turi2 edition #17 Jobs - Arbeiten in der Kommunikation

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»Seht Euer Produkt nicht als starres Etwas« Philip Banse, Erfolgs-Podcaster, hilft Hörerinnen, die Welt zu verstehen. Dafür braucht er auch eine Business-Philosophie

05 Philip Banse Geb. 1972 in Berlin 1995 Studium in Hamburg und Berlin 1995 Berliner Journalistenschule 1997 Beginn freie Mitarbeit beim Deutschlandradio 2005 Podcast „Küchenradio“ 2014 Projekt „Der Sender“ 2016 Podcast „Lage der Nation“

Philip Banse spricht über Jobs im turi2.de/podcast

Philip Banses Job erfordert „Beziehungsarbeit“. In einem „Team auf Augenhöhe“ ist das unumgänglich. Mit Ulf Buermeyer hostet er seit 2016 den Politik-Podcast „Lage der Nation“ – und sagt: „Ich arbeite zu 100 Prozent in Deckung mit meinen Werten und Vorstellungen.“ Knapp 25 Jahre ist Banse schon beim Deutschlandradio aktiv, wo er es schätzt, „absolut unabhängig“ zu sein. Seit 2005 macht er eigene Podcasts, an denen er „inhaltliche und formale Freiheiten“ liebt, deren Finanzierung aber lange schwierig bleibt. Die „Lage der Nation“ verbindet Freiheit und Finanzierung:

Sämtliche Entscheidungen treffen nur die Hosts, auch weil Spenden, Abos, Werbung und Live-Shows das Projekt „sauber finanzieren“. Banses Strategie ist klar: „Lieber klein anfangen und organisch wachsen.“ Das hat er beim „unglaublich lehrreichen“ Scheitern eines Crowdfunding-Projekts erkannt. Die „Lage der Nation“ soll sich daher weiterentwickeln. Er will mehr eigene Recherchen liefern, der Podcast profitiere „enorm von der Arbeit anderer“. Doch auch das eigene Wirken weiß Banse zu schätzen: Wenn er und Buermeyer Menschen ermutigen, sich zu engagieren, „ist das natürlich der Hauptgewinn“.

»Einzelne Journalisten sind meist irrelevant«

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Yasmine M’Barek, Jahrgang 1999, will nicht ständig auf ihr Alter angesprochen werden. „Entweder man wird dafür bewundert oder es wird einem die Kompetenz abgesprochen“, sagt sie. Doch Fakt ist: Die Kölnerin macht sich sehr früh und selbstbestimmt einen Namen. Seit sie 19 ist, schreibt M’Barek für diverse Medien. Noch während sie an der Kölner Journalistenschule studiert, geht sie zu Zeit Online. Ihre Maxime? „Nur machen, was man kann.“ Heißt für sie: Die Bundespolitik auseinandernehmen. Nebenbei packt sie die schönsten Fotos von Markus Söder auf Instagram und ergründet die junge Wählerschaft,

besonders abseits der linksgrünen Bubble. „Woke“ Themen will sie nicht unbedingt bedienen und auch kein „Plakat“ einer Generation sein. Ohnehin bewertet sie ihre Arbeit nicht zu hoch. Erst das Kollektiv im Journalismus erschaffe den „transparenten, notwendigen Zugang für die Öffentlichkeit“, sagt sie. Profis seien gerne mal „zu arrogant“. Sie selbst will bloß ein wenig dazu beitragen, „dass die Debattenkultur nicht an Fronten verhärtet“. Passend dazu heißt ihr erstes Buch „Radikale Kompromisse”. Würde sie nicht selbst Bücher schreiben, würde sie wohl welche verkaufen – oder wäre ein „überbewerteter französischer Präsident“.

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Fotos: PR, Marcel Schwickerath

Yasmine M’Barek, Redakteurin bei Zeit Online, hat mit Anfang 20 ihr erstes Buch herausgebracht. Abheben ist nicht ihr Stil

Yasmine M’Barek Geb. 1999 in Köln 2019 Podcast „Auf einen Polittee“ 2021 Redakteurin im Ressort X von Zeit Online 2022 Buch „Radikale Kompromisse“

Tipp: „Niemals Dinge machen, weil andere sagen, dass man dann mehr vorweisen kann“


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