turi2 edition #17 Jobs - Arbeiten in der Kommunikation

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»Kreativität entsteht durch offene Augen und Ohren« Siv Bublitz, Verlegerin bei S. Fischer, studiert ins Blaue hinein. Dann findet sie in der Buchbranche berufliche Erfüllung

69 Siv Bublitz Geb. 1960 in Hamburg 1980 Studium Literaturwissenschaft, Linguistik und Philosophie in Hamburg 1990 Lektorin, später Verlagsleiterin bei Rowohlt 1994 Promotion über Theorien sprachlicher Bedeutung 2004 Programmleiterin, später Geschäftsführerin bei Ullstein 2017 Geschäftsführerin Programm und Strategie beim S. Fischer Verlag, später Verlagschefin

Die 250 Titel, die jährlich bei S. Fischer erscheinen, sollen Vielfalt spiegeln. Das ist Siv Bublitz wichtig: „Die Entscheidung, wofür wir uns engagieren wollen und wofür eben auch nicht, prägt unser Verlagsprogramm.“ Literatur müsse „Widersprüche nicht auflösen, sondern kann sie gestalten“. Enthusiasmus ist für Bublitz die „natürliche Grundhaltung“ des Verlags. Durch ihre Adern fließt die Sprache. Schon als Kind liebt Siv Bublitz das Lesen. Während der Promotion testet sie verschiedene Berufsfelder. Schule, Buchhandlung, Redaktion – nach drei Tagen im Verlag weiß sie,

dass sie „nie wieder etwas anderes machen will“. Berufsanfängerinnen rät sie, sich auszuprobieren: „Viel umschauen, sich nicht zu schnell festlegen.“ Von der Schreibmaschine zum digitalen Manuskript, vom MännerClub in der Geschäftsführung zu mehr Gleichberechtigung – Bublitz erlebt viele Veränderungen der Branche. Auch ihren Verlag will sie modifizieren und bei Neueinstellungen bewusst auf Diversität achten. Ihre Liebe zur Literatur ist dafür beständig: „Bücher bieten Erkenntnis, Kritik und Inspiration, manchmal auch Vergnügen, Trost oder Glück und nicht selten Schönheit.“

»Kritik ist ein Widersacher von Motivation« Andreas Arntzen, CEO bei Wort & Bild, war früher erfolgreicher Hockey-Torwart. Deutsche Meistertitel gewinnt er noch heute – mit der Auflage seiner „Apotheken Umschau“ Gesundheitswesens stresst stärker. Arntzen klagt, dass die Branche digital „einige Jahre hinterher“ hinkt. Eine Geduldsprobe für den Digital-Pionier. Er baut um die Jahrtausendwende ein Job-Portal für Holtzbrinck, gründet die Partnerbörse Parship und tritt als Investor auf. Die Vita des fast zwei Meter großen Managers ist gefüllt: „Wenn ich das Gefühl hatte, dass es langweilig wird, habe ich mich umorientiert.“ Beim Wort & Bild Verlag ist das offenbar nicht der Fall. Arntzen führt ihn seit 2016 – am liebsten „durch Lob, Fragen und Ideen“. Und mit Optimismus: „Der Glaube kann Berge versetzen“, sagt Arntzen.

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Andreas Arntzen Geb. 1967 in Hamburg 1989 Hockey-Karriere und BWLStudium in Hamburg 2000 Gründung Parship 2002 CEO des Zeitverlags 2004 CEO der Handelsblatt-Gruppe 2006 COO bei Madsack 2014 NZZ-Geschäftsführung 2016 CEO des Wort & Bild Verlags

Andreas Arntzen spricht über Jobs im turi2.de/podcast

Fotos: Kouneli Media/Lea Schmitt, PR, WuB/Margaretha Schweski

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Dass er in 20 Jahren einen Medien-Riesen führen wird, ahnt Andreas Arntzen in den 90ern nicht. „Arntzi“ hütet damals das Hockey-Tor der Nationalmannschaft. Beruflich folgt er dieser Passion: Er studiert BWL und gründet im Sport-Einzelhandel. Heute macht Arntzen gesunde Geschäfte im beschaulichen Baierbrunn: Zwischen Zwiebel-Kirchturm und Isar-Lauf entsteht die „Apotheken Umschau“, deren stabile Millionen-Auflage und Werbeeinnahmen von der Münchner MedienSchickeria neidisch beäugt und teils imitiert werden. Der Ärger darüber ist verraucht, die Digitalisierung des