TOGGENBURGER JAHRBUCH 2021
Toggenburger Verlag Leseprobe
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Die Herausgabe des Toggenburger Jahrbuchs 2021 wurde ermöglicht durch folgende Firmen und Personen (12er-Klub): Stiftungen: Heberlein-Stiftung für die Förderung gemeinnütziger Werke
Firmen: Wattwil FRITZ SCHIESS AG | Feinschnitt-Stanzwerk | CH-9620 Lichtensteig
Wattwil
Schällibaum AG Ingenieure und Architekten Wattwil
E. Weber AG Strassenbau Hochbau Tiefbau Wattwil
Personen: Fredi Högg, Wattwil Vreni Hüberli, Lichtensteig Peter Ledergerber, Wattwil Bruno Sutter, Lichtensteig Paul Widmer, Bern
Umschlagbild Plakat und Werbepostkarte der Schweizermeisterschaften 1939 in Unterwasser. Toggenburger Museum Lichtensteig.
Toggenburger Jahrbuch 2021 Redaktionsteam Hans Büchler, Wattwil Irène Häne-Ebneter, Kirchberg Anton Heer, Flawil Administration Arthur Lieberherr, Ebnat-Kappel Geschichte/Kultur Barbara Anderegg, Wattwil Albert Holenstein, Jonschwil Bruno Wickli, Neu St. Johann / Wil Paul Widmer, Bern Kunst Annette Bertram-Giezendanner, Wattwil Literatur Peter Weber, Wattwil/Zürich
Toggenburger Verlag
Musik Hermann Ostendarp, Wattwil Natur René Güttinger, Nesslau Chronik Marlis Kaufmann, Wattwil Willy Schönenberger, Gähwil Lektorat Elisabeth Rohner, Zürich
© 2020 Toggenburger Verlag, CH-9103 Schwellbrunn Herstellung Toggenburger Verlag CH-9103 Schwellbrunn ISBN 978-3-908166-90-0 Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
Inhalt
Vorwort 7 Anton Heer Die Anfänge des Skitourismus und der Toggenburger Skiclubverband Hans Büchler
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E-Voting in Kirchberg – ein Erfahrungsbericht Magnus Brändle / Philipp Egger
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Kleine Bühnen, grosse Kunst – auch im Toggenburg Stephan K. Haller
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Reise durchs Toggenburg in meiner Wohnung Hildegard E. Keller
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Die Fritz Schiess AG in Wattwil feiert 100 Jahre Fritz Schiess
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75 Jahre Toggenburger Vereinigung für Heimatkunde Ernst Grob /Anton Heer
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Von Churfürsten zu Churfirsten – Zum Namenwechsel einer Bergkette Clausdieter Schott
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Von der Sorgfalt beim Aufbewahren – 201 Die Journalistin und Autorin Rea Brändle (1953–2019), Neu St. Johann Stefan Howald
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Kreativer und tatkräftiger Einsatz für 207 die Region – Der Unternehmer Peter Kauf (1928–2020), Ebnat-Kappel Michael und Felix Kauf
Das Kapuzinerinnenkloster Maria der Engel Wattwil – der Übergang Claudius Luterbacher-Maineri
Kantonsschule Wattwil – 103 bereit für die nächsten 50 Jahre Ivan Louis / Esther Meier / Ruben Schuler 150 Jahre Toggenburgerbahn 131 Anton Heer Jost Bürgis Progress-Tabulen von 1620 Fritz Staudacher /Anton Heer
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Buchbesprechungen 217 Irène Häne-Ebneter Corona-Pandemie im Toggenburg 222 Marlis Kaufmann / Willy Schönenberger Chronik der Toggenburger Gemeinden 224 Marlis Kaufmann / Willy Schönenberger Die Autorinnen und Autoren
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Vorwort
Nie hätte ich mir träumen lassen, das Vorwort in einer Notstands- und Krisenzeit zu verfassen. Im Laufe weniger Wochen war eine existenzbedrohende Pandemie da, brachte viel Leid und legte ganze Volkswirtschaften lahm. Massiv eingeschränkte Bewegungsfreiheit, physische Distanz auch im engeren persönlichen Umfeld, Verlust des Zeitbegriffs oder vertrauter zeitlicher und örtlicher Strukturen sind die Folgen. Unwirklich – und doch bereits Alltag. Welche Impulse, Zäsuren oder Neuorientierung uns diese weltumspannende Krise letztlich bescheren wird, bleibt offen. Zwei Beiträge aus dem vorliegenden Jahrbuch zeigen beispielhaft die langfristigen Auswirkungen von Impulsen (der andern Art) für die Region Toggenburg und deren Volkswirtschaft. Da sind die innovativen Antworten auf Problemstellungen aus dem Alltag eines Technikers zu bewundern. Fritz Schiess-Forrer legte aufgrund seiner intensiven praktischen und kreativen Auseinandersetzung mit dem Materialverhalten von Metallen den Grundstein für die Feinschnitttechnik. Seine Innovation begründete ein Unternehmen, das nun sein 100-Jahr-Jubiläum feiert, sie blieb weit mehr als eine längst vergessene Episode in der schnelllebigen Welt der Technik. Die vor 150 Jahren eröffnete Toggenburgerbahn brachte dem Thurtal Mobilität – und den Abschied von althergebrachten Distanz- und Zeitbegriffen. Die aus heutiger Sicht bescheiden anmutenden Transportleistungen waren damals für die aufstrebende regionale Volkswirtschaft eine gewichtige Errungenschaft. Zielstrebiges Handeln weitsichtiger Initianten sicherte 1870 den Anschluss an das hochmoderne Eisenbahnnetz und damit an den Welthandel. Die Eisenbahn und die Mobilität der Gegenwart stehen nicht zuletzt auch als Symbole für die Prosperität. Das laufende Jahr 2020 schärft vielleicht die Wahrnehmung für mögliche Impulse und Wendepunkte, deren Tragweiten erst später wahrnehmbar sein werden. Rückblickende Würdigungen sowie ein gewohnt ansprechendes und vielseitiges Potpourri aus der Kulturlandschaft Toggenburg erwartet Sie im Jahrbuch 2021.
Vorwort
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Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, danken wir fĂźr die Treue und damit fĂźr Ihren Beitrag zugunsten der Geschichtsschreibung und der Erinnerungsarbeit in der Region Toggenburg. Anton Heer
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Die Anfänge des Skitourismus und der Toggenburger Skiclubverband Eine Erfolgsgeschichte. 1903 nahm der Skilauf im Toggenburg seinen Anfang. Die Zusatz-Saison war zur Auslastung der touris tischen Infrastrukturen äusserst willkommen. Sportbegeisterte gründeten lokale Skiklubs, die Einheimischen und Gästen – vorwiegend aus dem Raum Winterthur, St. Gallen und Süddeutschland – Kurs-, Renn- und Trainingsgelegenheiten boten. Der Toggenburger Skiclubverband koordinierte und unterstützte diese Bemühungen, deren Auswirkungen in nationalen und inter nationalen Rennen und Springen durch Erfolge einheimischer Spitzenathleten sichtbar wurden. Hans Büchler
Durch die Eröffnung der Toggenburger Bahn Wil–Ebnat im Jahre 1870 wurde das Thurtal mit dem Schienennetz des Mittellandes verknüpft. Das weckte zahlreiche Erwartungen. Die aufstrebende Industrie im mittleren Talabschnitt erhoffte sich günstigere und schnellere Verbindungen nach St. Gallen, Winterthur und Zürich, die vorwiegend ländliche Bevölkerung erwartete, am beginnenden Aufschwung des Fremdenverkehrs in den Alpen teilhaben zu können. Mit geeigneten Massnahmen sollten Fremde ins Tal gelockt und eine touristische Infrastruktur geschaffen werden. Die Touristen kommen
Dieses Ziel hatte sich die wohl nicht zufällig im Jahr der Bahneröffnung gegründete Sektion Toggenburg des Schweizerischen Alpenclubs (SAC) gesetzt. «Das Bestreben unseres Vereins geht dahin, dass nicht bloss unser schönes Alpental, sondern auch die es umgebenden Berge von Fremden aus nah und fern besucht werden», forderte ihr erster Präsident, J. Näf, in seiner Eröffnungsrede. Im Vordergrund der Tätigkeiten stand vorerst nicht das Tourenwesen, sondern der Ausbau leicht begehbarer Wege am Speer und im Alpstein. Bis zum Ende des Jahrhunderts wurden vom oberen Toggenburg ein direkter Weg über den Schafboden zum Säntis und in Zusammenarbeit mit der Sektion
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Säntis SAC der Weg von der Schwägalp zum Säntis erschlossen. Anfänglich betrieb man auch den Unterhalt der Tierwieshütte gemeinsam. Das Churfirstengebiet war bis zum Ende des Jahrhunderts für den Tourismus noch nicht erschlossen. Hier sollten private Klubhütten für den einsetzenden Skitourismus an Bedeutung gewinnen. Die Krise der Buntweberei im unteren und mittleren Toggenburg zwang zur Suche nach neuen Erwerbsquellen. Hier entwickelte sich auch die Idee einer gemeinsamen Organisation zur Ankurbelung des Tourismus. Im obersten Toggenburg, dem heutigen Zentrum des Fremdenverkehrs, bestand damals noch wenig Interesse an solchen Bemühungen. Deshalb gründeten am Tourismus interessierte Lehrer, Pfarrer, Ärzte, Hoteliers und Verkehrsunternehmer im Dezember 1892 in der «Traube» zu Kappel den Verband Toggenburgischer Verkehrsvereine (TTV), dem 14 Vereine zwischen Wil und Wildhaus angehörten. Wichtigste Einrichtung des Verbandes wurde das gemeinsame Verkehrsbüro in Lichtensteig, das Lehrer Carl Gottlieb Würth während 24 Jahren mit grossem Einsatz und Erfolg leitete. Er besorgte die Korrespondenz, die Herausgabe der Publikationen und das Marketing der Hotellerie. Der Verband setzte sich auch für bessere Verbindungen im öffentlichen Verkehr ein, organisierte Extrazüge und forderte den Ausbau von Strassen. Die Verantwortlichen des Verkehrsverbandes setzten nicht auf Luxustourismus, wie er sich in den bereits etablierten Tourismuszentren der Alpen entwickelt hatte. Der immer stärker aufkommende Massentourismus zeigte bessere Marktnischen auf, da auch der Mittelstand und später die Arbeiterschaft Ferien
Werbeheft des Toggenburger Verkehrsverbandes um 1900. Toggenburger Museum Lichten steig (TML).
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zu machen begehrten. Im Gegensatz zur Konkurrenz sollte der Aufenthalt gut und vor allem billig sein. Die Werbung hob zudem hervor, dass «unter den zu ruhiger, erquickender Sommerfrische geeigneten Gegenden der Schweiz das Toggenburg eine der ersten Stellen» einnimmt. Als Zufahrts- und Übergangsgebiet Richtung Alpen diene es Gästen aus dem In- und angrenzenden Ausland als Naherholungsraum. Im gleichen Sinn empfahl man das Toggenburg auch als Ziel von Vereins- und Gruppenreisen. Als Folge der intensiven Werbung entstanden nach 1870 im ganzen Tal Luft- und Molkenkuranstalten. Häufig wurden kleinere Gasthäuser oder ungenutzte Textilbetriebe grosszügig ausgebaut. Die wenigen grossen Hotels reichten nicht aus, um alle Bedürfnisse abzudecken. Der Tourismus für mittlere und untere soziale Schichten verlangte auch nach anderen Unterkunftsmöglichkeiten. Die Voraussetzungen für einen strukturellen Wandlungsprozess waren günstig, da Bauern und Heimarbeiter in besonderem Ausmass an den Folgen der Textilwirtschaftskrise des ausgehenden 19. Jahrhunderts litten. Viele Bauernfamilien traten deshalb für einige Wochen Zimmer an Fremde ab oder bauten ihre auf Landwirtschaft oder Textilindustrie eingerichteten Häuser um. Es ging dabei nicht um einen Zusatzverdienst zum bäuerlichen Einkommen, sondern um die Anpassung an neue wirtschaftliche Anforderungen und die Umstellung auf ein anderes Leben. Hoteliers und Pensionsbesitzer waren bestrebt, die Hauptsaison weit in die Zwischensaisons auszudehnen. Dieses Privatpensionswesen spielte im Toggenburg bis in die 1920er-Jahre hinein eine grosse Rolle. Die Vermarktung und Organisation der Billig-Hotellerie hatte schon kurz nach seiner Gründung der Toggenburger Verkehrsverband übernommen, dessen Verkehrsbüro einerseits für das ganze Hotelwesen warb und anderseits interessierte Gäste an die Privatpensionen weitervermittelte. Während sich das Sommerangebot einer zunehmenden Nachfrage erfreute, blieb der Aufenthalt für Kurgäste im schlecht geheizten Zimmer bei dürftigen Freizeitangeboten in der Wintersaison wenig attraktiv. Noch blieb die Frage offen, ob sich die zum Teil grossen und belastenden Investitionen überhaupt lohnten. Um die Jahrhundertwende war eine bessere Auslastung der Betriebe noch nicht in Sicht.
Werbung des Verkehrsverbandes um 1920 (und wiederholt um 1980). TML.
Die Entdeckung des Winters
Die Nutzung von Ski und Schneeschuhen zur Fortbewegung im Schnee war in Nordeuropa und in den Ostalpen seit Jahrtausenden bekannt. Die sportlichen Einsatzmöglichkeiten von Ski wur-
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Prospekt der Skifabrik Ulrich Forrer in Stein, um 1905. TML.
Forrers Ski, Marke «Säntis».
Eduard Sutters Skifabrikation trug den Namen «Toggenburg» und zeigte die Churfirsten.
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den hingegen erst durch die Berichte über Fritjof Nansens Durchquerung von Grönland im Jahre 1888 allgemein erkannt. Als Geburtsort des Skilaufs in der Schweiz gilt das Glarnerland, wo 1891 Christoph Iselin erste Versuche mit selbst gebastelten Skiern unternahm und später norwegische Skilehrer für Demonstrationen und erste Skikurse engagierte. Schnell folgten in der ganzen Schweiz Skitouren und erste Rennen. Das toggenburgische Skiwesen begann im Winter 1903/04 in Stein, wo Caspar Bohl, Gemeindeammann, Kantonsrat und Bezirksammann, zu den ersten Pionieren gehörte. Sein rund 25 Jahre später verfasster Bericht im Toggenburger Winter-Fremdenblatt 1929/30 ist die einzige bekannte Quelle zu diesem Thema: «Im Herbst 1903 fragte mich der Glarner Bauführer an der Dürrenbachverbauung in Stein, ob ich Lust zum Skifahren habe. Er könne bei einem ‹Bauern-Schreiner› für 5 Franken das Paar Skis in Auftrag geben. Diese bestanden schliesslich aus einem schmalen Brett, kaum 1.50 Meter lang, die Spitze abgerundet und aufgebogen, in der Mitte ein kurzes Brettchen, am vorderen Ende mit einem Scharnier mit dem Ski verbunden. Auf dieses bewegliche Brettchen setzte man den Fuss auf. Über die Schuhspitze (an Stelle der heutigen Backen) spannte ein breiter Lederriemen, der links und rechts am Ski festgenagelt wurde. Um den Absatz herum zog ein dicker Eisendraht, welcher durch Schnüre hochgehalten wurde, die man links und rechts am Eisendraht befestigte und über dem Rist zusammenband. Die ersten Versuch unternahmen wir bei Mondschein mit Hilfe eines Ski-Lehrbuchs und bewältigten bereits sturzfrei eine Strecke von 5 Metern. Als dritten zog ich den Schreiner Forrer, meinen Schwager, ins Vertrauen, der zwei Tage später mit selbstgefertigten Skis mitwirkte. Das war die Geburtsstunde der Skifabrik Forrer in
Stein. Beim nächsten Mondwechsel war bereits ein halbes Dutzend Skifahrer unterwegs und in weiteren Mondnächten wurde fleissig geübt. Schwierigkeiten bereitete insbesondere der lange und dicke Stock, der beim Abfahren mit beiden Händen waagrecht nach vorne gehalten werden musste. Dieser wurde zum Bremsen seitwärts eingehakt und bewirkte ein langsames Anhalten und meist folgte ein Sturz. Ein halbes Dutzend Mutige wagten schliesslich bei Tag, vom Häderenberg mit ungezählten Purzelbäumen nach Stein abzufahren. Hier erwarteten uns höhnisches Gelächter, Beschimpfungen und selbst Drohungen.» Im folgenden Winter 1904/05 hatte Forrer bereits nach einem anderen Modell eigene Ski mit einer Sohlenkappenbindung (Balata-Bindung) hergestellt. Die abwehrende Haltung im Dorf begann sich zu wandeln. Junge Bauern brachten mit den Ski die Milch ins Dorf oder stiegen zu Kontrollgängen hinauf zu den Alpen. Schüler kamen nun dank den Ski regelmässig und mit Spass zur Schule.
Caspar Bohl bei ersten Skiver suchen in Stein, um 1904. TML.
Skifahrer in der Frühzeit mit nur einem «Balance- und Brems stock» über dem Dorf Wildhaus, um 1910. Foto: Emil Knuchel, Wildhaus. TML.
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Tourenfahrer im Obertoggenburg, um 1916. Foto: Emil Knuchel, Wildhaus. TML. Skijöring bei Starkenbach, um 1910. Unbekannter Fotograf. TML.
Im Herbst 1905 wurde der Skiclub Stein «zum Zweck der Förderung und Hebung des Skifahrwesens in unserer Gegend sowie zur Pflege gesunder Leibesübungen» gegründet. Für Interessierte bot man vom 18. bis 20. Januar 1906 einen ersten Skikurs an, der sich zu einem Ereignis für das ganze Toggenburg entwickelte. Zur Begrüssung der sieben (!) Teilnehmer am Vorabend – am Tag der Einführung der elektrischen Beleuchtung – wurden nebst den Klubmitgliedern auch die Musikgesellschaft, der Gemischte Chor und der Männerchor aufgeboten: der erste toggenburgische Skiball. Das Skikursprogramm wurde zum Vorbild für die folgenden Kurse in allen «Skidörfern»: 1. Tag: Abfahrtsübungen mit Erholungspausen im «Ochsen» und «Anker» Abend: Tanz 2. Tag: Schwünge, Sprünge Mittag: Skijöring (Skifahrer lässt sich von einem Pferd ziehen, siehe Foto) nach Nesslau Abend: Tanz 3. Tag: Skidemonstration vor Zuschauern Abend: Tanz Am Skikurs im folgenden Winter nahmen bereits 19 Personen teil. Er wurde mit einem Rennen über 6 Kilometer und einem Springen von der Zwei-Meter-Schanze abgeschlossen. Zum Sieg reichten 47 Minuten bzw. 9,5 Meter. Der dritte Skikurs 1907/08 zählte schon 57 Teilnehmer, unter ihnen 6 Damen. Die besten Teilnehmer dienten als Hilfslehrer.
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Im gleichen Winter fand der erste Militär-Skikurs unter dem Kommando des St. Galler Majors Paul Armbruster statt. 36 Offiziere und Unteroffiziere nahmen teil, und zur Schlussinspektion erschien auch der Vorsteher des sankt-gallischen Militärdepartementes. In den folgenden Jahren folgten private und militärische Kurse neben- und hintereinander mit 50 bis 70 Teilnehmern. Viele von ihnen kamen während des Aktivdienstes im Ersten Weltkrieg als Ski-Instruktoren zum Einsatz und schufen so jenes Potenzial von Skibegeisterten, das nach dem Krieg den Weg ins Naherholungsgebiet Toggenburg suchte. Die Ski nach dem Vorbild norwegischer Modelle wurden ab 1905 von Schreiner Ulrich Forrers Skifabrik in Stein unter dem Namen «Säntis» hergestellt. Zum Sortiment kamen die bekannten Davoser Schlitten und ein selbstkonstruierter Lenkschlitten (Bobsleigh) hinzu. Der Umsatz stieg rasch an, und bald waren die «Säntis»-Ski weit über das Toggenburg hinaus bekannt. Ab 1906 produzierte und vermietete auch Eduard Sutter in seiner Wagnerei in Alt St. Johann nebst Böcken, Schlitten und Brücken für Einachser einen Ski unter dem Namen «Toggenburg». Mit der Verlagerung des Skiwesens von Stein ins oberste Toggenburg
Militärskikurs an den Schnee hängen über Stein. Foto: Emil Knuchel, Wildhaus. TML. Abschlussfoto des Militärskikurses 1910 vor dem «Ochsen» in Stein. Foto: Emil Knuchel, Wildhaus. TML. Skifabrikant Forrer in seiner Werk statt in Stein. Unbekannt, TML. Skibob aus den Werkstätten von Forrer oder Sutter. Foto: Emil Knuchel, Wildhaus. TML.
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wurden auch Sutters industriell gefertigte Bretter immer be liebter. Weitere Gründungen von Skiklubs in Wildhaus, Unterwasser, Alt St. Johann und Nesslau folgten im Winter 1908/09. Auch sie boten Skikurse an. Diese waren eher für Einheimische gedacht und zogen meist am Tourismus interessierte Wirte, Hoteliers und Mitglieder der Verkehrsvereine an. Meist war es ihre Aufgabe, die erworbenen Kenntnisse zu verbreiten und in ihren Dörfern den Wintersport anzukurbeln. Wintersport im Toggenburg wurde so in kurzer Zeit zum Begriff. Lehrer nahmen die Gelegenheit wahr, ihren Turnunterricht mit dem neuen Sport attraktiver zu machen. Die Skiklubs ergänzten ihr Angebot mit Skirennen, Jugendwettkämpfen und Skitouren. Sprungschanzen wurden aufgebaut und Skihütten eingerichtet. Die Gründung des Toggenburger Skiclubverbands
Das obere Toggenburg war aus dem Winterschlaf erwacht. Während die Entwicklung des Toggenburgs zu einer Sommerkurlandschaft recht zähflüssig angelaufen war und ein intensiver Aufwand für die Werbung betrieben wurde, erlebte der Wintertourismus einen schnellen Aufschwung. Das lag an der idealen Landschaft mit ihren vielseitigen Skifeldern und abwechslungsreichen, aber leichten Touren. Der Wintertourismus konnte von den Strukturen des Billigtourismus profitieren, denn im Winter kamen anfangs vor allem am Sport und nicht am Luxus interessierte Gäste. Solchen Ansprüchen konnte das Toggenburg dank seinen moderaten Preisen und der für Tages- und Wochenendtouristen verkehrsgünstigen Lage gerecht werden. Die Wintersportwerbung des Tourismusverbandes versprach anfänglich ideale Skigebiete im ganzen Toggenburg von Wil bis Wildhaus. Beliebte Skitouren führten auf den Regelstein, den Tanzboden, den Köbelisberg, die Wolzenalp oder auf den Stockberg. Die Dorfgemeinschaften im oberen Toggenburg aber reagierten rasch mit eigener Werbung. Der Wintersport brachte bereits nach 1908 eine erkennbare Abnahme von saisonalen Schwankungen. Die Gewinne der Hotels stiegen, und das einheimische Personal konnte während des ganzen Jahres beschäftigt werden. Um auch ausserhalb der Region bekannt zu werden, traten die Skiklubs als Sektion dem Schweizerischen Ski-Verband bei und nutzten die Mitgliedschaft für die Werbung. «Den zahlreichen in neuester Zeit entstandenen Sportplätzen der Schweiz schliesst sich mit Beginn bevorstehenden Winters (1908/09) ein neuer an, der berufen zu sein
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scheint, sich in kurzer Zeit zu einer bedeutenden Station regen Wintersportes zu entwickeln … Mit Recht ist deshalb der Wunsch geäussert worden, es möchten auch Wintergästen durch Veranstaltung von Skikursen die Pforten geöffnet werden, und der Skiclub Alt St. Johann, Sektion des Schweizerischen Skiverbandes, hat sich an die Lösung dieser Aufgabe gemacht. Die sonnige Lage unseres Dorfes, die günstigen Verhältnisse für Skifahrer, sowie die Gelegenheit, genussreiche Ausflüge ins herrliche Alpengebiet, vorab nach der benachbarten Churfirstenkette mit ihren sanft auslaufenden Halden, diesem grossartig-idealen Skigebiet, unternehmen zu können, sind Faktoren, die Alt St. Johann berechtigen, sich an die Seite der beliebtesten Wintersportplätze zu stellen», heisst es in einem an 16 Zeitungen versandten Werbeinserat des Skiklubpräsidenten und Hoteliers Arnold Schlumpf. Die Nachbargemeinden schlugen vergleichbare Werbetöne an. Was der Toggenburger Tourismusverband mit der zentral organisierten Einheitswerbung vermeiden wollte, trat ein: Die Dörfer des oberen Toggenburgs gerieten in direkte Konkurrenz zueinander. Den Wintergästen, die vielseitige, abwechslungsreiche und kostengünstige Sportgelegenheiten suchten, boten sie Skikurse, Skijöring- und Schlittenfahrten, Skichilbenen und Tanzanlässe, Touren und Schneewanderungen an. Terminkonflikte mit Skikursen und Reibereien unter den Konkurrenten blieben nicht aus. Aus diesem Grunde lud Caspar Bohl Delegierte aller bestehenden Skiklubs – damals nur die fünf von Wildhaus bis Nesslau – zu einem gemeinsamen Gespräch in den «Schweizerhof» nach Alt St. Johann. Um Konkurrenz zu vermeiden, Zusammenarbeit und Kameradschaft zu fördern, beschloss man die Gründung eines Toggenburger Skiklubverbandes und die Vorbereitung von Statuten und einer Gründungsversammlung auf den 15. Oktober 1910 am gleichen Ort. In grosser Aufbruchstimmung beschlossen die zahlreichen Klubdelegierten die Statuten (revidiert 1935), deren erster Artikel die Ziele formulierte: «Der T.S.C.V. bezweckt Hebung des Wintersportes im allgemeinen, Regelung der Skikurse- und Rennen der einzelnen Clubs sowie Besorgung des Reklamewesens im besonderen.» Zehn weitere Artikel regelten Details: Aufnahmeberechtigt waren (ursprünglich) nur toggenburgische Skiklubs. Die Delegiertenversammlung am Anfang des Vereinsjahres im September, die fünfköpfige Kommission mit je einem Vertreter aus den Klubs und die Revisoren besorgen die Geschäfte. Den ersten
Titelblatt der Statuten des Tog genburgischen Skiclubverbandes, gegründet am 10. Oktober 1910. TML.
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Die Toggenburger Skiklubs im TSCV (Die kurzzeitigen Auflösungen und Wiedergründungen wurden nicht berücksichtigt) Klub Gründung Schanze
Mitglied TSCV (aufgelöst 1945)
Stein 1905–1935 Wildhaus 1908/09 Boden Unterwasser 1908/09 Säntis Alt St. Johann 1908/09 Nesslau 1908/09 Schneit Ebnat-Kappel 1914 Dicken Krummenau 1930/1934 Hemberg 1931 Ennetbühl 1931 Wattwil 1933 Neu St. Johann 1934 Ulisbach 1942
1910 1910 1910 1910 1910 1919 1930–1934 1931 1931 1933 1934 1942
Präsidenten des Toggenburger Skiclubverbandes
Caspar Bohl, Stein Jakob Geisser, Alt St. Johann Ulrich Forrer, Wildhaus Heinrich Koch, Wildhaus Walter Schlumpf, Alt St. Johann
Gründungspräsident 1910 1911–1921 1922–1928 1929–1941 1942–1945
Vorstand bildeten Präsident Caspar Bohl, Stein, Schriftführer Jakob Geisser, Alt St. Johann, Kassenwart Arnold Schlumpf, Alt St. Johann, Ulrich Forrer, Wildhaus, und Ruggle aus Nesslau. Jeder Klub hatte 100 Franken Beitrag zu leisten. Der Präsident schrieb später, man habe einer «Geschäftlimacherei» und gegenseitiger Konkurrenzierung vorbeugen wollen. Um Kollisionen zu vermeiden, wurde jedem Klub der Termin zur Durchführung von Skikursen festgesetzt. In der Folge wurde auch ein gemeinsames Plakat in Auftrag gegeben und zur Pflege der Freundschaft gemeinsame Touren geplant. Eine erste führte zum Mutschen. Im Jahre 1919 wurde auch der Skiclub Ebnat-Kappel in den Verband aufgenommen. Da ihm Fahrer aus Winterthur angehörten, stellte sich die Frage der Teilnahmeberechtigung der «Gäste» an den Rennen und ihrer Teilhabe am Gabentisch. Bis die Sorgen sich verflüchtigt hatten, wurde vorübergehend eine eigene Startkategorie für Gäste ohne Preisgeldberechtigung geschaffen. Auch ausserhalb des Toggenburgs war Bewegung unter die Skibegeisterten gekommen. Ebenfalls im Jahr 1910 war auf Initiative des Skiclubs St. Gallen an einer Delegiertenversamm-
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lung die Gründung der St. Gallisch-Appenzellischen Skiclubvereinigung beschlossen worden. Unter den 12 Gründungsmitgliedern sind auch die fünf Obertoggenburger Skiklubs zu finden. Die Mitglieder stammten weitgehend aus den drei Schwerpunktsregionen Trogen, Appenzell/Weissbad und dem Obertoggenburg. Die Tätigkeit des Verbandes konzentrierte sich fast ausschliesslich auf die Durchführung von Rennen. Das erste Verbandsrennen fand 1911 nicht zufällig in Unterwasser statt, wo der Zürcher J. Voltz-Sprüngli, Verbandspräsident des Schweizerischen Skiverbandes und Freund des Obertoggenburgs, als Starter wirkte. Dieser Verband wurde 1920 zum Ostschweizerischen Ski-Verband (OSSV) umgestaltet. Das Rennen in Unterwasser zeigt, dass die Skiklubs des Toggenburger Verbandes von den ersten Anfängen an zu den aktiven Mitgliedern gehörten, und fast jedes dritte Jahr organisierte einer von ihnen das Rennen für die St. Galler und Appenzeller, später für die Ostschweizer. Ein Blick in die Verbandsprotokolle
Veranstaltungsblatt des Skiclub verbandes für die Wintersaison 1917/18. TML.
Unter Leitung des Toggenburger Skiverbandes entwickelte sich das Skiwesen in der Region geordnet und erfolgreich. Die noch fehlenden Erfahrungen zwangen den jungen Verband laufend zu klärenden Entscheiden. Die Nachfrage nach Skikursen nahm stetig zu, zumal die grösseren Hotels bis zum Ausbruch des Ers ten Weltkrieges Zentralheizungen oder mindestens komfortabel heizbare Zimmer eingerichtet hatten. Kleinere Pensionen machten aus der Not eine Tugend und stellten in der Werbung der «dumpfen Wärme der Zentralheizung» die behagliche Wärme und Geborgenheit ihres Kachelofens gegenüber. Der Kriegsausbruch liess die Entwicklung des Skiwesens erlahmen, da zahlreiche Aktive ihre Dienstverpflichtung wahrnehmen mussten. Der Wildhauser Protokollführer schreibt 1916: «Der II. Kurs fällt
Inserat des Skiclubverbandes in der «Ostschweiz». TML.
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Teilnehmer der Verbands-Skichilbi am 5. März 1922 vor dem «Ster nen» Unterwasser. Fotograf ist der Rechnungsrevisor Emil Knuchel von Wildhaus. Von links: Alfred Bischof, Johann Rüdlinger, Georg Dürrmüller, Alfred Huser, Emil Tobler, Jakob Feurer, Alfred Kleger, Jakob Forrer, Jakob Kleger, Ueli Forrer, Hermann Schlumpf, Eduard Meyer-Mayor. TML.
aus. Von den schriftlich gemeldeten Teilnehmern mussten 7 wieder einrücken. Die Damen aber haben nicht Wort gehalten. Es hiess, es sei ihnen zu streng … und Herren habe es doch keine.» Gegen alle Erwartung hingegen erlebte der Hotel- und Pensionstourismus keine spürbare Einbusse, ganz im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg. Wichtige Aufgabe des Verbandes wurde die Vorbereitung und Publikation des jährlichen Propagandablattes mit den Terminen für Skikurse, die Klub- und das Verbandsskirennen sowie die Skichilbenen und Zusammenkünfte. Die Arbeit wurde unter den fünf Skiklubs verteilt, wobei die Vorbereitung der Rennen und der Chilbi die Kräfte der Klubs stark beanspruchte. «Wenn es den Nesslauern gelingt, die Sache so zu organisieren, wie’s in ihren Köpfen steckt, verspricht der Tag der Chilbi allen Teilnehmern einen hehren Genuss», vermerkt der Aktuar im Protokoll vom September 1921. Wegen Schneemangel musste schliesslich der Skiclub Unterwasser «einspringen». Der Pflege der Kameradschaft diente auch die jährlich organisierte Verbandstour, auch Zusammenkunft genannt, zu der Damen und Herren eingeladen waren. Die Teilnehmenden gelangten bis 1918 mit der Pferdepost, dann mit dem Postauto ins obere Toggenburg, stiegen zu einer Alp- oder Skihütte auf, wo ein erstes Getränk vorbereitet war. Nach Handorgelklängen, Sprücheklopfen und manchmal auch Gesängen ging es zur Haghütte SAC weiter – bis man zum gemeinsamen Nachtessen im «Acker», «Hirschen» oder «Wilhelm Tell» (Wildhaus), «Sternen» oder «Säntis» (Unterwasser), «Schweizerhof» oder «Rössli» (Alt St. Johann) oder im Nesslauer «Sternen» das Treffen bei guter Stimmung beschloss.
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Den grössten Stellenwert hatte das Verbandsskirennen. Anfänglich wurden nur ein Springen und ein Dauerlauf (Langlauf) für Junioren (16–18 Jahre), Senioren I (19–30 Jahre) und Senioren II (über 30) durchgeführt, Letzterer auch für Damen auf der Strecke der Senioren II. Im Protokoll von 1919 wird erstmals eine Abfahrt in alpiner Art, in jenem von 1926 ein Hindernislauf erwähnt. Bei diesem galt es, möglichst stilrein zwischen Baumstämmen und markierten Hindernissen in Bögen und Schwüngen durchzukommen. Als grösstes Problem erwies sich die Tatsache, dass nicht alle Skiklubs eine eigene Schanze besassen und gezwungen waren, mit viel Aufwand einen Schanzentisch zu präparieren. Bereits 1910 entstand in Unterwasser die erste Sprungschanze, auf welche 1929 die bekannte Säntisschanze
Verbandsrennen des TSCV in Nesslau / Neu St. Johann (von oben): Startgelände des Dauer laufes; vor dem Start zur Abfahrt; Springen in der Schneit. Unbe kannt, TML.
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folgte. Diese diente bis 1969 regelmässig auch für internationale Sprungkonkurrenzen. In Wildhaus, Nesslau und Ebnat-Kappel wurden weitere Skisprunganlagen erstellt. Als Beispiel eines Renntages dient das Protokoll vom 17. Dezember 1922 in Alt St. Johann: «Alle Teilnehmer mussten bis 11 Uhr im Hotel Schweizerhof warten, da die Delegation aus Ebnat-Kappel mit dem ‹Benzinross› im Dicken steckengeblieben war. Startnummern wurden angeheftet und dann aufgestiegen zum Start im Hintersellamatt unter der Engi. Senioren II (4 Teilnehmer). Einer war dreissig und wollte mit den älteren starten, was verboten wurde. Der erzürnte erschien erst beim Damenlauf wieder als Zuschauer. Senioren I (20 Teilnehmer). Junioren (16–18, 18 Teilnehmer). Damenlauf mit vier zierlichen Damen bei der Scheune im Tobel bis ins Ziel. Die Rennstrecke war mit roten Fannions, an gefährlichen Stellen waren gelbe gesteckt. Sie führte von der Hintersellamatt über Rossweid, Tobel zum Ziel in der Hofwies. Sprungkonkurrenz: Die kühn angelegte, technisch einwandfreie Schanze wurde im Gluris Richtung Alt St. Johann angelegt. Resultate: Abfahrt Senioren II: 1. Alfred Kläger, Unterwasser Abfahrt Senioren I: 1. Jakob Steiner, Unterwasser. 2. Schlumpf Hermann. 3. Jakob Forrer, Wildhaus Abfahrt Junioren: 1. Schlumpf Karl, Unterwasser. 2. Schlumpf Jakob, Unterwasser. 3. Rüdlinger Johann, Unterwasser. Damen: 1. Frida Forrer, Unterwasser. 2. Anna Bischof, Alt St. Johann. Sprunglauf Senioren: 1. Forrer Jakob und Roth Hans. Sprunglauf Junioren: 1. Schlumpf Karl, Unterwasser. 2. Schlumpf Jakob, Unterwasser. 3. Rüdlinger Johann, Unterwasser. 4. Kuratle Jakob, Ebnat.»
Fremdenblatt Winter 1929/30 mit Titelbild des Zürcher Künstlers Otto Schmid. TML.
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Um 16 Uhr zogen sich die Kampfrichter ins Hotel Schweizerhof zurück. Hier fand anschliessend die Rangverkündigung mit einem grossen Gabentisch statt, die besten Junioren erhielten Diplome. Es folgte ein ausgiebiges Fest. 1925 schlug der engagierte «Sternen»-Wirt Walter Looser vor, einen Siegerbecher für den besten Fahrer zu schaffen, der in mindestens zwei Disziplinen Sieger sein musste und ihn nach dreimaligem Gewinn behalten durfte. Die Trophäe ging schon 1929 in den Besitz von Karl
Schlumpf aus Unterwasser. Den nächsten Becher spendierte Looser. Der Hotelier war auch als Initiant der Skilehrerkurse und engagierter Förderer des Skiwesens in der Ostschweiz bekannt. Aus den Protokollen des Verbandes wird auch sichtbar, wie sich die Skikurse zu Skischulen entwickelten. Ende der 1930erJahre gehörten Wildhaus und Unterwasser zu den Spitzenreitern bei erteilten Skischullektionen, noch vor Gstaad, Lenzerheide, Adelboden, Wengen oder Klosters. Zusätzlich zu diesen Schulen für den alpinen Skisport förderte man im Toggenburg den später populär gewordenen nordischen Langlauf und gründete in den fünfziger Jahren in Alt St. Johann die erste schweizerische Skiwanderschule.
In den frühen 1930er-Jahren war der Wildhauser Heinrich Forrer in Abfahrt und Slalom ein zuver lässiger Spitzenfahrer. Unbekannt, TML. Auch Babette Forrer steuerte zahlreiche Siege zum Familien erfolg bei. Unbekannt, TML.
Die Früchte der Arbeit
Im obersten Toggenburg hatte sich eine Generation von jungen Rennläufern entwickelt, die das Skifahren seit ihrer Jugend betrieben und in der Schule unter kundiger Leitung ihre Talente ausbilden und später in den Skiklubs entwickeln konnten. Abwechslungsweise hatten die Toggenburger Skiklubs nebst eigenen auch das jährliche regionale Verbandsskirennen oder solche des Ostschweizer Skiverbandes durchgeführt: Unterwasser 1923, 1935 und 1941, Wildhaus 1928, Ebnat-Kappel 1940 und 1946, Nesslau 1944 (bis 1945). In den 1920er-Jahren traten die ersten Spitzenfahrer in Erscheinung. Eine herausragende Persönlichkeit wurde Karl Schlumpf aus Unterwasser. Als Junior siegte er im Rennen des Toggenburger Verbandes 1922 erstmals in der Abfahrt und im Sprunglauf. Er trat bis zum Beginn der 1940er-Jahre immer
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Drei Aktive aus der frühen Zeit der Dreier- und Viererkombination (von links): Karl Schlumpf, Alfred Kleger (beide Skiclub Unterwasser) und Emil Anderegg (SC Ebnat-Kappel). Unbekannt, TML. Hans Anderegg vom SC Ebnat-Kap pel, erfolgreicher Vierkombinierter. Unbekannt, TML. Das erfolgreiche Geschwistertrio der 1940er-Jahre (von links): Jakob, Trina und Walter Steiner vom SC Unterwasser. TML. An der Meisterschaft 1945 in Engel berg wurde Niklaus Stump (unten links) Schweizermeister in der Viererkombination (Schweizer Ski meister), und weitere Toggenburger erreichten gute Platzierungen.
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wieder als Sieger von bedeutenden Rennen der nordischen und alpinen Disziplinen oder als Verbandsmeister in Erscheinung. Sein Draufgängertum und sein Humor waren bekannt: Wegen Knochenbrüchen war er nicht weniger als 22 Mal in der Behandlung seines Buchser Arztes, und bisweilen bestritt er ein Rennen mit Hut, Militärmantel oder nur einem Stock. Anfang der 1930er-Jahre ist eine Verlagerung vom rein Nordischen zum Alpinen Skilauf festzustellen. Hans Anderegg vom Skiclub Ebnat-Kappel wurde 1934 auf Anhieb erster Verbandsmeister des OSSV in der neu geschaffenen Dreier-, ein Jahr später in der Viererkombination (Abfahrt, Langlauf, Skisprung, Slalom). Die Epoche der Viererkombination ist – national gesehen – die erfolgreichste der Toggenburger Skifahrer. Nie in der Renngeschichte bisher sind so viele Fahrer in die ersten Ränge vorgedrungen und war die Spitze so breit. Wer die Ranglisten durchgeht, trifft bis zum Ende der Viererkombination auf nationaler Ebene im Jahr 1946 immer wieder auf die Namen von Karl
Das erfolgreiche Quartett der Vierer-Kombination (von links): Niklaus Stump, Walter Steiner, Alfred Kleger, Karl Schlumpf. Unbekannt, TML.
Schlumpf, Alfred Kleger, Jakob, Walter und Trina Vetsch-Steiner (Unterwasser), Hans und Emil Anderegg (Ebnat-Kappel) und den Wildhauser Niklaus Stump. Dieser sicherte sich 10 Schweizermeistertitel, wurde Olympiavierter 1948 in St. Moritz und errang einen zweiten Platz in der Kombination am Holmenkollen. Der Langläufer und Springer trat als 5-maliger Sieger des Gamperney-Derbys und des Zermatter Blauband-Rennens auch als Abfahrer in Erscheinung. Stump war über Jahre hinweg einer der überragenden Kämpfer auf den Loipen, den Schanzen oder den Pisten. Die Dichte guter Fahrerinnen und Fahrer im Toggenburger Skiverband ist derart bemerkenswert, dass sie eine spezielle Publikation wert wäre. Dies vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass die Wildhauser Geschwister Forrer zwar ausserhalb des Rahmens dieser Arbeit liegen, aber Ausbildung und Draufgänger-Stil ebenfalls im «Goldenen Zeitalter der Toggenburger Skierfolge» erfahren durften. Ein weiterer Erfolg des Toggenburger Skiverbandes darf in den Bestrebungen zum Bau einer Bergbahn gesehen werden. Die beiden Initianten der Iltiosbahn, der Hotelier Walter Looser und Lehrer Jakob Geisser, waren als Mitglied des Vorstandes bzw. als ehemaliger Verbandspräsident mit der engen Verknüpfung von Tourismus und Sport bestens vertraut. Auch Walter Kesselring sen., Direktor der Bodensee-Toggenburg-Bahn, war als dritter Initiant nicht frei von geschäftlichem Denken. Sie waren überzeugt, dass es die Zunahme des Automobilverkehrs nötig mache, den Gästen ein mit dem Automobil nicht erreichbares Gebiet für angenehme und mühelose Spaziergänge zu eröffnen. Nicht zuletzt befürchteten sie auch die Konkurrenz anderer Kur- und Skiorte der Schweiz. Im Juli 1934 konnte die
Plakat zum Schweizerischen Skirennen in Unterwasser 1939. TML.
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Begegnung der beiden Schlitten Vreneli und Ueli der Funibahn Wildhaus vor der Kulisse des Alp steins. Unbekannt, TML.
erste Bergbahn im Toggenburg und das zugehörige Restaurant eröffnet werden. Walter Looser war auch Initiant des schweizerischen Skirennens 1939 in Unterwasser. Wenige Tage nach dem Rennen starb er. Den nächsten Schritt wagte 1937 die Gemeinde Wildhaus mit der Erstellung einer Funi-Schlittenseilbahn ins Oberdorf. In kurzer Zeit folgten weitere Seilbahnprojekte. Während des Krieges nahm die Tätigkeit des Verbandes deutlich ab. Die gesellschaftlichen Bedürfnisse konnten in den einzelnen Klubs persönlicher gepflegt werden, die sportlichen wurden durch den Ostschweizer Skiverband fachkundiger wahrgenommen. An der letzten Delegiertenversammlug vom 12. Januar 1945 stellte Ebnat-Kappel den Antrag, den Verband aufzulösen, da der OSSV der regionale Verband sei. Die Mehrheit wollte das Ende des Krieges abwarten. Präsident Walter Schlumpf spielte den Nachlassverwalter: Er schrieb das letzte Protokoll und verteilte das Vermögen von 485 Franken.
Quellen Protokoll des Toggenburgischen Skiverbandes 1921–1945. Original im Toggenburger Museum Lichtensteig. Das Toggenburg. Illustriertes Fremdenblatt. Offizielles Organ der Toggenburgischen Verkehrsvereine 1926–1938/39.
Literatur Der letzte Präsident, Walter Schlumpf, Alt St. Johann, mit dem Protokollbuch des Toggenburger Skiclubverbands.
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Büchler Hans: «Beschreibung der Toggenburgischen Gebirgen». Die Entdeckung und Erschliessung des obersten Toggenburgs durch Wissenschaftler, Künstler und Reisende. Toggenburgerblätter für Heimatkunde Heft 35/1985. Büchler Hans (Hrsg.): Der Alpstein. Natur und Kultur im Säntisgebiet. Herisau 2014. Gubler Stephan (Hrsg.): echt toggenburg. Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Wattwil 2010. Ostschweizerischer Skiverband: Jubiläum 50 Jahre OSSV 1920–1970. Ostschweizerischer Skiverband: 75 Jahre OSSV 1920–1995. Wick Christoph: Die touristische Erschliessung des Toggenburgs von der Belle Epoque bis zum Zweiten Weltkrieg. Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, 1995. Wick Christoph: «… fernab dem entnervenden Gewühl des Grossstadtlebens …». In: Toggenburger Jahrbuch 2004. Widmer Othmar: Das Oberste Toggenburg. Wildhaus, Alt St. Johann, Stein. St. Gallen 1945.
Die Fritz Schiess AG in Wattwil feiert 100 Jahre Nach dem Ersten Weltkrieg fand der junge Ingenieur Fritz Schiess den Weg von Brown, Boveri & Cie. (BBC) in Baden nach Lich tensteig. In einer einfachen Werkstatt beim Bahnhof entwickelte er seine bahnbrechende Erfindung des Feinschnitt-Stanzens, die heute als Schweizer Pionierleistung gilt. Das Unternehmen wurde über Generationen durch die technischen Entwicklungen von der mechanischen zur digitalen Produktion von Industrie gütern aufgebaut und wird heute von der vierten Generation mit rund 150 Mitarbeitenden geführt. Fritz Schiess
Die Gründerjahre 1920–1929 Fritz Schiess-Forrer erfindet das Feinschnitt-Stanzen
Die Grundlagen zur Erfindung wurden in den Jahren 1914 bis 1920 entwickelt, als Fritz Schiess-Forrer in der Abteilung für Dampfturbinen bei Brown, Boveri & Cie. (BBC) in Baden arbeitete. Hier organisierte er die Produktion von Turbinenschaufeln und suchte nach neuen Methoden für deren Herstellung. Die laufende Entwicklung der Technik stellte stetig neue Herausforderungen. So etwa zeigte sich, dass bei erhöhter Drehzahl der Turbinen auf 3000 U/min. die gefrästen Schaufeln zu schwach waren. Deshalb entwickelte Fritz Schiess um 1917 ein Verfahren, den Schaufelfuss anzustauchen. Erkenntnisse aus Testversuchen führten zur Idee: Wenn ich einen Stahlstab mit zwei Werkzeugen gleich stark einspanne wie die Turbinenschaufeln und dann ein Werkzeug verschiebe, sollte ein glatter Schnitt das Resultat sein. Mit dieser Vision entschied sich Fritz Schiess-Forrer im Frühjahr 1920, die interessante Arbeit bei BBC aufzugeben und mit seiner Ehefrau Babette und drei Kindern im Flooz in der Gemeinde Wattwil, Postkreis Lichtensteig, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Im Haus seiner Schwiegereltern richtete er ein «technisches Büro» ein und entwickelte und zeichnete die erste Feinschnitt-Presse.
Turbinenschaufeln aus Profilstahl mit angestauchten Füssen.
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Der Firmengründer Fritz Schiess und seine Frau Babette, geborene Forrer
1880–1978, von Herisau Schlosserlehre, Maschinentechniker, Technikum Winterthur
Feingeschnittener Stabstahl.
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1886–1981 Leiterin der Administration
Die Lage als Anstösser zum Bahnhofareal Lichtensteig und zentral im mittleren Toggenburg war günstig, auch wenn grössere Distanzen zu den Wirtschaftszentren zu überwinden waren. Da die Arbeit am Feinschnitt-Stanzverfahren noch in den Anfängen steckte, sicherte die Produktion eines Ofens zur Maximierung der Wärmenutzung die Existenz des jungen Unternehmers. Im April 1921 war die Presse gezeichnet, und am 9. April 1922 wurde das Patent vom Deutschen Reichspatentamt für eine «Hydraulische Schneid- und Stanzvorrichtung für Metallwerk stücke» erteilt. Patente in der Schweiz, Frankreich, England und den USA folgten. Das deutsche Patent war das bedeutendste, weil es das einzige weltweit war, das die Einmaligkeit der Erfindung prüfte. Es war schwierig, einen Maschinenbauer zu finden, da nach dem Ersten Weltkrieg eine grosse Nachfrage nach industriellen Gütern bestand. In der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, Societas Europaea (MAN SE) in Augsburg wurde schliesslich der Prototyp gebaut, und im August 1922 begannen die erfolgreichen Tests. Die Arbeit mit der Versuchspresse konnte nach wenigen Monaten abgeschlossen werden. Da kein grosses Potential für solche Arbeiten in Sicht war, wurde die Presse bei MAN noch modifiziert, damit FeinschnittStanz-Teile hergestellt werden konnten. So modifiziert wurde die Feinschneidpresse Nr. 1 nach Lichtensteig transportiert und im Mai 1923 im neu erstellten Fabrikgebäude an der Thur installiert. Die Schnittkraft betrug etwa 1000 kN (100 t). Parallel dazu konnte auch die eigene Werkzeugmacherei eingerichtet werden.
Feinschneiden von Stabstählen.
Patent des Reichspatentamtes vom 9. April 1922.
Feinschneiden von Stanzteilen. Prinzip einer hydraulischen Schneid- und Stanzvorrichtung für Metallstücke. Zeichnungen aus der Patentschrift. Die Resultate der Versuche.
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Feinschneidpresse Nr. 1.
Die Entwicklung des ersten Feinschnitt-Stanzwerks
Erste in Lichtensteig hergestellte Produkte waren Fischbandringe und Unterlagscheiben. Ihre Qualit채t war deutlich besser als jene, die im Eisenwarenhandel verkauft wurden. Im Jahr 1926 entstand das erste Feinschitt-Stanz-Teil nach einer Kundenzeichnung. Das Produkt war Teil eines elektrischen Schalters f체r Kandelaber. Dieses Produkt wurde bis 1969 hergestellt und dient noch heute als Logo der Firma Fritz Schiess AG. Unter den ersten Kunden war die Firma Brown, Boveri & Cie., der ehemalige Arbeitgeber des jungen Unternehmers. Seit 1927 wurde zunehmend auch Deutschland zu einem wichtigen Abnehmer von Feinschnitt-Produkten. Herausragenden Anteil hatten der N채hmaschinenfabrikant PFAFF in Kaiserslautern und die Robert Bosch GmbH in Stuttgart, die sich vor allem durch die Produktion von Elektrowerkzeugen und als Zulieferer f체r die Automobilindustrie durchsetzte.
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Das erste Fabrikgebäude (rechts im Bild) entstand 1923 an der Thur zwischen dem Bahnviadukt der Bodensee-Toggenburg-Bahn und dem Bahnhof Lichtensteig.
Normal gestanzt.
Feingeschnitten.
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Otto Schiess 1882–1959 Der Bruder von Fritz Schiess-Forrer lebte zu der Zeit in Lourenço Marques (heute Maputo), Mosambik, und war erfolgreicher Kaufmann. Bei seinen Besuchen in der Heimat unterstützte er wenn nötig die junge Firma mit Darlehen.
Erweiterung des 1923 entstandenen Werkstattgebäudes an der Thur im Jahr 1929. Die Anschaffung einer zweiten, verbesserten Presse bedingte eine Verlängerung um 9 Meter nordwärts.
Büro im Wohnhaus, Bildmitte; Werkstattgebäude hinter dem BT-Viadukt.
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Der erfolgreiche Start und die steigende Nachfrage nach Feinschnitt-Stanz-Teilen machten es nötig, eine zweite, verbesserte Feinschnitt-Presse unterzubringen. Um Platz für den Maschinenpark zu schaffen, wurde das bestehende Fabrikgebäude im Jahr 1929 erweitert. Die Büroräumlichkeiten blieben weiterhin im nahe gelegenen elterlichen Wohnhaus der Familie Forrer. Von den fünf Räumen des Erdgeschosses dienten drei für die kaufmännischen und eines für die technischen Bedürfnisse. Hier befand sich auch das Büro des Chefs.
Bewährung und Aufschwung 1929–1955 Die zweite Generation
Fritz Schiess-Meyer
Im Jahr 1928 trat der älteste Sohn Fritz eine dreijährige Lehre als Werkzeugmacher im väterlichen Betrieb an. Ihm folgte 1933 Heinrich Schiess. Er half seiner Mutter Babette Schiess-Forrer in der Administration. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und weiterbildenden Tätigkeiten im Ausland lag es nahe, dass er die kaufmännische Leitung der Firma übernahm. Der Betrieb erlaubte jedoch keine längere Abwesenheit, da der Vater häufig auf Geschäftsreisen im In- und Ausland unterwegs war. Ein Jahr später, nach dem Abschluss seiner Ausbildung am Technikum Winterthur, folgte auch der älteste Sohn Fritz in den Betrieb nach. Er war massgeblich an der Verbesserung und Installation der zweiten Presse im erweiterten Werkstattgebäude beteiligt. Mit der Vollmotorisierung der Arbeitsgeräte und einer Belegschaft von sieben Personen unterstand der Betrieb seit 1929 dem Fabrikgesetz. Dies erforderte die Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf maximal 48 Stunden.
1911–1983 Werkzeugmacherlehre Maschinentechniker, Technikum Winterthur
Heinrich Schiess-Meyer
1912–2013 Kaufmann
Ernst Schiess-Schwaninger
1915–1970 Dipl. Masch. Ing. ETH Zürich
Fritz Schiess jun. in der Werkstatt, um 1930. In der Mitte rechts die Heizung, im Hintergrund die Presse Nr. 1. um 1930. Heinrich Schiess bei Presse Nr. 2, um 1930.
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Die Arbeitsbeschaffung in der Wirtschaftskrise
Erstes Prospektblatt aus den 1930er-Jahren.
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Schon im ersten Jahr der Weltwirtschaftskrise 1929 waren erste Folgen spürbar. Überall fehlten Arbeit und Verdienst, die Kaufkraft der Währungen sank. Arbeiten, die in normalen Zeiten auswärts vergeben wurden, mussten nun mit Nachteilen im eigenen Unternehmen ausgeführt werden. Trotz vielseitigen Bemühungen, das Personal halten zu können, stellte sich in den Industrieländern eine grosse Arbeitslosigkeit ein. Die Produk tion von Automobilen sank 1929/30 weltweit um rund 40 Prozent. Erst 1936 brachte die Abwertung des Frankens um 30 Prozent für die Schweiz eine deutliche Besserung. Für das erste Feinschnitt-Stanzwerk war die Arbeitsbeschaffung besonders schwierig. Vielfach war das Feinschneiden noch wenig oder gar nicht bekannt, oder es fehlte das Vertrauen in die noch unbekannte Firma. Da die Präzisionsgeräte meist in kleinen Mengen hergestellt wurden, lohnte sich oft die Anschaffung von Feinschnitt-Werkzeugen nicht. Um das Feinschneiden und die Lichtensteiger Firma bekannter zu machen, suchten Firmengründer und Söhne direkten Kontakt mit einschlägigen Firmen und ihren Abteilungen für Feinmechanik oder warben mit Mus tern von Feinschnitt-Stanz-Teilen und einem Prospektblatt. Bemühungen, über den kleinen Schweizer Markt hinaus im industriell entwickelten Deutschen Reich Fuss zu fassen, waren anfänglich erfolgreich trotz einem Warenzoll von 20 Prozent und den dort üblichen Löhnen und Materialpreisen. Innovationen im Produktebereich und grössere Risiken waren nötig, um das eigene Personal beschäftigen zu können. Die Kundschaft des jungen Unternehmens war überwiegend bei jenen Firmen zu finden, die sich mit der Feinmechanik neuer Geräte beschäftigten. Sein anfänglich wichtigster Kunde wurde die vermutlich erste Rechenmaschinenfabrik der Schweiz: die Firma H. W. Egli AG in Zürich Wollishofen. Seit 1928 konnten für deren Rechenmaschine «Madas» jahrzehntelang Teile verschiedenster Art geliefert werden. 1934 begann auch die Firma Hasler AG in Bern eine Büromaschine mit Rechenwerk zu entwickeln. Verschiedene Teile ihrer Frankiermaschine forderten bis in die Nachkriegszeit den Tüftler- und Innovationsgeist der Firma Schiess heraus. Im gleichen «Krisenjahr» 1934 nahm Eugen Benninger, ein früherer Werkmeister der Firma Egli AG, den Kontakt auf. Er hatte mit Kollegen den Prototyp einer Additions-Rechenmaschine geschaffen und entwickelte diese zur Serienreife. Die neu gegründete Firma Precisa AG hatte mit ihren umfangreichen
Stellstifte und ihre Anwendung in einer Rechenmaschine.
Bereits 1937 wurden aufwendige Werkzeuge für Rechenmaschinenteile noch ohne Senk- oder Drahterosion hergestellt.
Bestellungen wesentlich dazu beigetragen, dass das Lichtensteiger Unternehmen die Krisenjahre überstand. Sie blieb auch in der Nachkriegszeit ein technisch herausfordernder und treuer Kunde. Das Deutsche Reich hatte sich bis zur Wirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre zum grössten Abnehmer von Feinschnitt-Bestandteilen entwickelt. Mit der Machtübernahme durch Adolf Hitler im Jahr 1933 und noch stärker ab 1934 gingen die Aufträge deutlich zurück. Devisenbewilligungen waren nur in Ausnahmefällen zu erhalten, und an Lizenznehmern im Deutschen Reich war die Firma Schiess nicht interessiert. Den Werkplatz im Toggenburg wollte man trotz Wirtschaftskrise erhalten. Der Umsatz mit dem Deutschen Reich sank von rund 50 auf noch 2 Prozent bei Kriegsende.
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Kriegszeit
Trotz diesem grossen Einbruch stiegen die Umsätze nach der Frankenabwertung wieder an. Etwa die Hälfte der Produktion von Feinschnitt-Bestandteilen wurde direkt exportiert, die andere Hälfte ging weitgehend an schweizerische Exportfirmen, welche ihre Produkte ebenfalls ins Ausland verkauften. Eine Schwedenreise im Jahr 1936 brachte nachhaltige Geschäftsverbindungen. Hier hatte sich die Produktion von mechanischen Rechenmaschinen und Registrierkassen zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Unter der Devisenbewirtschaftung litt auch der schwedische Export ins Deutsche Reich. Die Firma Schiess konnte in der Folge nicht nur durch steigende Exporte, sondern auch von der Verkaufsorganisation schwedischer Firmen profitieren.
Der Anbau links erweiterte 1937 den durchgehend einheitlichen Arbeitsraum auf eine Länge von 32 Meter.
Links der Anbau 1941 mit Garagen, der Packerei und der Härterei im Untergeschoss, rechts der Neubau von 1943. Zwischen den beiden Fabriken entstand 1947 der Verbindungstrakt als Basis für einen zukünftigen Bürobau.
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Um die Abnützung der Oberflächen zu verkleinern und die Gleitfähigkeit zu erhöhen, verbesserte die Firma Schiess in stetiger Kleinarbeit die Härte-Qualität der Feinschnitt-Stanz-Teile. Da die beiden Pressen zur Fabrikation der kleinen Feinschnitt-Bestandteile zu gross waren, entwickelte man firmenintern eine weitere, kleinere Presse. Der daraus entstehenden Raumnot begegnete man mit einem weiteren Ausbau der bestehenden Anlage. Im Jahr 1941 trat auch der jüngste Sohn Ernst nach seinem Studium an der ETH in den Betrieb ein, der inzwischen auf rund fünfzig Personen angewachsen war. Dank stark steigenden Umsätzen mit der Zürcher Firma Precisa AG und den schwedischen Unternehmen ADDO in Malmö, HUGIN Kassaregister und Original Odhner in Göteborg musste der Betrieb noch während des Krieges 1943 mit einem freistehenden Fabrikbau erweitert werden. Für diese Industrie war Feinschneiden der optimale Prozess zur Herstellung anspruchsvoller Teile, die nur bei der Fritz Schiess erhältlich waren. Die Konjunktur erwacht
Bei Kriegsende 1945 zeigte sich, dass die Zerstörungen in Europa eine ungeahnte Nachfrage nach Waren auslösten. Davon profitierten vor allem Länder wie die vom Krieg verschonten USA oder die Schweiz. Zur Deckung der enormen Nachfrage entstanden häufig neue Produktionsanlagen, die ihrerseits den Nachfrageüberhang noch steigerten. Arbeitermangel stellte sich ein, Löhne und Preise stiegen, und die Lieferzeiten für das kaltgewalzte Bandmaterial verlängerten sich. Arbeit war reichlich vorhanden, auf Werbung konnte verzichtet werden. Im Toggenburg waren nach Kriegsende alle Wirtschaftszweige voll beschäftigt. Da der Hauptteil der Arbeiterschaft von der Textilindustrie beansprucht wurde und eine starke Abwanderung in die Industriestädte stattfand, machte sich bald Personalmangel bemerkbar. Die Firma Schiess begegnete dem Problem durch eine Abgabe in die Heimarbeit, die Einführung von Schichtarbeit und die Anstellung von Arbeitskräften aus dem Ausland, vor allem aus Italien. Auch nach dem Krieg blieben die Geschäftskontakte mit traditionellen Kunden im In- und Ausland erhalten. Dazu gehörten vor allem Firmen in Schweden. Zunehmend wurde auch Deutschland wieder auf das Lichtensteiger Unternehmen aufmerksam. Zur Stärkung und Erweiterung der Beziehungen unternahm die Geschäftsleitung 1949 eine erste Reise nach Italien. Im Inland war das Vertrauen der Kundschaft gefestigt. Die be-
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deutendsten Fabrikanten von Rechenmaschinen und Registrierkassen, elektrischen Apparaten, Fotoapparaten, von Strick-, Näh- und Webmaschinen – um nur einige der wichtigen Gruppen zu nennen – bestellten versuchsweise und dann immer wieder Einzelteile bei Schiess. Hand in Hand mit der Zunahme der Produktion stieg auch der Raumbedarf. 1947 verband ein Neubau die beiden Fabriken, 1952 folgte ein dritter, mit der zweiten Fabrik verbundener Neubau. 1953 bot sich die Möglichkeit, das nahe dem Fabrikareal gelegene Hotel Bahnhalle mit Saal, Lagergebäude und Wiesland zu erwerben. Seit 1985 wird die Liegenschaft dem «Chössi-Theater», einer Kleinkunst-Bühne für Musik, Tanz und Theater, unter grosszügigen Bedingen zur Verfügung gestellt. Um der Arbeiterschaft auch Wohnraum anbieten zu können, wurden die Liegenschaften im Grütli und die «Blumenhalde» im Hof Lichtensteig übernommen. Weitere Liegenschaften folgten.
Das Gehäuse der Feinschnittpresse Nr. 6, 1948, wird durch ein Fenster in die Werkstatt befördert. Hotel Bahnhalle beim Bahnhof Lichtensteig im Jahr 1959. Fabrikanlagen im Jahr 1959.
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Wachstum und Sicherung 1955–1992 Die Gründung der Fritz Schiess & Co.
Es war die Absicht des Erfinders, das neue Verfahren möglichst lange ausschliesslich dem eigenen Betrieb zu erhalten, um dessen Existenz zu festigen und der Bevölkerung des Toggenburgs mit seiner einseitigen Ausrichtung auf die Textilwirtschaft lohnende Arbeit zu beschaffen. Lizenzgesuche lehnte man ab. Da Pressen für das Feinschneiden im Handel nicht erhältlich waren, blieb die Konkurrenz länger aus. 1950 feierte der Seniorchef Fritz Schiess-Forrer seinen siebzigsten Geburtstag. Die Jubiläumsreise bot neben den jährlichen Betriebs-Skirennen eine ideale Gelegenheit, die in der Region bekannte Verbundenheit von Führung und Personal in der «Schiess-Familie» zu pflegen. Die Reise durch die Schweiz mit dem Roten Pfeil begann für die ganze Belegschaft von 71 Personen bereits um 4 Uhr in der Frühe. Nach einem Frühstückshalt in Arth-Goldau, Betriebsbesichtigungen im Raum Biel mit speziellem Damenprogramm und gemeinsamem Mittagessen besuchte man nach einer Fahrt durch den Jura den Basler Zoo und gelangte nach kräftigem Nachtessen um 22 Uhr zurück nach Lichtensteig. Eine herausragende Feier im Stil der 50er-Jahre. Die drei Söhne Fritz, Heinrich und Ernst waren nach ihren Ausbildungen zwischen 1933 und 1941 in den Betrieb eingetreten. Als Dreierteam trieben sie die innovative Verbesserung des Feinstanzens und die bauliche Erneuerung des Betriebes voran. Um das Geschaffene und die Zukunft zu sichern, wurden sie im Jahr 1955 durch die Schaffung der Fritz Schiess & Co. zu Mitin-
Jubiläumsfahrt mit dem Roten Pfeil im Jahr 1950.
Die ersten beiden Generationen im Jahr 1961: sitzend Babette und Fritz Schiess-Forrer, stehend die Söhne (v. l.): Heinrich, Fritz und Ernst.
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