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Appenzeller Weihnachtsgeschichten

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esther ferrari Appenzeller Weihnachtsgeschichten

Appenzeller Verlag Leseprobe

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. © Appenzeller Verlag www.appenzellerverlag.ch


Esther Ferrari

Appenzeller Weihnachtsgeschichten Illustrationen: Katja Niderรถst

Appenzeller Verlag


© 2020 by Appenzeller Verlag, ch-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten. Umschlaggestaltung: Daniela Saravo unter Verwendung eines Aquarells von Katja Nideröst Gesetzt in Minion Pro Regular und Gotham Rounded Herstellung: Verlagshaus Schwellbrunn isbn 978-3-85882-839-2 www.appenzellerverlag.ch


Inhalt Einleitung 7 Vom Engeli Zuusli 9 Vom kleinen Engel Zuusli 21 En öserigi Wienachtsgschicht 32 Eine Weihnachtsgeschichte aus dem Appenzellerland 41 De Vetter Theophil 50 Vetter Theophil 60 S Engeli met de Schterneträänli 70 Das Engelchen mit den Sternentränen 79 E Chrippeschpiil im Schtall 87 Ein Krippenspiel im Stall 100

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Einleitung Meine Weihnachtsgeschichten nähren sich von Erlebtem, von Ereignissen in der eigenen Familie und von Gehörtem. Manchmal habe ich zwei oder drei Geschichten in eine einzige verwoben. Alles entspringt meiner Erinnerung, alles fusst auf tatsächlich Geschehenem. Da ist der alte Bauer, der am späten Nachmittag eines Heiligabends schweratmend nach seinen entlaufenen Ziegen sucht. Da ist das Schaf, das in der Heiligen Nacht in unserem Ställchen ein Junges bekommt. Die ganze Familie sitzt still daneben, und die Jüngste schläft friedlich in der Futterkrippe. Eine andere Geschichte erzählt vom Kein-Brot-Habenam-Weihnachtsabend. In der Geschichte vom Engel Zuusli sagt das Kind auf dem Friedhof: «Gell, die Schutzengel können nicht überall sein. Manchmal kommen sie zu spät!» Mit diesen Worten tröstete sich meine kleine Enkelin, als sie im nahen Bekanntenkreis einen tödlichen Bergunfall miterleben musste. Eine Jugendfreundin hat mir zur Geschichte von Zuusli kleine Engelchen gestrickt. Diese hängen in der Weihnachtszeit immer bei mir irgendwo an einem Ast. Die Geschichte von Vetter Theophil basiert auf einem Erlebnis meiner Mutter Mina und ihrer beiden Schwestern. Schmunzelnd hatte sie, die gern jasste, jeweils von ihrem Vetter und von den Teufelskarten erzählt.

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Ich liebe die langen Abende im Dezember und das Geschichtenerzählen. Besonders liebe ich die bib­ lische Geschichte vom Kind im Stall. Und ich freue mich, wenn meine Geschichten in diesem Büchlein Ihnen Hoffnung, Freude und Frieden bringen. Esther Ferrari Urnäsch, im Advent 2020

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Vom Engeli Zuusli Es isch emol en chlinne Engel gse, dä isch met villne andere Engel im Himmel obe deheem gse. Die Engeli hönd zäme gsunge, musiziert ond e fröölechs Lebe kaa. Vor Freud hönd s mengmol au Pörzelbömm gmacht of de weiche Wolkedeckene. Ganz gsittet isch es dibii zue ond her gange, denn die Engeli hönd erni schöne Flögeli nüd wele vebonggele ond erni Kleidli nüd wele dreckig mache. Enzig de Zuusli isch e n Uusnam gse. Sis Hoor isch nüd gschträäled worde, d Fingernegel hönd schwarzi Rändli kaa ond siis Chleid öberal Flecke ond Löcher. Wäsche hät er sich scho gad gäär nüd wele. S Wasser schtinki noch Schtaub, hät er phopted. Will er all eso vezuuslet gse isch, hät mer em no de Zuusli gsääd. Wenn de Erzengel Gabriel de Zuusli hät möse wäge näbes zrechtwiise oder e Machtwort schpreche, hät er en mit sim richtige Namme gruefe: Angelino Angeletto. Es isch of d Wienacht zuegange. Alli Engeli sönd of de Obed em Punkt fööfi in grosse Himmelssaal iiglade gse. E Schtond früener als sös. Dei isch jede Tag vor em Nachtesse e ganzi Schtond lang Engelsgsang güebt worde. Das hät amel eso herrlech tönt, dass dene, wo zueglosed hönd, s Herz vor Freud aa­ gfange hät hüpfe. Hüt aber sönd alli Engeli im Kreis zäme gsässe ond hönd gschpannt drof gwaartet, wa de oberscht vo de Engel, de Erzengel Gabriel, ene hät wele säge.

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«Schö, das er alli pünktlech cho sönd», hät er die Schar begrüesst ond i d Rondi glueged. «Mer wend öös dröber onderhaalte, was Er wend mache, wen Er, wie all Johr wäred de Adventsziitt, d Mensche of de Erde bsueched. Er wend jo allne näbes z lieb tue, wo eu selber au freut. Drom daar jedes sini Ufgob selber wäle.» «I möcht im Chenderschpitol Chend bsueche!» «I möcht met alte Lüüt schpile.» «I möcht de gröscht Chrischtbomm aazönde!» «Bitte, alli schö de Reie noo!» De Engel Gabriel hät möse Rue büüte. «Alli döred eri Wünsch vorbringe.» «De Zuusli fäält!», hät di chli Ria gruefe. «De hät vegesse, das mer früener mönd doo se.» I dem Moment isch d Töre ufgschpickt. Vezuuslet wie all isch de Zuusli iegschtürmt. «Wa? Er sönd scho doo?» «Dei isch no en Platz frei.» De Engel Gabriel hät of de leere Schtuel nebed de Elawap zäged. Si hät di allerschönscht Schtimm vo allne Engel kaa ond hät alli Lieder aagschtimmt. Ooni si hät niemer aagfange singe. Si isch e chli ewäggrotsched, hät s Näsli grömpft ond em Zuusli zuegflüschtered: «Du schtinksch!» De Zuusli hät ere d Zunge usegschtreckt. «Mer singed e Wienachtslied», hät de Engel Gabriel d Engeli ufgforderet. «Da bringt öös richtig i Schtimmig.» «Joo! Oh Tannenbaum», hät de Zuusli gruefe ond hät aagfange met de Arme fuchtle. Oh Tannenbaum! – D Elawap hät gaad tue, als wör si nütz

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ghöre. Met erne gloggereine Schtimm hät si «In ­Dulce jubilo» aagstimmt, ond sofort hönd alli Engeli mitgsunge, schlussendli au de Zuusli, wenn au e chli widerwillig. D Elawap hät em en Potsch gee met em Eleboge: «Mosch nüd all eso dreebrommle. Du vederbsch s ganz Lied.» Jetzt aber isch de Zuusli ufgjockt ond hät met em Fuess of de Bode gschtampfed: «Er sönd soo gemein!» «Angelino Angeletto!», hät de Erzengel Gabriel gsäd. Aber de Zuusli hät scho d Töre hender sich zue­ gschlage. Er isch über d Wolkedecki gjockt, hät dreegreffe, hät d Wolke vezupft und veschtampfed vor Wuet, dass d Fetze gfloge sönd. Erscht wo n er müed gse isch vom Trample, hät er ufghört. Os em Himmelssaal hönd frölechi Schtimme tönt. «Mer bloosed denn Trompete ond Horn.» «Mer musiziered i de Cherche.» «I poliere d Wienachsschterne, das s schö glänzed.» «Ond i singe es Solo i de Kathedrale.» Da isch d Schtimm gse vo de Elawap. So iibildet isch no die, die Scheese. De Zuusli hät d Auge grolled. «Die meent, no sii ellee chö singe.» Em liebschte wär er zrogg i d Wolke. Erscht noch eme Wiili hät er d Töör vom Himmelssaal en Schpalt wit ufgmacht ond isch iegschloffe. «So, bisch au wider bi öös», hät en de Engel Gabriel begrüesst. «Du häsch jo de ganz Himmel voll Schäfliwolke zaubered.»

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«Zuusliwolke!» Di chlii Ria hät met dene Wort alli zom Lache broocht. No d Elawap hät verächtlech s Chöpfli dreit: «Dene schöne Wölkli wör i gwöss nüd Zuusliwolke säge.» S häd nüd vil gfäält, ond de Zuusli wär wider ab­ ghaue. Aber er hät sich beherrscht. «Dar i au wünsche, wa n i of de Erde mache wet?» Jetzt aber hät de Engel Gabriel ganz ernscht dreeglueged: «Es tot mer lääd, du bisch ewäggloffe. En Ämtli ha n i kes me för di. Wenn d of d Erde abe wotsch, mosch dini Ufgob selber sueche.» Dem vezuuslete Engel isch e Träänli i de n Auge gschtande. Warted no, hät er trötzled, i fönd scho näbes. E paar Tag schpöter isch er met de andere Engel wiit öber d Milchschtross of d Erde abe gfloge. «Em Morge noch de Heilige Nacht zor föfte Schtond im grosse Himmelssaal», hät e ne de Engel Gabriel noegruefe. Onne aachoo, hönd sich d Engeli a d Ärbet gmacht. No de Zuusli häd nüd gwesst, wa n er aafange söll. Jede Tag isch er of de Schtrosse ommeghanged. Er het au gern näbes aapackt, wenn er no gwösst het, waa. Mengmol sönd di andere Engeli a em vebiigfloge ond hönd em gwunke. Denn hät er wider erni fröliche Schtimme oder erni Musig ghört. Zoberscht of em Cherchturm hät de Zuusli di chlii Ria gsä, wie si sich anere Glogge hebed ond met ere hi ond her schwingt. E paar Engeli sönd öber Wienachtsbömm gschwebt, anderi gschäftig i Hüser ii- ond uusgange. Si sönd glücklech gse met erne Ufgob. No er nüd.

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Do gsied er zmol e chligwachsni, rondlechi Frau, vollpackt met Täsche, wo grad häd wele d Schtross öberquere. Eren Schnuuf isch müesam gange, so schwer hät si z träge kaa. Da chönnt doch en Ufgob för mi se. De Zuusli isch zo nere ane ond hät gfrooget: «Dar i Ene helfe?» D Frau häd en bös aaglueged: «Häsch wohl gmänt, i gäb der mini Täsche, ond du chönnsch abhaue met ene. I kenne die Art vo Schelme. Mach das augeblicklech veschwindsch.» «Aber», hät de Zuusli gschtotteret, «i will doch nütz schtele, i bruuch doch Erni Täsche nüd.» «Hau ab, du Schlingel, sös rüef i de Polizei.» En Auto hät ghuuped. Os eme Warehus isch Wienachtmusig klunge. Öb ächt do au Engel mithelfed? Vor em Iigang isch en eltere Maa gschtande. Omschtändlech hät er probiert, os sim Mantelsack näbes use z züche. De Zuusli hät gsäe, wie zwee Taschedieb i d Nöchi choo sönd. Blitzschnell isch en vo dene met de Hand ane ond hät dem Maa s Portmonnee gnoo ond sim Kolleg wiitergee, ooni das es de Maa gmerkt hät. De Zuusli hät nüd lang öberläät ond hät da ­Gschtole wider zrogggholt. D Schelme sönd ve­ schprunge. Wo de Zuusli aber dem Maa de Geld­ seckel hät wele i d Hand gee, hät er en zünftige Schlag is Gsicht öberchoo: «Hilfe, en Schelm, en Räuber!» «I ha doch Ene no wele s Portmonnee zroggbringe. I bi doch ken Räuber, i bi en Engel!» «Jetzt lüügt de Saubueb no! Hebed en fescht!» De Zuusli hät gad no chöne veschwinde, bevor en

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zwee Securitaswächter feschtgnoo händ. S Aug hät em wee tue vom Schlag. De Tag vom Heilige Obed isch aabroche, ond all no hät de Zuusli no niemertem chöne e Wienachtsfreud mache. Er hät sich of e Tännli gsetzt i de Nöchi vom Fredhof ond hät d Mensche beobachtet, wo Cherze of de Greber aazönt hönd. E Muetter met zwää Chend isch dör d Reie gloffe. Bim ene frische Chendergräbli händ s aaghalte, wo chorz vorane ganz lang en Maa ond e Frau gschtande sönd. E Liechtli hät brennt. Nebet eme chline Marmorengel isch e Windrädli im Bode gschteckt. «Worom lauft s nüüd?», hät es vo de Chend gfroo­ ged. «Es isch ebe windstill», hät d Muetter gsät. Do hät de Zuusli ganz ordeli aagfange bloose. «Lueg, jetzt bewegt sich s Windredli», hät s ander Chend gflüschteret. «Döt henderem Schtee setzt en Engeli, ond dä bloost. Ganz sicher!» Schtuunend händ alli drüü glueged, wie sich s Windrädli dreit hät, ooni dass e Löftli gange isch. «Wärom isch de Chrigeli gstorbe?», hät ees vo de Chend gfrööged. «Gäll, sis Mami ond de Papi sönd sicher truurig. Hönd denn d Schutzengeli nüd ufpassed?» «D Schutzengeli chönd denk nüd öberall se», häd s ander Chend gsäät. «Mengmol chömmed s halt au z schpoot, wenn s vill z tue händ.» Wo de Zuusli das ghört hät, isch em gse, als öb er scho all gwesst het, wa sini Ufgob isch. En Schutzengel hät er wele se. Denn wärs em sicher nie mee lang-

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wilig. Interessiert hät er omeglueget. An ere schteile Schtrooss sönd drüü Buebe of eme Schlette gsässe. I rasanter Faart isch abwärts ggange. Gjuuchzet händ all drüü. In n ere Kurve hät s es gschleudert. De Schlette hät en Haag dörbroche, s hät en öberschlage, ond er isch gägene Muur prallt. Im letschte Moment hät de Zuusli die Buebe vom Schlette abegropft. Metenand sönd s in en Schneehuffe iegrotscht. E Frau hät gschraue, en Maa isch z schpringe choo: «Isch eu nütz passiert? Er hetted jo chöne Hals ond Bee breche. Er händ denn aber en bsondere Schutzengel kaa!» Vetatteret sönd d Buebe doo gschtande. Gaad händ s de Zuusli no gsäe veschwinde. I em vo sim Flügel hät s e Ressli kaa. I de Nöchi vom Maartplatz häd er wider de alt Maa gsää met em Portmonnaie. Hilflos isch er vor eme Geldautomat gschtande. De Code isch em nomme in Sii choo. Scho zwämol isch d Charte zroggchoo. Hoffetli ned s em si nüd ie. «Drüü, föf, zwää, nüü», hät em de Zuusli is Ohr gflüschteret. Tatsächlech häts funktioniert. «Passed Si aber guet ofs Geld uuf.» De Maa hät sich ommdreit: «Da isch doch …» «Eren Schutzengel», hät de Zuusli glached ond hät de vedutzt Maa schtoo loo. Au de Frau met de Täsche isch er wider begegnet. Si isch gad öber de Trottoirrand gschtolperet. De Zuusli hät ere gholfe ufschtoo. «Si sönd wie en liebe, rettende Engel», hät si gschtrahled. «Si chönd mer irgendwie bekannt vor.»

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S hät aagfange iidunkle, ond de Zuusli isch öbers Appezellerland ond bis of Sanggalle, öber Hüüser ond Schtrosse, gfloge. Os de grosse Kathedrale hät er Musig ghört ond e Schtimm so schö wie vo mene Engel. Da cha no d Elawap se. Ees mos mer ere loo: Singe chaa si!, hät er denkt. Wienacht of de Erde. Worom chan i nüd all of de Erde bliibe? Do isch soo vill los, ond d Ziit vegoot soo gschwind, wem mer näbes Richtigs z tue hät. Di Heilig Nacht isch aabroche. In ere Legende häässt s, dass denn Tier schwätze chöned. «Pass uuf und lueg guet», hät e Rehmuetter zom chline Reh gsät, «bevor d Schtross öberquerscht. Da isch gföörlech.» Aber s chlii Reh isch scho gschprunge. Blendet vome Schiiwerferliecht isch es schtoo blebe. S wär sicher aagfaare worde, wenn nüd de Zuusli iigreffe het. Au en Fochs, en Marder ond e Wildschwii hät er vor em sichere Tod chönne bewaare. En Nachtvogel wär in e Autoschiibe gfloge, wenn en de Zuusli nüd zroggghebed het. Of de Schtroosse hät s wörkli Schutzengel bruucht! Mitternacht isch scho lang vebii gse. «I mos hee zue», hät de Zuusli e chli truurig vor sich he gsäd. «Wie schad, jetz, wo s intressant werd. Aber damol wil i nüd z schpoot in Himmelssaal choo.» Gaad wo n er hät wele in Himmel flüüge, ghört er en luute Ufprall of de Autobahn. En Auto hät aa­ gfange brenne. Vier jungi Mensch sönd dren gsässe. De Zuusli hät d Töre ufgropft. S Füür hät sini Händ aabrennt, sini Hoor ond d Augebraue. Aber s isch em glunge, di Bewusstlose os em Auto ond vom Füür

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ewäg z züche. Denn hät er de Notruef betätiget, isch of d Schtrooss gschtande ond hät de Vecheer gregled, bis d Füürwehr ond d Polizei cho sönd. Die hönd nüd schlecht gschtuuned, wo s die vier Lüüt, wo i dem ­Auto gsässe sönd, ooverletzt gfonde hönd. E Wonder! E richtigs Wonder, das es dene nütz gmacht hät. Do isch en richtige Schutzengel ome gse. Wie schpoot isch s öberhopt? De Zusli hät s Zit­ gfüül veloore gha. So schnell, wie n e hät chönne, isch er dör d Milchschtrooss gfloge. Do gsiet er zmol, aagleent ane Schternli, näbert am Bode höckle. E herzerweichends Schluchze hät er ghört: «I fönde de Heeweg nomme.» D Elawap! De Zuusli hät of da Engeli, wo uusgsäe hät wie n e Hüüfeli Elend, aaglueget. Scho hät er vegesse, as er all met ere im Schtriit gse isch. Er isch jo schliessli jetz en Schutzengel. «Heb di a mer!» Er hät ere sis aabrennt Nastüechli gee, das si hät chönne d Trääne abwüsche. Zäme sönd s in Himmel ue gfloge. Os em grosse Saal hönd vill Schtimme tönt. Ali Engeli sönd am Vezelle gse. S hät us ene use gschprudlet wie us ere frische Quell. «Mer mönd no warte met Singe, d Elawap isch no nüd doo!», hät d Ria gruefe. «Die hät natürli wele eren Applaus gnüüsse», hönd e paar Engeli gschpöttled. I dem Moment isch d Elawap zor Tör ie choo. «Fanged no aa», hät sie fründlech gsäd ond eres Näsli potzt. «Hei, wa isch met dere passiert? Si hät doch sös all wele aaschtimme.» «Ond wo isch de Zuusli?»

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«Typisch, er cha sich wider emol nüd a d Abmachige halte.» Aber scho isch er doo gse ond hät wie all di dreckige Hend am Engelschleid abpotzt. «Wie dee wider uusgsiet!» «Ond daa am himmlische Wienachtsfescht!» «Er schtinkt noch Rauch, sini Hoor sönd vebrennt.» «En Flögel isch ganz schwarz.» «Wa hät dee wider aagstellt!» D Elawap hät em gwunke. «Chomm, Zuusli, doo nebed mer hät s no Platz!» «Wa isch los?» «Du häsch en doch nie möge schmecke?» Alli Engeli hönd dörenand gschwätzt. «Rueh!», hät de Engel Gabriel gruefe. «Jetz mönd er lose. De Zuusli hät sibe Mensche grettet, vier vor e paar Schtond os eme brennende Auto. Er isch en richtige Schutzengel. Er dar vo hüt aa, wenn er will, zo jeder Ziit of d Erde abe. Schutzengel sönd dei dringend nötig.» «De Zuusli en Schutzengel!», hönd ali gruefe ond sis Lieblingslied aagstimmt: «Oh Tannenbaum.» Villschtimig isch da Lied dör de wiit Himmels­ ruum gklunge. Verosse hät s dämeret. De Morge vom Wienachtstag isch aabroche. Rosafarbegi Wölkli sönd am Himmel gschwebt. D Elawap hät use zääged: «Lueged, di sebe schöne Zuusliwolke.» Di chli Ria hät schtraalend gnickt. Aber de Zuusli häts nomme ghört. Sin Chopf, wo grad no a d Schultere vo de Elawap aagleened gsi isch,

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isch langsam of eren Schooss abegrotscht. Ordeli, das en nüd ufweckt, hät si en richtig anebettet. Er hät tüüf gschlofe wie en ooscholdige Engel, de chlii Angelino Angeletto. Er, wo sich nie hät wele wäsche ond s Wasser gschoche hät, hät vomene woolig warme Bad trommt. Es hät so guet nach Erde gschmeckt.

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Vom kleinen Engel Zuusli Es war einmal ein kleiner Engel, der wohnte zusammen mit vielen anderen Engeln im Himmel. Die kleinen Engel sangen zusammen, musizierten und hatten ein fröhliches Leben. Vor lauter Freude machten sie manchmal Purzelbäume auf den weichen Wolkendecken. Ganz gesittet ging es dabei zu und her, denn die Engelchen wollten ihre schönen Flügel nicht zerknittern und ihre Kleidchen nicht schmutzig machen. Einzig Zuusli war eine Ausnahme. Seine Haare waren nie gekämmt, seine Fingernägel hatten schwarze Ränder und sein Kleid überall Flecken und Löcher. Waschen wollte er sich schon gar nicht. Das Wasser stinke nach Staub, behauptete er. Weil er immer so zerzaust war, wurde er von allen nur Zuusli genannt. Nur wenn der Erzengel Gabriel Zuusli zurechtweisen oder ein Machtwort sprechen musste, rief er ihn mit seinem richtigen Namen: Angelino Angeletto. Es ging auf Weihnachten zu. Alle Engel waren auf punkt fünf Uhr in den Himmelssaal geladen worden. Eine Stunde früher als gewöhnlich. Dort wurde jeden Tag vor dem Nachtessen eine ganze Stunde lang Engelsgesang geübt. Das klang immer so herrlich, dass denen, die zuhörten, das Herz vor Freude zu hüpfen begann. Heute jedoch sassen alle Engel im Kreis und warteten gespannt, was der oberste der Engel, der Erzengel Gabriel, ihnen sagen wollte.

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