewerbsvorteil und einer Quelle der Dynamik für die europäischen Ökonomien werden könnte. In diesem Zusammenhang bekennt die EUKommissarin für Innenpolitik, Cecilia Malmström, in ihrem Internet-Blog, dass es der Europäischen Union niemals ganz gelungen ist, Menschen zu integrieren, die aus anderen Ländern gekommen sind. Sie schreibt: „In diesen Zeiten mit populistischen Bewegungen und xenophobischen Winden, die über Europa fegen, ist es wichtig zu betonen, dass die Einwanderer auf eine positive Weise zu unserer Gesellschaft beitragen – sowohl wirtschaftlich wie kulturell. Eine verbesserte Integration wird allen zugutekommen, aber es ist notwendig, dass sich alle daran beteiligen – die Regierungen der Mitgliedsländer, lokale Akteure, die Zivilgesellschaft, die Bürger der Europäischen Union und die Einwanderer.“


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Sønderborg 2017

Die Herausforderung Europas durch das Grenzland Von Peter Dragsbo, Leiter des Museums Sønderjylland - Schloss Sønderborg

S

ønderborg möchte Kulturhauptstadt werden, weil wir der Ansicht sind, dass unsere speziellen Erfahrungen und Zielsetzungen der Kandidatur für die Zukunft Europas notwendig sind. Die Notwendigkeit liegt in den beiden Themen, die sowohl ein Dilemma wie eine Herausforderung enthalten: Sønderborg als Beispiel für alle europäischen Grenzregionen – und Sønderborg als ein Ort, der jetzt sofort seine Denkstrukturen ändern muss: vom Randdenken, von Kurzsichtigkeit, Nationalismus und Angst vor Fremden hin zum Brückendenken, zur Fähigkeit der kulturellen Begegnung und der Akzeptanz der modernen Welt. Dies gilt für die örtliche Gemeinschaft ebenso wie für Europa.

Sønderborg als Repräsentant der Grenzregionen in Europa Als Zentrum des dänisch-deutschen Grenzlandes Schleswig, bietet Sønderborg dem Rest Europas seine Erfahrung an und fordert es zugleich heraus. Die Erfahrung besteht in einer langen Tradition von kulturellen Begegnungen und einer langen

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Entwicklung von Kriegen und Konfrontationen hin zu Kooperation und friedlicher Koexistenz. Die Volksabstimmungen 1920, die BonnKopenhagener Erklärungen von 1955 und die heutige grenzüberschreitende Zusammenarbeit sind ein Teil der Erfahrungen, die wir Europa anbieten können. Natürlich können wir nicht in jedem Fall das „schleswigsche Modell“ anwenden: In anderen Grenzländern vollzieht sich die Entwicklung von Konfrontation zu einem gemeinsamen Verständnis in einem anderen Tempo als bei uns. Als Kulturhauptstadt Europas 2017 könnte Sønderborg jedoch ein Katalysator sein und die übrigen europäischen Grenzregionen herausfordern, sich untereinander zu vergleichen, von einander zu lernen und Menschen und Ideen auszutauschen. Gleichzeitig muss die Kulturhauptstadt im Grenzland dazu genutzt werden, ganz Europa zu zeigen, dass Grenzregionen „der Normalfall“ sind – dass Europas Vergangenheit und Gegenwart ebenso geprägt sind von Grenzregionen mit der Begegnung von mehreren Sprachen, Kulturen und nationalen Identitäten wie von Nationalstaaten mit einer Sprache, einer Kultur und einer Identität. Beide Themen sind notwendig für Europa, damit dieser Teil der Welt künftig Nutzen aus seiner einzigartigen Vielfalt ziehen kann und nicht in einem nationalstaatlichen Panzer erstarrt.


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Sønderborg als politischer Wegweiser für Europa Sønderborg als Kulturhauptstadt Europas 2017 ist nicht nur eine langfristige, sondern auch eine ganz aktuelle Notwendigkeit. Wir leben heute in einem schwankenden Europa. Auf der einen Seite eine Rückwendung zu geschlosseneren Grenzen, ein Wiederaufleben von kulturellen und religiösen Feindbildern, Fremdenangst und rechtsnationalistischer Furcht vor der modernen Welt. Auf der anderen Seite eine Entwicklung hin zu Vielfalt, Offenheit und einer Akzeptanz der modernen Welt als multikulturell, multinational und mehrsprachig. Auch in Schleswig, dem dänisch-deutschen Grenzland, findet sich beides. Gleichzeitig schwankt Schleswig wie so viele andere Grenzgebiete zwischen der Entscheidung, am Rand von zwei Ländern zu liegen oder eine gemeinsame

Region zu bilden. Und allzu oft drängen wir uns im Grenzland selbst an den Rand, wenn wir auf unsere nationalen oder religiösen Zentren schauen, statt unsere Partner direkt auf der anderen Seite zu sehen. Interessieren wir uns für unsere Nachbarländer in Europa – oder betreiben wir nur eine fiktive Globalisierung durch den Konsum englischsprachiger Medien, ohne den Versuch zu unternehmen, die andere Sprache zu lernen … beziehungsweise uns für „die Andere“ zu interessieren? Mit dem Anspruch, Kulturhauptstadt Europas 2017 zu werden, haben Sønderborg und das gesamte dänisch-deutsche Grenzland sich daher auch selbst einer Herausforderung gestellt – die gleichzeitig zu einer Herausforderung für alle Grenzregionen werden kann. Wir wollen die Gewichtung auf Offenheit legen und im heutigen Europa Brücken bauen. Warten wir mit dieser Herausforderung, ist es vielleicht schon zu spät.


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CO-CREATORS

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Sønderborg2017 SEKRETARIATET

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Else Christensen Redzepovic / Managerin Gitte Bjørn-Lüthi / Prozesskoordinatorin, INTERREG-Koordination Henriette Pilegaard / Leiterin Kommunikation Inge Salomon Madsen / Mitarbeiterin Gurli Christensen / Projektleiterin, Randgruppen Karen Andersen / Projektleiterin, Kultur & Gesundheit Maike Baum / studentische Hilfskraft Kai Schröder / Praktikant Mariya Emilova Tashkova / Praktikantin Patrico Soto / Fotograf John Frederiksen / Leiter Kultur, Center for Kultur Helle Barsøe / Kulturdezernentin, Center for Kultur Anne Kathrine Hviid Bagger / Kulturdezernentin, Gemeinde Aabenraa Lotte Urfe / Kulturdezernentin, Gemeinde Tønder Gry Vissing Jensen / Kulturdezernentin, Gemeinde Haderslev Sus Lindemann Lindahl / Kulturdezernentin, Gemeinde Haderslev Johanna Jürgensen / Kulturdezernentin, Kreis Nordfriesland Dr. Matthias Schartl / Kulturdirektor, Kreis Schleswig-Flensburg Thomas Frahm / Leiter des Kulturbüros, Stadt Flensburg Christiane Wege-Brocks / Landtag Schleswig-Holstein, Kiel Kia Sofie Abildtrup / Entwicklungsberaterin, Region Syddanmark, Vejle Christian Have / Kreativdirektor, Have Kommunikation, Kopenhagen Rasmus Navntoft / Projektleiter, Have Kommunikation, Kopenhagen Mikkel Elbech / assistierender Berater, Have Kommunikation, Kopenhagen Mike Tylak / Art Director, Kopenhagen

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Executive Board 026 / Aase Nyegaard / Bürgermeisterin, Gemeinde Sønderborg 027 / Stephan Kleinschmidt / Vorsitzender des Kultur- und Gewerbeausschusses, Gemeinde Sønderborg 028 / Jørgen Mads Clausen / Aufsichtsratsvorsitzender Danfoss, Sønderborg 029 / Lasse Krull / Vorsitzender der Regionalauswahl, Region Syddanmark, Vejle 030 / Alfred Holm-Petersen / Kommunaldirektor, Gemeinde Sønderborg 031 / Elsebeth Gerner Nielsen / Rektorin, Designseminariet, Kolding 032 / Bjarne Rasmussen / Direktor, Bjarne Rasmussen Invest, Sønderborg 033 / Simon Faber / Oberbürgermeister, Flensburg 034 / Jens Oddershede / Rektor, Syddansk Universitet, Odense 035 / Hans Julius-Ahlmann / Direktor, ACO.com, Rendsburg 022 / Christian Have / Kreativdirektor, Have Kommunikation, Kopenhagen 001 / Else Christensen Redzepovic / Managerin, Sønderborg2017

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PROZESS

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1 / Ideenkonferenz am 5. Mai 2010 im Lyren in Padborg/FDE Center Padborg. Hier diskutierten 150 Teilnehmer von beiden Seiten der Grenze. Foto: Sønderborg2017

2 / Am 25. Februar 2011, dem Tag, an dem das Kultusministerium und die EU in Kopenhagen eine Informationskonferenz über die Kulturhauptstadt Europas abhielten, informierte Sønderborg 2017 die überregionalen Medien in den Räumen der Grænseforening. Foto: Per Gudmann

3 / An der 2017-Jugendkonferenz am 18. März 2010 nahmen 60 Dreizehnbis Fünfundzwanzigjährige aus der Gemeinde Sønderborg teil. Foto: Sønderborg2017

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5 4 / Eine von acht Gruppen der Jugendkonferenz präsentiert ihre Idee, wie Sønderborg zu einem coolen Ort für Jugendliche werden kann. Jede Gruppe malte ihre Idee auf eine Leinwand. Zusammen bilden die Leinwände das 2017Logo. Foto: Sønderborg2017

5 / Im März 2011 wurde Sønderborg 2017 vom schleswig-holsteinischen Landtag eingeladen, die Kandidatur in den Räumen der Landesvertretung in Berlin vorzustellen. Auf der Bühne Sønderborgs Bürgermeisterin Aase Nyegaard und die 2017-Managerin Else Christensen Redzepovic. Foto: Jesper Balleby

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6 / 2017 hatte einen kleinen Werbebeitrag auf der Satteldecke von Stephan Kleinschmidt während des Ringreit-Turniers in Sønderborg. Der Vorsitzende des Kultur- und Gewerbeausschusses, der die Idee für 2017 hatte, ist unter den Reitern. Foto: Sønderborg2017

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CO-CREATORS Gemeinde Sønderborg Alfred Holm-Petersen / Gemeindedirektor Niels Thede Schmidt-Hansen / Entwicklungsdezernent Michael Roager / Entwicklungsdezernent Peter Mølgaard / Entwicklungsdezernent Kristian Pallesen / Leiter Kommunikation Jens Sørensen / Kommunikationsmitarbeiter Herdis Thomsen / Kommunikationsmitarbeiter Kirsti Madvig Olesen / Kommunikationsmitarbeiter Lasse Schanz / Mitarbeiter der Finanzabteilung Arne Stokbæk / Mitarbeiter der Finanzabteilung Kim Toft Jørgensen / Fotograf

Kommunikation 236

Rebekka Bøgelund / Crop Communications, Sønderborg Holger Jepsen / Journalist, JydskeVestkysten, Sønderborg Ulrik Pedersen / Fotojournalist, JydskeVestkysten, Aabenraa Hans Christian Gabelgaard / Fotojournalist, JydskeVestkysten, Tønder Søren Gülck / SG Foto, Gråsten Lars Salomonsen / PF, BorderPress, Gråsten Malene Lemann / Damm & Lemann Kommunikation, Sønderborg Rasmus Elbæk Rysgaard / Programmentwickler, Haderslev Nadja Grizzo / Kulturberaterin und Redakteurin, Malmö Prof.Dr.Oliver Scheytt / Kulturberater, Essen, Deutschland Mattijs Maussen / Kulturberater, Prag, Tschechische Republik Mary McCarthy / Direktorin, National Sculpture Factory, Cork, Ireland Dr Jörg-Ingo Weber / Kulturberater, Berlin, Deutschland Dr Yoram Krozer / Wissenschaftler, Projektleiter, University of Twente, Amsterdam, Holland Tijana Miskovic / Kulturberater, Kopenhagen Dr Sue McCauley / creativ producer, Melbourne, Australien Barbara Haveland / Übersetzerin, Kopenhagen Ulrich Sonnenberg / Übersetzer, Frankfurt am Main, Deutschland Paul Knighton / Redakteur, Cambridge, England Jens Bach Andersen / Zeichner, Bjert Morten Fogde Christensen / Illustrator, Kopenhagen

Ideenjongleure Peter Dragsbo / Direktor, Museum Sønderjylland-Sønderborg Slot Rick Towle / Künstler, Sønderborg Christiane Limper / Künstlerin, Flensburg Dr Peter Griesebach / Generaldirektor, Schleswig-Holsteinisches Landestheater und Sinfonieorchester Claus Skjold Larsen / Leiter des Sønderjyllands Symfoniorkester Achim Englert / Geschäftsführer, Phänomenta e.V, Flensburg Birgitte Boelt / Pädagogische Beraterin, Center for Undervisningsmidler, Aabenraa Stephanie Robl Matzen / Oberinspektorin, Museum Sønderjylland-Kulturhistorie Aabenraa Karsten B. Dressø / Schulleiter LOF Alssund, Sønderborg Orla Madsen / Direktor Museum Sønderjylland Karsten Justesen / Leiter von Visit Sønderborg im Erhvers- og Turistcenter Sønderborg Johannes Caspersen / Künstler, Flensburg Poul Valdemar Nielsen / Seniorberater, Gemeinde Sønderborg Folke Witten / Schauspieler, Flensburg


Lisbeth Gram / Direktorin, beSouled, Gråsten Hartmut Holtz-Söderberg / Musiker, Lehrer, Web-Berater, Gråsten Katrine Hoop / Leiter des Aktivitetshuset in Flensburg Knud-Erik Therkelsen / Generalsekretär, Grænseforeningen Mareike Hölker / Kulturmitarbeiterin im Kulturbüro, Stadt Flensburg Natalie Gerstle / Kulturmitarbeiterin, Kreis Nordfriesland Susanne Gram Skjønnemann / Projektkoordinatorin, Den Sonderjyske Kulturaftale Anne-Mette Olsen / Projektleiterin, Region Sønderjylland-Schleswig Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim / Direktor, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Schloss Gottorf Frank Zarp / Kommunikationsleiter, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf

Academic Advisory Board Hans Martens / Chefberater, Institut for Grænseregionsforskning, Syddansk Universitet Martin Klatt / Dozent, M.A. in Geschichte, Ph.D., Institut for Grænseregionsforskning, Syddansk Universitet Torben Dahl Schmidt / Dozent, Master of Economics, Ph.D., Institut for Granseregionsforskning, Syddansk Universitet Thomas Ottersen / Ph.D., Institut for Granseregionsforskning, Syddansk Universitet

Stadtrat Sønderborg Anita Kjøng-Rasmussen, Bjarke Valeur Rasmussen, Charlotte Riis Engelbrecht, Erik Lauritzen, Erik Lorenzen, Frank Bodholdt Jakobsen, Frode Sørensen, Gitte Uttrup, Hanne Petersen, Helge Larsen, Jan Prokopek Jensen, Jan Rytkjær Callesen, Jens Peter Thomsen, Jesper Kock, Jesper Rosanes, Jørgen Jørgensen, Jørn Lehmann Petersen, Karen Damm, Lars Dyhr Hansen, Michael Schlüter, Niels Ole Bennedsen, Ole Stisen, Peter Hansen, Peter Jørgensen, Preben Storm, Stephan Kleinschmidt, Svend Erik Petersen, Tage Petersen, Tom Holden Jensen, Tommy Prokopek Jensen, Aase Nyegaard

Regionale Politiker Carl Holst / Vorsitzender, Region Syddanmark Lasse Krull / Mitglied des Regionsrats der Region Syddanmark Jens Christian Gjesing / Bürgermeister, Gemeinde Haderslev Tove Larsen / Bürgermeisterin, Gemeinde Aabenraa Laurids Rudebeck / Bürgermeister, Gemeinde Tønder Simon Faber / Oberbürgermeister, Stadt Flensburg Bogislav-Tessen von Gerlach / Landrat, Kreis Schleswig-Flensburg Dieter Harrsen / Landrat, Kreis Nordfriesland Torsten Geerdts / Landespräsident, Schleswig-Holstein Peter Harry Carstensen / Ministerpräsident, Schleswig-Holstein

Region Syddanmark Mikkel Hemmingsen / Regionaldirektor, Region Syddanmark Trine Korsgaard / Abteilungsleiterin, Finanzen & Internationales, Region Syddanmark Julie Ligaard Vesterby / Kommunikationsberaterin, Region Syddanmark

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Politische Begleitgruppe

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Manfred Kühl / Dänische Minderheit Gary Funk / Friesische Minderheit Uwe Jessen / Deutsche Minderheit Max Stark / Stadt Flensburg, Vorsitzender des Kulturausschusses Martin Lorenzen / Stadt Flensburg Dr. Hans-Werner Johannsen / Kreis Schleswig-Flensburg, Vorsitzender des Kulturausschusses Rita Höck / Kreis Schleswig-Flensburg, Stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses Bernd Facklam / Kreis Nordfriesland, Vorsitzender des Kulturausschusses Hans Klein / Kreis Nordfriesland Kim Quist / Vorsitzender des Kulturausschusses, Gemeinde Haderslev Allan Emiliussen / Kulturausschuss, Gemeinde Haderslev Poul Kylling Petersen / Vorsitzender des Kulturausschusses, Gemeinde Aabenraa Christian Panbo / Kulturausschuss, Gemeinde Aabenraa Svend Erik Petersen / Kultur- und Gewerbeausschuss, Gemeinde Sønderborg Stephan Kleinschmidt / Vorsitzender des Kulturausschusses, Gemeinde Sønderborg Stig Bæk Andersen / Vorsitzender des Kulturausschusses, Gemeinde Tønder Johan Kristensen / Kulturausschuss, Gemeinde Tønder Dr. Matthias Schartl / Kulturstiftung, Kreis Schleswig-Flensburg, Kulturfachgruppe Claudia Koch / Kulturstiftung Kreis Schleswig-Flensburg, Kulturfachgruppe Nathalie Gerstle / Kreis Nordfriesland, Kulturfachgruppe Thomas Frahm / Kulturbüro, Stadt Flensburg, Kulturfachgruppe Andreas Ott / Gemeinde Aabenraa, Kulturfachgruppe Lotte Urfe / Gemeinde Tønder, Kulturfachgruppe Helle Barsøe / Kulturberaterin, Gemeinde Sønderborg, Kulturfachgruppe Gry Vissing Jensen / Gemeinde Haderslev, Kulturfachgruppe Susanne Gram Skjønnemann / Projektleiterin, Den sonderjyske Kulturaftale Andrea Graw-Teebken / Projektleiterin, KulturDialog, Regionsbüro, Region Sønderjylland-Schleswig

Medienpartner JydskeVestkysten - Syddanske Medier Der Nordschleswiger Flensborg Avis Flensburger Tageblatt, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (sh:z)

Ein besonderer Dank gilt den Familien Christensen Redzepovic, Bjørn-Lüthi und Pilegaard Jepsen


COVER TITELSEITE UND RÜCKSEITE: Vom großen SkaterEvent Extreme Grenzenlos in Sonderburg im Jahr 2010. BMX’er, Skater und Inlinefahrer von beiden Seiten der Grenze wetteiferten an vier Wochenenden um den Titel des Streetking. In Sonderburg gab es den Lake Jump – Alsensund Jump – mit Fahrradsprung ins Wasser. Foto: Anne-Kathrin Pries

INNENSEITE VORN: Der Grenzübergang Schusterkate ist der kleinste Grenzübergang Europas und die einzige Stelle, an der Deutschland und Dänemark durch eine Brücke miteinander verbunden sind. Er liegt am Auslauf der Krusau in die Flensburger Förde. Foto: Kommune Apenrade.

/

INNENSEITE HINTEN: Bei den Megakonzerten im Augustenburger Schlosspark ist es Tradition, das ‘schwimmende’ Gratisgucker sich auf der Augustenburger Förder direkt neben dem Konzertplatz aufreihen. Hier ein regelrechtes Partyfloß. Foto: Kultur i Syd (Kultur im Süden)


Galerie-Index S 6-7 Sønderborg aus der Luft gesehen,

S 11 In Sønderborg gibt es zahlreiche

S 15 Im Erlebnispark Danfoss Universe

mit der Düppeler Höhe im Vordergrund. Im

Schweinemasthöfe. Der Schlachthof mit 800-

bei Sønderborg ist der Held ein wahrer

Hintergrund die Halbinsel Kegnæs. Foto:

900 Angestellten verarbeitet 56.000 Schweine

Wissenschafts-Nerd. Foto: JydskeVestkysten

Historiecenter Dybbøl Banke

in der Woche. Foto: JydskeVestkysten

S 8 Eine steife Brise aus Westen ist genau

S 12 Ein Junge beim Herbstmarkt, bei dem die

S 15 Kinder und kindliche Gemüter können

das Richtige für die Kitesurfer auf Rømø. Hier

Tiere für einen Tag in die Stadt kommen. Foto:

in einer Abteilung des Erlebnisparks Danfoss

handelt es sich um Uffe Stenrøjl. Foto: H.C.

JydskeVestkysten

Universe mit Wasser experimentieren. Foto: JydskeVestkysten

Gabelgaard, JydskeVestkysten

240

S 8 Der Seehundbestand im Wattenmeer

S 12 Ein besonderes Ereignis, vor allem für

S 16 Seit 2008 gibt es die offiziellen,

wächst. Auf der dänischen Seite gibt es ca.

Familien mit Kindern, ist es, wenn die Kühe im

zweisprachigen Willkommensschilder in

3.000, auf der deutschen Seite ca. 11.000

Frühjahr auf die Weide getrieben werden. Foto:

Flensburg. Etwas Entsprechendes findet sich

Seehunde. Foto: Jydske Vestkysten

JydskeVestkysten

in Dänemark nicht. Foto: BorderPress

S 8 Autos können am Strand von Rømø

S 13 Im Sommerhalbjahr findet einmal im

S 16 Seit Dänemark 2001 dem Schengen-

ausgezeichnet fahren. Foto: JydskeVestkysten

Monat im Flensburger Hafen ein Fischmarkt

Abkommen beitrat, gibt es keinen Schlagbaum

statt. Foto: BorderPress

mehr an der dänisch-deutschen Grenze. Foto: BorderPress

S 9 Das Kriegskanu Tilia auf dem Nordborg

S 13 An den Förden und im süddänischen

S 16 Seit 2008 gibt es die offiziellen,

See. Foto: JydskeVestkysten

Inselmeer sind Krabben eine besondere

zweisprachigen Willkommensschilder in

Delikatesse. Sie werden gepult und kalt auf

Flensburg. Etwas Entsprechendes findet sich

Weißbrot gegessen. Foto: BorderPress

in Dänemark nicht. Foto: BorderPress

S 9 Von 1920 bis 1958 patrouillierten

S 13 In der Region um Sønderborg gibt

S 17 Nach einer Vereinbarung zwischen

Grenzgendarmen entlang der Flensburger

es über 200 Kilometer Küste, die viele

Regierung und Dansk Folkeparti (Dänische

Förde und hinterließen einen 74 Kilometer

Hobbyangler anzieht. Foto: Ulrik Pedersen,

Volkspartei) hat Dänemark im Juli 2011 die

langen Pfad, der auch durch den Wald führte.

JydskeVestkysten

Grenzkontrollen verschärft. Foto: BorderPress

Foto: JydskeVestkysten S 14 Für viele Dänen ist Deutschland

S 17 Über 4.000 Lastwagen passieren jeden

S 9 Ein Sommertag am Vemmingbund Strand.

gleichbedeutend mit Grenzhandel. In

Tag die dänisch-deutsche Grenze. Jetzt

Foto: JydskeVestkysten

Deutschland sind Mehrwertsteuer und

häufiger mit Osteuropäern hinter dem Steuer.

Abgaben niedriger. Foto: BorderPress

Foto: BorderPress

S 14 Annies Kiosk in Sønderhav an der

S 18 Tanz auf dem Rathausplatz in

S 9 Im Frühjahr und Herbst ist im Marschland

Flensburger Förde ist ein populärer Rastplatz.

Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten

bei Tønder und Ribe die „schwarze Sonne“

Auf dem Foto Annie Bøgild mit einem ihrer

zu erleben – große Staren-Schwärme. Foto:

berühmten Hotdogs. Foto: BorderPress

Gemeinde Tønder

S 18 Jeden Sommer wird der Aabenraa Bergmarathon auf dem hügeligen Gelände

S 10 Auf diesem Hof wurde Mads Clausen 1905 geboren. Er arbeite in den ersten Jahren

S 14 In der Region Sønderborg gibt es

in der Dachkammer. Foto: Danfoss

18 Campingplätze. Viele von ihnen haben Stammgäste – auch aus Deutschland. Foto:

S 10 Mads Clausen bestand 1931 auf dem

JydskeVestkysten

der Stadt veranstaltet. Es gibt auch einen Kinderlauf. Das Foto wurde 2009 aufgenommen. Foto: Karin Riggelsen S 19 Winterschwimmer des Vikingeklub aus

Odense Teknikum die Ingenieurs-Prüfung.

S 14 In Broager bei Sønderborg gibt es die

Sønderborg genießen das Leben trotz Frost auf

Auf dem Foto ist er die Nr. 2 von rechts in der

Tradition der Fahrradumzüge. Hier das Team

dem Badesteg. Foto: JydskeVestkysten

hintersten Reihe. Foto: Danfoss

„Randdänemark“. Foto: JydskeVestkysten S 19 800-900 Mitarbeiter aus beschützten

S 10 Der Hauptsitz von Danfoss ragt in Nordalsen als einziges Hochhaus der Gegend

S 14 Die freiwilligen Feuerwehren nehmen

Werkstätten treffen sich alljährlich im August

in den Himmel. Foto: Danfoss

immer gern neue Mitglieder auf. Hier dient das

bei einem Konzert des Festival Syd in

Thema als Vorlage für einen humoristischen

Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten

Beitrag. Foto: JydskeVestkysten


S 19 Gymnastik für ältere Menschen in

S 25 Das dänische Jahrestreffen in

Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten

Südschleswig wurde 2011 zum 87. Mal begangen, unter anderem mit einem Festzug durch Flensburg. Foto: BorderPress

S 20 Gymnastik für ältere Menschen in

S 26 Die österreichisch-preußische

Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten

Eroberung von Alsen 1864 wurde von Wilhelm Camphausen gemalt. Foto: Museum Sønderjylland

S 21 Das Wohngebiet Nørager in Sønderborg

S 26 Dänisch gesonnene Nordschleswiger

steht auf der sogenannten Ghetto-Liste des

wurden auf deutscher Seite in den Ersten

Sozialministeriums. Hier sind viele Kulturen

Weltkrieg geschickt. Hier eine Postkarte

vertreten. Foto: JydskeVestkysten

aus einem Schützengraben. Foto: Museum Sønderjylland

S 21 Ein ordentliches Straßenfußball-Spiel. Foto: JydskeVestkysten S 27 Die Düppeler Mühle ist Dänemarks stärkstes nationales Symbol. Sie wurde 1849 S 21 Die Gemeinde Sønderborg unternimmt den Versuch, Graffiti-Maler zu organisieren und ihnen Plätze zu vermitteln, an denen sie sich entfalten können. Foto: JydskeVestkysten S 22 Ein Bewohner des Birkelund Pflegezentrums. Foto: JydskeVestkysten

und 1864 durch Beschuss vollständig zerstört. Foto: JydskeVestkysten S 27 An den Tag der Schlacht von Düppel, den 18. April 1864, wird jedes Jahr auf der Düppeler Höhe gedacht. In den letzten Jahren auch mit Teilnehmern aus Deutschland. Foto: JydskeVestkysten S 27 Am 9. April wird der Besetzung

S 22 Bosager in Sønderborg ist ein Heim für

Dänemarks durch die Deutschen am Mahnmal

physisch und psychisch Behinderte. Foto:

Sønderborgs zur Ehre der dänischen Soldaten

JydskeVestkysten

gedacht. Foto: JydskeVestkysten S 28 Eine Tiefgarage in Sønderborg war

S 23 Der Schlosspark Augustenborg

Treffpunkt einer großen Gruppe Streetracer.

war mehrfach Veranstaltungsort von

Foto: JydskeVestkysten

Megakonzerten. Hier spielt Eric Clapton. Foto: JydskeVestkysten S 24 Der Rapper David Ssempebwa arbeitete

Eintrittskarten zum Damenmittagessen in

im Frühjahr 2011 bei Haydns „Die Schöpfung“

Sønderborg gerissen. Die Herren essen

mit dem Sønderjylland Symfoniorkester

beim Ringreit-Turnier zu Mittag. Foto:

zusammen. Foto: Patricio Soto

JydskeVestkysten

S 24 Eid-Fest in Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten

S 24 2008 veranstalteten Flensburg und Gråsten einen gemeinsamen Kunstkilometer mit interaktiven Galerien und Bühnen. Foto: Karin Baum

/

S 29 Jedes Jahr wird sich um die


Galerie-Index S 92 Abfeuern einer Kanone am

S 127 Das Gemälde Renbjerg Teglværk ved

S 193 Eröffnung der Sønderborg Rambla.

Geschichtszentrum Düppeler Schanzen.

Flensborg Fjord (Die Ziegelei von Renbjerg

Foto: Patricio Soto

Foto: Historiecenter Dybbøl Banke

an der Flensburger Förde) aus dem Jahr 1830

(Geschichtszentrum Düppeler Schanzen)

wurde in der freien Natur gemalt und gilt als Meisterwerk von C. W. Eckersberg, der

S 92 Die Preußen auf der Schanze 2 nach der der Schlacht am 18. April 1864. Foto: Museum Sønderjylland

das goldene Zeitalter der dänischen Malerei einleitete. Das Talent des unausgebildeten Malers wurde bereits 1803 von wohlhabenden Bürgern Flensburgs entdeckt; zwölf von

S 100 Sønderborg 2017 JazzAlskonzert im Sønderborghus, Juni 2011. Foto: Patricio Soto

ihnen ermöglichten ihm den Aufenthalt an der Kopenhagener Kunstakademie. 1810 wurde Eckersberg mit der »Großen Goldmedaille« und dem Titel eines Professors der Kunstakademie ausgezeichnet. Foto: Statens Museum for Kunst

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S 148 Die folkBALTICA brachte im Frühjahr S 100 Gitarrist beim Butcher Jam in

2011 den hochkarätigen estnischen TV-

Flensburg. Foto: Sven Mikolajewicz

Mädchenchor nach Sonderburg 2011. Foto: Patricio Soto

S 202 Det Lille Teater (Das kleine Theater) in Gråsten und die Theaterschule Flensburg arbeiteten im Frühjahr 2011 zusammen an dem zweisprachigen Stück Skatten/Der Schatz. Foto: Kaj Nissen S 202 Das Theater Møllen (Die Mühle), ein Regionaltheater in Hadersleben und Norschleswig/Sønderjylland, absolviert jährlich 120 Auftritte für Kinder und Erwachsene. Hier “Die Sammler”. Foto: Kommune Hadersleben

S 203 Das Königliche Ballett hat mehrmals zu sommerlichen Freilichtauftritten in Sonderburg gastiert. Foto: Kommune Sonderburg

S 100 Elektronisches Musikfestival, November 2010 im Alsion Sønderborg. Foto:

S 148 Die folkBALTICA brachte im Frühjahr

Patricio Soto

2011 den hochkarätigen estnischen TVMädchenchor nach Sonderburg 2011.

S 101 Der Künstler Claus Carstensen

Foto: Patricio Soto

(geboren 1957 in Sønderborg) ist der

S 149 Sønderborg wurde im vergangenen

Schöpfer dieser Skulptur an der Statsskole in

Jahr von einem Gospelensemble aus Uganda

Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten

besucht. Foto: Center for Kultur, Gemeinde Sønderborg S 149 Auch das Schleswig-Holstein

S 126 Bewohner in Sønderborgs Zero+ Haus,

Festival hat in den letzten Jahren Konzerte in

das mehr Energie produziert als es verbraucht.

Sønderborg veranstaltet. Foto: Axel Nickolaus

Foto: JydskeVestkysten

S 220 Schloss Gravenstein. Foto: Ulrik Pedersen, Tageszeitung JydskeVestkysten

S 220 Ein Sonntag auf Alsen – Konzert im Augustenburger Schlosspark. Foto: Kommune Sonderburg

S 221 Kunst in der KZ-Gedenkstätte Ladelund Foto: Kreis Nordfriesland

S 192 Kreismusikschule Nordfriesland. Foto: S 126 Windmühlen bei Bredsted in

Kreis Nordfriesland

Nordschleswig. Foto: BorderPress

S 221 Husumer Schloss. Foto: Kreis Nordfriesland S 192 Sønderjyllands Symfoniorkester. Foto:

S 126 Schulkinder haben eine Sonnenmulde

Patricio Soto

gebaut. Foto: JydskeVestkysten

S 221 Schloss Gottorf. Foto: Ostseefjord Schlei GmbH S 193 Eröffnung der Sønderborg Rambla.

S 127 Produktion von besonderen Ziegelsteinen bei Petersen Tegl in Nybøl Nor bei Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten

Foto: Patricio Soto


NACHWEISE S 32 Simon Faber und Stephan Kleinschmidt vor dem Alsion. Foto: Patricio Soto S 34-35 Grenzkontrolle in Kruså. Foto: BorderPress S 36 Siegfried Lenz, Hoffmann und Campe Verlag GmbH, Copyright: Ingrid von Kruse S 38-39 Voxpop: Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg und Søren Gülck, SG Foto, Gråsten S 40-41 Alsion. Foto: Lasse Hyldager, Region Syddanmark S 42-44 Der Hafen von Sønderborg, Anlegepunkt bei der Regatta Rund Fünen für Holzschiffe 2011. Foto: JydskeVestkysten S 46 BMX-Fahrer aus Flensburg. Foto: KulturDialog S 47 Studierende im Alsion. Foto: Gemeinde Sønderborg S 49 Spielplatz in Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten S 55 Anders Kingo. Foto: JydskeVestkysten S 56 Rikke Nicolaisen. Foto: JydskeVestkysten S 57 Hans Nicolaisen. Foto: JydskeVestkysten S 57 Ringreiter-Festzug in Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten S 57 Historisches Ringreiten am Schloss Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten S 58 A.P. Hansen. Foto: JydskeVestkysten S 59 Bo Jensen. Foto: Søren Gülck, SG Foto, Gråsten S 61 Muhamed Benslimane und Hans-Erik Kiil. Foto: Patricio Soto S 62 Rick Towle. Foto: Patricio Soto S 63 Bent Jensen, Linak. Foto: JydskeVestkysten S 64 Bo Jonø, Foto: JydskeVestkysten S 65 Sporthalle Diamanten, Fynshav. Foto: JydskeVestkysten S 66 Schloss Augustenborg. Foto: Museum Sønderjylland S 67 Augustiana. Foto: Gemeinde Sønderborg S 68 NordArt 2011, Kunstwerk Carlshütte. Foto: Jörg Wohlfromm S 68 Skulptur Augustiana. Foto: Gemeinde Sønderborg S 68 Skulpturen, Kunstwerk Carlshütte. Foto: Jörg Wohlfromm S 69 Frank Gehry. Foto: Sønderborg Havneselskab S 70 Prof. Dr. ABC. Foto: JydskeVestkysten S 71 Camilla Karlsen. Foto: Patricio Soto S 72 Michael Munday und Katalin Horvath. Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg S 73 Leitungsgremium des Theatervereins Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten S 74 Melissa Sevelsted. Foto: Søren Gülck, SG Foto, Gråsten S 75 Erik Randel. Foto: JydskeVestkysten S 76-77 Kinder im Alsion. Foto: Gemeinde Sønderborg S 79 Egevej, Havnbjerg. Foto: JydskeVestkysten S 83 Schüler in der Grundschule. Foto: JydskeVestkysten S 83 Dänischunterricht für Einwanderer. Foto: JydskeVestkysten S 84 Bürgertreffen vor der Schule von Rinkenæs. Foto: JydskeVestkysten S 85 Dorf auf Alsen. Foto: JydskeVestkysten S 86-87 Voxpop. Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg S 88-89 Düppel Reenactment. Foto: JydskeVestkysten S 91 Die Schlacht bei Istedt 1850. Museum Sønderjylland S 94 Adenauer und H.C. Hansen bei der Unterschrift der BonnKopenhagener-Erklärungen. Foto: Museum Sønderjylland

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S 96 Eines der regelmäßig stattfindenden dänisch-deutschen Kulturarrangements ist im Sommer die Blechbläserakademie in Sønderborg. 2011 spielten die Teilnehmer zum Abschluss auf der Düppeler Höhe. Foto: Center for Kultur, Gemeinde Sønderborg S 96 Am Düppel-Tag, dem 18. April 2011, nahmen zum ersten Mal deutsche Soldaten am Marsch durch die Straßen Sønderborgs teil. Im Hintergrund die Düppeler Mühle. Foto: JydskeVestkysten S 98 Feuerwerk über dem Hafen. Foto: JydskeVestkysten S 98 Alsion. Foto: Gemeinde Sønderborg S 98 Danfoss Kühlventil. Foto: Danfoss S 98 Folkehjem (Volkshaus) in Aabenraa 1918. H.P. Hanssen warb in seiner Rede, für die Wiedervereinigung zu stimmen. Foto: Museum Sønderjylland S 98 Reenactment der Schlacht um Alsen 2011. Foto: Patricio Soto S 98 Schloss Sønderborg. Foto: Gemeinde Sønderborg S 99 H.C. Andersen. Foto: Odense Bys Museer S 99 Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern. Illustration: Vilhelm Pedersen. Odense Bys Museer S 102 Pavarotti. Foto: JydskeVestkysten S 102 Michael Moore. Foto: JydskeVestkysten S 102 Eric Clapton. Foto: JydskeVestkysten S 102 Freiluftbühne Mølleparken in Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten S 102 Roger Waters. Foto: JydskeVestkysten S 104 Helle Barsøe. Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg S 104 Nydam-Schiff. Foto: JydskeVestkysten S 105 Istedtlöwe. Foto: Museum Sønderjylland S 106 Kirsti Madvig Olsen. Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg S 107 Mogens Dyre bei der Gedenkfeier im Frøslev-Lager am 4. Mai. Foto: BorderPress S 107 Mogens Dyre. Foto: JydskeVestkysten S 109 Geschichtenerzählung, Kristian Jørgensen. Foto: Søren Gülck, SG Foto, Gråsten S 111 Katrine Hoop, BorderPress S 113 Hans Heinrich Jürgensen. Foto: Søren Gülck, SG Foto, Gråsten S 114 Sütjütländische Kaffeetafel S 115 Inge Adriansen. Foto: JydskeVestkysten S 117 Mads Sandemann. Foto: JydskeVestkysten S 119 Bitten Clausen. Foto: JydskeVestkysten S 120-121 Alsion. Foto: Gemeinde Sønderborg S 122 Frank Gehry. Foto: Sønderborg Havneselskab S 123 Sonnenkollektoren der Broager Fjernvarme. Foto: JydskeVestkysten S 124 Unteroffiziersschule des Heeres, Sønderborg. Foto: Museum Sønderjylland S 124 Der Prozess der Hafenplanung. Foto: Gemeinde Sønderborg S 124 Ewers Pakhus im Hafen von Sønderborg. Vorbereitung der Bauarbeiten. Foto: JydskeVestkysten S 125 Future City Game. Foto: Sønderborg2017 S 128 NordArt-Festival im Kunstwerk Carlshütte bei Rensburg. Foto: Jörg Wohlfromm S 128 Skulptur, Augustiana. Foto: Gemeinde Sønderborg


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S 128 Das Alsion innen. Foto: Gemeinde Sønderborg S 128 Danfoss Universe. Foto: JydskeVestkysten S 132 St. Kolumba-Museum, Köln. Foto: Petersen Tegl S 133 Christian A. Petersen, Petersen Tegl. Foto: JydskeVestkysten S 134 Leif Maibom. Foto: JydskeVestkysten S 135 Laurits Th. Larsen. Foto: JydskeVestkysten S 137 Skærtoft Mølle. Foto: JydskeVestkysten S 138 Lars Christensen. Foto: JydskeVestkysten S 139 Sheriff Danjo. Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg S 141 Axel Boisen. Foto: JydskeVestkysten S 142 Merete Værge. Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg S 143 Johanna Jacobsen und Safaa Abdol Hamid. Foto: Sønderborg2017 S 144 Sønderbronx Boyz. Foto: Patricio Soto S 145 Dorthe Ulstrup. Foto: Søren Gülck, SG Foto, Gråsten S 146 Ellen Trane Nørby. Foto: JydskeVestkysten S 147 Im April 2011 wurde Sønderborg von der dänischen Europabewegung zur ersten Europastadt des Jahres 2011 gekürt. Von links: Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber, Schleswig-Holsteins Bildungs- und Kulturminister Dr. Ekkehard Klug, Aase Nyegaard, Bürgermeisterin von Sønderborg, Jørgen Mads Clausen, Aufsichtsratsvorsitzender von Danfoss, und der Landesvorsitzende der Europabewegung Erik Boel. Foto: Patrico Soto S 150-151 Voxpop. Foto: Kim Toft Jørgensen, Gemeinde Sønderborg Kommune S 152-153 Kunstraum Fischträger Sylt. Foto: Kreis Nordfriesland S 160 Nolde-Museum. Foto: Nolde Stiftung Seebüll. S 161 Emil Nolde, Selbstbildnis. Foto: Nolde Stiftung Seebüll. S 163 2017-Workshop. Foto: Sønderborg2017 S 164-167 Foto: Maritime Art Project S 168 Geiger des Sønderjyllands Symfoniorkester. Foto: Gemeinde Sønderborg S 169 Asta Nielsen. Foto: Det Danske Filminstitut / Billed- og Plakatarkivet S 170-171 Schloss Sønderborg. Foto: JydskeVestkysten S 174 Life Boats S 175 Fremtidsmuseet. Museum of the Future. Zukunftsmuseum S 178 Regionales Theaterspiel in Rudbøl. Foto: BorderPress S 182 Modell von Sønderborgs Hafenplanung. Foto: Sønderborg Havneselskab S 182 Chinatown of Tomorrow. Skizze: Jürgen Mayer S 184 Paul Auster und Siri Hustvedt. Foto: CPH:LITT S 185-186 Foto: Chicago Park District S 189 2017-Workshop. Foto: JydskeVestkysten S 190-191 Luftfoto: Historiecenter Dybbøl Banke S 195 Der Künstler Ingvar Cronhammar ist an der Installation der neue Ausstellung über den Ersten Weltkrieg in Schloss Sønderborg beteiligt. Foto: JydskeVestkysten

S 197 Bjørn Østergaard. Foto: JydskeVestkysten S 198 Søren Kierkegaard. Illustration: Søren Kierkegaard Kulturproduktion S 199 Dronning Dorotheas Kapel, Schloss Sønderborg. Foto: Museum Sønderjylland S 204 Anlässlich der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas veranstaltete Sønderborg2017 einen ganztägigen Workshop in der ehemaligen Oberförsterei Nygård im Nørreskoven an der Ostküste von Alsen. Foto: JydskeVestkysten S 205 Sønderborg2017 hat auch mehrere Workshops für Jugendliche, wie hier im Jahr 2010, veranstaltet. Foto: Sønderborg2017 S 206 Als Sønderborg2017 Ideenjongleure von beiden Seiten der Grenze versammelte, half ein Simultanübersetzer bei der Kommunikation. Foto: Patricio Soto S 207 Jugendliche spielen das 2017-Spiel. Foto: Sønderborg2017 S 223 Fahnen vor dem Alsion. Foto: Patricio Soto S 224-225 Foto: JydskeVestkysten S 226 Peter Dragsbo. Foto: JydskeVestkysten S 229 Zeichnung: Jens Bach Andersen S 232 1. Ideenkonferenz am 5. Mai 2010 im Lyren in Padborg/FDE Center Padborg. Hier diskutierten 150 Teilnehmer von beiden Seiten der Grenze. Foto: Sønderborg2017 S 232 2. Am 25. Februar 2011, dem Tag, an dem das Kultusministerium und die EU in Kopenhagen eine Informationskonferenz über die Kulturhauptstadt Europas abhielten, informierte Sønderborg 2017 die überregionalen Medien in den Räumen der Grænseforening. Foto: Per Gudmann S 232 3. An der 2017-Jugendkonferenz am 18. März 2010 nahmen 60 Dreizehn- bis Fünfundzwanzigjährige aus der Gemeinde Sønderborg teil. Foto: Sønderborg2017 S 233 4. Eine von acht Gruppen der Jugendkonferenz präsentiert ihre Idee, wie Sønderborg zu einem coolen Ort für Jugendliche werden kann. Jede Gruppe malte ihre Idee auf eine Leinwand. Zusammen bilden die Leinwände das 2017-Logo. Foto: Sønderborg2017 S 233 5. Im März 2011 wurde Sønderborg 2017 vom schleswigholsteinischen Landtag eingeladen, die Kandidatur in den Räumen der Landesvertretung in Berlin vorzustellen. Auf der Bühne Sønderborgs Bürgermeisterin Aase Nyegaard und die 2017-Managerin Else Christensen Redzepovic. Foto: Jesper Balleby S 233 6. 2017 hatte einen kleinen Werbebeitrag auf der Satteldecke von Stephan Kleinschmidt während des Ringreit-Turniers in Sønderborg. Der Vorsitzende des Kultur- und Gewerbeausschusses, der die Idee für 2017 hatte, ist unter den Reitern. Foto: Sønderborg2017


IMPRESSUM SØNDERBORG2017.EU Auf dem Weg zu einer countryside metropolis Chefredakteurin: Else Christensen Redzepovic Redaktionsleitung: Henriette Pilegaard Redaktion: Rasmus Navntoft / Mikkel Elbech / Gitte Bjørn-Lüthi / Kristian Pallesen / Helle Barsøe Art Direction und grafisches Design: Mike Tylak Bildredaktion: Henriette Pilegaard Illustrationen: Jens Bach Andersen (s 229) / Morten Fogde Christensen (s 50-52) Vorder- und Rückseitenfoto: Anne-Kathrin Pries Übersetzer: Barbara Haveland / Ulrich Sonnenberg / Paul Knighton Lektorat: Iben Hauschultz Herausgeber: Sønderborg2017 Mail: 2017@sonderborg.dk Website: www.sonderborg2017.eu

Druck: Als Offset Augustenborg Cover: 250 g/m2 MultiOffset Inhalt: 120 g/m2 MultiOffset Schrift: Bauer Bodoni / Helvetica Auflage: 1.000

© Sønderborg2017 Deutsch 1. Ausgabe - 1. Auflage November 2011 Alsion 2 Sønderborg2017 Sekretariatet 6400 Sønderborg DK

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Sonderburger Bewerbungsmagazin als Europäische Kulturhauptstadt 2017  

In diesem Magazin beschreibne wir unsere Beweggründe für unsere Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt im Jahre 2017. Weitere Informati...

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