Page 1

Jüdische Unternehmen in Berlin 1933 – 1945


Jüdische Unternehmen in Berlin 1933 – 1945

AKTIVE SMUSEUM Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.

Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.

Ausgrenzungsprozesse und Überlebensstrategien. Kleine und mittlere jüdische Gewerbe­unter­nehmen in Berlin 1930/31–1945 Ein Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Zeit­­geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin


Reinickendorf

WeiรŸensee Pankow 4 16

Wedding 15

14

Spandau

10

Prenzlauer Berg

17

Mitte

3

Tiergarten

Charlottenburg

1

2

8

19 11

5

7

18

Friedrichshain

6 12 9

Kreuzberg

Wilmersdorf Schรถneberg

Neukรถlln Tempelhof

Zehlendorf Steglitz


Inhalt

Vorwort

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Jüdische Unternehmen in Berlin 1933–1945. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Institutionen des Verfolgungsnetzwerkes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 1 E. Braun & Co. Berlin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Unter den Linden 2 2 Antiquariat Martin Breslauer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Französische Straße 46

Hohenschönhausen

3 Deutsches Theater. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Schumannstraße 13a 4  Erste Berliner Dampf-Rosshaarspinnerei (Ebro) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Pistoriusstraße 66 – 69

5 Fröhlich & Pelz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Konstanzer Straße 1 6 Ritterstraße 86 7 Getreidegroßhandlung Alfred Höxter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Pariser Straße 32 8 und Berliner Produktenbörse Burgstraße 25

Marzahn

9 Eiergroß- und Einzelhandlung Jacobowitz & Co. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Bergmannstraße 16 10 Kreditwarenhaus Jonass & Co. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Lothringer Straße 1

11 Kutschera Betriebe: „Café Wien“ und „Zigeunerkeller“ . . . . . . . . . . . . . . 44 Kurfürstendamm 26

Lichtenberg

12 Private Kunst- und Kunstgewerbeschule Reimann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Landshuter Straße 38 13 Ruilos Knoblauch-Verwertungs-G.m.b.H. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Achenbachstraße 33 / 35

13

Treptow

Köpenick

14 Kostümhaus Theaterkunst Hermann J. Kaufmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Schwedter Straße 9 15 Gebrüder Eduard und Max Moses Wassermann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Brunnenstraße 71 16 Wisbyer Straße 63 17 Butterhandlung Gebr. Weinberger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Brunnenstraße 188 –190 18 Atelier Yva – Photographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Schlüterstraße 45 19 Teppichgroßhandlung Nissim Zacouto. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Jägerstraße 61 Quellen / Dank Impressum

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

76

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

78


Vorwort

Das Projekt „Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in

Aus der Vielzahl und Vielfalt jüdischer Unternehmen in Ber-

Berlin 1933 – 1945“ basiert auf Erkenntnissen des am Lehr-

lin werden sechzehn Unternehmen vorgestellt. Damit kann kein

stuhl für deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert (Lehrstuhl

maßstabsgerechtes Abbild der jüdischen Gewerbeunternehmen

für Zeitgeschichte) der Humboldt-Universität zu Berlin durch­

in Berlin entstehen. Vielmehr wird exemplarisch die Geschichte

ge­führ­ten Forschungsprojekts „Jüdische Gewerbebetriebe in

von Unternehmen dargestellt, die in Branchen, Geschäftsfel­

Berlin 1930 – 1945“. Ausgehend von einer Gesamtaufnahme

dern oder Zusammenhängen arbeiteten, die bislang nicht im

aller veröffentlichen Veränderungen des Berliner Handelsregis­

Zentrum des historischen Interesses an diesem spezifischen

ters zwischen 1931 und 1941 und unter Zuhilfenahme vieler

Thema standen. Dem allseits Bekannten soll weniger Bekanntes

Aktenbestände und Publikationen konnten im Rahmen des For-

hinzugefügt werden, um dem Gesamtbild der jüdischen Gewer-

schungsprojekts bis Herbst 2010 die Grunddaten von insgesamt

beunternehmen in Berlin neue Facetten abzugewinnen.

rund 8.000 jüdischen Unternehmen rekonstruiert werden. Diese Zahlen, wie auch die spröden Angaben der Handels­

C H RI S T OP H KRE U T Z M Ü L L ER, KASPAR NÜRNBERG

registereintragun­gen, lassen allzu leicht vergessen, dass Unternehmen letztlich nur eine Organisationsform menschlichen Lebens sind und sich hinter jedem Unternehmen konkrete menschliche Schicksale verbergen. Dies zu zeigen ist das Ziel der Ausstellung, die gemeinsam mit dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin erarbeitet wurde, das den biografischen Ansatz in seinen historischen Ausstellungen immer wieder in den Mittelpunkt gestellt hat.

7


Jüdische Unternehmen in Berlin 1933 – 1945

Berlin als jüdische Wirtschaftsmetropole

Bedrohung und Gegenstrategien

Die Reichshauptstadt Berlin war 1933 eine der größten Indus-

Spätestens ab 1933 waren alle jüdischen Gewerbebetriebe von

triestädte der Welt, internationales Handelszentrum, Finanzplatz

der natio­nalsozialistischen Verfolgung bedroht. Der Terror der SA

ersten Ranges – und eine jüdische Metropole. In Berlin hatten

war allgegenwärtig, Geschäftsverbindungen, Waren- und Dienst-

ein Viertel aller deutschen Aktienunternehmen ihren Sitz, hier

leistungsströme wurden behindert, Interessensvertretungen und

wohnten fast ein Drittel aller Juden in Deutschland.

Handelskammern „gleichgeschaltet“. Der Grad der Bedrohung

Die jüdische Bevölkerung der Stadt war sehr heterogen. Im Juni 1933 umfasste die jüdische Gemeinde 160.564 Mitglieder, von denen wiederum ein Drittel die deutsche Staatsbürgerschaft gar nicht oder erst nach dem Ersten Weltkrieg erlangt hatten. Große Unterschiede zeigten sich nicht zuletzt im Grad der religiösen Verbundenheit und der wirtschaftlichen Situation. Neben einer

konnte allerdings anfangs differieren und hing von einer Fülle von Faktoren ab: Der Branchenzugehörigkeit des Unternehmens und seiner Bedeutung für den Außenhandel, der Haltung von Interessenvertretungen, Konkurrenten, Mitarbeitern, Nachbarn, sowie der Lage im Stadtraum und nicht zuletzt auch der Staatsbürgerschaft des Inhabers oder der Gesellschafter.

ebenso ausgeprägten wie prominenten Wirtschafts­elite gab es tau-

In einem feindlicher werdenden Umfeld entwickelten die jüdischen

sende jüdische Arbeiter, Angestellte, Kleinhändler und Erwerbs-

Unternehmer unterschiedliche Strategien, um sich und ihr Unter-

lose sowie einen breiten Mittelstand.

nehmen über Wasser zu halten. Einige versuchten mit Hilfe der

Die 50.000 jüdischen Unternehmen waren von großer Bedeutung für das Wirtschaftsleben der Stadt und prägten einige Branchen. Bekannt – wenn auch teils antisemitisch konnotiert – ist die Bedeutung von Juden für Banken, Konfektion und Warenhäuser. Juden waren zudem in vielen anderen Bereichen und Branchen engagiert, so im Eier-, Getreide-, Leder-, Metall- und Möbelhandel, in der Textil- und Schuhfabrikation, in der Radio- und Elektro-, und nicht zuletzt in der Pharmaindustrie.

Jüdischen Gemeinde oder des ­Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auf dem Rechtsweg durch Klagen und Eingaben gegen die ungerechte Behandlung vorzu­gehen. Andere versuchten bestimmte Marktnischen zu besetzen oder die Auslandskontakte zu verstärken, um als Devisenbringer geschützt zu sein und um sich einen Rückzugsweg zu sichern. Viele richteten sich nun erstmals explizit an ein jüdisches Publikum und warben in jüdischen Gemeindeblättern. Wieder andere nahmen nichtjüdische Gesellschafter auf oder legten ihren als jüdisch konnotierten Firmennamen ab. Die meisten versuchten indes nicht aufzufallen, lebten von der Substanz und warteten auf bessere Zeiten. Obwohl keine der Strategien letztlich Erfolg haben konnte, weil Terror und Verfolgung unvorstellbare Züge annahmen, zeigt sich hier deutlich, dass die jüdischen Unternehmer selbstständig handelnde Akteure waren.

8


Pogrom und Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit in Berlin Schon im Umfeld des Boykotts vom 1. April 1933 kam es in Berlin zu gewalttätigen Ausschreitungen, deren schrecklicher Höhepunkt die „Köpenicker Blutwoche“ war. Weitere zum Teil pogromähnliche Ausschreitungen gab es in Berlin im Sommer 1935. Die sogenannten Juni-Krawalle dienten dem Regime 1938 gleichsam als Generalprobe für den November-Pogrom. Zwischen 9. und 12. November 1938 wurden systematisch Tausende jüdische Betriebe verwüstet. SS, SA und ihre Helfer zerstörten nicht nur die Schaufensterscheiben, sondern ganze Inneneinrichtungen und Lagerbestände, häufig auch Geschäftsunterlagen. Nach dem Pogrom wurden Juden der Betrieb von Einzelhandelsgeschäften und Handwerksunternehmen sowie das Anbieten von Waren und Dienstleistungen per Verordnung verboten. Die meisten Unternehmen wurden liquidiert, einige an Nicht-Juden übertragen. Fast gleichzeitig wurden auch die noch verbliebenen Unternehmen im produzierenden Gewerbe sowie im Großhandel sys­tematisch unter Druck gesetzt, ihre Betriebe zu liquidieren oder in den Besitz von Nicht-Juden zu übertragen. Einige wenige jüdische Unternehmer konnten ihr Geschäft freilich noch bis 1941 weiterführen. Tragisch ist, dass das der relative Erfolg der Abwehrstrategien, verbunden mit der Hoffnung auf bessere Zeiten, dazu führte, dass einige Unternehmer zu spät daran dachten, zu emigrieren. Im Berliner Handelsregister schlägt sich dies deutlich nieder: Ab Ende 1941 ging dort die Löschung der Unternehmen teils Hand in Hand mit der Deportation der Unternehmer, in Einzelfällen wurden Unternehmen sogar aus Konzentrationslagern gelöscht. C hristoph kreutzmüller

9


Institutionen des Verfolgungsnetzwerks In der Regel an der Verfolgung der jüdischen Gewerbeunternehmen beteiligt: vor 1933 ab 1933 ab 1937/38

NSDAP SA SS HJ Deutsche Arbeitsfront Nationalistische Betriebszellen Organisationen

Gauwirtschafts­ berater

Presse NS-Presse (Der Angriff, Der Stürmer, Völkischer Beobachter) Tagespresse Fachzeitschriften

Reichskulturkammer

Jüdische Gewerbeunternehmen

Polizeipräsident (Abt. IV: Wirtschaftsaufsicht) Staatskommissar (ab 1936 Stadtpräsident) Oberbürgermeister Bezirksämter und -bürgermeister

Landesfinanz­ämter (ab 1937 Oberfinanzpräsidenten)

Zoll Devisenstellen

Reichs- und Preußische Ministerien Reichswirtschaftsministerium Reichsfinanzministerium Preußisches Finanzministerium Beauftragter für den Vierteljahresplan (ab 1936) Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda Reichsbank

10

Stadtverwaltung

Industrie- und Handelskammer

Interessenvertretungen und Körperschaften Verbände (ab 1934/35 Reichs- und Wirtschaftsgruppen)


Deutsche Arbeitsfront Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gerierte sich als Nach­ folgeorganisation der 1933 zerschlagenen Gewerk­schaf­ ten und verfolgte einen radikal antisemitischen Kurs. Die National­sozialistischen Betriebs­zellen Organisation (NSBO) drangsa­lierten jüdische Mitarbeiter und sorgten in jüdischen Unternehmen für Unruhe. Dies führte häufig zunächst zur Isolierung und dann zur Entlassung jüdischer Mitarbeiter bzw. zur Inbesitznahme jüdischer Unternehmen. Gauwirtschaftsberater Gauwirtschaftsberater war Heinrich Hunke, der es von Anfang an als seine Aufgabe ansah, „den jüdischen Einfluss in Industrie und Handel Berlins weiter einzudämmen“. Dementsprechend drängte er sich in den Prozess der Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit und war ab Herbst 1937 eine faktische Entscheidungsinstanz für sämtliche Besitztransfers. Industrie- und Handelskammer Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK ) war 1933 die größte Kammer des Reichs. Sie fungierte als zentrale Schnittstelle zwischen Unternehmen und Behörden. Seit 1931 fertigte sie Gutachten über den zu erwartenden Nutzen von Auslandsreisen oder -engagements von Unternehmern an. IHK-Präsident Karl Gelpcke beugte sich schon vor dem Boykott dem Druck eines in den Dienstsitz (in der Dorotheenstraße 28) eingedrungenen Trupps des „Aktionsausschusses der wirtschaftsrechtlichen Abteilung des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen“ und entließ alle aktiven jüdischen Vorstandsmitglieder. Gleichzeitig häuften sich Anfragen, ob ein Unternehmen jüdisch sei. Systematisch überprüfte die IHK alle Unternehmen Anfang 1938. Im Zuge der forcierten Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit nach dem Pogrom begutachtete die IHK die volkswirtschaftliche Eignung von nicht-jüdischen Erwerbern jüdischer Unternehmen und legte fest, wie viele der 3.000 jüdischen Einzelhandelsunternehmen liquidiert werden sollten. In enger Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht sorgte die IHK ab 1939/40 für die Löschung der noch im Handelsregister geführten jüdischen Unternehmen. Interessenvertretungen und Körperschaften Die Verbände und Interessensvertretungen wurden 1933/34 im Sinne des Regimes umgestaltet und jüdische Mitglieder in leitenden Positionen entweder entfernt oder durch die Gründung neuer Institutionen ausgeschaltet. Daraufhin übernahmen die ehemaligen Verbände – nun Wirtschaftsgruppen genannt – durch das Ausfertigen von Gutachten eine Schlüsselrolle bei der Zuteilung von Waren und Aufträgen, die sie oft gebrauchten, um jüdische Unternehmen gezielt zu benachteiligen. HJ Die HJ (Hitlerjugend) half vor dem Aprilboykott 1933 beim Erstellen von Boykott­listen, im Sommer 1935 war sie maßgeblich an den Krawal­len beteiligt. Im Juni 1938 beteiligten sich HJ-Einheiten an der systematischen Verunglimpfung und Kennzeichnung jüdischer Geschäfte und an dem Pogrom.

Landesfinanzämter Durch die Landesfinanzämter, die als Mittelbehörden dem Reichsfinanzministerium unterstellt waren und ab 1937 als Oberfinanzpräsidenten firmierten, und ebenso durch die zuständigen Finanzämter wurden Juden seit 1934 infolge des Steueranpassungsgesetzes diskriminiert. In einigen Fällen wurden auch Steuerschulden konstruiert, um Unternehmen unter Druck zu setzen. Nach dem Pogrom berechneten die Finanzämter dann die „Judenvermögensabgabe“. Die Devisenstellen der Landesfinanzämter nahmen ausgedehnte Prüfungen jüdischer Unternehmen vor, wobei sie ein besonderes Augenmerk darauf legten, ob es einen Verdacht gebe, dass jüdische Unternehmer Vermögen ins Ausland verlagern wollten. Oft reichten hohe Außenstände aus, um diesen Verdacht zu erhärten. In diesem Fall konnten die Devisenstellen die Konten des Unternehmens sperren oder den Pass des Unternehmers einziehen lassen. NSDAP Die NSDAP war zentraler Akteur im Netzwerk der Verfolgung. Gauleiter Joseph Goebbels nutzte seine Stellung im September 1931, im Frühsommer 1935 und im Juni 1938, um pogromähnliche Ausschreitungen zu entfachen. Im November 1938 war Goebbels maßgeblich an der Initiierung und Durchführung des Pogroms beteiligt und hatte als Gauleiter und Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda eine wichtige Rolle bei der weiteren Radikalisierung der Verfolgung bis hin zum Massenmord. Presse Die wichtigsten NS-Zeitungen waren der Völkische Beobachter und Der Angriff, der 1927 von Goebbels gegründet worden war. Kein Parteiblatt im eigentlichen Sinne, wohl aber von großem Einfluss war Der Stürmer, der in Berlin seit 1935 eine eigene Redaktion unterhielt. In allen Zeitungen wurden regelmäßig jüdische Unternehmen attackiert. Im Stürmer wurden zudem Listen jüdischer Unternehmen und Namen von Kunden jüdischer Unternehmen veröffentlicht. Neben der Tagespresse übernahmen nach der „Gleich­schal­ tung“ auch die Fachpresse und branchenspezifische Zeitschrif­ten einen antisemitischen Duktus und berichteten teils sehr offen über die Vernichtung der jüdischen Gewer­b etätigkeit. Reichskulturkammer Die Reichskulturkammer (RKK) erhob seit ihrer Gründung im September 1933 den Anspruch, alle Bereiche des Kulturbetriebs ­unter ihrem Dach zu vereinigen. Juden wurde die Mitgliedschaft zuerst erschwert und ab 1935 faktisch verboten. Der Ausschluss aus der RKK bedeutete de facto ein Berufsverbot und zwang jüdische Unternehmen der jeweiligen Sparte in der Regel zur Geschäftsaufgabe.

Reichs- und Preußische Ministerien Mit Ausnahme des Reichsministeriums für Volksauf­ klärung und Propaganda betrachteten die etablierten Ministerien anfangs insbesondere die nach der Machtübernahme einsetzende, regellose Verfolgung der Juden mit Skepsis. Das Reichministerium des Innern fürchtete um die Staatsräson, das Wirtschaftsministerium hatte Sorge vor den außenwirtschaftlichen Folgeschäden und das Auswär­tige Amt befürchtete außenpolitische Verwicklungen. Vor diesem Hintergrund hatten einzelne Interventionen insbesondere des Central-­Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens anfangs noch Erfolg. Ab 1935 wurde dann aber in fast allen Ministerien an antijüdischer Gesetzgebung gearbeitet. Als ­H ermann Göring in seiner Eigenschaft als Beauftragter für den Vierjahresplan nach Hjalmar Schachts Rücktritt Ende 1937 mit der Reorganisation des Reichswirtschaftsministeriums beauftragt wurde, wurde dieses schließlich zur zentralen Aufsichtsbehörde der Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit. SA Die SA (Sturmabteilung) bedrohte jüdische Gewerbeunternehmen schon vor der Machtübernahme, organi­ sierte den Boykott am 1. April 1933, drangsalierte Juden und jüdische Unternehmen aber auch danach immer wieder. Einen letzten Höhepunkt erreichte die Gewalt der SA während des Pogroms im November 1938. SS Der SS (Schutzstaffel) waren ab 1934 alle staatlichen KZ unterstellt, ab 1936 infiltrierte und kontrollierte sie aber auch das Polizeiwesen. Juden waren der Gewalt durch die SS im rechtsfreien Raum des KZSystems vollständig ausgeliefert. Dies galt auch für die mindestens 7.000 Berliner Juden – unter ihnen eine unbekannte Zahl von Unternehmern –, die im Juni und November 1938 hauptsächlich in das Konzentra­t ions­ lager Sachsenhausen verschleppt wurden. Stadtverwaltung In der Stadt Berlin wurde die Aufsicht über die Wirtschaftsverwaltung vom Polizeipräsidenten – Magnus von Levetzow, ab 1935 Wolf Graf von Helldorf – a­ us­geübt. Ab April 1938 wurden ihm sämtliche Verträge zum Besitztransfer jüdischer Unternehmen zur Genehmigung vorgelegt. Der dem Oberbürgermeister vorgesetzte Staats­kom­missar und spätere Stadtpräsident Julius Lippert k­ ündigte bereits vor dem Boykott 1933 alle Wirtschaftsbeziehungen der Stadt und der städtischen Unternehmen zu Juden auf und überwachte 1939 die Anmeldung jüdischer Gewerbeunternehmen. Oberbürgermeister Heinrich Sahm versuchte im Sommer 1933 jüdische Händler aus der städtischen Zentralmarkthalle zu verdrängen. Auch die Bezirksämter boykottierten jüdische Unternehmen und verbannten jüdische Händler von Wochenmärkten. 1938/39 stellten sie die Verzeichnisse jüdischer Gewerbetreibender auf und überwachten vor Ort deren Übernahme oder Liquidation. C hristoph kreutzmüller

11


Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung

Emanuel Braun gilt als der „Erfinder der Boutique“. Seine luxuriös ausgestatteten Läden mit dem Namen E. Braun & Co. in Wien, Prag, Karlsbad und Berlin belieferten bis 1938 die europäi­sche Haute Volée mit Festkleidung, Tischwäsche und Accessoires. Als österreichische Staatsbürger waren die jüdischen Firmeninhaber in Berlin zunächst geschützt. Dies änderte sich nach dem „Anschluss“ 1938.

Ein Wiener Luxusgeschäft in Berlin Die Firma E. Braun & Co. wurde 1892 von den Brüdern ­Emanuel Braun und Josef Braun als Brautausstattungsladen in Wien gegrün­det und war k.u.k. Hoflieferant. Nach Läden in Karlsbad und Prag wurde 1914 die größte Filiale in Berlin Unter den Linden 75 in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotel Adlon eröffnet.

Privatarchiv John Myer, Seattle

Die Produkt­palette wurde dort um Herrenkonfektion und Tisch-

Emanuel Braun, der „Erfinder der Boutique“, gründete das Geschäft E. Braun & Co. 1892 zusammen mit seinem Bruder Josef in Wien.

wäsche, später um Einrichtungsgegenstände und Accessoires erweitert. Zwischen 1926 und 1928 wurde das Gebäude von dem Wiener Architekten Ferdinand Kratzky für 850.000 Reichsmark umgebaut. Das Haus erhielt ein repräsentatives Portal an der Ecke Wilhelm­straße / Unter den Linden und einen Aufzug in die Verkaufsräume im ersten und zweiten Stock. Die Ausstattung mit antiken Möbeln und Kronleuchtern kam aus Wien. Seit Dezember 1930 wurde die Berliner Filiale von Hans Friedrich Mayer-Braun und Siegfried Franz Oser-Braun, den Schwiegersöhnen von Emanuel Braun, als Gesellschaftern des Mutterkonzerns geleitet. Zu den prominenten Kunden jener Jahre gehörten die Schauspieler Käthe Dorsch, Helene Thimig, Emil Jannings, Heinz Rühmann und Theo Lingen, sowie der Regisseur Fritz Kortner und der Komponist Paul Hindemith.

12

Landesarchiv Berlin

Landesarchiv Berlin

E. Braun & Co. Berlin


Zwangsverkauf nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938

Das Geschäft E. Braun & Co. lag direkt neben dem legendären Hotel Adlon am Pariser Platz und profitierte von dessen wohlhabenden Gästen aus aller Welt. Mit dem Haus­ eigen­tümer bestand ein zehnjähriger Mietvertrag. „Der Hauseigentümer, die Hotel­ betriebs-A.G. [wird] sich hüten, einen zahlungsfähigen und alteingesessenen Mieter zu kündigen, während andererseits auch die Steuerpfl. [E. Braun & Co] nur im äußersten Fall ein anderes Verkaufslokal suchen wird. Wie sehr die Steuerpfl. davon überzeugt war, daß der Mietvertrag nach Ablauf seiner 10jährigen Dauer erneuert werden würde, zeigen die großen Aufwendungen von über RM 850.000. Sie hätte das ganz bestimmt unter­ lassen, wenn sie auch nur mit der Möglichkeit gerechnet hätte, ihr Lokal 1937 räumen zu müssen. Es gibt auch heute keine Umstände, die zu einer anderen Auffassung berechtigen.“ (Landesfinanzamt Berlin, Bericht des Buch- und Betriebsprüfers über die Firma E. Braun & Co, 1936; JCC AZ 127436)

Im Mai 1938 wurde Siegfried Franz Oser-Braun auf einer routinemäßigen Geschäftsreise nach Paris von der Gestapo verhaftet, weil sein österreichischer Pass mittlerweile ungültig war. Vor der Haftentlassung wurde er im September 1938 von der Vermögensverkehrsstelle in Wien gezwungen, die Firma E. Braun & Co. an Georg Wiedersum aus Bremen zu verkaufen. Noch im Kriegsjahr 1942 machte E. Braun & Co. Nachfolger Georg Wiedersum, wie die Firma in Berlin nun hieß, einen Umsatz von 1,6 Millionen Reichsmark. Am 20. Februar 1943 wurde der Laden Unter den Linden wie viele Luxusgeschäfte im Zuge der „Aktion Still­legung Reich“ geschlossen. Die prunkvollen Geschäftsräume beschlagnahmte das Hauptplanungsamt Berlin und wies sie dem SS-Hauptamt „Persönlicher Stab Reichsführer SS“ zu. Das Geschäft wurde in der Leipziger Straße 43 /44 in Form einer „Kriegsverkaufs­ gemeinschaft“ fortgeführt. Bei Bombenangriffen im September 1943 wurde das Gebäude Unter den Linden 2 vollständig zerstört. Auch das Geschäft in der Leipziger Straße fiel im

Landesarchiv Berlin

November 1943 Bomben zum Opfer.

Privatarchiv John Myer, Seattle

Blick in einen der luxuriösen Verkaufsräume des Geschäftes E. Braun & Co. Unter den Linden 2 nach dem Umbau Ende der 1920er-Jahre.

Hans und Hansi Mayer-Braun emigrierten nach dem „Anschluss“ 1938 mit ihren Söhnen Robert (links) und Ferdinand nach Ägypten. Von dort gingen sie 1940 nach New York.

Flucht und Überleben im Exil Am 28. September 1938 emigrierten Siegfried Franz und

Landesarchiv Berlin

Edith Oser-Braun mit ihren Kindern Maria und Gustav

Festliche Konfektion, Accessoires und Lingerie im Schaufenster, um 1927

zunächst nach London, im März 1939 nach Ägypten und von dort in die USA. Die Familie Oser-Braun wurde 1941 vom Deutschen Reich ausgebürgert. Siegfried Franz Oser-Braun eröffnete mit den auf abenteuerliche Weise mit einem LKW aus Prag und Karlsbad in die USA geretteten Warenbeständen 13


einen Laden an der Madison Avenue in Manhattan und eine Fili-

„Bei der Ankunft in den USA wurde mein Großvater Hans Mayer-Braun von den Zollbeamten mit den Worten begrüßt: ‚Welcome to the United States Mr. Mayor!’ Daraufhin sagte er zu seiner Frau: ‚Ich bin doch kein Bürgermeister’, und bat den Beamten, seinen Namen auf der Stelle in Henry Myer umzuändern. Meine Mutter Hansi Mayer-Braun nahm den Namen Henrietta Myer an.“

ale in Palm Beach in Florida, die beide sehr erfolgreich waren. Hans Friedrich Mayer-Braun emigrierte nach dem „Anschluss“ 1938 mit seinem Bruder Robert nach Ägypten und eröffnete dort wiederum ein Textilgeschäft. Seine Frau Johanna, genannt Hansi, folgte ihm Ende 1938, und die Familie blieb etwa zwei Jahre in Privatarchiv John Myer, Seattle

Ägypten, bevor sie in die USA übersiedelte. Hans-Friedrich MayerBraun, nun Henry Myer, eröffnete auf Long Island ein Geschäft mit dem Namen H.E. Braun.

John Myer, Juni 2008

Restitution und eine Einigung „auf Augenhöhe“ Nach dem Krieg wurde das Wiener Geschäft E. Braun & Co. an die Nachkommen der Gründer restituiert. 1962 übernahm Henry Myer die Leitung. Er wurde bei der Rückkehr von seinem Sohn Fred, dessen Frau Marietta Myer und ihren Söhnen begleitet. Die

„Im Sommer 1938, als die Geschäfte in Karls-

Prager Filiale war im Krieg zerstört worden. In Berlin wurde der

bad und Prag noch uns gehörten, haben wir

Laden Unter den Linden nicht wieder aufgebaut. Georg Wieder-

einen LKW in Karlsbad mit den wertvollsten

sum führte das Geschäft unter den Adressen Kurfürstendamm 43

Warenbeständen an Tisch- und Bettwäsche

und 219 fort. 1954 traten die in den USA lebenden Familien

beladen. Ich rede hier von Spitze, feinem Lei-

Oser-Braun und Myer-Braun an Georg Wiedersum heran, um sich

nen, Seide und so weiter. Die Aktion wurde von

gütlich auf eine finanzielle Regelung zu einigen. Der erzwungene

dem Ehepaar Hirsch organisiert. Hirsch war ein

Verkauf von 1938 wurde für null und nichtig erklärt.

jüdischer Angestellter unserer Firma, er wurde

Georg Wiedersum und sein Sohn erwarben nun die Lizenz für den

später von Mitangestellten totgeschlagen. Dieser

Firmennamen in Berlin. Unter der Adresse Kurfürstendamm 43

LKW wurde nach New York an die Adresse einer

gab es noch bis 2000 einen Laden mit dem Namen E. Braun &

unserer besten Angestellten, Sophie Klausner,

Co. Nachf. Georg Wiedersum. Diese GmbH wurde laut Handels­

verschifft. Als wir in New York ankamen, eröff-

registerauszug bis 2000 von Brigitte Wiedersum als Geschäfts-

nete mein Vater mit Miss Sophie und dem LKW

führerin geleitet. Im Gebäude Kurfürstendamm 219 gibt es heute

einen Laden in Manhattan. Sophie kannte alle

eine Filiale der Schweizer Schuhfirma Bally. Sie hatte 1985 auch

unsere amerikanischen Kunden aus ihrer Zeit

das Hauptgeschäft der Firmengründer in Wien übernommen. Die

in Karlsbad.“

Rechte an dem Traditionsnamen E. Braun & Co. verkaufte Gustav

Gustav Oser, Juni 2008

Oser 1988 an einen US-amerikanischen Investor, der nach dem Vorbild der österreichischen Firmengründer Geschäfte mit Luxusgütern in New York und Beverly Hills eröffnete.

rk-Fotoservice, Wien

C hristine F ischer- Defoy

14

Marietta Myer, die Schwiegertochter von Henry und Henriette Myer, bei der Übergabe von zwei historischen Fotoalben und einem Gästebuch von E. Braun & Co. am 18. November 2004 an die Handschriftensammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Neben Marietta Myer Wiens Kultur­ stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und Dr. Martin Neidhardt von der Palmers AG. Die Palmers AG hatte das Wiener Geschäft 2001 vom Schweizer Bally-Konzern übernommen.


Landesarchiv Berlin

Auch Briefköpfe können eine Geschichte erzählen: Bis 1938 hieß das Unternehmen E. Braun & Co. Nachf., womit die Witwe und die beiden Schwieger­ söhne des Firmengründers gemeint waren. Als Adressen sind die Läden in Berlin, Wien, Karlsbad und Prag genannt. Nach der Übernahme 1938 setzte Georg Wiedersum seinen Namen zunächst handgestempelt darunter, bis das Briefpapier aufgebraucht war. Erst 1945 gab es den Neudruck mit der Kopfzeile E. Braun & Co Nachfolger Georg Wiedersum. Noch immer sind dort die vier Firmenstandorte aufgeführt, von denen zu diesem Zeitpunkt bereits zwei nicht mehr exis­tierten. Als Berliner Adresse ist nun der Kurfürstendamm 219 genannt. Bis zur Geschäftsaufgabe im Jahre 2000 blieb dies in Berlin der offizielle Firmenname.

Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin

Nach dem „Anschluss“ Österreichs verlor die Familie Braun den Schutz ihrer österreichischen Staats­bürger­ schaft und galt nun als „jüdisch“. Die Ausbürgerungsakte von Siegfried Franz Oser-Braun und seiner Familie aus den Jahren 1941/1942 dokumentiert diesen Vorgang: Schreiben der Gestapo an das Reichs­­sicher­ heits­hauptamt vom ­6. Juni 1941.

Am 23. August 1997 wurde das Hotel Adlon am historischen Standort Unter den Linden 1 wieder eröffnet. Der Neubau erstreckt sich auch über die ehemalige Hausnummer Unter den Linden 75, wo sich das Geschäft E. Braun und Co. befand. Im Erdgeschoss gibt es heute wieder Luxusgeschäfte. 15


Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

Martin Breslauer mit befreundeten Bibliophilen: Rechtsanwalt Dr. Otto Liebmann, ­Regierungsrat Ludwig von Ploetz, Fedor von Zobeltitz, Paul Kressmann, Dr. Siegfried von Volkmann (sitzend v.l.), um 1930.

Antiquariat Martin  Breslauer Der weltweit erfolgreiche Antiquar Martin Breslauer, Dreh- und Angelpunkt der Berliner bibliophilen Gesellschaft und deutsch-nationaler Patriot, organisierte unter großen materiellen Verlusten und mit Unterstützung vieler befreundeter Buchhändler die Emigration und den bescheidenen Neubeginn in London, bis ihn eine deutsche Fliegerbombe im Herbst 1940 buchstäblich zu Tode erschreckte.

Mittelpunkt der bibliophilen Gesellschaft Der am 16. Dezember 1871 in Berlin geborene Martin Breslauer absolvierte nach dem Germanistik- und Paläographiestudium an der Universität Rostock Volontariate bei den renommiertesten Buchhändlern Europas – unter ihnen Menozzi in Rom, Welter in Paris, Hachette in London und Joseph Baer in Frankfurt am Main. Mit 26 Jahren machte er sich selbständig und gründete mit seinem Schulfreund Edmund Meyer am 4. Februar 1898 die Antiquariats- und Sortimentsbuchhandlung Breslauer & Meyer in der Potsdamer Straße 27b. Ab 1904 gingen die Partner dann getrennte Wege. Martin Breslauer hatte zunächst Geschäftsräume Unter den Linden 16. Nach seiner Rückkehr von der Westfront, wo er als Gefreiter Wehrdienst tat, zog das Antiquariat 1918 in die Französische Straße 46 um. Martin Breslauers Geschäft wurde zum Mittelpunkt für Berlins Bibliophile, er selbst war leidenschaftlicher Buchsammler, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Biblio­philen, Schriftführer des Berliner Bibliophilen-Abends sowie 1911 Gründungsmitglied der Maximilian-Gesellschaft, einer der renommier­ Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

testen bibliophilen Vereinigungen Deutschlands.

16

Von der Preußischen Staatsbibliothek zum Sachverständigen ernannt, bewertete Breslauer 1919 die Privatbibliothek Friedrichs des Großen in Sanssouci, um die ein Streit zwischen dem Land Preußen und den Nachkommen des Königs entbrannt war. 1929 entdeckte er in Wien die bis dahin als verschollen geglaubte Bibliothek der zweiten Frau Napoleons, Marie Louise. Es gelang ihm, die etwa 5.000 Bände umfassende Sammlung nach Berlin zu überUnbekannter Künstler (Signiert OLDEN.): Martin Breslauer, Gouache, gerahmt, um 1925

führen und dort zu veräußern. Seine wichtigste Transaktion war 1931 schließlich der Verkauf der 120.000 Bände umfassenden, bis ins Mittelalter zurückreichenden Bibliothek der ­Fürsten zu Stolberg-Wernigerode.


Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

Erzwungene Geschäftsschließung und Auswanderung

Diesen Briefkopf benutzte Martin Breslauer nach dem Umzug seines Geschäfts in die Französische Straße 46 – und ergänzte nach der erzwungenen Emigration die Londoner Adresse handschriftlich...

Nach 1933 geriet Martin Breslauer privat und geschäftlich sehr bald unter Druck: 1934 musste die Familie ihr großbürgerliches Haus am Jungfernstieg 20 in Lichterfelde aufgeben und in eine Wohnung in der Meinekestraße 16 – 17 umziehen. 1935 wurde Breslauers Sohn Bernd auf dem Schulhof des Kaiserin-Augusta-Gymnasiums so massiv antisemitisch bedroht, dass er nicht mehr zur Schule ging. Als Martin Breslauer im gleichen Jahr kurzfristig aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen werden sollte, womit er die Berechtigung zum Handel mit Büchern verloren hätte, legte er am 14. Dezember 1935 Einspruch ein. Am 29. Juni 1936 wurde ihm mitgeteilt, man könne die Durchführung des Ausschlusses „mit Rücksicht auf die Bedeutung Ihrer Arbeit“ unter der Auflage aufschieben, dass er seinen Betrieb „in kürzester Frist [...] in die Hände einer geeigneten arischen

Borries Freiherr von Münchhausen: Balladen, 1. Aufl. Berlin: Breslauer & Meyer 1901. Dieser Titel veran­ schaulicht, dass Martin Breslauer neben seinen buch­anti­quarischen Tätigkeiten auch als Verleger arbeitete.

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

Privatbesitz

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

Persön­lichkeit“ überführe.

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

Die undatierte Fotografie zeigt Martin Breslauer, wohl zwischen 1915 und 1918, in der Uniform eines Gefreiten in einer Bibliothek

Generalversammlung der Weimarer Gesellschaft der Bibliophilen im Stadtverordnetensaal des Berliner Rathauses am 14. November 1931, auf dem Podium zu sehen ist der Vorstand (v.l.): Carl Ernst Poeschel, Prof. Dr. Georg Wittkowski, Fedor von Zobeltitz, Martin Breslauer und Reichsgerichtsbibliothekar Dr. Hans Schulz.

Brief der Reichsschrifttumskammer an Martin Breslauer vom 29. Juni 1936

Martin Breslauer zog nun das für ihn als sehr patriotisch fühlen­den Deutschen lange Zeit Undenkbare in Betracht und entschied sich zur Auswanderung, wobei nach Sondierungsgesprächen in Italien schließlich die Entscheidung zugunsten Englands fiel. Ein zinsloses Darlehen eines befreundeten Kunstsammlers sollte dabei helfen, das Antiquariat dort 17


­wieder aufzubauen. Die Kollegen von Sotheby’s und Morrison

Am 26. März 1936 schrieb Martin Breslauer, der häufig geschäftlich im europäischen Ausland weilte, aus London an seine Frau Grete: „Du bist nun neben all den anderen Sorgen mitten in die Berufssorgen hineingekommen, und siehst, wie schwer und mühselig dieser struggle for life ist. Aber die Zähne aufeinandergebissen und mit Mut und Ausdauer weitergekämpft! Nicht sich unterkriegen lassen. Irgendwo und irgendwann kommt doch ein Sonnenblick! Wie wirksam der Glauben sein kann, das beweisen ja gerade die letzten Jahre in unserm Vaterland. Hier denkt übrigens kein vernünftiger Mensch an einen Krieg. Man hat grosse Sympathien für Deutschland und wenige für Frankreich. Die Menschen fangen an, sich darüber klar zu sein, welches ungeheure Unrecht uns mit dem Versailler Vertrag geschehen ist, und dass man ein grosses Volk nicht ungestraft in dieser Weise unterdrücken kann.“

stellten ihm derweil Bürgschaften aus. Breslauer war in Sorge, dass die Nationalsozialisten seine berühmte Bibliothek beschlagnahmen könnten, wenn er um die Erlaubnis bäte, sie mit nach England zu nehmen. Gleichzeitig wollte er die mit 21.000 Bänden weltweit größte bibliographische und buchgeschichtliche Privatsammlung nicht durch Einzelverkäufe in aller Welt zerstreuen. Breslauers in der Schweiz lebender Freund und Geschäftspartner Martin Bodmer erkannte in dieser Situation deren Wert und kaufte ihm die meisten Bände ab. Die verbliebene Handbibliothek von rund 6.000 Bänden konnte Breslauer schließlich mit nach London nehmen, nachdem sie ein paar mutige Kollegen als wertlosen Rest einer bedeutenden Sammlung bezeichnet und für die Finanzbehörden entsprechend niedrig bewertet hatten. Als Revisoren auf Breslauers Geschäft angesetzt wurden, reichte

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

die Steuerprüfung nicht wie üblich fünf Jahre, sondern bis in das Jahr 1924 zurück. Nach einem Jahr wurde eine Steuerschuld festgelegt, die genau dem Betrag entsprach, den ­Breslauer nach Entrichtung der Reichsfluchtsteuer mit ins Ausland hätte transferieren dürfen. Von dem Verkauf seiner Sammlung blieb dem Antiquar also schließlich nichts. Nachdem der Geschäftsbetrieb gemäß der gesetzten Frist Anfang Januar 1937 eingestellt wurde, fuhr die Familie am 1. Juli 1937 mit dem Nachtzug über Holland nach England. Die Fahrkarten für die Reise konnten, wie der Sohn sich später erinnerte, nur durch goldene Dessertlöffel bezahlt werden, die er zum Berliner Leihhaus Schaper bringen musste, weil der Vater sich genierte. Im Dezember 1938 erhielt Breslauer behördlicherseits die Geneh-

Zwei Tage später hieß es im nächsten Brief an sie von dort: „Morgen ist ja Wahl. Ein schweres Geschick gestattet uns nicht daran teilzunehmen. Trotzdem: alle meine innigen Wünsche für ein einheitlich günstiges Gelingen zum Besten unseres geliebten Vaterlandes und für sein Ansehen und seine Ehre steigen empor!“

migung, sich als antiquarischer Buchhändler in London niederzulassen. Die Geschäfte liefen allerdings schleppend. Am 16. Oktober 1940 explodierte eine deutsche Fliegerbombe im Hinterhof der Bedford Court Mansions in Bloomsbury, wo die Familie lebte. Infolge dieses Schreckens starb Martin Breslauer einige Stunden

Weitere zwei Tage später: „Ich las soeben von der gestrigen Begeisterung. Das muss ja fabelhaft gewesen sein. Ein Jammer, dass man davon ausgeschlossen wird. Man ist hier voller Bewunderung.“

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

später mit 69 Jahren an einem Herzschlag.

Martin Breslauers Mitgliedsausweis im entsprechenden Fachverband der Reichsschrifttumskammer, der national­sozialistischen Zwangsvereinigung aller, die im Literatur­ betrieb und im Verlagswesen arbeiteten. 18

Und am 2. April 1936 schließlich: „Ich war hier gestern abend in einem amerikanischen Film: Grässlich geschmacklos. Es ist zu merkwürdig. Die Menschen sehen nicht, dass eine neue Zeit kommt, sie stehen mit den Anschauungen von gestern auf und gehen mit ihnen schlafen. Ich glaube für manche dieser Völker wird es einmal ein furchtbares Erwachen geben – nicht zum Schaden Deutschlands! Da braucht man kein Prophet zu sein.“


Das Wiederaufleben des Antiquariats Martin Breslauers Sohn Bernd meldete sich nun freiwillig bei der Royal Army und arbeitete während des Weltkrieges für den britischen Geheimdienst. Nach Kriegsende gelang es ihm, der sich nun Bernard Breslauer nannte, an den Ruhm seines Vaters anzuknüpfen und ein Antiquariat mit weltweitem Renommee aufzubauen. Er blieb nach vergeblichen Versuchen, das Geschäft in Berlin wieder zu eröffnen, zunächst in London, verlegte 1977 den Geschäftssitz jedoch nach New York in die 5th Avenue. Den Namen des Antiquariats Martin Breslauer behielt er bei. Seinen persönlichen Nachlass vermachte Bernard Breslauer, der 2004 starb, der Staatsbibliothek zu Berlin.

Der Kunstsammler Robert von Hirsch, der schon 1933 aus Frankfurt in die Schweiz emigriert war, übersandte Martin Breslauer mit diesem Schreiben vom 6. Juli 1937 einen Scheck über 700 Britische Pfund als zinsloses Darlehen.

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nachlass Antiquariat Breslauer

Kaspar Nürnberg

Bernard Breslauer war spezialisiert auf Manuskripte, Frühdrucke, Buchmalerei und historische Bibliographie und verantwortlich für bedeutende literarische Funde und zahlreiche Ankäufe im Auftrag angesehener Bibliotheken auf der ganzen Welt. So ersteigerte er 1978 für die Württembergische Landesbibliothek ein Exemplar der Gutenberg-Bibel für 2,2 Millionen Dollar, den höchsten Preis, der bis dahin je für ein Buch bezahlt worden war. 1997 verlieh ihm die Freie Universität Berlin die Ehrendoktorwürde. Als Bernard Breslauer 2004 86-jährig starb, wurde sein Geschäft aufgelöst. 2005 versteigerte Christie’s seine wertvolle, rund 2.000 Bände umfassende Bibliothek.

In der Französischen Straße 46 in Mitte befindet sich heute das Hotel The Regent Berlin. 19


Österreichisches Theatermuseum, Wien

Max Reinhardt (eigentlich Maximilian Goldmann) wurde 1873 in Baden bei Wien geboren. Als Schauspieler kam er 1894 nach Berlin ans Deutsche Theater und zeigte ab 1903 auch eigene Inszenierungen. Sein kometenhafter Aufstieg begann mit der Übernahme des Deutschen Theaters. Reinhardts zentrale Leistung war es, dem Regietheater in Mitteleuropa zum Durchbruch zu verhelfen. Seine minutiös vorbereiteten Inszenierungen offenbarten ein einmaliges Gespür für Zusammenspiel, Atmosphäre, den dramaturgischen Zusammenhalt von Bühnenform, -technik und -beleuchtung, sowie die Musikalität und Rhythmik der Sprache. Am 8. März 1933 floh er vor den Nationalsozialisten nach Österreich. 1937 übersiedelte er in die USA, wo seine Theaterästhetik kaum Freunde fand. Europa hat er nie wieder gesehen: Resigniert starb Reinhardt 1943 nach drei Schlag­ anfällen in New York.

Das Deutsche  Theater Das Deutsche Theater (DT) in der Schumannstraße ist der wohl prominenteste Fall der nationalsozialis­ tischen Inbesitznahme eines Unternehmens im Kulturbetrieb. Die Ausschaltung seines Eigentümers Max Reinhardt steht dabei exemplarisch für das planvolle Vorgehen der NS-Machthaber gegenüber einem Unternehmen, von dessen Prestige sie zu profitieren glaubten und dessen Gegenstrategien ins Leere liefen.

Wege zum Ruhm: 1883 – 1933 1906 kaufte der junge Schauspieler und Regisseur Max Reinhardt das 1883 gegründete Deutsche Theater, ließ im Nebenhaus die Kammerspiele einrichten und machte sein Haus zu einem der angesehensten Theater Europas, wenn nicht der Welt. Reinhardt wurde der künstlerisch wegweisende Theatermann seiner Zeit. Aber auch der wirtschaftliche Erfolg über 25 Jahre hinweg Landesarchiv Berlin

ist ohne Parallele. Expansion und Mehrfachverwertung hieß die

Kammerspiele des Deutschen Theaters, um 1912. Noch 1906 ließ Max Reinhardt – im Kaufvertrag verpflichtet, sich ausschließlich um das Deutsche Theater zu kümmern – den im Nebenhaus befindlichen Tanzsaal „Embergs Salon“ zu den Kammerspielen umbauen. Hier hatte er die Möglichkeit, Stücke viel intimer inszenieren zu können.

Zauberformel: Reinhardt kaufte oder pachtete andere Theater, um erfolgreiche Inszenierungen auch dort zeigen zu können, daneben aber ständig freie Kapazitäten für Neues zu haben. Die Gründung der Deutschen National-Theater AG 1917 minderte das wirtschaftliche Risiko durch breit gestreutes Aktien-Kapital und erlaubte weitreichende Pläne zum Bau eines Massentheaters: 1919 wurde das Große Schauspielhaus mit 3.200 Sitzplätzen eröffnet. Als ab 1920 eine Lustbarkeitssteuer für alle Privat­ theater erhoben wurde, reagierte Reinhardt mit der Gründung der Deutsches ­Theater in Berlin GmbH, deren Gemeinnützigkeit 1926 anerkannt wurde. Bis 1931 konnte Reinhardt den größten Theaterkonzern der Welt aufbauen, dem zuletzt zwölf ­Theater mit über 10.000 Plätzen angehörten. Die Weltwirtschaftskrise allerdings brachte sein Imperium ins ­Wanken: Die Zuschauer blieben aus und Theater mussten geschlossen oder verpachtet werden. 1932 wurde das DT erstmals Ziel anti­semi­tischer Aktionen: Joseph Goebbels, NSDAP-Gauleiter von Berlin und Chefredakteur des Angriff, ließ einen wütenden Artikel gegen Karl-Heinz Martins Inszenierung von Gyula Háys „Gott, Kaiser und Bauer“ drucken. Aus Angst vor Übergriffen – der Polizeipräsident von Berlin tat nichts, dem entgegen zu wirken – setzte man das Stück ab. Die Einnahmeausfälle ruinierten das DT fast.

20


Vom Deutschen zum „arischen“ Theater Mitte Januar 1933 verpachtete Max Reinhardt sein Theater an Carl Ludwig Duisberg-Achaz. Achaz war als Theaterleiter völlig fehl am Platz, verfügte jedoch über erhebliche finanzielle Mittel und konnte den Ruin des DT abwenden. Doch auch der zukünftige Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, interessierte sich für das weltberühmte Haus. Die Inbesitznahme des Deutschen Theaters durch den NS-Staat verlief schließlich in fünf Schritten, und

Landesarchiv Berlin

zwar als Kooperation des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) und der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Zunächst wurde der Deutsches Theater in Berlin GmbH per Gesetz die Gemeinnützigkeit aberkannt und es wurden Steu-

Deutsches Theater, um 1912.

1906 erwarb Max Reinhardt das Deutsche Theater und zwei anliegende Häuser zum Preis von 2,475 Millionen Mark von Adolph L’Arronge, dem Gründer des Theaters. 29 Finanziers – u.a. Verleger Paul Cassirer, „Generalanzeiger-König“ August Huck, AEGGründer Emil Rathenau sowie die Bankiers James Hardy und Robert von Mendelsohn – brachten das Geld zusammen. Sie erhofften sich von Reinhardt nach nur einem Jahr als Direktor des DT eine zukunftsträchtige Investition. Die finanzielle Seite des Konzerns überließ Reinhardt seinem jüngeren Bruder Edmund (1875 – 1929), der sich zu einem wahren Finanzgenie entwickelte, jedoch kurz vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise starb.

Akademie der Künste Berlin, Archiv

Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin

ern in Millionenhöhe eingefordert. Dann verweigerte Goebbels

Adolf Hitler interessierte sich vor allem für die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele und das Projekt eines Prestigethea­ ters in Linz. Dennoch wurde ihm auch im Deutschen Theater eine eigene Loge im ersten Rang eingerichtet. Analog dazu ließ sich Goebbels in den Kammerspielen – dem Sinn der Bühne gänzlich widerstrebend – eine Loge einbauen.

als oberster Theaterherr Achaz die Verlängerung seines Vertrags, der bis April 1934 lief. Stattdessen zahlte das RMVP „Reichszuschüsse“ (jährlich 450.000 Mark) an Heinz Hilpert, der das Theater im Juni 1934 von Max Reinhardt pach-

Archiv Deutsches Theater, Berlin

tete. Die Pacht ging vollständig an die Bank der Deutschen

Zu Reinhardts erfolgreichsten Regiearbeiten gehörte Shakespeares „Ein Sommernachts­ traum“, der von 1905 bis 1918 in insgesamt zwölf verschiedenen Inszenierungen auf den Spielplänen stand. Ab 1909 stand ein echter Wald auf der Drehbühne, der in einer bestimm­ten Szene zu rotieren begann – ein solches Bühnenbild hatte das Theater noch nie gesehen. In Berlin hieß es bald „Halb zehn dreht sich bei Reinhardt der Wald“.

Arbeit AG, die seit der Weltwirtschaftskrise Hauptgläubigerin Max Reinhardts und der Deutsches National-Theater AG war und seit der Zerschlagung der Gewerkschaften unter der Kontrolle der DAF stand. Die Bank nutzte sodann als Gläubigerin der Deutsches National-Theater AG ihr Stimmrecht bei der Besetzung des Aufsichtsrats, um alle Aufsichtsräte im April 1934 zum Rücktritt zu zwingen. Sie wurden durch partei­ treues Personal ersetzt. Mittels Kapitalsenkung wurden die Aktionäre, die ins Ausland geflohen waren, entschädigungs21


los enteignet. Die alten Inhaber-Aktien waren nämlich persönlich

Das DT und die Kammerspiele standen somit im Besitz der DAF

in Berlin einzureichen, nicht eingereichte Aktien verloren ihre

und unter der Kontrolle von Joseph Goebbels – die Inbesitz-

Gültigkeit und wurden versteigert. Reinhardt ­rettete einen sym-

nahme war abgeschlossen. Hilpert gelang es nach 1934 zwar,

bolischen Betrag und verkaufte die Papiere zu zehn Prozent ihres

künstlerisch eine gewisse Distanz des Deutschen Theaters zum

Wertes an die Bank. Alle neu ausgegebenen Inhaberaktien kaufte

NS-Regime zu wahren, doch das Eingehen auf die rassistische

die DAF-eigene Treuhandgesellschaft für wirtschaftliche Unter-

Personal­politik des RMVP machte ihn zum Mittäter. 1944 schlos-

nehmungen mbH, die dadurch 52% der Aktien hielt.

sen alle Theater in Deutschland.

Doch Max Reinhardt gehörten immer noch Häuser und Grund-

Das DT wurde 1949 – nun in Ost-Berlin gelegen – verstaatlicht.

stücke des DT und der Kammerspiele als Privateigentum. Also

Die Restitution endete im Oktober 1995 mit der Rückgabe der

erweiterten die neuen Besitzer den Geschäftszweck der Deutsches

Grundstücke an die Erben Reinhardts. Ein Verfahren nach dem

National-Theater AG, sodass der Kauf von Grundstücken ermög-

Vermögensgesetz, in dem es um die Restitution der Aktien der

licht wurde. Als Gläubigerin Reinhardts beantragte die Bank der

Deutschen National-Theater AG geht, ist bis heute anhängig.

Deutschen Arbeit nun die Zwangsversteigerung der Theater. Sie

Björn Weigel

fand im September 1934 statt und die Deutsches National-Thea-

Heinz Hilpert, 1890 in Berlin geboren, kam 1926 durch Max Reinhardt ans Deutsche Theater, wo er zu einem der wichtigsten Theaterregisseure wurde. Als einer der wenigen Theaterdirektoren blieb er auch nach dem 30. Januar 1933 im Amt – ausgerechnet als Intendant der Volksbühne, die den Nationalsozialisten als „marxistisches Parteitheater“ galt. Von Goebbels ob seiner künstlerischen Fähigkeiten bewundert, übernahm Hilpert 1934 mit dem Geld des RMVP das Deutsche Theater. In dem naiven Glauben, die künstlerische Integrität des Hauses bewahren zu können und „Schlimmeres“ zu verhüten, unterwarf Hilpert sich und das DT den rassistischen Vorgaben der NS-Machthaber und wurde deren – wenn auch nicht gänzlich willfähriges – Werkzeug. Formal blieb er privater Unternehmer, faktisch war er vom Geld des RMVP abhängig. Der Enteignung Max Reinhardts konnte Hilpert nur tatenlos zusehen und hatte unbewusst daran mitgewirkt. Er starb 1967 in Göttingen.

22

Archiv Deutsches Theater, Berlin

Bundesarchiv Berlin

ter AG erstand die Immobilien für 600.000 Reichsmark.

Goebbels bestand darauf, dass Heinz Hilpert Stücke von Heinrich von Kleist in den Spielplan aufnahm, was Hilpert aufgrund der Vereinnahmung dieser Werke durch das NS-Regime lange verweigert hatte. Erst 1942 kamen schließlich drei Kleist-Stücke in den Spielplan: „Amphitryon“ mit Doris Krüger (l.) und Gisela von Collande zeigte seit März 1942 unter Hilperts Regie deutliche Zugeständnisse an die NS-Ästhetik.


Archiv Deutsches Theater, Berlin

Die Kriegseinwirkungen zerstörten die Kammerspiele fast völlig, jedoch konnte der reguläre Spielbetrieb im Deutschen Theater schon im September 1945 wieder aufgenommen werden.

Archiv Deutsches Theater, Berlin

In Berlin-Mitte, Schumannstraße 13a, laufen die hoch­klassigen­Inszenierungen im DT, den Kammerspielen und der Box regelmäßig vor ausverkauftem Haus. Die Fachzeitschrift Theater heute kürte das DT zum „Theater des Jahres 2008“.

Foto: Björn Weigel

Das Deutsche Theater war auch für die DDR ein wertvolles Prestigeobjekt. Erstklassige Regisseure und Schauspieler boten den Besuchern des verstaat­lichten Hauses Theater auf höchstem Niveau. Von 1980 bis 1983 wurden das DT und die Kammerspiele grundlegend erneuert und rekonstruiert. Das Foto zeigt Erich Honecker (l.) und den Intendanten Prof. Rolf Rohmer am Abend der Wiedereröffnung des DT am 29. September 1983. 23


Privatbesitz

Erste Berliner DampfRosshaarspinnerei (Ebro) Die Erste Berliner Dampf-Rosshaarspinnerei A.G. – kurz Ebro – stellte in einem Patentverfahren Polster­körper vor allem für die Automobilindustrie her und war das Lebenswerk zweier jüdischer Brüder. In den Jahren nach 1933 wurde das Unternehmen im Zuge der allmählichen Aufrüstung für einen Krieg als „reichswichtig“ eingestuft und geriet ins Visier oberster lokaler Parteiinstanzen. Unter massiven Gewaltandrohungen wechselte das begehrte Geschäftsobjekt schließlich im Sommer 1938 den Besitzer. Der einflussreiche „Käufer“: Heinrich Hunke, seit 1928 Gauwirtschaftsberater des NSDAP-Gaus Groß-Berlin.

Von der Gründung bis zur Mitte der 1930er - Jahre Die Erste Berliner Dampf-Rosshaarspinnerei wurde um die Jahrhundertwende von Richard Friedmann zunächst als Großhandlung für Polstermaterialien gegründet. Später begann der Ingenieur, eine eigene Fabrik aufzubauen, die seit 1924 als Aktiengesellschaft firmierte. Sein jüngster Bruder Ernst Friedmann kam später als Gesellschafter dazu. Das Werksgelände befand sich in der Pistoriusstraße 66–69 sowie auf der gegenüberliegenden Straßenseite 95–97 in Berlin-Weißensee. Die Ebro stellte nach einem besonderen Patentverfahren, das in Deutschland nur von zwei weiteren Firmen überhaupt angewandt wurde, Polstermaterialien und Polsterkörper aus Rosshaar her. Das Unternehmen hatte sich innerhalb kurzer Zeit einen Ruf erarbeitet, der weit über die Grenzen Berlins hinausreichte. Vor allem für die Automobilindustrie war das Unternehmen ein wichtiger Partner: im Verzeichnis der Hauptabnehmer des Geschäftsjahres 1936 waren folglich die Auto-Union, Daimler Benz, Adam Opel sowie die Bayerischen Motorenwerke vertreten. Richard Friedmann hatte dank seiner eigenen unternehmerischen Fähigkeiten ein respektables Vermögen erwirtschaftet und lebte als Generaldirektor in ausgezeichneten Verhältnissen. Laut einer Einschätzung der Reichskreditgesellschaft Ende der 1930er-Jahre Museumsverbund Pankow

hatte das ohnehin rentable Unternehmen „für die deutschen Inte-

Historische Ansicht der Pistoriusstraße in Weißensee mit Blick in Richtung des Ortskerns. Am anderen Ende der Straße befand sich auf zwei Straßenseiten das 1902 errichtete Fabrikgelände der Ebro. 24

ressen […] nicht zu unterschätzende Bedeutung“. Entsprechend erhöhte der Berliner Gauwirtschaftsberater Hunke seit 1936 den Druck auf die beiden jüdischen Unternehmer. Die Verkaufsverhandlungen zogen sich jedoch in die Länge und gingen nur schleppend voran. Richard Friedmann versuchte noch 1937, die drohende feindliche Übernahme abzuwenden, indem er einen seiner Schwager in den Vorstand holte, der Mitglied der NSDAP war.


Lautloser Terror – Der Zwangsverkauf im Jahr 1938 Im Jahr darauf ging der Gauwirtschaftsberater dazu über, die Besitzübernahme mit drastischeren Mitteln zu forcieren. Fortan wurden die Eigentümer terrorisiert und eingeschüchtert, um ihnen die unsäglichen Bedingungen aufzuzwingen. So erwirkte Hunke im Januar 1938 die sofortige Übertragung des Aktienanteils Richard Friedmanns von 75 Prozent – was 150.000 Reichsmark entsprach – an dessen nicht-jüdische Ehefrau Ella. Die Stimmrechte über das Kapital lagen von nun

Privatbesitz

an bei dem Treuhänder Dr. Erich Naue, der auch den Kontakt zu Hunke hergestellt hatte. Ernst Friedmann, dessen Aktien-

ullstein bild, Berlin

Richard Friedmann mit seiner Frau Ella und Tochter Ruth Mitte der 1920-Jahre in Berlin. Nach 1933 bekam die Familie den Wechsel der Vorzeichen im Alltag bald zu spüren: Statt Logenplätze im Theater der Verweis auf Stehplätze, die Liste der Abgaben bzw. Kürzungen wurde immer länger. Später folgte die Kündigung der Wohnung am Hohenzollerndamm. 1939 schickten die Eltern ihre Tochter nach England.

Heinrich Hunke (1902 – 2000) fungierte von 1932 bis 1945 unter anderem als sogenannter Gauwirtschaftsberater und Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung des NSDAP-Gaus Groß-Berlin. Als einer der einflussreichsten nationalsozialistischen Wirtschaftstheoretiker der 1930er-Jahre war er maßgeblich an der Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz der Juden im Berliner Raum beteiligt. Mit dem erzwungenen Verkauf der Ebro, den er durch seine Position bewirkte, konnte er sich persönlich um ein Vermögen von rund 850.000 Reichsmark bereichern.

anteil von 25 Prozent von nun an ebenfalls von Naue verwaltet wurde, musste das Unternehmen noch im selben Monat mit sofortiger Wirkung verlassen. Zeitgleich musste auch der Schwager der Friedmanns gehen, stattdessen trat ein pro-

Deutsches Technikmuseum Berlin, Historisches Archiv

movierter SS-Mann in den Vorstand ein. Richard Friedmann

Das Unternehmen stellte nach einem Patentverfahren vor allem Polster­waren für die Automobilindustrie her. Rosshaar war schon damals ein teures Material, das für besondere Qualität bürgte. Einer der namhaften Partner der Firma war das Unternehmen Adam Opel. Als „bequem wie Klubsessel“ beworben werden die Autopolster des OPEL Typ „Olympia“ aus den 1930er-Jahren, die aus dem Hause Ebro stammen könnten.

fiel die Aufgabe zu, bis zu seinem geplanten Ausscheiden im Juli 1938 noch die beiden neuen Vorstandsmitglieder einzuarbeiten. Die Herren legten ihm morgens regelmäßig den Stürmer mit rot angestrichenen antisemitischen Hetzartikeln auf den Schreibtisch. Als eines Morgens auf dem Zaun des Werk­geländes in riesigen roten Lettern „Jude verschwinde“ zu lesen war, setzte der damals 61jährige Vorstandsvorsitzende nie wieder einen Fuß in seine Firma. Die formelle Inbesitznahme fand schließlich Ende Juni 1938 statt. Während der vorangehenden Verhandlungen wurde der Kaufpreis mit jedem Tag weiter gedrückt, bis die Besitzüber25


nahme zum Schluss mit der Androhung, andernfalls das Werk

tungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert. Der eigenen bevorste-

zu zerschlagen oder die Friedmanns zu enteignen, gewaltsam

henden Deportation gewahr, beging Richard Friedmann am 16.

erzwungen wurde. Obwohl es mehrere Kaufinteressenten gab, die

Juli 1942 im Alter von 65 Jahren nach einer Vorladung auf das

teilweise bis zu 900.000 Reichsmark boten, konnte sich Hunke

zuständige Polizeirevier Selbstmord in seiner Wohnung.

die Fabrik dank der Tatsache, dass die Aktien bereits von Naue verwaltet wurden, letztlich für 375.000 Reichsmark sichern. Der tatsächliche Wert lag um ein Vielfaches höher. Der Kaufpreis wurde aus den Überschüssen des Betriebs selbst gedeckt. Die Friedmanns durften nicht über das Geld verfügen.

Nach Kriegsende kümmerten sich die beiden Hauptaktionäre Naue und Hunke nicht mehr um den Betrieb. Von der Sowjetischen Militäradministration als „herrenlos“ eingestuft, wurde das Werk 1945 zunächst in Treuhandverwaltung gegeben und schließlich 1949 als Volkseigener Betrieb der DDR verstaatlicht. Am 30. Mai 1949 wurde die Gesellschaft aus dem Berliner Handelsregister

Das Ende der Brüder Friedmann Nach dem Verkauf der Firma blieben die Brüder Friedmann in Deutschland. Zusammen mit seinem anderen Bruder Kurt wurde Ernst Friedmann im Alter von 61 Jahren am 1. November 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz), wo Kurt Friedmann am 15.

im Westteil der Stadt fort, da diverse Wertpapiere und Depots bei Banken von der Enteignung im Osten unberührt blieben. Im Jahr 1952 wurde das Unternehmen an Ella Friedmann restituiert, die im gleichen Jahr dessen Liquidation anmeldete. A nne Paltian, Eva Balz

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde

März 1942 starb, und von dort am 9. Mai 1942 in das Vernich-

gelöscht. Unabhängig davon bestand die Firma nach 1945 jedoch

Anfang des Jahres 1938 ging der Gauwirtschaftsberater dazu über, den Verkauf der Fabrik, den er bereits seit geraumer Zeit im Auge hatte, mit Gewalt zu forcieren. Mit Terror und Einschüchterung wurden die Gebrüder Friedmann dazu gebracht, die in dem Schreiben festgehaltenen Forderungen zu akzeptieren, mit denen der Zwangsverkauf eingeleitet wurde. 26


Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde

Richard Friedmann zeichnete noch vor seinem Tod auf, was ihm an Gehalt und Tantiemen aus seinem Unternehmen seit dem „Verkauf“ vorenthalten worden war. Statt über den Verkaufspreis verfügen zu können, war es ihm seit Juli 1938 lediglich gestattet, von einem Sperrkonto monatlich 200 Reichsmark für seinen Lebensunterhalt abzuheben.

Der Firmengründer und General­direktor Richard Friedmann (1876 – 1942) verabschiedete sich in mehreren kurzen Briefen, bevor er sich am 16. Juli 1942 das Leben nahm. Mit diesen Zeilen adressiert er seine langjährige Privatsekretärin und Prokuristin der Ebro, Wanda Schubert: „Liebe Frau Schubert! Nun wird aus unserem Wiedersehen doch nichts mehr, denn ich muß fort, da ich mich in einem KZ nicht erst lange quälen lassen will. Wenn sich noch irgendjemand an mich erinnert, grüßen Sie ihn bitte […].“ In einem anderen Brief verabschiedet er sich von der besten Freundin seiner Frau: „Liebe Frau Hanna! Darf ich Sie wohl, als älteste und jetzt fast einzige Freundin meiner Frau bitten ihr über die schlimme erste schwere Zeit hinwegzuhelfen. Ich wünsche Ihnen und Fritz auf Ihrem Lebensweg nur Gutes, Schönes und alles, was Ihnen Freude und Befriedigung schafft. Adieu Ihr Richard Friedmann“

Vom früheren Firmengelände in der Pistoriusstraße in Weißensee sind heute auf der einen Straßenseite hinter dem Zaun nur noch wenige Überreste zu sehen. Auf der anderen Seite befindet sich ein Supermarkt.

Richard Friedmann war verheiratet mit Ella Friedmann geb. Kunze (1882 – 1974). Ehemals vermögend, musste sie als Witwe nach dem Krieg über längere Zeit mit einer schmalen Rente von 200 DM auskommen, die ihr von der Entschädigungsbehörde zugesprochen wurde. 27


Privatbesitz

Privatbesitz

Moritz Fröhlich 1912 als Zwanzigjähriger. „Er sah ‚nicht jüdisch aus’, um im dama­ligen Jargon zu reden“, schreibt sein Sohn.

Helga Fröhlich, geb. Kohnke, 1919 als Neunzehnjährige.

Fröhlich & Pelz:   Glas – Kristall – Porzellan Moritz Fröhlich, Sohn eines oberschlesischen Gastwirts, schuf sich während der Weimarer Republik in Berlin eine gut gehende Existenz als Vertreter für Porzellan und Glas. Nach 1933 schien sich daran zunächst nichts zu ändern: bis 1936 folgten erfreuliche Geschäftsjahre für ihn und seinen neuen Teilhaber Kurt Pelz. Keine zwei Jahre später wurde Moritz Fröhlich von Pelz aus seinem Unternehmen gedrängt und verlor damit seine Existenzgrundlage. Im April 1939 gelang Moritz Fröhlich und seiner Familie unter dramatischen Umständen die Ausreise – zuerst nach Kuba und von dort in die USA. Eine selbständige Existenz konnte er sich bis zu seinem Tod 1955 nicht wieder aufbauen.

Vor 1933 Anfang der 1920er-Jahre zog Moritz Fröhlich aus Frankfurt am Main nach Berlin. Hier betrieben mehrere Verwandte in der Badstraße gemeinsam ein Geschäft für Galanteriewaren und Bijouterie. Er selbst konnte sich in kurzer Zeit als Vertreter für Porzellan, Glas und Kristall etablieren, eine Familie gründen und eine groß­zügige Wohnung im bürgerlichen Halensee beziehen. Denn in den „Goldenen Zwanzigern“ stieg auch die Nachfrage nach den Kennzeichen einfachen Wohlstands. Mit seinem geübten Blick für die Marktchancen von einfachen Varianten hochwertiger Tafel­ geschirre und Gläserserien wurde Fröhlich ein gefragter Mittler zwischen Herstellern und den Einkäufern großer Kaufhäuser. Während der wirtschaftlichen Krisenjahre musste die Familie 1930 in eine bescheidene, etwas beengte Wohnung umziehen. Moritz Fröhlich tat alles, um der freudlosen Atmosphäre abzuhelfen – unter anderem mit einem wertvollen, über einen halben Meter großen Porzellanpapagei.

Mit seiner Agentur, in der er nun seinerseits zwei bis drei reisende Vertreter beschäftigte, bezog er 1928 ein eigenes Büro – zunächst in der Ritterstraße 59 und später ein paar Häuser weiter in der Nummer 86. Mit der Weltwirtschaftskrise endete zunächst auch der Aufstieg Moritz Fröhlichs, der mit seiner Familie 1930 in eine bescheidenere Wohnung umziehen musste. Gezwungen durch die wirtschaftlichen Umstände inserierte der ansonsten entschieden antireligiöse Unternehmer nun zum ersten Mal im Adressbuch jüdischer Kaufleute.

28


Nach 1933 „Wir waren plötzlich zu Juden geworden“ wird sich sein Sohn später an das Jahr 1933 erinnern. Aber Moritz Fröhlich wusste auch die damit verbundenen Chancen zu nutzen. In zunehmenden Maße ausgegrenzt, begannen jüdische Unternehmen ihrerseits, Aufträge bevorzugt an jüdische Geschäftspartnern zu geben. Eine aus der Manteltasche ragende jüdische Zeitung war in dieser Situation ein geboten unauffälliges Erkennungszeichen auf Moritz Fröhlichs jüdische Herkunft. Ansonsten versuchte er, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten: dass er 1934 einen nichtjüdischen Partner in sein Unternehmen aufnahm, war möglicherweise auch ein VerPrivatbesitz

such, das Geschäft zu schützen. Kurt Pelz, der neue Teilhaber, entsprach allerdings – anders als Moritz Fröhlich selbst – den landläufigen Vorurteilen, wie ein Jude auszusehen habe. Prompt empfahlen ihm wohlmeinende Geschäftspartner, den

„Über die Kohnkes wurde in der Familie weidlich gescherzt: Wieviel ... hatten die Kohnkes für das Anhängsel ke zahlen müssen, das den Namen weniger jüdisch klingen ließ als ‚Kohn’? Das war die Art von Scherzen, denen die Nazis den letzten Rest von Lustigkeit austrieben.“ (Peter Gay) Obere Reihe: Moritz Fröhlich, Willy Kohnke, Siegfried Kohnke, Alfred Kohnke und Samuel Fröhlich. Untere Reihe: Helga Fröhlich, geb. Kohnke, Albert und Regina Kohnke und Hedwig Kohnke. Alfred Kohnke folgte seiner amerikanischen Ehefrau bereits 1923 in ihre Heimat. Nur Dank ihrer Hilfe konnten Moritz Fröhlich und seine Familie 1941 in die USA emigrieren.

„Juden“ Pelz loszuwerden. Trotz aller bedrohlichen Umstände liefen die Geschäfte gut und 1936 bezog die Familie Fröhlich mit neuen Möbeln eine repräsentative Wohnung in der Sächsischen Straße in Wilmersdorf. Aber bereits ein Jahr später sprach man untereinander offen von Auswanderung; vorerst

Privatbesitz

schien die Zeit jedoch nicht zu drängen.

Inserat von Moritz Fröhlich und Kurt Pelz im Berliner Adressbuch von 1938

Inserat von Kurt Pelz im Berliner Adressbuch von 1939 – nun ohne seinen Geschäftspartner.

Das änderte sich grundlegend im Jahr 1938. Im Juli warf Kurt Pelz, ermuntert durch antisemitische Maßnahmen und abgesichert durch antisemitische Gesetze, Moritz Fröhlich entschädigungslos aus seinem Unternehmen. Im November wurden in der Pogromnacht auch die Geschäfte seiner Verwandten in der Badstraße und am Olivaer Platz demoliert; Moritz Fröhlichs Schwager Moritz Jaschkowitz verschleppte man ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Er selbst konnte sich mit Hilfe seines langjährigen Mitarbeiters Emil

Privatbesitz

Busse verstecken. Moritz Fröhlichs Schwester Esther mit ihrem Mann, Moritz Jaschkowitz. Er überlebte den Holocaust, weil er während der Deportation ins Vernichtungslager vom Zug springen konnte. Esther Jaschkowitz wurde deportiert und ermordet: Todesort und -datum sind nicht bekannt.

Während Moritz Fröhlich in den Monaten danach verzweifelt nach einem Aufnahme­land suchte, lebte die Familie von Erspartem. Nachdem Großbritannien die Aufnahme endgültig abgelehnt hatte, blieb für sie nur der Weg über Kuba in die USA. Im Frühjahr 1939 hatte die Familie dank der Hilfe 29


auch Kanada verweigerten die Einreise der Flüchtlinge, worauf

Moment fälschte Moritz Fröhlich die bereits ausgestellten Tickets

das Schiff Kurs auf ihren Heimathafen Hamburg nahm. Im letz-

für die Schiffspassage auf der St. Louis, um stattdessen zwei

ten Moment gewährten mehrere westeuropäische Länder den Pas-

Wochen früher, am 27. April 1939, auf der Iberia einschiffen

sagieren Asyl, aber bis auf Großbritannien boten diese Länder bis

zu können. Die Iberia war das letzte Schiff, dessen Passagiere

zum Kriegsausbruch nur eine trügerische Sicherheit. Man schätzt,

in Havanna an Land gehen durften, während die St. Louis nach

dass etwa ein Viertel der Passagiere der St. Louis den Holocaust

monatelanger Ungewissheit Kuba wieder ­verlassen musste – an

nicht überlebte – wie auch Moritz Fröhlichs Schwestern Esther

Bord 900 verzweifelte jüdische Passagiere. Sowohl die USA als

und Recha.

Privatbesitz

von Verwandten in Amerika die nötigen Papiere. Im allerletzten

Privatbesitz

Moritz Fröhlich (in der Bildmitte), Peter Fröhlich (verdeckt dahinter) und Helga Fröhlich (zweite von links) gehen am 27. April 1939 in Hamburg an Bord der Iberia, die sie nach Kuba bringen wird.

Während der Überfahrt nach Havanna skizzierte Peter Fröhlich die Route der Iberia auf dieser Karte. Noch war unsicher, ob die Familie ihr eigentliches Ziel – Quincy in Florida, wo Helga Fröhlichs Bruder Alfred lebte – erreichen würde. 30


Epilog Trotz bester Kontakte und unermüdlicher Anstrengungen ihrer Verwandten wartete die Familie Fröhlich fast zwei Jahre auf Kuba, bevor sie im Frühjahr 1941 endlich in die Vereinigten Staaten einreisen durfte. Moritz Fröhlich arbeitete dort für kurze Zeit als Vertreter für Sport- und Freizeitkleidung, bis er einsah, dass er sich mit seinen mangelnden englischen Sprachkenntnissen so kein Auskommen sichern konnte. Er fand Arbeit als Hilfsarbeiter in einer Fabrik für Armeemützen – und verlor sie kurze Zeit später, als er für eine gewerkschaftliche Vertretung eintrat. Daraufhin versuchte er sich – mit einer aus Deutschland geretteten Sammlung – ohne viel Erfolg als Briefmarkenhändler. Moritz Fröhlich starb 1955 im Alter von 62 Jahren: „Er tat sein Bestes, doch auf unmerklichem und schleichendem Wege hatte Hitler ihn zu einem gebrochenen Mann gemacht.“ So schildert sein Sohn Peter, ein namhafter Historiker, der im amerikanischen Exil (wie alle Fröhlichs) den Nachnamen Gay annahm, die Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz seines Vaters in seinen Jugenderinnerungen „Meine deutsche Frage. Jugend in Berlin 1933 – 1939“. Zu den bekanntesten seiner zahlreichen, auch auf deutsch erschienen Werke gehören zwei Bände über Liebe und Sexualität im bürgerlichen Zeitalter und eine große Freud­Biografie.

Privatbesitz

Gerd Herzog

Aus Fröhlich war schon lange Gay geworden: 1998 veröffentlichte Moritz Fröhlichs Sohn Peter seine Erinnerungen an die Jugend in Berlin.

Im Haus Konstanzer Straße 1 in Wilmers­ dorf begann 1924 der geschäftliche Aufstieg Moritz Fröhlichs.

Die Ritterstraße 86 in Kreuzberg: Hier stand das Gebäude, in dem Moritz Fröhlich – zusammen mit seinem Partner Kurt Pelz – von 1935 bis 1938 sein Büro führte.

31


Die Getreidegroßhandlung  Alfred Höxter an der Berliner Produktenbörse In bestimmten Branchen, wie dem börsenmäßig organisierten Landesprodukten-Großhandel, waren jüdische Unternehmer im nationalsozialistischen Deutschland auf zweifache Weise durch einen wirtschaftlichen Ausgrenzungsprozess betroffen. Ab Februar 1933 erschwerten einerseits unmittelbar auf die jüdischen Unter­nehmen zielende Maßnahmen wie gesetzliche Beschränkungen und Boykotte die Aufrechterhaltung eines erfolgreichen Geschäftsbetriebs. Andererseits wurde in dieser Branche durch eine antiliberale nationalsozialistische Wirtschaftspolitik­ der freie Handel zunehmend unterbunden und dadurch den Unternehmen die Erfüllung ihres ursprünglichen Geschäftsgegenstandes unmöglich gemacht. Der Aufstieg und verfolgungsbedingte Niedergang der Firma Alfred Höxter, die im Getreide­ großhandel an der Berliner Produktenbörse tätig war, zeigt exemplarisch, wie das Zusammenwirken von Ausgrenzungsmechanismen auf Akteurs- und Struktur­ebene die Entwicklung einer erfolgreichen wirtschaftlichen Überlebens­strategie erschwerte.

1919 – 1932: Alfred Höxter – Eine der „namhaftesten Firmen des Getreidegroßhandels“ Alfred Höxter war 39 Jahre alt, als er im Jahre 1919 den Entschluss fasste, sich an der Berliner Produktenbörse in eigener Firma selbständig zu machen. Als 20-jähriger war er aus seiner Geburtsstadt Dahlenburg im Kreis Lüneburg nach Berlin gekommen, um als Angestellter Erfahrungen im Getreidehandel an der bedeutendsten Börse der Republik zu sammeln. Höxter erarbeitete sich in Börsen­kreisen den Ruf eines ehrenhaften Kaufmanns. Als selbständiger, handelsberechtigter Besucher der Produktenbörse tätigte er in seiner Firma sehr erfolgreich alle einschlägigen Geschäfte des Produktenhandels. Bereits sechs Jahre nach der Gründung konnte der Familienvater daher als Altersvorsorge für sich und seine Frau Käthe Höxter (geb. Wohlgemuth) eine Lebensversicherung über 42.000 Reichsmark mit einer Laufzeit bis 1945 abschließen. Mit der Zielsetzung, den Kundenkreis zu erweitern, nahm Alfred Höxter im September 1928 Paul Pincus, einen Neffen seiner Frau, als Sozius in die Firma auf. Die beiden sicherten die Firma noch im gleichen Jahr und 1930 erneut gegen die Konsequenzen des Todesfalls eines der beiden Unternehmer durch Teilhaber­versicherungen in Höhe von jeweils 20.000 Reichsmark ab. Höxter und Pincus führten das Unternehmen, trotz der Bankenkrise von 1931 und der daraus resultierenden beinahe einjährigen Börsenschließung, auch gemeinsam sehr erfolgreich weiter. Das Nettoeinkommen der beiden Gesellschafter lag von 1929 bis 1932 jährlich jeweils zwischen 30.000 und 50.000 Reichsmark. Die erfolgreiche Geschäftsführung fand auch Ausdruck in einer Verbesserung der Lebensumstände. Die Eheleute Höxter lebten in glänzenden Verhältnissen und konnten mit ihren beiden Kindern 1930 eine Acht-Zimmer-Wohnung in der ­Pariser Straße 32 beziehen. Diese Adresse war fortan auch der offizielle Geschäftssitz des Unternehmens. 32


1933 – 1935: „Säuberungsaktionen“ an der Berliner Börse und strukturelle Veränderungen der Geschäftsgrundlage Die Firma Alfred Höxter war bis 1933 an der Berliner Produktenbörse in ein breites und gut funktionierendes Netzwerk von um die fünfhundert Getreide- und Futtermittelhandlungen, Mühlenvertretungen, Mehl-, Kartoffel- und Saatengroßhandlungen und anderen im Landhandel tätigen Unternehmen eingebunden. Die Branche war als „jüdische Domäne“ bekannt: Privatbesitz

Der Anteil jüdischer Geschäfts­inhaber am Personenkreis der selbständigen Besucher der Produktenbörse betrug zwischen 1928 und 1933 konstant über 50%. Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegen­ heiten Berlin, Entschädigungsbehörde

Die Berliner Börse in der Burgstraße 25, Postkarte um 1900. Das 1886 erbaute Gebäude vereinte unter seinem Dach den Sitz der Berliner Wertpapier-, Produkten- und Metallbörse. Die Berliner Börse war seit den 1880er-Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg in allen drei Abteilungen die zentrale Börse des Deutschen Reiches. Die Abteilung Produktenbörse lag in ihrer weltweiten Bedeutung gleichauf mit Chicago und Liverpool.

Briefkopf der Firma Alfred Höxter aus dem Jahre 1936. Unter dem schwarzen Balken oben rechts lässt sich im Original noch die Angabe des alten Unternehmenssitzes der Firma, W 15, Pariser Str. 32, erkennen. Zwischen 1928 und 1938 waren insgesamt 857 handelsberechtigte Besucher zur Produktenbörse zugelassen, von denen nachweislich 435 jüdischer Herkunft waren. Die tatsächliche Zahl der jüdischen Unternehmer an der Produktenbörse dürfte um 600 gelegen haben. Die letzten von ihnen wurden am 20. Juni 1938 zwangsweise vom Besuch der Berliner Börse ausgeschlossen.

Mit dem Jahr 1933 veränderte sich die Grundlage unternehmerischen Handelns an der Produktenbörse: Jüdische Unternehmer wurden nun zum Ziel eines anti­semitisch motivierten Verdrängungsprozesses. Alfred Höxter und Paul Pincus sahen sich, wie andere jüdische Börsianer, wiederholten Pöbeleien durch SA-Trupps und nationalsozialistische Studenten vor dem Börsengebäude ausgesetzt. Solche „wilden Aktionen“ der nationalsozialistischen Parteibasis wurden durch das Reichswirtschaftsministerium in einer fehlgeschlagenen, aber dennoch mit deutlicher Zielrichtung veranschlagten Boykottaktion gegen die „verjudete“ Produktenbörse am 1. April 1933 erstmals kanalisiert. Die Verfolgung jüdischer Börsianer fand ihren vorläufigen Höhepunkt in dem offiziell als „Säuberungsaktion“ bezeichneten Makler- und Agentenausschluss vom 31. Oktober 1933, dem insgesamt 87 Landesarchiv Berlin

jüdische Unternehmen im Produktenhandel durch dauer-

Blick von der Empore in einen der drei zur Burgstraße hin gelegenen Börsensäle während der Handelszeit zwischen 12 und 14 Uhr, Aufnahme um 1930. Nach der umfassenden Renovierung der Börse im Winter 1935 war es Schaulustigen, wie davor zuletzt vor 1914, wieder dauerhaft erlaubt, das Börsengebäude über die Empore zu betreten – der Eintritt kostete 50 Pfennig.

haften Zulassungsentzug zum Opfer fielen. Alfred Höxter und Paul Pincus behielten zwar ihre Zulassung, ihr Kundenstamm war durch die Aktion jedoch signifikant verkleinert worden. Neben diesen antisemitisch motivierten Verfolgungsmaßnah­ men führten lenkungswirtschaftliche Maßnahmen des Reichsnährstandes und des Reichswirtschafts­ministeriums zunehmend zu einer Ausdünnung des Börsenhandels. Ein Han­del war nur noch mit massiven Einschränkungen möglich; die Institution Börse wurde in der Folge zunehmend zweckentfremdet und verlor so ihre Markt- und Preisbildungsfunktion. 33


Privatbesitz

Privatbesitz

Grundriss des Börsengebäudes (aus: August Schneider: Führer durch die Börse zu Berlin, Berlin: H.S. Hermann 1926). Der östliche der drei zur Burgstraße hin gelegenen Säle war der Produkten- und Metallhandelssaal. In den Kellergewölben der Börse, den so genannten „Katakomben“, waren bereits 1928 über 450 Fernsprecher zur Abwicklung des Arbitragehandels installiert. Im ersten Stock des Börsengebäudes befand sich der Lesesaal der Börse, der die im Zweiten Weltkrieg verschollene Bibliothek der Berliner Industrie- und Handelskammer mit über 40.000 Bänden beherbergte. Die IHK zu Berlin war seit 1920 Inhaber und Träger der Berliner Börse.

Der Produktensaal als Detailgrundriss (aus: August Schneider: Führer durch die Börse zu Berlin, Berlin: H.S. Hermann 1926). An der Produktenbörse wurden Inlands-, Aus­lands- und Zeitgeschäfte getätigt. Gut zu erkennen ist die Maklerschranke (linke, mittlere Bildhälfte). Innerhalb dieser Schranke standen zur Handelszeit die Kurs­makler, notierten eingehende Ordres und setzten die offiziellen Kurse fest. An den Säulen und an der Saal-Südwand waren die rund 300 Probenkästen installiert, in denen Pro­ben der gehandelten Qualitätsstandards des Getreides verwahrt wurden und deren Begut­ach­tung vor Geschäftsschluss ein unverzichtbares Mittel zur Kontrakt­sicherung war.

Landesarchiv Berlin

Einer der drei zur Burgstraße hin gelegenen Handelssäle nach Börsenschluss, Aufnahme um 1930. Die zu erkennenden Telefonzellen (linke untere Bildhälfte) konnten ebenso wie die Klappsitze und Nischenplätze von den handelsberechtigten Besuchern bei der Börsenverwaltung angemietet werden. An den Säulen im Parterre (Mitte des Bildes) sind die rot-grünen Leuchtsignale für die Kurs­ anzeige zu erkennen.

34


1936 – 1970: Geschäftsaufgabe und Emigration – der Ausweg in eine ungewisse Zukunft Die Beschränkungen jüdischer Unternehmer im Getreidehandel

ihrem Wert veräußert. Am 27. Januar 1937 ließ sich Alfred Höx-

und die veränderten ordnungspolitischen Rahmenbedingungen

ter seine Lebensversicherung auszahlen. Zusammen mit dem bis

des Produktenhandels führten zu einer spürbaren Verminderung

dato angesparten Anteil aus der Teilhaberversicherung von 2.250

des Umsatzes der Firma Alfred Höxter. Ab 1933 verdienten Höx-

Reichsmark reichte die Summe noch nicht aus, um die vom

ter und Pincus weniger als die Hälfte des Einkommens von 1932,

Finanzamt Charlottenburg-West geforderte Reichsfluchtsteuer in

Tendenz weiter fallend. Den beiden Getreidehändlern fiel es auf-

Höhe von 19.500 Reichsmark zu entrichten.

grund des verengten Handlungsspielraums, der ihr Geschäftsfeld seit 1933 charakterisierte, zunehmend schwerer, sich wirtschaftlich zu behaupten.

Nachdem Höxter das Geld aufgebracht hatte, konnte der ehemals so erfolgreiche Getreidehändler mit seiner Familie drei Tage später über London nach Brasilien reisen. Den beruflichen Neuanfang in

Spätestens 1936 muss die Familie Höxter den Entschluss gefasst

der südlichen Hemisphäre resümierte Höxter knapp: „Bei meiner

haben zu emigrieren. Bereits 1935 war Paul Pincus in seiner

Auswanderung nach Brasilien Anfang 1937 war ich bereits 57

Eigenschaft als vereideter Sachverständiger für Getreide von

Jahre alt und hatte große Schwierigkeiten mir hier eine neue Exi-

einem nationalsozialistischen Mitglied der Produktenbörse ange-

stenz aufzubauen. Während der ersten Jahre habe ich hauptsäch-

griffen und bedroht worden. Daraufhin schied er im Februar 1936

lich davon gelebt, dass ich Wertgegenstände und Möbelstücke,

aus dem Unternehmen aus und emigrierte über die Türkei und

die ich mit nach Sao Paolo gebracht hatte, veräußerte. Erst im

Italien nach Argentinien. Im April 1936 zog die Familie Höxter in

Jahre 1945 hat meine Frau ein Geschenkartikelgeschäft eröffnet,

eine Zweieinhalb-Zimmer-­Wohnung in der Clausewitzstraße 5 um.

mit dem wir ein bescheidenes Auskommen haben.“

Die wertvolle Einrichtung aus der ­Pariser Straße wurde weit unter

Henning Medert

Der ehemalige Standort der Berliner Börse heute: Burgstraße 25 / Ecke AnnaLouisa-Karsch-Straße in Berlin-Mitte.

Landesarchiv Berlin

Das Haus mit der Privatwohnung der Familie Höxter in der Pariser Straße 32 in Wilmersdorf, in dem sich von 1930 bis 1936 auch der Sitz des Unternehmens Alfred Höxter befand, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Blick in die zerstörten Börsensäle, Aufnahme vom 5. Oktober 1947. Am 24. Mai 1944 wurde die Berliner Börse durch einen Luftangriff zerstört. Die Ruine des Gebäudes wurde in den 1950er-Jahren vollständig abgerissen. Der Sitz der Berliner Börse wurde nach West-Berlin, in einen Neubau in der Fasanenstraße, verlegt. Ein Parketthandel – wie zu Zeiten Alfred Höxters an der Produktenbörse – existiert dort heute nicht mehr: der elektronische Handel hat diesen überflüssig gemacht. 35


Eiergroß- und Einzel­­handlung Jacobowitz & Co. Das Familienunternehmen Jacobowitz & Co. gehörte zu den vielen alteingesessenen jüdischen Eierhandlungen, die ihren Sitz oft in den kleinbürgerlichen Bezirken Berlins hatten. Nach 1933 war der Eierhandel, dem innerhalb des landwirtschaftlichen Versorgungssektors durch die „Blut und Boden“Ideologie eine Schlüsselrolle zukam, als eine der ersten Berufszweige Angriffspunkt für Neuordnung und „Berufsbereinigung“. Das Jahr 1935 markierte dabei den Höhepunkt eines massiven Verdrängungsprozesses. Auch das Geschäft der Familie Jacobowitz, die seit 1875 im Eierhandel tätig gewesen war, stand wenig später vor dem Aus.

Ein Familienunternehmen aus dem 19. Jahrhundert Die Geschichte des Eierimport- und Großhandels der Familie Jacobowitz reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Der Kaufmann Josef Jacobowitz gründete das Geschäft 1875. Das Geschäfts­lokal befand sich in der Bergmannstraße 16, unweit des Marheinekeplatzes, im Stadtteil Kreuzberg – damals noch Tempelhofer Vorstadt. Im Jahr 1900 wurde es erstmals ins Berliner Handelsregis­ ter eingetragen. Ab 1918 übernahm der Schwiegersohn Albert Schlesinger 55-jährig den Eierhandel, nachdem er in den neun Jahren zuvor mit seiner Familie von Berlin nach Herne in West­ falen gegangen war, um einen eigenen Eiergroß- und Importhandel aufzubauen. Er hatte Bertha Jacobowitz geheiratet, eine der vier

Ansichten dreier Berliner Butter-, Eierbzw. Kolonialwarenhändler – so ähnlich könnte das Ladengeschäft der Familie Jacobowitz in der Kaiserzeit ausgesehen haben. Die beiden Fotografien auf der rechten Seite stammen aus der Zeit um 1910, das untere wurde um 1930 aufgenommen.

Töchter von Lea und Josef, und mit ihr zwei Kinder bekommen: Alfred (geboren 1897) und Klara Erika (geboren 1909). Die Familie lebte auch in der Bergmannstraße 16. Offensichtlich genoss das Geschäft als alteingesessenes Familien­ unternehmen innerhalb der städtischen Branche Respekt und Ansehen und bot ein verhältnismäßig gutes Auskommen, so dass die Familie ein angenehmes Leben führen konnte. Ein Indiz dafür ist, dass sie bereits im Jahr 1913 im Besitz eines Autos war und den Innenhof für eine Garage umgestalten ließ. Zum Umsatz der Gesellschaft existieren lediglich Schätzungen, da deren Buchhaltung im Krieg verloren ging. In den 1950er-Jahren schätzte die Tochter mit Hilfe von früheren Geschäftspartnern den Wert des Unternehmens vor den Jahren der Verfolgung auf 75.000 Reichsmark und nahm einen jährlichen Umsatz von 40.000 Landesarchiv Berlin

Reichsmark an. Die Entschädigungsbehörde ging jedoch – eben-

36

falls nach Absprache mit Vertretern der Branche – von einem weit niedrigeren Wert aus und schätzte das jährliche Einkommen auf 25.000 Reichsmark.


Der Eierhandel nach 1933: Verkauf oder Schließung 1935 musste Albert Schlesinger sein Geschäft aufgeben, da er als Jude zur Eierbörse nicht mehr zugelassen wurde und der komplette Eierhandel an nicht-jüdische Geschäfte übergeben werden musste. Anfang Juli 1937 teilte die Industrie- und Handelskammer dem Amtsgericht Berlin mit, dass der Betrieb am 1. Oktober 1936 endgültig eingestellt worden sei und beantragte die Löschung, die am 28. Juli 1937 in das Handelregister eingetragen wurde. In den 1950er-Jahren gab Klara Erika Werber geb. Jacobowitz zu Protokoll: „Während des über 50-jährigen Bestehens des

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin

Geschäftes genoss die Firma Jacobowitz & Co. ein bedeutendes Ansehen in der Branche und durch die willkürliche Gesetzgebung wurde dieses Geschäft über Nacht vernichtet.“ Ein Mittel der Verdrängung war der Konzessionsentzug, der mittels neuer Vorschriften und Regelungen durchgesetzt wurde. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Gründung der Wirtschaftlichen Vereinigung des Deutschen Eierhandels am 8. März 1934 in Berlin. Für den Bezug ausländischer Eier durch die Eierverwertungsgesellschaft mbH waren von nun

Das Geschäftslokal befand sich in der Bergmannstraße 16 in Kreuzberg. Das Haus war Eigentum der Familie Jacobowitz, die im Dezember 1938 auswanderte. Im April 1944 wurde es von der Gestapo beschlagnahmt. Es dauerte elf Jahre, bis die Rückerstattung und eine einmalige Entschädigung in Höhe von 270,56 DM erfolgte.

an nur noch Mitglieder der Vereinigung zugelassen, zu denen sich jüdische Großhandelsfirmen nicht zählen durften. Die jüdischen Eiergroßhändler waren dadurch gezwungen, von den Mitgliedern der Vereinigung die aussortierte Mangelware aus zweiter Hand zu beziehen und sahen sich wirtschaftlich

Landesarchiv Berlin

Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz

schnell an den Rand gedrängt.

Seit 1934 wurde der Eierhandel einer Fülle von neuen Erlassen und Verordnungen unterworfen. Innerhalb der landwirtschaftlichen Produktpalette kam den Eiern besondere Bedeutung zu, wie eine Aufnahme auf der Grünen Woche aus dem Jahr 1937 zeigt. Musterschaufenster zeugen von dem vom Reichsnährstand ausgehenden „Durchgriff“ bis in den Einzelhandel.

Ähnlich wie im Getreidehandel gab es in der Eierbranche keine Chance zur Entwicklung einer wirksamen Gegenstrategie auf die Repressalien von außen. So markierte das Jahr 1935 den Höhepunkt einer massiven Verkaufswelle, während der viele jüdische Eierhändler – die in der Branche die große Mehrheit stellten – ihre Geschäfte entweder gegen Landesarchiv Berlin

geringes Entgelt zwangsweise an nichtjüdische Kollegen verkaufen oder aber – wie die Familie Jacobowitz – aufgeben mussten. Bereits Ende 1936 war die Verdrängung aus dem Markt abgeschlossen. 37


Auswanderung und Flucht Im Fall der Firma Jacobowitz & Co. bekamen die erwachsenen Kinder die Zeichen der Zeit noch früher zu spüren. Klara Erika Schlesinger wurde ihre Stelle als Stenotypistin beim Reichsverband Deutscher Kaufleute des Kolonialwaren-, Feinkost- und Lebensmittelhandels e.V. bereits im April 1933 aus „zwingenden Gründen“ aufgekündigt. Nachdem sie in Berlin keine neue Anstellung finden konnte, wanderte sie im August 1933 über Wien nach England aus. Ihr Bruder Alfred, bis dato ein aufstrebender Handelskaufmann für Tuchwaren, wanderte ebenfalls im August 1933 nach England aus, nachdem ihm in Berlin die Devisen für den Handel entzogen worden waren. Beide konnten in England wirtschaftlich kaum Fuß fassen. Die Eltern befanden sich nach der Schließung ihres Geschäfts noch in Berlin, fassten Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz

aber spätestens nach dem Schock der Novemberpogrome 1938 den Entschluss, Deutschland auf schnellstem Weg zu verlassen. Bertha und Albert Schlesinger hinterlegten noch hastig in einem Notariat ein mündliches Testament, das ihre Kinder als Erben festsetzte, bevor sie noch im Dezember 1938 mittellos über Holland nach England flüchten konnten, wo ihre Kinder sie dann unterstützten. Zwei der drei Schwestern von Bertha Schlesinger konnten ebenfalls noch rechtzeitig in die Vereinigten Staaten emigrieren. Rachel Rosenthal geb. Jacobowitz wurde am 30. April 1942 im Alter von 66 Jahren zusammen mit ihrem Mann über Theresienstadt nach Zamosce deportiert und ermordet.

Groß angelegte Werbekampagnen für den Genuss von Eiern wie hier im Verbandsorgan Die Deutsche Eier-Wirtschaft sollten unter der Bevölkerung den Verbrauch ankurbeln.

Als Alleinerbin wurde Klara Erika Werber geb. Jacobowitz für den Schaden im beruflichen Fortkommen ihrer Eltern 1963 mit einer Summe von 15.350 DM entschädigt. A nne Paltian

Landesarchiv Berlin

Bar jeder Existenzgrundlage sahen viele Juden die Emigration als letzte Möglichkeit, ihr Überleben zu sichern. Ein Brief von Alfred Schlesinger aus Leads am 31. Januar 1947 an seinen Cousin Max Rosenthal in New York dokumentiert, wie sich die verbleibende Familie mit der Auswanderung in verschiedene Himmelsrichtungen verstreut hatte.

38


Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz

Ostern 1936 macht Der Angriff auf die durchschlagenden „Erfolge“ in der „Marktbereinigung“ des Eierhandels aufmerksam.

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Aufgrund des Entzugs von Konzessionen und der Nicht-Zulassung an der Eierbörse mussten im Jahr 1935  / 36 jüdische Eierhändler ihre Geschäfte entweder schließen oder an nicht-jüdische Konkurrenten weit unter Wert verkaufen. Die Verkaufsanzeigen aus dem 1935 gegründeten linientreuen Verbandsorgan Die Deutsche Eier-Wirtschaft aus den Jahren 1935 und 1936 belegen diese umfassende Besitzübernahme, die nicht nur in Berlin stattfand.

In den Geschäftsräumen der Bergmannstraße 16 in Kreuzberg befindet sich heute eine Weinhandlung. 39


Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Zentrum für Berlin-Studien

Anzeige in der Berliner Morgenpost vom 6. Dezember 1928

Der Kaufmann Hermann Golluber und das Kreditwarenhaus Jonass & Co Berlin war Anfang des 20. Jahrhunderts die Hauptstadt der Warenhäuser. Berühmt waren das KaDeWe von Adolf Jandorf und die Häuser von Hermann Tietz, Wertheim und N. Israel. Neben diesen „Einkaufstempeln“ mit Lichthöfen, Salons und Wintergärten gab es aber auch Kaufhäuser wie das fünf Minuten vom Alexanderplatz gelegene Kreditwarenhaus Jonass & Co, die mit pfiffigen Ideen Kunden warben.

Vom Versandhaushändler zum Millionär Hermann Golluber, am 18. April 1876 in Danzig geboren, gehörte zu einer Kaufmannsfamilie, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin mit Textil- und Modewaren handelte. Mitte der 1920er-Jahre war er ein erfolgreicher Geschäftsmann. Laut Handelsregister war er, mit Partner, Inhaber zweier Firmen, Jonass & Co A.G. und Baugesellschaft Zentrum GmbH. Firmensitz war ein Kaufhaus in der Belle-Alliance-Straße 7–10 (heute Mehringdamm 32–34), Jonass & Co AG, Luxusgüter und Gebrauchtwaren, ein Kreditwarenhaus. Die Geschäfte gingen gut, er expandierte und erwarb 1927 das am Prenzlauer Tor gelegene Grund­stück Lothringer Straße 1 (heute Torstraße 1). Er beauftragte die Architekten Privatbesitz

Gustav Bauer und Siegfried Friedländer mit dem Bau eines zweiten Kaufhauses. Anfang Dezember 1928 wurde das Haus – ein Büro- und Geschäftshaus im Stil der Neuen Sachlichkeit mit Restaurant und Dachgarten im siebten Stock – in unmittelbarer Nähe des Scheunenviertels eröffnet. Die Eigentümer warben, wie schon in der Belle-Alliance-Straße, mit Kaufscheinen und KreDen Kaufschein konnte jeder erwerben, der sich durch zwei Dokumente mit vollständiger Adresse ausweisen konnte. 40

diten – für die mehrheitlich arme Bevölkerung der Spandauer und Rosenthaler Vorstadt ein attraktives Angebot.


Ein Wechsel in der Geschäftsführung ist der Anfang vom Ende Bereits 1932 gehörte Jonass & Co zu den ersten Berliner Warenhäusern, die die Nationalsozialisten für sich beanspruchten. Horst Wessel, der zum Märtyrer der NS-Bewegung stilisiert worden war, war 1930 auf dem, dem Kaufhaus gegen­überliegenden Friedhof begraben worden. Seitdem diente der Friedhof als Schauplatz von Aufmärschen. 1933 planten die Nationalsozialisten dann sehr bald in dem ehemals jüdischen Kaufhaus „im Herzen der Reichshauptstadt, am Horst-Wessel-Platz“ eine Propaganda-Ausstellung. Wenn im Geschäftsbericht für das Jahr 1933 davon die Rede ist, dass die Firma aus wirtschaftlichen Gründen schon im März 1933 den ganzen Geschäfts­betrieb in das verkehrsgünstiger gelegene, für fünf Jahre gemietete Hochhaus Alexan­derplatz 2 verlegte, ist das nur die halbe Wahrheit. In Folge des Boykotts jüdischer Geschäfte im Frühjahr 1933 und den allenthalben an seinem Haus vorbei zum Grab von Horst Wessel pilgernden SA-Truppen, stand Hermann Golluber, dessen Partner bereits im August 1932 verstorben war, bei kontinuierlich sinkenden

Bildarchiv Foto Marburg

Umsätzen unter starkem Druck. Er verzichtete schließlich auf den Standort Lothringer Straße 1 und überließ das seit dem Frühjahr leer stehende Haus dem Propagandaministerium für die avisierte Ausstellung des Bundes Deutscher Osten. Als die Ausstellung „Der Osten – Das deutsche Schicksal“ im Dezember 1933 von Reichs­minister Dr. Wilhelm Frick und

Im Sommer 1930 gingen die Geschäfte – zwei Jahre nach der Eröffnung im Dezember 1928 – noch gut. Vom Restaurant im siebten Stock und der 300 Personen fassenden Dachterrasse 31 Meter über der Straße hatten Besucher einen überwältigenden Blick über die Stadt.

Reichsleiter Alfred Rosenberg eröffnet wurde, war Hermann Golluber bereits nicht mehr im Vorstand des Unternehmens. An seine Stelle traten zwei langjährige Mitarbeiter, Johannes Horn und Else Vogdt, eine Entwicklung, die sich bereits einige

Alexanderplatz, Luftaufnahme 1935

Landesarchiv Berlin

Landesarchiv Berlin

Monate lang angebahnt hatte. Im November 1935 wurde die

Sommer 1938. Seit 1933 befanden sich Kaufhaus und Firmensitz am Alexander­ platz 2. Zum Ende des Jahres wird Hermann Golluber seine Firma und fast sein gesamtes Vermögen verloren haben.

Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Als persönlich haftende Gesellschafter traten erneut Johannes Horn und Else Vogdt auf. Das Berliner Tageblatt kommentierte am 28. November 1935: „Man kann wohl davon ausgehen, dass es sich bei der ganzen Transaktion um die Vorbereitung der Überleitung des Kaufhauses in rein arische Hände handelt.“ 41


Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Zentrum für Berlin-Studien

Werbemotive des Kaufhauses Jonass & Co um 1936

Werbung aus dem Weihnachtskatalog von 1937

42 Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Archiv

Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Archiv


Als Komman­ditist blieb Golluber mit 800.000 Reichsmark an seinem Unternehmen beteiligt. Ein Jahr später übernahm Johannes Horn Gollubers Stelle als Geschäftsführer der Baugesellschaft Zentrum. Beide Firmen standen unter gezielter Beob­achtung der NSDAP. Der Reichsschatzmeister verlangte im Februar 1937 eine „kurzfristige Überlassung der Registerakten in Sachen 1. Baugesellschaft Zentrum GmbH, 2. Jonass & Co KG Berlin“. Bereits einen Monat später wurde die Firma Bau­gesellschaft Zentrum GmbH, der das Grundstück Lothringer Straße 1 gehörte, in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts umgewandelt. Hermann Golluber sah sich gezwungen, Johannes Horn und Else Vogdt als Teilhaber in die Gesellschaft aufzunehmen. Beide waren jetzt mit Bundesarchiv, Berlin, SAPMO Bildarchiv

40 Prozent als neue Besitzer am Grundstück beteiligt. Zu dieser Zeit wurde das Haus Lothringer Straße 1 für drei Jahre von der Reichs­jugendführung der NSDAP gemietet und für rund 1.000 Angestellte räumlich umfassend verändert. Im Mai 1938 verließen Hermann Golluber und sein kurzzeitiger Partner Hugo Halle die GbR, die Firma galt nun nicht mehr als jüdisch. Nach den November­pogromen 1938 fanden Hermann Golluber und seine Frau Rosa eine Weile Schutz bei Margarita von Kudriavtzeff, einer Mitarbeiterin der amerikanischen Botschaft, die ihnen vermutlich das Leben rettete. Im Frühjahr 1939 emigrierten sie in die USA. Hermann Golluber starb dort in New York am 18. August 1939. Johannes Horn war ab 1938 alleiniger Inhaber der Firmen Jonass & Co und Baugesellschaft Zentrum GmbH. Er vermietete das Haus noch im selben Jahr erneut an Nationalsozialisten und verkaufte es 1942 der Reichsjugend­ führung der NSDAP.

Ein Kreditkaufhaus wird Exklusivklub Bundesarchiv, Berlin, SAPMO Bildarchiv

Nach 1945 war das ehemalige Kaufhaus bis 1990 im Besitz der SED und Sitz des Zentralkomitees, des Parteiarchivs und des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Mitte der 1990er-Jahre konnte die Immobilie an die Erben zurück übertragen werden. 2007 verkauften diese das Gebäude an den exklusiven britischen Soho House Club. Das ehemalige Kreditkaufhaus, das Ende der 1920er-Jahre mit Preisnachlass und Krediten eine ärmere Kundschaft umwarb, wirbt heute Pressemitteilungen zufolge mit türkischen Bädern, Fitnessräumen und Nobel­appartements.

Nach 1945 gelangt das Kaufhaus in den Besitz der SED, wird Sitz des Zentralkomitees der Partei und des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Nichts erinnerte an die jüdischen Eigentümer und daran, dass hier der Sitz der Reichsjugendführung der NSDAP war.

U lla Jung

Im Herbst 2009 wird das Haus, das Hermann Golluber bauen lies, wieder eröffnet. In das denkmalgeschützte Haus zieht ein exklusiver internationaler Klub. Im Soho House Berlin sollen sich dann Künstler, Filmschaffende, Medien- und Geschäftsleute treffen. 43


Die Kutschera-Betriebe: Café Wien  und Zigeunerkeller Am Kurfürstendamm, Berlins beliebtester Einkaufs- und Vergnügungsmeile der Zwischenkriegszeit, betrieb Karl Kutschera, Inhaber der gleichnamigen Einzelfirma und Anfang der 1930er-Jahre einer der bekanntesten Gastronomen Berlins, in der Hausnummer 26 das Weinrestaurant Zigeunerkeller und die Konditorei Café Wien, die sich internationalen Rufs erfreuten und beliebte Treffpunkte für das mondäne Berlin waren. Die erfolgreichen Betriebe in prominenter Lage gerieten Mitte der 1930erJahre in den Fokus des von Julius Streicher in Nürnberg herausgegebenen antisemitischen Blattes Der Stürmer. Ein Jahr und mehrere diffamierende Artikel später hatte der Stürmer sein Ziel erreicht: noch bevor die legalistische Grundlage zur systematischen Ausschaltung jüdischer Gewerbetreibender in Kraft trat, hatte das Blatt den Verfolgungsdruck soweit erhöht, dass Kutschera sich Ende 1937 zur Aufgabe gezwungen sah. Um die drohende völlige Schließung des Zigeunerkellers abzuwenden, entschloss Kutschera sich dazu, beide Betriebe anderweitig zu verpachten. Die Betreiberfirma ließ er kurze Zeit später aus dem Handelsregister löschen.

Sensation und Sehenswürdigkeit Karl Kutschera, 1876 in Ungarn geboren, später slowakischer Staatsbürger, war zunächst in Wien in die Lehre gegangen, bevor er im Jahr 1900 nach Berlin kam. Hier betrieb er zunächst ein Café am Kurfürstendamm 209, ehe er 1919 einen neuen gastronomischen Betrieb im Haus Kurfürstendamm 26 eröffnete, welches

Der von Theo Matejko entworfene Geiger war die Werbefigur des Zigeunerkellers.

er kurze Zeit darauf auch käuflich erwarb. Das Gebäude war 1912 als wahrer Vergnügungs­palast erbaut worden: neben einem Kino, welches an die Ufa ­verpachtet worden war, beherbergte es auch ein zweigeschossiges Café mit Billard­zimmer und Kegelbahnen. In diesen prunkvollen Räumen eröffnete Kutschera nun das Café Wien mit dem Flair Wiener Kaffeehauskultur. Der Erfolg des Cafés erlaubte es Kutschera bereits 1929 seinen Betrieb zu erweitern. Zu diesem Zweck ließ er die Kellerräume des Gebäudes ausbauen und eröffnete hier ein Restaurant mit ungarischer Küche und „Zigeunermusik“. Von der zeitgenössischen Presse als Sensation gefeiert, wurde der Zigeunerkeller – so Kutschera selbst – bald ein „weltbekannter Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr“, denn es war der erste gastronomische Betrieb dieser Größe in Berlin, der sich vollständig unterhalb der Straßenebene befand. Kutschera war Anfang der 1930er-Jahre ein angesehener und Stadtarchiv Nürnberg

wohlhabender Mann. Noch 1937 beschäftigte er 154 Angestellte,

44

davon 13 Musiker, der Jahresumsatz betrug eineinhalb Millionen Reichsmark – womit seine Betriebe zu den erfolgreichsten gastronomischen Unternehmen Berlins zählten.


Die zerstörerische Wirkung der antisemitischen Presse Der Kurfürstendamm, der den Ideologen des Nationalsozialismus als Inbegriff kulturellen Verfalls galt, war seit Anfang der 1930er-Jahre wiederholt Schauplatz antisemitischer Übergriffe gewesen. Kutscheras Betriebe, die durch ihre Lage und den Erfolg gleich doppelt exponiert waren, blieben davon nicht verschont. Im Juli 1935, während der sogenannten „Kurfürstendamm-Krawalle“, war es vor dem Café Wien zu Tumulten gekommen, nachdem die Ufa in Kutscheras Kino Landesarchiv Berlin

den schwedischen Film „Petterson & Bendel“ hatte uraufführen lassen. Der Film, der von der nationalsozialistischen Presse als antisemitisch ausgelegt und politisch instrumentalisiert worden war, diente radikalen antisemitischen Parteigängern als Anlass, vermeintlich jüdische Passanten anzugreifen und in die umliegenden Lokale einzudringen. Ein Jahr später, im September 1936, gerieten Kutscheras Lokale als eine der ersten Unternehmen, die in Berlin systematisch und wiederholt angegriffen wurden, in den Fokus des Stürmer, der eine gezielte Kampagne gegen das Café Wien und den Zigeunerkeller lancierte. Die Zeitung meldete „skandalöse“ hygienische Zustände aus dem Café Wien und unterstrich die unwürdigen Arbeitsverhältnisse der AngestellLandesarchiv Berlin

ten. Daraufhin drohte die Baupolizei unter dem Vorwand, der Zigeuner­keller sei „zum dauernden Aufenthalt für Menschen“ nicht mehr geeignet, weswegen er geschlossen werden müsse, Kutschera den Entzug seiner Konzession an. Um

Vor dem Union-Theater am Kurfürstendamm 26, um 1930 oben: Innenansicht des Café Wien. Noch im Mai 1935 plante Kutschera den hinteren Teil des Cafés zu einem Tanzpalast umzubauen. Bereits im September zog er seine Pläne zurück – möglicherweise als Reaktion auf die antisemitischen Ausschreitungen vom Juli 1935.

Landesarchiv Berlin

Privatbesitz

Mit dem Ausbau und der Ausgestaltung des Zigeunerkellers (unten eine Innenansicht) hatte Kutschera den Architekten Max R.B. Abicht, den Karikaturisten A.M. Cay und mit Theo Matejko einen der bekanntesten deutschen Pressezeichner und Illustratoren beauftragt. Matejko entwarf auch die Werbefigur des Zigeunerkellers, einen Geiger, der sich sowohl auf Postkarten als auch über den Eingängen zum Restaurant wiederfand, wie auf einem Bild zu sehen ist, das im Dezember 1937 im Stürmer erschien (siehe linke Seite).

„In der Weltstadt Berlin gibt’s gar alles, auch einen Zigeunerkeller [...]!“ Diese Zeilen sandten Reisende auf einer Werbepostkarte des Zigeunerkellers im August 1936 nach Hause. Dem rückseitig abgedruckten Werbespruch „Beste bürgerliche Küche Berlins“ scheinen die beiden Verfasser nicht zugestimmt zu haben, denn den Superlativ „beste“ strichen sie kurzerhand durch. 45


eine Schließung des Zigeunerkellers zu vermeiden, die einerseits eine Zerstückelung der Betriebe, andererseits erhebliche Umsatzeinbußen bedeutet hätte, entschloss Kutschera sich dazu, die beiden Lokale an die nichtjüdischen Gesellschafter Ernst Krüger und Josef Stüber – letzterer amtierte zu diesem Zeitpunkt als Gaufachuntergruppenleiter der Kaffeehausbesitzer – zu verpachten. Bald darauf prangte über den Eingängen das Schild „Juden unerwünscht“ und der Zigeunerkeller durfte unverändert fortgeführt werden. Es war also nicht ein etwaiger Boykott seiner Gaststätten, der Kutschera zur Aufgabe zwang – seine Firma hatte im Vergleich zum lukrativen Olympia-Vorjahr 1937 sogar noch eine Umsatzsteigerung verzeichnen können –, sondern vielmehr der durch den Stürmer ausgeübte Druck auf städtische Behörden, der maßgebend für seine Verdrängung aus dem Berliner Wirtschaftsleben war. Ob Josef Stüber von der Kampagne des Stürmer nicht nur profitierte, sondern sie womöglich selbst initiiert hatte, um die Übernahme zu beschleunigen, bleibt ungeklärt. Die Familie Kutschera wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert. Während Karl Kutschera und seine zweite Frau Josephine Stadtarchiv Nürnberg

das Konzentrationslager überlebten, wurden ihre beiden gemeinsamen Kinder, Karin und Gerd, in Auschwitz ermordet. Das Ehepaar Kutschera kam im Juni 1945 nach Berlin zurück und konnte, da Josef Stüber kurz nach Kriegsende verstorben war, bereits 1946 den Betrieb des Café Wien – der Zigeunerkeller stand noch

Menschenansammlung vor dem „Stürmer-Kasten“ der Ortsgruppe Luitpold in Berlin-Schöneberg.

unter Wasser – wieder aufnehmen. Auch wenn das Kaffeehaus im genheit anknüpfen konnte, erfreute sich Kutschera nach wie vor hohen Ansehens, wurde gar zum Ehrenvorsitzenden der Berliner Gastwirts­innung ernannt. Karl Kutschera verstarb am 19. Mai 1950, nach seinem Tod führte seine Frau Josephine das Unternehmen bis Anfang der 1970er-Jahre fort.

Bundesarchiv, Berlin

E lisabeth W eber

46

Obwohl die von Julius Streicher in Nürnberg herausgegebene Wochenschrift Der Stürmer bereits seit 1933 reichsweite Geltung beanspruchte, wurde sie erst im Verlauf des Jahres 1935 von einem lokalen zu einem überregionalen Blatt ausgebaut. Im Zuge dieser Expansionspolitik gewann die Reichshauptstadt Berlin für den Stürmer zwangsläufig an Bedeutung. Um Reichweite und Relevanz des Blattes zu vergrößern, setzte der Stürmer einerseits auf die Dauerpräsenz im Stadtbild und bemühte sich deswegen auch in Berlin verstärkt um die Aufstellung von Schaukästen. Andererseits errichtete Streicher 1935 eigens eine Zweigstelle des Stürmer in Berlin, deren Aufgabe eine verbesserte Berichterstattung und Vernetzung vor Ort war. Ergebnis dieser Bemühungen war die Rubrik Berliner Brief, die ab Juli 1936 in regelmäßigen Abständen ortsansässige jüdische Unternehmen diffamierte. Eine der ersten Ausgaben dieser Rubrik war dem Kurfürstendamm gewidmet, der dem Stürmer als besonders jüdisch galt. Hierin wurde auch Kutscheras Café Wien erstmalig angegriffen und als das „Judeneldorado des Kurfürstendamm“ verleumdet.

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin

Berlin der Nachkriegszeit nicht nahtlos an die glanzvolle Vergan-

links: Obwohl im Nachkriegsdeutschland statt heißem Mokka nur preisgünstige Kaltgetränke angeboten werden konnten, war der Vorgarten des Café Wien bereits 1948 wieder gut gefüllt. Das Haus Wien Mitte der 1950er-Jahre. Die Filmbühne Wien, wie das hier untergebrachte Kino nach 1945 hieß, wurde im Jahr 2000 geschlossen. Eröffnet worden war es 1913 mit Max Reinhardts „Insel der Seligen“.


Joseph-Wulf-Mediothek der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin

Die Stürmer-Rubrik Berliner Brief vom September 1936 April 1937

Oktober 1936

Dezember 1937

Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister

Nach der Dritten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. Juni 1938 sollten jüdische Gewerbebetriebe in zentralen Verzeichnissen erfasst werden. Vor diesem Hintergrund erklärte Ernst Krüger, dass er nicht-jüdisch sei.

Das Haus Kurfürstendamm 26 in Charlottenburg heute. 47


Julius Klinger erwarb sich mit seiner „funktionellen Plakat­gestaltung“ internationale Anerkennung. In einem Entwurf von 1911 stellt er die Vorreiterrolle der Schule Reimann dar: Der Maler mit Palette und Pinsel auf dem Amazonenkopf kämpft mit seinen Mitteln für die Ziele der Schule.

Private Kunst- und   Kunstgewerbeschule Reimann Die in Schöneberg gelegene Schule Reimann orientierte sich methodisch an Bauhaus und Werkbund. Sie war auch international hoch angesehen, insbesondere in den Fachrichtungen Modezeichnung, Kostüm- und Textilentwurf und Schaufenster­gestaltung. Ab 1933 versuchten Albert und Clara ­Reimann, die die Schule seit 1902 leiteten, mit vorsichtigen Anpassungsschritten ihr Lebenswerk zu retten, entschlossen sich jedoch 1935 zum Verkauf und emigrierten im Dezember 1938 zu ihrem Sohn nach London.

1902 – 1933: Aufstieg und Blütezeit der Schule Reimann Der 1874 geborene Bildhauer Albert Reimann gründete 1902 in seinem Atelier in der Kreuzberger Ritterstraße die Schülerwerkstätten für Kleinplastik mit 14 Teilnehmern. 1903 zog die

Das Signet der Schule Reimann seit den 1920er-Jahren war das Auge mit Stift und Feder.

stetig wachsende Schule in das Eckhaus Landshuter Straße 38 und Hohenstaufenstraße 41 in Schöneberg, das Reimann später

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Lipperheidesche Kostümbibliothek

kaufte. Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Nach der staatlichen Anerkennung 1905 lautete der Name Schule

Albert Reimann (1874 – 1976) schnitzte in seiner Ausbildung zum Kunsttischler unentwegt „Löwenkopfe, Fruchtkörbe und Ornamente“ und kopierte frühere Stile. Im eigenen Atelier wandte er sich ab 1898 einer funktionalen, dem Jugendstil verwandten Ästhetik zu, die er auch als Pädagoge lehrte. Clara Reimann (1874 – ca. 1956), die Prokuristin der Schule, war Schneiderin und hatte eine Fotografie-Ausbildung absolviert. Sie „erteilte im blauen Empfangszimmer unermüdlich […] jedem einzelnen Schüler“ Rat und Hilfe bei der individuellen Gestaltung des Studiums, wie Maria May, ehemalige Lehrerin und Textildesignerin, später berichtete. Aus: Farbe und Form, Heft 1/1932 48

Reimann. ­Private Kunst- und Kunstgewerbeschule; sie war eine der ersten „Werkstatt-­Schulen“ in Deutschland. Seit 1916 erschien eine Schülerzeitung, ab 1920 unter dem Namen Farbe und Form. Ein großes Geschäft für Produkte der Schule und Künstler­bedarf lag im Erdgeschoss. Zum 25-jährigen Bestehen 1927 zeigte die Schule im Kunstgewerbemuseum eine viel beachtete Ausstellung ihrer Arbeitsergebnisse, die dann zwei Jahre lang durch Deutschland und ab 1930 durch die USA wanderte. Die Zahl der Schüler lag von 1920 bis 1935 bei 500 bis 750, wobei der Anteil ausländischer Schüler im Laufe der Jahre wuchs – und damit die Einnahme von Devisen. Der jährliche Umsatz betrug etwa 400.000, der Gewinn 30.000 Reichsmark. Rund 40 Arbeiter und Angestellte waren beschäftigt. Bis zu 56 Lehrer unterrichteten in 30 Fächern, darunter Gebrauchsgrafik, Theaterdekoration, Metall- und Holzverarbeitung. 1928 kamen Foto- und Filmseminare, 1932 die Reklame-Klasse und das Tonfilmstudio hinzu. Ende 1931 wurde der rund 250.000 Reichsmark teure, dringend benötigte Erweiterungsbau fertig gestellt.

Deutsches Historisches Museum, Berlin

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Die Verbindung von Theorie und handwerklichem Können, von künstlerischer, an den Ideen der Avantgarde ausgerichteter Ausbildung und industrieller Produktion wurde zum Markenzeichen der Schule Reimann, wofür das Kaffee- und Tee-Service von 1932 aus den von Karl Heubler geleiteten Metallwerkstätten in einem Schul-Prospekt von 1935 ein gutes Beispiel ist.


Museen Tempelhof-Schöneberg, Archiv

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

1933 – 1935: Bedrohung und Verkauf Albert Reimann erinnerte sich 1966, dass er noch Mitte 1933 glaubte: „Meine Schule bleibt ein wichtiges Erziehungsmittel. So schlimm kann es nicht kommen.“ Vom 28. September bis zum 5. Oktober 1933 wurde daher die „Leistungsschau der Schule Reimann“ wie geplant durchgeführt. 10.000 Besucher und die Presse reagierten begeistert und anerkennend. Ganz selbstverständlich gingen 800 Reichsmark aus Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

dem Erlös an das Winterhilfswerk.

Das „Reimann-Haus“ in Schöneberg vor und nach dem Umbau (um 1915 bzw. 1932): Das vergrößerte Gebäude bot viel Platz für die Werkstätten und Ateliers (Abbildungen aus: Farbe und Form, Heft 2-3 /1932), so auch für die „Höhere Fachschule für Dekora­ tionskunst“, die viele Jahre im Schöneberger Rathaus untergebracht worden war.

Reimann durfte nach dem Inkrafttreten des Reichskulturkammergesetzes von 22. September 1933 nicht mehr künstlerisch tätig sein. Schulleiter konnte er allerdings bleiben – nun jedoch unter Kontrolle eines „N.S. Betriebsrates“. Anfang 1934 umstellte und besetzte die SA mehrfach das Gelände und hinderte Lehrer und Schüler am Betreten dieser „undeutschen“ Schule. Noch 1935 gab Reimann zwei umfangreiche Werbeprospekte heraus, doch die Entscheidung zum Verkauf fiel im gleichen Jahr. Mit dem am 14. August 1935 einvernehmlich geschlossenen Kaufvertrag erwarb der Architekt Hugo Häring die Schule und das Recht,

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Lipperheidesche Kostümbibliothek

den Namen mit dem „hohen Werbewert“ beizubehalten. Der

Akademie der Künste Berlin, Hugo-Häring-Archiv

Einladung zum Gauklerfest 1928, gestaltet von Helen Ernst. Bekannte Künstler lehrten nebenberuflich an der Schule. Darunter waren der Grafiker Max Hertwig, die Maler Moritz Melzer und Hans Baluschek sowie die Kostümzeichner Anni Offterdinger, Erna Schmidt-Caroll und Kenan.

In Berlin hatte die Bekanntheit der Schule Reimann einen zusätzlichen Grund: die höchst beliebten Reimann-Bälle. Diese Sommer-, Gaukler- und Kostümfeste zogen mehrmals im Jahr tausende Besucher in die größten Säle Berlins wie die Zoo-Festsäle, den Sportpalast, die Grunewald-Rennbahn oder die Kroll-Oper. Darunter waren Stars wie Marlene Dietrich, May Wong und Leni Riefenstahl (oben links). Dekorationen, Kostüme und Festzugswagen wurden in den eigenen Ateliers und Werkstätten entworfen und hergestellt. Aus: Farbe und Form, Heft 2/3 1930 (Fotocollage) und Sonderband 1. April 1927 (Kostüm)

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Hugo Häring (1882  – 1958) gehörte zu der 1926 gegründeten avantgardistischen Architekten­verei­ni­ gung Der Ring und war als ein führender Ver­tre­ter der Stilrichtung Neues Bauen u.a. an der Planung der Berliner „Onkel-Tom-Siedlung“ beteiligt. Auch das waren Gründe für die perma­­nen­ten Angriffe auf die Schule unter seiner Leitung zwischen 1935 und 1943.

Kaufpreis von 250.000 Reichsmark war in Raten aus dem Reingewinn zu zahlen. Häring stellte ab 1936 die Zahlungen wegen angeblich zu niedriger Gewinne teilweise ein. Reimann blieben so nur die Einnahmen aus dem Künstlerbedarfs­ geschäft der Schule, das nicht an Häring übergegangen war. In der Pogromnacht vom November 1938 wurden die Schaufenster des Geschäftes völlig, das Inventar teilweise zerstört. Die Restbestände verkaufte Reimann weit unter Wert. Dieses Erlebnis war der letzte Anstoß zur Emigration. Die Reimanns reisten am 17. Dezember 1938 nach London, um ihren Sohn zu besuchen und kehrten nicht zurück. 49


Joseph-Wulf-Mediothek der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin

Das Schwarze Korps. Zeitung der Schutzstaffeln der NSDAP griff die Schule unter Häring mehrfach an, hier am 25. Februar 1937 wegen des auffälligen, unveränderten Schriftzuges am Gebäude und wegen der angeblich fortbestehenden ökonomischen Abhängigkeit des neuen Besitzers vom „Juden Reimann“.

1935 – 1943: Die Konflikte gehen weiter Der nicht-jüdische Besitzer beschäftigte weiterhin ehemalige Bauhaus-Künstler wie Georg Muche und Walter Peterhans. Außerdem blieb Reimann Eigentümer von Grundstück und Gebäude. Daher sah Häring sich bald heftigen Angriffen ausgesetzt. 1935 beantragte die Reichsfachschaft Deutscher Werbefachleute, die eine eigene Schule plante, die Schließung der Abteilung für

Museen Tempelhof-Schöneberg, Archiv

Schaufenster­gestaltung mit der Begründung, dort würden nicht

Auf Postkarten, Plakaten und Einladungskarten warb Kunst und Werk. Private Schule für Gestaltung bis mindestens 1938 mit den Zusätzen „vormals Schule Reimann“ oder „früher Reimann-Ball“ – der alte Name hatte seine Anziehungskraft offenbar behalten und war gut fürs Geschäft.

die „Grundlagen deutscher Werbung“ gelehrt. Noch bis 1944 gab es einen umfangreichen Schriftverkehr über Inhalte und Wirtschaftlichkeit der Schule und den „Einfluss des Juden Reimann“. Beteiligt waren u.a. das Reichswirtschaftsministerium, der Staatskommissar, der Berliner Oberbürgermeister und die NSDAP. Gerichte, Gläubiger, Anwälte und Gutacher aller Parteien und Zwangsverwalter wurden tätig, die Zwangsversteigerung wurde eingeleitet. Häring begegnete dem Druck mit immer neuen Eingaben über Qualität und Rentabilität der Schule. So beklagte er, dass die erzwungene Ablehnung von 680 „nicht-arischen“

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Lipperheidesche Kostümbibliothek

Schülern bis 1938 den Ausfall von 400.000 Reichsmark an

Heinz Reimann (1902 – 1972) eröffnete am 12. Januar 1937 in London die Reimann School and Studios, die bis zu ihrer kriegsbedingten Schließung 1941 erfolgreich und anerkannt arbeitete. Sie wurde 1944 durch einen Bomben­angriff zerstört und nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut. (Londoner Werbebroschüre) 50

Schulgeldern und damit finanzielle Probleme verursacht habe. Häring versuchte aber auch selbst davon zu profitieren, dass der Verkäufer Jude war, indem er entgegen der Abmachung nur noch sporadisch an Reimann zahlte, mit der fadenscheinigen Begründung, es herrsche nun eine „andere Auffassung über Arisierung“ als zum Zeitpunkt des Kaufs. 1941 ging mit der Ausbürgerung Reimanns sein Immobilien-Eigentum an das Reich über. Am 23. November 1943 zerstörten alliierte Bomben die Schule. Die Reimanns stellten 1946 einen Antrag auf Entschädigung und erhielten schließlich eine geringe Summe. In den 1960er-Jahren kam für Albert Reimann eine Rente von monatlich 600 DM hinzu. Er starb 1976 in London. C hristine Kühnl-Sager


Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

1933 und 1934 spiegelte sich in Inhalt und Gestaltung von Farbe und Form das Bemühen der Schule Reimann, ihre Existenz zu sichern. Der Vorsitzende des „N.S. Betriebsrates“ schrieb Artikel und Aufrufe, z.B. über „Die Schule Reimann und der neue Geist“. Die Verbindung zum deutschen Handwerk wurde gegenüber der bisherigen Zusammenarbeit mit der Industrie hervorgehoben. Die Gestaltung der Zeitung wechselte ständig, bis die „deutsche“ Frakturschrift und eine konventionelle Anordnung von Text und Bildern die Oberhand gewann. Das Heft 4 /1934 war die letzte Ausgabe. Die Zeitung einer unter jüdischer Leitung stehenden Schule wurde offenbar nicht mehr geduldet, ihr Erscheinen kommentarlos eingestellt.

Heute erinnert am ehemaligen Standort in der Landshuter Straße 38 in Schöneberg nichts mehr an die Schule Reimann. 51


Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister

Erstes Firmenlogo in Breslau aus dem Jahre 1921: Unter dem Motto „Die Sonne ist das beste Medikament“ bewarb Ruilos sein naturelles Hausmittel-Heilverfahren. In diesem Sinne verkörperte das Unternehmen die in den 1920erJahren erstarkenden ganzheitlichen Denkansätze von Mensch und Natur, die sich vor allem auf Diskurse in der Neurologie, Psychologie und Philosophie, aber auch auf die Anwendung alternativer Heilmethoden auswirkten.

Ruilos KnoblauchVerwertungs - G. m. b. H. Der promovierte Chemiker Georg Eppenstein, Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma Ruilos, wurde am 21. Juni 1933 – dem ersten Tag der sogenannten „Köpenicker Blutwoche“ – von SAMännern verschleppt und schwer misshandelt. Georg Eppenstein erlag am 3. August 1933 seinen Folterverletzungen. Seine nicht-jüdische Frau führte das Unternehmen an seiner Stelle fort.

Zwischen Finanzkrise und Aufschwung Als   Ruilos-Hausmittel-Heilverfahren-Volksgesellschaft   m.b.H. grün­deten Breslauer Kaufleute und Privatiers am 6. April 1921 eine Kapi­talgesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Firma ging aus dem Ruilos-Vertrieb Wilhelm Riehle hervor. Gegenstand des Unternehmens war die Herstellung und der Vertrieb von chemischen Produkten für medizinische und hygienische Zwecke, von pharmazeutischen Präparaten, Desinfektionsmitteln und Konservierungsstoffen. Anfang 1922 wurde die Firma in Ruilos-Heilverfahren G.m.b.H. umbenannt und der Sitz nach Goldschmieden im Landkreis Breslau verlegt. Trotz der einsetzenden Hyperinflation eröffnete 1923 der Geschäftsführer Wilhelm Riehle eine Zweigniederlassung in Berlin. Kurz darauf siedelte die nunmehrige Ruilos KnoblauchVerwertungs-G.m.b.H. vollständig von Niederschlesien nach Berlin über. Die Hauptniederlassung befand sich jetzt an der Dossestraße in Friedrichshain, das Geschäftslokal an der Lückstraße in Lichtenberg. Auf dem Höhepunkt des Geldwertverfalls im Herbst 1923 stand die Firma kurz vor Ihrer Auflösung. Neuer Firmensitz wurde in dieser Phase die Achenbachstraße 8 (heute SalvaAmtsgericht Charlottenburg, Handelsregister

dor-Allende-Straße) in Köpenick. Das Unternehmen konnte sich

Postkarte der Firma Ruilos mit Sitz in der Achenbachstraße 8 vom 8. Mai 1931. Die Produktpalette reichte vom Saft über Dragées bis zur Creme. Georg Eppenstein entwickelte als Chemiker zahlreiche Patente zur „Knoblauchtherapie“. Laut Marta Eppenstein wurde die Familie deshalb als „Knoblauchjuden“ beschimpft. 52

jedoch von der Finanzkrise erholen und 1925 sein Kapital von nunmehr 6.000 Reichsmark schrittweise auf 58.000 Reichsmark mit weiteren Gesellschaftern erhöhen. Unter ihnen befand sich auch Georg Eppenstein. Ab 1927 zuerst als stellvertretender, dann als ordentlicher Geschäftsführer eingesetzt, steigerte Eppenstein seine Beteiligung von anfangs 10.000 Reichsmark auf 52.000 Reichsmark im Jahre 1930. 1931 zog er mit seiner Familie in die Produktionsstätte an der Achenbachstraße 33 / 35 um. Seine Ehefrau Marta Eppenstein wurde stellvertretende Geschäftsfüh­ rerin der Firma.


1933 – SA-Terror und Ermordung Vor allem in Berlin stellte die SA eine wichtige Stütze der NSBewegung dar. Ohne ihre Gewalt, ständige Präsenz und motorisierte Propagandaunterstützung wäre der Erfolg der NSDAP in der deutschen Hauptstadt undenkbar gewesen. Die hohe Gewaltbilanz brachte der SA einen Bekanntheitsgrad ein, der durchaus auf der Linie des im November 1926 zum Gauleiter bestellten Joseph Goebbels lag: „Man diskutierte über uns, und es blieb dabei nicht aus, daß in der Öffentlichkeit mehr

Der am 7. Dezember 1867 geborene Georg Eppenstein, Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma Ruilos seit 1926 /27, entstammte einer jüdischen Familie aus BerlinNikolassee. Im März 1909 heiratete er Marta Bertram. Im Januar 1910 kam ihre gemeinsame Tochter Elisabeth­Charlotte zur Welt. Zu dieser Zeit war Georg Eppenstein bereits konfessionslos. Seine Tochter wurde gleich ihrer Mutter evangelisch getauft. Nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 galt sie deshalb als „Mischling I. Grades“. Zahlreiche Verwandte von Georg Eppenstein wurden später nach Theresienstadt deportiert, seine Tante Emma Eppenstein 1943 ermordet. Zum Zeitpunkt seines Todes war er 65 Jahre alt. Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick

und mehr danach gefragt wurde, wer wir denn eigentlich seien und was wir wollten.“ Eine gut funktionierende Organisation musste jedoch erst geschaffen werden. Im ersten Jahr ihres Bestehens verzeichnete die Berliner SA gerade einmal 300 Mitglieder. Noch im März 1931 wiesen die Bezirke Treptow und Köpenick jeweils nur einen SA-Sturm auf und bildeten damit das Schlusslicht in Berlin. Im August 1933 betrug die Stärke der Köpenicker SA etwa 900 Mann. Einen Höhepunkt des frühen SA-Terrors in Berlin stellte die „Köpenicker Blutwoche“ dar. Ab dem Vormittag des 21. Juni 1933 begannen Männer des SA-Sturmbanns 15 unter LeiLandesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde

tung von Herbert Gehrke, politische Gegner und Juden zu

links: Passfoto aus dem Ausweis von Marta Eppenstein als anerkanntes „Opfer des Faschismus“, ausgestellt am 1. Oktober 1946.

verhaften. Im Verlauf dieser Aktion schoss ein bedrohtes SPD-Mitglied in Notwehr drei SA-Männer nieder. Die Gewalt eskalierte. Innerhalb der nächsten Tage verschleppten und folterten SA-Männer über 130 Personen, mindestens 23 Menschen starben. Zu den Verschleppten gehörte auch Georg Eppenstein. Seine Frau Marta konnte die Freilassung ihres Mannes aus dem Amtsgerichtsgefängnis Köpenick erwirken: „Ich erschrak, als ich ihn sah. Er war nicht wieder zu erkennen. Die Brille war weg, die Augen, der Kopf zerschlagen, das Nasenbein zertrümmert. Das ganze Gesicht war schwarz. Mein Mann konnte nicht sehen oder hören. Offensichtlich war davon auch Gehrke beeindruckt, denn er sagte mir: ‚Na, fahren Sie Ihren Mann nach Hause.‘ Zu Hause habe ich sofort

Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde

rechts: Passfoto von Elisabeth-Charlotte Eppenstein aus ihrem Ausweis für Verfolgte der nationalsozialistischen Sondergesetzgebung, ausgestellt am 14. März 1947. ElisabethCharlotte Eppenstein konnte als jüdischer „Mischling I. Grades“ ihr begon­ne­nes Medizinstudium nicht beenden und arbeitete nach dem Tode ihres Vaters als stellvertretende Geschäftsführerin in der Firma Ruilos. Von Februar bis April 1944 wurde sie in die Wittenauer Heilanstalten eingewiesen. In den 1950er-Jahren kämpfte sie um ihre Anerkennung als politisch-rassisch Verfolgte (PrV).

Briefkopf der Gesellschaft Ruilos von 1925 mit neuem Firmennamen nach der Übersiedlung von Goldschmieden nach Berlin. Die Produktionsstätte in Köpenick blieb trotz weiterer Verlegungen des Firmensitzes bis zu ihrer Schließung 1950 bestehen.

Schilderung des Tathergangs durch Marta Eppenstein vom 29. Dezember 1950. 53


Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick

Amtsgericht Köpenick am Hohenzollernplatz 5 (heute Mandrellaplatz 6), nach 1945, und Eingang zum Gefängnis mit ursprünglicher Tor- und Hofsituation: Das Amtsgerichtsgefängnis diente ab Mai 1933 als Stabsquartier des SA-Sturmbanns 15 (ab August SAStandarte). In dem als Kapelle genutzten Betsaal setzten SA-Angehörige die Folterungen fort und ermordeten einen Teil der Opfer vor Ort. Die Leichen wurden in Säcke genäht und in der Dahme versenkt. Ein anderer Teil wurde entlassen. Marta Eppenstein erwirkte beim SA-Sturmbannführer Herbert Gehrke persönlich die Freilassung ihres Mannes.

Landesarchiv Berlin

Nachdem die Opfer der „Blutwoche“ in der Dahme versenkt worden waren, inszenierte die SA am 26. Juni 1933 ein Staatsbegräbnis in Berlin-Köpenick. In der ersten Reihe marschieren SA-Sturmbannführer Herbert Gehrke, der Gauleiter von Berlin und Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels, sein Stellvertreter im Gau Berlin Arthur Görlitzer sowie der Chefideologe und Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP Alfred Rosenberg (v.l.n.r.). Der Tod der in Notwehr niedergeschosse­ nen SA-Männer galt als propagandisti­sche Rechtfertigung für den Terror- und Mordfeldzug der Köpenicker SA im Juni 1933. „In Anerkennung seiner Verdienste um die Durchführung der nationalen Revolution“ wurde Herbert Gehrke mit Wirkung vom 1. Juli 1933 zum SA-Obersturmbannführer befördert.

54

Privatbesitz

Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick

Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick

Undatierte Front- und Hinterhofansicht des Restaurants Demuth in der damaligen Elisabethstraße 23 (heute Pohlestraße 13), verwendet im Prozess von 1950. Die Gastwirtschaft der Familie Demuth war seit 1931/ 32 Sitz des SA-Sturmes 2 /15 unter Leitung von Herbert Scharsich. Nur unweit der Achenbachstraße gelegen, diente das Sturmlokal schon vor dem Juni 1933 als Folterstätte für politische Gegner. Im Verlauf der „Köpenicker Blutwoche“ verschleppten Mitglieder des „Demuth-Sturms“ eine von Scharsich vorbestimmte Zahl Inhaftierter auf den Heuboden im Hinterhof. Dort wurden sie martialisch gequält und anschließend in das Amtsgerichtsgefängnis Köpenick überführt. An den Folgen dieser Misshandlungen starben mindestens acht Personen. Unter ihnen befand sich Georg Eppenstein. Zu den beteiligten Haupttätern gehörten Wilhelm Beyer, Gustav Erpel, Fritz Letz und Paul Thermann.


einen Arzt herbeigerufen, und der schüttelte mit dem Kopf und sagte mir nach der Untersuchung, dass mein Mann sofort ins Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister

Krankenhaus müsse. Dies geschah. Dort blieb mein Mann einige Tage mit den furchtbarsten Schmerzen. Dann habe ich ihn wieder nach Hause geholt. Er hat aber immer liegen müssen.“ In der Nacht zum 3. August 1933 verstarb Georg Eppenstein an den Folgen seiner Misshandlungen. Marta und Elisabeth-­ Charlotte Eppenstein übernahmen daraufhin die Gesellschafteranteile und die Geschäftsführung. Aus Furcht vor weiteren Repressalien zogen beide – wie andere Familien auch – 1934 um: zuerst in die damalige Hindersinstraße 5 in Tiergarten und 1935 in die Schlüterstraße 49 in Charlottenburg. Die neue Adresse diente fortan als Geschäftsstelle. Die Fabrik verblieb in Köpenick.

Sterbeurkunde Georg Eppensteins vom 12. September 1933. Eppenstein wurde nach seiner Entlassung aus der SA-Haft zuerst in das Krankenhaus Köpenick, später über mehrere Zwischenstationen in die Charité verbracht. Dort operierte man ihn am 2. August 1933 mit der Diagnose „Intradurales Haematom“, bereits einen Tag darauf erlag er seinen schweren Gehirnblutungen.

1938 und nur wenige Wochen vor dem Novemberpogrom betonte Marta Eppenstein in einer Mitteilung an das Amtsgericht ihren nicht­jüdischen Status als „Arierin“ und rettete damit vermutlich

Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick

die Existenz und das Leben von ihr und ihrer Tochter.

Nachkriegszeit. Die Auflösung der Gesellschaft und der Berliner Hauptprozess zur „Köpenicker Blutwoche“ Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gerieten die Eppensteins erneut in die Räder politischer Systeme. Da sich die Fabrikationsanlagen des Betriebes im Osten Berlins und damit in der sowjetischen Besatzungszone befanden, der Firmen­sitz aber im Westen der Stadt, war eine koordinierte Geschäftsführung nicht mehr möglich. Im Sommer 1950 veranlasste der Magistrat von Berlin (Ost) die Schließung der Produktionsstätte. Mit dem Ablauf

Prozess gegen vormalige SA-Männer der „Köpenicker Blutwoche“ in Berlin (Ost) vom 5. Juni bis 19. Juli 1950. Auf der vorderen Anklagebank sitzen Otto Busdorf, Gustav Erpel und Erich Haller (v.l.n.r.). Der spätere SA-Scharführer Erpel war maßgeblich an den Folterungen von Georg Eppenstein im SA-Lokal Demuth beteiligt. Die 4. große Strafkammer des Landgerichts Berlin (Ost) verurteilte ihn als Hauptschuldigen zum Tode. Gustav Erpel wurde am 20. Februar 1951 in Frankfurt /Oder durch das Fallbeil hingerichtet.

der gesetzlichen Frist zur Neufestsetzung der Kapitalverhältnisse nach dem DM-Bilanzgesetz wurde die Firma zum 31. Dezember 1951 aufgelöst und seitdem in Liquidation geführt. 1957 verstarb Marta Eppenstein im Alter von fast 80 Jahren, 1973 ihre Archiv Heimatmuseum Treptow-Köpenick

Tochter ­Elisabeth-Charlotte. 1971 erfolgte der Abriss von Fabrik und Wohnhaus durch den Neubau des Allende-Viertels. In der Strafsache gegen „Plönzke u.a.“ erhob der Oberstaatsanwalt von Berlin (Ost) Max Berger Anklage gegen 61 vormalige SA-Männer. Herbert Gehrke befand sich nicht unter ihnen, er war am 18. März 1945 in Dirmingen  / Saar gefallen. Das Landgericht Berlin (Ost) verhandelte vom 5. Juni bis 19. Juli 1950 gegen 32 anwesende und 24 abwesende Personen. Bereits vor dem Prozess hatte Marta Eppenstein als Zeugin ausge-

Oberstaatsanwalt Max Berger während seines Plädoyers am 13. Juli 1950 vor dem Landgericht Berlin (Ost) im Prozess gegen die SA-Täter der „Köpenicker Blutwoche“. Rechts an der Wand im Hintergrund ist deutlich das Porträt des getöteten Georg Eppenstein zu erkennen.

sagt. Das Tribunal verurteilte 15 Angeklagte zum Tode, 13 zu lebenslanger Haft und die übrigen Beschuldigten zu Haftstrafen zwischen fünf und 25 Jahren. S tefan H ördler

Ehemaliges Firmengelände der Ruilos-Knoblauch-Verwertungs-G.m.b.H. an der Achenbachstraße 33/35 (heute Salvador-Allende-Straße 43–45). Der Stolperstein wurde 2004 eingeweiht. 55


Theaterkunst GmbH, Berlin

Privatbesitz Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Lieferwagen der Theaterkunst Hermann J. Kaufmann, Innenhof Schwedter Straße 9, vor 1936 links: Ansicht des Industriehauses Schwedter Straße 9, Werbeblatt, um 1911 Entwurf des Grafikers Otto Arpke für das Firmensignet, Anfang der 1920er-Jahre

Das Kostümhaus Theaterkunst Hermann J. Kaufmann In den 1920er-Jahren führte Hermann J. Kaufmann die Theaterkunst zu einem der international erfolgreichsten Ausstattungsunternehmen für Theater und Film. Trotz erheblicher individueller, institutioneller und staatlicher Begehrlichkeiten und Druck sofort nach 1933 konnte Kaufmann die Firma bis 1936 weiter­betreiben. Seit dem Verkauf existiert sie unter dem Namen Theaterkunst GmbH bis heute.

Ein erfolgreicher Weg Noch während des Ersten Weltkrieges übernahm Hermann J. Kaufmann (1877 – 1942) das 1907 gegründete Unternehmen Theaterkunst und ließ es ins Handels­register eintragen. Zweck waren „komplette Theaterausstattungen“. Er spezialisierte sich auf die Herstellung und den Verleih von Kostümen, Sitz war die Deutsche Kinemathek – Marlene Dietrich Collection, Berlin

Deutsche Kinemathek – Marlene Dietrich Collection, Berlin, Foto: M. Lüder

Schwedter Straße 9 im Prenzlauer Berg. Während der Weimarer

Rechnung der Theaterkunst Hermann J. Kaufmann an Marlene Dietrich, 1931

Kimono der Varietésängerin Lola (Marlene Dietrich) aus dem Schwarzweiß-Film Der blaue Engel (D 1931) 56

Republik machte Kaufmann die Theaterkunst zu dem interna­ tional renommiertesten Berliner Kostümunternehmen für Theater und Film. Etwa 360 Personen arbeiteten auf 4.500 Quadratmetern in den Werkstätten, z.B. der Damen- und Herrenschneiderei, der Hut- und Schuhmacherei, der Stickerei und Applizierung, der Sattlerei und Schwertfegerei und im Fundus, der aus historischen und modernen Kostümen sowie Accessoires bestand. Kaufmann investierte nachhaltig in die Werbung. Er ließ ein Firmenlogo entwerfen, publizierte einen Warenkatalog und warb in Inseraten mit seinen Ausstattungen für Berliner Revuetheater und Historien- und Monumentalfilme. Ein besonderer Erfolg war die Ausstattung des Films Ben Hur (USA 1926), der „eine Anerkennung für die gründliche deutsche Art historischer Forschung und handwerklichen Könnens“ darstellte – wie die Fachpresse anmerkte.


Verschiedene Begehrlichkeiten Sofort nach 1933 zeigte sich das besondere Interesse an der Firma Theaterkunst Hermann J. Kaufmann. Von Anfang an übten die Kulturkammern und die Gestapo Druck auf den Inhaber aus, sein Geschäft aufzugeben. Die Filmindustrie schätzte die Theaterkunst als „leistungsfähige und zuverlässig liefernde Firma mit [...] gut eingearbeitetem Personal“. Mit Unterstützung der UFA und des Propagandaministeriums gründete Hermann Stallberg, vermutlich 1895 geboren, seit

Am folgenden Tag pries er in einem Inserat die „erste rein christliche Firma der Branche unter nationalsoz. Leitung“ an, die zudem Heereskleidung, SA- und SS-Ausrüstung herstellte. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Theaterkunst ­Hermann J. Kaufmann weiter. Beide Unternehmen erschienen im Ber-

Deutsche Kinemathek, Berlin

Abbildungen aus dem Warenkatalog des Unternehmens Theaterkunst Hermann J. Kaufmann, vor 1925. Der Katalog präsentiert Kostüme und Kostümteile, vor allem jedoch Waffen und Accessoires. In der Einleitung stellt der Inhaber sein Unternehmen vor und gibt mit Abbildungen einen Einblick in die Arbeits-, Lager- und Empfangsräume sowie die Werkstätten.

1933 die Theaterkunst, Ausstattungs- und Uniformen GmbH.

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Deutsche Kinemathek, Berlin

1932 NSDAP-Mitglied und SA-„Sturmführer“, am 25. April

Werbeinserat der Theaterkunst Hermann J. Kaufmann, in: Das große Bilderbuch des Films, 1926. Der Entwurf stammt von Werner Boehm, der dem Unternehmen von 1923 bis 1965 angehörte und während seiner kontinuierlichen, künstlerischen Arbeit drei verschiedene System- und Besitzerwechsel erlebte.

Inserat zur Übernahme der Theaterkunst Hermann J. Kaufmann durch den NSDAP-Angehörigen Hermann Stallberg, Titelseite des führenden Branchenblattes für Theater Die Deutsche Bühne, 25. Jg., Heft 5 (1933)

liner Adressbuch unter der gleichen Anschrift. Während Stallbergs Firma die Inlandsgeschäfte und den Kundenstamm komplett übernahm, tätigte Kaufmann den Außenhandel. Die Firmen teilten sich die Werkstätten, den Fundus und das Personal. Stallberg scheiterte bereits nach einem halben Jahr. Als Gesellschafter stiegen in das Unternehmen nun Hermann Kaufmanns nicht-jüdische Ehefrau Meta und der langjährige

Deutsche Kinemathek, Berlin

kaufmännische Mitarbeiter Walter Russ ein, der auch die Geschäftsführung übernahm. 1936 kauften der Kaufmann Adolph Nau und der wirtschaftKostümanprobe mit Henny Porten für die Titelrolle im Film Luise, Königin von Preußen, um 1930

lich angeschlagene schwedische Zündholzkonzern Svenska Tändsticks Aktiebolaget (STAB) das Unternehmen. Der 57


Gesellschaftervertrag vom 22. April 1936 regelte den Kaufpreis von 150.000 Reichsmark so, dass 1.000 Reichsmark Nau zahlte und STAB den Rest von 149.000 Reichsmark. Unter dem Namen Theaterkunst GmbH stellte sich die Firma in die Tradition der beiden Unternehmen Theaterkunst Hermann J. ­Kaufmann und Theaterkunst Ausstattungs- und Uniformen GmbH und führte sie zusammen. Als neue Geschäftsführer wurden Nau und Otto Wilhelm Lange ­eingesetzt. Nau (1884 – 1955) war bereits lange Jahre in Leitungsfunktionen für den schwedischen Zündholz­konzern tätig gewesen, der Nau nach internen Umstrukturierungen bei der beruflichen Neuorientierung in der Theaterkunst unterstützte. Der überzeugte Nationalsozialist Lange, geboren 1884, hatte vorher an der Schnittstelle zwischen Kulturverwaltung und Theater­ betrieb gearbeitet. Mit den neuen Geschäftsführern begann eine Konsolidierung des Unternehmens: Das leitende Personal wurde übernommen und sicherte die Kontinuität der qualitativ hochwertigen Arbeit. Das Unternehmen wurde vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda als „kriegswichtig“ eingestuft. Die Aufträge nahmen merklich und stetig zu. Unterhaltungs- und Propagandafilme sowie Theater im Inland und in den besetzten Gebieten wurden mit Kostümen ausgestattet und beliefert. Hermann J. Kaufmann konnte nach Brüssel emigrieren, wo er 1942 vereinsamt und seines Lebenswerkes beraubt starb. Die Theaterkunst GmbH existiert noch heute. Ihr Hauptsitz befindet sich in der Wilmersdorfer Eisenzahnstraße 43  / 44, weitere Filialen gibt es in Hamburg, Köln und München.

Deutsche Kinemathek, Berlin

H eike S tange

Bundesarchiv, Koblenz

Titelseite des Filmkuriers Der Schritt vom Wege (D 1939). Die Verfilmung beruht auf Theodor Fontanes Roman Effi Briest, in der Titelrolle Marianne Hoppe, Regie Gustaf Gründgens.

58

Otto Wilhelm Lange, Foto: Charlotte Willott, 1934. Bereits während der Weimarer Republik vertrat Lange als Leiter der Deutschen Volksoper und Intendant des Deutschen Nationaltheaters am Schiffbauerdamm eine nationalistische Spielplanpolitik. Der überzeugte Nationalsozialist gehörte von 1936 bis 1945 als Geschäftsführer der Theaterkunst GmbH an. Über sein Leben nach 1945 ist nichts bekannt.


Deutsche Kinemathek, Berlin

Das Programm zu dem Propaganda- und antisemitischen Hetzfilm Jud Süß (D 1942). Als beteiligte Ausstattungsunternehmen sind die Theaterkunst GmbH und das Kostümhaus Verch genannt, die die historischen Kostüme zu dem Film anfertigten.

Die Schwedter Straße 9 in Prenzlauer Berg. Die Theaterkunst Hermann J. Kaufmann hatte im Hinterhaus Gewerberäume und Werkstätten gepachtet.

59


Die Gebrüder Eduard und   Max Moses Wassermann Die Lebensgeschichte der Brüder Eduard Elias und Max Moses Wassermann, die im alten Berliner Norden im Lebensmittelgewerbe tätig waren, zeigt auf, welch unterschiedlicher Strategien sich jüdische Unternehmer bedienen konnten, um ihre wirtschaftliche Existenz gegen den nationalsozialistischen Druck bis Ende der 1930er-Jahre zu erhalten. Während der eine als stiller Teilhaber ein Auskommen fand, gelang es dem anderen durch mehrfache Branchenwechsel ökonomisch zu überleben. Ihr Beispiel verdeutlicht allerdings auch, dass gerade durch diesen relativen Erfolg die Auswanderung nicht früh genug als Notwendigkeit gesehen wurde und die verschiedenen Abwehrstrategien schließlich im selben Ergebnis münden konnten: In Deportation und Ermordung.

Aus Tarnow in die Berliner Lebensmittelbranche Die Familie Wassermann stammte aus dem polnischen Tarnow. Eduard Wassermann, geboren 1883, verließ seine Heimat bereits kurz nach der Jahrhundertwende, um in Berlin ein Geflügel­geschäft zu eröffnen. Der seit 1923 im Berliner Handelsregister eingetragene Einzelkaufmann importierte Fleisch – wohl vornehmlich aus Schweden und Jugoslawien – und verkaufte es auf dem Markt in der Wichertstraße, an einem Stand auf dem Zentralviehhof und in einem Geschäft in der Rodenbergstraße 40. Der Laden, den vornehmlich Frau und Tochter führten und der Anfang der 1930erJahre in die Brunnenstraße 71 umzog, wurde in den Sommer­ Foto Aljona Mozorova

monaten zusehends in eine Eiskonditorei umgewandelt. Max Wassermann, Jahrgang 1895, der 1912 in die deutsche Hauptstadt nach­gezogen war, betrieb mit seiner Frau Leonore ein Lebensmittelgeschäft in der Kuglerstraße und aus den Hinterzimmern eine Eier-Engros-Handlung. Der Eierhandel ging so gut, dass der Lebensmittelladen bald geschlossen werden konnte und das Engrosgeschäft 1929 in einen Laden in der Wisbyer Straße 63 umzog. Max importierte die Eier aus Dänemark, Holland und einigen anderen Ländern und veräußerte sie kistenweise an BäckePrivatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

reien und Geschäfte. Außer dem fest angestellten Fahrer, der den

Eduard Wassermann

betriebseigenen Lastwagen fuhr, wurden dabei lediglich Arbeiter zum Warenverladen gebraucht. Max Draber, der seiner jüdischen Frau zuliebe den mosaischen Glauben angenommen hatte, erledigte an einigen Tagen die Buchhaltung. Dass Max Wassermann es durch den Eierhandel – wie auch sein Bruder Eduard – zu einem gewissen Wohlstand gebracht haben muss, bezeugt der Umstand, dass die vierköpfige Familie eine 4½-Zimmer-Wohnung in der neu erbauten Wisbyer Straße 65 bezog und sich ein Hausmädchen leistete.

60


Unterdrückung und Gegenstrategien Für die beiden Brüder verschlechterte sich die Lage Mitte der 1930er-Jahre jedoch zusehends. Ihnen wurde die Import­ erlaubnis für Eier und Fleisch entzogen. Im Dezember 1936 veräußerte Eduard Wassermann sein Geschäft an den NichtJuden Edwin Hansen, blieb aber mit 48 Prozent stiller Teil­ haber und konnte sich so ein gewisses Auskommen sichern. Nachdem Max Wassermann wenig später auch der Handel an der Eierbörse untersagt worden war, musste er sein Geschäft schließen. Obwohl er als beliebt galt, weigerten sich zahlreiche Kunden, die noch offenen Rechnungen bei ihm zu begleichen. Max Wassermann versuchte sich daraufhin im Fleischgroßhandel, musste aber bald aufgeben. Als er kurz Privatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

darauf etwas Geld erbte, gründete er mit einem ebenfalls

Eduard Wassermanns Geflügelgeschäft in der Rodenbergstraße Ende der 1920er-Jahre. Davor stehen seine Tochter Gertrud (Mitte), genannt Trudchen, und das Personal.

jüdischen Teilhaber die Herrenkleiderfabrikation Wassermann & Adler in der Kaiser-Wilhelm-Straße 38 und später in der Münzstraße 15, die er bald alleine weiterführte. Dort wurden vor allem Mäntel und Anzüge hergestellt, die dann en gros an Konfektionsgeschäfte weiterverkauft wurden. Nach der Verwüstung des Ladens während des Novemberpogroms 1938, bei dem auch die Nähmaschinen und Bandsägen zerstört worden waren, versuchte er den Betrieb dennoch weiterzuführen. Erstmals dachte er aber auch an Flucht. Seine Frau Leonora weigerte sich indes, Berlin zu verlassen. Der Streit um die Auswanderung gepaart mit den massiven wirtschaftlichen Probleme strapazierte die Beziehung schließlich der-

Privatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

art, dass sich Leonora 1939 von ihrem Mann scheiden ließ.

Eduard Wassermann samt Frau Klara und den beiden Söhnen Samuel (links) und Alfred, um 1933. Während Samuel Mitte der 1930er-Jahre legal als Student nach Palästina ein­reisen durfte, gelang Klara und Tochter Gertrud 1939 über Mailand die Flucht dort­ hin. Alfred reiste von Mailand aus nach Paris, wo er nach der deutschen Okkupation verschwand.

Privatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

Privatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

Eduard Wassermann hinter seinem Stand auf dem ständigen Markt in der Wichertstraße in Prenzlauer Berg, um 1925

Max Wassermann und seine Frau Leonora, genannt Lotti. Sie wurde wie die gemeinsame Tochter Toni 1941 ins Ghetto von Lodz und anschließend ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert. Einzig der Sohn Bernhard überlebte, nachdem ihm 1938 die illegale Flucht über die Niederlande nach England geglückt war. 61


Privatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

Privatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

Eduard Wassermann – auf dem Kutschbock sitzend – und seine Familie beim Sonntagsausflug

Privatbesitz / Repro Museumsverbund Pankow

Eduard Wassermanns Geschäft in der Brunnenstraße 71, um 1933. Im Winter wurde hier ausschließlich Geflügel und im Sommer auf drei Vierteln der Fläche Eis verkauft.

62

Max und Eduard Wassermann (v.l.) mit Freunden und Verwandten (u.a. ihrem Buchhalter Max Draber, 2. v.r.) beim Ausflug zum Herrentag 1933 / 34.


Tod in Sachsenhausen Die beiden Brüder, die der nationalsozialistischen Repression auf so verschiedene Weisen zu trotzen versucht hatten, ereilte schließlich ein gemeinsames trauriges Ende. Beide waren unter den 534 jüdischen Männern und Jugendlichen mit polnischem Pass, die direkt nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Berlin verhaftet und am 13. September 1939 in das Konzentrations­ lager Sachsenhausen eingeliefert wurden. Dort starben die beiden Brüder 1940, angeblich an Blinddarmerkrankungen. Tatsächlich mussten dem schwer zuckerkranken Eduard Wasser­mann dort beide Beine amputiert werden – ein Eingriff, den er nicht überlebte. Max Wassermann kam über den Tod seines Bruders nicht hinweg und starb einen knappen Monat später ebenfalls. J onas Kreienbaum

Grabstein der Brüder auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee

In der Brunnenstraße 71 in Mitte erinnert heute nichts mehr an das Geschäft von Eduard Wassermann.

Die Wisbyer Straße 63 in Prenzlauer Berg, in der Max Wassermann einst seine Eierhandlung betrieb.

63


Jüdisches Museum Berlin

Butter war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Mangelware. In Folge von Aufrüstung und Autarkiepolitik kam es nach 1935 zu regelrechten Versorgungsengpässen der Bevölkerung, die mit der rhetorischen Frage „Butter oder Kanonen“ von Joseph Goebbels propagandistisch aufgenommen wurde.

Die Gebrüder Weinberger, von links nach rechts: Adolf (1892 – 1967), Hermann (1887  – 1968), Salomon (geb. 1894), Nehemia und Israel Weinberger (geb. 1896). Hermann trat 1930 aus dem Unternehmen aus. Nur Nehemia trat nicht in das Familienunternehmen ein, sondern betrieb in den 1920er-Jahren in der Brunnenstraße 25 ein Schuhgeschäft.

Butterhandlung  Gebr.  Weinberger Die größte Butterhandlung Berlins war den lokalen Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Zwar hielt der Schutz eines ausländischen Konzerns und der polnischen Botschaft die Zerschlagung des Unternehmens einige Zeit auf, doch zeigte sich, dass die jüdischen Unternehmen letztlich keine Chance hatten, wenn sie einmal ins Visier der Verfolger gekommen waren.

Butter ... Die Butterhandlung Gebr. Weinberger entwickelte sich aus einem Lebensmittelgeschäft, das Helene Weinberger 1889 gegründet hatte. In dieses Geschäft heiratete Hermann Weinberger ein und gründete 1912 auch eine Lebensmittel-Engros-Handlung, in die seine Brüder Adolf, Israel und Salomon, die aus dem ­galizischen Gorlice nach Berlin gekommen waren, nach dem Ersten Weltkrieg einstiegen. Das Unternehmen, das in einem stattlichen Gebäude

Privatbesitz

in der Brunnenstraße 188 /190 residierte, stieg Mitte der 1920er-

In einer Werbebroschüre zeigen die Gebr. Weinberger Mitte der 1920er-Jahre stolz die Herstellung und Abfüllung von Griebenschmalz in ihrer eigenen „auf modernster Basis eingerichteten Schmalzsiederei [...] in hygienisch einwandfreier Weise.“ Eine Prüfung dieses Betriebs diente 1935 als willkommener erster Anlass der Verfolgung.

Jahre zur größten Butterhandlung Berlins auf. Es verfügte über eine eigene Butter-, Schmalz- und Fettfabrikation, belieferte rund 8.000 kleine Milch- und Butterhandlungen und betrieb unter der Firma Otto Thürmann auch eine eigene Lebensmitteleinzel­ handelskette. In der Weltwirtschaftskrise kam das Unternehmen, aus dem Hermann Weinberger sich unterdessen wieder zurückgezogen hatte, zwar in Schwierigkeiten, konnte diese aber – u.a. mit Unterstützung des britisch-niederländischen Unilever-Konzerns – überwinden.

64


... und schwere Geschütze Zwar hatten die Gebrüder Weinberger ab 1933 mit Boykotten zu kämpfen, kritisch wurde die Situation für sie aber erst, als der Unilever-Konzern im August 1935 seinen Interessensvertreter zurückzog. Den Startschuss zur Verfolgung gab die Berliner NS-Zeitung Der Angriff. In der Folge kam es zu einem Lieferboykott verschiedener Molkereien und zu einer drastischen Verringerung der Zuteilungen an Fetten und Schmalz. In dieser Situation wandte sich Salomon Weinberger Mitte September 1935 mit einem Hilfegesuch an die polnische Botschaft. Hintergrund war, dass es ihm – im Gegensatz zu seinen Brüdern – gelungen war, die polnische

Jüdisches Museum Berlin

Staatsbürgerschaft zu erlangen, nachdem ihm die deutsche

Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt / M. und Leipzig

Lieferwagen der Gebr. Weinberger. Auf dem Pferdewagen ist der Name einer Butterhandlung und Schmalzfabrikation zu lesen, die Adolf, Israel und Salomon zeitweilig ohne Beteiligung ihres Bruders Hermann geführt hatten.

Anzeigen als Abwehrstrategie: Der Konzern ist im Januar 1934 im Jüdischen Gemeindeblatt für Berlin mit Thürmann Lebensmittel und Weinberger’s Butter gleich zweimal vertreten.

aberkannt worden war. Gleichzeitig verschärfte sich allerdings die Situation im Betrieb dramatisch. Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) hatte nämlich der nicht-jüdischen Konkurrenz angeboten, dass sie in die Kontingente der jüdischen Firma eintreten könnten, wenn sie ihrerseits die nicht-jüdischen Angestellten übernehmen würden. Obwohl die DAF hierzu überhaupt kein Recht hatte, waren einige nicht-jüdische Butter­händler darauf eingegangen. So konnte die DAF nun darangehen, die Mitarbeiter der Gebr. Weinberger zum Verlassen ihrer Stellung zu nötigen. In Folge des massiven Jüdisches Museum Berlin

Drucks, den die DAF ausübte, verließen rund zwei Drittel der

Im Hof der Buttergroßhandlung in der Brunnenstraße 188 /190, ca. 1935. Über 50 Lastwagen bewältigten den innerstädtischen Lieferverkehr. Die Wagen wurden 1936 ohne Einverständnis der Brüder Weinberger zu Schleuderpreisen verkauft.

Belegschaft das Unternehmen. Gleichzeitig wurden die Gebr. Weinberger von der Zuteilung von ausländischer Butter ausgeschlossen. Damit war das Unternehmen vollends von Lieferungen abgeschnitten und rutschte, wie Salomon Weinberger es in einem Brief an die polnische Botschaft ausdrückte, in eine „vegetierende Existenz“. Im Dezember 1935 sahen sich 65


die Brüder gezwungen, die Otto Thürmann GmbH weit unter Wert

Handelsbeschränkungen aus der Inflationszeit – den Brüdern den

an die Otto Reichelt GmbH zu verkaufen.

Handel mit Lebensmitteln und räumte ihnen gleichzeitig eine

Am 6. Februar 1936 schlossen die Brüder einen neuen Gesell-

Frist von drei (sic!) Tagen zur Abwicklung des Geschäfts ein. Wieder intervenierte die polnische Botschaft und konnte bewir-

anteile auf Salomon, der seine polnische Staatsangehörigkeit

ken, dass das Verbots-Verfahren zunächst ausgesetzt wurde. Kaum

beibehalten hatte. Die Brüder hofften also, der Schutz der pol-

war dies geschehen, wurden aber die Brüder am 9. April 1936

nischen Botschaft könne das Unternehmen vielleicht retten. Doch

mit dem Vorwurf des Etikettenschwindels in Untersuchungshaft

noch bevor dies durch Veröffentlichung Rechtswirksamkeit hätte

genommen. Für den Sekretär der polnischen Botschaft hatte es

erlangen können, besiegelte ein Brief des Berliner Polizeipräsi-

nun Priorität, die Brüder aus der Haft zu befreien. Gegenüber dem

denten Helldorf das Ende des Unternehmens. Am 6. März 1936

Auswärtigen Amt argumentierte er Mitte Juni 1936, die Brüder

untersagte Helldorf – auf der Grundlage der Verordnung über

wollten nur noch liquidieren. Man möge ihnen doch keine Steine

Joseph-Wulf-Mediothek der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin

schaftsvertrag ab. Israel und Adolf übertrugen ihre Geschäfts­

66

Der Angriff vom 10. August 1935: Der offizielle Startschuss zur Verfolgung.


mehr in den Weg legen. Nach drei­monatiger Untersuchungshaft akzeptierten die drei Brüder schließlich nach einer nicht-öffentlichen Verhandlung einen relativ gering bemessenen Strafbefehl, der durch die Untersuchungshaft als abgegolten betrachtet wurde. Nach ihrer Entlassung mussten die Brüder feststellen, dass die Büros des Unternehmens vielfach durchsucht worden waren. Die Lager waren geplündert, ein Teil der Maschinen verschwunden. Die Buttergroßhandlung hatte faktisch aufgehört zu existieren. Unter dem Schutz der polnischen Botschaft besorgte Salomon Weinberger vor seiner Emigration noch bis September 1938 die Liquidation des Unternehmens, das am 19. Juni 1939 aus dem Berliner Handelsregister gelöscht wurde. Nur die 1935 in der Not veräußerte Tochtergesellschaft, die Otto Thürmann GmbH, besteht noch heute.

Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen, Berlin

C hristoph Kreutzmüller

Unkommentiert veröffentlicht die Berliner Morgenpost am 12. März 1936 die ebenso hanebüchene wie typische Begründung des Handelsverbots des Berliner Polizeipräsidenten.

Erläuterungen des Finanzbeamten Dr. Edmund Hegel vom 27. Oktober 1936: Im Rahmen einer Betriebsprüfung wurde eine hohe Steuerschuld konstruiert und das Privatvermögen der Gebr. Weinberger gepfändet, um diese weiter unter Druck zu setzen.

Nur unter Zurücklassung des Großteils ihres Vermögens konnten sich Israel und Adolf Weinberger, wie auch später ihr Bruder Salomon, in Sicherheit bringen. Salomons Tochter Judith und Frau Ernestine wurden hingegen im August 1942 ermordet. Der Polizeipräsident benutzte im Anschreiben an Adolf Weinberger nur dessen zweiten Vornamen, Abraham.

Jüdisches Museum Berlin

Die Brunnenstraße 188 /190 in Mitte, in der heute die Senatskulturverwaltung ihren Sitz hat. Im Foyer des Gebäudes wurde 2010 eine Kopie dieses Ausstellungsplakates angebracht.

67


Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Kostüm „Jalta“ aus den Werkstätten der Schule Reimann für einen der legendären Kostümbälle, nach einem Entwurf von Else Taterka. Foto: Yva, in: Farbe und Form, Heft 1/1930

Das Atelier  Yva – Photographie Unter dem Namen Yva wurde Else Ernestine Neuländer seit Mitte der 1920er-Jahre zu einer bekannten und gefragten Mode- und Werbefotografin. Trotz der zunehmenden Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung gelang ihr die Weiterarbeit im Atelier bis 1938. Nach Arbeitsverbot und Zwangsarbeit wurden Yva und ihr Mann Alfred Simon 1942 ins Vernichtungslager Sobibór ­deportiert.

Eine gefragte Mode- und Werbefotografin Während der Weimarer Republik gab es viele bekannte und erfolgreiche Fotografinnen. Im Berliner Westen entstanden zahlreiche von Frauen geleitete Ateliers, z.B. von Frieda G. Riess, Lotte Jacobi, Suse Byk und Elli Marcus. Viele waren auf Porträtfotografie spezialisiert, zu den Kunden gehörte die Prominenz aus Kultur und Gesellschaft. Die 1900 geborene Else Neuländer setzte sich unter dem Namen Yva seit Mitte der 1920er-Jahre als professionelle Fotografin durch. Neben der Akt- und Porträtfotografie galt ihr spezielles, vor allem kommerzielles Interesse der Mode- und Werbefotografie. Eine Besonderheit waren ihre Bildgeschichten bzw. Fotoserien für die Monatszeitschrift Uhu, z.B. „Lieschen Neumann will Karriere machen“, „Die Nächste – bitte...“, „Die

Bundesarchiv, Koblenz

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Sammlung Modebild Lipperheidesche Kostümbibliothek

Karpfenroulade“ oder „Kätchen Lampe, das Mädchen aus Braun-

Charlotte Weidler: „Gott vergisst die Araber nicht“, in: Uhu, Heft 11, August 1932. Der Beitrag berichtet über den Märchenerzähler Abd el Kader. Die Bildlegende verweist bereits 1932 auf die Zusammenarbeit zwischen Weidler und Yva. 68

schweig“. Thema war die moderne „neue“ Frau und die Art und Weise, wie sie ihren Alltag zu bewerkstelligen sucht. Für diese Geschichten engagierte sie Fotomodelle, die aus Spaß und gegen einen Abzug arbeiteten. Das Atelier Yvas befand sich von 1930 bis 1934 in der Bleibtreu­ straße 17, Ecke Mommsenstraße. Dort entstanden zahlreiche der inszenierten Modeaufnahmen. Else Neuländer arbeitete als Auf­ tragsfotografin für die zeitgenössische Presse der Weimarer Republik, u.a. für die Berliner Illustrirte Zeitung, Die Dame und die Elegante Welt. Mit der befreundeten, promovierten Kunsthis­to­rikerin Charlotte Weidler arbeitete sie eng zusammen. Diese fotografierte auf Reisen mit einem ethno­grafischen Blick und veröffentlichte die Aufnahmen mit dem Fotonachweis „Dr. Weidler-Yva“.


Das Atelier als Gegenwelt Seit 1933 war das Atelier Yva von antijüdischen Maßnahmen im NS-Staat betroffen. Die Zeitung Deutsche Nachrichten vom August druckte im gleichen Jahr eine Liste mit Presse­ fotografen, die Juden und Ausländer stigmatisierte. Mit der Errichtung der Reichskulturkammer und dem Schriftleiter­ gesetz wurde jüdischen Fotografen die Arbeit und der existenzielle Erwerb fast unmöglich gemacht. Kontinuierlich wurden Zeitschriften eingestellt, für die Yva gearbeitet hatte, so dass sie wichtige Auftraggeber verlor. Dennoch gelang es dem Atelier bis 1936 Fotografien in der deutschen Presse zu

„Lieschen Neumann will Karriere machen“ – so der Titel einer der charakteristischen Bildgeschichten, die Yva für die Zeitschrift Uhu produzierte, in: Uhu, Heft 6, März 1930

Privatbesitz

Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Sammlung Modebild - Lipperheidesche Kostümbibliothek

veröffentlichen.

Briefkopf Yva Photographie und Presse-Foto Yva. 1936 übernahm die Kunsthistorikerin Charlotte Weidler die Leitung des Ateliers offiziell und verlängerte so Yvas Arbeitsmöglichkeiten. Weidler emigrierte 1939 in die USA und unterstützte befreundete jüdische Künstler und Kunsthändler.

1934 heiratete Else Neuländer Alfred Hermann Simon, geboren 1889, der die kaufmännische Leitung des Ateliers übernahm. Im Frühjahr zogen sie in die Schlüter­straße 45. Dort hatten sie 14 Arbeits- und Wohnräume. Der Dachgarten, Balkone und der Entreebereich mit seiner charakteristischen Treppe dienten als Orte für inszenierte Aufnahmen. Außerdem gab es eine Dunkelkammer, Arbeits- und Büroräume. Zu dieser Zeit hatte Yva etwa zehn Angestellte, u.a. die mit ihr freundschaftlich verbundene Fotografin Elisabeth Röttgers, die von 1932 bis 1936 für den Pressevertrieb zuständig war. Sie charakterisierte ihre Arbeitgeberin als eine Frau mit „eisernem Willen“, hart arbeitend, kompetent und energisch gegen­über den Angestellten, aber auch als durchaus charmant und fröhlich. Helmut Newton und der Neffe William Godwin lernten bei Yva das fotografische Handwerk, Newton 69


Museum Folkwang, Essen, Fotografische Sammlung

Yva mit ihrer Belegschaft auf dem Dachgarten in der Schlüterstraße 45, um 1934, u.a. Elisabeth Röttgers (5. von links), Yva (mit dem Rücken zur Kamera) und ihr Mann Alfred Simon (rechts)

sprach rückblickend von „heiligen Räumen“. Im Laufe der Jahre distanzierten sich einige frühere Modelle von Yva, die nicht mehr für sie, die Jüdin, arbeiten wollten. Als die Repressalien zunahmen, übernahm offiziell Charlotte Weidler (1895 – 1983) das Atelier. Zum Ende des Jahres 1938 musste Yva endgültig schließen. Als sie einer Mitarbeiterin das Zeugnis ausstellte, führte sie die Schließung ihres Betriebes auf die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 12. November 1938 zurück. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Yva – wenn auch unter zunehmend isolierten Bedingungen – ihrer kreativen Arbeit nachgehen und auch Mitarbeiter beschäftigen können.

Nach dem Berufsverbot 1938 nun zog das Ehepaar mehrfach in kleinere Wohnungen um. Die letzte Adresse war in der Bamberger Straße 49, wo die Simons Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin

ein möbliertes Zimmer bewohnten. Im Hamburger Freihafen hat-

Werbung für Creme Mouson, unter der Verwendung von Yvas Abbildungen, ohne Nachweis der Foto­ grafin, in: Die Dame, Heft 10, Mai 1937 70

ten sie 34 Kisten eingelagert – ein Indiz dafür, dass sie zeitweise an eine Emigration dachten. Von Elisabeth Röttgers ist überliefert, dass Alfred Simon jedoch Berlin nicht verlassen wollte. Der Bekanntenkreis schrumpfte, Röttgers hielt den freundschaftlichen Kontakt. Das alltägliche Leben wurde – auch unter den Kriegs­ bedingungen – immer zermürbender. Yva leistete Zwangs­arbeit als Röntgenassistentin im Jüdischen Krankenhaus, ihr Mann als Straßenfeger. Anfang Juni 1942 wurde das Ehepaar von der Gestapo verhaftet und am 13. Juni 1942 ins Vernichtungslager Sobibór deportiert. Das Datum ihrer Ermordung ist nicht bekannt. 1943 – ein Jahr später – verhandelten Speditionsgesellschaften und Oberfinanzprä­si­dium über das Eigentum der Simons, nämlich die im Freihafen eingelagerten Kisten: 13 wurden schließlich versteigert, 21 bei einem Bombenangriff vernichtet. Heike Stange


Sammlung Rissmann, Hotel Bogota, Berlin

Modeaufnahmen im Atelier Yva in der Schlüterstraße 45 (heute Hotel Bogota), 1934 bis 1938. Vier verschiedene örtliche Motive in den Wohn- und Arbeits­räumen nutzte Yva für die Insze­nierungen mit ihren Modemodellen: den Blick aus Fenstern und Türen, den Entreebereich mit der Treppe und die Dachterrasse.

Schlüterstraße 45 in Charlottenburg: Seit 1965 befindet sich hier das Hotel Bogota. Dessen Inhaber, Joachim Rissmann, sammelt Werke von Yva und erinnert an ihre Arbeit und ihre Einflüsse. Seit 2005 gibt es vor dem Hotel zwei Stolpersteine für Yva und ihren Mann Alfred Simon. 71


Privatbesitz

Nissim Zacouto 1932 im Büro seiner Teppichhandlung in der Jägerstraße 61. In den 1920er-Jahren beschäftigte Zacouto hier mehr als zwanzig Mitarbeiter; Ende der 1930er-Jahre immerhin noch zwölf.

Teppichgroßhandlung Nissim Zacouto Der aus alter sephardischer Familie stammende türkische Teppichgroßhändler­Nissim Zacouto genoss in den 1920er-Jahren einen ausgezeichneten Ruf und war nach 1933 als ausländischer Staats­ bürger vor direkten Angriffen geschützt. Da sein Import-Geschäft aber von der Zuteilung von Devisen abhängig war, musste­ Zacouto zunehmend empfindliche Einbußen hinnehmen und emigrierte 1939 nach Frank­reich.

Von Konstantinopel nach Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten sich Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Osmanischen und dem Deutschen Reich im Windschatten der Bagdad-Bahn. Gleichzeitig beflügelte das „Morgenland“ die bürgerliche Phantasie, orientalische Produkte waren folglich en vogue. Vor diesem Hintergrund kam der sechzehn­ jährige Nissim Zacouto erstmals nach Berlin. Hier gelang es ihm, eine Ladung Orientteppiche, die von seinem Vater Isaac, der in Konstantinopel eine Orient­teppich- und Antiquitäten­handlung betrieb, nach Berlin gesandt worden war, innerhalb kürzester Frist

Privatbesitz

und mit großem Gewinn zu verkaufen. Ein Jahr später ließ sich

72

Zacouto dauerhaft in Berlin nieder und trug 1917 eine Teppichhandlung unter seinem Namen in das Handelsregister ein. Das Unternehmen zog aus der Heiliggeiststraße in die exklusive Jäger-

Nissim Zacouto (1892  – 1987) und seine Frau Norma, geb. Eskenazi (1898  – 1997), 1922 in Berlin, vier Tage nach ihrer Hochzeit in Konstantinopel.

straße 61 und konzentrierte sich ganz auf den Großhandel. Es

Nissim Zacouto, stammte aus einer uralten sephar­dischen Familie. Mit seinen Eltern und Geschwistern sprach er Ladino (ein Spanisch des 15. Jahrhunderts, das wie Jiddisch in hebräischen Buchstaben geschrieben wird). Als ältester Sohn der Familie trug er zunächst den Namen seines Großvaters David. Nach einer schweren Krankheit, zu deren Behandlung schließlich sogar ein Wunderrabbi gerufen wurde, erhielt er dann den Namen „Nissim“ (hebr.: Wunder).

Mitte der 1920er-Jahre in weiten Fachkreisen einen hervorra-

gelang Zacouto in Lieferbeziehung zu führenden Warenhäusern und renommierten Spezialgeschäften zu treten. Die Firma genoss genden Ruf. Zacouto wurde Vizepräsident und Interims-Präsident der Türkisch-Deutschen Handelskammer. 1926 wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Teppichschmuggels gegen ihn eingeleitet. Die Beschuldigungen erwiesen sich aber als haltlos und das Verfahren wurde wieder eingestellt. Die sich zur Depression auswachsende Weltwirtschaftskrise führte Anfang der 1930er-Jahre zu einem massiven Rückgang des Handels mit Orientteppichen.


Von Berlin nach Paris Als einer von rund 600 türkischen Staatsbürgern in Berlin war Zacouto nach 1933 zwar im Prinzip vor direkten Übergriffen auf seine Person und sein Unternehmen geschützt – angreifbar war das Unternehmen trotzdem, da es als Importunter­ nehmen Devisen benötigte. Die Reichsmark war seit 1931

Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam

keine konvertible Währung mehr, sondern einem komplexen Verrechnungs- und Zuteilungssystem unterworfen, das von der Reichsbank und den Devisenstellen des jeweiligen Landesfinanz­amtes (ab 1937 als Oberfinanz­präsident firmierend) sehr restriktiv gehandhabt wurde. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens bat das Landesfinanzamt die Industrie- und Handelskammer jeweils, Gutachten über den zu erwartenden volkswirtschaftlichen Nutzen einer Devisen-Zuteilung zu erstellen. Hierbei ließ die Kammer auch einfließen, ob ein

Aktennotiz der Industrie- und Handelskammer: Auf Anfrage teilt die Teppichhandlung Fischer & Wolff am 25. November 1925 mit, „dass die Firma eine der wenigen anständigen türkischen Firmen“ sei.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam

Unternehmen als vertrauenswürdig galt und holte regelmäßig Auskünfte von leitenden Verbandsmitgliedern (ab 1934 / 35 dann den Reichsgruppen) und namhaften Konkurrenzfirmen ein. Im Falle der Firma Zacouto waren die Auskünfte des Bezirksleiters der Reichsfachgruppe für Teppich, Möbelstoffe und Gardinen, Joachim Quantmeyer, von antisemitischen Vorurteilen geprägt. Der Rufmord des „Kollegen“ engte den wirtschaftlichen Spielraum Zacoutos immer weiter ein. Hiergegen versuchte Zacouto zwar anzugehen, hatte damit aber

Privatbesitz

nicht den gewünschten Erfolg.

Letzte Werbung Nissim Zacoutos in der Deutschen Teppichzeitung

Deshalb verlagerte Zacouto seine Aktivitäten einerseits peu Landesarchiv Berlin

à peu ins Ausland: 1933 plante er in der Schweiz oder in

Interieur-Fotos von Marta Huth, um 1930. Modern oder traditionell, Teppiche waren unverzichtbar: Speisezimmer in der Wohnung von Paul Boroscheck in Berlin-Wilmersdorf (Innenarchitekt: Marcel Breuer); Bücherzimmer in der Wohnung von Hans und Marta Huth in Berlin-Schöneberg

Italien eine Zweigniederlassung aufzu­machen,­ ab 1935 / 36 verlegte er aber den Schwerpunkt seiner Tätigkeit nach Frank­reich. Da ihm der Außenhandel erschwert war, betrieb er nun andererseits auch wieder Einzelhandel und warb bis Ende 1938 in der Deutschen Teppichzeitung damit, dass er noch über Vorkriegsteppich-Bestände verfüge. Es liegt auf 73


der Hand, dass auch jüdische Auswanderer einen teuren Buchara

walter – aus Angst vor einer möglichen Beschlagnahme deutschen

oder Schirwan erwarben, um zu versuchen, diesen als einfachen

Eigentums im westlichen Ausland – angewiesen worden waren, die

Läufer ins Ausland zu trans­ferieren. 1939 wanderte schließlich

Betriebe tatsächlich zu treuen Händen zu verwalten und in ihrer

auch Nissim Zacouto mit seiner Familie aus. Sein Berliner Unter-

Substanz zu erhalten. Als Frankreich besetzt worden war, glaubte

nehmen hinterließ er dabei gleichsam als Pfand.

der Verwalter nicht, noch Rücksicht walten lassen zu müssen und

Zacouto gelang es, den Status eines Protégé Spécial Français zu erlangen. Damit galt er im Ausland quasi als französischer

beantragte im März 1941 die Löschung der Teppichhandlung des Nissim Zacouto aus dem Berliner Handelsregister.

Staatsbürger, in Frankreich jedoch als staatenlos. So konnte er

In den 1950er-Jahren überlegte Nissim Zacouto zunächst, sein

einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Vermögens ins Ausland

Berliner Unternehmen wieder aufleben zu lassen. Nachdem

transferieren. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges galt Zacouto

zahl­reiche, für ihn sehr zeit- und kostenintensive Wiedergut-

in Deutschland freilich als feindlicher Staatsangehöriger. Des-

machungsverfahren gescheitert waren, blieb er in Paris, wo er

halb bestellte der Reichskommissar zur Behandlung feindlichen

erneut eine erfolgreiche Teppichhandlung aufbaute. Die Restitu-

Vermögens im März 1940 ­Hermann Hänecke zum Verwalter des

tion des Firmen­­ver­mögens ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht

Unternehmens. Diese Form der Verwaltung bot der Teppichhand-

­abgeschlossen. C hristoph Kreutzmüller, Björn Weigel

Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam

lung aber auch einen gewissen Schutz, weil die deutschen Ver-

Auch für Auslandsreisen mussten die Unternehmer Devisen bei der Devisenstelle des Landesfinanzamtes beantragen und dabei – wie auch hier zu sehen – Abstriche hinnehmen. In Zürich wollte Zacouto seinen Cousin besuchen, der dort eine der größten Teppichhandlungen betrieb. 74


Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam

Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister

In einem Schreiben an den Präsidenten des Landesfinanzamtes kolportiert der IHK-Präsident Karl Gelpcke antisemitische Vorwürfe, ohne Sachverhalt und Hintergründe überprüft zu haben.

Privatbesitz

Handelsregisterakte, Löschung der Unternehmens 1941

1939 emigrierte Zacouto nach Paris, musste 1940 aber vor den deutschen Truppen nach Nizza flüchten. Um dem Zugriff der Gestapo zu entgehen, versteckte er sich 1943 mit seiner Familie bei einer Schulfreundin seiner Frau auf einem Bauern­ hof in den Pyrenäen. Nach der Befreiung Frankreichs kehrten die Zacoutos nach Paris zurück, wo er bis ins hohe Alter eine Teppich­handlung betrieb. Das Foto von Nissim und Norma Zacouto wurde auf dem Balkon des Sohnes Fred 1985 in Paris aufgenommen.

In der historischen Jägerstraße 61 in Mitte und auf den Nachbargrundstücken befindet sich heute das Kaufhaus Galeries Lafayette. 75


Quellen- und Literaturverzeichnis Braun

Höxter

Landesarchiv Berlin: LAB A Rep. 005-07

Amtsgericht Charlottenburg: HR A 90, 51509, 1937

Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes: PAAA R 100033 Berliner Handels-Register. Verzeichnis der in den Amtsgerichtsbezirken Berlin-Mitte, Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Lichterfelde, Neukölln, Pankow, Schöneberg, Spandau, Tempelhof, Wedding und Weißensee wohnenden eingetragenen Einzelfirmen, Gesellschaften und Genossenschaften, 67. Jg. Berlin 1931. Erste Zentralhandelsregisterbeilage zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staats­ anzeiger, Nr. 222 vom 23. September 1938

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam: BLHA, Rep. 70, IHK, Abgabe 2001, ZAS, 208/2 Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde: Entschädigungsakten Nr. 65.058 (Alfred Höxter) und Nr. 69.179 (Paul Pinkus) August Schneider: Führer durch die Börse zu Berlin, Berlin: H.S. Hermann 1926. Hermann Blumenthal: Die Berliner Produktenbörse unter besonderer Berücksichtigung des Getreidehandels, Berlin 1928.

Jüdische Rundschau, Ausgaben vom 4. und 14. Oktober 1938 Privatarchiv John Myer, Seattle Gespräche mit John Myer, Seattle

Jacobowitz Amtsgericht Charlottenburg, HR A 90, 290, 1937

[o.A.]: Berlin unter Streicher-Terror, in: Pariser Tageblatt, Nr. 582 vom 17. Juli 1935, S. 1. M.H. [Kürzel]: Karl Kutschera gestorben, in: Aufbau Nr. 22 vom 2. Juni 1950, S. 17.

Reimann Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam: BLHA Rep. 36 A II, 30842 Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegen­ heiten Berlin, Entschädigungsbehörde: Entschä­ digungsakten Nr. 70.370 (Albert Reimann), Nr. 76.236 (Clara Reimann) und Nr. 278.519 (Heinz Reimann) Landesarchiv Berlin: LAB A Pr.Br. Rep. 057, 674 und 2168; LAB B Rep. 042 Nr. 27072 Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek: Farbe und Form. Jahrgänge 10 (1925) – 19 (1934); Sonderband vom 1. April 1927 (25 Jahre Schule Reimann 1902–1927)

Korrespondenz mit Gustav Oser, Florida

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Bauakte der Bergmannstraße 16

Breslauer

Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem: CAHJP, M2/8801, 1/3075, 243f.

Maria May: Als Besessenheit noch etwas galt. Dem Gedächtnis der Reimann-Schule und ihres Gründers, in: Die Welt vom 10. November 1949.

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde, Entschädigungsakten Nr. 277.365 (Albert Schlesinger) und Nr. 359.758 (Erika Werber)

Albert Reimann: Die Reimann-Schule in Berlin, Berlin 1966.

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kultur­ besitz, Nachlass 307 (Antiquariat Breslauer) Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde: Entschädigungsakte Nr. 53.682 (Margarete Breslauer) Fritz Homeyer: Deutsche Juden als Bibliophilen und Antiquare, Tübingen 1963. Gesellschaft der Bibliophilen (Hg.): Martin Breslauer. Erinnerungen, Aufsätze, Widmungen ; mit einem Vorwort von Hans Fürstenberg, Frankfurt /M. 1966. Bernard H. Breslauer: Martin Bodmer in der Erinnerung eines Antiquars, in: Librarium 30 (1987), S. 2-19. Stefan Elfenbein: Die Schätze des Antiquars, in: Berliner Zeitung vom 8. August 1998, Seite M1. Ernst Fischer: Zerstörung einer Buchkultur. Die Emigration jüdischer Buchsammler aus Deutschland nach 1933 und ihre Folgen, in: Imprimatur – ein Jahrbuch für Bücherfreunde, Juni 2002.

Landesarchiv Berlin: LAB B Rep. 025-02, WGA 3058/50 und WGA 41/49; LAB B Rep. 025-03, WGA 1388-1389/IRSO W. Schefold / F. Küthe (Hg.): Die Neuordnung der deutschen Eierwirtschaft. Die gesetzlichen Vorschriften nebst Erläuterungen, 2. erg. Aufl. Berlin 1934. Die Deutsche Eier-Wirtschaft, Berlin, Jahrgänge 1935  –1940. Wieder „arische“ Ostereier, in: Der Angriff Nr. 85 vom 9. April 1936, S. 11.

Jonass Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister: HR A 90, 96499

Hans M. Wingler (Hg.): Kunstschulreform 1900  –1933, dargestellt vom Bauhaus-Archiv Berlin, Berlin 1977. Swantje Wickenheiser: Die Reimann-Schule in Berlin und London (1902–1943) unter besonderer Berücksichtigung von Mode- und Textilentwurf, Inauguraldissertation Bonn 1993. Sabine Kittel: Kulturelle und religiöse Institu­tio­ nen und Vereinigungen, in: Orte des Erinnerns. Band 2: Jüdisches Leben im Bayerischen Viertel, 2. Aufl., Berlin 1999. Burcu Dogramaci: Fenster zur Welt. Künstlerische Modegrafik der Weimarer Republik aus den Beständen der Kunstbibliothek zu Berlin, in: Jahrbuch der Berliner Museen 2003, S. 202–233.

Ruilos

Deutsches Theater

Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister: HR B 90, 57478

Bundesarchiv, Berlin: BArch R 55, 141, 20104 und 20278

Brandenburgisches Landeshauptarchiv: Rep. 36 A W 384; Rep. 36 A 12136

Archiv Heimatmuseum Köpenick: Nr. 16.41, 16.43, 16.56

Landesarchiv Berlin: LAB A Rep. 252, 2, 7 und 8; LAB A Pr. Br. Rep. 030-05 Tit. 74, Th 2840

Bundesarchiv, Berlin: NS1/ 2446; R 8127, 12540

Alexander Weigel: Das Deutsche Theater. Eine Geschichte in Bildern, Berlin 1999.

Landesarchiv Berlin: LAB B Rep. 078, UH 410

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegen­ heiten Berlin, Entschädigungsbehörde: Entschä­ digungsakten Nr. 1.119 (Georg Eppenstein), Nr. 2.582 (Marta Eppenstein) und Nr. 4.990 (Elisabeth-Charlotte Eppenstein)

Peter W. Marx: Max Reinhardt. Vom bürgerlichen Theater zur metropolitanen Kultur, Tübingen 2006.

Ebro Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister: HR B 50821, 1949 Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, Landesausgleichsamt Berlin; LARoV/LAgl, A 10 BF 15.548 Bundesarchiv, Berlin: B Arch R 8136, 3385

Fröhlich & Pelz Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister: HR A 90, 40707, 1936 Peter Gay: My German Question. Growing Up in Nazi Berlin, New Haven 1998; dt.: Meine deutsche Frage. Jugend in Berlin 1933-1939, München 1999.

76

Berliner Tageblatt vom 5. Dezember 1928 Gustav Bauer/S. Friedländer: Kredit-Warenhaus der Jonass & Co. A.G., Berlin, in: Deutsche Bauzeitung Nr. 48 vom 15. Juni 1929 Völkischer Beobachter vom 14. November und 5. Dezember 1933

Kutschera Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister: HR A 90, 51733, 1938; HR A 90, 97517, 1947 Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, Bau- und Wohnungsaufsichtsamt, Archiv: Akte Kurfürstendamm 26. Central Archive for the History of Jewish People, Jerusalem: CAHJP, HM 2/8806 (RGVA, 721/3161): Undatierter interner Bericht des Central-Vereins über Ausschreitungen vom Juli 1935. Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegen­ heiten Berlin, Entschädigungsbehörde, Entschä­ digungsakten Nr. 309.474 (Karl Kutschera) und Nr. 11.413 (Josefine Hildebrandt, verw. Kutschera) Landesarchiv Berlin: LAB B Rep. 025-04, 207/50; LAB B Rep. 025-05, 5 WGA 4173/50; LAB B Rep. 025-07, 7 WGA 1077/50. Stadtarchiv Nürnberg: E 39, 105/4 (Eingang Zigeunerkeller) und 2246/13 (Stürmerkasten)

Bernt Roder: Illegal nach Holland. Bernhard Wassermann, Wisbyer Straße 65, in: Kulturamt Prenzlauer Berg /Prenzlauer Berg Museum für Heimatgeschichte und Stadtkultur (Hg.): Leben mit der Erinnerung. Jüdische Geschichte in Prenzlauer Berg, Berlin 1997, S. 177–188. Berliner Handels-Register. Verzeichnis der in den Amtsgerichtsbezirken Berlin-Mitte, Charlotten­­burg, Köpenick, Lichtenberg, Lichterfelde, Neu­kölln, Pankow, Schöneberg, Spandau, Tempel­hof, Wedding und Weißensee wohnenden eingetragenen Einzelfirmen, Gesellschaften und Genossenschaften, 67. Jg. Berlin 1931. Erste Zentralhandelsregisterbeilage zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staats­ anzeiger, Nr. 297 vom 21. Dezember 1936, S. 1 und Nr. 168 vom 24. Juli 1937, S. 12 Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen – Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten: Liste der Zugänge am 13. September 1939

The Wiener Library, London: 048-EA-0556

Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, Landesausgleichsamt Berlin; LARoV/LAgl AZ 980511247 R; AZ IV, 2-196/92

Christopher Balme: Die Marke Reinhardt. Theater als modernes Wirtschaftsunternehmen, in: Roland Koberg /Bernd Stegemann/Henrike Thomsen (Hg.): Max Reinhardt und das Deutsche Theater. Texte und Bilder aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums seiner Direktion, 2. Aufl. Berlin 2005, S. 41–49.

Wassermann

Landesarchiv Berlin: LAB C Rep. 105, 21734 (Firma Ruilos); LAB C Rep. 105, 36927 (Restaurant Demuth); LAB C Rep. 300, 4 bis 185 (Prozess Köpenicker Blutwoche); LAB C Rep. 375-01-04, 402 A.16 (Herbert Gehrke); LAB C Rep. 375-01-06, 10157 A.08 (Werner Rothkegel); LAB C Rep. 375-01-06, 10192 A.08 (Herbert Scharsich); LAB C Rep. 375-01-11, 4836 A.15 (Gustav Erpel); LAB F Rep. 290, 59214-59221 (SA Berlin)

Theaterkunst Archiv der Jewish Claims Conference: AZ 119375 Hermann J. Kaufmann Heike Stange: Das Unternehmen Theaterkunst, in: Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen und Museum der Arbeit (Hg.): Filmkostüme! Das Unternehmen Theaterkunst, Bönen 2007, S. 8-23. Heike Stange: Balance zwischen Kunst und Kommerz. Eine quellenkritische Chronik des Kostümhauses „Theaterkunst“, in: Uwe Schaper (Hg.): Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin, Berlin 2007, S. 111-133. Heike Stange: Hermann J. Kaufmann, in: HansMichael Bock (Hg.): CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film, München 2008.

Weinberger Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen, Berlin: Aktensammlung zu Gebr. Weinberger Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin: PAAA R. 100215 Hermann Weinberger & Gebr. Weinberger Firmen­broschüre, Berlin o.D. (1926 /27)

Yva Bundesarchiv, Berlin: BArch BDC RKK/RSK II Charlotte Weidler, 16.4.1895; Bild 183-20050827-301 (Yva); Bild 183-1992-0814-50 (Otto Wilhelm Lange) Ira Buran: Else Neuländer-Simon („Yva“), eine Berliner Fotografin der zwanziger und dreißiger Jahre – Leben und Werk, Berlin 1992 (unveröffentlichte wissenschaftliche Hausarbeit). Marion Beckers, Elisabeth Moortgat: Yva. Photo­ graphien 1925-1938, Berlin 2001. Claudia Marcy (Hg.): Raum für Kunst. Künstlerateliers in Charlottenburg, Berlin 2005.

Zacouto Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister: HR A 91, 94858, 1941 Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam: BLHA, IHK Rep. 70, IHK Berlin, Abgabe 2001, 163/55,6; BLHA, Rep. 36 A II, G 4115 Nissim Zacouto Ingeborg Böer, Ruth Haerkötter und Petra Kappert (Hg.): Türken in Berlin. Eine Metropole in der Erinnerung osmanischer und türkischer Zeitzeugen, Berlin 2002. Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Berlin 2008.

Sämtliche Fotografien ohne Bildrechteangabe stammen von Bettina Kubanek oder Petra Müller (museumsfreunde)


Dank Für die Hilfe bei der Recherche gilt folgenden Institutionen unser Dank: Akademie der Künste Berlin, Archiv Amtsgericht Charlottenburg, Handelsregister Archiv Deutsches Theater, Berlin Autosattlerei Werner Schäfer & Sohn, Berlin Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin Bildarchiv Foto Marburg Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam Bröhan-Museum, Berlin Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen, Berlin Bundesarchiv, Berlin Bundesarchiv, Koblenz The Central Archive for the History of the Jewish People, Jerusalem Centrum Judaicum – Neue Synagoge Berlin Das Verborgene Museum, Berlin Deutsche Kinemathek, Berlin Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt / M. und Leipzig Deutsches Historisches Museum, Berlin Deutsches Technikmuseum Berlin Heimatmuseum Treptow-Köpenick, Gedenkstätte „Köpenicker Blutwoche Juni 1933“, Berlin Jewish Claims Conference, Frankfurt/M. Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen – Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Oranienburg Jüdisches Museum Berlin Kreuzberg Museum, Berlin Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, Entschädigungsbehörde Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen/Landesausgleichsamt Berlin Landesarchiv Berlin Mimi – Textile Antiquitäten, Berlin Museen Tempelhof-Schöneberg, Berlin Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin Museum Folkwang, Essen Museumsverbund Pankow, Berlin Österreichisches Theatermuseum, Wien Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin

Für Rat, Hilfe und Unterstützung bei der Arbeit bedanken wir uns bei: Hannah Ahlheim

Monika Nakath

Michael Albrecht

Benno Nietzel

Lena Bätz

Dagmar Oehler

Ines Bartsch-Huth

Thomas Pavel

Ulrich Baumann

Hans Pfau

Marion Beckers

Ingo Püschel

Gerhard Beiten

Birgit Raabe

Nirit Ben-Joseph

Adelheid Rasche

Armin Bergmann

Frank Reppenhagen

Jürgen Bogdahn

Thomas Richter

Julia Danielczyk

Joachim Rissmann

Klaus Dettmer

Silke Ronneburg

Anne Dudzic

Lisa Roth

Susanne Franke

Hans Rübesame

Monika Fröhlich

Krystyna Schade

Uri Geva

Jan Schleusener

Miriam A. Grese

Wolfgang Schöddert

Ludolf Herbst

Brigitte Schomann

Peter Heuss

Hermann Simon

Gerhard Honigmann

Monika Sommerer

Dietrich Jacob

Roland Startz

Andrea Karst

Maria Stephan

Detlef Krenz

Wolfgang Theis

Sabine Krusen

Thomas Ulbrich

Ursula Kube

Martina Voigt

Anita Kühnel

Jutta Weber

Brigitte Kuhl

Barbara Welker

Veronika Liebau

Bianca Welzing-Bräutigam

Lucia van der Linde

Hanna Wichmann

Ingo Loose

Angelika Winkler-Wulkau

Martin Luchterhandt

Ralf Wohlfeil

Sonja Miltenberger

Peter Woitkowski

Elisabeth Moortgat

Rita Wolters

Aljona Mozorova

Martina Zadrazil

Gaby Müller-Oelrichs

Barbara Zibler

rk-Fotoservice, Wien Sammlung Rissmann, Hotel Bogota, Berlin Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz Stadtarchiv Nürnberg Theaterkunst GmbH, Berlin ullstein bild, Berlin VVN-BdA Köpenick, Berlin Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftenabteilung The Wiener Library, London Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Zentrum für Berlin-Studien

Unser ganz besonderer Dank gilt den Familienangehörigen der jüdischen Unternehmen, die die Angaben aus Archiven ergänzt und uns Material aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung gestellt haben: Rosemary Allsop Katharine Boswell Barbara Dick John Myer Gustav Oser Caroline Robinson Siegbert Weinberger Fred Zacouto sel. A.

77


Impressum Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933 – 1945

Arbeitsgruppe Eva Balz Christine Fischer-Defoy Gerd Herzog Stefan Hördler Ulla Jung Jonas Kreienbaum Christoph Kreutzmüller Bettina Kubanek Christine Kühnl-Sager Henning Medert Petra Müller Kaspar Nürnberg Anne Paltian Monica Puginier Heike Stange Elisabeth Weber Björn Weigel

Ausstellung

Kontakt

Projektleitung Christoph Kreutzmüller Kaspar Nürnberg Gestaltung Bettina Kubanek Petra Müller (museumsfreunde) Bildarchivrecherche Boykott- / Pogromfotos Monica Puginier

Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. Stauffenbergstraße 13 –14 10785 Berlin Tel (030) 26 39 890 -39, Fax -60 www.aktives-museum.de

Begleitbroschüre Herausgeber Christoph Kreutzmüller Kaspar Nürnberg Gestaltung Bettina Kubanek

© 2008 ISBN 978-3-00-026811-3

Die Ausstellung wurde großzügig gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Humboldt-Universität zu Berlin Lehrstuhl für deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert Unter den Linden 6 10099 Berlin www.hu-berlin.de


Profile for Bettina Kubanek

Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945  

Ausstellungskatalog

Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945  

Ausstellungskatalog

Profile for vv_www
Advertisement

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded