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25 Vgl. Velten Wagner (Hg.), Paul SchadRossa (1862–1916). Die Wiederentdeckung eines Symbolisten, Kat. Städtisches Museum Engen + Galerie, Engen 2014, S. 111, Abb. 91. 26 Vgl. Ausstellungs­ kataloge des Steiermärkischen Kunstvereins 1898– 1911 und Brandstetter, Steirische Künstler. 27 Vgl. Rudolf List, Kunst und Künstler in der Steiermark. Ein Nachschlagewerk, Bd. 13, Ried im Innkreis 1974, S. 484; Handschrift von Hans Brandstetter, Steirische Künstler, 1921. (Steiermärkisches Landesarchiv); die Biografie der Künstlerin im vorliegenden Katalog. 28 Vgl. Emil Ertl, Der Verein Bildender Künstler Steiermarks, in: Grazer Tagblatt, 25.11.1899.

zum Besuch der Ausstellung bewegen soll. Die Vermutung liegt demnach nahe, dass das abgebildete Werk – sofern es sich hier nicht um eine Detailansicht handelt – ein Entwurf für das Sujet ist, das in weiterer Folge in die Plakat- und Covergestaltung integriert wurde.25 (vgl. Abb. S. 52/Nr. 25) Generell ist festzuhalten, dass vor allem die Plakate für den Kulturbereich ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit besitzen und sich in ihrer Gestaltung neuen Tendenzen aufgeschlossen zeigen. Dies ist nicht zuletzt auf den Einfluss des Auftraggebers zurückzuführen, schließlich bewegt sich die Gebrauchsgrafik – wie der Name bereits verdeutlicht – stets zwischen Zweckgebundenheit und künstlerischer Freiheit. Von Letzterer zeugen auch die später entstandenen Ausstellungsplakate für den Steiermärkischen Kunstverein, wie jenes für die 101. Ausstellung aus dem Jahr 1904, das in zwei unterschiedlichen Textvarianten existiert (Abb. 9, Abb. 10), sowie das Plakat für die 102. Ausstellung aus dem gleichen Jahr. (Abb. 11) Sie tragen die Signatur „LC“, welche vermutlich dem Architekten Leopold Cerny (1877–1941) zuzuordnen ist. Dieser arbeitet zu dieser Zeit aktiv beim Steiermärkischen Kunstverein mit: Er übernimmt die Gestaltung von Ausstellungen wie Katalogumschlägen und beteiligt sich als bildender Künstler an mehreren Ausstellungen des Vereins; überdies ist er Schüler Schad-Rossas.26 Das Monogramm „LC“ könnte jedoch auch auf die Grazer Künstlerin und Lithografin Cora Lauzil verweisen. Sie ist 1881 in Graz als Tochter des Direktors der Grazer Staatsgewerbeschule Carl Lauzil geboren und besucht diese ab 1898 wie auch die Malschule von Constantin Damianos. Aus dieser Zeit stammt das ebenfalls mit „LC“ signierte Plakat für das Deutsche Märchenfest zugunsten des Vereins Südmark aus dem Jahr 1899, das vergleichsweise eine noch zurückhaltende traditionelle Gestaltung vorweist. Lauzil wirkt bis 1907 in Graz und verlässt danach ihre Heimatstadt, um in Leipzig die Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu besuchen, ist aber auch nach ihrer Abreise in Ausstellungen in ihrer Heimatstadt vertreten.27 Cora Lauzil wendet sich im Verlauf ihrer Tätigkeit verstärkt der Illustration, der Lithografie und dem Holzschnitt zu, wodurch sie für den Bereich der Gebrauchsgrafik prädestiniert ist, jedoch spricht eine wesentliche Tatsache gegen die Zuschreibung dieser Plakate an sie: Sie ist Mitglied des Vereins bildender Künstler Steiermarks. Aufgrund der Unstimmigkeiten zwischen dem Verein bildender Künstler und dem Steiermärkischen Kunstverein (Letzterer zeigt sich wiederum dem Grazer Künstlerbund von Paul Schad-Rossa zugetan) ist es auszuschließen, dass eine Künstlerin der konkurrierenden Vereinigung den Auftrag für einen Plakatentwurf des Steiermärkischen Kunstvereins erhält. Demnach stammen die Gebrauchsgrafiken mit der Signatur „LC“ mit hoher Wahrscheinlichkeit von Leopold Cerny. Auf die Situation der Künstlervereinigungen geht Emil Ertl bereits 1899 anlässlich der Gründung des Vereins bildender Künstler Steiermarks ein. Er befürwortet zwar eine gesunde Konkurrenz im Sinne der Qualitätssteigerung, warnt jedoch vor einer ausgeprägten Rivalität. Hierfür sei der Grazer Kreis zu klein und die Kunstszene noch nicht gefestigt genug.28 Das Ausstellungsplakat für die Weihnachtsausstellung des Steiermärkischen Kunstvereins im Jahr 1907 stammt von Else Birnbacher, (Abb. 12) und auch Elfriede Coltelli, die als Künstlerin in Graz und München tätig ist, widmet sich der Gestaltung von Ausstellungsplakaten. Neben dem bereits genannten Plakat zur 109. Ausstellung des Steiermärkischen Kunstvereins im Jahr 1909 (Abb. 4) sind weitere Plakate Coltellis für den Steiermärkischen Kunstverein erhalten, welche ebenfalls dem neuen dekorativen Stil treu bleiben. Es gilt generell festzuhalten, dass um 1900 auffallend viele Frauen als Gebrauchsgrafikerinnen und Lithografinnen in der Plakatkunst ein lukratives Betätigungsfeld finden. Dies ist nicht zuletzt auf die soziokulturellen Veränderungen zur Jahrhundertwende zurückzuführen, da sich auch das Druckwesen wesentlich wandelt.

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Aufbruch in die Moderne? Paul Schad-Rossa und die Kunst in Graz  

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