Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration

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4  Transformative Governance für einen solidarischen Umgang mit Land

Verantwortungsarchitektur „glokal“ verschränken Zur effektiven Bearbeitung globaler Umweltveränderungen sollten lokale, ländliche und indigene Positionen in internationalen Foren nicht nur partiell sichtbarer werden, sondern deren Vertreter*innen in ihrer Rolle als Wissensträger, Transformationsakteure und vor Ort Betroffene konsequent gestärkt und besser integriert werden. Dazu sollten u.  a. die Schaffung eigener Netzwerkinitiativen (etwa nach dem Vorbild der Städtenetzwerke wie C40) angeregt und unterstützt werden sowie das Global Landscapes Forum und sein Mandat weiterentwickelt werden.

Regionale Transformations-Hubs zur Erforschung und praxisnahen Erprobung einer integrativen Landwende Der wertvolle Ansatz regionaler Forschungs- und Kompetenzzentren (z.  B. BMBF, 2018) sollte ausgebaut werden, um regionale Ansätze für einen nachhaltigen Umgang mit Land im Kontext der systemischen Bezüge zu Klima-, Biodiversitäts- und Ernährungskrise als dezidiert transformative Herausforderungen zu erforschen und praxisnah zu erproben (z.  B. unter Bezug zu den Mehrgewinnstrategien, Kap. 3.3.4.2). Durch die enge Vernetzung mehrerer solcher Zentren und deren Forschungsergebnisse entsteht wertvolles Transfer­ wissen für eine globale Landwende.

4.4.5 Forschungsempfehlungen

Weiterentwicklung wissenschaftlicher Assessments zum nachhaltigen Umgang mit Land Der wissenschaftliche Sachstand zum globalen Umgang mit Land sollte in Anbetracht des systemischen Bezugs zu Klima-, Biodiversitäts- und Ernährungskrise durch weltweit gebündelten Sachstand festgestellt und Gelingensbedingungen einer nachhaltigen Landwende identifiziert werden. Dazu sollte einerseits das Synthesepotenzial der bestehenden globalen Berichte kooperativ für ein übergreifendes Assessment genutzt werden (vor allem IPBES, IPCC, SPI der UNCCD, GLO, EAT-Lancet) und Optionen für ein eigenes Mandat geprüft werden. Andererseits sollten auch lokale Lösungen und Prozesswissen für die Umsetzung auf der Landschaftsebene in einem global koordinierten Assessment wissenschaftlich geprüft und aufbereitet werden. Optionen zur „Glokalisierung“ globaler Nachhaltigkeitspolitiken identifizieren Betroffenheit befördert Engagement, weshalb die Akteursvielfalt in der globalen Nachhaltigkeitspolitik stetig wächst – ohne dass institutionelle oder prozessuale Innovationen diesem gesteigerten Bedarf Rechnung tragen. Hier entsteht ein Forschungsbedarf: Welche Mechanismen nutzen und fördern den polyzentrischen Charakter globaler Nachhaltigkeitspolitik? Wie können Multi-Akteur-Partnerschaften organisatorische wie institutionelle Brücken bauen zwischen zunehmend vernetzten Politikebenen, Sektoren und unterschiedlichen räumlichen Skalen? Wie lassen sich schließlich lokale, dezidiert ländliche sowie indigene Positionen in die oft primär zwischenstaatlichen Politikprozesse (besser) integrieren?

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4.5 Drei neue multilaterale Kooperationsgemeinschaften zur Förderung einer globalen ­Landwende Zur Umsetzung des Leitbilds für einen nachhaltigen Umgang mit Land (Kap. 2) bedarf es nach Überzeugung des WBGU – über die bestehende und zu vertiefende internationale Kooperation und Koordination hinaus – einer institutionellen Stärkung und Entwicklung übergreifender Governance-Mechanismen. Um eine kohärente, übergreifende und systemische Governance zu entwickeln, die das Trilemma integrativ auch auf globaler Ebene adressiert, schlägt der WBGU einen neuen Steuerungsmechanismus vor: die Errichtung multilateraler Kooperationsgemeinschaften. Sie könnten (1) als Gemeinschaften subnationaler Regionen über Staatsgrenzen hinweg integrierte Landschaftsansätze umsetzen, (2) als supranationale Gemeinschaften weltweit vernetzter Staaten für eine globale Landwende eintreten oder (3) als globale Bewahrungsgemeinschaften in Multi-Akteur-Partnerschaften wertvolle Ökosysteme schützen. Alle drei Kooperationsgemeinschaften machen sich einen nachhaltigen Umgang mit Land zur gemeinsamen Aufgabe und leisten dabei einem integrativen Landschaftsansatz Vorschub. In Anlehnung an sogenannte „Klublösungen“, wie sie in den letzten Jahren insbesondere in klimapolitischen Diskussionen angeregt wurden (Nordhaus, 2015), könnten Vorreiterstaaten vorangehen und sukzessive den Kreis der beteiligten Staaten und gemeinsamen Politiken erweitern. Ausgehend von der Vision global vernetzter Nachhaltigkeitslandschaften kann Schritt für Schritt eine kohärente und übergreifend systemische Governance für das


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