Appenzeller Verlag Leseprobe
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Zuckerschleck & Mehlgebäck Teigfiguren und Zuckerkunst von Appenzell bis China
Ernst Hohl-Kulturstiftung Appenzell Schriftenreihe Haus Appenzell Band 15
INHALTSVERZEICHNIS
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Prolog – Ernst Hohl, Stiftungspräsident Vorwort – Dr. Zhao Qinghua, Generalkonsul der Volksrepublik China in Zürich und für das Fürstentum Liechtenstein Vorwort – Daniel Fässler, Ständerat und alt Landammann Appenzell Innerrhoden Chlausebickli und Devisli – zwei kunstvolle und zuckersüsse Weihnachtstraditionen aus Appenzell Innerrhoden – Roland Inauen Süsse Anschauungsbeispiele: von Chlausebickli über Eierzuckerfiguren, Springerle bis Devisli Appenzeller Devislimaler/innen und ihre Werke Zuckerkunst: Geschichte und Formen – Ewald Notter Zuckerkünstlerin Marion Schön und ihre Werke Teigtradition und Teigkunstwerke aus China – Hao Hohl-Yu Chinesische Teigkünstler/innen und ihre Werke Dank Impressum
PROLOG
Die Idee, die Jahresausstellung im Haus Appenzell einmal einem etwas «süsseren» Thema zu widmen, das in Form von bemalten Lebkuchen und Zuckerteigbildchen im weihnächtlichen Appenzeller Brauchtum gründet, wurde in unserem Team immer wieder andiskutiert. Lange tat ich mich schwer, dieses Thema konkret anzugehen. Zu grosse Probleme sah ich in der Beschaffung und Aufbewahrung der zuckrigen Ausstellungsstücke. Daneben war es mir aber auch ein Anliegen, ein Pendant zur appenzellischen Tradition in einem anderen Kulturkreis zu finden. Tatsächlich sind wir im Laufe unserer Recherchen fündig geworden! Einmal mehr sind wir dabei in den chinesischen Provinzen Shaanxi, Shanxi und Shandong, die zu den vielseitigsten und interessantesten im Land der Mitte gehören, auf drei Orte gestossen, in denen Traditionen gelebt werden, die gewisse Parallelen zu den appenzellischen Devisli und Chlausebickli aufweisen. Sie finden ihren Höhepunkt nach dem chinesischen Frühlingsfest, welches unserem Neujahr entspricht, und auch sie entstehen aus essbaren Rohmaterialien, haben mit Teig, Farben, Zurschaustellung und Schenken zu tun. Die eingehende Auseinandersetzung mit der chinesischen Teigfigurenkunst vergegenwärtigte uns deren Formenvielfalt und Buntheit in der Bemalung. Die Figuren erinnerten mich immer wieder an Patchwork-Arbeiten aus China, aber auch an die im Appenzellerland gepflegte farbenfrohe Bauernmalerei. Dass sich der bekannte Bauernmaler Albert Manser als gelernter Konditor einst mit Akribie der Devislimalerei widmete, war eine weitere unerwartete Entdeckung. Ich lade Sie nun ein in die Welt von «Zuckerschleck und Mehlgebäck». Der reich bebilderte Katalog und unsere Ausstellung mit den prachtvollen Kunstwerken aus Zucker und aus Teig sollen sie verzaubern und in Bekanntes wie Fremdes eintauchen lassen. Ernst Hohl, Präsident der Ernst Hohl-Kulturstiftung Appenzell Oktober 2019
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VORWORT DR. ZHAO QINGHUA
Das aktuelle Jahr markiert das 70-jährige Jubiläum der Gründung der Volksrepublik China, und im Jahr 2020 jährt sich die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Schweiz zum 70. Mal. Die Schweiz war eines der ersten westlichen Länder, welches die Regierung der Volksrepublik China anerkannte. Die tiefe Freundschaft zwischen den beiden Ländern blickt nicht nur auf eine langjährige Geschichte zurück, sie hat auch stetig an Bedeutung gewonnen und neue Horizonte geöffnet. Die Beziehungen beruhen auf regelmässigen Besuchen auf Staatsebene, der Vertiefung des politischen Vertrauens und der Ausweitung der pragmatischen Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen. Gleichzeitig dient der Kulturaustausch als unsichtbare Brücke, welche die Herzen unserer beiden Völker verbindet und bis heute nachhaltige Wirkung zeigt. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat hervorgehoben: «Bei den Beziehungen zwischen Staaten kommt es auf die Freundschaft der Menschen an.» Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hat die Schweiz in Bezug auf die Beziehungen zu China auch deshalb eine Vorreiterrolle eingenommen, weil beide Nationen gemeinsame Tugenden teilen: Fleiss, Innovationskraft und Kompromissbereitschaft. Diese Mentalität spiegelt sich auch in der traditionellen Volkskunst beider Länder wider. Das Haus Appenzell mit Herrn und Frau Hohl fördert seit seiner Gründung den Kulturaustausch zwischen der Schweiz und China und hat mit Ausstellungen wie «Wenn Ost und West sich begegnen», «Landleben, gemalt», «Nadelkunst» sowie «KUhLToUR» viel zum gegenseitigen Verständnis zwischen den Völkern beigetragen. Auch die Ausstellung «Zuckerschleck und Mehlgebäck – Teigfiguren und Zuckerkunst von Appenzell bis China» bringt die traditionelle Volkskunst beider Länder zum Ausdruck: Sie präsentiert auf der einen Seite Teigfiguren aus China, deren Tradition seit über zweitausend Jahren im Einzugsgebiet des Gelben Flusses und damit dem Ursprung des chinesischen Volkes wurzeln, auf der anderen Seite die traditionelle Zuckerkunst aus Appenzell als wichtiger Bestandteil des Schweizer Brauchtums. Ich hoffe, dass die Besucherinnen und Besucher in dieser Ausstellung erkennen, dass Menschen aus allen Ländern trotz unterschiedlicher Geschichte, Geographie und Politik die Sehnsucht nach Kultur und Schönheit teilen. Ich bedanke mich beim Haus Appenzell und allen Mitwirkenden, die diese Ausstellung ermöglicht haben, und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Dr. Zhao Qinghua Generalkonsul der Volksrepublik China in Zürich und für das Fürstentum Liechtenstein
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SÜSSES UND SCHÖNES AN WEIHNACHTEN
Der Brauch, die Stube mit einem Chreschtbomm und einem Chreppeli zu schmücken und sich zu beschenken, ist zumindest seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Appenzell Innerrhoden fester Bestandteil der Weihnachtsbräuche. Doch Ende des 19. Jahrhunderts war noch nicht in allen Häusern ein Chreschtbomm anzutreffen. Dieser setzte sich wie in vielen anderen ländlichen und katholisch geprägten Gegenden der Schweiz erst im Laufe der Zeit durch. Stärker verbreitet war der Chlausezüüg, ein in einem hölzernen Milchnapf stehender «Turm» voller schöner, zumeist süsser und essbarer Köstlichkeiten, rundherum mit Chlausebickli und Dewiisli geschmückt. Obenauf ein weihnächtliches Chreschtbömmli aus Kunststoff, vereinzelt auch ein Pfutscheli, also eine kleine Jungtanne. Anstelle der Chlausebickli gab es noch in den 30er-Jahren auch bemalte Bilder nur aus Zucker. Seit einiger Zeit erlebt der Chlausezüüg eine eigentliche Renaissance. War der (essbare) Chlausezüüg ursprünglich in vielen Familien das einzige Geschenk für die Kinder, wurde er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielerorts als Ergänzung zum Chreschtbomm weitergepflegt. Jede Familie hat für den Aufbau und die Gestaltung des Chlausezüüg ihre eigene Tradition. Nur der Chlaus, der ursprünglich im Verborgenen für das Vorbeibringen der Chlausebickli und für den Aufbau «zuständig» war, spielt kaum mehr eine Rolle. Heute wird der Chlausezüüg mehrheitlich als dekoratives Element der Adventszeit verstanden und damit zunehmend auch öffentlich sichtbar. Zu hoffen bleibt, dass dabei der familiärintime Charakter und die damit verbundene Individualität des Brauches nicht verloren gehen. Das Team des «Haus Appenzell» hat sich mit der Ausstellung «Zuckerschleck und Mehlgebäck» einem für die Familien von Appenzell Innerrhoden sehr wichtigen Brauch angenommen. Dass dabei auch für dieses Thema ein Pendant im grossen China gefunden wurde, ist beeindruckend. Alle, die zum Gelingen dieser Jahresausstellung beigetragen haben, verdienen ein grosses Vegöltsgott! Daniel Fässler Ständerat und alt Landammann Appenzell Innerrhoden
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CHLAUSEBICKLI UND DEVISLI – ZWEI KUNSTVOLLE UND ZUCKERSÜSSE WEIHNACHTSTRADITIONEN AUS APPENZELL INNERRHODEN Appenzell Innerrhoden ist bekannt für seine grosse Vielfalt an Weihnachtsbräuchen, welche im wahrsten Sinne des Wortes alle Sinne zu begeistern vermögen. Traditionell beginnt die Weihnachtszeit an Allerheiligen mit den Auslagen der farbenprächtigen Chlausebickli (bemalte Lebkuchen) in den Schaufenstern der Konditoreien. In den Bäckereien gibt es traditionelle Zopfgebäcke wie Filebrood, Filering, Tafle Zöpf und Tafle Vögl. Das Prunkstück der Innerrhoder Weihnachten ist der Chlausezüüg, eine mit Chlausebickli und Devisli (Bildchen aus Zuckerteig) bestückte Weihnachtspyramide. Vorläufer der Chlausebickli in München Die Vorläufer des Appenzeller Chlausebickli sind in der Münchner Lebzelterei zu suchen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kreierte die Lebkuchenfabrik «Ebenböck» die so genannten Künstlerlebkuchen, deren Entwürfe in der Tat von Kunstmalern und Grafikern stammten. Mit Hilfe von perforierten Schablonen wurde das Bildmotiv auf die Lebkuchen übertragen und die Umrisslinien wurden mit Zuckerspritzguss erhöht, worauf die dazwischenliegenden Flächen mit Pinsel und Flüssigglasur eingefärbt werden konnten. Die Neuigkeit fand in Kunst- und Familienzeitschriften begeisterte Aufnahme und gleichzeitig Eingang in die Konditorei-Fachliteratur. Infolge des zu aufwändigen Herstellungsverfahrens wurde jedoch die Produktion noch vor dem Ersten Weltkrieg wieder eingestellt. Herstellung der Innerrhoder Chlausebickli Die Künstlerlebkuchen aber leben in einer etwas anderen Herstellungsweise in Form der Innerrhoder Chlausebickli weiter, welche von ansässigen Konditoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts kreiert wurden. Beim Chlausebickli wird auf einen ungefüllten Honiglebkuchen zuerst mit einer Schablone ein Zuckerguss aufgetragen. Damit ist der Umriss des Bildes gegeben. Auf diesen Zuckerguss wird in einem zweiten Schritt im Siebdruckverfahren die Zeichnung appliziert. Am Schluss erfolgt die Bemalung der einzelnen Flächen, und schliesslich wird das ganze Bild mit einer hellgrünen oder weissen gewellten «Zuckerstrasse» unterstrichen. Ab 1900 priesen die einheimischen Konditoren ab November ihre «Appenzeller Lebkuchen» oder eben Chlausebickli an. Namhafte Künstler kreierten Entwürfe, die noch auf heutigen Chlausebickli zu finden sind. Darunter der Maler Hans Caspar Ulrich (1880–1950), der für den kunstverständigen Konditor Wilhelm Fässler in Appenzell Chlausebickli-Motive entwarf. Auch verzierten einzelne Bauernmaler wie Johann Baptist Zeller (1877–1959)
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Münchner Künstlerlebkuchen. Abbildung aus dem Lehrbuch «Die Lebkuchenfabrikation» von Gustav A. Parton, 1909. Chlausebickli zwischen Vorfenster und Fenster zur Adventszeit in Appenzell.
oder Josef Anton Moser (1859–1920) während Jahren Chlausebickli und schufen mit grossem Zeitaufwand bei bescheidenem Taglohn eigentliche Kunstwerke. Noch heute werden die Chlausebickli in den Konditoreien «Laimbacher» und «Fässler» in Appenzell von Hand hergestellt und bemalt. Der Name «Bickli» stammt übrigens von «bicken», in der Bedeutung von «ausstechen», «in die Augen stechen». Der Begriff wurde früher allgemein für etwas Wertvolles gebraucht. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Chlausezüüg wohl etwa ähnlich stark verbreitet wie heute der Christbaum. Er galt als eigentliches Prunkstück des innerrhodischen Weihnachtsbrauchtums. Der damalige «Züüg» bestand zur Hauptsache aus runden Filebroten und Fileringen, die in der Form eines Kegels in einem Milchnapf aufeinandergeschichtet wurden. Zuunterst in den Napf kamen Nüsse und gedörrte Birnen. Nicht fehlen durften auch rotbackige Chlausenäpfel, die lagenweise in den Chlausezüüg kamen. Mit Holzstiften befestigte man rundherum die Chlausebickli. Die Spitze des Chlausezüüg bildete ein künstliches Christbäumchen, das bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts über den Versandhandel bestellt werden konnte. Die ebene Standfläche des Bäumchens bildeten einige aufeinandergeschichtete Biberfladen. Der fertige Chlausezüüg hatte die Form einer imposanten Lebensmittelpyramide. Ab Allerheiligen wurden den Kindern von Pate, Patin und anderen Verwandten Chlausebickli geschenkt. Die süssen Gaben durften jedoch nicht sogleich verzehrt werden, sondern sie wurden zuhause zwischen Fenster und Vorfenster aufbewahrt und mit der bemalten Seite nach aussen oder innen zur Schau gestellt. In der zweiten Hälfte des Advents holte sie der «Chlaus» (St. Nikolaus) bei Nacht ab, weil er sie – so die Erklärung der Eltern – für den Züüg benötigte. Am Heiligabend wurden die Kinder vorübergehend von der Stube ferngeChlausezüüg – der Innerrhoder Christbaum
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halten. Dies ermöglichte es dem (unsichtbaren) Chlaus, den Chlausezüüg aufzurichten und in die Stube zu stellen. Der Chlaus (und nicht das Christkind) ist auch der Überbringer der Geschenke. Ein Weihnachtsgeschenk wird im Innerrhoder Dialekt «Chlause» genannt und das Einkaufen desselben «chläusele». Je nach Familientradition wurde mit dem vollständigen Verzehr des Chlausezüüg bereits an Weihnachten oder aber erst nach Neujahr begonnen. Ein wesentlicher Bestandteil des Chlausezüüg ist das Filebrood beziehungsweise der Filering. Die Herkunft des Namens konnte bis jetzt nicht endgültig geklärt werden. Kommt er vom griechischen «philos»? Dann wäre es ein «Liebesbrot». Wird er vom so genannten «Feilbäcker» abgeleitet, der im 18. und 19. Jahrhundert besonders feine Brote herstellte? Oder kann der Wortteil «File» gar als Anlehnung an «Filigran»-Schmuck, der ebenfalls kunstvoll «geflochten» ist, gedeutet werden? «Filebrood» oder «Bröötis» sind die Oberbegriffe für Gebildebrote, die vorwiegend in der Weihnachtszeit in verschiedenen Flechtarten hergestellt werden. Der Filering ist ein Vierfach-Hochzopf in Ringform, während das Filebrood ein rundes Gebilde darstellt mit einem ungeflochtenen Aussenring und einem Vierfach-Flachzopf sowie sechs Teigstücken in SForm in der Mitte. Zwei weitere Varianten sind die so genannten Tafle Vögl, vier geflochtene Vögel zu einer quadratischen Tafel zusammengeführt, oder die Tafle Zöpf. Anstatt geflochtener Vögel sind es hier vier Zöpfe. Speziell am Filebrood-Teig ist, dass er keine Butter enthält. Er wird nur aus Weissmehl, Milch, Pflanzenfett, Hefe und Salz hergestellt. Bröötis und Filebrood werden in der Regel zusammen mit Butter, Konfitüre oder Bienenhonig genossen. Als traditioneller Brotaufstrich gilt der so genannte «Steenlihung», ein speziell hergestellter Kunsthonig.
Filebrood und Filering oder Bröötis
Die Lebensmittelrationierung während des Ersten und Zweiten Weltkrieges hatte zur Folge, dass zu wenig Filebrood für den Chlausezüüg bezogen werden konnte. Weil die Innerrhoderinnen und Innerrhoder aber auf keinen Fall auf den Züüg verzichten wollten, kamen findige Köpfe auf die Idee, dessen «bröötiges» Inneres durch ein fünfeckiges, sich nach oben verjüngendes Holzgestell zu ersetzen, das so zum Träger der verschieden grossen Chlausebickli wurde. Seither ist fast nur noch diese Form des Chlausezüüg gebräuchlich. Devisli und Flitter verdecken das Holzgestell, wo man es zwischen den Chlausebickli sehen könnte. Die Chlausebickli und die Devisli werden in der Regel nicht mehr verzehrt, sondern über Jahre wiederverwendet.
Chlausezüüg mit Filebrood, Filering, Biberfladen, Äpfeln, Nüssen und gedörrten Birnen im Innern, 1958.
Das Holzgestell
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Blick in die ehemalige Bäckerei Fuchs an der Hauptgasse in Appenzell, 1964. Im Vordergrund links Filebrood mit dem ungeflochtenen Aussenring und einem Vierfach-Flachzopf.
Die ersten Devisli in Appenzell wurden um 1860 von einem deutschen Konditor namens Grob nach dem Vorbild der süddeutschen Anisbrötchen, den «Springerle», hergestellt. Der Name «Devisli» leitet sich von «Devise» (Sinnspruch) ab, mit denen die Zuckerbilder früher häufig versehen waren. Nach dem Tod Grobs führte die Familie von Maria Lutz-Fanoni, einer früheren Mitarbeiterin des deutschen Konditors, die Devisliproduktion weiter. Die Devisli der Familie Lutz entstanden zwischen zirka 1920 und 1940 und wurden mit Modeln geprägt, gebacken und anschliessend auf einfache Art bemalt. Später haben die Konditorenmeister von Appenzell die Devisliherstellung auf eine neue kunsthandwerkliche Stufe gebracht, indem sie die kleinen Kunstwerke mit Cornet und Zuckerguss schufen. Mit derselben Spritzguss-Technik stellte auch der bekannte Bauernmaler Albert Manser (1937–2011), der gelernter Konditor war, zahlreiche exklusive Devisli her. Devisli – ein deutscher Import
Unbemalte Springerle, im Hintergrund Holzmodel.
Eine eigentliche Renaissance der Devisli bewirkte um 1970 der heimatverbundene Zeitungsredaktor Walter Koller (1921–1975). Nach seinem frühen Tod führte seine Frau Lydia das Kunsthandwerk weiter. Lydia Koller (1920–2012) prägte ihre Devisli mit zum Teil historischen Modeln. Die aus Zucker und Weissmehl hergestellten Devisli wurden nicht gebacken, sondern getrocknet und anschliessend bemalt. Ähnliche Zuckerteigdevisli wurden auch vom Konditormeister Josef Laimbacher (*1929) hergestellt. Eine neue und eigenständige Technik entwickelte um 1980 Vreny Eugster-Dörig (*1951). Sie modelliert ihre Figürchen frei aus der Hand – ihr einziges Werkzeug ist ein Zahnstocher – und platziert sie auf einem vorher gefertigten und getrockneten Zuckerteigboden. Zuletzt werden die Zuckergebilde kunstvoll bemalt. Die Devislitradition lebt auch heutzutage weiter: Mehrere Frauen jüngerer Generation, darunter Jeannine Wetter oder Sylvia Manser, stellen Devisli in den beschriebenen Techniken (v.a. Prägen und Modellieren) her und bemalen sie. Roland Inauen Leiter Museum Appenzell und regierender Landammann Appenzell Innerrhoden
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SÜSSE ANSCHAUUNGSBEISPIELE: VON CHLAUSEBICKLI ÜBER EIERZUCKERFIGUREN, SPRINGERLE BIS DEVISLI
Entwürfe für Chlausebickli Hans Caspar Ulrich, für Café Conditorei Fässler, Appenzell
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Entwürfe für Chlausebickli Hans Caspar Ulrich, für Café Conditorei Fässler, Appenzell
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Chlausebickli, Stickerin CafĂŠ-Confiserie Laimbacher, Appenzell 19 x 15 cm
Chlausebickli, Cellospieler CafĂŠ-Confiserie Laimbacher, Appenzell 19 x 15 cm
Chlausebickli, Schellenschütten Café-Confiserie Laimbacher, Appenzell 15 x 23 cm
Chlausebickli, Käsen Café-Confiserie Laimbacher, Appenzell 15 x 23 cm
Chlausebickli, Hierigpaar Café-Confiserie Laimbacher, Appenzell 15 x 23 cm
Chlausebickli, Taufe Café-Confiserie Laimbacher, Appenzell 15 x 23 cm
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Figuren aus Eierzucker SĂźddeutschland um 1900 Sammlung Alfred DĂźnnenberger, Baar
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Springerle Süddeutschland 1. Hälfte 20. Jahrhundert Sammlung Alfred Dünnenberger, Baar
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Devisli, Kuh mit Schelle K체nstler unbekannt um 1850 12 x 18 cm Museum Appenzell
Devisli, K채mpferische Appenzeller B채ren K체nstler unbekannt um 1850 11 x 18 cm Museum Appenzell
Devisli, Weihnachtskrippe Künstler unbekannt undatiert 15 cm Ø Museum Appenzell
Devisli, Wilhelm Tell mit Walter Künstler unbekannt um 1901 15 cm Ø Museum Appenzell
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Devisli, Mann mit Esel KĂźnstler unbekannt um 1810 10 x 17 cm Museum Appenzell
Devisli, Beim Sticken und Spinnen in der Stube KĂźnstler unbekannt um 1850 17 x 22 cm Museum Appenzell
Devisli, Erkenne dass ein Gott ist KĂźnstler unbekannt undatiert 13 cm Ă˜ Museum Appenzell
Devisli, Streiten zwei Partheien, so melken die Advokaten KĂźnstler unbekannt undatiert 10 x 15 cm Museum Appenzell
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Devisli, Edler Mann KĂźnstler unbekannt um 1850 20 x 9.5 cm Museum Appenzell
Devisli, Frau in Tracht KĂźnstler unbekannt um 1850 21 x 10 cm Museum Appenzell
Devisli, Senn mit Fahreimer KĂźnstler unbekannt um 1850 21 x 10 cm Museum Appenzell
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APPENZELLER DEVISLIMALER/INNEN UND IHRE WERKE
ALBERT MANSER, 1937–2011
Albert Manser gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der naiven Malerei. Aufgewachsen auf einem Bauernhof auf dem Hirschberg oberhalb Appenzell kannte er den bäuerlichen Alltag seit seiner Kindheit und half mit den Geschwistern im elterlichen Betrieb mit. Früh schon begann er mit Zeichnen und hielt Tiere, Scheunen, Bauernhäuser und die Appenzeller Landschaft auf Papier fest. Seine gestalterische Begabung war denn auch ausschlaggebend für die Berufswahl: Nach einer dreijährigen Konditorlehre in St. Gallen wendete Manser seine Fertigkeiten in der Herstellung und Verzierung kunstvoller Süssigkeiten in verschiedenen renommierten Konditoreien an. So entstanden u.a. in dieser Zeit zahlreiche dekorative Devisli – eigentliche Kunstwerke aus gespritztem und bemaltem Zucker. Mansers Lehrmeister und Sammler der Senntumsmalerei Jakob Spörri ermunterte ihn, Gemälde nach traditionellen Vorlagen zu malen. 1966 stellte Manser zum ersten Mal aus und hatte auf Anhieb Erfolg. Ab da widmete er sich ausschliesslich der Malerei. Popularität über die Grenzen hinweg erlangte er mit seinen reich illustrierten Kinderbüchern «Albertli» und «Barbara». Eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten machte sogar die «New York Times» auf ihn aufmerksam, die ihn mit der naiven amerikanischen Malerin Grandma Moses verglich. Zur Ehrung seines Lebenswerks erhielt Albert Manser 2010, kurz vor seinem Tod, den Innerrhoder Kulturpreis.
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VRENY EUGSTER-DÖRIG, *1951
Vreny Eugster-Dörig kam als Tochter einer Bauernfamilie in Appenzell zur Welt. 1982 begann sie, sich der Herstellung von Devisli und damit einem Stück Innerrhoder Weihnachtsbrauchtum zu widmen. Das traditionelle Handwerk hat sie nach ihren eigenen Ideen angepasst und weiterentwickelt. Mit grosser Fingerfertigkeit modelliert EugsterDörig frei von Hand Figürchen aus Eiweiss-Zuckerteig und platziert sie auf einem vorher ausgewallten und zugeschnittenen Zuckerteigbödeli. Als Werkzeug zur Ausformung der Figuren und Bilder dienen ihr einzig Zahnstocher. Anschliessend werden die Zuckergebilde aufwendig mit Wasserfarben bemalt und mit einem Schutzlack versehen. Eugster-Dörigs Devisli zeigen Szenen aus dem bäuerlichen Alltag im Appenzellerland wie auch weihnächtliche Motive. 1984 entwickelte sie den so genannten «Devislizüüg», eine Holzpyramide in Anlehnung an den traditionellen Chlausezüüg, die mit zahlreichen Devisli behängt ist. Nach drei Jahrzehnten erfolgreicher Tätigkeit mit den filigranen Zuckerbildchen ist heute die moderne, abstrakte Malerei Vreny Eugster-Dörigs neue Herausforderung und Leidenschaft.
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Devisli, Weihnachtskrippe Albert Manser 11 x 15 cm
Devisli, Weihnachtskrippe mit Abendstern Albert Manser 10 x 19 cm
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Devisli, Samichlaus KĂźnstler unbekannt 5.5 x 4.5 cm
Devisli, Maria und Josef mit Christkind Albert Manser 6.5 x 6.5 cm
Devisli, Samichlaus mit Knecht Ruprecht Jeannine Wetter 7.5 x 7.5 cm
Devisli, Samichlaus bringt Brot Albert Manser 6.5 x 7.5 cm
Devisli, Angst vor dem Samichlaus Albert Manser 6 x 7 cm
Devisli, Samichlaus Vreny Eugster-Dรถrig 7 x 6.5 cm
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