turi2 edition #17 Jobs - Arbeiten in der Kommunikation

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3 Karriere-Tipps von Bascha Mika 1. Setze auf Handwerk, Haltung und intrinsische Motivation – denn auf die von außen ist kein Verlass. 2. Konzentrier dich nicht nur auf deinen Job und wie man ihn gut macht, sondern lerne schnell auch, wie die Branche tickt. 3. Mut ist nicht alles, aber ohne Mut ist alles nichts. Mein Lebensthema.

»Als Chefin ist man immer auch Dienerin der Redaktion« Bascha Mika, Ex-Chefredakteurin, wurde „hardcore katholisch“ erzogen. Das missionarische Gen trägt sie bis heute in sich

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Bascha Mika hat ein eindeutiges Berufsverständnis: Journalistinnen sind „Held:innen der Aufklärung“, als Sauerstoff dient ihnen ihr „ideeller Überschuss“. Sie weiß, dass das „altmodisch und pathetisch“ klingt, doch das kümmert sie nicht. Derlei Tugenden hat die ehemalige Chefredakteurin der „taz“ und der „Frankfurter Rundschau“ in jeder ihrer Redaktionen gefördert, sowie bei Berufseinsteigerinnen, die sie seit Jahrzehnten ausbildet. Mika selbst macht den Journalismus erst mit 33 Jahren zum „Brotberuf“ – „angesichts des damaligen ‚taz‘-Einheitslohns war ja schon Butter nicht mit drin“. Ihr Lebenslauf ist zu diesem Zeitpunkt schon prall gefüllt. Als sie fünf Jahre alt ist, zieht ihre Familie aus Polen nach Aachen. Nach der Schule absolviert Mika eine Banklehre, um die Eltern

zu befrieden. Das anschließende Abitur kann sie machen, weil die „großartige“ Obernonne ihres Gymnasiums ihr eine Chance gibt. Parallel zum Studium und dem UniJob arbeitet sie erstmals als freie Journalistin. Sie startet bei der „taz“ mit Berufs- und Lebenserfahrung und bleibt anders als gleichaltrige Kolleginnen davon verschont, ausbremsende und „langweilige Routinen zu entwickeln“, ausgelöst durch „Abgezocktheit und Zynismus“. Als langjährige Chefredakteurin stoßen Mika die stets begrenzten Ressourcen im Journalismus sauer auf. Führungskräften rät sie zur Demut gegenüber der Leistung der Mitarbeitenden. Zudem wurmt es sie, „wie peinlich männerdominiert unsere Branche ist“. Frauenrechte sind ihr eben „ein Wut- und Kampfthema“. Trotzdem will sie sich als Autorin, noch immer aktiv für die

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„Frankfurter Rundschau“, nicht auf einen Gegenstand einschießen und lässt wieder den Idealismus durchscheinen: „Generalistin zu sein ist großartig, alles andere würde mich langweilen.“

Bascha Mika Geb. 1954 in Komprachcice, Polen 1969 Banklehre 1976 Studium Philosophie, Germanistik und Ethnologie in Bonn und Marburg 1988 Redakteurin, CvD, Reporterin bei der „taz“ 1999 Chefredakteurin der „taz“ 2010 Leiterin des Studiengangs Kulturjournalismus in Berlin 2014 Chefredakteurin der „Frankfurter Rundschau“ 2020 Freie Autorin bei der „Frankfurter Rundschau“


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