N° 213 | SCHWEIZER LITERATURZEITSCHRIFT
«Spürt ihr die Wüste in den Knochen?» NEUE
HEBRÄISCHE LYRIK
Gegründet von Werner Bucher und Rosemarie Egger im Jahr 1974 Nr. 213, Oktober 2021 ISBN 978-3-85830-282-3; ISSN 1016-7803 Erscheint 5 Mal jährlich. Die nächsten Ausgaben mit folgenden Themen: 214 «Meinrad Inglin» // 215 «Balladen» // 216 «Rauchen» // 217 «Fred Kurer» // 218 «Zirkus» // 219 «La Chaux-de-Fonds». – Fühlen Sie sich von einem der Themen angesprochen, haben Sie Informationen dazu oder sogar Interesse, in der Redaktion mitzuarbeiten, dann freuen wir uns über Ihre Zuschrift an unsere Redaktionsadresse. Redaktion:
Redaktion orte Annekatrin Ranft-Rehfeldt, Bärenmoosweg 2, CH-5610 Wohlen Tel. +41 44 742 31 58, redaktion@orteverlag.ch
Redaktionsteam: Annekatrin Ranft-Rehfeldt (Co-Leitung), Regina Füchslin (Co-Leitung), Viviane Egli, Susanne Mathies, Erwin Messmer, Monique Obertin, Cyrill Stieger, Peter K. Wehrli Verlag:
orte Verlag Im Rank 83, CH-9103 Schwellbrunn Tel. +41 71 353 77 55, verlag@orteverlag.ch, www.orteverlag.ch
Einzelnummer: Fr./Euro 18.– Abonnemente: Gönnerabonnement orte Fr./Euro 140.– (5 Ausgaben pro Jahr + Poesie-Agenda) Jahresabonnement orte Fr./Euro 80.– (5 Ausgaben pro Jahr + Poesie-Agenda) Abonnemente im Ausland: Fr./Euro 12.– Zuschlag Inseratepreise: Inserateverkauf:
1 / 1 Seite (121 x 180 mm) Fr. 400.– 1 / 2 Seite (121 x 88 mm) Fr. 200.– 1 / 4 Seite (121 x 42 mm) Fr. 120.– Susanne Born, susanne.born@orteverlag.ch, Tel. +41 71 353 77 42, Fax +41 71 353 77 56
Umschlag:
Gestaltung: Daniela Saravo, orte Verlag, Schwellbrunn unter Verwendung eines Fotos von Miklós Klaus Rózsa. Zitat von Shimon Adaf.
Für die wertvolle Unterstützung dieser Ausgabe danken wir herzlich allen Autorinnen und Autoren für die Gewährung der Rechte, allen Mitwirkenden und den grosszügigen Unterstützerinnen und Unterstützern, ohne die diese Ausgabe nicht zustande gekommen wäre:
orteinhalt 3 Editorial orte inhaltsverzeichnis
«Spürt ihr die Wüste in den Knochen?» Neue hebräische Lyrik 4 Einleitung
Bettina Spoerri
10 Hedwa Harechawi 14 Anat Zecharia
20 Yona Wollach
28 Erez Biton
32 Shimon Adaf
36 Adi Keissar
44 Protest und Introspektion – Gespräch mit Lina Barouch und Rina Baroukh
Bettina Spoerri
48 Biografien
50 orte-festival: Zürich-liest 2021
Annekatrin Ranft-Rehfeldt
53 orte-bücherregal
56 hör-orte
Peter K. Wehrli
59 fund-orte
Ganna Kostenko
65 wander-orte: Friedrich Glauser
Cyrill Stieger
70 orte-galerie 70 orte-galerie:
Alice Grünfelder Roland Grohs
76 orte-agenda
78 orte-longseller
79 orte-marktplatz
80 orte-marktplatzgeflüster
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Der Schweizer Autor Andreas Sommer schickt Nathan und Ana, »Fremdlinge von irgendwo«, auf eine tragischkomische Entdeckungsreise. Durch eine schillernde, verrückte, inspirierende und seelenfressende Welt. Die unsere ... So ist auch Andreas Sommers neuer Roman: Schillernd, verrückt und eine Entdeckung wert. AB JETZT IN JEDER BUCHHANDLUNG ISBN 978-3-7844-3612-8
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orteeditorial Liebe Leserinnen und Leser Der Sand der Zeit gleitet unendlich durch die Finger, die Hände bewegen sich auf und ab, greifen im Wechsel den nicht endenden Strahl – ein Zauberkunststück? Die Zeit vergeht, und unsere Knochen werden müde. «Spürt ihr die Wüste in den Knochen?», fragt Autor Shimon Adaf in unserer aktuellen orte-Ausgabe. Die vorliegende hebräische Lyrikauswahl zeigt Entdeckungen, Strömungen und Facetten der literarischen Entwicklung in dieser Sprache. Die Texte regen zum Nachdenken an und fordern zum Mehrfachlesen auf. Sie sind leidenschaftlich und sensibel zugleich bei Hedwa Harechawi, gekennzeichnet durch eine nervöse Fülle bei Yona Wollach und verbunden mit starkem Begehren bei Anat Zecharia. Die Gedichte der sechs Autorinnen und Autoren sind mit schroffen Ausdrucksformen gezeichnet, ungeschminkt, direkt und teils unkonventionell. Beim Blättern im Heft lassen Sie sich von Zeit zu Zeit auch von den Bildern des Fotografen Miklós Klaus Rózsa in eine andere Welt entführen, als ob Sie mit seinen Augen durch fremde Strassen spazieren. Mit dem Gedicht über die Ha-Aliya Strasse von Adi Keissar können Sie fast in die Klänge der Umgebung eintauchen – hören, wie sie näherkommt – so, als ob auch Sie gerade dort stünden. Bücher voll Zeit besprechen wir im ortebücherregal, wenn von ausdauerndem
Schauen im Schächental die Rede ist oder wir mit Atempausen des Autors Konrad Pauli in die Welt des Innehaltens eintauchen. Im kommenden Herbst ist wieder Lesezeit, und das Team von Zürich liest freut sich «wie verflixt» darauf, sich an hundert Orten in die literarischen Fluten zu stürzen. Ausserdem empfehlen wir einen Themenweg nach Münsingen zu Friedrich Glausers Kriminalroman Matto regiert oder Ganna Kostenkos neue Geschichten aus Odessa, die in der Moldawanka, dem alten jüdischen Bezirk in der südukrainischen Hafenstadt, spielen. Diese bemerkenswerte orte-Ausgabe zeigt eine gewaltige Sprachkraft und ist der Sehnsucht nach Zeit und Orten gewidmet. Wie dem Ort, wo lange Wimpern von Sommermädchen fernes Hörensagen sind, den Autor Erez Biton in seinen Landschaften mit verbundenen Augen voller Melancholie beschreibt. Allen Mitwirkenden und Projektleiterin Bettina Spoerri danken wir für die gelungene Auswahl. Ich wünsche Ihnen Hände voller Zeit, das Finden von Orten mit verbundenen Augen und unbändige Neugier, um den Sand der Wüste jeden Tag aus Ihren Knochen zu schütteln. Beste Grüsse Annekatrin Ranft-Rehfeldt
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Am Magen David-Platz vor dem Eingang zum Shuk ha-Carmel.
Foto: Miklós Klaus Rózsa.
«Spürt ihr die Wüste in den Knochen?» NEUE
HEBRÄISCHE LYRIK
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Als ich von Annekatrin Ranft-Rehfeldt angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könne, eine orte-Nummer zu Gegenwartslyrik aus Israel zu kuratieren, war das für mich der Impuls, mich endlich intensiver mit dieser zeitgenössischen Lyrik auseinanderzusetzen – lese ich doch israelische Literatur seit vielen Jahren, nachdem ich in den 1990er-Jahren in Jerusalem gelebt und zu Beginn meiner entsprechenden Sprachlernzeit einen Immersion Course in Iwrith an der Hebrew University besucht habe; aber während ich seither kaum einen wichtigen Roman oder auch Spiel- oder Dokumentarfilm zu lesen beziehungsweise zu sehen verpasse, habe ich mich nie derart vertieft mit (neu)hebräischer Lyrik auseinandergesetzt. Doch zuerst galt es ab- und einzugrenzen, was genau das sprachliche und literarische Feld dieser Zeitschrift-Ausgabe sein soll: Lyrik, die in Israel geschrieben wird, ungeachtet dessen, in welcher Sprache? Oder etwa auch Lyrik, die von israelischen Staatsbürgerinnen und -bürgern ausserhalb des Landes produziert wird? Sollen palästinensische beziehungsweise arabische Lyriktexte berücksichtigt werden? Bald war klar, dass der territoriale Konflikt auch den Korpus der Ausgabe einer literarischen Zeitschrift betrifft, wir diskutierten verschiedene Möglichkeiten. Letztlich gab die Sprache den Ausschlag, und die Redaktion einigte sich mit mir darauf, dass das Heft nicht israelischer Lyrik, sondern zeitgenössischer Lyrik in Iwrith, also Neuhebräisch gewidmet wird. Denn mehr noch als in der Prosa ist die Sprache in der Lyrik entscheidend und wesentlich, die Lyrik gräbt tief in die Literaturgeschichte, das kulturelle Gedächtnis einer Sprache ein, spielt in diesem Fall auch mit Motiven aus der jüdischen Tradition – so beispielsweise mit der
1 Yonathan war der älteste Sohn des Königs Sauls – und der Freund oder gar Geliebte von David, der nach Saul auf den königlichen Thron folgte (vgl. 1. und 2. Buch Samuel, Buch der Könige u.a.m.). 2 Die hebräische Abkürzung «Tanach» umfasst die Tora (5 Bücher Mose), die Nevi’im/ Propheten und die Ketuvim/ Schriften.
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berühmten Figur Yonathans1 –, und im Neuhebräischen widerhallt das Hebräische des Tanachs2, Wörter haben dadurch eine oft mehrschichtige Bedeutung und semantische Vektoren in verschiedene Richtungen. Angesichts dieser Dimensionen hätte es für eine Ausgabe, die unter anderem Lyrik miteinbezieht, die in einem bestimmten arabischen Dialekt geschrieben wurde, Kennerinnen oder Kenner gebraucht, die entsprechend in einer anderen Kulturtradition solche tieferen Verbindungen und Sprachschichtungen aufzeigen können. Diese Ausgabe ist aufgrund dieser Überlegungen der zeitgenössischen hebräischen Lyrik gewidmet: einem kleinen Ausschnitt einer grossen Vielfalt an Stimmen. Auffallend ist, dass in den neusten zwei Generationen, von der zur Kultfigur gewordenen Yona Wollach (1944-1985) bis hin zu Adi Keissar, unter den Dichterinnen und Dichtern viele jener sozialen Schichten vertreten sind, die im Vergleich zum ashkenasischen Establishment der Gründerzeit des Staates Israel und der Zionismus-Pionier-Zeit lange diskriminiert und marginalisiert wurden: allen voran die Mizrahim, die Juden, die aus arabischen Ländern eingewandert sind, und ihre Nachkommen. Parallel zu ihrem Kampf in die Mitte der Gesellschaft und den Paradigmenwechseln, die Mizrahim auch im Film, in der Prosa und in anderen Kunst- und Kulturbereichen zu selbstbewussten, eigenständigen Stimmen und Figuren werden liessen, sind in der Lyrik diese Veränderungen an der Produktion und am öffentlichen Echo und Erfolg ablesbar. Eine neue Position im Zentrum haben sich auch viele schreibende Frauen erobert; war die (neu)hebräische Literaturszene über viele Jahrzehnte von Männern dominiert – angefangen von Autoren wie Samuel Agnon bis hin zu Amos Oz oder Meir Shalev – so treten in Prosa und Lyrik seit insbesondere den 1990er-Jahren immer mehr Frauen ins Rampenlicht dieser Szene – um nur einige mittlerweile sehr bekannte Namen zu nennen, die auch international
erfolgreich sind: Zeruya Shalev, Mira Magen, Batya Gur, Ayelet Gundar-Goshen, Michal Govrin, Savyon Liebrecht, Judith Katzir, Orly Castel-Bloom, Yael Hedaya u.v.a.m. Im Bereich der Lyrik hat Yona Wollach als Frau, aber auch durch ihre von der amerikanischen Beat-Generation inspirierten Textvortrag-Performances sowie mit ihren – für die damalige Zeit noch sehr – ungewöhnlichen Provokationen gegenüber Rollenund Geschlechternormen, ihren Enttabuisierungen weiblicher sexueller Fantasien, hetero- wie homosexueller Spielart, einen wichtigen Platz inne. Sie durfte in der Heftausgabe, deren möglichen Textkorpus mir die Publizistin, Übersetzerin und Kulturvermittlerin Tali Konas einkreisen half, bevor die Übersetzerin Lina Barouch und ich die Gedichte zu übersetzen begannen, nicht fehlen. Im Gespräch mit Rina Baroukh wiederum (nein, sie ist nicht mit Lina Barouch verwandt), die sich im Feld der Gegenwartslyrik speziell auch mit dem Werk von Shimon Adaf literaturwissenschaftlich auseinandersetzt, werden die Positionen und die poetische Bedeutung der anderen fünf Stimmen, Erez Biton und Hedwa Harechawi, Anat Zecharia, Shimon Adaf und Adi Keissar thematisiert und bestimmt. Natürlich sind einige wenige Gedichte von gerade mal sechs Autorinnen und Autoren nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs – oder vielmehr: ein Schlaglicht auf die bunte Landschaft einer Lyrik mit gewaltiger Sprachkraft, Sehnsucht und Melancholie. Die ausgewählten Texte sollen Lust auf mehr machen, die Neugierde auf diese Lyrik wecken – die wie so viele Lyrik im Vergleich zur Prosa noch immer wenig in Übersetzungen gelesen werden kann. Lina Barouch und ich, wir haben in vielen Zoomgesprächen – in Zeiten der andauernden Pandemie –, sie in Tel Aviv, ich in Zürich, die Übersetzungsversionen und unsere Fragen und gegenseitigen Kommentare, zwischengelagert auf Google Drive, in vielen langen Sessions diskutiert und finalisiert. Diese intensive Arbeit im Austausch – und
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unterbrochen von tagelangen, traumatisierenden Bombenangriffen auf Tel Aviv in diesem Mai, als Lina mit ihren Kindern im Schutzkeller sass –, war für uns eine faszinierende Reise tief ins Innere der poetischen Welten der Autorinnen und Autoren, die immer wieder neue Erkenntnisse und Interpretationsmöglichkeiten hervorbrachte. Die Übersetzungsarbeit war eine Auseinandersetzung, die letzten Endes Entscheidungen für die eine oder andere Übersetzungslösung – in Form der Bevorzugung zum Beispiel der rhythmischen oder metaphorischen Ebene – erforderte; in Form einiger Kommentare haben wir aber sichtbar gemacht, was die deutsche Sprache gegenüber dem Original nicht «lesbar» machen kann. Bettina Spoerri
Nach Erscheinen dieses Hefts wird zirka im November 2021 eine Onlineveranstaltung per Zoom mit einer Auswahl der hier vorgestellten Autorinnen und Autoren und Übersetzerinnen stattfinden. Mehr Informationen dazu finden Sie auf www.seismograf.ch und www.babelkultur.ch. Auf diesen beiden Websites finden Sie auch das weiter hinten in diesem Heft zu findende Zoom-Gespräch (im englischen Original und in voller Länge) mit Rina Baroukh, Lina Barouch und Bettina Spoerri. Die Stimmen der Autorinnen und Autoren Shimon Adaf, Adi Keissar, Hedwa Harechawi (hier zu finden mit dieser Transkription ihres Namens: Chedwa Harechawi) und Anat Zecharia können Sie auf der Website Lyrikline.org (www.lyrikline.org/) – ein Projekt des Hauses für Poesie in Berlin mit internationalen Partnern – hören; hier tragen sie Gedichte in der Originalfassung vor (aber mit einer Ausnahme Wegen menschlichem Fehlverhalten von Zecharia, andere als diejenigen, die wir für die deutsche Übersetzung hier ausgewählt haben). Und wir weisen gerne auf Y ouTube hin, wo die sechs Autorinnen und Autoren auch in Videoform kennengelernt werden können, da und dort mit Übersetzungen der Gespräche/Sendungen in Form von Untertiteln unter anderem in Englisch.
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In Neve Zedek im Süden Tel Avivs.
Foto: Miklós Klaus Rózsa.
Beim Shuk ha-Carmel in Tel Aviv.
Foto: Miklós Klaus Rózsa.
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Hedwa Harechawi
Die ausgewählten Gedichte sind in der Literaturzeitschrift Helikon Nr. 124 (Tel Aviv, 2018) erschienen.
Und ich liebte dich seit jeher und je mehr und mehr ich dich liebte kehrte ich meine Augen von mir selbst Ich war du du warst ich Im Hebräischen ist dieses Gedicht an ein weibliches Du adressiert.
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Ich will dir danken, dass du mich wahrnahmst auf deinem Weg, dass du mich bemerktest, in meine Richtung schautest, mich riefst mit meinem Namen Solltest du mir wieder über den Weg laufen, in einer der Gassen, in der Nacht, an der Kreuzung, in der Asche, an dem Platz, wo niemand sich um irgendeinen anderen kümmert – ich liege dort schon nicht wenig Zeit, mit halb-weissem Haar, rot wie Feuer aus dem Frost des Winters Geh nicht an mir vorbei. Schau, ob noch ein Atem ist in meinen Bewegungen Im Hebräischen ist dieses Gedicht an ein weibliches Du adressiert.
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ָפָּניו ָפָּניו תּים ְקרוֹבוֹת ְבִּני שוֵֹתק ְלִע ִ ִמתְבּוֵֹנן ְבִּלי ֵעיַנִים ַבָּשַּמִים תּים ְקרוֹבוֹת ְבִּני שוֵֹתק ְלִע ִ ֶשׁלּ ֹא ַיְחְלפוּ יוֵֹתר ְלעוָֹלם ִמתְבּוֵֹנן ְבִּלי ֵעיַנִים ַבָּשַּמִים ַעל ָפָּניו ֶשׁלּ ֹא ַיְחְלפוּ יוֵֹתר ְלעוָֹלם ַעל ָפָּניו
Sein Gesicht Mein Sohn schweigt oft schaut ohne Augen in den Himmel dass er um alles in der Welt nicht wieder vorbeiziehe an seinem Gesicht
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Ein Brautpaar posiert in der Altstadt von Jaffa für seine Hochzeitsbilder.
Foto: Miklós Klaus Rózsa.
Eltern bringen ihre Kinder in den Kindergarten, Maze Strasse in Tel Aviv.
Foto: Miklós Klaus Rózsa.
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Anat Zecharia
Die drei ausgewählten Gedichte stammen aus dem Band ( בגלל טעות אנושBiglal ta-ut enosch / Wegen menschlichem Fehlverhalten) von 2012, erschienen im Verlag Mossad Bialik, Jerusalem.
All das Fleisch und Fett All das Fleisch und Fett, Kaffee und das Gebäck Sonnenblumenkerne in atlantischem Meersalz, all die passenden Artikel, die Kissen mit Köpfen von Tigern bemalt. All die Schatten offenbaren Schönheit in der Bewegung, alle, die flattern wie Fledermäuse über der Quelle eines kalten Lichts, und Tapete mit Korallenriff zur Illusion von Tiefen. All die Frauen, deren Fleisch gebunden in Riemen des Badeanzugs, all die würdigen Kronen, die Pfauenpracht, das Gebäck. All die Ventilatoren die um ihr Leben kämpfen liegen auf dem Rücken der Decke, Teile von wiederverwertetem Metall, Schlösser, Pinzette, Messer, Schrauben, und schwarze Tinte die Kinderkleider befleckt. All die Glastafeln die eine neue, durchsichtige Stadt bauen, das hübsche Treppenhaus, das um die Ecke kurvt, all die Anzeigen, geklebt über Anzeigen die illegal geklebt wurden,
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«Täter werden strafrechtlich verfolgt. Seien Sie gewarnt!» All die leeren Flaschen, schwarzen Abfallsäcke, Dunkelhäutige aus Afrika Rot, das auch helles Braun ist und Gelb, das auch bleich ist. Und der Mond, der über seine Ufer steigt im Fernseher und die Wasserpfütze, die sich auf dem Boden gesammelt hat und Stille. Ein ganzes Rudel Hunde auf einem einsamen Kätzchen, alle Mäuse in den gelben Feldern, und das Kratzen und Schälen, das schöpfendes und zerstörendes Licht enthüllt Honig und Milch unter unseren Zungen. Und der stürmische Wind, bevor wir uns entfernen, und die Geometrie, die Symmetrie und das «Doktor! Doktor!» und das Trojanische Pferd des Todes.
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Wegen menschlichem Fehlverhalten Der Kosmos dehnt sich aus, habe ich gehört und geschaffen werden neue Sterne. Und wir hoffen, wir haben in Zukunft ein Leben ein ungewöhnlicher Einzelfall. Jemand versprach uns, es gäbe ein Morgen also beeilen wir uns nicht zu lieben. Poliert, fliessend und schnell wir wissen die Fragen zu erkennen, die schon früher gefragt wurden, verfassen eine Antwort im Voraus. Erwidern, als würden wir über eine Buslinie sprechen. Sagen dem Schlechten Gut und dem Guten Schlecht machen Dunkelheit. Versammeln uns vor dem Fernseher das ganze Leben geht an uns vorbei in Erwartung deren Schwere schwacher Tee mildert wieder und wieder dasselbe: Ein russisches Passagierflugzeug ist fast gestürzt wegen menschlichem Fehlverhalten, jemand biss einen Polizisten ins Ohr, ein meterlanges Krokodil wurde gefangen beim Kibbutz Ze’elim, Kinder, gekidnappt von ihrer Mutter werden zurückgeschickt nach Schweden, ein Junge, eingeladen, sich Magie anzuschauen wurde vergewaltigt, und Autobahn Vier wurde für den Verkehr gesperrt. Und tausend Dinge sind wir nicht. Am Ende bekommen wir ein Stück Land wenn das auch nicht der Traum unseres Lebens ist, doch die Ruhe, die Zyklamen.
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Yonathan Hier die Blösse deiner Achselhöhle öffnet sich rückwärts bis nach oben eine leichtflüglige Bewegung verstrubbelt die Brustwarze durstig, alles zu zeigen. Aus der Falte der Bedeutung wächst da ein Fleck schwarzen Haares durch ihn dringst du ein in den Körper. An dem für das Auge nicht sichtbaren Ort denkt der Körper Schweiss und Wärme das Material, aus dem gemacht sind alle die Orte: Kraft und mehr Kraft, da, wo es Sonne gibt, fallen wir Opfer der Hitze. Am Ufer der Senke webe ich einen Wald der nicht wachsen wird, rufe die Tiere, die Wiese zu äsen als letzte Handlung des Lebens ich träufle mein volles Herz es gibt einen Moment am Ende von all dem und es kommt der Sommer
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יונתן ִהֵנּה ֶע ְרַות ֵבּית ַהֶשִּׁחי ֶשְׁלּ5 ִנְפַתַּחת ְלָאחוֹר ַעד ְלַמְעָלה ִבְּתנוַּעת ַקל ָכָּנף פּוַֹרַעת ִפְּטָמה ְצֵמָאה ְלַה ְראוֹת ָהֹכּל. ֵקֶפל ַהַמְּשָׁמעוּת ַמְצִמיַח ָשׁם שָער ֶכֶּתם ְשׁחוֹר ֵ ֹ ַדּ ְרכּוֹ ַאָתּה ִמְסַתֵּנּן ף. ֶאל תּוַֹ Lהגּוּ ַבָּמּקוֹם ַהִבְּלִתּי ִנ ְרֶאה ָלַעִין חם חוֵֹשב ַהגּוּף ֵזָעה ְו ֹ שוִּיים חֶמר ֶשִׁמֶּמּנּוּ ֲע ֹ ַה ֹ ָכּל ַהְמּקוֹמוֹת ֹכַּח ְועוֹד ֹכַּח, ֵהיָכן ֶשֵׁיּשׁ ֶשֶׁמשׁ ֲאַנְחנוּ נוְֹפִלים חם. ָק ְרָבּן ַל ֹ שַפת ַהֶשַּׁקע ֲאִני אוֶֹרֶגת ַיַער ַעל ְ ֹ ֶשׁל ֹא ִיְצַמח, שב קוֵֹראת ַלַחיּוֹת ָלבוֹא ְלַלֵחֵ Lע ֶ ֹ ִכְּפֻעַלּת ַחִיּים ַאֲחרוָֹנה נוֶֹטֶפת ִלִבּי ָמֵלא ף ָכּל ֶזה ֵיש ֶרַגע ְבּסוֹ וָּבא ַקִיץ
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