orte Leseprobe
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Gegründet von Werner Bucher im Jahr 1974 Nr. 188, Oktober 2016 ISBN 978-3-85830-182-6; ISSN 1016-7803 Erscheint 5 Mal jährlich
Redaktion: Redaktion orte Annekatrin Ranft-Rehfeldt Urdorferstrasse 59, CH-8953 Dietikon Tel. +41 44 742 31 58, redaktion@orteverlag.ch Redaktionsteam: Annekatrin Ranft-Rehfeldt (Co-Leitung), Regina Füchslin (Co-Leitung), Viviane Egli, Susanne Mathies, Erwin Messmer, Monique Obertin, Peter K. Wehrli Verlag:
orte Verlag Im Rank 83, CH-9103 Schwellbrunn Tel. +41 71 353 77 55, Fax +41 71 353 77 56 verlag@orteverlag.ch, www.orteverlag.ch
Einzelnummer: Fr./Euro 18.– Abonnemente: Gönnerabonnement orte Fr./Euro 140.– (5 Ausgaben pro Jahr + Poesie-Agenda) Jahresabonnement orte Fr./Euro 80.– (5 Ausgaben pro Jahr + Poesie-Agenda) Abonnemente im Ausland: Fr./Euro 12.– Zuschlag Inseratepreise: Inserateverkauf:
1 / 1 Seite (121 x 180 mm) Fr. 400.– 1 / 2 Seite (121 x 88 mm) Fr. 200.– 1 / 4 Seite (121 x 42 mm) Fr. 120.– Rosmarie Gamboni, rosmarie.gamboni@orteverlag.ch, Tel. +41 71 353 77 42, Fax +41 71 353 77 56
Umschlaggestaltung: Janine Durot (Foto: Carmen Wueest), orte Verlag, Schwellbrunn Copyright der T exte bei den Autorinnen und Autoren. Trotz umfangreicher Bemühungen ist es uns in wenigen Fällen nicht gelungen, die Rechteinhaber für Texte und Bilder einiger Beiträge ausfindig zu machen. Der Verlag ist hier für entsprechende Hinweise dankbar. Berechtigte Ansprüche werden selbstverständlich im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten.
Für die wertvolle finanzielle Unterstützung unserer Zeitschrift danken wir herzlich:
orteinhalt 3 Editorial
Zyt isch es Löcherbecki – Berndeutsche Mundartgedichte orte inhaltsverzeichnis
5 Einführung: Schöni u wüeschti Wörter Barbara Traber, Viviane Egli, Erwin Messmer 8 äsch detik / schbaat Rudolf Bohren 10 Ds Armatuurebrätt / Ds rächte Wort Gertrud Burkhalter 12 Chüe / Venusode / bärner schriftsteuerverein Ernst Eggimann 14 Mis Bärndütsch / verpasst / Heine reloaded Urs Frauchiger 16 Eine kleine Blütenlese Roland Ris 19 1625 m ü. m. Jakob Paul Gillmann 20 Homer – Die Odyssee auf Berndeutsch Albert Meyer 21 bluus Agathe Keller 22 Under Tane / Schnije Maria Lauber 24 Heuet / Ds Glück Carl Albert Loosli 26 lippeschtift-notiz / über d’brügge / wie geits? Kurt Marti 28 bäärn Walter Vogt 29 Fotografien aus Bern Markus Traber 48 Ustags-Filosofii / Meie Walter Raaflaub 51 Das Vaterunser berndeutsch 53 Es nachtet Christian Schmid 55 Brot Senta Simon 56 d Höigümpper / wes ne Heinz Stalder 57 Induuchlen Albert Streich 58 fei echly veieli / u wen i nume Barbara Traber 59 Nachspilzyt / Aarelied Christoph Trummer 61 Sonett für d Aglaja Veteranyi / Abbrochni Gschichte / Am Meeresstrand Fritz Widmer 64 wörter / schnee vo geschter Hans Jörg Zingg 66 Autorenbiografien 69 orte-Bestenliste 72 hör-orte 74 orte-Bücherregal 76 orte-Galerie 92 orte-Agenda 93 orte-Nachruf 96 orte-Marktplatz
Roger Perret Peter K. Wehrli
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«Ischt net mys Tal, öes Dorf emitts, mitts in der Wäld?» Die Frutigtaler Dichterin Maria Lauber (1891–1973) ist eine bedeutende Vertreterin der Mundartliteratur des 20. Jahrhunderts. Die Enge des Bergtals wird in ihren Texten geweitet: Indem die Autorin über das Zusammenleben in den kleinen Siedlungen am Hang, über die am Gartentor vorbeigehende Liebe, über Heimweg, die Suche nach dem Glück berichtet, erzählt sie vom Menschsein schlechthin. Lauber Maria / Kulturgutstiftung Frutigland (Hg.) Ischt net mys Tal emitts Maria Lauber (1891–1973) – Lesebuch Erstausgabe August 2016 Geb., SU, Lesezeichen und -bändchen 15,8 × 21,6 cm, inkl. CD, 256 Seiten, 20 Fotografien Coverbild und Fotografien: Reto Camenisch Layout: Ruedi Rey ISBN 978-3-7296-0928-0 CHF 39.00 / EUR 39.00 Zytglogge Verlag
Soeben erschienen: Susanne Mathies
Überraschungseier und andere Unverschämtheiten Warum erkenne ich mich nicht, wenn ich vor mir auf der Bank sitze? Wozu braucht Laura jetzt zwei Köpfe? Wie funktioniert das mit den Überraschungseiern im dunklen Kino? Jede der 24 Kurzgeschichten in dieser Sammlung wirft eine spannende Frage auf. Lassen Sie sich überraschen! Susanne Mathies Überraschungseier und andere Unverschämtheiten – Geschichten aus der Gegenwart 136 S., 7,48 €, CreateSpace, ISBN-13: 978-1534703933
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orteeditorial Grüessech liebi Läserinne u Läser Sie halten ein Heft mit berndeutschen Mundartgedichten in den Händen, auf dem Cover ein Löcherbecki. Es Löcherbecki. Oder sagen Sie «Abtropfsieb»? Vielleicht haben Sie auch an den Spruch vom Gedächtnis wie nes Löcherbecki gedacht, oder ist Ihnen ein besonders schönes Exemplar dieses Küchenutensils vor Augen gekommen? Eines, bei dem die Löcher in Form kleiner Blumen angeordnet sind, oder eines mit Füssen und geschwungenen Henkeln? Mundart ist uns nahe, und rund um ein Mundartwort sind die Gedanken lebendig wie Sommervögel. Unter allen Dialekten in der Schweiz ist das Berndeutsche sicher einer der beliebtesten: Man verbindet damit Gemütlichkeit und Ruhe und weiss auch aus der Musik und der Kleinkunst um das poetische Potential dieses Dialekts. Weniger bekannt ist die grosse Vielfalt an verschiedenen Dialektrichtungen innerhalb des Berndeutschen. So sind die Stadt Bern mit ihrer Umgebung, das Emmental, das Seeland, der Oberaargau und die zahlreichen Täler des Berner Oberlands mit ihrem je eigenen Berndeutsch in unserem Heft vertreten. Eine grosse Vielfalt findet sich auch im Ausdruck. Das Berndeutsche verfügt über einen enormen Wortreichtum bis in die wüsten Wörter hinein, wie die Zusammenstellung von berndeu t schen Flüchen von Roland Ris zeigt. Ein weiterer Teil sind Übersetzungen von klas-
sischen Texten, wie der Odyssee oder des Vaterunser, ins Berndeutsche. Vielleicht werden Sie beim Lesen der Gedichte hie und da bei einem Wort stocken. Einige Mundartwörter sind im Anschluss an die Gedichte erklärt, manches wird beim ersten Lesen einfach der Klang einer Buchstabenfolge sein – und es vielleicht auch bleiben. Und à propos Klang: Da es hier um Mund-art geht, haben wir zusammen mit dem Heft eine Audiodatei mit einigen Hörproben produziert, die Sie auf der Webseite www.orteverlag.ch aufrufen können. Im Mittelteil bietet eine Reihe von Fotografien passend zum Heftthema Einblicke in die Stadt Bern. Die Bilder stammen aus der Sammlung von Markus Traber. Wir danken besonders Barbara Traber, die zusammen mit den Redaktionsmitgliedern Viviane Egli und Erwin Messmer durch ihre grosse und kenntnisreiche Arbeit die Entstehung dieser Nummer erst möglich gemacht hat. Und wer dann immer noch mehr Lust auf unbekannte und neue Schweizer Lyrik verspürt, ist eingeladen, unsere orte-Galerie am Ende des Hefts zu durchstöbern. Sie finden eine Auswahl aus den vielen Textzusendungen, die uns jeden Monat erreichen. Viu Vergnüege bim Blettere u Schnöigge wünsche öich d’ Regina Füchslin u d’Annekatrin Ranft-Rehfeldt
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Zyt isch es Löcherbecki Berndeutsche Mundartgedichte
hommage à rabelais d’schöni vo de wüeschte wörter isch e brunne i dr wüeschti vo de schöne wörter
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Kurt Marti
Schöni u wüeschti Wörter Die Erstsprache oder die Muttersprache – für Schweizerinnen und Schweizer meist die Mundart – ist unsere Umgangssprache, in der wir uns täglich, überall und immer unterhalten, in der wir denken, fühlen, lieben, träumen und das direkte Erleben am besten ausdrücken können. In unserer Mundart finden wir Vertrautheit und Nähe. Sie prägt unser Wesen, und ich halte es für ein Privileg, sie auch als Schriftsprache einsetzen zu können. «Schwyzerdütsch» existiert bekanntlich nicht, so wenig wie ein «Bärndütsch»! Es gibt zahlreiche verschiedene Berndeutsch – je nach Region, Ort oder Talschaft. Das Mittelberndeutsch in Bern und Umgebung weicht ab von den Dialekten, die im Emmental, im Seeland oder im Oberaargau gesprochen werden. Im Berner Oberland unterscheiden sich die Mundarten in jedem Tal voneinander: Brienzer, Haslitaler, Grindelwaldner, Simmentaler, Frutigtaler Deutsch … Stadtberndeutsch ist ein Sonderfall: Früher differenzierte man zwischen Patrizierdeutsch (mit französischem Einfluss), Burgerdeutsch der Zünfte der Ober- und Mittelschicht und Normal-/Mittelberndeutsch der Unter- und Mittelschicht, das heute vorherrscht; dazu kommen Matteänglisch (Geheimsprache) und Mattedialekt (im Berner Quartier Matte). Eine präzise dialektologische Charakterisierung ist eine Wissenschaft für sich. Wie soll man all diese mehr oder weniger verschiedenen Mundarten verstehen oder gar lesen können? Die Hörkompetenz von Deutschschweizerinnen und -schweizern ist erstaunlich hoch, wir
1 Die Bibliographie der berndeutschen Mundart literatur von Roland Ris umfasst 2036 (!) selbständig erschienene, rein oder mehrheitlich berndeutsche Publikationen von den Anfängen bis und mit Erscheinungsjahr 1987 (Verlag Emmentaler Druck AG, Langnau 1989).
2 Dort werden Projekte wie «Dialäkt App» und «Voice App» (voiceapp.ch), die gratis im App Store bzw. im Google Play Store heruntergeladen werden können, untersucht. 3 In: Die Weltwoche, Ausgabe 27 / 2014.
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verstehen «fremde» Dialekte meist spontan, von einigen Ausnahmen (etwa gewissen Ausdrücken in Walliserdeutsch) abgesehen. Für die Schreibung von Dialekt gibt es keine verbindlichen Regeln, alles ist zulässig: standardnah, lautnah, phonetisch. Dialektschreibende müssen sich zwischen Lauttreue und besserer Lesbarkeit entscheiden – und von Anfang an in Kauf nehmen, dass die Zahl der Leserinnen und Leser eingeschränkt sein wird. Die Lektüre von Mundartliteratur bedeutet zusätzliche Entzifferungsarbeit, fällt deshalb vielen schwer und braucht (anfänglich) mehr Zeit und etwas Überwindung. Diese Hürde – vor allem für unsere Leserinnen und Leser ausserhalb der Schweiz – hat uns auf die Idee gebracht, ein kleines Hör-Erlebnis zu bieten. Mund-Art eignet sich ja besonders zum laut Lesen und Vorlesen. Eine Kostprobe können Sie unter dem Link www.orteverlag.ch hören. Bärndütsch, der beliebteste Schweizer Dialekt, wurde dank seiner reichen Mundartliteratur 1 schon früh über die Grenzen des Kantons und der Schweiz hinaus bekannt. Mit den Namen Otto von Greyerz, Rudolf von Tavel, Simon Gfeller und C. A. Loosli verbindet man die erste Mundartbewegung in der Schweiz nach der Wende des 19. Jahrhunderts. Mundart rund um das Berner Heimatschutztheater wurde in den 1930er- und 1940er-Jahren ein wichtiger Teil der «geistigen Landesverteidigung»; gefragt waren eine «reine» Sprache, Bodenständigkeit, Volkstümlichkeit, heile Welt. Etwas später machten berndeutsche Hörspielbearbeitungen von Gotthelfs Romanen durch den Dialektautor Ernst Balzli (1902–1959) Furore, und von da an wurde lange leicht abschätzig von «Bluemets Trögli» gesprochen: veraltete, rückwärtsgerichtete Berndeutschliteratur. Ernst Eggimann und Kurt Marti lösten, zusammen mit den Berner Troubadours, in den frühen 1970erJahren mit «modern Mundart» eine dritte, befreiende Dialektwelle aus, die bis heute vor allem in der Lyrik und in Songtexten nachwirkt und der jungen Szene der Rapper, Slammer und Spoken Word Poets – wie etwa der Gruppe «Bern ist überall» – immer noch Impulse gibt. Adrian Leemann, Sprachwissenschaftler am Phonetischen Labor der Universität Zürich2, erklärte in einem Artikel über «Die Magie des Berndeutsch»3, eine neue Studie zeige, dass Berndeutsch so prominent sei wie nie zuvor und sich eine typische berndeutsche Aussprache in der Deutschschweiz ausbreite. Er nennt als Gründe
unter anderem: «Auch in der Aussprache ist das Berndeutsche einzigartig: gmüetlech, heimelig, und ihrem Ruf gemäss schlängeln sich die Berner langsam durch ihre Sätze. Das ‹l›, das in Bern meist als ‹u› ausgesprochen wird, gibt diesem Dialekt seine ganz persönliche Note.» Diese Lautveränderung wird in der Sprachwissenschaft als L-Vokalisierung bezeichnet. Mundart könne alles ausdrücken und schrecke nicht davor zurück, sich anderen Dialekten und Sprachen zu öffnen, behauptete Kurt Marti bereits 1964 kühn. Berndeutsch ist tatsächlich sehr wandelbar, mit unbegrenzten sprachlichen Freiheiten, vielen lautmalerischen Ausdrücken, Diminutiv- und Konjunktivformen und noch nicht abgegriffenen Begriffen. Stäcketööri, auch einer Unmenge Flüche und Kraftausdrücke! Da ein Dialekt geografisch ein kleineres Gebiet abdeckt als eine Sprache, ist er anfälliger auf Veränderungen. Alte berndeutsche Wörter wie Anke (Butter) oder Nydle (Schlagrahm) gehen immer mehr «verloren», dafür werden ständig neue Ausdrücke und Fremdwörter aus anderen Sprachen «eingeberndeutscht». Ruth Bietenhard (1920–2015), Sprachwissenschafterin und Berndeutschpionierin, hat einmal in einer ihrer «Stübli»-Mundartkolumnen in der Berner Tageszeitung Der Bund ein Beispiel gebracht, das den Unterschied zwischen Standardsprache und Berndeutsch deutlich macht: Sie schrieb, der Begriff Zeit werde im Brockhaus so definiert: «Das im menschlichen Bewusstsein verschieden erlebte Vorgehen von Gegenwart zu Vergangenheit sowie von erwarteter Zukunft zu Gegenwart.» Die berndeutsche Definition von Kurt Marti hingegen laute: «zyt isch nid zahl, nid schtrecki / zyt isch es löcherbecki / wo scho nach churzem ufenthalt / der mönsch z dürab i d unzyt fallt.» Bei der Auswahl der Beiträge für diese Nummer haben wir Liedund Songtexte, längst ein eigenes Genre, ausgeklammert, da das orte-Heft 105 lieder lyrics lyrik mit neuen Liedtexten aus der Schweiz nach wie vor lieferbar ist. Wo nicht anders angegeben, sind die abgedruckten Gedichte unveröffentlicht und Viviane Egli, Erwin Messmer (beide St. Galler Mundart) und ich haben bei der Auswahl auch rückwärts geschaut, nicht nur vorwärts – hingertsi u nid nume füretsi. Barbara Traber
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Rudolf Bohren Berner Oberland: Grindelwald
äsch detik
we’t dr chaz e chäsrinda heii gnueg daarhescht schpringgds hochuuf wie dr nurejev im schbrung en unerherti eleganz äs bruucht wenig numen es chliis schdikki chäsrinda äs ischt äben nid als fir gchadz wa fir gchadz ischt
heii – hoch schdikki – Stücklein fir gchadz – für die Katz
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schbaat
nah mitternacht we den uufschdeischt zun den buesspsalmen mueschd ds wort heer mid zween ärr uusschprächen mueschd sägen was mu nid chaan schdraaf mi nid in diim uwillen briglemi nid in diiner teibi bis mer gnädig ooh i ferschmaachden näbem ofen hocked uf dr gwiissleten wand en schwarzi schpinna
brigle – prügeln teibi – Wut gwiissleten – weiss getünchten
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Gertrud Burkhalter Seeland
Ds Armatuurebrätt
Der Wüscher tagget d Uhr tygget d Zyt loufft ds Outo faart u loufft guet, schüsch loufft nüt bim Faare as nume d Uhr; me isch elei mit Apparatuur: d Kilomeeterzaale zeue der Tachomeeterzeiger zeigt ganz gnau; der Gang isch dinn s isch aus im Gang stungelang. Der Wüscher tagget d Uhr tygget ir Armatuur gnau; hinger der Uhr hets en angeri Uhr wo tygget i der Armatuur gnau; s isch aues im Gang s isch aues im Blei – chunnt nümme hei. 10
Ds rächte Wort
Soo gseet men uus We s soo usgseet I eim. Keim sieg mes soo wis der Spiegu eim is Gsicht yneseit. So chunnts we nütmee drychunnt in is yne. So geits we nütmee drusgeit us is use. Es bruuchti ds rächte Wort. U ds Wüeschte vergiengti.
In: Momänte. Berndeutsche Gedichte. Verlag K. J. Wyss Erben AG, Bern 1980.
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Ernst Eggimann Emmental
CHÜE
für e samuel buri tuusig grasgrüeni chüe i de grasgrüene matte gsesch nume di grüene utter lüüchte
Mit diesem Gedicht über grüne Kühe – vor über 35 Jahren! – machte Eggimann weit über das Emmental hinaus auf sich aufmerksam.
VENUSODE
henusode es chunt wis mues es chunt wis chunt es sigs eso henu das chind nu sigs de so henu de so henusode
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bärner schriftsteuerverein
wo der sime gfeuer no wo der sime gfeuer no wo der bauzli no wo der bauzli no wo der gotthäuf no wo der gotthäuf no wo der liebgott no wo der liebgott no aber hütt aber hütt . vo auem won er zämegchratzet het blybt im chly dräck under de fingernegu aber di wachse geng no bis a rand vom sarg
CHÜE in: Heikermänt. Gedichte, Zürich 1971. VENUSODE und bärner schriftsteuerverein in: Henusode. Gedichte, neue erweiterte Ausgabe, Zürich 1968 und 1979. Das letzte Gedicht in: e satz zmitts id wäut. Gedichte, Zürich 1981, alle © by Peter Schifferli, Verlags AG Die Arche. Neu 2011: u ner hört, Gedichte, edition spoken script 6, Der gesunde Menschenversand (mit CD). Der neue Band, zum 75. Geburtstag des Autors erschienen, versammelt seine beiden ersten Gedichtbände Henusode und Heikermänt sowie ausgewählte Gedichte aus e satz zmitts id wäut.
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Urs Frauchiger Emmental
Mis Bärndütsch
Mis Bärndütsch isch nid MYS BÄRNDÜTSCH isch nid das wunderbare Bärndütsch vom Simon Gfeller Mis Bärndütsch isch ds Ämmitauerdütsch vo mir schönschwäre Juget vo der schtadtbärnische Gymer- u Schtudiezyt vo de Tschöb i de nationale u internationale Schtolle Mis Bärndütsch läbt usem Züridütsch vo mir Frou usem Dänke vo mir Frou usem Portugiesisch vo mir Frou usem Lache vo mir Frou Hüt isch es ds Bärndütsch vo mim Greisenalter mis Bärndütsch isch en Art vo Kreolisch
verpasst
Letscht Nacht han i im Troum es SMS übercho: I törf ir Camerata Coeli mitschpile Der Kreisler sig Schtimmfüehrer vo de Nostalgyge U der Casals vo de Visioncelli Morn am Morge törf i de nid lang zmörgele Di erschti Prob syg scho am Viertu ab Nüni 14
Schön! han i tänkt: Der Kreisler u der Casals! Scho morn am Morge! – u bi erwachet i Löli U drum weiss i gäng no nid wie das tönti: D‘ Nostalgyge u d‘ Visioncelli
Heine reloaded
Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Die hat einen Andern erwählt; Der Andre liebt eine Andre, Und hat sich mit dieser vermählt. Das Mädchen heiratet aus Ärger Den ersten besten Mann, Der ihr in den Weg gelaufen; Der Jüngling ist übel dran. Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu; Und wem sie just passieret, Dem bricht das Herz entzwei. Der Eint dä het die Einti gärn die Einti schteit uf e Anger der Anger het e Angeri die isch scho von ihm schwanger. Die Einti het us luter Wuet der erscht bescht Ma ghürate wo grad so isch cho z‘ tschalpe em Einte geits nümme guet. Die schöni alti Story isch gäng no vo Belang u Däm wo da dri gratet bricht ds Härz zmitts abenang. 15
Roland Ris
Eine kleine Blütenlese Berndeutsche Flüche und Kraftausdrücke Flüche sind ihrem Wesen nach Verwünschungen. Im Glauben an die Magie des Wortes werden sie ausgesprochen, um einem anderen Schaden zuzufügen. Dabei werden numinose Mächte als Helfer beschworen: Götter, Dämonen, Naturerscheinungen und Krankheiten. Der Hagel möge deine Ernte zerstören. Der Schlag möge dich treffen: das ist die typische Struktur der Verfluchung, wie wir sie seit dem alten Ägypten in allen Kulturen der Welt antreffen. Oft sind die Flüche auch Beteuerung für die Aufrichtigkeit einer Aussage: Gott möge mich strafen, wenn es nicht so ist, oder man setzt seine Seligkeit als Pfand: my tüüri Seel (eigentlich: «bei meiner teuren Seele»). Solche potentiellen Selbstverfluchungen haben mit der Zeit ihren ursprünglichen religiösen Sinn verloren: mytüüri bedeutet nur noch «gewiss, wirklich», und das heute überhand nehmende verdami ist nur noch ein Kraftwort zum Abreagieren der Frustration. In einem solchen weitestgehend von seinen magischen Wurzeln befreiten Feld können sich nun die einzelnen Komponenten von ihrem ursprünglichen Sinn lösen und sich in freier Kombination mit anderen verbinden. Schiess, der mit dem Blitzstrahl verbundene Donnerschlag, steht nun nicht mehr nur nach Donner, sondern auch nach Hagel und Wätter und
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schliesslich sogar nach religiösen Begriffen wie Tüüfel, Chrüz und Sacker. Durch Kombination der verschiedenen Elemente und durch Einbeziehung weiter Teile des Sachwortschatzes und der Namenwelt entsteht so ein Sammelsurium, das durchaus poetischen Charakter hat, jedenfalls aufzeigt, wie kreativ das Berndeutsche in seinen volksnahen Schichten bis heute geblieben ist. Aus meinem als Datenbank über 84 000 Stichwörter umfassenden Berndeutschen Wörterbuch hier eine kleine Blütenlese: Sackermänt Wie so viele Kirchenwörter wurde auch Sakrament aus religiöser Scheu (Euphemismus) verändert – zu Sappermänt, Sappermoscht – oder zu Mänt gekürzt, das mit potz (ursprünglich «Gottes») verbunden zum oft auch anerkennend gebrauchten Kraftwort wurde. Aber das war vielen zu kurz, und so fügte man das durchaus als Vorname zu verstehende Änneli hinzu: Mäntänneli, das vorne mit Chätzer-, Stärne-, Tuusige-, hinten mit -schiess er weitert werden konnte. Das offenbar nicht mehr deutbare Element Mäntkonnte durch das lautlich ähnliche Wältersetzt werden: Heiligewältänneli, Stärnewältänneli.
Änneli Es blieb nicht bei dieser einen Bildung mit einem eingeschleusten Vornamen: Zu Stärnebärgänneli und Türggebundänneli traten Stäckebärgannelysi, Stäckebärgstüdi, Wätterannebäbeli, dann auch Kraftwörter mit männlichen Vornamen: Liebergödel, Heiteretani, Herrmann Tanner, Herrmann Zack, und schliesslich Wendungen mit Familiennamen, neben Hueber, Stouffenegger und Sturzenegger vor allem Gopfridstutz – manchmal ergänzt mit und Söhne – wohl der gebräuchlichste Schweizerfluch. Gopfrid Was so schön nach dem Vornamen Gottfried tönt, ist eine Verballhornung der alten Beteuerung Gott verdamme mich. Diese versucht man abzuschwächen durch Verkürzung, Gopf, Verkleinerung, Gopfridli, oder durch Erweiterungen wie durch die oben angegebenen oder Gopfridstude, Gopfridstüdeli, oder man vermeidet den Anklang an den Vornamen ganz, indem man das anstössige verdammin einen anderen Zusammenhang bringt, Gopferdamevelo, Gopferdoria, oder durch ein anderes Wort ersetzt: Gopferchlemi, Gopferglemi, Gopferdeli, Gopferdechel. Stärn Zum ursprünglichen magischen Fluchinventar Blitz, Donner (Schiess), Hagel und Wetter tritt der Stern. Das mag uns erstaunen, weil wir vergessen haben, dass den Gestirnen immer – bis heute in den Bauernkalendern – ein grosser Einfluss auf die Witterung zugeschrieben wurde. So kann sich denn Stärn den Witterungsflü-
chen zugesellen: Stärnechrüzhagel, Stärnewätter, Stärnedonner, Stärnetuusigdonnerwätter, Stärneräge, Stärneblitz bis hin zu «Kettenflüchen» wie Himelhagelstärnemillionechrüzdonnerwätter. Stärn gliedert sich dann aber als Verstärkung auch Flüchen aus ganz anderen Wortbereichen an: Stärneliederbuech, Stärnebärg, Stärne cheib, Stärnerych, Stärnestierebysi, Stärneföifi. Latärne Abgeschwächt, wie in der Bildung stärnsverruckt, macht sich Stärn selbstständig und zieht nun das Reimwort Latärne an sich: Stärnelatärne, ergänzt durch Himeloder Milionechrüz. Latärne löst sich aus dieser Verbindung und wuchert weiter: Himelstäckelatärne(-tööri), Pfyffelatärne «Unsinn». Auch das mattenenglische Latudere unterliegt diesem Prozess: Stärnelatudere, Sackerlatudere, Huereseichstierebärgsacklatudere. Stäcketööri Die Reimbildung Stärnelatärne erfreut sicher alle, die sich ein kindliches Sprachgefühl bewahrt haben, lässt sich aber viel besser in die konkrete Alltagswelt versetzen, wenn man Stärne durch Stäcke ersetzt: Himelstäckelatärne, Tuusigstäckelatärnetööri, Stäckelatudere, (Milione-) Stäckelatärnetööri, Stäckelatärnetägel. Und so macht sich Stäcke selbständig: Stäckebärgstärne, Stäckebärg(-tööri) und gar – aus einem ganz anderen Bereich – Milione-Stäckebohne, wieder mit Reimbildung.
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Heikermänt So geht das Spiel weiter: es folgt Tööri: Fahne-, Heidugge-, (Heimat-, Himel)Stäcketööri, Stäcketöörifahne, Stäcketööritürgg, Heitere-, Latärne-, Sacker-, Stäckelatärne-, Stärne-, Tuusig-, Tuusiglatärnestäcke- und viele andere mehr. So könnte man weitergehen bei Stäckebärg, bei Türgg, Heidugge und heitere. Doch, ist es ein Spiel ohne Regeln, kann man wirklich jedes Element mit jedem kombinieren? Eine genauere Untersuchung zeigt, dass unser Sprachgefühl nicht alles toleriert: Donnerhimel, Hagelstärne und viele andere Bildungen sind als Flüche nicht belegt; Stärnehimel nur ganz selten, weil das Wort ja eine ganz konkrete positive Bedeutung hat. Neubildungen wie Heikermänt aus Ernst Eggimanns Fluchfuge (aus Heimatland und Sackermänt) werden von der Sprachge meinschaft nicht aufgenommen. Nundedie Französische Flüche, bei Gotthelf und Rudolf von Tavel noch häufig, sind nahezu verschwunden. Einigermassen belegt sind nur Nundedie, Nondediö (nom de dieu), nundebuggel (nom de bougre), Sackerdie (sacre dieu), Sackreblö (sacre dieu), Sackerdiblö (sacre nom de dieu), nom d’une pipe (nom de dieu) und sapristi. Aufsteiger mit zweifelhaftem Ruf ist merde, besonders an der Sprachgrenze. verbrönnt Zahlreich sind Bildungen mit verfluecht und seinen euphemistischen Abwandlungen: verflixt und verreckt (am Schatte). Am lustigsten sind die grösstenteils auch im
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Zürichdeutschen vorkommenden Ausrufe mit verbrönnt: eh du verbrönnti Amalie, Bassgyge, Guggumere, Latudere, Paschtete, Saagi, Soosse; e du verbrönnts Hüenerwadli. Auch hier ist der Kreativität kaum eine Grenze gesetzt. e der Herjesesli Heute hat sich das Fluchverhalten der Frauen weitestgehend an das der Männer angeglichen. Früher gab es aber ganz feste Regeln, was eine gut erzogene Frau aussprechen durfte. So entstanden die typischen «Wyberflüechli», die natürlich auch die Jesesgötteler gebrauchten: Herjeses, E der Herjesesli, mygottstüüri (gröber: mygottshockabode). gwüss Gewiss ist doch kein Fluch! Doch – für die Pietisten im bernischen «Bible belt» zwischen Emmental und Berner Oberland. Nur Gott weiss, was gewiss ist. Und so ist das (ebenso wie mytüüri) tabuisierte Wort tunlichst zu meiden oder dann nur in abgewandelter (euphemisierter) Form zu gebrauchen: gwünd, gwüni im Emmental, gwi in Grindelwald, gwuni in Frutigen, gwündisgwünd im Kiental, guss in Schwarzenburg, göss im Oberhasli. Merke: was ein Fluch ist, kann nur aufgrund der jeweiligen lokalen Kultur bestimmt werden.
Jakob Paul Gillmann Mittelberndeutsch
1625 m ü. m.
i glitzrige wälm ligt der märzeschnee so als ob er vo hie obe 1625 meter höcher als der mittler wasserstand vom mittelmeer nie meh dänne wet däne aber am waldrand tropfets u chlopfets abrakadabra em früehlig der huflattich füf oder sächs chlyni sunne lüüchte so als obs nie hätt chüeler tage gä gletscherchalti nächt u wäm chäms jitz o z sinn di sunne z strupfe hueschtesirup usne z mache
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Albert Meyer
Die Odyssee auf Berndeutsch Voss:
Sag’ o Muse, mir von dem vielverschlagenen Manne, der soweit geirrt, als er Troja, die heil’ge, zerstöret, vieler Städte Menschen gesehn und Sitte erfahren, und auf dem Meer so viel unnennbare Leiden erduldet, dass er sein Leben rette und seiner Freunde Zukunft.
Meyer:
Göttlichi Tochter, o sing mer das Lied doch vom gwaglete Ma itz! Isch es gwüss ihn ja, wo Troja, di herrlichi Veschti het proche. Het er drufabe dert mängerlei Lüten Örter glehrt bchenne. Allerlei Bittersch u Leids uf em Meer uss erläbt und erlitte, toll um sys Läben ou grunge, für d Heifahrt von all syne Gspane. Die Übertragung von Homers Odyssee ins Berndeutsche von Albert Meyer (1893-1962), erstmals 1960 erschienen, ist einzigartig! Meyer, über 40 Jahre Primarlehrer in Buttenried bei Mühleberg im Kanton Bern, begann sich schon als 8-Jähriger für Homers Odyssee (in der Übersetzung von J. H. Voss (1751–1826)) zu interessieren, als er bei einem Kuraufenthalt in Montana lange liegen musste. Drei Jahrzehnte lang beschäftigte er sich intensiv mit der Übersetzung des Werks in seine Muttersprache und lernte Griechisch, um Homer im Original lesen zu können. «Mit meinem Berndeutsch komme ich Homers Welt, Sprache, Meinung und Sinn am nächsten, wenn es mir gelingt, der homerischen Metapher einen ebenbürtigen träfen und bildhaften Ausdruck gegenüberzustellen», schreibt er im Vorwort seiner berndeutschen Odyssee.
Albert Meyers, Homer Bärndütsch: Odyssee ist in 4. Auflage im Cosmos Verlag Muri BE vergriffen. 2013 kam ein Download MP3 heraus, gelesen von Theophil Spoerri (Theodor Boder Verlag, 4322 Mumpf, www.boderverlag.ch). Inhalt des Downloads: Us de Gsäng nüün, sächs u siebe. Laufzeit: 66 Minuten. Hexameter in Berndeutsch – ein Hörgenuss.
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Agathe Keller Mittelberndeutsch
bluus
nimmsch no ne hot dog iu, mit viu ketschöp he, chumm obe abe meinsch kuul daun reg di nid uuf, gäu teik it isi sorri gisch mer e zigi meinsch e sesch nei dänk e tschoint okei mache mer fiftififti schpitzeschit blöffer kom on bäibäi lez göu im häppinäit schpiut läif e bärnerbombebänd
In: I zeue bis drü! Bärndütschi Gschichte für Chind. Useggä vo der Barbara Traber, Fischer-Verlag, Münsingen 1985.
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Maria Lauber Berner Oberland: Frutigtal
Under Tane
Under Tane, under Buehe Gahn ig truurig still für miig, merken entlig, wär ig suehe un erwarte: numen diig. Uf em Märit, vur em Garte Han i menga scho la stah, dier elinzig wele warte, u du fragscht mer nüt dernah. Ds Bächi spritzt i wysse Fäle, gumpet dür e Wald embrab, wischt mit ale syne Wäle mier net ds Uugewasser ab. Bueche f./Pl. – Buchen (Baum) elinzig – allein embrab – hinunter, abwärts
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Schnije
Grauwa Tag. Der Wald wi tot. U d Studi stahn u schwüge. Verlores chunnt dür ds Tanechriis es wißes Flöcki z flüge. Ghis Vögi pfift. Ghis Wässerli rünnt. Ghi Huch giit uber d Ärde. U dier uf d Seel chuunt’s wi nen Angscht: was söll doch imel wärde? Hübschelig uf din Ermel chunnt Es gstärndlets Flöcki z ghije. Jitz isch, wes d Wäld der Atem zieht: Still feät’s jitz afaa schnije.
imel – jetzt auch
Band 1 Gedichte von Maria Laubers Gesammelten Werken, 1965 im Francke Verlag Bern erschienen, ist vergriffen. Das zum 125. Geburtstag der Autorin im August 2016 erschienene Lesebuch, eine Reise durch ihr Werk mit Fotografien von Reto Camenisch, Vertonungen von Christoph Trummer (CD), mit Wort- und Sacherklärungen, Angaben zur Entstehungs- und Publikationsgeschichte und anderem ermöglicht einen vertieften Einblick in Sprache und Lebensraum der Dichterin: Ischt net mis Tal emitts. Maria Lauber (1891–1973) – Lesebuch, herausgegeben von der Kulturgutstiftung. Zytgglogge Verlag, Basel 2016.
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Carl Albert Loosli Unteremmental
Heuet
Lue wi das zablet u gablet u juflet u macht Dert uf der Matten, es isch uf my Tüüri e Pracht! Los win es chräschlet u räschlet u chrüschlet im Heu; Schicket ech Buebe, hüt bringe mer’s aĮĮs troches hei! Hüt vor em z Morge het ds Wätter bizyte scho träut: Schicket ech Bueben u wärchet so sträng as der meut. Hüt mues es yche, vo wäge hüt isch es eis dür – Cheut de scho leue, wen einisch der Heuet isch für. Flingg no ne Wagen u hurti der Bimboum drab gheit! Peter, nimm d Gablen u Hans mach das d Sach fürsi geit! Bueb, nimm es Zwisu u d Fleuge tue wehre de Roß, «Hü, no ne Tritt!» u la grad der Mechanik eis los. – Lue di StockwuĮche! ‘s chunnt wäger gäb lang no vergeit – Lad nid uf d Syte, das ds Fueder dr nid uberheit! Hopp! Ds Seili uechen u bunge! La d Scheitle grad da – Nüt vo ablade! La ds Fueder im Tenn inne stah! Gspürsch win es topp isch? U d Fleuge, si frässen eim fasch, Scho ne Tropf? Peter gib uechen u Hans lad was d’ masch! Bungen u hü, i Gottsnamen, es tonneret scho, Süng u schaad wär es derfür, sött’s is i Räge no cho! Los win es trablet u räblet u chroset u macht Dert uf em Brüggstock! Es isch wäger Gott scho baĮ Nacht – Chöm’s jitz cho brätschen u schyni’s u schütti’s wi’s well: Ds Heu hei mer dinne – däm sägen i jitz einisch GfeĮ!
Zwisu – Laubzweig topp – heiss, schwül Gfel – Glück
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Ds Glück
Du weisch nie we de glücklig bisch, Du merksch’s ersch hingerdry, We’s lengste für u fertig isch, Wi wohĮ es der isch gsi! De tüecht’s di – hätt i’s nume gschetzt, U luegsch de Zyte nah, Wo de der Schnabu drann hesch gwetzt, Am Glück, wo de hesch gha! Du sinnisch: Chäm es ume früsch, De sött’s mer nümm etgah, U chuum hesch aĮĮs Guets uf em Tisch, Wetsch nüsti Bessers ha! Eitwäder isch ds Glück scho vorby, U mir hei’s nid erchennt, Oder mir rächne, ‘s chöm de gly, U sy uf beed Wäg brönnt!
nüsti – trotzdem, dennoch
In: Mys Ämmital, Gedichte, mit Audio-CD. Rotpunktverlag, Zürich 2009. www.rotpunktverlag.ch. Die Erstausgabe erschien 1911.
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Kurt Marti Bern Stadt
lippeschtift-notiz
zärtlechkeit schneit und schneit uralt i ne wält wo fallt und vergeit
über d’brügge
z’bärn gits nid nume d’aare und über d’aare brügge und über d’brügge lütt wo chömen und gönge z’bärn gits lütt wo über d’brügge gönge für nümme meh z’cho
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wie geits?
äs chunnt äs geit ganz zerscht chunnt meh als geit doch gly chunnts so wies geit und bald geit meh als chunnt bis alles geit und nüt me chunnt
In: Rosa Loui. vierzg gedicht ir bärner umgangsschprach, Hermann Luchterhand Verlag GmbH, neuwied und Berlin, 1967, 4. Aufl. 1969. Auch die in der Einleitung zitierten Gedichte hommage à rabelais und löcherbecki stammen aus diesem Band. Neu erschienen: Guy Krneta, Kurt Marti, Louisen: rosa loui, Hommage an Kurt Marti, Der gesunde Menschenversand, 2015, Audio-CD.
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Walter Vogt
bäärn bäärn isch e schööni allti schtatt. bäärn isch e schtiilloosi, hässlechi agglomerazion. bäärn isch kolossal hischtoorisch. bäärn hett e nöie baanhoof, oder fasch. bäärn hett äs nöis universitäzschpitaal, oder fasch. aber: bäärn hekke innterkkontinentaale flughafe. bäärn hekke see. bäärn isch ä houptschtatt. aber bäärn isch ke groosshanndelsplazz u kes internazionaals bankzäntrumm. bärn isch übrhouppt nizzüri. wäge dämm simer truurig; mr si abr o ganz froo, und löötnechs vo eim la säge wos weis: tliechggschwindikeit isch zzüri o nid wesentläch gschwinder als zbäärn. niene geiz so schöön u luschtig wi bi üüs. äs schtatteaatr, wo me nid eso rächcht cha beschribe, im kunschschtmuseumm tantiquitäätemäss, zföilton vom taagblatt u daas vom bund. da blüije de natüürlech di chliine chällere mit irne theäätrli, galeriili und litterattuurääbeli und erfülle-n-e kkullturelli missioon. kkönige
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wäärde-n-im hischtoorische museumm empfange. näächschtzmaal de grad im kkrematoorium. zdiplomaatische koorrps odr ggoor, wi me seit, trifft sech hüpscheli unter sich. zbäärn repme bäärndütsch. bäärndütsch isch o nümme, was es isch xii. me seit hütt «nun» u bildet zzuekumfft mit «wäärde». dr wessfall müesse mr schlöinigscht iifüere, bevor er im hoochdütsch uusschtirrbt. was is no völlig fäält, isch pmipfergangeheitt. mee u mee empfinde mr üsi alltagsschpraach als museaal. de hätte mr de usser-em nazionalschtollz u dr nazionaalhümne o no tschpraach verloore. aber ohoo! ersch soo si mer o f f e n für das u m m g r e i f fende! In: apero. Politerarisches Aperiodikum. Heft 2, Thema: modern mundart. Beiträge von Dieter Fringeli (und anderen), herausgegeben von Peter Lehner, Walter Zürcher, Verlag Gurtendorf: W. Zürcher 1967.
Die sogenannte Vespasienne (Pissoir) am Zytglogge.
Abbildungen aus: Traber Markus, SchÜnes (un)bekanntes Bern. 100 Suchbilder zwischen Bahnhof und Bärengraben. Traber Verlag, Bern 1994.
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