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TV-Beilagen

Auf hoher See Die unscheinbaren TV-Beilagen „Prisma“ und „rtv“ machen trotz Print-Krise gute Geschäfte mit gedruckter Programmbegleitung. Wie kann das sein? Ein Besuch bei den Machern

Foto: rtv

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ch stehe als Person nicht gerne im Mittelpunkt“, sagt Christina Esser. Und doch sind im Markt der TV-Beilagen gerade alle Augen auf sie gerichtet. Von Düsseldorf aus liefert sich die Geschäftsführerin des Prisma-Verlags ein Fernduell mit Ulrich Buser. Der 46-Jährige steht an der Spitze der rtv Media Group, einer Bertelsmann-Tochter aus Nürnberg. Und gerade wurden er und seine „rtv“ von der acht Jahre jüngeren Esser mit „Prisma“ vom Thron gestoßen – zumindest, was die Auflage angeht. Die Hefte sind Schwestern im Geiste: kleines Format, dünnes Papier, ein paar Seiten für Redaktionelles und viele fürs TV-Programm. Dazwischen sehr viel, meist kleinteilige Werbung. Auflagen und Anzeigengeschäft von “rtv“ und „Prisma“ bleiben riesig, das Anzeigengeschäft boomt – trotz Printkrise. Der Grund: Die Magazine sind zusammen mit der „Apotheken-Umschau“ die letzten großen Millionentitel im Markt und damit wertvoll für die Werbewirtschaft. Während Kaufzeitschriften wie „stern“, „Spiegel“, „Hörzu“ oder „TV Spielfilm“ unter die Millionengrenze gerutscht sind, erreichen „rtv“ und „Prisma“ weiter Millionen älterer, aber gebildeter und kaufkräftiger Leser. Wer über 50 und seiner Tageszeitung treu geblieben ist, hat offensichtlich Zeit und Geld. Er bleibt eine spannende Zielgruppe nicht nur für Treppenlifte, sondern auch für die boomenden Kreuzfahrten. Die werden eher von gut situierten Rentnern gebucht als von gestressten Mittdreißigern. Die „ADAC-Motorwelt“ hat sich aus diesem Wettbewerb verabschiedet. Und so konkurrieren „rtv“ und „Prisma“ um die Anzeigen für die konsumfreudigen Älteren. Die Konzentration der Branche hilft dabei: 2004 übernahm „rtv“ den Konkurrenten „IWZ“ aus Stuttgart, 2009 folgte die „BWZ“ aus Essen. Die Idee der TV-Beilage bringt Hannsheinz Porst in den Wirtschaftswunderjahren aus den USA mit. 1961 erscheint das Heft erstmals, damals noch unter dem Namen „rtw“. Von den Nachahmern ist nur „Prisma“ geblieben. 1977 machen mehrere Verlage im Rheinland gemeinsame Sache und legen ihren Tageszeitungen das Heft bei. Anders als bei „rtv“ sind die Trägertitel bei „Prisma“ Gesellschafter und verdienen mit. Heute verbreitet Christina Esser pro Woche mehr als 7 Millionen Exemplare. Bei Ulrich Buser mit „rtv“ und deren Ablegern sind es 5,7 Millionen. Im Sommer 2018 war das noch anders herum. Seitdem haben Christina Esser und ihr kleines

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