turi2 edition #17 Jobs - Arbeiten in der Kommunikation

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»Alle haben ihn. Und niemand redet darüber« Daria Oniér, Domina, Therapeutin und Aktivistin, war mal Erzieherin. Heute hilft sie Menschen, über Sex zu sich selbst zu finden

96 Daria Oniér Geb. 1977 in Niedersachsen 1996 Ausbildung zur Erzieherin 2000 verschiedene Stationen als Erzieherin 2010 heilpädagogische Weiterbildung 2013 Sexarbeiterin und Domina 2015 Therapeutin

Tipp: „Alles darf sein und was sein darf, kann sich verändern“

Mit Menschen forschen – so umschreibt Daria Oniér ihre Arbeit. Früher sind es Kinder und Jugendliche, denen sie als Erzieherin hilft, ins Leben zu finden. Doch nach 13 Jahren im Beruf brennt sie aus. Über ein Praktikum als Domina gelangt sie in die Welt der Sexarbeit. Heute offeriert Oniér Massagen, Sexualassistenz, BDSM-Sessions – und Sexualtherapie. Beide Bereiche sind eine „Forschungsreise in die Tiefen unergründeter Welten“, sagt sie. Sex sei nach wie vor ein Tabuthema. „Menschen haben alle viele Masken und Rollen und versuchen

zu verbergen, wer sie wirklich sind.“ Ihr Ziel: den Menschen hinter der Maske berühren – seelisch oder körperlich. Das gelingt ihr durch genaues Fragen und ehrliches Feedback, das weder be- noch verurteilt. Oniér engagiert sich auch als Aktivistin, um zu verhindern, dass Sexarbeit weiter tabuisiert oder verboten wird. Sie findet ihren heutigen Job „weitaus angenehmer“ als den früheren, nicht nur aus finanziellen Gründen: Sie helfe Menschen, sich selbst zu erkennen. Und ist sich sicher: „Es geht der Welt etwas besser, wenn es nur einem Menschen darauf etwas besser geht.“

»Der Tag ist gelungen, wenn alle noch leben« Nicole Staudinger, Schriftstellerin und Trainerin, hat sich nicht unterkriegen lassen – auch nicht von einer Krebsdiagnose. Heute verhilft sie anderen zu Resilienz und Schlagfertigkeit

Fotos: Stefan Knittel, privat, Stefan Neumann

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Mit dem Planen hat Nicole Staudinger aufgehört. Ihren Beruf als Schlagfertigkeitstrainerin hat sie selbst erfunden. Um zu tun, was immer ihr Traum war: Auf der Bühne stehen und Menschen unterhalten. „Ich befinde mich ständig auf Umwegen“, sagt sie, „und besteige die Berge dann, wenn sie da sind“. Einen gewaltigen Berg hat sie bereits erklimmen müssen: Die zweifache Mutter macht sich 2014 als Trainerin selbstständig – kurz darauf wird bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Noch während der Chemo beginnt sie mit dem Schreiben. „Brüste umständehalber

abzugeben“ wird ein Bestseller. Inzwischen sind sechs weitere Bücher von ihr erschienen. Staudinger hält Seminare und Vorträge über Schlagfertigkeit, Resilienz und Frauen in Führungspositionen. Sie spricht auch über ihre Erkrankung. Einen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit gibt es für sie nicht mehr: „Das ist für mich alles Lebenszeit.“ Dass sie im Job für alles selbst verantwortlich ist, sei das Beste, aber auch das Schlimmste daran. Auch eine „Schlagfertigkeitsqueen“ kennt Selbstkritik: Sie würde sich selbst gerne weniger wichtig nehmen. „Und meinen Drang zum Kurzeuphorischen gezielter einsetzen.“

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Nicole Staudinger Geb. 1982 in Köln 2005 Als ausgebildete Verlagskauffrau Anzeigenleiterin für Magazin-Verlage 2014 Zertifizierte Trainerin, Firmengründung, Krebsdiagnose 2015 Erstes Buch: „Brüste umständehalber abzugeben“ 2020 Gründung der „AKADEme“ für Frauen, Podcast „Scheiter Heiter“ 2022 Siebte Buchveröffentlichung: „Leicht gesagt“


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