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Ond zTroge machids gschydi Lüt

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Johannes Schläpfer

Ond z Troge machids gschydi Lüt

Appenzeller Verlag Leseprobe

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. © Appenzeller Verlag www.appenzellerverlag.ch


Johannes Schläpfer

Ond z Troge machids gschydi Lüt 200 Jahre Kantonsschule Trogen

Herausgegeben vom Kantonsschulverein Trogen

Appenzeller Verlag


© 2021 by Appenzeller Verlag, CH-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten. Gestaltung Umschlag: Brigitte Knöpfel Gestaltung Inhalt: Josef Scheuber Gesetzt in Minion Pro und Interstate Herstellung: Verlagshaus Schwellbrunn ISBN 978-3-85882-849-1 www.appenzellerverlag.ch


Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.

August Bebel


Inhalt

Inhalt  11 Einleitung ie bauliche Entwicklung der Kantonsschule  15 1. D von den Anfängen bis zur Gegenwart  16 Altes Konvikt und Olymp  19 Bau des Alten Schulhauses  22 «Wilde» Bauerei, Wunsch nach einer Turnhalle und Unterricht im Freien   24 Schuleigenes Schwimmbad   27 Akute Raumnot   30 Ein bedeutendes Geschenk – nicht ohne Nebengeräusche   36 Erneute Planung eines Ergänzungsbaus   42 Bau des Roten Schulhauses   46 Sternwarte   48 Der Annex und zwei Geschenke   51 Mädchenkonvikt und Aufenthaltsraum für die Pendler   53 Erweiterung des Alten Schulhauses   54 Schaffung neuen Konviktraums   58 Raumkonzept über die gesamte Schule   71 Sanierung des Alten Schulhauses   72 Neugestaltung des Aufenthaltsbereichs und Erneuerung des Annexes   73 Erneuerung des Knabenkonvikts und Optimierung weiterer Gebäude   78 Gedanken an einen Umbau des Olymps

81 2. Bildung ist der Pass für die Zukunft   82 Der langsame, aber stete Einzug der Mädchen   84 Schülerabend   87 Zur Entlastung des Rektors   89 «Die Liebe zur edeln Frau Musika»   91 Praktische Betätigung als Beitrag zum ganzheitlichen Lernen   93 Die ersten Lehrerinnen   95 Jeder Lehrperson ihren Spitznamen   98 «In Trogen schafft doch jeder die Matura» – Betreuung 100 Schulbibliothek und Schularchiv 105 «Auch die Kantonsschule Trogen hat ihren Skandal» 112 Weiterbildung zur Unterstützung des ganzen Schulhaus-Teams 113 Nationale, Bildungsbereiche übergreifende Netzwerke 113 New Public Management und Globalbudget 115 Strategische Optionen 116 Kanti Trogen 2022

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Inhalt

117 Das Gymnasium 140 Die Wirtschaftsmittelschule 157 Die Fachmittelschule 164 Die Sekundarschule 173 Das freiwillige zehnte Schuljahr 177 3. Die Vereine – die heimlichen Pädagogen 178 Skiclub Trogen 184 Kantonsschulturnverein 189 Abstinentenverein Hilaritas 192 Kantonsschulverein Trogen 204 Pfadfinderabteilung Trogen 206 Segelflugverein Albatros 227 Alt-Trogener-Verein Zürich 228 Fussballclub Piccolo 231 Schachklub Trogen 232 Stenographenverein 233 Diskussionsclub Trogen 234 Foto-Club 234 Comitia Trogensis 237 Schülerorganisation 246 Computer-Club Trogen 247 Bibelgruppe Trogen 247 Klimagruppe 249 4. Publizistik zu und aus der Kantonsschule 250 Pfarrer Matthias Bänziger 251 Gedenket an eure Lehrer! 254 Jugenderinnerung 255 «Ihre zuletzt gebrauchten Bücher und Hefte wurden verbrannt» 256 «Wie irgend ein Türke oder Hottentotte» 257 Alkohol, oh Alkohol, du bist ein Feind, das weiss ich wohl 257 «Durch viele Sorgen dem Alkohol verfallen» 258 Julius Ammann 264 Liebes altes Trogen 266 Zucht und Ordnung 267 Der Dank eines Schülers 269 «Herr Direktor geht in 14 Tagen in den Militärdienst» 270 Näbes os mine Kantonsschueljohre 271 Kein Kniefall vor Königin Wilhelmina 275 «Der Mann, der da redet, ist ein ganz gefährlicher Mann»

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Inhalt

277 «Ich bin, wie man so sagt, in Basel ‹vom Charä gheit›» 281 «Frosch-Schenkel-Jäger und Bergfinken-Invasion» 282 «Ungerechte Aufsatznoten» 286 Jacques Dubochet 287 Wie man in den Wald ruft, schallt es heraus 288 Despektierlichkeit hüben und drüben 289 Kein Platz für Fürstensohn 290 Hoher Besuch an der Schule 291 Ein Kriminalroman mit Bezug zur Kantonsschule Trogen 292 Das «System mit den Pensionen war ein erstaunliches Phänomen» 293 «Eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag» 294 «Nuschel, nuschel und diktier» 295 «Das muss ja eine ganz spezielle Schule gewesen sein.» 295 Von A bis Z 307 5. Es steht geschrieben 308 Was ereignete sich 1921? 308 Die Hundertjahrfeier 317 Die 150-Jahr-Feier 321 Bescheidene 175-Jahr-Feier 323 Die Zweihundertjahrfeier 324 Danke 325 6. Anhang 327 Die billigst Schwizerreis 328 Anmerkungen 344 Abbildungsnachweis

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Einleitung

Einleitung Wer eine Jubiläumsschrift zu einer zweihundertjährigen Bildungsinstitution verfasst, wird sich schnell einmal dem Vorwurf ausgesetzt sehen, er böte damit lediglich einen Rückblick und keinen Ausblick. Des Blicks in die Geschichte der Kantonsschule von Appenzell Ausserrhoden in Trogen bedarf es, um verstehen zu können, wie eine zukunftsweisende Idee einiger gebildeter Männer zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer glänzenden Perle unseres Kantons geworden ist. Mit Blick auf das Bildungswesen vergangener Zeiten erkannten die Stifter unserer Schule, dass neue Wege zu beschreiten sind. In der kurzen Zeit der Helvetik (1798 – 1803) wurde versucht, die Bildung des Volks zentralistisch über die Verbesserung der Schulen, die Reform der Lehrerbildung, die Einführung eines Volksschulgesetzes sowie die Etablierung von Erziehungsräten und Schulinspektoren zu erreichen. Danach gestalteten die Kantone während der Mediation und Restauration (1803 – 1830) ihr Schulwesen wieder eigenständig. Zwar nahm das Ausserrhoder Bildungswesen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts Aufschwung, aber der Erziehung junger Leute aus den besser gestellten Kreisen schenkte es zu wenig Aufmerksamkeit. Da sprangen «verschiedene tüchtige, unabhängige und durch Bildung ausgezeichnete Männer, die überzeugt waren, dass die Volkserziehung einen der wichtigsten Faktoren für das Gedeihen eines Staatswesens darstellt»1, in die Bresche. Unsere Schule wird weitere Centennien bestehen, wenn sie sich wie in den vergangenen zweihundert Jahren stets aus sich heraus reformiert. Dabei konnten die Schulleitungen bis auf den heutigen Tag auf Lehrpersonen und Mitarbeitende zählen, die Jahrzehnte zugunsten der Kantonsschule tätig waren. Auf sie zu hören bewährte sich, und so erreichte man mit kleinen Schritten auch Ziele, denen gegenüber sich die Lehrerschaft anfänglich skeptisch zeigte. Sie mit Hauruckübungen zu Reformen bewegen zu wollen, war in der Regel von Misserfolg gekrönt. In solchen Situationen konnten sich die Lehrpersonen als ausgesprochen bockig erweisen. Gingen die Schulleitungen und politischen Behörden behutsam mit den Ressourcen der Lehrerinnen und Lehrer um, führte das in den meisten Fällen zum gewünschten Ziel – wenn nicht auf dem direkten Weg, dann über Umwege. Wehrte sich die Lehrerschaft bei der Maturitätsanerkennungsreform von 1925 noch gegen die Aufnahme weiterer Fächer wie beispielsweise der Wirtschaftslehre, bejahte sie die Einführung des neuen Maturiätstypus E gut fünfzig Jahre später, selbst wenn es für eine kleine Schule, die zudem noch den Diplomlehrgang einer Handelsschule führte, mit enormen Schwierigkeiten verbunden war. Nahm die Lehrerschaft die Schulleitung als Teil des Ganzen wahr, die berufen war, die Schule zu führen und nicht zu verwalten, verweigerte sie die

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Einleitung

Gefolgschaft nie. Und was diesbezüglich in den vergangenen zweihundert Jahren der Fall war, wird auch für die Zukunft Gültigkeit haben. Gleich verhielt es sich im Zusammenspiel zwischen politischen Behörden, Schulleitung und Lehrerschaft. Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel des Verfassens der Kantonsschulverordnung aus dem Jahr 1983. Nachdem an der Landsgemeinde 1982 erstmals ein kantonales Schulgesetz vom Stimmvolk angenommen worden war, musste die Kantonsschulverordnung aus dem Jahr 1959 revidiert werden. Dazu entsandte der Konvent Rudolf Widmer als Lehrervertreter in die Kantonsschulkommission. Dieses erweiterte Gremium entwarf in drei Sitzungen einen ersten Entwurf. Nach Berücksichtigung diverser Wünsche und Anträge des Lehrerkonvents konnte die Verordnung an den Regierungsrat zuhanden des Kantonsrats weitergeleitet werden. Dieser erliess die Verordnung nach eingehender Beratung an seiner Sitzung vom 21. Februar 1983. Zu beurteilen, wieweit das, was gut fünfzig Jahre zuvor in einer Zeitung veröffentlicht wurde, im Folgenden erfüllt wird, überlasse ich jeder Leserin und jedem Leser. «Lebt nicht auch in unserer Kantonsschule eine Kraft, wie sie der Amaryllis hat? Die Saat, die vor mehr als hundert Jahren in die Furche der Zeit gelegt wurde, hat vielfältige Frucht getragen. Und wenn einmal die zweihundertjährige Geschichte unserer Kantonsschule geschrieben wird, dann wird neben den Namen eines Joh. Caspar Zellweger, Conrad Honnerlag, J. J. Graf, Tobler und G. L. Schläpfer, den Gründern der Schule, neben den Namen eines Hermann Krüsi, den Landammännern Oertli und Nagel, Dekan Frei, Gustav Tobler und J. K. Zuberbühler, Dekan Heim, Pfarrer Bion, G. Schoch, Meyer, Pfarrer Giger, Arthur Eugster, Hauptmann Hohl u. a. auch derjenige von Rektor Dr. Ernst Wildi leuchten, dessen Leben und Wirken so recht eigentlich in unsrer Kantonsschule verkörpert ist. Unser Wunsch geht dahin, es möchte diese Anstalt auch fürderhin und immerdar eine Stätte echt menschlicher Bildung und geistiger Freiheit bleiben, wie sie es bis anhin gewesen ist.»2

Die Zukunft unserer Schule ist gesichert, wenn wir Innovationen nicht als hemmend, sondern als anregend verstehen, sie kritisch hinterfragen, um- und mitgestalten, um so die Einmaligkeit unserer Bildungsinstitution zu fördern. Es gilt, die Vorteile dieser Einmaligkeit – es gibt keine weitere Kantonsschule in der Schweiz, die auf ihrem Campus neben einem Gymnasium, einer Fachmittel- und Wirtschaftsmittelschule auch noch eine Sekundarschule führt – zu nutzen. Wir besitzen unter anderem die Chance, dem Nahtstellenbereich zwischen der Sekundarstufe I und unseren drei Angeboten der Sekundarstufe II ein besonderes Augenmerk zu schenken. Statt, wie leider in einzelnen Fächern bis auf den heutigen Tag üblich, zu behaupten, man müsse im Stoff von vorne beginnen, weil die Lernenden von der Vorstufe nichts mitbrächten, täte

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Um der Jubiläumsschrift, die in erster Linie für heutige und ehemalige Lernende und Lehrende sowie der Schule nahestehende Personen verfasst wurde, das entsprechende Zeitkolorit zu verpassen, habe ich sie dokumentarisch gestaltet und mit vielen Zitaten versehen. Da Ernst Wildis Jubiläumsschrift zum 100-jährigen Bestehen der Kantonsschule längst vergriffen ist, wird sie Interessierten zugänglich gemacht. Sie findet sich auf der Archivseite der Kantonsschule und ist unter archiv.kantitrogen.ch/ernst-wildi abrufbar. Teufen, im September 2021 Johannes Schläpfer

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Einleitung

man besser daran, enger und gezielter über die Schnittstelle hinweg zusammenzuarbeiten sowie sich vermehrt Einblicke in die jeweilige Stufe zu gewähren. Zukunft lässt sich gestalten, wenn wir mit Blick in die Vergangenheit in der Gegenwart handeln. Uneingeschränkt gilt, was der Autor am Ende seiner 100-Jahr-Jubiläumsschrift geschrieben hat: «Auf drei Sockeln ruht die Zukunft unserer Schule: auf dem Wohlstand und dem Vertrauen des Landes, auf der Einsicht der Führer des Volkes und auf einer tüchtigen, harmonisch arbeitenden Lehrerschaft.»3


Die bauliche Entwicklung der Kantonsschule von den Anfängen bis zur Gegenwart

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Gedenket an eure Lehrer!

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Die bauliche Entwicklung der Kantonsschule

Die Kantonsschule Trogen gehört zu den ältesten öffentlichen Mittelschulen der Schweiz. Ihre bewegte Geschichte durch bildungs- und gesellschaftspolitische Hochs und Tiefs spiegelt sich rein äusserlich in ihren Bauten sowie der architektonischen Gestaltung des Campus. Seine Gebäude wurden zwischen 1804 und 2001 errichtet beziehungsweise für veränderte Zweckbestimmungen bis in die Gegenwart renoviert und teilweise markant umgestaltet. Am Nordhang Trogens, unten in den Nideren, bilden sich bauliche und schulische Epochen in geraffter Form ab, und so erweist sich die Baugeschichte1 unserer Schule stets auch als Bildungs- und Schulgeschichte.

Altes Konvikt und Olymp Auf den 1. Februar des Jahres 1821 wurde die Lehr- und Erziehungsanstalt für die Söhne der gebildeten Stände2 eröffnet. Als Schulhaus diente das um 1804 als Arbeiterhaus der nahegelegenen Spinnerei errichtete Gebäude. Am 7. Februar 1822 beschloss der Grosse Rat des Standes Appenzell der äusseren Rhoden, die Schule unter seinen Schutz zu nehmen. Daraufhin bot der Besitzer des mit einem geschwungenen Satteldach in Traufstellung versehenen Hauses, der Philanthrop Johann Caspar Zellweger, dasselbe dem Grossen Rat am 6. November des gleichen Jahres zur Gründung einer Kantonsschule als Geschenk an, und zwar mit den vaterländischen, mahnenden und weitsichtigen Worten:

Ehemalige Arbeiter­ behausung, erstes und späteres Knabenkonvikt, Lithografie, um 1826, von Jakob Laurenz Gsell.

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Der Grosse Rat liess sich Zeit und genehmigte die Schenkungsurkunde erst am 7. Dezember 1824. Dazu meldete die Appenzeller Presse lakonisch: «Im Dezember ratifizierte der große Rath die Schenkungs-Urkunden, die Kantonsschule Trogen betreffend, worüber wir in der Folge das Nähere mitzutheilen gedenken.»4 Bei dieser Absicht blieb es denn auch: Während sich die hiesige Presse zur Schenkung Zellwegers und damit zur Gründung der eigentlichen Kantonsschule nicht mehr verlauten liess, fand ein mehrseitiger Aufsatz in einem sankt-gallischen Monatsblatt den ihm gebührenden Platz. Darin heisst es unter anderem: «Unsere Zeit scheint vorzüglich die Anbahnung einer bessern Bildung und Beschulung der Jugend durch öffentliche Erziehungsanstalten aufbewahrt zu seyn. Das Bedürfnis eines gründlichern vielseitigern, den Geist mehr belebenden und das Herz mehr erwärmenden Unterrichts, als derjenige ist, den die gewöhnlichen Schulen ertheilen, wurde sowohl aus höhern Rücksichten, als aus den immer sich vervielfältigenden Verhältnissen der bürgerlichen Betriebsamkeit, schon lange

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Altes Konvikt und Olymp

«Je mehr ein Volk in mancherlei Verhältnisse kommt, je mehr es Umgang mit andern Völkern hat, desto mehr bedarf es Kenntniße. Deßwegen muß auch unser Volk seine Kenntniße erweitern, und bedarf der dazu nöthigen Anstalten. Wenn aber diese Anstalten nicht geeignet sind den religiösen Sinn der Kinder zu wecken, in ihnen den Sinn zu erzeugen, daß dieses Leben nur eine Vorbereitung auf die Ewigkeit hin seye, so sind sie schädlich, weil sie den Hochmuth und den Egoismus nur wecken. Eine Verbindung von einem Erzieher mit mehrern Lehrern, kostet aber viel, und deswegen ist in jedem Canton nur eine höhere Anstalt, und auch in unserm Canton wenn eine ähnliche Anstalt gedeihen soll, müßen alle Kräfte des Landes sich auf einen Punkt vereinigen, nicht nur wegen der Ökonomie der Anstalt, sondern noch vielmehr weil man nicht darauf zählen kann, daß in einer Gemeinde allein stets Leute genug seyen, die den Geist fürs Edle und Schöne besitzen, der zu der Leitung eines solchen Institutes nöthig ist. Leicht aber wird es immer seyn aus dem ganzen Land einen Verein von Männern zu bilden, die zusammengenohmen die nöthigen Kenntnisse und Edelmuth besitzen. Da eine hohe Landes-Obrigkeit durch die große Raths-Erkanntnis vom 7ten Hornung 1822 diese Grundsätze anerkannt hat, so mache ich es mir zu einer heiligen Gewißens-Pflicht, meinem theuren Vaterland zu Handen, Nutzen und Frommen des Cantonal Instituts in Trogen folgende Schenkung zu machen. Ich schenke mein Gebäu Acker und Wald zur hintern Niedern in Trogen gelegen, stost gegen Morgen an Hr. Emanuel Hörler und Bartholome Honnerlag, gegen Mittag an Hr. Doctor Schläpfer und Obrist Joh. Conrad Honnerlag gegen Abend an Uli Schefer, Bartholome Jacob und die Gebrüder Hartmann, gegen Mitternacht an den Bach, alles in Lorchen und Marchen, Recht und Gerechtigkeiten, Nutzen und Beschwerden, wie ich solches beseßen habe, alles frei, ledig und loos mit Vorbehalt folgender Bedingniße. …»3


Die bauliche Entwicklung der Kantonsschule

tief gefühlt. Mancher würdige Vater sah sich in dem Falle, mit bedeutenden Opfern Mittel für seine Söhne zu ergreifen, um die Lücke auszufüllen, die zwischen der Schule und dem Berufe in der Geistes- und Kunstbildung des heranwachsenden Jünglings gelassen wurde. Diesem Bedürfniß auf eine, des Vaterlandes würdige und dem zeitlichen und ewigen Wohl der aufblühenden Jugend zuträgliche Weise abzuhelfen, ist die Aufgabe der Kantonsschule, deren Gedeihen und sichere Begründung auf ferne Zeiten in so vielen Edlen des Landes eine warme, innige Theilnahme findet.»5

Anfänglich war im nordöstlichen Drittel des geschenkten Gebäudes eine Scheune beziehungsweise Remise untergebracht, doch wurde diese 1829/30 ausgebaut und durch einen Instituts-Stadel, den heutigen Olymp, ergänzt. «Bei der grossen Schülerzahl erwiesen sich die Platzverhältnisse je länger je mehr als unzulänglich. Die immer zahlreicher sich meldenden Fremden im Institut selber unterzubringen, bereitete stets wachsende Schwierigkeiten; die Schulzimmer waren zu klein; auch fehlten geeignete Kranken- und Studienzimmer. Nach längerem Ueberlegen und Zögern beschloss deshalb der Grosse Rat im Januar 1829 auf Antrag der Aufsichtsbehörde, den bis dahin noch als Stallung und Heubehälter benutzten östlichen Teil des Institutsgebäudes, des heutigen Konvikts, auszubauen und dafür eine neue Scheune mit Stallung, Remise und Holzbehälter zu erstellen. Nach vielen Unterhandlungen des Institutsrates mit dem Baumeister konnten diese baulichen Verbesserungen im Winter 1829/30 vorgenommen werden.»6 Ehemaliges Knaben­ konvikt nach dem Umbau zum Wohnhaus mit ­Institutsstadel, Bleistift­ zeichnung von Johann Ulrich Fitzi, nach 1830.

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Bau des Alten Schulhauses Ein Vorstoss seitens der Aufsichtskommission der Kantonsschule zum Ausbau des Stadels scheiterte 1859 bereits am Widerstand der Landesschulkommission, die meinte, man solle nichts überstürzt unternehmen, solange ungewiss bleibe, ob ein solcher Schritt in ein paar Jahren nicht bereut werden müsse. Männer, denen die Lehranstalt in der Nideren am Herzen lag, blieben jedoch nicht untätig. So reichte die Aufsichtskommission am 14. April 1863 erneut ein achtseitiges Gesuch an die Landesschulkommission ein, in dem sie bekannt geben konnte, dass sich die Gemeinde Trogen anerboten habe, auf eigene Kosten ein neues Kantonsschulhaus zu bauen. Sie sei zudem besorgt, dass jene Schüler der obersten Klasse der Kantonsschule, welche sich später der Industrie widmen wollen, neben dem theoretischen Unterricht in der Webanstalt von Ulrich Zellweger im Lindenbühl praktische Anleitung zur Erlernung der Weberei und Fabrikation erhalten können.8 Diesem Gesuch gingen aber beachtliche Taten voraus. ln kurzer Zeit kamen aufgrund eines Aufrufs 14 675 Franken von Bewohnern Trogens, 9500 Franken von Schulfreunden und durch Kirchhöribeschluss vom 22. Februar 1863 20 000 Franken aus der Gemeindekasse Trogens für einen Schulhausneubau zusammen. Die Gemeinde verpflichtete sich, dem Grossen Rat ein neues Kantonsschulgebäude, dessen Herstellung auf mindestens 40 000 Franken veranschlagt wurde, anzubieten. In der Presse bedachte man den grosszügigen Beschluss der Trogener mit den Worten: «Sie (die Gemeinde) hat damit den Beweis geleistet, daß sie ungeachtet beträchtlicher Lasten, welche sie für anderweitige Zwecke in jüngster Zeit auf sich genommen hat, und ungeachtet des gegenwärtigen Dranges der Zeit, für Fortschritte in der Bildung und Erziehung der Jugend stets willige Herzen und offene Hände hat. Sie hat den Beweis geleistet, daß sie den Ruf der Zeit versteht – und die Zeit, des sind wir gewiß – wird auch der Gemeinde die reiche Saat mit köstlicher Ernte lohnen.»9

Daraufhin beschloss der Kantonsrat an seiner Sitzung vom 11. Mai desselben Jahres, das Anerbieten der Gemeinde Trogen mit Dank anzunehmen, und zwar in der zweiten Abstimmung mit 36 Stimmen, einer Mehrheit von fünf Stimmen über dem absoluten Mehr, da 61 Mitglieder anwesend waren. 1864 begann man mit den Arbeiten am neuen Schulhaus, das von Bau-

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Bau des Alten Schulhauses

Diese bescheidenen baulichen Verhältnisse erwiesen sich bald einmal als ungenügend. Während der Verhandlungen des Kantonsrats zur Reorganisation der Kantonsschule meinte Gemeindehauptmann Alfred Hofstetter aus Gais: «Das Knabenkonvikt ist ein alter Kasten, der binnen kurzer Zeit ersetzt werden muß, wenn man nicht hinter der Zeit bleiben soll.»7


Die bauliche Entwicklung der Kantonsschule

meister Daniel Oertli aus Herisau nach Plänen des Architekten Johann Christoph Kunkler erbaut wurde. Am 31. August 1865 erfolgten die feierliche Übergabe und Einweihung des neuen Kantonsschulgebäudes. Das dreigeschossige klassizistische Steingebäude unter seinem Walmdach erfuhr eine spezielle Betonung der Symmetrieachse durch das Portal und die Drillingsfenster und bildete zusammen mit dem Alten Konvikt ein Ensemble. An den Festlichkeiten nahmen der Regierungsrat mit Ratschreiber und Landschreiber, Landweibel und Standesläufer, die Landesschulkommission, die Landesbaukommission, die Vorsteherschaft Trogens sowie Lehrer und Schüler der Kantonsschule teil. Der Weg des Festumzugs vom Rathaus hinunter in die Nideren war geschmückt mit an den Häusern befestigten beziehungsweise über die Strassen gespannten Bogen, auf denen sinnige Inschriften Zukunftsweisendes verkündeten. So standen am Portal des Rathauses die Zeilen: «O Heil dem Lande, dessen Väter Der Jugendbildung hohen Werth erkennen, Sie selbst wird aber dankbar später Des Volkes wahre Freund’ die Nachwelt nennen.»

Auf einem weiteren Spruchband im Engnis beim ehemaligen Gasthaus zur Sonne (Hinterdorf 9) stand auf der Seite gegen die Nideren: «Aus der Niederung in die Höh’ Stets dein Sinn und Streben geh’!».

Ansicht von Osten auf das «Alte Schulhaus», 1894.

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Bau des Alten Schulhauses

Auf der dem Dorf zugekehrten Seite war zu lesen: «Durch engen Paß und auf holprigem Weg mußt zur Schule du ziehen, Sie sagen dir, wie viel Arbeit es braucht, wie viel Kampf und auch Mühen, Damit du endlich gelangest zum Ziele der Weisheit und Tugend, Und daß, wie der Weg Verbess’rung bedarf, so die Bildung der Jugend.»10

Im Namen der Gemeinde übergab Pfarrer Walter Bion den Neubau dem Kanton mit den Worten: «Hochgeachteter Herr Landammann! Hochgeachtete Herren! Wenn wir nur dazu hier versammelt wären, um die Einweihung dieses neuen Schulgebäudes und dessen Uebergabe Seitens der Gemeinde Trogen an den Staat zu feiern, so möchte man wohl mit einigem Rechte es tadeln, daß um dessentwillen so viel Aufhebens gemacht werde. Wir feiern aber heute noch etwas Anderes und weit Wichtigeres, das allerdings wohl werth ist, ein Gegenstand unserer festlichen Freude zu sein. Wir begehen nämlich in Wirklichkeit nichts Geringeres, als das Gründungsfest einer höhern kantonalen Lehranstalt.»11

Mit Datum vom 28. November 1864 wurde die Kantonsschule zur Staatsschule erhoben. Des Weiteren sprachen die Herren Landamman Johannes Roth, Anstaltsleiter Johann Georg Schoch12, Bankier, Publizist und Gründer der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft, Ulrich Zellweger, sowie der Anstaltszögling Gustav Stricker von Stein. Diesem offiziellen Teil folgte ein Bankett in dem auf dem Landsgemeindeplatz aufgeschlagenen Sängerzelt. Die grosszügige Schenkung wurde am Tag der Übergabe offiziell beurkundet: «Die Unterzeichneten beurkunden hiemit, daß die Gemeinde Trogen in der Absicht, dem Kanton Appenzell behülflich zu sein, die in Trogen bestehende appenzellische Kantonsschule auf eine dem Willen ihrer Stifter und den Bedürfnissen und Anforderungen der Zeit angemessene Stufe emporzuheben, mit dem heutigen Tage das neu erstellte Lehrgebäude zur Niedern dahier, samt dessen Inhalt mit den bisherigen Rechten und Pflichten, Nutzen und Beschwerden, schenkungsweise zu Handen des Staates übergeben und abgetreten habe. An diesen Schenkungsakt knüpfen sich indessen die Bedingungen, daß das Gebäude stetsfort nur dazu verwendet werde, um den Zwecken der appenzellischen Kantonsschule in Trogen, wie solche in den ursprünglichen Schenkungsurkunden der Anstalt ausgesprochen sind, zu dienen, und daß der mit der Kantonsschule in eine organische Verbindung zu bringenden, in ökonomischer und intellektueller Beziehung jedoch unter der Verwaltung der Gemeinde Trogen bleibenden Mittelschule ein den Bedürfnissen entsprechendes Lehrzimmer* eingeräumt werde. ________ *Im Jahre 1891 ist die Mittelschule in das neue Dorfschulhaus verlegt worden, jedoch ohne daß die dortige Behörde sich des Rechts der Benutzung des innegehabten Lokales im Kantonsschulgebäude begeben hat.»13

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Bildung ist der Pass für die Zukunft

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Gedenket an eure Lehrer!

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Bildung ist der Pass für die Zukunft

Bevor die einzelnen Bildungsangebote der Kantonsschule, deren Aufbau und Entwicklung beleuchten werden, soll ein Augenmerk auf einige allgemeine, vereinzelt durchaus wegweisende, weitsichtige sowie bildungspolitisch beispielhafte Vorkommnisse gerichtet werden. Dabei wird innerhalb der einzelnen Kapitel chronologisch vorgegangen. Der Grund, weshalb Rektor Ernst Wildi auffallend häufig erwähnt wird, ist die Tatsache, dass er es war, der das einstige Kantonalinstitut internationaler Prägung zur Mittelschule der Ausserrhoder Jugend umgewandelt hatte. Protagonisten der Bildungsgeschichte sind die Behördenmitglieder, die Rektoren, der Konvent1, die Lehrpersonen sowie die Lernenden. Dabei fällt auf, dass die Kantonsschule über die ganze Zeit ihres Bestehens sehr stark rektorbezogen in Erscheinung trat. Das ist auch heute noch so: Gesellschaftlich und politisch wird die Kantonsschule zu einseitig mit dem jeweiligen Rektor gleichgesetzt, als ob die über Jahre gewachsenen Schulleitungsteams inexistent (gewesen) wären. Unter dem Konvent ist bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts die Versammlung der Hauptlehrpersonen im Status kantonaler Professoren zu verstehen, danach der Zusammenschluss aller unterrichtenden Lehrpersonen. Der ursprünglich klösterliche Begriff Konvent wurde 2016 durch Schulkonferenz ersetzt. Diese meint die Vereinigung aller Mitarbeitenden der Kantonsschule. Im Folgenden fallen die einzelnen Abschnitte umfangmässig sehr unterschiedlich aus. Dies weil einzelne Aspekte bereits in anderen Publikationen ausführlich dargestellt wurden, so zum Beispiel die Musik- oder Theatergeschichte – ganz im Gegenteil zu jener der Bibliothek beziehungsweise Mediathek der Kantonsschule.

Der langsame, aber stete Einzug der Mädchen Bereits die Gründer der heutigen Kantonsschule, Johann Caspar ZellwegerGessner, alt Landamman Jakob Zellweger-Zuberbühler, Johann Conrad Honnerlag, Michael Tobler sowie die Schwiegersöhne des erstgenannten, Johann Jakob Graf und Georg Leonhard Schläpfer, erklärten am 28. Oktober 1820, dass, sollte das Institut seinen Lehrbetrieb wider Erwarten mit weniger als fünfzehn Knaben aufnehmen, die Lehrer auch Töchtern Unterricht erteilten, aber ausserhalb des vorgesehenen Schulgebäudes.2 Da sich am 1. Februar 1821 siebzehn Knaben im Alter zwischen sechs und sechzehn Jahren zur Eröffnung einfanden, wurde die Realisierung des für die Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts fast revolutionär anmutenden und humanistischen Gedankens der Stifter obsolet. Es dauerte knapp ein Dreivierteljahrhundert, bis die ersten zwei Mädchen in den Klassenlisten auftauchten. Adeline, eine Tochter des

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«Mehr und mehr sucht man den Töchtern neue Gebiete zu eröffnen, und dies ist vielerorts auch auf dem Gebiet der Wissenschaft geschehen. Die Erörterung der Frage, ob auch unsere Schule den Mädchen den Weg zum Studium öffnen soll, kann nur von Interesse sein(,) und wir ahmen ja nur das Beispiel vieler ähnlicher Anstalten nach. Selbstverständlich würde ich die Schule nur für solche Schülerinnen offen lassen, welche sich dem höheren Studium widmen wollen und hiezu den alt Sprachunterricht bedürfen. Auf die ausgesprochene Idee führte mich mein Töchterlein ‹Adelina›, die das 1. Jahr die Mädchenrealschule besucht, sich als fähig erweist und sehr wahrscheinlich studieren möchte.»4

Adeline Meier und Elise Frei verbrachten drei Jahre in der gymnasialen, Sophie Lutz, die 1896 in die Schule eingetreten war, deren zwei in der technischen Abteilung. Bis in die oberste Klasse blieb keine der drei. Für die kommenden fünf Jahre war die Schule erneut mädchenfrei. Die ersten zehn jungen Frauen, die eine gymnasiale Matura ablegten, waren folgende: Name

Vorname Wohnort

Maturajahr Anschluss

Zellweger5 Melanie

Trogen

1911/12

Lehramt phil. II, Universität Zürich

Eugster

Elisabeth

Speicher

1917/18

Pharmazie, Universität Zürich

Schüepp

Adelheid

Heiden

1917/18

Medizin, Universität Genf

Kolb

Olga

Teufen

1919/20

Zahnheilkunde, Universität Zürich

Baumann

Lisa

Rapperswil

1920/21

Pharmazie, Universität Lausanne

Bunjer

Anna

Bischofszell

1921/22

Praktisches Berufsleben

Pletscher Elisabeth Trogen

1927/28

Laborantin

Gentsch

Margrit

Trogen

1929/30

Philologie, Universität Zürich

Graf

Ida

Speicher

1927/30

Philologie, Universität Zürich

Voigt

Helene

Romanshorn

1929/30

Soziale Frauenschule Genf

Die gesamtschweizerische Entwicklung der Geschlechterdurchmischung machte auch vor ländlichen Mittelschulen nicht halt. Besuchten vor 1990 noch deutlich mehr Jungen als Mädchen ein Gymnasium, hat sich das inzwischen ins Gegenteil verkehrt.

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Der langsame, aber stete Einzug der Mädchen

einstigen Institutsdirektors August Meier, vermutet, dass es den appenzellischen Schulbehörden und besonders der Kantonsschulkommission allerhand Sitzungsarbeit bereitet habe, um den Mädchen den Eintritt in die Kantonsschule zu gestatten.3 1895 regte Direktor Meier in einem Schreiben an die Kantonsschulkommission an, die Zulassung von Mädchen an die Schule zu beraten. Sein Begehren begründete er mit den Worten:


Bildung ist der Pass für die Zukunft

Schülerabend Um den Kontakt zwischen Lernenden, besonders auch den Ehemaligen und der Schule zu erreichen, beschloss der Konvent, einen Schülerabend einzuführen. Der erste fand am 24. Februar 1912 im Saal des Restaurants Krone am Landsgemeindeplatz in Trogen statt. Dem eher knappen Platzangebot entsprechend, waren die erste und zweite Klasse der Sekundarschule davon ausgeschlossen. Unter der Leitung einiger Lehrpersonen boten Schüler dramatische und musikalische Dabietungen, um Ehemaligen einige frohe Stunden zu schenken. Die Hoffnung der Lehrer, der Anlass möge ein fester Bestandteil im Schulkalender werden, ging in Erfüllung und hatte bis 1984 Bestand. Bis 1968 fand der Schülerabend jeweils in der Krone statt. Da der Wirt nicht mehr willens war, seinen Saal für Theateraufführungen zur Verfügung zu stellen, und weil kein Ersatzraum vorhanden war, fiel der Schülerabend im Februar 1969 aus. Er wurde im Rahmen der Einweihung des umgebauten Alten Schulhauses am 2. und 4. Juli nachgeholt. Von 1970 bis 1984 fanden die Theateraufführungen in der Turnhalle statt, das anschliessende Fest in den Räumlichkeiten der Kantonsschule. In den letzten Jahren des klassischen Schülerabends kam es regelmässig zu Störungen durch Personen, die an einem solchen Anlass nichts zu suchen gehabt hätten. Eine Abordnung der Lernenden diskutierte im Lauf des Schuljahrs 1984/85 an verschiedenen Sitzungen mit Lehrpersonen die Probleme. Als das Ja zum Schülerabend feststand, machte sich eine Gruppe aus Lehrenden und Lernenden daran, ein neues Konzept auszuarbeiten. Abgelöst wurde der Schülerabend durch ein Schulfest, das bis 1993 mit einer Ausnahme (1986 im Bädli) auf dem Areal der Schule zur Durchführung gelangte. Rektor Ernst Kuhn schrieb dazu in seinem letzten Jahresbericht: «Die Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern hat nun ein Fest ergeben, das auf einen Tag konzentriert wurde, das aber bereits am Vormittag begonnen hat. Vorgesehen waren die Finalrunden des Fussball-Tourniers, Mittagsverpflegung, Strassencafés, Spiele für jedermann, musikalische Darbietungen, Filmexperi­ mente, Modeschau, Computer-Demonstrationen, Flug-Gleiterwettbewerb, Ballonflug, Open-air-Musikfestival, Sketches, verschiedene Festwirtschaften (Ita­ lienisch, Chinesisch, Indisch, Grillstand, Getränke und Glacés, RohkostSandwichstand, Salatbuffet, Wiener Café), Tombola. Für die verschiedenen Bereiche waren einzelne Klassen, Schülervereine und Lehrer verantwortlich. Abends spielte in der Mensa die Streichmusik Schmid und der Zeichensaal war eine Disco. Die von unserer erweiterten Theatergruppe einstudierte Komödie ‹Zwölf Mädchen in Uniform› von Nestroy wurde zweimal aufgeführt, immer mit einer Einleitung durch den Schülerchor. Das schlechte Wetter, am Vormittag regnete es in Strömen, verunmöglichte leider die Durchführung ganz wesentlicher Teile des reichhaltigen Programms und bedingte einige Umstellungen. Die Festbesucher liessen sich jedoch die gute Stimmung nicht nehmen. Schon am Vormittag kamen viele Angehörige nach Trogen und der Nachmittag und Abend vereinigte eine

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Leider artete auch das Schulfest in den kommenden Jahren aus, führte zu Reklamationen aus dem Dorf und gipfelte darin, dass Rektor Willi Eugster und Prorektor Johannes Schläpfer nach dem Fest durch Trogen gingen, um leere Bierflaschen einzusammeln und dabei von alkoholisierten Schülern angepöbelt wurden. Die Schulleitung beschloss 1993, auf diese Form eines Schulfests künftig zu verzichten. Alkohol war aber auch schon in früheren Zeiten ein Problem, und dies nicht nur bei den Lernenden. Erwähnt sei, wie das ehemalige Zimmer 12 im Parterre des Roten Schulhauses jeweils in eine Bierschwemme verwandelt wurde, bestückt mit grossen Fässern als Tischen und kleinen als Hockern. Jährlich stiessen Lernende zu vorgerückter Stunde mit einem betrunkenen Französischlehrer auf eine literarische Grösse wie Victor Hugo oder Honoré de Balzac an – und jährlich bot er ihnen das Du an. Wer sich dann aber in der ersten Französischstunde nach dem Schülerabend getraute beziehungsweise erfrechte, ihn bei seinem Vornamen zu nennen, war sich mindestens einer undifferenzierten Schimpftirade sicher, von wegen die Lernenden sollten doch alle ans Lyceum Alpinum Zuoz7 gehen, wenn sie glaubten, bestandene Lehrpersonen duzen zu dürfen, diese verzogenen Kinder betuchter Eltern, und überhaupt, sie sollten intensiver Französisch lernen, und wenn sie es denn jemals so gut könnten wie er, dann liesse er allfällig mit sich über das Dusagen reden. In einem Brief an der Rektor meldete sich wegen der Bierschwemme, von der sie in der Appenzeller Zeitung gelesen hatte, auch eine besorgte Frau aus Speicher zu Wort. Ihr gebe zu denken, dass es sogar betrunkene Schüler gegeben habe. Daher bitte sie den Rektor, in Zukunft keine Bierschwemme mehr zu bewilligen, ausser er könne es verantworten, wenn bei einem Schüler hier die falsche Weiche gestellt würde. Abschliessend bat sie, freundlich grüssend, um eine Stellungnahme des Adressaten.8 In der archivierten Korrespondenz des Rektors findet sich keine Antwort. Es ist unbestritten, dass den Ehemaligen der Schülerabend sehr viel bedeutete. Er wurde als wesentliches Moment zur Erhaltung und Auffrischung alter Freundschaften verstanden. Als er der knappen Platzverhältnisse wegen von der Krone in die Turnhalle verlegt wurde, war die Enttäuschung gross. Dabei war wohl den wenigsten bekannt, dass die Entscheidung dazu weder beim Vorstand des Kantonsschulvereins9 noch bei der Schulleitung lag, sondern allein beim Kronenwirt, der seine Räumlichkeiten – wie er nun geltend

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Schülerabend

grosse Schar von Eltern, Ehemaligen und Gästen, die zusammen mit Schülern und Lehrern vergnügte Stunden verbrachten. – Wie unser Schülerabend/unsere Schulfeste aussehen werden, ist noch offen. Sicher kann ein Fest wie das eben beschriebene nicht jedes Jahr durchgeführt werden. Der unverhältnismässige Einsatz der verantwortlichen Schüler und Lehrer, vor allem der Lehrer in der Endphase der Vorbereitung wie am Abend selber, wird auch nicht durch den grossen Erfolg gerechtfertigt.»6


Bildung ist der Pass für die Zukunft

machte – aus feuerpolizeilichen Überlegungen nicht mehr zur Verfügung stellen konnte. «Man steckte im Gedränge, tanzte – sofern noch Platz dafür war –, dass der Boden zitterte, freute sich über die Produktionen der Schülerchöre, des Orchesters und die immer vortrefflich gespielten Theateraufführungen, und – last but not least – die geistreiche Rede des jeweiligen Rektors. Man ass und trank bei frohem Gespräch bis in die kalten Morgenstunden hinein.»10 Der Kronenwirt liess sich auch nicht durch Protestschreiben umstimmen. Zwischen 1917 und 1968 wurden die Veranstaltungen jeweils mit kunstvollen Karten beworben, die im ordentlichen Unterricht unter Anleitung der Zeichenlehrpersonen entworfen wurden und nicht selten künstlerische Fähigkeiten der Lernenden zutage förderten. Die Karten konnten durchaus auch einmal einem politischen Zweck dienen, wie jene für den Schülerabend 1930. Ein Appenzeller Senn wischt mit Wucht alles aus dem Tempel, was in einer sauberen Appenzellerstube als ungehöriger Staub empfunden wird. Dies darf durchaus in einem zeitgenössischen Kontext verstanden werden, mit der Weltwirtschaftskrise – beginnend mit dem New Yorker Börsencrash – und dem Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland.

Karten zu den Schüler­abenden von 1917, 1930 und 1967.

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Der Konvent beschloss, auf Frühling 1912 für die unteren Klassen Klassenlehrer zu bestimmen. Wegen vermehrter Arbeitslast war es dem Rektor nicht mehr möglich, der Entwicklung jedes einzelnen Schülers jene Aufmerksamkeit zu schenken, die zur «richtigen Erziehung» im Interesse der Lernenden wünschbar gewesen wäre. Namentlich in den Sekundarklassen verlangte das Fachlehrersystem, dass neben dem Vermitteln von Wissen auch die «Charakterbildung» gebührend gewürdigt wurde. Zu den Aufgaben des Klassenlehrers schrieb der Rektor: «Mit der wachsenden Schülerzahl wird es für den Leiter der Schule immer schwerer, jeden einzelnen Schüler so zu kennen und seine Entwicklung zu überwachen, wie dies bei einer richtigen Erziehung der Fall sein sollte. Umso wichtiger wird die Arbeit des Klassenlehrers, welcher das körperliche und geistige Werden seiner Klassenschüler durch Einzeichnen der Körper- und Gewichtsmessungskurven, durch genaues Studium der Zeugnistabellen und des Charakters aufmerksam verfolgen soll, der, wo es nötig ist, sich über die häuslichen Verhältnisse erkundigt, mit dem Elternhaus Fühlung sucht, um so viel als möglich bei der Wahl des Berufes und des Studienganges mitzuraten. Wenn der Klassenlehrer seine Aufgabe recht erfasst und ernst nimmt, so leistet er nützliche, wertvolle, ihn selbst befriedigende Arbeit.»11

Die Aufgabe der Klassenlehrer bestand im Wesentlichen in der Unterstützung der Schulleitung sowie im Überwachen der Arbeit und der Fortschritte der Lernenden, der Förderung des Klassengeists sowie der Interessen und des Wohls der Klassen. War das Amt des Klassenlehrers vorerst auf die ersten fünf Jahrgangsklassen beschränkt, wurde es im Schuljahr 1916/1917 auch für die sechsten und ein Jahr darauf für die siebten Klassen eingeführt. Auf Beginn des letzten Quartals des Schuljahrs 1915/1916 trat eine Klassenordnung in Kraft. Absicht war, «durch die Zuziehung der Schüler zu einem gewissen Grad von Selbstregierung einen guten Klassengeist, Selbstdisziplin und bessere Schonung des dem Staate gehörenden Materials zu erreichen.»12 Die Verordnung hatte folgenden Wortlaut: «I. Allgemeines: 1. Die Lehrerkonferenz überträgt ein bestimmtes Mass von Kontroll- und Aufsichtsarbeiten der Schülerschaft. 2. Zu diesem Zweck wählen die Schüler jeder Klasse zu Beginn eines Quartals zwei Klassenbeamten und deren Stellvertreter; die Wahlen bedürfen der Genehmigung durch den Klassenlehrer, der auch zu Beginn des Schuljahres die Klassenbeamten der I. Klasse bezeichnet. 3. Die Amtsdauer beträgt ein Quartal; doch kann eine grobe Vernachlässigung der Pflichten auf Antrag des Klassenlehrers oder von Zweidritteln der Klassengenossen durch Absetzung bestraft werden.

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Zur Entlastung des Rektors

Zur Entlastung des Rektors


Bildung ist der Pass für die Zukunft

4. Die Klassenämter sind Ehrenstellen und sollen durch geeignete Schüler besetzt werden, die das Vertrauen der Klasse und die Autorität besitzen, welche zur Erfüllung ihrer Pflichten notwendig ist. 5. Jede Klasse macht es sich zur Pflicht, einen gesunden, kameradschaftlichen Klassengeist zu pflegen. Sie hat das Recht, sich in ihrem Schulzimmer zu versammeln: a) zur Erledigung der Wahlen; b) zur Besprechung allgemeiner Wünsche und Anregungen, wenn die vier Klassenbeamten oder ein Drittel der Schülerschaft es für wünschbar erachten. Vorsitzender ist der Klassenchef; die erste Versammlung zu Quartalbeginn leitet ein abtretender Beamter bis zur Erledigung der Wahlen. II: Klassenämter: 1. Der Klassenchef vertritt die Interessen seiner Klasse nach aussen. Er ist zugleich Klassenbuchführer und besorgt die gewissenhafte Führung des Klassenbuches, in welches er die Fächer des Stundenplans und die Namen der abwesenden Schüler einträgt. Die Eintragung der Hausaufgaben besorgt der Lehrer; jedoch hat der Klassenchef das Recht, bei allzustarker Anhäufung von Aufgaben auf einen Tag beim Klassenlehrer vorstellig zu werden. 2. Der Zimmerwart besorgt die Aufsicht und Kontrolle über Mobiliar und Inventar seines Klassenzimmers; er zeigt sofort Beschädigungen am Mobiliar, an Lampen, Fenstern, Bildern etc. oder das Fehlen einzelner Gegenstände dem Lehrer der nächsten Stunde oder dem Klassenlehrer an; er kann seine Mitschüler, die in leichtsinniger Weise eine Unordnung verursacht haben, zum Aufräumen anhalten. Er widmet seine besondere Aufmerksamkeit der Wandtafel und ihrem Zubehör.»13

Um den Klassenlehrern ihre Aufgabe zu erleichtern, den Lernenden erzieherisch und helfend zur Seite zu stehen, wurden die Eltern neueintretender Schülerinnen und Schüler ab Frühjahr 1917 gebeten, den Rektor über physische und geistige Fähigkeiten, aber auch über zu Hause gemachte besondere Beobachtungen und über bestimmte häusliche Verhältnisse zu informieren. Beim Wechsel der Schulleitung von Ernst Wildi auf Oskar Wohnlich 1937 wurde zu dessen Entlastung eine Prorektorenstelle geschaffen. Die Kantonsschulverordnung 1983 sah neu eine Rektoratskommission vor, bestehend aus Rektor, Prorektor und Vorsteher der Sekundarschule, dessen Stelle im Hinblick auf eine gezieltere Betreuung der Sekundarschule und wegen der Kontakte zu den Gemeindesekundarschulen im ganzen Kanton geschaffen worden war. Im Schuljahr 1986/87 stimmte der Regierungsrat der Schaffung einer zweiten Prorektorenstelle zu. Mit dieser Massnahme konnte die Stellvertretung des Rektors besser geregelt und die Effizienz der Schulleitung optimiert werden. Heute besteht die Schulleitung aus dem Rektorat, drei Prorektoraten, den Leitungen der Sekundarschule und der Musikabteilung sowie der Leitung der Zentralen Dienste.

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An der Schule wurde die Musik bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gepflegt.14 Ein «Hausorchester» unter privater Leitung trat erstmals an der Schlussfeier vom 3. April 1901 auf. Zur Zeit der Konviktleitung unter Otto Gentsch wurde während rund einem Dutzend Jahre im Konvikt Appenzellermusik gespielt. Aus dem Jahr 1914 ist ein Foto einer Konvikt-Streichmusik in Originalbesetzung überliefert.15 Es war eine Anregung aus der Lehrerschaft, die im Schuljahr 1914/15 eine glückliche Lösung fand. War bis anhin der Instrumentalunterricht an der Schule ausschliesslich Sache der Privatinitiative, wurde unter der Leitung des damaligen Gesangslehrers Carl Aeschbacher16 ein offizielles und auch vom Staat unterstütztes Kantonsschulorchester gegründet. Damit hoffte man, die Freude am Instrumentalunterricht zu wecken, die Lernenden musikalisch zu fördern und geeignete Anlässe der Schule zu verschönern. Bereits am Schülerabend vom 27. Februar 1915 erfreute das Orchester, das bei den Lernenden

Orchester der Kantonsschule, 1901 unter der Leitung von Musikdirektor G(ustav?) Bergmann (rechts stehend). Links stehend: Heinrich Pfenninger, davor sitzend Direktor Theo Wiget und neben ihm der ehemalige Schüler Julius Ammann.

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«Die Liebe zur edeln Frau Musika»

«Die Liebe zur edeln Frau Musika»


Bildung ist der Pass für die Zukunft

amerikanischen Linguistikforschung von Krashen und Asher z. B. ein bedeutungsvoller Brückenschlag stattgefunden hat. Ähnlich dem kindlichen Erstsprachenerwerb nimmt der Schüler zum Teil unbewusst Sprachkenntnisse auf. Der Sprachen-‹erwerb› wird in diesem Zusammenhang dem Sprachen-‹lernen›, als dem Aufnehmen formaler Kenntnisse einer Sprache, gegenübergesetzt. Impliziertes Wissen steht explizitem gegenüber, unbewusstes Aufnehmen dem bewussten Lernen. Diesen ersten Versuch einer neuen Fremdsprachenpädagogik zu werten, wäre verfrüht, zudem müsste dies durch Aussenstehende geschehen. Was sich allerdings mit Sicherheit sagen lässt, ist, dass die Schüler diese Art von Unterricht schätzen und der Lehrer die Arbeit jeden Tag mit Freude aufnahm und beendete. Das sind gute Grundlagen für einen wirkungsvollen Unterricht.»128

Während der 25 Jahre seines Bestehens besuchten 911 Lernende das zehnte Schuljahr. Gestartet wurde mit einer Klasse von 21 Lernenden, einen Maximalbestand von 66 Lernenden erreichte man im Schuljahr 1997/98. Von da weg ging die Zahl kontinuierlich zurück, und nachdem sich für das Schuljahr 2013/14 nur noch zehn Lernende angemeldet hatten, wurde dieses Angebot der Kantonsschule auf Ende Juli 2014 gestrichen. Dass das freiwillige 10. Schuljahr einem Bedürfnis entsprach, zeigt die Tatsache, dass in den ersten zehn Jahres 453 Lernende dieses Angebot in Anspruch genommen hatten.

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Die Vereine – die heimlichen Pädagogen

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Gedenket an eure Lehrer!

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Die Vereine – die heimlichen Pädagogen

Was im Allgemeinen gilt, trifft im Besonderen auch für die Kantonsschule Trogen zu: Vereine trugen und tragen wesentlich zur Bereicherung des kulturellen Lebens bei und sind mit ihrer breiten Palette an Aufgaben, Organisationsformen, Arbeits- und Wirkungsweisen integraler Bestandteil des gesellschaftlichen Kulturlebens. Die Rektoren Wildi und Wohnlich betonten die Wichtigkeit der Vereine an der Kantonsschule stets aufs Neue. So sagte der Erstgenannte am 2. Oktober 1937 in seiner Abschiedsrede: «Die Schülervereine bitte ich sehr: Erweist euch auch in der Zukunft als wertvolle Kameraden der Lehrerschaft und besonders des Rektors. Helft der Schule durch eure Selbsterziehung; haltet euren Vereinsschild blank und steht für seine Ehre ein. Aber vergesst dabei den Spruch auf einer alten Appenzeller Münze nie: ‹Suum cuique› = Jedem das Seine. Haltet daher wie bis heute – zum Vorteil aller – unter euch Frieden. Zucht ist in jeder Gemeinschaft notwendig; es kann nicht jeder seinen Kopf durchsetzen, oder dann hätten wir bald ein Chaos, unter welchem alle leiden müssten. Dabei möget ihr fröhlich Rasse und Temperament besitzen, denn solange ihr im Anstand froh seid, wird die Lehrerschaft bestimmt für euch gegen Zopf und Philisterei in die Schranken treten.»1

Und der Zweitgenannte meinte zu Beginn seiner Zeit als Rektor: «Einen wesentlichen Anteil am Wohlergehen unserer Trogener Schülerschaft und am kameradschaftlichen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern haben zweifellos die Schülervereine. Hier sammeln und entfalten sich die überschüssigen, vorab körperlichen Kräfte zu positiven Leistungen, die wir nach Möglichkeit der Initiative der Schüler überlassen. Doch ist die Lehrerschaft stets bereit, bei allen sportlichen Veranstaltungen ordnend und helfend sich zu betätigen. Tempo und Ausmass des Sportbetriebes bleiben somit in unserer Hand. Wir haben mit dieser helfenden Kontrolle gute Erfahrungen gemacht und freuen uns dankbar der gesunden Entwicklung unserer Schülervereine.»2

Mit der Vorstellung der einzelnen Körperschaften in der Reihenfolge ihrer Gründung soll ein Bild des reichhaltigen Vereinslebens an der Kantonsschule gemalt werden. Dass dabei zwei Vereinigungen umfangmässig deutlich mehr Platz eingeräumt wurde, hat mit ihrer Bedeutung für die Schule als Ganzes zu tun.

Skiclub Trogen Die Gründung des Skiclubs ist nicht belegt, er wird aber im dritten Jahrbuch des Schweizerischen Skiverbands (SSV) von 1906/07 erstmals aufgeführt. Die ersten beiden Jahrbücher sind nicht vorhanden. Leider fehlen auch in den anfangs des 20. Jahrhunderts inhaltlich sehr spärlich verfassten und daher wenig aussagekräftigen Jahresberichten der Schule jegliche Hinweise auf die Gründung des Vereins. Es ist jedoch durchaus opportun, wenn die Gründung ins

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«Wir haben das Bestreben, wenig über Schulreformen, Überbürdung und Abrüstung zu sprechen und zu schreiben, aber dafür, wo immer es angeht, praktisch zuzugreifen. Es schien uns daher selbstverständlich, dem Wunsche unserer sportfreudigen Jugend entgegen zu kommen, und da auch unsere Behörde bereitwillig ihre Zustimmung gab, zogen Lehrer und Schüler gemeinsam in die frische, klare Winterluft, um die Muskeln zu stählen, Lunge und Herz zu stärken, Lebensfreude zu geniessen und die herrlichen Winterlandschaftsbilder zu bewundern. Welch wundervolle Beleuchtungseffekte sieht da das entzückte Auge! Wie lernt man die Heimat kennen und lieben!»6

Was den Rektor veranlasste, ein Jahr später einen mahnenden Ton anzuschlagen, ist nicht bekannt. Er wies darauf hin, dass die Lehrerschaft bei aller Unterstützung der Sportbewegung andererseits die Pflicht habe, dafür zu sorgen, dass sich unter den Schülern keine einseitigen Sportmenschen entwickelten, dass auch neben der Schularbeit Zeit, Lust und Interesse für geistige Genüsse vorhanden seien.7 Zwei Jahre nach Gründung des Ostschweizerischen Skiverbands (OSSV) war der Skiclub Trogen für die Organisation der Verbandsmeisterschaft verantwortlich. Am 15. Januar 1922 wurde folgendes Wettkampfprogramm durchgeführt: Langlauf (Einzel- und Gruppenlauf) und Sprunglauf. Diese Zusammensetzung wurde bis 1933 ununterbrochen angewendet. Laut Jahresbericht gelang die Durchführung des Anlasses durch den Kantonsschülerskiclub in vorbildlicher Weise und dessen jugendliche Fahrer schnitten sehr gut ab.8 In den Verantwortungsbereich des Skiclubs gehörten auch Organisation und Durchführung des Clubrennens, das sich über Jahre hinweg reger Beteiligung erfreute. Entsprechend zustimmend fielen die Schilderungen in den Jahresberichten der Schule aus. «Nach langen, für den Skisport ganz ungünstigen milden Wintern war es auch dem Skiklub vergönnt, wieder einmal seine Kräfte zu entfalten. Das Klubrennen mobilisierte beinahe die ganze Schülerschaft, und nur eine ganz kleine Zahl von Drückebergern, denen gesundheitlich kein Hindernis im Wege lag, scheuten die Anstrengungen des Wettkampfes. Winkte den vielen Anfängern auch nicht die Ehre des Diploms, so gewährte ihnen doch das Bewusstsein, Bestmögliches gleistet zu haben, das Gefühl der Befriedigung. Wir erwarteten, weil die vorangegangenen Jahre kein rechtes Training erlaubten, nur mässige Leistungen, erlebten

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Skiclub Trogen

Jahr 1904 gesetzt wird3. Tatsache ist, dass Rektor und Lehrerschaft der sportlichen Betätigung der Lernenden bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aufgeschlossen gegenüberstanden. So erteilten von 1898 bis 1907 die Primarlehrpersonen Johann Hermann und Robert Schläpfer4 zur vollen Zufriedenheit der Schule Turnunterricht in allen Klassen.5 Es kam auch vor, dass im Winter die Pforten des Schulhauses einige Male geschlossen wurden. Begründet wurde das mit den Worten:


Die Vereine – die heimlichen Pädagogen

dann aber eine sehr angenehme Ueberraschung, indem auf der glücklich ausgewählten Rennstrecke, welche der Gewandtheit und den physischen Kräften der jungen Fahrer richtig angepasst war, ganz stattliche Leistungen erzielt wurden. An der Birtschanze zeigte sich zudem, dass immer wieder biegsames und tüchtiges Holz nachwächst, so dass der gesunde und rassige Skisport an unserer Schule stets begeisterte und ausdauernd übende Jünger finden wird.»9

Gegenteilig, geradezu scheltend, nimmt sich der Bericht zum Abschneiden des Skiklubs im Jahresbericht des Folgejahrs aus: «Obschon ein altes Haus, Herr Dr. Bischofberger in Bruggen, in verdankenswerter Weise es unternahm, wenn möglich durch ein planmässiges Training den Club wieder zu seiner frühern Leistungsfähigkeit zu bringen, wobei sich die sportärztliche Hilfe des Herrn Dr. Ritzmann als sehr wertvoll erwies, schnitt der Klub am ostschweizerischen Skirennen in Wildhaus doch schlecht ab. Es zeigte sich, dass seinen Mitgliedern eine der schönsten Tugenden des Republikaners fehlt: Der echte Gemeinschaftsgeist, der zu Ehren eines Ganzen willig harte Arbeit und zielbewusste Unterordnung auf sich nimmt, der individuelle Liebhabereien unterdrückt, um in straffer und ausdauernder Zucht selbstlos zu dienen. Gewiss haben Kantonschulvereine mit ihren jugendlichen Mitgliedern es schwer, mit Klubs von berggewohnten Männern im Wettkampf sich zu messen, und sicher hängen die Lorbeeren höher als früher. Aber wo ein echter Wille ist, da gibt es auch einen Weg, wenigstens in Ehren zu bestehen. Hoffentlich raffen die führenden Elemente des Skiklubs sich auf, indem, wenn wieder einmal ein echter Schneewinter uns erfreuen sollte, dann gleich bei Beginn des Wintersemesters der Ruf froh, weckend und herausfordernd scharf ertönt: Burschen heraus!»10

Über die rege Tätigkeit geben auch mehrere Sommer- und Wintertourenberichte Auskunft. Welch wagemutige Unternehmungen in die Tat umgesetzt wurden, mag aus heutiger Sicht erstaunen. Darüber legt die Schilderung eines Schülers Zeugnis ab: «Samstags strahlendes und kaltes Wetter, allein die Hauptsache fehlte in Trogen, nämlich der Schnee. So beschlossen wir, wieder einmal dem Säntis einen Besuch zu machen. Letztes Jahr hatten wir den Weg über Bötsel und Meglisalp genommen und damit eigentlich keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Diesmal wollten wir die kürzere, aber auch steilere Route über Seealp und Mesmer probieren. Bei Nacht wanderten wir über die Weissegg nach Bühler und gelangten mit dem letzten Zuge nach Wasserauen, wo uns der alte Wirt im ‹Alpenrösli› herzlich empfing und uns noch einige Ratschläge über den Aufstieg gab. Früh morgens, bei Mondschein zogen wir mit geschulterten Ski zum Seealpsee, wo auch schon der erste prächtige Pulverschnee lag. Andächtig zogen wir unsere Spur durch die vom Monde verklärte Landschaft. Beim Leiterfeld zeugten einige herumliegende Lawinen davon, dass es hier nicht immer ganz geheuer ist. Da es hier sehr steil wurde, klommen wir zu Fuss auf den harten Lawinenbrocken empor. Weiter oben fanden wir auf den steilen Harschthängen, die mit wenig Pulverschnee bedeckt waren, fast keinen Halt mehr. Da schraubten wir unsere Fusseisen an die Absätze

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Skiclub Trogen

Impressionen von der Skitour von Trogen auf den Säntis, 1930.

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und trugen die Ski bis weit hinauf. Ohne diese Eisen wäre uns die Tour kaum gelungen. Über Alp Obermesmer kamen wir endlich in welliges Skigelände und Sonnenschein und eine grössere Rast war sehr angebracht. Dann zogen wir gemächlich dem ‹Blauen Schnee› zu, aber bald wurde es ziemlich heiss und wir hatten einen grauenhaften Durst. Im Tale sollte dann eins gezogen werden. Ein fröhliches Bellen und ein Jauchzer vom Gipfel munterte uns wieder auf, der gute Thee von Frau Steier war uns auch in Erinnerung geblieben und bereits wurden verheissungsvoll über der Rossmad die fernen Gipfel Räthiens sichtbar. Unter dem Gyrensattel steckten wir die Ski in den Schnee. Papa Steier hatte in vorsorglicher Weise ein Seil im Sattel befestigt und über das Schneewändchen zum ‹Blauen Schnee› hinunter gehängt. Auch hatte er gute Stufen in den glashart vereisten Grat geschlagen. So klommen wir in kurzer Zeit auf allen Vieren auf den Gipfel. Durch den dunkeln Tunnel gelangten wir in das Stübchen des Observatoriums, wo bereits eine kleine Gesellschaft versammelt war. Auch diesmal wurden wir reichlich mit Thee gelabt, mussten dafür aber dem Hund und den Katzen unsern Tribut zahlen. Frisch gestärkt begannen wir nun der Aussicht unsere Huldigung darzubieten. Das Hügelland war grün. Die Berner- und Urneralpen versteckten sich hinter einem Nebelschleier. Jedoch die Glarner- und Bündneralpen strahlten in ihrer winterlichen Schönheit vor einem tiefblauen Himmel. Wir grüssten manchen alten Bekannten. Besonders aber liebäugten wir dem Piz Kesch und Sarsura, denen wir einen Besuch auf den Frühling ansagten. Die Abfahrt im Pulverschnee war herrlich. Im Nu waren wir beim untern Mesmer, wo wir vorzogen, das steile Stück in einer Rutschpartie ohne Ski zu erledigen. Nach etwas mühsamer Wanderung über die Lawinenreste folgte die letzte, sanfte Abfahrt zum Seeboden. Froh kehrten wir im ‹Alpenrösli› ein. Hatten wir doch wieder einmal einen unserer schönsten Bergtage hinter uns. Auch der lange Bummel über die Weissegg konnte unsere Freude nicht verderben.»11

Der drohenden Überhandnahme sportlicher Betätigung während des Schulalltags anfangs der Dreissigerjahre entgegnete der Rektor mit mahnenden und deutlichen Worten: «Auch beim Skiklub sah sich das Rektorat – im Einverständnis mit dem Lehrerkonvent – veranlasst, ein bremsendes Veto einzulegen. Wir wünschen, dass unsere Kantonsschulvereine keinen Geschäftssport treiben, dass sie auch nicht darauf ausgehen, vereinzelte Sportskanonen zu züchten, denen dann, zu ihrem eigenen Schaden, der Sport Lebensinhalt wird. Unser Sport soll unsere ganze Kantonsschuljugend ertüchtigen helfen, und die Anerkennung der Kameraden, sowie als bleibende Erinnerung etwa eine einfache Ehrenmeldung, müssen als vollständig genügender Lohn für ausdauerndes Training und flottes Können gewertet werden. Alle materiellen Preise und jede Veranstaltung, die man etwa als Attraktion in Szene setzen möchte, sind verpönt. Nun besitzt der Skiklub im Birt eine Sprungschanze, die ihm grosse Auslagen verursachte. Er beabsichtigte daher die Durchführung einer Sprungkonkurrenz, für die man aber zügige Namen nur heranzubringen scheint, wenn wertvolle Preise locken, und er dachte daher daran,

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Weil das Mut erfordernde Springen stets weniger gepflegt wurde, regte der Präsident des Kantonsschulvereins einen Springerkurs an und stellte in Aussicht, die Auslagen dafür aus der Vereinskasse zu begleichen. Dies allein wird jedoch nicht der Grund dafür gewesen sein, dass für einen zweitägigen Kurs Walter Prager aus Davos gewonnen werden konnte.13 Das Training unter seiner Führung blieb nicht ohne Folgen und löste eine richtige Kampfeslust aus. In verschiedenen Rennen schnitten die Mitglieder des Klubs so gut ab, «dass sie sich in der Ostschweiz den guten Ruf des Klubs wieder zurückeroberten, den die Trogener seinerzeit beim Aufkommen des Skisports, für den sie in unserer Gegend Pionierarbeit leisteten, genossen haben.»14 Auch in den folgenden Jahren reihte sich Erfolg an Erfolg, so beispielsweise 1937, als bei einem Abfahrtsrennen in Walzenhausen die Junioren des Skiklubs Trogen gleich die ersten acht Plätze belegten, oder 1939, als der Wanderbecher des Stoss-Abfahrtsrennens zum dritten Mal und somit für immer gewonnen werden konnte. In diesem überaus erfolgreichen Jahrzehnt und bis Mitte der Vierzigerjahre fanden jeweils zum Ausklang der Klubrennen am Nistelbühl mit bis zu 350 Teilnehmenden aus der Primar- und Kantonsschule in den Disziplinen Slalom, Hindernis- und Langlaufrennen sowie Sprung auf der klubeigenen Birtschanze im Kronensaal Skichilbenen statt. Dass in den folgenden Jahren die Trogner nicht mehr an die gewohnten Erfolge anschliessen konnten, erklärte der Vereinspräsident mit der ständig wachsenden «Stärke anderer Klubs, während bei uns die besten Fahrer immer, sobald sie stark geworden sind, die Schule wieder verlassen.»15 Langsam drang zudem die Ansicht durch, dass es nicht Aufgabe der Klubverantwortlichen sei, «Spitzenleistungen herauszubringen, sondern einzig im Rahmen der Schule die körperliche Betätigung der Schüler zu fördern.»16 So kann es nicht erstaunen, dass sich die Klubtätigkeit der folgenden Jahrzehnte auf das Organisieren von Filmabenden, Skilagern sowie der Durchführung der klubinternen Skirennen beschränkte und die Teilnahme an auswärtigen Veranstaltungen deutlich zurückging. Weshalb sich im Schuljahr 1958/59 eine ansehnliche Anzahl Fahrer für die nordische Kombination bewarb, ist nicht bekannt; gewonnen wurde sie von Hans-Ulrich Scherrer, dem Generalstabschef der Schweizer Armee der Jahre 1998 bis 2002. Auf das Schuljahr 1959/60 wechselte das Mentorenamt von Prorektor Walter Schläpfer auf Hans Heierli, und dieser tat an der Hauptversammlung seine ersten Absichten hinsichtlich einer Neubelebung der in den zurücklie-

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Skiclub Trogen

die Bevölkerung der Umgebung, z. B. die Sportgeschäfte, mit Bittgesuchen anzugehen. Wir lehnten diese Absicht rundweg ab; denn eine Preisspringerei, besonders wenn man sie nicht aus eigenen Mitteln finanzieren kann, ist uns in Trogen unerwünscht.»12


Die Vereine – die heimlichen Pädagogen

genden Jahren etwas schlaff gewordenen Organisation des Klubs kund. Wenn auch bereits im folgenden Vereinsjahr das Trockentraining als obligatorisch erklärt und unter kundiger Führung des Turnlehrers Gustav Altdorfer durchgeführt wurde, und wenn sich zudem vermehrt Klubmitglieder dank ihrer Rennlizenzen an auswärtigen Wettkämpfen beteiligten, konnte der Skiklub nicht mehr an die Erfolge der Dreissigerjahre anknüpfen. Frischer Wind kam erst dank des mehrjährigen Präsidenten Hansruedi Laich auf. Er war es auch, der mit der Statutenrevision von 1972 zusammen mit dem damaligen Mentor Gustav Altdorfer die grössere Unabhängigkeit des Vereins von der Schule regelte. «Dieser Entscheid rettete den Verein vor dem Untergang, waren doch kaum mehr 10 Kantonsschülerinnen und -schüler Mitglied des Vereins. Von 1970-1980 versah Hansruedi Laich das Amt des Präsidenten und öffnete den Verein für ‹Fremde›. Eine bisher unbekannte Kontinuität in der Führung des Vereins begann. Noch bis Ende der Achtzigerjahre mussten zwei Vorstandsmitglieder die Kantonsschule besuchen. Der Mentorposten wurde mit der Pensionierung von Professor Gustav Altdorfer hinfällig. Die letzten Relikte, die an die Kantonsschule erinnern, sind der Pokalkasten und das Skitraining in der neuen Kantonsschul-Turnhalle sowie der Rechnungsrevisor Prof. Dr. Hans Heierli, der sein Mandat gegen 40 Jahre ausübte. Mit seinem Tod im Jahre 2003 wurde auch diese Verbindung zur Schule hinfällig. Da sein Sohn Thomas Heierli aktives Mitglied des SCT ist, meldete er sich spontan zur Weiterführung des Amtes seines Vaters. Wenn das keine Kontinuität ist?»17

Kantonsschulturnverein Da die Geschichte der ersten 75 Jahre des von Schülern der dritten Sekundarschulklasse am 25. November 1913 ins Leben gerufenen Kantonsschulturnvereins (KTV) in drei Schriften zum 25-, 50- und 75-jährigen Bestehen18 gut dokumentiert ist, seien lediglich einige Meilensteine erwähnt. Der Verein wuchs innerhalb der ersten fünfzehn Jahre zur umfassenden Turnerschar. Im Schuljahr 1932/33 mischte sich die Lehrerschaft in die Geschicke des Skiklubs ein und beschloss, um eine Rivalität mit dem Kantonschulturnverein zu verhindern, eine klare Trennung. Er liess den Turnverein seine Aktivitäten hauptsächlich während des Sommersemesters, den Skiklub während des Wintersemesters organisieren. So musste sich letztgenannter beispielsweise auf eine Tour im Alpstein beschränken. Am Sonntag, 25. September 1933 durfte der Verein vor dem Rathaus Trogen aus den Händen seines Mentors Emil Knellwolf die von Zeichenlehrer Otto Schmid entworfene Fahne in Empfang nehmen. 1936 nahm der Verein erstmals an einem Eidgenössischen Turnfest teil. Dank intensiver Vorbereitungen errang die Trogener Delegation von über

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Kantonsschulturnverein

Kantonsschulturnverein mit Mentor Emil Knellwolf (1. Reihe, Mitte) , 1929.

900 Sektionen den hervorragenden vierten Rang, was auch in der hiesigen Presse entsprechend gewürdigt wurde: «Freudig empfangen wurden gestern Abend die lorbeergekrönten Turnvereine Trogen-Dorf und Kantonsschul-Turnverein (K.T.V.). Die ganze Bevölkerung unserer Gemeinde harrte der Ankunft der Scharen im weißen Gewand. Die Vereine empfingen die Turner im Gfeld. Die Musikgesellschaft entbot den Turnern den ersten Gruß bei der Einfahrt des Autos, Blumen wurden den Preisträgern in den Wagen geworfen. Unter dem Schutze der übrigen Vereinsfahnen marschierte der rasch formierte Festzug ins Dorf ein und wurde mit Böllerschüssen wie am Landsgemeindemorgen empfangen. In der ‹Krone› gratulierte Gem.-Hptm. Dr. Sturzenegger beiden Vereinen für den überaus schönen Erfolg am eidg. Turnfest. Er betonte, daß wir am heutigen Tag etwas noch nie Dagewesenes feiern dürfen, nämlich daß zwei lorbeergekrönte Vereine in eine so kleine Gemeinde einziehen. Der alte Turnergeist lebt noch. Die ganze Gemeinde freut sich, daß die Trogener Turner, die unter ganz besonders schwierigen Verhältnissen während des Jahres turnen müssen, wiederum einen flotten Erfolg in Winterthur zu verzeichnen haben. Daß wir von unseren K.T.V., die zum erstenmal in den eidg. Wettstreit gezogen sind, einen rechten Erfolg erwarteten, begreift jedermann. Daß die Fahne des K.T.V. mit einem der ersten Kränze von 900 mitwirkenden Sektionen geschmückt worden ist, erfreute unsere

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Die Vereine – die heimlichen Pädagogen

Bevölkerung ganz besonders. Hinter diesem Erfolg steht aber die langjährige Arbeit des Turnlehrers an der Kantonsschule, unseres Freundes Prof. Knellwolf, und diesmal ganz besonders die Tätigkeit von Oberstlt. Martin Adank, der die Arbeit des jungen Oberturners Fritz Pieth bis zur letzten Minute unter scharfer Kontrolle hielt und aus den K.T.V.ern das Allerletzte herauszuholen wusste.»19

Und in seinem Jahresbericht äusserte sich der Rektor als wahrer Pädagoge: «Wir wussten, dass unser KTV ein gutes Resultat heimbringen würde; aber der erzielte Erfolg ging über unsere Erwartungen hinaus, indem der Verein das beste Sektionsresultat des Kantons erstritt und sich mit 145,55 Punkten von über 900 Sektionen nach Chiasso, Grenchen und Lugano in den vierten Rang stellt. Möchte die Schülerschaft auch für die geistige Arbeit aus dem Erfolg lernen: Man kann, wenn man recht will, wenn man rechtzeitig mit der Arbeit beginnt und dann zäh durchhält.»20

Dabei stand die Teilnahme des KTV bis zuletzt auf Messers Schneide. Bei dem geplanten Schulschluss vor den Sommerferien am 11. Juli wären die Knaben bis zum 18. Juli in Trogen geblieben und von da weg nach Winterthur gefahren. Die Schule musste aber wegen eines ernsten Falls von Kinderlähmung in Speicher bereits am 4. Juli geschlossen werden. Das hatte zur Folge, dass die Turner vierzehn Tage auf ihre Kosten in Trogen verbringen mussten, damit der Verein noch für das Fest arbeiten konnte. Das Festkomitee genehmigte dem KTV, lediglich am Wettkampf teilzunehmen und dispensierte ihn vom Festumzug und den allgemeinen Übungen. So fuhren die Turner am 18. Juli morgens nach Winterthur, bestritten den Wettkampf und traten daraufhin ihre Heimreise an, wo sie bei ihren Eltern unter anderem in Lugano, Schuls,

Der Kantonsschulturn­ verein am Eidgenössischen Turnfest in Winterthur, 1936.

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Der Mädchenturnverein ­ bei einer Gymnastikübung am Turnfest der Kantons­ schule Trogen, 1929.

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Kantonsschulturnverein

Basel und Zofingen mit vierzehntägiger Verspätung eintrafen. Es war vorgesehen, dass zur Rangverkündigung eine kleine Abordnung von näher wohnenden Lernenden mit der neuen Fahne des Vereins erscheinen würde.21 Am 5. November 1938 gründeten acht ehemalige Trogener Schüler und KTV-Mitglieder in Zürich die Sportliche Hochschulverbindung Rhodia Turicensis, deren Existenz vorerst nur von kurzer Dauer war, da sie wegen mangelnder Führung und Streitigkeiten schnell wieder auseinanderfiel. Auch wenn sie ihre erste Bewährungsprobe nicht bestanden hatte, führte ein zweiter Versuch im Wintersemester 1942/43 zum Erfolg und hatte bis zum 18. November 2006 Bestand. Dann löste sich die Aktivitas an ihrer Hauptversammlung im Restaurant Bahnhof in Wollishofen auf, da sie nur noch fünf Mitglieder umfasste, wovon eines seit einem Jahr verschollen war. Das Stammlokal im Keller des Palmhofs an der Universitätsstrasse in Zürich wurde auf Mitte 2007 gekündigt und das Inventar bei Altherren eingestellt oder entsorgt.22 Erstmals seit der Gründung des KTV organisierten die Aktiven 1945 einen KTV-Abend, der über die folgenden Jahre zu einem Couleurball anwuchs, zu dem auch die Lehrerschaft und Freunde umliegender Kantonsschulturnvereine geladen wurden. Unterstützung fanden sie bei Rektor Wohnlich, der der Hoffnung Ausdruck gab, dass dieser fröhliche und kameradschaftliche Anlass zur Tradition werde. Als Mitglieder eines Mädchenturnvereins der Kantonsschule Trogen beteiligten sich Schülerinnen bereits Ende der 20er-Jahre an Wettkämpfen. Doch ist die Gründung einer solchen Vereinigung in der Zeit bis zum Schuljahr 1949/50 nicht aktenkundig. Erstmals erscheint ein Text zum Mäd-


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