Achilles Weishaupt Säntismord
Appenzeller Verlag Leseprobe
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Achilles Weishaupt
Säntismord
Die Bluttaten vom 21. Februar 1922
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Inhaltsverzeichnis
9 Einleitung 11 Vorgeschichte 11 Schon früh als Wetterberg erkannt 12 Als Standort für ein Observatorium auserkoren 16 Ein Haus für die Wetterwarte 18 Die Wetterwarte 21 Die Säntisträger
25 Vor dem Doppelmord auf dem Säntis 25 Die beiden Mordopfer: das Ehepaar Haas-Räss
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Heinrich Haas … 25 Magdalena Haas-Räss … 26 In Zürich (1911 bis 1919) … 27 Wahl zum Wetterwart auf dem Säntis (1919) … 29 Grösserer Verdienst … 31 Seine beiden Töchter … 32 Glückliche Jahre … 32
Der mutmassliche Mörder: Gregor Kreuzpointner Seine Herkunft, Kreuzpointner oder Kiefinger … 34
Seine Ausbildung, Beziehung zu seinen Eltern und Geschwistern … 35 In Herisau (1911 bis 1919): Bewunderung seiner sportlichen Leistung … 35 Rasche Einbürgerung (1915) … 37 In Trogen (1919): sein eigener Herr und Meister … 38 In St. Gallen (1919 bis 1922): beruflich und sozial gescheitert … 39 In Romanshorn (1922) … 41 Als Skilehrer tätig (1922) … 41 Bekannt gewesen mit Heinrich Haas … 41 Aussenseiterdasein, Charakter … 43
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Der Doppelmord auf dem Säntis Mögliche Motive des mutmasslichen Täters Zu seinem Aufenthalt vor dem Aufstieg auf den Säntis Sein möglicher Aufstieg auf den Säntis Die Zeit auf dem Säntis vor den Morden (16. bis 21. Februar) Der Mord am Wetterwarte-Ehepaar (21. Februar) Der Mord am Wetterwart … 55 Der Mord an der Frau Wetterwart … 57 Nach dem letzten Mord Der Abstieg Kreuzpointners vom Säntis
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Nach dem Doppelmord auf dem Säntis Massnahmen nach dem Ausbleiben der Depeschen Entdeckung der beiden Leichen Besichtigung der Tatorte, Aufnahme des Tatbestands und Bergung der Leichen 68 Beerdigung der Mordopfer 71 Einleitung der Fahndung 72 Tätigkeit Kreuzpointners nach seinem Abstieg vom Säntis Ob Appenzell übernachtet (21./22. Februar) … 73 In seiner Wohnung (22. bis 25. Februar) … 73
Erster Versuch zur Übernahme eines Geschäfts (Rheineck, 22. bis 23. Februar) … 73 Verhökerung der gestohlenen Gegenstände (23. bis 24. Februar) … 74 Zweiter Versuch zur Übernahme eines Geschäfts (Heiden, 24. bis 26. Februar) … 75 Aufenthalte an anderen Orten im Appenzellerland (24. bis 26. Februar) … 77 Angeblich mehrmals gesehen worden … 78 In der Stadt St. Gallen gesehen worden (1. bis 3. März) … 78 Grossfahndung in der Stadt St. Gallen (3. März, abends/nachts) … 80 80 Vielleicht in weitere Fälle verwickelt Diebstahl im Militär (1918) … 80 Vermisstenfall Schällibaum (1919) … 81 Tötungsfall Oertli (1922) … 81 Zwei Personen in den Suizid getrieben (1922) … 82 83 Kreuzpointners Ende
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Die Zeit danach Die Wetterwarte Die hinterbliebenen Töchter Ihre Vormunde … 88 Gut abgesichert … 88 Grosszügige Spenden … 88 Auszahlung der Vermögen … 91
Zu Bertha, Helena und Hund «Sturm» … 91
93 Erinnerungen im Laufe der Jahre 93 Denkmal, Überlieferung, Ansichtskarten 93 Berichte in Zeitungen 95 Ein Bestseller und eine Lizenziatsarbeit 96 Verarbeitet für Film, Oper und Theater 98 Anmerkungen 105 Anhang 105 Nr. 1: Aufstieg und Fall des Gregor Kreuzpointner 110 Nr. 2: Besichtigung der Tatorte, Aufnahme des Tatbestands und Bergung der Leichen auf dem Säntis 1) Bericht von Eugen Moser, Polizeichef von Appenzell Ausserrhoden … 110 2) Bericht von Ernst Waldburger, Kantonspolizei St. Gallen … 116 3) Bericht von Professor Alfred de Quervain, Adjunkt der meteorologischen Centralanstalt … 117 123 Nr. 3: Auffindung der Leiche von Gregor Kreuzpointner 125 Nr. 4 : Legalinspektions- und Obduktionsprotokolle 1) Magdalena Haas-Räss … 125 2) Heinrich Haas … 128 3) Nachtrag zu 1) und 2) … 131 4) Gregor Kreuzpointner … 135 140 Bibliografie und Bildnachweis 141 Ungedruckte Quellen 141 Gedruckte Quellen 142 Literatur 144 Bildnachweis
1 Frau Säntiswart schneidet ihrem Ehemann die Haare, während er einen historischen Roman über den indischen Aufstand von 1857 liest und sein Hund «Sturm» auf ihn schaut, um 1921.
Einleitung
Am 21. Februar 1922 ereignete sich auf dem Säntis ein schlimmes Verbrechen, auf das damals die Schweizer Bevölkerung und die Menschen jenseits der Landesgrenzen mit grosser Empörung reagierten. Daran erinnert noch heute auf dem Friedhof von Appenzell der zum Denkmal gewordene Grabstein der Mordopfer. Die Rede ist vom Mord an Wetterwart Heinrich Haas und seiner zweiten Ehefrau Magdalena. Alles deutete darauf hin, dass der Konkursit Gregor Kreuzpointner, ein Bergsteiger mit übersteigertem Ehrgeiz und Egoismus, diese zwei ruchlosen Mordtaten begangen hatte. Das Tragische daran ist, dass sich dieser und das Ehepaar gekannt haben und sich das Verbrechen sechs Tage nach Ankunft von Kreuzpointner am verschneiten Säntis ereignete. Überführt wurde er jedoch nie, da er zwölf Tage später auf der Flucht vor seinen Verfolgern in einer Alphütte am Fusse des Säntis Suizid beging. In seiner Abschiedsnotiz, die sich nur an seine Geliebte richtete, ergeben sich keine Hinweise auf seine Beweggründe. Bis heute ist deshalb dieser Mordfall nicht endgültig geklärt. Unklarheiten haben dazu geführt, dass sich Mythen und Legenden um den «Säntismord» zu ranken begannen und das Geschehen manche Menschen nach wie vor beschäftigt. Heute sind die in Archiven befindlichen Untersuchungsakten nicht mehr unter Verschluss. Deshalb ist es möglich, hier mehr Licht ins Morddunkel zu bringen und mehr über die Hintergründe der schrecklichen Ereignisse und die Motive des mutmasslichen Mörders zu erfahren. Parallel dazu sind Quellen mit vermeintlich wenig Informationsgehalt neu ausgewertet und fachkundige Personen in die Untersuchungen miteinbezogen worden. Mit der vorliegenden Arbeit soll, soweit es möglich geworden ist, ein historisches Ereignis in der Schweizer Geschichte erhellt werden.
Achilles Weishaupt
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Der Autor dankt allen Personen und Institutionen, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt und diese ermöglicht haben: – Paul Broger, Appenzell – Adalbert Fässler, Appenzell – Stefan Kölbener, Appenzell – Franz Manser, Appenzell Steinegg – Peter Ulmann, Appenzell – Kriminalmuseum St. Gallen, St. Gallen – Landesarchiv Appenzell Innerrhoden, Appenzell – Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, Herisau – Staatsarchiv St. Gallen, St. Gallen – Stadtarchiv St. Gallen, St. Gallen
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Vorgeschichte
Bevor die Ereignisse rund um den Doppelmord auf dem Säntis eingehend erläutert werden, sollen im folgenden die Anfänge der dortigen Wettersta tion und des Observatoriums geschildert werden. Ohne sie lässt sich die schreckliche Bergtragödie nicht verstehen. Weitergehende Informationen dazu lassen sich in Hermann Grossers (1911 – 1995) detaillierter Arbeit über die Säntis-Wetterwarte im «Appenzellischen Jahrbuch» von 1981 finden.1 Auch die Klimageschichtlerin Franziska Hupfer setzt sich in ihrer im Jahr 2019 erschienenen Dissertation «Das Wetter der Nation» mit der Wetterbeobachtung auf dem Säntis wie auch mit deren Auftraggeberin, der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt (seit 2000 MeteoSchweiz), eingehend auseinander.2 Erhöhte Bedeutung kommt seit Eröffnung der Wetterstation im Alpstein den sogenannten Säntisträgern zu, weswegen auch deren Tätigkeit kurz gestreift wird.
Schon früh als Wetterberg erkannt Das Wetter vorhersagen zu können, ist ein uralter Menschheitstraum. Dank modernster Technik hat sich dieser Traum heute grösstenteils erfüllt. Bis dahin hat es aber lange gedauert. Im Jahr 1697 rief der Zürcher Stadtarzt Johann Jakob Scheuchzer (1672 – 1733) Bekannte von ihm zur Erfassung und Aufzeichnung von Wetterdaten an deren Wohnorten auf. Jedoch nur wenige kamen seiner freundlichen Bitte nach. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Schweiz vornehmlich in niederen und mittleren Lagen zahlreiche Beobachtungsstationen errichtet. Gemessen wurden damals die Temperatur, die Dichte und die Feuchtigkeit sowie die Windströmungen. Bald zeigte sich aber, dass so nur wenig sichere Erkenntnisse geliefert werden und Messungen in den oberen Luftschichten unentbehrlich sind. Am ehesten dafür geeignet hielt man Stationen auf isolierten Bergspitzen, wobei diese zur Erzielung besserer Resultate nicht mit einer zu grossen Masse in das Luftmeer hineinragen dürfen. Dies hatte übrigens am Säntis schon viele Jahre zuvor der Mathematiker und Physiker Christoph Jetzler (1734 – 1791) erkannt. Der Schaffhauser, 11
ebenfalls um die freigewordene Stelle des Wetterwarts beworben hatte, war mit ihm beinahe ein halbes Jahr lang auf Berge gestiegen. Man darf ihn nicht allein lassen, er müsse einen Kameraden zur Seite haben, der quasi das Rückgrat sei. Leuzinger war von tiefer Religiosität geprägt und überzeugt, dass nur Gott Kreuzpointner helfen und dieser einen Einblick in die göttliche Gnade bekommen könne. Aber sein Herz blieb wie dasjenige des Pharaos (Ex 7 ff.) verstockt.117 Etwas komisch mutet an, dass sich in Kreuzpointners Kittel, den er jeweils bei einem seiner Vermieter, einem Schneider, in Ordnung bringen liess, ihn aber nicht abgeholt hatte, ein Rosenkranz befunden haben soll.118 Albin Leuzinger hinterlässt in seinen bruchstückhaften Schriften auch Eindrücke zu Kreuzpointners Charakter. Speziell aufgefallen ist ihm ein ausgeprägtes ichbezogenes Verhalten – er sah seinen Worten zufolge in eine Hölle von Ichsucht hinein – und eine eisige Gleichgültigkeit. Bergunerfah reren Menschen in grosser Not dürfe seiner Meinung nach nicht geholfen werden, da sie in den Bergen nichts zu suchen haben, weswegen man sie verrecken lassen soll. Vorrang hatte beim ihm stets die Erfüllung seiner Kletterwünsche. Wer nicht mit ihm, dem grossen Könner und Bergführer, einigermassen mithalten konnte, galt als Versager. Stets zeigte er sich als ein trockener Mensch, nur nicht in ihm angenehmen Unterhaltungen wie beispielsweise bei Kletterthemen. Oft hielt er es auch nicht genau im Umgang mit der Wahrheit, sogar gegenüber seiner Geliebten, was in ihr Misstrauen weckte. Es tauchen auch Begriffe wie geheimnisvoll, rätselhaft und undurchschaubar auf.119 Auch ist die Rede von einem Hochstapler ersten Rangs.120
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Der Doppelmord auf dem Säntis
Mögliche Motive des mutmasslichen Täters Um wie bis anhin seinen Lebensstil weiter zu führen und seine Schulden loszuwerden, beabsichtigte Gregor Kreuzpointner die Übernahme eines Schuhmachergeschäfts von einem arbeitsmüden Mann. Den Akten zufolge dürfte er vor seinem letzten Aufstieg auf den Säntis bereits in Verhandlungen gewesen sein. Erwähnt werden nach der Mordtat als Übernahmebedingungen 200 Franken als Anzahlung und 350 Franken als Restsumme.121 Eine grosse Summe, die ihm niemand leihen wollte. Hinzu kommen in Romanshorn gemachte Schulden, die zu tilgen waren, sonst würde mit Betreibung gedroht. Auch die laufenden Lebenskosten waren zu decken. Ohne diese zu kennen, dürfte sich der Betrag auf 600 Franken belaufen haben. Unklar ist, wie hoch seine bisherigen Schulden waren und wie der Stand des gegen ihn hängigen Konkursverfahrens war. Wohl hatte er keine Kenntnis davon, dass inzwischen das Strafverfahren gegen ihn wegen unerlaubter Selbsthilfe mangels Beweisen eingestellt worden war, er aber die Untersuchungskosten zu bezahlen hatte und bei Nichtbezahlung eine Gefängnisstrafe drohte.122 Kurzum: Kreuzpointner benötigte eine grosse Summe Geld. Nur bestand für ihn das grosse Problem darin, dass ihm praktisch niemand mehr grössere Beträge leihen wollte. Wer war schon bereit, für ihn sein eigenes Geld aus dem Fenster zu werfen? Eine grosse, vielleicht seine letzte Hoffnung setzte er auf seinem Lieblingsberg in Wetterwart Heinrich Haas. Interessant ist die am 25. Februar 1922 bei der Stadtpolizei St. Gallen gemachte Aussage des Gefangenenwarts Johann Anton Rimensberger, wonach seine zwei Töchter etwas aufgeschnappt hatten und dies seiner Meinung nach in Zusammenhang mit den Ereignissen auf dem Säntis stehen könnte. Der wegen Eigentumsdelikten mehrfach vorbestrafte Emil Langenegger, wie Kreuzpointner von Beruf Schuhmacher und als Säntisbesteiger bekannt, befand sich finanziell in einer ganz schlechten Lage. Er soll sich dahingehend geäussert haben, dass er nächstens auf den Säntis gehe und ganz gut bekannt im Hause vom Wetterwart sei. Dem fügte er noch bei, Haas sei reich. Ferner konnte in Erfahrung gebracht werden, dass er sich kürzlich auf dem Säntis als Feriengast aufgehalten haben soll.123 Langenegger und Kreuzpointner dürften sich aufgrund ihrer 45
Säntis-Begeisterung vielleicht gekannt haben. Ob ersterer deswegen und wegen seinen Charaktereigenschaften ein Komplize des Letzteren war? Wohl eher nicht, da er nicht mehr in den Untersuchungsakten erwähnt wird. Jedoch muss Kreuzpointner bekannt gewesen sein, dass die Eheleute Haas-Räss wohlhabend waren, der Posten des Wetterwarts auf dem Säntis eine sehr gut bezahlte Stelle war und der Ehemann, wie schon erwähnt, als grosser Menschenfreund galt. Ein weiterer Hinweis auf den Reichtum des Wetterwart-Ehepaars lässt sich im Sektionsprotokoll der Leiche der Ehefrau finden. Erwähnt wird dort eine Zahnprothese in ihrem Oberkiefer, was sich damals sicher keine armen Leute haben leisten können und wohl viel Geld gekostet haben dürfte.124 Die genauen Motive Kreuzpointners werden, da er nach seinen begangenen Mordtaten Suizid begangen hat, für immer ein Rätsel bleiben. Aufgrund von Hinweisen in den Akten und in überlieferten Schilderungen können nur Mutmassungen angestellt werden. Ob auch Neid auf die ihm entgangene Stelle des Wetterwarts eine Rolle gespielt hat, wie heute immer in Gesprächen zu vernehmen ist, dürfte angesichts seiner schwierigen Situation, für die er doch eine Lösung suchte, eher unwahrscheinlich gewesen sein. Durchaus aber möglich ist, dass Neid zu einer Eskalation vor der ersten Mordtat beigetragen hat. Kreuzpointner könnte vielleicht Haas, weil er ihm wohl nicht zu helfen gewillt war, in der Hitze des Gefechts vorgeworfen haben, dass er, obwohl nichts dafür könnend, wegen der Wahl zum Wetterwart schuld an seiner misslichen Lage sei. Dass er eine Pistole mit deformierter Munition auf sich trug, scheint darauf hinzuweisen, dass er sein Ziel notfalls durch Waffengewalt erreichen wollte und sich der zerstörerischen Wirkung der zu verwendenden Geschosse durchaus bewusst war. Diese hatte er wohl selbst hergestellt.125
Zu seinem Aufenthalt vor dem Aufstieg auf den Säntis Unklar ist, wo sich Gregor Kreuzpointner nach Verlassen seiner Arbeitsstelle in Romanshorn (10. Februar) und vor seinem letzten Aufstieg auf den Säntis (16. Februar) aufhielt. Die Angaben in den Untersuchungsakten und in Zeitungsartikeln widersprechen sich. Gut möglich ist, dass er, um seine Probleme zu vergessen, in die Berge ging. Einer Zeitungsmeldung zufolge hauste er am 14. Februar am Fusse des Alpsteins, in der Clubhütte Schwizer älpli unterhalb des Öhrlis: Er war sehr erstaunt, dort zwei Mitglieder des Alpsteinclubs zu treffen. Er war mit Skiern ausgerüstet und hatte als Proviant nichts bei sich als ein Bürli. Touristen, die ihn zum Mittagessen einluden, fiel das lästige Benehmen des Fremden auf.126 46
Auch soll er in Schwende den Säntisträger angetroffen und ihm erklärt haben, dass er auf den Säntis zu gehen gedenke. Trifft dies zu, dürfte er damals noch keine Mordabsichten gehegt haben, ansonsten hätte er sein Vorhaben kaum so ohne weiteres preisgegeben.127 Der Vorgänger seines in Konkurs geratenen Geschäfts, Johann Kaspar Feusi, war sich ziemlich sicher, dass er sich im «Weissbad» aufhalte.128 Einer schriftlich fixierten Überlieferung zufolge soll er dort sogar vor seinem Aufstieg auf den Säntis mit Direktor Bardy sowie zwei Personen mit den Initialen B.K. und A.K. gejasst haben.129 Interessant bezüglich Datum und Aufenthalt ist die Aussage von Feusis Ehefrau, die sie am 27. Februar als Zeugin vor der Staatsanwaltschaft gemacht hat: Donnerstag, den 16. Februar 1922 Abends kam er, wie er sagte, von Romanshorn her, zu uns. Er hatte viele seiner Effekten immer noch bei uns. Er zog an diesem Abend (16. Februar) mit Ski und Rucksack aus, aber ausnahmsweise mit dem Ueberzieher. Er sagte, er gehe in die Berge. Vom Säntis sprach er nicht.130 Der Vollständigkeit halber sollen hier noch Kreuzpointners eigene Angaben erwähnt werden: Gegenüber seiner Geliebten hat er am 23. Februar gesagt, er habe den letzten Sonntag (19. Februar) auf Pizol zugebracht, wie auch noch einige weitere Tage.131 Damals muss zwischen ihnen noch ein gewisses Verhältnis bestanden haben, von einer Auflösung dieser Beziehung kann jedenfalls entgegen anderslautenden Meldungen und Aussagen nicht die Rede sein. Zudem gibt es in den Akten keine Anhaltspunkte für das Gerücht, wonach sie auf dem Säntis beim Wetterwarte-Ehepaar Erkundigungen über ihn eingezogen und sie sich aufgrund dessen Aussagen von ihm getrennt haben soll.
Sein möglicher Aufstieg auf den Säntis Aufgrund der mutmasslichen Motive muss Kreuzpointner daran gelegen sein, möglichst sicher auf den Säntis zu gelangen. Wahrscheinlich dürfte er, weil pleite und nicht viel im Magen, eine schnelle Route für sein Ziel, wo er sich satt essen und erholen kann, gewählt haben. Als bewährter Säntisbesteiger verfügte er über die geeigneten Kenntnisse bezüglich einer solchen Routenwahl. Am ehesten in Frage kommen dürfte, auch die damaligen widrigen Schneeverhältnisse und die grimmige Kälte berücksichtigend, eine solche über den Mesmer: Auf Seealp hat man vor dem Aufstieg an der Roten Platte nach links Richtung Felsen zu gehen, entlang und nahe an diesem weiter zu marschieren, dann hinter dem Mesmer zur Fehlalp, links hinauf zum 47
Nöödig Chemmi, zum Gamsloch, zur Bösegg und dann auf den Säntis.132 Ein alleiniger Aufstieg über die Chammhalde oder die Nasenlöcher wäre im Winter sehr gefährlich und ziemlich anstrengend. Deren Begehung ist, sofern kein guter Trittschnee vorhanden ist, nur mit Steigeisen und Pickel möglich. In den Akten werden solche Hilfsmittel nicht erwähnt, von Skiern ist jedoch mehrmals die Rede.
Die Zeit auf dem Säntis vor den Morden (16. bis 21. Februar) Zu Kreuzpointners Ankunft auf dem Säntis ist man dank der Berichte der Ehefrau des Säntisträgers, Maria Theresia Rusch-Hersche (1870 – 1942), und eines Telegrafenbeamten des Telegrafenbüros St. Gallen informiert. Die Frau Wetterwart soll ihr am 19. Februar, an einem Sonntag, morgens um halb neun Uhr mitgeteilt haben, seit Donnerstag sei der Kreuzpointner bei ihnen oben, aber man dürfe es nicht sagen, er wünsche, dass es geheim gehalten werde. Sie dürfte Maria Theresia Rusch auch darauf aufmerksam gemacht haben, dass wegen des unvermutet auftauchenden Gasts mit der Zeit die Lebensmittelvorräte zur Neige gehen würden.133 Da er damals noch in seinem Bett gewesen sei, habe sie ins Tal, nach Wasserauen zur «Alpenrose», wohin die Telefonleitung ging, telefonieren können.134 Am darauffolgenden Tag, am 20. Februar, machte sie nach Abgang der mittäglichen Depesche weitere telegrafische Mitteilungen ans Telegrafenbüro St. Gallen. Da diese privater Natur waren, wurden sie durch den dort ausnahmsweise arbeitenden Dienstchef, Johann Schneider, nur mit dem Gehör entgegengenommen. Ein zweites, auch nur fragmentarisch vorhandenes telegrafisches Gespräch, fand tags darauf im Anschluss an die morgendliche Depesche statt. In der Wetterwarte waren auf dem Telegrammstreifen nur die Antworten aus St. Gallen vorhanden, wohl um eine allfällige Aufdeckung durch Kreuzpointner zu verhindern. Der Gesprächsanteil von Magdalena Haas war nur durch Unterbrechungsmarken ersichtlich. Über den Wortwechsel gibt Schneiders Aussage vor der Staatsanwalt schaft des Kantons St. Gallen und die Mitteilung des Adjunkten der Meteorologischen Centralanstalt, Professor Alfred de Quervain, über dessen «Dechiffrierung von Depeschen auf dem Säntistelegraphen» Aufschluss. Um mehr über die Hintergründe der Ereignisse zu erfahren und aus Fehlern für die Zukunft zu lernen, sah es Letzterer als Vertreter der Vorgesetzten der ermordeten Eheleute als seine Pflicht an, eigene Untersuchungen anzustellen. Sein handschriftlicher Bericht, den er am 28. Februar 1922 den Polizeibehörden in Herisau übergab, wurde aber nicht wie vorgesehen an die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen weitergeleitet, sondern ge48
langte an die Polizeidirektion in Appenzell,135 die ihn nach St. Gallen herauszugeben verweigerte und einfach zu den Akten legte.136 Am 21. April 1922 verfasste er einen ergänzenden Bericht an die Centralanstalt. Darin beklagte er sich auch über die fehlende Mitarbeit der Behörden in Appenzell und St. Gallen bei der Rekonstruktion der Gespräche. Offenbar war der Fall für sie nach Kreuzpointners Suizid abgeschlossen.137 Es ist davon auszugehen, dass de Quervain von Schneiders Aussage keine Kenntnis hatte und deswegen auf dessen Befragung hartnäckig beharrte. Weil ihm nur der Wortlaut von St. Gallen zur Verfügung stand, stellte er zu jenem von Magdalena Haas Vermutungen an. Fazit: Er will in der Wetterwarte eine beunruhigende Situation erkannt haben. Sowohl Schneiders Aussagen als auch de Quervains Untersuchungen werden, weil sie von Wichtigkeit sind, im folgenden abgedruckt. Erstes Gespräch Zeugenaussage von Johann Schneider, am 3. März 1922, im Kriminal gebäude in St. Gallen:138 Montag, den 20. Februar Abends etwas über 6 Uhr, als ich gerade im Begriff war, mein Bureau zu verlassen, meldete sich der Säntis. Ich nahm die Drahtmeldung nur phonetisch entgegen, da ich sah, dass es eine private Mitteilung sei. Es hiess hier Haas, ob es die Frau oder der Mann war, kann ich nicht sagen, da ich als Dienstchef nur die Aufsicht habe und nur ausnahmsweise an den Apparaten selbst arbeite, sonst ist es wohl möglich, von 2 Telegraphisten eines Ortes, die Personen nach dem Ton und Rythmus, wie sie auf den Apparaten spielen, also hier Mann oder Frau Haas genau von einander zu unterscheiden. Das Telegramm, das ich nur mit dem Gehör entgegen nahm, lautete weiter: Es sei droben bei ihnen seit Donnerstag, den 16. Februar, ein Gregor Kreuzpointner; es sei ihm verdächtig, dass er nicht mehr hinabwolle; er habe zur Ausrede das Wetter sei nicht günstig; aber da er ein guter routinierter Skifahrer sei, erscheine das als blosse Ausflucht. Ich schlug sofort das Adressbuch auf, fand den Namen und beschloss, ihm nachzufragen. Ich dachte, er könnte hier etwas begangen haben und sei nun flüchtig. Nach dem Säntis berichtete ich, dass ich andern Morgens Bericht erstatten wolle. Noch gleichen Abends erkundigte ich mich über Kreuzpointner bei Feusi [Johann Kaspar FeusiDrittenbass, vorheriger Inhaber von Kreuzpointners in Konkurs geratenem Geschäft – Anm. d. Verf.], fragte, wo dieser sich befinde. Feusi antwortete, ziemlich sicher im Weissbad. Feusi erzählte dann, dass Kreuzpointner sein Geschäft gekauft habe, Geld von seiner Braut erhielt, die aber das Verhältnis gelöst habe, dass Kreuzpointner dann in Konkurs gekommen und jetzt ohne Arbeit sei. 49
Nr. 2
Besichtigung der Tatorte, Aufnahme des Tatbestandes und Bergung der Leichen auf dem Säntis 1) Bericht von Eugen Moser, Polizeichef von Appenzell Ausserrhoden Herisau, den 28. Februar 1922. An die Polizeidirektion
APPENZELL I.-RH. In der Nacht vom 25./26. ds. wurde der Unterzeichnete von Herrn Prof. Dr. A. de Quervain namens der Schweiz. Meteorologischen Zentralanstalt Zürich ersucht, bei der Tatbestandes-Aufnahme in dem angenommenen Doppelmord auf dem Säntis mitzuwirken. Diesem Ersuchen wurde für den Fall, dass kein kompetentes Untersuchungsorgan anwesend sein sollte, entsprochen, wie auch aus dem Grunde, dass bezüglich des Fundesortes der einen Leiche unter Umständen auch der Kanton Appenzell A.-Rh. in Frage kommen könnte. In Begleitung der Herren Prof. de Quervain und Dr. med. Eggenberger, Spitalarzt in Herisau, welch letzterer sich für die Vornahme der Legalin spektion zur Verfügung gestellt hatte, verfügte sich der Unterzeichnete am Morgen des 26. ds. nach Wasserauen. Dort trafen wir die aus 15 Mann bestehende Hilfskolonne, sowie die Landjäger Koch in Appenzell und Waldburger in St. Gallen zum Abmarsch bereit. Da kein Untersuchungsorgan anwesend war, schloss sich der Unterzeichnete mit den genannten Herren der Hilfskolonne an, welche um 5 Uhr aufbrach. Der Weg führte bei ziemlich guten Schneeverhältnissen über Seealp, Messmer, Wagenlücke nach dem Säntis, welcher von der letzten Partie ewas vor 12 Uhr erreicht wurde. Beim Aufstieg beobachteten wir eine vom Säntis gegen den Grünbühl führende schmale Skispur, die sich in einer Mulde verlor und die unzweifelhaft vom letzten Besucher des Säntis herrührte. Im Beisein von Landjäger Koch nahm der Unterzeichnete um 12.30 Uhr den Tatbestand auf, nachdem demselben eine kurze Besichtigung der Tatorte vorausgegangen war. Dabei musste konstatiert werden, dass bei einem Tatorte bereits Veränderungen vorgenommen worden waren, die eine genaue Wiedergabe des wirklichen Tatbestandes zum Teil verunmöglichten. An dieser Verunmöglichung trägt die viertägige Gefangenhaltung des Hundes im Bureau bei der einen Leiche die Hauptschuld, indem dadurch der wirkliche Tatbestand durch die angerichtete Unordnung – Herunterzerren von Gegenständen, Umwerfen der Stühle usw. – eine derartige Verände110
rung erlitt, dass diese anfänglich den Anschein eines schweren Kampfes zwischen Opfer und Täter erwecken musste, während nach meinen Feststellungen ein solcher Kampf nicht stattgefunden haben konnte. Da eine Rekonstruktion des Tatbestandes ausgeschlossen war, konnten sich meine Feststellungen nur auf diejenigen Punkte beschränken, welche einer Veränderung nicht unterworfen waren. Tatbestand In südlicher Richtung von der Gipfelpyramide, in einem Abstand von 22,70 m, vermutlich auf der Grenzscheide der Kantone Appenzell I.-Rh. und St. Gallen, liegt eine Mannsleiche in Bauchlage auf dem Schnee, die rechte Gesichtshälfte zum Teil mit Schnee zugedeckt, beide Oberarme rechtwinklig vom Körper abstehend, die beiden Unterarme spitzwinklig gegen den Kopf abgebogen, beide Hände zu Fäusten geballt links und rechts am Kopfe und die Beine auseinander gespreizt. Auf dem linken Handrücken ist ein zirka 4 cm langer waagrecht verlaufender Blutflecken zu konstatieren. Am linken Ringfinger befindet sich ein gelber Ehering. Eine Kopfbedeckung findet sich bei der Leiche nicht vor. (Die Kopfbedeckung, eine graue Skimütze, wurde in räumlicher Entfernung westwärts vom Tatort auf dem Schnee, wohin sie vermutlich vom Winde getragen worden war, gefunden.) Die Leiche ist bekleidet mit einem dunkeln, blau passepolierten Uniformrock mit Rückengürtel und zwei gelben Metallknöpfen, einer dunkeln Hose, braunen Wadenbinden und schwarzledernen mit Bergnägel versehenen Schuhen. Im Rock auf dem Rücken ist ein kleines Loch zu konstatieren. – Der Schnee oberhalb der Schädelgegend und bei der rechten Gesichtsseite weist eine rötlich-gelbe Färbung verlorenen Blutes auf. – Anderweitige Spuren sind zufolge des Neuschnees keine festzustellen. – Die Leiche wird identifiziert mit Haas, Josef Heinrich, Wetterwart, von Appenzell, geb. 13. Sept. 1886, Ehemann der Maria Magdalena geb. Räss. In dem im Parterre des Observatoriums gelegenen Bureau, zwischen Telegraphenapparat und Stehpult, liegt auf dem Boden unterhalb des südlichen Kreuzstockes mit der Wand zugekehrtem Rücken, den Kopf westwärts auf einem tellerartigen Absatz des Stickrahmenstockes, den linken Arm über den rechten gekreuzt und dem Bureauinnern zustreckend, die Hand etwas geöffnet und die Beine rechtwinkling angezogen, ein weiblicher Leichnam. Am rechten Ohrläppchen ist ein gelber Ohrring sichtbar; am rechten Ringfinger ein gelber Ehering. Die Leiche ist bekleidet mit einer die Ärmel einer grauen Bluse freilassenden blauen, schwach weiss-getüpfelten Ärmelschürze mit ziemlich grossem Dreiangel unterhalb der rechten Hüfte, einem schwarzen Umlauf, von welchem ein cirka 7 cm breiter Rand 111
sichtbar ist, braunen Strümpfen und Holzbodenschuhen mit schwarzem Oberleder. Auf dem Boden beim Kopfe der Leiche ist eine grössere Blutlache noch schwach sichtbar. (Diese muss vom Hund aufgeleckt worden sein.) Der Inhalt eines Nähkörbchens – Knöpfe, Näh- und Stricknadeln, Woll- und Garnknäuel, Messer, Scheren usw. – liegt auf dem Boden zerstreut umher; desgleichen liegt eine angefangene Stickarbeit mit am Faden hängender Nadel unter zwei umgestürzten Stühlen, der Stickrahmen, vollständig zerbissen, liegt unter dem Tisch vor dem Sopha des östlichen Kreuzstockes. Vom Sopha selbst ist der Überzug teilweise heruntergrissen. An dem in der südöstlichen Ecke stehenden Telegraphenapparat fehlen die Kontaktstöpsel für den Apparat und das Telephon. Im Apparat ist ein neuer Streifen eingesetzt, der nur wenige telegr. Zeichen enthält. Neben dem Apparat liegt auf leeren Telegrammformularen ein folgendermassen beschriebenes Formular: NO: 62 AD Wörter 7 Aufgegeben: 21.02.1922 13 Uhr 37 Min. Telegraphist Haas Obs. Zürich 56366 4457 602 000 1626 An der südöstl. Wand hängt ein Regulateur, dessen Zeiger um 4,52 Uhr stillgestanden sind. Unterhalb der rechten Regulateurecke, 1,09 m ab Boden und 17,5 cm in gerader Linie von der senkrechten Fensterkante, befindet sich die Einschlagstelle eines Geschosses in einem Durchmesser von 7,8 mm. Ein Projektil findet sich in derselben nicht vor. Dasselbe, ein Kupfermantelgeschoss, vermutlich von einer Browningpistole, mit einem Kaliber von 7,65 mm wird auf dem Boden liegend gefunden und zu amtshanden genommen. Hinter dem Rücken und beim Gesäss der Leiche liegen drei Bücher zerstreut am Boden. An der südwestl. Wand über einem Stehpult hängt ein Abreisskalender mit dem Datum: 21. Februar / Dienstag. Weitere Spuren sind, da, wie bereits erwähnt, der Tatbestand vor unserem Eintreffen durch Aufräumungsarbeiten! teilweise verändert worden ist, keine zu konstatieren. Der Leichnam wird mit Haas geb. Räss Maria Magdalena, Ehefrau des Heinrich, Wetterwarts, von Appenzell, geb. 13. Juli 1891, identifiziert. … Nach der Aufnahme des Tatbestandes und erfolgter photogr. Aufnahme der Tatorte durch Landjäger Waldburger nahm Herr Dr. Eggenberger die Legalinspektion vor. Diese ergab sowohl bei Haas als auch bei dessen Ehefrau Schussverletzungen, die den sofortigen Tod der beiden zur Folge haben musste. 112
Etwas nach 14 Uhr wurden die Leichen zum Abtransport nach Appenzell freigegeben. Während ein Grossteil der Hilfskolonne den Rückweg antrat, verblieben die Herren Prof. Dr. de Quervain, Dr. Eggenberger, Land jäger Koch und der Unterzeichnete mit Träger Rusch sen. und Wildhüter Weishaupt, sowie drei weiteren Mann der Hilfskolonne zwecks weiteren Feststellungen am Tatort zurück. Da nach den Tatumständen ein Doppelmord vorliegen musste, erstreckte sich unsere Tätigkeit auf die Feststellung der Täterschaft, das Absuchen nach event. Spuren und Beweismitteln, wie auch auf die Nachforschung nach event. abhanden gekommenen Schmuck- und Wertsachen usw. Wie Träger Rusch deponierte, so war bei ihrer Ankunft am Nachmittag des 25. Februar die Haus- und Gangtüre eingeklinkt, jedoch nicht abgeschlossen. Ebenso sollten die übrigen Türen eingeklinkt gewesen sein. Dagegen habe sich die Falltüre in den Windmesserturm offen befunden, sowie das auf das Gipfelplateau führende Türfenster. Weiter teilte Träger Rusch mit, Frau Haas habe seiner Frau am Sonntagabend telephonisch mitgeteilt, Kreuzpointner befinde sich bei ihnen, es dürfe dies aber niemand wissen. Bei der durch Landjäger Koch im Bureau und den übrigen Wohnräumlichkeiten vorgenommenen Nachschau wurde das Fehlen des Fremdenbuches, eines Heftes mit den Tagesaufzeichnungen, der Uhr des Ermordeten und jeglichen Bargeldes konstatiert. Ebenso konnte der im Pult ordentlicherweise aufbewahrte Feldstecher, ein Zeiss, nicht aufgefunden werden, desgleichen nicht der Trachtenschmuck der Ehefrau Haas. Der Unterzeichnete unterzog sämtliche Räumlichkeiten einem besonderen Augenschein, wobei folgendes festgestellt werden konnte: In dem im I. Stock auf der Südseite gelegenen Schlafzimmer der Ehefrau Haas war das Bett, in welchem nach den beiden Kissen und Eindrücken in denselben zwei Personen geschlafen haben mussten, noch ungemacht, die Waschschüssel und das Nachtgeschirr ungeleert. Die Fensterflügel standen offen. Das nebenanliegende Schlafzimmer, westwärts, für den Ehemann Haas bestimmt, befand sich in Ordnung. – Im sog. Fremdenzimmer des 2. Stockwerkes neben dem südöstl. gelegenen Apparatenraum war das Bett ebenfalls ungemacht und die Waschschüssel ungeleert. In dieser befanden sich einige Haare einer männlichen Leiche, welche zwischen zwei Flexoidfolien gesichert dem Berichte beigegeben sind. Das Absuchen des Wassergeschirres, des Trinkglases und der Waschschüssel nach Fingerabdrücken zeitigte einige nicht verwendbare Abdrücke. Weitere Feststellungen konnten keine gemacht werden, da der Witterungsumschlag am Morgen des 27. ds. zu einem raschen Abstieg drängte. So
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