Eugen Auer Ein Appenzeller namens … Band 5
Appenzeller Verlag Leseprobe
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Eugen Auer
Ein Appenzeller namens … Band 5
Appenzeller Verlag
© 2021 by Appenzeller Verlag, CH-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten. Illustrationen: Regula Baumer Herstellung: Verlagshaus Schwellbrunn ISBN 978-3-85882-848-4 www.appenzellerverlag.ch
Seit 20 Jahren publiziert Eugen Auer Texte, die er nicht als Gedichte, sondern als gereimte Glossen verstanden haben will. Er kommentiert in seinen Zeilen aktuelle Ereignisse aus Politik, Kultur und Gesellschaft mit feinem, verstecktem Spott, geistreich und witzig. Zwischen 2001 und 2017 erschienen die Texte unter der Rubrik «Freispiel» in unregelmäs sigen Abständen in der Appenzeller Zeitung, später auch im St. Galler Tagblatt und anderen Titeln des Medienunternehmens CH-Media. Seit 2018 erscheint die Rubrik «Ein Appenzeller namens …» monatlich im Appenzeller Magazin. Im Appenzeller Verlag sind ausgewählte Glossen Eugen Auers in vier Bänden in mehreren Auflagen erschienen, die alle vergriffen sind. Rechtzeitig zum 20-JahrJubiläum von «Ein Appenzeller namens …» erscheint nun der fünfte Band. Marcel Steiner, Verleger September 2021
Vorwort
Ein Appenzeller namens Bauer
las kürzlich einen Vers von Auer: «Ein Appenzeller namens Bauer …» Da wurde Bauer aber sauer. Er fand, es reime sich zwar meist, doch scheine es ihm mehr als dreist, dass Auer, ohne ihn zu fragen, mit hinterhältigem Behagen der Versperson, die eher kleinlich und so humorlos, dass es peinlich, den guten Namen Bauer gebe, womit er ihn, der still hier lebe, mit diesem kleinen Geist vergleiche und indirekt als das bezeichne. Er rief bei Auer an, empört, und sprach, der Vers sei unerhört. Erst war zwar Auer sehr erstaunt, doch sagte er dann gut gelaunt, dass es in all den vielen Jahren nie ganz konkrete Menschen waren, auf die sein Epos sich bezog, doch nach geführtem Dialog, das schliesse er aus Bauers Ton, diesmal schon.
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Der Appenzeller Gantenbein
schlief abends spät mit Zahnweh ein, und als der Morgen angebrochen mit einem grauenhaften Pochen, sprach Gantenbein: Das wird ja heiter, die Wurzel schwimmt bereits im Eiter. Aus Angst vor einem Zähneziehn nahm er einstweilen Novalgin, jedoch man ahnt, es wurde schlimmer. So fand sich denn im Wartezimmer des Zahnarzts bald schon Gantenbein von Furcht erfüllt und schweissnass ein und starrte angstvoll an die Wand, auf welcher sich ein Bild befand mit einem Mann, der schmerzverzerrt im Coiffeurstuhl das Maul aufsperrt, faustdick geschwollen seine Wange, dieweil der Coiffeur mit der Zange am Eckzahn reisst, verkrampft und bös. Kaum lag dann Gantenbein nervös und alles andere als cool beim Zahnarzt im Behandlungsstuhl, verspürte von der Prozedur er kaum ein kleines Stichlein nur und durfte, ohne Schmerz zu fühlen, nach einer Viertelstunde spülen. Der Zahnarzt liess den Nächsten bitten. Gut, dass inzwischen fortgeschritten, sprach Gantenbein, betäubt im Munde, die Zahnheilkunde.
Ein Appenzeller namens Klaus
ging munter in ein Möbelhaus, um einen Schreibtisch zu erstehen, den er im Fenster jüngst gesehen, mit Fach und Korpus an den Seiten. Wir liefern das Objekt beizeiten, hiess es, worauf nach kurzer Weile bei Klaus, zerlegt in Einzelteile, der Schreibtisch in zwei Schachteln kam, die Klaus verblüfft entgegennahm samt Bauplan zum Zusammensetzen. Lass uns den Schraubenzieher wetzen, sprach Klaus zu seiner Schatzimaus. Er legte auf dem Boden aus, was in den Schachteln sich befand, und nahm die Arbeit an die Hand, die zügig nach dem Plan verlief, doch stand der Tisch am Ende schief. Der Plan, fand Klaus, sei nicht exakt, es blieben übrig, falsch gepackt, drei Schrauben und zwei Eisenteile. Klaus holte darauf eine Feile und kürzte flugs ein Schreibtischbein, da brach der linke Korpus ein. Der Tisch stand immerhin gerade, doch klemmten Fächer und Schublade. Ergrimmt sprach nun zur Maus der Klaus, der Bausatz stimme nicht die Laus, zurück damit ins Möbellager. Da nannte ihn sein Schatz Versager! Der Ehesegen hing nun schief. Gekränkt nahm Klaus das hin und rief, sein Selbstbewusstsein wurde kleiner, einen Schreiner.
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Ein Appenzeller namens Klein
fuhr in den Ferien jüngst nach Stein und sah sich das Museum an. Er fand: Das hab ich wohl getan, erwarb sich einen kühlen Trank und suchte eine freie Bank. Da leider keine unbesetzt, gesellte er zu guter Letzt sich einer jungen Dame bei und fragte sie, woher sie sei. Vom Libanon, gab sie bekannt. Dann Klein, erneut an sie gewandt: Und wie gefällt es Ihnen hier? Und sie darauf: So hab ich mir das Paradies einst vorgestellt als saftig grüne Hügelwelt mit grossen Bäumen voller Laub, mit kühlen Winden ohne Staub, im Bach das Wasser frisch und klar, aus jeder Brunnenröhre gar, ein Frieden wie hier bei den Bänken. Das gab dem Klein doch sehr zu denken. Es könnte unbemerkt gar sein, wir lebten hier, so dachte Klein, umweht von einer kühlen Brise, im Paradiese.
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Ein Appenzeller namens Heller
war seinerzeit Industrieller, veräusserte das Unternehmen und sah nun einer ganz bequemen, sorglosen Alterszeit entgegen. An Autos war ihm nicht gelegen, auch nicht an Wellness oder Jachten. Fünfsterneschwer zu übernachten, in Hauben-Restaurants zu speisen und auf dem Meer herumzureisen, war ihm und seiner Gattin fremd. In Jeans und einem blauen Hemd sah man ihn oft im Garten wirken und auf der Bank bei seinen Birken des abendlichen Friedens wegen mit einem Buch der Ruhe pflegen. Einst fragte ihn sein Nachbar Braun im Zwiegespräch am Gartenzaun, weshalb er sich denn gar nichts gönne. Dass er sich Luxus leisten könne, sei doch wohl weitherum bekannt. Die Antwort Hellers war frappant: Ich führe stets ein Luxusleben! Der wahre Luxus ist ja eben, dass man die Möglichkeiten sieht und in Betracht sie alle zieht, jedoch, Braun hörte das verdutzt, gar nicht nutzt.
Ein Appenzeller namens Brand
im hügeligen Vorderland war punkto Umwelt aufgeschlossen, ass anstatt Fleisch oft Sojasprossen, war flugschamhaft, was er betonte, und freute sich da, wo er wohnte, des Blicks ins grüne Högerland. Die Freude allerdings entschwand, als Brand von einem Plan erfuhr, wonach man daselbst die Natur, indem man Wind in Strom umwandle, durch einen Windradturm verschandle. Brand kämpfte vehement dagegen, natürlich nur der Vögel wegen, bis das Projekt schlussendlich starb. Dem Umweltschutz zulieb erwarb Brand dann ein Auto, strombetrieben. Stolz zeigte er es seinen Lieben. Da fragte Kurtli, was das nütze, wieso der Chlapf die Umwelt schütze, wenn man den Strom vom Ausland hole, vermutlich gar aus brauner Kohle. Erneuerbar sei doch das Wort – Strom vor Ort.
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